Rouven Frederic Höfflin Dr. med. Entstehungsmechanismen der

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Rouven Frederic Höfflin
Dr. med.
Entstehungsmechanismen der intratumoralen Heterogenität beim
Nierenzellkarzinom
Fach/Einreichung: Urologie
Doktorvater: Prof. Dr. med. Stefan Duensing
Extensive genomische ITH wurde jüngst in einer Vielzahl solider Tumoren
nachgewiesen und wird im klarzelligen NZK für die Tumorprogression, das Versagen
systemischer Therapien sowie für die hohe Mortalitätsrate verantwortlich gemacht.
Die bisher veröffentlichten Daten wurden überwiegend aus fortgeschrittenen,
metastasierten NZK gewonnen und unterstreichen somit die Relevanz genomischer
ITH im Endstadium dieser Malignome. Bisher ungeklärt blieb jedoch, inwiefern sich
ITH bereits in NZK niedriger Stadien nachweisen lässt, bzw. ob ITH im
Zusammenhang mit der Tumorgröße oder der Disseminationswahrscheinlichkeit
steht.
Vor
diesem
Hintergrund
wurde
hier
eine
neuartige,
präzise
Quantifizierungsmethode entwickelt und auf fünf immunhistochemische Biomarker
angewandt, die als Surrogatmarker häufig aberranter Signalwege des klarzelligen
NZK gelten. Es wurden 30 klarzellige NZK mit unterschiedlichem TNM-Stadium
sowie
Fuhrman
Grade
untersucht.
Die
automatisierte
Quantifizierung
der
großflächigen Gewebeschnitte generierte insgesamt 9.315 Datenpunkte, deren
Auswertung ein nahezu identisches Maß an ITH in lokalisierten sowie in
fortgeschrittenen NZK zeigte. Dabei wurde die ITH auch nicht durch den Status der
Metastasierung beeinflusst. Die topologische Verteilungsanalyse der intratumoralen
Biomarker zeigte darüber hinaus eine erhöhte Expression in der Tumorperipherie.
Dies deutet darauf hin, dass es bereits früh in der Genese klarzelliger NZK und somit
unabhängig vom TNM-Stadium, zu einer tumorrandbetonten Nischenbildung von
malignen Zellen mit besonderen funktionellen Eigenschaften kommt. Diese spielen
möglicherweise eine entscheidende Rolle beim Wachstum und der Progression des
Tumors. Darüber hinaus belegen Korrelationsanalysen der untersuchten Biomarker,
dass es im Laufe des Tumorwachstums zu einer Entkoppelung Pathogeneserelevanter Signalwege kommt, was die Plastizität dieser Tumorentität unterstreicht
und zusammen mit der ITH verantwortlich für die Entwicklung sekundärer
Therapieresistenzen gemacht wird.
Im zweiten Teil der Dissertationsarbeit wurde die Komplexität der GenotypPhänotyp-Korrelation solider Tumoren am Beispiel einer Patienten-abgeleiteten
NZK-Zelllinie verdeutlicht. In einem Medikamenten-Screening wurde der MET-ALK
Inhibitor Crizotinib als bester antitumoraler Wirkstoff identifiziert. Erstaunlicherweise
zeigte die mittels Sanger-Sequencing gefundene und in der Literatur als
transformierend beschriebene Aberration im MET-Gen keinen Einfluss auf zellulärer
Ebene. Darüber hinaus wurde beobachtet, dass der Wirkstoff Crizotinib seine
antitumoröse Wirkung auf die untersuchten Zellen nicht über eine gezielte Hemmung
von MET-ALK, sondern über eine unspezifische Inhibition der überexprimierten
MDR1-Effluxpumpen vermittelt.
Zusammenfassend
verdeutlichen
die
Ergebnisse
der
hier
vorliegenden
Dissertationsschrift, dass ITH kein exklusives Merkmal fortgeschrittener NZK ist,
sondern vielmehr als Reflektion malignen Wachstums angesehen werden kann.
Zugleich legen sie ein Tumormodell nahe, bei dem es bereits früh zur Ausbildung
von Tumornischen im Bereich der Karzinomperipherie kommt, welche sich durch
mutationsbedingte und/oder funktionelle Eigenschaften hervorheben und so das
Wachstum und die Progression des Tumors vorantreiben. Die Elimination dieser
Nischen mithilfe von zielgerichteten und/oder immunmodulatorischen Wirkstoffen
könnte zum Untergang Prognose-relevanter Tumorsubklone führen und somit die
maligne Progression bzw. Dissemination verhindern und das onkologische Outcome
betroffener Patienten verbessern. Die Resultate der Zellexperimente unterstreichen
ferner das komplexe Zusammenspiel von Genotyp und Phänotyp bei der
Identifizierung
potenziell
tumortreibender
Mutationen.
Um
bedeutungslose
Sequenzvarianten von relevanten driver mutations zu unterscheiden muss ungeachtet bereits veröffentlichter Studien - eine funktionelle Validierung erfolgen.
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit liefert eine wichtige Grundlage für
zukünftige Arbeiten zur Charakterisierung der Plastizität solider Tumoren. Darüber
hinaus enthält sie zahlreiche translationale Implikationen für die Prognose sowie
medikamentöse Therapie des Nierenzellkarzinoms.
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