gedanken hewstone

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Warum haben Ostdeutsche mehr ethnische Vorurteile?
Eine empirische Analyse.
Bachelorarbeit
im Studiengang B.Sc. Psychologie
an der
FernUniversität in Hagen
Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften
Institut für Psychologie
Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre,
Diagnostik und Evaluation
Erstgutachter:
PD Dr. Oliver Christ
Name:
Anne Lorenz
Matrikelnr.:
Telefon:
email:
Abgabedatum:
10.06.2016
2
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Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
3
Tabellenverzeichnis
3
Abkürzungsverzeichnis
3
Zusammenfassung
4
1.Einleitung
6
2.Theoretische Hintergründe
9
2.1. Grundbegriffe und Abriss der Vorurteilsforschung
9
2.2. Analyse der Situation in Ostdeutschland
12
2.2.1.
Situationsbeschreibung
12
2.2.2.
Autoritarismus
15
2.2.3.
Kontakthypothese
18
2.2.4.
Relative Deprivation
20
2.3. Hypothesen
22
3.Methode
24
3.1. GMF-Survey
24
3.2. Stichprobenbeschreibung
24
3.3. Vorgehen und Material
26
4.Ergebnisse
28
4.1. Deskriptive Statistik
28
4.1.1.
Fremdenfeindlichkeit im Ost-West-Vergleich
28
4.1.2.
Drittvariablen
31
4.1.3.
Interkorrelationen
33
4.2. Inferenzstatistik
34
4.2.1.
Vorgehen
34
4.2.1.
Fremdenfeindlichkeit im Ost-West-Vergleich
36
4.2.2.
Mediationsanalysen
36
5.Diskussion
41
5.1. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
41
5.2. Methodische Reflexion - Grenzen der Untersuchung
45
5.3. Implikationen für Theorie und Praxis
48
5.4. Abschließende Gedanken
50
6.Literatur
50
Pressemitteilung
59
Anhang
61
3
!
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1. Stichprobenzusammensetzung: Frauen und Männer in
Ost- und Westdeutschland.
25
Abbildung 2. Zustimmende Aussagen in Prozent der Befragten aller
Variablen im Ost-West-Vergleich.
32
Abbildung 3. Mediationsmodell: Zusammenhang von Ost-West-Zugehörigkeit und dem Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit mit
den vier untersuchten Mediatoren.
37
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1
Angaben zu den Items der Skala Fremdenfeindlichkeit in
Prozent der Befragten im West-Ost-Vergleich
Tabelle 2
29
Zustimmung zu den Items der Skala Fremdenfeindlichkeit
in Prozent der Befragten bezogen auf die demographischen Merkmale
Tabelle 3
Zusammenhangsmaße: Skala Fremdenfeindlichkeit und
demographische Variablen
Tabelle 4
31
Angaben zu den Items der Skalen Autoritarismus und
Kontakt in Prozent der Befragten im West-Ost-Vergleich
Tabelle 5
30
61
Angaben zu den Items fraternale und individuelle relative
Deprivation in Prozent der Befragten im West-Ost-Ver-
Tabelle 6
gleich
62
Interkorrelationen der Untersuchungsvariablen
34
Abkürzungsverzeichnis
DDR
Deutsche Demokratische Republik
GMF
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
PEGIDA
Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes
4
!
Zusammenfassung
In Untersuchungen der Vorurteilsforschung wird immer wieder festgestellt,
dass es in Ostdeutschland höhere Werte von Fremdenfeindlichkeit gibt als in
Westdeutschland. In dieser Arbeit wird nach Antworten gesucht, wie dieser
Unterschied erklärt werden kann. Die Sekundäranalyse basiert auf Daten einer repräsentativen Befragung im Rahmen des GMF Projektes des Jahres
2011 (N = 1,738). Autoritarismus, Kontakt zu AusländerInnen und fraternale
wie individuelle relative Deprivation wurden aus der Forschungsliteratur als
maßgebliche Mediatoren herauskristallisiert und in einem parallelen
Mediationsmodell auf ihren Einfluss hin untersucht. Die Ergebnisse für Kontakt
zu AusländerInnen und Autoritarismus stützen die bisherigen Forschungsergebnisse, sie vermitteln deutlich zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und
Fremdenfeindlichkeit. Die Ergebnisse für beide Formen relativer Deprivation
sind weniger eindeutig. Unerwartet zeigt fraternale relative Deprivation einen
geringeren mediierenden Einfluss als individuelle relative Deprivation. Es
bleibt ein geringer direkter Effekt zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und
Fremdenfeindlichkeit, der weiterführend untersucht werden sollte. Theoretische und praktische Implikationen werden diskutiert.
Abstract
Studies show that East Germans consistently show higher levels of ethnic
prejudice then West Germans. This secondary analysis asks for an
explanation of this difference and used representative survey data from the
GMF project of 2011 (N = 1,738). Research suggested authoritarianism,
interethnic contact, fraternal and individual relative deprivation should largely
explain the difference. The variables were tested in a parallel mediation model
and supported by the findings. For contact and authoritarianism, the results
are clear and in accordance with prior research. Unlike expectations, fraternal
relative deprivation shows less effect than individual relative deprivation. Still,
a small, direct effect remains between East and West Germans and ethnic
prejudice. This should be focused on in further research. Theoretical and
practical implications are discussed.
5
!
Auszug aus der Rede Herbert Grönemeyers zur Veranstaltung „Offen und bunt
- Dresden für alle“ im Januar 2015:
Es ist erschreckend, was sich im Moment auf den Straßen und in den Köpfen
abspielt. Es ist eine klamme, sehr hysterische Atmosphäre.
Dass Menschen sich in Deutschland übergangen und politisch nicht mehr
wahrgenommen fühlen, kann ich gut nachvollziehen. (…)
Dass sie sich Gehör verschaffen und in ihren berechtigten Ängsten und
Forderungen ernstgenommen werden wollen, ist demokratisch, für eine
öffentliche Debatte in der Gesellschaft fruchtbar und hilfreich.
Dass eine Auseinandersetzung dadurch angeregt wird über einen stark von der
Bevölkerung abgehobenen Politik- und Politikerstil ebenso.
Wenn aber wieder einmal eine religiöse Gruppe für vielschichtigste, teilweise
diffuse Befürchtungen als Sündenbock, Projektion und Zielscheibe ausgemacht
wird, ist das eine Katastrophe.
Es ist absurd, gemein, zutiefst undemokratisch und Unrecht und geht gar nicht!
Es kann nicht gewollt sein, damit dem dumpfen Stammtischgeist und Zorn
mitverantwortlich Tür und Tor zu öffnen. Wir müssen fein-nervigst aufpassen.
Auf der reaktionären Seite verbietet sich jedes Zündeln.
Dort waren wir schon mal und dort wollen wir nicht mehr hin.
Wir müssen uns als Gemeinschaft gegenseitig vor uns selber warnen,
Schranken einbauen und vor uns schützen und als sehr junges Land gehört das
zum Erwachsenwerden und zur demokratischen Pflicht dazu.
6
!
1.Einleitung
Die Frage „Warum?“ ist eine zutiefst menschliche; die Suche nach der
Erkenntnis, nach den Ursachen der Dinge ist auch die Triebkraft von
Wissenschaft. Sie suggeriert immer die Suche nach Ursache-WirkungsZusammenhängen; einerseits um die Entstehungsprozesse eines Phänomens
zu verstehen, dann wiederum um Parallelen zu ähnlichen Dingen herzustellen, aber auch um Interventionen und Handlungsmöglichkeiten abzuleiten,
um Situationen zu verändern und zu bessern. So verhält es sich auch mit der
Vorurteilsforschung.
Die aktuelle gesellschaftliche Situation lässt das Thema ethnische
Vorurteile (in dieser Arbeit synonym mit Fremdenfeindlichkeit verwendet) hoch
aktuell sein. Seit November 2014 demonstrieren Tausende Menschen in
Dresden, Leipzig und anderen Städten – vor allem im Osten des Landes –
gegen die sogenannte „Islamisierung des Abendlandes“. Sie verkünden
offensichtlich und versteckt Parolen von Unsicherheit, Ängsten aber auch
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Faschismus (Assheuer, 2015; Hähnig,
2014). Schwarz (2014) sieht in seiner kritischen Auseinandersetzung mit
dieser Thematik in der Wochenzeitung DIE ZEIT diese Bewegung aber
keineswegs nur als Problem des Ostens. Auch hier wird schnell mit Vorurteilen
aus West gegenüber Ost agiert. Diffuse Wut wegen unerfüllter Erwartungen
und tatsächlicher Kränkungen sind ebenso Grund für die PEGIDA Bewegung
wie ein unbewältigtes Stück deutsch-deutscher Geschichte. Kein Tag vergeht,
ohne dass es Meldungen zu fremdenfeindlichen Reden oder Aktivitäten gibt,
massiv Stimmung angeheizt wird, durch eine große Zuwanderungswelle von
Flüchtlingen (Blickle et al., 2015).
Im Osten der Bundesrepublik, dem ehemaligen Gebiet der DDR, zeigen
empirische Studien immer wieder höhere Werte von Fremdenfeindlichkeit als
im Westen. Hier gab es in den 1990igern massive Ausschreitungen gegen
Flüchtlinge und deren Unterkünfte vor allem aus den Reihen rechtsextremer
Gruppen (Abdi-Herrle, 2015; Brandt, 1992). Heute wiederholt sich dieses
Szenario erneut, nur dass sich inzwischen noch mehr Stimmen aus der
sogenannten „demokratischen Mitte“ dem negativen Bild über Fremde anschließen. Die Zustimmung der breiten Bevölkerung zu fremdenfeindlichen
Aussagen ist in den vergangenen Jahren gestiegen (Decker, Kiess, & Brähler,
2014; Heitmeyer, 2007).
Wie sind diese Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zu
verstehen, warum gibt es sie? Die Vermutung liegt nahe, dass mit den
Ostdeutschen etwas nicht stimmt, etwas anders sein muss, etwas, das in der
DDR-Vergangenheit liegen muss, wenn es solche konstanten Trends und
Unterschiede gib. Einige AutorInnen verfolgen diesbezüglich eine Sozialisationshypothese. Verkürzt gesprochen heißt sie: In einem autoritären Staat
7
!
geboren und erzogen worden zu sein, führt zu Konformität und autoritären
Charakteren, was wiederum hoch mit Fremdenfeindlichkeit korreliert
(Bulmahn, 2000; Lederer, 1995, 2000; Maaz, 1990). Andere AutorInnen
hinterfragen die ausschließliche Suche in der sozialisatorischen Vergangenheit Ostdeutschlands kritisch (Klein, Küpper, & Zick, 2009; Wagner, van Dick,
& Zick, 2001). Quent (2016) weist darauf hin, vorsichtig mit einfachen Erklärungen bezüglich ostdeutscher Vergangenheit zu sein. Er leitet anhand
einer Analyse des ost- und westdeutschen Rechtsextremismus her, dass es in
beiden Teilen Deutschlands ähnliche Bewegungen gab, die nach dem Fall der
Mauer (auch: Wende) – Anfang der 1990er Jahre – im kurzzeitig „rechtsfreien
Raum“ des Ostens fusionieren und aufleben konnten. Er weist daraufhin, dass
monokausale Lösungen für solche Art komplexer Probleme immer zu kurz
greifen.
Fragt man nach anderen Erklärungsansätzen, die über die DDRVergangenheit hinaus gehen, kommt man zu Phänomenen, die an allgemeingültigere menschliche und/oder gesellschaftliche Prozessen anknüpfen. Es
gibt viele verschiedene Ansätze, Vorurteile zu verstehen. Im theoretischen Teil
dieser Arbeit wird es dazu einen kurzen Abriss geben. Dazu wird vor allem auf
psychologische Erklärungsansätze zurückgegriffen, die versuchen den
Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland bezogen auf ethnische
Vorurteile zu erklären. Es geht z. B. um Autoritarismus, Kontakt zu AusländerInnen, aber auch um gruppenspezifische Identifikationsprozesse. „Menschen
[werden] ohne tiefere Kenntnis nach ihrer Gruppenzugehörigkeit beurteilt (…).
Vorurteile sind Bestandteil des Prozesses der Identitätsbildung.“
(Pelinka,
2012, p. XII). Die positive Stereotypisierung der Eigengruppe schließt die
negative Stereotypisierung der Fremdgruppe ein. „Wir wissen, wer wir sind,
weil wir wissen, wer wir nicht sind - oder besser: Wir glauben es zu wissen.
Wir sind ‚wir‘ weil wir nicht die ‚anderen‘ sind.“ (Pelinka, 2012, p. XII).
Menschen fühlen sich diversen sozialen Gruppe zugehörig, um ihre soziale
Identität zu bilden und richten ihren Selbstwert daran aus. Soziale Vergleiche
sind die Triebkraft dieser Identifikationsprozesse. Kontext sowie auch
Integration in eine Gruppe spielen eine große Rolle, wie Menschen ihr
Verhalten anderen gegenüber gestalten. Einstellungen und daraus folgendes
Verhalten hängen eng miteinander zusammen, so auch bei ethnischen
Vorurteilen und diskriminierendem Verhalten (Wagner, Christ, & Pettigrew,
2008). Das bedeutet, möchte man an den Handlungen von Menschen etwas
ändern, muss man zuerst verstehen, welche Einstellungen sie dazu veranlassen und warum sie solche Einstellungen entwickelt haben könnten. Diese
Arbeit soll zum Verständnis von Fremdenfeindlichkeit im deutsch-deutschen
Vergleich beitragen.
8
!
Mithilfe einer Sekundäranalyse wird der Frage nachgegangen, ob die
ausgewählten theoretischen Faktoren wesentlich zur Erklärung der höheren
Fremdenfeindlichkeitswerte der Ostdeutschen beitragen. Da dies an sich
schon ein komplexes Gebiet ist, wird diese Arbeit Rassismus im engen Sinne,
– die Hybris einer natürlichen Dominanz weißhäutiger Menschen – ausschließen. Ebenso spielen politischer Extremismus oder Rechtsradikalismus
eine untergeordnete Rolle. Dies sind verwandte Themen, allerdings spezifischere, extremere Einstellungsphänomene, die sich mehr auf den Rand der
Gesellschaft beziehen.
Fremdenfeindlichkeit, um die es hier gehen soll, ist ein übergeordnetes
Phänomen. Es betrifft die gesamte Breite der Gesellschaft, kennzeichnet den
Alltag aller. Es ist die alltägliche Fremdenfeindlichkeit, die ein bisschen „um
die Ecke kommt“, vielleicht hinter vorgehaltener Hand geäußert wird, da sie
als nicht gesellschaftsfähig gilt oder auch immer öfter ohne Tabu im
öffentlichen Raum steht. In der sozialwissenschaftlichen Literatur wird dabei
häufig von traditionellem (offenem) versus modernem (verstecktem) Rassismus gesprochen bzw. von balanten versus subtilen Vorurteilen (Zick &
Küpper, 2008). Die Grenzen zwischen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus
oder Rechtsextremismus können fließend sein; wer rassistisch und/oder
rechtsextrem ist, wird immer auch fremdenfeindlich sein, jedoch nicht
zwangsläufig umgekehrt. „Rechtsextreme Einstellungen schließen antidemokratische und oft auch gewaltbereite Haltungen ein“ (Landua, Harych, &
Schutter, 2002, p. 44). Der „Anteil der Deutschen, die ein geschlossenes
rechtsextremes Weltbild haben, [liegt] mit Schwankungen seit 2002 immer
etwas unter der 10-Prozent-Marke, während etwa ein Viertel der deutschen
Bevölkerung als ausländerfeindlich oder rassismusanfällig gelten kann.“ (Ottomeyer, 2012, p. 172). Ein ebenso eng verwandtes Thema, welches in dieser
Arbeit auch keinen Schwerpunkt bilden wird, ist Diskriminierung – sie vertieft
den Blick auf die Handlungsebene, als Folge fremdenfeindlicher Einstellungen
(Wagner et al., 2008).
Eine Demokratie kann sich dadurch beschreiben lassen, wie sie mit ihren
schwächeren Gruppen umgeht. Sie bedeutet gleichwertige Teilhabe,
gegenseitige Unterstützung. Heitmeyer (2002) und sein Forschungsteam
verorten daran das Konzept der Gruppenbezogenenen Menschenfeindlichkeit
(GMF). Sie betrachten diese Art Vorurteile als Syndrom; kein Vorurteil kommt
für sich allein, sei es gegen Fremde, Homosexuelle, Behinderte, Langzeitarbeitslose oder Obdachlose. Dieses Syndrom bezeichnen sie als
Einstellungsmuster, eine allgemeine Feindseligkeit gegen Fremdgruppen, das
im Kern eine „Ideologie der Ungleichheit“ (Heitmeyer, 2002, p. 21) eint.
Im Folgenden wird es eine Einführung in die theoretischen Grundlagen der
Vorurteilsforschung, bezogen auf Ost- und Westdeutschland sowie die Ablei-
9
!
tung der daraus untersuchten Hypothesen, geben. Anschließend werden das
methodische Herangehen und die in der empirischen Analyse gewonnenen
Ergebnisse dargestellt. Zum Abschluss der Arbeit folgt eine Diskussion der
Ergebnisse, eingebettet in die theoretischen Überlegungen und Ableitungen
für die Forschung und Praxis.
2.Theoretische Hintergründe
In diesem Kapitel werden die theoretischen Annahmen, die dieser Arbeit
zugrunde liegen, dargestellt. Ausgangspunkt bilden die Vorurteilsforschung
sowie Spezifika der deutsch-deutschen Situation. Es wird ein kurzer Abriss
dieser Bereiche mit Schwerpunkt auf Fremdenfeindlichkeit und dem damit in
Verbindung stehenden Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschen,
integriert in den aktuellen Forschungsstand, dargelegt.
2.1. Grundbegriffe und Abriss der Vorurteilsforschung
Unter Vorurteil versteht die Vorurteilsforschung Einstellungen gegenüber
Gruppen oder Personen aufgrund zugeschriebener Merkmale, die mit der
Gruppe, der sie angehören, assoziiert werden. Vorurteile können positiver wie
negativer Natur sein, wobei die Forschung mehr negative Vorurteile in den
Fokus stellt, da diese im engen Zusammenhang mit Diskriminierung von
Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit stehen. Gängige Vorurteile
betreffen Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus
(Stürmer & Siem, 2013; Zick, Küpper, & Hövermann, 2011).
Eng mit Vorurteilen verknüpft sind Stereotype, sozial geteilte Überzeugungen bezüglich der Merkmale, die Mitglieder einer Gruppe teilen.
Stereotype dienen der Strukturierung von Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, als Vereinfachung kognitiver Prozesse (Schneider, 2005;
Stürmer & Siem, 2013). Vorurteile entstehen dann, wenn folgende kognitive
Prozesse nacheinander ablaufen: als erstes die Kategorisierung, danach die
Stereotypisierung, gefolgt von einer affektiven Bewertung (Zick et al., 2011).
Da Vorurteile einen sozialen und individuellen Nutzen für Menschen
erfüllen, lassen sich folgende sozialpsychologische Funktionen beschreiben:
Sie schaffen ein Gemeinschaftsgefühl und sorgen für Bindung und Zusammengehörigkeit. Sie dienen der Selbstwerterhaltung, bzw. steigern diese
durch Aufwertung der Eigengruppe und somit Abwertung der Fremdgruppe.
Vorurteile haben eine Kontrollfunktion und legitimieren Gruppenhierarchien.
„Als überlieferte Mythen sind sie weit verbreitet und sozial geteilt.“ (Zick et al.,
2011, p. 38) Vorurteile stecken einen Rahmen, wie die Welt zu sehen ist,
dienen als Wissens- und Orientierungsbasis für die Mitglieder der Gruppe.
Ebenso geben sie einen Bezugsrahmen welche Menschen zur Eigengruppe
dazu gehören, wer als vertrauenswürdig gilt und wer nicht (Zick et al., 2011).
1
! 0
Die ersten systematischen Forschungsansätze zu Stereotypen und Vorurteilen entstanden in den 1930er und 40er Jahren mit der Bürgerrechtsbewegung Amerikas und dem deutschen Faschismus im Hintergrund. In
diesem Zusammenhang und mit dem Verständnis psychoanalytischer
Annahmen, entstanden Theorien zur autoritären Persönlichkeit, besonders
bekannt
geworden durch die Forschergruppe um Adorno und Horkheimer.
Damals wurde Autoritarismus als pathologische Persönlichkeitsstruktur
verstanden, die durch autoritäre Erziehung hervorgerufen und sich zu einer
politischen Ideologie entwickeln konnte (Pettigrew, 2016; Six, 2013; Zick,
1997).
Die Vorurteilsforschung erlebte großen Aufschwung in den 50er und 60er
Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Vor allem Allports (1979) Buch The
Nature of Prejudice veränderte den Blick weg von individuellen Personenmerkmalen hin zur Betrachtung von Individuen in Gruppen. Darin definiert er
ethnische Vorurteile wie folgt:
Ethnic prejudice is an antipathy based upon a faulty and inflexible
generalization. It may be felt or expressed. It may be directed toward a group as
a whole, or toward an individual because he is a member of that group. (p. 9)
Ebenso stellte er Kategorisierung als wesentliche Grundlage für Vorurteile
gegenüber Fremdgruppen heraus. In dieser Zeit entstanden auch Erklärungsansätze wie die Theorie der relativen Deprivation, erstmals durch Stouffer
posthoc zu seinen Studien The American Soldier vorgeschlagen und später
durch Runciman spezifiziert. Vorurteile wurden in dieser als Folge von
Mangelgefühlen identifiziert. Ebenso wurde die Theorie des realen Gruppenkonfliktes entwickelt, die für die Vorurteilsforschung besonders interessant
wurde, da sie erstmals „Vorurteile als Phänomene intergruppaler Konflikte
erklärt“ (Zick, 1997, p. 105). In diesem Zusammenhang entstand weitreichende Forschung zu Ressourcenkonflikten und mit ihr Überlegungen, wie daraus
entstandene Vorurteile und Rassismus abgebaut werden können. Aus diesem
Zusammenhang heraus entwickelte sich die Kontakthypothese. In ihr wird
postuliert, dass Kontakte zwischen Gruppen zur Reduzierung gegenseitiger
Vorurteile und Stereotypen führt. Schon Allport hatte auf die wesentliche
Bedeutung von Kontakt zwischen Gruppen aufmerksam gemacht und
optimale Bedingungen für den Erfolg formuliert (Pettigrew, 2016; Stürmer &
Siem, 2013; Turner & Hewstone, 2012; Zick, 1997).
Folgende Meilensteine der modernen Theorieentwicklung waren die
Soziale Identitätstheorie sowie darauf aufbauend die Selbstkategorisierungstheorie durch Tajfel und Turner. Dieser zufolge werden Gruppen gebildet um
gemeinsame Interessen besser verfolgen zu können, es wird ein Streben
nach Gleichwertigkeit postuliert, das um so mehr erfolgt, je wichtiger die
Zugehörigkeit zur Gruppe für ihre Mitglieder ist. Mithilfe dieser theoretischen
1
! 1
Entwicklungen wurde deutlich, dass Vorurteile psychologische Komponenten
besitzen, die auch jenseits von wirtschaftlichen, politischen und historischen
Faktoren wirksam sind. Die Rolle des Selbstwertgefühls als motivationaler
Faktor für Vorurteile, für soziale Vergleichs- und Aufwertungsprozesse wurde
damit deutlich hervorgehoben (Stangor, 2009; Turner & Hewstone, 2012; Zick,
1997).
Ein Versuch der modernen Vorurteilsforschung, die Komplexität der
Entstehung von Fremdenfeindlichkeit zusammenzufassen und in einer
übergeordneten Theorie darzustellen, ist das Mehrebenen-Konzept der
Theorie der Desintegration von Anhut und Heitmeyer (2000; Anhut, 2002;
Imbusch & Heitmeyer, 2012). Anhut (2007) beschreibt sie als „soziologisch
inspirierte, gleichwohl transdisziplinär angelegte“ (p. 55) Theorie. Dabei wird
dargestellt, wie aus individueller, sozialer und gesellschaftlicher Desintegration
antisoziale Einstellungsmuster und Verhaltensweisen resultieren. Soziale
Vergleichsprozesse wie auch individuelle und soziale Kompetenzen werden
als vermittelnde Faktoren zwischen Desintegration und abwertender Einstellung bzw. abweichendem Verhalten verstanden.
Im alltäglichen Verständnis wird Rassismus und Fremdenfeindlichkeit meist
synonym verwendet. In der Forschung gibt es verschiedene Traditionen diese
Begriffe zu handhaben. Im Verlauf dieser Arbeit wird die in der deutschen
Forschung übliche Unterscheidung genutzt. Rassismus wertet Menschen
fremder Herkunft aufgrund biologischer Unterschiede bzw. pseudo-natürlicher
Kategorien ab und definiert sie als minderwertig. Fremdenfeindlichkeit bezieht
sich dagegen auf die Abwertung von Personen aufgrund ihrer kulturellen
Gruppenzugehörigkeit. Diese kann real oder auch nur vermutet sein (Heitmeyer, 2002; Zick et al., 2011).
Zusammenfassend geht aus den vielfältigen Untersuchungen der Vorurteilsforschung hervor, dass Ansätze der Persönlichkeitstheorien nicht
ausreichend erklären können wieso sich Gleichförmigkeit von Stereotypen
sowie Vorurteile so massiv in bestimmten Populationen verbreiten können, wie
es immer wieder beobachtet wird. „Die sozialpsychologische Forschung geht
daher davon aus, dass die Entstehung und Verwendung von Stereotypen und
Vorurteilen aus einem Zusammenspiel von individuellen Dispositionen,
allgemeinen kognitiven Prozessen und sozialen Einflussprozessen resultiert.“
(Stürmer & Siem, 2013, p. 53)
Die Vorurteils- und Konfliktforschung hat seit dem Fall der innerdeutschen
Mauer und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungsprozessen umfangreiche Forschungsprojekte und Studien hervorgebracht.
Konsistent zeigen sich dabei tendenziell höhere Werte in Fremdenfeindlichkeit
für Ost- verglichen mit Westdeutschland. Dieses Phänomen soll im Folgenden
beleuchtet werden.
1
! 2
2.2. Analyse der Situation in Ostdeutschland
Viele Analysen Deutschlands wurden durch die Einmaligkeit der Wendesituation und Betrachtung der Anpassungsprozesse beider deutscher Staaten
an die neue Situation angeregt. Beschreibungen und Erklärungen kommen
aus allen denkbaren Fachbereichen, die Bandbreite der Themen und Perspektiven ist unüberschaubar. Daher beschränkt sich der Fokus dieser Arbeit auf
den Zusammenhang zwischen Fremdenfeindlichkeit und deutsch-deutschem
Vergleich.
Es gibt viele Texte und Analysen, die sich vor allem mit Konstrukten wie
Autoritarismus (z. B. Lederer, 1995, 2000; Oesterreich, 1993, 2000; Zick &
Henry, 2009), Benachteiligungsempfindungen (z. B. Heitmeyer & Grau, 2013;
Klein et al., 2009; Schmitt & Maes, 2002), Kontakt mit AusländerInnen (z. B.
Christ et al., 2014; Wagner, von Dick, Pettigrew, & Christ, 2003), Identifikation
mit Deutschland (z. B. Becker, Christ, Wagner, & Schmidt, 2009) oder Desintegrationsprozessen (z. B. Heitmeyer & Imbusch, 2012; Mansel & Kaletta,
2009) beschäftigen und sich in verschiedener Intensität den Unterschieden
des Ost-West-Vergleichs widmen. Eine Reihe von Analysen, die auf diesen
Unterschied Bezug nehmen, entstand im Rahmen des GMF Projekts, in dessen Zentrum neben Fremdenfeindlichkeit weitere durch Vorurteile betroffene
Gruppen standen.
Es stellt sich eingangs die Frage, ob es eine korrekte oder vorurteilsbesetzte Betrachtungsweise ist, die Bundesländer in Ost und West als Vergleichskategorien zusammen zu fassen, wenn es um erhöhte Fremdenfeindlichkeitswerte geht. In ihrem Artikel gehen Babka von Gostomski, Küpper und
Heitmeyer (2007) dieser Frage nach und kommen zu dem Schluss, dass
diese Zusammenfassungen gerechtfertigt sind, da sie nach Betrachtung aller
Bundesländer feststellten, dass sich in den neuen Ländern die Werte in
Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit kaum unterscheiden.
Die Suche nach Gründen setzt immer eine Analyse der vorhandenen
Situationen voraus, wie sie im Folgenden dargelegt wird. Dabei werden vor
allem Arbeiten aus der psychologischen Forschung fokussiert, die den
Schwerpunkt auf den Ost-West-Unterschied im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit untersuchten. Aufgrund der Komplexität des Themas lassen sich
Überschneidungen mit anderen Bereichen nicht immer auszuschließen.
2.2.1.
Situationsbeschreibung
Dieses Jahr jährt sich der Fall der Mauer und der damit verbundene
Wechsel des Gesellschaftssystems für die DDR-Bürger zum 27. Mal. Die
Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern scheinen nicht
nachzulassen. Es gibt real sichtbare Unterschiede, vor allem wirtschaftlicher
Art. Die hohen Arbeitslosenquoten im Osten nehmen über die Zeit kaum ab
1
! 3
(Schwankungen seit 1991 zwischen ca. 15.0 % und knapp 20.0 % für Ost und
ca. 7.0 % - 10.0 % für West). Seit den letzen Jahren sind diese Zahlen rückläufig, bleiben aber im Osten nach wie vor ca. doppelt so hoch wie im Westen
– 2014 gab es 9.8 % Arbeitslose in Ost und 5.9 % in West (Bundesagentur für
Arbeit, 2014). In der DDR gab es nahezu keine Erfahrung mit Arbeitslosigkeit.
Sicherheit von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen gehörten zum Staatsprogramm, was den Anpassungsprozess Ostdeutscher an diese Situation
nach der Wende besonders erschwerte (Sommer, 2010).
Die Abwanderung von Ost- nach Westdeutschland hat in vielen Ostregionen prekäre Situationen hervorgerufen. In den Jahren 1991 bis 2014
haben die fünf neuen Bundesländer ca. zwei Millionen Einwohner durch
Abwanderung verloren. Nach der Wende war das Abwanderungssaldo
besonders hoch. Die Abwanderung aus dem Osten ließ in den letzten Jahren
tendenziell nach (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2015). Die
Einkommen in Ostdeutschland sind nach wie vor geringer für gleiche Arbeit –
die Lohnkosten liegen in Ostdeutschland rund 18.0 % niedriger als im Westen
–, das Gleiche gilt für die Renten (Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, 2015). Nicht nur in den realen Zahlen, sondern auch in den Köpfen
der Menschen sind die Unterschiede deutlich, wie Untersuchungen z. B. zu
psychologischen Konstrukten zeigen.
Erfahrene oder subjektiv erlebte Gefährdung des eigenen sozialen Status
hat in den vergangenen Jahren nichts an Bedeutung verloren. Die soziale Ungleichheit scheint sich zwischen Ost und West sogar zu verschärfen. Ängste
und Sorgen generell und spezifisch vor Arbeitslosigkeit sind im Osten häufiger.
Insgesamt ist die Lebenszufriedenheit im Osten geringer. Laut Heitmeyer
(2009) war diese im Zeitverlauf zwischen 1990 und 2004 immer schlechter als
im Westen, ebenso war die negative Zukunftserwartung 2002 bis 2008 höher.
Erklärt wird dies zum Beispiel mit unerfüllten Erwartungen und Versprechungen, die mit der Wende verbunden waren (Bulmahn, 2000; Heitmeyer, 2009;
Mansel & Kaletta, 2009; Sommer, 2010; Statistische Ämter des Bundes und
der Länder, 2015). Einen weiteren Erklärungsversuch gibt Hollenstein (2012)
in seiner Analyse der Wiedervereinigung Deutschlands. Darin beschreibt er
zwei Prozesse, die er Kultur der symbolischen Abwertung und Habitus der Bescheidenheit bezeichnet. Ersterer bedeutet, dass Entscheidungen vornehmlich von Westdeutscher Seite über die Wiedervereinigungsprozesse getroffen
wurden, im Osten vor allem soziales sowie kulturelles Kapital (wie Schule und
Beruf) abgewertet und der ostdeutschen Wirtschaft keine Perspektive eingeräumt und diese zu großen Teilen aufgelöst wurde. Der zweite Prozess stellt
nach Hollenstein ein ostdeutsches Problemlösungsmuster dar (solidarisches
Zusammenhalten und Bescheidenheit als Anpassungsreaktion aufgrund der
wirtschaftlichen und politischen Situation in der damaligen DDR). Dieses
1
! 4
Muster lebte aufgrund des als ungerecht erlebten Wendeprozesses erneut
auf. Eine Rückbesinnung auf ein idealisiertes Bild der DDR wurde etabliert:
Wenn man schon nicht wirtschaftlich überlegen war, dann wenigstens
moralisch. Die Moral der westlich kapitalistischen Nutzensmaximierung versus
des Zusammenhalts und der Bescheidenheit im Osten. Diese Prozesse
dienen zur Abgrenzung der eigenen Wertesysteme und Erhaltung der Identitäten, passen jedoch nicht in eine Gesellschaft, die zum Ziel hat zusammen zu
wachsen. Bisher wurden kaum alternative Problemlösungsmuster gefunden.
Beide Prozesse verstärken sich zirkulär. Es geht dabei um einen Kampf,
welche Gruppe – Ost oder West – in der Lage ist, die eigene Leistung und
Lebensform in Hinblick auf die allgemein geteilten Zielvorstellungen als
besonders wertvoll auszulegen. Diese Prozesse erhalten nach Hollenstein die
Wertehierarchien und damit auch die Mauern im Kopf.
Bis Sommer 1990 gab es in der DDR 180,000 AusländerInnen, zum
Großteil vietnamesischer Herkunft. Die meisten AusländerInnen waren Vertragsarbeiter. Der Anteil an AusländerInnen war in der DDR sehr gering (1.2
%), verglichen mit der damaligen Bundesrepublik (7.0 %; Statistische Ämter
des Bundes und der Länder, 2015). Kontakte der DDR-Bürger zu den
AusländerInnen gab es kaum, der Staat förderte keine Integration. AusländerInnen lebten meist in separaten Wohnheimen, Begegnungen fanden, wenn
überhaupt, am Arbeitsplatz statt (Müller, 1994; Statistische Ämter des Bundes
und der Länder). Heute leben in den neuen Bundesländern 2.7 % der AusländerInnen, nach wie vor ein sehr geringer Anteil, verglichen mit 10.3 % in
Westdeutschland1 (Statistische Ämter des Bundes und der Länder).
Die unterschiedliche deutsche Entwicklung über vier Jahrzehnte hinweg
hinterlässt Spuren, ebenso „sozio-ökonomische Brüche“ (Babka von
Gostomski et al., 2007, p. 121), die Unsicherheiten, Ungerechtigkeitserleben,
Angst, Desintegration und Orientierungslosigkeit aufgrund eines tiefgreifenden
Umbruchs des gesellschaftlichen Systems auslösten. Dies schafft einen
Nährboden für Ungleichwertigkeit (Hollenstein, 2012; Mansel & Kaletta, 2009;
Thumfart, 2001). Aus der Vorurteilsforschung ist bekannt, dass dies wiederum
dazu beiträgt, Vorurteile gegen andere Gruppen zu etablieren.
Bei deutsch-deutschen Analysen wurde immer wieder der gleiche Trend
gefunden: höhere Werte bei Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland (z. B.
Babka von Gostomski et al., 2007; Decker et al., 2014; Mansel & Kaletta,
2009; Wagner et al., 2003; Wagner et al., 2001). Wird nach Erklärungsmustern
für diesen Ost-West-Unterschied gesucht, kommen Studien zu dem Ergebnis,
dass am deutlichsten reale und gefühlte Benachteiligung, autoritäre Orientierung, gefühlte Machtlosigkeit sowie mangelnder Kontakt zu ethnischen
Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt
in den neuen Bundesländern bei ca. 4.0 - 5.0 %, in den alten Bundesländern bei ca.
12.0 - 29.0 %.
1
1
! 5
Minderheiten diesen Unterschied erklären (z. B. Babka von Gostomski et al.,
2007; Wagner et al., 2003). Daraus lassen sich vor allem drei psychologische
Theorien ableiten, die durch diese Erkenntnisse abgebildet werden. Sie sollen
im Folgenden kurz erläutert und mit einem spezifischen Blick auf das
Phänomen Ost-West dargestellt werden.
2.2.2.
Autoritarismus
Persönlichkeit wie auch soziale Strukturen sind unabdingbar zum
Verständnis von Vorurteilen zwischen Gruppen. Die Autoritarismusforschung
hat dazu über die gesamte Zeit immer einen hohen Erklärungsanteil auf der
Individualebene geleistet. Die Ergebnisse sind stabil und universell. Autoritarismus wurde durchgängig mit positiven Korrelationen zu Fremdenfeindlichkeit (Pettigrew, 2016) bei jeweils unterschiedlichem Zusammenhang
für Ost- bzw. Westdeutschland berichtet (Wagner et al., 2001; Zick & Henry,
2009). Diverse Studien belegen den mediierenden Effekt von Bedrohung
zwischen Autoritarismus und Fremdenfeindlichkeit (Cohrs & Ibler, 2009).
Die traditionelle Autoritarismusforschung geht davon aus, „dass Entwicklung von Vorurteilen und Gehorsam Ursprung in autoritären Erziehungspraktiken der frühen Kindheit hat“ (Rippl, Kindervater, & Seipel, 2000, p. 15).
Die daraus entstehenden Charakterstrukturen nannten sie autoritären
Charakter. Sie steht in der Tradition der Psychoanalyse. Neuere Forschung
sieht drei Aspekte als wesentliche Grundfaktoren zur Charakterisierung der
autoritären Persönlichkeit an: „Konventionalismus, autoritäre Unterwürfigkeit
und autoritäre Aggression“ (Rippl et al., 2000, p. 17). Die Theorie hat
methodisch wie inhaltlich viel Kritik erhalten. So wurde z. B. kritisiert, dass in
der Forschung meist autoritäre Persönlichkeit als Persönlichkeitsmerkmal
verstanden, aber empirisch mit Einstellungen gearbeitet wird (Oesterreich,
2000). Eine weitere maßgebliche Kritik betrifft die starke Ideologisierung des
Konzepts, politische Gegner wurden damit vor allem pathologisiert (Oesterreich, 2000; Pettigrew, 2016). So meint Oesterreich, dass es „…speziell in der
deutschen Diskussion dazu gedient [hat] …, die Bürger der ehemaligen DDR
als scheinbar autoritär zu entlarven“ (p. 72). Er resümiert, dass sich der
klassische Erklärungsansatz nicht bewährt hat und die empirische Befundlage
sehr unbefriedigend ist.
Neue Entwicklungen nutzen hinsichtlich des Sozialisationshintergrundes
lerntheoretische Ansätze, beziehen situationale Interaktionseffekte ein oder
lösen sich komplett vom Sozialisationsbezug. Die Diskussion um die Genese
von Autoritarismus bleibt dabei zentral. Trotz des vielen Für und Wider
befürworten der Großteil der Autoritarismus-Forscher nach wie vor die
Sozialisationshypothese, wobei die aus der analytischen Theorie stammenden
Sozialbedingungen, die eine enge verzerrte Sicht des Familienhintergrundes
geben, erweitert werden. Laut Rippl et al. (2000) sind Zusammenhänge zwi-
1
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schen rechtsextremer Einstellung und problematischer Verarbeitung verunsichernder Bindungserfahrung eher in qualitativen Studien zu finden.
Allerdings weist auch Pettigrew (2016) auf neuere quantitative Forschungsergebnisse bezüglich Bindungsstilen und Fremdenfeindlichkeit hin. Rüssmann, Dierkes und Hill (2010) kommen in ihrer Untersuchung zu dem
Ergebnis, dass “Bindungsstile als Prädispositionen für das Auftreten von
sozialer Desintegration betrachtet werden können, die ihrerseits das Ausmaß
an Fremdenfeindlichkeit determiniert“ (p. 281). Damit verknüpfen sie in ihrem
integrativen Konzept Merkmale der Situation mit der der Person als
Erklärungsmodell für Fremdenfeindlichkeit.
Oesterreich (2000) sowie Zick und Henry (2009) legen dar, dass es in der
Autoritarismusforschung wichtig ist, zu wissen, welches Verständnis von
Autoritarismus verwendet wird: Autoritarismus als Persönlichkeitsvariable oder
als Einstellungssyndrom. Beide Perspektiven führen zu unterschiedlichen
Ergebnissen und Interpretationen. Entweder werden die Vorurteile auf den
Charakter zurückgeführt oder der Zusammenhang wird als Reaktion auf
Krisen interpretiert.
Diese Kontroverse spiegelt sich auch bei Betrachtung der Literatur zum
deutsch-deutschen Vergleich wider. Es gibt sowohl AutorInnen, die signifikante
Unterschiede in den Werten zwischen Ost- und Westdeutschen finden
(Lederer, 2000) als auch AutorInnen, die keine Unterschiede aufzeigen (Oesterreich, 1993; Sommer, 2010; Heyder & Schmidt, 2000). Ebenso gehen die
Interpretationen der Analysen auseinander.
BefürworterInnen der Sozialisationshypothese (Überblick dazu in Bulmahn,
2000) interpretieren die gefundenen Unterschiede in Fremdenfeindlichkeit als
„mentale Deformation“ (Bulmahn, p. 409) durch mangelnde demokratische
DDR-Sozialisation im Osten. Dieser Interpretationsansatz wurde laut Quent
(2016) empirisch mehrfach widerlegt. Vergleiche der ALLBUS-Ergebnisse aus
den Jahren 1996 und 2006 legten nahe, dass das Autoritarismuspotential in
Deutschland generell zugenommen hatte. Sommer (2010) stellte fest, dass
das Niveau der Zustimmung zu den Autoritarismus-Items in West- und
Ostdeutschland insgesamt relativ ähnlich waren. Heyder und Schmidt (2000)
werteten ebenfalls ALLBUS Umfragen aus und kamen zu dem Ergebnis, dass
die Höhe der Werte autoritärer Einstellungen sich im Ost-West-Vergleich kaum
voneinander unterschied. Im Westteil war mehr Antisemitismus, im Ostteil
erhöhte AusländerInnenfeindlichkeit zu verzeichnen. Weiterhin stellten sie fest,
dass mit höherem Bildungsniveau Autoritarismus, Fremdenfeindlichkeit und
Antisemitismus sowie Eigengruppen-Idealisierung sanken und konnten mittels
Strukturgleichungsmodell belegen, dass das Merkmal Ost-West keinen
signifikanten Effekt mehr auf Autoritarismus in diesem Zusammenhang hatte.
Oesterreich (1993) argumentierte, nach dem von ihm zur Diskussion
1
! 7
gestellten Modell der autoritären Reaktion, dass höhere Autoritarismuswerte
nicht für erlebte DDR-Sozialisation sprechen, sondern diese als Wendeerscheinung mit verbundenen Identitätsverlusten zu verstehen sind. Er
begründet seine Auffassung damit, dass es in der DDR eine relative Sicherheit
und kein Leben in Angst gab (in Hinblick auf soziale Sicherheit), was
wiederum eine Voraussetzung für das Konstrukt autoritäre Persönlichkeit
wäre. In seinen Untersuchungen von Ost- und Westberliner Jugendlichen fand
er 1992 keine erheblichen Unterschiede in den Autoritarismuswerten. Die im
vorangegangenen Abschnitt beschrieben Ergebnisse stehen damit im deutlichen Gegensatz zu den Ergebnissen und Interpretationen der VertreterInnen
der Sozialisationshypothese.
Zick und Henry (2009) fanden im Rahmen der GMF-Studie heraus, dass
Menschen, die eher autoritären Einstellungen zustimmten, ein niedrigeres
Bildungsniveau hatten, über geringeres Einkommen verfügten und Frauen
waren. Unabhängig davon blieb der Ost-West-Einfluss signifikant. Dieser war
in ihrer Studie als eigene Statusdimension zu verstehen. Autoritarismus wurde
hier als Reaktion auf Statusverluste und Benachteiligung verstanden.
Niedrigerer Status und damit verbundene soziale Ungleichheit sind mit
eingeengtem Blick auf die Welt verbunden. Die Autoren sahen vor allem
Gruppen betroffen, die benachteiligt sind bzw. sich subjektiv benachteiligt
fühlen; ihre Analyse stützte diese Hypothese. Nähert man sich mehr dem
Verständnis von Autoritarismus als Reaktion auf soziale und/oder ökonomische Bedrohung an, ist – aufgrund der weiter oben dargestellten Situation –
leichter nachzuvollziehen, dass Ostdeutsche in allen GMF-Surveys häufiger
signifikante Zustimmung zu den Autoritarismus-Items aufwiesen als Westdeutsche (z. B. Babka von Gostomski et al., 2007; Decker et al., 2014; Rippl,
Baier, & Boehnke, 2012).
Autoritarismus war laut Studie von Babka von Gostomski et al. (2007) ein
ausgeprägter Faktor und stand hinter den Effekten der Bundesländer. Die Situation löste bei den Betroffenen autoritäre Reaktionen aus und wurde dann
wiederum als verantwortlich für die Entstehung von Vorurteilen gesehen. Die
autoritäre Reaktion kann somit als Puffer verstanden werden, der die Illusion
einer Stärke gibt und damit Sicherheit vermittelt. In dieser Analyse wurde auch
die enge Beziehung zwischen Autoritarismus und Benachteiligungswahrnehmung (relative Deprivation) deutlich (Pettigrew, 2016; Zick & Henry, 2009).
Klein et al. (2009) konnten diese Interpretation stützen. In ihrer Untersuchung
zum Rechtspopulismus wurde der Ost-West-Unterschied komplett über
Benachteiligung nach der Wende erklärt. Damit stellten sie ebenfalls die
Sozialisationshypothese in Frage. Hopf (2000) beschreibt in ihrem Artikel den
wesentlichen Einfluss früher sozialer Erfahrungen in der Familie, die das
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Verhältnis zu Autoritäten, Schwächeren und Minderheiten langfristig beeinflussen.
Es wird deutlich, dass Sozialisation ein wesentliches Kriterium zur
Ausprägung von Autoritarismus ist, allerdings systembedingte Sozialisationseinflüsse nicht als ausreichend erklärender Grund für erhöhten Autoritarismus
und damit mehr fremdenfeindlichere Einstellungen im Osten Deutschlands
bezeichnet werden können. Diese Interpretation repräsentiert vielmehr den
Versuch, Ursachen für Fremdenfeindlichkeit „unter dem Vorsatz der Aufarbeitung zu historisieren bzw. die Verantwortung dafür einem überlebten
Gesellschaftssystem zuzuschreiben“ (Quent, 2016, p. 110). Eine differenzierte
Betrachtung ist nötig. Die Forschungsliteratur weist mehrheitlich darauf hin,
dass die sozio-ökonomische Lage, Ungerechtigkeit, Gefährdung des sozialen
Status ebenso wie situative Effekte (gelernte Deutungsmuster, Verarbeitung
von Desintegration) oder auch persönliche Variablen bedeutungsvoll für das
Verständnis dieses Phänomens sind. Familiäre Einflüsse, Prägungen, Einstellungen, Werte und sozialpsychologische Variablen müssen gemeinsam
herangezogen werden. Wird dies nicht getan, entsteht eine problematische
Zuschreibung im Sündenbock-Stil: „Sonderfall Ost, Normalfall West“ (Quent,
2016, p. 99).
Trotz der verschiedenen Interpretationen des Konstrukts Autoritarismus
muss es als bedeutende Variable im Hinblick auf Unterschiede von Fremdenfeindlichkeit gewertet werden. Hohe Autoritarismuswerte korrelieren stark mit
vorurteilsbehaftetem und diskriminierendem Verhalten.
2.2.3. Kontakthypothese
Die Kontakthypothese hat eine lange Forschungstradition, wie schon eingangs dargestellt. Sie wurde insbesondere durch Allport (1979) bekannt. Seitdem stellen Wissenschaftler immer wieder Fragen nach den Wirkungen von
Intergruppenkontakten. Die Kontakthypothese besagt, dass Interaktionen
zwischen Individuen, die unterschiedlichen Gruppen angehören, Intergruppenspannungen reduzieren. Kontakt führt zur verstärkten Wahrnehmung von
Ähnlichkeit der Einstellungen und zur Zunahme positiver Einstellungen
gegenüber dem anderen (Rippl, 1995). Spezifisch helfen Kontakte, eigene
kulturelle Standards und ethnozentrische Einstellungen zu relativieren
(Wagner, van Dick, & Endrikat, 2002). Inzwischen gibt es eine Vielzahl an
Studien zum Thema Kontakt, die die Theorie stützen. Sie wird als universales
Phänomen verstanden (Pettigrew & Tropp, 2008; Pettigrew, Tropp, Wagner, &
Christ, 2011; Wagner & van Dick, 2009). Hauptsächlich werden die verminderten Vorurteile über reduzierte Angst bzw. Bedrohung und erhöhte Empathie
mediiert. Diese Effekte generalisieren sich sogar bei indirektem Kontakt (z. B.
1
! 9
durch ausländische FreundInnen eines Freundes), wenn auch nicht so hoch
wie bei direktem (Pettigrew, 2016).
Einige Studien wiesen konträre Ergebnisse zu den o.g. theoretischen Annahmen auf. So stellte Weins (2011) in ihrer Untersuchung fest, dass die
Reduzierung von Fremdenfeindlichkeit durch Kontakt ab einem bestimmten
Prozentsatz an AusländerInnen wieder abnimmt. Dies wurde mit der Bedrohungsthese begründet. Diese Ergebnisse konnten in der Studie von Wagner,
Christ, Pettigrew, Stellmacher und Wolf (2006) durch die mediierende Wirkung von Kontakt zwischen dem prozentualen Anteil an AusländerInnen einer
Region und ethnischen Vorurteilen mithilfe von Strukturgleichungsmodellen
widerlegt werden. Ebenso konnten Pettigrew, Wagner und Christ (2010)
diesbezüglich herausarbeiten, dass Bedrohung und Kontakt sehr verschiedene Prozesse darstellen, trotz allem aber eng verknüpft sind. Bedrohung ist
eine Wahrnehmung über Fremdgruppen, die leicht manipuliert werden kann
(z. B. Informationen über AusländerInnen durch Medien und Politiker). Kontakt
dagegen ist eine essenzielle Erfahrung, die sich auf reale Gegebenheiten
bezieht und sowohl individuelle als auch kollektive Bedrohung und ethnische
Vorurteile reduziert.
Mehrfach wurde im Hinblick auf die Ost-West-Unterschiede darauf
hingewiesen, dass Ostdeutsche nicht nur erhöhte Werte in Fremdenfeindlichkeit haben, sondern auch immer geringere Werte an Kontakt
aufweisen. In Kapitel 2.2.1. wurde auf den seit Jahren geringen AusländerInnenanteil im Osten Deutschlands verwiesen. Die Bedeutung der Dichte an
AusländerInnen im Osten und somit die geringen Möglichkeiten zum Kontakt
wurden in der Forschungsliteratur vielfach diskutiert (z. B. McLaren, 2003;
Wagner et al., 2002). Wagner et al. (2003) identifizierten Kontakt als Mediator
zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit. Damit trat die
regionale Bedeutung für Fremdenfeindlichkeit in den Hintergrund und die
Möglichkeit von Kontakt in den Vordergrund.
Ebenso konnte in den Studien von Christ et al. (2014) mithilfe von Strukturgleichungsmodellen eindeutig nachgewiesen werden, dass bereits die Region
im Hinblick auf Kontakt entscheidend ist, in der die Menschen leben.
Nachgewiesen in sieben Studien, konsistent über alle Untersuchungen,
zeigen die Ergebnisse, dass Menschen mehr positive Einstellungen zu
Fremdgruppen zeigten, wenn sie in einem sozialen Kontext lebten, indem es
durchschnittlich mehr positiven Intergruppenkontakt gab. Sie konnten die
Wirkungsrichtung von Kontakt auf minimierte Vorurteile eindeutig zuzuordnen.
Kontakt zu AusländerInnen kann damit als entscheidende Variable zur Erklärung des Ost-West-Unterschieds in Fremdenfeindlichkeit herangezogen
werden.
2
! 0
2.2.4.
Relative Deprivation
Relative Deprivation beruht auf sozialen Vergleichsprozessen, daher ist sie
für die Vorurteilsforschung interessant. Das zentrale Element relativer
Deprivation ist die wahrgenommene Diskrepanz zwischen Anspruch und
Realität (Kessler & Harth, 2008). Zufriedenheit ist relativ zu den Vergleichsmöglichkeiten, die man hat, zu sehen. Ethnische Minderheiten dienen oft dem
Vergleich und werden für erlebte Benachteiligung verantwortlich gemacht
(Zick, 1997). Relative Deprivation wirkt nur, wenn drei Prozesse zusammenkommen. Es braucht zuerst den kognitiven Vergleich, dann die Beurteilung,
dass es Benachteiligung gibt und darauf muss die Bewertung folgen, dass
diese Benachteiligung als ungerecht empfunden wird und Ärger erzeugt
(Pettigrew, 2016; Zick et al., 2011).
In der Forschung wird zischen zwei Formen unterschieden, der fraternalen
relativen Deprivation und individuellen relativen Deprivation. Fraternale
relative Deprivation beruht auf Gruppenvergleichen, z. B. gruppenbezogene
Einstellungen und dazugehöriges Verhalten wie Protestbewegungen und
Vorurteile gegenüber Fremdgruppen. Dagegen wird individuelle relative
Deprivation auf individuelle Einstellungen und deren Verhalten zurückgeführt,
z. B. soziale Isolation, persönlicher Stress, Armutskriminalität (Pettigrew,
2016). Zu diesen verschiedenen Wirkweisen besonders bei ethnischen Vorurteilen sind folgende Erklärungsansätze denkbar. Einerseits empfinden
Menschen eine geringere Kontrollmöglichkeit im Hinblick auf Benachteiligungen ihrer Gruppe und haben somit verstärkt empfundene Machtlosigkeit gegenüber dieser Situation. Dadurch werten sie eher andere
Gruppen ab, als dies bei empfundener individueller Benachteiligung, in der sie
scheinbar mehr Kontrolle über die Situation empfinden, der Fall ist (Wolf,
Schlüter, & Schmidt, 2006). Andererseits können Erkenntnisse der Einstellungsforschung herangezogen werden. Laut Ajzen und Fishbein (1977) zeigen
sich stärkere Zusammenhänge, wenn sich Einstellung und Verhalten auf das
gleiche Einstellungsobjekt beziehen. Ethnische Vorurteile wie auch Empfindungen gruppenspezifischer Benachteiligung beziehen sich somit z. B. auf die
Gruppe der in Deutschland lebenden AusländerInnen.
In einigen Studien gab es widersprüchliche Ergebnisse bezogen auf die
Wirkungsweise relativer Deprivation und ethnischer Vorurteile. Dies war meist
auf unzureichende Differenzierung des Konzepts Deprivation zurückzuführen.
Objektive wie wahrgenommene Deprivation wurden in einem Konzept
zusammengefasst, ebenso wurde nicht zwischen individueller und gruppenbezogener relativer Deprivation unterschieden (Rippl et al., 2012; Wagner et
al., 2001). Zick (1997) weist auf uneinheitliche Operationalisierungen des
Konzepts in der Forschungsliteratur hin, was zu divergierenden Ergebnissen
2
! 1
und Interpretationen führt. Relative Deprivation ist ein Phänomen von
Menschen, nicht von Gesellschaften. Es ist auf der Mikroebene zu beobachten und kann daher nicht zur Erklärung von objektiven Situationen genutzt
werden. Vergleicht man beispielsweise das Verhältnis der AusländerInnendichte einer Region, mit der wahrgenommenen Menge an AusländerInnen und
dem damit zusammenhängendem Bedrohungsempfinden, wurde eine
erhebliche Diskrepanz deutlich. Von Pettigrew et al. (2010) konnte gezeigt
werden, dass vor allem die gefühlte Menge an AusländerInnen, die nicht mit
den objektiven Zahlen übereinstimmte, das Bedrohungsempfinden auslöste.
Damit ist relative Deprivation eine Theorie, mit der einige Paradoxien besser
verstanden werden können (Kessler & Harth, 2008; Pettigrew, 2016).
In ihrer Metaanalyse zur Theorie der relativen Deprivation fanden Smith,
Pettigrew, Pippin und Bialosiewicz (2012) signifikante Ergebnisse, welche die
Theorie selbst über Kulturen hinweg bestätigten konnte. Daher bezeichnet sie
Pettigrew (2016) als universale Theorie. Für die Interpretationen der Befunde
ist es bedeutsam, zwischen individueller und fraternaler relativer Deprivation
zu unterscheiden, da sie, wie oben dargestellt, verschiedene Wirkweisen beeinflussen. Es wurde vielfach in Studien bestätigt, dass vor allem fraternale
relative Deprivation ethnische Vorurteile erklärt (Pettigrew et al., 2008; Rippl et
al., 2012; Wagner et al., 2001; Wolf & Grau, 2013; Zick, 1997). Die Abwertung
anderer (schwächerer Gruppen) als Sündenböcke hilft, den eigenen Status
gegenüber diesen zu erhöhen.
In Studien zum deutsch-deutschen Vergleich wurde mehrfach belegt, dass
sich Ostdeutsche deutlich mehr benachteiligt fühlen als Westdeutsche
(Schmitt & Maes, 2002; Wagner et al., 2001, 2003). Menschen mit geringem
Sozialstatus, begrenztem Einkommen, die sich politisch machtlos fühlen, sind
diejenigen, die am ehesten Benachteiligung empfinden (Pettigrew, 2016; Pettigrew et al., 2008). Aus der Literatur geht hervor, dass diese Kriterien häufiger
auf Ostdeutsche passen. Schmitt und Maes (2002) beweisen in ihrer
Langzeitstudie zum deutschen Vereinigungsprozess, dass ingroup bias – eine
Wahrnehmungsverzerrung zugunsten der eigenen Gruppe – einen Bewältigungsmechanismus gegen fraternal empfundene Deprivation und damit
verbundene negative soziale Identität darstellt. Auch sie belegen, dass
Ostdeutsche davon häufiger betroffen sind als Westdeutsche.
Wie schon bei der Kontakthypothese konnten Wagner et al. (2003) in ihre
Studie die Mediatorwirkung relativer Deprivation in differenzierter Weise
testen. Sie kamen zu dem Schluss, dass beide Typen relativer Deprivation
zum einen signifikanten Bezug zu Fremdenfeindlichkeit haben und zum
anderen die Ost-West-Differenz mediieren. Die Erklärungskraft fraternaler
relativer Deprivation war dabei besonders hoch, was im Einklang zur Theorie
und vielen weiteren Untersuchungen steht (z. B. Klein et al., 2009; Wagner et
2
! 2
al., 2003; Wolf et al., 2006). Darüber hinaus konnte durch Pettigrew et al.
(2008) differenziert belegt werden, dass Effekte zwischen individueller relativer
Deprivation und Fremdenfeindlichkeit durch fraternale relative Deprivation
mediiert werden. Ebenso vermittelt fraternale relative Deprivation demographische Variablen wie Bildung und Familieneinkommen.
Auch wenn individuelle relative Deprivation und fraternale relative Deprivation verschiedene Wirkweisen haben, sind sie eng miteinander verknüpft.
Individuelle Wahrnehmung von Deprivation begünstigt im Sinne eines Spillover-Effekts gruppenspezifische Wahrnehmung (Pettigrew et al., 2008; Rippl,
2012). Die weiter oben beschriebenen realen strukturellen Benachteiligungen
und Statusdifferenzen der Ostdeutschen sind Bestandteil des Benachteiligungsgefühls, vor allem im differenzierten regionalen Vergleich (Wolf & Grau,
2013). Mit Zunahme der tatsächlichen Deprivation werden Menschen
anfälliger für Ideologien und werden häufiger zwischen sozialen Gruppen
differenzieren (Zick, 1997). Im GMF-Survey stellten Zick und Henry (2009)
darüber hinaus fest, dass gegenseitige Benachteiligungsgefühle und nicht
mehr die Ost-West-Zugehörigkeit den Autoritarismus der Ostdeutschen
erklärten.
Mithilfe des Konzepts der relativen Deprivation wird verständlich, warum
Ostdeutsche sich als mehr benachteiligt empfinden verglichen mit Westdeutschen. Da der unterschiedliche Einfluss beider Formen relativer
Deprivation immer wieder in Verbindung mit ethnischen Vorurteilen zur
Geltung kommt, kann davon ausgegangen werden, dass sie einen für diese
Untersuchung wesentlichen Beitrag zur Erklärung der Ost-West-Differenz
liefern können.
2.3. Hypothesen
Ausgehend vom Stand der Forschung erscheint es sehr sinnvoll, den
Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland bezüglich Fremdenfeindlichkeit nochmals umfassend zu beleuchten. Obwohl die Befunde
bezüglich dieses direkten Zusammenhangs empirisch eindeutig sind, soll dies
zum Zwecke der Replikation überprüft werden. Um den Zusammenhang
genauer zu verstehen, werden die drei zentralen oben aufgeführten Theorien
genutzt. Das Testen der Theorien gegeneinander steht dabei in der
Forschungsliteratur noch aus, daher wird in den Hypothesen dieser Arbeit
darauf Bezug genommen.
Hypothese (H1):
Menschen die in Ostdeutschland leben haben mehr
ethnische Vorurteile (höhere Werte in Fremdenfeindlichkeit) als Menschen, die in Westdeutschland leben.
2
! 3
In vielen Analysen wurde auf einen deutlichen Niveauunterschied zwischen
Ost-und Westdeutschland im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit hingewiesen.
An dieser Stelle soll überprüft werden, ob sich auch in dieser Stichprobe eine
gleiche Tendenz ergibt.
Mediationshypothesen
Hypothese (H2):
Kontakt zu AusländerInnen, relative Deprivation und
Autoritarismus vermitteln den Unterschied im Ausmaß
an Fremdenfeindlichkeit von Menschen die in Ostdeutschland leben, im Vergleich zu denen, die in
Westdeutschland leben. Es werden dabei folgende
einzelne Zusammenhänge erwartet:
Hypothese (H2a):
Ostdeutsche haben im Vergleich zu Westdeutschen
höhere Autoritarismuswerte. Autoritarismus mediiert
den Ost-West-Unterschied, daher werden in der direkten Beziehung zwischen Ost-West und Fremdenfeindlichkeit geringere Werte erwartet.
Der autoritären Orientierung wird in der Literatur im Zusammenhang mit
ethnischen Vorurteilen eine große Bedeutung gegeben. Fremdenfeindlichkeit
und Autoritarismus korrelieren immer hoch. Aufgrund der vielfach beschriebenen Tendenz von mehr Fremdenfeindlichkeit der Ostdeutschen sollte
Autoritarismus eine Vermittlerfunktion zwischen Ost-West und Fremdenfeindlichkeit einnehmen.
Hypothese (H2b):
Kontakt mediiert maßgeblich den Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland im Hinblick auf
Fremdenfeindlichkeit. Durch Einfluß von Kontakt verringern sich die Werte des direkten Zusammenhangs
zwischen Ost-West-Befragten und Fremdenfeindlichkeit.
Die verschiedensten Analysen weisen darauf hin, dass weniger vorhandene Kontaktmöglichkeiten in Ost- im Vergleich zu Westdeutschland eine Erklärung für höhere Fremdenfeindlichkeit sind. Ebenso geht aus der Literatur
hervor, dass Menschen mit höheren Werten an autoritärer Orientierung
ebenso von Kontakt profitieren. Ostdeutsche sollten geringere Kontaktwerte
aufweisen, der Unterschied zwischen Ost und West an ethnischen Vorurteilen
2
! 4
sollte sich aber, selbst bei vorhandenen höheren Autoritarismuswerten,
verringern, wenn Kontakt als Mediator in die Gleichung eingeführt wird.
Hypothese (H2c):
Ostdeutsche empfinden sich individuell wie auch
gruppenbezogen benachteiligter als Westdeutsche. Sie
haben höhere Werte bei individueller wie auch fraternaler Deprivation. Fraternale Deprivation mediiert den
Prozess zwischen Ost-West und Fremdenfeindlichkeit.
Der Ost-West-Unterschied sollte dadurch geringer
werden. Individuelle Deprivation sollte deutlich weniger
Einfluss auf den Prozess haben als fraternale Deprivation.
Aus der Literatur geht hervor, dass Ostdeutsche sich häufiger relativ depriviert fühlen, individuell wie auch fraternal. Daher wird davon ausgegangen,
dass sich diese Tendenz auch in dieser Untersuchung bestätigt. Gefühlte
fraternale Benachteiligung ist ein wesentlicher Prädiktor für die Vorhersage
von ethnischen Vorurteilen, daher sollte der Ost-West-Unterschied zu
Fremdenfeindlichkeit geringer werden. Individuelle Deprivation sollte auf
diesen Prozess wenig Einfluss haben, da sie, wie o.g. Studien zeigen, durch
fraternale relative Deprivation selbst vermittelt wird.
Durch das gleichzeitige Testen der vier Mediatoren sollte sich der OstWest-Unterschied bezüglich Fremdenfeindlichkeit aufheben bzw. stark reduzieren.
3.Methode
3.1. GMF-Survey
Die in dieser Arbeit angefertigten Analysen beruhen auf repräsentativen
Querschnittsdaten des Forschungsprojektes GMF des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Seit 2002
wurden zehn Jahre lang Telefonbefragungen (unter gleichbleibenden Bedingungen) in Deutschland durchgeführt. Damit ist das Projekt “weltweit das
größte Vorurteilsprojekt, sowohl durch die 10-Jährige Laufzeit als auch
aufgrund der differenzierten Berücksichtigung verschiedener Vorurteile und
ihrer Ursachen“ (Heitmeyer, 2011, p.1). Das Projekt kam durch verschiedene
wissenschaftliche Kooperationen und Förderungen zustande.
3.2. Stichprobenbeschreibung
Die Daten wurden durch computergestützte Telefoninterviews durch TNS
Infratest Sozialforschung erhoben. Die Befragung basiert auf dem InfratestTelefon-Master-Sample. Die Auswahl der Befragten fand nach dem Random-
2
! 5
Digital-Dialling Verfahren statt. Entsprechend des Methodenberichts ist die
Basis der „Auswahlgesamtheit (…) die Rufnummernstammliste der Bundesnetzagentur (BNA) und das aktuelle Telefonverzeichnis“ (Heitmeyer et al.,
2013, p. 5). Die Befragungen erfolgten anonym.
Die Grundgesamtheit der Stichproben bilden deutschsprachige Personen
ab 16 Jahren in Festnetz-Telefonhaushalten Deutschlands. Die Stichprobe ist
repräsentativ, sie wurde an der Verteilung der Privathaushalte sowie soziodemographischer Strukturen der deutschen Bevölkerung ausgerichtet. Eine
disproportionale Substichprobe der ostdeutschen Bundesländer wurde gewählt, um diese durch erhöhte Fallzahlen besser darstellen zu können.
Mögliche Verzerrungen, die durch dieses Oversampling und andere Faktoren,
wie z. B. Ausfälle von Interviews, entstehen konnten, wurden durch diverse
Gewichtungen ausgeschlossen. Der Methodenbericht weist ausführlich auf
Stichprobenausschöpfung und Gewichtungsverfahren hin. Damit ist von einem
hohen Qualitätsstandard der Nettostichprobe auszugehen (Heitmeyer et al.,
2013).
Für diese Arbeit wurde der Datensatz des Jahres 2011, der im Mai/Juni
erhoben wurde, genutzt. In den Berechnungen dieser Arbeit wurden die
Personen mit Migrationshintergrund nicht berücksichtigt, woraufhin sich die
gesamte Stichprobengröße von N = 2,000 auf N = 1,738 reduzierte. Die
Stichprobe setzt sich aus 942 Frauen und 796 Männern zusammen. Differenziert nach Ost- und Westdeutschland ist die Zusammensetzung der Abbildung
1 zu entnehmen. Dabei wird Berlin aufgrund der in Westberlin immer schon
Gesamtanzahl
davon Frauen
davon Männer
1200
Anzahl Befragte
1.105
900
600
579
633
526
300
0
363
Westdeutschland
270
Ostdeutschland
Abbildung 1. Stichprobenzusammensetzung: Frauen und Männer in Ost- und Westdeutschland.
2
! 6
deutlich größeren Einwohnerzahl als gesamtes Bundesland zu den westdeutschen Gebieten gezählt (Fehser, 2013)2 .
Die Altersspanne reicht von 16 bis 94 Jahren. Das durchschnittliche Alter
beträgt 52.4 Jahre (SD = 15.8). 47.2 % (n = 820) der Befragten leben in Großstädten (ab 100,000 Einwohner). Der größte Anteil (34.4 %, n = 598) gibt als
höchsten Schulabschluss mittlere Reife, ein reichliches Viertel (28.5 %, n =
495) ein Studium, 18.9 % (n = 328) Abitur und 16.6 % (n = 289) Hauptschule
an. 1.4 % (n = 12) hat keinen bzw. einen anderen Abschluss. Zirka die Hälfte
der Teilnehmenden (47.2 %, n = 821) sind verheiratet und leben mit PartnerIn
zusammen, ein Viertel der Befragten (24.3 %, n = 422) ist ledig. Das kategorisierte Äquivalenzeinkommen beschreibt die Stichprobe wie folgt: weniger als
649.5 Euro 4.8 % (n = 83), 650 bis 1,299 Euro 34.5 % (n = 600), 1,300 bis
2,598 Euro 38.6 % (n = 670), mehr als 2,598 Euro 13.9 % (n = 242). 57.3 % (n
= 996) der Befragten waren zum Zeitpunkt der Umfrage erwerbstätig.
3.3. Vorgehen und Material
Der Erhebung des Jahres 2011 liegt ein Fragebogen zugrunde, der 203
Variablen beinhaltet. Kernstück des Fragebogens sind die Items zur GMF
(Einstellungsfragen u. a. zu Obdachlosen, Behinderten, Homosexualität, AusländerInnenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamphobie). Darüber hinaus
wurden soziodemographische Daten erhoben und Fragen zu den hypothetisch
dahinter liegend vermuteten Konstrukten gestellt (bspw. Autoritarismus, Kontakt, Anomia, Desintegration). Es gab ein Splitting von Fragen (Split A und B),
deren Verteilung auf die Befragten zufällig ermittelt wurde. Die Dauer der
Interviews wurde mit durchschnittlich ca. 30 Minuten angegeben. Die Interviewer wurden vor Beginn der Erhebung im Telefonstudio geschult (Heitmeyer,
et al., 2013).
Für das Thema dieser Arbeit waren die weiter unten ausführlich beschriebenen Variablen interessant. Wenn möglich wurden aus den Items Skalen
gebildet. Wie gut die interne Konsistenz der Skalen ist, wird durch die
Reliabilität (Cronbachs Alpha) sichtbar. Laut Konvention (Hossiep, 2013) sollte
diese wenigstens den Wert 0.70 haben. In der Literatur wird allerdings darauf
hingewiesen, dass es sinnvoll ist, jenseits der mathematischen Einschätzung
auf die Bedeutung der Items im Kontext zu achten und die Skalen so zu
bewerten (Field, 2013; Hossiep). Die Items wurden für die Skalen rekodiert,
um die Fragerichtung in der Auswertung einheitlich zu gestalten. Damit be-
2
Es ist nicht aussagekräftig, ob Menschen 2011 im ehemaligen Ost- oder Westberlin
lebten, der Zuzug aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin war über die Jahre
nach der Wende hoch, wie auch die Umzüge innerhalb Berlins (Amt für Statistik Berlin
Brandenburg, 2008; Amt für Statistik Berlin Brandenburg, 2016). Es kann anhand der
Fragen der GMF-Studie nicht nach ost- bzw. westdeutschen Meinungen (im Sinne der
sozialisatorischen Herkunft) unterschieden werden (siehe auch Kapitel 5.2.).
2
! 7
deuten niedrige Werte geringe Zustimmung und höhere Werte größere
Zustimmung zum jeweiligen Merkmal.
Um die Konstruktvalidität möglichst hoch zu gestalten, wurden die Items so
ausgewählt, dass sie den Skalen gleichen, die häufig in ähnlichen Zusammenhängen verwendet wurden sowie die Angaben und Definitionen der
AutorInnen des GMF-Projektes widerspiegeln. Eine faktorenanalytische Überprüfung der Struktur der Skalen fand nicht statt.
Im Folgenden werden die Skalen mit den jeweiligen Items und dem
Reliabilitätsmaß dargestellt.
Für Fremdenfeindlichkeit als zentrale Kriteriumsvariable wurden drei Items
ausgewählt, die allgemeine Aussagen zu AusländerInnen abfragen. Items zu
spezifischen ethnischen Gruppen z. B. TürkInnen, Muslime, Roma und Sinti
wurden hier nicht berücksichtigt. Diese Auswahl fand unter dem Gesichtspunkt
statt, dass die innere Repräsentation von AusländerInnen und die damit
verbundenen Emotionen bei den Befragten sehr verschieden sein können
(Asbrock, Lemmer, Wagner, Becker, & Koller, 2009). Für diese Studie schien
eine allgemeine Kategorie am zweckmäßigsten. Die Antwortoptionen waren
einer 4-stufigen Likert Skala zugeordnet (rekodiert: 1 = stimme überhaupt
nicht zu, 2 = stimme eher nicht zu, 3 = stimme eher zu, 4 = stimme voll und
ganz zu). Die Reliabilität der Skala beträgt α = .83. Die Skala beinhaltet
folgende Items: „Die in Deutschland lebenden Ausländer sind eine Belastung
für das soziale Netz.“, „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland.“ und
„Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die in Deutschland lebenden
Ausländer wieder in die Heimat zurückschicken.“.
Ost-West-Zugehörigkeit als demographisches Merkmal und zentrale
unabhängige Variable wurde Dummy codiert verwendet. Dabei wurde die
Zugehörigkeit zu den alten Bundesländern (inklusive Berlin) mit 0 und zu den
neuen Bundesländern mit 1 zugeordnet.
Autoritarismus als Mediatorvariable wurde laut Heitmeyer (2002) in
Anlehnung an Altenmeyer mit den zwei wesentlichen Aspekten autoritäre
Unterwürfigkeit und autoritäre Aggression konzipiert. Die Skala setzt sich aus
den Items der Subskala autoritäre Unterwürfigkeit – mit: „Zu den wichtigsten
Eigenschaften, die jemand haben sollte, gehören Gehorsam und Respekt vor
dem Vorgesetzten.“ und „Wir sollten dankbar sein für führende Köpfe, die uns
sagen, was wir tun sollen.“ – sowie autoritäre Aggression – mit: „Um Recht
und Ordnung zu bewahren, sollte man härter gegen Außenseiter und Unruhestifter vorgehen.“ und „Verbrechen sollten härter bestrafen werden.“ –
zusammen. Die Reliabilität dieser Skala hat mit α = .75 einen guten Wert. Er
hätte durch Entfernen des zweiten Items um eine minimale Differenz
gesteigert werden können. Darauf wurde verzichtet, da die Erhöhung
unbedeutend gering gewesen, aber die Bedeutung der Skala möglicherweise
2
! 8
eingeschränkt worden wäre. Analog der Skala Fremdenfeindlichkeit wurde
eine 4-stufige Likert Skala verwendet (rekodiert: 1 = stimme überhaupt nicht
zu, 2 = stimme eher nicht zu, 3 = stimme eher zu, 4 = stimme voll und ganz
zu).
Kontakt als nächste Mediatorvariable wird in dieser Skala mit zwei Items
abgebildet: „Wie oft haben Sie in Ihrer Nachbarschaft persönlichen Kontakt zu
Ausländern?“ und „Wie viele Ihrer Freunde und guten Bekannten sind in
Deutschland lebende Ausländer?“. Das Item „Wie oft haben Sie an Ihrem
Arbeitsplatz persönlichen Kontakt zu Ausländern?“ wurde zugunsten einer
höheren Reliabilität entfernt. Cronbachs Alpha beträgt .66 (zuvor mit drei
Items α = .61). Dieser Wert gilt als akzeptabel (Hossiep, 2013), wenn auch die
Aussagekraft der Skala durch nur zwei Items begrenzt ist. Es wurde wiederum
eine 4-stufige Likert Skala verwendet, deren Bedeutung nach Rekodierung der
Items folgende Abstufungen anzeigt: 1 = nie/gar keine, 2 = selten/eher
wenige, 3 = manchmal/eher viele, 4 = häufig/sehr viele.
Individuelle wie auch fraternale relative Deprivation werden jeweils durch
ein Item dargestellt, da die wahrgenommene Benachteiligung direkt abgefragt
wurde. Fraternale relative Deprivation wird durch das Item: „Wenn Sie die
wirtschaftliche Lage der Deutschen mit der der in Deutschland lebenden
Ausländer vergleichen, wie geht es den Deutschen im Vergleich zu den
Ausländern?“ auf einer 3-stufigen Likert Skala (1 = besser, 2 = gleich, 3 =
schlechter) repräsentiert. Individuelle relative Deprivation wird mit dem Item:
„Im Vergleich dazu, wie andere hier in Deutschland leben: Wie viel glauben
Sie, erhalten Sie persönlich?“ durch eine 3-stufige Likert Skala mit folgenden
Abstufungen abgefragt: 1 = mehr als Ihren gerechter Anteil, 2 = Ihren
gerechten Anteil, 3 = weniger als Ihren gerechter Anteil.
4.Ergebnisse
Im folgenden Abschnitt werden die Ergebnisse und das statistische
Vorgehen der vorliegenden Untersuchung beschrieben. Zuerst soll die
deskriptive Beschreibung der Daten einen Überblick über die Ergebnisse
geben. Danach werden mit Hilfe der schließenden Statistik die im theoretischen Teil aufgestellten Hypothesen auf Gültigkeit geprüft. Sämtliche
statistische Auswertungen erfolgten mithilfe des Programms IBM SPSS 23.
4.1. Deskriptive Statistik
4.1.1.
Fremdenfeindlichkeit im Ost-West-Vergleich
Zuerst soll der Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu Ost- bzw.
Westdeutschland und Fremdenfeindlichkeit betrachtet werden, wie er sich aus
der beschreibenden Statistik darstellt. Tabelle 1 zeigt die Verteilung der Zustimmung zur Skala Fremdenfeindlichkeit, aufgeteilt nach den einzelnen Items
2
! 9
und im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland. Einige Items wurden in
der Tabelle der Übersichtlichkeit halber verkürzt dargestellt.
Tabelle 1
Angaben zu den Items der Skala Fremdenfeindlichkeit in Prozent der Befragten im
West-Ost-Vergleich
Stimme…
Items
West
Ost
überhaupt
nicht zu
eher
nicht zu
eher zu
voll und
ganz zu
n
Ausländer sind eine
Belastung für das
soziale Netz.
17.9
47.0
25.8
9.3
1,087
Es leben zu viele
Ausländer in
Deutschland.
22.8
42.1
23.0
12.1
1,097
Wenn Arbeitsplätze
knapp werden, sollte
man Ausländer in die
Heimat schicken.
36.1
44.7
12.1
7.1
1,087
Ausländer sind eine
Belastung für das
soziale Netz.
7.3
30.4
36.1
26.2
618
Es leben zu viele
Ausländer in
Deutschland.
11.2
38.6
25.4
24.8
617
Wenn Arbeitsplätze
knapp werden, sollte
man Ausländer in die
Heimat schicken.
20.3
46.9
16.3
16.5
620
Schon in dieser Darstellung wird augenscheinlich, dass es in Ostdeutschland
einen höheren Anteil an Zustimmenden im Bereich stimme eher zu und
stimme voll und ganz zu bei ausnahmslos allen Items gibt. Vor allem im
Bereich der Zustimmung voll und ganz ist ein besonders großer Unterschied
zu erkennen, diese Werte sind mindestens doppelt so hoch wie die der
Befragten in Westdeutschland. Die Korrelationsberechnung nach Pearson
zeigte, dass zwischen Zugehörigkeit zu Ost- oder Westdeutschland und Fremdenfeindlichkeit ein signifikanter Zusammenhang von r = .26 (p < .001)
besteht. Gemäß den Konventionen (Cohen, 1992) kann hier von einem
niedrigen bis mittleren Zusammenhang gesprochen werden. Damit bestätigt
sich schon in der deskriptiven Betrachtung die Tendenz vieler anderer Studien,
dass es in Ostdeutschland (M = 2.59, SD = 0.84) mehr Fremdenfeindlichkeit
als im Westen der Republik (M = 2.13, SD = 0.78) gibt.
Um einen Überblick zu erhalten, wie sich die Gruppe der Befragten, die
zustimmende fremdenfeindliche Angaben machte, zusammensetzt, wurden
demographische Angaben herangezogen. Dabei wird sich hier auf diejenigen
3
! 0
Merkmale beschränkt, die in der Literatur als am maßgeblichsten für
fremdenfeindliche Einstellungen hervorgehoben wurden. Die Studien belegen,
dass Jüngere, Männer und besser Ausgebildete weniger anfällig für Vorurteile
gegenüber Fremden sind. In Tabelle 2 ist die Zustimmungshäufigkeit bezogen
auf Geschlecht, Alter und Bildung ersichtlich. In dieser Darstellung wurden
aggregierte Werte verwendet, um den Ost-West-Vergleich deutlicher sichtbar
zu machen. Es wurden nur die Skalenwerte über 2.5 verwendet, die für eine
positive Zustimmung zu den Items (d.h. zu fremdenfeindlichen Aussagen)
sprechen.
Tabelle 2
Zustimmung zu den Items der Skala Fremdenfeindlichkeit in Prozent der Befragten
bezogen auf die demographischen Merkmale
Merkmale
Gesamtdeutschland
Westdeutschland
Ostdeutschland
Geschlecht
n = 622
männlich
42,1
43.3
40.8
weiblich
57,9
56.7
59.2
Alter in
Jahren
n = 620
16 - 21
2,9
4.7
1.0
22 - 34
10,3
13.4
7.0
35 - 49
23,5
22.7
24.5
50 - 64
35,8
31.7
40.3
ab 65
27,4
27.6
27.2
Abitur
12,5
13.4
11.4
Studium
19,6
16.2
23.2
mittlere Reife
43,4
38.0
49.2
Hauptschule
23,9
32.1
15.2
0,6
0.3
1.0
Schulabschlu
ss
n = 618
kein Abschluss
Anmerkung. Aggregation der zustimmenden Skalenwerte über 2.5.
Frauen stimmen mit einem höheren Anteil den Items zu als Männer. Diese
Tendenz ist auch im Ost-West-Vergleich deutlich und unterstützt die Ergebnisse anderer Studien. Fremdenfeindlichkeit nimmt mit zunehmendem Alter
zu, allerdings sinkt sie wieder bei Menschen ab 65 Jahren. Die Altersgruppe
der 50 bis 64-jährigen zeigen am häufigsten fremdenfeindliche Einstellungen.
Ihr Anteil ist im Osten höher. Auch diese Werte bestätigen die in der Literatur
häufig gefunden Tendenzen. Überraschenderweise sind die Werte der 22 bis
34-jährigen im Osten um die Hälfte geringer als im Westen. Das Ausmaß an
Bildung wurde hier über den formalen Schulabschluss operationalisiert und in
fünf Gruppen kategorisiert. Die höchsten Zustimmungswerte gaben Menschen
mit einem Schulabschluss „mittlere Reife“, im Osten in erhöhter Weise als im
3
! 1
Westen. Erstaunlich ist, dass Hauptschüler geringere Zustimmungstendenzen
zeigten als die mit „mittlerer Reife“. Ebenso überrascht, dass in Ostdeutschland die studierten TeilnehmerInnen mehr Zustimmung zu den Items gaben als
Hauptschüler und Abiturienten, und dass ostdeutsche Hauptschüler halb so oft
zustimmende Antworten gaben wie die Westdeutschen. Dieser Befund zeigt
nicht die Konsistenz, die andere Studien diesbezüglich haben und liegt
teilweise entgegengesetzt zum bisherigen Trend, dass mit höherem Bildungsgrad weniger Fremdenfeindlichkeit einhergeht (z. B. Babka von Gostomski et
al., 2007). Möglicherweise kann diese Beobachtung darauf zurück geführt
werden, dass in Studien häufig, bei demographischen Merkmalen, Mittelwerte
verwendet und seltener Kategorien mit der Unterteilung in Ost- und Westdeutschland direkt verglichen werden.
Die Zusammenhänge der demographischen Merkmale mit der Skala für
Fremdenfeindlichkeit wurden auf Signifikanz überprüft und ergaben mittlere
signifikante Werte zwischen Schulabschluss und Fremdenfeindlichkeit sowie
teilweise geringe signifikante Zusammenhänge für Alter und Geschlecht. In
Tabelle 3 sind die Korrelationen detailliert dargestellt. Hier wird wiederum
deutlich, dass Bildung die höchsten signifikanten Zusammenhänge mit
Fremdenfeindlichkeit zeigt.
Tabelle 3
Zusammenhangsmaße: Skala Fremdenfeindlichkeit und demographische Variablen
Gesamtdeutschland
Westdeutschland
Ostdeutschland
Alter
Schulabschluss
Geschlecht
.10**
.29**
.08**
.56
.32**
.07*
.12**
.34**
.64
Anmerkungen. ** p < .01, * p < .05.
Aus der Zusammenschau der Ergebnisse wird ersichtlich, dass die
Annahme, dass Ostdeutsche mehr Fremdenfeindlich zeigen bestätigt werden
kann. Menschen mit geringerer Bildung, Frauen und Ältere weisen mehr
fremdenfeindliche Haltungen als höher Gebildete, Männer und Jüngere auf.
Vergleicht man differenzierter nach Ost- und Westdeutschland sowie deren
Alters- und Bildungskategorien, zeigen sich Inkosistenzen zu dieser allgemeinen Aussage.
4.1.2.
Drittvariablen
Untersucht wurden die Drittvariablen Autoritarismus, Kontakterfahrung,
fraternale sowie individuelle relative Deprivation. Es wird die Annahme
verfolgt, dass diese Variablen Einfluss auf die Beziehung zwischen Ost-WestZuordnung und Fremdenfeindlichkeit besitzen. Auch hier werden die Daten
3
! 2
zuerst beschreibend analysiert. Analog Fremdenfeindlichkeit werden zuerst
die Antwortverteilungen zu den einzelnen Items dargestellt. Diese können den
Tabellen 4 und 5 im Anhang entnommen werden. Die Items wurden auch in
diesem Fall etwas verkürzt dargestellt, um die Tabellen übersichtlicher zu
gestalten. Aus selbigem Grund wurden die Items mit den 4-stufigen und 3-stufigen Likert Skalen getrennt dargestellt. Abbildung 2 unterstützt einen
Überblick der Variablen in vergleichender Weise zur Interpretation im OstWest-Vergleich. In dieser Abbildung wurden wiederum nur die zu den hohen
Werten zustimmenden Angaben verwendet. Zur besseren Vergleichbarkeit ist
ebenso die Zustimmung zur Skala Fremdenfeindlichkeit abgetragen.
West
Ost
30,3
Fremdenfeindlichkeit
50,2
65,1
Autoritarismus
Kontakterfahrung
22,5
13,1
17,2
31,2
fraternale relative Deprivation
individuelle relative Deprivation
0
22,5
45
83,3
63,4
54
67,5
90
zustimmende Angaben in Prozent der
Befragten
Abbildung 2. Zustimmende Aussagen in Prozent der Befragten aller Variablen im OstWest-Vergleich. Aggregation zustimmender Werte (Werte ab 2.5 bei 4-stufigen Likert
Skalen, Wert 3 bei 3-stufigen Likert Skalen).
Bei allen vier Autoritarismus Items ergeben sich bei Ostdeutschen höhere
Werte als bei Westdeutschen. Besonders auffällig ist diese Tendenz bei den
Law-and-order Aussagen der Subskala autoritäre Aggression sowie dem Item
„Zu den wichtigsten Eigenschaften, die jemand haben sollte, gehören
Gehorsam und Respekt vor dem Vorgesetzten.“ der Subskala autoritäre
Unterwürfigkeit. In Westdeutschland fallen die Werte für die Subskala autoritäre Aggression ebenfalls hoch aus, wenn auch nicht ganz so eindeutig wie in
Ostdeutschland. Die Mittelwerte der Skala liegen bei Westdeutschen bei 2.64
(SD = 0.71) sowie bei Ostdeutschen bei 2.93 (SD = 0.62). Insgesamt liegen
damit die Werte aller Befragten deutlich im Bereich der Zustimmung zur
Autoritarismus Skala.
Die Kontakt Items wurden nur der Hälfte der Befragten vorgelegt (Split B
der Stichprobe). Daher kommt es zur Reduktion der Stichprobe in diesem
Abschnitt. Die Werte stellen sich erwartungskonform dar. Ostdeutsche haben
3
! 3
deutlich weniger Kontakt zu AusländerInnen. Diese Ergebnisse bestätigen
einmal mehr den vielfach beschriebenen Zusammenhang geringerer Kontaktmöglichkeiten durch geringere AusländerInnendichte im Osten Deutschlands.
Die Mittelwerte der Skala können mit 2.50 (SD = 0.75) für die Westdeutschen
und 1.75 (SD = 0.68) für die Ostdeutschen beziffert werden.
Die Werte für relative Deprivation zeigen auch in dieser Untersuchung,
dass Ostdeutsche sich mehr benachteiligt fühlen als Westdeutsche. Dieses
trifft sowohl für die gruppenbezogene (Ostdeutsche: M = 1.75, SD = 0.73;
Westdeutsche: M = 1.67, SD = 0.70) als auch für die individuelle Benachteiligungswahrnehmung (Ostdeutsche: M = 2.52, SD = 0.54; Westdeutsche: M
= 2.28, SD = 0.51) zu. In der gesamten Stichprobe ist die individuelle Deprivationswahrnehmung weit verbreitet. Mehr als die Hälfte der Befragten in
Ostdeutschland fühlt sich individuell benachteiligt, im Westen Deutschlands
sind es knapp ein Drittel. Die Werte der fraternalen relativen Deprivation sind
vergleichsweise gering. Etwa 17.0 % der Ostdeutschen fühlen sich als Gruppe
der Deutschen gegenüber in Deutschland lebenden AusländerInnen benachteiligt.
Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass Ostdeutsche bei Autoritarismus, fraternaler und individueller relativer Deprivation höhere Werte
zeigen als Westdeutsche. Bei Kontakterfahrungen dreht sich das Verhältnis
um, Ostdeutsche haben bedeutend weniger Kontakterfahrungen als Westdeutsche. Besonders deutlich unterscheiden sich die Ost-West-Werte bei
Autoritarismus, Kontakterfahrung und individueller relativer Deprivation. Aus
der deskriptiven Betrachtung lässt sich ableiten, dass bei fehlenden Kontakterfahrungen, hoher Zustimmung zu autoritären Einstellungen und empfundener Benachteiligung eine stärkere fremdenfeindliche Haltung zu erwarten
ist.
4.1.3.
Interkorrelationen
Die Korrelationsberechnungen aller Variablen sind in Tabelle 6 dargestellt.
Die Mediatoren korrelieren gering bzw. im mittleren Bereich miteinander
(Cohen, 1992). Bemerkenswert hoch sind die Korrelationen zwischen Autoritarismus, Kontakt sowie fraternaler relativer Deprivation mit Fremdenfeindlichkeit. Diese Werte liegen alle über r = .30, sie bestätigen die wesentliche Beziehung, die diese Variablen mit Fremdenfeindlichkeit haben. Dies
unterstützt die Argumentation um die Wichtigkeit dieser drei Theorien im
Hinblick auf das Entstehen und Verstehen von Fremdenfeindlichkeit (Pettigrew, 2016). Kontakt und Ost-West-Zugehörigkeit korrelieren recht hoch
negativ miteinander, was die Diskussion um Kontaktmöglichkeiten zu AusländerInnen in Ost- bzw. Westdeutschland unterstützt. In Ostdeutschland
haben die Menschen maßgeblich weniger Kontakt aber auch weniger
Kontaktmöglichkeiten als in Westdeutschland. Fraternale relative Deprivation
3
! 4
korreliert höher als individuelle relative Deprivation mit Fremdenfeindlichkeit,
was ebenfalls theoriekonform ist. Überraschend ist der relativ geringe Zusammenhang von Ost-West mit fraternaler im Vergleich zu individueller relativer
Deprivation.
Tabelle 6
Interkorrelationen der Untersuchungsvariablen
1.
1. West-Ost
2.
.26**
1
3. Skala Autoritarismus
.20**
.56**
5. fraternale relative
Deprivation
6. individuelle relative
Deprivation
4.
5.
6.
1
2. Skala Fremdenfeindlichkeit
4. Skala Kontakt zu Ausländern
3.
1
-.44** -.35** -.19**
1
.05*
.33**
.24**
-.05
1
.22**
.24**
.22** -.12**
.22**
1
Anmerkungen. ** p < .01, * p < .05.
Methodisch betrachtet, kann Interkorrelation immer zu Verzerrungen der
Schätzungen von inferenzstatistischen Analysen führen. Bei großen Stichproben ist dieses Problem weniger relevant als bei kleineren. Dennoch sollte
Interkorrelation Konsequenzen für die Wahl inferenzstatistischer Methoden
haben.
Nachfolgend werden die Mediatoren und ihr Verhältnis zum Zusammenhang zwischen Zugehörigkeit zu Ost- bzw. Westdeutschland und Fremdenfeindlichkeit über inferenzstatistische Methoden genauer betrachtet und auf
Gültigkeit für die Gesamtpopulation Deutschland überprüft. Eingeleitet wird
der Abschnitt mit einer kurzen Erläuterung zum Herangehen.
4.2. Inferenzstatistik
4.2.1.
Vorgehen
Die statistische Auswertung erfolgte durch T-Test und Mediationsanalysen.
Die Analyse, hinsichtlich der Unterschiede zur Zugehörigkeit zu Ost- und
Westdeutschland und ihrer Beziehung zu Fremdenfeindlichkeit, wurde durch
einem T-Test für unabhängige Stichproben getestet. Die Mediationshypothesen wurden mittels Mediationsanalysen, die als Spezialfall der multiplen
Regression betrachtet werden können (Hayes, 2013), berechnet. Auf die traditionelle Methode der stufenweisen Mediationsanalyse nach Baron und Kenny
(1986) wurde verzichtet. Einerseits fehlt bei diesem Herangehen die
3
! 5
inferenzstatistische Absicherung, dass tatsächlich eine Mediation vorliegt,
andererseits kann es problematisch für die eigenständigen Effekte der
Mediatorvariablen sein, wenn diese untereinander korrelieren. Hier könnte es
bei diesem Vorgehen zu Verzerrungen führen (Hayes, 2013; Field, 2013). Um
methodische Fehler zu vermeiden, wurde entschieden, in dieser Untersuchung eine simultane Testung der Mediatoren durchzuführen. Daher wurden
die Mediationshypothesen mit dem SPSS tool PROCESS (Modell 4) nach
Hayes getestet.
Die statistische Überprüfung der indirekten Effekte erfolgt bei Mediationsanalysen häufig über den Sobeltest. Dieser Test wird in der Literatur als nicht
ausreichend zuverlässig beschrieben. Einerseits basiert er auf der Annahme,
dass alle Stichprobenkennwerte normal verteilt sind. Selbst bei Normalverteilung der einzelnen Variablen ist bei der Produktbildung einzelner Effekte,
die der Berechnung des Sobeltests zugrunde liegt, diese Verteilung nicht mehr
zwangsläufig gegeben. Andererseits haben Untersuchungen gezeigt, dass der
Test, verglichen mit anderen Methoden, schwache Testpower hat und weniger
akkurate Konfidenzintervalle generiert. Eine zuverlässige Alternative ist die
Bootstrap-Methode. Sie kommt ohne theoretische Annahmen aus, da bei ihr
die Stichprobenkennwerte empirisch ermittelt werden (Hayes, 2013; Eid,
Gollwitzer, & Schmitt, 2013). Diese Methode wurde in der vorliegenden
Analyse verwendet, um die Signifikanz der indirekten Effekte zu überprüfen.
Es wurden 5,000 Stichproben mit Zurücklegen aus dem vorhandenen Datensatz gezogen und Konfidenzintervalle generiert, die bei Signifikanz den Wert 0
ausschließen. Durch den Vergleich der indirekten Effekte ist es bei mehreren
Mediatoren möglich, ihre relative Bedeutung in der Beziehung zwischen
Prädiktor und Kriterium zu erklären (Hayes, 2013).
Zur Überprüfung der Stichprobe hinsichtlich Ausreißer, wurden die Daten
mit der Mahalanobis Distanz analysiert. Es wurden keine auffälligen Werte
gefunden. Normalverteilung ist eine wesentliche Bedingung für den T-Test,
allerdings nähert sich die t-Verteilung bei einer großen Stichprobe der
Normalverteilung an, daher wurde auf einen spezifischen Test für Normalverteilung verzichtet. Für die vorliegende Stichprobe kann gesagt werden,
dass aufgrund ihrer Größe von einer Normalverteilung ausgegangen wird, es
sollte kein verzerrender Einfluss auf den Standardfehler zu erwarten sein.
Korrelationen der Mediatorvariablen wurden bereits festgestellt (siehe
Tabelle 6), daher erfolgte ein Test auf Multikollinearität mittels Variante Inflation
Factor (VIF). Für die vorliegende Stichprobe lagen die VIF Werte zwischen
1.12 und 1.31. Dieser Wertebereich wird laut Eid et al. (2013) als unproblematisch betrachtet. Es liegt keine Multikollinearität in der vorliegenden Stichprobe
vor. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass die Daten dieser
Stichprobe für T-Test wie auch multiple Regressionsanalyse geeignet sind.
3
! 6
4.2.1.
Fremdenfeindlichkeit im Ost-West-Vergleich
Zuerst wurde mit der ersten Hypothese geprüft, inwiefern die Zugehörigkeit
zu Ost- oder Westdeutschland bedeutungsvoll für Fremdenfeindlichkeit ist. Die
Analyse wurde mit dem T-Test für unabhängige Stichproben durchgeführt, um
zu prüfen, ob die Mittelwertsdifferenz zwischen Ost und West in Hinblick auf
Fremdenfeindlichkeit signifikant ist oder auf Zufall beruht. Ein Levine Test
wurde der Berechnung vorangestellt, um die Varianzhomogenität der beiden
Gruppen Ost und West zu vergleichen. Ist eine Varianz überzufällig größer als
die andere, wie im Falle der vorliegenden Stichprobe, wird der Test signifikant.
Daher war eine Freiheitsgradkorrektur erforderlich, welche im Programm
SPSS automatisch ausgewiesen wird. Die Analyse durch den T-Test ergab,
dass die Ost-West-Zugehörigkeit mit t(1,158) = 10.93, p < .001 einen signifikanten Unterschied in Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit darstellt. Damit wurde die erste Hypothese bestätigt. Der Unterschied in Fremdenfeindlichkeit
zwischen Ost- und Westdeutschen beruht nicht auf Zufälligkeit, sondern auf
einem systematischen Effekt.
4.2.2.
Mediationsanalysen
4.2.2.1. Allgemeines
Multiple Mediationsmodelle spezifizieren direkte und indirekte Effekte. Als
indirekte Effekte werden die Wirkrichtungen von Prädiktor über Mediator zum
Kriterium bezeichnet (aibi). Der direkte Effekt (c’) ist die direkte Beziehung
zwischen dem Prädiktor und dem Kriterium, hier zwischen Zugehörigkeit zu
Ost- bzw. Westdeutschland (in Abbildung 3 kurz: Ost-West) und Fremdenfeindlichkeit, die trotz Wirkung von Drittvariablen übrig bleibt. Allerdings sollte
der direkte Effekt durch die Wirkung der Mediatoren minimiert werden bzw.
komplett verschwinden (vollständige Mediation).
In Abbildung 3 werden die in dieser Arbeit untersuchten Beziehungen im
statistischen Diagramm dargestellt. Die Abbildung gibt die unstandardisierten
Schätzer sowie Standardfehler wieder. Die Darstellung in einem Pfadmodell
kann durch die Angabe der Pfeile als Wirkrichtung leicht verleiten, Ergebnisse
kausal zu deuten. Es handelt sich in dieser Untersuchung um korrelative Daten. Daher sind Kausalitätsinterpretationen nicht gerechtfertigt.
In die Mediationsanalyse gingen nur ein Teil der Befragten (n = 706)
aufgrund der Teilung der Stichprobe (bei der Befragung zu Kontakterfahrungen) ein. Es wurden nur die TeilnehmerInnen in der Analyse berücksichtigt, die
zu allen Variablen befragt worden waren (paarweiser Ausschluss).
3
! 7
=
8
.4
8
)
Kontakt
37
)
(.0
58
-.2
14
(.0
33
=2
.0
8(
=
.77
a
)
b1
1
54
b2
a
2
.3
=
1
(.0
Autoritarismus
)
Ost-West
a3
a4
=
.2
1
0
(.0
Fremdenfeindlichkeit
c’ = .183 (.058)
=
42
.11
4
(.0
56
)
Fraternale
relative
Deprivation
b
.22
=
3
)
b
.0
6(
=
4
5
.1
36
2
)
4
(.0
8)
Individuelle
relative
Deprivation
!
Abbildung 3. Mediationsmodell: Zusammenhang von Ost-West-Zugehörigkeit und
dem Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit mit den vier untersuchten Mediatoren.
(p < .05).
Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass nur geringe Varianz in Autoritarismus (R2 = .047), fraternaler relativer Deprivation (R2 = .006) und individueller
relativer Deprivation (R2 = .035) durch die Ost-West-Zugehörigkeit aufgeklärt
wird. Für Kontakt mit AusländerInnen ist dieser Wert mit R2 = .205 deutlich
anders zu bewerten. Dieses Ergebnis beschreibt eine Varianzaufklä-rung, die
die Ergebnisse bisheriger Studien unterstützt. Es ist bedeutungsvoll, ob und in
welchem Maß Menschen in Ost- und Westdeutschland Zugang zu Kontaktmöglichkeiten mit AusländerInnen haben. Ebenso wird ein großer Teil der
Varianz im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit durch alle Mediatoren
gemeinsam aufgeklärt, R2 = .418. Alle vier Mediatoren beeinflussen damit
stark fremdenfeindliche Haltungen.
Besonders relevant sind die Informationen der indirekten Effekte sowie des
direkten Effekts, die im Folgenden entlang der Hypothesen beschrieben
werden.
4.2.2.2. Indirekter Effekt des Mediators Autoritarismus
In der Hypothese 2a wurde der Einfluss des Mediators Autoritarismus auf
die Beziehung von Zugehörigkeit zu Ost- oder Westdeutschland und
Fremdenfeindlichkeit untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass mit einem
variierendem Ost-West-Wert um die Differenz von Eins Fremdenfeindlichkeit
3
! 8
um .157 (SE = .027) durch Autoritarismus, bei Konstanthaltung der anderen
Mediatoren variiert. Dieses Ergebnis resultiert aus zwei positiven einzelnen
Effekten. Durch Kodierung von West = 0 und Ost = 1 bedeutet es für die
Beziehung zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit, dass
Ostdeutsche mehr Fremdenfeindlichkeit zeigen als Westdeutsche. Einerseits
wird dieses erzeugt durch höhere Autoritarismuswerte der Ostdeutschen sowie andererseits durch eine positive Beziehung zwischen Autoritarismus und
Fremdenfeindlichkeit. Beide Einzeleffekte sind relativ hoch, was für den starken Erklärungswert von Autoritarismus innerhalb der Beziehung Ost-West und
Fremdenfeindlichkeit spricht. Dieser Zusammenhang ist mit 95 % BC CI [.106,
.214] signifikant. Diese Ergebnisse sind erwartungskonform mit den
Annahmen dieser Arbeit.
4.2.2.3. Indirekter Effekt des Mediators Kontakt zu AusländerInnen
In der Hypothese 2b wurde der vermittelnde Einfluss von Kontakt zu AusländerInnen auf die Beziehung zwischen Ost- bzw. Westdeutschen und
Fremdenfeindlichkeit untersucht. Mit variierendem Ost-West-Wert um die
Differenz von Eins variiert auch Fremdenfeindlichkeit um .167 (SE = .031)
durch Kontakt zu AusländerInnen, wenn jeweils alle anderen Variablen
konstant gehalten werden. Auch hier steht das Ergebnis wieder für mehr
Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland als in Westdeutschland, vermittelt
durch den Mediator Kontakt zu AusländerInnen. Dieses Ergebnis resultiert hier
aus zwei negativen einzelnen Effekten. Der Effekt a2 ist sehr hoch, er
bedeutet, dass Ostdeutsche maßgeblich weniger Kontakt zu AusländerInnen
haben als Westdeutsche. Dieser Befund steht im Konsens mit Ergebnissen
vieler anderer vorangegangener Studien. Des Weiteren gibt es eine negative
Beziehung zwischen Kontakterfahrung und Fremdenfeindlichkeit (b2), was
bedeutet, dass weniger Kontakt zu mehr Fremdenfeindlichkeit führt. Die
Signifikanz der Ergebnisse wurde durch 95 % BC CI [.110, .230] bestätigt.
Diese Ergebnisse stimmen ebenfalls mit den Annahmen der Hypothese
überein. Ebenso kann ergänzt werden, dass dieser günstige Einfluss durch
Kontakt auf Fremdenfeindlichkeit entsteht, trotz höherer Autoritarismuswerte
der Ostdeutschen, was ebenfalls für die besondere Wirkweise von Kontakt
spricht.
4.2.2.4. Indirekte Effekte der Mediatoren fraternale und individuelle relative
Deprivation
Ein dritter indirekter Effekt für die Beziehung zwischen Zugehörigkeit zu
Ost- oder Westdeutschland und Fremdenfeindlichkeit wurde durch fraternale
relative Deprivation, der mit .026 (SE = .014) geschätzt wurde, modelliert.
Allein durch diesen indirekten Effekt kann gesagt werden, dass die
ostdeutschen Befragten der Studie höhere Werte um das o.g. Maß an
3
! 9
Fremdenfeindlichkeit zeigen als Westdeutsche, vermittelt durch das Gefühl als
Gruppe der Deutschen im Gegensatz zu in Deutschland lebenden AusländerInnen benachteiligt zu sein. Ostdeutsche empfinden sich stärker gruppenbezogen benachteiligt, was der positive Effekt a3 indiziert. Fraternale relative
Deprivation wiederum beeinflusst deutlich Fremdenfeindlichkeit. Diese steigt
durch gruppenbezogene Deprivationswahrnehmung an. Der Zusam-menhang
ist mit 95 % BC CI [.002, .058] signifikant. Fraternale relative Deprivation zeigt
demnach einen eigenständigen Effekt trotz Berücksichtigung der anderen
Variablen.
Mit variierendem Ost-West Wert um die Differenz Eins variiert auch
Fremdenfeindlichkeit um .032 (SE = .013) durch individuelle relative Deprivation, bei Konstanthaltung der anderen Variablen. Ostdeutsche zeigen mehr
Fremdenfeindlichkeit als Resultat persönlich wahrgenommener Benachteiligung als Westdeutsche. Dieser indirekte Effekt ist ebenfalls gering. Er setzt
sich aus den zwei Einzeleffekten a4b4 zusammen. Die Ost-West-Differenz ist
bedeut-sam für individuelle relative Deprivation. Ostdeutsche fühlen sich mehr
individuell benachteiligt als Westdeutsche. Ebenso steigt Fremdenfeindlichkeit
mit dem Empfinden, individuell benachteiligt zu sein an. Dieser Zusammenhang ist mit 95 % BC CI [.012, .063] signifikant. Individuelle relative
Deprivation zeigt ebenfalls einen eigenständigen Effekt bei Konstanthaltung
der anderen Variablen.
Die Hypothese 2c konnte mit diesen Ergebnissen nur teilweise bestätigt
werden. Ostdeutsche fühlen sich mehr individuell als fraternal gegenüber
Westdeutschen benachteiligt. Fraternale relative Deprivation mediiert den
Zusammenhang von Ost-West-Zugehörigkeit und ethnischen Vorurteilen in
einem geringeren Maß als angenommen. Individuelle relative Deprivation
vermittelt ebenso diese Beziehung und zeigt einen höheren signifikanten indirekten Effekt als fraternale relative Deprivation, was konträr zur Annahme von
H2c liegt. Betrachtet man die einzelnen Effekte b3 und b4 separat, erhält man
erwartungskonform einen höheren Einfluss durch fraternale relative Deprivation als durch individuelle relative Deprivation auf Fremdenfeindlichkeit.
4.2.2.5. Direkter Effekt zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit
Der direkte Effekt, c’ = .183 quantifiziert die Beziehung zwischen Ost-WestZugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit. Da dieser Wert positiv ausfällt, ist zu
schlussfolgern, dass Ostdeutsche um einen Koeffizienten von .183 mehr
Fremdenfeindlichkeit zeigen als Westdeutsche, ungeachtet aller Einflüsse, die
Autoritarismus, Kontakterfahrung und beide Formen relativer Deprivation auf
diesen Zusammenhang ausüben. Es kann vermutet werden, dass weitere erklärende Drittvariablen in dieser Beziehung bedeutungsvoll sind. Da es signifikante indirekte Effekte gibt, muss der totale Effekt (Zusammenhang zwi-
4
! 0
schen Ost-West-Zugehörigkeit und Vorurteilen ohne Berücksichtigung der
Mediatoren) größer sein als der indirekte Effekt. Man kann auch anhand des
Vergleichs des direkten und totalen Effekts (c = .564) erwartungskonform feststellen, dass der direkte Wert für den untersuchten Zusammenhang um .381
reduziert wurde, was auf tatsächlich vermittelnde Funktion der einzelnen
Mediatoren zurückzuführen ist. Alle Mediatoren sind anhand der Testung
durch die Bootstrap-Konfidenzintervalle signifikant. Damit wurde H2 als
allgemeine Mediationshypothese bestätigt.
4.2.2.6. Fazit
Ausgehend von den vorangegangenen Ergebnisdarstellungen wurde mit
H1 der direkte Zusammenhang zwischen Zugehörigkeit zu Ost- bzw. Westdeutschland und ethnischen Vorurteilen repliziert. Ostdeutsche weisen
signifikant mehr Fremdenfeindlichkeit auf als Westdeutsche. Im Folgeschritt
wurde überprüft, inwiefern dieser Zusammenhang durch verschiedene Variablen vermittelt wird.
H2 als allgemein formulierte Mediationshypothese konnte bestätigt werden.
Autoritarismus, Kontakt zu AusländerInnen, fraternale wie auch individuelle
relative Deprivation mediieren den Zusammenhang zwischen Zugehörigkeit zu
Ost- bzw. Westdeutschland und fremdenfeindlicher Haltung. Dies wurde
quantifiziert durch die Reduktion des direkten Zusammenhangs zwischen OstWest-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit. Alle indirekten Effekte wie auch
der direkte Effekt wurden durch Bootstrap-Konfidenzintervalle auf einem
Niveau von mindestens 5 % als signifikant bestätigt. Es bleibt ein direkter
Effekt von .183 zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit,
der auf weitere erklärende Variablen schließen lässt.
Werden die einzelnen Mediatoren differenzierter betrachtet, können ebenso
die Hypothesen H2a und H2b als vollständig bestätigt gelten. Autoritarismus
ebenso wie Kontakterfahrungen wirken als bedeutende Vermittler im Hinblick
auf höhere Werte in Fremdenfeindlichkeit bei Ostdeutschen und geringeren
Werten bei Westdeutschen. Die Mediationshypothese H2c kann nur teilweise
bestätigt werden. Beide Formen der relativen Deprivation mediieren den
Zusammenhang zwischen Ost-West und Fremdenfeindlichkeit, allerdings in
einem sehr geringen Maß, betrachtet man die indirekten Effekte. Bezugnehmend auf den Tenor in der Forschungsliteratur wäre hier sowohl generell
mit einem deutlich höheren Wert bei fraternaler relativer Deprivation, als auch
im Vergleich zu individueller relativer Deprivation zu rechnen gewesen. In den
vorliegenden Ergebnissen zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Bei detaillierterer
Betrachtung reagieren individuelle relative Deprivation und fraternale relative
Deprivation erwartungskonform in Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit. Die These, dass sich der Ost-West-Unterschied eher durch fraternale relative Deprivation als durch individuelle relative Deprivation erklären lässt, wird nicht
4
! 1
bestätigt.
Im Folgenden werden die Ergebnisse der Untersuchung in Zusammenhang
mit der herangezogenen Forschungsliteratur diskutiert.
5.Diskussion
Ziel der Arbeit war es, mit Hilfe einer Sekundäranalyse herauszufinden,
weshalb Ostdeutsche mehr ethnische Vorurteile haben als Westdeutsche.
Zunächst werden die Befunde aus dem vorangegangen Kapitel entlang der
Hypothesen zusammengefasst dargestellt, interpretiert und diskutiert. Es folgt
eine kritische Reflexion hinsichtlich des methodischen Herangehens und der
Grenzen der Untersuchung. Abschließend werden Implikationen für Theorie
und Praxis beleuchtet.
5.1. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
Zunächst ging es in der ersten Hypothese darum, den seit Jahren
beständigen Trend, dass Ostdeutsche mehr ethnische Vorurteile zeigen als
Westdeutsche, als Ausgangspunkt für die Frage nach den Gründen zu nutzen.
Die Hypothese (H1) wurde auch in dieser Arbeit bestätigt und kann als Replikation der bisherigen Ergebnisse verstanden werden. Die Frage, ob die OstWest-Zugehörigkeit an sich ein bedeutender erklärender Faktor für diesen
Unterschied in Fremdenfeindlichkeit ist, wurde bisher auf vielfältige Weise
untersucht. Viele Studien, die sich diesem Thema auf verschiedene Weise
widmeten, kamen zum Ergebnis, dass es diverse Einflussfaktoren gibt, die
diesen Prozess vermitteln. Die immer wiederkehrenden Ergebnisse der
psychologischen Forschungsliteratur bezogen sich auf Autoritarismus, Kontakt
zu AusländerInnen und der wahrgenommenen Benachteiligung (siehe Kapitel
2.). Weitere Einflussfaktoren, die sich im Ost-West-Vergleich herausstellten,
waren häufig interdisziplinär untersucht worden und bezogen sich auf
Konstrukte wie Anomia (Hüpping & Reinecke, 2007) und Desintegration – welche neben psychologischen auch soziale und ökonomische Faktoren
berücksichtigt, eingebettet in eine eigene Theorie zum Verständnis des Syndroms Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung (Mansel
& Kaletta, 2009) – um nur einige beispielhaft zu nennen.
Für diese Arbeit wurden die drei o.g. prominentesten psychologischen
Theorien, die sich einzeln in der Erklärung zum Ost-West-Unterschied im
Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit bewährt haben, in einem Mediationsmodell
parallel untersucht. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass alle vier
Mediatoren – Autoritarismus, Kontakterfahrung und fraternale wie individuelle
relative Deprivation – gleichzeitig den Zusammenhang zwischen Ost- und
Westdeutschland und Fremdenfeindlichkeit vermitteln (H2). Diese Hypothese
konnte bestätigt werden. Die mediierende Wirkung der vier Variablen wurde
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durch eine signifikante Reduktion des direkten Effekts von Ost-WestZugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit quantifiziert. Auch einzeln betrachtet,
trägt jede der o.g. Mediatorvariablen zur Reduktion des direkten Effekts bei.
Trotz dieser vermittelnden Einflüsse bleibt ein direkter Effekt von .183
zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit übrig. Dieser
Effekt kann begründet sein im tatsächlichen Einfluss der regionalen
Zugehörigkeit oder lässt auf weitere Faktoren schließen, die diesen
Zusammenhang maßgeblich beeinflussen. Würde man von der These
ausgehen, dass Ost-West-Zugehörigkeit selbst einen Einfluss hat, müsste
man sich fragen, was das überhaupt bedeutet. Was könnte ein regionaler
Einfluss sein? Man könnte auf die DDR-Geschichte und damit verbundene
Sozialisation rekurrieren, die teilweise auch im Autoritarismuskonstrukt
enthalten sein kann. Anhand der erhobenen Daten kann dies nicht zuverlässig
zugeordnet werden, da im Interview nach dem aktuellen Wohnort gefragt
wurde, der zur Einteilung in Ost oder West herangezogen wurde, nicht nach
der Herkunft im sozialisatorischen Sinne (siehe auch Kapitel 5.2.). Des Weiteren könnte man regionale Differenzen der wirtschaftlichen Lage heranziehen,
also objektiver Benachteiligung Bedeutung geben. Dann würde nicht die
Region selbst, sondern die objektiven Benachteiligungen der östlichen Region
als Mediatoren betrachtet werden. Es ist realistisch, dass in den ostdeutschen
Bundesländern schlechtere wirtschaftliche Situationen zu verzeichnen sind als
im Westteil des Landes (Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
2015). Dies ist auch ein anhaltendes Merkmal der Nachwendezeit. Durch den
Systemwechsel wurde die Wirtschaft der ehemaligen DDR komplett dem
westlichen Modell angepasst, alles was darin keinen Platz hatte, wurde
„abgewickelt“ und/oder abgewertet. Das westliche Modell setzte den Maßstab,
ohne Interesse an Integration vorhandener Netzwerke, funktionierender
Betriebe und Strukturen (Hollenstein, 2012). Das hatte zur Folge, dass
Biografien entwertet und permanent notwendige Anpassungsleistungen
(wirtschaftlich, gesellschaftlich und persönlich) nicht gewürdigt wurden. Dies
wiederum führte mehr zu einer abgrenzenden als zu einer gemeinsamen
Identitätsentwicklung (Heitmeyer, 2009; Hollenstein, 2012). Diese Prozesse
sind in ihrer Komplexität schwer zu operationalisieren. In einzelnen Feldern
wurde dies immer wieder erfolgreich versucht. Im Endeffekt kommen
AutorInnen – aus den verschiedensten Perspektiven auf Vorurteilseinstellungen blickend – immer wieder zu den Ergebnissen, dass es neben
einzelnen individualpsychologischen Merkmalen, vor allem die Situationen
sind, in denen Menschen leben und sich bewähren müssen, die bedeutungsvoll sind. Diese führen zu Anpassungsleistungen, die sich, je nach individuellen Stärken und Schwächen sowie geprägt durch familiäre Einflüsse, in
gruppenbezogenen Identitäts- und Anpassungsprozessen äußern. Dazu ge-
4
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hört auch die Abgrenzung zu und Ablehnung von fremd erscheinenden
Gruppen (z. B. AusländerInnen).
In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass es nicht die Ost-WestZugehörigkeit an sich ist, sondern weitere Faktoren, wie die o.g. tatsächliche
Benachteiligung und damit verbundene Desintegration, Anomia und empfundene Bedrohung, die die Ost-West-Differenz im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit zusätzlich vermittelnd erklären. Alle genannten Faktoren stehen in
Verbindung mit Vorurteilen.
Dies leitet zu Hypothese H2a über, die den Einfluss von Autoritarismus
als Mediator zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit
untersuchte. Die Hypothese wurde bestätigt. Autoritarismus beeinflusst
maßgeblich die vorhandene Ost-West-Differenz. Autoritarismus, ein umstrittenes Konstrukt, wurde in diesem Survey in seinen Facetten autoritäre
Unterwürfigkeit und autoritäre Aggression gemessen. Oesterreich (2000) sowie Zick und Henry (2009) wiesen in ihren Artikeln darauf hin, dass es zur
Interpretation dieses Konstruktes bedeutungsvoll ist, ob man es als Persönlichkeitseigenschaft (traditionelle Sichtweise) oder als autoritäre Reaktion
im Sinne einer Anpassungsreaktion an schwierige Situationen versteht. Im
Bereich der Autoritarismusforschung gibt es Uneinigkeit über die Interpretationsweisen. Am wenigsten tauglich als erklärende Variante für hohe fremdenfeindliche Einstellungen ist die Idee der DDR-Sozialisation, die aufgrund
eines diktatorischen Staatssystems Menschen mit höheren Autoritarismuswerten erzeuge. In der Literatur gibt es viele widersprüchliche Ergebnisse
dazu, wie schon in Kapitel 2.2.2. dargelegt wurde. Mit dem hier zugrunde
gelegten Verständnis, Autoritarismus als eine autoritäre Anpassungsreaktion
zu betrachten, wird in dieser Arbeit, im Konsens mit anderen AutorInnen
(Oesterreich, 2000; Quent, 2016; Wagner et al., 2001), davon ausgegangen,
dass diese These als empirisch widerlegt betrachtet werden kann. Nichts
desto trotz weisen Ostdeutsche häufig, so auch in dieser Untersuchung,
höhere Werte in Autoritarismus auf als Westdeutsche. Mit Oesterreichs
Theorie der autoritären Reaktion kann dies als situations-spezifische Flucht in
die vermeintliche Sicherheit von Autoritäten aufgrund von Verunsicherungen
und Ängsten in einer krisenhaften unsicheren Zeit – als die die gesamte
Nachwendezeit von vielen Ostdeutschen erlebt wurde – verstanden werden.
Ebenso hat der Kontakt zu AusländerInnen einen maßgeblich vermittelnden
Einfluss auf die Beziehung zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und ethnischen
Vorurteilen (H2b). Dieser Teil der Untersuchung kann ebenfalls als Replikation
gewertet werden, da die Kontaktkomponente im Zusammenhang mit ethnischen Vorurteilen schon mehrfach zuvor untersucht wurde. Wie bereits Allport
(1979) beschrieb, minimiert Kontakt Vorurteile. In dieser Arbeit konnte diese
Beziehung wiederholt bestätigt werden. Wenig Kontakte führen zu mehr
4
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ethnischen Vorurteilen und dies kann deutlich den Ost-West-Unterschied erklären. Im Osten gab es verglichen mit Westdeutschland sowohl vor als auch
nach der Wende immer einen erheblich geringeren Anteil an AusländerInnen.
In ihren Studien kommen Christ et al. (2014) zu dem Ergebnis, dass allein
schon die Region bzgl. ihrer Dichte an AusländerInnen und Fremden bedeutungsvoll für die unterschiedliche Ausprägung in Fremdenfeindlichkeit ist.
Geringere Möglichkeiten Kontakt zu AusländerInnen aufzunehmen (sei es
auch nur indirekt) werden als eindeutige Interpretation der höheren Vorurteilswerte Ostdeutscher gewertet.
Beide Aspekte der relativen Deprivation wurden als Mediatoren in das
Modell aufgenommen (H2c). Beide zeigten signifikanten Einfluss als vermittelnde Kraft zwischen Ost-West-Zugehörigkeit und Fremdenfeindlichkeit, wenn
auch in deutlich geringerem Maße als Autoritarismus und Kontakt. Diese
Hypothese kann als nur teilweise bestätigt gelten, da der indirekte Effekt
individueller relativer Deprivation größer war als der fraternaler relativer
Deprivation. Dieses Ergebnis ist überraschend, da theoriekonform angenommen wurde, dass individuelle relative Deprivation nur einen geringen
Einfluss auf diese Beziehung hat. In der Literatur wurde vor allem von
fraternaler relativer Deprivation in Zusammenhang mit ethnischen Vorurteilen
gesprochen und dies auch mehrfach empirisch belegt (siehe Kapitel 2.3.4.).
Die konträren Befunde lassen annehmen, dass es weitere Prozesse oder
Drittvariablen gibt, die Einfluss auf diese Beziehung nehmen. Die Interkorrelationen der Mediatoren könnten auch Hinweise darauf geben, dass die
Beziehungen untereinander bedeutungsvoll sind. So fanden z. B. Pettigrew et
al. (2008) in ihrer Studie zu relativer Deprivation und Fremdenfeindlichkeit,
dass fraternale relative Deprivation den Prozess zwischen individueller
relativer Deprivation und Fremdenfeindlichkeit mediiert. Demnach hängen
individuell wahrgenommene Benachteiligung und gruppenbezogene Benachteiligungswahrnehmung im Hinblick auf Ausprägung ethnischer Vorurteile eng
zusammen. Es sollte auch bedacht werden, dass die zur relativen Deprivation
zugehörigen Emotionen eine bedeutende Rolle in der Vorhersage von Einstellungen und Verhalten spielen können. Dazu muss das Konzept differenzierter erfasst werden, als es in dieser Untersuchung möglich war. Bisher
gibt es dazu noch wenig Forschung (Kessler & Harth, 2008; Turner & Hewstone, 2012). Welche genaue Bedeutung individuelle relative Deprivation im
Modell der hier durchgeführten Untersuchung spielt, kann anhand der
vorliegenden Ergebnisse nicht eindeutig beantwortet werden. Es sollten
weitere Alternativen untersucht werden.
Zusammenfassend kann resümiert werden, dass das unterschiedliche
Niveau an fremdenfeindlichen Einstellungen nicht auf dem Ost-West-Unterschied an sich beruht, sondern im engen Zusammenhang mit sozialen Pro-
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blemlagen wie auch situativen Faktoren steht, die in besonderem Maße im
Osten Deutschlands zu finden sind. Die Ergebnisse dieser Untersuchung beziehen sich auf eine deutsche Stichprobe. Generalisierungen können damit
auf Deutschland bezogen werden. Auch wenn Metaanalysen z. B. der Konstrukte relative Deprivation (Smith et al., 2012) und Kontakt (Pettigrew, &
Tropp, 2008) auf kulturübergreifende Generalisierungsmöglichkeiten hinweisen, ist Vorsicht bei derartigen Interpretationen geboten. Strukturelle Länderunterschiede wie im Hinblick auf das Verständnis von AusländerInnen (z.
B. sind landesspezifische Regeln der Einbürgerung, wer als AusländerInnen
bezeichnet wird, zu beachten) können sehr bedeutsam sein und verschiedene
Antworten auf ähnliche Fragen liefern.
5.2. Methodische Reflexion - Grenzen der Untersuchung
Forschungsarbeiten unterliegen Limitationen, so auch diese. Im Folgenden
sollen methodische Mängel bzw. Grenzen ausführlich betrachtet werden.
Ganz vordergründig ist zu nennen, dass die hier verwendeten Daten aus
einem korrelativen Querschnittsdesign entnommen wurden. Dieses erlaubt
nicht, die untersuchten Zusammenhänge auf Kausalität zu prüfen, da die Daten, die signifikant sind, zwar das theoretische Modell stützen, aber Alternativerklärungen nicht ausgeschlossen werden können (Eid et al., 2013). Durch
ihre Signifikanz liefern die vorliegenden Ergebnisse Hinweise aber keine
Beweise. Ob das theoretische Modell richtig konzipiert war, ließe sich nur über
Strukturgleichungsmodelle prüfen. Es liegen in der Literatur schon vielfach
gerade auf Kontakt bezogene Untersuchungen vor, die über Strukturgleichungsmodelle die Wirkungsrichtungen, die auch in dieser Untersuchung
zentral waren, bestätigen (z. B. Christ et al., 2014; Pettigrew et al., 2010).
Ebenso kann nur bei Verwendung von Strukturgleichungsmodellen von
Messfehlerfreiheit ausgegangen werden (Eid et al., 2013). Da dem im
vorliegenden Fall nicht so ist, muss diese Fehlerquelle berücksichtigt werden.
Im Hinblick auf das methodische Vorgehen bei der Befragung lässt sich
kritisch die Methode der hier verwendeten Telefoninterviews betrachten, da sie
Menschen ohne Festnetzanschluss ausschließt. Da es üblich ist Mobiltelefone
zu benutzen, ist davon aus zu gehen, dass ein größerer Teil der Bevölkerung
keine Festnetzanschlüsse hat. Besonders dürfte das für junge Erwachsene
zutreffen. Die Verwendung von Gewichtungsfaktoren zur Behebung solcher
Schwierigkeiten scheint in der Literatur umstritten zu sein (Fehser, 2013).
Dieses Verfahren könnte eine Verzerrung der Stichprobe verursachen.
Ebenso kritisch, wenn auch wirtschaftlich nachvollziehbar, wird der Split der
Stichprobe bewertet. Konstrukte, die in jeweils nur einem Split gefragt wurden,
standen nicht zur gleichzeitigen Auswertung mit Konstrukten, die nur im
anderen Split abgefragt wurden, zur Verfügung. Im vorliegenden Fall betraf
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dies Kontakt und Anomia. Aus diesem Grund konnte diese nicht in das
parallele Mediationsmodell aufgenommen werden. Orientierungslosigkeit und
Unsicherheit (gemessen als Anomia) zeigten in den Analysen zwischen OstWest und Fremdenfeindlichkeit von Hüpping (2006, 2007) signifikante Ergebnisse. Daher wäre es sinnvoll gewesen, auch dieses Konstrukt zur Erklärung
des Ost-West-Unterschiedes einzubeziehen.
Grundsätzlich kann man sich fragen, ob Fragebögen eine günstige Methode zur Erhebung von Vorurteilen darstellt. Die Daten spiegeln nur offen
vertretene Vorurteile wider, implizite Vorurteile werden nicht erfasst. Ebenso ist
zu überdenken, inwieweit eine ausschließlich quantitative Befragung mit
inflexiblen Antwortformaten den erfragten Konstrukten gerecht wird. Besonders im Rahmen des Zusammenhangs von Autoritarismus und der
Sozialisationshypothese wurde von Rippl et al. (2000) darauf hingewiesen,
dass qualitative Methoden unvermeidbar sind, um genauere Hintergründe der
Lebensgeschichte damit in Verbindung zu bringen.
Bei Ergebnissen, die auf Selbstberichten basieren – z. B. durch Fragebogen, wie in diesem Fall erhoben – muss grundsätzlich mit Verzerrungen und
daraus resultierender mangelnder Validität gerechnet werden (Eid et al.,
2013). Es besteht die Gefahr des sozial erwünschten Antwortverhaltens,
besonders bei Themen, die in den Medien Druck zur Anpassung an eine
gängige Meinung haben und dadurch tabuisiert sind. Fragen zu Fremdenfeindlichkeit, Autoritarismus, relativer Deprivation gehören alle in diese
Kategorie, in der sich Menschen möglicherweise nicht günstig dargestellt
sehen könnten. Hilfreich dafür wären wenig offensichtlich auf das dahinter
liegende Konstrukt hinweisende Formulierungen, um Antizipieren bei Fragen
zu Vorurteilen geringer zu gestalten und somit sozial erwünschtem Antwortverhalten entgegenzuwirken. Ebenso wäre denkbar, eine Lügenskala einzusetzen. Fragen z. B. zur autoritären Einstellung wurden teilweise sehr offensichtlich und tendenziös (bejahende Fragen gingen mit erhöhten Vorurteilen
einher) formuliert, was dem eben Gesagten widerspricht. Ebenfalls muss
dabei mit Verzerrung aufgrund Akquieszenz gerechnet werden (Jonkisz,
Moosbrugger, & Brandt, 2012).
Die verwendeten Skalen haben zum Teil sehr wenige Items bzw. es wurden
Einzelitems für die Konstrukte individuelle und fraternale relative Deprivation
herangezogen. Rippl et al. (2012) weisen darauf hin, dass die Operationalisierung von Deprivation unbedingt in differenzierterer Weise stattfinden sollte,
um noch besser zur Erklärung von Fremdenfeindlichkeit beizutragen. Bei der
Skala Kontakt ist auf die vergleichsweise geringe Reliabilität zu verweisen. Es
ist durchaus in Frage zu stellen, wie aussagekräftig die Konstrukte aufgrund
dieser kritischen Punkte tatsächlich repräsentiert wurden.
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Eine spezielle Schwierigkeit stellt die Zuordnung Berlins dar, da hier gleichzeitig Zuordnungen zu Antworten aus West wie Ost gegeben wurden. In der
vorliegenden Arbeit wurde die Variante gewählt, die im Methodenbericht der
GMF-Studie wie auch bei Auswertungen dieses Projekts (z. B. Babka von
Gostomski et al., 2007) verwendet wurde, nämlich Berlin zu den alten
Bundesländern zu subsumieren (siehe Fußnote 2, Kapitel 3.2.). Viele Texte,
die die Daten des GMF-Survey nutzten und auch Ost-West-Unterschiede in
ihren Ergebnissen ausführen, beschrieben keine Zuordnungspraxis. Wagner
et al. (2006) wiesen darauf hin, dass Berlin aus der Untersuchung ausgeschlossen werden sollte, um Ost-West-Vergleiche zu berechnen. Da die o.g.
Variante gewählt wurde, besteht aus diesem Grund die Möglichkeit von
Ergebnisverzerrungen.
Wird die methodische Reflexion mehr auf inhaltliche Bezüge gerichtet, stellt
sich die Frage z. B. ob die Operationalisierung von Fremdenfeindlichkeit, so
wie sie hier erhoben und verwendet wurde, günstig gewählt ist. Die Items
beziehen sich darauf, wie Deutsche AusländerInnen erleben. Es wird mit dem
Begriff AusländerInnen operiert. Aber wer sind die AusländerInnen? Im Allgemeinen werden damit diejenigen bezeichnet, die keine deutsche StaatsbürgerInnenschaft haben. Fraglich ist dabei, ob die Befragten der Studie diese
Einteilung so vornehmen und die Frage genauso verstehen (Zick et al., 2011).
Einerseits ist es nicht unbedingt offensichtlich, wer die deutsche StaatsbürgerInnenschaft hat bzw. wer nicht, andererseits weisen Asbrock et al. (2009) in
ihrer Analyse auf die Bedeutsamkeit von Emotionen gegenüber AusländerInnen in der Wahrnehmung ihnen gegenüber und deren Diskriminierung hin.
Es wäre also wichtig, dass alle, die diese Fragen beantworten das Gleiche
darunter verstehen. Schon innerdeutsch könnte es möglicherweise emotionale
Unterschiede durch verschiedene Erfahrungen geben (z. B Erfahrungen mit
türkischen Menschen versus mit polnischen). Im Allgemeinen wird es bei der
Wahrnehmung von Fremdenfeindlichkeit um Wahrnehmung des Fremden
gehen, was auf soziale Zuschreibungen und damit auf soziale Abgrenzung
bestimmter Gruppen zurückzuführen ist. Es geht nicht nur um Nicht-Deutsche
sondern auch um deutsche StaatsbürgerInnen, die anders aussehen, anders
sprechen, sich anders kleiden etc. Dies ist nicht gleichbedeutend mit den
Items des Fragebogens. Es sollte demnach um eine präzisere und umfassendere Operationalisierung des Begriffs Fremdenfeindlichkeit gehen, um genau
die gewünschte mentale Repräsentation bei den Rezipienten abzufragen
(Landua et al., 2002).
Eine weitere inhaltliche Frage mit methodischer Relevanz betrifft die
Erhebung von Ost-West bezogen auf den momentanen Wohnort. Will man in
Erfahrung bringen, ob die historische Vergangenheit der Befragten eine Rolle
für die untersuchten Konstrukte spielt, sollten Items nach der Herkunft (z. B.
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Wo wuchsen die StudienteilnehmerInnen auf, in Ost- oder Westdeutschland?)
gestellt werden. In anderen Jahrgängen des GMF-Survey wurden solche
Fragen gestellt, im verwendeten Datensatz waren sie gestrichen. Ebenso
wäre es interessant, Familienvariablen im Survey zu erheben, da diese
maßgeblichen Einfluss auf Entwicklung ethnischer Vorurteile im Rahmen der
Sozialisation haben (Wagner et al., 2001).
5.3. Implikationen für Theorie und Praxis
Aus den vielen Untersuchungen zu ethnischen Vorurteilen sollten
wesentliche politische Implikationen gezogen werden. So müssen Politiker
klare Positionen vertreten, wie ein demokratischer Umgang mit AusländerInnen gepflegt werden soll und wie Integration gelingen kann. Sie haben eine
große Funktion in der Meinungsbildung, ebenso wie die Medien. Dabei spielt
eine Rolle, welches Bild von AusländerInnen vermittelt wird (Pettigrew et al.,
2010). Klare Positionen geben einen sicheren Verhaltens- und Handlungsrahmen, was in unserer Gesellschaft gewünscht ist und was nicht. Am
wirkungsvollsten wird dieser Rahmen durch angemessene Gesetze und
Verwaltungsrichtlinien unterlegt. Deutschland sollte sich baldmöglichst öffentlich wie juristisch als Einwanderungsland verstehen, was es de facto schon
seit langem ist. Nehmen Politiker wie auch Medien ihre Funktionen
dahingehend nicht ernst, ist das demokratische Miteinander gefährdet (z. B.
Leicht, 1991).
Dass Kontakt Vorurteile wie auch diskriminierendes Verhalten minimiert, ist
schon seit den 1950er Jahren bekannt. Das umfangreiche Wissen bisheriger
Forschungsarbeit sollte in Präventions- und Integrationsprogrammen (Wagner
& Farhan, 2008) aber vor allem auch in politischen Entscheidungen mehr
Bedeutsamkeit erlangen. Minoritäten sollten in Nachbarschaften, Schule,
Arbeitsplätzen etc. integriert anstatt separiert werden, damit Kontakte unter
Fremden und Einheimischen entstehen, die Bedrohungsgefühle und Unsicherheiten, ob des Fremden, reduzieren können sowie eine Erweiterung des eigenen Wertehorizonts ermöglichen. Gerade in der derzeitigen Situation, in der
viele Flüchtlinge in unser Land kommen, sollte auf Kenntnisse wie diese
zurück gegriffen werden.
Regionale Benachteiligungen im eigenen Land müssen weiterhin abgebaut
werden. Dies stellt eine herausfordernde politische Aufgabe dar. So sollten z.
B. neue wirtschaftliche Standorte in benachteiligten Regionen erschlossen
und aufgebaut, Arbeitslosigkeit in besonders betroffenen Gebieten abgebaut
und Gehälter für gleiche Arbeit in Ost und West weiter angeglichen werden.
Generell muss der Fokus auf Chancengleichheit für alle Menschen in diesem
Land gerichtet sein. Selbst wenn laut Forschung wahrgenommene Benachteiligung in der Entwicklung von Vorurteilen schwerer wiegt als objektive
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Benachteiligung (Rippl et al., 2012) unterstützt diese ebenso Unsicherheit,
Machtlosigkeitsempfinden und existenzielle Ängste, was wiederum zu weniger
Lebenszufriedenheit und mehr Frustrationen anderen gegenüber führen kann.
Vor allem ist bedenkenswert, dass diese Ängste und Frustrationen intergenerational in den Familien weiter gegeben werden. Ebenso „spielt es denjenigen
politisch in die Taschen“ (meist aus dem rechten politischen Spektrum), die mit
vermeintlich einfachen Lösungen Sicherheit und Anerkennung nach traditioneller Manier versprechen (Klein et al., 2009). Diese Situation wird derzeit z. B. durch PEGIDA wie auch AfD illustriert.
Innere Sicherheit wird nicht nur durch äußere Faktoren bestimmt, auch
durch sozialisatorische Prägungen. Dies spielt im Hinblick auf ethnische Vorurteile eine Rolle, wenn über den Einfluss von autoritären Einstellungen
gesprochen wird. Um dem Leben freier und offener begegnen zu können,
kommt es im wesentlichen darauf an, wie Kinder von ihren Eltern, aber auch
anderen Sozialisationsinstanzen ins Leben geschickt werden. Frühe Hilfen für
Familien, die es schwerer haben mit unsicheren Situationen klar zu kommen,
können oft Abhilfe schaffen und Kindern einen besseren Start und sicheren
Bezugsrahmen für eine offenere Entwicklung bieten. Ebenso kann besonders
durch die Kita und Schule Wissen über demokratisches Miteinander sowie
über Kontakterfahrungen mit ausländischen oder anders aussehenden
Kindern erfahren werden. Auch hier sollten neben dem alltäglichen Erleben
konkrete Integrationssprogramme im Unterricht etabliert werden (Wagner &
Farhan, 2008). Generell kann eine solide Bildung als zuverlässiger Prädiktor
für weniger Fremdenfeindlichkeit angesehen werden. Das heißt, dass auch an
dieser Stelle mehr Chancengleichheit zu fördern ist, um Unwissenheit und
Mythen abzubauen.
Implikationen für weitere Forschung sollten neben Längsschnittstudien
auch komplexe Modelle sein, die parallel vielfältige Erklärungsmöglichkeiten
bei der Entstehung von Vorurteilen im deutsch-deutschen Vergleich einbeziehen, um einerseits Kausalitäten zu prüfen und andererseits verschiedene
Prozesse innerhalb des Modells genauer beschreiben zu können. Im hier
durchgeführten Mediationsmodell wurden die Zusammenhänge der Variablen
untereinander nicht berücksichtigt. Es kann sinnvoll sein, ihren gegenseitigen
Einfluss aufeinander einzubeziehen, um die Zusammenhänge noch genauer
beschreiben zu können. Ebenso sollte die emotionale Komponente der relativen Deprivation genauer erforscht werden, um differenziertere Informationen
über die Wirkweise von Benachteiligungsempfindungen und deren Reaktionen
zu erhalten.
Ebenso könnte es interessant sein, die Bindungsstile im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit genauer zu analysieren. Möglicherweise erhält man durch
diese Betrachtung einen differenzierteren Blick auf deutsche Regionen und
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damit in Verbindung stehende familiäre Einflüsse, die weitere Lösungsmöglichkeiten zur Überwindung der Differenzen bieten.
5.4. Abschließende Gedanken
Vorurteile haben historische, wirtschaftliche, politische, soziologische und
psychologische Einflüsse. Sie stellen ein komplexes Problemgebilde dar, was
komplexe Lösungsansätze braucht, will man sie umfänglich verstehen. Die
Sozialpsychologie leistet einen wesentlicher Beitrag zur Erklärung von
Ursachen zu Vorurteilen, aber multiperspektivische Ansätze sind dabei
wichtig. Es braucht „ die gesellschaftliche Analyse von Macht und Ideologie als
auch die psychologische Analyse von Kognition, Affekt und Motivation“ (Turner
& Hewstone, 2012, p.355).
Die unterschiedlichen Verhältnisse und Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland der letzten Jahrzehnte zeichnen ein noch unfertiges Bild eines
geeinten Deutschlands. Das Maß an Fremdenfeindlichkeit hat in den letzten
Jahren generell zugenommen. Wenn wir das innerdeutsche Problem des OstWest-Unterschieds nicht als ostdeutsches sondern gesamtdeutsches Problem
verstehen und gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen, ist es möglicherweise leichter, weitere Rekategorisierungsprozesse in Angriff zu nehmen – z.
B. sich als EuropäerInnen oder WeltbürgerInnen zu empfinden – und sich der
Welt vorurteilsfreier zu öffnen. Eine demokratische und humane Gesellschaft
muss sich immer wieder reflektieren, ihre Normen und deren Bewertung überdenken. Dies ist ihre ethische und moralische Pflicht. Dazu gehört auch der
Umgang mit Fremden.
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Pressemitteilung
Ostdeutsche haben mehr Vorurteile gegen AusländerInnen als Westdeutsche. Einige werden sagen: „Das habe ich schon immer gewußt, kann ja
nicht anders sein, mit diesem diktatorischen DDR-Staat…“. Andere werden
fragen: „Warum das? Was ist dort anders als im Westen?“
Für die erste Meinung empfehlen wir, den Artikel trotzdem zu lesen, es könnte
interessant und überraschend sein. Denn dieser Artikel beschäftigt sich mit
der zweiten Frage. Die Autorin wollte wissen, was hinter diesem, seit Jahren
bestehenden Trend der höheren Werte ethnischer Vorurteile bei Ostdeutschen, steckt. Mithilfe von Daten einer repräsentativen Umfrage des Jahres
2011 wollte sie darauf Antworten finden.
Vorurteile sind wie shortcuts. Sie helfen uns Dinge oder Menschen
schneller zu verstehen, ordnen sie in bestimmte Kategorien, geben Orientierung. Aber wie das häufig mit Abkürzungen so ist, sie sind ungenau. Im Falle
der Vorurteile sind sie meist negativ und werten dann andere Menschen (bzw.
Menschengruppen) aufgrund bestimmter Merkmale oder ihrer Zugehörigkeit
zu einer bestimmten Gruppe ab. Die Vorurteilsforschung beschäftigt sich
schon seit vielen Jahrzehnten mit Hintergründen der Entstehung und der
Möglichkeiten der Reduktion von Vorurteilen.
In der Sozialpsychologie haben sich drei theoretische Ansätze herauskristallisiert, die maßgeblich den Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschen verstehen helfen. Es betrifft die Erklärungsmodelle: Kontakt zu AusländerInnen, Benachteiligungsgefühle und autoritäre Einstellungen. Diese drei
Theorien wurden zusammen in einem statistischen Modell überprüft, vor allem
mit der Idee, dass sie bedeutungsvoller im Hinblick auf erhöhte Fremdenfeindlichkeit sind, als die Zugehörigkeit zu West- oder Ostdeutschland. Es
kann vorweg genommen werden, dass sich diese Idee bestätigt hat.
Kontakt vermindert ethnische Vorurteile, das ist vielfach wissenschaftlich
untersucht und bestätigt worden. Ostdeutsche haben viel weniger Kontakt zu
AusländerInnen. Sie haben aber auch viel weniger Möglichkeiten welche zu
treffen. Es leben nur 2.7 % AusländerInnen im Osten verglichen mit 10.0 % im
Westen Deutschlands. Dieser Hintergrund hat sich wieder bestätigt, er könnte
wegweisend für zukünftige Veränderungen sein. Ein anderer wesentlicher
Grund für mehr Vorurteile gegen Fremde im Osten, kann durch Gefühle der
Benachteiligung verstanden werden. Sie sind vor allem dadurch erklärbar,
dass Menschen sich mit bestimmten Gruppen identifizieren (z.B. mit den
Ostdeutschen) und mit anderen vergleichen (z. B. mit den Westdeutschen).
Fühlt man sich dann als Gruppe zu Unrecht benachteiligt, braucht es einen
Sündenbock und/oder man sucht sich eine Vergleichsgruppe, der man sich
überlegen fühlen kann. Dafür eignen sich schwächere Gruppen wie z.B.
AusländerInnen. Ostdeutsche fühlen sich eher benachteiligt im Vergleich zu
6
! 0
Westdeutschen. Das kann an tatsächlichen Missständen liegen (z. B. höherer
Arbeitslosigkeit, schlechterer wirtschaftlicher Bedingungen der Region) oder
auch an Erwartungen, die durch die Realität nicht erfüllt wurden. Viele Versprechungen wurden seit der Wende nicht eingelöst, Ideen blieben auf der
Strecke, reale Benachteiligungen prägen den Alltag vieler im Osten der Republik. Die dritte erklärende Komponente hat mit autoritären Haltungen zu tun,
die eng mit Fremdenfeindlichkeit verknüpft sind. Autoritäre Einstellungen kann
man als starkes Bedürfnis nach klaren Normen und Regeln sowie sicheren
Vorgaben verstehen. Dafür wird in der Fachsprache der Begriff Autoritarismus
verwendet. Ostdeutsche haben höhere Werte an Autoritarismus als Westdeutsche. Erklärungen, die versuchen autoritäre Einstellungen durch die diktatorische Gesellschaftsordnung der DDR zu erklären, haben sich wissenschaftlich nicht bestätigt. Viel eher kann man die hohen Werte als Fluchtreaktion aus
verunsichernden Situationen heraus in vermeintliche Sicherheiten verstehen,
die sich durch autoritäre Merkmale wie z. B. der Wunsch nach mehr Ordnung
und Sicherheit oder über Autoritäten, die einem die Verantwortung abnehmen,
äußern.
Alle drei Theorien zusammen erklären in einem großen Maß den Unterschied an Fremdenfeindlichkeit zwischen Ost- und Westdeutschland. Es bleibt
allerdings noch ein Teil übrig, der durch andere Faktoren verursacht wird. Dies
könnten etwa reale Benachteiligungen oder auch Ängste, Sorgen und Unsicherheiten sein, die damit verbunden sind. Genaueres dazu, ist durch die
Forschung zukünftig noch heraus zu finden.
6
! 1
Anhang
Tabelle 4
Angaben zu den Items der Skalen Autoritarismus und Kontakt in Prozent der
Befragten im West-Ost-Vergleich
Autoritarismus Skala
Stimme…
Items
West
Ost
überhaupt
nicht zu
eher
nicht zu
eher zu
voll und
ganz zu
n
6.1
23.6
25.7
44.6
1085
Recht und Ordnung
bewahren, härter
gegen Außenseiter
11.3
32.9
29.2
26.5
1081
Wichtigste
Eigenschaften sind
Respekt und
Gehorsam
13.7
35.3
32.5
18.5
1090
Dankbar sein für
führende Köpfe
21.2
47.4
25.0
6.4
1093
Verbrechen härter
bestrafen
3.5
8.1
25.2
63.1
626
Recht und Ordnung
bewahren, härter
gegen Außenseiter
4.7
20.6
29.6
45.1
621
Wichtigste
Eigenschaften sind
Respekt und
Gehorsam
8.3
27.7
38.6
25.4
625
17.3
50.7
23.8
8.2
623
Verbrechen härter
bestrafen
Dankbar sein für
führende Köpfe
Kontakt Skala
Items
West
Ost
nie/
keine
selten/
wenige
manchmal/
viele
häufig/
sehr
viele
n
Wie oft Kontakt mit
Ausländern in der
Nachbarschaft?
11.7
24.6
27.2
36.5
548
Wieviele Ihrer
Freunde sind in
Deutschland
lebende Ausländer?
15.5
60,4
20.8
3.3
548
Wie oft Kontakt mit
Ausländern in der
Nachbarschaft?
37.4
35.9
16.0
10.7
281
Wieviele Ihrer
Freunde sind in
Deutschland
lebende Ausländer?
55.5
39.5
4.6
0.4
281
6
! 2
Tabelle 5
Angaben zu den Items fraternale und individuelle relative Deprivation in Prozent der
Befragten im West-Ost-Vergleich
Fraternale Relative Deprivation
besser
Item
West
Ost
Die wirtschaftliche Lage
der Deutschen
verglichen mit der von
in Deutschland
lebenden Ausländern:
Wie geht es den
Deutschen im Vergleich
zu den Ausländern?
ungefähr
gleich
schlechter
n
46.4
40.5
13.1
1045
42.4
40.4
17.2
582
Individuelle Relative Deprivation
Item
West
Ost
Im Vergleich dazu, wie
andere hier in
Deutschland leben:
Wieviel glauben Sie
erhalten Sie persönlich?
mehr als
ihren
gerechten
Anteil
ihren
gerechten
Anteil
weniger
als ihren
gerechten
Anteil
n
3.1
65.7
31.2
1084
1.9
44.1
54.0
617
6
! 3
Versicherung
Name:
Anne Lorenz
Matrikel-Nr.:
Fach:
Psychologie
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Abschlussarbeit mit dem
Thema
Warum haben Ostdeutsche mehr ethnische Vorurteile? Eine empirische
Analyse.
ohne fremde Hilfe erstellt habe. Alle verwendeten Quellen wurden angegeben.
Ich versichere, dass ich bisher keine Haus- oder Prüfungsarbeit mit gleichem
oder ähnlichem Thema an der FernUniversität oder einer anderen Hochschule
eingereicht habe.
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