KLIMAWANDEL

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KLIMAWANDEL
Inhalt
Nepal: „Mit vereinten Kräften können wir Frauen viel erreichen“
04
Mosambik: Landwirtschaftsschulen
06
Klimakonferenz Paris: Was fordert CARE?
08
Indonesien: Zukunft mit Seegras
10
Peru: Das Schmelzen der Gletscher
12
Was kann ich für den Klimaschutz tun?
14
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. !2
Liebe Leserin,
lieber Leser,
Wer den Namen Madagaskar hört, denkt an Zeichentrickfilme, niedliche
Äffchen und ein altes Matrosenlied. Doch die Vorstellung einer idyllischen
Inselwelt trügt: Die Bewohner Madagaskars sind in den letzten Jahren sehr
konkret mit der größten Herausforderung unserer Zeit konfrontiert: Dem
Klimawandel. Immer häufiger fordern schwere Tropenzyklone Todesopfer
und verursachen Überschwemmungen. Die einfachen Hütten und Ernten
der Felder werden hinweggefegt. Kaum ist der Wiederaufbau geschafft,
wütet der nächste Sturm. So auch auf der anderen Seite des Globus, im
Südpazifik, auf der Insel Vanuatu: Dort tobte im März 2015 Wirbelsturm
Pam und brachte verheerende Zerstörung. Natürlich ist nicht jeder Sturm
eine Folge der globalen Erwärmung. Aber in den letzten Jahren häufen sich
extreme Wetterereignisse. Und das liegt zweifelsohne auch am
Klimawandel, der durch die Verbrennung fossiler Energien beschleunigt
wird.
Für eine Hilfsorganisation wie CARE ist der Klimawandel schon heute eine
Realität, da er in unseren Projekten Entwicklungserfolge zunichte macht.
Deshalb hilft CARE armen Gemeinden dabei, mit den Folgen des
fortschreitenden Klimawandels umzugehen. Verbesserte Anbau- und
Bewässerungsmethoden, Wetterkarten oder Frühwarnsysteme können
konkret helfen. Und: Wie können wir dazu beitragen, dass die Menschen
vor Ort selbst Lösungen entwickeln und umsetzen? Hilfe zur Selbsthilfe
steht bei CARE immer im Fokus.
Anpassung an klimatische Veränderungen ist wichtig und eine Frage der
Gerechtigkeit. Doch diese Bemühungen werden nur ein Tropfen auf dem
heißen Stein bleiben, wenn es uns nicht gelingt, den globalen
Temperaturanstieg viel stärker abzubremsen, als es bisher zugesagt wurde.
Deshalb engagiert sich CARE in der internationalen Klimapolitik. Doch es
braucht uns alle, jeden Einzelnen. Wir müssen unseren Lebenswandel
klimafreundlicher gestalten und Solidarität mit denen beweisen, die unter
den klimatischen Veränderungen am stärksten leiden. Das Steuer kann
noch herumgerissen werden. In dieser Publikation erfahren Sie mehr über
die Arbeit von CARE und wie wir gemeinsam Menschen und Gemeinden
helfen können, mit den Folgen des Klimawandels zu leben. Und wir stellen
dar, was auf internationaler Ebene getan werden muss, um den
Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Dazu braucht es uns alle.
Vielen Dank für Ihr Interesse
Sven Harmeling, CARE-Klima-Experte
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. !3
NEPAL: „MIT VEREINTEN KRÄFTEN KÖNNEN WIR FRAUEN VIEL ERREICHEN“
Klimaschutz und Frauenrechte gehören zusammen. Warum, das zeigt Indras Geschichte.
„Im Vergleich zu vielen Leuten in meinem Dorf
hatte ich Glück im Leben. Ich gehöre der Gruppe
der Kamaiya an, die traditionell als Arbeitssklaven
dienten. Erst im Jahre 2000 wurde dies von der
nepalesischen Regierung verboten. Ich fand Arbeit
als freiwillige Gesundheitshelferin für Frauen und
wurde zum Mitglied der Women’s Forest Group in
Daulatpur gewählt. Ihr Ziel ist es, die Waldgebiete
der Region zu erhalten und ihre Ressourcen den
Schwächsten der Gemeinde zur Verfügung zu
stellen. Ein Jahr später vertraute man mir sogar die
Position der Vorsitzenden an. Wie froh ich damals
war!
Entgegen meiner Erwartungen empfand ich die
Arbeit schnell als entmutigend. Oft musste ich mir
abschätzige Bemerkungen und Belästigungen
gefallen lassen – besonders, wenn ich über
Familienplanung und Mutter-Kind-Gesundheit
aufklärte. In unserer Gesellschaft gilt es als
Schande, wenn Frauen das Haus verlassen, ihren
Lebensunterhalt verdienen oder mit Fremden in der
Öffentlichkeit sprechen. Da ich für meinen Job all
dies tat und sogar über die Tabuthemen Sex und
Fortpflanzung sprach, begannen die Menschen,
mich zu meiden. Aus lauter Frust legte ich mein
Amt nieder und fügte mich einige Jahre in die Rolle
der Hausfrau. Aber als mir 2012 angeboten wurde,
beim Aufbau eines Gemeinde-Bildungszentrums
mitzuwirken, konnte ich nicht länger still sitzen.
Ein Führungstraining von CARE half mir, die
Women’s Forest Group wieder zum Leben zu
erwecken und durch das Bildungszentrum konnte
ich konkrete Aktivitäten planen. Wir sprachen etwa
darüber, wie wichtig richtige Toiletten sind, um die
Verbreitung von Krankheiten zu reduzieren,
Schlangenbisse zu vermeiden und die Sicherheit und
Privatsphäre von Frauen zu stärken. Ich ging mit
gutem Beispiel voran, baute eine Toilette in
meinem Haus und ging von Tür zu Tür, um
aufzuklären. Heute gibt es in jedem Haushalt in
meiner Gemeinde eine Toilette.
Die Fluten des Flusses Karnali bedrohen unser Dorf
in den letzten Jahren immer stärker. Sie zerstören
Felder und Häuser und gefährden ganze Existenzen.
Im Bildungszentrum habe ich gelernt, dass die
Fluten Folge des Klimawandels sein können. Um
Risiken zu minimieren, hat meine Gemeinde mit
Hilfe von CARE einen Aktionsplan erstellt, der uns
bei der Anpassung an solche Veränderungen helfen
soll. Durch Dämme entlang des Flusses können wir
den Wasserstand nun besser kontrollieren. Bambusund Baumsetzlinge verbessern die Uferstruktur. In
diesem Anpassungsprozess steht uns CARE immer
beratend zur Seite. So haben wir Mut gesammelt,
um selbst auf die Regierung zuzugehen und eigene
Projekte voranzutreiben.
Wir Frauen bestanden darauf, dass das Versprechen,
Land an ehemalige Kamaiya-Familien zu vergeben,
eingehalten wird. So erhielt auch ich ein Stück
Land. Ich besitze jetzt zwei Schweine, 20 Hühner
und vier Ziegen und baue verschiedene Pflanzen
und Gemüsesorten an. Mit den Einnahmen kann ich
mir den Schulbesuch für meine drei Kinder leisten.
Und damit bin ich nicht die Einzige.
Frauen werden in unserer Gemeinde inzwischen mit
mehr Respekt behandelt und tragen immer öfter
zum Einkommen bei. Dank dieser positiven
Entwicklungen suchen nun sogar Menschen, die
mich früher beschimpften, meinen Rat. Das stimmt
mich zuversichtlich: Mit vereinten Kräften können
wir Frauen viel erreichen.“
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. !4
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. !5
LANDWIRTSCHAFTSSCHULEN IN MOSAMBIK
Wissen als Schutz gegen den Klimawandel
Auch Mosambik gehört zu den Ländern, die schon
heute besonders stark vom Klimawandel betroffen
sind. Der Kampf gegen die sich schnell ändernden
Wetterbedingungen gehört für 80 Prozent der
Kleinbauern des ostafrikanischen Küstenstaats zum
bitteren Alltag. Für die Bauern, denen es oft an
Zugang zu Wissen, technischen Gerätschaften,
Düngern, Pflanzenschutzmitteln oder
klimaangepassten Pflanzenarten fehlt, geht es ums
Überleben.
Die Region Nampula im Norden Mosambiks ist
besonders stark betroffen. Hier führen schlechte
Bodenverhältnisse, Wassermangel, fehlende
Infrastruktur und ein Rückgang der Fischbestände
zu miserablen Erträgen in der Fischerei und der
Landwirtschaft. Die Menschen benötigen dringend
Hilfe, um Hunger zu verhindern, denn mit
bisherigen landwirtschaftlichen
Produktionsmethoden kann der Bedarf an
Nahrungsmitteln nicht mehr gedeckt werden.
Deswegen fördert CARE zusammen mit einer
mosambikanischen Vereinigung namens AENA die
Gründung von Landwirtschaftsschulen in Angoche,
einer Stadt in der betroffenen Region. Hauptfach ist
der nachhaltige Ackerbau. Die Schule unterrichtet
nach dem Lehrplan eines anerkannten
Weiterbildungsmodells, das speziell auf die
Lernbedürfnisse von Erwachsenen ausgerichtet ist.
Durch Experimente mit verschiedenen AgrarAnbaumethoden können Prozesse besser verstanden
und verinnerlicht werden. Wie pflege ich die zu
bepflanzende Erde richtig? Welche Nutzpflanzen
sind geeignet? Welche Fruchtfolge bringt eine
nachhaltige Erhöhung der Erträge? Absolventen
sollen später selbständig Entscheidungen im
eigenen Betrieb treffen können. Auf dem Lehrplan
steht zum Beispiel die konservierende
Bodenbearbeitung. Durch den Anbau von
Zwischenfrüchten und den Einsatz organischer
Dünger kann der Boden mehr Nährstoffe speichern
und bleibt fruchtbarer. Mulch und eine wechselnde
Bepflanzung der Felder schützen den Boden vor
dem Austrocknen. In der Schule werden die Bauern
auch über die Hintergründe des Klimawandels und
seine Folgen unterrichtet, so dass sie dessen
direkten Einfluss auf die landwirtschaftliche
Produktion verstehen und dementsprechend handeln
können.
Auf die Theorie folgt dann die Praxis: Weil die
Teilnehmer das Gelernte direkt auf ihren eigenen
Feldern anwenden, verbreiten sich die Techniken
über die Schule hinaus auch unter den übrigen
Gemeindemitgliedern. Zusätzlich zur Lehre fördert
CARE die Organisation von Farmergruppen,
unterstützt den Zugang zu regulären Märkten und
klärt über Kredite für längerfristige Projekte auf.
Zudem werden Bäuerinnen dabei unterstützt, ihr
Recht auf Gleichberechtigung durchzusetzen. Der
gesamte Prozess fördert so die Solidarität und den
Dialog innerhalb der Gemeinschaft.
Die Farmer aus Angoche arbeiten auch daran, über
Kooperationen mit Wetterstationen und
Radiosendern einen besseren Zugang zu
Wetterberichten und Unwetterwarnungen zu
erhalten. Mit ihren Erfahrungswerten aus der Schule
und dem Wissen über bevorstehende Stürme oder
lange Trockenzeiten können sie ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten besser planen. Mit all
diesem Wissen wollen die Bauern aus Angoche nun
aktiv werden und sich anpassen. Ihr Ziel: Den
Hunger besiegen.
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. !6
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KLIMAKONFERENZ PARIS: WAS FORDERT CARE?
Ende 2015 tagt die 21. UN-Klimakonferenz in Paris. Vertreter aus den 196 Mitgliedsstaaten der UNKlimarahmenkonvention sollen dort ein neues, rechtsverbindliches Klimaschutzabkommen beschließen, das den
gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel für die nächsten Jahre wirkungsvoll lenkt.
Momentan steuert die Welt auf eine Erwärmung von mehr als drei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 zu. Dies hätte
verheerende Auswirkungen auf unser Leben. Eine drastische Emissionsreduzierung ist weltweit notwendig, um
die Erderwärmung langfristig auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und
unkontrollierbare Folgen des Klimawandels zu vermeiden.
Konkret fordert CARE von einem neuen UN-Klimaabkommen und allen Folgeprozessen, sowohl national als auch
multilateral:
1.
Die drastische Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen
und Investitionen. Bis 2050: 100 Prozent erneuerbare Energie. Effizienz steigern, Verbrauch senken.
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. !8
2.
Die Unterstützung der am stärksten betroffenen Gruppen und Regionen durch Wissenstransfer und
finanzielle Mittel. Gemeinsame Entwicklung von Anpassungsstrategien und Steigerung der
Widerstandsfähigkeit der Gemeinden und ihrer Umwelt. Durch globale Regelungs- und
Entschädigungsmechanismen nicht mehr vermeidbare Schäden adressieren und klimabedingte Migration
in Würde ermöglichen.
3.
Nahrungssicherung trotz Klimawandel. Landverlust, Ernteausfälle und Preiserhöhungen bedrohen die
Ärmsten der Armen. Das Pariser Abkommen muss eine Verpflichtung enthalten, dass
Klimaschutzmaßnahmen zur Emissionsminderung und Anpassung nicht die Nahrungsmittel- und
Ernährungssicherheit untergraben.
4.
Industrieländer und andere vergleichbar leistungsfähige Länder müssen sich zur Bereitstellung
verlässlicher Klimafinanzierung verpflichten, ansteigend von den für 2020 zugesagten 90 Milliarden
Euro, um vorbeugende und schützende Maßnahmen in den Entwicklungsländern durchzuführen.
Verbindlicher Beschluss zusätzlicher Maßnahmen, welche sowohl zur Generierung weiterer Mittel, als
auch zum Klimaschutz beitragen können (zum Beispiel Abgaben auf den internationalen Luftverkehr).
5.
Klimaschutzmaßnahmen sollten die Gleichstellung der Geschlechter und die Menschenrechte
mitbefördern. Klimaschutz und -anpassung sind eine Frage von Menschenrechten und sollten deshalb
auch allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zugutekommen.
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EINE ZUKUNFT DURCH SEEGRAS
CARE-Mitarbeiterin Katrin von der Dellen berichtet aus Indonesien
„Die Folgen des Klimawandels sind in Indonesien
schon heute vielfältig spürbar: Verschiebungen von
Regen- und Trockenzeit erschweren es den Bauern,
den richtigen Zeitpunkt für ihre Aussaat zu
bestimmen. Stürme und Überschwemmungen
zerstören Aquakulturen. Die steigende
Durchschnittstemperatur fördert die Ausbreitung
von Malaria in Gebieten, in denen es bislang zu kalt
für die krankheitsübertragenden Moskitos war. Der
Klimawandel und seine Auswirkungen sind für viele
Politiker zunächst einmal eine Verhandlungsfrage in
internationalen Foren. Doch für die Menschen, die
von den Auswirkungen direkt betroffen sind,
besteht schon jetzt akuter Handlungsbedarf: Sie
müssen sich an die veränderten
Umweltbedingungen anpassen.
Dies trifft in Indonesien vor allem auf die
zahlreichen Küstengebiete des Inselstaates zu. Die
Ausbeute der Fischer ist in den letzten Jahren
immer magerer geworden, da sich neben dem
allgemeinen Problem der Überfischung und der
Verschmutzung der Meere nun auch der Klimawandel
negativ auf die Fischereiwirtschaft auswirkt.
Steigende Meerestemperaturen führen zum
Absterben von Plankton, das Nahrungsgrundlage für
Fische ist. Dazu kommen extreme Wettereignisse
wie starker Wind und Wellengang. Sie machen das
Auslaufen der Fischerboote oft unmöglich.
Als alternative Einkommensstrategie haben einige
Fischergemeinden mit der Kultivierung von Seegras
begonnen. Nachgefragt wird Seegras vor allem von
der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie, aber auch
als Futtermittel oder Dämmstoff. Aus dem
extrahierten Seegras gewinnt man Stärke, die in
vielen Süßspeisen verwendet wird. Eine weitere
Form der Verarbeitung ist die Herstellung von
Seegrascrackern. Beim Anbau von Seegras wird
Kohlenstoffdioxid gebunden und in Sauerstoff
umgewandelt. Ein positiver Nebeneffekt, da so ein
klimaneutraler Anbau möglich ist.
CARE unterstützt die Küstengemeinden dabei, die
Anbaumethoden zu optimieren und so zu gestalten,
dass sie auch heftigen Witterungsbedingungen
standhalten. So kann der Seegrasanbau auch in
Zukunft eine verlässliche Einkommensquelle sein.
CARE schult im Süden der Insel Sulawesi
Seegrasbauern der Region Bone Saoraja in der
Anwendung verbesserter Anbaumethoden und
unterstützt sie mit Materialien wie Seilen und
Flaschen, die als Bojen dienen. Die verbesserten
Erntemethoden versprechen bessere Einnahmen.
In der Region Luwu, ebenfalls im Südwesten der
Insel Sulawesi, sind die Erträge aus der
Landwirtschaft spärlich. Inspiriert durch die
Nachbarn in Bone Saoraja haben einige Farmer vor
drei Jahren mit dem Anbau von Seegras begonnen.
Durch CARE-Schulungen haben sie nun verschiedene
neue, effizientere Anbaumethoden kennengelernt.
Den Unterschied zur konventionellen Methode
konnte man bereits nach zwei Wochen erkennen:
Das Seegras wächst schneller und ist kräftiger.
Aber auch der Anbau von Seegras wird durch die
veränderten Umwelteinflüsse erschwert, so SeegrasExpertin Ibu Dinah. Sie analysiert deswegen die
Auswirkungen des Klimawandels auf den
Seegrasanbau. Sie berät Farmer und empfiehlt
ihnen, was sie in den nächsten Anbauperioden
berücksichtigen müssen. Für Ibu Dinah steht fest:
Dem Seegrasanbau gehört die Zukunft, denn für den
Anbau braucht man weder Dünger noch Pestizide.
So entstehen keine negativen Auswirkungen für die
Umwelt. Momentan wird sogar geforscht, wie sich
Seegras als alternativer Treibstoff verwenden lässt.“
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PERU: DAS SCHMELZEN DER GLETSCHER
Katastrophen vorbeugen in peruanischen Andendörfern
An keinem Ort der Welt gibt es mehr tropische
Gletscher als in den Anden Perus. Die meisten
befinden sich in der Cordillera Blanca, einer der
höchsten Gebirgsketten der Welt. Durch die immense
Höhenlage zeigt sich die Natur hier häufig von ihrer
extremsten Seite. 1970 löste ein Erdbeben die
Überschwemmung eines Gletschersees aus, mit
verheerenden Folgen für die Stadt Yungai. 20.000
Menschen fielen den strömenden Wasser- und
Geröllmassen zum Opfer. Durch den Klimawandel
steigen die Temperaturen in den letzten Jahren
immer weiter an und die Gletscher schmelzen. Es
entstehen Seen, die kaum unter Kontrolle zu halten
sind.
Um weitere Katastrophen zu verhindern, arbeitet die
peruanische Regierung zusammen mit CARE an
Katastrophenvorsorge. Experten beobachten die
Entwicklung von Gletschern und Seen. Die Idee
dabei: Vorhersagen zu können, welche Wege sich
Wasser- oder Geröllmassen im Falle einer
Überschwemmung suchen. Diese Vorhersagen werden
für Frühwarnsysteme verwendet und helfen,
Strategien zur Evakuierung und Katastrophenhilfe zu
entwickeln. Teil der Vorsorge ist etwa auch der Bau
von katastrophensicheren Häusern.
Die Gemeinde Santa Teresa in der Region Ancash
liegt an einer Wasserschneise, die durch
Schmelzwasser der Gletscher entstanden ist.
Aufgrund der risikoreichen Lage versucht CARE mit
Hilfe der Gemeinde und lokalen Behörden ein System
zu entwickeln, das die Menschen über Radio
frühzeitig vor drohenden Überschwemmungen warnt.
Gleichzeitig wird die Hauptstadt der Region,
Carhuaz, in ihrem Risiko- und
Ressourcenmanagement unterstützt. Das Projekt
zeichnet sich durch die Vernetzung von Experten und
der Zivilbevölkerung aus. Es legt zudem einen
Schwerpunkt auf das Umweltbewusstsein in den
Gemeinden. Auslöser und Folgen des Klimawandels
werden offen thematisiert und Möglichkeiten
besprochen, wie die Gemeinde auf sie reagieren
kann.
Die Zusammenarbeit bei Katastrophenvorsorge und
Risikominimierung verbessert das kommunale
Risikomanagement. So werden zum Beispiel Schulen
und Universitäten dabei unterstützt, Notfallpläne
auszuarbeiten. Ein besonderes Anliegen von CARE ist
stets die gleichzeitige Stärkung von Frauen. Durch
die Ausbildung von lokalen – männlichen und
weiblichen – Fachleuten hilft CARE den Gemeinden
dabei, Risiken eigenständig zu erkennen und zu
bewerten und kann gleichzeitig die Position der
Frauen in der Gemeinde stärken. Der Aufbau einer
funktionierenden Kommunikations-Infrastruktur, die
Möglichkeiten der frühzeitigen Warnung vor
Katastrophen, der Bau stabiler Wohnungen sowie die
Ausarbeitung von Notfallplänen tragen insgesamt zu
einer erheblichen Risikosenkung bei.
Ein zweiter Pfeiler der Arbeit von CARE ist die
Unterstützung lokaler Bauern. Die Gefahr der
Überschwemmung, aber auch die sich stetig
verändernden Temperaturen verringern ihre Erträge.
So trägt etwa die Nutzung des Gletscherwassers zur
Aufstockung der Wasserversorgung zu einer
effizienteren Landwirtschaft bei. Für Carhuaz wurde
darüber hinaus ein Tröpfchenenbewässerungssystem
entwickelt, wodurch die Produktivität der Bauern
gesteigert wird und die Ausfälle in der Dürrephase
reduziert werden können. Langfristig kann so eine
widerstandsfähige Landwirtschaft entstehen, welche
die Bewohner vor Hunger und Armut schützt.
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WAS KANN ICH FÜR DEN KLIMASCHUTZ TUN?
Der Klimawandel stellt für viele Menschen auf dieser Welt bereits heute eine konkrete Bedrohung dar. Die
Verantwortung, diesen Menschen zu helfen und für den Klimaschutz einzutreten, trägt jede Regierung, jedes
Unternehmen, jede Organisation und jeder Einzelne.
Wir alle sind aufgefordert, uns für den Klimaschutz einzusetzen. Was Sie konkret tun können:
1. Klimaschutz im Kleinen: im eigenen Haus, durch grünen Strom, sparsame
Heizungen, Lampen und andere Geräte sowie effektive Wärmedämmung;
2. Unterstützung von benachteiligten Menschen in armen Ländern bei
der Klimaanpassung und Ernährungssicherung (zum Beispiel durch
eine CARE-Spende);
3. Persönliche Klimabilanz optimieren: Wo möglich öffentliche
Verkehrsmittel nutzen und Flugreisen reduzieren;
4. Geld- und Altersvorsorgeanlagen, die keine fossilen, sondern
nachhaltige erneuerbare Energien unterstützen;
5. Mitsprache: die deutsche Bundesregierung und Abgeordnete
auffordern, sich für ein ambitioniertes und faires Klimaabkommen
einzusetzen. Petition unterzeichnen: www.klimawandel.care.de
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Verantwortlich (V.i.S.d.P.): Karl-Otto Zentel, Generalsekretär
Redaktion: Sabine Wilke, Christine Reiner
Gestaltung: Christine Reiner
Bilder:
S. 02: Philippinen, zwei Jahre nach Taifun Haiyan (2015) (CARE)
S. 04: Nepal, sechs Monate nach dem Erdbeben (2015); 19-jährige Manju B.K. (CARE/ Brian Sokol)
S. 06: Mosambik (2014) (Impact of Climate Change on Food Security) (CARE)
S. 07: Vanuato, Zerstörung nach Wirbelsturm Pam (2015) (Ben Bohane/CARE)
S. 08: Bangladesch, Kishoreganj Region (2013) (CARE/ Cyril Le Tourneur d'Ison)
S. 10: Indonesien, zehn Jahre nach dem Tsunami (2014) (CARE/ Josh Estey)
S. 12: Peru, Shullcas (2011); Norma Castillo (CARE/Ana Castañeda Cano)
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Dreizehnmorgenweg 6
53175 Bonn
Telefon 0228 - 97563 - 0
Fax 0228 - 97563 - 51
E-Mail [email protected]
www.care.de
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