Performance-Koffer

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Performance
für die Schule
Kunstvermittlung/Museumspädagogik
KUVERUM
Dokumentation
Inhalt
Was ist Kunst?
Zum Gebrauch der Performance-Schachtel
Begriffsdefinitionen
Performance für Kinder
Performance Aufgabe
‚Art‘-verwandt
Adressen Literatur
Performance-Koffer
Der Koffer enthält Materialien für den Unterricht auf allen Stufen.
Der Koffer ist eine Starthilfe und kann mit Erfahrungen, Reflexionen angereichert werden.

Dokumentationen von Performance-KünstlerInnen ‚im Birch’

Video „Signers Koffer“ von Peter Liechti

Fotos von Aktionen aus Unterrichtssquenzen

Ideenheft für den Unterricht

Logbuch für eigene Erfahrungen

Performance-Doku-Tool ‚im Birch’
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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Was ist ‚Kunst’?
Kunst liegt quer
Kunst provoziert
Kunst regt zum Nachdenken an
Kunst ist Verdichtung des Augenblicks
Kunst wirft Fragen auf
Kunst macht sichtbar
Kunst kritisiert
Kunst ...
Theo van Doesburg:
„Mit Kunst kann man sich nicht die Zähne putzen.“
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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Begriffsdefinition
Aktionskunst
Zusammenfassende Bezeichnung für ästhetische Handlungen (Aktionen), die meist von
bildenden Kunstschaffenden initiiert werden und den überlieferten Rahmen künstlerischen
Produzierens sprengen. Erste Schritte in Richtung Aktionskunst waren mit Veranstaltungen
von Dada-Künstlern und Surrealisten verbunden. Sie durchbrachen die starre Beziehung
zwischen Künstler und Publikum. Mit der Aktionskunst wurde auf die unterschiedlichste Art
versucht, die Grenze zwischen Leben und Kunst zu überbrücken und aufzuheben. Man
bemühte sich, die Wahrnehmungsfähigkeit des Publikums anzusprechen. Seit den 50er
Jahren erreichte die Aktionskunst mit Happening (Bezeichnung für provokative
Kunstveranstaltungen, bei denen die Zuschauer oft zur Beteiligung aufgefordert wurde) und
Fluxus (Veranstaltungen um 1960 mit akustisch visuellen Arrangements) eine neue Phase,
die in der Folgezeit durch Performance, Prozesskunst und andere Formen geprägt wurde.
Performance
Bezeichnung für eine gestisch-theatralische Aktion, die vor allem von bildenden
Kunstschaffenden ausgeführt wird unter Einbezug des eigenen Körpers oder der Körper
anderer Mitagierender. Die Performance versucht eine Mischung aus Vorführung und
Interaktion neue individuelle und soziale Lernprozesse freizusetzen. Die Performance
existiert vor allem seit den 1960er Jahren.
Concept Art
Concept Art bezeichnet eine Kunstrichtung, deren gedanklicher "konzeptioneller" Prozess
das eigentliche Wesen des Kunstwerks ausmacht, wobei die Umsetzung der Idee, also die
Ausführung des Werkes, nicht zwingend notwendig ist. Concept Art entstand ab Mitte der
60er Jahren. Concept Art ersetzt das materialisierte Kunstwerk durch die öffentlich gemachte
Idee, die eine Art Denk- oder Handlungsanweisung für die Betrachtenden bildet, auf die fiktiv
die Realisierung übertragen wird. Konzepte können verbale Anleitungen, Fotografien,
Videoaufzeichnungen, Pläne und Modelle sein, die meist auf Prozesse verweisen.
Prozesskunst
Die Prozesskunst konzentriert sich auf das Geschehen alltäglicher Dinge als Ablauf in Raum
und Zeit. Sie arbeitet mit Naturstoffen wie Wasser, Schnee, Blättern, Gras etc. und mit
Naturkräften, dem Wachstum und der Schwerkraft. Der Veränderungsprozess ist hierbei
wichtiger als das Endergebnis.
Land Art
Land Art bezeichnet eine Kunstrichtung, die Ende der 60er Jahre in Amerika entwickelt
wurde und in der die Landschaft zum wesentlichen Bestandteil des Kunstwerkes wird. Es
werden nicht Skulpturen in die Landschaft gesetzt, sondern vielmehr entstehen sie erst mit
der Natur. Eingriffe des Künstlers mit Gestaltungsmitteln wie Erde, Stein Wasser verändern
den Landschaftsraum und geben ihm eine neue Struktur. Die Arbeiten befinden sich meist
weit ab von jeder Zivilisation.
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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Zeitgenössische Kunst für Kinder
Für Kinder ist es eine grosse Herausforderung und ein Erlebnis, der zeitgenössischen
Kunst zu begegnen. Die den Kindern eigene Neugier trifft auf eine verdichtete Form
von Gestaltung. Kinder können sich darauf vorurteilslos einlassen und wenige
Hinweise genügen, dass sie sich forschend in dieses neue Feld begeben. Dabei ist für
sie spürbar, dass es sich dabei um etwas handelt, was auch Erwachsenen viel
bedeutet und ein gesellschaftliches Ansehen hat. Kinder lieben Rätsel, verstehen
Poesie, sind sich gewohnt, mit Unbekanntem umzugehen. Das sind die idealen
Voraussetzungen, um der (zeitgenössischen) Kunst zu begegnen. Von der Offenheit,
mit welcher Kinder der Kunst begegnen, können wiederum die Erwachsenen
profitieren. Ziel der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst können bestehen
aus eine eigene Meinung bilden / Auseinandersetzung austragen / eigene Präferenzen
finden / etwas Neues kennen lernen / Kunst begegnen / Vertrauen finden in eigene
Wahrnehmung / "zeitgenössische Kunst" definieren versuchen / Kunstorte und Museen
kennen lernen / Museumspädagogische Möglichkeiten nutzen
Kunst weckt: Kinder werden herausgefordert sich Gedanken zu machen über verdichtete
Momente, welche Niederschlag gefunden haben in der Kunst. Die Wahrnehmung wird
geschärft.
Kunst inspiriert: Kunst weckt Lust, selber tätig zu werden, sich Dinge auszuhecken und
durchzuführen. Sie ist Motivation und Auslöser für kreative Prozesse.
Kunst macht Mut: In der Kunst sind „Experimentieren“, „Wagen“ und „Individuelle Lösung
finden“ wichtiges Element. Diese kann sich auf die einzelnen Schüler/innen übertragen und
sie stärken.
Aufgaben / Ansätze zur Vermittlung zeitgenössischer Kunst
zeitgenössische
Kunst allgemein
Persönliche Definition, Standpunkt
als Gesprächsanfang, als schriftlicher Auftrag
 Was ist Kunst?
 Was ist zeitgenössische Kunst?
 Was kenne ich in diesem Bereich?
 Wie stelle ich mich dazu?
Kunst im Unterricht
Kataloge, Internet, Videos bereitstellen ...
Kunst-Feld ausbreiten.
Kunst zum Thema machen.
Diese Sammlung ist noch zu erweitern
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Performance im Birch
An der öffentlichen Performance am 5.11.sind Künstlerinnen und Künstler anwesend:
Gaspard Buma
Muskelspiel in Musik umwandeln das ist animierend, Muskeln
zu spüren und erfindungen zu machen, wie das manifestiert werden kann, dass Muskeln sich
bewegen. http://www.gaspardbuma.org/rubrique.php3?id_rubrique=7
Yan Duyvendak
Videogame zum Thema Gewalt (allenfalls nur für grosse
Kinder) Kinder thematisieren Gewalt anhand dieser Performance...
http://www.duyvendak.com/perfos/index.html
Charlotte Hug ...
ist Geigenspielerin und setzt Klang und Bild in einer Aktion
gemeinsam ein. das ist inspirierend für Kinder, selber Klang und Bild zusammenzubringen.
Technische Hilfe z.B. Hellraumprojektor http://www.charlottehug.ch/
San Keller noch nicht definierte Aktion mit den Kindern mit Kindern zusammen?
http://www.value-konzepte.ch/doc/Wer_ist_San_Keller.pdf bald: http://www.sankeller.ch
Heinrich Lüber HL steht auf einer Puppe, die HL identisch ist und steht auf dem
Dach vom Schulhaus. HL ist Performance-Künstler und unterrichtet an der HPL Zofingen
‚Bildnerisches Gestalten‘. Er führt Aktionen durch auf öffentlichen Plätzen, als Einzelkünstler
oder im Rahmen grösserer Veranstaltungen. Sein Auftritt wirft Fragen auf bez. Seinen
physikalisch nicht erklärbaren Stellungen, die er einnimmt. Damit versetzt er die
ZuschauerInnen in Staunen. das ist sicher inspirierend für Kinder, selber In unmöglichen
Stellungen still zu halten und damit dies gelingt auch entsprechende Massnahmen zu treffen.
(Stützen)
http://www.heinrichlueber.ch
Les Reines Prochaines – Konzert als Abschluss 21.30 keine Kinder da,
ev. teilnehmen beim soundcheck? http://www.reinesprochaines.ch/
MIT
– ein Menschenbrunnen. Figuren stehen in einem eigenes dafür aufgestellten
Brunnen und haben sich vom ‚Tinguelybrunnen’ in Basel und Paris inspirieren lassen. Das ist
sicher inspirierend für Kinder, selber Wasserspiele zu machen. Schwimmbad im Schulhaus?
Suzanne Richle zum Thema Flugangst - für jeweils 5 ZuschauerInnen
Katja Schenker Raum und Architektur ??
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Maren Strack An Haaren aufgehängt mit einem langen Kleid –zäbbelet mit den
Füssen das ist inspirierend für Kinder, selber Kleider und Kostüme zu machen
http://www.maren-strack.de/codes/index_d.html
Gabriele Rérat ????
Köppl Zacek
Abfall rund ums Schulhaus gesammelt wird in der Turnhalle
ausgebreitet und in Reihen hingelegt. das ist inspirierend für Kinder, selber Reihen zu
machen, etwas neu anzuordnen, das vorher unbeachtet war und dadurch bewusst machen.
Victorine Müller steht in einem Stiefel und eine rosarote Flüssigkeit fliesst aus
dem Stiefe das ist sicher inspirierend für Kinder, selber etwas zu inszenieren und eine
Kullisse zu schaffen. http://www.xcult.org/texte/niemann/victorine.html
http://www.hoege.org/web/showArtist.php?artistID=120
Im Unterricht:
Nachforschen auf Internet, in Unterlagen in bereitgelegter Literatur – was ist Absicht und
Ausdrucksform der auftretenden Kunstschaffenden.
Mit einer/m Kunstschaffenden Kontakt aufnehmen, einen Brief schreiben.
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Performance-Aufgabe
Die folgende Aufgabe ist sehr offen gestellt. Sie lädt Kinder ein, sich Gedanken zu machen
zu ‚Performance’. Es geht dabei darum, eine mögliche eigene Performance zu planen und
durchzuführen. Es gibt dabei kein richtig und falsch. Am besten lässt sich diese Aufgabe in
Gruppen lösen:
Einladung
Wen lädst du wie ein zu deiner Performance. Wie kannst du beschreiben, was du vorhast,
ohne alles zu verraten?
Kleidung und Kostüm und Klang
Wie machst du dich für einen Auftritt bereit? Worauf macht deine Kleidung aufmerksam?
Requisiten
Welche Gegenstände sind wichtig für deinen Auftritt? Was machst du damit, warum? Wie
tönt deine Performance? Welche Geräusche wirst du wie erzeugen wollen?
Ort
Welchen Ort wählst du für deine Performance? Was drückt dieser Ort aus. Wie viele Leute
können dir hier zuschauen? Wie lange werden sie bleiben wollen? Was machst du, wenn die
Leute sich vor Beendigung der Performance entfernen von deinem Ort?
Aussage der Performance
Mit deiner Performance kannst du bei den ZuschauerInnen Gefühle, Gedanken,
Erinnerungen auslösen. Was möchtest du bewirken, warum?
Dauer und Dokumentation
Deine Performance dauert eine gewisse Zeit. Wie möchtest du selber eine Erinnerung haben
an deine Performance?
Spuren-Geschichte
Welche Spuren hinterlässt dein Auftritt. Kannst du im Nachhinein eine Geschichte erzählen,
wie sie entstanden sind? Lege werktätig eine Fährte die interpretiert werden kann.
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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‚ART‘-verwandt
Künstler/innen, die in ähnlicher Art arbeiten. Unterrichtsideen. Literatur
Fischli/Weiss Künstlerduo Peter Fischli (*1946 in Zürich) und David Weiss (*1952
in Zürich). Das Gemeinschaftswerk von Peter Fischli und David Weiss beginnt 1979 mit der
Fotoarbeit Wurstserie. Fischli/Weiss greifen alltägliche Themen auf, parodisieren diese. In
ihren Arbeiten kommen oft die unterschiedlichsten Medien zur Anwendung im Bereich:
Skulptur, Plastik, Fotografie, Film, Video.
An der documenta 8 in Kassel (1987) wird der Film Der Lauf der Dinge zum
Publikumsliebling: Eine Serie von mechanischen Konstruktionen in prekärem Gleichgewicht
wird aufgebaut. Damit initiieren sie eine Kettenreaktion unaufhaltsamer "Unfälle", welche die
Beziehung von Ursache und Wirkung aufs erheiterndste illustriert. Das Künstlerduo
Fischli/Weiss verfolgt einen erfolgreichen Kurs zwischen konzeptuellem Anspruch, sinnlicher
Vergegewärtigung und Unterhaltungswert. Fischli/Weiss wollen mit ihrer Kunst irritieren und
verunsichern.
Ideen für den Unterricht
 Zum Video ‚Lauf der Dinge‘: Wir legen eine Zeitspanne fest, verknüpft mit einer
bestimmten Assoziation (Schuhe binden, Zähne putzen...). Diese Zeitspanne zur
Ausführung dieser Tätigkeit setzen wir um durch einen Ablauf à la ‚Lauf der Dinge‘. Das
heisst, wir bringen durch einen Handgriff etwas in Bewegung, das eine Zeit dauert, wie
z.B. die Zeit die es braucht, bis eine Reihe von Dominosteine ins Fallen bringt.
Werkmaterial: Schnüre, Karton Ton, Holz, Klötze, Bretter, Sand, Erde, Becher, Wasser,
Kerzen, Zündhölzer, Petflaschen, Klebband, Nägel, Abdeckplastik, Säge, Hammer,...
 „Plötzlich diese Übersicht“ zeigen verschiedene Szenen aus dem Alltag, die mit
ungebranntem Ton geformt sind zu den Titeln beispielsweise „Peter auf dem Heimweg
nach dem ersten Schultag“, „Warten auf den Lift“, „Lagerfeuer“ etc. Wir sprechen über
unseren Alltag und zählen ein paar Szenen auf, mit denen wir jeden Tag konfrontiert
werden. „Ich putze mir die Zähne“ oder „Ich schlafe“ etc. Diese Alltagsszenen werden in
Modellierton festgehalten. Werkmaterial: Ton / Lehm auf Unterlage. Modellierwerkzeug.
 ‚Am schönsten ist das Gleichgewicht, kurz bevor ’s zusammenbricht“ ist eine
Aktion mit unstabilem Gleichgewicht. Fotos zeugen von waghalsigen Aktionen.
Literatur (Auswahl)

Peter Fischli, David Weiss. Arbeiten im Dunkeln. Hrsg.: Walker Art Center Minneapolis und Kunstmuseum
Wolfsburg. Ostfildern bei Stuttgart, 1997.

Bice Curiger, Patrick Frey, Boris Groys: Peter Fischli. David Weiss. Biennale di Venezia, 1995. Baden, 1995.

Patrick Frey: Peter Fischli – David Weiss. Bilder Ansichten. Die sichtbare Welt. Wiener Secession, 1991.
Zürich, 1991.

Peter Fischli, David Weiss. Plötzlich diese Übersicht. Edition Stähli. Zürich, 1982.

Peter Fischli, David Weiss. Stiller Nachmittag. Hrsg.: Monika Sprüth Galerie, Ileana Sonnabend Gallery.
Köln, 1985.

Video von Fischli/Weiss “Lauf der Dinge”

Video über Fischli/Weiss
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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Roman Signer –
Roman Signer am 5.4.2000 in St. Gallen
Roman Signer wurde 1938 in Appenzell geboren. Er absolvierte eine Lehre als Bauzeichner, bevor er
in Zürich und Luzern die Kunstgewerbeschulen und anschliessend die Kunstakademie in Warschau
besuchte. Neben Skulpturen, Installationen, Zeichnungen und Fotos entstehen in Zusammenarbeit mit
seiner Frau Aleksandra Signer Super-8 Filme und Videos. Einen Ausdruck findet Roman Signers
prozesshafter Skulpturbegriff in der Aktion, in welcher der Künstler seit Beginn der achtziger Jahre
selbst als Protagonist vor Publikum auftritt. Mit diesen prozesshaften Arbeiten - Skulptur, Film und
Fotografie - ist Roman Signer in den vergangenen Jahren international bekannt geworden.
Ereignis - Skulpturen
Roman Signer versteht sich als Bildhauer, selbst wenn er, wie in der berühmten Abschlussaktion zur
documenta 8/1987, eine heftig hochschiessende und sanft niedergleitende Wand aus Tausenden
Papierblättern in den Luftraum setzt. Der Künstler definiert den Moment der Veränderung als
plastischen Vorgang. Dabei unterscheidet er zwischen drei Werkphasen: dem Potential eines
Ereignisses, dem Werkprozess als energetischer Bewegung und den Spuren des abgelaufenen
Prozesses.
Mit den Energiepotentialen von Wasser, Wind, Feuer, auch Explosionen, die auf vertraute Dinge wie
Hocker, Tische oder Kajaks ausgerichtet werden, entstehen ephemere Skulpturen, welche Roman
Signer seit den siebziger Jahren in Foto, Film und Video festhält. Diese Medien haben eine präzise
Bildsprache herausgebildet. Aus den plastischen Ereignissen entwickelt sich in konsequenter Weise
auch die Aktion, in welcher der Künstler selbst auftritt und sich den von ihm entfesselten Gewalten
unmittelbar aussetzt.
Durch die Gefährdung in der Aktion hat sich Roman Signers gesamtes Werk inhaltlich aufgeladen und
verdichtet. In seinen die Dimensionen sprengenden Skulpturen verbindet sich plastisches Denken mit
vollzogenem Leben. Aus der Pressemappe, Biennale, Venedig, 1999, Konrad Bitterli
Im Unterricht
 „Signers Koffer” von Peter Liechti: Nach Betrachtung des Films planen die Kinder
selber eine Aktion und führen sie durch. Dabei kann ein Kriterienkatalog aufgestellt
werden zu Dauer, Ablauf, Wirkung, Präzisionsgrad, Ästhetik etc. Material: Video ‚Signers
Koffer‘; Werkmaterial: Schnüre, Karton, Holz, Bretter, Sand, Erde, Becher, Wasser,
Kerzen, Zündhölzer, Petflaschen, Klebband, Nägel, Abdeckplastik, Säge, Hammer,...
Literatur
 Corinne Schatz, Roman Signer. Skulptur, St. Gallen: Verlag Vexer, 1988.
 Marie-Louise Lienhard, Roman Signer. Bilder aus Super-8-Filmen 1975-1989, Zürich: Verlag Helmhaus Offizin, 1992.
 Konrad Bitterli, Lutz Tittel, Roland Wäspe, Roman Signer. Skulptur, St. Gallen: Kunstmuseum, 1993 Elisabeth KellerSchweizer, Roman Signer. NICHT realisierte Projekte für den öffentlichen Raum, St. Gallen: Typotron, 1994.
 Konrad Bitterli, "Roman Signers skulpturale Ereignisse", in: Parkett, Zürich, Nr. 45 / 1995, S. 122-128.
 Max Wechsler, „Roman Signer. Explosion, Poschiavo, Luzern: Edition Perferia, 1995.
 Konrad Bitterli, "Roman Signer, Lineare Strukturen in Raum und Zeit", in: .Grenzgänge der Zeichnung.
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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Richard Long wird in England geboren und besucht die Kunstschule. Sein erstes
Kunstwerk 1967 heisst: „Line made bei walking.“ Er ist so oft exakt an der gleichen Stelle
über den englischen Rasen vor der Schule gegangen, bis sich eine kahle Linie abzeichnete.
Seither macht Richard Long Wanderungen auf allen Kontinenten, stampft und legt Kreise,
Linien, Spiralen. Dabei braucht er kein weiteres Werkzeug als seine Hände und Füsse.
Seine Werke werden von ihm fotografiert und dann überlässt er sie der Natur. In Galerien
befinden sich käufliche Werke von Richard Long. Diese Kreise aus Stein, Holz sind durch ein
Zertifikat als echt gekennzeichnet.
Inspiration für den Unterricht
 Natur neu ordnen: Wähle ein Material aus, das du vor Ort findest, lege das Material
kreisförmig, in einer Linie, in einem Quadrat hin.
 Spurensuche, Spuren sichern: Suche Spuren eines Lebewesens, das sich
fortbewegen kann. Markiere diese Spuren, damit jemand anderer erkennen kann, dass
ein Lebewesen hier war.
Inspiration, Literatur, Kataloge
 Richard Long,diverse Kataloge
 Andy Goldsworthy; Holz, Stein; Rivers and Tides (DVD)
Bernhard Luginbühl Lebenslauf anhand des Buches "Figuren 1947-1989"
geb. 16.2.1929 in Bern, auf ca. 6 Seiten beschreibt Luginbühl auf der eigenen sehr
humoristischen Art, ähnlich wie er auf dem Video "B. Luginbühl, Plastiker" kommentiert,
seinen eigenen Lebenslauf. Gespickt mit Fehlern, Korrekturen und Sprüchen, die bei
Jugendlichen bestimmt sehr gut ankommen. Es gibt eine Persönliche und künstlerische
Verbindung zu Jean Tinguely (Video "Nachtschattengewächse" vorhanden), die beiden
waren Freunde. Es fällt auf, dass L in letzter Zeit mehr und mehr vergängliche Kunstwerke
schafft vgl. Gurten zum Millenium. Auf dem Video, wie gesagt, ist schön zu sehen, wie er an
der Eröffnung der Ausstellung "Bernhard Luginbühl- das plastische Werk" in der Reithalle
Bern (19.8.-22.10.89) mit einem Zivilschutzhelm und einem Vulkan auf dem Kopf durch die
Halle marschiert. Noch heute in einem Vorspann des Schweizer Fernsehens zu sehen.
Literatur:
 Bernhard Luginbühl, Werd Verlag
Franz Müller lebt in Luzern und kocht zur Zeit in einem Heim für behinderte Kinder.
Er plant und führt Aktionen durch, die er selber als ‚Soziale Plastiken’ bezeichnet. So setzt er
sich z.B. mit einem Taucheranzug in ein Schulhaus und harrt der Dinge, die kommen. Was
nun geschieht, ist Teil des Kunstwerks. Die Zuschauer/innen sprechen mit Franz Müller,
stellen Fragen, ignorieren ihn, was auch geschieht, es ist ein Teil der im Augenblick
entstehenden Kunst. Dieses Werk hat nicht eine feste Form, ist vergänglich. Die Aktionen
von Franz Müller werden durch die Zeitungen dokumentiert und die Artikel von Franz Müller
gesammelt.
Im Unterricht:
Franz Müller wäre sicher bereit, mit einer Klasse eine Aktion zu machen, Gespräche zu
führen, in Kontakt zu treten, von seinen Aktionen zu erzählen.
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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Yvan "Lozzi" Pestalozzi
Plastiker/Sculpteur geb. 1937, Lehre als
Möbelschreiner, Weiterbildung vorallem autodidaktisch. Seit 1964 freischaffender Künstler
Kleine filigrane Objekte aus Draht. Ein Gegensatz dazu sind seine zum Teil mehrere Tonnen
schwere Eisenplastiken (Kunst am Bau, z.T. bespielbar auf Kinderspielplätzen),
Wasserspiele,
Seifenblasenmaschinen,
Riesenkugelrollbahnen,
Windplastiken.
Bemerkenswert: Wie der Erfinder Andreas Reinhard (Video "der Traum vom Fliegen") wurde
Yvan Pestalozzi von der deutschen Pneumatikfirma Festo beauftragt, 13 pneumatische
Objekte zu gestalten.
Literatur:
 "Denken wie ein reifer Mensch - sich freuen können wie ein Kind" Lozzi's Bilderbuch zum Schmunzeln,
Nachdenken und Staunen
 Projekt bei Firma Festo dokumentiert in Buch und Video
Dieter Roth
Der Künstler macht die Zeit, die Vergänglichkeit bewusst. Er arbeitet
mit Abfall, klebt Dinge auf Bilder. Im Aargauer Kunsthaus sind einige wichtige Werke von
Dieter Roth: ‚unfertiges Bild‘ und ‚Sonnenuntergang‘. Beim ‚Sonnenuntergang wurde eine
Scheibe Salami zur Hälfte unter ein blaues Blatt geklebt, Fett hat die Unterlage und das Blau
verändert. Schaurig schön, je nach Blickwinkel. Das ‚unfertige Bild‘ ist in rasanter
Pinselführung gemalt, die Atelierszene kommt dadurch auf das Bild, indem Pinsel,
Farbtuben, Schachteln auf das Bild geklebt wurden, aber darin zu verschwinden scheinen.
Im Unterricht
 Zum Thema Zeit und Vergänglichkeit schauen wir einen Katalog von Dieter Roth an
und staunen über die vielfältige Art, wie sich der Künstler sich damit auseinandergesetzt
hat.
Daniel Spoerri
*1930 in Rumänien; Tänzer, Dichter, Regisseur und
Objektkünstler; Nach der Ermordung seines Vaters (er war Jude, seine Mutter Schweizerin)
lebte er bei seinem Onkel Theophil Spoerri in Zürich und nahm den Namen seiner Mutter an;
1949 Tanzausbildung in Zürich und Paris; 1960 Gründungsmitglied der Nouveaux Réalistes,
zu der u.a. Yves Klein, Tinguely und Niki de Saint-Phalle gehören. Im gleichen Jahr
entstehen die ersten plastischen Kunstwerke: Es sind Assemblagen gefundener
Gegenstände. Mit den Fallenbildern (Tableaux-piège) gelangt er zu internationalem Ruhm.
Das Prinzip der Herstellung eines Fallenbildes ist einfach: Vom Zufall auf einem Tischblatt,
einem Stuhl, einer Schachtel versammelter Gegenstände des Alltags, mit Vorliebe die
Überreste einer Mahlzeit mitsamt Geschirr, Besteck, Gläsern und vollen Aschenbechern
werden mit Leim in ihrer Lage fixiert: Das Ensemble wird durch Drehung um 90° zum
Tafelbild, zu einem Realstillleben, komponiert durch den Zufall; 1978 Professur an der
Hochschule für Kunst und Design in Köln; Ende der 60er Jahre: Begründer der Eat Art
(essbare Werke gelangen anlässlich kunstvoll inszenierter Bankette zum Verzehr). Spoerri
lebt in Paris und Seggiano, Italien.
Ideen für den Unterricht
 Fallenbilder. Du suchst dir eine Situation, dokumentierts sie, indem du die Dinge auf
die entsprechende Unterlage fixierst (anbinden, kleben, Doppelklebestreifen.
Literatur (Auswahl)
 Daniel Spoerri. Paris, Centre national d'art et de culture Georges Pompidou, 1990; Kunstmuseum
Solothurn, 1991. Texte: André Kamber (Hrsg.), Hans Saner, Jean-Paul Ameline (et al.). Paris, Solothurn
1990. (Ausstellungskatalog).
Performance-Leitfaden für die Schule, Franziska Dürr und KUVERUM, Zürich 2004
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 Daniel Spoerri. Spendhaus Reutlingen, Städtisches Kunstmuseum, 1985. Texte: Annie Bardon (et al.).
Reutlingen, 1985.
 Daniel Spoerri. Retrospektive. Innsbruck, Galerie Krinzinger; Wien, Modern Art Galerie, 1981. Text: Bazon
Brock. Innsbruck, 1981. (Ausstellungskatalog)
 Zeitschrift "du". Heft 1, 1989.
 Daniel Spoerri als Herausgeber
 Edition MAT (Multiplication d'Art Transformable). Collection 59 (Hrsg. D. S.), Paris, 1959; Collection 64
(Hrsg. D. S. / Karl Gerstner), Köln, 1964, Collection 65 (Hrsg. D. S. / Karl Gerstner), Köln, 1965.
 100 Kochrezepte (und mehr) in 10 Portfolios gross-, um- und abgeschrieben; gekocht und erfunden von
Daniel Spoerri, illustriert von Attersee, Blume, Duwen, Gerstner Hofkunst, Luginbühl, Roth, Schroer,
Schwegler, Topor. Verona, Francesco Conz und D. S. 1985-89.
Cai Guo Qiang
*1957 in China, 1986 Übersiedlung nach Japan, lebt und arbeitet zur Zeit in New York und
Tokio
Zu Cai Guo Qiangs Ingredienzen gehören Schiesspulver, Feuer und Kräutermedizin. Cai
Guo Qiang zählt zu einer Generation chinesischer Künstler, die sich mit der Kultur und
Tradition ihres Landes (wie Feuerwerkstradition oder die Lehre der Akupunktur) beschäftigt
ohne folkloristisch oder exotisch zu sein. Bezugspunkt bleibt die Gegenwart. Bei Cai geht es
um Energietransfer, um kontrollierte und chaotische Vorgänge. Bekannt geworden ist Cai
Guo Qiang mit seinen "Papierzeichnungen", die er mit Schiesspulver herstellt und mit seinen
pyrotechnischen Installationen an der Chinesischen Mauer, wo er mit Hilfe von 100
Mitarbeitern eine 10000 m lange Zündschnur durch die Wüste gelegt und gezündet hat.
Ideen für den Unterricht
 Spur eines Augenblicks: Dochtbilder herstellen: mit Kerzendocht Spuren legen (evtl.
Docht auf ein Holzbrett aufspannen), Docht anzünden, beobachten und beschreiben,
was passiert.
Literatur (Auswahl)
 Chaos. Cai Guo Qiang. Tokyo, 1994. (Ausstellungskatalog)
 Performance. Anxiety. Chicago, 1997. (Ausstellungskatalog)
 Nemiroff, Diana. Crossings. Ottowa 1998. (Ausstellungskatalog)
 Dana Friis-Hansen, Ryuta Imafuku, Ivo Mesquita, et al., TransCulture Exhibition. (Venice, Italy: 46th
Venice Biennial, 1995)
zusammengestellt von
Franziska Dürr Reinhard
Marlen Karlen
in Zusammenarbeit mit Markus Aerni
Cornelia Ackermann
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