THEATERMAGAZIN
WWW.NATIONALTHEATER-MANNHEIM.DE
MAI 2015
Eine Beilage zur Ausgabe vom 25. April 2015
Liebes Publikum!
Wie fröhlich-lebendiges Gemüse grüßen die beiden Sängerinnen
auf dem Titelbild des Magazins, die StimmSalaBimm, einer Inszenierung der Jungen Oper für die jüngsten Operneinsteiger, entsprungen sind. Aber die Einladung führt nicht zum Wochenmarkt
– sondern in ein frühsommerlich frisches Nationaltheater!
Allerlei interessante und unterschiedliche (Klang-)Gewächse hat
der Monat Mai in unserem Spielplan zu bieten. Zwei Uraufführungen aus Oper und Junger Oper versprechen Hör-Abenteuer:
Lucia Ronchettis neues Musiktheaterwerk Esame di mezza­notte,
ein klanggewordener Prüfungs-Alptraum, wird vom in Mannheim
bestens bekannten Künstler Achim Freyer inszeniert. Solopoly, ein
Musiktheater für fünf Schlagzeuger mit Rhythmen verschiedenster Kulturen, entwickeln die kanadische Komponistin Annesley
Black und die Regisseurin Andrea Gronemeyer. Die dritte Uraufführung in diesem Monat ist die Ballett-Produktion Body & Language,
ein Tanzstück über Kommunikation, choreografiert von dem international renommierten Lukáš Timulak. Mit Spannung erwarten wir
auch die Premiere von Thomas Köcks jenseits von fukuyama im
Studio, das sich zu diesem Anlass in ein »Institut für Glücks- und
Zukunftsforschung« verwandeln wird.
Und es ist noch viel mehr los in Ihrem Nationaltheater …
Viel Spaß beim Lesen!
Ihre
Dorothea Krimm
– Dramaturgin Musiktheater –
TITEL Violetta Hellwig und Verena Hilger in
STIMM­­­SALABIMM
REDAKTION
Kristina Bauermeister (kba), Esther Dreesen-Schaback
(eds), Elena Garcia-Fernandez (egf), Johannes Gaudet
(jg), Lea Gerschwitz (lg), Stefanie Gottfried (sg), Stefanie Hahnemann (V.i.S.d.P.), Johanna Hosenfeld (jh, CvD),
Anita Kerzmann (ak), Christine Klotmann (ck), Dr. Dorothea Krimm (dk), Michaela Oswald (mo), Jan-Philipp
Possmann (jp), Anne Richter (ari), Linda von Zabienski
(lvz)
MITARBEIT AN DIESER AUSGABE
Freunde und Förderer des ­Nationaltheaters
Mannheim e. V., Julia Olmscheid
KONZEPTION
Anzinger | Wüschner | Rasp
GESTALTUNG
Michael J. Böhm
FOTOS
Hans Jörg Michel, Christian Kleiner
ANZEIGEN
Doris Horwedel
DRUCK
Mannheimer Morgen ­Großdruckerei und Verlag GmbH
Sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen, die
in dieser Publikation im Maskulin verwendet werden,
sind geschlechtsneutral zu verstehen. Gemeint sind
alle Geschlechter.
SERVICE
Theaterkasse 0621 1680 150
Vorverkauf Schnawwl 0621 1680 302
Abobüro 0621 1680 160
Das Nationaltheater Mannheim, Eigenbetrieb der
Stadt Mannheim, wird gefördert durch
Wir stecken überall
unsere Nase rein.
Die Innovationskraft ist zentral für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Deshalb arbeiten wir als nachhaltig
ausgerichtetes Energieunternehmen an Lösungen zukunftsfähiger Energieversorgung, insbesondere im Bereich erneuerbare Energien. Mehr unter www.mvv-energie.de/nachhaltigkeit
»EINE KONZERTANTE SITUATION,
ÜBER DER EIN TRAUM SCHWEBT«
Zur Uraufführung von Lucia Ronchettis neuem Musiktheater Esame di mezzanotte
Skizze der Szenenfolge von Achim Freyer (Ausschnitt)
Es ist ein häufig geträumter Traum, ein typisches Angstszenarium: Das Abitur
muss wiederholt werden, doch der Kopf ist leer, alles Wissen plötzlich nicht
mehr abrufbar. Panik breitet sich aus und die Gewissheit, die drohende Prüfung nicht bestehen zu können. Welches Alter man auch erreicht haben mag,
keiner ist frei von Prüfungsangst. Auch Giro Lamenti nicht, der Protagonist in
Lucia Ronchettis neuem Musiktheater Esame di mezzanotte (zu deutsch: Mitternachtsabitur). Mitten in der Nacht wacht er in dem Glauben auf, ein Dekret
habe sein Abitur für nichtig erklärt und eine Wiederholung der Prüfung für den
nächsten Morgen angeordnet. Doch der Zettel mit dem Prüfungsthema ist
unleserlich: »... des 20. Jahrhunderts...« – mehr ist nicht zu entziffern. Auf der
Suche nach dem Buch, das ihm das 20. Jahrhundert im Wesentlichen zusammenfassen soll, gerät Giro in eine unterirdische Bibliothek.
»Geöffnet ab 24 Uhr. Geschlossen ab 8 Uhr.« Bereits das Eingangsschild lässt
vermuten, dass es sich hier um eine besondere Bibliothek handelt, in der
eigene Gesetze herrschen. Das gesuchte Buch findet Giro hier nicht. Stattdessen trifft er auf rätselhafte Gestalten in Schlafanzügen, Insekten kriechen
aus den Büchern und zwischen den Regalen haust ein echter Orang-Utan. Der
Lehrer Natale erzählt von seiner Schlaflosigkeit, die nur am Busen seiner ehemaligen Verlobten Emilia verschwand. Doch als diese herausfand, dass seine
»Ja Emilia, für immer«-Bekundungen reine Floskeln waren, die sie in Sicherheit
wiegen und ihn möglichst lange an ihrer weichen Brust schlafen lassen sollten,
verließ sie ihn. Giro selbst verliebt sich Hals über Kopf in die engelsgleiche Bibliothekarin Iris, verwechselt sie in der Dunkelheit jedoch mit der alten und stark
behaarten Griechischlehrerin Albonea Bucato. Über der gesamten Bibliothek
herrscht der furchteinflößende Direktor Rasorio mit seinen beiden Gehilfen
Santoro und Fischietti, die dafür sorgen, dass in dieser Bibliothek nichts alltäglich und korrekt abläuft.
Für Esame di mezzanotte, ein Kompositionsauftrag des Nationaltheaters, hat
Lucia Ronchetti einen komischen und doppelbödigen Stoff gewählt. Ermanno
Cavazzonis 1991 erschienener Roman Mitternachtsabitur erzählt von einer
geschichtslos gewordenen Welt, die auch als Kritik an der derzeitigen politischgesellschaftlichen Situation in Italien gelesen werden kann, an den führenden
Köpfen des Landes, die jegliches Bewusstsein für die Geschichte und Kultur
ihrer Heimat verloren zu haben scheinen.
In Lucia Ronchettis Werkkatalog nehmen unterschiedliche musiktheatrale
Formen größte Bedeutung ein. Immer wieder versucht sie, die zur Konvention
gewordene Trennung in Musiker und szenisch agierende Sänger aufzulösen.
»Drammaturgia« nennt sie Vokalkompositionen, die der Szene gar nicht mehr
bedürfen und ihre Erzählkraft allein aus den vokalen Ausdrucksmöglichkeiten erhalten. In einem Gesprächskonzert mit Ronchetti und den Neuen Vocal­
solisten am 7. Juni werden einige dieser Werke zu erleben sein. In Esame di
mezzanotte wird die übliche Hierarchie zwischen Bühne und Graben durchlässig: Einzelne Instrumentalisten befinden sich als Charaktere auf der Bühne,
während ein Teil des Chores mit Noten und Pulten quasi konzertant agiert.
»Eine Uraufführung soll das Stück zunächst einmal präzise umsetzen«, sagt
Achim Freyer. Das Interpretieren möchte er daher Regisseuren überlassen, die
das Stück nach ihm noch einmal inszenieren werden. Stattdessen will er versuchen, sichtbar zu machen, was in Ronchettis farbenreicher Musik zu hören
ist. Auch in seiner Konzeption verwischen die Grenzen zwischen Musizierenden
und Schauspielenden, zwischen Theater und Konzert. Eingebettet in eine riesige Spirale agieren Sänger, Sprecher, Opern- und Kinderchor, großes Orchester und solistische Instrumente, als wären sie allesamt Teil des eigenartigen
Kosmos Bibliothek. »Eine konzertante Situation, über der ein Traum schwebt«,
so beschreibt Freyer seinen Bühnenentwurf. Die Rede ist von Giros (Alp-)traum,
der zugleich auch der unsrige sein könnte ... egf
ESAME DI MEZZANOTTE
von Lucia Ronchetti (Musik) / Ermanno Cavazzoni (Text)
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Uraufführung am 29. Mai 2015 um 19.30 Uhr im Opernhaus
anschließend Premierenfeier im Theatercafé
Musikalische Leitung Johannes Kalitzke | Inszenierung / Bühne /
Kostüme Achim Freyer | Mitarbeit Bühne und Kostüme Moritz
Nitsche Licht Sebastian Alphons | Dramaturgie Elena Garcia-Fernandez
Chor Anton Tremmel | Kinderchor Anke-Christine Kober
Mit Vera Lotte Böcker; Philipp Alexander Mehr, Ziad Nehme, Sebastian
Pilgrim/Magnus Piontek, Matthew Shaw, Reuben Willcox, Christoph
Wittmann; Paulina Geißler/Valentin Geißler/Theodor Wagner
Nächste Vorstellungen 7., 11., 17. und 20. Juni
sowie zum letzten Mal in dieser Spielzeit am 17. Juli 2015
Kompositionsauftrag finanziert durch die Die Uraufführung wird gefördert von der Stiftung NTM
STAATSMINISTERIN
ZU GAST AM NTM
THOMAS SIFFLING’S NIGHTMOVES IM MAI
Bevor sich die Nightmoves am 8. Juni 2015 mit dem Sommerspecial Classic
meets Cuba II in die Sommerpause verabschieden, wandelt sich das Theatercafé auch im Mai noch zweimal in eine gemütliche Jazz-Lounge.
Kulturbürgermeister Grötsch bei der Begrüßung der Staatsministerin.
Die Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters hat im Rahmen einer Theaterreise zum Thema »Theaterlandschaft Deutschland – In der
Region, exemplarisch, innovativ« Mitte April das Nationaltheater Mannheim
besucht. In Gesprächsrunden mit dem Intendantenteam, geladenen Theaterkollegen aus Südwestdeutschland und Journalisten stand in Mannheim
»Innovationen im Stadttheater – Neue Leitung, neue Stoffe, neues Publikum«
im Mittelpunkt der Diskussionen. Vorgestellt und diskutiert wurden das neue
Leitungsmodell am NTM, Formen von Autorenschaft im Theater sowie innovative Ansätze für Kinder- und Jugendtheater. Im Anschluss an die Gespräche besuchte die Staatsministerin eine Vorstellung der Inszenierung Das
schwarze Wasser im Schauspielhaus. ck
Am 4. Mai 2015 wird Stephanie
Neigel mit ihrem neuen Album
»Capture Time« eigens komponierte
Momentaufnahmen
ihres Lebens präsentieren. Alles
handmade, versteht sich. Jazz,
Soul und Blues finden unter
ihren Fingern zu einer ganz
eigenen Mischung, die sich mal
in sanften Country-Beats offenStephanie Neigel
© Marius Engels
bart, mal an den Soul der 70er
Jahre erinnert. Sie singt, scattet, lacht und tanzt ihr Publikum in Begeisterung
und macht es bei jedem Konzert zum Teil ihres Arrangements und sorgt für
einen berührenden und erfrischenden Abend.
Am 18. Mai 2015 lädt Dirik
Schilgen JazzGrooves zum
Miterleben ferner Kultur ein.
Geprägt von den musikalischen
Begegnungen seiner vielen Reisen, zaubert der Heidelberger
Schlagzeuger mit viel Charme,
Freude und Harmonie auf seinem dritten Album »On the
Move« eine facettenreiche
Dirik Schilgen © Gabriele Schilgen
Mischung aus Jazz, Soul, lateinamerikanischer Musik und brasilianischen Rhythmen. Ein komplexes und
wunderbar stimmiges Album mit viel Raum für experimentierfreudige Improvisationen. kba
6. KAMMERMUSIKMATINEE FRÜHSTÜCKEN MIT
SCHREKER & CO
LUCIA RONCHETTI
am 3. Mai 2015 um 11.00 Uhr im Oberen Foyer
Mit Vorfreude auf die
Premiere von Franz
Schrekers Der ferne
Klang am 10. Juli 2015
haben sich Nikolaus
Friedrich (Klarinette),
Evgenia Sverdlova (Violine), Stefan Berrang
(Horn),
Fritjof
von
Gagern
(Violoncello)
und Lorenzo Di Toro
N. Friedrich, L. Di Toro, S. Berrang, F. v. Gagern
(Klavier) schon jetzt
zusammengefunden,
um mit Kammermusikwerken von Franz Schreker selbst, seinem Kompositionslehrer Robert Fuchs und einem seiner Schüler, Ernst Krenek, einzutauchen
in die Welt dieses heute viel zu wenig bekannten K
­ omponisten.
Zu Duo-Kompositionen wie Schrekers Violinsonate, Fuchs’ Cellosonate und
Kreneks Kleiner Suite op. 28 für Klarinette und Klavier gesellt sich Schrekers
Quintett in der aparten gemischten Besetzung für Violine, Klarinette, Horn,
Violoncello und Klavier. Das ätherische Werk trägt den Titel Der Wind und entstand 1908/1909, etwa drei Jahre vor dem Fernen Klang, als »Tanzallegorie«
nach einer Dichtung der Tänzerin Grete Wiesenthal. Johannes Brahms’ musikalisches Erbe ist in der frühen Violinsonate Schrekers, aber auch im Werk
von Robert Fuchs zu hören, der neben Schreker auch Gustav Mahler, Richard
Strauss, Alexander Zemlinsky, Hugo Wolf und Jean Sibelius unterrichtete. Ernst
Krenek, Vertreter der Schülergeneration, geht dagegen neue Wege. dk
am 30. Mai 2015 um 11.00 Uhr im Oberen Foyer
Lassen Sie die Uraufführung Esame di
mezzanotte am nächsten Morgen bei
einem leckeren Frühstück nachklingen
– zusammen mit der Komponistin Lucia
Ronchetti und Beteiligten der Produktion. Neben ungezwungenen Gesprächen erklingen kammermusikalische
Kompositionen von Lucia Ronchetti,
darunter auch eine Uraufführung für
Pauke, die die Komponistin eigens für
Stefan Rupp, Solo-Pauker des Nationaltheaterorchesters, komponierte. Das
Werk heißt Lacus timoris und nimmt
das Bild des sein Instrument stimmenden, über der Schlagfläche horchenden
Paukers zum Anlass, einen dunklen,
nächtlichen »See der Furcht« zu evozieren, dessen stille Oberfläche unruhige
Lucia Ronchetti
©Stefano Corso
Gefühle aufkommen lässt. Im Mittelpunkt steht aber nicht nur ihre Musik, sondern Lucia Ronchetti selbst: eine
faszinierende Frau, eine ungeheuer fleißige Komponistin, die 2015 nun schon
die dritte Musiktheater-Uraufführung innerhalb weniger Monate erlebt, nach
dem Radiospiel Fiore di campo (Deutschlandradio Kultur) und der Kammeroper
Mise en Abyme (Semperoper Dresden). Sie wurde vielfach ausgezeichnet und
erhielt zuletzt den »Heidelberger Künstlerinnenpreis« und den »Music Theatre
Now Prize« des International Theatre Institute. dk
AUSDRUCKS-FORMEN
Lukáš Timulak kreiert mit »Body & Language« ein Tanzstück über Sprache, Ausdruck und Kommunikation.
Ballettensemble
»Jeder hat seine Sprache. Aber sie ist durch viele Einflüsse, durch andere
Sprachen geprägt.« Kommunikation kann es nicht alleine geben. Immer geht
es um die Beschreibung von Beziehungen. Die Analogie von Buchstabe zu Wort
und von Schritt zu Choreografie liegt nahe, wenn ein Schriftgestalter und ein
Schrittgestalter zusammenarbeiten. »Wir haben uns gegenseitig in unsere
Welten eingeladen, unsere Ideen zusammengetan und es dann betrachtet«,
so Lukáš Timulak über die Arbeit mit dem Designer Peter Bil’ak, mit dem er
seit 2004 an neuen Formen für zeitgenössischen Tanz arbeitet. Lange schon
beschäftigt sich der Choreograf mit dem Thema Sprache. Für ihn steht dabei
die Verflechtung mit der Umwelt im Vordergrund. Das Ergebnis ist die Idee eines
dreidimensionalen Buches. Das Stück ist unterteilt in Buchstaben-Sequenzen.
Diese Buchstaben setzen sich aus verschiedenen Bühnenelementen zusammen und sind betanzbarer Bestandteil des Bühnenraumes. Jeder Blickwinkel
ergibt eine völlig andere Ansicht. So ist das »A« bei frontaler Ansicht ein gängiger, bekannter Buchstabe. Betrachtet man die Bühne allerdings von der Seite,
ist der Buchstabe in Einzelteile zerlegt. Die einzelnen Elemente, in diesem Fall
Geraden, sind auch in die Tiefe der Bühne erstreckt. Das heißt, der Betrachter
muss die Elemente gedanklich selber zusammensetzen. Lukáš Timulak nimmt
Bezug zu der räumlichen Gestalt. Die Verschmelzung von tanzendem Körper
und Sprachkörper verdeutlicht den Ansatz des Choreografen. Sprache und
Kommunikation funktionieren nur in der Interaktion zwischen Sprecher und
Adressat. Die Tänzer auf der Bühne stehen in ständigem Zwiegespräch zueinander, sie nehmen unaufhörlich Bezug zueinander. Nicht nur Tänzern steht eine
körperliche ­Ausdrucksform zur Verfügung. Jedes Individuum hat durch seinen
speziellen Körper einen individuellen Körperausdruck, eine eigene Körpersprache, in der der ganze Mensch in Erscheinung tritt. Für Lukáš Timulak vereint
Sprache die visuelle und emotionale Facette in sich.
Was die choreografische Sprache von Lukáš Timulak betrifft, so tritt seine zehnjährige Schaffensphase als Tänzer und später dann als Choreograf am Nederlands Dans Theater deutlich zu Tage. Er choreografiert kraftvoll, geschmeidig
und hat ein ausgesprochen gutes Gespür für räumliche Energie. Jede Sequenz
baut eine ganz eigene Spannung auf und macht immer wieder unterschiedliche
Perspektiven von Zeit und Raum sichtbar. Body & Language ist die erste abendfüllende Arbeit für das Kevin O’Day Ballett. Lukáš Timulak war 2007 bereits mit
dem kurzen Stück »Due a Due« in Mannheim zu Gast.
eds
BODY & LANGUAGE (UA)
Tanzstück von Lukáš Timulak
Premiere am 21. Mai 2015 um 19.30 Uhr im Schauspielhaus
anschließend Premierenfeier im Theatercafé
Choreografie Lukáš Timulak | Musik Henry Vega, Hauschka, Peter
Broderick, Moondog | Bühne Peter Bil’ak | Kostüme Bregje van Balen
Licht Loes Schakenbos
Mit Zoulfia Choniiazowa, Malthe Clemens, Nadège Cotta, Viola Daus,
Miguel González Muelas, Julia Headley, Davidson Jaconello, Veronika
Kornová-Cardizzaro, Dávid Kristóf, Hitomi Kuhara, Tyrel Larson, Brian
McNeal, Julie Pécard, Luis Eduardo Sayago, Jura Wanga
Preview 3. Mai 2015 im Schauspielhaus
Nächste Vorstellung 27. Mai 2015
Lukáš Timulak bei der Arbeit zu »Body & Language«
AUTORENTREFF MIT AKIN E. SIPAL
am 9. Mai 2015 um ca. 21.45 Uhr in der Lobby Werkhaus
I N T E R E S S E N GE M E I N S C H A F T K Ä F E R TA L E R V E R E I N E E .V.
Mai 2015
05
(PRIEMDESIGN DE)
Akın E. Sipal
Krankheit, so Akın E. Sipal, sei ein schneller Weg zur Wahrheit.
Denn das Grundlegende werde angegriffen: der Körper.
Diese Tiefe mache das Thema Krankheit auch für die Kunst
interessant. Santa Monica ist ein sehr poetisches Stück, das
die Krankheits- und Familiengeschichte um einen Jungen mit
Leukämie leicht und humorvoll erzählt. Es wurde im März dieses Jahres in der Regie von Tarik G
­ oetzke im Studio uraufgeführt. Im Anschluss an eine Vorstellung gibt es die Möglichkeit,
mit dem Autor über seinen sehr persönlichen Theatertext ins
Gespräch zu kommen.
Akın E. Sipal wurde 1991 in Essen geboren und wuchs in Gelsenkirchen und Istanbul auf. Für Santa Monica erhielt er den
Förderpreis Literatur der Hamburger Kulturbehörde. Er studiert
Film an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. lg
Eintritt frei
Kulturhaus
Mannheim Käfertal
Autorentreff Spezial
EURODRAM:
NEUE DRAMEN AUS EUROPA
Do | 28.05.
An Evening with
20 Uhr
Swing and Tap IV
AN
EVENING
WITH
SWING
AND
TAP
Zum vierten Mal in Folge gelingt es
dem Heidelberger Steptänzer Kurt
Albert, eine Schar internationaler
Künstler in das Kulturhaus Käfertal
einzuladen. Drei Steptänzer um den
amerikanischen Star Josh Hilberman
und ein Jazz Quartett um den renommierten New Yorker Bassisten Joe
Fonda versprechen einen Abend mit
Swing Jazz vom Feinsten. Musikalisch unterstützt werden sie diesmal
von der deutschlandweit bekannten
Sängerin Nicole Metzger und dem
Urgestein der Nürnberger Jazzscene,
dem Pianisten Budde Thiem.
Juni 2015
06
Lesung, Diskussion und Vorstellung des Netzwerks
am 31. Mai 2015 um19.00 Uhr in der Lobby Werkhaus
So | 28.06. | 13 Uhr
Abschlussfest im Kulturhaus
Sprachen, die verbinden
Ein Kulturprojekt für Flüchtlinge
EURODRAM ist ein europaweites Netzwerk für Theatertexte in Übersetzung. Seine Sprach­
komitees stellen jedes Jahr eine Auswahl aus Stücken zusammen, die sie den Zuschauern
und Theatermachern ihrer Heimatländer gezielt vorstellen wollen.
Das deutschsprachige Komitee von EURODRAM hat aus über 70 Einsendungen aus 22 Ländern drei Stücke ausgewählt. Am 31. Mai wird diese Auswahl in Lesungen mit Schauspielern
des Nationaltheaters sowie in Diskussionen mit Mitgliedern des Netzwerks dem Publikum
präsentiert. sg
www.eurodram.wordpress.com
VORGESTELLTE TEXTE
Stefano Massini: Eine nicht umerziehbare Frau. (Aus dem Italienischen von Sabine Heymann)
Malgorzata Sikorska-Miszczuk: Der Koffer. (Aus dem Polnischen von Andreas Volk)
Maria Tryti Vennerød: Die Prüfung. (Aus dem Norwegischen von Nelly Winterhalder)
13 Uhr | Internationales Suppenmeeting
15 Uhr | „Wasser-Menschenrecht“
Performance der WorkshopTeilnehmerInnen, danach Party
> Eintritt frei, Spenden erbeten
Unterstützt von: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Baden-Württemberg; Kulturamt Mannheim und Geschäftsstelle für
kulturelle Stadtentwicklung Mannheim
Veranstalter: IG Käfertaler Vereine e.V. in Kooperation mit KulturQuer
QuerKultur Rhein Neckar e.V.
Juli 2015
07
Do | 23.07. | 20 Uhr
May Ayim
– eine musikalische
Lesung Die Stuttgarter
Einrichtung der Lesungen: Inka Neubert, Sandra Schüddekopf
Sängerin Lisa Tuyala und die
Mannheimer Perkussionistin Cris
Gavazzoni zeigen, ausgehend von
den Texten der afro-deutschen
Dichterin May Ayim, eine bewegende
Collage aus Liedern, perkussiven
Stücken, Klangteppichen und gesprochenem Wort.
FRÜHSTÜCKEN am 17. Mai 2015 im Theatercafé
ab 10.00 Uhr Frühstück | ab 11.00 Uhr Lesung
Frau Müller muss weg von Lutz Hübner
Am Schuljahresende zeigt sich, wer den Sprung ins Gymnasium schafft und wer nicht – ein
entscheidender Punkt in der schulischen Laufbahn eines jeden Kindes. Vielleicht noch entscheidender für die Eltern. Die besorgte Elternschaft der Klasse 4b hat Klassenlehrerin Frau
Müller um einen Termin gebeten, denn offenbar gibt es Probleme. Mit den Schülern hat das
aus Sicht der Eltern allerdings gar nichts zu tun. Die sind weder unkonzentriert noch unbegabt oder einfach faul. Für die fünf Erwachsenen auf Kinderstühlen ist längst entschieden,
wer Schuld an der Misere hat: Die Lehrerin ist überfordert und den pädagogischen Anforderungen nicht gewachsen. Die Kinder dürfen auf ihrem Karriereweg nicht aufgehalten werden.
Völlig klar, wer dabei das Hindernis ist.
»Am Elternabend zeigt sich, wie solidarisch eine Gesellschaft wirklich ist und wie sie mit
Erfolg und Niederlagen umgeht«, sagt Lutz Hübner. Der Autor zählt mit seinem umfangreichen und vielfältigen Stückrepertoire zu den meistgespielten Gegenwartsdramatikern auf
deutschen Bühnen. Die Komödie Frau Müller muss weg kam dieses Jahr in der Regie von
Sönke Wortmann auch in die deutschen Kinos.
lg
Popvocals Käfertal
DER CHOR für junge Menschen
ab 10 Jahren! Du möchtest singen
und eigene Lieder schreiben?
> Dann bist Du bei uns richtig!
> Proben im Kulturhaus:
Do | 17:30 Uhr – 19:00 Uhr
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UND WAS, WENN DOCH ALLES EINE SUPPE IST?
»[…] Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? […] Kein Hirt und Eine Heerde!
Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in’s Irrenhaus. […]« (Nietzsche)
BU
Im Angstraum II
(Das ist übrigens auch einer der Orte, an dem unser Stück spielt)
Thomas Köck hat dieses Stück geschrieben. Es ist ein Stück, das uns alle
angeht. Eine Bestandsaufnahme. Politisch. Heute. 2015. Deutschland. jenseits
von fukuyama heißt das Stück. Francis Fukuyama heißt der Mann, der 1992
sein Buch vom Ende der Geschichte veröffentlicht hat. Gedacht hat er es schon
1989. In einem Jahr, mit dem man (auch!) die Auflösung der Sowjetunion verbindet und in einem Jahr, in dem in Deutschland die Mauer fiel.
»[…] Wir […] können uns heute schwerlich eine Welt vorstellen, die von
Grund auf besser ist als die, in der wir leben, oder uns eine Zukunft ausmalen, die nicht demokratisch und kapitalistisch geprägt ist […] In anderen,
weniger nachdenklichen Zeitaltern glaubten die Menschen zwar auch, sie
lebten in der besten aller möglichen Welten, doch wir gelangen zu diesem
Schluß, nachdem wir sozusagen erschöpft sind durch die Verfolgung von
Alternativen, die wir für besser hielten als die liberale Demokratie. […]«
(Francis Fukuyama)
Das Ende der Geschichte ist ausgerufen, die Ereignisse stoppen nicht. Innerstaatliche Konflikte eskalieren seit Mitte der Neunziger, Gewalt wird privatisiert, Kriegsökonomien expandieren, Terrorismus wird transnational.
»[…] Was lässt ein Ich zu der Entscheidung gelangen, sich auf eine Konzeption des Guten zu verpflichten? […]« (Simon Critchley)
Im Englischen, Fukuyama ist amerikanischer Staatsbürger, heißt das Buch The
End of History and the Last Man. Der Letzte Mensch. Über den hat Nietzsche
geschrieben. Wir kennen von Nietzsche eher den Übermenschen. Zu Recht ein
umstrittener Begriff.
»[…] Gott ist todt! […] Und wir haben ihn getödtet! […] Müssen wir nicht
selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie
eine grössere That, – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um
dieser That willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher
war! […] Ich komme zu früh, […] ich bin noch nicht an der Zeit. Diess ungeheure Ereigniss ist noch unterwegs und wandert […]« (Nietzsche)
Interessant auch im Köck’schen Stücktitel: jenseits. Ein Begriff der laut Wikipedia (und wer guckt da inzwischen nicht zuerst nach) – zumindest als Substantiv
– »seit dem Beginn der Moderne geläufig ist zur Bezeichnung einer ›anderen
© ARTE Info
Wirklichkeit‹, die sich nach mythischen, religiösen und mancherorts esoterischen Vorstellungen« bemisst. Wirklichkeit: auch kein gesicherter Begriff
(mehr) – im Zeitalter von Big Data. Auch darum geht’s.
»[…] Alle Zeichen deuten auf ein vollkommenes Verschwinden des Menschen: das soziale Koma seiner totalen Verwaltung, seine Betäubung
durch die Effekte der Massenmedien und die Möglichkeit seiner genetischen Selbstherstellung – oder seiner nuklearen Selbstvernichtung. Aber
vielleicht […] sind die Gleichgültigkeitseffekte, die die Medien […] in uns
provozieren, Zeichen dafür, daß wir, weit entfernt, unser Verschwinden zu
fürchten, es vielmehr als Gnade erhoffen –[…]« (Norbert Bolz)
Und trotzdem: Gibt es ein Jenseits, muss zumindest die Vorstellung von einem
Diesseits vorhanden sein. Nur: Wo stehen wir dann heute? Heute, in Deutschland, dem viertreichsten Land, in dem die Armutsquote noch nie so hoch war
und die regionale Zerrissenheit noch nie so tief? Wo sind sie – UNSERE Zeit-,
Handlungs-, Spielräume?
»[…] Weil es immer konkurrierende Interpretationen der demokratischen
Prinzipien von Freiheit und Gleichheit geben wird, wird es folgerichtig
ebenfalls ständig konkurrierende Interpretationen von einer demokratischen Staatsbürgerschaft geben. […]« (Chantal Mouffe)
– Und was, wenn doch alles eine Suppe ist?
– End of History – JENSEITS VON FUKUYAMA
von Thomas Köck
Premiere am 20. Mai 2015 um 20.00 Uhr im Studio
anschließend Premierenfeier im Casino
Inszenierung Dominic Friedel | Bühne und Kostüme Peter Schickart
Licht Wolfgang Schüle | Dramaturgie Stefanie Gottfried
Mit Michaela Klamminger, Anne-Marie Lux, Maria Munkert;
Sven Prietz, Matthias Thömmes
Nächste Vorstellung 23. Mai 2015
sg
UTOPIE STATION–
WELCOME TO THE PLEASUREDOME
Kiffen für eine bessere Welt – Die Utopie Station berauscht sich am 21. Mai 2015 in der Lobby Werkhaus
und B-Boys. Was dem einen sein Kraut oder sein
Schnaps, sind dem anderen seine Pillen. Der Club
als Zufluchts- und Selbstfindungsort der Jugendkultur war immer der Ort, von dem man gemeinsam zu Bewusstseinsreisen aufbrach. Diese kleinen
Fluchten waren auch immer Gegenentwurf und Kritik an den Zwängen und Idealen der kapitalistischen
Gesellschaft. Aber der Rausch hat weder den Kapitalismus zu Fall gebracht, noch konnte er das große
Clubsterben seit der Jahrtausendwende verhindern.
Die Time Warp ist in ihrem 21. Jahr auch ein Dinosaurier. Das Internet und ein geändertes Gesundheitsbewusstsein haben das Freizeitverhalten gründlich
verändert. Wo findet die Jugend heute ihr Utopia? Im
Fitnessstudio? Auf dem Sofa? jp
Gerade erst fand die diesjährige Time Warp, Europas traditionsreichster Technorave, soweit man so was von einem Rave überhaupt sagen darf, in Mannheim
statt. 17.000 Raver beamten sich am Osterwochenende mit Bass und Lasereffekten in eine andere Sphäre. Ob sie zur Insel Utopia gefunden haben? Musik
wurde schon immer als Rauschmittel eingesetzt, aber echte Psychonauten,
Bewusstseinsreisende, setzen meist noch andere Fortbewegungsmittel ein. So
eng wie Musik und Extase seit je her, sind auch Popkultur und Drogen miteinander verbunden: Schon die Jazzer der Swingära setzten auf die damals gängigen Opiate, genauso die Rocker und Freaks der 60er, die Discodiven, Raver
vom 12. bis 20. Juni 2015 im NTM
Eine Veranstaltungsreihe des ­Nationaltheaters Mannheim in Kooperation mit
dem Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen und der Heinrich Böll Stiftung (Bundesstiftung und Landesstiftung Baden-Württemberg) und dem Kulturbüro der MRN.
BB Promotion GmbH präsentiert
eine Bill Kenwright Produktion in Übereinkunft mit The Really Useful Group Ltd.
H U R R A!
T H E O F F IC I A L MU S IC A L P R OD U C T IO N OF
ANDREW LLOYD WEBBER
A N D TIM RICE
Unter dem Motto »Geschlossene
Gesellschaft« wird das Nationaltheater Mannheim wieder für neun Tage
zum Treffpunkt für Künstler und Besucher aus aller Welt. Die 18. Internationalen Schillertage beschäftigen sich
2015 vor dem Hintergrund von Schillers Freiheitsbegriff mit den heutigen
räumlichen, sozialen und kulturellen
Grenzen. Alle zwei Jahre präsentiert
das Festival internationale Gastspiele,
Auftrags-, Ko- und Eigenproduktionen
rund um den ersten Mannheimer Hausautor Friedrich Schiller. Dabei werden
sowohl Interpretationen der Klassiker
von renommierten Regisseuren gezeigt
als auch zeitgenössische Theaterarbeiten, die das kulturphilosophische Werk des Dramatikers Schiller aufgreifen. Das Rahmenprogramm beinhaltet Diskussionsrunden, ein Stipendiatenprogramm für den Theaternachwuchs
sowie die Schill-Outs – die legendäre Partyreihe mit Konzerten und DJs. lg
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem gesonderten Programmheft und dem
Schillertage-Leporello sowie der Internetseite www.schillertage.de.
!! !
DER VORVERKAUF LÄUFT!
Die 18. Internationalen Schillertage werden unter anderem ermöglicht und gefördert durch die
Stadt Mannheim, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
04. – 09.08.15
NATIONALTHEATER MANNHEIM
TICKETS: 0621 - 10 10 11 · 01806 - 10 10 11*
www.jesus-christ-superstar-musical.de
*0,20 €/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max 0,60 €/Anruf
18. INTERNATIONALE SCHILLERTAGE
Mit dem legendären Heidelberger Psychonauten
und Verleger Werner Pieper (Die Grüne Kraft), der
Literaturwissenschaftlerin Andrea Gnam und dem
Poptheoretiker und Autor Thomas Meinecke (Look­
© Time Warp
alikes, suhrkamp).
Musik: Mine · Moderation: Adrienne Goehler & Jan-Philipp Possmann
»MUSIZIEREN IST WIE MENSCHSEIN –
ALLEINE UND DOCH ZUSAMMEN« Solopoly (UA) - Ein Musiktheater für 5 unterschiedliche Schlagzeuger
Solopoly, die neue Musiktheaterproduktion der Jungen Oper, ist eine Gemeinschaftsproduktion der kanadischen Komponistin Annesley Black und der
Regisseurin Andrea Gronemeyer. Das Format lebt vor allem von seinen Akteuren, deren vielfältige und unterschiedliche musikalische Traditionen/Stilrichtungen und Persönlichkeiten großen Einfluss auf die Produktion nehmen.
Trommelklänge der iranischen Tombak begegnen Klängen der indischen Tabla.
Klangexperimente klassischer Schlagzeuger verschmelzen mit brasilianischen
Rhythmen. Fünf Schlagzeuger aus unterschiedlichen Ländern und Musikkulturen treffen aufeinander und beginnen, den Raum, sich selbst und die Gruppe
klanglich zu erkunden. Sie ziehen sich magisch an, stoßen sich ab und treffen in immer neuen Konstellationen aufeinander. Wer verbündet sich mit wem?
Und gegen wen? Beim Wetteifern um die Gunst des Anderen und des Publikums
entsteht ein ergreifendes musiktheatrales Beziehungsspiel zu den Themen
Begegnung, Freundschaft, Liebe, Abgrenzung und Toleranz. Dabei steht komponierte und improvisierte Ensemblemusik in ständigem Dialog mit improvisierten Solos.
INDIVIDUUM <——> KOLLEKTIVUM
Ausgangspunkt der Produktion ist ein Grundthema menschlichen, wie auch
musikalischen Daseins: die Auseinandersetzung zwischen Individuum und
Kollektiv. In der Erarbeitung des Stückes flossen hierzu Fragen um die eigene
Persönlichkeitsbildung ein: »Wer bin ich?«, »Wie will ich selber sein?«, »Wie soll
mich meine Umgebung, wie sollen mich meine Mitmenschen wahrnehmen?«
Probenfoto: Peter Hinz, Rie Watanabe
Fragen, die uns nicht erst als Erwachsene beschäftigen, sondern ständige
Begleiter der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen sind. Von Beginn
an erkennen Kinder, dass sie einerseits als Individuum in der Welt agieren und
diese andererseits im Kollektiv gestalten. Für jeden Einzelnen stellt sich die
Frage, welche Stellung er oder sie innerhalb der Gruppe innehalten und wie er
oder sie von den Mitmenschen als Einzelner wahrgenommen werden möchte.
Man möchte sich von seinen Mitmenschen abheben, einen eigenen Fingerabdruck haben und seine erkennbaren Spuren hinterlassen. Es entwickeln sich
quirlige, überraschende, zurückhaltende, ernsthafte und humorvolle Menschen, die alle für sich interessant sind und trotzdem innerhalb einer Gemeinschaft existieren. Denn das Gemeinsame beschützt uns, gibt uns Sicherheit
und Vertrauen. Aber wie viel möchten und müssen wir von unserer Persönlichkeit abtreten, wie viel von unserem Fingerabdruck verwischen, um in der
Gemeinschaft zu existieren?
Dieses zutiefst menschliche Thema ist gleichzeitig auch eine zentrale musikalische Thematik. Denn natürlich kann jeder für sich selbst Musik machen,
jedoch ist Musik immer auch ein gemeinsames Erlebnis. Ein Solist musiziert für
seine Zuhörer und ein Ensemble oder Orchester interpretiert gemeinsam die
Noten der Partitur. Ein Orchester voller Solisten würde niemals brillant, virtuos
und makellos zusammen erklingen. Im besten Falle fühlen, denken und erfahren Musiker Musik gemeinsam. Dafür sollten sie einander vertrauen, zusam-
Probenfoto: Thorsten Gellings, Cris Gavazzoni
men hören und vor allem gemeinsam ATMEN. Trotzdem muss jeder der Musiker
individuelle Klasse haben und stets bereit sein, der Pilot des Ensembles zu
sein. Denn Musik ist niemals führungslos. EIN Musiker sticht immer mit seinem Instrument und seiner besonderen Melodie heraus, hebt sich ab, führt an
und sagt wohin die Reise geht. Und das ist gut so! Während er steuert, bereiten
seine Mitmusiker ihm höflich und dienend den Weg. Sie begleiten ihn, arbeiten
ihm zu und geben seinem Solo den nötigen Raum mit der richtigen Ausstattung.
Musizieren ist also wie Menschsein. Alleine und immer auch zusammen.
DIE OHREN ÖFFNEN!
So könnte man das zentrale Anliegen der Jungen Oper benennen. Für bereits
bekannte Musik und neue Klänge, für die Geräusche unserer Umwelt und für
die Stille: Denn erst aus ihr können Klänge erwachsen. Nichts klingt einfach,
wie es klingt, sondern alles klingt, wie ich es höre. Um die Musik unmittelbar
und anders zu erleben, öffnet die experimentierfreudige Komponistin Annesley
Black neue Klangräume. Blacks Musik spielt mit der Vertrautheit und Fremdheit von Klängen, die sich oftmals aus sportlichen Bewegungsabläufen und
Wettkämpfen generieren. Sie schafft es geschickt, die Trommelkünste eines
Klangentdeckers, eines Weltmusikers, einer brasilianischen Sambamusikerin,
eines arabischen Handtrommlers und einer klassischen Schlagzeugerin aus
Japan miteinander zu verbinden. Traditionelle arabische Trommelkunst verschmilzt mit hurmorvollen Klängen von Aufziehspielfiguren. Bodypercussion
und Stimme werden in den Gesang von Whistlebirds und von dort aus weiter
in den verliebten Gesang der Lotusflöte überführt. Lateinamerikanische Trommelrhythmen werden von den Klängen riesiger Metallplatten und Glocken vereinnahmt.
Ein Ohren- und Augenschmaus für Klein und Groß, der den Blick auf sich selbst
und sein Umfeld, sowie die musikalische Wahrnehmung verändert. jg
SOLOPOLY (UA)
Musiktheater für 5 Schlagzeuger
von Annesley Black und Andrea Gronemeyer
Ab ca. 7 Jahren | 2. – 6. Klasse
Uraufführung am 17. Mai 2015 um 16.00 Uhr im Schnawwl
Musik Annesley Black | Regie Andrea Gronemeyer | Bühne Christian
Thurm | Kostüme Melanie Riester | Dramaturgie Johannes Gaudet
Mit Cris Gavazzoni, Rie Watanabe; Thorsten Gellings, Peter Hinz,
Joss Turnbull
Öffentliche Voraufführung am14. Mai 2015 um 16.00 Uhr im Schnawwl
im Anschluss Publikumsgespräch
DIE FREUNDE UND FÖRDERER BERICHTEN
welchen innovativen Ideen die NThusiasten unter
dem Motto »Wir nehmen Dich mit!« ihr junges Publikum gewinnen und halten. Verlangt war außerdem,
dass das Konzept auf andere Vereine übertragbar
war. Beworben hatten sich rund 60 junge Förder­
vereine.
Miriam Tscholl
© Matthias Horn
BEI UNSERER NÄCHSTEN BEGEGNUNG am 20. Mai
im Anna-Reiss-Saal des rem geht es um den Beitrag
der Bürgerbühne zu den 18. Internationalen Schillertagen, die das Schauspiel des National­theaters
vom 12. bis 20. Juni ausrichtet. Regisseurin Miriam
Tscholl und Moderatorin Steffi Bub sprechen über
das Stück Kriegerinnen, das die Bürgerbühne in
Anlehnung an Schillers Die Jungfrau von Orleans
während des Festivals aufführt.
DIE NTHUSIASTEN, die jungen Freunde des Nationaltheaters, haben in Berlin eine bemerkenswerte
Auszeichnung errungen. Sie gewannen gegen starke
Konkurrenz den ersten Preis im Sonderwettbewerb
»Junge Ideen«, den der Freundeskreis Kultur der
»Stiftung Zukunft« ausgeschrieben hatte. Markus
Mertens und Josephine Thomer – beide NThusiasten – gelang es, innerhalb der vorgeschriebenen
fünf Minuten das Mannheimer Konzept überzeugend zu präsentieren. Sie konnten darlegen, mit
DIE STIFTUNG NATIONALTHEATER unterstützt
das »Europäische Festival Musiktheater für junges
Publikum«, das anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Jungen Oper Mannheim im Juli 2016 stattfinden wird. Das Festival wird das erste deutsche
Festival sein, das neue Produktionen dieser relativ
jungen Sparte zeigt. Das Festival, dem ein Fachforum angeschlossen werden soll, wird von den
Sparten Oper und Schnawwl des Nationaltheaters
vorbereitet.
wissenschaft und Germanistik eine erfolgreiche
journalistische Karriere, ehe der Einstieg in die
Musikszene als Konzertdramaturg an der Staatsoper Hannover erfolgte. An die gleichzeitige Leitung
der Rheinischen Philharmonie Koblenz sowie der
Staatsphilharmonie in Ludwigshafen schloss sich
nach einem kurzen Zwischenspiel in Dortmund der
Wechsel nach Mannheim an. Nach langen Jahren
der Betreuung von Konzertorchestern zeigt sich
Rainer Neumann jetzt beeindruckt von der Flexibilität und der Erfahrung des Mannheimer Orchesters.
UNSERE NÄCHSTE THEATERFÜHRUNG bietet am
9. Mai um 15 Uhr einen Blick hinter die Kulissen
mit Doris Brachmann. Treffpunkt ist die Lobby im
Werkhaus, Mozartstraße. Eintritt frei, auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen. Anmeldung
nur an Doris Brachmann, Tel. 0621 1680 532 · doris.
[email protected]
DIE DVD-BOX ZUM »RING DES NIBELUNGEN« ist
ab sofort im Handel erhältlich, außerdem an der
Theaterkasse und am Büchertisch des NTM. Die
von Achim Freyer inszenierte und unter der Leitung
von Dan Ettinger 2013 aufgeführte Tetralogie ist von
einem Filmteam um Regisseur Georg Wübbolt komplett aufgezeichnet worden. Das Filmprojekt wurde
von unserem Verein finanziell unterstützt.
NACHLESE. Unterstützt von fünf Bläsern des
Orchesters und interviewt von der Operndramaturgin Elena Garcia-Fernandez präsentierte sich
der neue Orchesterdirektor Rainer Neumann bei
unserer jüngsten Begegnung als schlagfertiger
und interessant erzählender Gast. Der ausgebildete Klarinettist schaffte nach Studien der Musik-
Freunde und Förderer des
Nationaltheaters Mannheim e. V.
c/o Nationaltheater Mannheim
Mozartstr. 9 · 68161 Mannheim
Fax 06 21 16 80 434
[email protected]
www.freunde.nationaltheater.de
Geschäftsführer R. Dietmann, Tel. 06 21 73 47 21
DAS
LIFESTYLE
MAGAZIN
DER METROPOLREGION
RHEIN-NECKAR
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»VON ELF BIS ELF«
CLUB DER FLANEURE
Das Wetter wird schöner – und wir gehen raus! Flaniert wird in der Literatur traditionellerweise
in Paris oder Berlin, wir testen Mannheim auf sein Potenzial als Ort zum Flanieren. Werfen
wir einen Blick auf unsere eigene Stadt: Welche Kunstwerke lassen sich auf abgeblätterten
Plakatwänden entdecken, welche Erinnerungen kommen uns beim Hören des Rathaus-Glockenspiels oder beim Riechen des Grillgeruchs auf der Neckarwiese und welches geheime
Doppelleben führt so ein Mannheimer Karnickel möglicherweise?
Das Theater ist immer schon da, findet um uns herum statt, wir müssen nur hinschauen (und
vielleicht manchmal noch ein bisschen nachhelfen). Ausgehend von Wahrnehmungs- und
Gehübungen verlassen wir die vier Wände von R4, um draußen neue Erfahrungen zu sammeln.
Üben wir uns im Alltagstourismus, im Schauen und im Wundern, gehen wir, lassen wir uns
gehen, schweifen wir aus und ab! Entdecken wir die Poesie im Profanen und kultivieren wir das
Flanieren!
sb
8 Termine (immer dienstags, 18.30 bis 20.30 Uhr): 5.5. / 12.5. / 19.5. / 2.6. / 9.6. /
23.6. / 30.6. / 7.7.2015
Kosten: 40 Euro, im Preis inbegriffen sind zwei Vorstellungsbesuche im NTM
Leitung: Steffi Bub
Anmeldung unter [email protected]
WAS, WIE, WARUM INSZENIEREN?
Schnawwl und Junge Oper sind dabei!
»Kultur am Alten Messplatz«
am 10. Mai 2015 von 11.00 bis 23.00 Uhr
Rund um den Alten Messplatz pulsiert das kulturelle Leben.
Die Initiative »Kultur am Alten Messplatz« will dieses
kulturelle Potential der Neckarstadt sichtbar und erlebbar
machen und lädt am 10. Mai 2015 zu verschiedenen kulturellen Veranstaltungen rund um den Alten Messplatz ein:
Theater, Musik, Ausstellungen, Lesungen, Tanz, Bildende
Kunst – an diesem Tag stehen den Besuchern die Türen der
teilnehmenden Einrichtungen offen und bieten ein vielfältiges Programm für alle Altersgruppen.
Auch der Schnawwl und die Junge Oper beteiligen sich und
zeigen zwei Inszenierungen für kleine und große Kulturfreunde:
mo
FRECHE FLÄCHE – MOBIL
11.00 – 11.45 Uhr im Einraumhaus,
Eintritt frei
INSTRUMENTEN AUF DER SPUR: DAS KLAVIER – SPEZIAL –
15.00 – 15.30 Uhr im Schnawwl Foyer, Eintritt frei
Workshop am 8. und 21. Mai von 18.00 bis 20.30 Uhr
Was soll auf dem Spielplan eines deutschen Stadttheaters einer mittleren Großstadt –
sagen wir Mannheim – eigentlich stehen? Was sind unsere Fragen? Was drängt? Was treibt
uns um? Bei einem ersten Treffen wollen wir gemeinsam genau das herausfinden und dabei
auch die Aufgaben der Dramaturgen bei der Spielplangestaltung unter die Lupe nehmen. Mit
dabei sind auch schon der Regisseur Tarik Goetzke und die Bühnen- und Kostümbildnerin
Marcela Snaselova (beide verantwortlich für die Inszenierung Santa Monica (UA) im Studio
des NTM). Die beiden werden dann an einem zweiten Termin mit den Workshop-Teilnehmern
einen Entwurf ausarbeiten, ein Konzept für eine Inszenierung, die auf so einem Spielplan
stehen könnte. Dabei sollen weder die an der Regiearbeit noch die an der Bühnen- und
Kostümgestaltung Interessierten zu kurz kommen. Ein gemeinsamer Vorstellungsbesuch
von Santa Monica (UA) zum Abschluss rundet den Workshop ab.
sg
Alle Informationen zum Programm auch online unter
www.altermessplatz.de
SWR KONZERTREIHE MANNHEIM | ABO 5
Fr 22. Mai 2015 | Rosengarten, 19.30 Uhr
Der Workshop besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Terminen:
8. Mai 2015, 18.00 bis 20.30 Uhr | 21. Mai 2015, 18.00 bis 20.30 Uhr
Treffpunkt R 4, 5 – 7
Vorstellungsbesuch Santa Monica (UA) am 24. Mai 2015, 20.00 bis 21.40 Uhr
Keine Vorkenntnisse erforderlich. | Begrenzte Teilnehmerzahl!
Fr. Verk./€ 10,- für Workshop inkl. Vorstellungsbesuch
Nur mit Voranmeldung bei [email protected]
SCHNAWWL MIT
»ZAUBERMÜHLE« BEI DEN
MÜLHEIMER THEATERTAGEN
Muss der Mensch wirklich alles erschaffen, was er erschaffen kann? Wer übernimmt die Verantwortung für eine Erfindung? Was bedeutet Fortschritt für eine Gesellschaft? Mit diesen
Fragen setzte sich die Autorin Katrin Lange in Zaubermühle, das auf dem finnischen Nationalepos Kalevala basiert, auseinander. Direkt nach der Uraufführung wurde Zaubermühle
nun zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen und wird dort am 19. Mai zweimal zu sehen
sein. Das Stück ist damit im Rennen um den »KinderStückePreis«, der am Ende des Festivals
vergeben wird. Die »KinderStücke« sind ein Forum deutschsprachiger Gegenwartsdramatik
für Kinder. Die Auswahl der Nominierten trifft ein unabhängiges Gremium aus den in der jeweiligen Saison uraufgeführten deutschsprachigen Stücken.
mo
Im Mai steht Zaubermühle auch wieder im Schnawwl auf dem Spielplan:
Die nächsten Vorstellungen: 3. Mai (15.00 Uhr), 4. Mai und 5. Mai 2015 (11.00 Uhr) im Schnawwl
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit: 6. Mai um 10.00 Uhr im Schnawwl
Bernhard Gander »hukl« für Orchester
Sergej Rachmaninow
Variationen über ein Thema von Corelli
Sergej Rachmaninow
Rhapsodie über ein Thema von Paganini
Edward Elgar Enigma-Variationen
Boris Berezowsky, Klavier
SWR Sinfonieorchester
Baden-Baden und Freiburg
Dirigent: François-Xavier Roth
Tickets ab € 19,– | Schüler/Studenten € 7,–
SWR2 Kulturservice: 07221 300 200
Onlinebuchung: swr2kulturservice.de
MENSCHEN IM NTM
DIESMAL MIT CORNELIA ALTMOOS, MASKENBILDNERIN AM NATIONALTHEATER MANNHEIM
Wie bist du zum Beruf der Maskenbildnerin
gekommen?
Dazu kam ich eigentlich schon in der Schulzeit. Ich
war auf der Waldorfschule und habe da eine Jahresarbeit über die vier Temperamente gemacht, bei der
ich Masken aus Ton geformt habe. Wir hatten auch
eine Theater-AG. Mich hat das Geschehen hinter
der Bühne schon immer am meisten fasziniert. Auf
der Bühne stehen wollte ich dagegen nie. Für mich
war klar, dass ich diese Theateratmosphäre auch
gerne mit ins Berufsleben nehmen möchte. Toll fand
ich an der Maske immer, wie sehr man die Leute
damit verändern kann. Sie nehmen eine ganz neue
Haltung an, bewegen sich anders und erkennen sich
selbst kaum wieder. Ich habe am Nationaltheater
meine Ausbildung gemacht, war zwischenzeitlich
am Badischen Staatstheater in Karlsruhe und am
Pfalztheater in Kaiserslautern und bin dann wieder
nach Mannheim zurückgekommen.
Hast du in dieser Tätigkeit deinen Traumberuf
gefunden?
Insgesamt finde ich meinen Beruf sehr abwechslungsreich. Natürlich gibt es auch Einschränkungen
durch die Arbeitszeiten, weil wir oft abends oder
auch am Wochenende und an Feiertagen gebraucht
werden. Aber es wird nie langweilig. Jedes Jahr
kommen neue Leute und neue Stücke und es gibt
immer etwas Neues vorzubereiten. Für mich ist es
schon mein Traumberuf.
Was genau passiert, wenn die Darsteller zu dir in
die Maske kommen?
Das kommt natürlich immer auf das Stück an. Ich
arbeite hauptsächlich im Herren-Opernsolo. Die
Darsteller erhalten immer eine Grundschminke von
uns. Manche werden je nach Rolle älter geschminkt;
die Heldentenöre sollen oft besonders schön und
jung aussehen und bekommen häufig Perücken auf.
Manchmal gibt es auch ausgefallenere Masken. Die
Köchin aus Die Liebe zu drei Orangen bekommt zum
Beispiel eine sehr auffällige Frauenschminke und
eine riesige Perücke. Man erkennt den männlichen
Darsteller dann gar nicht mehr. In der Regel brauchen wir pro Darsteller rund 20 Minuten Zeit für die
Maske. Die Solisten nutzen das gerne als Entspannungszeit, bevor es dann auf die Bühne geht.
Die Statisten kommen auch in die Maske. Da sie
aber meistens in größeren Gruppen auf der Bühne
auftreten, bekommen sie meistens nur die Grundschminke, zum Beispiel einen Lidstrich oder nachgemalte Augenbrauen.
Woher weißt du, wie du die Leute schminken musst?
Der Grundgedanke für die Maske in einer Inszenierung kommt vom Regisseur. Zusammen mit den
Kostümbildnern haben wir immer eine Vorbesprechung, bei der Figurinen gezeigt werden. Wir überlegen gemeinsam, ob die Veränderungen auch zu den
Gibt es ein Stück, das dir besonders viel Spaß
macht?
Bei jedem Stück gibt es etwas Besonderes, das
einen fasziniert. Lustig ist es immer, wenn wir hinter
der Bühne zu tun haben. Dann muss es immer relativ schnell gehen. Manchmal muss sich der Darsteller nur umziehen, ein anderes Mal müssen wir die
Haare wieder kämmen, weil sie verstrubbelt wurden
oder einen Bart ankleben. Oft arbeiten wir dann mit
der Schneiderei zusammen.
Cornelia Altmoos
ausgewählten Sängern und Schauspielern passen.
An die Vorgaben, die dann vereinbart werden, halten
wir uns für die Vorstellungen.
Im Mai wird am NTM die Oper Turandot wiederaufgenommen. Welche Herausforderungen erwarten
dich da als Maskenbildnerin?
Bei Turandot spielen im Herrensolo u. a. Ping, Pang
und Pong. Sie bekommen für die Aufführung Glatzen geklebt. Das übernehmen häufig unsere Auszubildenden im dritten Lehrjahr als Übung für ihre
Prüfung. Die Sänger fühlen sich mit der Glatze wie
ein anderer Mensch, weil plötzlich die Haare fehlen.
Im Herrenchor bekommen die acht Weisen Altmasken aus Kobracast. Das ist ein Netzstoff, überzogen
mit Kunststoff. Wenn man ihn in heißes Wasser legt,
wird er ganz flexibel und dann auf ein Gipsgesicht
gezogen. Nach dem Erkalten erstarrt die Maske. Sie
wird dann coloriert und wir kleben weiße Haare an.
Wir verwenden die Masken für die schnelle Alterung
im Stück, weil die Zeit einfach nicht reicht, um das
zu schminken. Wenn man die Chorsänger anschließend mit den Masken auf den Türmen stehen sieht,
erkennt man aus der Entfernung nicht, dass es sich
um Masken handelt.
Das Interview führte Julia Olmscheid.
TURANDOT von Giacomo Puccini
DAS SPIELZEITHEFT FÜR DIE SPIELZEIT 2015/2016 ERSCHEINT AM 15. MAI 2015.