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TEAMENTWICKLUNG
KULINARISCH
Kochen als Instrument kreativer Teamentwicklung
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KOCHEN
VERBINDET
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KOCHEN
VERBINDET
In der heutigen Zeit sind sich die Unternehmungen bewusst, dass ein gutes Arbeitsumfeld und zufriedene Teammitglieder sehr wichtige Komponenten einer guten Unternehmungskultur sind. Dissonanzen im Arbeitsumfeld und Unzufriedenheit unter den Mitarbeitenden führen zu nicht absehbaren
Konsequenzen im Betrieb.
Das kann zu schnelleren Personalwechseln, Abwesenheit wegen Krankheit und letztendlich zu
mangelnder Kooperation führen. Die Effizienz sinkt weit unter das Niveau, das die Mitarbeitenden
eigentlich in der Lage wären zu leisten. Ist aber das Arbeitsumfeld harmonisch und die Zufriedenheit
am Arbeitsort hoch, sind die Mitarbeitenden motivierter, einsatzfreudiger, weniger krank und die
Teams arbeiten besser zusammen. Da die Mitarbeitenden die wichtigste Ressource eines Unternehmens sind, überrascht es nicht, dass man sich immer mehr auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz
konzentriert.
Teamentwicklung heisst Beziehungsentwicklung, die das Ausschöpfen der Ressourcen innerhalb
eines Teams erst möglich macht. Sind keine tragfähigen Beziehungen entwickelt worden, so ist die
Offenheit, die zu einer Kooperation notwendig ist, nicht gegeben. Leider lernen wir das «Teamlife»
nicht in der Schule, sondern müssen oder dürfen diese Fähigkeiten nachlernen.
Das ist umso wichtiger, da die Arbeitswelt weitgehend aus «Zwangsgemeinschaften» besteht. Mitarbeitende können ihre Kollegen nicht aussuchen. Professionalität und Achtsamkeit sind darum nötig,
um eine gute Teamkommunikation zu entwickeln und zu fördern, so dass aus einem zusammengewürfelten Haufen ein leistungsstarkes Team entsteht.
Ein Kochprozess (Planen, Realisieren um gemeinsam zu geniessen) beinhaltet alle nötigen Zutaten
(Entwicklung von Beziehungen, Kommunikation und zielgerichtetes Handeln) der Teambildung und
Teamentwicklung. Das gemeinsame Kochen mit eingestreuten Reflexionsphasen ist darum ein ideales Rezept für alle Teamprozesse.
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KOCHEN
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Beim Zubereiten eines Menü sind alle Zutaten einer würzigen, kreativen und spielerischen Teamentwicklung enthalten, wie:
• Die Klärung der Rollen mit Ihren Aufgaben
• Die Klärung der Kommunikation in und zwischen den Gruppen
• Die Arbeit im Teamalltag (Hand in Hand) fördern
• Das Fördern der Kreativität in der Rolle
• Die Auseinandersetzung mit den Sinnen und der Sensorik
• Präsentieren der gekochten Speisen
• Feedbackkultur
Der Teamprozess beginnt schon bei der Planung des Menus und beim Einkaufen der Waren. Nur
durch klare Kommunikation, Rollenklarheit und Hand in Hand arbeiten, können die Teams gut schmeckende und kreativ angerichtete Gerichte servieren.
Die entscheidenden Zutaten, die zu positiven Erfahrungen und zur Entwicklung kooperativen Verhalten führen, sind:
• Wertschätzung
• Spass
• Anteilnahme (gegenseitige Beachtung)
• Kreativität
• Erfolg
-Es braucht die Wertschätzung gegenüber den Waren, wie auch gegenüber den Mitarbeitenden.
-Spass und Humor sind wichtige Zutaten. Sie verleihen dem Gericht die Leichtigkeit.
-Wahrnehmen der Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen der Mitkochenden fördert die
Empathiefähigkeit.
-Nicht jede Komposition schmeckt und sieht gleich aus. Sondern es kommt auf die Kreativität der
Köche an, sie machen das Gericht einzigartig.
-Was gibt es schöneres als ein wunderbar hergestelltes Gericht zu servieren, den Gästen eine
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KOCHEN
VERBINDET
Freude zu bereiten und mit einem Glas Wein auf den Erfolg an zu stossen.
So wie es passende Inkredenzien gibt, gibt es natürlich auch nicht passende Zutaten, die das gemeinsame Komponieren (Team) und den Erfolg versalzen können. Damit ist gemeint:
• Probleme (und die Diskussion darüber)
• Kränkungen (kränken und gekränkt werden)
• Rückschläge (Misserfolge)
• Kritik (kritisieren und kritisiert werden)
-Es bringt nichts, vor einem Problem zu resignieren und nicht weiter zu kochen, sondern die Frage
ist: wie kann ich das Problem umwandeln in ein Ziel.
- Kränkungen gehören unweigerlich zur menschlichen Interaktion, der Schlüssel zu einem gesunden
Klima liegt in der Fähigkeit, Kränkungen zur Sprache zu bringen.
-Auch beim Kochen passieren Fehler, es stellt sich dabei die Frage, ob wir nichts serviere oder das
beste daraus mache und etwas lernen, um es das nächste Mal besser zu machen.
-Nicht jeder – jede muss die Kreation super gut finden. Die Art wie wir mitteilen ist wichtig. Ein
Ratschlag ist angenehmer als Kritik, ein Vorschlag leichter als ein Ratschlag und es ist leichter
einen Wunsch anzunehmen als einen Vorschlag.
Alle diese Zutaten sind wichtige Bestandteile für das erfolgreiche Kochen eines anspruchvollen mehrgängigen Menüs. Jedes Team braucht dazu seine eigenen Zutaten um aus einem Rezept ein kreatives
Menü zu kreieren. Stimmt die Zusammensetzung der verschiedenen Köstlichkeiten, und die Interaktion untereinander, so können sich alle auf gelungenes und feines Gericht freuen.
Guten Appetit!
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Was ist
Teamkochen?
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Was ist
Teamkochen?
In der Entwicklung der Methode «Kochen als Instrument für kreative Teamentwicklung»
stellten sich die Fragen
• Wie kann man Kochen als Element der Teamentwicklung nutzen?
• Wo findet Teamarbeit in der Küche statt?
Hier darauf einige Antworten:
In einem Restaurant oder einer Hotelküche ist es manchmal heiss und hektisch Als Gast fragt man
sich, wie ist es möglich, so viele Menschen gleichzeitig zu verpflegen, denn in der Regel bestellt jeder
Gast etwas anderes – und die Auswahl ist oft gross.
Ein vierer Tisch bestellt zum Beispiel:
Als Vorspeise
Einmal gemischter Salat
Zweimal Hausterrine mit Cumberlandsauce
Einmal Crevetten mit Kräutern und Knoblauch gebraten
Als Hauptgang
Einmal Kalbssteak auf Blätterteigboden mit Pilzsauce
Einmal Meerwolf in der Salzkruste mit Salzkartoffeln (für 2 Personen)
Einmal Steinpilzravioli mit kleinem Gemüse
Als Dessert
Einmal Crema Catalana
Einmal Dessertteller
Zweimal Käseteller
Der Laie fragt sich, wie ist das möglich das alle Gäste am Tisch die Vorspeisen zusammen erhalten
und der Nebentisch gleichzeitig den Hauptgang serviert bekommt?
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Was ist
Teamkochen?
Für das Gelingen eines erfolgreichen Abends braucht es viel Organisationstalent und ein gut funktionierendes Team. Als Einzelkämpfer erreicht man in einer anspruchvollen Küche nicht sehr viel. Zwar
kann der Fischkoch einen exzellenten Meerwolf zubereiten, aber was nützt das, wenn die Kartoffeln
vom Entermetier (bereitet das Gemüse zu) versalzen sind. Die Ravioli zwar fertig sind, aber das
Kalbssteak vom Saucier (macht Fleischgerichte) noch acht Minuten braucht bis man es servieren
kann.
Alles im Blick
In der Küche ist die reibungslose Teamarbeit gefragt. Bei der Menüplanung kommen Ideen und
Anregungen der einzelnen Verantwortlichen zusammen. Jeder darf seine Ideen einbringen. Bei der
Umsetzung laufen die Arbeitsschritte, oft wiederholt, fast automatisch ab, wobei jeder für seinen
Bereich zuständig ist. Aber – ohne Führung läufts schlecht oder gar nicht. Einer gibt klar den Ton an,
koordiniert und bestimmt den Takt bis zum Servieren. Die andern arbeiten zwar eigenverantwortlich
und termingerecht. Im Falle einer Pause im Prozess helfen sie aus, wo es nötig ist. Die Aufgaben sind
in der Küche klar verteilt: jeder weiss, wofür er zuständig ist. So kümmert sich der Entermetier um
die Suppen, Gemüse und die Sättigungsbeilagen, der Saucier um Fleisch, Fisch und Saucen und der
Garde-manger schliesslich um die kalten Gerichte. Der Küchenchef gibt dabei klar den Ton an, damit
das Essen für die Gäste eines Tisches gleichzeitig fertig ist. Das erfordert viel Erfahrung und eine
hohe Kompetenz in Sachen Koordination und Problemlösefähigkeit.
Um bei der Fertigung den individuellen Kundenwünschen gerecht zu werden, wird vieles bereist vorher bereitgestellt (Mise en place) und in der Nähe des Arbeitsplatzes gelagert. Planungskompetenz
ist auch bei der Mengendisposition gefordert, um den Abfall so gering wie möglich zu halten.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Service muss abgestimmt sein, um einen optimalen Ablauf
zu gewährleisten. Die Küche schickt die Gerichte, doch der Service hat den Tisch noch nicht ganz
abgeräumt und der Rotwein ist auch noch nicht ausgeschenkt. Es braucht eine gute Kommunikation
zwischen dem Küchen- und Serviceteam um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.
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Was ist
Teamkochen?
In einem gastgewerblichen Betrieb ist die Küche eine von verschiedenen Abteilungen. Für ein
positives Geschäftsergebnis ist das einwandfreie Zusammenarbeiten der verschiedenen Abteilungen
unbedingt notwendig. Die Mitarbeitenden eines Betriebes bilden zusammen eine Gemeinschaft.
Offene Informationspolitik, klare betriebliche Weisungen und Ziele, guter Teamgeist und persönliches
Engagement sind unabdingbare Voraussetzungen.
Neben der Fähigkeit, vielerlei Gerichte kreativ zubereiten zu können, braucht ein Küchenchef darum
auch hohe Kompetenzen in den Bereichen Planung, Finanzen und Einkauf sowie natürlich ausgewiesen Führungsqualitäten, um das ganze Team zu Höchstleistungen zu motivieren.
In der Restaurantküche wird nach folgendem arbeitstechnischem Schema gearbeitet:
• Planen
• Einkaufen
• Lagern
• Vorbereiten
• Zubereiten
• Anrichten
• Servieren
Letztendlich sind es dieselben Abläufe und Zielsetzungen wie in jedem anderen Betrieb, der Waren
herstellt oder Dienstleistungen anbietet.
Besonders entscheidend ist einem Gastrobetrieb die reibungslose und effiziente Funktion des ganzen
Küchenteams, muss doch den Gästen in der Regel zweimal am Tag ein fein zubereitetes Gericht,
mundig angerichtet und in nützlicher Zeit freundlich serviert werden. Folgende Faktoren für den
Erfolg sind dabei für das Team wichtig:
• Zielgenaue Planung
• Effiziente Entscheidungsprozesse
• Reibungsloser Informationsfluss
• Teamgeist
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Was ist
Teamkochen?
• Gruppenverhalten/Phasen
• Und vieles mehr
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WERKPLATZ
KÜCHE
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WERKPLATZ
KÜCHE
Mit der Methode «Kochen als Instrument kreativer Teamentwicklung» ist der Arbeitsplatz für
einmal nicht das Büro oder die Produktionshalle sondern die Küche.
Es wird nicht über Abläufe im Betrieb diskutiert sondern was gekocht werden darf oder muss und
wie die ganze Arbeit zu organisieren ist. Gemeinsam wird das Menü geplant, gekocht, angerichtet,
serviert und genossen. Das Ziel ist, dass alle zur gleichen Zeit gemeinsam Essen können. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen. Sie fordert von allen Beteiligten eine hohe Teamfähigkeit.
Gerade darum ist die Methode des gemeinsamen Kochens, für den Aufbau und die Kontrolle von
Teamkompetenzen so ideal geeignet. Der konstruktive Stress der zeitgerechten Planung, Zubereitung
und dem Servieren der Gerichte lässt im Arbeitsprozess wenig Raum für langes Überlegen. Gefordert
ist ein gemeinsames Vorgehen aller, viel Empathie, eine gute Übersicht und verantwortungsvolles
Handeln. Die Reflexion der Erfahrungen im ganzen Kochprozess macht im nach hinein schnell
deutlich, was funktioniert, wo allenfalls Defizite sind und wo im weiteren Teamentwicklungsprozess
angesetzt werden muss.
Neue Einsichten, die auf praktischen oder experimentellen Erfahrungen basieren, sind oft der erste
Schritt zu Veränderung. Menschen, ob allein oder in Gruppen, lernen in ungewohnten Situationen
meist einfacher als in vertrauter Umgebung.
Neben aller Ernsthaftigkeit bietet das gemeinsame Kochen als Instrument für Teamentwicklung einen
spielerischen, freud- und genussvollen Zugang und beschert in der Regel einen ganzen Strauss neuer
Erfahrungen, die nachhaltig wirken.
Weiter Vorteile dieser Methode sind:
• dass in der Küche die Team-Theorie mit allen Sinnen praktisch erlebbar wird.
• dass Genuss und Lernen eng miteinander verknüpft sind.
• dass in einem ungezwungenen, neuen Arbeitsfeld Rollen besser hinterfragt werden können.
• dass unterschiedliche Abteilungen von einem Betrieb zusammengeführt und die
Kommunikation gefördert werden kann.
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WERKPLATZ
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dass sich bei Mitarbeitenden neue Qualitäten entwickeln, die sie bewusst nie so wahrgenommen
haben.
dass Ressourcen von andern Teammitgliedern plötzlich sichtbar werden.
dass eine offene und ehrliche Feedbackkultur kennengelernt und trainiert werden kann.
dass der Stärkere ist nicht automatisch der Bessere ist.
dass beim gemeinsam Kochen zum Teil ganz andere Fähigkeiten gefragt sind als im
normalen Arbeitsprozess.
Anders als bei Outdoor-Übungen besteht beim Kochen eine echte Abhängigkeit vom Ergebnis, insbesondere wenn zum Beispiel noch Gäste eingeladen werden. Der Druck, dass das Ergebnis stimmt
ist so noch höher aber trotzdem real. Dadurch werden Prozesse schnell und authentisch angeregt.
Stärken und Schwächen der Teamarbeit werden eindrücklich und klar sichtbar.
Und zu guter Letzt ist das besonders Schöne an dieser Methode der abschlissend gemeinsame Genuss der Gerichte in gemütlicher Atmosphäre – was eine zusätzlich Verbundenheit schaffen kann und
allenfalls auch erlaubt für einmal Themen anzusprechen für die es im Arbeitsalltag kaum Platz gibt.
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METHODE
& Ablauf
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METHODE
& Ablauf
Der Zeitaufwand für einen Teamanlass mit gemeinsamem Kochen, vom Eintreffen bis zum Kaffee,
beträgt rund neun Stunden. Dazu kommt noch ca. ein halber Tag um die Erfahrungen und Beobachtungen zu reflektieren und daraus den nötigen Transfer einzuleiten.
Möglicher zeitlicher und methodischer Ablauf eines Teamkochens
13.30 Begrüssung im Kochstudio
13.45 Einstieg ins Thema
14.00 Kleiner Vortrag über die Wichtigkeit der Sinne und den Genuss
14.20 Gruppenbildung durch zerschnittene Karten mit einem Bild (Puzzle) und
Auftragserteilung
14.30 Bestimmen einer Projektleiterin, eines Projektleiters
14.35 Pro Gruppe ein Gericht aus den daliegenden Kochbüchern wählen
1. Gruppe: Kalte Vorspeise
2. Gruppe: Warme Vorspeise
3. Gruppe: Hauptgang
4. Gruppe: Dessert
15.00 Gericht auf dem Flipchart präsentieren, das ganze Team ist einverstanden mit dem Menü
(Entscheidung)
15.15 Einkaufliste und ein Budget erstellen, Geld anfordern gemäss Budget.
15.30 Einkaufen in den umliegenden Lebensmittelläden, sollte eine Gruppe zu wenig Geld haben, Kontakt mit den andern Gruppen aufnehmen um zu erfahren, ob allenfalls noch Geld
zur Verfügung steht
16.30 Eintreffen im Kochstudio
16.35 Kurze Reflexion
16.45 Einrichten der Kochposten und Lebensmittel bereit stellen
17.00 Rüsten, Schneiden, Kneten und Kochen
17.15 Projektleiter treffen sich zum Austausch und koordinieren den Menüablauf
17.30 Jede Gruppe stellt eine Person zur Verfügung zum Aufdecken, dazu gehören auch Blumen15
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METHODE
& Ablauf
dekoration und Weinausschank mit kleiner Weinkunde (Herkunft, Traubensorte usw.)
19.00 Apero und kurze Reflexion
19.15 Die Partnerinnen und -partener treffen ein und werden mit einem Glas Prosecco begrüsst
19.30 Wein wird serviert und vorgestellt
19.35 Erster Gang wird von der Gruppe serviert, Feedback der Gäste
20.05 Zweiter Gang wird serviert, Feedback der Gäste
20.45 Hauptgang wird serviert, Feedback der Gäste
21.45 Dessert wird serviert, Feedback der Gäste
22.15 Kaffee und Friandise
22.30 Würdigung des ganzen Tages ohne detaillierte Schlussreflexion.
Gemütlicher Ausklang
Die einzelnen Gänge werden mit einer kleinen Produktion von der jeweiligen Gruppe vorgestellt.
Die Gesamtreflexion wird (wenn möglich) am nächsten Tag gemacht.
Begrüssung
Die Begrüssung des Teams ist auch gleichzeitig die Formingphase (siehe 5 Phasen Modell). Während
der ganzen Arbeit durchlaufen die Teilnehmenden diese Phase mehrmals (Gruppenzusammenstellung, bestimmen der Gerichte und des Projektleiters)
Man kann in dieser erste Phase sehr gut beobachten, wie die Teilnehmenden noch Unsicher
sind, (was passiert hier was muss ich machen). In der Regel beleiben bereits bestehende Gruppen
und Seilschaften vorerst zusammen. Spontane Sympathien und Antipathien sind im Spiel ohne genaueres vom Gegenüber zu wissen.
Einstieg ins Thema
Kleiner Input des Moderators über Anteilnahme als Motor für ein gesundes Arbeitsklima in der Küche
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METHODE
& Ablauf
(Betrieb):
Ein gesundes Arbeitsklima kommt in erster Linie zustande, wenn die Mitarbeitenden Interesse und
Neugierde für die Arbeit und ihre Kolleginnen und Kollegen zeigen.
Anteilnahme ist eine Geisteshaltung, eine Mentalität, die zeigt, dass mir das psychische und physische Wohlbefinden meines Gegenübers nicht egal ist, dass ich die Andern achten, ihnen zuhören,
sie wenn nötig trösten, ermutigen und unterstützen will.
So schmeichelhaft es ist, wenn jemand an einem Interesse zeigt, so kränkend kann es sein, wenn sich
jemand indifferent verhält. Interesse deutet grundsätzlich auf positive Gefühle hin. Interesse zeigen
heisst z.B. Blickkontakt suchen, sich nach dem andern erkundigen, mehr über den Anderen wissen
wollen und ihm Fragen stellen. Damit ist nicht eine aufdringlich Neugier gemeint, sondern eine Neugier die echter Anteilnahme signalisiert.
In der Küche wie auch in Unternehmungen ist die Vielfalt der Tätigkeitsfelder gross. Die Teilnehmenden wissen nicht, wie die Gerichte und Tätigkeiten der anderen Kochgruppen (Berufsgruppen)
aussehen.
Im gemeinsamen Kreieren eines anspruchvollen Menüs erleben die Teilnehmenden eindrücklich, wie
wichtig es ist, dass neben der kooperativen Arbeit in der Gruppe aus das Zusammenspiel im ganzen
Team funktionieren muss, dass sie auch Interesse für die Arbeit und Abläufe der anderen zeigen
müssen, denn Neugier und Interesse sind nicht nur Zeichen, mit denen man einem Freund seine
Anteilnahme demonstriert. Sie sind auch wichtige Voraussetzungen für eine fruchtbare Teamarbeit.
Damit das Teamkochen effizient und erfolgreich ist, das heisst ein kreatives Menu zeitgerecht serviert
werden kann, müssen die Beteiligten ihre eigenen Stärken und Ressourcen wahrnehmen, kennen und
verstehen als auch möglichst genau wissen, wo die Anderen ihre Stärken und Schwächen habe.
Nicht umsonst pflegen Teamentwickler zu sagen:
Schlechte Spieler haben die Angewohnheit, immer nur ihre eigenen Schwächen zu sehen und diesen
immer nachzugeben. Gute Spieler dagegen sehen Ihre Stärken und nutzen diese. Doch die besten
Spieler sehen nicht nur ihre eigenen Stärken, sondern auch die der anderen Spieler und nutzen die
Stärken aller Beteiligten.
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METHODE
& Ablauf
Mögliche Fragen zur Reflexion
• Was implizieren die Ausdrücke «Anteilnahme» und «einander beachten»?
• Macht man sich von Natur aus Gedanken um die anderen Menschen, oder hängt dies von den
Gewohnheiten und Verhaltensweisen ab, die sich ändern lassen?
• Auf welche Weise kann Hilfe angeboten werden, so dass sie leicht angenommen werden kann?
• Was möchte man gerne von andern gefragt werden?
• Wie erkennt man, dass jemand tatsächlich Anteil nimmt – ausser mit Worten?
• Wann fühle ich mich von den Mitkochenden unterstützt?
Anteilname ist ein Gefühl, das wir viel mehr wahrnehmen sollten, um unsere ganze Zusammenarbeiten angenehmer zu gestalten.
Gruppenbildung
Es werden verschiedene Karten mit einem Gemüse oder einer Lebensmittelabbildung bereit gelegt.
Zum Beispiel Tomaten, Peperoni, Gewürze und Pfefferminz. Auf die Karten werden die zu kochenden
Gänge geschrieben, zum Beispiel:
• Kalte Vorspeise
• Fischgang
• Hauptgang
• Dessert
Die jeweiligen Karten werden in so viele Teile zerschnitten wie Teammitglieder in einer Gruppe sind.
Alle Kartenstücke werden in einen Topf gelegt und gut miteinander vermischt. Die Teilnehmer ziehen
nun aus dem Topf ein Stück der zerschnittenen Karten und suchen die dazugehörenden Teile.
Bei dieser Sequenz steht wieder der Formingprozess im Vordergrund. Die Gruppenteilnehmer
sind gespannt und Neugierig, mit wem sie Kochen dürfen. Wir befinden uns jetzt in der Anfangsphase
des Stormings. Koalitionen werden gebildet und allenfalls finden erste Machtdemonstrationen statt.
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METHODE
& Ablauf
Bestimmen eines Projektleiters
Nun taucht die Gruppe ganz in der Stormigphase ein. Die Echos auf eigene Projektionen werden
grösser, so dass das Ego reagieren muss. Erst wenn der einzelne erkennt und spürt wie abhängig die
eigene Einstellung von Denken und Verhalten der anderen Gruppenmitglieder ist, ist diese Gruppenphase abgeschlossen. Es gibt Gruppen die schaffen es nicht über die Stormigphase hinweg zu
kommen. Die Ergebnisse dieser Gruppen sind in den meisten Fällen sehr mässig.
Abgabe des Gruppenauftrages und Entscheidungsfindung
Jede Gruppe hat den Auftrag aus den bereit gestellten Kochbüchern ein Gericht zu wählen, dass die
Gruppe gerne kochen will. Konkret heisst das, die Gruppe Peperoni (kalte Vorspeise) sucht zum Beispiel ein Gericht aus, hinter dem die ganze Gruppe stehen kann. Hier ist es spannend zu beobachten
welche Prozesse bei der Entscheidung, welches Gericht gekocht werden soll, massgeblich sind.
Einige Fragen zur Prozessbeobachtung
• Fällt jemand eine Entscheidung ohne die andern zu fragen? (selbstautorisiertes Handeln)
• Springt die Gruppe von einem Gericht zum andern, ohne auf das einzelne Gericht einzugehen?
• Wer unterstützt die Vorschläge oder Entscheidungen? Bewirkt diese Unterstützung, dass die
ganze Gruppe nicht mehr weiter in die Entscheidungsfindung einbezogen wird?
• Gibt es Anzeichen dafür, dass eine Mehrheit Entscheidungen durchsetzt gegen die
Einwände Weniger (Mehrheitsbeschluss)?
• Gibt es Versuche, alle Mitglieder an der Entscheidung zu beteiligen (Konsens)? Welche
Auswirkungen hat das auf die Gruppe?
• Macht jemand einen Vorschlag, der überhaupt nicht beachtet wird? Welche
Auswirkungen hat das auf Einzelne und die Gruppe?
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METHODE
& Ablauf
Präsentieren der gewählten Gerichte am Flipchart
Der Gruppenleiter notiert das von der Gruppe gewählte Gericht auf den Flipchart und erläutert dem
ganzen Team, wieso sie gerne dieses Gericht zubereiten wollen.
Zum Beispiel:
• Orangenfilet mit Zwiebelringen, Datteln und feinstem Olivenoel
• Royal – Dorschfilet mit Rauchlachsfüllung auf Lauchgemüse mit Weissweinsauce
• Kalbssteak auf einem Blätterteigboden mit Herbstpilzsauce dazu Gemüse vom Markt
• Hausgemachtes Panna Cotta mit Beerensauce und Mandeln
Ein zweiter Entscheid ist hier nötig, der vom ganzen Team getroffen werden muss. In der Regel ist die
Entscheidung für das vorgestellte Menü einfacher als die Gerichtewahl in der Gruppe. Aus Rücksicht
auf die Vorarbeit der Gruppe wird das präsentierte Gericht meistens angenommen und nicht weiter
hinterfragt.
Aus Teamentwicklungssicht wird es spannend, wenn das ganze Team dem Gericht einer Gruppe
seine Zustimmung nicht gibt. Wie reagiert die Gruppe? Was läuft nun im Team ab? Ist die betroffene
Gruppe gekränkt und sperrt sich oder dürstet sie sogar nach Rache in der Beurteilung der anderen
Gerichte?
Da Kränkungen auch in vielen andern Phasen des ganzen Kochprozesses vorkommen können, möchte ich hier auf dieses Phänomen etwas vertiefter eingehen
Kränkungen gehören unweigerlich zur menschlichen Interaktionen
In jedem Betrieb kommt es immer wieder zu gegenseitigen Beleidigungen und Kränkungen. Auch
denjenigen, die mit den edelsten sozialen und diplomatischen Fähigkeiten ausgestattet sind, passiert
es, dass sie einmal jemanden durch Worte oder Taten beleidigen oder es so aufgefasst wird. Kränkungen werden dem Andern meistens nicht mit Absicht zugefügt. Manchmal geschieht es aus purer
Gedankenlosigkeit, denn in den seltensten Fällen will man die Gefühle anderer vorsätzlich verletzen.
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METHODE
& Ablauf
Kommt es aber doch vor, sind die Motive meist Rache oder Vergeltung. Ein Schlüssel zu einem gesunden Betriebsklima und zum psychischen Wohlbefinden der Mitarbeitenden liegt in der Fähigkeit,
Kränkungen zur Sprache zu bringen und aus der Welt zu schaffen.
Im Idealfall ist es so, dass derjenige, der sich gekränkt (beleidigt, betrogen oder verletzt) fühlt,
möglichst unmittelbar nach dem Ereignis mit demjenigen spricht, der ihm die Kränkung zugefügt hat
– den in der Regel lässt sich das Problem nur gemeinsam friedlich aus der Welt zu schaffen. Meistens ist es aber so, dass es dem Gekränkten recht schwer fällt, mit dem anderen über die erlittene
Kränkung zu sprechen, und er
• sich zurückzieht und behauptet, nicht beleidigt worden zu sein.
• die Kränkung wegsteckt und darauf hofft, das Geschehene vergessen zu können.
• mit anderen über die erlittene Kränkung spricht, um deren Mitgefühl zu gewinnen oder
Vorschläge zu bekommen, wie er am besten mit der Verletzung umgehen kann.
• auf passende Gelegenheit wartet, um sich für das ihm zugefügte Unrecht zu rächen.
Oft hält die Angst vor Wiederholungstaten den Gekränkten davon ab, mit demjenigen, der ihn
gekränkt hat zu reden. Der oder die Gekränkte denkt: Ist es die Sache wirklich wert, darüber zu
sprechen? Man beginnt sich vorzustellen, was passiert, wenn andere das Thema ansprechen. Ob
schliesslich mit dem Beleidiger (kann auch eine Gruppe sein) gesprochen wird oder nicht, hängt
davon ab, was für ein Szenario entworfen wird.
Dieses Phänomen ist das Thema einer Geschichte im Buch «Anleitung zum Unglücklich
sein», vom bekannten Kommunikationsexperten Paul Watzlawick:
Ein Mann will seinem Nachbarn bitten, ihm einen Hammer auszuleihen. Erstellt sich vor, wie der Nachbar
ihn fragt: aber haben Sie denn keinen eigenen Hammer, um Himmels willen?! Daraufhin überlegt der
Mann sich seine Antwort: Natürlich, aber ich habe ihn gerade jemandem ausgeliehen. In dieser Situation
antwortet der Nachbar: in einem so grossen Haus sollte es doch zwei Hämmer geben. Darauf würde der
Mann seinem Nachbarn zur Antwort geben: Ich habe zwei Hämmer, aber ich kann den anderen nicht
finden. Er stellte sich vor, wie der Nachbar antwortet: Vielleicht sollten Sie Ihre Sachen ein bisschen besser
in Ordnung halten! Nachdem der Mann sich einige derartige Szenarios ausgedacht hat, stürmt er hinüber
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METHODE
& Ablauf
zum Nachbarn und schlägt an die Tür. Als der Mann in Hausschuhen einen Augenblick später die Tür
öffnet, schreit der Mann ihn an: Behalten Sie doch Ihren verdammten Hammer!
Genau dieses Muster wird aktiviert, wenn man drüber nachdenkt, ob man über seine erlittene Kränkung reden soll.
Fragen zur Reflexion
• Weshalb kommt es so leicht zu gegenseitigen Kränkungen?
• Lassen sich Kränkungen überhaupt vermeiden?
• Was sollten man am besten tun, wenn man jemanden beleidigt hat?
• Warum geben die Menschen im Allgemeinen ungern zu, dass sie gekränkt worden sind?
Einkaufsliste schreiben und Grobbudget erstellen
«Das Aussergewöhnliche an der ehrlichen Küche sind nicht die kostspieligen, sondern die kostbaren,
frischen und natürlichen Produkte.»
Elfie Casty
Kochen fängt beim Einkauf an und es hat seine Richtigkeit, wenn Sie eine Einkaufsliste erstellen, die
so exakt ist, dass Sie nach dem Einkauf keine Überraschungen erleben müssen. Denn nichts könnte
gefährlicher sein als alles dem Zufall zu überlassen, der Sie mit Sicherheit zur Nachbarin laufen lässt,
weil Ihnen im dümmsten Moment der Rahm ausgegangen ist.
Begehen Sie aber nicht den Fehler, Ihr Qualitätsbewusstsein in den Hintergrund zu verdrängen. Es
muss nicht immer Kaviar sein, wo es oft mehr Spass macht, in eine junge Karotte zu beissen! Das
Bewusstsein für Qualität hat aber mit einer Differenzierung zwischen Produkten überhaupt nichts
zu tun, sondern ist vielmehr als ein grundsätzlicher, legitimer Anspruch auf ein gesundes Verhältnis
zwischen Produkt und Preis zu verstehen.
Die Gruppenteilnehmer erstellen einen Einkaufzettel mit allen Lebensmittel die sie brauchen um das
Gericht zu kochen.
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METHODE
& Ablauf
In dieser Phase sieht man sehr gut, ob die Gruppe nun in der Norming- oder schon in der Performingsphase ist. Es gibt immer wieder Gruppen, wie bereits erwähnt, die die nur schwer oder nicht
aus der Stormingphase rauskommen. Bei diesen Teilnehmenden geht der Prozess einiges länger als
bei den andern Gruppen.
Nachdem die Einkaufsliste geschrieben ist und die Mengenangaben vom Profikoch kontrolliert sind,
muss das Budget erstellt werden. Wie viel Geld braucht die Gruppe? Genügt es für alle Einkäufe, so
dass für die Anderen den Wein und die Dekoration genügend übrig bleibt?
Interessant ist hier, die zum Teil sehr unterschiedlichen Prozesse in den einzelnen Gruppen
zu beobachten:
Es gibt die vorlauten Gruppen die gar nicht berechnet haben, was die Lebensmittel in kosten
könnten. Ihnen ist nur wichtig genug Geld für sich zu haben, egal ob einer andern Gruppe dann evt.
zu wenig Geld zur Verfügung steht.
Es gibt aber auch die Gruppen die sich kaum getrauen zu sagen, wie viel Geld sie benötigen.
Und es gibt natürlich auch diejenigen, die ganz pragmatisch an die Arbeit gehen, indem sie ein realistisches Grobbudget erstellen, das noch Spielraum für die andern Gruppen offen lässt.
Wir können dabei ganz spannende Verteilungsprozesse in den jeweiligen Teams und in der
ganzen Gruppe beobachten. Interessant ist es vor allem, weil Geld im Spiel ist und die Teilnehmenden unter Umständen ein anders Gesicht zeigen.
Im Idealfall reicht das Geld für alle Gruppen es bleibt sogar noch etwas übrig für Unhervorgesehenes.
Doch was passiert wenn das Geld nicht ausreicht?
Die Projektleiter fallen hier entweder in die Stormingphase zurück oder sie schaffen es aufeinan25
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METHODE
& Ablauf
der Rücksicht zu nehmen. Interessant zu beobachten ist, ob der jeweilige Projektleiter nur auf sich
fixiert ist und egoistisch handelt, indem er das beste für sein Team herausholen will – oder ob er das
Gesamtprojekt, das ganze Team und das angestrebte Ziel, in angenehmem Ambiente gemeinsam ein
wunderbares vier Gang-Menü zu geniessen, vor Augen hat.
Einkaufen in den umliegenden Geschäften
Haben die Gruppen unerwartet zu viel oder zu wenig Geld bei sich, heisst das Zauberwort «Kommunikation». Es stellt sich darum hier die Frage: Wird kommuniziert – und wie wird kommuniziert?
Kommen die Gruppen auf die Idee sich über das Natel auszutauschen? Sehen die Teams nur den
eigenen Prozess oder denken sie ganzheitlich? Funktionieren die einzelnen Gruppen auch als ganzes
Team, indem sie sich gegenseitig aushelfen und unterstützen?
Fragen zur Reflexion
• Wie habe ich mich während dem Einkaufen verhalten?
• Wie wichtig ist mir der Gesamterfolg?
• Waren wir in der Gruppe konsensbereit?
• Wie hat die Kommunikation in der Gruppe und mit den anderen Teams funktioniert?
Erste kurze Reflexion
Mit den oben aufgeführten Fragen wird der Prozess kurz reflektiert.
Was heisst Reflexion?
Reflexion bedeutet so viel wie «Zurückbeugen, Spiegelung, Überlegung». Gemeint ist, dass die Gruppe
das, was gewesen ist, noch einmal Revue passieren lässt. Sich des Positiven vergewissert und dieses
beibehält, aber auch nach den Ursachen von Problemen und Schwierigkeiten sucht, indem sie sich diese
bewusst macht, versucht sie zu beseitigen, aus den Fehlern lernt, sich Zeit nimmt Erlebnisse zu verarbeiten und zu verdauen, Stress miteinander klärt und Missverständnisse aus dem Weg räumt.
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METHODE
& Ablauf
Einige Verhalten und einzelne Gruppensituationen werden im Nachhinein gemeinsam mit der Gruppe
kritisch betrachtet und ausgewertet, um Lernvorgänge zu provozieren und Perspektiven für nächste
Schritte aufzuzeigen.
Die Relexion dient dazu:
• eigene Erfahrungen bewusst zu verarbeiten
• eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen
• Andere besser zu verstehen
• Misserfolge als positive Lernchance zu sehen
• Massstäbe und Leitlinien für zukünftiges gemeinsames Handel zu entwickeln
• Neue Perspektiven zu setzen
In der Reflexion auf ein Geschehen oder Verhalten gelangen die einzelnen und die Gruppe zu Werten
und Normen, die aus eigener Sicht gewonnen sind. Somit dient die Reflexion nicht zuletzt dem
Abbau von Fremdbestimmung und der Förderung von Eigenverantwortung.
Ablauf einer Reflexion
Eine gute Möglichkeit, sachlich, planvoll und kritisch an eine Reflexion zu gehen ist das Drei-SchrittModell:
Sehen – Urteilen – Handeln
Sehen meint: Die Gruppe überlegt sich, was sie gemacht hat und was passiert ist. Beschreibt und
stellt fest, ohne zu bewerten. Die Fragen können im «Ich» oder im «Wir» gestellt werden.
Urteilen bedeutet: Die Gruppe betrachtet das, was gelaufen ist und bewertet es kritisch, sucht aber
auch gleichzeitig nach den Ursachen.
Handeln meint: aus den Fehlern lernen und Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Trifft man
dabei keinen klaren und für alle verständlichen Vereinbarungen, deren Einhaltung auch kontrolliert
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METHODE
& Ablauf
wird, um festzustellen ob die getroffen Massnahmen erfolgreich waren, ist die Gefahr gross, dass das
konkrete Handeln im täglichen Arbeitsprozess untergeht.
Die Reflexion zeigt auf, was jeder in der Zukunft tun kann oder will und wo allfällige Schwierigkeiten
im Team liegen.
Wann und wie oft soll reflektiert werden?
Die Reflexion gehört nicht nur an das Ende eines Projektes, sondern auch währendem dem Prozess
sind kurze Reflexionsphasen sinnvoll und hilfreich.
Reflexionsregeln:
• Gesagtes wird nicht kommentiert und nie diskutiert
• Spreche selbst und verlasse dich nicht darauf, dass andere für dich sprechen «Du bist wichtig!»
• Akzeptiere Gefühle und Eindrücke der anderen, denn jeder hat das Recht auf eigene Gefühle.
• Kurze prägnante Äusserungen helfen weiter als weitschweifende Ausführungen.
• Sprich für dich in «Ich-Botschaften» und nicht für die Gruppe.
Einrichten der Arbeitsplätze
Wer meint, das jetzt endlich gekocht werden kann muss sich noch ein wenig gedulden, denn beim
Kochen ist es wie bei jedem andern Projekt. Damit das Ganze erfolgreich wird, müssen zuerst wichtige Vorarbeiten geleistet werden. Dazu gehört das Einrichten des Arbeitsplatzes und das Bereitlegen
der richtigen Werkzeuge (Messer, Schnitzer, Sparschäler, Bretter usw.). Für eine professionelle Arbeit
dürfen Schürze und Putztücher natürlich auch nicht fehlen und die Eingekauften Lebensmittel müssen ausgepackt, wenn nötig gekühlt und die Rezepte müssen für alle gut sichtbar aufhängt werden.
Nun kann es losgehen – doch Halt! Das Wichtigste ist noch nicht geklärt! Wer ist in der Gruppe für
was genau zuständig? Wie bei jedem Projekt ist auch in der Küche eine gute Planung unabdingbar.
Wie jeder Hobbykoch weiss, besteht die Kunst des Kochens auch darin, alles gleichzeitig fertig zu
haben. Der Gedanke, wie eigentlich die zeitliche und die arbeitstechnische Organisation geregelt
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werden soll, kommt bei den meisten Gruppen in der Regel erst später auf. Auch hier stellt sich natürlich die Frage: Kennen Sie das in Ihrem Unternehmen?
Fragen zur Reflexion
• Wo habe ich mich in der Planung behindert?
• Warum ist eine gute Planung wichtig?
• Welche meiner Erlebten Situationen bei der Kochplanung kenne ich auch in meinem beruflichen
Umfeld?
«Ein guter Koch kennt ein Geheimnis, das für ihn die einzige Möglichkeit ist, während dem Service
gute Regie zu führen. Die Mise en place.»
Elfie Casty
Mise en place: rüsten, schneiden, kneten und kochen
Ein Geheimnis in der Küche, welches zum Gelingen eines Gerichtes oder eines Menüs mitverantwortlich ist, heisst in der Fachsprache Mise en place, was «mit alles zur Hand haben» übersetzt werden
kann und als kleine aber nicht unbedeutende Zauberformel zu betrachten ist. Denn ohne Organisation kann beim Kochen kaum etwas reibungslos funktionieren.
Beim zubereiten der Speisen sieht man nun sehr gut, wie die einzelnen Gruppen die Rezepte
umsetzten.
Fragen für die Prozessbeobachtungen
• Haben sie eine gute Planung gemacht?
• Wie haben Sie sich organisiert?
• Haben sie ein gutes Mise en place gemacht?
• Wie ist das Zusammenspiel in der Gruppe?
• Wer übernimmt wann welche Rolle im Team?
• Haben sie Spass beim Arbeiten?
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• Wie gehen die Teammitglieder mit Rückschlägen um?
• Wie geht die Gruppe mit Erfolg um?
Auf die Prozessfragen zu «Rückschlägen» und «Spass» möchte ich tiefer eingehen.
Umgang mit Rückschlägen – auf den Weg zu einer Kultur der «Fehlerfreundlichkeit»
Der Küchenchef zum Koch: «Fehler sind nützlich, weil wir immer etwas aus ihnen lernen können.
Aber wie um alles in der Welt hast Du es geschafft, ausgerechnet diesen dummen Fehler zu begehen?»
Ein Teammitglied hatte vergessen das Mehl in die Sauce zu geben, und die Sauce wurde dadurch
nicht cremig. Obwohl dieses Missgeschick durch die richtige Massnahme schnell behoben werden
konnte, war das Teammitglied zuerst mal zornig auf sich, weil es das Mehl vergessen hatte. Es verbrachte den Rest des Tages und auch den darauf folgenden Tag damit, sich den Kopf zu zermartern.
Sogar ein Jahr später erinnerte er sich noch an den Vorfall. Seine Freunde hätten sein Missgeschick
längst vergessen, hätte er nicht so viel Aufhebens darum gemacht.
Wenn Kinder so elementare Dinge lernen wie aufstehen, gehen, sprechen, allein essen, sich anziehen, einen Purzelbaum schlagen, aus der Flasche trinken, Fahrrad fahren, malen usw. erleiden sie
permanent Misserfolge. Die meisten Kinder werden mit ihnen auf sehr natürliche Weise fertig. Das
heisst, sie nehmen kaum Notiz von ihren Missgeschicken und machen einfach neue Versuche. Es
stellt sich die Frage: Wann und wo haben wir Erwachsenen diese Fähigkeit verloren?
In den letzten Jahren hat sich im wissenschaftlichen Kontext der Begriff «Fehlerfreundlichkeit» eingebürgert. Es ist damit die Ansicht verbunden, dass man Fehlern gegenüber positiv eingestellt sein
und konstruktiv mit ihnen umgehen soll. Der Begriff «Fehlerfreundlichkeit» impliziert die Vorstellung,
dass Fehler, Irrtümer und Missgeschicke einen Schlüssel zum Lernen, zu Fortschritt und Entwicklung
sind, wenn man eine positive und interessierte Haltung dazu einnimmt. Im Grunde genommen ist die
Evolution dadurch entstanden, dass die Natur zu Fehlern neigt.
Versuchen Sie sich an einen Fehler oder Irrtum zu erinnern, der Ihnen in jüngster Zeit unterlaufen ist.
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•
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•
•
•
•
•
•
•
Wie verhalten Sie sich dazu?
Regen Sie sich darüber auf und bedauern sie Ihn?
Lassen Sie sich von Ihm quälen?
Sind Sie immer noch darüber verärgert?
Kann es sein, dass sie allmählich etwas Positives darin sehen?
Können Sie inzwischen vielleicht sogar sagen, dass der Fehler für etwas gut war?
Welchen Nutzen kann sich Ihrer Ansicht nach langfristig daraus ergeben?
Haben Sie aus dem Fehler etwas Positives gelernt?
Könnten unter Umständen auch andere von Ihrem Fehler profitieren?
Anders herum gefragt: Wie verhalten Sie sich zu den Fehlern von anderen? Sind Sie manchmal darüber erstaunt, wie dumm Menschen sein können, oder nehmen Sie eine mitfühlende und verständnisvolle Haltung ihnen gegenüber ein? Sagen Sie z.B. «Solche Dinge passieren halt» oder «Es ist
gut, dass nichts schlimmes passiert ist und wir wissen jetzt was wir das nächste Mal anders machen
können»?
Die Art, wie die Mitarbeiter eines Unternehmens sich zu Misserfolgen und Fehlern verhalten, hat es
einen grossen Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre und das Betriebsklima.
Eines der Erfolgsgeheimnisse guter Unternehmen ist, dass die Unternehmungspolitik eine positive
Haltung zu Misserfolgen und Fehlern einnimmt. Wenn die Mitarbeitenden keine Angst mehr davor
haben, dass man ihnen wegen ihrer Fehler und Missgeschicke die Hölle heiss macht, dann können
Kreativität, Experimentierfreude und Innovation gedeihen. Ist die Situation genau umgekehrt, haben
die Mitarbeitenden ständig Angst Fehler zu machen, und sie sind ängstlich, übervorsichtig und
reserviert.
Die Methode «Kochen als Instrument kreativer Teamentwicklung» eignet sich zum Training einer
Kultur der Fehlerfreundlichkeit ausgezeichnet, da beim Kochen der Gerichte immer wieder Fehler und
Rückschläge eintreten können, sei es dass:
• Gerichte versalzen werden
• Anstatt Salz wurde Zucker verwendet wurde
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•
•
•
•
•
•
Die Sauce angebrannt ist
Die Mengen nicht stimmen
Die Ofentemperatur falsch eingestellt wurde
Die Suppe zu dünn ist
Das Gemüse zu lange gekocht hat
usw.
Da man in der Küche meistens unter Druck arbeitet, bleibt nicht viel Zeit, um eine neue Lösung zu
finden. Das heisst konkret, wer sich zu lange mit dem Fehler beschäftigt, bringt kein anspruchsvolles
Gericht mehr auf den Teller.
Teamentwickler können bezüglich der Fehlerkultur im Kochprozess sehr beobachten und Reflektieren.
Einige Fragen zur Reflexion können sein:
• Warum hast du Angst Fehler zu machen?
• Wie sollte das Team mit Fehlern umgehen?
• Wie gehe ich mit Fehlern um?
• Was löst bei mir den Druck vor Fehlern Angst zu haben?
• Was hat das Team beigetragen, dass ich dem Fehler etwas Positives abgewinnen konnte?
Spass beim kochen
Wie wir alle wissen hat das Kochen viel mit Handwerk, Kreativität und Spontanität zu tun. Es ist eine
grosse Kunst Humor und Zielstreblichkeit miteinander zu verbinden. Beim zubereiten der verschiedenen Gerichte braucht es die richtige Prise Ernsthaftigkeit um auf einem hohen Niveau arbeiten zu
können. Ist die Arbeit nur von Ernsthaftigkeit geprägt, kann der Erfolg auf die andere Seite ausschlagen. Die Gerichte sind zwar einwandfrei hergestellt worden, doch fehlt ihnen der letzte Pfiff und die
Kreativität bleibt auf der Strecke.
Humor steigert die Kreativität und den Einfallsreichtum
In Betrieben und Organisationen will man häufig wissen, wie Kreativität, Innovation und Einfallsreichtum am Arbeitsplatz gesteigert werden können. Expertenkommissionen, Befürworter des Mind
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Mappings, Legionen von Querdenkern sowie Kreativitätsforscher – um nur einige zu nennen – bieten
eine Fülle einschlägiger Methoden an. Doch am besten und am billigsten lässt sich kreative Fähigkeit durch Humor steigern. Wenn man scherzt und Spass hat, befindet sich das Gehirn automatisch
in einem «kreativen Modus». Probieren Sie es aus wenn Sie das nächste Mal mit einer Gruppe
arbeiten, die ein kreatives Produkt entwickeln soll, beginnen Sie das Kochen mit einem spassigen
Spiel. Beobachten Sie, wie sich eine humorvolle und spielerische Einlage zu Beginn des Kochens auf
die Atmosphäre der Gruppe auswirkt. Humor fördert die Kreativität, weil er die Menschen in die Lage
versetzt, die Dinge in einem andern Licht und aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Humor ermutigt zur Interaktion
Teamarbeit und eine enge Kooperation zwischen den Mitarbeitern sind beim Kochen nicht nur etwas
Wünschenswertes – sie sind ein absolutes Muss. Und nichts hält ein Team besser zusammen als
der gemeinsame Sinn für Spass und Humor. Mit Humor läuft vieles wie geschmiert, z.B. Gespräche,
Ideen austauschen und Diskussionen. Man macht seinen Einkauf lieber dort, wo die Angestellten mit
Humor und Spass ihre Kunden bdienen und es macht mehr Spass, mit humorvollen Kollegen und Kolleginnen zu kochen. Trainer oder Ausbildnerinnen, die ihren Unterricht humorvoll gestalten, kommen
mit den Teilnehmenden oft besser zurecht.
Die andere Seite des Humors
Macht man auf Kosten Anderer seine Scherze, hänselt und verspottet man sie und pflegt man einen
vernichtenden Sarkasmus kann Spass und Humor aber auch sehr fragwürdig und sehr kontraproduktiv sein. Fragwürdiger Humor lässt sich leicht daran erkennen, dass man über andere lacht und nicht
mit ihnen.
Den Spass Pflegen
Wir können den anderen Menschen Humor zwar nicht aufzwingen, aber wir können seine wohltuende Wirkung würdigen und ihn auf alle erdenklichen Arten fördern. Wir können allen danken, die
mit Ihrem Humor und ihren Scherzen unserem Alltag eine spassige Note geben. Menschen mit einem
echten Sinn für Humor sind ein echter Segen, weil sie im Team für eine gute Arbeitsmoral sorgen
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und diese hochhalten. Da die gesunde Wirkung des Humors bekannt ist, sollte man sich überlegen,
welchen persönlichen Beitrag man zur Pflege des friedfertigen Spassens leisten kann.
Fragen zur Reflexion:
• Wo liegt die Grenze zwischen aufbauendem und verletzendem Humor?
• Welchen Einfluss hat der Spass und Humor auf mein Team?
• Wo sind die persönlichen Grenzen des Humors?
Treffen der Teamleiterinnen und Teamleiter
Die Teamleiter treffen sich um das ganze Menü nochmals abzusprechen. Der ganze zeitliche Ablauf
muss gut koordiniert sein. Wer deckt den Tisch? Hat jede Gruppe die Ressource eine Person zum Aufdecken zu schicken – wenn nein, was gibt es für eine Lösung? Haben die Gruppen an die Dekoration
gedacht? Und wer macht eigentlich den Wein und ist der Weiss-wein schon im Kühlschrank usw. Ein
Drehbuch für den Ablauf des Abends muss festgelegt werden.
In dieser Sequenz kann darauf geachtet werden, wie sich die Teamleader verhalten, und wie sie
miteinander kommunizieren.
Fragen zur Reflexion:
• Konnte ich meine Ideen so einbringen das sie gehört wurden?
• Hatte ich das ganze Menü vor Augen oder nur das Gericht von meiner Gruppe?
• Ist es mir gelungen auch die Interessen meines Teams zu vertreten?
Wer deckt auf?
Jede Gruppe entsendet eine Person zum Aufdecken und Dekorieren der Tische. Diese neu formierte
Gruppe hat die Aufgabe kreativ ein stimmungsvolles Ambiente zu schaffen.
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Der gedeckte Tisch
Das kreative Decken des Tisches ist nicht nur eine Stielfrage, sondern hat auch einen ernährungsphysiologischen Aspekt. Der gedeckte Tisch soll der jeweiligen Gelegenheit angepasst sein. Er muss eine
dem Gericht angepasste Stimmung ausstrahlen und gute Laune verbreiten. Auch wenn man nicht
für jedes Gericht das haargenau passende Geschirr auf den Tisch stellen kann, gibt es doch viele
Variationsmöglichkeiten.
Liebe geht bekanntlich durch den Magen.
Ein Essen, das in freundlicher, harmonischer Umgebung serviert wird, zu dem man sich an einem
einladend gedeckten Tisch Zeit lässt, ist einfach bekömmlicher.
Die Tischdekoration
Das Tischdekor ist das kreativste Element, unabhängig vom Design des Geschirrs. Je nach Anlass lässt
es sich immer wieder neu gestalten, zum Beispiel mit den Jahreszeiten angepasste Blumen und Obst.
Vom Umgang mit Wein
Kellermeister behandeln den Wein wie einlebendes Wesen, mit dem äusserst vorsichtig umgegangen
werden muss. Er verträgt weder zu hohe, noch zu niedrige Temperaturen. Er will nicht die geringste
Unsauberkeit und will Ruhe haben.
Was unter Mühe geschaffen wurde, kann in Stunden zerstört werden. Der beste Wein ist wertlos,
wenn er nicht richtig serviert wird.
Die Ausschanktemperaturen
Folgende Faustregel gilt:
• Rotweine 17 bis 17.5°C
• Weissweine 10°C
• Schaumweine 6 bis 8°C
Es ist eine Sünde eine Flasche Rotwein in warmes Wasser zu tauchen oder zum Beilspiel eine Flasche
Schaumwein in aller Eile tief zu kühlen.
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Beim Wein geht es immer um das Bouquet. Dieses ist empfindlich und wird durch schnelle Unterkühlung oder Erwärmung zerstört.
Zu kalt servierter Wein versucht man zu erwärmen, in dem man das Glas mit den Händen umschliesst.
Rotweine sollte man sicher ein bis zwei Stunden vor dem Servieren öffnen, so kann sich das Bouquet
entfalten.
Hier ist es spannend zu beobachten, wie der Wechsel von der Kochgruppe in die Servicegruppe
gelingt. Auch diese Situation lässt sich mit täglich Abläufen einem Unternehmen gut vergleichen:
Jemand fällt plötzlich aus und ein Mitarbeitender von einer andern Abteilung muss einspringen.
Fragen zur Reflexion:
• Wo haben sich die Gruppenteilnehmer behindert?
• Wie haben sich die Teilnehmer in einem neuen Arbeitsumfeld verhalten?
• Wie geht die Gruppe mit freier Gestaltung um?
• Halten Sie sich an Regeln? (Serviceregeln)
• Wie kommunizieren die Gruppenmitglieder miteinander?
Zweite Reflexion über den Koch und Dekorationsprozess
Eintreffen der Gäste
Um den Druck für die Küche und den Service zu erhöhen, können Gäste zum Essen eingeladen
werden. So wird die Leistung der Gruppe von aussen bewertet, und die Teams sind in einer realen
Gastronomie-Situation.
Der Apero wird serviert
Die Servicegruppe serviert den Wein und stellt die edlen Tropfen den Gästen vor und die
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Teams haben Zeit, sich vor dem grossen Finale noch ein wenig zu entspannen.
Der grosse Moment
Das Anrichten von Gerichten ist eine organisatorische Angelegenheit, das heisst jedes Teammitglied
hat eine ganz bestimmte Aufgabe. Zum Beispiel richtet Hugo die Peperoni an, Anna die Garnitur und
Theo die Riesencrevette. Teamwork ist gefragt, besonders beim Hauptgang, denn da müssen die
Teller warm und alle Speisen müssen heiss und kreativ angerichtet sein.
Beim Servieren der Gerichte kommt nochmals Hektik auf – und zwar in jeder Gruppe. Auch hier kann
aus Teamentwicklungssicht wieder Vieles beobachtet werden:
• Wer behält beim anrichten die Ruhe?
• Wie verhält sich das Team bei Stress?
• Wer übernimmt den Führungspart?
• Wie arbeiten sich die einzelnen Teilnehmenden in die Hand?
• Welchen Qualitätssinn hat die Gruppe?
Vorstellung der Gerichte
Die jeweilige Gruppe stellt im Halbstundentakt die Kreation auf eine originelle Art den Gästen vor.
Es ist immer wieder schön zu sehen oder zu hören wie die Teams ihre Meisterwerke präsentieren und
man spürt, wie das ganze Team Stolz ist auf seine Arbeit. Wenn dann die Gäste noch Komplimente
machen, sieht man nur noch strahlende Gesichter.
Erfolg
Wenn man in Betrieben oder Organisationen die Mitarbeitenden fragt, was ihnen Zufriedenheit am
Arbeitsplatz verschafft, geben sie meistens zur Antwort, dass sie zufrieden sind, wenn ihnen eine
Arbeit gelungen ist. Dies bedeutet anderseits auch: Wenn jemand mit seiner Arbeit unzufrieden ist,
fehlt die Freude über den Erfolg.
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METHODE
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Was macht uns in der Arbeit glücklich?
Die Antwort liegt auf der Hand: Wenn uns etwas gelingt sind wir glücklich und zufrieden. Doch die
Zufriedenheit, die wir aus dem Erfolg gewinnen, ist kein unkompliziertes Phänomen.
Tagtäglich gelingen uns alle möglichen Dinge, ohne dass wir dabei so etwas wie Freude über diese
Erfolge empfinden. Wahrscheinlich ist man sich nicht einmal bewusst, welch enormes Ausmass die
eigenen Erfolge de facto haben. Wie viele Erfolge hatten Sie Ihrer Ansicht nach in der letzten Stunde
zu verzeichnen? Auf den ersten Blick sind es gar nicht so viele. Doch wenn Sie einmal intensiver
darüber nachdenken, stellen Sie vielleicht fest, dass Sie in einer Stunde mehrere kleine Erfolge zu
verzeichnen hatten. Und selbst wenn Sie sich Ihre Erfolge eingestehen, empfinden Sie nicht unbedingt ein Gefühl der Freude darüber. Damit man Freude über seinen Erfolg spüren kann, muss man
ihn anerkennen, und damit man seinen Erfolg anerkennen kann, muss man das Gefühl haben, dass
der eigene Erfolg der Anerkennung wert ist. Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn man merkt, dass die
eigene Arbeit für einen selbst und auch für die Andern wertvoll ist.
Die Erfahrung lehrt, dass man sich mit einem anderen leichter über dessen Erfolg freuen kann, wenn
er einem das Gefühl gibt, dass man irgendwie zu seinem Erfolg beigetragen hat.
Fragen zur Reflexion:
• Wie feiert das Team den Erfolg?
• Warum lohnt es sich auch kleine Erfolge als wertvoll anzusehen?
• Können wir im Team auch den Erfolg diskutieren oder geht es nur bei Rückschlägen?
Würdigung vom Menü durch den Kochprofi
Es ist von bedeutender Wichtigkeit den ganzen Tag zu würdigen um den Teilnehmern auch ein Feedback zu geben aus der Sicht des Kochs. Es ist für das Gruppenerlebnis eine gute Gelegenheit noch
mal den Erfolg zu würdigen.
In dieser Phase der Teamentwicklung gibt es keine Prozessbeobachtungen und keine Reflexionen
mehr. Diese sind für den nächsten Tag angesetzt, wo dann die Gruppe mit den Prozessbeobach42
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METHODE
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tungen vom Coach konfrontiert werden, daraus ergeben sich die Reflektionsfragen.
Gemütlicher Ausklang
Bei Kaffee und angeregten Gesprächen klingt der Anlass aus.
Die Evaluation – Der Blick von aussen schärft den eigenen Blick
Die Evaluation bietet einen Anlass für eine Reflexion auf der Grundlage von relativ gesicherten
Prozessbeobachtungen. Es ist wichtig, dass am Ende der Evaluation die gespiegelten Stärken und
Schwächen in gemeinsame Zielvereinbarungen münden. Die Evaluation ist keine Beurteilung des
einzeln sondern der ganzen Gruppe.
Austausch Coach und Profikoch
Vorgängig zur Evaluation findet ein Gespräch zwischen dem Prozessbeobachter (Coach) und dem
Profikoch statt. Hier geht es darum, wie der Profikoch die verschiedenen Situationen der Teams im
begleiteten Prozess erlebt hat. Der Coach kann sich nochmals vergewissern, ob sich die einzelnen
Prozesse mit seinen Beobachtungen decken.
Evaluation mit der Gruppe
Da der Prozessbeobachter im Kochprozess nicht einbezogen war, kann er die Prozesse aus der
Metaebene beschreiben. Aus dieser Sicht stellen sich wichtige Reflexionsfragen, die mit der Gruppe
bearbeitet werden.
Das Ziel der Evaluation ist, dass das Team das gemeinsame Kochen nochmals reflektiert und daraus
die richtigen Schlüsse für die Zukunft zieht und den Transfer in den Alltag schaft.
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Die Prozessanalyse
Für die Prozessanalyse und Ihre Auswertung mit der Gruppe sollte genügend Zeit zur Verfügung
stehen. Generell sollten die Vorgehensweisen und Fragen, die zur Prozessanalyse leicht und unkompliziert sein. Es ist auch möglich alle wichtigen Kriterien für eine Prozessauswertung gemeinsam
zu erarbeiten. Das hat den Vorteil, dass sich jeder schon bei der Zusammenstellung der Kriterien
Gedanken darüber macht, woran der Erfolg oder Misserfolg einer Gruppenarbeit bewerten bewertet
werden kann.
Fragen zur Reflexion
• Wie wurde der Verlauf beim Kochen erlebt? Welche Geschehnisse und Beispiele fallen mir ein?
• Wie zufrieden bin ich mit dem Ergebnis?
• Wie habe ich das Klima in der Gruppe empfunden bezüglich Zuhören, Akzeptanz, Dominanz und
Offenheit?
• Gab es genügend Platz für meine Ideen, Beteiligung und Mitwirkung?
• Was habe ich getan, um die Erreichung der Ziele zu sorgen?
• Welche Rolle in der Gruppe hatte ich? Wie Fühlte ich mich darin?
• Wie erlebte ich die Zielorientierung unseres Arbeitsprozesses?
• Sind wir bei unserer Arbeit planmässig vorgegangen?
• Inwieweit haben wir die Fähigkeit in der Gruppe voll genutzt?
• Welche Rahmenbedingungen oder äusseren Einflüsse haben mich gestört?
• Falls ich mit einer bestimmten Phase des Verlaufes unzufrieden war: Was tat ich, um
eine Änderung herbeizuführen?
• Was sollte die Gruppe tun, um besser und effektiver zu arbeiten?
• Was will ich tun, was brauche ich von wem, was wollen wir miteinander vereinbaren?
Die letzte Frage sollte in der einen oder andern Form nie fehlen. Aus Ihr ergeben sich Material und
Anregungen für künftige Themen, Strukturen und Arbeitsweisen.
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Abschluss
•
•
•
•
•
Was habe ich gelernt, was will ich verändern?
Wo hat das Team Potenzial?
Wie wollen wir dieses Potential fördern?
Wo haben wir Stärken? Wie wollen wir sie pflegen?
Wo haben wir Schwächen? Wie gehen wir sie an?
Schlusswort
«Teamentwicklung Kulinarisch» ist einen Methode, die auf spielerische und doch anspruchsvolle Art
Stärken und Schwächen eines Team effizientt und pragmatisch ans Licht bringt.
Seitensprünge in der Küche
«In einem Seitensprung liegt zweifellos die alles entscheidende Begegnung die Veränderung schafft.
In ihm liegt auch die Herausforderung, eine völlig neue Situation zu meistern, wobei die Grenzen der
Zumutbarkeit oft verwischt bleiben. Ein Seitensprung ist meistens ein Versuch, aus einer mehr oder
weniger geordneten Lebensform auszubrechen, die ohne feste Fundamente stets verwundbar bleibt.
Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass ein Seitensprung Spass machen kann».
Elfie Casty
Bei «Kochen als Instrument für kreative Teamentwicklung» lohnt es sich sicher mal einen
Seitensprung in ein anderes Umfeld zu wagen.
In diesem Sinne wünsche wir Ihnen einen guten Appetit!
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