Europäische Geschlechterpolitiken – EU

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Europäische Geschlechterpolitiken – EU-Ländervergleich
Großbritannien
Geschlechterpolitische Situation in Großbritannien
Übersicht
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Kurzbeschreibung und -bewertung
Rechtslage:
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Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsrecht
Equality Act 2010
Gender Equality Duty
Gesetze zu Quoten v.a. im politischen und wirtschaftlichen Bereich
Weitere Gesetze/rechtliche Regelungen
Weitere Regierungsprogramme
Aktueller politischer Diskurs
Akteur_innen:
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NGOs: Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen
Regierung, Ministerien
Wissenschaft:
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Equality and Diversity Research Network
Gender Studies
Quellen
Kurzbeschreibung und -bewertung
In der britischen Geschlechterpolitik wird der Einfluss der EU-Gesetzgebung bzw. der
politischen Prioritätensetzung der EU besonders deutlich. So z.B. in der aktuell
überarbeiteten Gleichstellungs- bzw. Anti-Diskriminierungsgesetzgebung, in der eine
Prioritätenverschiebung von Gender Equality hin zu einem alle
Diskriminierungsdimensionen umfassenden Equality-Verständnis sichtbar wird. Dies zeigt
sich in begrifflichen Veränderungen (Verwendung des Equality- statt des Gender-Begriffs),
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aber auch institutionell in der Zusammenführung bisher eigenständiger Gesetze und mit
deren Umsetzung bzw. Kontrolle befassten Institutionen (Fusion von staatlichen GenderInstitutionen mit anderen Anti-Diskriminierungs-Institutionen). Dies hängt vor allem damit
zusammen, dass Diversity-Fragen in einem Einwanderungs- bzw. multiethnischen Land wie
Großbritannien von besonderer Bedeutung sind. Schwerpunkte sind Gleichstellungsfragen
im Bereich der Erwerbstätigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Britische
Gleichstellungspolitik ist, ganz im Sinne der Ziele der Lissabon-Strategie, stark
ökonomisch, motiviert: Man kann im wirtschaftlichen Wettbewerb nicht auf die Arbeitskraft
von Frauen verzichten.
Die rechtlichen Instrumente der Gleichstellung/Anti-Diskriminierung beziehen sich nicht nur
auf individuelle Rechte, sondern auch auf die institutionelle Durchsetzung von
Gleichstellung und Diskriminierungsfreiheit. Die britische Gleichstellungspolitik ist
öffentlichkeits- und informationsorientiert. Das spiegelt sich wider in den Instrumenten und
Methoden wie Kampagnen, Studien/Untersuchungen und Kommissionen sowie
Handreichungen/Leitfäden für unterschiedliche Zielgruppen. Die britische
Geschlechterpolitik ist stark geprägt von staatlichen und zivilgesellschaftlichen GenderAkteur_innen. Es gibt zahlreiche Frauen- und Equality-NGOs. Mit dem „Equality and
Diversity Forum“ wurde aktuelle ein Forum etabliert, dass unterschiedliche Akteur_innen
aus diesen Bereichen zusammenbringt und eine Diskussion über Stellenwert und
Zusammenhänge unterschiedlicher Equality-Dimensionen ermöglicht. Zivilgesellschaftliche
Gender-Akteur_innen sind in staatliche Gleichstellungs-Aktivitäten über Kommissionen,
Foren/Netzwerken oder öffentlichen Konsultationen eingebunden, d.h. die staatliche
Gleichstellungspolitik ist partizipationsorientiert.
Die zentrale staatliche Akteur_in in Gleichstellungsfragen, die auch die Einbindung der
NGOs und Expert_innen leistet, ist die Equality and Human Rights Commission (EHRC).
Ihre Vorläufer_in, die Chancengleichheits-Kommission hat gemeinsam mit den
Gewerkschaften dazu beigetragen, dass Großbritannien seine Verhinderer- und
Blockierer_innen-Rolle gegenüber der EU-Gleichstellungspolitik in den 1990er Jahren
aufgegeben hat und auf rechtlicher Ebene EU-Richtlinien zur Gleichstellung
weitergehender und schneller umgesetzt hat. Die EHCR und das Gleichstellungsbüro der
Regierung (Government Equality Office (GEO)) sind auch maßgeblich für die
Modernisierung des Gleichstellungsrechts, das in einem umfassenden öffentlichen
Konsultationsprozess überarbeitet und erneuert wurde. Dessen Implementierung und das
Monitoring der Implementierung werden in den kommenden Jahren wahrscheinlich einen
zentralen Fokus der Gleichstellungspolitik bilden.
Rechtslage
Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsrecht
Sex Discrimination Act (1975)
Equal Pay Act (1975)
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Equality Act 2010
Der Equality Act 2010 stellt eine Modernisierung und Vereinheitlichung der bisherigen
Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsgesetzgebung dar. Ziele der Rechtsreform
waren: Inkonsistenzen in der gegenwärtigen Anti-Diskriminierungsgesetzgebung
identifizieren, Entwicklung einfacherer, klarerer und „nutzerfreundlicherer“ Regelungen,
Ursachen für Ungleichheit und Diskriminierung identifizieren, Stärkung im Bereich von
Alters- und Geschlechterdiskriminierungsaspekten. Nach einem mehrjährigen
Konsultationsprozess mit Interessensgruppen und ExpertInnen wurde der Equality Act im
April 2009 vom Parlament verabschiedet und wird ab dem 1. Oktober 2010 nun schrittweise
umgesetzt. Die schrittweise Umsetzung wurde gewählt, um allen Beteiligten ausreichend
Vorbereitung für die Berücksichtigung der Neuerungen zu ermöglichen. Vorläufer war der in
2005 beschlossene und seit 2007 in Kraft befindliche Equality Act.
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Weiterführende Informationen
Abschlussberichte zu Equalities Review: „Fairness and Freedom: The Final Report of the
Equalities Review“ (Feb. 2007)
Gender Equality Duty
trat im April 2007 in Kraft, basierend auf dem Equality Act von 2006, orientiert an den
bereits bestehenden race und disability duties; verpflichtet alle öffentlichen Institutionen zur
aktiven Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen und zu Maßnahmen gegen
sexuelle Diskriminierung und Belästigung; baut auf den Erfahrungen auf, dass die
bestehenden gesetzlichen Regelungen, die Individuen Klagemöglichkeiten eröffneten (Sex
Discrimination and Equal Pay Act von 1975), nicht zu dem erwünschten Abbau von
Diskriminierungen geführt haben; beeinflusst Politikentwicklung und öffentliche
Dienstleistungen in Bereichen wie beispielsweise Verkehr, Einstellungspraxis, flexible
Arbeitszeiten.
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Weiterführende Informationen
Gesetze zu Quoten v.a. im politischen und wirtschaftlichen Bereich
Keine gesetzliche, sondern nur eine freiwillige Quotierung in den politischen Parteien
(Labour Party, Liberal Democrats). Ablehnung von Quotenregelungen für die
Privatwirtschaft.
Weitere Gesetze/rechtliche Regelungen
Equality PSA (Public Service Agreement):
In den PSA hat die Regierung für den Zeitraum 2008-2011 ihre Prioritäten festgelegt. PSA
15 ist der so genannte Equality PSA. Er definiert Ziele zur Bekämpfung von Diskriminierung
und Förderung der Gleichstellung: Verringerung der Lohnungleichheit, Stärkung der
Selbständigkeit behinderter Personen, Bekämpfung von Ungleichheiten der
gesellschaftlichen Teilhabe, Bekämpfung von Diskriminierung in Beschäftigung,
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Verbesserung des Verständnisses und der Handlungsmöglichkeiten gegenüber unfairer
Behandlung.
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Delivering the Equality PSA (PDF, 16 Seiten, 618 KB)
Nationaler Gleichstellungsrahmenplan für die Wirtschaft:
Aufbauend auf einer Machbarkeitsstudie und einem Konsultationsprozess mit
verschiedenen Interessensgruppen gibt es aktuell einen abgestimmten Entwurf für einen
nationalen Gleichstellungsrahmenplan für die Wirtschaft. Dieser hat das Ziel, einen
nationalen Standard zu schaffen, um Unternehmen bei der Umsetzung und dem Monitoring
ihrer Gleichstellungspflichten zu fordern und zu fördern. Der Plan setzt auf Freiwilligkeit,
Verbreitung guter Praxis, Stakeholder-Beteiligung, Umsetzbarkeit für alle Arten von
Unternehmen, Prozessorientierung. Über den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Plans wird
keine Aussage getroffen.
Weitere Regierungsprogramme
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“Working for Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Equality", 2010 (PDF, 4 Seiten, 536
KB)
„Together We Can End Violence against Women and Girls“ (2009)
Aktueller politischer Diskurs
Auffällig ist, dass Gender Equality immer im Kontext weiterer Equality-Dimensionen
thematisiert wird und dass dabei die Gender-Dimension nicht (mehr?) im Vordergrund
steht. Diese Verschiebung der Aufmerksamkeit wird auch in der Umbenennung bestimmter
Institutionen oder gesetzlichen Regelungen sichtbar, wo Gender durch Equality und/oder
Diversity ersetzt wurde. Am deutlichsten wird das auf der Ebene der Gesetzgebung.
Insgesamt ist die rechtliche Regulierung von Gleichstellung bzw. Anti-Diskriminierung in
Großbritannien von zentraler Bedeutung.
Der Fokus der britischen Gleichstellungspolitik, insbesondere von staatlicher Seite, liegt auf
der ökonomischen und sozialen Partizipation bzw. Integration von Frauen. Pay Gap und
Gleichstellung in der Wirtschaft spielen hierbei eine wichtige Rolle. Vereinbarkeit von Beruf
und Familie ist im Diskurs nicht mehr so präsent wie früher. Frauen ethnischer
Minderheiten und das Thema häusliche Gewalt sind im Diskurs auch sehr präsent. Auffällig
für Großbritannien ist eine stärkere öffentliche Thematisierung gleichgeschlechtlicher
Lebensweisen und des Themas Transgender/Intersex, sowohl im Verwaltungssektor mit
der Organisation (a:gender), als auch in der Privatwirtschaft (entsprechende Leitlinien der
Regierung für Firmen) und ihren institutionellen Repräsentation (z.B. NGO: Press for
Change).
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Akteur_innen
NGOs: Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen
The UK Joint Committee On Women (UKJCW):
Ist ein Netzwerk von vier Schwesterorganisationen aus den verschiedenen Landesteilen
Großbritanniens: Engender – Network of Women's Organisations (Scotland), Northern
Ireland Women's European Platform (NIWEP), Wales Women's European Network
(WWEN) and the National Alliance of Women's Organisations (NAWO) (England). Es
wurde als Koordinierungsrahmen für eine einheitliche Vertretung der britischen Interessen
im Rahmen der EWL (Europäische Frauenlobby) geschaffen und soll ein Forum für den
landesweiten Austausch zwischen Frauenorganisationen schaffen.
National Alliance Of Women’s Organisations (NAWO):
seit 1989; Dachorganisation von ca. 100 Organisationen und Individuen (aus England) mit
dem Fokus auf Frauenrechte und Gleichstellung, sowohl thematisch breit aufgestellte, als
auch stark spezialisierte Frauenorganisationen; Ziele: Partizipation und Repräsentation von
Frauen, Gender Mainstreaming, Implementierung der Bejing Plattform und anderer
internationaler Vereinbarungen, Verbesserung der staatlichen Gleichstellungspolitik;
Mitglied der EWL
National Federation Of Women's Institutes (NFWI):
mit 215,000 Mitgliedern die größte Frauenorganisation in England, Wales und auf den
Inseln; gegründet 1915; ursprünglich nur in ländlichen Regionen aktiv mit dem Fokus auf
Essen/Ernährung, dann Erweiterung des räumlichen und thematischen Spektrums;
eigenständige regionale Fraueninstitute, die in der nationalen Vereinigung
zusammengeschlossen sind; Zielsetzung ist das Empowerment und die Bildung von
Frauen und ihre stärkere gesellschaftliche Teilhabe; Kampagnen zu Themen in den
Bereichen Landwirtschaft, Umweltschutz, Klimawandel, Gesundheit, Ernährung,
Verbraucherschutz, Fair Trade, Gewalt gegen Frauen/Frauenhandel; Eigene Zeitschrift,
eigene Weiterbildungseinrichtung (College)
The Fawcett Society:
Fawcett ist eine der führenden britischen Frauenorganisationen in Fragen der
ökonomischen Gleichstellung von Frauen. Namensgeberin ist Millicent Garrett Fawcett, die
1866 mit ihrer politischen Arbeit zum Frauenwahlrecht begann. Ziel ist eine stärkere
Repräsentation von Frauen und ihren Interessen im öffentlichen und politischen Leben.
Insbesondere geht es Fawcett um Gleichstellung in den Bereichen Bezahlung, Rente,
Wertschätzung von Pflegearbeit. Fawcett engagiert sich auch sehr stark für Gender
Budgeting (z.B. Studie zur Gender(un)gerechtigkeit der Haushaltseinsparungen aufgrund
der Wirtschafts- und Finanzkrise).
The Equality And Diversity Forum:
Das EDF ist ein Netzwerk von nationalen Organisationen, die sich mit Chancengleichheit,
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sozialer Gerechtigkeit, guten nachbarschaftlichen Beziehungen, Menschenrechten und der
Bekämpfung von Diskriminierung auf Grund von Alter, Behinderung, Geschlecht, Race,
Religion und Weltanschauung sowie sexueller Orientierung beschäftigen. Seine Ziele und
Aufgaben sind: Informationssammlung und –austausch zu Gleichstellungs- und
Menschenrechtsfragen, Forum für Austausch und Zusammenarbeit von Organisationen,
Stärkung einer multiplen Perspektive, Lobbyarbeit, Forschung und Weiterbildung. EDF
ist/war in verschiedenen Regierungs- und Parlamentskonsultationsgremien zu
Gleichstellungsfragen vertreten. Außerdem führt sie die Geschäfte für die Parlamentarische
All-Parteien-Gruppe zur Gleichstellung. Förderung durch die EU (PROGRESS), Joseph
Rowntree Charitable Trust, Barrow Cadbury Trust, Trust for London, the Diana Princess of
Wales Memorial Fund, Department for Communities and Local Government.
Engender:
Engender hat ca. 300 Mitglieder und arbeitet auf der Basis einer anti-sexistischen Agenda
in Schottland und Europa an der Stärkung der Macht und des Einflusses von Frauen und
der Bewusstmachung des Einflusses von Sexismus auf Frauen, Männer und die
Gesellschaft. Information, Forschung und Networking sind die wichtigesten
Handlungsfelder von Engender. Aktuelle Themen und Kampagnen: Equality Bill, Armut,
Gewalt gegen Frauen, Macht und Teilhabe, europäische und internationale Frauenpolitik,
Weiterbildung/Events, Gender Audit, politische Konsultationen, Equality Counting, uvm.
Scottish Women's Convention:
2003 von der schottischen Exekutive als unabhängige ins Leben gerufen und seitdem von
dieser gefördert, mit dem Ziel die Repräsentation von Fraueninteresse im politischen
Prozess in Schottland zu gewährleisten und zu stärken. Arbeitsformen sind: AGs zu
bestimmten Politikfeldern (z.B. Equal Pay, Frauenarmut), Runde-Tisch-Diskussionen,
Konsultationen, Berichte, Publikationen (z.B. Equal Pay Guide).
Wales Women’s National Coalition (WWNC):
existierte von 1990 bis 2010 (seit 2002 als Limited Company) als Dachorganisation von
zivilgesellschaftlichen Frauenorganisationen in Wales (ca. 750000 Frauen repräsentiert) mit
dem Ziel der Verbesserung der Lebenssituation von Frauen in Wales (Schwerpunkte:
politische Teilhabe, häusliche Gewalt, Frauenarmut); hat seine Arbeit aufgrund nicht mehr
ausreichender Förderung im Sommer 2010 eingestellt
Northern Ireland Women’s European Platform:
Ca. 100 Mitglieder (Organisationen und Individuen); arbeitet auf lokaler (Vernetzung
Frauenorganisationen, Informations- und Erfahrungsaustausch, Lobbying in Bezug auf
Politik der Regionalregierung), europäischer (EWL, offizielle EU-Institutionen) und
internationaler Ebene (UN, CEDAW, CSW); Teilnetzwerk: Older Women’s Network
Northern Ireland (Mitglied im European Older Women’s Network); Fokus auf Themen der
europäischen und internationalen Frauenpolitik (Frauenrechte, häusliche Gewalt).
Opportunity Now:
Opportunity Now ist die einzige NRO in Großbritannien, in der Arbeitgeber organisiert sind,
deren Ziel eine Veränderung ihrer Unternehmen hinzu einer stärkeren Einbeziehung von
Frauen und einer stärkeren ökonomischen Teilhabe von Frauen insgesamt ist. Mit
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Information, Veröffentlichung guter Beispiele und Beratung sollen Unternehmen und ihre
Beschäftigten bei einem solchen Veränderungsprozess unterstützt werden. Mit 330
Mitgliedern ist Opportunity Now eine der führenden Organisationen für Diversity in
Beschäftigung in GB. Aktivitäten sind: Vergabe eines jährlichen Equality Awards, eigene
Equality Academy, thematische Workshops (z.B. zu Equal Pay) u.ä.
Chwarae Teg/Fair Play:
Chwarae Teg versteht sich als Organisation zum Thema Frauen und
Beschäftigungsinnovationen. Mit Erfahrung aus 15 Jahren setzt sich Fair Play für die
wirtschaftliche Entwicklung von Frauen in Wales ein. Ziel ist es durch Bildung,
Unternehmertum, Work-Life-Balance und flexibles Arbeiten die ökonomische Beteiligung
von Frauen zu stärken. Unternehmen und Individuen werden in der Umsetzung von Fair
Play praktisch unterstützt (durch Beratung, Training, Zugang zu Fördermitteln, u.ä.).
Über die genannten Akteur_innen hinaus existieren Frauenorganisationen in allen
nationalen Parteien.
Regierung, Ministerien
Minister(s) For Women And Equalities:
Funktion wird durch bereits im Kabinett vertretenen Minister_in (aktuell: Innenministerin)
und eine parlamentarische Unterstaatssekretärin wahrgenommen.
Government Equalities Office (GEO):
Seit 2007 Integration der Aufgaben der früheren Women & Equality Unit in das neue,
umfassendere Government Equalities Office. Das GEO ist ein kleine
Regierungseinrichtungen mit knapp über 100 Beschäftigten, die innerhalb der Regierung
verantwortlich ist für die Gleichstellungsstrategie und –gesetzgebung. Sie ist für alle
Gleichstellungsfragen in Bezug auf Frauen/Gender, sexuelle Orientierung und Transgender
zuständig. In Genderfragen hat es insb. die Aufgabe der Integration der
Gleichstellungspolitik in alle Felder der Regierungspolitik und die Umsetzung der
internationalen Verpflichtungen in diesem Bereich (z.B. CEDAW , Peking Aktionsplattform,
EU-Roadmap).
Aufgabenfelder: Gleichstellungsgesetz 2010, Gleichstellung von Lesben, Schwulen,
Bisexuellen und Transgender-Personen, Frauen und Arbeit, Gewalt gegen Frauen,
Repräsentation im öffentlichen Leben, Nationaler Gleichstellungsrahmenplan für die
Wirtschaft, Women Councillor's Taskforce.
Kommission für Gleichstellung und Menschenrechte (Equality And Human Rights
Commission (EHRC)):
Etabliert in 2007 auf Basis des Equality Act 2006, mit dem Ziel einen neuen, integrativen
Ansatz in die Förderung der Gleichstellung und der Menschenrechte zu bringen und eine
bessere Umsetzung der Anti-Diskriminierungsgesetzgebung zu leisten. Dafür wurden
verschiedene, bisher eigenständige Kommissionen zusammengeführt (Kommissionen für
Rassengleichheit, für Chancengleichheit (seit 1976), für die Rechte Behinderter). Darüber
hinaus ist die EHRC auch für Diskriminierungsfragen verantwortlich, die bisher institutionell
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nicht repräsentiert waren, d.h. sexuelle Orientierung, Alter, Religion/Weltanschauung, und
allgemein für alle Menschenrechtsfragen (auf Basis des Human Rights Act). Die EHRC ist
eine unabhängige, aber durch die Regierung finanzierte Kommission.
Women’s National Commission:
Die Women’s National Commission (WNC) wurde 1969 mit dem Ziel geschaffen, die
Regierung in frauenpolitischen Fragen zu beraten. Es ist eine unabhängige, aber vom GEO
finanzierte öffentliche Einrichtung. Die Kommission ist die zentrale Stimme der Frauen bzw.
Frauenorganisationen in Großbritannien und ermöglicht den Austausch zwischen diesen
und der Regierung. Aktuell repräsentiert die Kommission über 550 Frauenorganisationen
aus allen Landesteilen. Arbeitsfelder: Gewalt gegen Frauen, Gleichstellung (insb. aktuelle
Änderungen in der Gleichstellungsgesetzgebung), internationale Frauenpolitik, Migration
und Asyl, Frauen aus ethnischen Minderheiten, Frauen im öffentlichen Leben
Senior Stakeholder Group:
Unterstützt die Regierung bei der Erarbeitung eines neuen Gleichstellungssystems für
Großbritannien durch Beratung des Government Equaliy Office (GEO) und der zuständigen
Ministerin. Ziel ist eine Stärkung und Modernisierung des Gleichstellungsrechts und der
Gleichstellungspolitik. Die Gruppe setzt sich aus VertreterInnen des gesamten
gleichstellungspolitischen Spektrums zusammen, ebenso wie aus VertreterInnen der
Gewerkschaften und von Wirtschaftsverbänden sowie der EHRC.
Ethnic Minority Women Councillors' Taskforce:
Um die politische Repräsentation von Frauen aus der schwarzen, asiatischen und anderen
Minderheiten-Communities (BAME-Frauen) zu erhöhen, wurde von Mai 2008 bis Juli 2009
eine parteiübergreifende BAME Women Councillors' Taskforce ins Leben gerufen. Die
Taskforce hat verschiedene Instrumente entwickelt, um BAME-Frauen zu politischer
Partizipation und Repräsentation ihrer Communities zu ermutigen, z.B.
Mentoringprogramm, zertifizierte Community Leadership-Fortbildungen. Dafür hat sie eng
mit den politischen Parteien zusammengearbeitet. Die Förderung der Taskforce bzw. der
Projekte erfolgte durch das GEO. 2010 soll ein Evaluationsbericht über die Arbeit der
Taskforce erscheinen.
Wissenschaft
Equality and Diversity Research Network
Der Zweck des Equality and Diversity Research-Netzwerks am Centre for Local Policy
Studies der Edge Hill University ist es, eine interdisziplinäre Perspektive in der
Gleichstellungsforschung in Politik und Praxis zu stärken. Einbezogen sind die Disziplinen
Soziologie, Rechtswissenschaften, Governance und Politik, Organisation und Management,
Community Studies, Forschungsmethoden. Ziel des Netzwerkes ist es neue Möglichkeiten
für gemeinsame Forschung und Veröffentlichungen zu schaffen und den Austausch
zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken.
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Das gleichnamige Equality Research Network, das 2001 als Gender Research Forum von
der Regierung (Women and Equality Unit) ins Leben gerufen worden war, um den
Austausch zwischen Forschung, Gewerkschaften, NGOs und Politik zu Gender- und in der
weiteren Entwicklung zu Diversity-Fragen zu stärken, scheint nicht mehr zu existieren.
Inwieweit sich das neue Netzwerk als Nachfolge dessen versteht, geht aus seiner
Selbstdarstellung nicht hervor.
Gender Studies
An britischen Universitäten ist der Studiengang Gender Studies sehr stark vertreten (ca. 30
Institute, in allen Landesteilen, auch Oxford, Cambridge, LSE).
Quellen
Beschreibung der Quellenlage:
Gute Quellenlage bezogen auf staatliche wie auch auf zivilgesellschaftliche Akteur_innen;
umfassende Informationen über das Internet, auch zahlreiche Download-Möglichkeiten von
Studien, Berichten etc.; gute Verlinkung zwischen den Seiten der unterschiedlichen
Akteur_innen (macht auch deren nicht-virtuelle Vernetzung deutlich); ausführliche
Informationen insb. auch zu rechtlichen Regelungen im Bereich Gleichstellung/AntiDiskriminierung.
Benennung der relevanten Quellen:
Quellenangaben: siehe direkt bei den oben benannten Akteur_innen.
Webseiten:
EHRC und GEO: sehr ausführlich und informativ, gut sortiert nach einzelnen
Themenbereichen, viel weiterführendes/vertiefendes Material (Studien, Berichte,
Kampagnenmaterial, Literaturlisten, etc.), nicht nur Informationen über die eigene
Organisation, sondern auch über andere Akteur_innen, gute Verlinkung.
Literatur:
Sifft, Stefanie 2003: Pushing for Europeanisation: How British Feminists Link with the EU to
Promote Parental Rights. In: Liebert, Ulrike (Hg.): Gendering Europeanisation. S. 149-186
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Ergebnisse einer Recherche von Tanja Berger und Pamela Dorsch 2010 im Auftrag des GundaWerner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung
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