Beispiel Haupttitel einer Präsentation. Arial 48 Punkt (maximal

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Psychiatrisches Kolloquium, PUK Zürich
Herbstsemester 2014, Psychosomatik II
Schwindel: Vom psychosomatischen
Verständnis zur Therapie
Prof. Dr. Michael Rufer
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie USZ
Interdisziplinäre Zentrum für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen USZ
Fallvignette 1: Frau Albers
Commotio / Contusio labyrinthi
Straumann 2013
«Jedes Schwindelsymptom hat zentralvestibuläre (Neurologie), peripherverstibuläre (Otologie) und psychogene
(Psychiatrie) Facetten. Die klassische
Trennung zwischen neurologischem,
otologischem und psychogenem
Schwindel ist obsolet.»
Hegemann, Rufer, Straumann (2006)
http://www.neurology.ch/content_d/IMIMNE63_DT_03.pdf
Universität München, Schwindelambulanz der Neurologischen Klinik und Poliklinik
Dix-Hallpike Manöver
Delémont & Rutschmann 2007
Diagnosis and therapy system for BPPV (Shan et al. in press)
N=203
Weidt et al. (2014)
Schwindel und Lebensqualität
(Weidt et al. 2014, von Rimscha et al. 2012)
• Beeinträchtigungen in der körperlichen Dimension des SF-36
am besten durch Schweregrad des Schwindels erklärbar (DHI)
• Beeinträchtigungen der psychischen Dimension des SF-36
sind nicht mit dem Schwindel assoziiert
•
Erklärbar hingegen in erster Linie durch Angst und Depression (HADS)
• Alexithyme Defizite (TAS-20) gehen mit stärkerem Schwindel
und niedrigerer HRQoL einher
• Letzteres auch unabhängig von Schwindelausprägung und
anderen «Confoundern»
Interdisziplinären Zentrum für Schwindel und
Gleichgewichtsstörungen: Untersuchungsgang
Straumann 2014
Magnetokulographischer Kopfimpulstest
Auge im Raum []
periphervestibuläre
Asymmetrie
0.75
0.94
rechts
links
Kopf im Raum []
Kopfimpulstest
Straumann 2013
Folgebewegungen
sakkadierte Folgebewegungen
(unspezifisch)
Sakkaden
dynamisch normale Sakkaden,
aber nicht zum Zielpunkt
(Kooperation?)
Keine Korrelation von vestibulärem Defizit
und Schwindel nach vestibulärer Neuritis
10 akute Patienten
(< 1 Monat)
33 chronische Patienten
(1-60 Monate)
gVORipsi:
initialer Kopfimpulstest: Gain
sVSS: Vertigo Symptom Scale (Yardley et al. 1992), short version
Palla et al. 2008
Schwindel als Angstäquivalent
(„phobischer Attackenschwindel“)
Angst wird häufig als Folge und nicht
Ursache des Schwindels erlebt
 Phobie: Schwindel in spezifischem
Situationen, Vermeidung
 Panikstörung und generalisierte
Angststörung: Schwindelattacken
«aus heiterem Himmel» bzw.
Schwindel in Verbindung mit Sorgen
Subtypes of panic attacks:
A critical review of the empirical literature
Kircanski, Craske, Epstein & Wittchen (2009) Depress Anxiety
Panikattacken-Subtypen
• Vestibulär
• Respiratorisch
• Nächtlich
• Nicht-ängstlich
• Kognitiv
Vestibulärer Subtyp
• Schwindel bei Panikattacken im Vordergrund
• Schwindel oft auch zwischen Panikattacken
• Oft vestibuläre Pathologie bei otoneurologischer Untersuchung
•
Elektronystagmographie, Posturographie, …
• Im Vergleich zu anderen Subtypen stärkere
•
komorbide depressive Symptome
•
subjektive Angstintensität und Agoraphobie-Ausprägung
•
Gesamtschwere der Panikstörung
•
Einschränkungen in Alltagsfunktionen
Schwindel: Mehr als Angst
Schwindel als Depressionssymptom oder „Depressionsabwehr“
 Konzentration auf den Schwindel kann stabilisierend wirken
Schwindel als somatoforme Störung
 DSM-5: Somatic Symptom Disorder
Schwindel als Signal
 Intrapsychisch, z.B. inneres Gefahrensignal, Stress
 Interpersonell z.B. Gefahr verlassen zu werden (Wunsch nach
Gehaltenwerden)
SCHWEIZER ARCHIV FÜR
NEUROLOGIE UND PSYCHIATRIE
2011;162(8):318–21
Patienteninformation
Was?
•
•
•
Er hat Schwindel!
Sowohl-als-auch Erklärungsmodell
Schwindel als mögliches Stresssymptom
Patienteninformation
Wie?
•
•
Idealer Weise interdisziplinär
Häufig aus Sicht eines «Somatopsychikers»
 Psychische Belastung durch den Schwindel und die
erfolglose Suche nach Ursachen
•
Ggf. in Gruppen, z.B. Stress- oder Angstbewältigung
 Motivation zur Teilnahme: Betonung des Seminarcharakters
Wann?
•
•
•
Patienteninformation
Frühzeitig, idealer Weise noch vor den ersten Abklärungen
Zu Beginn ausreichend: «Häufig hat Schwindel auch
psychische (Teil-)Ursachen»
Erleichtert späteres darauf zurück kommen («Wir hatten ja
schon vor den Untersuchungen besprochen, dass…»)
Fallvignette 2: Herr Ludwig
Therapiestrategien bei Alexithymie
Trait Alexithymie / keine hohe Funktionalität

Das Erlernen («Fertigkeiten-Training») einer besseren
Gefühlswahrnehmung, -differenzierung, -kommunikation und regulation steht oft im Vordergrund
State Alexithymie / deutliche Funktionalität

Therapieplanung abgestimmt auf die Hintergrundproblematik

Häufige Strategien
-

Symptomorientiert, entsprechend einer «Emotionsphobie», oder
Therapie «an der Alexithymie vorbei»
Ergänzende Förderung der Emotionsregulation kann sinnvoll sein
Auf dem „technischen Weltbild“ aufbauen –
und es erweitern
• Gezieltes Üben des Wahrnehmens, Beschreibens und
Differenzierens eigener Gefühle
• Arbeit mit Gefühlsstern, Protokolle, Experimente
(Stavemann 2001)
• Training emotionaler Kompetenzen (Berking et al. 2007)
• Gestalttherapeutische Interventionen
• …
(Beresnevaite 2000)
Gefühlsstern, Stavemann 2001
Fazit -1• Die Einordung von Schwindel als entweder somatisch oder
psychisch wird dem komplexen Beschwerdebild nicht gerecht
•
Die Einschätzung als «psychogen» stösst bei Patienten (in dieser
Einseitigkeit durchaus zu Recht) oft auf Ablehnung
• Entscheidend ist ein individuelles Erklärungsmodell, welches
sowohl psychische als auch somatische Aspekte beinhaltet
•
Initial eher ein «somatopsychisches» als «psychosomatisches» Modell
• Je mehr psychologische Einflussfaktoren im Verlauf deutlich
werden, desto stärker verliert die Suche nach der
unentdeckten somatischen Erklärung an Bedeutung
Fazit -2• Alexithymie: Emotionsregulationsstörung, Vulnerabilitätsfaktor
für die Entwicklung von psychosomatischen Symptomen
• Ein Psychotherapiepessimismus ist bei alexithymen Patienten
nicht gerechtfertigt
• Abstimmung der psychotherapeutischen Vorgehensweise auf
Alexithymie-typische Schwierigkeiten
•
Im Fallbeispiel:
- Gezielte Förderung des Wahrnehmens, Beschreibens und
Differenzierens von Gefühlen während der Expositionstherapie
- Nachfolgend Selbstbeobachtungen und Übungen in alltäglichen
Situationen
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