Lesen lernen und Schreiben
lernen
nach Wolfgang Menzel
Lesen und Schreiben – eine Form
der Kommunikation
• primäres Kommunikationssystem: Sprechen und Hören
• sekundäres Kommunikationssystem: Schreiben und Lesen
(Dank,S. 1988)
• Zu Beginn des Prozesses bei Menzel steht: Zeichen setzen
(schreiben), Zeichen lesen (lesen) und diese als wesentliche
Elemente unserer Kommunikation zu erfahren
• Lesen und Schreiben sollte nicht als „(Kultur)Technik“ vermittelt
werden, sondern explizit als Beziehungsprozess, als kommunikative
Funktion.
• Lesen und Schreiben dient dem sich mitteilen, sich verstehen und
dem Austausch mit einem Partner.
• Ausgangspunkt:
die expressive (produktive) Handlung des
Schreibens, das sich Mitteilen, gilt für Menzel als der motivierende
Ausgangspunkt und führt hin zur rezeptiven Seite dieses Tuns, dem
Lesen.
Zeichen lesen
• Auf ihrer Art können die meisten Kinder schon lange „Lesen“,
bevor sie in die Schule kommen.
• Die Bedeutung vieler Zeichen ist ihnen bekannt (Automarken,
VW, BMW; Produktbezeichnungen: Esso, Aldi, MC Donalds).
• Sie erfahren „Zeichen-Lesen“ als eine Vorstufe des Lesens,
können darüber ermuntert werden ihre Umgebung „lesend“ zu
Erfahren, noch ehe sie „richtig“ lesen können.
• Grundsätzlich neu in der 1. Klasse ist das Bewusstwerden
darüber, dass die Worte, die das Kind bisher einfach als
Ganzheit ausspricht, sich aus einzelnen Elementen wie Lauten
zusammensetzen.
Einführung neuer Wörter
Wörter werden auf zweierlei Weise eingeführt:
• synthetisierend: also „erlesend“ z.B. Toni, Fine, rot, Tor
• ganzheitlich: also „schematisierend“ z.B. ist, auf, ein, malt
Für diese Art der Einführung gibt es zwei Gründe:
• Der Leseanfänger ist imstande, Wörter über gelernt Regeln der
Laut- Buchstabenfolge auditiv zu synthetisieren, aber auch
einige, kürzere Wortschemata visuell–ganzheitlich zu speichern.
• Die Einführung ganzheitlicher Wörter ermöglicht von Beginn an
interessante und natürliche Texte.
• Bsp.: Nikolaus
• Teiloperationen und Elemente innerhalb des Schriftspracherwerbs sind nicht nacheinander, sondern sollen in jeder
Lerneinheit und von Beginn an miteinander durchgeführt
werden, da sie sich gegenseitig unterstützen und in engster
Beziehung zueinander stehen.
•Zuordnung von Wort und Bedeutung
•Zuordnung von Buchstabe und Laut (Phonem)
•Wieder erkennen des optisch und akustisch gleichen (Identifikation)
•Unterscheiden von optisch und akustisch Ähnlichem aber Ungleichem (Diskrimination)
•Analysieren (Ausgliedern von Lauten/Buchstaben aus dem Wort und von Wörtern aus
dem Satz)
•Synthetisieren (Zusammensetzen von Buchstaben zu Wörtern und von Wörtern zu
Sätzen)
•Speichern von Wortschemata (Einprägen einer Reihe von ganzheitlich vermittelten
Wörtern durch stete Wiederholungen in Sätzen und Texten)
•Verankerung des Gelernten durch Beteiligung aller Sinne (aufmerksames Hören,
genaues Sprechen, Lesen, leseunterstützendes Schreiben, experimentelles Spiel,
Reflexion und kommunikatives Handeln).
•Verbindung von Lesen und Schreiben
• Analyse
• Synthese
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Neu !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
• Speicherung von Schemata
• Als geübte Leser synthetisieren wir nicht mehr Buchstaben zu
Wörtern, sondern wir fügen Schemata aneinander.
Fa n g e f o l g e
• Die Speicherung von Schemata muss die
Gliederungs- und Zusammensetzprozesse
beim Lesen lernen stets ergänzen.
• Analyse- und Syntheseprozesse sind wegen
unzureichender Phonem-Graphem-Korrespondenz keine ausreichenden Vorgänge zum
Erlernen der Schriftsprache.
Erstschreiben nach Menzel
• Bisher ist Schreiben:
Motorikübungen, musisch-ganzheitliche Schreiberziehung und auch
Trennung des Lesen- und Schreibenlernen
• Besser:
Schreiben als „Akt des Setzens lautbezogener Grapheme,
bedeutungstragender Zeichen und eine Handlung, mit der man Kontakt
zu einem Partner aufnehmen und sich mit ihm verständigen kann“
Kommunikatives Schreiben
• Schreiben aus dem Zeichnen und Kritzeln entwickeln, dem Setzen von
Zeichenreihen, denen das Kind „Bedeutung“ beilegen kann und auf
einen Leser gerichtet sein soll
 Kritzelbriefe
Ausgangsschriften für das
Schreibenlernen
• 1. Lateinische Ausgangsschrift (LA)
• 2. Vereinfachte Ausgangsschrift (VA)
• 3. Schulausgangsschrift (SAS)
• 4. Druckschrift
In der Didaktik des SSE hat sich heute die Auffassung durchgesetzt,
dass die Druckschrift als Ausgangsschrift für das Lesen- und
Schreibenlernen geeignet ist.
Menzel: unverbundene Schreib-Druckschrift als Ausgangsschrift
• einfache Buchstaben, leichter schreibbar
• regelmäßigen Entspannung der Fingermuskulatur
• vergleichbare Geschwindigkeit
• Lesbarkeit
• Norm der Einzelbuchstaben (Genauigkeit)
• Vorteile für Rechtschreibung
• Verbindungen müssen nicht in ihrer Genormtheit gelernt werden
 eigenständig die Buchstaben verbinden
lange Phase des
Druckschreibens
Leseunterstützendes Schreiben
nach Menzel
• Beim Lesen- und Schreibenlernen ist neben dem auditiven und
visuellen Gedächtnis auch das schreibmotorische Gedächtnis
von großer Bedeutung.
• Leseunterstützendes Schreiben =
Nachschreiben der
analysierten Buchstaben und
deren Integration in Wörter
(Schreibdrucken)
• Für die Synthese ist eine schreibmotorische Unterstützung wichtig
(vgl. visuelle Syntheseübungen)
• Das erarbeitete Buchstaben-Wort-Material von Anfang an in den
Kommunikationsprozess einbeziehen
• Integration von Lesen und Schreiben  schreiben ist „immer
zugleich auch lesen“
Bsp. leseunterstützendes
Schreiben
• Lese- und Schreiblehrgang „Die Fibel“
• auditiv-visuelle und schreibmotorisch Erarbeitung der Buchstaben
Verankerung auf allen 3 Ebenen im Gedächtnis
(Mehrkanallernen)
• Der Übergang zum verbundenen Schreiben wird durch eine leichte
Schräglage der Buchstaben im Übungsteil angebahnt
Freies Schreiben – normadäquates
Schreiben nach Menzel
• unter dem kommunikativen Gesichtspunkt muss das Geschriebene die
Normen der Schreibung erfüllen, um kommunizierbar zu sein
 Verwechslungen bzw. Fehlinterpretationen
ABER:
• Dehn: Zeit für Schreibversuche lassen bzw. Toleranz für nicht
normadäquates Schreiben zeigen
Menzel: Richtiges Schreiben sollte neben dem freien Schreiben herlaufen
und nähert sich nach und nach an (Ende 1. Schuljahr)
Orthographisch richtig Schreiben durch:
• Abschreiben
• Abrufen von gesicherten Wortschemata
• Aufschreiben nach Gehör
Speicherung von Schemata für
das Schreiben lernen
• Auch für das Erlernen des Rechtschreiben ist die
Speicherung von Schemata notwenig
• ganzheitliches Speichern im visuellen, auditiven und im
•
schreibmotorischen Gedächtnis muss gleichermaßen in den
Anfangsunterricht einfließen
Die Speicherung von Wortschemata ist im Hinblick auf einen
erfolgreichen Rechtschreiblehrgang intensiv zu üben