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Datum:
Thema:
Referenten:
31. Mai 2006 (Linz), 1. Juni 2006 Ried
Leistungen der modernen Unfallchirurgie
Univ.-Prof. Dr. Oskar Kwasny,
Abteilung für Unfallchirurgie des AKH Linz
Prim. Univ.-Doz. Dr. Ernst Orthner,
Abteilung für Unfallchirurgie des Klinikums Wels
Prim. Univ.-Doz. Dr. Albert Kröpfl, Unfallkrankenhaus Linz
Prim. Univ.-Doz. Dr. Ulf Schmidt,
Abteilung für Unfallchirurgie des Krankenhauses Ried
Prim. Univ.-Doz. Dr. Oskar Kwasny:
Die Bedeutung der Unfallchirurgie für das Gesundheitssystem
Häufige und/oder gefährliche Unfälle bei Freizeit und Sport
In Österreich muss man mit über 800.000 Unfällen und etwa 2.500 Todesfällen nach Unfällen pro Jahr
rechnen. Unfälle im Heim- und Freizeitbereich sowie Sportunfälle stehen hier an erster Stelle. Beim
Alpinschilauf sind Verletzungen des Kniegelenkes mit Meniskus- oder Bänderrisse (vorderes Kreuzband)
häufig. Beim Eislaufen bzw. Skaten stehen Verletzungen des Handgelenks, Ellbogen bzw.
Schulterbereich im Vordergrund.
Bei vielen Sport- und Freizeitaktivitäten beobachtet man durch die teilweise erzielbaren hohen
Geschwindigkeiten (z.B. Radfahren, Schilauf, Reiten) lebensbedrohende Verletzungen z.B. des Gehirns
bzw. Rückenmarks.
Operative Methoden der modernen Unfallchirurgie
Ziel jeder operativen Versorgung ist es, die verletzten Strukturen wiederherzustellen und möglichst eine
lange Ruhigstellung zu vermeiden.
Bei Knochenbrüchen werden hierzu Platten oder Nägel aus Stahl bzw. Titan eingesetzt, die den
gebrochenen Knochen abstützen. Bei Gelenksverletzungen kann heute in vielen Fällen durch
arthroskopische Techniken (Gelenksspiegelung) mit nur sehr kleinen Hautschnitten eine Abtragung von
krankem Gewebe oder auch eine Naht von Sehnen oder Bändern erfolgen.
Vorbeugemaßnahmen (Tragen eines Helms, etc.)
Vorbeugemaßnahmen scheinen bei vielen Aktivitäten sinnvoll, so kann z.B. durch das Tragen eines
Helms das Risiko schwerer Kopfverletzungen nicht nur beim Motorradfahrer sondern auch z.B. beim
Radfahrer und beim Schifahrer deutlich reduziert werden.
Bei anderen Sportarten wie z.B. beim Skaten oder auch dem Snowboarden kann durch entsprechende
Protektoren das Risiko von Gelenksverletzungen im Bereich des Armes deutlich reduziert werden.
Prim. Univ.-Doz. Dr. Ernst Orthner
Die neue Unfallchirurgie– Innovationen für den Patienten
Die Unfallchirurgie darf zu Recht als einer der Wegbereiter der modernen Medizin am Bewegungsapparat
betrachtet werden. Durch die ständigen Herausforderungen im beruflichen Alltag bei der Betreuung
Schwerstverletzter sind Unfallchirurgen auch ständig auf der Suche nach innovativen Lösungen, welche
die Behandlungsdauer verkürzen, die Nachbehandlung beschleunigen und den Patienten rascher
beruflich, wie auch sportlich reintegrieren.
Einige Beispiele:
So galt vor gar nicht allzu langer Zeit ein sog. „Schenkelhalsbruch“ beim älteren Patienten fast als
Todesurteil – der Patient wurde ins Streckbett gelegt und die oftmals unausweichliche Lungenentzündung
war der Anfang vom Ende.
Heute wird in Zusammenarbeit mit Anästhesisten und Intensivmedizinern so schnell als möglich operiert –
durch die Stabilisierung selbst kompliziertester Knochenbrüche mit hochmodernen Titanimplantaten ist
eine Belastung des verletzten Beines unmittelbar postoperativ möglich, die gefährliche Liegezeit für den
Patienten damit extrem verkürzt und dadurch das Überleben in den allermeisten Fällen gesichert.
Eine ganz besondere Herausforderung der letzten Jahre stellt das zunehmende Älterwerden der
Bevölkerung dar – durch den natürlichen Knochenabbau wird der Knochen allerdings dann nicht nur
brüchiger, sondern es finden Schrauben oder andere Implantate darin auch weniger Halt. Gerade um
diese Probleme erfolgreich lösen zu können, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Lösungsansätze
entwickelt – eine der vielversprechendsten sind dabei sog. winkelstabile Implantate. Bei diesen wird im
gebrochenen Knochen eine starre, individuell anpasste Metallplatte mit Schrauben fixiert – durch die
großflächige, starre Verbindung zwischen Implantat und Knochen ist es selbst bei extrem brüchigen
„Glasknochen“ noch möglich, ausreichend Stabilität für die Knochenbruchheilung zu erreichen. Diese
Techniken haben an praktisch allen unfallchirurgischen Abteilungen in kurzer Zeit Einzug gehalten.
Anhand der Beispiele von Schrauben und Platten soll im Rahmen der Minimed-Präsentation gezeigt
werden, dass gerade bei einem derart landläufigen Produkt enorme Verbesserungen erzielt werden
konnten.
Auch beim Material selbst kam es in den letzten Jahren zu einer wesentlichen Verbesserung. So wurde
der Tatsache dass etwa 10% der Bevölkerung eine Hautallergie gegen Nickel besitzt, ganz bewusst
Rechnung getragen und die meisten unfallchirurgischen Implantate werden inzwischen aus Titan
hergestellt, die Verträglichkeit dadurch deutlich gesteigert. Spezielle mit Wirksubstanzen wie Antibiotika
oder Biphosphonaten beschichtete Implantate sind in Entwicklung und werden wohl in den nächsten
Jahren in den medizinischen Alltag eingeführt werden.
Entscheidende Fortschritte der modernen und innovativen Fusschirurgie bzw. deren Umsetzung mittels
hightech - Implantaten sind österreichische Entwicklungen, welche inzwischen weltweit verwendet
werden. Hier sind Möglichkeiten der Wiederherstellung gegeben, die bis vor wenigen Jahren kaum
vorstellbar waren. So beeindruckend diese Möglichkeiten sind, stellen sie doch an den Chirurgen eine
Herausforderung dar und verlangen eine ständige Fort- und Weiterbildung – die Bereitschaft der
Unfallchirurgen, innovative Konzepte zu übernehmen und in kurzer Zeit in die Praxis umzusetzen ist die
ideale Basis für die medizinische Versorgung aller Probleme des Bewegungsapparates auf höchstem
Niveau.
All diese Entwicklungen haben ganz besonders in Oberösterreich eine flächendeckende Verbreitung
gefunden und stehen der gesamten Bevölkerung 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr zur Verfügung.
Prim. Univ.-Doz. Dr. Albert Kröpfl: „Häufige Knochenbrüche im höheren Lebensalter“
Bedingt durch die Abnahme der Knochendichte kommt es im höheren Lebensalter bei Unfällen bereits bei
geringeren Gewalteinwirkungen zum Auftreten von Knochenbrüchen.
Sie selbst können zu Ihrer Sicherheit beitragen – so vermeiden Sie Stürze und Knochenbrüche:
Lassen Sie Augen und Gehör sowie Brille und Hörgerät regelmäßig überprüfen!
Benutzen Sie rechtzeitig Gehhilfen wie Gehstöcke oder einen Rollator.
Verwenden Sie (auch zu Hause) die Ihnen verordneten Hilfsmittel. Diese reduzieren bei einem Sturz das
Risiko von Hüft- und Oberschenkelhalsbrüchen um bis zu 60%!
Lassen Sie Ihr Osteoporoserisiko testen und sich von Ihrem Arzt beraten, was Sie zur Stärkung Ihrer
Knochen tun können.
Achten Sie auf den korrekten Umgang mit Medikamenten.
Überprüfen Sie Ihre Wohnung auf Stolpersteine und Sturzfallen (z.B. Teppichkanten, lose Kabel).
Lassen Sie sich beim Aufstehen bewusst Zeit (Kreislauf!).
Vermeiden Sie rasche Richtungswechsel (Schwindel!).
Trainieren Sie! Gleichgewichtstraining einerseits und leichtes, sanftes Krafttraining andererseits erhöhen
Ihre Standfestigkeit in kritischen Situationen.
Setzen Sie auch für kurze Wege Ihre Brille auf und benutzen Sie Ihr Hörgerät.
Legen Sie immer eine Ersatzbrille an einen fixen Platz neben Ihr Bett.
Schalten Sie nachts am Weg zur Toilette in allen Durchgangsräumen das Licht an.
Benutzen Sie ein übersichtliches Mobiltelefon, das Sie in einer kleinen Tasche mit sich führen. Legen Sie
das Telefon nachts immer gut erreichbar neben Ihr Bett.
Benutzen Sie Handläufe und Geländer beim Treppensteigen.
Bringen Sie rutschfeste Badematten in Badewanne oder Dusche sowie Haltegriffe im Bad an.
Wischen Sie immer sofort auf, wenn Sie etwas verschütten.
Vermeiden Sie es, auf wischfeuchtem Boden zu gehen!
Tragen Sie sichere, rutschfeste Hausschuhe oder Socken mit rutschfester Sohle.
Überfordern Sie sich nicht! Nehmen Sie bei anstrengenden Hausarbeiten Hilfe in Anspruch, z.B. beim
Fensterputzen.
Verwenden Sie TÜV-geprüfte Haushaltsartikel (Trittleiter, etc.).
Prim. Univ.-Doz. Dr. Ulf Schmidt:
„Wieder schmerzfrei durchs Leben“ – neue und schonende Verfahren bei
Wirbelsäulenoperationen.
Unfallursachen von Wirbelsäulenverletzungen:
Wirbelsäulenverletzungen treten in jedem Lebensalter auf. Unter Einschluss der durch die Volkskrankheit
„Osteoporose“ bedingten spontanen Wirbelbrüche ist der Wirbelkörperbruch der häufigste Bruch
überhaupt. Nicht nur die drohende Rückenmarkslähmung bei instabilen Wirbelbrüchen, sondern auch der
Wirbelbruch mit vorhersehbaren schweren bleibenden Schmerzzuständen ist durch eine stabilisierende
Wirbelsäulenoperationen rechtzeitig zu behandeln.
Dabei stehen dem Unfallchirurgen heute viel schonendere, nur noch wenig „invasive“
Operationsmethoden zur Verfügung.
Bei den Erwachsenen stehen Freizeitunfälle im Vordergrund, z.B. Stürze beim Schi fahren, oder der
Motorsport. Freizeitaktivitäten, insbesondere Arbeiten auf einem Baum, führen saisonbedingt weiter zu
einer Häufung von Wirbelsäulenverletzungen. Bei älteren Patienten, insbesondere bei Patienten mit der
Volkskrankheit „Osteoporose“, reichen bereits einfache Stürze aus, um ausgeprägte Berstungsbrüche im
Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule auszulösen.
Zu den häufigsten Knochenbrüchen im höheren Lebensalter gehört zweifelsfrei der Wirbelbruch bei
Osteoporose. In der EU wird derzeit die Zahl an Menschen, die an Wirbelbrüchen bei Osteoporose leiden,
auf 24 Millionen geschätzt. Hochrechnungen für das Jahr 2050 liegen bei knapp 40 Millionen Menschen,
die unter derartigen schmerzhaften Brüchen leiden.
Aktuelle Behandlungsmethoden der modernen Unfallchirurgie:
Die so genannten wenig invasiven, operativen Verfahren haben auch in der Wirbelsäulenchirurgie Einzug
gehalten. Bei Erwachsenen können heute schwere Wirbelsäulenverletzungen bereits durch die
Schlüssellochchirurgie größtenteils versorgt werden, d.h., es sind nur noch Hautschnitte von wenigen
Zentimetern notwendig.
Die sog. thoracoskopischen Wirbelsäulenoperationen im Brust- und Lendenwirbelsäulenbereich bei
Erwachsenen benötigen nur noch einen Hautschnitt von 4 bis 5 cm, um die Wirbelsäule mit Implantaten
zu stabilisieren.
Vorbeugemaßnahmen:
Bei älteren Patienten ist die zeitgerechte Erkennung bzw. die Therapie der Osteoporose
entscheidend. Knochendichtemessungen sollten heute bei allen Patienten frühzeitig durchgeführt werden.
Mittlerweile werden in der Unfallchirurgie alle Patienten, die „alterstypische Verletzungen“ erleiden
(Handgelenksbruch, körpernaher Oberschenkelbruch, Schenkelhalsbruch, Wirbelbruch), einem
Osteoporosescreening unterzogen. Die Osteoporoseprophylaxe bzw. Therapie hat hier einen
entscheidenen Stellenwert.
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