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I n f o r m a t i o n s m a t e r i a l
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Endlich Ruhe im Bauch!
Sodbrennen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Blähbauch oder Verstopfung im
Wechsel mit Durchfall – bei Millionen Deutschen gibt der Bauch einfach keine
Ruhe. Doch was steckt hinter den Beschwerden? In manchen Fällen erweist sich
die Diagnose als besonders schwierig.
Unser Verdauungsapparat besteht aus
einem verzweigten System. Zu ihm zählen mehrere Organe, angefangen vom
Mund über die Speiseröhre bis zu Leber,
Magen, Galle, Bauchspeicheldrüse sowie
Dick- und Dünndarm. An jeder „Station“ können krankhafte Veränderungen
entstehen, die nicht selten zu erheblichen Beschwerden führen können. Die
Reise der Nahrung in den Verdauungstrakt beginnt im Mund. Bereits mit unserem ersten Bissen wird der Verwertungsprozess eines Lebensmittels in
Gang gesetzt. Durch Kauen wird die
Nahrung in der Mundhöhle einerseits
zerkleinert und andererseits mit Speichel
vermengt. Dadurch findet eine erste
Aufspaltung der Kohlenhydrate, einem
der drei Hauptbestandteile der Nahrung,
statt. Durch das Schlucken wird der
Speisebrei dann über die Speiseröhre in
den Magen gedrückt. Eine noch wenig
bekannte Erkrankung kann dazu führen,
dass dies misslingt und die Bissen buchstäblich in der Speiseröhre stecken bleiben. Medizinisch korrekt heißt sie eosinophile Ösophagitis und betrifft sehr
häufig junge Männer. Gegenüber dem
Patienten sprechen Ärzte zumeist von
„Asthma der Speiseröhre“.
Wenn der Bissen im Halse nicht rutscht – Der Fall Thomas B.
Thomas B. ist Projektleiter und beruflich ständig unterwegs. Stress und Hektik sind tägliche Begleiter. Irgendwann schlägt sein Körper Alarm: „Ich hatte undefinierbare Schmerzen im Brustbereich, irgendwo hinterm Brustbein. Das waren Krämpfe, die ich nicht
zuordnen konnte.“ Vor fast zehn Jahren bleibt ihm dann das erste Mal das Essen buchstäblich „im Halse“ stecken. Dass es sich dabei um eine ernsthafte Erkrankung handeln
könnte, daran denkt der 53-Jährige damals nicht: „Ich hab einfach gedacht, ich hab
nicht richtig gekaut und der Bissen, den man runtergeschluckt hat, war zu groß.“ Als
die Schluckbeschwerden in den nächsten Monaten immer schlimmer werden, beschließt
er zum Arzt zu gehen, um sich gründlich untersuchen zu lassen. Aber die Speiseröhre ist
unauffällig. Eine Magenspiegelung bleibt ohne Befund. Doch die Schmerzen sind nicht
weg. Thomas B. weiß nicht weiter: „Wenn einem bewusst wird, da stimmt irgendwas
nicht, dann hofft man natürlich. Dann denkt man, Mensch, irgendjemand muss doch
jetzt mal die richtige Diagnose stellen...“ Als die Symptome immer schlimmer werden,
bekommt Thomas B. Tabletten verschrieben, sogenannte Säureblocker. Sie sollen die
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Magenschleimhaut beruhigen. Die Ärzte vermuten Sodbrennen. Doch auch die Medikamente helfen nicht. Zweimal muss er in den nächsten Jahren sogar in die Notaufnahme, weil ein Bissen in der Speisröhre stecken bleibt. Er kann schlucken wie er will - der
Bissen bewegt sich nicht von der Stelle und muss schließlich mit einer Zange entfernt
werden. „Das war eine unangenehme Geschichte und da wusste ich auch nicht, was
mit mir passiert. Es war nicht so, dass ich Luftnot oder so was gehabt hätte, sondern da
steckte tatsächlich was im Hals, ich konnte nicht mehr schlucken, Flüssigkeiten gingen
nicht mehr runter, unangenehm.“ Nach vier ergebnislosen Magenspiegelungen wird er
im September 2012 an die Uniklinik Magdeburg überwiesen. Hier ahnt die Gastroenterologin Dr. Ulrike von Arnim schon, was die mögliche Ursache für die Symptome sein
könnte: „Es handelt sich bei dieser Erkrankung um eine allergieähnliche Entzündung der
Schleimhaut innerhalb der Speiseröhre, die zu einer Verengung der Speiseröhre führt.
Die Patienten haben die Schluckbeschwerden in sehr unterschiedlichen Ausprägungen.“
Bei einer erneuten Spiegelung werden Thomas B. jetzt mehrere Gewebeproben aus der
Speiseröhre entnommen. Im Labor bestätigt sich der Verdacht bei der Untersuchung der
Schleimhautzellen. Die Magen-Darm-Expertin sieht: „Die Schleimhaut weist rötliche Entzündungszellen auf, ähnlich des Bronchialasthmas. Es ist wichtig, beim Verdacht auf
diese Erkrankung ganz gezielt nach diesen Veränderungen in der Speiseröhrenschleimhaut zu suchen.“ Nach mehr als acht Jahren endlich die richtige Diagnose: Der 53Jährige leidet unter einem Asthma der Speiseröhre! Da die Erkrankungen bis vor wenigen Jahren nur sehr selten diagnostiziert wird, gibt es bisher noch keine zugelassenen
Medikamente. Bis es soweit ist, soll ein Wirkstoff aus der Asthma-Therapie helfen. Aber
mit dem kommt er gut klar: „Es geht mir auf jeden Fall besser, seitdem ich das Medikament nehme. Die Angst selber ist nicht hundertprozentig weg.“ Doch Thomas B. lässt
sich nicht unterkriegen. Er hat festgestellt, dass ihm Ablenkung gut tut und davon hat er
mehr als genug.
Im Normalfall wandert der Nahrungsbrei
über die Speiseröhre (Ösophagus) ohne
Stau in den Magen. Sein Eingang ist
durch die Muskeln der Speiseröhre und
des Zwerchfells verschlossen. Ausgelöst
durch das Schlucken entspannen sich
die Muskeln, sodass die Nahrung in den
Magen rutscht. Ein spezieller Schließmuskel verhindert zudem, dass Teile
davon zurück in die Speiseröhre drücken. Wenn diese „Schleuse“ nicht intakt ist, kann der Magensaft ungehindert in die Speiseröhre fließen – so entsteht Sodbrennen. Auslöser für den
Rückfluss sind aber vor allem zu große
Portionen, sowie eine sehr schwere, fettige Nahrungsmittelauswahl.
Sodbrennen – das quälende Feuer in
Hals und Bauch
Sodbrennen ist eine Volkskrankheit. Aus
einer Studie des Robert-Koch-Instituts
ergibt sich, dass schätzungsweise 24
Prozent der Erwachsenen von Sodbrennen oder saurem Aufstoßen betroffen
sind. Rund 14 Prozent gaben an, mäßig
oder sogar stark darunter zu leiden. Bei
einem Teil der Betroffenen kommt es
dadurch zu Entzündungen. Das kann zu
Schäden in der Schleimhaut oder sogar
zu Gewebeveränderungen bis hin zum
Karzinom der Speiseröhre führen. Als
Komplikation sind hier Blutungen möglich. In einigen Fällen ist auch der
Schließmuskel, der den Magen nach
oben zur Speiseröhre hin verschließt,
geschädigt.
Test: Was taugen Hausmittel gegen
Sodbrennen?
Hauptsache Gesund hat mal bei Youtube nachgeschaut, welche Hausmitteltipps dort zu finden sind. Diese haben
wir dann der Magen-Darm-Expertin Dr.
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Raczynski vorgeführt und sie um Ihre
Einschätzung gebeten. Hier das Ergebnis:
Natron gilt schon seit Omas Zeiten als
bewährtes Mittel gegen sauren Magen.
Dazu Dr. Raczynski: „Es hilft sehr schnell
und ist damit natürlich für jemanden,
der Sodbrennen hat, sehr effektiv. Der
Nachteil ist, dass es nur kurzfristig wirkt.
In ein bis zwei Stunden ist die Wirkung
verflogen. Ein lästiger Nebeneffekt: Bei
der Neutralisation der Säure im Magen
entsteht auch Kohlenstoffdioxid, also
Luft, was wiederum Völlegefühl und
Blähungen auslöst.“
Heilerde soll bei Sodbrennen Linderung
verschaffen. Die braune Erde ist in Drogerien und Apotheken erhältlich und
wird in einem Glas Wasser gelöst getrunken. Dazu Dr. Raczynski: „Heilerde
besitzt Mineralien, die kurzzeitig die
Magensäure puffern, zumindest verdünnen. Der Nachteil ist sicherlich, dass
es keine sehr starke Wirkung hat. Das
heißt den Effekt, den Natron bringt, hat
es nicht. Es ist eher ein spülender, verdünnender Effekt.“
Haferschleim ist ein beliebtes diätetisches Essen bei Magenbeschwerden, auf
das auch einige im Netz schwören. Dazu
Dr. Raczynski: „Leider Fehlanzeige. Generell muss man sich überlegen, dass
sämtliche Hausmittel natürlich nur einen
sehr milden, lindernden Effekt haben,
der auch nur kurzzeitig ist. Das heißt,
wenn die Beschwerden immer wieder
kommen und auch sehr stark sind, sollte
man das auf jeden Fall abklären lassen
und zu einem Arzt gehen!“
Schwachstelle Magen
Über Mund und Speiseröhre gelangt die
Nahrung in den Magen und wird dort
weiter zerkleinert. Die Muskeln, die in
seinen Wänden sitzen, bewegen den
Speisebrei kräftig hin und her. Zusätzlich
wird die Nahrung mit Magensaft vermischt. Verschiedene Drüsen in der Magenschleimhaut stellen täglich zwischen
drei und vier Liter davon her. Dieses Sekret besteht unter anderem aus Verdauungsenzymen und Salzsäure. Zunächst
zersetzt die Salzsäure die Nahrung.
Dann spalten die Enzyme die enthaltenen Eiweiße auf. Durch eine Schleimhautschicht, die seine Wände auskleidet,
ist der Magen davor geschützt, sich mit
dem stark säurehaltigen Saft selbst zu
verdauen.
Entzündeter Magen oder schon Geschwür?
In Deutschland ist die Magenschleimhautentzündung bei den niedergelassenen Ärzten eine der am häufigsten gestellten Diagnosen. Die Gastritis ist eine
entzündliche Reaktion der Magenschleimhaut auf verschiedene Auslöser.
Der größte Teil der Fälle geht auf eine
Infektion mit dem Magenbakterium Helicobakter pylori oder auf magenreizende Medikamente wie Schmerzmittel zurück. Die Symptome einer Magenschleimhautentzündung sind sehr vielfältig und individuell unterschiedlich stark
ausgeprägt. Typisch für eine akute Gastritis sind Völlegefühl, Schmerzen im
Oberbauch, Übelkeit bis hin zu Brechreiz
und Erbrechen. Bei der chronischen Gastritis hingegen bestehen zunächst oft
nur geringfügige oder gar keine Beschwerden. Eine sichere Diagnose, ob
und wie stark die Schleimhaut entzündet ist, zeigt eine Magenspiegelung und
gegebenenfalls auch eine Gewebeprobe. Ebenso kann der Arzt entdecken, ob
die Schleimhaut des Magens bereits so
stark geschädigt wurde, dass ein Geschwür entstanden ist. Eine verbindliche
Definition dafür, ab welcher Größe die
Schleimhautveränderungen
„Ulkus“,
also Geschwür, genannt werden darf,
gibt es nicht. Üblicherweise wird davon
gesprochen, wenn die Schleimhautbeschädigung mindestens fünf Milliliter
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Durchmesser hat. Die häufigsten Ursachen für die Entstehung von Geschwüren sind – ähnlich wie für die Gastritis –
eine Besiedlung mit Helicobakter pylori,
Nebenwirkungen
von
speziellen
Schmerzmitteln
(insbesondere
NSAR/ASS) und die Kombination aus
beidem. Chronische Magengeschwüre
können erstaunlicherweise keine oder
nur wenig Symptome verursachen. Dies
gilt besonders für Magenschädigungen
durch Schmerzmittel. So kann es durchaus sein, dass sie erst auffallen, wenn sie
anfangen zu bluten. Anzeichen dafür
können ein Blutnachweis im Stuhl,
dunkle Stuhlverfärbung (Teerstuhl) oder
Erbrechen von Blut sein. Es können aber
auch andere Anzeichen eines akuten
Blutverlustes wie Schwindel bis hin zum
Schock oder Zeichen eines chronischen
Blutverlustes wie Anämie (Blutarmut),
gefolgt von Schwäche, Atemnot oder
Angina pectoris (Durchblutungsstörung
des Herzens) auftreten. Kommt es sogar
zu einem „Durchbruch“ des Magens,
entsteht ein lebensbedrohlicher Notfall.
Wenn Medikamente auf den Magen
schlagen
Arzneimittel aus der Gruppe der sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (abgekürzt „NSAR“), wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd sowie
fiebersenkend und finden daher einen
breiten Einsatz. Viele Menschen mit
Schmerzen im Bewegungsapparat zum
Beispiel durch Arthrose oder Rheuma
profitieren von diesen Mitteln. Wegen
ihrer biochemischen Eigenschaften gelangen die NSAR nach der oralen Einnahme in den Magen, was zu einer
Schädigung dieser inneren Schutzschicht
des Magens, also der Schleimhaut, führen kann. Die Bandbreite der Folgeschäden reicht von Schleimhautveränderungen bis hin zu Geschwüren, lebensgefährlichen Blutungen bis hin zum Magendurchbruch. Die wichtigsten und am
häufigsten eingesetzten Wirkstoffe der
NSAR sind Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Meloxicam und Naproxen. Dazu
kommen spezielle NSAR mit den Wirkstoffen Etoricoxib und Celecoxib. Eine
entscheidende Rolle für das Schädigungsrisiko durch die Medikamente
spielen Dosierung sowie Dauer der Einnahme. Wie stark der Magen durch die
Arzneien angegriffen wird, hängt zudem
vom Alter des Patienten, von Vorschädigungen des Magens und der Kombination mit anderen Medikamenten ab. Ein
Risiko stellen bei letzterem vor allem
Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung
oder Kortisontabletten dar.
Problemzone Darm
In kleinen Portionen gleitet der Speisebrei schließlich wie auf einem Förderband in Richtung Magenausgang und
von dort in den Zwölffingerdarm, den
Dünndarm und den Dickdarm. In diesen
Abschnitten werden die Kohlenhydrate,
Fette und Eiweiße aus dem Nahrungsbrei in weitere Bestandteile zerlegt. Dafür sind körpereigene Enzyme zuständig,
die im Mund, in der Bauchspeicheldrüse
und in den Darmzellen entstehen. Zudem leben im Darm Millionen von Bakterien. Auch ihre Aufgabe ist es, die
Nahrung aufzuspalten und der Darmschleimhaut wichtige Nährstoffe zuzuführen. Darüber hinaus produzieren die
Bakterien das Vitamin B, nötig für die
Blutbildung, und das Vitamin K für die
Blutgerinnung. Der Dickdarm entzieht
den unverdaulichen Nahrungsresten,
etwa Fasern von Getreide oder Gemüse,
noch vorhandenes Wasser und Mineralstoffe. Danach befördert er den übrig
gebliebenen Darminhalt zum Rektum:
Wenn der Darminhalt dort ankommt,
entsteht das Bedürfnis, auf die Toilette
zu gehen. Für den Transport der Nahrung durch das meterlange Schlauchsystem sorgt die Darmmuskulatur. Sie bewegt sich wellenförmig. Insgesamt hat
die Nahrung vom ersten Bissen an eine
weite Strecke zurückzulegen, denn allein
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unser Darm kann schon bis zu acht Meter lang sein. Der Transport des Speisebreis durch den Körper läuft bei Menschen, die unter einer funktionellen Magen-Darm-Erkrankung leiden, nicht reibungslos ab. Die Folgen sind Beschwerden, die bei jedem Patienten individuell
anders ausgeprägt sein können.
Mit Yoga gegen Verdauungsbeschwerden
Sabine S. hat Morbus Crohn, eine entzündliche Darmkrankheit. Die junge Frau
hat häufig Schmerzen und leidet unter
Durchfall – vor allem bei Stress. Heilen
kann man die Krankheit nicht, nur die
Beschwerden erträglicher machen. Doch
seit einiger Zeit weiß sich Frau S. zusätzlich selbst zu helfen. Sie macht gezielte
Yogaübungen für die Verdauung.
„Boot“ oder „Kobra“ heißen einige der
Übungen, die Druck auf die Bauchorgane ausüben und sie regelrecht massieren. Und das tut gut, sagt Sabine S.:
„Ich gehe seit fast zwei Jahren zum Yoga, ich gehe sehr regelmäßig. Ich gehe
auch, wenn ich Beschwerden habe –
oder vor Allem, wenn ich Beschwerden
habe und danach geht es mir in der Regel besser.“ Doch wie ist das zu erklären?
Der Physiologe und Psychiater Dietrich
Ebert forscht seit Jahrzehnten zum Thema Yoga: „Bei einigen speziellen Übungen wird direkt physikalisch der Darm
beeinflusst, einmal durch Druck – Unterdruck oder Überdruck auf den Bauchraum – oder dadurch, dass die Beweglichkeit des Darms angeregt wird.“ So ist
zum Beispiel eine Übung mit dem Namen „Pavanmuktan-Asanas“ nach ihrer
Wirkung benannt: „Windlösende“. Dr.
Dietrich Ebert, Leiter klinische Forschung, Klinikum Chemnitz weiß: „Diese Wirkungen auf die Darmbeweglichkeit sind bereits in den 60-er Jahren
nachgewiesen worden, damals mit Me-
thoden der Röntgenkontrastmitteldarstellung. Man hat gesehen, wie bestimmte Darmabschnitte extrem gedehnt werden.“ Auch Sabine S. tun diese Dehnungen und Atemübungen gut.
Einen Teil der Kosten hat sogar die Kasse übernommen. Yoga ist übrigens für
jeden geeignet. Nicht nur für Schlanke
und Gelenkige.
Wie uns das Bauchhirn regiert
Ein weit verzweigtes Nervengeflecht
umfasst den Darm und registriert alles,
was in ihm passiert. Die Infos schickt es
fortlaufend ans Kopfhirn – vor allem
über den Vagus-Nerv. Er bündelt und
sendet viele Signale. Erstaunlich: 80 Prozent aller Impulse werden Richtung Gehirn geschickt und nur 20 Prozent zurück. Der Bauch scheint Chef im Ring zu
sein. Auch die Darmflora regiert entscheidend mit. Würde man den Darm
komplett ausbreiten, entspräche er flächenmäßig zwei Tennisplätzen – viel
Platz für Mikroorganismen. Etwa 500
Arten siedeln im Darm. Eine unvorstellbare Dimension! Zehn Billionen Bewohner leben in diesem Mikrokosmos und
bringen rund zwei Kilogramm auf die
Waage. Sie geben Forschern in aller
Welt immer wieder neue Rätsel auf.
Denn ihr Zusammenspiel regelt nicht nur
die Verdauung. Mikrobiologe Dr. Andreas Schwiertz, Mikroökologe aus Herborn erklärt: „Der Darm ist ein eigenes
Mikroökosystem. Und man weiß heutzutage, wenn bestimmte Bakterien in diesem System fehlen, dass das einen Einfluss auf das Immunsystem hat.“ Die
Fachwelt macht Darmprobleme für vieles verantwortlich: für Infekte, Allergien,
für Diabetes, Darmentzündungen und
sogar für Krebs. Auch Depressionen und
andere Seelennöte können die Folge
sein. Das gesund- und krankmachende
Potenzial der Darmflora ist noch lange
nicht entschlüsselt.
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Neuer Test zeigt Nahrungsmittelunverträglichkeit
Karl-Heinz J. litt lange Zeit an unerklärlichen Bauchbeschwerden. Dazu kamen Schwellungen am Körper und im Gesicht. Für Karl-Heinz J. trotzdem noch kein Alarmsignal: „Es
hat sich ja über Jahre hingezogen und ich hab da keine Rücksicht darauf nehmen wollen. So nach dem Motto: Was von alleine kommt, muss auch von alleine wieder gehen.
Aber so war es dann nicht. Mehrere Ärzte tippten auf eine Lebensmittelallergie – aber
wirklich nachweisen konnten sie das nicht. So wie ihm, ergeht es vielen. Sie gehen von
Arzt zu Arzt, machen viele Untersuchungen – ohne Erfolg. Am Ende heißt es oft:
Reizdarm! Prof. Annette Fritscher-Ravens, Gastroenterologin am Uni-Klinikum Kiel weiß
das aus Erfahrung: „Wir erleben viele Patienten, die mit der Diagnose Reizdarm von anderen Kollegen kommen.“ Die Ärzte in Kiel haben eine neue Untersuchungsmethode
entwickelt, um zu zeigen wie Darmzellen auf den unmittelbaren Kontakt mit Lebensmitteln reagieren. Mit einem Schlauch ähnlich wie bei einer Magenspiegelung, in den ein
Mikroskop eingebaut ist, wird der Darm untersucht. In 1.000-facher Vergrößerung können die Mediziner die Darmzellen beobachten. Sie werden mit fünf Stoffen konfrontiert:
Milch, Weizen, Eiweiß, Soja und Hefe, den Hauptbestandteilen unserer Nahrung. Im Fall
von Karl-Heinz J. stellt Prof. Annette Fischer-Ravens fest: „Der Patient reagiert auf Hefe
und zwar richtig doll, dass da so kleine Eruptionen stattfinden.“ Jetzt wissen die Mediziner, dass Hefe der Verursacher der Beschwerden ist. Die Therapie wird nun ganz einfach. Wenn ein Nahrungsmittel gefunden wurde, auf das die Patienten reagieren, müssen sie das streng weglassen. Das bringt in 75 Prozent der Fälle Erfolg. Bei Karl-Heinz J.
ist alles, was Hefe enthält, von seinem Speiseplan verschwunden. Seitdem geht es ihm
wieder richtig gut.
Gäste im Studio
Prof. Dr. Dr. Peter Malfertheiner, Magen-Darm-Spezialist, Universitätsklinikum Magdeburg
Anne-Kathrin Habermann, Apothekerin
Buchtipp
Wertvolle Tipps, wie Sie dank einfacher Hausmittel Ihre Selbstheilungskräfte aktivieren
und Ihren Körper wieder ins Gleichgewicht bringen können, finden Sie auch im neuen
Hauptsache Gesund-Buch „Meine besten Hausmittel“.
ISBN: 978-3-89883-272-4; 19,95 Euro
Erhältlich im Buchhandel und im MDR-Shop.
Anschrift/ Thema der nächsten Sendung
MDR FERNSEHEN, Redaktion Wirtschaft und Ratgeber „Hauptsache Gesund“
Internet: www.mdr.de/hauptsache-gesund
E-Mail:[email protected]
Thema der Sendung vom 27.03.2014: „Wie Sonnenlicht, Musik und Kräuter den
Blutdruck senken“
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