URL: http://www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/PM150707_Webutatio_Walsh.pdf
Wenn der "Shitstorm" aus dem eigenen Haus kommt
Wirtschaftswissenschaftler erforschen die Reputationskompetenz von
Unternehmensmitarbeitern im Umgang mit sozialen Medien
Foto: Jürgen Scheere
Mit negativen Kommentaren in sozialen Netzwerken können Mitarbeiter der Reputation von
Unternehmen schaden.
Ein "Gefällt mir" ist leicht geklickt. Ein Kommentar ebenso schnell gepostet. Das Web 2.0 lebt
davon, dass sich Menschen direkt und ungeschminkt austauschen - über Privates und Banales
ebenso wie über politische und gesellschaftliche Ereignisse oder ihr Konsumverhalten. Binnen
Stunden und Tagen können so weltweit neue Trends gesetzt, Stars geboren oder "Shitstorms"
losgetreten werden.
Wenn der "Shitstorm" aus dem eigenen Haus kommt
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Vor allem Letzteres ist für Wirtschaftsunternehmen ein wachsendes Problem, weiß Prof. Dr.
Gianfranco Walsh von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Negative Kommentare und Kritik an
Produkten oder Unternehmensentscheidungen verbreiten sich schnell im Netz und können dem
Ansehen von Unternehmen ernsthaft schaden." Und dies umso mehr, wenn es die eigenen
Mitarbeiter sind, die sich negativ über ihren Arbeitgeber äußern, sagt der Inhaber des Lehrstuhls
für Betriebswirtschaftslehre und Marketing. Zwar sei die Reputation ein wichtiger immaterieller
Vermögensgegenstand eines Unternehmens und werde daher besonders gepflegt. "Doch bislang
beziehen viele Firmen bei ihrer Imagepflege die wichtige Gruppe der eigenen Mitarbeiter gar nicht
mit ein", stellt Walsh fest.
Bund fördert das Projekt "Webutatio"
Gerade durch die sozialen Medien seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute aber in die
Lage, erheblich reputationsrelevant zu agieren, ohne dass dies der Kontrolle des Unternehmens
unterliegt. Wie kompetent und verantwortungsvoll sie dies im Bereich des Web 2.0 tun, das wird
Prof. Walsh in den kommenden drei Jahren intensiv untersuchen. Gemeinsam mit Fachkollegen
der Universität Koblenz-Landau und Partnern aus der Wirtschaft haben er und sein Team soeben
ein Forschungsprojekt gestartet, das die Reputationskompetenz von Unternehmensmitarbeitern im
Umgang mit sozialen Medien erfassen und stärken soll. Das Bundesministerium für Bildung und
Forschung fördert das Projekt "Webutatio" bis 2018 mit über einer Million Euro, knapp 400.000
Euro gehen an die Uni Jena.
Um die individuelle Reputationskompetenz von Unternehmensmitarbeitern erfassen zu können,
werden Walsh und sein Jenaer Team im Rahmen des Projekts zunächst ein Messinstrument
entwickeln. "Wir wollen einen Fragenkatalog erarbeiten, der unterschiedliche Kompetenzaspekte,
wie den technisch richtigen Umgang mit sozialen Medien oder die Fähigkeit, in sozialen Medien
themenadäquat zu kommunizieren, erfasst", so der Projektleiter. Anschließend soll dieser Katalog
gemeinsam mit den Wirtschaftspartnern des Konsortiums auf seine Praxistauglichkeit und
Aussagekraft getestet werden. Parallel dazu planen die Forscher die Entwicklung und Erprobung
eines Blended-Learning-Konzepts, das Unternehmen zur Schulung ihrer Mitarbeiter nutzen
können.
Kontakt:
Prof. Dr. Gianfranco Walsh
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 943110
E-Mail: [email protected]
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