Bayern 2 Vorlage - Bayerischer Rundfunk

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Manuskript
Das Kalenderblatt
Maria Malibran ist indisponiert (30.12.1835)
Autor:
Markus Vanhoefer
Redaktion:
Frank Halbach
Sendedatum:
Freitag, 30. Dezember 2016
Sprecherin:
Caroline Ebner
Bayern 2-Hörerservice
Bayerischer Rundfunk, 80300 München
Service-Nr.: 0800 / 5900 222
Fax: 089/5900-46258
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Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum
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Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache
mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!
© Bayerischer Rundfunk 2016
Die Oper ist ein unkalkulierbares Geschäft. Man nehme ein bekanntes Theaterstück
von Friedrich Schiller, überlasse dies einem Komponisten, dessen Arien die Spatzen in
ganz Europa von den Dächern pfeifen, und garniere das Resultat mit der größten Diva
der Zeit. Was nach einem hundertprozentigen Erfolgsrezept für einen Bühnen-Hit klingt,
muss im Rampenlicht noch lange nicht funktionieren. Gaetano Donizettis "Maria
Stuarda" ist ein Beispiel dafür.
Eine künstlerische Hinrichtung
Warum floppt, was bei der Qualität der Beteiligten eigentlich hätte großartig werden
müssen? Im Fall "Maria Stuarda" schien der Fall sofort klar: Die Premiere der Oper am
30. Dezember 1835 in der Mailänder Scala entpuppte sich als Desaster. "Schmerzhaft
vom Anfang bis zum Ende", schrieb ein von der Sängerleistung gepeinigter Donizetti.
Die Schuldige für die "künstlerische Hinrichtung" der schottischen Königin war sofort
ausgemacht: Die Malibran.
Von Superstars erwarten wir Sternstunden - und Maria Malibran, die die Rolle der
Maria Stuart übernommen hatte, war nicht irgendwer. "Schönheit, Genie und Liebe
waren die Namen dieser Frau", wird später auf dem Grabstein der jung verstorbenen
stehen. Zu Recht, denn die Tochter eines spanischen Tenors hatte alles, was es zur
Diva mit Kultstatus braucht: ein blendendes Aussehen, gesangtechnische Brillanz und
eine charismatische Bühnenpräsenz. Die Opernwelt lag der Malibran zu Füßen.
Normalerweise. An jenem fatalen Premieren-Tag war die Sängerin jedoch nur ein
Schatten ihrer selbst. Aber genügt eine indisponierte Hauptdarstellerin, um eine Oper
so komplett zum Scheitern zu verurteilen?
Pleiten, Pech und Pannen
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Auch wenn man im Nachhinein immer schlauer ist, das Mailänder Maria-StuardaFiasko kam nicht aus heiterem Himmel. Donizettis Werk war von Anfang an eine
Verknüpfung von Pleiten, Pech und Pannen.
Die Probleme begannen im Schatten des Vesuv, denn ursprünglich hatte der
italienische Komponist seine musikalische Schiller-Adaption fürs Opernhaus von
Neapel geschrieben. Dort wurde das Werk sogar eifrig einstudiert und stand kurz vor
der Uraufführung, dann kam es während der Generalprobe zum Eklat. In einer
konfliktreichen Schlüsselszene gerieten sich die beiden Sängerinnen, die Maria Stuart
und deren Halbschwester, die englische Königin Elisabeth I, verkörperten, wirklich in
die Haare. Aus der skandalösen Rauferei wurde ein Politikum, als die Zensur den Text
der betreffenden Szene unter die Lupe nahm und dabei Worte wie "Hure" oder
"Bastard" entdeckte. Der neapolitanische König war schockiert - immerhin war seine
Gattin ein Nachfahre der tragischen Titelheldin - und ließ die Oper kurzerhand
verbieten.
Donizetti war jedoch nicht bereit, sich dem zu fügen. Er entschärfte das Libretto und
schrieb sein Werk um, die Malibran wurde engagiert. Groß waren die Erwartungen, als
sich der Vorhang am 30. Dezember 1835 in der Mailänder Scala hob, umso größer
das Entsetzen, als eine völlig indisponierte Maria Stuarda die Bühne betrat, die zudem
spontan auf den zensierten Text zurückgriff.
Und so geschah es, dass Donizettis Meisterwerk für 123 Jahre in der Versenkung
verschwand, um erst 1971 im Theater von Bergamo wiederbelebt zu werden.
MUSIKAKZENT
Das war das Kalenderblatt, heute von Markus Vanhoefer. Es sprach…
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