Schweiz am Sonntag, Graubünden, 14.6.2015 - Martullo

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Schweiz am Sonntag, Nr. 159, 14. Juni 2015
GRAUBÜNDEN 39
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Ems-Chefin greift tief in die Tasche
Magdalena Martullo-Blocher investiert 35 Millionen Franken in neue Produktionsanlagen
Die Ems-Chemie baut den
Werkplatz Domat/Ems weiter
aus. Damit können neue
Arbeitsplätze geschaffen und
die Produktionskapazitäten
gesteigert werden.
DASS DIE EMS-CHEMIE erneut in ihren
Bündner Werkplatz investiert, war zunächst gar nicht so sicher. Man habe
sich auch überlegt, die Produktionsanlagen in Deutschland zu bauen. «Wir haben dann aber gesehen, dass es besser
ist, in Ems zu investieren, weil dort Synergien genutzt werden können», erzählt Martullo-Blocher. Die Standortqualität Domat/Ems ist für den Konzern
nach wie vor intakt. Die hohen Löhne
und die Frankenstärke sind keine Gründe, um abzuwandern. Das Unternehmen könne diese Standortnachteile
wettmachen, in dem es effizienter werde und innovative Produkte entwickle,
glaubt sie.
VON DARIO MORANDI
F
ür Magdalena Martullo-Blocher ist eines klar: «Wegen der
Frankenstärke müssen wir
jetzt Gas geben», erklärt die
Konzernchefin der Ems-Chemie im Gespräch mit der «Schweiz am
Sonntag». Und damit meint sie «zusätzliche Aufträge möglichst schnell hereinholen». Diese Strategie ist offenbar von
Erfolg gekrönt. Denn die Ems-Chemie
kann ihre Produktionskapazitäten in
Domat/Ems aufgrund voller Auftragsbücher erneut hochfahren.
UM DER STEIGENDEN NACHFRAGE nach
Werkstoffen für den Leichtbau gerecht
zu werden, entstehen im Herzen des
Werksgeländes zurzeit zwei neue fünfstöckige Fabrikationsgebäude mit einer
Gesamtkubatur, die etwa 35 Einfamilienhäusern entspricht. Die Bauten nehmen am September 2015 beziehungsweise ab Mitte 2016 nach nur fünf und
15 Monaten Bauzeit hochkomplexe Anlagen für die Herstellung von Hochtemperatur- und Metallersatz-Kunststoffspezialitäten auf. Diese Materialen werden in erster Linie im Automobilbau verwendet.
Besprechung vor Ort: Ems-Konzernchefin Magdalena Martullo-Blocher lässt sich von den Unternehmern Markus Patt,
Thomas Mettler und Yvo Vitali (von links) die Bauabläufe erklären.
OLIVIA ITEM
Mit den neuen, 35 Millionen Franken teuren Investitionen kann nach
Martullo-Blochers Angaben die Produktion von Metallersatz-Kunststoffen um 32 und jene der Hochtempera-
turkunststoffe um 35 Prozent gesteigert werden. Mit Ausnahme der eigentlichen Anlagen, die nur von Anlagenbauern im Ausland angeboten werden,
hat die Ems-Chemie gemäss den Wor-
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ten der Konzernchefin alle Aufträge
für die Realisierung des Neubauprojekts in Domat/Ems im Wert von 15
Millionen Franken in der Region vergeben.
IN DER BÜNDNER BAUWIRTSCHAFT, die
stark unter den Folgen der Einschränkung des Zweitwohnungsbaus leidet,
sind die Aufträge der Ems-Chemie selbstverständlich willkommen. «Betriebe wie
die Ems-Chemie sind für uns gerade jetzt
sehr wichtig», sagt Thomas Mettler. Er ist
Mitinhaber und Delegierter des Verwaltungsrats der Churer Bauunternehmung
Zindel Gruppe, die das Projekt der EmsChemie zusammen mit Partnern umsetzt. Der Wettbewerb sei härter geworden, weil der Zweitwohnungsbau weggebrochen sei und jetzt Baufirmen aus der
Peripherie vermehrt ins Churer Rheintal
drängten. Mit dabei auf dem Werkplatz
der Ems-Chemie ist ausserdem Markus
Patt. Der Geschäftsleiter des Kübliser
Stahl- und Maschinenbauunternehmens
Terno AG sieht es ähnlich wie Mettler:
Das Engadin sei in baugewerblicher Hinsicht so gut wie tot.
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