Inhalt - beim Niederösterreichischen Landtag

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Sitzungsbericht
49. Sitzung der Tagung 2006/07 der XVI. Gesetzgebungsperiode
des Landtages von Niederösterreich
Donnerstag, den 28. Juni 2007
Inhalt:
1.
Eröffnung durch Präsident Mag. Freibauer
(Seite 866).
2.
Mitteilung des Einlaufes sowie Bekanntgabe
der Zusammensetzung in den Ausschüssen
(Seiten 866, 868).
3.1.
3.2.
3.3.
3.4.
Volksbefragungsgesetzes (NÖ IEVG).
Berichterstatter: Abg. Mag. Motz (Seite
870).
3.5.
Ltg. 921-1/A-1/82: Antrag des Rechts- und
Verfassungs-Ausschusses über den Antrag
gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Weninger u.a. betreffend Änderung der NÖ Landesverfassung 1979 –
Wahlrechtspaket.
Berichterstatter: Abg. Ing. Rennhofer (Seite
869).
Ltg. 924-1/A-1/85: Antrag des Rechts- und
Verfassungsausschusses über den Antrag
gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Weninger u.a. betreffend Änderung der NÖ Landtagswahlordnung 1992 Wahlrechtspaket.
Berichterstatter: Abg. Ing. Rennhofer (Seite
870).
Ltg. 925-1/A-1/86: Antrag des Rechts- und
Verfassungsausschusses über den Antrag
gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Weninger u.a. betreffend Änderung der NÖ Gemeinderatswahlordnung
1994 - Wahlrechtspaket.
Berichterstatter: Abg. Mag. Motz (Seite
870).
Ltg. 922-1/A-1/83: Antrag des Rechts- und
Verfassungsausschusses über den Antrag
gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Weninger u.a. betreffend Änderung des NÖ Landesbürgerevidenzengesetzes.
Berichterstatter: Abg. Ing. Rennhofer (Seite
870).
Redner zu 3.1. – 3.5.: Abg. Waldhäusl (Seite
871), Abg. Mag. Renner (Seite 872), Abg.
MMag. Dr. Petrovic (Seite 872), Abg.
Thumpser (Seite 875), Abg. Mag. Schneeberger (Seite 875), Abg. Mag. Fasan
(Seite 876).
Abstimmung (Seite 877).
(alle Geschäftsstücke einstimmig angenommen.)
4.1.
Ltg. 917/A-1/81: Antrag des Rechts- und Verfassungsausschusses zum Antrag mit Gesetzentwurf der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a. betreffend Änderung des NÖ Jugendgesetzes.
Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing (Seite
877).
4.2.
Ltg. 873/A-2/33: Antrag des Rechts- und Verfassungsausschusses zum Antrag mit Gesetzentwurf der Abgeordneten Weninger u.a.
betreffend Änderung des Polizeistrafgesetzes.
Berichterstatter: Abg. Mag. Motz (Seite
877).
Redner zu 4.1. – 4.2.: Abg. Waldhäusl (Seite
Ltg. 923-1/A-1/84: Antrag des Rechts- und
Verfassungsausschusses über den Antrag
gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Weninger u.a. betreffend Änderung des NÖ Initiativ-, Einspruchs- und
863
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
878), Abg. Mag. Ram (Seite 880), Abg.
Weiderbauer mit Antrag betreffend Zurückverweisung an den Ausschuss (Seite 881),
Abg. Rosenmaier (Seite 884), Abg. Maier mit
Resolutionsantrag betreffend Maßnahmen
zur Einschränkung des Konsums von gebrannten alkoholischen Getränken für junge
Menschen bis zum 18. Lebensjahr – Einheitliche Vorgehensweise der Bundesländer in
der Ostregion (Seite 885).
Abstimmung (Seite 888).
(Antrag Abg. Weiderbauer abgelehnt: Zustimmung Grüne, Ablehnung ÖVP, SPÖ,
FPÖ, Abg. Mag. Ram;
Ltg. 917/A-1/81 und Ltg. 873/A-2/33 mehrheitlich angenommen: Zustimmung ÖVP,
SPÖ, Grüne, Abg. Mag. Ram, Ablehnung
FPÖ;
Resolutionsantrag Abg. Maier mehrheitlich
angenommen: Zustimmung ÖVP, SPÖ,
Grüne, Abg. Mag. Ram, Ablehnung FPÖ.)
5.
6.
Ltg. 918/R-3/1: Antrag des Bau-Ausschusses
zur Vorlage der Landesregierung betreffend
Änderung des NÖ Raumordnungsgesetzes
1976 und
Ltg. 918-1/R-3/1: Antrag mit Gesetzentwurf
gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten
Dipl.-Ing. Eigner, Jahrmann u.a. betreffend
Änderung der NÖ Bauordnung 1996.
Berichterstatter: Abg. Mag. Heuras (Seite
888).
Redner: Abg. Waldhäusl (Seite 888), Abg.
Mag. Ram (Seite 888), Abg. Dr. KrismerHuber (Seite 889), Abg. Grandl (Seite 890),
Abg. Jahrmann mit Resolutionsantrag
betreffend Geruchsemissionswertfestlegung
für landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung (Seite 893), Abg. Mag. Fasan (Seite
895), Abg. Waldhäusl (Seite 897), Abg. Dipl.Ing. Toms (Seite 897), Abg. Jahrmann (Seite
899), Abg. Mag. Fasan (Seite 900), Abg.
Mag. Renner (Seite 900), Abg. Grandl (Seite
900), Abg. Mag. Fasan (Seite 901).
Abstimmung (Seite 901).
(Ltg. 918/R-3/1 und Ltg. 918-1/R-3/1 mehrheitlich angenommen: Zustimmung ÖVP,
SPÖ, Abg. Mag. Ram, Ablehnung Grüne,
FPÖ;
Resolutionsantrag Abg. Jahrmann abgelehnt:
Zustimmung SPÖ, Grüne, Ablehnung ÖVP,
FPÖ, Abg. Mag. Ram.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Berichterstatter: Abg. Dipl.-Ing. Toms (Seite
901).
Redner: Abg. Waldhäusl mit Resolutionsantrag
betreffend
Nichtzustimmung
zur
Schengen-Erweiterung (Seite 902), Abg.
MMag. Dr. Petrovic (Seite 904), Abg. Findeis
(Seite 905), Abg. Mag. Wilfing mit Resolutionsantrag betreffend Verlängerung des
Assistenzeinsatzes des Österreichischen
Bundesheeres zur Grenzüberwachung (Seite
906).
Abstimmung (Seite 908).
(Ltg. 890/A-1/79 mehrheitlich angenommen:
Zustimmung ÖVP, SPÖ, Grüne, Abg. Mag.
Ram, Ablehnung FPÖ;
Resolutionsantrag Abg. Mag. Wilfing mehrheitlich angenommen: Zustimmung ÖVP,
SPÖ, FPÖ, Abg. Mag. Ram, Ablehnung
Grüne. )
7.1.
Ltg. 903/R-1/4: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zum Bericht der Landesregierung
betreffend
Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich für das
Jahr 2006.
Berichterstatter: Abg. Herzig (Seite 908).
7.2.
Ltg. 884/B-33/4: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zum Bericht der Landesregierung betreffend NÖ Gemeindeförderungsbericht 2006.
Berichterstatterin: Abg. Mag. Kögler (Seite
909).
Redner zu 7.1. – 7.2.: Abg. Waldhäusl (Seite
909), Abg. Rosenmaier (Seite 911), Abg.
Doppler mit Resolutionsantrag betreffend politische Bildung und mit Resolutionsantrag
Umbenennung der „Sonderschule“ in „Förderschule“ und Abschaffung diskriminierender Bezeichnungen im Bereich der Sonderpädagogik (Seite 912), Abg. Mag. Fasan
(Seite 914), Abg. Vladyka mit Resolutionsantrag betreffend Aufhebung der Regressansprüche und Vermögensobergrenze bei Pflegebedürftigen in stationärer Pflege und
Schaffung einer Pflegeversicherung (Seite
918), Abg. Hinterholzer mit Resolutionsantrag betreffend Erstellung eines umfassenden NÖ Sozialberichtes (Seite 919), Abg. Dr.
Krismer-Huber mit Resolutionsantrag betreffend zusätzliche Mittel für die Feuerwehren
(Seite 921), Abg. Dworak (Seite 924), Abg.
Moser (Seite 926), Abg. Vladyka (Seite 928),
Abg. Hinterholzer mit Resolutionsantrag
betreffend Einsatz der eigenen Mittel im Bereich der stationären Pflege (Seite 929), Abg.
Waldhäusl (Seite 930), Abg. Cerwenka (Seite
Ltg. 890/A-1/79: Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses zum Antrag der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Findeis u.a.
betreffend Fall der Schengengrenze mit
1.1.2008.
864
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
931).
Abstimmung (Seite 933).
(Ltg. 903/R-1/4 mehrheitlich angenommen:
Zustimmung ÖVP, SPÖ, Abg. Mag. Ram;
Ablehnung Grüne, FPÖ;
Ltg. 884/B-33/4 einstimmig angenommen;
Resolutionsantrag Abg. Doppler betreffend
politische Bildung einstimmig angenommen;
Resolutionsantrag Abg. Doppler betreffend
Umbennenung der "Sonderschule" mehrheitlich angenommen: Zustimmung ÖVP, Dr.
Petrovic, Mag. Fasan, FPÖ, Mag. Ram,
Ablehnung SPÖ, Dr. Krismer-Huber, Weiderbauer;
Resolutionsantrag Abg. Vladyka abgelehnt:
Zustimmung SPÖ; Grüne, FPÖ, Abg. Mag.
Ram, Ablehnung ÖVP;
Resolutionsantrag Hinterholzer betreffend
Erstellung eines umfassenden NÖ Sozialberichtes einstimmig angenommen;
Resolutionsantrag Hinterholzer betreffend
Einsatz der eigenen Mittel im Bereich der
stationären Pflege mehrheitlich angenommen: Zustimmung ÖVP, Grüne, FPÖ, Ablehnung SPÖ, Mag. Ram;
Resolutionsantrag Dr. Krismer-Huber einstimmig angenommen.)
8.1.
8.2.
8.3.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
(alle Geschäftsstücke mehrheitlich angenommen: Zustimmung ÖVP, SPÖ, Abg. Mag.
Ram, Ablehnung Grüne.)
9.
Ltg. 906/H-2/3: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zur Vorlage der Landesregierung betreffend Ausstellung Hainburg 2007; Übernahme einer Landeshaftung.
Berichterstatter: Abg. Hensler (Seite 947).
Abstimmung (Seite 947).
(einstimmig angenommen.)
10.
Ltg. 907/L-24: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zur Vorlage der Landesregierung betreffend NÖ Landschaftsabgabegesetz 2007.
Berichterstatter: Abg. Dr. Prober (Seite
947).
Redner: Abg. Mag. Fasan (Seite 947), Abg.
Razborcan (Seite 949), Abg. Hinterholzer
(Seite 949).
Abstimmung (Seite 950).
(einstimmig angenommen.)
11.
Ltg. 910/S-5/41: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zur Vorlage der Landesregierung betreffend Landespflegeheim
Gänserndorf, Zu- und Umbau Abschnitt 2
(Betreuungsstation und Sanierung im Bestand).
Berichterstatter: Abg. Herzig (Seite 950).
Abstimmung (Seite 951).
(einstimmig angenommen.)
12.
Ltg. 911/S-5/42: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zur Vorlage der Landesregierung
betreffend
Landespflegeheim Retz, Neubau.
Berichterstatter: Abg. Maier (Seite 951).
Abstimmung (Seite 951)
(einstimmig angenommen.)
13.
Ltg. 902/B-43/4: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zum Bericht der Landesregierung betreffend EU-Bericht 2006 Bericht über die finanziellen Auswirkungen
des EU-Beitrittes für das Jahr 2006.
Berichterstatter: Abg. Herzig (Seite 934).
Ltg. 912/H-11/29: Antrag des Wirtschaftsund Finanz-Ausschusses zur Vorlage der
Landesregierung betreffend Landesklinikum
Thermenregion Baden Mödling, Neubau.
Berichterstatter: Abg. Ing. Gratzer (Seite
952).
Redner: Abg. Dr. Krismer-Huber (Seite 952),
Abg. Kernstock (Seite 953), Abg. Hintner
(Seite 954).
Abstimmung (Seite 956).
(einstimmig angenommen.)
Redner zu 8.1. – 8.3.: Abg. Waldhäusl (Seite
934), Abg. Mag. Fasan (Seite 936), Abg.
Mag. Stiowicek (Seite 938), Abg. Dr.
Krismer-Huber (Seite 941), Abg. Mag. Motz
(Seite 942), Abg. Moser (Seite 943).
Abstimmung (Seite 946).
14.1. Ltg. 913/J-1/2: Antrag des LandwirtschaftsAusschusses zur Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Jagdgesetzes 1974.
Berichterstatter: Abg. Ing. Haller (Seite
956).
Ltg. 885/B-32/4: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zum Bericht der Landesregierung über die Landesentwicklung in
den Bereichen Landeshauptstadt, Regionalisierung und Dezentralisierung sowie über die
Tätigkeit der NÖ Landes-Beteiligungsholding GmbH 2006/2007.
Berichterstatter: Abg. Friewald (Seite 933).
Ltg. 886/B-38/4: Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses zum Bericht der Landesregierung betreffend Darstellung der
Leasingverbindlichkeiten und Schuldeinlösungen des Landes sowie Darlehensaufnahmen der Fonds 2006.
Berichterstatter: Abg. Friewald (Seite 933).
865
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
14.2. Ltg. 914/L-37: Antrag des LandwirtschaftsAusschusses zur Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des Gesetzes über
die Beeidigung und äußere Kennzeichnung
der öffentlichen Landeskulturwachen.
Berichterstatter: Abg. Ing. Haller (Seite
957).
Redner zu 14.1. – 14.2.: Abg. Mag. Motz
(Seite 957), Abg. MMag. Dr. Petrovic mit Resolutionsantrag Alkoholverbot bei der Jagdausübung (Seite 958), Abg. Ebner mit Resolutionsantrag betreffend Aufhebung des NÖ
Kulturwachengesetzes (Seite 960), Abg. Ing.
Pum (Seite 961).
Abstimmung (Seite 962).
(Ltg. 913/J-1/2 mehrheitlich angenommen:
Zustimmung ÖVP, SPÖ, Abg. Mag. Ram,
Ablehnung Grüne;
Ltg. 914/L-37 einstimmig angenommen;
Resolutionsantrag Abg. MMag. Dr. Petrovic
abgelehnt: Zustimmung Grüne, Ablehnung
ÖVP, SPÖ, Abg. Mag. Ram;
Resolutionsantrag Abg. Ebner abgelehnt:
Zustimmung SPÖ, Grüne, Abg. Mag. Ram,
Ablehnung ÖVP.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
15.
Ltg. 915/N-1: Antrag des Umwelt-Ausschusses zur Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Naturschutzgesetzes 2000.
Berichterstatter: Abg. Findeis (Seite 962).
Redner: Abg. Mag. Fasan (Seite 962), Abg.
Mag. Leichtfried (Seite 963), Abg. Hensler
(Seite 963).
Abstimmung (Seite 964).
(einstimmig angenommen.)
16.
Ltg. 835/A-2/31: Antrag des Sozial-Ausschusses zum Antrag der Abgeordneten
Vladyka u.a. betreffend NÖ Schulstarthilfe.
Berichterstatter: Abg. Razborcan (Seite
964).
Redner: Abg. Mag. Ram (Seite 964), Abg.
Weiderbauer (Seite 964), Abg. Vladyka
(Seite 965), Abg. Adensamer (Seite 966).
Abstimmung (Seite 966).
(mehrheitlich angenommen: Zustimmung
ÖVP, Ablehnung SPÖ, Grüne, Abg. Mag.
Ram.)
17.
Schlussworte Präs. Mag. Freibauer, Abg.
Herzig (Seiten 966, 967).
***
Präsident Mag. Freibauer (um 13.00 Uhr):
Hoher Landtag! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Ich eröffne die Sitzung. Von der heutigen
Sitzung haben sich entschuldigt Herr Präsident
Sacher bis zirka 15.00 Uhr, Frau Landeshauptmannstellvertreterin Onodi ab 17.00 Uhr. Und Herr
Abgeordneter Franz Gartner. Die Beschlussfähigkeit ist hiermit gegeben. Das Protokoll der letzten
Sitzung ist geschäftsordnungsmäßig aufgelegen.
Es ist unbeanstandet geblieben und demnach als
genehmigt zu betrachten.
Heute sind noch eingelangt die Anfrage Ltg.
933/A-5/199, Anfrage des Abgeordneten Weiderbauer an Landesrätin Mag. Mikl-Leitner betreffend
Vollziehung des NÖ Jugendgesetzes.
Und weiters sind eingelangt Anfragebeantwortungen von Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll
zu Ltg. 883/A-4/201, zu Ltg. 904/A-4/206, zu Ltg.
909/A-4/209, zu Ltg. 920/A-4/210 und zu Ltg.
930/A-4/214.
Einlauf:
Hinsichtlich der seit der letzten Sitzung bis zum
Ablauf des gestrigen Tages eingelaufenen Verhandlungsgegenstände, deren Zuweisung an die
Ausschüsse, der Weiterleitung von Anfragen und
der eingelangten Anfragebeantwortungen verweise
ich auf die elektronische Bekanntmachung der Mitteilung des Einlaufes. Diese wird in den Sitzungsbericht der heutigen Landtagssitzung aufgenommen.
Ich teile weiters mit, dass das Geschäftsstück
Ltg. 865/E-1/15, NÖ Polizeistrafgesetz, Änderung,
Eingabe der Statutarstadt Wr. Neustadt im Rechtsund Verfassungs-Ausschuss am 21. Juni 2007
erledigt wurde.
Ltg. 910/S-5/41 -
Vorlage der Landesregierung
vom 12.6.2007 betreffend Landespflegeheim Gänserndorf, Zuund Umbau Abschnitt 2 (Betreuungsstation und Sanierung im
Bestand) – wurde am 14.6.2007
dem Wirtschafts- und FinanzAusschuss zugewiesen und
steht auf der Tagesordnung.
Ltg. 911/S-5/42 -
Vorlage der Landesregierung
vom 12.6.2007 betreffend Landespflegeheim Retz, Neubau –
wurde am 14.6.2007 dem Wirt-
866
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
schafts- und Finanz-Ausschuss
zugewiesen und steht auf der
Tagesordnung.
Ltg. 912/H-11/29 - Vorlage der Landesregierung
vom 12.6.2007 betreffend Landesklinikum
Thermenregion
Baden, Mödling, Neubau –
wurde am 14.6.2007 dem Wirtschafts- und Finanz-Ausschuss
zugewiesen und steht auf der
Tagesordnung.
Ltg. 913/J-1/2 -
Ltg. 914/L-37 -
Vorlage der Landesregierung
vom 12.6.2007 betreffend Änderung des NÖ Jagdgesetzes
1974 – wurde am 14.6.2007
dem Landwirtschafts-Ausschuss
zugewiesen und steht auf der
Tagesordnung.
Vorlage der Landesregierung
vom 12.6.2007 betreffend Änderung des Gesetzes über die Beeidigung und äußere Kennzeichnung der öffentlichen Landeskulturwachen – wurde am
14.6.2007 dem LandwirtschaftsAusschuss zugewiesen und
steht auf der Tagesordnung.
Ltg. 915/N-1 -
Vorlage der Landesregierung
vom 12.6.2007 betreffend Änderung des NÖ Naturschutzgesetzes 2000 – wurde am
14.6.2007 dem Umwelt-Ausschuss zugewiesen und steht
auf der Tagesordnung.
Ltg. 916/A-1/80 -
Antrag der Abgeordneten Mag.
Schneeberger u.a. betreffend
Obergrenze für die Anzahl der
Tiere in der privaten Tierhaltung
im Tierschutzgesetz und gesetzliche Maßnahmen gegen
das Überhandnehmen der Haltung von exotischen Tieren in
privaten Haushalten – wird dem
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss zugewiesen.
Ltg. 917/A-1/81 -
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Ltg. 918/R-3/1 -
Vorlage der Landesregierung
vom 19.6.2007 betreffend Änderung des NÖ Raumordnungsgesetzes 1976 – wurde am
19.6.2007 dem Rechts- und
Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht auf der Tagesordnung.
Ltg. 919/St-10 -
Vorlage der Landesregierung
vom 19.6.2007 betreffend NÖ
Statistikgesetz 2007 – wurde am
19.6.2007 dem Rechts- und
Verfassungs-Ausschuss zugewiesen.
Ltg. 921/A-1/82 -
Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a. betreffend
Änderung der NÖ Landesverfassung 1979, Wahlrechtspaket
– wurde mit 21.6.2007 dem
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht
auf der Tagesordnung.
Ltg. 922/A-1/83 -
Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a. betreffend
Änderung des NÖ Landesbürgerevidenzengesetzes – wurde
mit 21.6.2007 dem Rechts- und
Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht auf der Tagesordnung.
Ltg. 923/A-1/84 -
Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a. betreffend
Änderung des NÖ Initiativ-, Einspruchs- und Volksbefragungsgesetzes (NÖ IEVG) – wurde
mit 21.6.2007 dem Rechts- und
Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht auf der Tagesordnung.
Ltg. 924/A-1/85 -
Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a. betreffend
Änderung der NÖ Landtagswahlordnung 1992 - Wahlrechtspaket
–
wurde
mit
21.6.2007 dem Rechts- und
Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht auf der Tagesordnung.
Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a. betreffend Änderung
des NÖ Jugendgesetzes –
wurde am 19.6.2007 dem
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht
auf der Tagesordnung.
867
Landtag von Niederösterreich
Ltg. 925/A-1/86 -
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a. betreffend
Änderung der NÖ Gemeinderatswahlordnung 1994 – Wahlrechtspaket
–
wurde
mit
21.6.2007 dem Rechts- und
Verfassungs-Ausschuss zugewiesen und steht auf der Tagesordnung.
Ltg. 926/A-4/211 - Anfrage
des
Abgeordneten
Cerwenka an Landeshauptmann
Dr. Pröll betreffend Verkehrslösung an der B 19 im Bereich
Langenrohr – Tulln.
Ltg. 928/B-15/4 -
Bericht der Landesregierung
vom 19.6.2007 betreffend NÖ
Jahresumweltbericht 2006 –
wird dem Umwelt-Ausschuss
zugewiesen.
Ltg. 929/A-4/213 - Anfrage
der
Abgeordneten
Kernstock und Mag. Stiowicek
an Landeshauptmann Dr. Pröll
betreffend Zukunft der Mariazellerbahn.
Ltg. 931/B-8/4 -
Bericht der Landesregierung
vom 26.7.2007 betreffend NÖ
Wirtschafts- und Tourismusfonds,
Niederösterreich-Werbung GmbH - Jahresbericht
2006 – wird dem Wirtschaftsund Finanz-Ausschuss zugewiesen.
Ltg. 932/B-2/13 -
Bericht des Rechnungshofes
vom Juni 2007 über die Reform
der Beamtenpensionssysteme
des Bundes sowie der Länder
Burgenland,
Niederösterreich
und Salzburg (Reihe Niederösterreich 2007/8) – wird dem
Rechnungshof-Ausschuss zugewiesen.
Anfragen:
Ltg. 908/A-4/208 - Anfrage der Abgeordneten Dr.
Krismer-Huber an Landeshauptmannstellvertreterin Onodi betreffend mangelnde Umsetzung
von Empfehlungen des Rechnungshofes.
Ltg. 909/A-4/209 - Anfrage
der
Abgeordneten
MMag. Dr. Petrovic an Landeshauptmann Dr. Pröll betreffend
Sitzung der NÖ Landesregierung vom 12.06.2007.
Ltg. 920/A-4/210 - Anfrage
der
Abgeordneten
MMag. Dr. Petrovic an Landeshauptmann Dr. Pröll betreffend
Sitzung der NÖ Landesregierung vom 19.06.2007.
Ltg. 927/A-4/212 - Anfrage des Abgeordneten Mag.
Fasan an Landeshauptmann Dr.
Pröll betreffend Energieverbrauch im Landhaus.
Ltg. 930/A-4/214 - Anfrage
der
Abgeordneten
MMag. Dr. Petrovic an Landeshauptmann Dr. Pröll betreffend
Sitzung der NÖ Landesregierung vom 26.06.2007.
Anfragebeantwortungen zu Ltg. 866/A-4/196 –
von Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll; zu Ltg.
872/A-4/198 – von Herrn Landeshauptmannstellvertreter Gabmann; zu Ltg. 874/A-5/188 – von
Herrn Landesrat Mag. Sobotka; zu Ltg. 875/A-4/199
– von Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll; zu Ltg.
876/A-5/189 – von Herrn Landesrat Mag. Sobotka;
zu Ltg. 888/A-5/192 – von Frau Landesrätin
Kadenbach; zu Ltg. 895-A-5/194 – von Frau Landesrätin Dr. Bohuslav; zu Ltg. 896-A/-5/195 – von
Frau Landesrätin Kadenbach; zu Ltg. 898/A-5/196
– von Herrn Landesrat Schabl; zu Ltg. 901/A-4/205
– von Frau Landeshauptmannstellvertreterin Onodi.
Mit Schreiben, eingelangt in der Landtagsdirektion am 14. Juni 2007 gibt der Landtagsklub der
Volkspartei Niederösterreich bekannt, dass Frau
Landtagsabgeordnete Marianne Lembacher anstelle von Herrn Landtagsabgeordneten a.D. Ignaz
Hofmacher als Schriftführerin nominiert wird. Weiters werden seitens des Landtagsklubs der Volkspartei Niederösterreich folgende Änderungen von
Mitgliedern und Ersatzmitgliedern in den LandtagsAusschüssen bekannt gegeben:
Im Bau-Ausschuss: Landtagsabgeordneter Ing.
Andreas Pum anstelle von Landtagsabgeordneten
a.D. Ignaz Hofmacher als Ersatzmitglied.
Gesundheits-Ausschuss:
Landtagsabgeordneter Ing. Hermann Haller anstelle von Landtagsabgeordneten a.D. Ignaz Hofmacher als Mitglied.
Landtagsabgeordneter Ing. Andreas Pum anstelle
von Landtagsabgeordneten Hermann Haller als
Ersatzmitglied.
868
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Kommunal-Ausschuss: Landtagsabgeordneter
Karl Honeder anstelle von Landtagsabgeordneten
a.D. Ignaz Hofmacher als Mitglied. Landtagsabgeordneter Ing. Andreas Pum anstelle von Landtagsabgeordneten Karl Honeder als Ersatzmitglied.
Landwirtschafts-Ausschuss:
Landtagsabgeordneter Franz Grandl anstelle von Landtagsabgeordneten a.D. Ignaz Hofmacher als Mitglied. Landtagsabgeordneter Ing. Andreas Pum anstelle von
Landtagsabgeordneten Franz Grandl als Ersatzmitglied.
Umwelt-Ausschuss:
Landtagsabgeordneter
Ing. Andreas Pum anstelle von Landtagsabgeordneten Karl Honeder als Mitglied. Landtagsabgeordneter Karl Honeder anstelle von Landtagsabgeordneten a.D. Ignaz Hofmacher als Ersatzmitglied.
Verkehrs-Ausschuss: Landtagsabgeordneter
Ing. Andreas Pum anstelle von Landtagsabgeordneten a.D. Ignaz Hofmacher als Ersatzmitglied.
Wie bereits bei der Einladung zur heutigen Sitzung mitgeteilt, setze ich das Geschäftsstück Ltg.
918/R-3/1, Vorlage der Landesregierung betreffend
Änderung des NÖ Raumordnungsgesetzes 1976
nach Beschlussfassung im Bau-Ausschuss am 26.
Juni 2007 auf die heutige Tagesordnung. Und zwar
als neuen Tagesordnungspunkt Nr. 9.
Für die heutige Sitzung wurde gemäß dem
Redezeitmodell des NÖ Landtages vom 15. Mai
2003 in der Fassung vom 18. Mai 2006 folgende
Kontingentierung zwischen den Vertretern der
Klubs, Fraktionen bzw. Abgeordneten einvernehmlich festgelegt. Die Gesamtredezeit beträgt 1.026
Minuten und 38 Sekunden. Auf Grund des zitierten
Landtagsbeschlusses kommen demnach der ÖVP
410,39 Minuten, der SPÖ 289,19 Minuten, den
Grünen 140 Minuten, der FPÖ 93,20 Minuten und
dem Abgeordneten Mag. Ram ebenfalls 93,20 Minuten zu.
Ich halte fest, dass Berichterstattungen, Wortmeldungen zur Geschäftsordnung, tatsächliche
Berichtigungen und die Ausführungen des am Vorsitz befindlichen Präsidenten nicht unter die Redezeitkontingente fallen.
Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsichtige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 921-1/A-1/82,
924-1/A-1/85, 925-1/A-1/85, 923-1/A-1/84 sowie
922-1/A-1/83 wegen des sachlichen Zusammenhanges gemeinsam zu verhandeln. Berichterstattung und Abstimmung werden jedoch getrennt erfolgen. Wird gegen diese Vorgangsweise ein Einwand erhoben? Das ist nicht der Fall.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Damit ersuche ich, Herrn Abgeordneten Ing.
Rennhofer zuerst zu den Geschäftszahlen Ltg. 9211/A-1/82 und 924-1/A-1/85 zu berichten, danach
Herrn Abgeordneten Mag. Motz zu den Geschäftszahlen Ltg. 925-1/A-1/85 und 923-1/A-1/84 und
schließlich wieder Herrn Abgeordneten Ing. Rennhofer zu Ltg. 922-1/A-1/83 zu berichten.
Ich bitte, mit den Berichten zu beginnen.
Berichterstatter Abg. Ing. Rennhofer (ÖVP):
Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich
habe über den Antrag der Abgeordneten Mag.
Schneeberger, Weninger, Mag. Freibauer, Sacher,
Ing. Penz, Cerwenka, Adensamer, Dworak,
Doppler, Findeis, Dipl.Ing. Eigner, Gartner, Erber,
Ing. Gratzer, Friewald, Jahrmann, Grandl, Ebner,
Hensler, Kernstock, Herzig, Mag. Kögler, Mag.
Heuras, Mag. Leichtfried, Hiller, Mag. Motz, Hinterholzer, Razborcan, Hintner, Mag. Renner, Ing. Hofbauer, Rosenmaier, Ing. Haller, Mag. Stiowicek,
Honeder, Thumpser, Mag. Karner, Vladyka, Lembacher,
Maier,
Dr.
Michalitsch,
Moser,
Nowohradsky, Dr. Prober, Ing. Pum, Ing. Rennhofer, Mag. Riedl, Rinke, Dipl.Ing. Toms und Mag.
Wilfing betreffend Änderung des NÖ Landesverfassung 1979 – Wahlrechtspaket – zu berichten.
Der vorliegende Entwurf der Landesverfassung
orientiert sich an der Änderung des Wahlrechtes in
der Bundesverfassung. Diese Änderung sieht unter
anderem eine Senkung des Wahlalters, die Einführung der Briefwahl unter Wahrung des Wahlgeheimnisses und der Möglichkeit der Einführung der
Auslandsösterreicherwahl bei den Landtagswahlen
in der Landesverfassung vor.
Das Wahlalter soll in der Landtagswahlordnung
1992 geregelt werden. Ich komme daher zum Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses
(liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird ersucht, den Antrag
der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger
u.a. betreffend Änderung der NÖ Landesverfassung – Wahlrechtspaket einem Begutachtungsverfahren zu unterziehen. Über das Ergebnis dieses
Begutachtungsverfahrens samt den daraus sich
ergebenden allfälligen Änderungen soll dem
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss bis 20. August 2007 berichtet werden, damit eine Beschlussfassung dieses Gesetzesentwurfes in einer Sitzung
des Landtages am 30. August 2007 möglich ist.“
Herr Präsident! Ich ersuche um Debatte und
Abstimmung.
869
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Ich komme zum Bericht über den Antrag der
Abgeordneten Dr. Michalitsch, Weninger u.a. gem.
§ 34 LGO zum Antrag der Abgeordneten Mag.
Schneeberger, Weninger u.a. betreffend Änderung
der NÖ Landtagswahlordnung – Wahlrechtspaket,
Ltg. 924-1/A-1/85. Ich berichte darüber:
Die Landesregierung hat in der Sitzung vom
29. März beim Rechts- und Verfassungs-Ausschuss für die Anträge eine Frist zur Berichterstattung bis 27. Juli gesetzt. Mit dem nunmehr vorliegenden Antrag Ltg. 924-1/A-1/85 ist der Antrag Ltg.
795/A-2/28 voll erfüllt. Vor der Beschlussfassung
des nunmehrigen Antrages soll die Änderung der
Landtagswahlordnung ebenfalls einer Begutachtung unterzogen werden. Ich komme daher auch
bei diesem Tagesordnungspunkt zum Antrag des
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird ersucht, den Antrag
der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger
u.a. betreffend Änderung der NÖ Landtagswahlordnung – Wahlrechtspaket, einem Begutachtungsverfahren zu unterziehen. Über das Ergebnis dieses Begutachtungsverfahrens samt den daraus
sich ergebenden allfälligen Änderungen soll dem
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss bis 20. August 2007 berichtet werden, damit eine Beschlussfassung dieses Gesetzesentwurfes in einer Sitzung
des Landtages am 30. August 2007 möglich ist.“
Ich ersuche ebenfalls um Debatte und Abstimmung zu diesem Antrag.
Berichterstatter Abg. Mag. Motz (SPÖ): Sehr
geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Ich darf berichten über den Antrag der Abgeordneten Dr. Michalitsch, Weninger u.a. betreffend Änderung der NÖ Gemeinderatswahlordnung im Zusammenhang mit Wahlrechtspaket.
Es geht darum um die Umsetzung der
Eckpunkte des Wahlrechtspaketes in dieser
Rechtsmaterie. Und ich darf daher den Antrag des
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss stellen über
den Antrag gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten
Dr. Michalitsch, Weninger u.a. (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird ersucht, den Antrag
der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger
u.a. betreffend Änderung der NÖ Gemeinderatswahlordnung – Wahlrechtspaket, einem Begutachtungsverfahren zu unterziehen. Über das Ergebnis
dieses Begutachtungsverfahrens samt den daraus
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
sich ergebenden allfälligen Änderungen soll dem
Rechts- und Verfassungs-Ausschuss bis 20. August 2007 berichtet werden, damit eine Beschlussfassung dieses Gesetzesentwurfes in einer Sitzung
des Landtages am 30. August 2007 möglich ist.“
Herr Präsident, bitte auch um Debatte und Abstimmung über diesen Antrag.
Ich komme zum Antrag der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Weninger u.a. gem. § 34 LGO zum
Antrag der Abgeordneten Dr. Michalitsch, Weninger
u.a. betreffend Änderung des NÖ Initiativ-, Einspruchs- und Volksbefragungsgesetzes.
Es geht auch in dieser Rechtsmaterie um die
Änderungen im Sinne des Wahlrechtspaketes und
ich darf den Antrag des Rechts- und VerfassungsAusschusses stellen über den Antrag gem. § 34
LGO 2001 der Abgeordneten Dr. Michalitsch,
Weninger u.a. (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird ersucht, den Antrag
der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger
u.a. betreffend Änderung des NÖ Initiativ-, Einspruchs- und Volksbefragungsgesetzes einem Begutachtungsverfahren zu unterziehen. Über das
Ergebnis dieses Begutachtungsverfahrens samt
den daraus sich ergebenden allfälligen Änderungen
soll dem Rechts- und Verfassungs-Ausschuss bis
20. August 2007 berichtet werden, damit eine Beschlussfassung dieses Gesetzesentwurfes in einer
Sitzung des Landtages am 30. August 2007 möglich ist.“
Bitte auch um Debatte und Abstimmung über
diesen Antrag.
Berichterstatter Abg. Ing. Rennhofer (ÖVP):
Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich
habe über den Antrag der Abgeordneten Dr.
Michalitsch, Mag. Schneeberger, Mag. Motz, Friewald, Mag. Renner, Herzig, Mag. Wilfing und
Dipl.Ing. Toms über die Änderung des NÖ Landesbürgerevidenzengesetzes zu berichten.
Der Antrag beinhaltet die Aufnahme der 15Jährigen bzw. der Auslandsniederösterreicher in
die Landesbürgerevidenz. Vor Beschlussfassung
dieser Änderung soll ebenfalls ein Begutachtungsverfahrens so rechtzeitig abgeschlossen sein, dass
es ebenfalls am 20. August im Ausschuss behandelt werden kann und zum 30. August 2007 im
Landtag vorliegt. Ich komme daher zum Antrag des
Rechts- und Verfassungs-Ausschusses (liest:)
870
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird ersucht, den Antrag
der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger
u.a. betreffend Änderung des NÖ Landesbürgerevidenzengesetzes einem Begutachtungsverfahren
zu unterziehen. Über das Ergebnis dieses Begutachtungsverfahrens samt den daraus sich ergebenden allfälligen Änderungen soll dem Rechtsund Verfassungs-Ausschuss bis 20. August 2007
berichtet werden, damit eine Beschlussfassung
dieses Gesetzesentwurfes in einer Sitzung des
Landtages am 30. August 2007 möglich ist.“
Herr Präsident! Ich ersuche um Debatte und
Abstimmung.
Präsident Mag. Freibauer: Ich danke für die
Berichte. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter
Waldhäusl.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Kollegen der Landesregierung!
Werte Damen und Herren!
Wir haben mit dieser Gesetzesvorlage einiges
erreicht und werden es auch positiv erledigen. Ich
glaube daher, dass es doch ein gewisser politischer
Meilenstein sein wird. Und ich sage daher auch Ja
zum politischen Mündigmachen der Jugend, aber
Nein zur manipulationsgefährdeten Briefwahl. Mir
ist dieser Schritt zur Briefwahl ein Schritt zurück in
der Demokratie. Mir ist der Schritt zum Wählen mit
16 ein längst fälliger Schritt. Spät aber doch. Wir
können uns gemeinsam zurück erinnern an die
vielen Anträge der letzten 10 Jahre, an einen gemeinsamen Dreiparteienantrag vom 25. Jänner
dieses Jahres.
Und jetzt ist es so weit, die Jugendlichen sollen
hier auch mitbestimmen dürfen. Aber sicherlich
nicht deswegen weil die ÖVP Niederösterreich
plötzlich die Liebe zur Jugend erkannt hat oder die
ÖVP Niederösterreich plötzlich der Meinung ist,
dass das, was sie in den letzten 10 Jahren von sich
gegeben hat, falsch war, nein, sie wurde einfach
„overrouled“ von der Bundesregierung. Denn die
Bundes-ÖVP hat gemeinsam mit der SPÖ ein Regierungsübereinkommen zusammen gestellt, in
welchem dieses Wahlrechtspaket zum Eckpfeiler
einer Koalition geworden ist. Und daher war nichts
anderes möglich als jetzt in Niederösterreich auch
noch aufzuspringen auf den bereits fahrenden Zug.
Und ich sage daher auch gut, und gut dass es noch
vor dieser Landtagswahl passieren wird. Die
Jugendlichen wissen selbst, dass sie es nicht der
ÖVP Niederösterreich zu verdanken haben dass
sie im Frühjahr dieses Jahres 2008 ihre Stimme ab-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
geben können. Ich bin froh darüber, möchte aber
auch noch ein paar Gedanken jetzt zu dieser
bevorstehenden Briefwahl sagen.
Es hört sich in erster Linie oberflächlich betrachtet natürlich sehr gut und bequem an wenn
man hier die Briefwahl auch bis zur Gemeinderatswahl zulässt. Bei der Gemeinderatswahl würde ich
sowieso sagen, hier ist man verbunden mit der
Gemeinde und hier könnte man sich diese Briefwahl sowieso schenken. Aber mir geht’s darum,
dass ich den Inhalt dieser Briefwahl nicht zur
Kenntnis nehmen möchte. Denn mit dieser Briefwahl, wie sie jetzt hier in diesem Antrag auch vorliegt, ist Wahlbetrug und auch das Wahlgeheimnis,
das Hüten des Wahlgeheimnisses bei Weitem nicht
gegeben. (Unruhe bei Abg. Doppler.)
Wenn du als Jurist jetzt mit deinen Zwischenrufen sagst, dass das ein Blödsinn ist, erinnere ich
dich daran, wie oft wir hier über Wahlrechtsnovellen
diskutiert haben, weil es auf Grund von Einsprüchen und auf Grund der Tatsache beim Abwickeln
von Wahlen wir immer wieder dazu gekommen sind
dass wir in der Praxis festgestellt haben wo hier in
Niederösterreich noch wirklich immer etwas im
Argen liegt.
Erinnere dich nur daran, dass es bei der Gemeinderatswahl noch immer nicht diesen amtlichen
Stimmzettel für alle gibt. Warum macht man das?
Weil die ÖVP sich davon erwartet, dass man doch
in verschiedenen Reihenfolgen und mit gezinkten
Zetteln etc. das Wahlgeheimnis doch ein bisschen
hintergehen kann. Und ich sage, dass mit dieser
vorliegenden Rechtsbestimmung der Wahlbetrug
nicht hintangehalten wird, sondern auch die Frage,
wie sicher ist das mit dieser Unterschrift, dieser
eidesstattlichen Erklärung. Gibt’s auf der Gemeinde
bei der Wahlbehörde dann eine Unterschriftenprobe ob das wirklich diese Unterschrift ist oder
nicht? Weil ich kann mich nicht erinnern, dass jeder
Bürger, jeder Wahlberechtigte, der in der Wählerevidenz auch hier eingetragen ist, bereits eine Unterschriftenprobe in der Wahlbehörde abgegeben
hat. Wer wird das kontrollieren?
Oder wird es vielleicht dann doch so sein, dass
in gewissen Familien die Möglichkeit besteht, wo
der Vater noch das Sagen hat – ich rede jetzt nicht
von Bauernbundfamilien, dass man mir das gleich
wieder unterstellt – und sagt, so ist es Buben und
Mädchen, und so wird gewählt. Das, liebe Kollegen,
ist mit dieser vorliegenden Novelle nicht gegeben.
Und daher, der Präsident Penz lacht jetzt natürlich,
weil er denkt sich jetzt wahrscheinlich, ja wenn,
dann ist er ein gescheiter Vater wenn er den Kindern sagt was sie zu tun haben. Drum merke ich,
dass er lacht.
871
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Aber es geht neben dem, dass es sicher ein
bisschen lustig erscheint auch darum, dass es hier
um ein Wahlgeheimnis geht. Und daher glaube ich,
so lange das nicht fix geregelt ist wie man hier 100prozentig ausschließen kann, dass jemand anderer
dies auch leistet, na selbstverständlich kann man ja
jetzt dagegen halten, das wäre ja Betrug. Und
darum habe ich gesagt, es gibt in der Vergangenheit immer das Problem eines Wahlbetruges. Und
daher soll man auch bei Novellen, die in die Zukunft
gehen hier etwas regeln wo das ausgeschlossen
ist.
Ich sage daher Ja zum Wählen mit 16. Natürlich auch Ja zur Einführung der Auslandsniederösterreicherwahl, aber Nein zur Briefwahl.
Und wurde daher heute selbstverständlich zu
diesem Begutachtungsverfahren und zu dieser
Fristsetzung überall meine Zustimmung geben.
Ersuche jedoch später, bei der Beschlussfassung,
um eine getrennte Abstimmung. Ansonst müsste
ich den gesamten Antrag ablehnen.
Präsident Mag. Freibauer: Zum Wort gelangt
Frau Abgeordnete Mag. Renner.
Abg. Mag. Renner (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Geschätzte
Kolleginnen und Kollegen!
Wie die ausführliche Antragsberichterstattung
uns schon gesagt hat, geht es um zahlreiche Änderungen bezüglich der Vereinbarung der Bundesregierung, das Wählen mit 16 bzw. Briefwahl einzuführen bzw. zu ermöglichen. Ich möchte jetzt nicht
eingehen auf die einzelnen Vorlagen, wie gesagt,
weil genau Bericht erstattet wurde.
Dennoch möchte ich eingangs doch einmal
sofort und gleich sagen, dass sich unsere Fraktion
sehr gefreut hat dass das Wahlrecht geändert wird
und dass aktives und passives Wahlalter gesenkt
werden. Nicht zuletzt deshalb, weil der Herr Klubobmann und ich glaube auch die Herren Abgeordneten Thumpser, Dworak usw. schon seit Jahrzehnten in Wirklichkeit um dieses Wahlrecht
kämpfen. Und aus diesem Grund wird auch der
Abgeordnete Thumpser genauer Stellung nehmen.
Ich habe das über die Jahre gemacht. Ich weiß,
dass der Herr Abgeordnete Maier bei jeder Debatte
schon gewartet hat, dass ich wieder Wählen mit 16
fordere. Und ich kann mich auch erinnern, einmal
16 gute Gründe für Wählen mit 16 genannt zu haben. Wie gesagt, Genaueres hören wir dann vom
Kollegen Thumpser.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Im Wesentlichen geht es bei dieser Vorlage um
zahlreiche legistische Änderungen die vorgenommen werden müssen. Und erlauben Sie mir auch
die Bemerkung, dass die Briefwahl bzw. die Wahlkartenwahl relativ kompliziert ist und unsere Gemeindevertreterverbände noch genug zu tun haben
werden um die Mandatare und Helfer in den Gemeinden und Städten entsprechend zu schulen
damit man eine allfällige Klage und eine Ungültigkeit eines Wahlvorganges tunlichst verhindern
kann.
Weiters ist vorgesehen eine Änderung in Bezug auf das Auslandswahlrecht. Auslandsösterreicher können sich nunmehr 10 Jahre zurück in die
Wählerevidenz hinein reklamieren. Ich möchte die
Debatte nicht unnötig verlängern und in Wirklichkeit
meiner Freude Ausdruck verleihen, dass wir am 20.
bzw. 28. August in den Ausschüssen die dementsprechenden Beschlüsse fassen werden. Und ich
freue mich besonders auf die Sitzung am 30. August 2007 wenn die Beschlüsse im Landtag gefasst
werden.
Erlauben Sie mir noch eine Bemerkung zur politischen Bildung. Das habe ich aber auch schon an
anderer Stelle vor einigen Monaten hier gesagt,
dass selbstverständlich auch die politische Bildung
verbessert, verstärkt und manchmal sogar auch
erst eingeführt werden muss. Und ich weiß dieses
Thema in guten Händen bei unserer Bundesministerin Schmied. Es ist ihr ein besonderes Anliegen,
unsere jungen Menschen in Demokratie zu schulen. Und es gibt nichts Wichtigeres als dass unsere
jungen Leute wissen wie wertvoll Demokratie ist,
wie wertvoll das Wahlrecht ist. Frau Minister
Schmied wird sicher das Entsprechende veranlassen.
Zuletzt noch eine ganz kleine persönliche Bemerkung. Es wird das erste Mal sein dass mein
Sohn wählen darf. Ich muss mir heute schon ein
gutes Programm einfallen lasse damit ich seine
Unterstützung bekomme. Herzlichen Dank! (Beifall
bei der SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Dr. Petrovic.
Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der
NÖ Landesregierung! Hohes Haus!
Eine ganze Reihe von Gesetzesanträgen stehen jetzt unter einem zur Debatte und werden einem Begutachtungsverfahren zugeführt. Das halten
872
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
wir im Prinzip für eine positive Vorgangsweise, da
gerade die Normen, die zusammen den Komplex
des Wahlrechts ausmachen, also Fragen der
Wählerinnenevidenz, die korrespondierenden Bestimmungen in der Landesverfassung und die
Landtagswahlordnung selbst natürlich ganz wesentliche Normen sind in einem demokratischen
Staatsgefüge. Denn es sind quasi die Spielregeln
nach denen sich die politischen Stärkeverhältnisse
bestimmen. Die Spielregeln, die bestimmen wer
sind die Personen die mitentscheiden können, wie
alt haben sie zu sein, Fragen des Wohnsitzes und,
und, und. Und gerade bei diesen Fragen haben wir
immer dafür plädiert, dass es keine Schnellschüsse
geben soll, sondern dass man mit diesen Spielregeln besonders behutsam umgehen soll und natürlich im Rahmen eines Begutachtungsverfahrens
allfällige Einwände, Vorbehalte und Kritikpunkte
berücksichtigen können soll.
Es gibt im Bereich dieses Wahlrechtspaketes
eine ganze Reihe von Punkten über die schon viel
in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Fragen des
Wahlalters, in welchen wir immer dafür eingetreten
sind, junge Menschen, die ja schon im Arbeits- und
Erwerbsleben ihren Mann oder ihre Frau zu stellen
haben, dass man die natürlich auch in demokratische Entscheidungsprozesse einbeziehen soll. Und
ich teile die Auffassung, dass das auch ein Wert ist,
der vor allem sehr jungen Menschen vermittelt werden muss. Dass das eigentlich für uns heute Gottseidank eine Selbstverständlichkeit ist, zu Wahlen
gehen zu können, aber dass wenige Generationen
zuvor das überhaupt keine Selbstverständlichkeit
war. Und dass viele Menschen sehr, sehr viel, inklusive sogar ihr Leben geopfert haben, dass das
heute so möglich ist.
Allerdings muss ich sagen bei diesem Paket
nutze ich die heutige Gelegenheit um im Sinne
auch der bevorstehenden Begutachtung bereits
jetzt einen Punkt noch einmal in Erinnerung zu
rufen, der insbesondere uns als Grünen Klub, als in
der Zukunft Grüne wahlwerbende Gruppe besonders betrifft. Neben diesen vielen Punkten, die wir
sehr positiv finden oder die wir zumindest für sehr
überlegenswert und im Kerne durchaus begrüßenswert finden wie die Erweiterung des Kreises
der Wahlberechtigten, das Unabhängigmachen
vom momentanen Aufenthaltsort, da gibt es aber
einen Punkt, der uns sehr zur Sorge Anlass gibt,
nämlich die Art und Weise wie hier in dem Entwurf
die Frage der möglichen Konkurrenz von wahlwerbenden Gruppen mit ähnlicher Bezeichnung geregelt wird.
Sie erinnern sich daran, dass wir bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2003 vor der für uns sehr
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
unangenehmen Situation standen, dass, ermöglicht
durch Vertreter anderer Parteien, eine Gruppe angetreten ist mit einem Namen, der dem unsrigen
verblüffend ähnlich war. Nämlich nicht Grüne sondern Grünö. Das wurde dann von einer Behörde,
die nicht im Gerichtsrang steht, nicht einen gerichtlichen Status hat, letztlich zwar als zulässig und als
möglich betrachtet. Auf den Straßen und bei den
Menschen mit denen ich gesprochen habe hat das
Kopfschütteln ausgelöst. Wieso Grüne und Grünö
nicht verwechselbar sein soll, wenn doch ganz
offenbar genau das angestrebt war, nämlich Leute
in die Irre zu führen. Das haben die Leute wenig
verstanden. Im Kern, glaube ich, ist es dann gelungen zu vermitteln, dass hier bewusst von manchen
eine Täuschung der Wählerinnen und Wähler intendiert war. Und dass im Kern manche dann auch
gesagt haben, also bitte, das sind doch unfaire
Praktiken, das soll doch niemand notwendig haben
so zu agieren.
Im Kern glaube ich daher, konnten wir damals,
auch weil das in dieser Dreistigkeit eigentlich das
erste Mal so gehandhabt wurde, konnten wir hier
durchaus die Öffentlichkeit überzeugen dass so
etwas eigentlich keinen Platz haben sollte in einer
modernen Demokratie. Umso erstaunter sind wir
jetzt, dass sich die Möglichkeit für so eine Vorgangsweise jetzt wieder in den Entwürfen findet.
Darüber bin ich doch eigentlich sehr verblüfft.
Denn, Herr Klubobmann Schneeberger, wir haben
das ja oft besprochen. Wie gesagt, wir haben bewusst keinen zeitlichen Druck gemacht. Wir haben
gesagt, Fragen des Wahlrechts, Fragen der demogratischen Spielregeln, das braucht seine Zeit.
Wir haben das mitgetragen sofern es vor der Wahl
kommt. Jetzt kommt schon relativ knapp vor den
nächsten anstehenden Wahlentscheidungen ein
Vorschlag, der genau das, was wir eigentlich besprochen haben, was wir auch mit dem Herrn Landeshauptmann besprochen haben, nämlich dass es
so etwas wie die Kandidatur einer Gruppe die sich
Grünö nennt, nicht mehr geben soll, dass das jetzt
wieder drinnen ist.
Ehrlich gesagt, ich finde das nicht nur als einen
gewissen Pflanz, sondern das ist ja eigentlich eine
Fortsetzung einer Vorgangsweise, von der ich gehofft hatte wir stimmen überein: Das kann, darf und
soll in Zukunft nicht mehr sein. (Beifall bei den Grünen.)
Denn ich frage mich wirklich, wer hat es hier in
diesem Hause notwendig, eine Partei, die mit einer
satten absoluten Mehrheit ausgestattet ist, oder wer
hat es sonst notwendig …, oder ich frage auch, wie
würden Sie agieren wenn irgend jemand eine
873
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Gruppe gründet, die ganz offenbar nur Verwechslungszweck hat. Zum Beispiel die österreichische
Verwechslungspartei ÖVP. Oder eine Partei, die
dann so ähnlich klingt. Die vielleicht nur in einem
Buchstaben abweicht. Sie würden doch sagen,
bitte, das sind doch unsaubere Praktiken. Das darf
doch nicht sein. Und genau das ist jetzt wieder
drinnen. Sie lassen diesen Punkt, über den wir so
lange, so oft und wie ich den Anschein hatte, auch
sehr konstruktiv gesprochen haben, jetzt wieder
drinnen. Meine Frage: Warum?
Wenn Sie das nicht vor hätten oder haben,
dass wieder da so ein Tarngebilde das sich Grünö
nennt, auftritt, dann würden Sie die Bestimmung
doch nicht mehr brauchen. Warum treten wir nicht
offen, so wie wir heißen, ÖVP, Grüne, SPÖ, FPÖ,
wären immer noch in einer Auseinandersetzung der
besseren Ideen, wo wir versuchen, die Wählerinnen
und Wähler von unseren Konzepten zu überzeugen
mit fairen, mit offenen Methoden. Warum ist hier
offenbar dieses Hintertürl nicht zugemacht worden
dass es wieder so etwas geben kann wie eine
Grünö-Kandidatur?
Ja mehr noch. Dadurch, dass dieser Paragraf
letztlich in den entscheidenden Passagen genau so
bleibt, würde der Wahlbehörde diesmal ja sogar die
Verpflichtung oder der Zwang entstehen, eine
Grünö-Kandidatur zuzulassen. Denn diese Vorschrift zielt jetzt explizit auf den letzten veröffentlichten Wahlvorschlag ab. Und da war genau das
drinnen.
Und ich frage mich dann schon: Wenn man
das nicht jetzt schon im Schilde führt, warum macht
man das und macht nicht zum Beispiel eine Regelung wie sie in Oberösterreich herrscht? Dass man
abstellt auf die im Landtag tatsächlich vertretenen
Parteien? Wenn man das machen würde, dann
wäre natürlich eine Gruppe, die nur als Tarngebilde
aufgetreten ist und nicht den Sprung in den Landtag geschafft hat, von vornherein von dieser – wenn
Sie so wollen - Begünstigung oder Privilegierung
ausgeschlossen. (Beifall bei den Grünen.)
Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich
sind wir dafür, dass auch neue Gruppen, so sie
nicht gleich da als Trojanische Pferde daher kommen und von vornherein Etikettenschwindel vorhaben und sich mit falschen Federn und Namen
schmücken. Natürlich sollen neue Gruppe antreten
können. Aber es muss eine Unterscheidung geben
zwischen den im Landtag vertretenen Parteien,
zwischen Parteien, die erst neu auftreten und daher
erst, so wie wir das alle in der Vergangenheit
mussten oder jedenfalls wir mussten die entsprechenden Unterschriften sammeln um überhaupt zu
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
zeigen, ja, da steht eine Kraft dahinter, das hat eine
Legitimität. Und der dritten Gruppe, die wir alle
hoffentlich nicht wollen, nämlich diese Täusch- und
Tarngebilde.
Glauben Sie wirklich, Sie, die Sie eine absolute
Mehrheit haben im Lande, dass Sie das notwendig
haben vielleicht ein paar hundert oder tausend
Leute hier in die Irre zu führen mit einer Kandidatur
wo die Leute dann sagen, na ja, wer ist denn das
jetzt? Es klingt so ähnlich. Mit dieser Regelung, so
wie sie jetzt ausschaut, muss die Wahlbehörde eine
Grünö-Kandidatur zulassen. Und wir werden natürlich auch, wenn wir bei unseren Ortsgruppen sind,
wenn wir durch die Bezirke reisen, gefragt – weil
das war damals ein wesentlicher Punkt, ich habe
allen unseren Ortsgruppen gesagt, ich habe die
Zusicherung, ich habe das Wort der ÖVP, das wird
in Zukunft nicht mehr möglich sein. Jetzt nähern wir
uns wieder einer Wahl. Ich werde gefragt: Ist das
so? Ist eine Grünö-Kandidatur ausgeschlossen?
Und ich muss jetzt sagen, nein, leider, Versprechen
gebrochen! Das ist nicht nur möglich, sondern so
wie das jetzt legistisch gemacht wird, möglicherweise sogar schon geplant, sehr wahrscheinlich.
Und das löst, das kann ich Ihnen wirklich sagen, bei allen unseren Aktivistinnen und Aktivisten
Kopfschütteln aus. Denn die sagen, bitte, ihr habt
gesagt seid geduldig, wartet noch ein bisschen. Wir
haben das mit der ÖVP im Kern schon paktiert.
Jetzt, ein paar Monate vor einer herannahenden
Wahl gehen wir in die Bezirke. Die fragen uns: Na,
habt ihr es jetzt rechtsverbindlich so beschlossen?
Und ich muss sagen nein, das Gegenteil ist der
Fall. Grünö ist nicht nur möglich, sondern wenn es
auftritt, ist es von der Landeswahlbehörde zuzulassen. Ohne dass wir dann irgendetwas dagegen tun
könnten.
Und da muss ich Ihnen wirklich sagen: Da entsteht bei allen unseren Aktivistinnen und Aktivisten
in den Bezirken, in den Gemeinden doch eine sehr
große Erschütterung. Und da geht dann jeder
Glaube an die Zuverlässigkeit und an das Wort von
ÖVP-Politikern verloren. (Beifall bei den Grünen. –
Abg. Hiller: ich glaub’s nicht! Ich glaub’s nicht!)
Herr Abgeordneter, Sie sagen, Sie glauben es
nicht. Warum, frage ich Sie, lassen Sie dann diese
Möglichkeit drinnen? Wenn das zum Beispiel in
Oberösterreich so geregelt ist dass das gar nicht
möglich ist. Wenn Sie wollen, Herr Abgeordneter …
(Unruhe bei Abg. Hintner.)
Aber Sie wählen genau einen … Warum wählen sie unter 15 Begriffen genau einen der die Täuschung und Tarnung nicht nur ermöglicht, sondern
874
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
sehr, sehr wahrscheinlich macht? Wenn Sie nicht
wollen, dass so etwas nicht noch einmal passieren
sollte … Der Herr Landeshauptmann hat mir gesagt, das soll es nicht wieder geben können. Dann
bitte beschließen wir das so! Es liegt an ein paar
Wörtchen. Und wenn es nicht geplant ist, dann
räumen wir doch bitte jeden Argwohn, jeden Verdacht und jede Unsicherheit aus und beschließen
wir das Gesetz eindeutig so, dass jede Partei unter
dem Namen antreten kann unter dem sie in der
Öffentlichkeit bekannt ist und mit dem sie Wahlwerbung macht und mit dem sie versucht, die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Wir wollen eine
faire, eine demokratische Auseinandersetzung und
nicht einen Etikettenschwindel dass sich jemand da
mit falschen Federn tarnt. Danke! (Beifall bei den
Grünen.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Thumpser.
Abg. Thumpser (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Sehr geehrte Frau Landesrätin!
Ein paar kurze Worte zu Ltg. 921-2/A-1/82 zu
Wählen mit 16. Auch deshalb, weil seit dem Jahre
1986, also seit wir das erste Mal diese Forderung in
Niederösterreich erhoben haben, es ein Dauerthema in der niederösterreichischen Landespolitik
ist. Und bereits 1986 hat ein damals noch jüngerer
Michael Jäger im „Kurier“ geschrieben: Die Forderung der Herabsetzung des Wahlalters auf 18 bzw.
16 klingt im ersten Moment so, als wolle jemand
Herbert Grönemeyers Hitparadenstürmer „Kinder
an die Macht“ in die Tat umsetzen. Bei ernster Betrachtung klingt dieser Vorschlag aber gar nicht so
abwegig. Mit 18 müssen die Burschen das Vaterland verteidigen, mit 16 werden viele Jugendliche
schon in den Arbeitsprozess eingegliedert. So
Michael Jäger 1986 im „Kurier“.
Und seit diesem Jahr 1986 gibt es nicht nur die
Forderung zu dem Wählen mit 16, sondern seit
dem Jahr 1986, also fast 21 Jahre, erleben wir
auch hier in diesem Haus dass es bis vor rund einem halben, dreiviertel Jahr ein fast reflexartiges
Nein seitens der ÖVP zu dieser Thematik gegeben
hat. Und wenn seit Jahren immer wieder die Forderungen des Jugendkongresses dieses Wählen mit
16 auch gefordert haben, dann hat der Kollege
Karner noch im April 2005 an dieser Stelle hier zum
Thema Wählen mit 16 gesagt nein, das Wahlalter
so wie es jetzt ist, das passt, eine Senkung kommt
für uns derzeit nicht in Frage, macht hier keinen
Sinn.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube,
dass die Frage Wählen mit 16 eine ist, die uns nicht
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
nur jetzt schon 21 Jahre begleitet, sondern dass
Wählen mit 16 eine Frage ist, die viele Jugendliche
in Niederösterreich betrifft, die viele Jugendliche
interessiert. Und liebe Kolleginnen und Kollegen,
Wählen mit 16, spät aber doch – Gottseidank!
Wählen mit 16, Gottseidank ist auch die ÖVP Niederösterreich zur Einsicht gekommen. Und Wählen
mit 16, wie gesagt, ich freue mich auf den 30. August, denn dann ist das ein schöner Tag für die
Jugendlichen in Niederösterreich. (Beifall bei der
SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Mag. Schneeberger.
Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Präsident! Geschätztes Mitglied der Landesregierung!
Hohes Haus! Meine Damen und Herren!
Kennen Sie den Unterschied zwischen der
Bundes- und der Landespolitik? Die Landespolitik
sagt eines: Versprochen und gehalten! (Beifall bei
der ÖVP.)
Allen Unkenrufen zum Trotz … Ich würde da
aufpassen Kollege Weninger, weil so viele Umfaller
wie die SPÖ auf Bundesebene gemacht hat, die
sind fast rekordverdächtig. Ihr solltet einmal einen
Antrag im Buch der Rekorde machen. Ich glaube,
da würde der Gusi-Umfaller gewinnen. (Beifall bei
der ÖVP.)
Ich denke nur an die Eurofighter. (Unruhe im Hohen
Hause.)
Ja eben. Deswegen tut er sich noch immer … Er
kann ja im Liegen auch noch umfallen. Deswegen
kommt er ja ins Buch der Rekorde, weil sonst kann
ja ein jeder umfallen. (Anhaltende heftige Unruhe
im Hohen Hause.)
Also die Umfallergeschichten … Also wir haben
alles gehalten was wir versprochen haben. (Beifall
bei der ÖVP.)
Der Kollege Fasan geht jetzt wieder zu einer
tatsächlichen Berichtigung. Das kannst dir sparen,
lieber Freund, das kannst dir sparen. Das erinnert
mich an die Kollegin Weinzinger, die auch immer
den selben Psalm herunter gebetet hat. Die ist
dann im Parlament gelandet. Vielleicht willst du
auch ins Parlament. Aber das ist deine Sache.
Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Wir
diskutieren heute nicht das Wahlpaket, sondern in
Wahrheit diskutieren wir nur einen Aufforderungsantrag, dass wir nämlich nunmehr dieses Wahlpaket in Begutachtung schicken und dann in der Sitzung am 30. August hier im Landtag, nach Überlegungen, die die Begutachtung mit sich bringt, beschließen werden.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Ich gehe jetzt nicht ein auf die einzelnen
Punkte weil ich davon überzeugt bin, dass wir die
inhaltliche Auseinandersetzung durchaus am 30.
August führen werden. Aber gegen eines verwehre
ich mich, und das ist schon ein bisschen eine despektierliche Art und Weise, die scheinbar bei den
Grünen systemimmanent ist. Nämlich bei Dingen,
die sie nicht wollen, dem anderen zu unterstellen
das er das widerwärtig überlegt.
Liebe Frau Kollegin Petrovic! Wir haben verhandelt. Und Ihr Wunsch war, und ich habe das
Protokoll, Ihr Wunsch war, dieselbe Regelung bei
der Namensnennung wie bei der Nationalratswahlordnung. Und die haben wir zugesagt und die halten wir. (Beifall bei der ÖVP. – Unruhe bei Abg. Dr.
Krismer-Huber.)
Es ist eine ausgesprochene Demagogie, plötzlich
herzukommen und zu sagen, wir haben was versprochen was wir nicht halten. (Abg. Mag. Fasan:
Das ist unsere Erfahrung, die wir gemacht haben!)
Kollege Huber vergiss es, du warst noch gar
nicht dabei. Du kannst den Kopf schütteln wie du
willst. Es ist so, dass wir hier eine Zusage gegeben
haben. Jetzt sind Sie draufgekommen dass das
Ihnen zu wenig weit geht. Dafür können wir nichts.
Für das, dass Sie Spätzünder sind, können wir
nichts! (Beifall bei der ÖVP.)
Sie können das in die Begutachtung einbringen. Man wird das abwägen. Man wird schauen,
was sind die Für und Wider. Aber es ist wirklich
despektierlich … (Unruhe bei Abg. Dr. KrismerHuber.)
Kollegin Krismer, Sie waren auch nicht dabei. Daher würde ich … Ich zeige Ihnen das Protokoll, ich
zeige Ihnen auch die Zusagen, die wir gegeben
haben. (Heftige Unruhe bei den Grünen.)
Alle Protokolle, die ich unterschreibe, Kollegin
Krismer, alle Protokolle sind tauglich im Internet
aufzuscheinen, weil wir halten was wir versprechen.
Hohes Haus! Das Wahlpaket das wir am 30.
August beschließen werden, das nunmehr in die
Begutachtung geht, ist eine demokratiepolitisch
positive Aktivität, die wir hier setzen. Ich stehe nicht
an zu sagen, dass ich selbst – und das ist ein Akt
der Ehrlichkeit, den Sie mir nicht glauben werden –
aber ich stehe heute noch dazu, dass ich die Frage
des Wählens mit 16 mit einer Skepsis versehe.
Aber es gibt den politischen Kompromiss. Und so
gut kann die Forderung gar nicht gewesen sein,
Kollege Thumpser, wenn du 21 Jahre gebraucht
hast um was umzusetzen. Das spricht in Wahrheit
nicht für eure Durchsetzungskraft. Und wenn du
dem Kollegen Karner unterstellst, er hat die
Unwahrheit gesagt noch im Februar nachdem er
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
gesagt hat … (Unruhe bei Abg. Thumpser.)
Du hast gesagt … Dann nehmen wir die Unwahrheit weg. Du hast gesagt, noch im Februar 2005 …
(Abg. Thumpser: April 2005!)
April 2005 hat der Kollege Karner gesagt, derzeit
machen wir es nicht. Heute machen wir es. Er hat
ja Recht. Damals haben wir es nicht gemacht,
heute machen wir es!
Also der Herr Gusenbauer hat nicht gesagt,
derzeit machen wir die Studiengebühr nicht. Der
Gusenbauer hat nicht gesagt, derzeit machen wir
die Eurofighter nicht. Sondern er macht es auch
derzeit nicht. Das ist der feine Unterschied, Kollege
Weninger. (Beifall bei der ÖVP. – Unruhe bei der
SPÖ.)
Aber was soll es? Eine demokratiepolitische,
schreiende Ungerechtigkeit, nämlich dass Bürgerinnen und Bürger, die sich in Österreich, in einem
anderen Bundesland aufhalten, nicht wählen dürfen
und Bürgerinnen und Bürger, die auf Urlaub irgendwo sind auf der Welt sind, wählen durften, die
wird mit dieser Gesetzesvorlage auch der Vergangenheit angehören. Und wenn ich schon das Ausland in den Mund nehme, dass wir Auslandsniederösterreichern, die noch immer einen emotionalen
Zugang zu diesem Land haben, weil sie sich ja
selbst melden müssen dass sie wählen wollen, dies
gewähren, ich glaube, dass auch das demokratiepolitisch epochal ist.
So freue ich mich auf die inhaltliche Auseinandersetzung während der Sommerzeit was die Begutachtung anlangt. Nochmehr freue ich mich auf
den 30. August, wenn wir diese Gesetzeswerke
beschließen werden. (Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Zur tatsächlichen
Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Mag.
Fasan zu Wort gemeldet.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren!
Der Herr Klubobmann Schneeberger hat von
Besprechungen gesprochen, bei denen der grüne
Landesgeschäftsführer Huber nicht dabei gewesen
sein sollte in seinem Wortlaut, das ist falsch. Ich
berichtige, Kollege Huber war dabei.
Zweitens: Der Kollege Schneeberger hat gesprochen von … (Unruhe im Hohen Hause.)
Bei diesen Besprechungen, genau bei diesen Besprechungen von denen der Klubobmann Schneeberger gesprochen hat und deren Protokoll er zitiert
hat.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Zweitens: Er hat gemeint dass uns versprochen wurde, dieses Wahlrecht dem Nationalratswahlrecht anzugleichen. Wir haben vom Herrn
Landeshauptmann und von ihm, und so steht’s
auch drinnen, die Zusagen, es geht darum, Grünö
zu verunmöglichen. Und drittens berichte ich …
(Unruhe im Hohen Hause.)
Es hat Verhandlungen gegeben. Das ist ja nichts
Schlechtes, oder? Ihr werdet ja auch verhandeln.
(Präsident Mag. Freibauer gibt Glockenzeichen.)
Entschuldigung, Herr Präsident, ich möchte nur
fertig berichtigen.
Und drittens berichtige ich, der Herr Klubobmann Schneeberger hat behauptet, die ÖVP hält
ihre Wahlversprechen. Das ist falsch! Die ÖVP hält
ihre Wahlversprechen nicht. Der Obmann der ÖVP,
Landeshauptmann Dr. Pröll, hat im Jahr 2003 gesagt, das kleine Glücksspiel wird es in Niederösterreich nicht geben, bei allem Verständnis für die
Finanzbedürfnisse der Gemeinden. Jetzt gibt es
das doch. Das ist der klassische Bruch eines Wahlversprechens. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPÖ sowie Abg. Waldhäusl.)
Präsident Mag. Freibauer: Die Rednerliste ist
erschöpft. Die Berichterstatter haben das Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Ing. Rennhofer (ÖVP):
Ich verzichte!
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses,
Ltg. 922-1/A-1/83:) Ich stelle fest, der Antrag ist
ebenfalls einstimmig angenommen.
Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsichtige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 917/A-1/81 und
Ltg. 873/A-2/33 gemeinsam zu verhandeln. Berichterstattung und Abstimmung werden jedoch
getrennt erfolgen. Wird gegen diese Vorgangsweise ein Einwand erhoben? Das ist nicht der Fall.
Dann bitte ich den Herrn Abgeordneten Mag.
Wilfing zu Ltg. 917/A-1/81 zu berichten und danach
Herrn Abgeordneten Mag. Motz zu Ltg. 873/A-2/33.
Berichterstatter Abg. Mag. Wilfing (ÖVP):
Hoher Landtag! Ich habe über den Antrag der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Dr. Michalitsch,
Mag. Wilfing, Friewald, Herzig und Dipl.Ing. Toms
betreffend Änderung des NÖ Jugendgesetzes zu
berichten.
Der Antrag liegt allen vor:
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der dem Antrag der Abgeordneten Mag.
Schneeberger, Weninger u.a. beiliegende
Gesetzentwurf betreffend Änderung des NÖ
Jugendgesetzes wird genehmigt.
2.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
Erforderliche zu veranlassen.“
Berichterstatter Abg. Mag. Motz (SPÖ): Ich
verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Sie verzichten. Wir
kommen zu den Abstimmungen. (Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Rechtsund Verfassungs-Ausschusses, Ltg. 921-1/A-1/82:)
Gegenstimmen? Keine. Ich stelle fest, einstimmig
angenommen.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses,
Ltg. 924-1/A-1/85:) Ich stelle fest, ebenfalls einstimmig angenommen.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses,
Ltg. 925-1/A-1/85:) Ich stelle fest, ebenfalls einstimmig angenommen.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses,
Ltg. 923-1/A-1/84:) Der Antrag ist einstimmig angenommen.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Ich ersuche daher, die Debatte einzuleiten und
anschließend die Abstimmung durchzuführen.
Berichterstatter Abg. Mag. Motz (SPÖ): Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich berichte über den Antrag der Abgeordneten
Weninger,
Kernstock,
Sacher,
Stiowicek,
Thumpser, Ing. Renner und Jahrmann betreffend
Maßnahmen gegen den übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen.
Es geht darin inhaltlich um die Problematik die
wir tagtäglich den Medien derzeit entnehmen können, dass sich die Trinkgewohnheiten der Jugendlichen drastisch verändert haben. Es geht im Weiteren in diesem Antrag darum, dass – wie man das
am Beispiel der Stadt Wr. Neustadt gesehen hat –
die fehlende Mitwirkung des Wachkörpers Bundespolizei bei der Überwachung von ortspolizeilichen
Verordnungen ein zunehmendes sicherheitspolitisches Problem darstellt. Und daher darf ich namens des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
den Antrag stellen über den Antrag mit Gesetzentwurf der Abgeordneten Weninger u.a. (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der dem Antrag der Abgeordneten Weninger
u.a. beiliegende Gesetzentwurf betreffend
Änderung des NÖ Polizeistrafgesetzes wird
genehmigt.
2.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
Erforderliche zu veranlassen.“
Herr Präsident, bitte um Debatte und Abstimmung.
Präsident Mag. Freibauer: Ich eröffne die
Debatte. Zum Wort gelangt Herr Abgeordneter
Waldhäusl.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident! Werte
Kollegen des Landtages!
Ich bin gegen diesen Antrag, weil ich für den
Schutz unserer Jugend bin. Denn es happert hier
nicht an Gesetzen, sondern an deren Vollzug. Und
nicht zuletzt auch an der Eigenverantwortung des
Bürgers. Und gerade diese Eigenverantwortung
unserer Jugend soll durch Anlassgesetzgebung
geschwächt werden. Und ich glaube, dass man im
Gegenteil die Jugend fördern sollte und hier geeignete Aufklärung setzen sollte.
Was meine ich damit? Das bestehende Jugendgesetz ist ausreichend. Es fehlt wirklich nur an
der Kontrolle. Und wenn man glaubt, mit diesen
Maßnahmen etwas Positives erreichen zu können,
so kann ich nur zur Antwort geben: Die Polizei kann
und will auch nicht die Aufgaben der Familie übernehmen. Und sie soll sie auch nicht übernehmen.
Anlassgesetzgebung, egal durch welche Umstände
hervorgerufen, Anlassgesetzgebung ist nie in Ordnung! Anlassgesetzgebung ist immer falsch, weil
sie nie zum Ziel führt. Weil Anlassgesetzgebung
noch nie in der Sache geholfen hat, sondern nur
das Gewissen einiger Politiker beruhigt hat.
So hat auch der Wiener Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid gesagt und behauptet, einschränkende Maßnahmen könnten gegen jugendliche Alkexzesse wenig ausrichten. Zudem sei schon
die Einhaltung des Abgabeverbotes an zu wenigen
Kontrollen gescheitert.
In einem Artikel der „Presse“ vom 20. Juni
kann man sehr viel darüber lesen. Und in diesem
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Leitartikel von Dietmar Neuwirth sind keine Emotionen dabei, sondern er hat es, ohne die Anlassgesetzgebung im Hintergrund, sehr gut durchleuchtet.
Und ich möchte da einiges davon zitieren:
Es ist wirklich nicht jedermanns Sache, auf
dem Gehsteig oder einem öffentlichen Platz Alkohol
zu konsumieren außerhalb eines Gastgartens. Aber
müssen bei allem Verständnis für die medial entfachte (Hysterie) rund ums Komatrinken wirklich
Verbote für bestimmte, eng umgrenzte Orte ausgesprochen werden? Schießt der Gesetzgeber bzw.
Verordnungserlasser da nicht mit Kanonen auf
Spatzen? Und vor allem dienen derartige aktionistische Alibiaktionen nicht eher der Gewissensberuhigung überforderter Politiker? Und sollen sie nicht
einfach ablenken von der Untätigkeit beim Exekutieren schon bestehender Gesetze? - Wie ich es
gesagt habe.
Denn wer immer im öffentlichen Bereich randaliert, ob nach, während oder ganz ohne Alkoholkonsum, gegen den kann die Staatsgewalt schon
jetzt einschreiten. - So wie bereits hier am Rednerpult, bereits beim ersten Anlauf zur Änderung des
Polizeistrafgesetzes gesagt. - Und das Einhalten
der Regeln beim Verkauf alkoholischer Getränke an
Jugendliche wird überhaupt ungefähr genauso
ernst genommen wie das Befolgen des Verbots für
Katholiken, Verhütungsmittel zu verwenden.
Ich glaube, dass dieser Artikel, abgesehen davon, dass er mir in allen Punkten zu 100 Prozent
Recht gibt, auch einiges aufzeigt. Die Politik und
die Verantwortlichen in der Politik, ob in der Sozialpolitik, in der Gesundheitspolitik, und jener Menschen, die dafür zu sorgen hätten, dass man der
Jugend den Stellenwert gibt, dass man der Jugend
eine Zukunft gibt, Zukunftschancen, um gewisse
Dinge hintanzustellen, … dass diese Menschen in
der Politik sehr wohl überfordert sind.
Und hier mit dieser Alibiaktion, die heute hier
beschlossen wird, glaubt man, sich selbst, der Öffentlichkeit vermitteln zu können, dass jetzt wieder
alles in Ordnung ist. Na überhaupt nicht! Das ist so
wie wenn man sich ein kleines Pflaster hinaufpickt
und dann schaut man weg und sagt, jetzt haben wir
endlich für die Jugend etwas Positives getan. Weil
wir haben gestern im Landtag beschlossen, dass
das Jugendgesetz jetzt abgeändert wird. Jetzt ist
auch der Besitz verboten. Und plötzlich wird ein
mündiger Bürger oder der Nachbar sagen, ja, war
nicht eh vorher auch schon das, dass er es erwirbt
und der Konsum verboten? Dann würde man sagen, ja, ja, aber jetzt haben wir das versprengt und
jetzt ist eine Ruhe.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Na, eine Dummheit sondergleichen wenn man
an das glaubt. Eine Dummheit sondergleichen. Das
ist überhaupt nichts was im Interesse oder zum
Schutz oder im Sinne der Jugend ist. Und ich erinnere nur an das wie in einer Pröll-Heute-Sendung
um 19.00 Uhr im Fernsehen der besagte Landesfürst fast Tränen in den Augen - da wird er
wahnsinnig viel Zwiebel wieder gebraucht haben
dass er dort hin gekommen ist - dort gesessen ist
und sich um diese Jugend solche Sorgen gemacht
hat.
Sozialbetreuung, ob es Psychologen sind oder
auch jene Menschen, die mit zwei Beinen im Leben
stehen. So wie wir es von vielen Menschen wie wir
kennen und auch erwarten.
Ja, mit dieser Änderung wird überhaupt nichts
geändert an dem was manche Leute zu Recht kritisieren. Man sollte einmal darüber nachdenken, was
ist wirklich? Die Jugend säuft sich nicht zu Tode.
Aber die Jugend wird von der Politik zu Tode gespart. Da ist nämlich anzusetzen! Und dafür ist die
Politik verantwortlich. Und wenn Jugendliche saufen, wenn sie es wirklich einmal tun, dann kann ich
mir schon denken warum. Wenn Sie gestern die
Messeeröffnung in Wieselburg gesehen haben,
dann würde ich auch zum Saufen anfangen wenn
ich ein Jugendlicher wäre. Weil da nimmt mir ja das
jede Möglichkeit, positiv in die Zukunft zu denken
wenn sich ein Landesfürst so aufführt bei einer
Messeeröffnung. Ist ja ein Wunder, dass nicht mehr
Menschen zum Alkohol greifen wenn sie so etwas
ausgesetzt sind.
Da kann man aufklären. Da kann man einschreiten. In den Schulen. Aber die Arbeit und die
Tätigkeit einer intakten Familie kann niemand übernehmen. Und es soll sie auch niemand übernehmen. Und da sieht man wieder, vielleicht sollte man
dort ein bisschen mehr sich in Zukunft um die Familien kümmern, um die Aufgaben.
Schauen wir uns an, wie ist es in der Wirklichkeit? Wie schaut es denn tatsächlich aus? Es sind
ja nicht mehr oder weniger Fälle wo jetzt Jugendliche in Krankenhäusern oder zu ärztlicher Hilfe eingeliefert werden. Und das bestätigen mir auch viele
Personen aus den Rettungsorganisationen. Es wird
jetzt nur mehr darüber diskutiert und darüber gesprochen, und auch gut so.
Die Betroffenen sind nur jünger geworden. Wo
man früher die Fälle mit 14 Jahre gehabt hat, mit 15
und einmal mit 13,5, ist es jetzt leider Gottes in den
jüngeren Jahren bereits. Aber man muss auch ehrlicherweise den Jungen zugestehen dass sie generell reifer geworden sind. Es gibt auch andere
Dinge, die sie früher mit 15 Jahren zuerst schon
einmal gemacht haben und heute merkt man aber
auch, dass diese Dinge bereits mit 12 oder 13 Jahren interessieren.
Unsere Jugend verdient sich eine bessere Diskussion als jene die in den letzten Wochen abgeführt wurde. Unsere Jugend ist nicht schlecht! Unsere Jugend säuft nicht! Unsere Jugend verdient
sich vielmehr dass man sich mit dem wirklichen
Problem auseinander setzt. Und das wirkliche
Problem, und das wissen alle jene die sich mit dem
genau beschäftigen, ob es jetzt Leute sind in der
Diese Probleme resultieren aus vielen verschiedenen Dingen. Oft weil in der Familie ein
Problem vorhanden ist. Oft weil die Jugend zu wenig Perspektiven hat und oft weil es halt gerade in
ist ein bisschen hier und da den Alkohol stärker zu
konsumieren als es wirklich in Ordnung ist.
Und wenn jetzt wieder jemand mit dem Einwurf
kommt, so wie ich es auch nachlesen habe müssen, ja, aber es gibt Familien wo bereits alles zerstört ist, es ist eine Scheidung oder der Vater säuft
und die Mutter, und, und, und. In diesen konkreten
Fällen wird auch dieses Gesetz heute überhaupt
nichts ändern. Weil da muss er ihn weder erwerben
noch muss er sonst irgendwas. Da hat er ihn eh
daham dann vorzufinden.
Und in Diskussionen mit den Jugendlichen wird
das immer wieder bestätigt. Ich wehre mich nur
dagegen, dass jetzt die Jugend abgestempelt
wurde so als das geht alles falsch, das geht
schlecht und in eine komplette Richtung, um Gottes
Willen, was sollte man sich von dieser Jugend erwarten. Nein! Diese unsere Jugend ist in Ordnung!
Ich baue auf diese Jugend! Und ich bin mir sicher,
dass diese Jugend genauso es schaffen wird und
die Leistung vollbringen wird wie wir es auch getan
haben und unserer vorigen Generation gedankt
haben. Auch sie wird es tun. Aber wir unterstützen
sie nicht damit wenn wir in einer Augenauswischerei hier Gesetze beschließen wo wir wissen, dass
sie eine Farce sind.
Und wenn in Zukunft die Polizei dann auch
einschreiten soll und beschlagnahmen soll auf öffentlichen Plätzen und generell und überhaupt und
überall, ich würde nie gerne in einem Polizeistaat
leben und niemand anderer auch. Und es gibt
Dinge, wo sich selbst die Exekutive wehrt, diese
Aufgaben zu übernehmen. Redet mit Kollegen in
der Exekutive. Jetzt müssen sie beschlagnahmen,
müssen darüber Buch führen, müssen das abgeben. Weiß jemand eigentlich, der hier nicht aus der
Exekutive kommt was dahinter für eine Arbeit ist?
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Und salopp gesagt, na wie schaut es dann in
der Praxis aus? Die Exekutive muss, obwohl sie es
nicht will, entlang der Straße stehen und die Autofahrer abkassieren obwohl sie es nicht will, weil sie
von der Politik angehalten wird. Wenn sie mit dem
fertig sind, müssen sie den Jugendlichen noch den
Alkohol abnehmen und in der Zwischenzeit räumen
tausende Ostbanden unsere Häuser und Betriebe
aus. So schaut’s dann aus in Österreich und in
Niederösterreich! Und das kann ich nicht unterstützen. Und das ist auch nicht die Aufgabe der Exekutive und die verwehrt sich auch gegen das.
Nur, die kann nichts dafür. Weil die wird von
der Politik durch solche Beschlüsse wie ihr sie
heute tätigt, dazu getrieben. Dann wird auf öffentlichen Plätzen, dann wird eingeschritten hier gegen
Alkoholkonsum. Im Park dahinter wird brav weiter
das Rauschgift verkauft, über den sehen wir dann
gar nichts und so geht das weiter.
Nein, meine Damen und Herren, ich lehne diesen Vorstoß aber mit aller Kraft ab. Denn zusammengefasst, er bringt uns nicht weiter. Er ist nicht
für die Jugend, er ist gegen die Jugend. Und jeder
Einzelne, der heute hier da den Saal verlässt zu
später Abendstunde, soll ja nicht glauben, dass er
irgendwas erreicht hat oder sogar irgendwas für die
Jugend getan hat. Er hat was gegen die Exekutive
getan, er hat was gegen die Familien getan und
gegen die Jugend. Er hat für sich selbst etwas getan weil er jetzt glaubt, jetzt ist es erledigt. Überhaupt nichts ist erledigt. Das ist ein Schlag gegen
die Jugend und nicht für die Jugend.
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Mag. Ram.
Abg. Mag. Ram: Geschätzter Herr Präsident!
Werte Mitglieder der Landesregierung! Geschätzte
Kolleginnen und Kollegen!
Um gleich beim Vorredner anzuschließen: Klarerweise, und da kann ich ihm nur Recht geben,
klarerweise ist es so, dass wir hier alleine nicht das
Problem das in den letzten Wochen und Monaten in
den Medien zu vernehmen war, das sogenannte
Schlagwort vom Komatrinken, wir alleine können
dieses Problem hier nicht lösen und wir werden es
sicherlich auch durch diesen Gesetzesbeschluss
nicht lösen können. Aber wir können, so glaube ich,
doch mit diesem Beschluss einen Beitrag leisten so
wie wir gefordert sind auch als Politiker, verantwortungsvoll und verantwortungsbewusst zu denken.
Was er gesagt hat bezüglich der Familien und
der Eigenverantwortung, das ist etwas, das kann
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
ich auch nur unterstreichen. Selbstverständlich
sollte man den Jugendlichen sehr viel mehr Rechte
geben. Die Jugendlichen werden immer reifer, darüber haben wir auch schon beim Thema Wählen
mit 16 diskutiert. Und es verschiebt sich halt leider.
In diesem Fall muss man sagen leider. Denn die
Probleme mit Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen hat es immer gegeben. Aber für mich gibt es
zwei wesentliche Unterschiede. Der erste Unterschied: Die Jugendlichen werden immer jünger. Wo
man früher vielleicht 15-, 16-, 17-Jährige gehabt
hat, hat man jetzt schon – und das finde ich wirklich
schockierend – 11-Jährige, 12-Jährige, die mit der
Rettung abtransportiert werden müssen.
Und das Zweite, was man auch nicht vernachlässigen sollte, ist Folgendes: Früher wurde unter
Alkohol vielleicht Wein oder Bier verstanden und
heute gibt es die sogenannten Alkopops bzw. auch
härtere Mischgetränke, die sich die Jugendlichen
selbst zusammenmischen und auch die dementsprechende Wirkung zeigen.
Und das Problem dabei, und deswegen ist dieser Gesetzesbeschluss meiner Meinung nach
trotzdem sehr sinnvoll, das Problem dabei ist, dass
das Ganze nicht nur in öffentlichen Lokalen oder
bei Veranstaltungen konsumiert wird, sondern gerade diese selbst zusammen gemischten Mixgetränke werden sehr oft auf öffentlichen Plätzen,
Parkplätzen usw. konsumiert.
Ich selbst veranstalte schon seit Jahren Parties
für Jugendliche. Und wir halten uns hier sehr streng
daran, dass wir mit 16 Jahren den Alkoholausschank limitieren. Wir machen es sogar so, dass,
um uns selbst als Veranstalter zu schützen, die Jugendlichen erst ab 16 Jahren hineinlassen in das
Gelände wo eben diese Veranstaltungen stattfinden. Weil sonst hat man auch als Veranstalter
keine Möglichkeiten, weil klarerweise die Jugendlichen vielleicht sogar hinkommen, der Veranstalter
selbst schenkt ihnen keinen Alkohol aus, die Jugendlichen sind aber trotzdem vom Alkohol beeinträchtigt, weil sie eben auf Parkplätzen usw. diese
Getränke zu sich nehmen.
Deswegen glaube ich, dass dieser heutige Beschluss auf jeden Fall als positiv und als positives
Zeichen und positiver Schritt in die richtige Richtung zu werten ist. Wir dürfen es uns aber auch
nicht zu leicht machen. Die angesprochenen Aufgaben der Familien, die angesprochenen Aufgaben
der Gesellschaft sind hier mit diesem Beschluss
sicherlich nicht ganz einfach wegzuwischen.
Wir müssen generell überlegen, welche
Gründe es für die Jugendlichen gibt, hier auch
880
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
dementsprechend diese leider negativen Maßnahmen zu setzen, also dieses sogenannte Komatrinken. Und wie wir alle auch in der Öffentlichkeit hier
entgegenwirken können. Wie wir den Jugendlichen
beibringen können, dass es nicht cool ist, dass es
nicht schick ist wenn man sich bis zur Bewusstlosigkeit niedersäuft. Sondern dass wir den Jugendlichen sagen, du bist in Ordnung wenn du anders als
die anderen hier an deine Gesundheit denkst! Hier
daran denkst was mit dir passieren kann und natürlich auch an deine Zukunft denkst.
Ich glaube, dass in diesem Zusammenhang die
Initiativen des Landes sicherlich nicht zu unterschätzen sind. Weil wir heute die beiden Landesrätinnen auch hier haben. Es sind sehr wesentliche
Maßnahmen, die man auch nicht unterschätzen
darf und wo wir gemeinsam auch dafür auftreten
sollten, diese Maßnahmen auch verstärkt publik zu
machen und hier auch verstärkt an die Jugendlichen hier auch heranzutreten.
Der einzige Punkt den ich schon erwähnen
möchte hier und den ich für verbesserungswürdig
halten würde, wäre, dass es eine bundeseinheitliche Lösung gibt. Wenn wir als Niederösterreicher
wie so oft voranschreiten und den Ton voran angeben in positivem Sinne, dann sollten auch die anderen Bundesländer dementsprechend nachziehen
bzw. auch die Bundesregierung dementsprechenden Druck ausüben um hiefür eine einheitliche
Lösung herbeizuführen. Weil es kann nicht sein,
dass etwas in Niederösterreich meiner Meinung
nach zu gutem Recht verboten ist, es aber gleichzeitig zum Beispiel in Wien genehmigt ist. Und hier
die niederösterreichischen Schüler oder die niederösterreichischen Jugendlichen genauso zum Handkuss kommen könnten.
Zusammengefasst, geschätzte Damen und
Herren: Dieser Beschluss entbindet uns natürlich
nicht von unserer Verantwortung, hier auch dementsprechend die Eigenverantwortung und auch die
Familien in die Pflicht zu nehmen. Dieser Beschluss
soll aber dazu beitragen, dass wir in Niederösterreich diesem Komatrinken, diesen negativen Begleiterscheinungen der Jugendlichen entgegenwirken. Und ich glaube, dass es sehr wesentlich ist,
auch den Besitz unter Strafe zu stellen, den Besitz
von alkoholischen Getränken. Da es auch immer
wieder die Ausreden gegeben hat, der Jugendliche
ist angehalten worden und hat dann natürlich gesagt, na ja, ich konsumiere das Getränk nicht, ich
besitze es nur, ich hebe es für einen Älteren auf,
ich transportiere es, und so weiter.
Genau hier müssen wir ansetzen, und hier sind
wir auch beim Themenbereich, dass die Exekutive
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
einschreiten kann. Wir müssen der Exekutive auch
die Möglichkeiten geben! Mit diesem Gesetz geben
wir der Exekutive die Möglichkeiten. Ich werde diesem Gesetz gerne meine Zustimmung geben, weil
ich der Meinung bin, dass wir mit diesem Gesetz
die Problematik nicht lösen werden, aber dass wir
trotzdem einen sehr positiven Beitrag zur Behebung dieser Problematik leisten können. Danke
schön! (Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Zum Wort gelangt
Herr Abgeordneter Weiderbauer.
Abg. Weiderbauer (Grüne): Herr Präsident!
Sehr geehrte Mitglieder der Landesregierung! Hohes Haus!
Ein paar Bemerkungen zu meinen Vorrednern.
Kann mich beiden Vorrednern anschließen in ihrer
Einschätzung, dass diese Gesetzesänderung, das
Problem des Komatrinkens, nicht lösen wird. Also
diese Einschätzung halte ich für richtig. Schließe
mich andererseits eher dem Kollegen Ram an. Ich
habe keine großen Probleme, dieser Gesetzesänderung zuzustimmen. Wir würden sie nur gerne
nicht heute machen, sondern zu einem späteren
Zeitpunkt. Ich werde das am Ende meiner Ausführungen noch begründen warum das so ist.
Wenn man sich den Anlass der Gesetzesänderung anschaut und den Antragstext durchliest, dann
steht da eben drinnen, der Anlass ist dieser übermäßige und missbräuchliche Alkoholkonsum Jugendlicher und dem sollte entgegen gewirkt werden. Jetzt haben wir schon den Konsum und den
Erwerb und jetzt nehmen wir den Besitz noch dazu,
ist für mich eigentlich eine Formsache. Die Frage
des Vollzuges dieser Gesetze ist immer ein Problem und wird auch mit Zunahme des Besitzes weiterhin ein Problem werden.
Wenn man sich jetzt die Situation überlegt, wie
es in den Medien geschildert wird, dann schaut das
so aus: Immer mehr und immer jüngere Jugendliche saufen bis zum Umfallen - so bekommen wir es
über die Medienberichte mit - und werden dann mit
Alkoholvergiftungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Das heißt, es wird irgendwie vermittelt, und
da habe ich auch bei den letzten Sitzungen bemerkt, dass der Landtag eigentlich sich dieser Meinung nicht anschließt, es wird irgendwie vermittelt,
wir sind mit einer Generation konfrontiert von jungen Säuferinnen.
Wir haben das letztens in der Gruppe 4 auch
diskutiert und irgendwie ist durchgekommen und
auch heute schon, es ist natürlich nicht das Problem der Jugendlichen alleine, sondern da spielt
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
sehr viel mit. Das Problem durch die Berichterstattung allerdings, und das habe ich in vielen Diskussionen jetzt auch bemerkt, ist, es entsteht sozusagen fast ein Wettbewerb, wer überschreitet die
Promillegrenze als nächster? Wer ist noch ein bisschen jünger beim Saufen? Irgendwie sind die Zeitungen ganz heiß darauf, solche Berichte zu bekommen. Also immer jünger, immer mehr Promille.
Ein Wettbewerb wird dadurch entfacht, der alles
andere als positiv ist. Ich glaube, auch hier sind wir
einer Meinung.
Warum machen Jugendliche das? Das haben
wir auch das letzte Mal schon angeschnitten. Lese
ich in Zeitungen, na ja, Jugendliche haben immer
schon gern Alkohol getrunken in allen Variationen.
Wir sind auch der Meinung, und das haben wir
auch schon diskutiert, es sind wahrscheinlich gar
nicht so viel mehr Jugendliche, die das machen.
Nur eben, durch die Berichterstattung kommt das
dermaßen in die Öffentlichkeit. So! Und jetzt ist die
Politik gefordert, unter anderem die Politik gefordert
zu reagieren. Man sieht sich diese Maßnahme an
und denkt sich, na gut, jetzt wird der Besitz auch
unter Strafe gestellt. Ist es das oder gibt’s da nicht
noch mehr?
Wir werden morgen wahrscheinlich einen weiteren Höhepunkt erleben was Saufen anbelangt.
Morgen ist Schulschluss! Also da wird sich wahrscheinlich noch einiges abspielen. Man wird sehen,
wie die Exekutive, wie die Polizei damit umgeht und
ob das im Griff zu behalten ist. Weiter geht’s dann
bei den Maturareisen. Davon wird eigentlich sehr
wenig berichtet. Die sogenannten Summersplashes
sind eigentlich Vollrausch für eine Woche. Nur
spielt sich das nicht in Österreich ab, sondern im
Ausland. Wir haben da keinen gesetzlichen Zugriff.
Aber auch das sind Erscheinungen, die in den Medien nicht so kolportiert werden, aber ungefähr das
gleiche Problem darstellen.
Und hier stellt sich wieder letztendlich die
Frage der Kontrolle des Gesetzes und des Vollzuges, was hat die Polizei für eine Rolle. Ist schon
angeklungen, sie sind teilweise überfordert, wollen
das nicht. Es bedeutet mehr Arbeit, den Besitz zu
kontrollieren. Wr. Neustadt will, dass die Bundespolizei die Kontrolle übernimmt. Hier gibt es aber
das Vetorecht des Bundes. Ist das abgeklärt, wird
der Bund von seinem Vetorecht Gebrauch machen
oder werden die Zuständigen sagen, natürlich müssen die das klären? Alles Gründe für uns, hier noch
etwas zuzuwarten.
So, wie schauts mit der Rolle der Erwachsenen
aus? Wieselburg ist heute schon angeklungen. Ich
komm’ aus der Region. Und für mich ist Wieselburg
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
und das Wieselburger Volksfest immer in früheren
Jahren so gewesen, da geht’s alkoholmäßig auch
zur Sache. Und dementsprechend entstehen Raufhandel daraus. Und ich glaube, der Landeshauptmann von Niederösterreich hat das gestern in eindrucksvoller Weise eingeläutet. Also da kann man
sich erwarten, was daraus entstehen wird wenn
sich Jugendliche das zum Vorbild nehmen. Na
danke schön, das wird ja lustig werden. Noch
einmal zur Rolle der Erwachsenen. Immer die
Frage, mit welchem Beispiel gehen Erwachsene
voran? Ist es so, dass Komatrinken, das Saufen ein
Problem der Jugendlichen allein ist? Natürlich ist es
das nicht! Da haben wir die Volksfeste, da haben
wir die Feuerwehrfeste, da haben wir andere Feste.
Also wir werden genug Erwachsene finden die mit
sehr schlechtem Beispiel bei dieser Gelegenheit
vorangehen.
Im Gesetz, und das finde ich interessant, im
Gesetzesantrag wird dann darauf eingegangen,
also da wird berichtet wieviel Prozent Alkohol in
welch frühen Jahren konsumieren. Und da steht:
Fast wöchentlich wird in den regionalen und überregionalen Medien von Saufgelagen Jugendlicher
berichtet, die teilweise von diversen Lokalbetreibern
und Veranstaltern sogar noch gefördert und betrieben werden. Und man bezieht sich auf diese 1
Euro- und Flatrate-Parties. Und genau da sind wir
bei einem wichtigen Punkt. Da gibt’s wirklich Lokalbetreiber und Gastronomen die so was fördern. Ja,
was ist mit diesen Leuten? Dafür haben wir in unserem Gesetz nicht viel drinnen. Das bezieht sich auf
die Jugendlichen. Hier wird der Besitz verboten.
Aber was ist mit den Leuten die denen das zur
Verfügung stellen? Die sogar das fördern und mit
wenig Verantwortung hier ans Werk gehen und Jugendlichen für wenig Geld und öfter auch ungesetzlich diese alkoholischen Getränke zur Verfügung stellen? (Beifall bei den Grünen.)
Die Politik ist gefordert und teilweise bei diesen
Dingen auch überfordert, das muss man zur Kenntnis nehmen. Und jetzt komme ich zu einer Aktion
einer Politikerin, die ja jetzt ins Haus steht. Gesundheitsministerin, allen bekannt, kommt ja aus
Niederösterreich, sagt jetzt: Liebe Leute, nachdenken, nicht nachschenken. Oder denken, nicht nachschenken. Und für mich – und jetzt komme ich zu
dem was ich vorher angekündigt habe und für uns
ein wichtiger Punkt – sie strebt vor allem eine Vereinheitlichung des Jugendgesetzes an. Ich wäre
sehr interessiert: Weil die Landesrätin, die zuständige, für Jugend jetzt auch bei uns herinnen sitzt
und die Gesundheitsministerin aus Niederösterreich
kommt, nehme ich einmal an, liebe Frau Landesrätin, dass ihr auch miteinander redet und das auch
abgesprochen habt.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Ich hätte gern von dir gewusst, wie ist der
Stand der Dinge, was Vereinheitlichung des Jugendgesetzes anbelangt? Sie geht nämlich in ihren
Forderungen soweit, genau das was wir im Vorfeld
dieser Sitzung auch angeraten oder empfohlen
hätten, das Verbot auszudehnen bis 18 Jahre und
zwar genau was diese gebrannten Getränke und
Alkopops anbelangt. Nicht weil wir glauben …, und
jetzt kommt sicher das Killerargument, na ja, wählen mit 16, da seid ihr dafür und dann wollt ihr ihnen
nach 16 Jahren verbieten dass sie gebrannte Getränke und Alkopops konsumieren? Es geht um den
gesundheitlichen Aspekt. Es ist nachgewiesen,
dass gerade für Jugendliche in diesem Alter das
sicher nicht sehr gesundheitsfördernd ist, was Alkoholmissbrauch ohnehin logischerweise nicht ist.
Aber genau abgezielt auf diese Getränke. Und da
gibt’s Beispiele in anderen Bundesländern, wo das
schon im Jugendgesetz drinnen steht.
Die Gesundheitsministerin sagt jetzt okay, wir
nehmen jetzt als Beispiel dieses Bundesland wo es
am Schärfsten formuliert ist und das soll als
Grundlage gelten für unser neues gleich geschaltetes Jugendgesetz, vereinheitlichtes Jugendgesetz. Daher würden wir es sinnvoll finden, jetzt gar
nichts zu ändern. Denn es macht wirklich keinen
Sinn, alle zweieinhalb Monate, dreieinhalb Monate
das Jugendgesetz zu ändern. Weil dann kennt sich
überhaupt niemand aus.
Wenn eine Vereinheitlichung ins Haus steht,
dann bitte verschieben wir das, verweisen wir es an
die Ausschüsse zurück, warten wir, was bei den
Verhandlungen mit der Gesundheitsministerin
’rauskommt und dann geben wir uns das noch einmal im NÖ Landtag und fassen unsere Beschlüsse.
Daher zum Abschluss unser Antrag (liest:)
„Antrag zur Geschäftsbehandlung
der Abgeordneten Weiderbauer, Dr. Petrovic,
Mag. Fasan und Dr. Krismer-Huber betreffend Zurückverweisung an den Ausschuss gem. § 61 LGO.
Die Anträge:
Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses
Ltg.-917/A-1/81 - Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Mag. Schneeberger, Weninger u.a.
betreffend Änderung des NÖ Jugendgesetzes
Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing - ÖVP
und
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses
Ltg.-873/A-2/33 - Antrag mit Gesetzentwurf der
Abgeordneten Weninger u.a.. betreffend Änderung
des NÖ Polizeistrafgesetzes.
Berichterstatter: Abg. Mag. Motz – SPÖ
mögen an den Rechts- und Verfassungsausschuss zur weiteren Beratung zurückverwiesen
werden.
Die Bundesministerin für Gesundheit, Familie
und Jugend, Dr. Andrea Kdolsky hat kürzlich eine
Vereinheitlichung der Jugendschutzbestimmungen
zum Alkoholkonsum angekündigt. Diese soll bereits
in wenigen Monaten mit Herbst 2007 umgesetzt
werden und sich an den strengsten auf Länderebene bestehenden Regelungen orientieren. Wie
bereits von den Grünen vorgeschlagen plant die
Bundesgesundheitsministerien, dass an Unter-16Jährige generell kein alkoholischen Getränke und
an Unter-18-Jährige keine gebrannten alkoholischen Getränke ausgeschenkt werden dürfen.
Im Hinblick auf die bereits laufenden Vorbereitungen auf eine bundesweite Vereinheitlichung
der Bestimmungen für die Jugendschutzbestimmungen zum Alkoholkonsum, die in wenigen Monaten zum Abschluss gebracht werden sollen, wird
eine Zurückverweisung an den Ausschuss für sinnvoll erachtet. Ein quartalsweise Novellierung des
NÖ Jugendgesetzes erscheint nicht sinnvoll. Derartig kurzfristige Novellierungen sind im Sinne der
Rechtsklarheit und -sicherheit kontraproduktiv.
Auch der Antrag betreffend Änderung des NÖ
Polizeistrafgesetz betrifft den Alkoholkonsum von
Jugendlichen. Es sollte zunächst die Novellierung
der entsprechenden Jugendschutzbestimmungen
abgewartet werden, bevor die entsprechenden
polizeilichen Befugnisse adaptiert werden. Daher
soll auch dieser Antrag zur weiteren Beratung und
Vorbereitung einer einheitlichen Regelung in den
Ausschuss zurückverwiesen werden.“
(Beifall bei den Grünen.)
Präsident Mag. Freibauer: Hoher Landtag!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich möchte Sie informieren was das nun bedeutet, die beiden Anträge. Es ist § 61 Abs.2 anzuwenden, da heißt es: Werden in der Debatte Anträge auf Absetzung von Verhandlungsgegenständen von der Tagesordnung, auf Vertagung, auf
Zurückverweisung an den Ausschuss oder auf Zu-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
weisung an einen anderen Ausschuss gestellt, so
erhält nur mehr der Berichterstatter das Wort, worauf über diesen Antrag ohne weitere Debatte abgestimmt wird. Es sind zwei Anträge, daher zwei Berichterstatter. Ich frage beide ausdrücklich, ob sie
das Wort dazu wünschen?
Berichterstatter Abg. Mag. Wilfing (ÖVP):
Ich verzichte!
Berichterstatter Abg. Mag. Motz (SPÖ): Ich
verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Keiner wünscht
das Wort, daher wird jetzt abgestimmt über den
Antrag der Abgeordneten Weiderbauer, Dr.
Petrovic, Mag. Fasan und Dr. Krismer-Huber auf
Zurückverweisung an den Rechts- und Verfassungs-Ausschuss. (Nach Abstimmung:) Das sind
nur die Abgeordneten der Grünen, das ist nicht die
Mehrheit. Der Antrag ist abgelehnt und die Debatte
wird fortgesetzt mit den Rednern, die zu Wort gemeldet sind laut Geschäftsordnung. Der Nächste zu
Wort gemeldete ist Herr Abgeordneter Rosenmaier.
Abg. Rosenmaier (SPÖ): Herr Präsident! Geschätzte Frau Landesrätin!
Ich möchte heute einige Worte über die Sicherheit, ganz im Besonderen die regionale Sicherheit in meiner Heimat, Bezirk Wr. Neustadt, sprechen. Es gibt einen Resolutionsantrag des Gemeinderates der Statutarstadt Wr. Neustadt betreffend Änderung des NÖ Polizeistrafgesetzes. Das
Land, sprich der Landeshauptmann, die Landeshauptmannstellvertreterin und die Landtagsklubs
werden, so wie wir nun hören werden, aufgefordert,
die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes,
der Bundespolizei und der Bundespolizeidirektionen haben durch Maßnahmen zur Vorbeugung
gegen drohende Verwaltungsübertretungen und
Maßnahmen, die für die Einleitung, Durchführung
und den Abschluss von Verwaltungsstrafen erforderlich sind, an der Vollziehung ortspolizeilicher
Verordnungen der Städte mit eigenem Statut mitzuwirken.
Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden
bzw. sichergestellt werden, dass die Wiener Neustädter Polizei ortspolizeiliche Verordnungen des
Gemeinderates vollziehen kann. Der Sinn der Änderung wird ja geradezu durch die einstimmige
Annahme des Gemeinderates unterstrichen. Allein
die Anstrengungen von Bürgermeister Bernhard
Müller zeigen die Wichtigkeit der bestehenden
Probleme drastisch auf. In diversen Presseaussendungen sind schlagende Anregungen, die Missstände zu beseitigen, nachzulesen. Bürgermeister
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Müller unter anderem, und ich darf zitieren: Dringend mehr Personal für die Polizei. Weiters: Wachzimmerschließungen müssen rückgängig gemacht
werden. Bürgermeister Müller 2007: Keine Autobars in der Herrengasse. Gemeinsame Maßnahmen von Gastronomen in Stadt für mehr Sicherheit
in der Innenstadt.
Fälschungssichere einheitliche Ausweise für
9.000 Wr. Neustädter Schülerinnen und Schüler ab
Herbst. Bürgermeister Müller weiters: Alkoholverbotsverordnung soll ein Mehr an Sicherheit im Zentrum der Stadt bringen. Stadt verdoppelt Beleuchtung in der Fußgängerzone in der Wienerstraße an
den Wochenenden. Und abschließend bewirbt Bürgermeister Müller seine Anliegen mit einem sehr
schönen Plakat: Fairantwortung. Kein Alkohol an
Minderjährige!
Geschätzte Damen und Herren des Hohen
Hauses! Man kann sich vorstellen, wenn man da
ein bisschen zugehört hat, dass in diesem Bereich
in der Statutarstadt Wr. Neustadt gerade der Alkoholmissbrauch völlig eskaliert ist. Und das sind
Anliegen des Bürgermeisters und seines Teams,
ganz einfach eine Hilfestellung zu bekommen. Was
leider Gottes nicht ganz funktioniert hat. Wenn dies
von den zuständigen Verantwortlichen abgelehnt
wird bzw. es zu keiner notwendigen Gesetzesänderung kommt, schreibt unter anderem Bürgermeister
Müller zu Recht, ist die erste große Chance am
Landtag von Niederösterreich eigentlich vorüber
gegangen. Diese Chance, der Antrag auf Änderung
des Polizeistrafgesetzes wurde eigentlich – und das
ist das Traurige daran - durch die Mehrheit der
ÖVP des NÖ Landtages abgelehnt.
Und umso schlimmer wenn man die fast täglichen Meldungen in den Medien verfolgt: Komatrinken ist geradezu zum Schlagwort des Jahres geworden! Und ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, dieses Thema allgemein und gemeinsam zu
sensibilisieren. Es wird auch wichtig sein, junge
Menschen zu beraten, sie im Bedarfsfall zu verwarnen und nicht gleich wie man so schön sagt, zum
Kadi zu laufen und mit einer Anzeige zu drohen.
Und aufs Schärfste sind die sogenannten ZweiEuro-Parties zu verurteilen! Das ist ganz etwas
Schlimmes.
Und genauso zu verurteilen, geschätzte Damen und Herren, ist mit Sicherheit - die Erfindungsmöglichkeiten sind ja großartig - das sogenannte „Metersaufen“. Das gibt es auch. Und es
gibt auch das Restlsaufen. Das heißt, die Kreativität
hat hier eigentlich sich selbst keine Grenzen gesetzt. Man muss den Jugendlichen eigentlich vermitteln, dass Alkohol sie weder stärker macht, noch
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
dass es in ist. Es ist auch möglich, mit alkoholfreien
Getränken lustig zu sein und sich zu unterhalten.
Ich glaube, dass der Alkohol allein nicht der Stimmungsmacher sein muss. Stimmung kann man
selbst machen, die kann man mitbringen. Außerdem ist es auch gesünder.
Man muss Jugendlichen vermitteln, dass der
Alkoholkonsum keinesfalls eine Imagepflege ist –
im Gegenteil – er ist auch gesundheitsschädigend.
Und ich glaube auch, dass es wichtig sein wird … –
und es gibt ja nicht nur schwarze Schafe, es gibt ja
auch Gastronomiebetriebe oder auch den Handel,
der sich dafür verwendet, hier ganz einfach tätig zu
werden im Sinne des Gesetzes welches wir heute
beschließen wollen, die Jugendlichen nicht mit
Alkoholika zu versorgen. Es würde mir auch wichtig
erscheinen dahingehend vielleicht für diese Betriebe, für die Gastronomen, dementsprechend
positive Werbung zu machen. Dass die hier so
ganz bei der Sache dabei sind.
Und ganz, ganz wichtig erscheint es mir, die
Wurzeln des Übels ganz einfach zu erkunden einmal. Denn der Alkgenuss der Jugendlichen ist meines Erachtens noch eine ganz eine schlimme Sache. Und wenn man die wirklichen Wurzeln einmal
versucht zu eruieren, dann kommt man eigentlich in
die kleinste Zelle, die Familie. Ich glaube, dass es
leider Gottes keine Seltenheit ist, dass der Herr
Papa des Öfteren, speziell zum Wochenende dann
durch eine Selbstbelohnung, weil er eine Woche
schwer gearbeitet hat, als Betrunkener nach Hause
kommt. Zwischendurch die Gattin an Verzweiflung
ebenfalls an einen überhöhten Alkoholkonsum leidet und sie beide dann, so glaube ich, absolut
schlechte Vorbilder für ihre eigenen Kinder und
Jugendlichen sind. Ich weiß schon, dass es wichtig
ist, Gesetze zu schaffen um ganz einfach Missstände abzuschaffen.
Aber eines muss uns schon klar sein, geschätzte Damen und Herren des Hohen Hauses:
Gesetze schaffen immer nur Rahmenbedingungen.
Rahmenbedingungen dafür, dass man irgend jemanden oder irgend etwas dann dem Gesetz entsprechend belangen kann. Ich glaube, dass es
wichtiger ist, im Keim der Zelle, in der Familie, anzufangen. Familie zu sein, Familie zu leben und
ganz einfach als Vorbild vorzuleben und vielleicht
als Idol für junge Menschen dazustehen und zu
zeigen, dass man auf Veranstaltungen gehen kann,
an Veranstaltungen teilnehmen kann wo man nicht
unbedingt in Übergenuss dem Alkohol sich hingibt.
Sondern dass man ganz normal vielleicht ein Glas
Mineral – das ist ja nicht so unmodern – trinkt oder
ein Fruchtsaftgetränk und damit eine Vorbildwirkung gibt. (Beifall bei der SPÖ.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Und ich glaube, dass das der bessere Ansatz
wäre als die Gesetzgebung, der wir natürlich auch
unsere Zustimmung geben. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall bei der SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Maier.
Abg. Maier (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag!
Die aktuelle Diskussion oder jetzt zur Zeit gerade nicht, aber da und dort doch noch, Jugend
und Alkohol hat uns heute diese Debatte beschert.
Ich möchte auf meine Vorredner nicht näher eingehen. Es ist grundsätzlich viel Positives und Richtiges gesagt worden. Und ich glaube auch, dass die
Hinweise auf die Tatsache, dass wir keine Verallgemeinerung der Jugend zulassen sollten, auch als
Politiker nicht, und vor allem diese Verallgemeinerung die teilweise in den Medien Platz gegriffen hat,
auch das muss man hier von dieser Stelle einmal
anmerken, das sollten wir ebenfalls auf das
Schärfste zurückweisen. Genau diese Verallgemeinerung ist es, die letztendlich das schlechte Licht
auf die gesamte Jugend wirft. Wir sollten eigentlich
der Tatsache ins Auge sehen, dass es sich hier laut
Zahlen der Fachstelle für Suchtvorbeugung um ein
bis zwei Prozent der Jugendlichen handelt.
Ebenso, glaube ich, ist eine Bitte auszusprechen, dass man mit Schuldzuweisungen in diesem
Fall sehr vorsichtig umgeht. Schuldzuweisungen,
sei es an die Politik, an die Eltern, an die Lehrerschaft, an die Schulen etc., etc. oder an die Jugendlichen selbst, an ein System oder an die Behörden, an Gewerbetriebe oder Vereine und Institutionen, auch diese pauschal getroffen, sind nicht
der richtige Weg, hier die Diskussion Jugend und
Alkohol und das Problem, dass immer Jüngere
immer früher zum Alkohol greifen, dass wir dieses
Problem lösen.
Ich möchte kurz in Erinnerung rufen: Wir haben
am 1. September 2005 eine Verschärfung des Jugendgesetzes beschlossen, Konsum war damals
unter 16 verboten. Das neue Gesetz war dann eine
Ausweitung des Verbots auch auf die Abgabe von
Alkohol und Nikotin und auch Strafen für Gewerbetreibenden wurden vorgesehen.
Nun, um die Exekutierbarkeit, und hier bin ich
beim Abgeordneten Ram, der gesagt hat, es ist für
viele Exekutivbeamte nicht möglich, bei einer Anhaltung letztendlich nachzuvollziehen, ob Konsum
passiert ist oder nicht ohne viel Aufwand, dass man
hier nun auch den Besitz um der Exekutierbarkeit
Willen verbietet.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Ein wichtiger Nachzug des Gesetzgebers, den
wir heute machen, und ich darf das in Richtung der
Grünen bitte auch anmerken. Ich glaube nicht, dass
es etwas bringt, das auf die lange Bank zu schieben. Ich glaube auch nicht, dass es etwas bringt,
jetzt zu warten ob eine Vereinheitlichung des Jugendgesetzes passiert oder nicht passiert. Ich
glaube, dass jeder Baustein, und das nicht minder
bewertet, jeder Baustein ein wichtiger Baustein in
diesem Bereich ist, den wir setzen sollten. Auch ein
Signal das wir setzen sollten. Und dass dann natürlich bei der Umsetzung dementsprechend darauf
geachtet wird, wie der Fortgang dieser Bemühungen um Vereinheitlichung passiert.
Mit der Jugendkarte 1424, die ja auch hier explizit im Antrag angeführt ist, stellen wir den Jugendlichen gratis eine Karte zur Verfügung, die wir
einzigartig in Österreich haben und die einzigartig
auch als gesetzlich anerkannter Jugendausweis
gilt. Ich glaube, und das haben die letzten Zahlen
der vergangenen Jahre bewiesen, dass diese Jugendkarte eine hohe Akzeptanz genießt. Dass
diese Jugendkarte auch zusätzlich zur Ausweisfunktion, weil sie eben Vergünstigungen und Ermäßigungen mit sich bringt, eine hohe Akzeptanz genießt und bei den Jugendlichen ankommt. Und das
genau deshalb diese Karte letztendlich ein Medium
sein kann um hier den Altersnachweis zu erbringen
ob jemand berechtigt ist, Alkohol zu besitzen und
zu konsumieren oder eben nicht.
Die Änderung des Gesetzes, und das haben
wir heute schon sehr oft gehört, ist letztendlich ein
Teil eines Maßnahmenpaketes das wir schnüren
müssen. Aber auch ein Teil dessen, was viele andere noch tun müssen. Während eben die Diskussion rund um Alkohol medial sehr stark entfacht war
und für Diskussionen gesorgt hat, was grundsätzlich positiv ist, weil Bewusstseinsbildung damit passiert ist, war eben genau die Verallgemeinerung
das Problem in Kreisen der Jugendlichen. Und
jeder Abgeordnete und jede Abgeordnete die sich
mit Jugendlichen unterhalten hat, hat da und dort
sehr wohl gespürt, dass diese Verallgemeinerung
der Jugend weh getan hat. Vielen Jugendlichen,
die eben nicht in dieses Schema des Komasäufers
fallen.
Eines ist wesentlich und positiv hervorzustreichen durch diese Diskussion, das ist eben die Bewusstseinsbildung. Ich weiß nicht, wie es Ihnen
ergangen ist in den letzten Wochen und Monaten.
Aber ich habe bei vielen und zahlreichen privaten
Festen, Veranstaltungen, ob es Vereine oder Feuerwehren waren, noch nie so viele Hinweise gesehen, dass die Abgabe an Jugendliche unter 16
verboten ist. Ich habe noch nie so viele Maßnah-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
men gesehen im Eingangsbereich von privaten
Festen, wo kontrolliert wurde wie alt man ist und ob
man überhaupt hinein darf. Bewusstseinsbildung ist
passiert! Ein wesentlicher Baustein. Und dem müssen wir letztendlich auch jetzt Rechnung tragen,
dass wir die Exekutierbarkeit nachjustieren.
Wir haben mit diesem heutigen Gesetzentwurf,
glaube ich, auch das Richtige getan. Wir haben
aber auch noch sehr viel zu tun. Ich möchte noch
hervorstreichen all die Maßnahmen, die in den
letzten Jahren von Seiten des Landesjugendreferates und von Seiten der Landesjugendreferentin
Hanni Mikl-Leitner hier gesetzt wurden, die hier
auch von uns budgetär vorgesehen wurden, diese
Punkte sind sehr, sehr wichtig.
Und diese Aktionen wie „Spaß mit Maß“ in den
Schulen ab der 9. Schulstufe, wo heuer wesentlich
mehr Informationsveranstaltungen noch zusätzlich
gemacht wurden. „Sei stark und sag NÖ“, diese
Aktion im Bezirk Hollabrunn wo unter dem Bezirkshauptmann Grusch alle Institutionen, alle Kräfte
zusammenwirken und hier gemeinsam kämpfen
dagegen dass Jugendliche … oder dafür dass hier
Bewusstseinsbildung betrieben wird und hier Jugendliche und Institutionen angehalten sind, eben
das Jugendgesetz zu vollziehen.
Die Aktion „wir sagen NÖ“, die Dachmarke für
Aktionen, die gesetzt wurden. Ganz, ganz wichtig.
Wo sich Betriebe auch letztendlich hier auszeichnen können. Und die Forcierung von Vorträgen
zum Thema Alkohol in der niederösterreichischen
Elternschule. All das sind Maßnahmen, die in einem Gesamtpaket greifen. Noch viel, viel mehr
muss getan werden um Bewusstseinsbildung noch
verstärkt zu betreiben.
Aber liebe Hanni, ich darf dir dafür ganz, ganz
herzlich danken, für die Maßnahmen, die bis jetzt
gesetzt wurden. Denn die ersten Veränderungen
sind bereits spürbar. (Beifall bei der ÖVP.)
Auch das Verkaufspersonal in den Geschäften
ist sensibilisiert, das zeigen viele, viele Beispiele.
Und ich möchte hier allerdings auch einen aktuellen
Artikel aus den „Niederösterreichischen Nachrichten“ von dieser Woche aus meinem Heimatbezirk
kurz verlesen. Es ist so ein kurzer „Spaziergänger“,
der, glaube ich, genau zeigt, in welch problematischem Gefilde wir uns bewegen.
Überschrift „Korrekt verhalten, von Kundin angepöbelt“. Vorbildlich verhielt sich am 10. Juni eine
Kassierin des Horner Merkurmarktes als sie einem
ganz offensichtlich noch nicht 16-jährigen Mädchen
die zur Kassa gebrachten Flaschen mit Alkohol
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
nicht verkaufen wollte. Der Teenager musste knurrend abziehen. Kurze Zeit später stand aber die
Mutter bei der Kassierin um dieser, gelinde ausgedrückt, eine „Goschn“ anzuhängen. Was sie sich
eigentlich einbildet, der Kleinen die Sachen nicht zu
geben, die sie ihr zu kaufen aufgetragen habe.
Jetzt habe sie extra aus dem Auto aussteigen und
selbst hereinkommen müssen.
Symptomatisch für eine Diskussion, die wir
führen. Symptomatisch letztendlich auch für einen
Bereich, den wir uns vielleicht nicht oft ansprechen
zu trauen, nämlich die Verantwortung der Eltern.
Die Verantwortung der Eltern, hier muss noch einiges passieren. Es sind gerade die Privatveranstaltungen wo es oft zu exzessiven Ausflüssen kommt.
Und ich glaube, dass wir hier in diesem Bereich
wirklich nachsetzen müssen und auch deshalb
diese Vorträge in der Elternschule da und dort verstärken sollten.
Ich persönlich bin sehr froh über diese Maßnahme, auch den Besitz letztendlich heute unter
Verbot zu stellen, weil wir damit auch die Exekutierbarkeit des Gesetzes einfacher machen können.
Wir können mit diesem Weg, mit diesem ersten
Baustein oder weiteren Baustein diesen Weg fortsetzen. Wir müssen mit den Aktionen, die wir setzen, dies noch intensivieren. Wir müssen konsequent unseren Weg beschreiten und können mit
diesem Gesetz allerdings trotzdem nur Rahmenbedingungen schaffen.
In der 5. und 7. Novelle zum NÖ Jugendgesetz
wurden die Jugendschutzbestimmungen bezüglich
Alkohol mit den Bundesländern Wien und Burgenland harmonisiert und diesbezüglich eine einheitliche gesetzliche Regelung in der Ostregion Österreichs gewährleistet. Ich darf dazu einen Resolutionsantrag einbringen (liest:)
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Maier und Rosenmaier zum
Antrag der Abgeordneten Mag. Schneeberger,
Weninger u. a. betreffend Änderung des NÖ Jugendgesetzes, Ltg.-917/A -1/81-2007, betreffend
Maßnahmen zur Einschränkung des Konsums von
gebrannten alkoholischen Getränken für junge
Menschen bis zum 18. Lebensjahr – Einheitliche
Vorgehensweise der Bundesländer in der Ostregion.
In der heutigen Landtagssitzung soll auf Initiative der Niederösterreichischen Volkspartei das NÖ
Jugendgesetz in Bezug auf junge Menschen und
Alkohol insofern verschärft werden, als jungen
Menschen bis zum vollendeten 16. Lebensjahr
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
nicht nur der Erwerb und Konsum, sondern auch
der Besitz von alkoholischen Getränken verboten
sein soll. Zusätzlich sollen die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes die Möglichkeit erhalten,
alkoholische Getränke, die von jungen Menschen
entgegen den Bestimmungen des NÖ Jugendgesetzes erworben, konsumiert und besessen werden, nach dem Verwaltungsstrafgesetz- VStG 1991
zu beschlagnahmen.
Darüber hinaus wird einerseits diskutiert, jungen Menschen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr,
den Konsum von „harten“ (gebrannten) alkoholischen Getränken zu verbieten, andererseits wurden
mit der 5. und 7. Novelle zum NÖ Jugendgesetz die
Jugendschutzbestimmungen bezüglich Alkohols mit
den Bundesländern Wien und Burgendland harmonisiert, um diesbezüglich einheitliche gesetzliche
Regelungen in der Ostregion Österreichs zu gewährleisten.
Diese einheitliche Vorgehensweise hat sich als
zielführend erwiesen und sollte auch bei der gegenständlichen Frage eingehalten werden.
Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung Gespräche mit den
Landesregierungen Wiens und des Burgenlands
aufzunehmen, um eine einheitliche Vorgehensweise betreffend des Problems des Konsums von
‚harten’ alkoholischen Getränken für junge Menschen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zu finden.“
Ich darf bitten, dass Sie diesem Antrag zustimmen. Ich möchte nur anmerken, dass wir von
Seiten der ÖVP dem Antrag der SPÖ, Polizeistrafgesetz, zustimmen werden, wenngleich die vergangenen Signale von Seiten des Bundes nicht positiv
waren. Aber wir werden diesem Antrag zustimmen.
(Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Die Rednerliste ist
erschöpft. Die Berichterstatter haben das Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Mag. Wilfing (ÖVP):
Ich verzichte!
Berichterstatter Abg. Mag. Motz (SPÖ): Ich
verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Sie verzichten.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Wortlaut
des Gesetzes sowie über den Antrag des Rechtsund Verfassungs-Ausschusses, Ltg. 917/A-1/81:)
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Gegenprobe? Wer ist dagegen? Mit einer Gegenstimme angenommen.
Herr Präsident, ich bitte um Debatte und Abstimmung.
(Nach Abstimmung über den Wortlaut des Gesetzes sowie über den Antrag des Rechts- und
Verfassungs-Ausschusses,
Ltg.
873/A-2/33:)
Danke. Gegenprobe? Mit einer Gegenstimme angenommen.
Präsident Mag. Freibauer: Ich eröffne die
Debatte. Zum Wort gelangt Herr Abgeordneter
Waldhäusl.
Resolutionsantrag der Abgeordneten Maier
und Rosenmaier kommt zur Abstimmung. (Nach
Abstimmung:) Gegenstimmen? Mit einer Gegenstimme angenommen.
Jetzt ersuche ich den Herrn Abgeordneten
Mag. Heuras, die Verhandlungen zu Ltg. 918/R-3/1
einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Mag. Heuras (ÖVP):
Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte zu Ltg.
918/R-3/1 über die 17. Novelle zum NÖ Raumordnungsgesetz sowie über den Antrag der Abgeordneten Dipl.Ing. Eigner, Jahrmann, Doppler, Rosenmaier, Grandl, Vladyka, Hensler, Maier und
Nowohradsky gemäß § 34 LGO zur Vorlage der
Landesregierung betreffend Änderung des NÖ
Raumordnungsgesetzes betreffend Änderung der
NÖ Bauordnung 1996.
Es hat sich in einigen Themen ein dringender
Handlungsbedarf ergeben. Insbesondere bei der
Sicherung der Raumverträglichkeit bei Großbauvorhaben, Absicherung von klassischen Einfamilienhausgebieten sowie Klarstellungen diverser anderer Probleme im Vollzug des Gesetzes sowie
Berichtigungen von Redaktionsfehlern. Ich bringe
daher den Antrag des Bau-Ausschusses ein über
die Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Raumordnungsgesetzes und Antrag
gem. § 34 der Abgeordneten Dipl.Ing. Eigner,
Jahrmann u.a. betreffend Änderung der NÖ Bauordnung (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Änderung des NÖ Raumordnungsgesetzes 1976
wird genehmigt.
2.
Der dem Antrag gem. § 34 LGO 2001 der Abgeordneten Dipl.Ing. Eigner, Jahrmann u.a.
beiliegende
Gesetzentwurf
betreffend
Änderung der NÖ Bauordnung wird genehmigt.
3.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieser Gesetzesbeschlüsse
Erforderliche zu veranlassen.“
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Kollegen des NÖ Landtages!
Die 17. Novelle zum NÖ Raumordnungsgesetz
liegt zur Debatte vor. Sind sehr viele einzelne
Punkte hier enthalten. Von der Regelung von
Großbauvorhaben auch über einen kleinen Ausflug
in Biomasseproduktion, Landwirtschaft bis hin zur
Hochhauszone. Der Bereich der Geruchszahl soll
hier geregelt werden um in Zukunft hier die Probleme nicht mehr zu haben, die es bisher hier sehr
wohl gibt. Die Vertragsraumordnung wird anders
und neu geregelt so wie auch im Bereich Einkaufszentrum, Fachmarktzentrum Bestand.
Sehr viele Dinge, die hier geregelt werden sollen. Es ist ein weiterer Versuch, hier einmal etwas
Ordentliches auf die Beine zu stellen. Letztendlich
ist es genauso ein Murx wie wir es von dem Regierungsmitglied gewohnt sind und in letzter Zeit immer wieder bekommen haben. Man versucht hier,
bei den Baumarkteinrichtungen ähnlich etwas zu
regeln und schlittert von einer Pfütze in die andere.
Macht dort ein Werk dazu, macht da wieder, dann
steht das wieder leer, dann sagt man, muss man
das wieder regeln, dann tut man da. Man sagt, man
will den Innenkern beleben, dann den Außenkern.
In Wirklichkeit ist es außer Murx nichts Neues was
uns hier geboten wird und daher werde ich das
selbstverständlich ablehnen.
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Mag. Ram.
Abg. Mag. Ram: Geschätzter Herr Präsident!
Geschätzter Herr Landeshauptmannstellvertreter!
Meine Damen der Landesregierung, Kolleginnen
und Kollegen!
Ja, der Vorredner hat es schon gesagt, es gibt
hier einige Punkte die eben zu korrigieren sind auf
Grund neuer Gegebenheiten. Und es wurde schon
angesprochen, Raumverträglichkeit, Einkaufszentren, Fachmarktzentren. Ich glaube, das Wesentliche – und darin sind wir uns alle einig – warum es
zu diesem Punkt kommt ist diese Hochhausgeschichte in Vösendorf. Wo wir in Niederösterreich
jetzt auf einmal mit einem Problem beschäftigt sind,
das es vor wenigen Jahren noch nicht gegeben hat.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Es war vor wenigen Jahren eigentlich nicht
denkbar, dass in Niederösterreich solche Häuser
mit solchem Ausmaß und vor allem mit solchen
Auswirkungen für die Umgebung, für die Raumplanung und vor allem für die Menschen entstehen.
Jetzt haben wir diese Problematik und diese Problematik wird uns auch in Zukunft beschäftigen. Vor
allem im Umland von Wien. Wenn man sich hier
das Gebiet im Süden von Wien anschaut, so ist es
schon an der Zeit, dass hier einiges passiert. Dass
es hier zum Schutz der Menschen kommt und vor
allem auch zum Schutz der Raumverträglichkeit.
Ich glaube deshalb, dass dieser heutige Beschluss ein positiver ist. Dass dieser Beschluss
sicherlich hier dementsprechend durchzusetzen ist.
Und dass man diesem Beschluss auf jeden Fall
seine Zustimmung geben sollte. Um jetzt auf den
„Murx“ noch einmal zu sprechen zu kommen. Ich
glaube nicht, dass man hier von Murx reden kann,
sondern dass es eine notwendige Maßnahme ist.
Um jetzt wieder zu meiner Lieblingsrolle zu kommen was den Herrn Landeshauptmannstellvertreter
betrifft. Ich glaube, so viel Murx kann es nicht geben wenn wir in Niederösterreich ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent
haben. (Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gemeldet
ist Frau Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und
Kollegen! Werte Mitglieder der Landesregierung!
Ich möchte meinen Redebeitrag auf § 16 Z.7
beschränken, der lautet, und der ist schnell vorzulesen: Die Landesregierung hat durch Verordnung
jene Geruchszahl festzulegen, bis zu der bei Tierhaltungsbetrieben im Bauland Agrargebiet allfällige
Belästigungen nicht als örtlich unzumutbar im Sinne
des § 48 Abs.1 Z.2 der NÖ Bauordnung von 1996,
LGBl.Nr.8200-13, anzusehen sind. Dabei ist auf die
Art und Anzahl der gehaltenen Tiere sowie auf die
landtechnische Ausgestaltung (Entmistung, Lüftung, Fütterung) Bedacht zu nehmen.
Warum ich Ihnen das jetzt vorgelesen habe
und wir uns noch einmal verinnerlichen sollten
worum es da geht, ist – das ist nämlich eine ziemlich magere legistische Ausbeute für ein großes
Gestanksproblem, mit dem sehr, sehr viele Menschen in Niederösterreich nicht nur tagtäglich konfrontiert sind. Sondern es gibt auch welche, die – so
die Zahlen im Jahr – und zwar zu 98,8 Prozent mit
Geruch belästigt sind.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Geruch, dieses olfaktorische Etwas, ist für uns
sehr schwer nachfühlbar. Wenn man das noch nie
gerochen hat, weiß man gar nicht wovon man redet. Es ist klar, dass da der Bauernbund schmunzelt. Die wissen wie das stinken kann. Ich möchte
Sie einmal ganz kurz entführen in eine kleine Katastralgemeinde, die heißt Brunn, in der Gemeinde
Phyra im St. Pöltner Umland. Dort ist es so, dass
man, wenn man durchfährt oder … Man will eigentlich nicht durchspazieren, das gebe ich zu. Aber es
ist wirklich erbärmlich wie es dort stinkt. Wo ganz
offensichtlich ist, dass uns eben die Raumordnung
außer Fugen geraten ist. Dass das kein Miteinander von Bäuerinnen und Bauern, die Nutztiere dort
vor allem Schweinemast, betreiben – und den dort
ansässigen Menschen.
Gestank ist nicht mehr was wo man sagt, na ja,
das ist halt ortsüblich, das ist schon zumutbar, das
ist die Landluft. So ist es nicht. Das ist in Gebieten,
wo wir ohnehin eine Feinstaubbelastung haben. Ich
möchte auch kurz in Erinnerung rufen, dass jetzt
auch wieder der Kontrollbericht des Umweltbundesamtes vorliegt, woraus wir ganz genau wissen,
dass das Regionen mit einer ohnehin sehr hohen
Feinstaubbelastung sind. Dass das für die körperliche Gesundheit der Menschen ein Wahnsinn ist
und dass das für die mentale und für die psychische Gesundheit auch nicht zuträglich ist. Man ist
an dieses Gesetz herangegangen um die Raumordnung zu novellieren, damit eben genau ein
zukunftsgerechtes Miteinander dieser bäuerlichen
Wirtschaftsform und den dort wohnenden Menschen möglich ist. Und da ist die ÖVP zu 100 Prozent am Ziel vorbeigeschrammt. (Beifall bei den
Grünen.)
Es hat sich nämlich deshalb nichts verbessert,
weil die ÖVP ignoriert, dass es ein Immissionsschutzgesetz Luft gibt an das wir uns zu halten
hätten. Weil die ÖVP ignoriert, dass es modernere
Methoden gibt als diese ominöse Geruchszahl die
wir jetzt in diesem Gesetz drinnen haben. Und ich
glaube, die sich nicht mit Agrarischem beschäftigen, wissen nicht einmal was das ist. Die ÖVP
ignoriert eben auch, dass es eine Kumulation dieses Gestanks gibt, ja?
Wenn man jetzt hergeht und sagt, na die Regierung wird das schon manchen, Regierungsermächtigung, und da kommt jetzt so eine dieser
Geruchszahlen hinein. Wird ja einiges gemunkelt.
Zuerst war im Gesetz noch 44 drinnen, vielleicht ist
jetzt 40.
(Zweiter Präsident Sacher übernimmt den Vorsitz.)
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Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Dann sollten jetzt die, die hier entscheiden,
einmal wissen, was heißt denn so eine Geruchszahl von 40. Also eigentlich ist es mehr so die Gestankszahl von 40. Das würde bedeuten, so um die
500 Mastschweine und so ungefähr eine halbe
Tonne Feinstaub pro Jahr. Jetzt ist Madeleine
Petrovic nicht im Hause, ich halte das für die
Schweine auch für eine Zumutung. Aber es ist eben
auch vor allem für die Menschen mehr als gesundheitliche Belastung, weil mit diesen Bioaerosolen
vom Pilzsporn über Bakterien alles verschleppt
wird.
Ich weiß nicht, ob Ihnen das – aber Gottseidank ist die Frau Landesrätin für Gesundheit anwesend – es gibt so was wie die Farmer’s lung, das
weiß man. Es gibt ja mittlerweile Atemschutzmasken und alles Mögliche mit dem ein Bauer in so
einen Stall hineingeht damit er nicht selber seine
Gesundheit, sehr, sehr beeinträchtigt. Also die
Schweindln fragt ja niemand.
Das zeigt, dass man vom agrarischen, technischen Standpunkt her nie dort so gefördert hat
dass das einfach funktioniert, ja? Wir waren beim
Umweltanwalt in mehreren Sitzungen. Kollege
Grandl, Sie waren dabei, von der SPÖ waren immer wieder Vertreterinnen dabei. Ich werde nie
vergessen die erste Sitzung. Sozusagen über Ressorts sind wir am runden Tisch gesessen und die
Gewerberechtler, die haben wirklich nur den Mund
offen gehabt. Also wie gibt’s das, dass ich für einen
Burger King alle möglichen Ölfilter brauche wenn
der mitten im Zentrum einer großen Stadt sein Lokal bewilligt haben möchte und warum gibt es das
nicht im agrarischen Bereich? Das ist ganz klar.
Und man hat es ja wieder in Wieselburg gesehen.
Alles was Agrarisches betrifft, sind wir alle am
Gängelband des Bauernbundes der ÖVP. Das sind
die Fakten. Und das kann man nicht umdrehen.
(Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)
Es werden da die Menschen in Geiselhaft genommen. Und dieses Gesetz wird nichts korrigieren. Was jetzt dann gemacht wird ist ein Einzementieren, also gehen wir wieder in das Beispiel dieser
kleinen Katastralgemeinde Brunn retour. Dann
heißt es, dann darf jetzt jeder dort … mit der Widmung Bauland kann er jeden Betrieb auf …, dort
werden es Mastschweine sein, auf 500 aufstocken.
Ja? Dann stinkts halt dann dort noch mehr. Also mir
konnte auch im Ausschuss, Kollege Grandl, das
haben Sie nicht durchargumentieren können, wo
dort eine Verbesserung für die Anrainerinnen ist.
Und wie ich aus diesen Gemeinden weiß,
gibt’s durchaus auch schon Bäuerinnen und Bauern, die sagen, na ja, ob das jetzt wirklich so der
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Weg ist wie wir weiter machen sollten? Sie haben
das wirklich federführend ganz alleine gemacht. Sie
haben nicht die letzte Sitzung mit dem Umweltanwalt zugelassen wo es darum ging, einen politischen Konsens zu finden. Sie haben uns hier wieder einmal, wie immer im agrarischen Bereich, ein
Raumordnungsgesetz vorgeknallt, ja, das ist jetzt
so, friss Vogel oder stirb. Alles, was es da an Korrekturen gibt wird nicht mehr das Beste sein. Ich
habe es ja fast schon aufgegeben.
Hat aber jetzt, es wird dann der Kollege Jahrmann einen Antrag einbringen, wo ich so den Eindruck habe, die SPÖ bringt diesen Antrag ein, weil
sie als Regierungspartei ohnehin schon so große
Zugeständnisse gemacht hat. Ich hätte ja gern,
dass die SPÖ Niederösterreich einmal wirklich versucht, sich in die Agrarpolitik einzumischen. Weil da
gäbe es genug zu tun. Aber da sind Sie sichtlich
mitgegangen und versuchen das jetzt mittels eines
Resolutionsantrages. Obwohl die ja natürlich auch
einen Antrag stellen könnte, den ja ich laut Geschäftsordnung – soviel wieder zur ÖVP und zum
Demokratieverständnis – nicht machen kann.
Dennoch, ja, ich weiß auch gute Dinge zu
honorieren und zu respektieren und habe daher
den Kollegen Jahrmann gefragt, ob er damit einverstanden wäre wenn ich auf diesen Antrag „hinauf gehe“. Er wird ihn dann präsentieren. Aber das
ist jetzt so. Und da kann ich es jetzt nicht mehr
verstehen wenn die ÖVP voll drüberfährt und dem
auch nicht die Zustimmung gibt. Zumindest ist, so
wie sich die ÖVP verhalten hat, in den letzten Jahren rund um diesen § 16 Z.7 und diese Novelle,
dass man jetzt zumindest sagt, gut, das ist jetzt so,
aber es gibt in der Tat bessere technische Möglichkeiten um das genau, was die Raumordnung betrifft, bis hinunter zu den einzelnen Betrieben in den
Katastralgemeinden festzumachen. Wenn Sie sich
jetzt da wieder verwehren, dann ist das wieder so
ein typisches Fortschreiben Ihrer Agrarpolitik, die
kein …, aber überhaupt nicht schaut auf die Umwelt
und auch nicht schaut auf die Gesundheit der Menschen und letztendlich auch nicht von den Bäuerinnen. Wir werden daher dem Gesetz nicht die Zustimmung erteilen. (Beifall bei den Grünen.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächstem
Redner erteile ich Herrn Abgeordneten Grandl das
Wort.
Abg. Grandl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus!
Wenn ich vorweg einmal eingehen darf auf ein
paar Bemerkungen von meiner Vorrednerin: Dass
wir ein Geruchsproblem landesweit haben im Bau-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
land, Agrar- und im Grünland, das hat ja ein Agrarier noch nie bestritten. Man muss nämlich auch
einmal wissen, dass zum Beispiel Bauland Agrar,
das sagt die Widmung schon, dass dort agrarische
Produktion zulässig ist oder vorwiegend eigentlich
immer gewesen ist und zusätzlich Bauland dazu
gewidmet wurde. Und im Grünland sowieso. Denn
diese Märchen aus der Vergangenheit oder
manchmal diese Illusionen, wenn man ins Grünland
hinausfährt dann ist alles happy und alles okay und
alles gut, das muss man in die Richtung einmal
revidieren, dass die Widmung Grünland bedeutet,
dass Grünland ein Wirtschaftsfaktor ist. Eine Flächenwidmung, wo einfach die Arbeitsbedingungen
der Land- und Forstwirtschaft üblich sind und auch
mit Staub- oder Geruchsbelästigungen einher gehen. Es hat nie in der Vergangenheit ein Grünland
gegeben oder ein Bauland Agrar, wo es solche
Dinge nicht gegeben hat. Weil es einfach unlogisch
ist!
Und wenn ich noch dazu sagen darf, es gibt
auch in anderen Bereichen Geruchsbelästigung
und deswegen können wir es auch nicht wegrationalisieren, Beispiel St. Pölten mit der Glanzstoff.
Wir können auch nicht sagen die Arbeitsplätze
müssen weg. Es ist eine Belästigung … (Abg. Dr.
Krismer-Huber: Aber die fördern wir ja eh!)
Frau Kollegin! Ruhig bleiben, ich habe auch zugehört.
Das ist eine Belästigung, das wissen wir. Und
wir werden aber deswegen trotzdem einen Konsens suchen damit alle gemeinsam miteinander
leben können. (Abg. Dr. Krismer-Huber: Aber für
die Demokratie, für Gusenbauer reicht es noch!)
Und ich bin überzeugt, wenn ich erklärt habe,
wie in Zukunft das Ganze mit der heutigen Beschlussfassung einher geht, dann stimme ich mit dir
überein, dass wir ein Zukunftskonzept auch zum
Teil gemeinsam erarbeitet haben. Das Gängelband
durch den Bauernbund entlockt mir ein müdes Lächeln. Als Bauernbündler müsste ich einmal sagen,
würde es mich freuen wenn viele an unserem Gängelband wären, aber dem ist leider nicht so. Weil
der Bauernbund eine großartige Minderheit geworden ist. Und nicht wie vor 100 Jahren der größte
Teil Bauernbund war. Das ist halt einmal so. Daher
ist auch niemand an unserem Gängelband. (Abg.
Waldhäusl: Ihr habt ja mehr Funktionäre als Mitglieder!)
Herr Kollege, wennst zum Bauernbund gegangen wärst, wär dein Platz sicherer. Das ist auch
klar. (Heftige Unruhe bei Abg. Waldhäusl.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Und dass ich eine Sitzung verhindert habe, das
ist mir ganz was Neues. Also du überschätzt meinen Einfluss ganz gewaltig. Das habe ich noch nie
gehört.
Zur Vorgeschichte: Die Frau Kollegin Dr.
Krismer hat es angesprochen. Es hat einen Arbeitskreis gegeben mit Herrn Umweltanwalt Prof.
Rossmann. Und in diesen Arbeitssitzungen haben
wir versucht, auch Richtlinien für die Zukunft zu
erarbeiten damit wir bei der Sachlichkeit bleiben. Es
hat da die Diskussion gegeben, Berechnung oder
Beurteilung über medizinisches Verfahren oder die
Beurteilung über die Berechnung der Agrartechniker mit Geruchszahlen.
Wir sind dort eindeutig eigentlich zur Auffassung gekommen, dass die Berechnung mit den
Agrartechnikern in Form von Geruchszahlen, und
jetzt sage ich einmal für jenen, der da nicht so eingeweiht ist - weil für mich waren sie am Anfang
auch nicht gang und gäbe, diese Geruchszahlen -,
kann man sich vorstellen, die Agrartechniker berechnen einen Stall oder einen Veredelungsbetrieb
in der Form, indem sie einfach die Tierart, die Anzahl der Tiere und die technische Ausstattung der
Stallform heranziehen. Das sind Erfahrungswerte
aus der Vergangenheit und damit kann man eine
Zahl errechnen. Und diese Zahl sagt nichts anderes
aus wie wenn ich jetzt zum Beispiel aufs Thermometer schau. Ob ich 20 Grad minus habe oder 15
Grad plus, das ist Gefühlssache. Kann man aber in
Zahlen ausdrücken und die Erfahrung ist ja dementsprechend groß. Daher hat man sich zu dieser
Variante entschlossen.
Warum hat man das gemacht? Die Berechnung ist erstens einfach und nachvollziehbar. Das
Zweite ist, sie ist praxisnah. Und das Dritte, was
auch wichtig ist oder sehr wichtig, sie ist finanzierbar auch für jene, die ein Bauverfahren einleiten.
Es hat keinen Sinn, eine Berechnungsmethode zu
wählen die immense Summen kostet und damit ist
der Bauwerber ohnehin schon zum Scheitern verurteilt. Daher hat man gesagt, diese Methode ist
aus der Praxis heraus gang und gäbe, sie ist zuverlässig und daher wollen wir auch diese Methode
in Niederösterreich so verwenden wie wir sie in der
Vergangenheit verwendet haben.
Zur Verordnung der Landesregierung … Ja, es
gibt zwei Bereiche grundsätzlich. Das eine ist Bauland Agrar. Und im Bauland Agrar wollten wir bezwecken mit dieser Lösung, dass wir Rechtssicherheit gestalten. Das war nämlich in der Vergangenheit nicht so. Es sind sehr viele Bauverfahren im
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Bauland Agrar so viele Jahre hinausgeschleppt
worden mit –zig verschiedenen Gutachten bis die
Bauwerber überhaupt aufgegeben haben und ihren
Betrieb eigentlich nicht mehr modernisieren …
(Abg. Mag. Fasan: Das ist eh klar! Weil Sachen
beantragt werden die dort nie möglich gewesen
wären!)
Nein! Man kann mit Gutachten die immer wieder
angefordert werden etwas so lange verzögern bis
ein Bauwerber aufgibt und sagt, ich kann nicht
mehr, ich will nicht mehr, es bringt nichts. Und daher haben wir gesagt, wenn die Landesregierung
eine Verordnung heraus gibt und eine zumutbare
Größe darin festsetzt … (Unruhe bei Abg. Mag.
Fasan.)
Martin, du hörst nichts wenn du immer selber redest. Du musst zuhören!
Wenn die Landesregierung eine Verordnung
herausgibt, dann wird sie wohl wissen was sie tut
und was eine zumutbare Größe ist. Nur als Anhaltspunkt: Es gibt ein oberstgerichtliches Erkenntnis, wonach 45 eine zumutbare Größe ist. Und die
Landesregierung wird eine Größe beschließen. Die
kann ich heute nicht sagen, weil ich nicht in der
Landesregierung sitze, aber die Regierung wird
sehr wohl wissen was sie beschließt. Damit erhalten wir Rechtssicherheit für den Bauwerber. Wir erhalten auch Rechtssicherheit für die Anrainer und
wir erhalten auch Rechtssicherheit und Leitlinien für
die Baubehörde, sprich für die Bürgermeister. Denn
auch für Bürgermeister ist es nicht einfach, etwas
zu entscheiden, von dem er fachlich oft gar keine
Ahnung hat. Daher ist diese Richtlinie durch die
Landesregierung oder diese Verordnung eine Hilfestellung dann für alle Beteiligte.
Dann gibt’s die zweite Zahl der Betriebe. Das
sind jene Betriebe, die außerhalb des Baulandes
leben. Die sozusagen im Grünland. Und für diese
Betriebe wollten wir in diesem Arbeitskreis Planungssicherheit für die Zukunft gestalten. Denn es
kann nicht sein, dass heute jemand sehr viel investiert und auf der anderen Seite nach 5, 10 oder 15
Jahren wieder herangewidmet wird, Bauland, vielleicht sogar Bauland Wohngebiet und dann ist er
wieder umgeben und es ist mit neuen Problemen
zu rechnen.
Ein Beispiel, das nicht aus der Landwirtschaft
stammt, das mir gerade einfällt ist zum Beispiel das
Spital in St. Pölten. Vor 100 Jahren ist dieses Spital
auf der grünen Wiese gestanden und heute ist es
von der Stadt umzingelt. Ein Beispiel, wie die Flächenwidmung oder der Flächenbedarf sich ausweiten kann und grundsätzlich auch wieder landwirtschaftliche Betriebe einkreisen kann und dann
ist das Problem erneut wieder da.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Daher wollten wir eine Planungssicherheit für
die Zukunft schaffen. Denn von 2007 bis 2013 wird
es in Europa, sprich auch in Österreich, eine Investitionsmöglichkeit geben mit verstärkter Investitionstätigkeit auch im landwirtschaftlichen Bereich,
damit wir auch unsere Nahrungsmittelproduktion für
die Zukunft absichern können. Und daher wollen
wir, dass diese Betriebe, die noch, ich sage jetzt
einmal, noch bereit sind zu investieren, dass die
auch Sicherheit haben.
Das heißt, wenn eine Gemeinde in Zukunft
eine Flächenwidmung verändert und die Flächenwidmung Richtung landwirtschaftlicher Betriebe
verändert, dann ist eine Grundlagenforschung notwendig. Und auch im Ausschuss, Frau Kollegin,
jetzt ist sie nicht da … Ja, bist mir eh schon abgegangen. Auch im Ausschuss, Frau Kollegin, hast du
zum Beispiel gemeint, die Bürgermeister wären
überfordert. Auch der Kollege Jahrmann hat mich
dabei unterstützt. Das ist nicht so! Die Bürgermeister wissen sehr wohl, wie die örtlichen Gegebenheiten vor Ort sind. Sie kennen die Betriebe, sie
kennen ihre Wohnbevölkerung, sie kennen ihre
Struktur, sie kennen sogar die Windrichtung. Und
damit ist die Grundlagenforschung für den Flächenwidmungsplaner sicherlich eine Aufgabe wenn
man in Zukunft eine Flächenwidmung verändert,
dass man nur so weit heranwidmet an zukünftige
Veredelungsbetriebe dass keine Schwierigkeiten zu
erwarten sind. Das wollen wir in Wirklichkeit auch
mit dieser Regelung heute beschließen.
Und Frau Kollegin, ich kann dir wirklich sagen,
die Bürgermeister wissen wirklich was in ihren Gemeinden los ist. Und sie werden nicht absichtlich,
wissentlich vielleicht Entscheidungen treffen, die in
Zukunft vielleicht Probleme erzeugen. Das macht
keiner! Da wär er nie Bürgermeister geworden
wenn er so verantwortungslos wäre. (Abg. Dr.
Krismer-Huber: Aber wenn er Schweinezüchter ist,
ist schon einen Interessenskonflikt da!)
Nächster Punkt: Die Schweinezucht wollen wir
in Niederösterreich, wenn ich darauf antworten darf,
wollen wir natürlich nicht abschaffen. Wir wollen sie
auch sichern. Denn eines musst nämlich auch wissen: Dass wir 30 Prozent der Schweineproduktion
verloren haben. Betriebe, die aufgehört haben,
diese Produktion wurde durch andere Betriebe
nicht aufgefangen. Und jetzt sage ich einmal, das
ist verlorenes Volksvermögen. Das sind verlorene
Arbeitsplätze! Und das kann man in Wirklichkeit
nicht befürworten. Das wäre nämlich verantwortungslose Politik. Und die betreiben wir sicher nicht.
Und da muss ich ehrlicherweise jetzt auch sagen,
dass hier nicht nur die ÖVP, sondern auch die SPÖ
sich dazu bekennt, dass man nicht verantwor-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
tungslos die Produktion aufgibt. (Abg. Weninger:
Wir sind ja für die Bauern da!)
Naja, die Bauern sind auch für euch da. Sonst
würden wir nicht alle miteinander so gut ausschauen. (Beifall bei der ÖVP, Abg. Weninger,
Jahrmann und Dworak.)
Den zweiten Punkt den ich heute noch ansprechen möchte, das sind die Flächen, die neue Flächenwidmungsmöglichkeit Grünland Kellergasse.
Es gibt sehr viele Presshäuser und es gibt sehr
viele Kellergassen, und das ganz besonders im
Weinviertel, die aus heutiger Sicht von den Betrieben nicht mehr wirtschaftlich so genutzt werden
können wie es in der Vergangenheit war, weil sie
die technischen Anforderungen nicht mehr erfüllen.
Gleichzeitig handelt es sich aber dabei um
bäuerlichen Besitz. Da ist ja das Problem noch
etwas geringer. Denn so lange es sich in einer
Wirtschaftseinheit befindet, ist die Renovierung
oder die Neugestaltung möglich. Es gibt aber sehr
viele Kellergassen, wo schon Fremdbesitz vorherrscht und laut der derzeitigen Flächenwidmung
eine Neuerrichtung, wenn sich die Renovierung
nicht mehr auszahlt, eigentlich nicht erlaubt ist.
Nachdem wir diese Kellergassen aber retten wollen, weil es sich dabei um Kulturgut handelt …, und
ganz besonders im Weinviertel gibt es sehr viele
Kellergassen, die wirtschaftlich nicht mehr genutzt
werden, aber auch nicht dem Verfall preisgegeben
werden sollen. Auch in St. Pölten, Kollege
Stiowicek weiß das, diese Kellergasse ist ein
Schmuckstück in der Stadt, weil sie hergerichtet
wurde. Daher wollen wir die Flächenwidmung auch
in diese Richtung beschließen, dass auch die Renovierung oder der Erhalt von solchen Kellern in
den Kellergassen auch von Nicht-Landwirten möglich ist.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
wenn diese Überarbeitung des Ministeriums da ist,
dann können wir erneut darüber reden. Daher werden wir diesem Antrag nicht zustimmen.
Trotzdem bedanke ich mich aber für die Unterstützung der SPÖ dass sie sich bereit erklärt hat
diesem Raumordnungsgesetz zuzustimmen. (Beifall bei der ÖVP.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächstem
Redner erteile ich Herrn Abgeordneten Jahrmann
das Wort.
Abg. Jahrmann (SPÖ): Herr Präsident! Hoher
Landtag!
Ich möchte die Raumordnungsnovelle nicht auf
die beiden bereits heftig diskutierten Punkte zuspitzen, nämlich die Problematik rund um die künftige
Regelung der Geruchszahlen und dem Thema des
Hochhausbaus in einer niederösterreichischen
Stadt. Also in dieser Raumordnungsnovelle ist sehr
viel anderes auch eingearbeitet, repariert, zeitlich
angepasst worden.
Ich möchte mich auch verwehren gegen den
Begriff „Murx“ der hier verwendet wurde. Ich bin
überzeugt davon, wie viele andere Gesetzesmaterien ist auch diese Novelle oder dieses Gesetz
etwas Lebendes, etwas was sich immer gesellschaftlichen Entwicklungen anpasst. Etwas, das
immer renoviert werden muss bzw. auf moderne
Gegebenheiten abgestimmt werden muss. Und da
kann man nicht von „Murx“ sprechen, sondern hier
von einer wirklich echten Arbeit die dahinter steckt
und die dieses Produkt der Änderung hier hervorgebracht hat.
Daher möchte ich Sie bitten, dass Sie auch
diesbezüglich zustimmen, weil nämlich renovierte
Kellergassen erstens landschaftsprägend sind. Sie
sind auf der anderen Seite eine Belebung für die
Dörfer in denen sie bestehen. Und sie sichern ein
altes Kulturgut auf das wir keinesfalls verzichten
wollen. Daher bitte ich Sie um Ihre Zustimmung.
Um das zu unterstreichen, dass es nicht bloß
zwei Punkte sind, darf ich einige hier anführen und
meine Anmerkungen machen: Die steigende Bedeutung der landwirtschaftlichen Böden für Biomasse wurde geregelt und neuesten Bedingungen
angepasst. Auf das Thema lärmsensible Widmungsarten, Wohnbauland, Sondergebiet Krankenhäuser oder Erholungseinrichtungen wurde im
Zusammenhang mit entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen eingegangen. Es soll bei solchen
Widmungen auch nicht auf nur die bestehende,
sondern auch auf die künftige Lärmentwicklung
Rücksicht genommen werden.
Zum Resolutionsantrag vom Kollegen Jahrmann: Dem können wir leider nicht zustimmen.
Nach Abschluss der Überarbeitung der vorläufigen
Richtlinie zur Beurteilung von Immissionen ist unsere Stellung, wir wollen eigentlich abwarten was
nach dieser Überarbeitung herauskommt. Und
Ich habe in der letzten Sitzung vor wenigen
Wochen in dem Zusammenhang schon darauf hingewiesen, dass bei der Gültigkeit solcher Prognosen durchaus Vorsicht geboten ist bezüglich ihres
Realitätswertes. Auch bezüglich Ausmaßnotwendigkeit und Finanzierung von Lärmschutzmaßnah-
Ja, ich schau eh schon auf die Uhr, aber du
hast mir so viel aufgegeben, Frau Kollegin.
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men, insbesondere von Lärmschutzwänden, habe
ich meine kritischen Anmerkungen gemacht.
Ein weiteres Problem wurde ebenfalls in dieser
Novelle entschärft. Ein Kriterium für die Berechnung von Bruttogeschoßflächen oder Bruttoverkaufsflächen war bisher die sogenannte funktionelle
Einheit. Diese war in der Praxis viel zu vage und für
Baubehörden eher kompliziert handhabbar, weil
hier Aufsplitterungen der Verkaufsflächen zu Ungereimtheiten geführt haben. Nun gibt es doch eine
recht praxisnahe und vollziehbare Formulierung.
Die Festlegung von Hochhauszonen im Bauland Kern-, Betriebs- und Sondergebiet samt einer
zwingend vorgeschriebenen UVP, spätestens bei
der Erteilung einer Baubewilligung, wird uns hoffentlich in Zukunft vor weiteren Problemfällen a la
Vösendorf bewahren.
Und als vernünftigen Kompromiss finde ich
auch die Fortschreibung der Übergangsbestimmungen für die einmalige Erweiterung der Fachmarktzentren um bis zu 500 m 2 bis zum Ende 2008.
Für die Errichtung von Nebengebäuden gibt es jetzt
klare Richtlinien, und ein Kellergassen-Paragraf,
wie wir gerade bei meinem Vorredner gehört haben, wurde auch eingeführt. Und was mir sonst
noch einfällt ist, dass Handelseinrichtungen nach
ihrem Abbruch in derselben Größenordnung wie
ursprünglich genehmigt wieder errichtet werden
dürfen.
Als Bürgermeister freue ich mich besonders,
dass die Möglichkeiten der Vertragsraumordnung
für die Gemeinde erweitert wurden. Bei einer geplanten Baulandwidmung konnte man bisher vertraglich zwar Vereinbarungen mit Grundbesitzern in
Bezug auf Verfügbarkeit und zeitliche Aspekte
festlegen. Hinzu kommt nun auch die Möglichkeit
für andere vertraglich abgesicherte Maßnahmen
wie etwa Aufschüttungen, Lärmschutzmaßnahmen
oder infrastrukturelle Maßnahmen. Bedenkt man,
dass eine Baulandwidmung nicht selten den Verkaufswert eines Grundstückes um bis das Zehnfache steigert, so sind diese Maßnahmen einem verkaufswilligen Grundbesitzer durchaus zumutbar.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen,
dass ich in der letzten Sitzung auch darüber gesprochen habe, dass meiner Meinung nach eine
Änderung der Förderungsmaßnahme des Landes
bei der Erstellung von örtlichen Entwicklungskonzepten notwendig und sinnvoll wäre.
Der ursprüngliche Gedanke und der gute Gedanke, möchte ich unterstreichen, diese Entwicklungskonzepte von Gemeinden, die mit der Nach-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
bargemeinde kooperieren, besser zu fördern als
eine für sich alleine agierende Gemeinde hat sich in
der Praxis aus vielerlei Gründen, glaube ich, nicht
bewährt.
Aber auch ich werde dem Problem der Geruchszahlen nicht ausweichen. Ja, ich bin sehr oder
unangenehm berührt wenn ich von der ÖVP im
Vorhinein höre, dass sie mit ihrer Mehrheit diesen
Resolutionsantrag ablehnen wird. Und ich werde
noch darauf hinweisen wenn ich ihn verlese. Weil
hier nicht nur ein Warten auf neue Richtlinien gefordert wird, sondern auch die Verantwortung der
Landesregierung gefordert wird, hier bei ihrer Verordnungsfestlegung Lehrer größtmöglich Rücksicht
auf die Bevölkerung zu nehmen. Nämlich nicht nur
auf die Bevölkerung die anrainend ist, sondern
auch auf die Bevölkerung die auf solchen „Schweinezuchtanstalten“, sage ich jetzt einmal unter Anführungszeichen, arbeiten muss. Die tagtäglich dort
konfrontiert sind. (Beifall bei der SPÖ.)
Die tagtäglich dort konfrontiert sind mit solchen
Arbeitsbedingungen, mit solchem Gestank. Die sind
ja am ehesten gesundheitsgefährdet. Und ich
glaube auch nicht, dass die Messmethode der Geruchszahl hier heute eine noch taugliche und
brauchbare ist.
Wir müssen mit ihr zu Rande kommen, keine
Frage. Wir müssen mit diesem Begriff jetzt vorläufig
arbeiten. Aber ich weise darauf hin, dass im Landwirtschaftsministerium an der Überarbeitung gearbeitet wird. Weil auch dort erkannt wurde, dass die
Geruchszahl keine taugliche Latte für solche Belastungen ist. Es gibt viele Dinge die hier nicht berücksichtigt sind. Es fehlen etwa die Dauer von
Immissionen. Und es gibt nichts, keinen Teil bei der
Berechnung bezüglich Vor- und Zusatzbelastungen. Es gibt keine Berücksichtigung von Geruchskumulationen. Und ich darf daher aus diesen Gründen einen Resolutionsantrag einbringen und die
ÖVP noch einmal bitten, sich diese Angelegenheit
zu überlegen und vielleicht doch diesem Resolutionsantrag zuzustimmen.
Weil auf der einen Seite hier Rechnung getragen wird Intentionen die aus dem Landwirtschaftsministerium kommen und zum Zweiten die Verantwortung der Landesregierung bei der Verordnungserlassung eingefordert wird, darf ich also den Resolutionsantrag verlesen (liest:)
„Resolutionsantrag
des Abgeordneten Jahrmann zur Vorlage der
Landesregierung betreffend Änderung des NÖ
Raumordnungsgesetzes 1976, Ltg. 918/R-3/1,
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betreffend Geruchsemissionswertfestlegung
landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung.
Mit der vorliegenden Novelle zum NÖ Raumordnungsgesetz 1976 soll unter anderem eine maximale Geruchszahl in Form einer Verordnungsermächtigung eingeführt werden, bis zu deren Erreichen landwirtschaftliche Gebäude zur Tierhaltung
im Bauland-Agrargebiet jedenfalls zulässig sind.
Das bedeutet, dass in der Folge die NÖ Landesregierung aufgerufen ist, unter Abwägung der einzelnen Interessenslagen eine entsprechende Verordnung zu erlassen, mit der eine maximale Geruchszahl festgelegt wird. Bei dieser Interessensabwägung wird einerseits zu berücksichtigen sein, dass
Bewohner im Bauland-Agrargebiet einen geringeren Immissionsschutz vor Geruchsemissionen aus
landwirtschaftlichen Betrieben haben, als etwa
Bewohner im Bauland-Wohngebiet. Andererseits
darf dabei aber auch nicht außer Acht gelassen
werden, dass für die gesundheitliche Gefährdung
durch Geruchsbelästigung nicht nur der Umfang
der Emissionen, festgelegt durch die Geruchszahl,
sondern vor allem die Dauer der Immissionen, festgelegt in Jahresgeruchsstunden, ausschlaggebend
sind. Außerdem sind Vor- und Zusatzbelastungen
an Emissionen für eine Gesundheitsgefährdung zu
berücksichtigen, da die Gesamtbelastung an Immissionen für eine Gesundheitsgefährdung maßgebend ist.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsache wird
derzeit vom Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft eine
Überarbeitung der ‚Vorläufigen Richtlinie zur Beurteilung von Immissionen aus der Nutztierhaltung in
Stallungen’ vorgenommen, in deren Verlauf auch
das System der Geruchszahlen durch jenes des
Geruchsmassenstroms ersetzt werden soll. Nach
Abschluss dieser Reformarbeiten sollte daher auch
der Begriff des Geruchsmassenstroms in das NÖ
Raumordnungsgesetz Aufnahme finden.
Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
Der Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert,


für
bei der Erlassung einer Verordnung
nach § 16 Abs. 7 (neu) NÖ Raumordnungsgesetz 1976, mit der die
Geruchszahl festgelegt wird, auf die in
der Antragsbegründung dargelegten
Fakten größtmöglich Bedacht zu
nehmen;
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
nach Abschluss der Überarbeitung der
‚Vorläufigen Richtlinie zur Beurteilung
von Immissionen aus der Nutztierhaltung in Stallungen’ und Einführung
eines Geruchsmassenstroms für die
Ermittlung von Geruchsemissionen
diesen Begriff auch in das NÖ Raumordnungsgesetz einarbeiten zu lassen
und dem Landtag eine dahingehende
Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes zur Beratung vorzulegen.“
Meine Damen und Herren! Besonders meine
Damen und Herren der ÖVP! Überdenken Sie Ihre
negative Stellungnahme zu diesem Resolutionsantrag nochmals. Ich möchte Sie im Namen der betroffenen niederösterreichischen Bevölkerung wirklich dringend darum bitten! (Beifall bei der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Fasan zu Wort
gemeldet. Ich erteile ihm das Wort.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren!
Ich darf beim Kollegen Jahrmann beginnen,
dessen Resolutionsantrag wird ja unterstützen werden. Ich möchte das ein bisschen ausführen was er
gemeint hat und ich möchte jetzt ein bisschen in
unsere Richtung präzisieren. Natürlich muss sich
die Raumordnung ständig den gesellschaftlichen,
aber auch den wirtschaftlichen Entwicklungen anpassen und ist daher in einem, wenn Sie so wollen,
ständigen Fluss begriffen und in einem ständigen
Entwicklungsprozess begriffen.
Wir glauben aber schon, dass gerade in unserer heutigen Zeit die Raumordnung eigentlich auch
sehr, sehr stark selber vorausschauend tätig sein
muss und selbst prägend sein muss und viel besser
als bisher festlegen muss, was kann wo geschehen
und was kann wo eben nicht geschehen. Denn die
Probleme, die wir vielfach haben, die Probleme mit
Belästigung von Menschen durch diverseste Tätigkeiten, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern
eben auch sonst, ist ja damit in Zusammenhang zu
bringen, dass einfach sehr, sehr viel passiert, was
in der Zwischenzeit man durchaus schon als menschenunwürdig bezeichnen kann. Und das Beispiel,
das die Kollegin Krismer genannt hat, das ist tatsächlich ein Beispiel wo es wirklich menschenunwürdig ist. Wo die Belastung so stark ist, dass es
nicht mehr erträglich ist. Wo die Grenzen eindeutig
überschritten sind.
895
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Zum Kollegen Grandl möchte ich sagen, dass
er natürlich sehr vieles durchaus sehr anschauend
und anschaulich erklärt hat. Und dass man das
natürlich auch in der Landwirtschaft so sehen kann
dass man halt Grünland als Wirtschaftsland auch
verwenden kann. Dass man Agrarland, Bauland als
Wirtschaftsland verwenden kann, das ist schon
richtig. Aber unserer Ansicht nach gehen die Möglichkeiten, die man hier in der Landwirtschaft hat,
eindeutig zu weit. Eindeutig zu weit!
Es gibt hier eine Reihe von Privilegien, die man
hat oder von Möglichkeiten die man hat, ganz einfach etwas als landwirtschaftliches Gewerbe zu
deklarieren und in Wirklichkeit ist es nichts anderes
als ein handfester Industriebetrieb. Und das sind
Dinge, die gehen einfach zu weit in unserer heutigen Zeit. Kollege Honeder wird vielleicht wissen, im
nördlichen Waldviertel, diese seit mittlerweile einem
Jahr schwebende Geschichte dieses Riesen-Klärschlammentsorgers, der als landwirtschaftliche
Klärschlammkompostierung, als landwirtschaftlichen Nebenerwerb einen großindustriellen Klärschlammentsorgungsbetrieb aufziehen möchte.
Und sich dann wundert, warum ganze Gemeinden,
riesige Bürgerinitiativen, an der Spitze die Bürgermeister Gottseidank sich auf die Füße stellen und
das nicht genehmigen wollen.
Und ein Jahr lang, Kollege Grandl, wird jetzt
natürlich mit Gutachten hin- und hergeschupft,
wenn ich das so formulieren darf, um die Frage zu
beantworten, ja, ist denn das noch landwirtschaftlicher Nebenerwerb oder nicht? Und das Amt der
Landesregierung ist auch auf der Seite der Bürgerinnen und Bürger, wie mir berichtet wird und versucht eben mit Gutachten nachzuweisen, dass es
eben nicht um landwirtschaftlichen Nebenerwerb
geht, sondern um eine handfeste Industrie.
Und das voraus schon nicht gesetzlich zu regeln sondern ganz einfach so locker mitschwingen
zu lassen und dann notfalls eben so lang herumzuschupfen mit diversen Gutachten bis es vielleicht
doch geht, das ist ganz sicher nicht die Art und
Weise der gesetzlichen Regelung, die wir brauchen! (Beifall bei den Grünen.)
Daher darf man sich auch nicht wundern,
meine Damen und Herren, dass es diverse Ressentements gibt gegen den Bauernbund. In Wirklichkeit hat es der Kollege Grandl ja sehr verräterisch gesagt: Ich kann dir sagen warum. Der Kollege Grandl hat’s ja sehr verräterisch gesagt. Er hat
gesagt, der Bauernbund ist in der Zwischenzeit
eine Minderheit, eine echte Minderheit. Hat er natürlich völlig Recht. Und gleichzeitig hat er einen
Zwischenruf der Sozialdemokraten beantwortet:
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Wäre er beim Bauernbund, hätte er einen sicheren
Listenplatz. Bezeichnender und entlarvender kann
man es fast nicht formulieren, ja? (Unruhe im Hohen Hause.)
Oder dann war’s halt der Waldhäusl. Es ändert
aber nichts an der Tatsache, wie es eben tatsächlich gehandhabt wird. Gehst zum Bauernbund, hast
einen Listenplatz. „Wurscht“ wenn du eine verschwindende Minderheit bist. Und wenn es eine
entmenschlichte Agrarindustrie gibt, die für unsere
Ernährung sorgt, wirst immer noch deinen Listenplatz haben, wenn du nur beim Bauernbund bist.
Das ist diese Politik. Und wenn man sich die Bilder
von gestern anschaut, Kollege Grandl, wenn man
sich die Bilder von gestern anschaut und sieht, wie
hier Demonstrationen hochgefahren werden, wie
hier marktschreierisch vorgegangen wird, Traktoren
auffahren. Wie hier die Demonstranten … der Landeshauptmannstellvertreter Gabmann bezeichnet
sie, wenn er die Wirtschaft gegen Demonstranten
verteidigt, als Demonstrierer, als Krakeeler bezeichnet er sie. Ich war selber dabei bei der Diamond Aircraft zum Beispiel. (LHStv. Gabmann: Wo
war ich dabei?)
Bei der Diamond Aircraft.
Ich war dabei, Sie haben geredet! Dann wundert das nicht. Wenn so was möglich ist, also wenn
da die Großen, wenn sozusagen die Haupttätigkeit
im Bauernbund nur mehr das Demonstrieren, das
Aufmarschieren, das Krakeelen ist, ja, dann darf
man sich nicht wundern dass gewisse Ressentiments entstehen. Und wenn der Oberkrakeeler der
eigene Landeshauptmann ist, der vor laufender
Kamera das Rednerpult poliert und die Leute niederschreit und beschimpft. Und jede Veranstaltung,
jede Veranstaltung, ganz „wurscht“ wo er ist, dazu
benützt, um andere Leute zu desavouieren und um
andere Leute niederzuschreien, ja dann darf man
sich nicht wundern, dass gewisse Ressentiments
entstehen. Das ist die Wahrheit! (Beifall bei den
Grünen.)
Ich möchte aber auch gar nicht verschweigen,
ich bin dem Kollegen Grandl auch sehr dankbar für
seine Ausführungen betreffend Kellergassen. Das
ist schon richtig. Unserer Ansicht nach ist das leider
nicht genug um diesem Gesetzesentwurf unsere
Zustimmung zu geben. Auch nicht, und das bedauern wir besonders, hinsichtlich der von uns auch
durchaus begrüßten, aber nicht weit genug gehenden Regelung hinsichtlich der Hochhauszonen. Das
ist schon in Ordnung! Wir sehen hier - natürlich ist
es eine Anlassgesetzgebung, machen wir uns
nichts vor, es hat uns überrollt, es hat das Ressort
des Herrn Landeshauptmannstellvertreters überrollt. Man hat, um es jetzt sehr, sehr positiv zu formulieren und sehr, sehr wohlwollend zu formulie-
896
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
ren, schlicht und ergreifend nicht aufgepasst. Hat’s
rennen lassen, hat geschaut, gibt’s einen Widerstand, ja oder nein? Ja, es gibt ihn - tun wir was.
Ja? (LHStv. Gabmann: Jetzt hab ich das schon so
oft erklärt, aber Sie wollen es nicht verstehen!)
Ja, ich weiß es eh. Sie konnten mich auch bisher
nicht überzeugen. (LHStv. Gabmann: Na eben!
Weil Sie es nicht verstehen!)
Ich versteh so vieles nicht was in dem Land vorgeht, das ist kein Wunder. (Heiterkeit und Beifall bei
den Grünen.)
Es ist auch manches tatsächlich nicht zu verstehen. Aber es ist ja die Hauptsache … Es ist
auch nicht so wichtig. Fehlen tut in dem Land eh
nur meistens was ihr halt plakatieren tut. Das ist es,
auf einen einfachen Nenner herunter gebracht. Und
dass die Menschen dieses Landes mehr verstehen
als ihr plakatiert, das wollt ihr sowieso nicht. Also
folglich muss ich auch nicht alles verstehen was
von Ihnen in diesem Land geäußert wird.
Wenn Sie Bestimmungen ändern hinsichtlich
der Widmung betreffend oder in Umgebung von
lärmerregenden oder Lärmquellen, wenn man das
so formulieren kann und die Widmung von Siedlungsgebieten an Standorten die erst durch aufwendisch-technische Maßnahmen die notwendige
Lernfreiheit erreichen, dann gebe ich schon Recht:
Hier sollte man sehr, sehr vorsichtig sein. Aber das
Pferd auch nicht vom Schwanz aufzäumen! Es geht
schon auch darum, die Lärmquellen nach Möglichkeit zu reduzieren und nicht nur die Widmung neben oder in der Nähe von Lärmquellen möglichst
hintanzuhalten. Also das sollte dabei nicht vergessen werden. Sosehr wir diese Bestimmung, wie sie
hier raumordnungsmäßig ist, durchaus begrüßen.
Dass man eine Hochhauszone widmet, habe
ich schon gesagt, das begrüßen wir an und für sich.
Mit der Raumverträglichkeit haben wir so unsere
Probleme. Und mit Raumverträglichkeitsprüfungen
in diesem Land auch. Weil man hat das Gefühl,
dass hier vielfach wirklich auch so ein bisschen
willkürlich herumgeschoben wird. Wenn’s uns passt
machen wir eine, wenn’s uns nicht passt machen
wir eben keine. Strasshof, 2,4 km 2, riesiges, größtes
zusammenhängendes
Entwicklungsgebiet
Österreichs. Es entstehen dort schon sehr, sehr
zweifelhafte Betriebe, wo es auch entsprechende
Proteste aus der Bevölkerung gibt, die um ihre
Gesundheit fürchtet. Und von einer Raumverträglichkeitsprüfung bei der Umwidmung keine Spur.
(LHStv. Gabmann: Wo ist das?)
Strasshof. (LHStv. Gabmann: Das ist eine Bäckerei! Eine Bäckerei!)
Nein, nicht eine Bäckerei. Basaltwerk. Gibt ja andere auch noch.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Also von einer zusammenhängenden Sicht
einzelner Umwidmung, die kumulieren mit anderen
Bereichen, mit anderen Bereichen, Stichwort
Strasshof, Stichwort Markgrafneusiedl, keine Rede.
Hier wird ganz einfach irgendwie gewidmet, Raumverträglichkeit keine Spur. Wenn das die Praxis ist,
die dann bei der Hochhausregelung angewendet
wird, na dann wird mir, ehrlich gesagt, schon ein
wenig Angst und Bange.
Und ähnliches gilt auch für die Bauordnung.
Das ist uns nicht weit genug gehend. Wir glauben,
dass es wesentlich wäre, wenn man vor allem den
betroffenen Gemeinden Parteistellung gibt. Das
wäre das Sinnvollste, dass man diejenigen Gemeinden, die bei heiklen Fragen betroffen sind, die
beispielsweise durch ein Kummulationsprinzip betroffen sind oder die betroffen sind durch Maßnahmen oder durch Veränderungen, die auch ganze
andere Gemeinden betreffen und nicht nur Nachbarn im derzeitigen Sinn der Bauordnung, dann
sollen diese Gemeinden auch Parteistellung haben.
Und das alles ist leider nicht drinnen, daher
können wir den vorliegenden Gesetzesentwürfen
nicht unsere Zustimmung geben. (Beifall bei den
Grünen.)
Zweiter Präsident Sacher: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter
Waldhäusl zu Wort gemeldet.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Kollegen des Landtages!
Es wurde hier behauptet, es wäre ein sicherer
Listenplatz, auf einer Bauernliste zu kandidieren.
Damit ich mich morgen zu Hause nicht schämen
muss: Ich habe nie auf Bauernbundlisten kandidiert
und ich werde es auch in Zukunft nicht tun!
Zweiter Präsident Sacher: Als nächstem
Redner erteile ich Herrn Abgeordneten Dipl.Ing.
Toms das Wort.
Abg. Dipl.Ing. Toms (ÖVP): Sehr geehrter
Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren!
Meine lieben Kollegen von den Grünen kennen
sich in manchen Dingen nicht aus wie es im Lande
vorgeht. Ich kenn mich nicht aus, wie es in den
Grünen vorgeht. Ich verstehe die Aufregung nicht.
Eine Novelle, die 17. Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes. Geschätzte Damen und Herren!
Wir haben seit dem Jahr 1976, nachdem es lange
Umstellungsschwierigkeiten gegeben hat, ein
Raumordnungsgesetz bekommen. Und was ist seit
1976 alles passiert? Da wird gesprochen von einem
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Murx, da wird gesprochen einerseits vom Kollegen
Jahrmann, der den Murx abstreitet. Der in unserem
Sinne argumentiert dass das kein Murx ist, das
Werk. Und in einem Resolutionsantrag kommt dann
wieder heraus eine Art Einzementierung, eine Art
Negieren, dass sich die Entwicklung weiter fortbewegt.
Wir müssen immer wieder Novellen einführen,
weil sich die Gesellschaft verändert, weil sich die
Handelseinrichtungen, die Bedürfnisse verändern,
weil sich die Landwirtschaft verändert, weil sich die
Menschen in ihren Lebensweisen verändern. Und
das ist das Grundgesetz. Das wurde bei uns immer
nicht als Anlassgesetzgebung getätigt, sondern
immer auf die Bedürfnisse der Gesellschaft sofort
reagiert. Und das ist eine klare Sache. Fahren Sie
bitte doch einmal durch Österreich! Wenn wir unsere eigenen Bundesländer anschauen: Schauen
Sie sich an Raumordnung in der Steiermark,
schauen Sie sich an Raumordnung in Niederösterreich. Ich sage Ihnen, in der Steiermark war es
lange so, dass die Raumordnung nicht in diesen
Zügen gehandelt wurde wie bei uns. Schauen Sie
sich an die Zersiedelung dort. Die Silhouetten, die
gestörten Silhouetten der Berge. Und schauen Sie
bei uns, wie schön geschlossen die Ortschaften
daliegen. Es ist eine Pracht in punkto Raumordnung, durch unser Bundesland zu fahren.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Bundesländern, die natürlich auch, in Oberösterreich und in Salzburg gute Raumordnungsgesetze
haben, aber wo wir wirklich führend sind. Ich
möchte mich wirklich bedanken.
Die Bauordnung, geschätzte Damen und Herren, sage ich immer, ist unser Hemd. Wenn es in
der Bauordnung Mängel gibt, es kann nichts das
Leben mehr unwohl machen oder die Lebensqualität mindern als wenn irgendwas mit der Nachbarschaft nicht gut ist. Und so ist es auch mit der
Raumordnung.
Nun, wenn der Kollege Waldhäusl von Murx
spricht bezüglich Handelseinrichtungen. Wir haben
natürlich sehr individuell auf die Entwicklungen im
NÖ Handel und in der Wirtschaft reagieren müssen.
Wir haben zum Einen die Fachmarktzentren, die
Einkaufszentren auf der grünen Wiese zuerst vor
langer Zeit genehmigt um hier Möglichkeiten für die
Wirtschaft zu finden. Und dann haben wir natürlich
nach einigen Jahren hier einen Riegel vorschieben
müssen, weil die Entwicklung in die andere Richtung gegangen ist.
Wir haben natürlich eine große Reihe von Novellen hinter uns gebracht. Ich kann mich noch
erinnern, es war eine meiner ersten Tätigkeiten vor
16 Jahren im Landtag, mich mit der Raumordnung
zu beschäftigen. Wir haben die Siedlungsgebiete
erhalten, wir haben die Landschaft bewahrt und wir
haben auch die Eigenheit der niederösterreichischen Dörfer erhalten. Und das war ganz, ganz
wichtig. Und das ist ein großer Verdienst der NÖ
Raumordnung. Und ich möchte hier alle, die daran
beteiligt waren, zuerst Herrn Landeshauptmann,
damals Landesrat Pröll, Landeshauptmannstellvertreter Pröll, der Raumordnungsreferent war. Es war
Präsident, Landesrat damals, Freibauer Raumordnungsreferent. Es war Landesrat Sobotka Raumordnungsreferent. Und jetzt ist es Landeshauptmannstellvertreter Gabmann als Raumordnungsreferent, die hier eine ganz, ganz konsequente und
gute Führung durchgeführt haben.
Es gibt von der Abteilung Raumordnung eine
Zeitschrift, die erst vor wenigen Wochen herausgekommen ist, Dialog regional, wo kauft Niederösterreich ein? Das ist von der Abteilung Raumordnung,
Regionalpolitik. Und hier sieht man ganz genau,
dass man in einem riesigen Bundesland wie Niederösterreich ganz anders agieren muss wie in
einem kleineren Bereich. Und dass es hier sehr
wohl regulative Notwendigkeiten gibt. Und wenn ich
hier den Erhalt der Baustruktur oder die Handelseinrichtungen, die wir jetzt behandeln in der
Novelle mit der Summationspflicht in kleineren Ortschaften, wenn ich das hier anspreche, so finden
wir zum Beispiel im Bereich des Industrieviertels
2,2 m2 pro Einwohner Verkaufsfläche. Und im
Waldviertel nur die Hälfte. Oder: Der Kaufkraftfluss
ist in unserem Bundesland total verschieden. Wir
haben komischerweise natürlich an der Thermenlinie einen anderen Kaufkraftfluss. 88 bis 90 Prozent
der Kaufkraft bleiben in den eigenen Bezirken.
Wenn ich mir Melk anschaue oder Lilienfeld, so
gehen fast zwei Drittel der Kaufkraft in andere Bezirke. Hier gibt es Handlungsbedarf verschiedenster
Art.
Ich möchte auch die Beamten beloben. Silberbauer, eine Legende in der NÖ Raumordnung.
Hofrat Wollansky und auch Dr. Kienastberger, die
hier tätig sind. Und ich möchte vorweg einmal, bevor ich auf die vielen kleineren Punkte eingehe, ein
Dankeschön sagen. Ein Dankeschön, dass wir in
Niederösterreich so dastehen gegenüber anderen
Wir haben also eine gute Sache in dieser Novelle, die Handelseinrichtungen, die Summationspflicht in kleineren Orten zu unterbinden, dass
hier die Aufaddierung von verschiedenen Handelszentren und Handelseinrichtungen in kleineren
Gemeinden nicht notwendig und nicht erforderlich
ist.
898
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Die Hochhaussache, geschätzte Damen und
Herren: Es ist bei weitem kein Anlassfall. Wir haben
gesehen, dass eben die Entwicklung in die Richtung geht, dass im Bereich Vösendorf, in der Südbahnlinie die Baugrundpreise steigen. Und das ist
ganz logisch und klar, dass dort natürlich von den
Immobilienverwertern und von den Projektträgern
versucht wird, möglichst viel Wohnraum, möglichst
viel Fläche auf einem Standort zu fixieren. Das ist
ja ganz logisch. Nur, dem muss für die Bürger Einhalt geboten werden. Hier kann es nicht zu einem
Wildwuchs kommen.
Dasselbe bei wunderschönen Villenvierteln.
Was kostet ein Quadratmeter in Mödling? Was
kostet ein Quadratmeter in Baden gegenüber von
Lilienfeld oder Gmünd? Und da sehen Sie, dass
hier Immobilienhaie unterwegs sind, die hier das
Land zusammenkaufen, Villenviertel zerstören und
so viele Reihenhäuser und Wohnblöcke hinein
stopfen und pferchen, dass hier reagiert werden
muss. Also Anlassgesetzgebung kann man da
wirklich nicht sagen. Das ist ein Trend in unserer
Gesellschaft, dass eben jetzt dort der Bedarf sehr
groß ist.
Wir haben von den anderen Dingen, die zum
Beispiel der Herr Kollege Mag. Fasan gesagt hat
…, also anscheinend, lieber Freund, hast du von
der RV-Prüfung nicht viel Ahnung. Die RV-Prüfung
wird jetzt so angesetzt, dass es für Gemeinden
möglich ist, vorweg einmal Hochhauszonen zu
widmen mit einer groben RVP und dann beim Baubescheid muss von der Bauordnung her ein genauer Nachweis geführt werden. Oder ich habe ein
Projekt und erfülle die RVP.
Nur: Bezirksgrenzen gibt es hier nicht oder
Gemeindegrenzen in der RVP. Wenn es so ist,
dass ein Riesen-Hochhaus an der Gemeindegrenze errichtet wird, dann … (Abg. Mag. Fasan:
Wenn die Baugenehmigung einmal da ist … Die
Problematik sehen wir ja jetzt!)
Naja, das ist eben schon früher nicht der Fall gewesen. Früher hat es nicht RV-Prüfung geheißen,
früher hat es Verkehrstechnisches Gutachten geheißen, lieber Freund. Ich selber habe mitgewirkt
beim Traisenpark, da haben wir schon vor 14 Jahren bitte, ein Verkehrsgutachten gehabt. Da hat
man schon die Fahrbahnen gezählt und die Garagenplätze. Also das war alles schon lang her, das
ist nichts Neues. Das ist nur, lieber Kollege, jetzt
festgeschrieben und Gottseidank in Ordnung gebracht worden.
Ja, es gäbe hier viele Dinge noch zu berichten.
Erhaltenswerte Gebäude, ist eine große Sache.
Das war immer schon ein Mangel dass hier die
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Errichtung eines Nebengebäudes nicht möglich
war. Ist jetzt möglich.
Geschätzte Damen und Herren! In Niederösterreich ist die Raumordnung immer im Fluss und
in Niederösterreich sind die zuständigen Verantwortlichen immer am Ball. Wir sind nahe dem Bürger wenn es darum geht, Belästigungen hintanzuhalten, Geruchszahl und so weiter. Auch hiezu
möchte ich noch ein Wort verlieren: Die Geruchszahl, die zum Beispiel von dir, Herr Bürgermeister
Jahrmann, angesprochen wurde, das mit der
Messung, das ist noch nicht letzter Stand der
Technik. Ich bin überzeugt, dass es zu einer 18.
Novelle kommt, wenn diese Sache vielleicht so weit
ist. In einem Jahr, dann werden wir vielleicht eine
messbare Geruchszahl hier einführen. Im Moment
ist das nicht Stand der Technik! Und ich muss
schon sagen, man muss so flexibel sein und darum
gibt es ja die Verordnungsermächtigung an die
Landesregierung, hier flexibel auf technische
Änderungen zu reagieren.
Geschätzte Damen und Herren! Das neue NÖ
Raumordnungsgesetz, die 17. Novelle, ist ein
Schritt in die richtige Richtung. Wir werden diesem
Schritt die Zustimmung geben. (Beifall bei der
ÖVP.)
Zweiter Präsident Sacher: Die Technik hat
uns einen Streich gespielt. Es ist zirka fünf Minuten
lang die Redezeit irrtümlich für die FPÖ mitgezählt
worden. Ich halte also fest, die endgültige Redezeit
der FPÖ verlängert sich um fünf Minuten. Dafür
verkürzt sich die Redezeit der ÖVP um fünf Minuten. Es ist nur irrtümlich vom Computer so gesteuert worden.
Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich
Herr Abgeordneter Jahrmann gemeldet.
Abg. Jahrmann (SPÖ): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren!
Wenn ich den Abgeordneten Toms richtig verstanden habe, so hat er mir vorgeworfen, dass ich
mit meinem Antrag eine gewisse Zementierung des
Status Quo beabsichtige. Ich möchte dem widersprechen. Ganz im Gegenteil: Mit meiner Aufforderung an die Landesregierung, diese Geruchszahl im
Sinne der Bürger zu verwenden und zu bestimmen,
fordere ich Sie auf, eine Flexibilisierung im Sinne
der Bürger in diesem Bereich wahrzunehmen. Und
meine Aufforderung, kommende Erkenntnisse in
der Messtechnik bzw. in der Beurteilung von Geruchsbelästigungen zu berücksichtigen, ist ja auch
eine Aufforderung in Richtung einer flexiblen Handhabung dieser Gesetzesstelle.
899
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Darüber hinaus darf ich sagen, dass ich immer
für eine Flexibilisierung und eine besondere bedarfsgerechte Anwendung von Gesetzesstellen
plädiert habe, auch im Ausschuss, wie der Kollege
Grandl gemeint hat. Und zwar indem ich gesagt
habe, die Bürgermeister können nach örtlichen
Gegebenheiten - hier habe ich großes Vertrauen diese Gesetzesmaterie handhaben. Natürlich, der
Einwand ist berechtigt. Ein Lehrer wird etwas anders mit diesen Beschränkungen umgehen als ein
Bauernvertreter. Aber das sei nur am Rande bemerkt.
Und in Richtung Herrn Kollegen Fasan darf ich
widersprechen. (Unruhe im Hohen Hause.)
Zweiter Präsident Sacher: Bitte zur tatsächlichen Berichtigung zu kommen!
Abg. Jahrmann (SPÖ): Ich darf die Bezeichnung von Herrn Kollegen Fasan in meine Richtung
als „Schatzi“ von meiner Seite zurückweisen. Er
wird schon wissen warum er es sagt. (Beifall bei
der SPÖ.)
In Richtung, der Herr Kollege Fasan hat eine
willkürliche Widmung …, er hat gesagt, in Strasshof
wurde eine willkürliche Widmung vorgenommen.
Ich hoffe jetzt korrekt zu handeln wenn ich sage,
das entspricht nicht der Wahrheit! Hingegen entspricht es der Wahrheit, Herr Kollege, dass die
Umwidmung in Strasshof und Markgrafneusiedl gut
überlegt, durchdacht und langfristig geplant war!
(Beifall bei der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Die Stunde der
Wahrheit und der tatsächlichen Berichtigungen.
Bitte Mag. Fasan.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Herr Präsident!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich berichtige, und zwar ausschließlich tatsächlich: Das
war nicht weitblickend, und ich weiß nicht den
zweiten Adjektiv, den weiß ich nicht mehr. Das war
die klassische Willkür in Strasshof! Und genauso
wie dort gewidmet wurde wird jetzt von den Betreibern gefuhrwerkt zum Schaden der dortigen Bevölkerung! (Beifall bei den Grünen.)
Zweiter Präsident Sacher: Tatsächliche Berichtigung, Abgeordnete Mag. Renner.
Abg. Mag. Renner (SPÖ): Herr Kollege
Fasan! Ich muss dich korrigieren: Zum Ersten ist
das ein langjährig vorgesehenes Betriebsgebiet
gewesen, da war mein Vater noch Bürgermeister
meiner Heimatgemeinde, deshalb weiß ich das so
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
genau. Es gibt schon lange Verhandlungen mit der
BIG und so weiter über dieses Areal.
Zum Zweiten macht das durchaus Sinn, wenn und wir hoffen doch - die Marchfeldstraße gebaut
wird, dann gibt’s dort ein Eck Deutsch Wagram –
Strasshof - Markgrafneusiedl, wo hoffentlich die
Wirtschaft prosperieren wird. Und wenn Sie, nämlich du und deine Freunde, weiterhin gegen die
Betriebsansiedlungen in unserer Region euch stark
macht, dann werden sich die Leute bei euch bedanken, weil wir haben zum Beispiel, nur um eine
Zahl zu nennen, einmal 4.000 OMV-Angestellte
gehabt und jetzt haben wir 700 und freuen uns über
jeden Arbeitsplatz in der Region. Danke! (Beifall bei
der SPÖ und ÖVP.)
Zweiter Präsident Sacher: Und nun tatsächlich zu Wort gemeldet Herr Abgeordneter Grandl.
Zweite Wortmeldung zu diesem Punkt.
Abg. Grandl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus!
Es ist nicht meine Art, mich ein zweites Mal zu
Wort zu melden. Aber die Herausforderung war
groß genug. Der Herr Kollege Fasan hat hier vom
Rednerpult gesagt, es handelt sich um landwirtschaftliche Industriebetriebe. Berichtigung: Bei
diesen Betrieben, über die wir heute gesprochen
haben, handelt es sich um bäuerliche Betriebe.
Denn landwirtschaftliche Industriebetriebe sind
UVP-pflichtig und von dieser Materie nicht betroffen. Das ist einmal das Erste. (Beifall bei der ÖVP.)
Und jene bäuerlichen Betriebe, über die wir
heute da diskutieren oder diskutiert haben, sind
gebunden mit dem Viehbesatz pro Hektar. Sind
gebunden laut Wasserrechtsgesetz und sie sind
gebunden laut Düngeverordnung. Sprich, ihre Produktion ist gebunden an die Fläche und da kann
von Industriebetrieb einmal überhaupt keine Rede
sein.
Und den zweiten Punkt den du noch angesprochen hast, gehst zum Bauernbund, hast ein
Mandat, ja, das wäre schön wenn es so wäre! (Unruhe bei der SPÖ.)
Nein! Ich habe zum Kollegen Waldhäusl gesagt,
wenn du zum Bauernbund gehst, hättest vielleicht
ein Mandat. Es wäre schön wenn es so wäre.
(Weiterhin Unruhe bei Abg. Weninger.)
Moment! Herr Klubobmann! Du hast mich nicht
ausreden lassen! Ich habe noch was da stehen:
Aber der Herr Kollege Waldhäusl wird aus meiner
Sicht und auch aus der Sicht des Bauernbundes
nicht in die Verlegenheit kommen, dass er von uns
900
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
ein Mandat auch besetzen muss. Also das kriegt er
sicher nicht! (Weiterhin Unruhe im Hohen Hause.)
Nein! Ich habe ihn nicht berichtigt. Das Bauernbundmandat, wenn wir es wollen oder wenn wir da
herinnen sitzen wollen, Herr Kollege, das werden
wir nur bekommen, wenn wir das Wählervertrauen
haben. Und das Wählervertrauen haben wir in der
Vergangenheit bekommen und deswegen sind wir
herinnen.
für landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung.
(Nach Abstimmung:) Dafür stimmen die Abgeordneten der Sozialdemokraten und der Grünen, dagegen die ÖVP und Abgeordneter Waldhäusl, Abgeordneter Mag. Ram. Der Antrag ist abgelehnt.
Und zur Demonstration, die angesprochen
wurde, möchte ich schon ein ernstes Wort sagen.
Wenn der Kollege Fasan sagt, ich versteh’ so viel
nicht was in dem Land passiert, ja bitte, das ist
Eigeneinschätzung. Aber die Demonstration, die
die Bauern gestern durchgeführt haben, also die
Bauern verstehen sehr wohl warum sie demonstrieren. Erstens einmal ist es eine Freiheit und es ist
auch ein demokratisches Recht, die Demonstrationsfreiheit. Und der zweite Punkt ist, Herr Kollege,
die Bauern haben demonstriert weil es um das
Marktordnungsgesetz geht. Und die Marktordnung
ist nicht recht viel anders zu beurteilen als ein Kollektivvertrag für alle anderen. Die Bauern haben
auch das Recht, einen Kollektivvertrag zu besitzen.
(Beifall bei der ÖVP.)
Berichterstatter Abg. Dipl.Ing. Toms (ÖVP):
Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen
und Herren!
Ich ersuche nun Herrn Abgeordneten Dipl.Ing.
Toms, die Verhandlungen zu Ltg. 980/A-1/79 einzuleiten.
Ich berichte zu Ltg. 890/A-1/79, VP-Antrag
betreffend der Fall der Schengengrenze. Es geht
hier um die Erweiterung der Schengengrenze, die
auf europäischer Ebene diskutiert wird. In Diskussion steht der Zeitpunkt 1. Jänner 2008. Und der
Inhalt dieses Antrages ist die Verlegung dieses
Zeitpunktes auf später. Warum? Weil vor allem die
Europameisterschaft vor uns steht und hier sehr
viel Begleitkriminalität und so weiter zu erwarten ist.
Ich darf daher sogleich zum Antrag des
Rechts- und Verfassungs-Ausschusses kommen
(liest:)
Zweiter Präsident Sacher: Ich erteile Herrn
Abgeordneten Fasan das Wort.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine Damen und Herren!
Alles andere weglassend darf ich nur bemerken, der Kollege Grandl hat uns eindrucksvoll vor
Augen geführt, wie beim Bauernbund die Mandate
vergeben werden. (Beifall bei den Grünen.)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Niederösterreichische Landesregierung
wird ersucht, bei der Bundesregierung dafür einzutreten, dass
1.
sie sich auf europäischer Ebene für eine
strenge und genaue Erfüllung des Schengenstandards einsetzt. Weiters wird ersucht, die
Möglichkeiten
einer
Erweiterung
der
Schengengrenze aus den angeführten Gründen erst nach Ende der Fußballeuropameisterschaft 2008, somit per 1.7.2008, zu prüfen;
2.
auch nach Wegfall der Schengengrenze die
infrastrukturelle Einrichtung der Polizei nicht
sofort wegfallen und
Zweiter Präsident Sacher: Kein Schlusswort
gewünscht. Wir kommen zur Abstimmung. (Nach
Abstimmung über den vorliegenden Wortlaut der
Gesetze sowie über den Antrag des Bau-Ausschusses, Ltg. 918/R-3/1 und Ltg. 918-1/R-3/1:) Die
ÖVP, die SPÖ und der Abgeordnete Mag. Ram
stimmen für den Antrag. Die Grünen und Abgeordneter Waldhäusl dagegen. Damit ist der Antrag mit
großer Mehrheit angenommen.
3.
die derzeit an der Grenze eingesetzten Polizisten auch nach der Schengenerweiterung im
grenznahen Bereich unter Berücksichtigung
sozialer Aspekte nach dem Muster der seinerzeitigen Übernahme der Zollwache belassen
werden, damit den Sicherheitsbedürfnissen der
Bevölkerung Rechnung getragen und die
Sicherheitsstandards aufrecht erhalten werden
können.“
Zur Abstimmung gelangt ein Resolutionsantrag, nämlich jener des Herrn Abgeordneten Jahrmann betreffend Geruchsemissionswertfestlegung
Herr Präsident! Ich ersuche dich um Abführung
der Debatte und um Durchführung der Abstimmung.
Zweiter Präsident Sacher: Damit ist die Rednerliste erschöpft. Wir kommen zur Abstimmung.
Schlusswort?
Berichterstatter Abg. Mag. Heuras (ÖVP):
Ich verzichte!
901
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Zweiter Präsident Sacher: Ich danke für die
Berichterstattung und eröffne die Debatte. Zu Wort
gelangt als erster Redner Herr Abgeordneter Waldhäusl.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Kollegen des Landtages! Wertes
Regierungsmitglied!
Ich werde gegen diesen Antrag stimmen, weil
ich eigentlich für den Grenzschutz bin. Und ich
glaube, Niederösterreich hat nichts von einem
Grenzschutzplacebo bis nach der Wahl - weil um
das geht’s - sondern wir brauchen eine echte Sicherheit.
Bedenken wir, 65 Prozent der nach Österreich
geschleppten Personen werden über drei neue
Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu uns
gebracht. Das kann man nachlesen aus dem Jahresbericht 2006 des Innenministeriums über organisierte Schlepperkriminalität. Daraus geht eindeutig hervor, dass speziell aus den nordöstlichen
Nachbarn Tschechien, Slowakei und Ungarn hier
die meisten geschleppten Personen kommen. Angeführt von der Slowakei, von wo über 35 Prozent
der Grenzübertritte passieren. Tschechien und
Ungarn folgen mit jeweils 15 Prozent. Und aus
diesem Bericht geht auch hervor, dass Schengen
nicht einmal zu unseren Nachbarländern, wo bereits ein Schengenraum besteht, wie Italien, funktioniert.
Und wenn jetzt die ÖVP heute einen Antrag
einbringt, der diesen Fall des Schengenraumes, der
Sicherheit, um 6 Monate später anstrebt, ja dann ist
das nichts als Unfug. Weil was bringen diese 6
Monate? Angesichts der nachweislich fehlenden
Schengenreife, die durch diesen Sicherheitsbericht
des Innenministeriums Schwarz auf Weiß festliegt.
Ich mein’, jetzt kann man sagen, ja, okay, diese
versuchte Umschiffung vor der Landtagswahl, weil
halt der Landeshauptmann nicht möchte dass im
Zuge der Wahlauseinandersetzungen negative
Schlagzeilen über mangelnde Sicherheit in unserem Bundesland geschrieben werden.
Und dass man dafür jetzt als Begründung eine
Fußball-EM herbeizieht, das ist ein untauglicher
Täuschungsversuch. Er ist vor allem deswegen
untauglich, weil jeder, der sich mit Schengen, mit
den Sicherheitsstandards und über den Ablauf, wie
man Schengenreife erhält und wie man Schengen
nicht erhält, auskennt, der weiß ganz genau, dass
Großveranstaltungen sowieso ausgenommen sind
von „Schengen“. Dass ich unabhängig davon, ob
jetzt „Schengen“ bei uns zu den Nachbarländern
exekutiert wird oder an der Grenze dieser Nachbar-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
staaten dann zurück zum Osten, dass sich jederzeit
bei einer Großveranstaltung hier meine Grenzen
zur Sicherheit und zur Aufrechterhaltung der Sicherheit der hier lebenden Bürger natürlich exekutieren kann und auch soll.
Das heißt, was da verwendet wird als Grundlage, das ist Unfug! Und das versteht sogar der
Dümmste dass das nichts anderes ist als dass man
hier ablenken möchte. Außerdem geht’s mir darum,
wie kann man behaupten in einem Antragstext,
dass es eigentlich um die Sicherheit geht und die
Standards doch noch nicht so sind. Und wenn man
sich das anschauen muss und gleichzeitig sagt
man, man will sich erst mit 1. August 2008 … Wer
sagt dann, dass mit 1. August 2008, weil eine Fußball-EM dann vorbei ist, es besser ist?
Ich kann auch nicht behaupten, ob 2010, 2012
oder 2015 die Schengenreife erreicht wird oder
vielleicht doch früher. Aber eines steht unmittelbar
hundertprozentig fest: So lange unsere Exekutivorgane an der Grenze auch mit dem Österreichischen
Bundesheer jährlich Schlepper aufgreifen, jährlich
zu schleppende Personen in Gewahrsam nehmen
ist diese Schengenreife nicht gegeben. Sonst würden ja die Personen nicht hier nach Niederösterreich kommen. Also ist diese Schengenreife nicht
gegeben! Also kann ich nicht hergehen und kann
sagen, aber vielleicht ein halbes Jahr später oder
so irgendwas. Entweder es gibt die Schengenreife
oder es gibt sie nicht! Und laut Bericht des Innenministeriums gibt es diese Schengenreife eindeutig
nicht.
Eine Außerkraftsetzung würde natürlich schon
einiges für uns bedeuten. Nicht nur jetzt für jene
Personen, die jetzt vorbildhaft ihren Dienst versehen, in welcher Farbe der Uniform auch immer in
welchem Körper sie tätig sind. Da geht’s um Arbeitsplätze, aber es geht auch um die Sicherheit in
diesem Bundesland. Denn wenn ich diesem Sicherheitsbericht entnehme, dass speziell Tschechien, die Slowakei und Ungarn hier als beliebte
Schlepperrouten gewählt werden, ja dann wissen
wir schon, dass wir in Niederösterreich hier am
gefährdetsten aller Bundesländer in Österreich
sind.
Die Kriminalstatistik und die steigende Kriminalität auch in unserem Bundesland, die trotz Sonderkommanden etc. nicht in den Griff zu bekommen
ist, untermauert ja nur, dass hier Probleme da sind.
Und wenn man da noch nicht reagiert, und die
Grenze wirklich aufmacht, dann ist das nichts anderes als dass man unsere Bürger, die Bürgerinnen
und Bürger hier der Kriminalität ausliefert. Da bin
ich nicht dabei! Da bin ich überhaupt nicht dabei!
902
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Denn hier hat die Politik hinter den Bürgern zu stehen und nicht hinter der EU, die sagt, es wird schon
irgendwie so halbwegs passen. Und das entscheidet sich. Das entscheidet sich spätestens laut letzten Erkenntnissen so Ende November. Aber geplant ist, mit 1. Jänner, dass diese Grenze tatsächlich hier den Schengenstatus verliert.
Und dann werden es wahrscheinlich wieder die
Bösen der EU gewesen sein die das gemacht haben. Nein! Jetzt liegt es daran, dass Österreich und
auch der NÖ Landtag hier Flagge zeigt. Und es
sind ja in diesem Landtag zwei Parteien, die Mehrheitsparteien, vertreten, die gleichzeitig die Regierung bilden auf Bundesebene. Und dann weiß man
sehr wohl, dass ohne der wirklichen Zustimmung
der Bundesregierung es nicht so einfach sein wird.
Wir werden schauen, was der Innenminister und
auch der Außenminister, und letztendlich auch der
Bundeskanzler hier zum Schutze der niederösterreichischen Bevölkerung tun wird.
Was jetzt passiert in diesem Landtag, das nach
die Landtagswahlen zu verschieben, das ist ein
„Kas“. Das ist nicht einmal ein schlechter „Kas“, das
ist gar nichts! Das ist nicht einmal das Papier wert
auf dem das steht. Weil nämlich damit gar nichts
passiert. Und genauso ist dieser Antrag auch zu
verstehen, den die ÖVP da eingebracht hat. Daher
werde ich dem auch nicht zustimmen. Aber ich
werde, damit man ein bisschen sieht, wie wirklich
wer für die Sicherheit ist in diesem Lande, einen
eigenen Antrag einbringen, und zwar einen Resolutionsantrag. Die Begründung ist eigentlich aus meinen Ausführungen erklärt. Nachdem ich der Erstredner bin, kann es jeder auch nachlesen. Ich stelle
daher den Antrag (liest:)
„Resolutionsantrag
des Abgeordneten Waldhäusl zum Antrag des
Rechts- und Verfassungs-Ausschusses, Ltg. 890/A1/79 – Antrag der Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a. betreffend Fall der Schengengrenze mit
1.1.2008 betreffend Nichtzustimmung zur Schengen-Erweiterung.
Seit dem Jahre 1995 wird das Schengener
Durchführungsübereinkommen angewendet, Österreich ist seit 1. April 1998 zur vollständigen Einhaltung verpflichtet. Das bedeutet (auf dem Papier)
freie Fahrt innerhalb der Grenzen der Beitrittsländer
und mehr Kontrolle an den Außengrenzen. Nun
sollen zehn neue EU-Mitgliedstaaten zu SchengenStaaten werden.
Ein paar Fakten zeigen die traurige Realität:
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Wie dem Jahresbericht 2006 des Innenministeriums über organisierte Schlepperkriminalität zu
entnehmen ist, sind unsere nord/östlichen Nachbarn nach wie vor die beliebteste Ausgangsländer
geschleppter Personen. Die Slowakei führt den
Reigen der Grenzübertritte nach Niederösterreich
mit 35 Prozent an, Tschechien und Ungarn folgen
mit jeweils 15 Prozent. Das heißt, dass 65 Prozent
der nach Österreich geschleppten Personen aus
diesen drei neuen EU-Mitgliedstaaten kommen,
welche demnächst ‚Schengen-Reife’ besitzen sollen und selbst auch behaupten diese zu haben!
2006 wurden an den österreichischen Grenzen
39.408 Personen aufgegriffen. Dazu existieren über
470.000 aufrechte Aufenthaltstitel von Drittstaatsangehörigen. Über 125.000 Asylanträge wurden
seit 2002 gestellt, davon sind mehr als 40.000 offene Asylverfahren geblieben. Betrachtet man nun
noch die Kriminalstatistik Österreichs, so erkennt
man gleichzeitig einen enormen Kriminalitätsanstieg. Für das Jahr 1998, das Jahr, seit dem Österreich das Schengener Abkommen anwendet, gibt
es in der Kriminalstatistik 479.859 angezeigte Fälle.
2002 waren es über 590.000, 2004 schon mehr als
643.000 und 2006 neuerlich rund 590.000 angezeigte Fälle.
Die Anzahl der fremden Tatverdächtigen im
Verhältnis zur Gesamtsumme der Tatverdächtigen
wächst nach wie vor stetig. Die Haftanstalten sind
überfüllt. Seit dem Jahr 2004 gibt es in Österreich
mehr Häftlinge als Haftplätze. Für 8.639 Angehaltene gab es im Vorjahr 8.612 Haftplätze. Das waren
um 25,9 Prozent mehr Häftlinge als im Jahr 2000.
Mit 1. Jänner 2007 befanden sich über 3.600 Ausländer in Haft, das sind ca. 42 Prozent.
Fazit: Angesicht dieser ernüchternden Zahlen
und Fakten können und dürfen wir in Österreich
durch Zustimmung zur endgültigen Anwendung des
Schengen-Abkommens durch die neuen EU-Mitgliedstaaten einem weiteren Ansturm aus dem
Osten nicht Tür und Tor öffnen.
Der Gefertigte stellt daher folgenden Antrag:
Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung folgende Forderung
an die Bundesregierung, insbesondere den Innenminister zu stellen:
Bei den Verhandlungen auf nationaler als auch
auf EU-Ebene in den entsprechenden Räten, zum
Schutze der niederösterreichischen Bürgerinnen
903
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
und Bürger, der Vollanwendung des Schengener
Besitzstands für die neuen EU-Mitgliedstaaten und
damit die Aufhebung der Kontrollen an den Binnengrenzen dieser Staaten nicht zuzustimmen,
solange die Anzahl der nach Österreich rechtswidrig eingereisten und geschleppten Personen beweist, dass die Kontrolle an den neuen EU-Außengrenzen nicht ausreichend ist.“
Setzen Sie gemeinsam mit mir ein Zeichen für
die Sicherheit dieses Landes oder tun Sie mit bei
der „Kaserei“ der ÖVP.
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Rednerin erteile ich Frau Klubobfrau Dr. Petrovic das
Wort.
Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsident! Herr Landesrat! Sehr geehrte Damen und
Herren!
Wir werden letztlich diesem Antrag unsere Zustimmung geben. Ich möchte aber trotzdem einige
kritische Bemerkungen voranschicken, da uns
diese Zustimmung nicht ganz leicht fällt. Und da es
mir auch wichtig ist, überhaupt in dem Zusammenhang mit dem Schengenregime doch auf ein paar
sehr wichtige und unserer Meinung nach offene
Punkte hinzuweisen.
Nämlich erstens zum Schengenregime an sich.
Natürlich sehen auch wir die Notwendigkeit von
Grenzkontrollen aus vielen Gründen, um eben den
Import gefährlicher Produkte zu verhindern, um
auch möglicherweise Personen, die die Sicherheit
gefährden könnten, an den Grenzen stoppen zu
können. Und um überhaupt auch eine Übersicht zu
haben über Bewegungen von Personen und Gütern
in die EU bzw. in den Schengenraum und heraus.
Das, was wir aber kritisieren ist, dass mit dem
Schengensystem von den etablierten politischen
Kräften falsche Hoffnungen erweckt werden. Nämlich der Glaube, dass polizeilich, allenfalls auch
militärisch abgesicherte Grenzen und Grenzkontrollen geeignet wären, auf die Dauer echte Sicherheit zu gewährleisten. Das ist eine Facette eines
umfassenden Sicherheitsbegriffes. Aber wenn nicht
massive wirtschaftliche und soziale Maßnahmen
mit in einem Sicherheitspaket sind, dann, glaube
ich, kann es nicht wirken. Und ziemlich egal wo Sie
diese Grenze ansiedeln, wohin Sie sie verschieben
und wie viel Exekutivkräfte sie in diesen Dienst
stellen, Sie werden immer wieder Versuche haben
und auch geglückte Versuche, diese Grenzziehungen zu verletzen. Daher vermissen wir seit vielen
Jahren als Ergänzung zu dem System Schengen
eine umfassende Antwort auf soziale Fragen, auf
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
ein Wohlstandsgefälle. Und auch eine viel
großzügigere Politik in Sachen Ausgleich von Wohlstandsunterschieden. Und wenn dann immer das
Argument kommt, ja bei uns hier in Österreich
wurde dieses Land ja auch aus der Kraft der
Bevölkerung nach den verheerenden Weltkriegen
und dieser unsäglichen Zerstörung wieder aufgebaut, dann muss man einer Legendenbildung auch
vorbeugen und hinzufügen, es waren natürlich
auch die materiellen Mittel des Marshallplanes, es
war eine große Unterstützung und es war auch eine
politische Unterstützung die es gab in Verbindung
mit der Einsatzbereitschaft und der Leistungskraft
der Bevölkerung, die dieses Wirtschaftswunder und
diesen sozialen Ausgleich ermöglicht haben. Dasselbe verlangen wir auch in Bezug auf die Länder,
die jetzt noch außerhalb der Schengengrenze sind,
und für die Länder die außerhalb Europas sind.
Denn sonst wird keine wie immer geartete polizeiliche, militärische Grenze auf Dauer geeignet sein,
Sicherheit zu bieten. (Beifall bei den Grünen.)
Dazu kommt, dass wir ja auch – auch das ist
bekannt – hier in Österreich immer wieder einen
Mangel an anderen Rechtsinstrumenten beklagen
um gerade den Ländern, die uns sehr nahe stehen
und die nicht Teil der EU oder des Schengenraumes sind, hier auch in einer offenen, wirtschaftlichen, in einer freundschaftlichen Art besser begegnen zu können. Ich denke da insbesondere an die
Balkanstaaten und ich erinnere einmal mehr, dass
die Schengengrenze, diese sehr einseitig polizeilich-militärisch gesicherte Grenze, sich ja quer
durch viele Familien zieht - auch durch die meinige,
und auch durch sehr viele andere Familien hier in
der Ostregion. Das ist wirklich etwas sehr, sehr
Belastendes wenn Sie für Verwandtschaftsbesuche, für Dinge, die sonst unter Familien Gang und
Gäbe sind, die Hilfe, die Unterstützung bei der Kinderbetreuung, wenn da eine Schengengrenze
durchläuft. Ich merke das nur an, weil es mir wichtig
ist immer im Zusammenhang mit dem Begriff
Schengen.
Ansonsten hier mit dem konkreten Antrag in
Verbindung sehen wir natürlich auch die Gefahren
die diese Vorgangsweise hat. Denn es kann und
darf auch mit der Absicherung von Großereignissen
natürlich nicht so weit kommen, dass zentrale Prinzipien des Strafrechtes, des Verwaltungsstrafrechtes, des gerichtlichen Strafrechtes auf den Kopf
gestellt werden. Und dass beispielsweise die Unschuldsvermutung auf den Kopf gestellt wird, dass
Prinzipien wie Notwendigkeit, dass die Behörde
Übertretungen beweist und nicht umgekehrt, dass
jemand seine Unschuld beweisen muss. All das ist
wichtig. Und immer, wenn man natürlich schon
präventiv die administrativen, die exekutiven
904
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Sicherheitsstandards in die Höhe schraubt,
schwingt eine gewisse Gefahr mit. Dass damit auch
möglicherweise grundrechtliche Verletzungen hier
eintreten könnten. Dennoch glauben wir, dass das,
was im Zusammenhang leider Gottes mit Fußballgroßveranstaltungen bereits passiert ist, ich
erinnere mich mit Schrecken an fast 30 Tote
damals im Heysel-Stadion in Belgien. Ich erinnere
mich an viele Ausschreitungen, ich erinnere mich
auch an Verletzte, schwer verletzte Exekutivkräfte.
Ich erinnere natürlich an die Tatsache, dass
die ganz, ganz überwiegende Zahl der Zuseherinnen und Zuseher bei derartigen Veranstaltungen
natürlich nur am Sport und an der Unterhaltung
interessiert sind. Und dass es nicht angeht, dass
eine kleine und rabiate Minderheit letztlich dann
solche Großveranstaltungen unmöglich macht!
(Beifall bei den Grünen.)
Und aus diesem Grund stimmen wir letztlich diesem Antrag zu.
Wir gehen davon aus, dass die demokratischen Kontrollinstrumente stark genug sein werden
und dass auch das Fingerspitzengefühl und das
Einsichtsvermögen der ressortzuständigen Organe
auf Bundes- und Landesebene so groß ist, dass es
wirklich dabei bleiben wird dass man Gefahren
bekämpft, dass man mögliche Ruhestörungen und
Gefährdungen der Sicherheit von vornherein vermeidet. Dass man aber ansonsten selbstverständlich die Grundrechte, die Freiheit der Bewegung
und die Freiheit, an derartigen Veranstaltungen
teilzunehmen oder davon unbehelligt zu bleiben,
auch sichert und gewährleistet. In diesem Sinne, Ja
- mit ein bisschen Bauchweh, aber letztlich doch
eine grüne Zustimmung. (Beifall bei den Grünen.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Findeis am Wort.
Abg. Findeis (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Landesrat! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus!
Wir durften in Europa in den letzten 20 Jahren
tiefgreifende Veränderungen miterleben. Der Eiserne Vorhang ist gefallen und wir befinden uns auf
dem Weg in ein neues, großes Europa. Der Fall
des Eisernen Vorhanges und in weiterer Folge der
Beitritt Tschechiens und der Slowakei zur Europäischen Union haben unser Bundesland ins Zentrum
einer sich dynamisch entwickelnden EU gerückt.
Niederösterreich ist in vielerlei Hinsicht durch die
lange Außengrenze in einer besonderen Situation.
Besonders im Bereich der Sicherheit stehen wir
daher vor großen Herausforderungen. Nach wie vor
ist die Kriminalitätsrate erschreckend hoch und
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
immer mehr Fälle stehen im Zusammenhang mit
international organisierter Kriminalität.
Der uns heute vorliegende Antrag betreffend
den Fall der Schengengrenze mit dem 1. Jänner
2008 hat daher für die Menschen in den Grenzregionen Niederösterreichs große Bedeutung. Denn die
Verunsicherung der Menschen nicht nur in den
Grenzregionen, nimmt zu. Nicht zuletzt sinkt damit
aber auch das Vertrauen in unser neues, gemeinsames Europa.
Es muss daher unsere Aufgabe sein, alles in
unserer Macht stehende zu unternehmen um den
Menschen in unserem Bundesland das Vertrauen
wieder zurückzugeben und alles zu unternehmen
um für Sicherheit zu sorgen. Die absolut unabdingbare Voraussetzung für den Fall der Schengengrenze ist natürlich, dass unsere Nachbarstaaten
die strengen Schengenstandards auch tatsächlich
erfüllen. Es ist daher notwendig, dass Niederösterreich mit aller Vehemenz auf ihre Einhaltung besteht. Ebenso unerlässlich ist es aber auch, dass
die Exekutive in den Grenzregionen das nötige
Personal zur Verfügung hat.
Die derzeit an der Grenze eingesetzten Polizistinnen und Polizisten müssen daher auf jeden
Fall auch in der Region bleiben können. Denn auch
wenn es keine Grenzen im bisherigen Sinne mehr
gibt, muss der Grenzraum dennoch weiter entsprechend überwacht werden. Außerdem ergibt sich
durch die Fußballeuropameisterschaft im kommenden Jahr eine besondere Situation für Österreich.
Es geht mit solchen Großveranstaltungen doch
immer wieder auch Begleitkriminalität einher. Daher
ist ja bereits vorgesehen, für den Veranstaltungszeitraum das Schengensystem außer Kraft zu setzen um hier effektivere Kontrollen durchführen zu
können. Auf Grund der derzeitigen Lage wäre es
aber auf jeden Fall sinnvoll, wenn die Erweiterung
der Schengengrenze überhaupt bis nach dem Ende
der Europameisterschaft, also auf Juli 2008, verschoben würde.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Viele dieser wesentlichen Punkte sind ja
alle in dem uns heute vorliegenden Antrag enthalten. Darüber hinaus sind aber noch weitere Maßnahmen notwendig. Die Menschen in unserem
Land fühlen sich nämlich zu Recht verunsichert.
Von Jänner bis Mai stieg die Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr um ganze 8,1 Prozent, während
die Aufklärungsquote um 6,1 Prozent gefallen ist.
Die Menschen in den Grenzregionen, aber auch die
Polizistinnen und Polizisten selbst brauchen daher
endlich die Gewissheit, wie es weiter gehen soll.
905
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Es ist auch den Beamtinnen und Beamten gegenüber, die jeden Tag im Einsatz Großartiges
leisten, absolut unfair, sie über ihre persönliche
Zukunft derart im Unklaren zu lassen. Und es ist
schließlich für niemanden motivationsfördernd
wenn man nicht weiß, wie es im nächsten halben
Jahr mit dem Arbeitsplatz weiter gehen wird. Eine
solche Behandlung haben sich unsere Polizisten
und Polizistinnen ganz einfach nicht verdient.
Außerdem braucht die Exekutive ganz einfach
mehr Personal. Die Beamten und Beamtinnen sind
mit Aufgaben zugeschüttet und an der Grenze ihrer
Belastbarkeit angelangt. Aber auch die Schließung
von Polizeistationen an der Grenze ist hier ganz
sicher nicht hilfreich. Diese Forderungen sind nicht
besonders neu oder originell, aber leider noch immer brennend aktuell. Und die Polizistinnen und
Polizisten brauchen ganz einfach bessere Arbeitsbedingungen, wozu natürlich auch eine laufende
Verbesserung der Ausrüstung gehört.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Auch die Beamten und Beamtinnen
brauchen endlich Sicherheit. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass es keine Versetzungen
ohne ihre Zustimmung gibt und dass soziale Aspekte, wie zum Beispiel der Wohnort und der bisherige Dienstort berücksichtigt werden. Und die Belastung der bestehenden Unterkünfte samt Ausstattung und Ausrüstung, der Ausbau der Kooperationszentren als eigene Dienststellen, die Einhaltung der heutigen Grekos an den Grenzübergängen mit der Möglichkeit einer stationären Überwachung bei Großfahndungen oder zur gezielten Anreisekontrolle, eine Verstärkung in den Ballungsräumen ebenso wie eine Verstärkung des Kriminaldienstes. All das sind nur einige der Maßnahmen,
die dringend notwendig sind im Interesse der Polizisten und Polizistinnen und natürlich im Interesse
der Sicherheit unserer Bevölkerung. Danke! (Beifall
bei der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Wilfing am Wort.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Wirtschaftszahlen, die wir heute haben, basieren
sehr, sehr stark darauf, dass sich die Märkte erweitert haben, neue Märkte gewonnen wurden und
steigende Beschäftigtenzahlen, sinkende Arbeitslosenzahlen hier das beste Beispiel dafür sind, dass
dieser größere Markt der Europäischen Union
Europas Österreich zum Vorteil gereicht.
Gleichzeitig ist aber für uns wichtig, dass wir in
der Win-Win-Situation bleiben und daher verschiedenste Aspekte, die auch beleuchtet werden müssen wie eben der Sicherheitsaspekt, auch in Zukunft einen Schwerpunkt bilden müssen.
Die Erweiterung des Schengenraumes von 13
auf 22 Staaten Europas bietet zum einen eine
große Chance, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung für Österreich. Die große Chance ist,
dass sich ein neuer Sicherheitsgurt rund um
Europa legt und damit auch an den Außengrenzen
der Europäischen Union stärker als bisher ein Sicherheitskordon aufgezogen wird.
Gleichzeitig muss aber klargestellt werden, und
das haben auch meine Vorredner hier schon angesprochen, wobei ich hier fast allem zustimmen kann
- gut, der Waldhäusl ist anders gelegen, aber das
verwundert keinen hier in diesem Raum -, dass
natürlich diese Sicherheitsaspekte von den neuen
Schengenstaaten unbedingt – und zwar bewusst
sage ich das jetzt – zu 100 Prozent zu erfüllen sind.
Nur dann kann dieser Schengenerweiterung aus
Sicht Österreichs zugestimmt werden. Das heißt,
dass wir eine perfekte Absicherung der Außengrenzen brauchen, eine perfekte Absicherung der
Flughäfen brauchen. Das bedeutet, dass die passenden Sicherheitsstandards gegeben sein müssen. Das bedeutet natürlich das einwandfreie
Funktionieren des Schengen-Informationssystems
an diesen neuen Grenzen. Wenn das zutrifft, das
wird evaluiert weiterhin und natürlich auch sehr
kritisch, dann kann es eben zu dieser Erweiterung
des Schengenraumes kommen.
Abg. Mag. Wilfing (ÖVP): Geschätzter Herr
Präsident! Hoher Landtag! Meine sehr verehrten
Damen und Herren!
Gleichzeitig aber muss klar sein, dass wir auch
weiterhin Grenzsicherungsmaßnahmen durchzuführen haben. Und das Ganze nach dem Schlagwort, nicht mehr Grenzkontrollen sondern Grenzraumkontrollen müssen hier die Zukunft sein.
Die Erweiterung der Europäischen Union mit 1.
Mai 2004 war vor einigen Jahren sicher noch sehr
umstritten. Und ich kenne auch verschiedene Umfrageergebnisse, die die Skepsis, die in der Bevölkerung darüber vorhanden war, eindeutig widerspiegelt. Wenn wir nun im Sommer 2007 diese
Erweiterung beurteilen, so können wir feststellen,
dass die Politik damals richtig agiert hat. Denn die
Es gibt daher jetzt schon intensive bilaterale
Gespräche um diese grenzüberschreitende Grenzraumsicherung durchzuführen. Es gibt gemeinsame
Streifen hier an unseren Grenzen von tschechischen, österreichischen, slowakischen Beamtinnen
und Beamten, die wichtig sind, weil ja diese Grenzraumsicherung nur gemeinsam gelöst werden
kann. Es gibt den Auf- und Ausbau von Grenzpoli-
906
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
zeikooperationszentren, die schon sehr viele Erfolge gebracht haben. In Drasenhofen haben wir ja
ein derartiges Polizeikooperationszentrum. Und
vieles was früher noch undenkbar gewesen wäre,
weil eben die Vernetzung nicht gegeben war,
konnte Gottseidank, vor allem in der Wirtschaftskriminalität, gemeinsam aufgedeckt werden.
Es ist wichtig, dass wir, ausgehend von dieser
internationalen Komponente, auch die Anpassung
der Sicherheitsstruktur in Österreich gemeinsam
angehen. Zum Einen ist wichtig, dass wir nach
einem gewissen Beobachtungszeitraum uns ansehen wie sich die neue Grenzsituation auswirkt. Und
genau das ist auch die Absicht hier. Indem wir sagen, es soll nicht übereilt, sofort diese Schengenerweiterung dazu führen, dass wir die Sicherheitskontrollen in Österreich abbauen. Sondern in einer
Übergangsfrist genau beobachten, genau evaluieren und dann die flächendeckende Grenzraumkontrolle organisieren um auch in Österreich weiterhin
einen breiten Sicherheitsgurt zu haben.
Das heißt, dass wir in Zukunft weiterhin alle
Polizistinnen und Polizisten an der jetzigen Grenze
brauchen für eben Schleierfahndung, verstärkte
grenzüberschreitende Streifentätigkeit, Schwerpunktkontrollen, Schwerpunktaktionen, den Aufbau
eigener Schwerpunktdienststellen bzw. die Erhaltung der jetzigen GREKOS als Schwerpunktdienststellen für die Aufgaben die ich vorhin genannt
habe und eben verstärkt die Überwachung der
Hauptverkehrsrouten und der Kopfbahnhöfe.
Das heißt also, dass sich Ausgleichsmaßnahmen weit in das Hinterland erstrecken und entlang
der Hauptverkehrsrouten Schwerpunktdienststellen
und Kontrollplätze weiterhin Bestand haben müssen um eben diese Sicherheit, die uns wichtig ist,
weiterhin garantieren zu können. Das heißt, dass
zum Einen wir davon ausgehen, dass ab einem
bestimmten Zeitpunkt in der nahen Zukunft durch
die Erweiterung des Schengenraumes dort neue
Schengenstaaten ihre Grenzen streng kontrollieren
und damit einen Sicherheitsgurt dort aufziehen.
Dass zweitens gemeinsame, gemischte Grenzsicherungsstreifen hier bilateral schon in Nähe unserer Grenze bzw. auf unserem Staatsgebiet Kontrollaspekte erfüllen. Dass es dabei im österreichischen Grenzraum eine dichte Grenzkontrolle gibt
und dass es im Hinterland Ausgleichsmaßnahmen
gibt, sodass der Grenzsicherheitsgürtel flexibel und
bedarfsangepasst in Zukunft hier Bestand haben
wird, weil wir diese Sicherheit in unserem Lande
brauchen.
Darüber hinaus darf ich einen Resolutionsantrag einbringen (liest):
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
„Resolutionsantrag
des Abgeordneten Mag. Wilfing zum Antrag
der Abgeordneten Mag. Schneeberger, Findeis u.a.
betreffend Fall der Schengengrenze mit 1.1.2008,
Ltg. 890/A-1/79-2007, betreffend Verlängerung des
Assistenzeinsatzes des Österreichischen Bundesheeres zur Grenzüberwachung.
Mit dem im Betreff genannten Antrag wird die
Landesregierung ersucht, bei der Bundesregierung
dafür einzutreten, dass diese sich auf europäischer
Ebene dafür einsetzt, dass die Schengenstandards
in den Nachbarländern streng und genau erfüllt
werden und geprüft werde, ob die Erweiterung der
Schengengrenze erst nach Ende der Fußballeuropameisterschaft per 1.7.2008 kommen kann.
Weiters soll die Landesregierung die Bundesregierung auffordern, dass auch nach Wegfall der
Schengengrenze die infrastrukturellen Einrichtungen der Polizei nicht sofort wegfallen und die derzeit an der Grenze eingesetzten Polizisten auch
nach der Schengenerweiterung im grenznahen
Bereich eingesetzt werden.
Die Frage der Schengenerweiterung betrifft
aber nicht nur diese Gesichtspunkte sondern auch
den Assistenzeinsatzes des österreichischen Bundesheeres an der Grenze Niederösterreichs zu
Tschechien und der Slowakei. Der Assistenzeinsatz
des Bundesheeres an dieser Grenze läuft seit
1990, wobei die Grenzsoldaten allein in Niederösterreich einen Grenzabschnitt von 414 Kilometern überwachen, und hat sich im Hinblick auf die
Grenzüberwachung überaus bewährt. Mit Ende des
Jahres 2007 läuft der Assistenzeinsatz jedoch aus.
Derzeit gibt es seitens des Verteidigungsministeriums noch keine konkreten Pläne, wie es mit dem
Assistenzeinsatz an Niederösterreichs Grenzen
nach der Schengenerweiterung weitergehen soll.
Im Hinblick auf die Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten zwar als gut
zu bezeichnen ist, aber selbst auf europäischer
Ebene Zweifel bestehen, ob die neuen Schengenländer die strengen Standards, die das Schengen
Abkommen für die Sicherung der EU - Außengrenze vorsieht, erfüllt, wäre es deshalb angebracht
den Assistenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres an der Grenze zu den neuen Schengenländern und dabei insbesondere zu Tschechien
und der Slowakei bis Ende 2008 zu verlängern.
Diese Verlängerung des Assistenzeinsatzes
sollte unabhängig davon beschlossen werden,
wann die Schengenerweiterung tatsächlich stattfindet. Auf diese Weise könnten Anlaufschwierigkeiten
907
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
bei der Grenzkontrolle beim Eintritt in die Europäische Union an den Grenzen der neuen Schengen
Mitgliedsstaaten abgefangen werden und eine Art
‚doppelter Sicherheitsgurt’ - Grenzkontrolle in den
neuen Schengenstaaten UND Grenzüberwachung
in Österreich – für diesen Zeitraum etabliert werden. Zusätzlich würde eine derartige Verlängerung
des Assistenzeinsatzes dem Sicherheitsbedürfnis
der Bevölkerung, die sich darauf verlässt, dass die
österreichischen Grenzen streng kontrolliert werden, entgegenkommen.
Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung bei der Bundesregierung dafür einzutreten, dass der Assistenzeinsatz
des österreichischen Bundesheeres an der Grenze
zu den potentiellen neuen Schengenstaaten bis
Ende 2008 verlängert wird.“
Mir ist wichtig, dass neben diesen polizeilichen
Aufgaben natürlich auch weiterhin ein Existenzeinsatz des österreichischen Bundesheeres geben
muss, weil seit 1990 die Grenzsoldaten einen
Grenzabschnitt von 414 km überwachen, was sich
sehr, sehr bewährt hat. Wobei gerade im Bezirk
Gänserndorf diese Grenzsicherung durch die Assistenzleistung großartige Erfolge aufzuweisen hat.
Und wichtig ist uns, dass nach dem 31. Dezember
2007 dieser Assistenzeinsatz weiter geht. (Beifall
bei der ÖVP.)
Zweiter Präsident Sacher: Hoher Landtag!
Damit ist die Rednerliste erschöpft. Der Berichterstatter hat ein Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Dipl.Ing. Toms (ÖVP):
Ich verzichte!
Zweiter Präsident Sacher: Er verzichtet. Wir
kommen zur Abstimmung. Bevor ich über den Antrag des Ausschusses mit Ltg. 890/A-1/79 abstimmen lasse, halte ich fest, dass der Herr Abgeordnete Waldhäusl einen von ihm Resolutionsantrag
genannten Antrag eingebracht hat. Im Sinne unserer Geschäftsordnung handelt es sich dabei aber
um einen Antrag bezogen auf einen völlig neuen
Text, also einen Abänderungsantrag, der vor dem
Hauptantrag abzustimmen wäre. Ich frage daher:
Wenn dieser Antrag des Abgeordneten Waldhäusl
unterstützt wird, dann bitte ich um ein Zeichen der
Zustimmung. (Nach Abstimmung:) Dieser ist nicht
ausreichend unterstützt. Daher gelangt dieser Antrag nicht zur Abstimmung.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses,
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Ltg. 890/A-1/79:) Ich stelle fest, dass alle Abgeordneten, außer dem Herrn Abgeordneten Waldhäusl,
dem Antrag zugestimmt haben, daher ist er angenommen.
Es wurde vom Herrn Abgeordneten Wilfing ein
Resolutionsantrag eingebracht, der ebenfalls im
Sinne unserer Geschäftsordnung als Zusatzantrag
zu verstehen ist. Er ist nur von Abgeordneten
Wilfing unterzeichnet. Ich stelle daher die Unterstützungsfrage: Wer unterstützt den Antrag des
Abgeordneten Wilfing? (Nach Abstimmung:) Das ist
die Mehrheit. Daher gelangt dieser Antrag des Abgeordneten Wilfing zur Abstimmung. Er betrifft die
Verlängerung des Assistenzeinsatzes des Österreichischen Bundesheeres zur Grundüberwachung.
(Nach Abstimmung:) Ich stelle fest, dass dieser
Antrag mit den Stimmen aller Abgeordneten außer
den Stimmen der vier grünen Abgeordneten angenommen wurden und somit mit großer Mehrheit
angenommen worden ist.
Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsichtige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 903/2-1/4 und
Ltg. 884/B-33/4 wegen des sachlichen Zusammenhanges gemeinsam zu verhandeln. Berichterstattung und Abstimmung werden jedoch getrennt erfolgen. Gibt es einen Einwand dagegen? Ich sehe
keinen. Ich ersuche daher Herrn Abgeordneten
Herzig zu Ltg. 903/R-1/4 und danach Frau Abgeordnete Mag. Kögler zu Ltg. 884/B-33/4 zu berichten.
Berichterstatter Abg. Herzig (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und
Herren! Ich berichte zu Ltg. 903/R-1/4, Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich 2006.
Der Rechnungsabschluss liegt nun zur Beschlussfassung vor. Und das gesamte Abschlussoperat ist, wie schon in den vergangenen Jahren, in
vier Teile geteilt. Der erste Band enthält Bericht und
Antrag zum Rechnungsabschluss. Und hier finden
Sie auch die Erläuterungen zu den Abweichungen
der Einnahmen und der Ausgaben.
Der zweite Band als Hauptteil enthält die
Rechnungsabschlüsse des ordentlichen Haushaltes. Der Band drei enthält die Untervoranschläge
und der vierte und letzte Band enthält die laut Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung
des Bundesministeriums für Finanzen geforderten
Nachweise und finanzstatistischen Zusammenstellungen.
Der Rechnungsabschluss 2006 weist folgendes Ergebnis aus: Gesamtausgaben in der Höhe
von gerundet 6.505,000.000. Und Gesamteinnah-
908
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
men 5.841,000.000. Das ergibt einen administrativen Bruttoabgang von 664 Millionen, der durch
Schuldenaufnahmen abgedeckt wurde. Aufnahme
von Darlehen und Anleihen in der Höhe von 658
Millionen und innere Anleihen von 6 Millionen. Der
Bruttoabgang in der Höhe von 664 Millionen verringert sich nach Abzug der Schuldentilgungen von
449 Millionen auf einen administrativen Nettoabgang von 215 Millionen.
Das Haushaltsergebnis nach der europäischen
volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung weist im
Rechnungsquerschnitt
einen
Maastricht-Überschuss von 285 Millionen aus. Und dieses Maastricht-Ergebnis entspricht dem für das Bundesland
Niederösterreich vorgesehenen Stabilitätsbeitrag.
Ich darf daher den Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschuss über den Bericht der Landesregierung betreffend den Rechnungsabschluss des
Landes Niederösterreich für das Jahr 2006 stellen
(liest:).
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
gunsten oder im Interesse von Gemeinden und
Gemeindeverbänden von 310,926.992,69. Der
Landtag von Niederösterreich hat in seiner Sitzung
vom 29. November 1983 den Resolutionsantrag der
Abgeordneten Haufek und Ing. Gansch betreffend
Vorlage des Gemeindeförderungsberichtes zum
Beschluss erhoben. Mit diesem ressortübergreifenden und detaillierten Gemeindeförderungsbericht ist
für die Transparenz der Verwaltung und die Kontrolle der Förderungsvergabe gesorgt. Dem Landtag wird daher zugleich mit dem Rechnungsabschluss ein jährlicher Bericht vorgelegt, in welchem
ein Gesamtbericht des Finanzreferenten, die Berichte der einzelnen Regierungsmitglieder aus ihren
Ressorts und die Berichte der ECO PLUS und der
Fonds mit Rechtspersönlichkeit über die an Gemeinden und Gemeindeverbände gewährten Förderungen enthalten sind.
Ich stelle daher den Antrag des Wirtschaftsund Finanz-Ausschusses (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich für das Jahr 2006 wird mit folgenden
im Hauptteil und in den Untervoranschlägen
aufgegliederten Gesamtbeträgen genehmigt:
Ausgaben im ordentlichen Haushalt von €
6.505,688.761,47 und
Einnahmen im ordentlichen Haushalt von €
6.505,688.761,47.
2.
3.
Der Bericht, die Erläuterungen sowie die Nachweise werden genehmigend zur Kenntnis genommen.
Die bei den einzelnen Voranschlagsstellen
ausgewiesenen Abweichungen zum Voranschlag werden genehmigt.“
Ich ersuche, Herr Präsident, um Debatte und
Abstimmung.
Zweiter Präsident Sacher: Ich ersuche nun
Frau Abgeordnete Mag. Kögler den Bericht zu erstatten.
Berichterstatterin Abg. Mag. Kögler (SPÖ):
Werter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte
über den Gemeindeförderungsbericht 2006.
Der Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich für das Jahr 2006 weist Finanzzuweisungen und Zuschüsse an Gemeinden von
150,734.878,08 aus und sonstige Ausgaben zu-
Der NÖ Gemeindeförderungsbericht 2006 wird
zur Kenntnis genommen.“
Werter Herr Landtagspräsident! Ich bitte, die
Debatte einzuleiten und die Abstimmung durchzuführen.
Zweiter Präsident Sacher: Danke für die Berichterstattung und eröffne die Debatte. Als erster
Redner gelangt Herr Abgeordneter Waldhäusl zu
Wort.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Werter Herr Präsident! Werte Kollegen des Landtages!
Rechnungsabschluss 2006 und Gemeindeförderbericht. Ja, der Rechnungsabschluss, die Zahlen zeigen die Politik. Sie zeigen die Politik, die wir
teilweise mitgesteuert haben. Ich oft dagegen, die
meisten hier mit. Und sie zeigen diese Politik unter
der die Bürger dieses Landes sehr oft und sehr viel
gestöhnt haben, weil es viele Belastungen gegeben
hat. Erinnern wir zurück an das Jahr 2006 was in
diesem Landtag alles beschlossen wurde. Und
trotzdem kann der Bürger nicht aufatmen und kann
sagen, ja, wenn es wenigstens was geholfen hätte!
Uns haben sie zwar das Geld weg genommen,
aber dafür geht’s dem Land gut.
Wenn man sich die Zahlen anschaut jetzt, Abgang von weit über 600 Millionen und letztendlich,
wenn man dann alles wegrechnet, die Schuldtilgung, sind es noch immer weit über 200 Millionen.
Und das auch nur deswegen, weil wieder viel vom
909
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
sogenannten Silberbesteck verkauft wurde, Kredite
aufgenommen wurden, Wohnbauförderungsbeiträge aus dem Verkauf – ist ja nicht alles veranlagt
worden – auch wieder hier dazu verwendet wurden.
Das ist eine Finanzwirtschaft, die wir von unserem Schuldenlandesrat ja gewohnt sind. Es ist eine
grausliche Politik, die gemacht wurde im Jahr 2006.
Sie war nicht viel grauslicher als im Jahr 2005, weil
da waren noch mehr Belastungen zu verspüren:
Spitalskostenbeitrag, Rundfunkgebührenerhöhung
und, und, und. Dann ist euch allen die Seuchenabgabe eingefallen, damit habt ihr dann den Bürger
auch noch belastet. Also eigentlich könnte ich
wahrscheinlich meine ganze Redezeit damit verwenden dass ich alles aufzähle was an grauslicher
Politik in diesem Landtag und in diesen Jahren in
dieser Legislaturperiode alles beschlossen wurde.
Ich möchte aber ein bisschen eingehen auf
das. Weil wenn man schon sagt grausliche Politik,
es gibt ja den Landesfürsten, der auch von der
sozialen Kälte spricht. Die soziale Kälte dieser
Bundesregierung. Man könnte ja glauben, wenn
der wo steht, der gehört ja gar nicht zur ÖVP, der
hat ja nie was mit den Schwarzen zu tun gehabt.
Jetzt sagt er, redet er von dieser sozialen Kälte.
Beim Beispiel Pflegegeld haben wir ja in dieser
Debatte gemerkt, da hat er es ja bewusst hintereinander gesagt: Diese soziale Kälte dieser Bundesregierung, so schlimm, haben die auch bei LandesPflegeheimen jetzt diese 5.000 Euro-Grenze eingeführt. Ist wirklich eine soziale Kälte. Wenn man
aber weiß, dass sich die Bundesregierung Niederösterreich als Beispiel genommen und hat deswegen die 5.000 Euro eingeführt hat, dann muss ich ja
sagen, hat diese soziale Kälte da in Niederösterreich schon 10 Jahre Bestand. Wer prägt denn
dann diese soziale Kälte? Na nicht der der mit dem
kühlen Kopf, oder war es der heiße Kopf und das
kühle Herz, der Sobotka? Dann kommt ja diese
erfrierende Kälte ja letztendlich vom Landeshauptmann selber. Da sieht man, wie durchgefroren der
schon ist. Der weiß gar nicht mehr, dass er selber
die 5.000 Euro-Grenze eigentlich eingeführt hat.
Und jetzt ist es wieder er der sagt, ja, aber
diese Bundesregierung, und Niederösterreich geht
den eigenen Weg. Ich glaube, dass man die Bevölkerung in Niederösterreich nicht für so dumm verkaufen sollte wie es die ÖVP in Niederösterreich
tut, tagtäglich. Sich abkoppeln … In dieser Bundesregierung gibt’s eigentlich nur die SPÖ. Die ÖVP
gibt’s nur wenn irgendwo was Positives ist und
sonst gibt es sie nicht. Und wenn diese Grauslichkeiten dann zum Aufstoßen in der Bevölkerung
führen, dann stellt sich selbstverständlich der Lan-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
deshauptmann und die ÖVP-Knappen da alle her
und sagen, wir gehen den niederösterreichischen
Weg. Und der niederösterreichische Weg ist ja
ganz anders geprägt von sozialer Wärme. Da gibt’s
diese Grenze nicht und wir werden das dazu zählen
und alles. Ich bin nur gespannt, ob diese ÖVP dann
auch im Herbst, wenn die Ausgleichszahlungen für
die Landwirte nicht kommen werden, weil das hat ja
auch in Wien wahrscheinlich … Die Roten im
schwarzen Ministerium werden schuld sein wenn
die Ausgleichszahlungen nicht kommen. Ob dann
auch der Landeshauptmann einspringen wird und
sagen wird, jetzt werden wir das auch alles vorbudgetieren. Ich hoffe es im Interesse der Bauern. Nur,
ich sage noch einmal: Diese Art der Politik
durchschauen die Bürger immer mehr. Und ich
hoffe und wünsche mir, nicht nur weil es einen Unterhaltungswert hat, sondern auch damit die Leute
immer mehr merken, wie die ÖVP und dieser Landesfürst ist, dass es noch viele Messeeröffnungen
gibt wo er wieder so sein wahres Gesicht zeigt.
Weil den Pfarrer, den er beschimpft hat, den
haben schon viele Leute vergessen. Aber jetzt
merken sie wieder, ah, der alte Pröll ist wieder da.
Jetzt ist er wieder …, jetzt haut er wieder hin. Er,
ordentlich, stark. Rechtzeitig vor den Wahlen zeigt
er sein wahres Gesicht. Ich bedanke mich dafür
und hoffe, viele Veranstaltungen soll man ihm noch
geben wo er diese Möglichkeit hat zu zeigen, wie
sozial kalt und wie grauslich er wirklich sein kann.
Zum Gemeindeförderbericht. Diesem Bericht
werde ich zustimmen im Gegensatz zum Rechnungsabschluss. Es zeigt dieser Bericht auch ziemlich klar auf, dass die Kommunen es nicht mehr so
leicht haben wie es einmal war, sich über Wasser
zu halten. Daher sage ich auch bei diesem Bericht
gerne, ich habe ja oft Verständnis wenn es zu Gebührenerhöhungen und zu Belastungen in der Gemeinde kommt, auch wenn’s weh tut und wenn es
nicht zu übertrieben ist. Wenn es nachvollziehbar
ist, dass das wirklich notwendig ist. Weil die Möglichkeiten der Finanzierung der Gemeinden werden
ja immer mehr eingeschränkt. Weder Bund noch
Land geben ja den Gemeinden wirklich diese Gelder in Überfluss. Und wenn man die Budgetdebatte
noch in Erinnerung hat und sich anschaut, dann
weiß man ja, dass diese Politik des Landes nicht
unbedingt eine Politik für die Gemeinden ist. Ist
zwar ein Widerspruch, wenn man weiß wie viele
Bürgermeister in dem Haus herinnen sitzen. Weil
da müssten wir ja glauben, sie sollten nur was Positives für die Gemeinden beschließen und dann
hoffentlich auch für die Bürger die dort leben. Das
ist leider nicht der Fall. Letztendlich, sage ich aber,
ist den Bürgermeistern und den Gemeinderäten es
nicht immer anders möglich.
910
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Trotzdem gibt es auch Beschlüsse, die so weit
führen, dass die Bürger zu stark und zu viel belastet werden. Und es gibt unter Anführungszeichen
diese „schwarzen Schafe“ in den Gemeinden – ich
habe jetzt nicht gesagt in den schwarzen Gemeinden, also bitte, dass mich da keiner jetzt rügt –
schwarze Schafe in den Gemeinden, wo sehr viele
Einnahmen und Gelder der Bürger für Prestigeprojekte verwendet werden. Wo sich dann wirklich
jeder Bürger bewusst fragt, na ist das in Ordnung
dass meine hart verdienten Steuermittel für das
verwendet werden? Aber wie gesagt, es handelt
sich hier um einige schwarze Schafe.
Damit keiner behauptet, der Waldhäusl redet
von was und nennt kein Beispiel dazu, das jüngste
Beispiel: Es gibt jetzt einen Zwischenbericht von
einem Urteil wo eine Gemeinde ihre Angestellten
geklagt hat, weil sie eigentlich vergessen haben oder war es eine Freunderlwirtschaft unter Deckung
des Bürgermeisters -, Abgaben in Millionenhöhe zu
kassieren. Weder Grundsteuer noch Kanalabgaben. Nicht einmal gewusst hat man dass dort Häuser stehen. Die Gemeinde hätte gesagt, sie ist unschuldig. Mittlerweile ist sie eh schon Sanierungsgemeinde - wundert einem natürlich nicht – im oberen Waldviertel. Bürgermeister ist ein guter Freund
vom Kollegen Hofbauer, eh ganz klar.
Und jetzt gibt’s ein Zwischenurteil. Und in diesem Zwischenurteil stellt sich heraus, dass bis zu
50 Prozent auch die Gemeinde Schuld hat. Also
eigentlich war es doch nicht so dass dort der Gemeindebedienstete einfach nur einen Freund halt in
der EDV nicht erfasst hat, damit der keine Abgaben
zahlt und keine Steuern und nichts, sondern dass
da die Gemeinde mit schuldig war.
Und das zeigt eindeutig, dass es solche
Schafe, schwarze Schafe - in dem Fall eine
schwarze Gemeinde, Zufall halt gerade, aber ist mir
gerade eingefallen jetzt in diesem Fall – dass es
das gibt.
Und abschließen tu ich mit dem bekannten
Satz von mir: Und mit diesen vielen schwarzen
Schafen und vorbestraften schwarzen Bürgermeistern könnte man zwei Fußballmannschaften
füllen.
Zweiter Präsident Sacher: Als nächstem
Redner erteile ich Herr Abgeordneten Rosenmaier
das Wort.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Abg. Rosenmaier (SPÖ): Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren des Hohen Hauses!
Bei mir werden nicht so viele schwarze Schafe
vorkommen, einmal habe ich es eh schon dabei
gehabt. Ich möchte nur ein bisschen reden über
den Rechnungsabschluss 2006. Ich möchte mich
heute, auch wenn nur in Kurzform, mit diesem
Rechnungsabschluss beschäftigen.
Der Rechnungsabschluss zeigt eigentlich
nichts anderes dass die im Voranschlag präliminierten Ansätze, dass sie ganz einfach doch, auch
wenn nur geringfügig, korrigiert wurden. Das ist ein
gutes Zeichen. Das Finanzjahr 2006 hat einen
Bruttoabgang von 388,4 Millionen Euro gebracht,
einen Nettoabgang von 240,3 Millionen und einen
Maastricht-Überschuss von 235 Millionen. Das ist
ein durchaus sehr gutes Ergebnis.
Ein wesentlicher und daher ein entscheidender
Erfolg ist unter anderem die Erreichung dieses
Maastricht-Ergebnisses. Im Rechnungsabschluss
2006 sieht man sowohl positive als natürlich auch
negative Entwicklungen der Budgetpolitik - und das
sehr genau -, die letztendlich aber nichts anderes
sind als die Vorgabe, wie die Finanzmittel aus den
Bereichen der Gesellschafts-, der Wirtschafts- und
der Sozialpolitik als die drei wichtigsten Säulen
einer Budgetpolitik bewegt und aufgestellt werden.
Zukünftige Rechnungsabschlüsse müssen besonders unter dem Aspekt der Vorgaben aus bundespolitischen Entwicklungen gesehen werden.
Daher liegt es auch in der Logik, dass kurzfristige
Finanzierungen, Rücklageentnahmen, Anleihen,
Darlehen und sonstige Kredite zur Abdeckung herangezogen werden.
Zum Rechnungsabschluss müssen meines Erachtens nach noch Leasingverbindlichkeiten besonders beachtet werden. Sie sind dem aktuellen
Schuldenstand nicht zuzurechnen, jedoch ein wesentlicher Faktor für die zukünftige Budgeterstellung, im Besonderen natürlich für die Folgejahre.
Denn letztendlich müssen sie sehr wohl beurteilt und dementsprechend auch natürlich bewertet
werden. Ich möchte hier von dieser Stelle auch
feststellen, dass die Summierung der Leasingverbindlichkeiten aller Ressorts eine beachtliche Größenordnung erreicht hat und natürlich auch einen
stattlichen Betrag ergeben.
911
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Daher, geschätzte Kolleginnen und Kollegen,
muss es uns schon klar sein, dass Leasing nicht
nur irgendetwas ist das man benützt um ein Budget
zu schönen. Es ist lediglich eine Form der Finanzierung, welche zum eingeführten Zeitpunkt natürlich
das Budget entlastet. Das ist schon klar. Aber es
muss auch uns allen klar sein, dass alles das, was
wir im Leasingverfahren für uns verbuchen, natürlich auch, und das sehr teuer, zurückzuzahlen ist.
Es muss uns auch klar sein, dass wir damit
Jahr für Jahr zwar fix kalkulierbare, aber doch vorhandene Finanzbelastungen vor allem für die zukünftigen Budgets regelrecht anhäufen. Gerade
diese wieder nehmen uns den notwendigen Spielraum für die Erstellung zukünftiger Budgets.
Bei den Leasingverbindlichkeiten ist natürlich
auch darauf zu achten, dass bei allen Finanzierungen Varianten zu wählen sind, die sowohl in Bezug
auf Maastricht-Kriterien als auch in Bezug auf Spesen, Zinsen, vor allem auch auf Tilgung die günstigsten sind.
Ich möchte auch darauf hinweisen, dass Fonds
eine gute Möglichkeit bieten, Projekte rasch zu
realisieren. Und ich glaube, dass sich der Rechnungsabschluss 2006 gegen all die Unbekannten,
die natürlich alle Jahre auftreten, unerwartet aufgetretene Schwierigkeiten des Vorjahres, sehr gut
behaupten konnte und unsere Erwartungen schon
erfüllt hat.
Damit darf ich Ihnen ankündigen, dass meine
Fraktion diesem Rechnungsabschluss zustimmen
wird. Ich danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall bei
der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Doppler am Wort.
Abg. Doppler (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Landesrat! Geschätzte Mitglieder des
Hohen Hauses!
Ich darf in meiner Wortmeldung zu den Berichten der Landesregierung über den Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich für das
Jahr 2006 sowie über die Tätigkeit der NÖ Landesbeteiligungsholding und die Leasingverbindlichkeiten und Schuldeinlösungen des Landes Stellung
nehmen.
Zum Rechnungsabschluss 2006: Das Gesamtausgabenvolumen betrug 6,5 Milliarden Euro. Kollege Rosenmaier hat bereits erwähnt, der Nettoabgang 214,6 Millionen Euro. Das bedeutet aber,
dass der Voranschlag nicht nur eingehalten, son-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
dern gegenüber dem veranschlagten Nettodefizit
von 240,3 Millionen Euro um 25,7 Millionen Euro
sogar verbessert wurde.
Der Maastricht-Überschuss von 285 Millionen
Euro bedeutet, dass die Verpflichtung des österreichischen Stabilitätspaktes zur Gänze erfüllt wurde.
Niederösterreich gehört mit Vorarlberg, Salzburg
und Wien zu den wenigen Ländern die den vereinbarten Maastricht-Überschuss erbringen können.
Und dies seit dem Jahre 2001, also ab dem Inkrafttreten des österreichischen Stabilitätspaktes.
Dabei müssen wir aber bedenken, dass wir in
Niederösterreich 2006 von verheerenden Hochwasserkatastrophen an der March und der Thaya
heimgesucht wurden und insgesamt 26 Millionen
Euro an die Geschädigten ausbezahlt haben. Auch
6 Krankenhäuser wurden mit einem Gesamtvolumen von 325 Millionen Euro vom Land Niederösterreich übernommen. Damit erhöhten sich die Finanzschulden von rund 260 Millionen Euro auf 560
Millionen Euro. Der Gesamtschuldenstand inklusive
der inneren Anleihen von 1,4 Milliarden Euro stieg
auf 3,4 Milliarden Euro.
Diesen Schulden stehen auf der anderen Seite
aber veranlagte Mittel in Höhe von 3,5 Milliarden
Euro sowie offene Darlehensforderungen aus der
Wohnbauförderung von 3 Milliarden Euro sowie
sonstige Forderungen von 0,3 Milliarden Euro, also
insgesamt 6,8 Milliarden Euro gegenüber. Die Finanzen des Landes Niederösterreich wurden von
Standard & Poor’s mit einem Rating von AA+ mit
positiver Prognose bewertet. Von Moody’s bekamen wir das höchste Rating, nämlich ein Tripple A.
Im Zusammenhang mit diesen positiven Zahlen möchte ich nun noch kurz näher auf die Erfolgsgeschichte der Veranlagung des Landes Niederösterreich eingehen, die in den letzten Jahren
auch in diesem Haus nicht unumstritten und immer
wieder Gegenstand heftiger und kontroversieller
Debatten war.
(Dritter Präsident Ing. Penz übernimmt den
Vorsitz.)
Das Gesamtvolumen der Veranlagung des
Landes Niederösterreich beträgt mit Stand 24. Mai
2007 rund 4,6 Milliarden Euro. Der Start der Veranlagung erfolgte im Jahr 2002 mit dem Verkauf
der ersten Tranche der Wohnbauförderungsdarlehen.
Im August 2003 gelangten die vorzeitigen
Rückzahlungen aus dem Angebot zum Rückkauf
für die Niederösterreicherinnen zur Veranlagung.
912
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Im Mai 2005 wurden im Rahmen der Gründung der
NÖ Beteiligungsholding weitere 860 Millionen Euro
investiert. 2007 erfolgte der zweite Verkauf der
Wohnbaudarlehen, 840 Millionen Euro davon wurden wieder veranlagt. Die Performance der veranlagten Mittel beträgt vom Start im Jahr 2002 bis
zum Mai 2007 rund 7 Prozent jährlich.
Insgesamt wurden durch die Fonds der Wohnbauveranlagung rund 704 Millionen Euro für alle
Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher
ausgeschüttet. Zusammengefasst bedeutet dies,
rund 150 Millionen Euro stehen jährlich dem Landesbudget daraus zusätzlich zur Verfügung. Weiters, die Entscheidung zum Veranlagen hat sich als
grundrichtig herausgestellt und die Veranlagung
war von Anfang an ein voller Erfolg.
Und viertens: Die Veranlagung ist ein wesentlicher Beitrag für einen soliden Landeshaushalt!
Neben der jährlichen Ausschüttung ergeben sich
noch zusätzliche positive Aspekte. Es ist nicht nur
der gewünschte Erhalt des veranlagten Kapitals
sichergestellt, sondern es ergibt sich sogar eine
leichte Steigerung. Es wäre daher nur fair und
durchaus angebracht, dass die Vertreter jener
Parteien dieses Hauses, die die sehr erfolgreiche
Veranlagung und das moderne Finanzmanagement
des Landes in den vergangenen Jahren scharf
kritisiert und abgelehnt haben, in Kenntnis der von
mir dargelegten Zahlen und Fakten den Mut haben
einzugestehen, dass sie sich damals geirrt haben.
Und dass sie jetzt bereit sind, die zukunftsweisende
Finanzpolitik Niederösterreichs mitzutragen und zu
unterstützen.
Der Leasingbericht enthält die Meldungen der
einzelnen Regierungsmitglieder für ihre Ressorts
für Bauvorhaben des Landes wie zum Beispiel
Bezirkshauptmannschaften, Landesberufsschulen,
Landeskliniken und Landes-Pflegeheime. Kollege
Rosenmaier hat bereits erwähnt: 1,1 Milliarden
Euro betragen die Leasingverpflichtungen für laufende Projekte und ich glaube, dass dieses Geld
auch sehr gut angelegt ist.
Zum Bericht über die NÖ Landesbeteiligungsholding ist anzumerken, dass die NÖ Beteiligungsholding ein wichtiges Instrument für das Managen
der Beteiligungen des Landes darstellt. Die Landesanteile an EVN, Hypo, Flughafen Wien und
Uniqa wurden an die Landesbeteiligungsholding
verkauft und der Erlös daraus wurde wieder veranlagt. Aus diesem Topf fließen rund 30 Millionen
Euro jährlich an Gewinnen und Erlösen an das
Landesbudget. Die NÖ Beteiligungsholding selbst
arbeitet überaus positiv: Der vorläufige Jahresab-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
schluss 2006 weist einen Jahresüberschuss von
rund 22 Millionen Euro aus.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass
die vorliegenden Berichte über den Rechnungsabschluss 2006 sowie über die Tätigkeit der Landesbeteiligungsholding dem Lande Niederösterreich
ein sehr gutes Zeugnis ausstellt. Ich bedanke mich
daher dafür ausdrücklich bei den dafür politisch
verantwortlichen Landesregierungsmitgliedern und
bei der mit dem Vollzug beschäftigten Beamtenschaft.
Abschließend darf ich im Zusammenhang mit
dem Rechnungsabschluss noch zwei Resolutionsanträge stellen und ersuche die Fraktionen dieses
Hauses um Zustimmung (liest:)
„Resolutionsantrag
des Abgeordneten Doppler zur Vorlage der
Landesregierung betreffend Rechnungsabschluss
des Landes Niederösterreich für das Jahr 2006,
Ltg. 903/R-1/4-2007, betreffend Politische Bildung.
Dem Landtag liegen Novellen zur NÖ Landesverfassung, NÖ Landtagswahlordnung und NÖ
Gemeinderatswahlordnung bezüglich Einführung
der Briefwahl, Wählen mit 16 und Wahlrecht für
Auslandsniederösterreicher bei der Landtagswahl
vor. Diese gesetzlichen Änderungen sollen so zeitgerecht vom Landtag beschlossen werden, dass
bei der nächsten Landtagswahl diese demokratiepolitischen Verbesserungen bereits in Geltung sind.
Das Wählen mit 16 macht entsprechende Begleitmaßnahmen im Bereich der Politischen Bildung an
unseren Schulen erforderlich.
Dies gilt vor allem für die Sekundarstufe 1, in
der bisher Politische Bildung praktisch nicht vertreten war. Es sollen möglichst noch in diesem Sommer entsprechende Lehrplanänderungen vorgenommen werden, damit möglichst bald mit einem
verstärkten Unterricht in Politischer Bildung begonnen werden kann. Dazu wird in den Lehrplänen der
Hauptschule die Einführung einer Verbindlichen
Übung ‚Politische Bildung’ im Ausmaß von 2 Jahreswochenstunden in der 3. und 4. Klasse angeregt, die auch geblockt oder intregriert in den Unterricht von anderen Pflichtgegenständen geführt werden kann. Der Unterricht in den 3. und 4. Klassen
AHS sollte ebenfalls mit einer zusätzlichen Wochenstunde Geschichte/Politische Bildung verstärkt
werden.
Für die 9. und 10. Schulstufe wird in allen
Polytechnischen Schulen, AHS und BMHS die
913
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Einführung eines Pflichtgegenstandes Zeitgeschichte und Politische Bildung angeregt. Für diese
Verbindliche Übung und dem zusätzlichen Pflichtgegenstand wären auch entsprechende Personalressourcen zur Verfügung zu stellen.
Des Weiteren sollen für die betroffenen Lehrer
zusätzliche Angebote der Lehrerfortbildung zur
Verfügung gestellt werden, damit diese entsprechend auf die neue Situation des aktiven Wahlalters mit 16 vorbereitet werden können. Auch die
dafür notwendigen Kosten müssten, aufgrund der
Wichtigkeit und Dringlichkeit des Anliegens, zusätzlich zur Verfügung gestellt werden.
Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert im
Sinne der Antragsbegründung beim Bund zu fordern, dass raschest an den Schulen die Voraussetzungen für den verstärkten Unterricht in Politische
Bildung geschaffen werden.“
„Resolutionsantrag
des Abgeordneten Doppler zur Vorlage der
Landesregierung betreffend Rechnungsabschluss
des Landes Niederösterreich für das Jahr 2006,
Ltg. 903/R-1/4-2007, betreffend Umbenennung der
‚Sonderschule’ in ‚Förderschule’ und Abschaffung
diskriminierender Bezeichnungen im Bereich der
Sonderpädagogik.
In mehreren schul- und dienstrechtlichen Materien wird die Schulartbezeichnung ‚Sonderschule’
verwendet. Weiters werden mehrere Arten von
Sonderschulen unterschieden (z.B.: Sonderschule
für schwerstbehinderte Kinder). Diese Begriffe erscheinen in einer gegenüber beeinträchtigten Personen immer mehr aufgeschlossenen Gesellschaft
als diskriminierend und nicht mehr zeitgemäß.
Daher erscheint es als sinnvoll solch diskriminierende Bezeichnungen, die auch in Zeugnissen
ihren Niederschlag finden, zu vermeiden und durch
zeitgemäßere Bezeichnungen zu ersetzen.
Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung beim Bund darauf zu
drängen, die nicht mehr zeitgemäße Schulartbezeichnung ‚Sonderschule’ durch die Schulartbezeichnung ‚Förderschule’ in allen schul- und dienstrechtlichen Materien zu ersetzen und auf diskrimi-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
nierende Bezeichnungen, die auf Behinderungen
hinweisen, besonders in Zeugnissen, zu verzichten.“
Ich ersuche die Fraktionen dieses Hauses,
diesen beiden Anträgen zuzustimmen. Die ÖVPFraktion wird die vorliegenden Berichte sehr gerne
zustimmend zur Kenntnis nehmen. Ich danke Ihnen
für die Aufmerksamkeit! (Beifall bei der ÖVP.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Als nächster
Redner gelangt Herr Abgeordneter Mag. Fasan zu
Wort.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren!
Der Rechnungsabschluss des Jahres 2006
liegt uns vor und es sind ja schon die Eckdaten
genannt worden, ich brauche sie jetzt nicht zu wiederholen. Es ist sicherlich so, dass dieser Rechnungsabschluss rein rechnerisch in Ordnung geht
und dass hier – das ist keine Frage – finanztechnisch sehr gute Arbeit geleistet wurde. Das hat
auch eine gute Tradition in Niederösterreich. Wir
können das durchaus immer wieder feststellen
wenn wir die Abrechnungen uns genauer anschauen. Aber natürlich ist der Rechnungsabschluss genauso wie der Voranschlag eine Möglichkeit, politische Vorhaben zu diskutieren. Ist der
Rechnungsabschluss auch eine Gelegenheit, politische Bilanz zu ziehen und diverse Ideen einzubringen und einfließen zu lassen.
Und wenn der Kollege Doppler vor mir schon
einige Ideen eingebracht hat, dann darf ich gleich
dazu Stellung nehmen zu seinen Vorschlägen und
seinen Anträgen. Und darf mitteilen, dass wir diese
Anträge unterstützen werden oder ihnen zustimmen
werden.
Wenn ich mich mit politischer Bildung kurz
auseinander setzen kann, dann sehe ich zwar doch
in dem Antrag die eine oder andere Schwäche. Ich
meine zum Beispiel, dass es nicht so leicht ist, über
den Sommer, quasi über die Sommerferien Lehrplanänderungen vorzunehmen. Es ist ein bisschen
schwierig, wenn man es ernst nimmt. Es sei denn,
es gibt schon diverse Vorarbeiten, auf die man
zurück greifen kann. Nur, die sehe ich nicht so
ganz, speziell was das NÖ Pflichtschulwesen betrifft.
Also das Politischste ist auf jeden Fall die Vergabe der Direktorenposten. Aber da kann man
auch nicht politisch dazu sagen, da muss man
parteipolitisch dazu sagen. Aber ich will hier keine
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Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Spitzen anbringen. Ich halte das für leicht unpraktikabel. Aber es ist ja immerhin formuliert, möglichst
noch in diesem Sommer, vielleicht geht es eben
noch nicht ganz so schnell, aber eben möglichst
schnell.
es wäre sinnvoll, wenn darüber hinaus auch tatsächlich auf die soziale Situation der Menschen
eingegangen wird. Das halten wir schon für wichtig.
Daher merken wir das jetzt an dass so etwas
kommt.
Warum allerdings in der Hauptschule eine verbindliche Übung mit zwei Jahreswochenstunden
eingeführt werden soll und in den AHS nur eine,
das scheint mir nicht besonders schlüssig zu sein.
Was ich hingegen begrüße ist der Vorschlag, dass
man so eine verbindliche Übung integrieren kann in
die Pflichtgegenstände. Das halte ich überhaupt für
das Sinnvollste. Ich weiß nicht, ob man die Kinder
jetzt besonders politisch bildet wenn man ihnen
sagt, so Kinder, da habt ihr jetzt noch ein Fach,
jetzt haben wir politische Bildung. In der dritten
Stunde haben wir politische Bildung. Ich weiß nicht,
ob das dann nicht abgehandelt wird von den jungen
Leuten wie jedes andere Unterrichtsfach auch, wie
jeder andere Unterrichtsgegenstand auch. Das
könnte gerade bei jungen Menschen unter Umständen auch kontraproduktiv sein. (Beifall bei den
Grünen.)
Also zum Beispiel dass man so etwas hat wie
einen Armutsbericht über Niederösterreich. Oder,
wenn Sie so wollen, einen Vermögensverteilungsbericht! Dass man also sieht, wie geht’s denn den
Menschen? Wie sehr klappt die Schere zwischen
Reichtum und Armut in Niederösterreich auseinander? Oder wenn Sie das ganz mutig angehen wollen, dann können Sie ja auch in den Bericht einfließen lassen beispielsweise Erfahrungsberichte über
die Koppelung von Bildungschancen und Bildungsmöglichkeiten oder de fakto Bildungsnutzungen im Zusammenhang mit sozialem Status, mit
sozialen Verhältnissen. Das wäre sehr spannend!
Das würde vielleicht auch diverse bildungspolitische Novitäten in der Bildungspolitik der ÖVP auslösen. Nichtsdestotrotz ist das ein Anfang und eine
gute Idee und wir stimmen ihr gerne zu.
Tatsache ist aber natürlich, dass wir auf das
gewachsene, gestiegene politische Angebot reagieren müssen. Und daher begrüße ich auch das Ansinnen, dass man in der Lehrerfortbildung in diesem Bereich etwas tun soll. Und insgesamt sehen
wir hier vor allem den guten Willen, der von Kollegen Doppler hier eingebracht wurde, von seiner
Fraktion. Daher werden wir den Antrag unterstützen. Ebenso wie den Antrag auf Umbenennung der
Sonderschule in Förderschule. Weil eben diskriminierende Bezeichnungen gerade in der Sonderpädagogik nichts verloren haben. Das begrüßen wir
auch.
Wenn Sie mir gestatten, dann darf ich gleich
noch zu einem Antrag Stellung nehmen, den vermutlich später die Kollegin Hinterholzer einbringen
wird. Dem wir auch unsere Zustimmung geben
wollen. Nämlich auf Erstellung eines umfassenden
Sozialberichtes.
Das halten wir durchaus für gut. Wir möchten
nur einige Anregungen dazu machen damit dieser
Bericht nicht in eine falsche Richtung geht. Die
erste Anmerkung auf jeden Fall ist einmal, wir wissen, wie die Landesrätin Bohuslav aussieht. Das ist
wahrscheinlich deshalb wichtig, weil wir wahrscheinlich zuhauf ihr Bild abgebildet sehen werden
in diesem Sozialbericht. Das ist natürlich jetzt nur
ein Synonym. Was meine ich damit? Ich glaube
nicht dass es genügt, wenn die Landesregierung in
ihrem Sozialbericht ihre sozialen Tätigkeiten und
ihre sozialen Errungenschaften erläutert! Sondern
Wenn wir aber jetzt beim Rechnungsabschluss
als politische Bilanz sind, dann darf ich auch aus
unserer Sicht die politische Bilanz ziehen, die wir
sehen wenn wir das Jahr 2006 betrachten. Es ist ja
kein Zufall dass ich mich gerne zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort melde wenn der Klubobmann Schneeberger sagt, wir halten was wir
versprechen. Weil, wie die Erfahrung zeigt, auch
aus dem Jahr 2006 das Gegenteil Tatsache ist.
Das Gegenteil ist wahr! Ich erinnere nur an das
general gebrochene Versprechen des Jahres 2006,
nämlich das kleine Glücksspiel. Der Landeshauptmann verspricht, das wird nicht kommen, weil das
können wir in Niederösterreich nicht brauchen. Es
wird selbstverständlich trotzdem eingeführt. (Unruhe bei der ÖVP.)
Es war so. Es war eindeutig so. Wir können es
zitieren. Es war ganz eindeutig so.
(Abg. Weninger: Manchmal hält die ÖVP was sie
verspricht! Ob das gut ist, ist eine andere Frage!)
Ja, ist eine andere Frage. Ja, das kleine
Glücksspiel ist nicht gut. Ihr habt leider mitgestimmt. Aber wie auch immer. In diesem Fall hat die
ÖVP zunächst einmal tatsächlich im Jahr 2003,
ganz eindeutig hat der Landeshauptmann erklärt,
das würde es in Niederösterreich nicht geben. Und
zwar im O-Ton hat er das gesagt. Ich habe das
Interview schwarz auf weiß vor mir liegen und Sie
können sicher sein, dass wir uns diesen Ausdruck
sehr, sehr gut aufheben werden.
Wir könnten noch über diverse abgelehnte Anträge philosophieren wenn wir das Jahr 2006 be-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
trachten. Beispielsweise über Wahlaltersenkung,
über die Klassenschülerhöchstzahl und vieles andere. Wir könnten, was das Jahr 2006 betrifft, auch
über den Postenschacher bei der Direktorenvergabe in Pflichtschulen diskutieren. Das wäre eine
sehr spannende Aufgabe. Da hatte sich im Jahr
2006 einiges ereignet was erst jetzt, im heurigen
Jahr, mühseligst durch die obersten Gerichte korrigiert wurde. Ich bezweifle, dass man hier grundsätzlich einen Wechsel in der Vorgangsweise vornimmt.
Nehmen wir also einige Zahlen aus dem aktuellen Kyoto-Fortschrittsbericht heraus. Gegenüber
1990 wird im Sektor Verkehr mit 91,6 Prozent der
höchste Zuwachs der Treibhausgasemissionen
verzeichnet. Sagt der Kyoto-Fortschrittsbericht. Das
sind also die aktuellen Zahlen. Was macht die ÖVP
Niederösterreich und die Landesregierung? Beide
Großparteien? Sie bauen Autobahnen damit die
Lkws das CO2 schneller in Niederösterreich in die
Luft blasen können und sämtliche Klimaschutzbemühungen des Landes perpetuieren können.
Wir könnten auch über das Jahr 2006, über
den Sommer 2006 philosophieren, über die nicht
gelungene Verleugnung oder Verdrängung des
Pflegenotstandes in der Republik und natürlich
auch in Niederösterreich, die ja auch eine gewisse
Auswirkung auf die darauf folgende Nationalratswahl hatte.
In welchen Sektoren besteht Handlungsbedarf
was Klimaschutz betrifft? In allen drei großen Sektoren. Wir haben überall Zunahmen in hauptverursachenden Sektoren. Also im Sektor Industrie, im
Sektor Energie und Raumwärmeproduktion und im
Sektor Verkehr. Nur, dass im Sektor Verkehr die
Zuwächse am größten sind. Wie groß, das sagt
auch der Kyoto-Fortschrittsbericht. Nämlich nur von
2004 auf 2005, also einem Untersuchungszeitraum,
den der Klimabericht des Landes gar nicht ausweist, immerhin um 3,1 Prozent. Hauptverantwortlich dafür der Lkw! In diesem Zeitraum 2004 bis
2005 alleine Zunahme der Treibhausgasemissionen um über 5 Prozent. Von 1990, also dem KyotoVergleichszeitraum bis heute, oder dem Kyoto-Basisjahr bis heute um sage und schreibe 224,5 Prozent Zuwachs der Treibhausgasemissionen durch
Lkw!
Ich will aber alles das nicht tun weil ich glaube,
es gibt ein Thema, das noch bedeutsamer ist, speziell was die Zukunft des Landes betrifft und was
die Zukunft der Republik und der hier lebenden
Menschen betrifft. Und das ist die Klimaschutzpolitik des Landes Niederösterreich, der NÖ Landesregierung. Die dokumentiert wird nicht zuletzt in einem Bericht der vor wenigen Tagen vorgelegt
wurde von der Landesregierung im Umweltbericht
und im Klimabericht 2006. Wenn man sich diesen
Bericht ansieht, dann sieht man ja interessanterweise, wie engagiert Maßnahmen hier vorgetragen
werden. Wieviele Einzelmaßnahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesregierung versuchen hier umzusetzen. Und das Interessante ist,
dass trotzdem das Land Niederösterreich sämtliche
Klimaziele, die es gibt in der Republik, in Europa
und auf der Welt aber so was von glatt verfehlt,
dass es eigentlich zum Genieren ist, überhaupt sich
noch als Umweltland oder derlei zu bezeichnen!
(Beifall bei den Grünen.)
Einige genauere Bemerkungen dazu: Erstens:
Dieser Klimabericht ist unaktuell. Er verwendet
Zahlen, die mit dem Jahr 2004 enden. Er gibt also
bekannt die Entwicklung der Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2004. Die sind erschütternd, das ist keine Frage, und sie zeigen, dass die
Klimapolitik des Landes gescheitert ist. Aber sie
sind unaktuell! Weil es liegen ja mittlerweile schon
die Zahlen des Jahres 2005 vor. Aktuellere Zahlen,
die man beispielsweise findet im Kyoto-Fortschrittsbericht des Umweltbundesamtes. Dort beschäftigt man sich zumindest mit aktuellen Zahlen.
Wenn auch dort immer wieder aufgezeigt wird,
dass auch die Bundesregierung in ihrer Klimaschutzpolitik gescheitert ist.
Was macht die ÖVP und die Landesregierung?
Beide Großparteien? Sie bauen eine Autobahn um
die andere durch Niederösterreich, um sämtliche
Kimaschutzmaßnahmen des Landes zu perpetuieren und die Klimapolitik des Landes scheitern zu
lassen. Das ist Klimapolitik Marke Landesregierung!
(Beifall bei den Grünen. – Unruhe bei der ÖVP.)
Ja, wir müssen uns entscheiden was wir wollen!
Es gibt aber noch einen aktuelleren Bericht.
Nämlich den Umweltkontrollbericht 2007, den das
Umweltbundesamt gestern veröffentlicht hat. Dieser
Kontrollbericht berichtet einerseits über die Emissionen im Jahr 2005 bereits, das sind also 93,3 Millionen Tonnen und damit 18 Prozent über dem Basisjahr von Kyoto und 36 Prozent über dem KyotoZiel. Alles was sie an Klimamaßnahmen tun ist
obsolet durch Ihre Klimapolitik. Es ist sinnlos! Es ist
auch sinnlos, wenn Sie sich in Ihren Unterlagen
vergraben und hinter Ihren Laptops und das durchsitzen. Und dann wieder herumschreien wenn es
darum geht, die Straßenbauer und die Autobahnbauer abzufeiern. Und die Verkehrsplaner abzufeiern, die gleichzeitig Naturschutzbeauftragte des
Landes sind.
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Aber es ist ein echtes Problem! Mit der Zeit
wird es auch sinnlos werden, ihre ökologischen
Bemühungen zu plakatieren. Irgendwann werden
Ihnen die Leute drauf kommen, dass sie sich selbst
in den Sack lügen. Das ist das große Problem. Was
tun Sie? Ja, man sieht auch hier: Einerseits wird
gewarnt vor größeren Störungen, die auch bei uns
auftreten. Bei einem erwarteten Temperaturanstieg
um mehr als 2 Grad Celsius sind großräumige Störungen der Biosphäre und des Wasserhaushaltes
sowie eine stärkere Zunahme extremer Wetterereignisse zu erwarten. Das gilt auch für die Ökosysteme in den Alpen.
Die alpinen Ökosysteme zählen sogar zu den
am stärksten beeinflussten Gebieten. Der Verkehr
ist der Hauptverursacher. Was macht die ÖVP mit
Unterstützung der SPÖ? Wir brauchen die Autobahnen, wir bauen sie und wir kappen unsere gesamte Klimapolitik. Ja? Das ist eine Klimakillerpolitik und keine Klimaschutzpolitik! Es tut mir leid, es
ist so. Die reinen Zahlen, die nackten Zahlen sprechen davon.
Ich zitiere hier nur die Zahlen die ausgewiesen
werden. Zum Teil von Ihnen selber ausgewiesen
werden, zum Teil, weil aktueller, vom Umweltbundesamt ausgewiesen werden. Der Rechnungsabschluss ist eine politische Bilanz Ihrer Politik. Und
diese Bilanz ist verheerend. Diese Bilanz ist verheerend. Es ist eine Klimakillerbilanz. Ja? Das ist
Ihre Bilanz! Das behaupte ich, habe ich eingangs
gesagt, meiner Ansicht nach das Wichtigste weil
zukunftsweisendste Thema das Niederösterreich in
der Zukunft oder die ganze Republik und die ganze
Welt in der Zukunft zu bewältigen haben wird. Ja?
Und wir können nicht mit dem Finger auf andere zeigen wenn wir nicht bei uns selber angefangen haben. Sie verfehlen alle Ihre Klimaziele und
zwar massiv. Es gibt nichts was Sie einhalten. Es
gibt kaum Fortschritte. Im Gegenteil: Es gelingt
Ihnen nicht einmal, auch nur die CO2- oder die
Treibhausgasemissionen zu stabilisieren, von den
selbst gewählten Zielen völlig zu schweigen. Das ist
Ihre Klimakillerpolitik! Das sind einfach die Wahrheiten. (Beifall bei den Grünen.)
2005 lagen die Treibhausgasemissionen mit
93,3 Millionen Tonnen noch 36 Prozent über dem
Kyoto-Ziel für 2008 bis 2012. Die größten Steigerungsraten, sagt der Leiter des Umweltbundesamtes, im motorisierten Verkehr. Die ÖVP baut Autobahnen. Die Konsequenz: Im Jahr 2006, wir sind ja
im Berichtsjahr und Rechnungsabschluss 2006,
haben wir Zuwächse im Lkw-Transit von 30 Prozent. Ja, die emittieren halt CO2! Meine Herrschaften, das nutzt nichts: Lkw emittieren eben CO2. Und
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
wir müssen uns überlegen, holen wir sie herein
oder versuchen wir, diesen Güterverkehr auf die
Schiene zu verlagern.
Kein einziger Satz in diesem Klimabericht ist
dem Lkw-Verkehr gewidmet! Mit gutem Grund: Man
muss ja Autobahnen bauen. Mobilität! Das Mobilitätskapitel: An und für sich von guten Bemühungen
durchdrungen, aber obsolet durch die Maßnahmen
die sie an und für sich im Autobahnbau ansonsten
setzen.
Ich zitiere aus dem Kapitel Mobilität: Die Maßnahmen im NÖ Klimaprogramm sind auf Sensibilisierung der Menschen in Niederösterreich ausgerichtet. Na wie schön! Sie haben gesehen durch die
Zahlen, die Sie selber hier vor sich liegen haben,
wie schwach diese Maßnahmen sind. Und wie nicht
zielführend diese Maßnahmen sind. 30 Prozent
mehr Lkw in Niederösterreich!
180 Maßnahmen, sagt der Herr Landesrat
Plank, von 180 Maßnahmen die er sich vorgenommen hat wurden bereits 33 Prozent vollständig
umgesetzt und weitere 62 Prozent in Angriff genommen. Und jetzt frage ich Sie: Wenn Sie von
einem Maßnahmenpaket ein Drittel umgesetzt haben und zwei Drittel angefangen haben und Sie
merken noch nicht einmal eine Trendwende, dann
müssen Sie sich langsam aber sicher fragen, ob die
Maßnahmen, die Sie sich hier gesetzt haben, die
richtigen Maßnahmen sind.
Und ich sage Ihnen, die Maßnahmen sind
schön und gut aber sie sind wirkungslos! Wenn sie
nicht an die Substanz ihrer Industriepolitik, ihrer
Energiepolitik und insbesondere ihrer Verkehrspolitik gehen, dann werden Sie scheitern!
Zum Schluss etwas was ganz besonders aktuell ist und meiner Ansicht nach auch ganz besonders belustigend ist: Wo die Landesregierung offensichtlich ganz gut ist, das ist das Abschreiben.
Das können sie ganz gut! Allerdings das Abschreiben von unaktuellen Dingen. Wie schon gesagt,
dieser Klimabericht ist unaktuell.
Im Juli 2006, also im Berichtsjahr des Rechnungsabschlusses 2006, habe ich mir erlaubt, eine
Studie oder erste Ergebnisse einer Studie der Universität für Bodenkultur zu zitieren, deren Bericht
darüber 15 Seiten lang ist und kurz in einer Presseunterlage zusammen zu fassen. In dieser Studie
ging es um den Zusammenhang von Klimaschutz
und Hochwasser. Und ich finde im Klimabericht der
Landesregierung wortwörtlich, wortident, meine
zusammenfassende zweiseitige Presseunterlage,
abgeschrieben und abgedruckt.
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Landtag von Niederösterreich
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Jetzt finde ich das ja durchaus ehrenhaft und
eine Ehre für mich dass meine Presseaussendungen aus dem Jahr 2006 im Klimabericht abgedruckt
ist, der im Jahr 2007, im Oktober 2007 im Landtag
diskutiert werden soll. Mir wäre es aber lieber, Sie
hätten das nicht nur abgeschrieben, sondern Sie
hätten etwas dagegen unternommen! Daran krankt
es nämlich.
Emissionshandel – gescheitert. Wohnbauförderung – verbesserungswürdig. Ökostromgesetz.
Man kommt jetzt langsam in Schwung mit den Forderungen einer Novelle des Ökostromgesetzes.
Wissen Sie, was ich mir immer gewünscht hätte?
Dass der Herr Landeshauptmann zur Durchsetzung
eines neuen Ökostromgesetzes ein einziges Mal so
auf den Tisch gehaut hätte wie er es gestern in
Wieselburg gemacht hat. Oder ein einziges Mal so
wütend geworden wäre bei dem was ihm die Bundesregierung hier vorlegt. Das hätte ich mir sehr
gewünscht! Aber das ist ja nicht der Fall. Hier geht
es ja nicht um die Bauern. Das ist sehr, sehr
schade. Das ist die wirkliche politische Bilanz. Das
ist die wirkliche politische Schadensbilanz Ihrer
Politik des Jahres 2006. Und es würde mich nicht
wundern, wenn wir dem Rechnungsabschluss 2006
keine Zustimmung geben. (Beifall bei den Grünen.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Vladyka.
Abg. Vladyka (SPÖ): Sehr geschätzter Herr
Präsident! Herr Landesrat! Werte Kolleginnen und
Kollegen!
Ich darf mich auch kurz zum Rechnungsabschluss zu Wort melden. Es ist ja in den letzten
Wochen und Monaten die Pflegediskussion ziemlich heftig geführt worden und der gesamte Pflegebereich findet ja auch im Rechnungsabschluss den
Niederschlag. Wenn ich daran denke, dass rund
8.000 Personen, praktisch die Anzahl der Sozialhilfeempfänger, rund um die Uhr Pflege brauchen,
und im Bereich der Heimpflege nehmen die Zahlen
ständig zu wobei der Deckungsgrad immer weiter
abfällt - im Jahr 2006 liegt er nur mehr bei 58,2
Prozent, dann heißt das, dass etwas getan werden
muss. Neue Formen hinsichtlich der Finanzierung
in der Pflege sind daher absolut notwendig! Und
wenn ich immer wieder höre von der Wahlfreiheit
der Pflege, dass sich die Menschen aussuchen
können ob sie jetzt zu Hause die Pflege rund um
die Uhr in Anspruch nehmen oder eben in einem
Heim gepflegt werden, so muss diese Pflege auch
leistbar sein. Zur Zeit sind wir weit davon entfernt.
Denn wenn ich wirklich Wahlfreiheit haben
möchte, dann darf ich gewisse Maßnahmen, die
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heute noch zur Anwendung kommen, ganz einfach
nicht mehr als zeitgemäß ansehen und Taten setzen, wenn ich als soziales Niederösterreich weiter
gelten möchte! Ich spreche hier ganz einfach die
geltenden Regressansprüche an und auch die
Vermögensobergrenzen, die zwar jetzt erhöht werden, wenn es nächste Woche zur Beschlussfassung kommt. Aber das hilft auch nicht um Wahlfreiheit, eine echte Wahlfreiheit zu gewähren.
Ich darf daher einen Resolutionsantrag einbringen (liest:)
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Vladyka, Dr. Krismer-Huber,
Cerwenka, Dworak, Ebner, Findeis, Gartner, Ing.
Gratzer, Jahrmann, Kernstock, Mag. Kögler, Mag.
Leichtfried, Mag. Motz, Razborcan, Mag. Renner,
Rosenmaier, Sacher, Mag. Stiowicek, Thumpser
und Weninger zum Bericht der Landesregierung
betreffend Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich für das Jahr 2006, Ltg. Zl. 903/R-1/4,
betreffend Aufhebung der Regressansprüche und
Vermögensobergrenzen bei Pflegebedürftigen in
stationärer Pflege und Schaffung einer Pflegeversicherung.
Die derzeitigen Kostenersatzbestimmungen im
NÖ Sozialhilfegesetz 2000 sehen vor, dass pflegebedürftige Personen bei der Unterbringung in Landespflegeheimen die anfallenden Pflege- und
Betreuungskosten mit 80 % ihres Einkommens
sowie dem Pflegegeld unter Abzug eines Taschengeldes zu bestreiten haben. Reicht dieser Betrag
nicht aus, ist das Vermögen des Pflegebedürftigen
über einer Grenze von derzeit € 5.013,00 heranzuziehen und allenfalls eine grundbücherliche Sicherstellung auf ein Eigenheim (Eigentumswohnung),
das zur Deckung des notwendigen Wohnbedarfes
gedient hat, vorzunehmen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, so besteht ein Regressanspruch
für geleistete Zahlungen aus der Sozialhilfe gegenüber dem Ehegatten und den Kindern bis zu einer
festgelegten Obergrenze des monatlichen Einkommens unter Berücksichtigung eines Mindesteinkommens. Dies führt in der Praxis dazu, dass
häufig bei der Entscheidung, ob eine pflegebedürftige Person in einem Landespflegeheim untergebracht werden soll, sowohl von der pflegebedürftigen Person selbst als auch von deren eventuell
regresspflichtigen Angehörigen die künftigen finanziellen Belastungen als wesentliches Entscheidungskriterium herangezogen werden. Damit steht
aber nicht mehr das Wohl des Pflegebedürftigen im
Vordergrund, sondern die sozialpolitisch unbefriedigende Form einer materiellen Entscheidung bei
der Bestimmung über die optimale pflegerische
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Versorgung einer Person. Abhilfe kann nur geschaffen werden, in dem einerseits die Vermögensgrenze beim Pflegebedürftigen wegfällt, und
andererseits die Regressansprüche gegen nahe
Angehörige aufgehoben werden. Da die damit entstehenden Mehrkosten für das Land für die Pflege
in den Landespflegeheimen nicht ausschließlich
aus dem Landesbudget bestritten werden können,
scheint ein bundesweites Modell einer solidarischen öffentlichen Pflegeversicherung die einzig
sinnvolle Lösung.“ (Beifall bei der SPÖ.)
„Da ein derartiges bundesweites Modell jedoch
zweifellos eine längere Vorbereitungsphase
braucht, sollte in der Übergangsphase ein eigenes
niederösterreichisches Pflegemodell in Verbindung
mit einer vom Land geförderten Pflegeversicherung
geschaffen werden, das im Bedarfsfall den Differenzbetrag zwischen der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit und den tatsächlich anfallenden
Pflegekosten abdeckt. Somit sollte sich sowohl die
Heranziehung des eigenen Vermögens als auch die
Inanspruchnahme von Regressforderungen erübrigen. Die ergänzende Finanzierung sollte von Seiten
des Landes durch eine effektive Förderung der
Prämien erfolgen.
Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
Der Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert,


eine Änderung des Sozialhilfegesetzes
dahingehend erarbeiten zu lassen, dass
sowohl die unterhaltspflichtigen Angehörigen von der Kostenersatzpflicht ausgenommen werden als auch jedenfalls ein
Zugriff auf das Barvermögen, sowie das
bewegliche Sachvermögen des Hilfeempfängers ausgeschlossen wird und
dem NÖ Landtag zur Beratung vorzulegen sowie parallel dazu im Sinne der
Antragsbegründung ein effizientes niederösterreichisches
Pflegemodell
durch
Schaffung und Förderung einer Pflegeversicherung zu entwickeln,
bei der Bundesregierung auf die Schaffung eines bundesweiten Pflegeversicherungsmodells zu drängen.“
Meine sehr geschätzten Damen und Herren!
Ich darf Sie im Sinne der Betroffenen bitten, diesem
Antrag die Zustimmung zu geben. Denn, wie ich
meine, ist Hilfe keine Kann-Bestimmung, sondern
eine Muss-Bestimmung. Danke! (Beifall bei der
SPÖ.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Dritter Präsident Ing. Penz: Zum Wort gelangt Frau Abgeordnete Hinterholzer.
Abg. Hinterholzer (ÖVP): Geschätzter Herr
Präsident! Hoher Landtag!
Zunächst einige Worte zum Rechnungsabschluss bevor ich auf den Resolutionsantrag der
Frau Abgeordneten Vladyka etwas näher eingehe.
Herr Kollege Fasan hat gemeint, nicht nur rein
rechnerisch und finanztechnisch sei der Rechnungsabschluss in Ordnung. Jawohl, meine Damen
und Herren, er ist in Ordnung!
Die Finanzen des Landes stimmen, die Budgetentwicklung zeigt Kontinuität und Stabilität und
den Schulden des Landes stehen insgesamt Forderungen in der doppelten Höhe gegenüber. Es sind
im Wesentlichen zwei Fakten, die diesen sehr positiven Rechnungsabschluss ermöglichen.
Zunächst die steigenden Einnahmen aus den
Ertragsanteilen des Bundes auf Grund der Gottseidank sehr guten Wirtschaftsentwicklung. Die Wirtschaftsdaten für Niederösterreich sind äußerst erfreulich. Und sie sind so gut, dass man sie immer
wieder wiederholen muss: 3,8 Prozent Wirtschaftswachstum! Wir sind der Wirtschaftsmotor in der
Ostregion. 2,2 Prozent in Wien, 2,6 Prozent im
Burgenland. Also da tut sich etwas in Niederösterreich. Die Wirtschaft entwickelt sich sehr positiv. Es
finden so viele Menschen wie niemals zuvor in
diesem Land zur Zeit Beschäftigung. Das schlägt
sich natürlich auf die Steuereinnahmen nieder. Und
davon profitiert auch unser Bundesland.
Es ist einerseits das Wirtschaftswachstum mit
den steigenden Steuereinnahmen. Aber auf der
anderen Seite ist es wirklich das ausgeklügelte und
sehr moderne Finanzmanagement, das unser Finanzlandesrat Sobotka eingeleitet hat und das jetzt
die ersten Früchte trägt. Und das wirklich sehr positiv ist.
Eine Finanzpolitik wie sie effizienter nicht sein
könnte und wie sie auch ein Vorbild für moderne
Unternehmen sein kann. Und gerade die erfolgreiche Veranlagung unter ständiger Beobachtung der
Zins- und Währungsentwicklung macht sich bezahlt.
Meine Damen und Herren! Wenn seit 2002
insgesamt 704 Millionen Euro in das Landesbudget
aus diesen Veranlagungen geflossen sind, meine
Damen und Herren, dann ist es Geld, das für die
Landesbürger wiederum investiert werden konnte.
In eine Vielzahl von Projekten. Geld, das sonst
niemals zur Verfügung gestanden wäre.
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Auch die Veranlagung in der Beteiligtenholding, ich glaube auch da 30 Millionen Euro Geld,
wie gesagt, für Projekte zur Weiterentwicklung des
Landes. Landesrat Sobotka hat hier wirklich eine
sehr glückliche Hand gezeigt. Er hat auf die richtigen Experten vertraut, hat aber selbst auch es sich
nicht einfach gemacht und konsequent und hart
daran gearbeitet. Und natürlich sind ständige Verbesserungspotenziale unter Beobachtung. Denn
diese Finanzmärkte sind sehr bewegliche Märkte.
Da kann sich jeden Tag etwas ändern.
Dass unser Landesbudget in Ordnung ist, das
ist nicht nur eine subjektive Beurteilung von mir der
Daten, die vorliegen, sondern auch objektive
Rating-Agenturen bestätigen dies wie Standard &
Poor’s, AA+ mit einer positiven Prognose. Also was
wollen wir mehr? Ich glaube, damit ist die Bestätigung mehr als gegeben.
Vielleicht noch ein Wort auch zum Bericht über
die Auswirkungen des Beitritts Österreichs zur
Europäischen Union. Ich glaube, auch da kann der
Bericht aus dem Berichtsjahr 2006 als sehr positiv
bezeichnet werden. 26 Prozent der für ganz Österreich zur Verfügung stehenden EU-Fördermittel
fließen nach Niederösterreich. Ein Euro nach Brüssel bedeutet 3 Euro zurück nach Niederösterreich!
(Zwischenrufe: Aber der Bericht liegt noch nicht vor!
Das ist Themenverfehlung! Den Bericht haben wir
nicht!)
Es stimmt einfach so! Wir sind erfolgreich, nutzen
die Chancen, haben kluge Projekte, nutzen die
einzelnen Projekte. Und damit fließt dieses Geld
auch wieder zurück.
Meine Damen und Herren! Die gute Wirtschaftsentwicklung, die kluge Finanzpolitik die gibt
Spielräume und Möglichkeiten. Wir sind vorne
wenn es darum geht, die Chancen zu nutzen. Und
die Chancen, meine Damen und Herren, das zeigt
die Wirtschaftsentwicklung, die nutzen wir gut und
sehr effizient. Damit haben wir auf der anderen
Seite das Geld um den Menschen bei ihren Sorgen
und ihren Nöten zur Verfügung zu stehen. Hätten
wir sonst die Hochwasserkatastrophe 2002 und
2006 so schnell und erfolgreich abwickeln können?
Den Menschen helfen können? Hätten wir auch die
Übernahme der Gemeindekrankenhäuser, die Zusammenführung in die Landesklinikenholding? Ich
glaube, das war keine einfache Sache. Aber es ist
eben möglich gewesen, weil da eben alles zusammen gespielt hat und die positive Landesentwicklung die Mittel möglich gemacht hat.
45 Prozent unseres Landesbudgets fließen in
den Bereich Gesundheit und Soziales. Und ich
glaube, das stellt einmal mehr deutlich unter Be-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
weis, dass der Mensch im Mittelpunkt unseres
Handelns steht.
Nun zum Thema Pflege: Es ist momentan,
glaube ich, das Gesprächsthema wohin man
kommt. Vor allem die Legalisierung der 24-Stundenbetreuung beschäftigt die Menschen sehr wohl
in unserem Land. Die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen sind seit einiger Zeit nunmehr möglich.
Bundesminister Bartenstein hat da sehr rasch
agiert und auch gesetzlich ist das Ganze schon
vollzogen. Was jetzt noch gefehlt hätte wäre eine
sozial verträgliche Lösung des Herrn Sozialministers gewesen. Nur, das vorgelegte Modell von
Herrn Bundesminister Buchinger, das, glaube ich,
kann als keine Lösung bezeichnet werden. Das ist
Abzocke pur. Das ist Zugriff auf die Ersparnisse!
(Beifall bei der ÖVP.)
Und wie oft habt ihr uns soziale Kälte vorgeworfen.
Das ist soziale Kälte pur! Kälter kann es nicht mehr
sein! (Beifall bei der ÖVP.)
Und meine lieben Kollegen von der SPÖ! Was
ist denn nicht alles im Nationalratswahlkampf von
der SPÖ versprochen worden? Da hat es den Slogan gegeben, Sozialfighter statt Eurofighter. Jetzt
haben wir die Eurofighter, das ist jetzt schon fix.
Und wenn die Lösung des Pflegethemas ein Sozialfighter gewesen sein soll, meine Herrschaften,
dann war das nicht nur eine Bauchlandung, sondern das war eine effektive Bruchlandung, was da
vollzogen wurde. (Beifall bei der ÖVP.)
Wir in Niederösterreich suchen eigene Lösungen! Und ich glaube, dass der Landeshauptmann
da sehr rasch und sehr schnell agiert hat. Zunächst
einmal informieren wir die Leute. Die Leute sind
verunsichert, weil man auf Bundesebene keine
klaren Lösung vorgegeben hat. Die Leute kennen
sich nicht aus. Wir führen diesen Beratungsscheck
in Niederösterreich ein, gratis für die Menschen. Sie
werden von einer Fachkraft informiert. Zu Hause in
ihren eigenen vier Wänden. Können sich damit
einen Überblick verschaffen, welche Vielfalt der
Pflegemöglichkeiten es in Niederösterreich gibt.
Wie es mit der damit verbundenen Finanzierung
bestellt ist. Und ich glaube, es sind sehr oft die
Informationsdefizite, die die Bevölkerung auch verunsichern.
Und in diesem Zusammenhang meine ich
auch, dass es gut ist, wenn der Landtag einmal im
Jahr dann auch informiert wird mit einem eigenen
Sozialbericht, damit wir einen Überblick bekommen,
welche Aktionen, welche Fördermöglichkeiten werden gut angenommen? Was wünscht die Bevölkerung? Wo ist weniger Bedarf? Wo sollte noch
nachgesetzt werden?
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Landtag von Niederösterreich
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Ich darf in diesem Zusammenhang einen Resolutionsantrag einbringen (liest:)
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Hinterholzer und Vladyka
zur Vorlage der Landesregierung betreffend Rechnungsabschluss des Landes Niederösterreich für
das Jahr 2006, Ltg. 903/R-1/4-2007, betreffend
Erstellung eines umfassenden NÖ Sozialberichtes.
Die aktuelle Pflegedebatte zeigt ganz deutlich,
dass der Sozialbereich den Menschen besonders
am Herzen liegt und immer mehr an Bedeutung
gewinnt. Um im Bereich der Verwaltung eine einheitliche Datenbasis als Voraussetzung für zukünftige Maßnahmen im Sozialbereich zu schaffen,
empfiehlt sich die jährliche Veröffentlichung eines
umfassenden, abteilungsübergreifenden niederösterreichischen Sozialberichts.
Ein derartiger Sozialbericht sollte also die Gesamtheit der für das niederösterreichische Sozialwesen relevanten Zahlen, Daten und Fakten und
dabei insbesondere auch eine Darstellung der Daten betreffend die stationäre Pflege in den NÖ Landespflegeheimen umfassen und dem NÖ Landtag
jährlich zur Kenntnisnahme vorgelegt werden.
Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung jährlich einen umfassenden und abteilungsübergreifenden Sozialbericht über das Sozialwesen in Niederösterreich zu
erstellen und dem NÖ Landtag darüber zu berichten.“
Meine Damen und Herren! Zu unserem Resolutionsantrag, den die Frau Abgeordnete Vladyka
überbracht hat. Ja, ist seid offensichtlich in Niederösterreich überrascht worden wie schnell hier eine
Lösung gefunden wurde. Nachdem hier heute
schon öfter das Wort „Murx“ genannt wurde. Den
„Murx“, den der Herr Bundesminister Buchinger
vorgelegt hat. Wir haben einen eigenen Weg gefunden. Und das überrascht euch halt jetzt.
Ein bisschen habe ich schon das Gefühl, die
SPÖ verwechselt jetzt gelegentlich ein bisschen
Äpfel mit Birnen. Das Eine ist die Betreuung zu
Hause in den eigenen vier Wänden. Da hat der
Betreute noch einen eigenen Haushalt zu führen,
hat Haushaltungskosten zu bestreiten. Und auf der
anderen Seite habe ich intensive Pflege, Rund-umdie-Uhr-Pflege in einem Pflegeheim, das natürlich
wesentlich kostenintensiver ist, wo auch kein eigener Haushalt mehr zu führen ist und sehr oft der
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Betreute, oder fast immer der Betreute in den eigenen Haushalt nicht mehr zurück kommt.
Und meine Damen und Herren! Eigentlich weiß
ich nicht, was die SPÖ wirklich möchte und ob ihr
mit euren Kollegen auf Bundesebene, vor allem mit
dem Herrn Bundeskanzler, auch kommuniziert. Da
hört man tagein, tagaus, die SPÖ möchte eine
neue Vermögenssteuer einführen. Eine Vermögenssteuer für Leute die mehr haben. Er nimmt
gleich damit auch den sehr leistungsstarken Mittelstand mit und erhebt diese alte Uraltforderung:
Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Hier in
Niederösterreich geht ihr genau den gegenteiligen
Weg. Da sagt ihr, wer ein Vermögen hat, der soll es
nicht einbringen müssen bei dieser sehr intensiven,
kostenaufwändigen Pflege in den Pflegeheimen.
Vielleicht schaut ihr euch einmal gelegentlich die
Zahlen an wie das in Niederösterreich ausschaut.
Wir haben derzeit 7.000 Heimbewohner, davon haben wir 700 Leute die das selber bezahlen. Die
derartig gut situiert sind, dass sie das selber bezahlen können. Und bei 500 wird das eigene Vermögen herangezogen. Und der Rest: Bei 5.800
wird diese Pflege in den Pflegeheimen über die
Sozialhilfe finanziert.
Das heißt, es ist ein sehr kleiner Prozentanteil
der Bevölkerung den es hier wirklich trifft. Und ich
glaube und ich finde das halt schon auch gerecht,
wenn jemand Vermögen hat, dass er das für diese
sehr qualitativ hochwertige Pflege auch einbringt.
Und zum Anderen: Wir haben mit der Hinaufsetzung dieser Vermögensgrenze auf 10.000 Euro
einen Schritt in Niederösterreich gesetzt, den andere Bundesländer noch nicht gemacht haben.
Auch Bundesländer, wo es SPÖ-Landeshauptleute
gibt, die haben noch einen weit niedrigeren Satz.
Also ihr wäret, glaube ich, gut beraten, hier einmal
in eigenen Reihen genau zu schauen was ihr eigentlich wollt. Einführung der Vermögenssteuer Abschaffung der Vermögensgrenze hier. Man kennt
sich da irgendwie doch nicht aus. Aber wir werden,
wie gesagt, in Niederösterreich einen eigenen Weg
gehen. Pflege in Niederösterreich ist leistbar! Und
das wird unter der Führung unseres Herrn Landeshauptmannes und der Frau Landesrat Bohuslav
auch in Zukunft so bleiben. (Beifall bei der ÖVP.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und
Kollegen!
Erlauben Sie mir noch kurz zu replizieren den
Debattenbeitrag der Kollegin Hinterholzer, auch im
921
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Lichte, dass ich Mitantragstellerin bei dem Antrag
der Kollegin Vladyka bin. Man hat natürlich als
Grüne in Opposition sowohl im Bund als auch im
Lande Niederösterreich einen etwas anderen Zugang und vielleicht ermöglicht es doch mehr ein
bisschen Vogelperspektive einzunehmen.
Ich glaube, es geht mittlerweile mehreren
Menschen in diesem Land und in Österreich so,
dass man sehr, sehr hohe Erwartungen hatte, dass
die große Koalition eben genau diese großen, für
die Menschen wichtigen Angelegenheiten rasch,
zielorientiert und wirklich mit sozialem Gewissen
abhandeln kann. Und präsentieren. Aber das sind
Sie bis dato beide schuldig geblieben.
Das, was von ÖVP-Minister Bartenstein vorliegt, ist ein Modell, das nicht zu finanzieren ist. Wo
eben dann zu Recht ein Land wie Niederösterreich
eine Hotline einrichten muss, weil es für ganz, ganz
wenige nur mehr nachvollziehbar ist wie das abgewickelt werden sollte.
Ich habe in der Tat ein Problem damit, dass
sich Niederösterreich und allen voran der Landeshauptmann jetzt sozialer gibt als man das im Land
spürt. Ich möchte schon einmal in Erinnerung rufen,
Kollegin Hinterholzer: Bis dato ist das Sozialhilfegesetz in Niederösterreich, und seit 2003, wo wir
wissen, dass wir Probleme haben so wie in
Würmla, überall dort, wo unter dem Deckmantel
von Mietverträgen, von Vereinsstrukturen hilfebedürftige Menschen gepflegt, betreut werden und
schamlos ausgenützt werden, ist bis heute keine
Gesetzesvorlage hier ins Haus gekommen.
Ich möchte auch in Erinnerung rufen, dass seit
1993 die Möglichkeit bestanden hätte für das Land
Niederösterreich so etwas wie einen Pflegescheck
einzuführen um eben endlich mit diesem CaseCare-Management zu beginnen. Versäumt seit
1993. Und wie ich weiß, sogar damals hat sich
Liese Prokop bei der Einführung des Bundespflegegeldgesetzes stark gemacht, aber sichtlich hat
die ÖVP in Niederösterreich das nicht umsetzen
wollen.
Ich möchte auch in Erinnerung rufen, dass wir
neben dem Bundesland Wien das zweitgrößte
Bundesland sind in der Fläche mit dieser – und ich
bezeichne es noch einmal so, damit wir alle wissen
wovon wir reden – unter Anführungszeichen „Illegalpflege“ leiden. Ja? Das sind eben zirka 8.000
Menschen in Niederösterreich. Und es ist auch nur
Niederösterreich wo es auch zum Vorgehen der
Behörde gekommen ist, da sage ich nur Scheibbs.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Und es ist auch Niederösterreich, so wie man
in jedem anderen Bundesland für die Abwicklung
eines Pflegeantrages sechs Monate warten muss
weil da auf den Bezirkshauptmannschaften nichts
weiter geht. Und es ist auch Niederösterreich wo es
den Regress gibt im Sozialhilfegesetz. (Beifall bei
den Grünen.)
Und den gibt es eben bis zur Anpassung mit 4.923,
jetzt sind es eben diese 5.012. Ja wo ist dann Niederösterreich bitte sozialer, fortschrittlicher als andere Bundesländer? (Beifall bei den Grünen.)
Und ich möchte auch in Erinnerung rufen, dass
im Jahr 2003 die Klubobfrau der Grünen,
Madeleine Petrovic, hier eine Brandrede dafür
gehalten hat, weil da komm ich jetzt auf den Sozialbericht, dass mit der Einführung des neuen Pensionsmodells das schlagend wird für die öffentlichen Hände. Und insbesondere für die Länder, weil
wir sehen werden, dass wir zunehmend mehr Menschen mit der Sozialhilfe auffangen müssen.
Und Kollegin Hinterholzer, Sie sind auch beim
NÖ Hilfswerk, wie ich weiß, regional tätig. Dann
wissen Sie auch, dass wir 7.400 Menschen in unseren Landes-Pensionisten- und Pflegeheimen untergebracht haben die bereits Sozialhilfeempfänger
sind. Also hätte ich gerne … Und jetzt komme ich
zum Regress. Ja! Das ist ja ein sagenumwobenes
Ding in Niederösterreich! Bei jeder Bezirkshauptmannschaft wird das ein bisschen anders abgewickelt. Ein jeder Fall wird ein bisschen anders angeschaut.
Wenn wir soziale Sicherheit den Menschen
geben wollen, dann brauchen wir ein System, das
transparent ist, nachvollziehbar und natürlich wo
das weit über der Grenze von 5.000 sein muss.
Und das hätte Niederösterreich schon vor Jahren
machen können! (Beifall bei den Grünen.)
Und nicht einige Monate vor der Wahl so zu tun als
wären wir die Guten.
Ich möchte jetzt noch Stellung beziehen zum
NÖ Gemeindeförderungsbericht. Also das muss
man ja wirklich einmal herzeigen. Ich weiß nicht,
wer das von Ihnen herumgeschleppt hat. Niederösterreichischer Gemeindeförderungsbericht. Wir
lieben ihn alle. Ich frage mich immer, was uns die
Landesregierung damit zeigen möchte. Sie zeigt
uns, glaube ich, dass sie … (Abg. Mag. Fasan:
Telefonbücher schreiben kann!)
Nein, nicht nur Telefonbücher schreiben, sondern
dass sie Finanzzuweisungen, Zuschüsse in Höhe
von 150 Millionen in die Gemeinden einbringt. Dass
sie … Der Punkt „Snstiges“ gibt’s ja überall, auch
922
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
im Gemeindeförderungsbericht, Sonstiges macht
natürlich wieder am meisten aus, 310 Millionen
Euro. Und dann gibt’s auch noch die Bedarfszuweisung mit rund 185 Millionen Euro.
1,37 Euro ausmacht, verglichen mit den Hundeabgaben in Amstetten, dann weiß ich zumindest noch
nicht politisch was ich wirklich damit anfangen
sollte.
Also ich kenn’ ja den noch nicht so lange wie
vielleicht wer anderer oder die Kollegin Hinterholzer. Aber man kommt immer wieder auf was
Spannendes drauf wie die Dinge abgewickelt werden. Ich habe eigentlich mit der Erwartung bin ich
jetzt in die Debatte gegangen, dass wieder
wahnsinnig viele ÖVP-Abgeordnete sich herstellen,
ein paar Projekte herauspicken und sagen, wie
super das die Landesregierung macht. Ich bin wirklich froh, dass diese Erwartung nicht erfüllt worden
ist, weil das macht die Debatte einmal auf andere
Art spannender.
Für mich sagt dieser Bericht eigentlich aus,
dass der regionale Verteilungskampf ein sehr, sehr
harter ist für die Gemeinden. Das sieht man eben
durchaus mit diversen Bezirksaufstellungen und
Pro-Kopf-Quoten. Ich glaube, dass wir – und ich
werde heute noch nicht einen Resolutionsantrag
einbringen, sonst heißt es wieder, das ist überfallsartig. Aber ich finde es in der Tat anzudenken, dass
man diesen Bericht in Anlehnung an die VRV sozusagen aufmotzt und da dem Landtag eine Grundlage gibt um wirklich, und zwar dann auch mittelfristig, zu zeigen, wie schaut es mit der Finanzgebarung unserer Gemeinden aus?
Fakt ist, dass das im Grunde, da muss man
schon ehrlich sein, in der Form hier präsentiert
wird, fast entbehrlich. Ich finde ja das mittlerweile
für das Kontrollorgan des Landtages weitaus spannender, in diese Einzelprojekte hineinzugehen.
Viele von Ihnen als Bürgermeister wissen das ja,
oder als Stadträtinnen … Man hat irgendein Projekt
und dann schaut man, wie bekommt man beim
Land die Förderungen. Und dann gibt’s das Projekt
X, das wird dann mit Dorf/Stadt-Erneuerung …,
Und ein bisschen geht da noch und ein bisschen
geht da noch, wird sozusagen ein Projekt in so
einem Fleckerlteppich abgewickelt. Und genau das
zeigt aber, dass das mehr Gutdünken ist als sonst
irgendwas.
Insbesondere in den Bereichen Bedarfszuweisungen, Finanzzuweisungen möchte ich schon auf
die Stellungnahmen des Rechnungshofes Bezug
nehmen, der uns schon seit längeren darauf hinweist, dass Niederösterreich hier kein Land ist wo
das wirklich nachvollziehbar und transparent abgewickelt wird. Das ist halt so ein bisschen gerade wie
es notwendig ist.
Es gibt einen Bericht in diesem Land der gar
nicht in den Landtag kommt, und das ist das da:
Sozusagen das Gegending. Wenige Seiten. Das
wäre eigentlich der Finanzbericht. Der liegt uns gar
nicht vor. Ist eine nette Aufstellung. Aber wenn wir
es uns im Detail wieder anschauen, frage ich einmal, was will eigentlich das zuständige Regierungsmitglied Onodi mit diesem Bericht sagen?
Dann sehe ich auch nicht viel was sie uns damit
sagen soll. Weil es ist dann schon fast skurril wenn
da drinnen stehen so pro-Kopf-Vergleiche. Also ich
weiß nicht, was Sie damit anfangen. Aber wenn die
Hundeabgabe im Bezirk Baden pro Einwohnerin
Ich brauche Ihnen nicht wieder die Statutarstädte aufzählen, die ohnehin …, denen es nicht
so gut geht. Dann gibt’s die kleineren Gemeinden
die auch nicht so gut dastehen. Das heißt, wenn
man jetzt einen Überblick hätte, sozusagen, ich
würde plädieren für diesen kumulierten Querschnitt
in der Anlage 5b des VRV, dann könnten wir das
beobachten und wüssten mehr. Es fehlen da drinnen, obwohl diese Voranschläge, Rechnungsabschlüsse im Land vorliegen, vielleicht einfacher zu
gestalten sind als diese Exceltabelle, wäre es auch
möglich, die wichtigen kameralistischen Kennzahlen herauszuarbeiten wie Finanzspitze, Verschuldungsquote, Eigenfinanzierung und vieles mehr.
Also das ist sozusagen jetzt einmal ein Appell,
vielleicht können wir einmal in einem Ausschuss
darüber reden.
Eines fehlt natürlich in all diesen und vor allem
in diesem Bericht, das sind die Ausgliederungen, so
wie es ja auch das Land macht, ich sage nur
Maastricht. Wir gehen nicht darauf ein, dass mit
diesen ausgegliederten GmbHs, die oft der einzige
Strohhalm sind, insbesondere für Gemeinden, wir
keine Aufstellung über die Realhaftung haben.
Wenn so was schlagend werden würde, dann
müsste ja da viel, viel mehr in den Rechnungsabschlüssen drinnen sein. Nehmen Sie das als Anregung mit.
Ich habe aber einen Resolutionsantrag mitgebracht. Weil es gibt eines wo ich so den Eindruck
habe, da brennt der Hut zunehmend, auch für die
Gemeinden, nicht nur für das Land, das sind unsere Feuerwehren. Ich möchte daher einen Resolutionsantrag einbringen (liest:)
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Dr. Krismer-Huber, Mag.
Riedl, Cerwenka, Dr. Petrovic, Friewald, Mag.
Fasan, Doppler und Weiderbauer zur Vorlage der
Landesregierung betreffend NÖ Gemeindeförderungsbericht 2006, Ltg. 884/B-33/4, betreffend zusätzliche Mittel für die Feuerwehren.
Die niederösterreichischen Freiwilligen Feuerwehren haben im vergangenen Jahr in rund
800.000 Einsatzstunden Dienste an der Bevölkerung geleistet. Für die Bürger der Kommunen haben wir somit unbezahlte Dienstleistungen im Wert
von etwa € 32 Mio. erbracht.
Damit die Freiwilligen Feuerwehren die
friktionsfreie Durchführung dieser Einsätze auch
weiterhin gewährleisten können, bedarf es freilich
nicht nur der 94.000 freiwilligen Helfer, sondern
auch eines entsprechenden Sicherheitskonzeptes.
Dieses wird derzeit dahin gehend überarbeitet,
dass es in Zukunft nicht nur die Gemeindegebiete
berücksichtigt, sondern über deren Grenzen hinaus
auch die Bezirke, Bundesländer und sogar unsere
EU-Nachbarländer einbezieht. Dazu gehören neben neuen Alarmplänen, die an die gestiegenen
Herausforderungen im Sicherheitsbereich anzupassen sind, auch Gerätschaften und Fahrzeuge.
Dieses Konzept muss unbedingt umgesetzt werden, damit die Tageseinsatzbereitschaft gewährleistet bleibt.
In den nächsten Jahren werden in Niederösterreich pro Jahr über 100 Einsatzfahrzeuge ersetzt,
da diese bereits über 20 Jahre im Einsatz sind.
Deren Anschaffungskosten können aber von den
Gemeinden und Feuerwehren alleine nicht mehr
getragen werden.
Um weiterhin in vollem Ausmaße einsatzbereit
bleiben zu können, brauchen die niederösterreichischen Feuerwehren sowie die Feuerwehren im
gesamten Bundesgebiet neben den bereits zur
Verfügung stehenden Mitteln dringend weitere.
Deshalb soll geprüft werden, ob diese zusätzlichen
Mittel nicht durch einen Anteil von 5 Prozent an der
bundesweiten Mineralölsteuer gedeckt werden
können. Die Zuteilung dieser Mittel auf die Feuerwehren der einzelnen Bundeslänger sollte nach
dem Aufteilungsschlüssel der Katastrophenhilfsdienst (KHD)-Mittel erfolgen. Im vorgenannten
Sinne ist auch Landesfeuerwehrkommandant von
Niederösterreich an die Landtagsabgeordneten mit
der Bitte um Unterstützung herangetreten.
Die Gefertigten stellen daher gem. § 60 LGO
folgenden Antrag:
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Der Landtag wolle beschließen:
Der NÖ Landtag unterstützt die Forderungen
des NÖ Feuerwehrverbandes und fordert daher die
Landesregierung auf an den Bund heranzutreten,
damit im Sinne der Antragsbegründung geprüft
wird, wie den Feuerwehren in Österreich aus der
bundesweiten Mineralölsteuer zusätzliche Mittel
zugeteilt werden können.“
Ich hoffe, dass dieser Antrag die Einstimmigkeit in diesem Haus findet, da ich ihn wirklich für
sehr, sehr notwendig erachte.
Abschließend, und das ist eben ein Teil eines
derzeit beginnenden großen Ausgleiches, nämlich
der Finanzausgleichsverhandlungen, eine Möglichkeit wäre eben die Mineralölsteuer. Weil ich glaube,
dass es den Feuerwehren ziemlich egal ist wie
zweckgebunden oder woher sie die Mittel bekommen, solange nur die Mittel sichergestellt werden
können.
Und in diesem Sinne hoffe ich, dass die Person, die in erster Linie wieder bei den Finanzausgleichsverhandlungen für das Land Niederösterreich teilnehmen wird, Landesrat Mag. Wolfgang
Sobotka, mit jenen in diesen Verhandlungen, die
jetzt für einen aufgabenorientierten Finanzausgleich
sind, die eben erkannt haben, dass die Aufgaben
und damit auch die Finanzstruktur ganz klar geregelt werden soll. Denn dass es in Österreich nicht
geregelt ist zeigt ja mit Verlaub genau dieser Gemeindeförderungsbericht. Es sind Berichte drinnen,
die durchaus Orte mit zentralörtlichen Aufgaben
betreffen, die nicht in der Lage sind, das aus dem
eigenen Budget zu bewerkstelligen und sozusagen
„Scheitl knien“ kommen müssen an das Land.
Ich hätte gern, dass man eben endlich zu einem Schlüssel kommt dass ganz klar ist, welche
Aufgaben dort erbracht werden sollen und was
ihnen damit zusteht. Ich hoffe, dass wir vielleicht
auch endlich einen Modernisierungsschub in der
Finanzausrichtung in Österreich haben werden.
Danke! (Beifall bei den Grünen.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zum Wort gelangt Herr Abgeordneter Dworak.
Abg. Dworak (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag!
Gleichzeitig mit dem Rechnungsabschluss des
Landes Niederösterreich wird auch im Landtag der
Bericht über die den Gemeinden und Gemeindeverbänden gewährten Förderungen diskutiert. Einerseits als Gesamtbericht des Finanzlandesrefe-
924
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
renten und auch als Bericht der einzelnen Regierungsmitgliedern aus ihren Ressorts sowie den
Fonds mit Rechtspersönlichkeit und natürlich auch
der ECO PLUS. Die Gemeindeförderungen betrugen laut Rechnungsabschluss des Landes ohne
Bedarfszuweisungen rund 150 Millionen Euro an
Finanzzuweisungen und Zuschüssen und weitere
310 Millionen Euro an Leistungen oder durch
finanzielle Entlastungen.
Zum Zweiten: Die Einnahmenautonomie ist in
den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Parallel dazu steigen Ausgaben und Aufgaben der
Gemeinden, deren Abgeltung größtenteils durch
Transfers erledigt wird. Verschiedene Aufgaben
werden noch von mehreren Gebietskörperschaften
wahrgenommen was zu einem kostspieligen
Transfer und vor allen Dingen auch zu kostspieligem Kompetenzdschungel führt.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die
Gemeindefinanzen der Jahre 2005 und 2006 geben
durchaus Anlass zu Optimismus. Zum ersten Mal
seit dem Jahr 2001 stellt sich eine Stabilisierung in
den Gemeindebudgets ein. Und entgegen der
Prognosen zeigen die Ertragsanteilvorschüsse
2006 ein Plus von 3,8 Prozent.
Und das Dritte ist für die Gemeinden eine Situation, die heuer durch die Anhebung des Zinsniveaus seitens der Europäischen Zentralbank ausgelöst wird, dass nämlich höhere Zinsausgaben auf
die Gemeinden zukommen.
Einerseits ist die gute Konjunkturlage, die 2006
eine rasante Beschleunigung erfuhr dafür zuständig, auf der anderen Seite haben natürlich auch die
Zuwächse bei der Kommunalsteuer einen positiven
Rechnungsabschluss ausgelöst. Und für unsere
niederösterreichischen Gemeinden bedeutet das
endlich eine wirklich heiß ersehnte Trendwende bei
den Einnahmen, die wir auch dringend benötigen
um den Lebensraum zu sichern und auch aktiv
weiter zu entwickeln. Die zu erwartende Kostendynamik in den Bereichen der Pflege, im Bereich
der Gesundheit und der sozialen Wohlfahrt wird die
Gemeinden in Hinkunft sicherlich vor neue, sehr
schwerwiegende Herausforderungen stellen.
Hohes Haus! Wie wichtig eine Trendwende bei
den Einnahmen ist zeigt sich bei den Investitionsausgaben. Die angespannte Haushaltslage der
Gemeinden führte 2005 zu einem Einbruch bei den
Investitionen von minus 6,2 Prozent. Konkret bedeutet das weniger Investition im Bereich der Infrastruktur und damit auch weniger Investitionen für
den Wirtschaftsstandort Niederösterreich. Und um
hier in einem globalen Wirtschaftswettbewerb bestehen zu können, gilt es vor allen Dingen, den
ländlichen Raum abzusichern, müssen aber die
Gemeinden mit ausreichenden Investitionsbudgets
ausgestattet werden.
Ich möchte hier für die Zukunft nur drei große
Herausforderungen umreißen: Zum Einen zeigt uns
die demografische Entwicklung, dass wir hier auf
einen sehr, sehr schwierigen Fall zusteuern, indem
wir erkennen müssen, dass im Jahr 2050 bereits 34
Prozent der Bürgerinnen und Bürger über 80 Jahre
alt sein werden. Und dass dies besonders auf die
Gemeinden auf Grund ihrer Nähe zum Bürger
Auswirkungen hat, ist, glaube ich, nicht von der
Hand zu weisen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Es ist also klar zu erkennen, dass die
Gemeinden, die es sehr schwer hatten in den letzten Jahren, auch in der Schuldenfalle stecken.
Nicht alle Gemeinden, denn viele Gemeinden sind
auch deshalb in der Schuldenfalle weil sie zum
Einen Spitalserhalter waren oder auch Aufgaben
übernehmen mussten, die eigentlich nicht mehr
durch das normale Budget, durch die Ertragsanteile, erfüllbar waren.
Und ein Anstieg auf rund 11 Milliarden Euro
ohne Wien hat den Städte- und Gemeindebund
veranlasst, bereits jetzt Forderungen an die Bundesregierung zu richten für den nächsten Finanzausgleich der eigentlich ante portas steht und wofür
jetzt die ersten Gespräche beginnen. Und eines
darf ich hier auch im Namen der niederösterreichischen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sagen und kommt dabei klar zum Ausdruck: Dass
eine weitere Übernahme von zusätzlichen Leistungen und weitere kommunale Aufgaben ohne zusätzliche Mittel durch den Bund nicht zu schaffen
sein werden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die
Aufgaben und Verpflichtungen der Gemeinden
werden immer anspruchsvoller. Vor allen Dingen
aber kostenintensiver und personalintensiver.
Gleichzeitig haben in den letzten Jahren die Einnahmen stagniert und es war erst im Vorjahr eine
Entspannung bemerkbar. Dabei können, glaube
ich, gerade die niederösterreichischen Gemeinden
sagen, dass sie sehr gut wirtschaften, dass hier
sehr sparsam mit den Steuermitteln umgegangen
wird. Und gerade weil auch im NÖ Landtag sehr
viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sitzen
möchte ich hier sagen, sie haben die großen Herausforderungen der Zukunft sehr gut gemeistert.
Ich glaube, die Gemeinden in Niederösterreich
bekennen sich ganz klar zum Spargedanken, zu
925
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Einsparungen. Wir bekennen uns aber auch dazu,
dass wir natürlich einen Teil der Budgetkonsolidierung leisten müssen. Einen Teil auch zur Reform
der öffentlichen Verwaltung.
Aber im Gegenzug dazu fordern die Gemeinden zu Recht von dieser Regierung, dass neue
Aufgaben nur mit neuen Mitteln, neuen Finanzmitteln bewältigt werden können. Meine sehr geehrten
Damen und Herren! Der Finanzbericht für das Jahr
2006, der Gemeindeförderungsbericht, ist ein
durchwegs positiver. Aber ich denke, wir müssen
auch daran arbeiten, dass hier eine Nachhaltigkeit
garantiert wird. Und Nachhaltigkeit heißt, den Gemeinden die Sicherheit zu geben, in Zukunft der
wirtschaftliche Motor in Niederösterreich sein zu
können. (Beifall bei der SPÖ.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Moser.
Abg. Moser (ÖVP): Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren des Hohen Hauses!
Ich darf auch Stellung nehmen zum Gemeindeförderungsbericht und darf zunächst einmal festhalten, ich bin ein bisschen verwundert dass Frau
Abgeordnete Dr. Krismer-Huber meint, der Bericht
ist nicht notwendig. Ich darf darauf verweisen, dass
wir das alles sehr transparent gestalten. Dass alle
Bürgerinnen und Bürger auf Grund der Diskussionen im Hohen Landtag hier ein Anrecht haben, zu
sehen wie der Mittelfluss Richtung Gemeinden
erfolgt, weil damit natürlich sehr, sehr viel Positives
für die Bürgerinnen und Bürger bewirkt wird.
Dass wir insgesamt eine gute Entwicklung in
unserem Lande haben wurde schon festgestellt.
Unsere Powerlady der Wirtschaft, Michaela Hinterholzer, hat ja deutlich gemacht, dass das Wirtschaftswachstum in unserer Region im Vergleich zu
anderen Ländern der Region ein sehr gutes ist.
Wenn wir ein nahezu doppelt so hohes Wirtschaftswachstum in Niederösterreich haben als das
in Wien und Burgenland der Fall ist, dann heißt es,
wir sind hier Vorreiter in der Wirtschaftskraft, in der
Ostregion. Aber nicht nur in der Ostregion, sondern
auch im Vergleich zu vielen anderen Regionen
Europas. Wir sind hier deswegen vorne, weil natürlich Arbeit und Wirtschaft, die Leistung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Leistung der
Wirtschaft einen ganz wesentlichen Beitrag darstellt. Aber ich meine, dass es auch ganz, ganz
wichtig ist, dass die öffentliche Wirtschaft, sprich
die Gemeinden ihren Beitrag eben dazu auch leisten.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Einiges schlägt sich natürlich im Gemeindeförderungsbericht nieder. Und es wird auch deutlich,
dass wir hier in Niederösterreich nicht nur im Wirtschaftsbereich, sondern auch in der kommunalen
Leistung weiter vorne sind und daher diese Vorreiterfunktion hier auch deutlich wahrnehmen.
Die Grundlage der positiven Entwicklung die im
Gemeindefinanzbericht sich niederschlägt möchte
ich in vier Punkten festhalten. Zunächst einmal der
Punkt 1 ist die positive Einnahmensentwicklung
durch die Steuereinnahmen, die sich natürlich auf
Grund der gemeinschaftlichen Bundesabgaben
auch für die Länder und Gemeinden positiv auswirken.
Der zweite Punkt ist die positive Auswirkung
der letzten Finanzausgleichsverhandlungen, wo
erfreulicherweise es eine kleine Verschiebung oder,
sage ich einmal, einen Ausgleich des Nachteiles
der kleineren Gemeinden gegeben hat und hier
mehr Geld Richtung kleinere Gemeinden, sprich
jene unter 10.000 Einwohner, fließt. Das ist positiv
festzustellen. Und die Erträge und Erfolge eines
Finanzausgleiches schlagen hier ebenfalls zu Buche.
Zum Dritten aber meine ich, dass ein ganz wesentlicher Punkt in den Gemeinden selbst liegt,
nämlich die Stabilisierung der Pflichtausgaben im
sozialen und Gesundheitsbereich in den Gemeinden, aber vor allem im rechtlichen Zusammenhang
mit dem Land Niederösterreich. Ich spreche nur
Schlagwort an Kommunalgipfel.
Und der vierte Bereich ist wirklich eine Leistung der Gemeinden, dass im stärkeren Verwaltungsmanagement die Gemeinden rasch und flexibel auf die Dinge reagieren und sich nicht nur darauf einstellen, sondern hier mit modernen Verwaltungsinstrumenten und modernen Managementmethoden in ihren Gemeinden entsprechend arbeiten. Alleine das Anziehen der Konjunktur brachte den Gemeinden im Vorjahr ein Plus von 32 Millionen Euro und ebenfalls wiederum einen Anstieg
auch im Jahr 2006. Diese gute Wirtschaftsentwicklung begründete natürlich auch den Rückgang der
Arbeitslosenzahlen, die Steigerung der Beschäftigtenzahlen und stärkte natürlich das Steueraufkommen, wie bereits angeführt, insgesamt.
Wichtig wird aber sein, dass vor allem jetzt bei
den in Kürze beginnenden Verhandlungen um den
Finanzausgleich zeitgerecht natürlich auch dafür
Sorge getragen wird, dass eine entsprechende
föderale Einstellung aller Verhandlungspartner
926
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
auch in Zukunft gegeben ist. Denn ich darf schon
festhalten, es war noch nie in der Geschichte des
Finanzausgleiches möglich, so wie beim letzten,
eine Stärkung des ländlichen Raumes wahrzunehmen. Ich möchte jetzt schon an alle Finanzausgleichspartner appellieren, dass einerseits der Anteil an gemeinschaftlichen Bundesabgaben Richtung Länder und Gemeinden stärker steigen soll.
Das heißt, wir liegen bei rund 30 Prozent. Wir waren schon einmal höher. Natürlich ist es immer eine
Aufgaben- und Ausgabengegenüberstellung. Sie
war, glaube ich, sehr wichtig, dass der Anteil sich
insgesamt entsprechend positiv für die Gemeinden
und den ländlichen Raum auswirken möge.
Der ländliche Raum braucht eben starke Gemeinden. Nur mit starken Gemeinden ist ein lebendiger, wirtschaftlich starker ländlicher Raum zu
führen. Denn die Gemeinden sind ja bei Fragen der
Raumordnung, bei Widmungsfragen und all diesen
Dingen der Infrastruktur natürlich ein ganz, ganz
wesentliche Partner der Wirtschaft. Betriebsansiedlungen, Aufbereitung des Betriebsgebietes mit
hoher Qualität, damit sehr rasch eben auch Entscheidungen bei Betriebsanlagengenehmigungen
und bei Bauverhandlungen erfolgen können. Es
geht also darum, dass die Gemeinden ihre Aufgaben erfüllen können. Dass sie über eine seriöse
Mittelausstattung in den Gemeinden verfügen. Und
dazu gehört ganz einfach eine gerechte Aufgabenverteilung zwischen den Gebietskörperschaften,
insbesondere zwischen dem Land und den Gemeinden. Um das sehr deutlich anzusprechen.
Ich meine, dass im Land Niederösterreich
diese Partnerschaft und die Zusammenarbeit zwischen Land und Gemeinden eine sehr, sehr gute
ist. Und ich darf hier an dieser Stelle allen voran
unserem Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll ein
herzliches Dankeschön aussprechen, der immer
wieder sich nicht nur stark einsetzt, sondern dem
es ein besonderes Anliegen ist, dass die Gemeinden auch entsprechend mit finanziellen Mittel auszustatten sind und ausgestattet werden. Damit sie
ihre Aufgabe für die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich erfüllen können. Herr Landeshauptmann!
Herzliches Dankeschön! (Beifall bei der ÖVP.)
Zum Zweiten darf hier festgestellt werden,
dass es auch auf der weiteren Ebene wichtig ist,
hier einen Konsens zwischen Land und Gemeinden
zu finden. Ich darf als Kommunal-Ausschussvorsitzender wirklich Danke sagen all denjenigen, die im
Kommunalgipfel führend verhandelt haben. Es
wurde für unsere Gemeinden Wesentliches erreicht. Und wenn Präsident Riedl für beide Gemeindevertreterverbände für alle Gemeinden die
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Delegation der Verhandlungsführung im Kommunalgipfel geleitet hat und er letztendlich einen sehr
guten Kompromiss mit Landesrat Mag. Sobotka
erreicht hat, nämlich ein Ergebnis, das sich für die
Gemeinden letztendlich so auswirkt, dass wir heute
über einen positiven Bericht reden können, dann
darf ich diesen beiden Verhandlungspartnern auch
ein Dankeschön sagen! (Beifall bei der ÖVP.)
Denn es ist, liebe Damen und Herren, keine
Selbstverständlichkeit, dass hier, glaube ich, im Zusammenwirken zwischen Land und Gemeinden
derartiges für die Gemeinden erreicht wurde. Ich
möchte nicht zu lang sein. Aber nur ein Beispiel
herausgegriffen: Alleine die Übernahme der Krankenanstalten erfordert oder ergibt für die Gemeinden einen wesentlichen finanziellen Vorteil von weit
über 100 Millionen Euro. Das sind beträchtliche
Summen die einerseits die Gemeinden entlasten
und andererseits, wenn bei der Verwaltung in Gesundheitszentren und Krankenhäusern gespart
wird, mehr Geld beim Bürger direkt ankommt, dann
weiß man, wie man eigentlich hier zukünftig Politik,
Land und Gemeinde, für die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam in beispielgebender Form umsetzen kann. Für die Gemeinden ist auch wichtig
festzuhalten, dass die Gemeinden innerhalb der
Gebietskörperschaften einen positiven Beitrag zum
österreichischen Stabilitätspakt leisten. Denn wir
sind in den Gemeinden Maastricht-positiv, auch das
darf man hier festhalten. Und auch das ist ein
wesentlicher Punkt der auch im Gemeindeförderungsbericht hier nachzulesen ist.
Ich meine, dass neben den allgemeinen Förderungen Richtung Gemeinden es immer dann auch
eine Hilfe des Landes gibt, wenn die Gemeinden
besonders gefordert sind. Ich möchte nur auch hier
einen Punkt besonders herausgreifen. Viele betroffene Gemeinden, die bei der Umsetzung von
Hochwasserschutzprojekten Probleme hatten, erhalten nunmehr zusätzliche Hilfestellung für die
Finanzierung des Gemeindeanteiles für den Bereich Hochwasserschutz. Auch das darf hier besonders positiv erwähnt werden.
Es geht aber nicht nur, liebe Damen und Herren, um die Frage der Mittelzuteilung. Es geht auch
um die Frage der rechtlichen Rahmenbedingungen
im Zusammenhang mit Förderung. Wenn es gelungen ist - auch ein Ergebnis des Kommunalgipfels dass nach den Förderungsrichtlinien des Wasserwirtschaftsfonds, wesentliche Verbesserungen für
die Gemeinden, für den Bereich Förderung erneuerbarer Energie, Leitungskataster, Einzelanlagen,
Abwasserpläne …, dann ist das ein positiver Punkt
für die Gemeinden.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Zum Zweiten darf festgestellt werden allein im
Schul- und Kindergartenfonds Verbesserungen für
Senkung der Mindestanschaffungsgrenzen. In der
heutigen Sitzung des Schul- und Kindergartenfonds
wurde eine zusätzliche Förderschiene eröffnet mit
dem Mediapresent mit 50 Prozent Förderung für
derartige Geräte für die Schulen in den Gemeinden.
Oder wenn es um Investitionen im Bereich von
Energiekonzepten geht und vieles mehr.
Klar ist, und das darf ich zusammenfassend
festhalten, dass die Gemeinden hier ihre Bewirtschaftung der betriebseigenen und gemeindeeigenen Betriebsanlagen professionell vornehmen. Ich
darf erfreulicherweise festhalten, dass der WIFOBericht uns bestätigt, dass die Gemeinden vor allem in jene Projekte investieren, wo eine sehr hohe
Refinanzierung gegeben ist. Und klar ist, dass dieser Wachstumsmotor Gemeinden einerseits in
Partnerschaft mit PPP-Modellen oder mit Modellen
wie New Public Management, wo die öffentliche
Wirtschaft nach privatwirtschaftlichen Kriterien und
in privatwirtschaftlicher Partnerschaft öffentliche
Anlagen betreibt ... Das ist die eine Seite. Und zum
Zweiten, dass es hier auch möglich ist, innovative
Ideen im Zusammenhang mit wachstumsrelevanten
Ausgaben entsprechend umzusetzen.
Ich darf festhalten, dass der wirtschaftliche
Erfolg bei uns im Lande Niederösterreich insgesamt
dafür verwendet wird, dass wir Sozialleistungen
dort wo die Leistung direkt beim Bürger ankommt
damit finanzieren. Und das ist, glaube ich, eine
wesentliche Überlegung. Damit können wir vor
allem im Bereich der Kinderbetreuung, im Bereich
der Bildung, im Bereich der Pflege, im Bereich dort,
wo die Familien Geld brauchen, unsere Aufgabe als
Familienland Nummer 1 im Besonderen wahrnehmen. Und ich glaube, auch das darf man hier feststellen.
Weiters darf ich hier anführen, dass die allgemeinen Aktionen, die im Land Niederösterreich zum
Wohlstandsbefinden und zum Wohlbefinden unserer Landsleute beitragen, von den Gemeinden stark
unterstützt werden. Ob es hier die Aktion „Gesunde
Gemeinde“, ob es „tut gut“ ist, ob es die Aktion
„sorg vor“ ist, ob es das Freiradln ist, all das sind
Dinge, wo wir als Gemeinden für die Bürgerinnen
und Bürger vor allem eines erreichen: Wenn erfreulicherweise die Lebenserwartung steigt, dann ist es
dazu auch notwendig, dass wir Lebensqualität
verbessern wollen. Und Lebensqualität verbessern
wir nicht damit, dass wir also jene Zeit, die wir an
Lebenserwartung dazu bekommen, vielleicht mehr
Gesundheitsbetreuung brauchen, sondern dass
auch die Lebensqualität steigt indem wir länger
gesund bleiben. Und dazu leisten Land und Ge-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
meinden einen ganz hervorragenden Beitrag. Auch
dafür gebührt mein herzlicher Dank.
Ich darf abschließend festhalten, dass durch
die positive Entwicklung des Landes die Gemeinden natürlich dennoch verpflichtet sind, sorgsam
mit ihren Ausgaben und Aufgaben umzugehen. Es
geht darum, dass wir weitblickende und nachhaltige
Budgetpolitik machen. Und nachhaltig wirtschaftet
jener, der nicht von den Ressourcen lebt, sondern
der von den Erträgen lebt. Und daher glaube ich,
dass es für uns auch langfristig möglich ist, diese
Beträge auch den Eltern zur Verfügung zu stellen.
Deswegen haben wir in Niederösterreich eine Kinderbetreuung oder einen Kindergarten der für die
Eltern kostenfrei angeboten wird, den die Gemeinden und das Land gemeinsam finanzieren. Ein
Beispiel dafür, wo wir so nahe beim Bürger sind
dass der Bürger spürt, dass Land und Gemeinden
für ihn die Aufgabe gut wahrnehmen. Danke! (Beifall bei der ÖVP.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zum Wort gelangt Frau Abgeordnete Vladyka.
Abg. Vladyka (SPÖ): Sehr geehrte Herren
Präsidenten! Meine sehr geschätzten Damen und
Herren!
Ich möchte nur kurz zu Resolutionsanträgen
Stellung nehmen. Erstens einmal zum Resolutionsantrag der Abgeordneten Hinterholzer und Vladyka,
dem wir gerne beigetreten sind. Wenn es darum
geht, dass die Kollegin Hinterholzer vorhin gesprochen hat von wegen überrascht. Ich glaube, gerade
in dem Bereich, was diesen Resolutionsantrag
betrifft, dürfte die ÖVP überrascht worden sein.
Nämlich wahrscheinlich auf Grund … (Abg. Hinterholzer: Überrascht von der Vermögensgrenze!
Verwechseln Sie das nicht!)
Das hat damit nichts zu tun. Aber ihr dürft in dem
Bereich überrascht worden sein. Nämlich von einer
Empfehlung, die praktisch der Landesrechnungshof
gemacht hat: Dass es gescheit wäre, einen umfassenden Sozialbericht zu legen.
Es ist traurig, dass eigentlich die ÖVP ihre eigenen Regierungsmitglieder auffordern muss. Denn
von der SPÖ gibt es diesen schon längst, vom zuständigen Regierungsmitglied Emil Schabl und von
der Vorgängerin Christa Kranzl. Und das schon seit
fast einem Jahrzehnt, wenn ich kurz herzeigen darf.
(Beifall bei der SPÖ.)
Des weiteren gibt es auch eine Soziallandkarte
und einen Sozialwegweiser wodurch die Menschen
von den vielen Einrichtungen informiert werden.
Also wir Sozialdemokraten sind euch wie immer
928
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
einen Schritt voraus. (Beifall bei der SPÖ. – Heftige
Unruhe bei der ÖVP.)
Nun zum Zweiten, zu den Anmerkungen
betreffend unseres Resolutionsantrages. Ich habe
ja auch gehört, dass die Kollegin Hinterholzer einen
eigenen Antrag einbringen wird betreffend den
Einsatz der eigenen Mittel im Bereich der stationären Pflege. Ich hege daher die Annahme, dass ihr
unserem Antrag kaum zustimmen werdet. Und
wenn ihr da von Murx und sozialer Kälte sprecht,
die gibt’s derzeit in Niederösterreich! Denn wenn
nicht Landesrat Schabl stetig aufmerksam gemacht
hätte, dass es noch immer diese Vermögensgrenze
bei der Pflege gibt, hättet ihr über eine Anhebung
nachgedacht. Punkt 1. (Beifall bei der SPÖ. – Heftige Unruhe bei der ÖVP.)
Punkt 2: Wer hat sich immer dagegen verwehrt, die Valorisierung des Pflegegeldes in Angriff
zu nehmen? Wer hat sich immer dagegen verwehrt? Das war auch die ÖVP! Das war in diesem
Haus. Die ÖVP hat sich immer gewehrt weiter zu
denken, wenn es um Verbesserungen für die Pflegenden im Sinne der Pflegebedürftigen ging.
Und das Nächste: Wer war denn in der Regierung die letzten Jahre? Das war auch die ÖVP! Sie
hat eigentlich einer Harmonisierung der Pflege nie
zugestimmt. Und wer hat jetzt was tun müssen? In
den letzten sechs Monaten war es die SPÖ, die das
in Angriff genommen hat!. (Beifall bei der SPÖ.)
Und wer ist denn zuständig für die Finanzierung im Bund? Wohl der Herr Finanzminister! Der
hat die Mittel nicht hergegeben. Der Herr Finanzminister! Und meine sehr geschätzten Damen und
Herren! (Weiterhin Unruhe bei der ÖVP.)
Ihr braucht eigentlich nur ein bisschen leiser zu
sein, dann kann ich auch leiser reden. Ja, mein
lieber Herr Kollege Abgeordneter! Wessen Wunsch
war es, die Vermögensgrenzen beizubehalten bzw.
einzuführen? Und wer war das im Bund? Das waren die Länder und auch euer Herr Finanzlandesrat. Auf Wunsch der Länder ist diese Vermögensgrenze eingeführt worden. Also nein, meine lieben
Kollegen! Ihr solltet ein bisschen über eure eigenen
Fehler nachdenken und vor der eigenen Türe kehren, meine sehr geschätzten Damen und Herren!
(Beifall bei der SPÖ. – Heftige Unruhe bei der ÖVP
und den Grünen.)
Wenn ich immer wieder zum Thema Vermögenssteuer höre, dass der Mittelstand massiv betroffen ist, wo selbst Stefan Schulmeister festgestellt hat, wenn 10 Prozent der Reichsten 0,5 Prozent ihres Vermögens beisteuern müssten brächte
das 2,7 Milliarden Euro. Und ich glaube kaum, dass
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
10 Prozent der Reichsten, die über ein durchschnittliches Vermögen von 700.000 Euro verfügen,
den großen Mittelstand bilden. Also auch das ist
praktisch etwas wo man sehr wohl verlangen kann,
dass die Reichsten etwas dazu beitragen können
damit die Ärmsten auch was davon haben.
Also daher ersuche ich nochmals, sehr
geschätzte Kollegen, stimmt unserem Antrag zu,
dann brauchen wir euren Antrag nicht behandeln.
Danke! (Beifall bei der SPÖ.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Hinterholzer.
Abg. Hinterholzer (ÖVP): Sehr geehrter Herr
Präsident! Hoher Landtag!
Liebe Frau Abgeordnete Vladyka! Du musst
halt zur Kenntnis nehmen, sozialdemokratisch ist
nicht gleich sozial! (Beifall bei der ÖVP.)
Was euer Herr Bundesminister da vorgelegt
hat, dabei bleibe ich und wiederhole es noch einmal, das ist schlichtweg ein Murx! Und ihr seid halt
jetzt furchtbar nervös und du hast es wieder jetzt
unter Beweis gestellt: Ihr wisst ja eigentlich nicht
was ihr wollt. Auf der einen Seite sagt ihr jawohl zur
Vermögenssteuer. Wenn es aber nur bei 5 Prozent
ist, dann wird es wahrscheinlich nicht ausreichen.
Das heißt, wir nehmen den Mittelstand.
Und hört dem Gusenbauer genau zu: Er meint
auch den Mittelstand. Also wieder eine Einführung
der Vermögensteuer zur Zahlung der Pflege. Auf
der anderen Seite seid ihr in Niederösterreich dagegen, dass es da ab einer Grenze halt auch einen
Regressanspruch der Vermögenden wieder gibt. In
Wirklichkeit wisst ihr nicht genau was ihr wirklich
wollt. Ihr seid halt jetzt ein bisschen außer Rand
und Band, weil wir von der ÖVP Niederösterreich
eine Lösung gefunden haben und der Buchinger
halt keine zusammenbringt. (Beifall bei der ÖVP.)
Meine Damen und Herren! Ich möchte zu diesem Thema noch einen Resolutionsantrag … Regt
euch nicht so auf, wir wissen eh dass ihr nervös
seid. Ich möchte einen Resolutionsantrag einbringen (liest:)
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Hinterholzer zur Vorlage der
Landesregierung betreffend Rechnungsabschluss
des Landes Niederösterreich für das Jahr 2006,
Ltg.-903/R-1/4-2007, betreffend Einsatz der eigenen Mittel im Bereich der stationären Pflege.
929
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, die
Sozialhilfegesetze der Länder dahingehend zu
vereinheitlichen, dass gemeinsame Mindeststandards für Sozialleistungen der Bundesländer im
gesamten Bundesgebiet einheitlich definiert werden. Deshalb werden zwischen den Bundesländern
Gespräche über eine diesbezügliche Harmonisierung geführt.
Vor dem Hintergrund des NÖ Fördermodells
für die 24 – Stunden Betreuung und der Erhöhung
der Vermögensgrenze im Bereich der stationären
Pflege von € 5.000,-- auf € 10.000,-- sollte in diesen
Gesprächen der Einsatz der eigenen Mittel im Bereich der stationären Pflege vordringlich behandelt
werden.
Nachdem auf Bundesebene auch eine Pflegeversicherung diskutiert wird, sollten weitere Schritte
erst nach Abschluss dieser Diskussion gesetzt
werden.
Die Gefertigte stellt daher den Antrag:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung bei den Gesprächen
über die Harmonisierung der Sozialhilfegesetze der
Länder die Frage des Einsatzes der eigenen Mittel
im Bereich der stationären Pflege einzubringen.“
(Beifall bei der ÖVP.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist weiters Herr Abgeordneter Waldhäusl.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Werte Kollegen des
Landtages! Werter Herr Präsident! Ein paar Worte
noch von mir zu den vorliegenden Anträgen.
Betreffend politische Bildung, selbstverständlich
wird es hier meine Zustimmung geben. Wobei ich
schon auch hier anmerken möchte, dass unter
politischer Bildung ich auch das verstehe, dass es
sich hier um wirkliche politische Bildung handelt
und keine Parteipolitik. Sondern wir in den letzten
Fällen das immer gesehen haben, dass zwei große
Parteien dann untereinander streiten wer mehr in
den Schulen ist und wer mehr Parteipolitik macht.
(Abg. Mag. Fasan: Das glauben Ihnen die Kinder ja
eh nicht!)
Aber, Kollege Fasan, genau das ist das Problem.
Du weißt ja, dass es ja nur rote und schwarze
Schulleiter gibt. Weil das teilen Sie sich ja auf. Und
die laden sich natürlich ihre Leute dann ein. Und
das ist nicht in Ordnung. (Abg. Mag. Schneeberger:
Bei uns gibt’s nur gute Direktoren!)
Das ist oft ein Widerspruch, zudem wenn sie von
der ÖVP kommen. Kollege Schneeberger, weil nur
wenn sie von der ÖVP sind, sind sie nicht gut. Aber
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
du stehst zu dem, dass die nach Parteidenken eingesetzt werden. Ich mein’, ich weiß eh, dass du es
zugibst. Das ist so wie der Kollege heute hier zugegeben hat, der Grandl, wie im Bauernbund Politik
gemacht wird. Das ist das Gleiche.
Zum Antrag des Umbenennens der Sonderschule. Auch hier wird es meine Zustimmung geben. Ich werde auch den Antrag der Kollegin
Vladyka und Krismer-Huber unterstützen betreffend
der Regressansprüche. Betreffend Erstellung eines
umfassenden Sozialberichtes. Das ist wirklich so,
dass diese Aufforderung vom Landesrechnungshof
bereits gekommen ist und ich einiges nicht verstehe. Vor allem wenn man die Bundesregierung
der eigenen Partei zu was auffordern muss, okay,
das kann schon sein dass man halt das braucht
weil man mit denen selten zusammen kommt oder
die einem nicht zuhören. Aber dass man eigene
Regierungsmitglieder über den Landtag auffordern
muss, das zeigt eigentlich nur, Kollegin Hinterholzer, dass die absolut nicht wirklich die Daseinsberechtigung würdigen. (Abg. Hinterholzer: Was?
Ich bin direkt gewählte Mandatarin! Was du sagst
ist eine Frechheit!)
Warum musst du dann an dein eigenes Regierungsmitglied den Landtag dann benützen dass du
was stellst? Weil ich nehme an, deine Stimme ist so
gewichtig, dass du das Regierungsmitglied in der
einen Partei bei Klubsitzungen ja eh triffst und
sagst, das ist so gescheit. Oder hören sie dir nicht
zu? Ich weiß ja nicht. Aber ich sehe ja die Autos
immer da stehen. Du bist ja eh anwesend. Aber ich
habe ja gemeint, für die Regierungsmitglieder, nicht
anwesend. Und jetzt brauchst uns um dich in der
eigenen Partei durchzusetzen? Jeder macht Politik
wie er glaubt. Ich werde mich bei euch nicht einmischen, warum sie dir nicht zuhören. Ich stelle nur
fest, dass ich selbstverständlich verstehe, wenn ihr
euch in der eigenen Bundespartei nicht durchsetzen könnt, wenn ihr da ständig Anträge stellt.
Anträge an die Bundesregierung, wo ich mir oft
denke, ist die ÖVP noch in der Regierung oder ist
sie wirklich nicht mehr in der Regierung? War sie
überhaupt in der Regierung? Weil die tun ja so wie
wenn sie dafür überhaupt nichts könnten was war.
Und jetzt tun sie so wie wenn es eine SPÖ-Alleinregierung gäbe. Ich mein’, ich kann mich schon
erinnern, wenn man kurz nachdenkt, dass dieses
ganze Pflegemodell, dass da nicht die ÖVP dagegen gestimmt hat. Dass die ÖVP-Minister nicht
dagegen waren. Wenn wir uns zurück erinnern,
auch der Vizekanzler Molterer hat von einem guten
Wurf gesprochen. Ist der Molterer jetzt kein
Schwarzer mehr? Gehört er nicht mehr zur ÖVP
oder gehört die ÖVP Niederösterreich nicht mehr
930
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
zur österreichischen Bundespartei? Ich habe zuerst
nachgeschaut in der Homepage. Die werden schon
noch geführt unter ÖVP. Sie haben sich noch nicht
abgekoppelt. Also eigentlich seid ihr schon noch
eine Partei.
Jetzt frage ich mich: Ist dieser Bundeskanzler
Gusenbauer ein Koalitionspartner und ist der Vizekanzler nur euer Bundesparteiobmann oder ist er
aus diesem Verbund ausgetreten oder habt ihr
euch abgekoppelt mit dem eigenen niederösterreichischen Weg? Dann würde ich aber hoffen, dass
das nächste Mal bei einer Messeeröffnung, wenn
ein schwarzer Minister da ist, dass der Landesfürst
Pröll den genauso behandelt wie das mit dem
Buchinger, wenn die ganze Regierung ja eh für
nichts ist.
Zum Resolutionsantrag Zusätzliche Mittel für
die Feuerwehr. Hier selbstverständlich meine Zustimmung und würde auch gerne diesem Antrag
beitreten. Und bei diesem Antrag ist es auch wieder
so: Eigentlich kann der nicht abgelehnt werden. Der
Antrag muss in Windeseile, also ich bin mir sicher,
in den nächsten drei Monaten umgesetzt sein. Weil
zuständig, dass das Geld wirklich die Feuerwehren
bekommen, ist in diesem Fall nicht der Buchinger,
sondern Gottseidank, das ist der Vizekanzler Finanzminister Molterer. Und da nehme ich ja an,
dass es so viele Vorgespräche gegeben hat und
dass die ÖVP das schon in der Tasche hat. Also
ich werde heute noch, wenn ich Feuerwehrler treffe
sagen: Liebe Feuerwehrkameraden, es ist durch,
ihr habt euer Geld. Heute ein einstimmiger Beschluss im Landtag. Und nachdem die ÖVP den
Vizekanzler hat kann nichts mehr schief gehen. Die
ÖVP hat heute nicht nur einmal vom Rednerpult
aus gesagt: In Niederösterreich versprochen –
gehalten. Oft heißt es ja dann gebrochen, aber ist
ja wurscht. Heute haben sie gesagt gehalten.
Also werde ich den Feuerwehrern sagen, allen,
und ich werde es auch bei mir auf die Homepage
stellen: Es ist gelungen, die ÖVP hat sich durchgesetzt. Der Minister Molterer hat auch schon sein Ja
bekundet. In drei Wochen, vier Wochen wird es
bereits durch sein. Hurra! Ich bedanke mich!
Oder passiert es, dass er dann doch nicht
gleich das Geld herausrückt, der Finanzminister?
Geht dann Niederösterreich wieder einen eigenen
Weg? Wird es der Pröll dann richten? Bei welcher
Messe wird er dann den Vizekanzler zurecht stutzen? Heißt ja eh schon oft dass er ausschaut wie
ein Pfarrer und beim Pfarrer Beschimpfen tut er
sich eh relativ leicht. Wird man schauen ob er das
auch schafft dieses Mal.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Ich hoffe nur im Interesse der Freiwilligen Feuerwehren, dass diese neue Idee, die grundsätzlich
jederzeit begrüßenswert ist, nicht genauso lang auf
die lange Bank geschoben wird wie alle anderen
Ideen die wir hier in diesem Landtag beschlossen
haben. Die auch nicht schlecht waren. Aber die
immer daran gescheitert sind, dass die ÖVP eigentlich sich nicht durchsetzen hat können. Ob es
der Finanzminister Grasser war, der dann eh schon
zur ÖVP gehört hat. Aber wenn es darum gegangen ist, dass sich die Niederösterreicher da eine
blutige Nase geholt haben, dann haben sie gesagt,
der ist ja eigentlich nur so ein bisschen ein Finanzminister, aber er gehört ja nicht zu uns. Jetzt haben
wir Gottseidank den Finanzminister in den Reihen
der ÖVP: Also ich hoffe, dass wir hier nicht zu
lange warten werden müssen. Und zum Antrag 11,
Einsatz der eigenen Mittel im Bereich der stationären Pflege und hier auch Konzept zu erarbeiten,
wird es auch meine Zustimmung geben.
Dritter Präsident Ing. Penz: Herr Abgeordneter Waldhäusl! Ich erteile Ihnen für Ihre Feststellung des Daseins unwürdig einen Ordnungsruf. Sie
haben es gehört.
Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter
Cerwenka zu Wort gemeldet.
Abg. Cerwenka (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen!
Ich möchte zu einigen Resolutionsanträgen
Stellung nehmen, muss aber vorher den Kollegen
Waldhäusl korrigieren, dass es nur rote und
schwarze Schulleiter gibt. Mir persönlich ist aus
dem Bezirk Melk durchaus auch ein freiheitlicher
Funktionär als Leiter einer Hauptschule bekannt.
Nur ein Beispiel um das nicht im Raum stehen zu
lassen.
Das Zweite: Wenn sich die Kollegin Hinterholzer heraus stellt und uns unterstellt, sozialdemokratisch heißt nicht sozial, dann werde ich … Mich
wundert ja, dass du nicht demokratisch noch in
Frage stellst. Dann muss ich den Umkehrschluss
stellen und muss fragen, was ist bei christlich-sozial
nicht mehr angebracht? Das christlich oder das
sozial? Also wenn man so miteinander umgeht,
dann spiegelt das eine gewisse Überheblichkeit
wider und die Menschen werden das zu bewerten
wissen. (Beifall bei der SPÖ und Abg. Waldhäusl.)
Zum Antrag betreffend der Feuerwehren. Wir
alle haben den Brief des Landesfeuerwehrkommandanten erhalten und daher auch die gemeinsame Unterstützung dieses Briefes. Da bin ich nicht
931
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
ganz so euphorisch wie der Kollege Waldhäusl.
Weil eine ähnliche Situation – ich weiß wie es gemeint war – eine ähnliche Situation haben wir ja
schon einmal gehabt. Und ich erinnere an die ganzen Anträge die wir eingebracht haben zu dieser
Thematik. Es ist uns sogar einmal gelungen, einen
gemeinsamen Antrag einzubringen, die ÖVP zum
Mitziehen zu bewegen. Und es hat damals auch die
Zusage des Finanzministers Grasser gegeben,
dass das mit der nächsten Steuerreform miterledigt
wird.
Steuerreform ist lang vorbei. Miterledigt ist
nichts geworden! Und es war damals auch eure
eigene Regierung. Jetzt ist der Adressat wieder der
Finanzminister, dieses Mal wieder ein ÖVP-Minister. Ich hoffe, dass es diesmal besser ausgeht.
Denn wir werden jeden Antrag der der Besserstellung unserer Freiwilligen und speziell unseres Feuerwehrwesens dient, mittragen. Ist ganz selbstverständlich! (Beifall bei der SPÖ.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
wo Stunden weggefallen sind zum Nachteil der
jungen Menschen, endlich überwunden. Daher
werden wir diesem Antrag zustimmen.
Nicht zustimmen werden wir dem Resolutionsantrag des Abgeordneten Doppler betreffend Umbenennung. Das ist ein Schnellschuss, der nicht
fundiert ist. Es ist wichtig, eine Bewusstseinsbildung in diesem Bereich hervorzurufen. Es ist wichtig Sensibilisierung anstelle von Stigmatisierung.
Wir haben diesen Türschildwechsel, wie ich ihn
nenne, in der Vergangenheit schon hinter uns gebracht. Viele von euch werden sich erinnern können, dass es früher den Terminus Hilfsschule gab.
Helfen ist ein hervorragendes, schönes Wort,
wurde aber genauso diskriminierend, nicht zeitgemäß, empfunden. Daher damals die Umbenennung
in die Form Sonderschule. Ein neuer Terminus wird
jetzt den Inhalt nicht 1:1 verändern, weil wir das aus
der Geschichte kennen.
Zu den Resolutionsanträgen des Kollegen
Doppler. Was die politische Bildung betrifft, es ist
schon klar. Wir müssen die Jugend für die Politik
interessieren. Wir müssen Demokratiebildung –
politische Bildung ist das eine Wort, aber Demokratiebildung ist für mich noch viel wichtiger, weil es
die Voraussetzung ist, ein selbstbestimmtes Leben
zu führen und die eigenen Entscheidungen zu treffen.
Wenn in dem Antrag drinnen steht, dass es
verschiedene Begriffe gibt, mehrere Arten von
Sonderschulen, zum Beispiel für schwerstbehinderte Kinder ist dezidiert in der Antragsbegründung
angeführt, dann muss es ja bitte Unterscheidungen
geben, weil es für die einzelnen Arten auch unterschiedliche Lehrpläne gibt. Ich kann nicht einen
Terminus oben drüber stellen, wie gliedere ich dann
die verschiedenen Lehrpläne? Ich kann den Kindern, den Jugendlichen nicht das gleiche zumuten
wie anderen. Das ist unmöglich!
Bei der Gelegenheit möchte ich das im Stil des
Kollegen Moser machen. Ich möchte mich ganz,
ganz herzlich bei der Frau Bundesministerin
Schmied bedanken, die schon sehr lange vor dem
Resolutionsantrag des Abgeordneten Doppler die
Weichen in diese Richtung gestellt hat, schon erkannt hat. Und in Wirklichkeit schon Fachleute,
Arbeitsgruppen an dieser Thematik arbeiten. Aber
dennoch werden wir dem Antrag zustimmen, weil
es eine Verstärkung für Niederösterreich bedeutet.
(Beifall bei der SPÖ.)
Und wenn steht, aus den Zeugnissen diskriminierende Dinge wegzulassen, dann schreibe ich
nicht mehr hinein, mit sonderpädagogischem Förderbedarf in diesen und jenen Gegenständen. Ja
bitte schön, dann muss man auch wissen, dass
sich aus Zeugnissen Berechtigungen ableiten. Berechtigungen zum Beispiel in die AHS zu gehen
oder auch in andere Bereiche. Das ist alles nicht
durchdacht. So wird’s nicht funktionieren!
Es liegen einige Dinge im Detail. Also ich kann
nicht konform gehen, dass es Formulierungen gibt,
das gilt vor allem für die Sekundarstufe 1, in der
bisher politische Bildung praktisch nicht vertreten
war. Sie wissen alle ganz genau, dass das nicht der
Fall ist und nicht so stehen bleiben kann.
Wir wissen genauso, dass diese Forderung
zusätzliche Unterrichtseinheiten für die Schüler
bedeuten wird. Oder es gibt wieder irgendwo ein
Kompensationsgeschäft, was anderes muss weggezwickt worden? Ich hoffe, wir haben diese Zeiten
der Schülerentlastungsverordnungen a la Gehrer,
Gerade jetzt, wo wir uns in einer Diskussion
um neue Schulmodelle befinden, denke ich, besteht
die Chance, das in diesen Bereich mit einzuarbeiten. Wir wollen ja eine gemeinsame Schule und die
ÖVP ist ja zumindest zu 50 Prozent mit den sechs
Jahren Volksschule dabei. Das heißt, wir müssen
schauen, zur inneren Differenzierung zu kommen.
Ich bin schon dabei auch zu späteren Entscheidungen. Aber, das ist die große Chance, Integration bis
zur Inklusiv-Bildung in Wirklichkeit zu bekommen.
Und nicht einfach populistisch einen Namen zu
verändern und die Inhalte zu vergessen. Da muss
man schon ein bisschen tiefer in die Materie eingehen. Mit dem Terminus alleine ist es nicht gemacht.
932
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Mir fehlt überhaupt etwas, wir haben ja nicht
nur Sonderschulen, wir haben auch sonderpädagogische Zentren mit speziellen Aufgaben. Die
werden überhaupt nicht drinnen erwähnt. Das
heißt, es ist für mich eine Husch-Pfusch-Aktion um
irgendwie was vorspielen zu können. Ich denke mir,
es ist besser, sich in diesem Bereich zusammen zu
setzen, weil da kann’s nur eine bundesweite Lösung geben in Abstimmung mit anderen Bundesländern und im Hinblick auf Entwicklung neuer
Schulmodelle. Und dann werden wir sicher eine
gemeinsame Lösung in dieser Causa finden.
Danke! (Beifall bei der SPÖ.)
Dritter Präsident Ing. Penz: Die Rednerliste
ist erledigt. Ich frage die Berichterstatter ob ein
Schlusswort gewünscht wird.
Berichterstatter Abg. Herzig (ÖVP): Ich verzichte!
Berichterstatterin Abg. Mag. Kögler (SPÖ):
Ich verzichte!
Dritter Präsident Ing. Penz: Es wird darauf
verzichtet. (Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg. 903/R-1/4:) Ich stelle fest, dass dieser
Antrag mit den Stimmen der ÖVP, der SPÖ und
des Abgeordneten Mag. Ram mit Mehrheit angenommen wurde.
Zu diesem Geschäftsstück liegen auch Resolutionsanträge vor über die ich nun abstimmen
lasse. Zunächst über den Resolutionsantrag des
Abgeordneten Doppler betreffend politische Bildung. (Nach Abstimmung:) Ich stelle fest, dass
dieser Antrag einstimmig angenommen wurde.
(Nach Abstimmung über den Resolutionsantrag des Abgeordneten Doppler betreffend Umbenennung der Sonderschule in Förderschule und
Abschaffung der diskriminierenden Bezeichnung im
Bereich der Sonderpädagogik:) Diesem Antrag
stimmen die Abgeordneten der ÖVP, die Grünen,
der Abgeordnete Mag. Fasan, Frau Dr. Petrovic,
Mag. Ram und Abg. Waldhäusl zu.
Weiters lasse ich über den Resolutionsantrag
der Abgeordneten Vladyka, Dr. Krismer-Huber,
Cerwenka, Dworak, Ebner u.a. betreffend Aufhebung der Regressansprüche und Vermögensobergrenzen bei Pflegebedürftigen in stationärer Pflege
und Schaffung einer Pflegeversicherung abstimmen. (Nach Abstimmung:) Diesem Antrag stimmen
die sozialdemokratischen Abgeordneten, der Abgeordnete Waldhäusl, Mag. Ram und die Abgeordneten der Grünen zu. Dagegen stimmt die Österrei-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
chische Volkspartei. Der Antrag hat also nicht die
Mehrheit gefunden.
(Nach Abstimmung über den Resolutionsantrag der Abgeordneten Hinterholzer, Vladyka, Dr.
Krismer-Huber betreffend Erstellung eines umfassenden NÖ Sozialberichtes:) Dieser Antrag wurde
einhellig angenommen.
Weiters liegt der Resolutionsantrag der Abgeordneten
Dr.
Krismer-Huber,
Mag.
Riedl,
Cerwenka, Dr. Petrovic u.a. betreffend zusätzliche
Mittel für die Feuerwehren vor. Es besteht der
Wunsch, dass Abgeordneter Waldhäusl diesem
Antrag beitreten möchte. Gibt es dagegen einen
Einwand? Ich sehe das ist nicht der Fall. Daher
lasse ich darüber abstimmen. (Nach Abstimmung:)
Das ist die einhellige Annahme.
Weiters lasse ich über den Resolutionsantrag
der Abgeordneten Hinterholzer betreffend Einsatz
der eigenen Mittel im Bereich der stationären
Pflege abstimmen. (Nach Abstimmung:) Ich stelle
fest, dass dieser Antrag mit den Stimmen der ÖVP,
der Grünen, des Abgeordneten Mag. Ram und
Abgeordneten Waldhäusl mit Mehrheit angenommen wurde.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg.
884/B-33/4:) Ich stelle fest, dass dieser Antrag einstimmig angenommen wurde.
Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsichtige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 885/B-32/4, Ltg.
886/B-38/4 sowie Ltg. 902/B-43/4 wegen des sachlichen Zusammenhanges gemeinsam zu verhandeln. Berichterstattung und Abstimmung werden
jedoch getrennt erfolgen. Wird gegen diese Vorgangsweise ein Einwand erhoben? Das ist nicht der
Fall.
Ich ersuche daher Herrn Abgeordneten Friewald, zu den Geschäftsstücken Ltg. 885/B-32/4 und
danach zu Ltg. 886/B-38/4 zu berichten und ersuche dann Herrn Abgeordneten Herzig zum Geschäftsstück Ltg. 902/B-43/4 zu berichten.
Berichterstatter Abg. Friewald (ÖVP): Herr
Präsident! Hoher Landtag! Ich darf zu Ltg. 885/B32/4 betreffend die Landesentwicklung in den Bereichen der Landeshauptstadt, Regionalisierung
und Dezentralisierung über ihre Tätigkeit der NÖ
Landes-Beteiligungsholding GmbH 2006/2007 berichten.
Die Unterlage befindet sich in den Händen der
Abgeordneten. Ich darf daher folgenden Antrag
933
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
namens des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses
stellen (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Der Bericht der Landesregierung betreffend die
Landesentwicklung in den Bereichen Landeshauptstadt, Regionalisierung und Dezentralisierung sowie über die Tätigkeit der NÖ Landes-Beteiligungsholding GmbH 2006/2007 wird zur Kenntnis genommen.“
Ich darf den Herrn Präsidenten ersuchen, die
Debatte einzuleiten und die Abstimmung durchzuführen.
Ich darf ebenso zu Ltg. 886/B-38/4, Bericht der
Landesregierung betreffend der Darstellung der
Leasingverbindlichkeiten und Schuldeinlösungen
des Landes sowie Darlehensaufnahmen der verschiedenen Fonds 2006 berichten.
Die Unterlage befindet sich in Händen der Abgeordneten. Ich darf namens des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses folgenden Antrag stellen
(liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Der Bericht der Landesregierung betreffend
der Darstellung der Leasingverbindlichkeiten und
Schuldeinlösungen des Landes sowie Darlehensaufnahmen der verschiedenen Fonds 2006
wird zur Kenntnis genommen.“
Ich darf den Herrn Präsidenten ersuchen, die
Debatte einzuleiten und die Abstimmung durchzuführen.
Berichterstatter Abg. Herzig (ÖVP): Herr
Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich
berichte zu Ltg. 902/B-43/4 über den EU-Bericht
2006.
Der Landtag von Niederösterreich hat in seiner
Sitzung vom 23. Juni 1997 einen Resolutionsbeschluss betreffend finanzielle Auswirkungen des
EU-Beitrittes gefasst. Und im Sinne der Resolution
des NÖ Landtages wurde erstmals 1998 ein Bericht
über die Auswirkungen des EU-Beitrittes für die
Jahre 1995, 1996, 1997 vorgelegt und in den darauf folgenden Jahren jeweils über das Vorjahr.
Der nunmehr vorliegende Bericht für das Jahr
2006 schließt Aufbau, Gliederung betreffend im
Wesentlichen an die Vorberichtsjahre an. Der Anteil
des Landes Niederösterreich betrug im Jahre 2006
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
92,226.330,90. Im Einzelnen: Die Leistungen des
Landes, Beitrag des Landes an die EU die genannten 92 Millionen. Kofinanzierung des Landes,
und zwar Regionalförderung, Beschäftigungsförderung 18,134.705. Landwirtschaft 72,981.377. Gesamt 183,342.413.
EU-Mittel nach Niederösterreich: Regionalförderung und Beschäftigungsförderung, Forschungsförderung, Aktionsprogramme 46,272.673. Landwirtschaft 428,946.867. Insgesamt 475,219.540.
Bundesmittel nach Niederösterreich: Regionalförderung
und
Beschäftigungsförderung
12,387.590. Landwirtschaft 107,394.471. Das sind
insgesamt 119,742.061. Das heißt, wenn man den
Vergleich zieht: 1 Euro bezahlt, drei Euro zurück.
Ich darf hier den Antrag des Wirtschafts- und
Finanz-Ausschusses stellen über den Bericht der
Landesregierung betreffend EU-Bericht 2006 (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Der EU-Bericht 2006 wird zur Kenntnis genommen.“
Herr Präsident, ich bitte um Debatte und Abstimmung.
Dritter Präsident Ing. Penz: In der Debatte
hat sich als erster Herr Abgeordneter Waldhäusl zu
Wort gemeldet.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Mitglieder des Landtages!
Ein paar Worte zum EU-Bericht. Ist ja wie jedes Jahr: Bereits zur Budgetdebatte und spätestens dann beim Rechnungsabschluss haben wir ja
schon diese vielen Positivmeldungen zu diesem
EU-Bericht, und natürlich medial begleitet. Diese
wundersame Geldvermehrung, die hier die niederösterreichische Politik der ÖVP verkündet, wo man
schon glauben müsste, Niederösterreich und
Brüssel haben es miteinander erfunden. Und sie
wissen wie man aus einem Euro bereits über drei
Euro macht.
Dass es letztendlich nur mehr Positivmeldungen medial darüber gibt und hier die zuständigen
Politiker in einer sogenannten EU-Euphorie versuchen alles positiv zu sehen, ist die eine Seite. Die
andere Seite dieses Berichtes zeigt leider auch auf,
dass doch nicht alles so rosig ist. Und die Dinge,
die in diesem Bericht nicht vorkommen, das sind
jene, die wir in unserem politischen Alltagsleben
934
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
tagtäglich erfahren können und müssen. Von unseren Bürgerinnen und Bürgern. Und das sind die
Dinge, die verschwiegen werden. Denn ging’s nach
der zuständigen Landesrätin Mikl-Leitner und Finanzlandesrat Sobotka, dann wäre ja die EU ein
Segen und es gibt nichts Besseres.
Nur, würde das alles so stimmen, dann hätten
wir voriges Jahr im Rechnungsabschluss kein Minus und heuriges Jahr kein Minus. Und wir würden
uns keine Finanzsorgen mehr machen müssen.
Denn warum nimmt dann Landesrat Sobotka nicht
dreimal soviel Geld in die Hand und gibt’s nach
Brüssel wenn eh aus einem Euro 3,25 werden?
Weil dann hätten wir bei einem Nettogewinn von
412 Millionen Euro ja den Nettoabgang des Landes
bereits erwirtschaftet.
Und nachdem er ja aus der Mathematik
kommt, weiß er genau, dass das ja eine optimale
Sache wäre. Wär besser als gewisse Spekulationen. Ja warum tut er das nicht? Vielleicht ist diese
Zahlenspielerei doch durchschaubar. Und für jeden,
der auch in der Mathematik sich ein bisschen auskennt und wenn man die Fördergelder, die zurück
kommen auch genau aufteilt, wenn man sich anschaut was wirklich dem Bereich der Landwirtschaft
zugeordnet werden muss und wenn man bei Mitgliedsbeiträgen das auch alles genau sich anschaut, dann schaut ja die Rechnung ganz anders
aus.
Und wär das alles so, dann wäre ja die EU ein
Schlaraffenland. Und alle anderen Bundesländer,
das wären ja Dümmlinge. Auch diejenigen, die
auch unter einer ÖVP-Herrschaft wären. Und der
Bund ja sowieso. (Zwischenruf: Sind eh nicht mehr
viel!)
Ja, die werden eh Gottseidank immer weniger.
Aber auch der Bund und der Vizekanzler
müssten in die Lehre gehen beim Finanzlandesrat
Sobotka und müssten sagen: Maria, Wolferl, warum
bin ich nicht selber schon auf das draufgekommen?
Das ist ja die Lösung! So können wir die wunderbare Geldvermehrung machen.
(Präsident Mag. Freibauer übernimmt den Vorsitz.)
Ja nur, so funktioniert es ja nicht. Und freilich,
wenn ich jener Politiker wäre, der das auch so verkündet und dann merke ich, in der Bevölkerung, die
nehmen das nicht an. Ich verstehe das nicht. Gibt’s
das, dass die niederösterreichische Bevölkerung
die Rechnung nicht versteht? Oder ich weiß es
nicht. Gleichzeitig sinkt die Zustimmung zu dieser
EU. Weil irgendwas passt da ja nicht. Jetzt arbeiten
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
wir eh so gut und erwirtschaften mit dieser EU so
viel, das kann’s doch nicht sein.
Die Bauern stöhnen unter dieser EU. Herbstausgleichszahlungen, um Gottes Willen, wird es
kommen oder wird es nicht kommen? Schaut
schlecht aus, ein Wahnsinn! Und Schuld ist die EU.
Kann man nachlesen vom Minister Pröll: Die verstehen unser gutes Umweltprogramm nicht. Die
Grenzregionen leiden immer mehr. Jetzt wandern
die Leute immer stärker ab. Im Bereich der Sicherheit, hab auch nicht immer das Beste aus dieser
EU mitbekommen. Die Arbeitsplatzsituation generell, außer in den großen Städten und im Umland
von Wien, auch nicht unbedingt positiv. Dort, wo die
Erweiterung durchgeführt wurde, in den Grenzbezirken, mein Heimatbezirk Waidhofen a.d. Thaya,
wir bringen die rote Laterne gar nicht mehr weg.
Und das ist wirklich schlimm wie es da ausschaut.
Und auf der anderen Seite haben wir immer
diese fantastischen Berichte. Also verstehen die
Leute das nicht oder wollen die nicht arbeiten dass
sie arbeitslos sind? Nein! Die bekommen keine
Arbeit. Die werden auch keine kriegen, auch wenn
sie noch so viel arbeiten wollen. Weil auf Grund
dieser EU in dieser Grenzregion keine Arbeitsplätze
mehr vorhanden sind. Und dann hören sie auch
gleichzeitig, ein Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent. Und es hat noch nie so viele Arbeitsplätze
gegeben in dem Bundesland und alles.
Also merkt man schon, auf der einen Seite ist
da ein Gebilde das den Bürgerinnen und Bürgern
aufgetischt wird. Und auf der anderen Seite sind die
nackten Tatsachen. Nachdem die Menschen diese
nackten Tatsachen ja wahrnehmen, den Verlust
eines Arbeitsplatzes nimmt man leider wahr. Wenn
eingebrochen wird und das halt nicht Leute aus
Österreich sind sondern Kriminalität, die importiert
wird auch aus der EU-Osterweiterung heraus.
Wenn die Leute abwandern müssen aus dem
Grenzraum, dann sind das nicht Gefühle, die sie
nur so spüren, sondern dann sind das leider Gottes
Zustände die sich im familiären Bereich nicht positiv
auswirken. Ich möchte das deswegen hier erwähnen, damit man nicht noch länger versucht hier den
Leuten Sand in die Augen zu streuen. Bewusst zu
täuschen!
Weil wenn das so wäre wie das da heute gezeigt wird, ja dann wäre die Welt wirklich in Ordnung. Aber alleine die Tatsache, dass von den
zuständigen Regierungsmitgliedern sowieso keiner
anwesend ist, zeigt ja mir, wie weit sie wirklich an
ihre eigenen Berichte glauben, nämlich gar nicht.
Sowohl beim Rechnungsabschluss wo es um das
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
geht, als auch jetzt fehlt bei dem zuständigen Regierungsmitglied die Anwesenheit. Das ist wieder
einmal eine Missachtung des Landtages. Man kann
es eh immer wieder vorbringen, es nutzt nichts.
Aber es ist schon so: Wichtig ist, dass die Meldungen draußen sind. Dass in allen Zeitungen raumvollgefüllt drinnen steht, alles super, alles klass in
dem Bundesland. Wie es in der Tatsache wirklich
ist oder wenn man dann darüber diskutiert ob welche Zahlen wirklich irgendwo ein bisschen falsch
sind oder nicht stimmen, dann fehlen die Regierungsmitglieder. Ich persönlich lass mir das nicht
gefallen und ich kritisiere das. Wenn ihr euch das
gefallen lässt und vor allem die eigenen aus der
ÖVP, diese Missachtung eines Mandatars, ...
Präsident Mag. Freibauer: (gibt Klingelzeichen) Herr Abgeordneter! Für diesen Ausdruck
gegenüber Kollegen Hiller erhalten Sie einen Ordnungsruf!
Normalerweise müsste man sagen, jetzt fordern wir eine Sitzungsunterbrechung bis endlich
wirklich wer von den Zuständigen kommt. Ich sehe
nicht ein, dass ich hier heute diskutiere ohne das
zuständige Regierungsmitglied. Ich habe auch nicht
gehört dass sie entschuldigt sind, gar nichts! Oder
ist das in dem Bundesland wirklich so, dass dieser
Landtag degradiert ist zu einer Volksschulklasse so
in der ersten, zweiten, eh egal was passiert, hier
auf der obenen Ebene geschieht sowieso alles.
Herr Präsident! Trotz des Ordnungsrufes verlange ich von Ihnen in der Vorsitzführung, dass wir
hier nicht alleine ohne Regierungsmitglieder und
ohne der ÖVP diskutieren.
Ich finde, dass das nicht in Ordnung ist. Und
ich würde mir seitens der ÖVP, weil es sich um ihre
Regierungsmitglieder hier handelt, eine Stellungnahme erwarten. Denn noch einmal: Das ist eine
Missachtung auch der Bevölkerung! Ist eh schon
traurig wie viel Leute da herinnen sitzen wenn ich
mir die ÖVP anschaue. Wenn ich jetzt zähle, sind
es 1, 2, 3, 4, 5 ÖVP-Abgeordnete sitzen noch …
Und die sitzen auch noch hinten, ja, die müssen,
weil sonst wären sie auch draußen. Die drei müssen da sitzen.
Das ist auch eine Missachtung. Und ich lass
mir das, ehrlich gesagt, nicht bieten. Weil wir sind
gewählte Mandatare und das Volk hat das Recht,
dass wir hier ihre Meinungen vertreten. Wem sollen
wir denn das sagen wenn die Regierungsmitglieder
eigentlich …, wenn denen das wurscht ist was wir
hier behandeln? Und ich ersuche auch daher den
Präsidenten, dass er in Zukunft dafür sorgt, ich
werde das in der Präsidiale auch vorbringen, dass
das, was sich gehört, auch Sache ist. (Abg. Hiller:
Wo sind deine Leute?)
Also sag’ einmal, entweder du hast bis jetzt geschlafen, du bist angesoffen oder du bist geistig
nicht da wenn du fragst wo meine Leute sind. Du
weißt genau, dass ich als einzelner Mandatar da
herinnen bin und nicht in der Regierung vertreten
bin.
Abg. Waldhäusl (FPÖ): Na, es war eine
Frage. Ich nehme ihn zur Kenntnis. Ich nehme nicht
an, dass du betrunken bist. Nein! Nehme ich nicht
an. Und ich nehme auch nicht an, dass du geistig
abwesend bist. Also dann frag mich bitte, erklär du
bitte, was du gesagt hast. Na deut nicht so was! Du
musst überlegen was du tust. Und das ist typisch,
gell? (Unruhe bei Abg. Hiller.)
Jetzt könnten wir eine Abstimmung ...
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Mag. Fasan. (Weiterhin Unruhe
bei Abg. Waldhäusl.)
Sie sind nicht mehr am Wort!
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren!
Wie wir alle wissen, unterscheidet sich oder
unterscheidet sich der Kollege Waldhäusl und ich
insbesondere auch durch die Form der Ausdrucksweise, weil wir vielleicht manche Dinge über die wir
durchaus ähnlicher Meinung sind, mit anderen
Worten und mit einer anderen Ausdrucksweise
reagieren. Interessant ist nur, dass die ÖVP meistens gleich auf diese wie auch immer und in welcher Form auch immer vorgebrachten Vorhaltungen
reagiert. Das hat man schon auch in der jetzigen
Reaktion des Kollegen Hiller gesehen. Ich glaube,
das sollten wir uns auch klar machen.
Und dass es eine Brüskierung des Landtages
ist wie die ÖVP und auch die Regierungsmitglieder,
leider auch die der SPÖ gelegentlich, aber ich
nehme an, sie folgen auch hier wie sonst auch
ihren Kolleginnen von der ÖVP, wie dieser Landtag
grundsätzlich von der Regierung behandelt wird,
das ist tatsächlich eine Brüskierung! In dem muss
ich meinem Vorredner schon Recht geben. Insbesondere dann wenn’s um wirklich große Dinge geht
wie beispielsweise eben die ganze Abrechnung des
Jahres 2006. Oder große Fragen zur Landesentwicklung, oder große finanzielle Fragen wie zum
Beispiel die Beteiligungsholding. Also das ist schon
936
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
richtig: Dass man das nicht für notwendig hält zeigt
nur, dass die Landesregierung in Wirklichkeit auch
kein Interesse am Landtag hat, außer die eigene
Machterhaltung.
Es ist schon so, dass wir eine gewisse historische Tradition des Feudalismus in diesem Land
fortsetzen. Das hat schon seine historischen Wurzeln. Das ist unbestritten. Wir haben den Landesfürsten und wir haben die Markgrafen, die überall
im Auftrag des Landesfürsten dort die Macht aufrecht erhalten. Und in seinem Auftrag, in seinem
Auftrag agieren und in niemandes Auftrag sonst.
Und auch vor den Regierungsmitgliedern des Regierungspartners kommen üblicherweise, wenn
man in den Regionen draußen unterwegs ist. Das
ist schon so.
Und wir haben die Ministerialen, die alle direkt
vom Landesfürsten abhängig sind, heute eben in
der Form der Bezirkshauptleute. Und wir haben die,
wie soll man sie nennen, möchte jetzt nicht missverstanden werden, damals waren halt die Nachrichtenüberbringer die sogenannten Hofnarren. Das
sind heute die Medien. Ich bitte also keine Vergleiche anstellen zu wollen. Aber auch hier gibt es ja
ein gewisses Naheverhältnis, das ja unübersehbar
ist, sonst wäre die Berichterstattung nicht so.
Nun aber zum Thema. Wo ich dem Kollegen
Waldhäusl nicht Recht gebe ist, wenn er so pauschal für diverse Zustände die EU verantwortlich
macht. Nein, nicht verantwortlicht macht, ihr die
Schuld gibt. Und sagt, Schuld ist die EU. Ja, wer ist
denn die EU? Wer ist denn die Europäische Union?
Das ist doch nichts anderes als ein Rat von 27
verschiedenen Regierungsmitgliedern, Ministern,
Ministerpräsidenten, Premierminister, Kanzlern
usw. Und das sind in Wirklichkeit nichts anderes als
weiter getragene Entscheidungen nationaler Regierungen. Die eben tatsächlich zu wenig im europäischen Sinn handeln und meistens halt in irgendwelchen, oft kleinkarierten, nationalen Vorstellungen beharren.
Mit dem Abschieben von Verantwortung oder
Schuld auf die Europäische Union wird natürlich in
der Bevölkerung genau dieser Reflex erzeugt, den
wir jetzt gehört haben. Und den wir übrigens auch
am EU-Gipfel vergangene Woche ebenfalls wahrnehmen mussten. Alles weitere wird dann nicht von
mir besprochen werden hinsichtlich Bericht über die
finanziellen Auswirkungen des EU-Beitrittes.
Einige Sätze noch zum Bericht über die Landes-Beteiligungsholding. Es ist schon interessant,
dass man mit einigen wenigen Seiten auskommt,
ich weiß nicht, fünf Seiten oder sechs Seiten, wenn
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
es um insgesamt Anteile von … Drei Seiten. Noch
weniger. Ich bin einfach zu gut. Ich nehme immer
das Beste an … wenn es um ein Finanzvolumen
von über 900 Millionen Euro geht. Das ist schon
interessant.
Und dass diese Finanzkonstruktionen, um die
es hier geht, aus diesen Berichten in keinster
Weise irgendwie nachvollzogen werden können ist
auch klar. Interessant ist auch, dass man beispielsweise vom Rückkauf der Hypo-Anteile von
der Volksbanken AG überhaupt nichts erfährt. In
den Medien hat man viel davon gelesen. Die Zornesausbrüche des Landesrates Sobotka wie der
Generaldirektor Pinkl in einer durchaus geschickten
wirtschaftlichen Aktion gewisse Ansprüche geltend
gemacht hat. Auch hier wurde willfährig geschrieben von diversen Journalisten. Und letztendlich hat
sich das dann auf eine, für alle Beteiligten durchaus
akzeptable Weise wieder gelöst. Aber keineswegs
so wie die wutentbrannten Wortmeldungen des
Finanzlandesrates zunächst einmal Glauben lassen
hätten können.
Also unserer Ansicht nach fehlt hier einiges.
Man will halt nicht gerne über die wirklich wichtigen
finanziellen Dinge dieses Landes reden. Hier lassen sich keine schönen bunten Bilder produzieren.
Hier lassen sich auch nicht wirklich irgend welche
schönen Konstrukte oder Kulissen aufziehen. Da
geht’s um Hard Facts, um Hard financial Facts und
die will man eben offensichtlich so oberflächlich wie
nur irgendwie möglich berichten.
Weniger oberflächlich, sondern durchaus detailliert und auch sehr interessant ist der Bericht
über die Landesentwicklung, über die Regionalförderung und über die diversen sonstigen regionalen
Entwicklungen. Das ist schon interessant was man
hier liest, auch über die Landeshauptstadt. Ich erspare mir jetzt meine alljährliche Kritik, dass auch
hier in Bezug auf die Landeshauptstadt es gewisse
mittelalterliche Relikte gibt, auch in der neuen Architektur. Sie kennen das alle. Die Burgen wurden
früher mit Burggräben, mit Wassergräben durchzogen. Und hier haben wir halt die Traisen und die
Straße und den Graben, der halt die Burg, die landesfürstliche Burg von der restlichen bürgerlichen
Stadt abgrenzt, damit möglichst keine Difussion
stattfindet. Weil man hat ja offensichtlich nur diese
sechs Milliarden Schilling investiert um ein Denkmal
zu setzen für den Landesfürsten, aber nicht etwa
um tatsächlich auch eine entsprechende Diffusion
zwischen der Stadt und dem Regierungsviertel zu
ermöglichen. Das ist das Eine.
Das Zweite aber, das erscheint mir auch wesentlich, das sind die Bemerkungen über die WIN-
937
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Strategie in dem Bericht hier, im Bericht über die
Landesentwicklung. Es wird also berichtet von dem
ganzen Entwicklungsprozess, von der Entstehung
und auch von den sektoralen Grundlagen und von
den regionalen Entwicklungskonzepten. Und hier
habe ich schon eine Anmerkung zu treffen. Diese
regionalen Entwicklungskonzepte wurden zusammengefasst in einer Broschüre wo für jedes Viertel,
ich weiß es nicht, da waren es vielleicht nicht drei
Seiten, sondern fünf oder sechs Seiten maximal, …
Dass sich aber auf der anderen Seite die regionalen Entwicklungsverbände zusammen getan haben
und auch nicht billige Studien in Auftrag gegeben
haben, die die Basis für diese regionalen Entwicklungskonzepte herstellen und dass diese Studien
dann, zumindest im regionalen Entwicklungsverfahren Industrieviertel war es so, dass dieses regionale Entwicklungskonzept erstellt wurde, diskutiert
wurde, im Vorstand zur Kenntnis genommen
wurde, zustimmend zur Kenntnis genommen wurde
und dann in die Schubladen der Landesregierung
einfach verschwunden ist und niemand noch einmal
irgendwas darüber ein Wort verloren hat, das ist
schon interessant.
Und ich glaube zu wissen warum das so ist:
Weil man sich in Wirklichkeit nicht festlegen will.
Weil die Beliebigkeit am besten zur Art und Weise
passt wie dieses Land regiert wird. Man will sich
nicht festlegen! Nicht in regionalen Raumordnungsprogrammen, in keinen Entwicklungskonzepten, in
keinen regionalen Entwicklungskonzepten, in keinem Flächenwidmungsplan. Auch nicht gesetzlich.
Sonst würden nicht so viele, wie heute auch schon
vorgekommen, so viele gesetzliche Bestimmungen
nicht in Gesetzen verankert sein, sondern letztlich
mit Verordnung durch die Landesregierung gemacht werden.
Man will sich nicht festlegen, man will keine
verbindlichen Entwicklungskonzepte. Man will keine
verbindliche Landesentwicklung. Landesentwicklung ist das, was der Landeshauptmann gerade
plakatiert oder was der Landeshauptmann gerade
in den Medien verkündet. Was schön klingt, was
bunt ist, was populär klingt oder populistisch klingt.
Manchmal auch polternd, wie in Wieselburg gestern. Aber es gehört auch dazu, gelegentlich auf
den Tisch zu hauen.
Landesentwicklung ist, auf den Tisch zu hauen
und das Land lässt sich nicht erpressen. Das ist
Landesentwicklung in Niederösterreich. Aber verbindliche Konzepte, die sich nicht in sich widersprechen wie das WIN-Konzept Niederösterreich,
weil auf der einen Seite Dinge hier verlangt werden
oder geplant werden, die auf der anderen Seite
verunmöglicht werden durch andere Dinge, die
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
auch drinnen stehen. Aber das ist der Widerspruch
eben in sich. Das will man nicht. Verbindliche Konzepte will man nicht. Nein! Es ist lieber, man lässt
die Unverbindlichkeit gelten. Es genügt der alles
überstrahlende Landesfürst.
Das ist in vielen Bereichen durchaus nicht
schlecht für dieses Land. Ich will das gar nicht
überall schlecht machen. Dem Land geht es gut,
das ist ja unbestritten. Das haben wir ja heute
schon diskutiert im Rechnungsabschluss. Aber
letztlich wird es irgend wann dazu führen, dass
diese Beliebigkeit halt auch einmal zur Diffusion in
diesem Land führt. Und dass jeder hier irgendwann
einmal macht was er will. Und das ist schade!
Ansätze dazu gibt es insbesondere landesentwicklungsmäßig im Raum Wien, insbesondere im
Raum rund um Wien, von dem ja Niederösterreich
wirtschaftlich am aller meisten profitiert. Wir wissen
zwar, dass das Wirtschaftswachstum in Niederösterreich größer ist als in Wien. Aber vor allem
deshalb, weil der Raum rund um Wien in Niederösterreich wirtschaftlich sehr stark von der Stadt
selber profitiert. Aber wer meint, dass es diesbezüglich im Landesentwicklungskonzept Versuche
gibt, diese Funktionsbeziehungen tatsächlich zu
ordnen und einer geordneten Entwicklung zuzuführen, der irrt. Auch hier versagt die Landesentwicklungspolitik und die Raumordnungspolitik. Das ist
sehr schade! Wir erwarten uns hier Besserung für
die Zukunft. Besonders optimistisch sind wir nicht.
(Beifall bei den Grünen.)
Präsident Mag. Freibauer: Der Herr Abgeordnete Waldhäusl hat sich für den Rest der Sitzung entschuldigt. Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mag. Stiowicek.
Abg. Mag. Stiowicek (SPÖ): Herr Präsident!
Hoher Landtag! Meine Damen und Herren!
Da ich in den letzten Sitzungen, respektive der
Festsitzung, bereits mehr als einmal auf die Entwicklung der Landeshauptstadt und der Regionen
eingegangen bin, möchte ich dieses Thema heute
nur kurz anreißen und im Telegrammstil einige
Vergleichszahlen präsentieren, welche die Entwicklung der letzten 20 Jahre unserer Landeshauptstadtwerdung, vielleicht besser als tausend
schöne Worte, darstellen.
Es ist etwa im genannten Zeitraum die Länge
des St. Pöltner Wasserleitungsnetzes um ein Drittel
gestiegen, die Zahl der Straßenlaternen um die
Hälfte, die Länge des Fernwärmenetzes um 63
Prozent, die Ausgaben und Investitionen des Magistrates um 70 Prozent, die Länge des Kanalnet-
938
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
zes um 88 Prozent und die Länge des Straßennetzes um 100 Prozent. Die Stadt hat aber nicht nur
investiert, sondern auch profitiert. Zum Beispiel von
der Anzahl der Touristenankünfte in der Landeshauptstadt, die sich in diesem Zeitraum um 200
Prozent gesteigert haben. Oder gar die Zahl der
Übernachtungen, die um 223 Prozent gestiegen ist.
Ich glaube, dass all diese vielleicht nicht so
bekannten Infrastrukturzahlen genauso gut wie die
oft gehörten und publizierten numerischen Highlights aus Wirtschaft, Kultur und Regierungsviertel
die absolut positive Entwicklung für die Menschen
dokumentieren.
Meine Damen und Herren! Auch den Jahresbericht 2006 über die Förderung regionaler Initiativen und Projekte nehmen wir gerne zur Kenntnis.
Im Vorjahr wurden unter diesem Titel 136 Projekte
mit einem Investitions- und Kostenvolumen von
rund 290 Millionen Euro mit insgesamt 131 Millionen Euro unterstützt. Das sind zweifellos sehr positive Zahlen mit ebensolchen Auswirkungen auf das
ganze Land.
Seit Beginn des Regionalförderprogrammes im
Jahre 1987 wurden insgesamt 1.600 Projekte mit
rund 700 Millionen Euro gefördert und damit ein
Investitionsvolumen von fast 2 Millionen Euro ausgelöst. Im Rahmen des sogenannten Fitnessprogrammes wurden seit 1999 weiters insgesamt 446 Projekte mit 180 Millionen Euro unterstützt. Das damit ausgelöste Investitionsvolumen in
den Regionen beläuft sich auf über 500 Millionen
Euro.
Weiters wurden in der EU-Programmperiode
2000 bis 2006 insgesamt 458 EU-kofinanziert und
damit die zur Verfügung stehenden EU-Kofinanzierungsmittel zur Gänze ausgeschöpft. Das ist natürlich ausgesprochen erfreulich und mein Dank gilt
allen Beteiligten und Verantwortlichen, die dazu
kleine und größere Beiträge geleistet haben. Wenn
uns schon Gelder aus Brüssel zur Verfügung stehen, dann sollten wir sie auch abholen. Das ist in
Niederösterreich zu 100 Prozent geschehen.
Für Niederösterreich sicher gut ist auch die
Tatsache, dass die Regionalförderung nun bis 2013
verlängert worden ist. Als mein cetero censio
möchte ich aber auch dafür plädieren, St. Pölten
von diesen Förderungen nicht mehr länger auszuschließen, da die Investitionen des Landes in die
Landeshauptstadtentwicklung sicherlich ihren Zenit
schon längst überschritten haben.
Meine Damen und Herren! Der vorliegende Bericht über die Situation der NÖ Landes-Beteili-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
gungsholding GmbH und der Land Niederösterreich
Vermögensverwaltungs GmbH im Jahr 2006 ist
zweifellos erfreulich. Das Land hat mit 1. Jänner
2005 ein EVN-Aktienpaket von 313 Millionen Euro
in diese Gesellschaft als Eigenkapitel eingebracht,
weitere Aktienpakete von EVN, Uniqa, Flughafen
Wien und NÖ Hypo wurden vom Land bzw. von der
ehemaligen Hypo-Holding an die Gesellschaft verkauft. Im Geschäftsjahr 2006 kamen zum bestehenden Beteiligungsportfolio noch die Unternehmungen NÖ Immobilienholding GmbH, die LEBIG
Leitstellenentwicklungs-, Betriebs- und Integrationsgesellschaft, die NÖKOM, Niederösterreichische Telekom-Service-Gesellschaft und die NÖ
Bauprojektmanagement GmbH dazu.
Letzten Endes ergeben sich dazu schöne
Gruppenbesteuerungs- und sonstige Steuervorteile
für das Vorjahr, die etwa mit 8 Millionen Euro beziffert werden können. 2006 konnte von der NÖ
Landes-Beteiligungsholding GmbH ein respektabler
Jahresüberschuss von fast 22 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Weiters werden von der Land
Niederösterreich Vermögensverwaltungs GmbH
Mittel in einem inländischen Spezialfonds angelegt,
der zum größten Teil in Anleihen, zum kleineren
Teil in Aktien und alternativen Investments veranlagt.
Speziell zum Kollegen Doppler stehe ich nicht
an zu sagen: Nach Anfangsschwierigkeiten ist man
jetzt auf der sicheren Seite und konnte 2006 die
respektable Performance von 5,85 Prozent erzielen. Alles in allem verfügt das Land Niederösterreich damit über eine moderne, effiziente, erfolgreiche Form des Beteiligungs- und Schuldenmanagements, die viele Vorteile des Steuerrechts nützt
und alle Kontrollmöglichkeiten des Landes wahrt.
Die erwirtschafteten Gewinne aus den Beteiligungen können bedeutende Spielräume für wichtige Initiativen des Landes eröffnen. Ich bin davon
überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Ich bin aber ebenso überzeugt davon, dass
noch viel zu tun ist.
Für den nächstjährigen Bericht über die Landesbeteiligungen würde ich mir allerdings auch die
Beigabe jeweils einer Bilanz der NÖ Landes Beteiligungsholding GmbH und einer der NÖ Vermögensverwaltungs GmbH wünschen und die Gutachten der entsprechenden Wirtschaftsprüfer. Ich
glaube, das würde noch mehr Transparenz und
Nachvollziehbarkeit bringen.
Ebenso würde ich mir beim vorliegenden Bericht über die Darstellung der Leasingverbindlichkeiten und Schuldeinlösungen des Landes sowie
939
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
den Darlehensaufnahmen des Fonds wünschen,
dass darin die Leasingverbindlichkeiten der laufenden Projekte nicht nur jährlich numerisch dargestellt
sind, sondern auch die gesamten Verbindlichkeiten
über wie gesagt die gesamte Laufzeit.
Immerhin kann man dem Bericht die Bereiche,
in denen Leasing als Finanzierungsinstrument angewendet wird entnehmen. Als da wären die Landeskliniken, die Landesstraßenverwaltung, die
Landes-Pensionistenheime, die Landesberufsschulen, die Amtsgebäude. Also vor allem die Bezirkshauptmannschaften und das Landeshauptstadtprojekt.
Auch die Leasingverbindlichkeiten der abgeschlossenen Projekte werden über die gesamte
Laufzeit angegeben. Allerdings muss man, um eine
Gesamtdarstellung zu erhalten, alle Einzelberichte
selbst summieren und kommt dabei auf Leasingverbindlichkeiten bei den abgeschlossenen Projekten von zirka 1,1 Milliarden Euro. Addiert man
dazu die Verbindlichkeiten für das Hauptstadtprojekt, kommt man auf rund 1,6 Milliarden Euro.
Auch der Forderungskauf ist mit einem Gesamtergebnis von 286 Millionen Euro in seiner Gesamtheit transparent und übersichtlich dargestellt.
Aber wie gesagt, bei den laufenden Projekten nützt
auch der beste Taschenrechner nichts: In der derzeitigen Form des Berichtes, und das sage ich als
Betriebswirtschafter, wird man sich in diesem Bereich keinen aussagekräftigen Gesamtüberblick
verschaffen können. Und das schadet sicherlich der
angestrebten Transparenz.
Beim Studium der Unterlagen habe ich mir
schon die Frage gestellt: Man wird doch wohl nichts
zu verstecken haben? In diesem Bereich ist zweifellos viel Papier vorhanden, aber mangels Zusammenfassung ist der Bericht in diesem Bereich
schwerer zu beurteilen. Und es geht ja hier nicht
um Peanuts, sondern doch um erkleckliche Summen.
Wenn man sich im Vergleich dazu den weit
elaborierteren und dickeren Gemeindebericht ansieht, bei dem es um viel weniger Geld geht, so
hoffe ich auf einen starken, verbesserten Leasingbericht im nächsten Jahr. Es gibt also noch viel zu
tun, da muss ich schon den ÖVP-Kolleginnen und –
Kollegen widersprechen, die alles 100prozentig in
Ordnung befinden. Allein wenn ich mir den vorliegenden Rechnungsabschluss des Landes anschaue, fällt mir sofort auf, dass die Kennzahl
öffentliches Sparen
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
mit 7,5 Millionen Euro negativ ist. Diese Kennzahl
gibt Auskunft darüber, wieviele Finanzmittel aus
dem Saldo der laufenden Einnahmen und Ausgaben noch für Zwecke der Vermögensgebarung,
also zum Beispiel für Investitionen und für Finanztransaktionen, zum Beispiel die Schuldentilgungen,
zur Verfügung stehen.
Grundsätzlich, so die herrschende Meinung,
sollte ein positiver Saldo gegeben sein damit das
Land über ausreichende Finanzmittel zur Zurückzahlung von Darlehen verfügt. Und es geht hier
nicht nur um den Maastricht-wirksamen Bereich,
sondern es geht um den Gesamthaushalt. In diesem Sinne macht mir beim Rechnungsabschluss
auch die sogenannte freie Finanzspitze Sorgen, die
mit fast 500 Millionen Euro im Minus ist. Diese nach
Abzug der Schuldentilgung vom Saldo der laufenden Gebarung verbleibende freie Finanzspitze
zeigt, inwieweit das Land Investitionen aus seinen
laufenden Einnahmen finanzieren kann.
Laufend negative freie Finanzspitzen weisen
jedenfalls darauf hin, dass eine Gebietskörperschaft nicht aus der Vermögensgebarung finanzierte Investitionen mittels Fremdkapital abdecken
muss. Auf Grund des hohen Darlehensbedarfes
läuft sie somit Gefahr, überschuldet zu werden. Die
ÖVP zitiert hier gerne diese Ratingfirmen. Ich
möchte hier den Landesrechnungshof zitieren: So
beurteilte etwa der Landesrechnungshof in seinem
erst kürzlich hier behandelten Kontrollbericht über
die finanzielle Gebarung der Stadt Krems, deren
Kennzahlen öffentliches Sparen und freie Finanzspitze seit längerem im Minus sind – Landesrechnungshof - die finanzielle Situation der Stadt als
extrem belastet. Auch beim Land haben wir hier
zwei negative Kennzahlen. Es ist also Vorsicht
angebracht und schon überhaupt keine Jubelstimmung.
Meine Damen und Herren! Alles in allem sprechen die vorgelegten Berichte jedoch eine erfreuliche, positive Sprache und belegen die Vorwärtsund Aufwärtsentwicklung unseres Landes Niederösterreich. Auch wenn es sicherlich noch viel zu tun
gibt.
Letzten Endes war und ist genau das, nämlich
ein wirtschaftlich erfolgreiches Land in einer intakten Umwelt und eine in hohem Ausmaß zufriedene
Bevölkerung das Ziel der NÖ Sozialdemokratie.
(Beifall bei der SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
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Landtag von Niederösterreich
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Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und
Kollegen!
Ich möchte meinen Debattenbeitrag dem Bericht zu den finanziellen Auswirkungen im Zuge des
EU-Beitrittes widmen. Und zwar nicht den gesamten Bericht, da wird der Herr Kollege Moser wahrscheinlich über die ganzen regionalen Projekte was
einbringen. Ich möchte meinen Beitrag zum großzügig gestalteten, großer Zeilenabstand, ich
glaube, 12 pt Arial, der über die Landwirtschaft
handelt ... Wo es dann noch eine Seite Zusammenfassung gibt. Und das ist der Bericht der uns
zur Verfügung steht was die Finanzgebarung im
Landwirtschaftsbereich betrifft. (Zeigt Konvolut.)
Dass man einmal so ein bisschen eine Größenorientierung hat. Mehr als 600 Millionen Euro
gehen in Niederösterreich in die Landwirtschaft
hinein, nämlich wenn man diese drei Posten addiert. Und 670 Millionen Euro sind im Budgetvoranschlag des Jahres 2007 auf Bundesebene für die
Betriebsprämie drinnen. Wir sehen, dass einfach,
was wir ohnehin wissen, dass wir das größte agrarische Bundesland sind, das auch in Zahlen mittlerweile mehr als festzumachen ist.
Und es ist irgendwie Tradition in Österreich,
dass alles was mit Zahlen und Landwirtschaft, Förderungen im Zusammenhang steht, gehütet wird
wie ein Staatsgeheimnis. Niemand weiß das. Und
weil es eben niemand weiß – und Gottseidank sind
wir ein Rechtsstaat –, ist der Verfassungsgerichtshof zur Erkenntnis gekommen, dass es nicht angeht in der Republik Österreich, dass der Herr
Landwirtschaftsminister mittels Verordnungen so
mit einer Generalermächtigung alles regeln kann.
Und das ist eigentlich der wahre Grund für die Eskalation in Wieselburg.
Also, in einem Rechtsstaat, denke ich, muss
man dem Erkenntnis nicht nur nachgeben, sondern
man hätte jetzt schon im Zuge einer, gäbe es diese
gute Kommunikation und Zusammenarbeit, in der
Bundesregierung etwas vorlegen können. Fakt ist
aber, dass die ÖVP genau so weiter arbeiten
möchte. Nur ein bisschen das Marktordnungsgesetz ändern, formale Änderung vornehmen, aber
nicht in den großen Weichen.
Und wenn dann der Herr Landeshauptmann
aus einem Strategiepapier der SPÖ zitiert, dass
das sozusagen ja die Klientel der ÖVP sei, die
Bäuerinnen und Bauern, dann glaube ich, ist das
was, das draußen, wenn Sie jemanden fragen, fast
jeder und jede so sagen würde. Weil Sie eben weder das rechtsstaatliche Prinzip in der Gesetzge-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
bung einhalten, noch demokratiepolitisch Landwirtschaft wirklich gemeinsam mit den anderen gewählten Parteien in diesem Land, und das schon
seit Jahrzehnten, gestalten wollen. (Beifall bei der
SPÖ und den Grünen.)
Sie wollen nicht wahr haben, dass das nicht
mehr geht. Sie wissen auch, und ich leite zum
Zweiten über, der in Brüssel vorgelegte Grüne Pakt
mit den noch ausstehenden 189 Fragen der EUKommission …, es nicht so geht. Weil auch die EUKommission meint, diese Materien haben in ein
Gesetz gegossen zu werden und können nicht
mittels Sonderrichtlinien gemacht werden. Darüber
hinaus, Sie wissen liebe Kollegen vom Bauernbund, ist dieser in Brüssel eingereichte Grüne Pakt
eben kein Grüner Pakt im Sinne dass er ein ökologischer Pakt wäre. Er ist ein unökologischer Pakt
und wurde deshalb zurückgeworfen! (Beifall bei den
Grünen.)
Und ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, mir
als Opposition hat das, was in Wieselburg hier passiert ist, nicht gefallen. Der Herr Landeshauptmann
kann zwar Bauernbündler sein, aber ich möchte in
einem Bundesland nicht nur Abgeordnete, sondern
Bürgerin sein, wo wir wissen, was noch ein normales Verhalten ist und was sich nicht mehr ziemt.
Und wenn ein Minister bei einem Volksfest, bei der
Eröffnung einer Messe, den Saal verlässt weil es
wirklich der Herr Landeshauptmann mehr als überzogen hat, dann sind das plötzlich Sitten in Niederösterreich auf die ich sehr stark verzichten kann.
(Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)
Aber Niederösterreich ist ja da keine Insel der
Seligen, wenn es um Gesetzgebungen geht im
agrarischen Bereich. Also wenn Sie sich erinnern,
was wir da alles, was sozusagen mit Agrarischem
zu tun hat, haben wir ziemlich viele Gesetzesmaterien immer wieder zu novellieren, zu beschließen.
Aber dort, wo es auch um Gelder geht, ich glaube,
die wenigsten wissen, dass wir uns in Niederösterreich ein eigenes Umweltprogramm leisten. Die
Ökopunkte. Das gehört in ein Gesetz hinein. Wir
haben in Niederösterreich, so wie eben auch jetzt
dann das wiederum wie es bei ÖPUL war, haben
wir in Niederösterreich nicht einmal ein Gesetz zu
diesem Programm Ökopunkte. Das macht die Regierung alleine. Und mit dem muss endlich aufgeräumt werden! (Beifall bei den Grünen.)
Und wenn die Menschen, aber auch die Bäuerinnen und Bauern endlich wissen, was die Eckpfeiler sind, die Zahlen in der Landwirtschaft, und
sehen, wie sie auch sozial über geblieben sind,
dann glaube ich, ist es wirklich so wie heute schon
gesagt wurde, dass der Bauernbund ständig an
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Mitgliedern verliert. Ja? Beispiel Milch. Haben Sie
erst letztesmal zwei Minuten vor 12 am 2. Budgetsitzungstag einen Antrag eingebracht, weil es
schaut mit den Milchpreisen nicht so gut aus. Hintergrund ist, dass es auch dort, was die Milchprämien betrifft, es eben auch jetzt die Notwendigkeit,
die „Deadline“ gibt es jetzt, es gilt hier ein Gesetz
zu machen und das zu reparieren.
Und da muss man auch dazu sagen, warum ist
das passiert? 2003 hat Österreich ein erneutes
Milchkontingent von 36.000 Kilogramm bekommen.
Das ist aufgestockt worden. Und weil das eben nur
der Bauernbund macht, passiert das dann in Österreich auf keiner demokratiepolitischen Grundlage.
Nein! Da sitzt man in der PräKo, das ist die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer, im
Milchausschuss. Dann sagt man, so könnte man
das machen, wir nehmen die Periode her, die kriegen was, die können die Milch leasen. Und über
geblieben ist, dass das nicht nur dann einfach wieder per Verordnung gemacht wurde und beim Parlament vorbei, sondern dass sie mit dem 77 Prozent der aktiven Milchbäuerinnen und –bauern nicht
in die Quotenaufteilung mit eingenommen haben.
Sie sind dafür verantwortlich, dass sie ständig
dieses Wachsen, also Weichen oder Wachsen
tradieren. Das ist auch nicht die Europäische
Union. Das ist die Agrarpolitik der ÖVP, insbesondere der ÖVP Niederösterreich. Ja? Sie stehen für
die großen Agrarier! Sie stehen nicht für die kleinen
und Sie stehen auch nicht mehr für den Mittelstand.
Sie machen ausschließlich Politik für die Großen!
(Beifall bei den Grünen.)
Und wir werden hier wieder uns einfinden im
Herbst, da gibt’s ein Gejammere von allen, jessas
na, schon wieder sperren die Betriebe zu, andere
werden wieder größer und so geht das weiter. (Unruhe bei der ÖVP.) Liebe Frau Kollegin Lembacher!
Schauen Sie, wir brauchen überhaupt nicht polemisieren, sondern lassen wir Fakten sprechen! Wenn
lediglich 9 Prozent der Betriebe in Österreich mehr
als 50 Prozent der Betriebsprämie bekommen,
dann ist das keine soziale Agrarpolitik, die Sie betreiben! (Beifall bei den Grünen.)
Eines, Agrarpolitik ist eine Materie wie die Sozialpolitik oder anderes. Und das gehört in die Parlamente und das gehört diskutiert. Und nicht wie
beim letzten Landwirtschafts-Ausschuss, wo Ihr
Vorsitzender Grillitsch aufsteht, die Debatte
schließt, Usancen einführt, ungefähr solche Sitten
wie bei uns in Wieselburg eingeführt wurden. So
gehen Sie um! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Und wissen Sie warum? Weil Sie genau wissen, jetzt geht es ans Eingemachte! Bis jetzt ist es
gut gegangen, da sind alle befriedigt worden, an
den Parlamenten vorbei. Die Großen haben was
bekommen und die Kleinen sollen gehen, weil das
passt ohnehin nicht in unsere große Agrarstrategie.
Würde nur hoffen, dass Sie endlich auch das
schaffen, dass die ÖVP von dem hohen Ross heruntersteigt, mit dem Koalitionspartner in Regierungsverantwortung, aber auch mit den Grünen und
mit den anderen im Parlament zu einer Lösung
kommen, die nur lauten kann, das Marktordnungsgesetz nicht nur formal zu korrigieren, sondern auf
völlig neue Beine zu stellen damit es verfassungsrechtlich und demokratiepolitisch zeitgemäß ist.
Danke! (Beifall bei den Grünen und Abg. der SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Mag. Motz.
Abg. Mag. Motz (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine Damen und Herren!
Ich darf wieder Stellung nehmen zum Bericht
der Landesregierung über die finanziellen Auswirkungen des EU-Beitrittes für das Jahr 2006. Ich
darf es vorwegnehmen, meine Fraktion wird diesen
Bericht zur Kenntnis nehmen. Denn die im Bericht
ausgewiesenen Zahlen sind durchaus erfreulich.
Noch erfreulicher als im Jahr 2005. Simplifiziert
dargestellt wurde das in diesem Haus schon des
Öfteren, wenn gesagt wurde, dass für jeden Euro,
der nach Brüssel gezahlt wird, drei Euro zurückfließen. In diesem Jahr sind es sogar mehr als drei
Euro wenn man diesem Bericht Glauben schenkt.
Niederösterreich konnte also im Vorjahr um
rund 412 Millionen Euro mehr an Fördergeldern ins
Land holen als Gelder nach Brüssel bezahlt worden
sind. Beachtliche 30 Millionen Euro mehr als im
Vorjahr. Die Einnahmen-Ausgabenbilanz weist also
einen noch höheren Gewinn aus als im Jahr 2005.
Der vorliegende Bericht ist ja der letzte Jahresbericht, der aus der Programmplanungsperiode 20002006 stammt, sodass wir heute Bilanz über die
Ausschöpfungsgrade der zur Verfügung stehenden
Mittel in den einzelnen Programmen ziehen können. Das Erfreulichste ist dabei, dass sämtliche der
seit dem Programmstart zur Verfügung stehenden
Mittel des Ziel 2-Programmes ausgeschöpft werden
konnten. Ebenso beeindruckend in diesem Bereich
ist die wieder vergleichsweise hohe Zahl von 206
unterstützten Projekten während des Berichtsjahres
2006. Und auch die Gesamtzahl aller unterstützten
Projekte seit Programmbeginn in der Höhe von
1.766 spricht für sich.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Beim INTERREG 3a-Programm ÖsterreichTschechien wurden fast 100 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft, gleiches gilt
auch für das Programm Österreich-Slowakei. Weniger ausgeschöpft das Programm Österreich-Ungarn mit rund 85 Prozent.
Aber der Förderungsbericht belegt natürlich
auch eines recht deutlich: Wenn man sich die Zahlen anschaut, stellt man fest, dass 90 Prozent der
Fördergelder in die Landwirtschaft geflossen sind.
Und ich meine, dass hinsichtlich der Verteilung
dieser Mittel nicht nur in Niederösterreich, sondern
auch europaweit ein gewisser Veränderungsbedarf
besteht. Denn wenn man sich die wirtschaftliche
Struktur anschaut, dann wird man feststellen, dass
in der Tat nicht 90 Prozent des wirtschaftlichen
Umsatzes aus der Landwirtschaft stammen. Und
auch nicht 90 Prozent des Umsatzes aus der EU
stammen. Und das deckt auch die EU in diesem
Bereich nicht ab.
Der Großteil dieser Fördergelder fließt also in
die Landwirtschaft und ich meine, es wäre eher im
Sinne der Sache wenn die Fördermittel tatsächlich
auch in jene Branchen fließen, deren Namen sie
tragen. Das gilt insbesondere für die Fördergelder
zur Entwicklung des ländlichen Raumes, wo man
schon bei näherem Hinsehen feststellen muss,
dass da letztendlich die Gelder im Bereich der
Landwirtschaft geparkt werden.
Das heißt, das Hinterfragen geschieht durchaus mit Berechtigung und wir sehen das daher ein
wenig skeptisch. Ich meine, dass in diesem Zusammenhang ein gewisser Reformbedarf besteht,
wir werden aber dem Bericht unsere Zustimmung
geben. (Beifall bei der SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Moser.
Abg. Moser (ÖVP): Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren des Hohen Hauses!
Ich glaube, die finanziellen Auswirkungen des
EU-Berichtes oder die Partnerschaft Niederösterreich, Österreich und Europäische Union lässt natürlich immer wieder Diskussionen zu. Erfreulicherweise! Und wir sollten das auch, glaube ich, ganz
klar ausdiskutieren. Herr Kollege, ich darf nur eines
festhalten: Es sind nicht 90 Prozent Landwirtschaftsgelder, es ist weniger, aber es ist ein erheblicher Anteil. Ich glaube, auch das muss man einmal deutlich feststellen. Ganz einfach deswegen,
weil die Europäische Union eine Gesellschaft von
Konsumenten ist. Und das Ziel der Europäischen
Union ist, die Preise günstig zu halten. Und daher
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
kommt jeder Euro und jeder Cent der über die
Landwirtschaft läuft, letztendlich den Konsumentinnen und Konsumenten zugute. So ist also die
Überlegung der Europäischen Union angelegt. Ich
darf das hier einmal sehr klar feststellen.
Zum Zweiten darf ich hier auch festhalten,
wenn heute schon ein Vorredner, der mittlerweile
weggegangen ist, gemeint hat und die EU kritisiert
hat und vieles mehr, man kann immer etwas kritisieren. Ist überhaupt keine Frage. Es ist einmal
festzuhalten, dass letztendlich die Europäische
Union und das Zusammenwirken der Völker miteinander dafür verantwortlich ist, dass wir eine lange
Friedensperiode haben. Und die wirtschaftliche
Partnerschaft letztendlich der ausschlaggebende
Punkt dafür ist, dass wir ein friedliches Europa haben und wir uns in Frieden und Wohlstand in den
letzten 50, 60 Jahren entwickeln konnten.
Ich glaube, das ist einmal grundsätzlich hier
auch festzuhalten. Ein Staatenbund des Friedens
sozusagen, in dem vor allem die Landwirtschaft
und die Ernährungssicherheit für die Bevölkerung
eine ganz, ganz wesentliche Rolle spielt.
Ich darf hier festhalten, wenn wir den Bericht
zunächst einmal betrachten, es so ist, dass die
Europäische Union natürlich versucht, eine Ausgewogenheit zu erreichen. Nämlich zunächst eine
Ausgewogenheit ein bisschen zwischen den Ballungsräumen und dem ländlichen Raum. Und alle
Programme, die hier in dem Bericht der Europäischen Union auch drinnen sind, beruhen natürlich
auf dem Grundsatzpapier der Europäischen Kommission, zuletzt auch festgelegt in der Agenda
2000. Wenn ich den Berichtszeitraum betrachte
und den Bericht ansehe, dann geht’s hier darum,
dass auf der einen Seite die Strukturfonds eine
ganz wesentliche Aufgabe haben in der Europäischen Union, hier ausgewogen zu wirken, die Neugestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik und natürlich alle Fragen der EU-Osterweiterung, der gemeinsamen Wohlstandsentwicklung hier auch tatsächlich gemeinsam vorzunehmen.
Dieser Finanzrahmen in der abgelaufenen EUPeriode, insbesondere im Bericht im letzten Jahr,
war natürlich auch immer dahingehend ausgelegt,
dass mit den begleitenden Maßnahmen, die hier in
dem Zusammenhang auch gesetzt wurden, dass
die Effizienzsteigerung der EU im Hinblick auf die
Zielprogramme … Wir wissen, es hat eine Reduzierung der Zielprogramme gegeben, es hat eine neue
Abgrenzung gegeben, es hat vor allem auch die
Frage der europäischen Zusammenarbeit in den
INTERREG-Programmen gegeben. Und wir sind
auch in Niederösterreich gut aufgestellt. Denn wenn
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
man sich die LEADER-Projekte anschaut, dann
sind wir wirklich weitflächig und nahezu gesamtflächig in LEADER-Gebieten vertreten. Ich glaube,
das ist wichtig: Ein Zusammenwirken der Gemeinden, die ihre Aufgabe in der Regionalentwicklung
draußen wahrnehmen.
Denn hier stellt ja die Europäische Union im
besonderen Maße die Frage, möchte die Gemeinde, dass ihre Region und die Gemeinde jeweils an der Entwicklung insofern teilhaben kann,
dass man durch die Teilnahme an einem LEADERProjekt hier auch tatsächlich Mittel beanspruchen
kann? Ich darf aber auch festhalten, dass in der
gesamten Auswirkung jetzt bezüglich Ausnützung
der Förderprogramme wir in Niederösterreich sehr
gut liegen.
Ich glaube, man darf wirklich anerkennend
feststellen, dass sich alle Beteiligten hier wirklich
voll engagieren. Ob es der Wirtschaftsbereich ist,
der Agrarbereich, der regionale Bereich, um hier
das Maximum an Chancen auch tatsächlich im
Rahmen der Angebote der Europäischen Union zu
nutzen. Und es ist auch nicht so, dass es lediglich
die Gegenüberstellung gibt, dass ein Euro an Fördergeld drei Euro an Investitionen auslöst. Das ist
wichtig. Es ist auch richtig festzuhalten. Weil wir ja
effizient bei der Umsetzung sind. Aber wir sollten
hier noch zusätzlich bedenken: Wenn wir sagen,
ein Euro löst drei Euro Investitionen aus, dann sind
in diesem einen Euro natürlich auch nationale Finanzierungsmittel drinnen.
Wenn ich lediglich die Beiträge der Europäischen Union hernehme und das gegenüberstelle
was wir in Niederösterreich bewirken konnten, dann
ist mit 1 Euro reinen EU-Mitteln 6,4 Euro an Investitionen ausgelöst. Das heißt, die Effizienz seitens
der Mittelauswirkung und –ausnützung ist hier hervorragend gegeben. Allein im Jahr 2006 konnten
viele Projekte, ob jetzt im Technologietransfer, im
Wirtschaftsbereich, Betriebsgründungen, Investitionen für nachhaltiges Wirtschaften in den Regionen
bis zu länderübergreifenden Projekten tatsächlich
gefördert werden.
Nun also auch zu den Maßnahmen der gemeinsamen Agrarpolitik. Es ist zweifelsohne so,
dass es nicht ganz einfach ist, hier einen Weg zu
finden in einem Land wo wir eine alpenländische
Struktur haben, eine Topografie haben, die kleine
Betriebe hat, wir Betriebe mit einer kleinen Flächenausstattung haben. Wo wir Hanglagen haben,
die schwierig zu bearbeiten sind. Wo wir also
durchaus Gebiete haben die zwar von der Natur
aus hervorragend und schön ist, aber im Wettbewerb, im agrarischen Wettbewerb, in der Produk-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
tion natürlich auf Grund der natürlichen Gegebenheiten nicht mithalten können.
Und wenn die Kollegin Dr. Krismer da so gemeint hat, ein bisschen einen Keil hineinzutreiben,
treiben zu wollen einmal zwischen klein und groß,
dann muss man einmal eines sagen: Frau Kollegin,
du hast nirgends erwähnt, was verstehst du unter
klein und was verstehst du unter groß? Jeder kennt
viele die wesentlich größer sind als sie. Und das ist
genau dieses Bewusstsein, ähnlich wie es die Sozialdemokraten auch machen, ein bisschen Neid
erzeugen, ein bisschen Unfairness erzeugen. Das
ist verantwortungslose Politik, geschätzte Damen
und Herren! So muss man das einmal deutlich
festmachen. (Beifall bei der ÖVP.)
Denn Frau Kollegin! Wenn du von klein und
groß sprichst, dann sag’ ich dir nur eines auch in
Bezug auf die Ausgleichszahlungen: Für einen
großen Acker braucht man mehr Saatgut als für
einen kleinen Acker! Das ist ganz einfach: Eine
Kindergartenmodellrechnung. Daher ist es natürlich
auch logisch, dass, wenn so wie die Ausgleichszahlungen entstanden sind, nämlich die Konsumenten die Produkte günstig haben möchten, es
natürlich auch in einer gewissen Weise produktabhängig ist und war.
Mittlerweile wurden die Dinge ja entkoppelt und
ein bisschen von der Fläche der Druck weggenommen. Deswegen wurde auch das Modell der
Betriebsprämien gemacht. Das ist der eine Teil
zwischen groß und klein.
Der zweite Teil ist, dass ich immer wieder orte,
und gerade die Diskussion in den letzten Tagen hat
das ja auch gezeigt, dass man vielerorts bei uns die
Auffassung hat - das ist bei den Grünen stark ausgeprägt, auch bei den Sozialdemokraten -, dass
man glaubt auf der einen Seite natürlich die Leute
gewinnen zu können und sagt, klein-klein ist schön,
um die müssen wir uns kümmern, das wollen ja
alle, überhaupt keine Frage. Und auf der anderen
Seite … Auf der einen Seite möchte man eben mit
diesem klein-klein sagen, dass die kleinbäuerlichen
Betriebe ganz einfach hier wirtschaften sollen.
Dazu stehen wir auch, da gibt’s viele Modelle dafür.
Aber dann darf man nicht auf der anderen Seite
hergehen und sagen, es muss alles billig erzeugt
werden! Ganz einfach: Zu Weltmarktpreisen eine
strukturierte Landwirtschaft zu haben ohne Ausgleichsleistungen zu geben, das wird es ganz einfach nicht geben! Das ist also ein wirtschaftlicher,
finanzieller und politischer Trugschluss, der hier
gemacht wird, liebe Kolleginnen und Kollegen!
(Beifall bei der ÖVP.)
Das ist sehr oft schon geäußert worden.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Damit komme ich gleich zum aktuellen Thema,
weil das angesprochen wurde, Frage Marktordnung. Natürlich ist die Marktordnung nichts anderes
als das Umsetzungsinstrument des Angebotes der
Europäischen Union. Und wir dürfen hier erfreulicherweise festhalten, dass unser Bundesminister
Sepp Pröll in Brüssel erfolgreich verhandelt hat. Wir
haben also nicht 3,5, sondern sogar 3,9 Milliarden
Euro ausverhandelt. Und denken wir zurück: Es
gibt politisch Andersdenkende in Europa, ich sage
nur Gusenbauer und Tony Blair, die damals gemeint haben, 50 Prozent weniger müsste auch
genügen.
Erfreulicherweise sind die nicht durchgekommen! Blair ist überhaupt schon weg, Gusi spielt
noch im Sandkasten, offensichtlich. Weil über die
Vorbereitung der Wahl oder über die Wahlwerbung
ist er eh noch nicht hinausgekommen. (Heftige
anhaltende Unruhe bei der SPÖ.)
Nein, habe ich nicht notwendig. Ich darf aber schon
festhalten, dass ihr euch ein bisschen schwer …
Na, das hat er ja selber in der Zeitung geschrieben,
wovon er im Sandkasten geträumt hat. Das darf
man wohl zitieren. Das kommt ja aus dem Mund
des Herrn Dr. Gusenbauer.
Man muss, glaube ich, in dem Zusammenhang
schon deutlich festhalten: Ich verstehe es, liebe
Sozialdemokraten, dass ihr euch ein bisschen
schwer tut wenn man vorher Dinge verspricht, nicht
rechnet dass man in die Regierung kommt - und
plötzlich sollte man das halten. Da tut ihr euch halt
ein bisschen schwer dabei. Aber vielleicht solltet ihr
zu einer realen Politik zurückkehren. Das wäre
günstig. (Beifall bei der ÖVP. – Weiterhin Unruhe
bei der SPÖ.)
Aber zur Sache, Kollege, zur Sache. Nein, es wird
nicht fad. Nein, es ist alles inhaltlich.
Ich brauch’ keine Worthülsen. Ich muss es
ganz deutlich machen. Und wenn ihr inhaltlich bitte
was wissen wollt, darf ich euch das sehr gerne
sagen worum es wirklich geht. Weil ich habe den
Eindruck, es ist vielen von euch nicht bewusst. Ihr
habt mich unterbrochen. Ich habe deutlich gemacht, wir haben in Europa, Minister Pröll hat verhandelt eine wesentliche Summe, um die uns …
Das müssen wir auch einmal festhalten, das habe
ich schon gesagt, um die uns viele andere Staaten
beneiden. Das muss man einmal ganz klipp und
klar festhalten! Das heißt, erfreulicherweise, und er
hat es auch gut begründen können: Weil wir eine
besondere topografische Ausstattung haben, weil
wir kleinere Betriebe haben und weil wir es für
diese Betriebe auch benötigen. Das ist der eine
Punkt.
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Wisst ihr, was mir bei euch fehlt? Die Betroffenheit! Mir kommt vor, euch ist das alles völlig
egal. Ob wir ein Marktordnungsgesetz haben, ob
wir Eurofighter unwirtschaftlich, auch billiger kaufen
oder dafür alte Flieger kaufen oder sonst was. Mir
macht es den Eindruck, das ist euch egal! Wir haben eine Betroffenheit! Und der Herr Landeshauptmann hat seine Betroffenheit auch sehr klar
gezeigt. Weil es ihm um etwas geht. Nämlich um
die Wahrnehmung der Verantwortung für die ländliche Entwicklung und für die Landwirtschaft in unserem Staate. Das ist der wesentliche Unterschied!
(Beifall bei der ÖVP. – Nach wie vor Unruhe bei der
SPÖ.)
So. Und zu den Punkten liebe Freunde! Liebe
Kolleginnen und Kollegen der Sozialdemokraten!
Nehmen wir ein ganz anderes Beispiel her: Wenn
wir die Marktordnung betrachten, dann solltet ihr
euch … und darf ich euch daran erinnern, ihr wisst
das offensichtlich nicht. Ihr wisst das offensichtlich
nicht, dass am 14. März dieses Jahres der Ministerrat in der großen Koalition einstimmig einen Beschluss gefasst hat, das Marktordnungsgesetz zu
genehmigen und dem Parlament zuzuleiten. Wir
wissen auch, da hat es Einigkeit gegeben darüber,
die Minister der SPÖ und die Minister der ÖVP
haben das einstimmig beschlossen. Es ist auch …
(Unruhe bei Abg. Präs. Sacher.)
Tu nicht ablenken vom Thema, Herr Kollege.
Es ist einstimmig genehmigt worden. So! Und
dann kommt die Frage, bevor es dem Parlament
zugeleitet wird, geht’s natürlich in den Agrarausschuss. Interessant ist, dass sich einige Abgeordnete, die Mitwirkenden des Agrarausschusses im
Parlament, offensichtlich von der Parteimaschinerie
missbrauchen lassen und sagen, wir stimmen da
jetzt nicht zu. Aus welchen Gründen da immer, die
da strategisch intern gemacht werden. Wir stimmen
dem nicht zu!
So! Sind wir beim nächsten Punkt: Ihr wolltet ja
eine fachliche Aufklärung haben, Herr Kollege
Sacher. Ihr wolltet eine fachliche Aufklärung haben.
Ich tu das gerne. Jetzt ist im Ausschuss nicht zugestimmt worden. Die Folge ist, und jeder kann das
nachlesen und weiß das, dass mit 1. Juli das Gesetz nicht weiter geht. Mit 30. Juni endgültig ausläuft und daher die Erforderlichkeit gegeben war.
Und der Ministerrat, und das darf man dem Ministerrat hoch anrechnen, hat diese Situation erkannt. Er hat genau gewusst, der Ministerrat hat
genau gewusst worum es geht. Viele Abgeordnete
der Sozialdemokraten wissen das offensichtlich
nicht!
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So. Und jetzt ist die Frage, wenn das Gesetz
nicht beschlossen wird, dann passiert genau eines,
Kollegin Dr. Krismer: Dass zum Beispiel der Richtmengenhandel nicht erfolgen kann. Dass Betriebe,
die vielleicht kleine Betriebe sind, ihr Kontingent
verkaufen wollen, nicht verkaufen können. Das
heißt, die Rechtssicherheit ist nicht gegeben, wir
haben eine Rechtsunsicherheit, liebe Damen und
Herren der Sozialdemokraten, nehmt das zur
Kenntnis! Und das ist verantwortungslos in unserem Lande, dieses Gesetz nicht zu genehmigen!
(Beifall bei der ÖVP.)
Ich habe also deutlich gemacht, wie wichtig
das ist für die Bevölkerung, insbesondere in dem
Fall natürlich für die landwirtschaftliche Bevölkerung, dass eine Rechtssicherheit gegeben ist. Kollege Grandl hat vorhin von einer Art Kollektivvertragsvergleich gesprochen. Das ist die eine Seite.
Ich sage euch noch eine dritte Seite.
Wir haben in Europa, wie ich schon betont
habe, erfolgreich verhandelt um das zu erreichen.
Ich habe gesagt, andere beneiden uns dafür. Und
andere lachen uns aus wenn wir das, was wir in
Europa verhandelt haben, nicht in der Lage sind,
auch dann von Brüssel abzuholen. Weil wir nicht in
der Lage sind, ein Gesetz zu machen ein entsprechendes, liebe Damen und Herren. (Beifall bei der
ÖVP.)
Ich darf daher abschließend wirklich die Sozialdemokraten einladen. Miteinander, so wie es der
Ministerrat beschlossen hat! Und ich nehme an,
dass sich die Herren Minister auch Gedanken gemacht haben was sie da im Ministerrat genehmigen. Ich nehme an, dass es vorher auch im Klub
der sozialdemokratischen Fraktion auf Bundesebene diskutiert worden ist. Von dem gehe ich aus.
Und jetzt strategische parteipolitische Spielchen zu
spielen, liebe Damen und Herren, das ist nicht in
Ordnung! Ich darf euch in aller Ruhe einladen …
(Abg. Weninger: Warum habt ihr das nicht beschlossen? Eine Veränderung habt ihr gehabt! Sag
das dem Schüssel und dem Molterer! Ihr habt die
Bauern im Stich gelassen, 7 Jahre lang!)
Du kannst dich eh zu Wort melden, Herr Kollege.
Ich darf euch in aller Ruhe einladen, die Verantwortung für den Staat hier wahrzunehmen. Die
Verantwortung für unser Land wahrzunehmen. Und
nicht leichtfertig parteipolitische Spielchen mit den
Bauern zu spielen. (Neuerlich heftige Unruhe bei
der SPÖ.)
Das wird nicht gehen, Herr Kollege!
Ich würde euch empfehlen, liebe Sozialdemokraten, fahrt ins Parlament, demonstriert vor euren
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eigenen Leuten, wenn die Regierung was anderes
macht als die Leute im Agrarklub von den Sozialdemokraten. Könnt euch hinstellen und demonstrieren! Wir haben sieben Jahre eine klare Regelung
gehabt, das ist gar keine Frage. Wir haben niemanden im Stich gelassen. Es geht darum, dass
ich nur an die Vernunft appelliere. (Weiterhin heftige Unruhe im Hohen Hause.)
Präsident Mag. Freibauer (gibt Klingelzeichen): Es ist schade um Ihre Beiträge. Man versteht das nicht mehr und kann es nicht protokollieren.
Abg. Moser (ÖVP): Abschließend darf ich
festhalten: Ich lade euch ein, zur Sachlichkeit zurückzukehren, die parteipolitischen Spielchen hintanzustellen. Es geht um viel mehr in unserem Land
als um parteipolitische Spielchen. (Beifall bei der
ÖVP. – Unruhe bei der SPÖ und den Grünen.)
Ich kann mich gerne selber ansprechen. Denn
der wesentliche Unterschied ist der, dass wir eine
Betroffenheit haben. Ihr redet über ein paar hundert
Millionen Euro als ob es da keine Betroffenen gäbe.
Es geht um die Verantwortung in unserem Staate
und es geht um zukünftige Perspektiven. Und daher lade ich die Sozialdemokraten ein, von Niederösterreich aus im Bund vorstellig zu werden. Damit
eine gute, gemeinsame Lösung, die zukunftsorientiert ist, besteht. Damit wir den ländlichen Raum
auch gemeinsam mit den Bauern für die Konsumenten entwickeln können. Danke sehr! (Beifall bei
der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Die Rednerliste ist
erschöpft. Die Berichterstatter haben das Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Friewald (ÖVP): Ich
verzichte!
Berichterstatter Abg. Herzig (ÖVP): Ich verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Sie verzichten. Ich
bitte um Aufmerksamkeit! Wir kommen zu den Abstimmungen. (Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg. 885/B-32/4:) Gegenstimmen? Der
Antrag wurde mit vier Gegenstimmen von den Grünen angenommen.
(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg.
886/B-38/4:) Gegenstimmen? Der Antrag wurde mit
vier Gegenstimmen der Grünen angenommen.
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Landtag von Niederösterreich
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(Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg.
902/B-43/4:) Auch dieser Antrag wurde mit vier
Gegenstimmen der Grünen angenommen.
Ich ersuche Herrn Abgeordneten Hensler, die
Verhandlungen zu Ltg. 906/H-2/3 einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Hensler (ÖVP): Herr
Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte über die
Ausstellung Hainburg 2007, Landeshaftung, Übernahme einer Landeshaftung, Antrag und Beschlussfassung.
Die Ausstellung Hainburg 2007 mit dem Titel
„Schicksalsjahre 907 – Die Schlacht von Pressburg
und das frühmittelalterliche Niederösterreich“ findet
in der Zeit vom 3. Juli bis 28. Oktober 2007 in
Hainburg in der Kulturfabrik statt. Die Ausstellung
stellt Niederösterreich an der Wende vom 9. zum
10. Jahrhundert, am Schnittpunkt der frühmittelalterlichen Kulturen im mitteleuropäischen Raum in
den Mittelpunkt.
Die Kulturfabrik, Hoher Landtag, wurde im heurigen Jahr eröffnet. Hainburg hat kulturell zweifelsohne viel zu bieten, das ist sicher unbestritten.
Hainburg liegt auf einem kulturellen Boden. Insgesamt werden rund 500 Projekte von 10 Leihgebern
aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und
Ungarn zur Verfügung gestellt. Der Gesamtwert der
Leihgaben beläuft sich derzeit auf 230.000 Euro.
Der Rahmen soll 250.000 betragen.
Ich ersuche Herrn Abgeordneten Dr. Prober,
die Verhandlungen zu Ltg. 907/L-24 einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Dr. Prober (ÖVP): Sehr
geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hoher Landtag! Ich berichte zum
NÖ Landschaftsabgabegesetz 2007.
Die bisherige Vollziehung des NÖ Landschaftsabgabegesetz 1994 hat erkennen lassen,
dass die Bestimmungen schwerfällig und wenig
praxisgerecht konzipiert sind. In Anbetracht des
Umstandes, dass in vielen Gemeinden nur ein oder
zwei Abbauanlagen vorhanden sind, erfolgt in vielen Fällen nicht die erwünschte Koordinierungsfunktion der Gemeinde. Eine Verlagerung der Aufgaben der Abgabenbehörde 1. Instanz zur Landesregierung würde bei direkter Einhebung durch die
Landesregierung ein parteienfreundlicheres System
installiert werden. In Anbetracht der notwendigen
umfangreichen Änderungen soll von einer bloßen
Novellierung des NÖ Landschaftsabgabegesetzes
1994 Abstand genommen und ein neues Landschaftsabgabegesetz 2007 erlassen werden.
Ich stelle daher den Antrag des Wirtschaftsund Finanz-Ausschusses über die Vorlage der
Landesregierung betreffend NÖ Landschaftsabgabegesetz 2007 (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend NÖ
Landschaftsabgabegesetz 2007 wird genehmigt.
2.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
Erforderliche zu veranlassen.“
Ich stelle hiermit den Antrag (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Für die in der Ausstellung ‚Schicksalsjahre 907
– Die Schlacht von Pressburg und das frühmittelalterliche Niederösterreich’ in der Kulturfabrik in
Hainburg/Donau gezeigten Objekte in der Zeit von
1. Juni bis 30. November 2007 eine Landeshaftung
in der Höhe von € 250.000,- zu übernehmen.“
Geschätzter Herr Präsident! Ich ersuche, die
Diskussion einzuleiten und die Abstimmung vorzunehmen.
Präsident Mag. Freibauer: Danke. Es gibt
keine Wortmeldung. Wir kommen sofort zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg. 906/H-2/3:) Keine Gegenstimmen. Der
Antrag wurde einstimmig angenommen.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Herr Präsident! Ich ersuche um Debatte und
Abstimmung.
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Mag. Fasan.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren!
Das Landschaftsabgabegesetz oder die jetzt
vorliegende Novelle des Landschaftsabgabegesetzes findet unsere Zustimmung. Es geht ja nicht um
die Praktiken des Schotterabbaues und die damit in
Zusammenhang stehenden Praktiken der Behörden
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
in Niederösterreich, die uns natürlich viel mehr
interessiert, sondern nur um die Art und Weise der
Einhebung. Und dass das das Land macht halten
wir für vernünftig und stimmen dem Antrag zu.
Erlauben Sie mir aber ein paar Sätze über das
Wesen des Schotterabbaues in Niederösterreich,
das tatsächlich, insbesondere was die Vorgangsweisen der Behörden betrifft, durchaus reformbedürftig ist. Ich glaube, hier gibt es einiges zu
verbessern. Und wir rufen den Herrn Landesrat auf,
hier ein bisschen auf den Bezirkshauptmannschaften für Ordnung und für weniger Parteilichkeit zu
sorgen. Denn was dort abgeht, das ist nämlich nicht
von schlechten Eltern.
Ich nenne Ihnen drei Beispiele: Keine UVP,
selbst wenn offensichtlich die Kumulationsregel
anzuwenden wäre, schwere Mängel in den UVPAblehnungsbescheiden. Und zwar kommt mir mittlerweile vor, das hat Methode. Wenn es irgendwo
eine UVP zu verhindern gibt in Niederösterreich
dann wird das gemacht. Nicht nur im Schotterabbau, sondern sonst auch. Was den Schotterabbau
betrifft, Paradebeispiel St. Georgen am Ybbsfelde,
wo ich Ihnen garantieren kann, dass diese Geschichte noch nicht ausgestanden ist. Hier wird
noch einiges auf uns zukommen und das ist eigentlich unglaublich wie man auf dem Rücken der Bevölkerung hier agiert. Als ginge es um die Schotterbarone und –baronessen und um sonst gar nichts.
Und nicht um die Interessen der Menschen und
nicht um die Interessen der Natur. Ich glaube
gerne, dass es auch – wie soll man sagen, wie
könnte man das formulieren - … (Abg. Hinterholzer:
Das ist Diskreditierung! Tu nicht verallgemeinern!)
Nein nein nein! Das ist nicht Diskreditierung.
Da gibt’s schlimme Dinge! Ich komm dann zum
zweiten Beispiel das noch ärger ist. Ich will nicht
verallgemeinern. Ich nenne ganz konkrete Beispiele. Richtig ist, Kollegin Hinterholzer, dass sich
auch Betriebe, Schotterabbaubetriebe, gegen diese
Praktiken gewendet haben wie sie dort in St.
Georgen vorkommen. Und das soll auch nicht verschwiegen werden. Und ich stehe nicht an, das
auch zu sagen. Selbstverständlich, das ist ganz,
ganz klar. Wir wollen nicht verallgemeinern. Ja?
Aber ich darf ein zweites Beispiel nennen, das
meiner Ansicht nach das schlimmste ist in diesem
Zusammenhang. Und das ist der Pfaffenberg bei
Hainburg. Also was hier abgeht, da frage ich mich
schon, wo ist da die Betroffenheit der ÖVP? Wenn
im Natura 2000-Gebiet abgebaut wird. Wo ist da
die Rechtssicherheit für die Bevölkerung? Wenn im
Feinstaubsanierungsgebiet keine Maßnahmen
gegen die Feinstaubbelastung vorgenommen wer-
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
den? Wo ist da die Betroffenheit der ÖVP und des
Kollegen Moser? Wenn Vereinbarungen zwischen
den Betreibern und der Stadtgemeinde Hainburg
nicht eingehalten werden. Wo ist da die Rechtssicherheit der Menschen, von der gerade gesprochen
wurde?
Wenn der Kurort Deutsch Altenburg in seinen
Tourismuschancen und Entwicklungschancen massivst beeinträchtigt ist, wo ist da die Betroffenheit?
Wo ist da das Eingreifen der Behörde? Wenn Kulturgüter wie ein Jupitertempel, ein römischer Jupitertempel in der Gegend in der Nähe von Carnuntum einfach niedergewalzt wird. Wo ist da Ihre Betroffenheit? Wenn der Bürgermeister von der Bezirkshauptmannschaft allein gelassen wird bei seinen Bemühungen? Wo ist da die Rechtssicherheit?
Wenn sich Sprünge bilden in den Häusern der Bewohner, wo ist da die Betroffenheit? Wo ist da die
Rechtssicherheit? Wo ist die Unterstützung der
Bezirkshauptmannschaft? Wo die Unterstützung
des Herrn Landeshauptmannes, der sonst so gerne
populär zu den Menschen kommt und ihnen hilft.
Und hier steht und sagt: „Wir lassen niemanden
allein in diesem Land.“ Also wo ist da der Herr Landeshauptmann wenn es um solche Dinge geht? Da
werden wieder die Köpfe eingezogen. Das ist Ihre
Politik, meine Damen und Herren! (Beifall bei den
Grünen und Abg. der SPÖ.)
Drittes Beispiel, auch ganz wesentlich. Nämlich, es ist so interessant, ich weiß nicht, ob man es
als Willkür bezeichnen kann, ich will es nicht unterstellen. Aber diese Art und Weise wie Behörden
teilweise mit den Bürgern hier umgehen. Ich würde
wirklich einmal eine Runde machen, Herr Landesrat, zu den Bezirkshauptmannschaften. Aber ich
würde mir den Herrn Landeshauptmann mitnehmen. Und ich würde Ihnen empfehlen, gehen Sie
zu den Bezirksleuten hin und lassen Sie den Landeshauptmann da so auf den Tisch hauen wie
gestern in Wieselburg.
Betriebszeiten werden einmal nach dem Bergbaugesetz agiert, einmal nach dem Naturschutzgesetz. Parteienstellungen werden aberkannt für die
Betreiber. Liebsame Gutachten werden hergenommen, unliebsame Gutachten verschwinden
unter den Tischen. Die Niederschriften erfolgen
offensichtlich willkürlich. Stellungnahmen von Bürgerinitiativen werden aus den Niederschriften gestrichen. Das sind schwere Vorwürfe, ja! Schönkirchen bei Strasshof. Es sind wirklich Dinge, wo
man sich fragt, wie gibt es so was? Wie kann so
was passieren? (Beifall bei den Grünen.)
Also bei aller Zustimmung zu dem Landschaftsabgabegesetz und diese Vorlage kann ich
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
nur dringend empfehlen, den Schotterabbau und
die Zusammenhänge, die damit zusammen hängen, die Tätigkeit der Behörden in Niederösterreich
massivst zu kontrollieren und zu reformieren. (Beifall bei den Grünen.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Razborcan.
Abg. Razborcan (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Herr Landesrat! Hoher Landtag!
Nachdem es heute um die Änderung des
Landschaftsabgabegesetzes geht, möchte ich mich
auch mit diesem beschäftigen. Naturschutz ist nicht
die Aufgabe einiger weniger, an der Natur besonders interessierter Menschen, sondern Naturschutz
geht uns alle an. Ein effizienter Naturschutz muss
auf möglichst breiter Basis getragen werden. Gerade in den letzten Wochen und Monaten ist die
Diskussion über den Klimaschutz wieder intensiviert worden. Für mich lässt sich der Naturschutz
durchaus mit dem Klimaschutz vergleichen. Nur
wenn aktiv und von möglichst vielen daran gearbeitet wird, werden nachhaltig Erfolge zu erzielen
sein. Wir haben nur eine Natur, darum müssen wir
möglichst schonend mit ihr umgehen.
Im
bisherigen
Landschaftsabgabengesetz
wurde die Landschaftsabgabe geregelt. Diese Abgabe wird beim Abbau von Kies, Sand, Schotter
oder Steinen eingehoben und speist den Landschaftsfonds. Über den Landschaftsfonds wiederum werden Projekte gefördert, die der Pflege,
der Erhaltung, der Gestaltung und Weiterentwicklung der Natur und der Landschaft Niederösterreichs dienen. Von den Unternehmen werden jährlich mehr als 3 Millionen Euro an Landschaftsabgabe bezahlt. Und das Wichtige dabei ist, dass
diese Mittel sehr vielfältig, aber dennoch zweckgebunden verwendet werden.
Speziell für unsere Gemeinden ist die Förderung der Projekte aus dem Landschaftsfonds besonders wichtig. Sie werden für Projekte aus der
Landschaftspflege und des Artenschutzes für die
Gestaltung der Landschaft, für Gewässer und umweltschonende Wirtschaftsweisen sowie für touristische Einrichtungen in Anspruch genommen.
Durchschnittlich langen jedes Jahr rund 300 Anträge beim NÖ Landwirtschaftsfonds ein.
Ich habe mir den erst kürzlich präsentierten
Bericht des Landschaftsfonds näher angesehen. Im
Jahr 2006 sind insgesamt 192 Projekte mit Fondsförderungen von mehr als 10 Millionen Euro ausgestattet worden. Mit diesem Beitrag konnten zusätzlich weitere 11 Millionen Euro aus anderen
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Quellen aufgebracht werden. Damit sind Gesamtinvestitionen von 21 Millionen für eine ökologisch,
intakte Kulturlandschaft ausgelöst worden. Für
heuer hat der Landschaftsfonds bereits für 77 Projekte grünes Licht gegeben. In diesem Fall lösen
2,5 Millionen Euro Fondsmittel ein Projektvolumen
von 6,4 Millionen Euro aus. Bis zum Jahresende
werden wohl noch weitere Investitionsprojekte dazu
kommen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Alleine an diesen Zahlen können Sie sehen, dass die
Einhebung der Landschaftsabgabe zwar ein kleiner, aber dennoch wichtiger Beitrag zum Naturschutz ist. Bisher wurde diese Abgabe von den
Gemeinden eingehoben. In der Praxis hat sich aber
gezeigt, dass mit der Berechnung und Einhebung
der Abgabe sowohl für die Gemeinden als auch für
das Land ein entsprechender Arbeitsaufwand gegeben ist.
Mit dem neuen Landschaftsabgabengesetz soll
jetzt die Berechnung und Einhebung durch das
Land erfolgen, wobei sich an der Aufteilung der
gemeinschaftlichen Landesabgabe nichts ändert.
Die Gemeinden, in denen sich eine Gewinnungsstätte befindet, werden wie bisher 10 Prozent der
Mittel bekommen. Der 90-prozentige Ertragsanteil
des Landes ist zweckgebunden zur Mitfinanzierung
des NÖ Landschaftsfonds zu verwenden.
Mit diesem Gesetzesentwurf kommt es auf der
einen Seite zu einer Verringerung des Verwaltungsaufwandes und auf der anderen Seite ist mit
der Beibehaltung der Zweckbindung gewährleistet,
dass die Mittel auch weiterhin für die Pflege, Erhaltung und Weiterentwicklung der Natur und der
Landschaft Niederösterreichs dienen. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion wird daher diesem
Gesetzesentwurf die Zustimmung erteilen. (Beifall
bei der SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Hinterholzer.
Abg. Hinterholzer (ÖVP): Sehr geehrter Herr
Präsident! Hoher Landtag!
Einige Sätze zum NÖ Landschaftsabgabegesetz. Zunächst, es ist lange diskutiert worden und
nun liegt ein Entwurf am Tisch der, glaube ich, ganz
gut gelungen ist. Und glauben Sie mir, bei diesen
Beschlussfassungen sind schon zwei Seelen in
meiner Brust. Zunächst die eine als Unternehmerin
und als Interessensvertreterin.
Seit 1994 gibt es diese Abgabe in Niederösterreich. Es gibt sie in mehreren Bundesländern, aller-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
dings in unseren Nachbarbundesländern Oberösterreich, Steiermark und Wien nicht. Das heißt,
bei der Einführung damals 1994 war es sicherlich
für die Unternehmen, die vor allem im Grenzbereich
tätig sind oder in mehreren Bundesländern tätig
sind, nicht ganz einfach, diesen Steueranteil dann
auch in die Kalkulation umzuschlagen. Nunmehr
hat sich die Branche, glaube ich, damit abgefunden
und es ist Usus geworden.
Es ist gut, dass es zu einer Präzisierung des
Abgabegegenstandes gekommen ist. Nämlich dass
sämtliche mineralische Rohstoffe, die obertägig
gewonnen werden, nun mit einbezogen sind. Das
heißt, in erster Linie wird in Niederösterreich der
Lehm dazu kommen und damit ist dann auch mit
zusätzlichen Einnahmen zu rechnen.
Sehr positiv finden wir die Verwaltungsvereinfachung was die Überprüfung anlangt. Es sind in
Niederösterreich um 360 Unternehmen und 180
Gemeinden, in denen Abbaue stattfinden. Die Gemeinde war bisher einhebende Behörde. Und es
war manchmal nicht ganz einfach für die Gemeinden, auch die Kontrolle durchzuführen. Wir haben
heute schon viel darüber diskutiert, dass die Exekution eines Gesetzes ebenso wichtig ist wie ein
gutes Gesetz. Nunmehr ist es dann mit einer Behörde, nämlich dem Amt der NÖ Landesregierung,
sicherlich einfacher, die Abgaben dann auch zu
kontrollieren. Denn es kann ja nicht so sein, dass
alle jene – und zu denen darf ich mich auch zählen
– die pünktlich und ordentlich die Abgabe einzahlen, dann in Konkurrenz treten müssen mit jenen
die vielleicht nicht so pünktlich einzahlen oder halt
auch nicht überprüft werden.
Die abbauenden Betriebe im nachgelagerten
Bereich, ich denke da an die Industrie- und an die
Bauwirtschaft, sind immerhin 40.000 Mitarbeiter,
die hier in Niederösterreich betroffen sind. Man
sollte diesen Abbau von mineralischen Rohstoffen
in unserem Bundesland von seiner Wichtigkeit und
von seiner Wertigkeit nicht unterschätzten.
Der Materialabbau, und das an den Herrn Kollegen Fasan, ist durchaus ein sehr komplexes
Thema. Ich darf dir sagen, schwarze Schafe gibt es
überall. Aber du hast es eh hintangestellt, da zu
verallgemeinern. Ich kann dir aus Eigenem sagen,
es ist heute nicht einfach, da wirklich an Genehmigungen zu kommen. Es ist eine derartige Vielfalt an
gesetzlichen Materien zu beachten, von Mineralrohstoffgesetz, naturschutzbehördliche Genehmigungen, wasserrechtlich, forstrechtlich oft, und
dann wirklich einen Konsens zu finden, das ist oft
wirklich nicht leicht. Auch nicht, die Fülle der Auflagen einzuhalten.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Als Mitglied des Fachbeirates des NÖ Landschaftsfonds kenne ich die Fülle der Projekte, die
hier genehmigt werden und durchaus zur Erhaltung
und zur Weiterentwicklung der Natur in Niederösterreich beitragen. Es sind sehr unterschiedliche
Projekte, die den Artenreichtum der Tiere und
Pflanzen, aber auch die vielfältigen Landschaftselemente erhalten und verbessern sollen.
Der Abbau von mineralischen Rohstoffen, das
lassen Sie mir abschließend noch festhalten, ist
durchaus ein Eingriff in die Natur. Es sind Wunden,
die der Natur da zugefügt werden. Allerdings, so
wie am Menschen können diese Wunden auch
verheilen wenn mit entsprechenden Rekultivierungskonzepten und Ausgleichsmaßnahmen hier
auch begleitende Maßnahmen gesetzt werden.
Insofern geben wir auch von unserer Seite diesem NÖ Landschaftsabgabegesetz gerne die Zustimmung. (Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Die Rednerliste ist
erschöpft. Der Berichterstatter hat das Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Prober (ÖVP): Ich verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Es wird verzichtet.
Wir kommen zur Abstimmung. (Nach Abstimmung
über den vorliegenden Wortlaut des Gesetzes sowie über den Antrag des Wirtschafts- und FinanzAusschusses, Ltg. 907/L-24:) Ich stelle fest, einstimmig angenommen.
Ich ersuche Herrn Abgeordneten Herzig, die
Verhandlungen zu Ltg. 910/S-5/41 einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Herzig (ÖVP): Herr
Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich
habe über das Landes-Pflegeheim Gänserndorf,
Zu- und Umbauabschnitt 2 zu berichten.
Das Landespflegeheim Gänserndorf wurde im
Jahr 1983 errichtet und 1996 umgebaut. Derzeit
verfügt das Heim über 111 Betten, wovon 81
Pflege- und 30 Betreuungsplätze sind. Für den
derzeit in Bau befindlichen Zu- und Umbau wurde
mit Beschluss der NÖ Landesregierung vom 15.
März 2005 und mit Beschluss des NÖ Landtages
vom 26. Jänner 2006 nach Ausschreibung von 80
Prozent der Gewerke die erforderliche Genehmigung für die Gesamtkosten von 5,385.000 Euro
exklusive Umsatzsteuer eingeholt.
Die Bauphase 2 sieht jetzt vor die Sanierung
im Bestand, und zwar die Generalsanierung der
Hauptküche inklusive Einrichtung, Erneuerung der
950
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Heizkesselanlage, Erneuerung der Lüftungsgeräte
für Speisesaal und Küche, Erneuerung von Teilen
des Grundkanals, Erneuerung der Enthärtungsanlage, restliche Türverbreiterungen usw.
Dafür sind nach Ausschreibung 4,5 Millionen
Euro exklusive Umsatzsteuer, Stand Jänner 2004,
rückvalorisiert.
Mit Beschluss der NÖ Landesregierung vom 6.
Juli 2004 wurde die Einbringung des Landes-Pflegeheimes Gänserndorf in die LIG 2 genehmigt. Und
Zug um Zug mit der Veräußerung des Landes-Pflegeheimes Gänserndorf wurde per 16. Juni 2005
zwischen dem Land Niederösterreich und der LIG
ein Mietvertrag bezüglich der Rückmietung des
Gebäudes abgeschlossen. Nach Fertigstellung des
Zu- und Umbaues der Pflegestationen, des Zu- und
Umbaues Abschnitt 2, ergibt sich daraus folgende
Miete: Und zwar eine Jahresmiete Zu- und Umbau
Pflegestation von 215.232,- Euro. Ich darf hier den
Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses
über die Vorlage der Landesregierung betreffend
Landespflegeheim Gänserndorf, Zu- und Umbau,
Abschnitt 2, bringen (liest:)
Ltg. 910/S-5/41:) Ich stelle fest, einstimmig angenommen.
Ich ersuche Herrn Abgeordneten Maier, die
Verhandlungen zu Ltg. 911/S-5/42 einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Maier (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte
zu Ltg. 911/S-5/42 betreffend Landespflegeheim
Retz, Neubau.
Es geht hier darum, dass im Zuge von Planungsgesprächen sich aus Kostengründen ergeben
hat, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist als Sanierung und Umbau des Altbaus. Es soll ein Bau entstehen mit 108 Pflegebetten, in drei Pflegestationen
gegliedert, was der Baubeirat auch schon beschlossen hat. Bauzeitplan: Beginnend nächstes
Jahr 14 bis 16 Monate. Gesamtkosten 12,500.000.
Ich komme daher zum Antrag (liest:)
„Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses über die Vorlage der Landesregierung
betreffend Landespflegeheim Retz, Neubau.
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
2.
Der Zu- und Umbau Abschnitt 2 (Betreuungsstation und Sanierung im Bestand) des
Landespflegeheimes Gänserndorf wird mit Gesamtkosten von € 4,500.000,- exkl. USt. (Preisbasis 10/2005) genehmigt.
Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der Neubau des Landespflegeheims Retz wird
mit Gesamtkosten von € 12,500.000,-- exkl.
USt. (Preisbasis 10/2005) genehmigt.
2.
Finanzierung
Finanzierung
Auf Basis des Leasingvertrages mit der Bank
Austria Creditanstalt Leasing GmbH errechnen
sich nachstehende voraussichtliche jährliche
Leasingraten:
Auf Basis des Mietvertrages mit der Land NÖ
Immobilienverwaltungsgesellschaft m.b.H. errechnet sich nachstehende voraussichtliche
jährliche Miete für den Zu- und Umbau Abschnitt 2 (Betreuungsstation und Sanierung im
Bestand):
Zu- und Umbau Abschnitt 2, jährliche Miete €
253.680,- exkl. USt.
3.
Die NÖ Landesregierung wird ermächtigt, die
zur Durchführung des Beschlusses erforderlichen Maßnahmen zu treffen.“
Herr Präsident! Ich bitte, die Debatte einzuleiten und die Abstimmung durchzuführen.
Präsident Mag. Freibauer: Da keine Wortmeldungen vorliegen, kommen wir zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über den vorliegenden
Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses,
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Neubau, Immobilien (Laufzeit 25 Jahre) €
590.868,45 exkl. MWSt.
Neubau, Mobilien (Laufzeit 9 Jahre) €
207.141,12 exkl. MWSt.
3.
Die NÖ Landesregierung wird ermächtigt, die
zur Durchführung des Beschlusses erforderlichen Maßnahmen zu treffen.“
Herr Präsident! Ich bitte um Einleitung der Debatte und Durchführung der Abstimmung.
Präsident Mag. Freibauer: Da keine Wortmeldungen vorliegen, kommen wir zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über den vorliegenden
Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses,
Ltg. 911/S-5/42:) Ich stelle fest, einstimmig angenommen.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Ich ersuche Herrn Abgeordneten Ing. Gratzer,
die Verhandlungen zu Ltg. 912/H-11/29 einzuleiten.
Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen!
Berichterstatter Abg. Ing. Gratzer (SPÖ):
Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich
habe über den Neubau des Landesklinikums Thermenregion Baden-Mödling zu berichten.
Im Land der Spielautomaten fällt mir da ein
Begriff vom großen Glücksspiel ein rouge en noir.
Lange wusste man nicht in der Region, wird das
jetzt vielleicht so kommen wie die Rouge-Fraktion,
wie die SPÖ vor der Nationalratswahl noch sehr
viel Resolutionsanträge in Gemeinderäten verabschiedete? Die darauf drängten, entweder möge
man ein Schwerpunktklinikum machen oder man
möge zumindest hier eine fundierte Machbarkeitsprüfung machen ob zwei Standorte oder ein Standort.
Für die Realisierung des Neubaues der beiden
Landeskliniken ist nach gegenwärtigem Planungsstand ein Zeitraum für die Planung und Umsetzung
im Standort Baden von zumindest fünf Jahren anzusetzen sowie ein Zeitraum für die Planung und
Umsetzung am Standort Mödling von zumindest
sieben Jahren.
Für das Gesamtprojekt wird auf der Grundlage
der vorliegenden Projektentwürfe aus den Architektenwettbewerben und der daraus abgeleiteten
und auf Plausibilität überprüften Kostenschätzungen der Architekten ergänzt um die angeführten
ergänzenden flankierenden Maßnahmen mit Gesamtkosten von € 330,500.000 ohne USt. auf
Preisbasis Jänner 2007 gerechnet. Da wir dieses
Geschäftsstück schon einstimmig im Wirtschaftsund Finanz-Ausschuss behandelt haben, beschränke ich mich jetzt auf das Vorbringen des
Antrages des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses
über die Vorlage der Landesregierung betreffend
Landesklinikum Thermenregion Baden Mödling,
Neubau (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Die Gesamtkosten in der Höhe von €
330,500.000,- ohne Ust (Preisbasis: Jänner
2007) für das Investitionsvorhaben ‚Landesklinikum Thermenregion Baden Mödling, Neubau’ werden grundsätzlich genehmigt.
2.
Der Anwendung eines außerbudgetären Sonderfinanzierungsmodells wird zugestimmt.
Die genaue Projektbeschreibung des Investitionsvorhabens ist der Technischen Beilage
(Beilage A) zu entnehmen.“
Sehr geehrter Herr Präsident! Ich ersuche um
Einleitung der Debatte und um Durchführung der
Abstimmung.
Präsident Mag. Freibauer: Ich eröffne die
Debatte. Zum Wort gelangt Frau Abgeordnete Dr.
Krismer-Huber.
Und die Noir-Fraktion, allen voran Landesrat
Mag. Sobotka, ist für meinen Geschmack mehr als
überheblich in der Region aufgetreten und hat von
vornherein gesagt, es werden zwei Standorte sein.
Was bei vielen, vielen niedergelassenen Ärztinnen
und Ärzten, ich glaube berechtigt, nicht sehr gut
angekommen ist. Denn zu einem gemeinsamen
Gesundheitssystem gehört auch, dass man die, die
in dem System drinnen sind, von vorne weg mitnimmt. Dass man sie einbindet und dass man einfach offen kommuniziert was geplant ist. (Beifall bei
den Grünen.)
Mir als Opposition war es oder ist es bis heute
nicht nachvollziehbar, wie man zu dieser Entscheidung gekommen ist. Es sind mir die Unterlagen von
Mag. Sobotka nie übermittelt worden. Anscheinend
gibt es Prüfungen. In der Begründung, im Sachverhalt zu diesem Antrag steht einiges über den
Standort Mödling drinnen, das so verwirrend ist,
dass man heute gar nicht mehr nachvollziehen
kann, hat jetzt Mödling bzw. die ECO PLUS eine
Fläche angekauft oder hat sie nicht. Mein Wissensstand und der in der Region ist, ja, natürlich hat die
ECO PLUS ein Areal angekauft und es hat sich
dann herausgestellt, aus vielen technischen Faktoren, auf diesen beruhend, dass es eben nicht geeignet ist für diese Widmung Spital.
Dennoch bin ich sehr froh, dass jetzt dieses
Projekt uns hier so vorliegt und dass das endlich
fixiert wird. Ich habe mich auch immer zurückgehalten, nicht so wie andere gewählte Mandatarinnen in der Region, also ich mein’ nicht Landtagsabgeordnete, sondern primär Gemeinderätinnen,
die anscheinend besser wissen, welche Abteilungsaufteilung in den zwei Häusern sein sollte. Da
stehe ich schon am Standpunkt, dass das die
Fachexpertinnen besser zu bewerten wissen. Wie
952
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
wohl ich jetzt von pensionierten Menschen der kollegialen Führung in den Häusern höre, dass sie
nicht glauben, dass das die beste Lösung ist. Ob es
nicht doch klüger gewesen wäre, einen Bereich nur
konservativ einzurichten und in dem anderen eben,
wie man so sagt, die ganzen „schneidenden“ Abteilungen.
Dennoch, jetzt liegt es hier. Für mich als Opposition, und das haben wir im Ausschuss schon
besprochen, wäre es jetzt sehr wichtig, wenn wir
ein Landesklinikum Thermenregion Baden Mödling
hier mit 330 Millionen Euro verabschiedeten. Dass
es dann eine Abrechnung gibt für beide Projekte.
Ich glaube, das ist es auch was der Rechnungshof
sehr gerne hätte: Dass hier dieses Baucontrolling
und die Abrechnung für beide Projekte nachvollziehbar ist und dass es dann nicht zu einer Vermischung kommt.
Ich hoffe auch, dass in Bälde das Landes-Pensionisten- und Pflegeheim Baden der Öffentlichkeit
präsentiert wird. Und ich hoffe nach wie vor, dass
das zuständige Regierungsmitglied Dr. Petra
Bohuslav Abstand nimmt von der Variante, in diesen zwei alten Bettentürmen über sechs Stockwerke hinweg ein Pflegeheim mit budgetierten 18,8
Millionen Euro zu errichten. Ich glaube in der Tat,
da muss es bessere Lösungen geben. Die Grünen
werden diesem Antrag natürlich gerne die Zustimmung geben und hoffen, dass jetzt damit endlich
Ruhe einkehrt in der Region. Danke! (Beifall bei
den Grünen.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Kernstock.
Abg. Kernstock (SPÖ): Werter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Mit dem heute zur Beschlussfassung vorliegenden Tagesordnungspunkt über den Neubau des
Thermenklinikums an den beiden Standorten
Mödling und Baden wird eine grundlegende Entscheidung für die medizinische Versorgung der
Bevölkerung im Süden von Wien für die nächsten
Jahrzehnte getroffen.
Gestatten Sie mir einige Sätze zur Chronologie
dieses enormen Bauvorhabens. Durch die Übernahme der damaligen Gemeindekrankenanstalt
Baden mit 1.1.2003 in die Rechtsträgerschaft des
Landes und dem folgenden Zusammenschluss der
Krankenanstalten Baden und Mödling wurde die
Möglichkeit einer Neukonzeption der medizinischen
Versorgung der Bevölkerung im Süden Wiens geschaffen.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Die Stadtgemeinde Baden hat im Zuge der
Übernahmeverhandlungen auch ein Grundstück zur
Erweiterung des Gesamtareals angeboten. Nach
Prüfung verschiedenster Varianten wurde von den
Abteilungen des Landes und dem NÖGUS ein Neubzw. Umbau des Krankenhausstandortes in Baden
sowie ein Neubau des Standortes in Mödling vorgeschlagen.
Die gesamten Projektkosten für die beiden
Vorhaben wurden damals vom NÖGUS mit 160
Millionen Euro beziffert und mit Beschluss des
Ständigen Ausschusses im NÖGUS am 27. Mai
2004 in den Bauplan aufgenommen.
Es ist allgemein bekannt, dass meine Fraktion
grundsätzlich eine andere Lösung, nämlich die
Errichtung eines neuen, zusätzlichen Schwerpunktkrankenhauses im unmittelbaren Einzugsgürtel
südlich von Wien präferiert hätte. Eine Lösung die
bei vielen Ärzten, dem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, aber auch bei großen Teilen der
Bevölkerung größte Sympathie gefunden hat.
Meine Fraktion hat sich aber den fachlichen
Vorgaben gebeugt, nämlich dass die schwerpunktmäßige Versorgung des Industrieviertels sowohl im
ÖKAP als auch im nachfolgenden ÖSG für das
Industrieviertel dem Krankenhaus Wr. Neustadt
zugeordnet ist.
Meine Fraktion bekennt sich auch zur Standortgarantie, die im Zuge der Krankenhausübernahme jeder Gemeinde von Seiten des Landes
zugesagt wurde und die nun eingehalten werden
muss. Obwohl Mödling keine solche dezidierte
Standortgarantie erhalten hat, weil dort ja immer
schon ein Landeskrankenhaus bestanden hat,
muss auch für Mödling im Sinne des Gleichheitsgedankens fiktiv diese Standortgarantie gelten.
Für den Neubau des Krankenhauses Mödling
wurde sogar über eine Gesellschaft des Landes ein
Grundstück in der Guntramsdorfer Straße, eben in
Mödling unmittelbar in Bahnnähe, angekauft. Eine
Realisierung auf diesem ins Auge gefassten und
bereits für das Land gekauften Grundstück war aus
lärmschutz-, vibrations- und magnetfeldtechnischen
Gründen nicht möglich. Zwei Gutachten vom November 2005 haben damals von der Errichtung
eines Neubaues auf diesem Grundstück dringend
abgeraten. Die Kosten für die Sicherung des
Grundstückes zur Errichtung eines Krankenhauses
müssen leider als verlorener Aufwand betrachtet
werden. Die Notwendigkeit eines Neubaues des
Krankenhauses Mödling ist unbestritten. Das
Krankenhaus platzt aus alle Nähten. Eine optimale
953
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
betriebswirtschaftliche Führung ist im bestehenden
Haus auf Grund der Raumsituation nicht möglich.
Meine Fraktion – und auch das ist hinlänglich
bekannt - hat aus einer Reihe von Gründen wie zu
geringe zur Verfügung stehende Baufläche, mögliche Verzögerung durch zu erwartende Einsprüche
von Anrainern im Bauverfahren, keine oder zu geringe Erweiterungsmöglichkeit für die Zukunft, Beeinträchtigung des laufenden Betriebes durch die
Baumaßnahmen, mögliche Einschränkung der
medizinischen Versorgung während der Bauphase,
massive Belästigung der Anrainer während der
gesamten Bauphase, Verlängerung der bereits
bestehenden Überbelastung der Bediensteten
durch die Bauphase, einen Neubau am bestehenden Areal als nicht optimale Zukunftslösung betrachtet.
Es wurde daher seitens der SPÖ abermals intensiv nach einem Alternativgrundstück in Mödling
gesucht und dem Land Niederösterreich ein sehr
großes Grundstück in Wr. Neudorf direkt an der
Mödlinger Stadtgrenze zur nochmaligen Prüfung
vorgeschlagen.
Die Vorteile für diese Standortoption wären
künftige Erweiterungsmöglichkeiten auf Grund der
Grundstücksgröße sowie eine gute Anbindung an
das überregionale Verkehrsnetz gewesen. Die
Prüfung des Grundstückes hat aus raumordnungsfachlicher Sicht und aus Sicht der Wasserwirtschaft
jedoch zahlreiche Nachteile bzw. Unsicherheitsfaktoren wie offene Fragen betreffend Ankauf der
Liegenschaft, erhöhtes Gefahrenpotenzial des
Grundstückes, erhöhtes Emissions- und Immissionspotenzial auf Grund der verkehrsnahen Lage
erforderlicher Verkehrs An- und Erschließungen,
Zeitverzögerungen durch Gutachten, Widmungsänderung, Neuaufrollung des Architektenwettbewerbes und der Konsumentenverfahren gezeigt.
Es wäre daher mit einer Gesamtverzögerung
dieses Vorhabens von weiteren zwei bis drei Jahren zu rechnen gewesen. Angesichts der Tatsache,
dass eine gute medizinische Versorgung der Bevölkerung im Raume Mödling in den bestehenden
Räumlichkeiten zeitlich nur mehr sehr begrenzt
möglich ist und die Belastung für die Patienten und
das Personal bereits jetzt an der Grenze des Zumutbaren angelangt ist, hat sich meine Fraktion
dazu entschlossen, einen Neubau am bestehenden
Standort zuzustimmen, obwohl dieser Standort
nach wie vor nicht die optimale und wünschenswerte Lösung darstellt.
Bei Abwägung aller Vor- und Nachteile könnte
eine zusätzliche Verzögerung des Neubaues des
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Krankenhauses deutlich mehr negative Auswirkungen auf die Versorgung der Menschen haben als
ein Neubau am bestehenden Areal mit all den von
mir vorhin geschilderten Unbilligkeiten.
Meine Fraktion hat daher der Entscheidung
zugunsten einer raschen Lösung den Vorzug gegeben und wird auch bei der nachfolgenden Abstimmung natürlich die Zustimmung erteilen. Ich
danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der
SPÖ.)
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Hintner.
Abg. Hintner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wenn man jetzt die zwei Vorredner hört könnte
man sagen, Ende gut alles gut. Und ich freue mich
natürlich
auch
für
das
Thermenklinikum
Baden/Mödling. Nur, auch ich muss etwas bezüglich der Chronologie und der damaligen Politik etwas berichten, was da abgegangen ist. Vielleicht
dass heute etwas Einsicht gekommen ist. Das eine
war einmal, dass wir uns alle gut erinnern können
wie August Breininger zum Landesfinanzreferenten
gegangen ist und die Situation des Gemeindespitals Baden diskutiert hat. Dass alles nicht sehr
einfach war für die Stadt Baden und dass wir auch
dann gemeinsam versucht haben, Baden und
Mödling einander näher zu bringen.
Ich darf mich auch recht herzlich bedanken für
die Bemühungen damals von Jonny Bauer, der hier
wirklich sehr, sehr intensiv versucht hat, die beiden
Häuser näher zu bringen. Letzten Endes war es
auch die Entscheidung Badens, Integration in den
Landes-Krankenanstaltenverbund, der eigentlich
jetzt diese Erfolgsstory, die wir noch vor wenigen
Wochen gefeiert haben, ins Rollen gebracht hat.
Also der Gustl und die Stadt Baden waren ja hier
Pioniere gemeinsamer Lösungen im Bereich der
Krankenanstalten.
Was dann allerdings gekommen ist war schon
ein gemeinsames Überlegen, beide Häuser und der
ehemals verantwortliche Landesrat Schabl, verantwortlich damals als Gesundheitslandesrat hatte
schon einen Konsens gefunden zwischen Wolfgang
Sobotka und ihm. Nämlich wie die beiden Häuser
zu führen sind, dass es beide Häuser geben muss.
Die Frage Umbau, Zubau und, und, und wurde
alles diskutiert. Mit einer Ausnahme einer Fraktion:
Der Grünen. Und sinngemäß hat die Kollegin
Krismer damals gemeint in der Diskussion um
Mödling, na, was brauchen wir eigentlich Mödling?
Wir haben in Baden eh genug Fläche, da müssen
954
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
wir eh was machen. Mödling wäre an und für sich
verzichtbar. Unsere Grünen haben ein bisschen
eine Schrecksekunde gehabt, haben das nicht
ganz so nachvollzogen. Aber das war eine deiner
ersten Meldungen und sie ist in der APA nachlesbar! (Heftige Unruhe bei Abg. Dr. Krismer-Huber.)
Wie der Kollege Hochner gesagt hat, für einen Politiker ist halt ein Archiv eine schlimme Sache, liebe
Kollegin! So schauts aus! (Beifall bei der ÖVP.)
Wir haben natürlich Stimmen gehabt, die dann
gesagt haben, Moment, ob wir das eine konservativ, das andere operativ führen. Wir führen da vielleicht jetzt auch noch die Kapsch in der Gegend
herum. Und was ist wenn ein Patient etwas hat was
im anderen Krankenhaus nicht geleistet wird? Es
haben sich also sehr viele Sorgen gemacht und
Gedanken. Und dann kam nämlich die Idee dieses
Schwerpunktkrankenhauses. Die Frage eines
Schwerpunktkrankenhauses, die eigentlich rechtlich
vom Land Niederösterreich oder vom betroffenen
Bürgermeister gar nicht geregelt werden kann, weil
das ganz einfach mit der Bundesverteilung etwas
zu tun hat. Und selbst wenn es für viele Ärzte wünschenswert gewesen wäre, in der Tat, weil so ein
Schwerpunktkrankenhaus hat Spitzenmedizin, hat
andere Abrechnungen und es ist ganz einfach für
gute und Spitzenmediziner oft wünschenswert, in
solchen Häusern zu arbeiten.
Ja, diese Stimmen hat es gegeben! Es hat
aber keiner beantworten können wo ich ein
Schwerpunktkrankenhaus mit einer Bettenanzahl
von 800 bis 1000 Betten mit dem zu erwarteten
Verkehrsaufkommen, und das in der Region zwischen Mödling, Baden oder von mir aus Mödling
und Wr. Neustadt, etablieren werde, sodass es
nämlich auch den Versorgungsauftrag innerhalb
eines gewissen Radius, in einer gewissen Zeit, ich
auch diese spitalsärztliche Versorgung erhalte,
abdeckt. Alle waren obergescheit, aber sagen
konnte es niemand! Es konnte auch niemand ein
Grundstück anbieten. (Beifall bei der ÖVP.)
In der ganzen Diskussion keine konstruktiven
Vorschläge, keine Orte wurden … Oja, ein Ort
wurde einmal genannt, die Martinek-Kaserne. Gut!
Man kann es einmal so stehen lassen. Die Ärzte,
die hier zitiert wurden, dieselben Ärzte, die dann
gesagt haben, ja, Mödling ist überhaupt verzichtbar,
Schwerpunktkrankenhaus oder dann doch in
Baden, dieselben Ärzte waren übrigens jene, die
verhindert haben, dass in einem Stadtviertel von
Mödling zwischen Mödling Stadt und der Hinterbrühl, in der Vorderbrühl es zu einem Krankenkassenvertrag mit einem praktischen Arzt gekommen
ist.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Die Gebietskrankenkasse hat zweimal zugestimmt, weil sie das Erfordernis erkannt hat. Die
Ärzte, egal aus irgendwelchen Gründen, nicht! Dieselben Ärzte, die auch dafür waren, dass es praktisch vor Wien, und wir wissen, dass Wien eine
Absaugung erzeugt, dieselben Ärzte haben sich
dagegen ausgesprochen. Heute wird ein Objekt
gehandelt, auch in einer schönen Ortschaft nahe
von Wien, wo in diesem Haus eine Privatorthopädie, eine Privatneurologie – und bekanntlich macht
man ja kein Geschäft mit diesen Dingen – dort entstehen soll.
Also ein bisschen hat man schon das Gefühl
gehabt, dass da dieser Gruppe von Ärzten nicht
das Wohl der spitalsärztlichen, spitalsmedizinischen Versorgung ein Anliegen war, sondern vielleicht eher etwas anderes.
Wir haben uns natürlich auch mit der Frage
des Grundstückes beschäftigt. Ich möchte nur auf
ein paar Argumente eingehen. Das Grundstück ist
in hervorragender Art und Weise von der LIG, von
Wolfgang Sobotka, von allen Betroffenen gekauft
worden. Und das auch mit einem ganz einem tollen
Mischpreis. Wir hätten auch dort eine perfekte Verkehrslösung gehabt. Nur, auch das gibt es leider in
unserem Land, wir haben dort einen Mischpreis
erzielt von 210 Euro, 180 in etwa, was bei uns im
Betriebsgebiet relativ günstig ist. Man muss sich
vorstellen, um über den Bahndamm zu einer Verkehrslösung zu kommen, hat dann ein Firmenbesitzer gemeint, nein, er möchte 450 Euro für die Verkehrsfläche haben. Also das hätte wirklich das
Projekt lange Zeit auf Eis gesetzt.
Es hat eben Leute gegeben, die haben gemeint, sie können spekulieren. Sie können ganz
einfach dem Land dermaßen große Hürden hinsetzen. Natürlich, in der Analyse, wie der Kollege
Kernstock gesagt hat, das eine oder andere hat
oder hätte es gegeben. Aber wir wissen auch, dass
ähnliche Probleme das Allgemeine Krankenhaus in
Wien gehabt hat und auch diese konnten gelöst
werden. Letzten Endes fand ich, dass es ein ganz
richtiger Ansatz war, sich als Land nicht von etwaigen Grundstückseigentümern erpressen zu lassen
um überhöhte, dem Markt nicht übliche Preise, zu
bezahlen.
Auch was jetzt die Frage Umbau, Nicht-Umbau
betraf: Stellen wir uns vor, wir hätten in der
Guntramsdorferstraße, die jetzt Kalterergasse
heißt, wir hätten dort gebaut. Tatsache ist, man
hätte ja das Krankenhaus abreißen müssen, das
alte. Es wäre der Schmutz, der Lärm, der Staub ja
den Anrainern nicht entgangen. Es hat einmal ge-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
heißen von einer Fraktion bei uns im Gemeinderat,
na diskutieren wir mit dem Land ob wir nicht aus
25.000 m2 einen Park machen können. Ja, auch
das hat es gegeben. Ich habe es nicht sehr für
ernsthaft gehalten.
Tatsache ist, es wäre wahrscheinlich verwertet
worden mit Wohnungen, mit Betriebsgebiet. Aber
die Frage des Lärms, die Frage des Schmutzes, die
Frage des Abrisses, einmal ganz deutlich gesagt,
das hätte auf jeden Fall die Anrainerschaft tragen
müssen. Wie sehr sie sich dessen bewusst war, hat
dann eine Unterschriftenaktion, von uns initiiert
gezeigt. Nämlich dass alleine in kürzester Zeit in
der Stadt Mödling bei 3.000 Unterschriften, darüber
hinaus 4.000, aber in der Stadt um die 3.000 Unterschriften, gesammelt wurden. Und dass, was uns
gefreut hat, interesannterweise sehr viele aus der
Umgebung, die dann so oder so argumentiert haben. Weil es doch so viel Ältere gibt, na klass, das
Krankenhaus in meiner Nähe. Auch wenn es Staub
gibt, ich kann zu Fuß hingehen. Am anderen Ende
der Stadt, wer weiß ob das kommod gewesen
wäre.
Also das heißt, das Bekenntnis, und das war
immer gegeben, der Stadt Mödling, dieses Krankenhaus anzunehmen, war zu mehr als zwei Drittel
in der Stadt manifestiert.
Die Frage von Alternativstandorten, sage ich
abschließend, habe ich schon etwas als Politikum
empfunden. Tatsache ist, und wenn es mittlerweile
anders üblich ist, möge man mich korrigieren: An
und für sich ist es üblich, dass, wenn Landeseinrichtungen kommen, also sprich Spitäler, Pflegeheime, dass das Grundstück die jeweilige Gemeinde, die jeweilige Stadt zur Verfügung zu stellen
hat. Wir haben das seinerzeit gemacht in der Stadt
Mödling mit einem sehr, sehr großen Grundstück.
Den weiteren Flächenbedarf, den potenziellen hat
damals der zuständige Landesrat Wagner negativ
beurteilt in der damaligen Beantwortung an Bürgermeister Horny, wir brauchen nicht mehr. Dafür
hat auf der Reservefläche die Mödlinger Genossenschaft schöne Wohnungen gebaut.
Wir waren schließlich der Auffassung, dass wir
nicht ein zweites Mal bezahlen. Weil ja dieses alte
Grundstück in diesem Fall, wo das jetzige Krankenhaus gestanden wäre, natürlich zu einem Quadratmeterpreis, der in Mödling üblich ist, zu verwerten gewesen wäre. Das heißt, auch immerhin noch
immer eine Art der Gegenfinanzierung, sodass das
Land unseren Argumenten gefolgt ist und wirklich
außergewöhnlich und einmalig gesagt hat, okay,
wir kaufen das dort, weil wir woanders verwerten
können.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Mir ist nicht bekannt geworden, nicht klar, dass
das Land das jemals in der Zweistandort-Frage
jemals irgend welchen anderen Gemeinden etwas
versprochen hätte. Und mir ist jedenfalls nicht bekannt im Laufe der Diskussion, egal ob es die Gemeinden Wr. Neudorf, Traiskirchen oder sonstige
sind, Herr Landesrat Sobotka, wir schenken dir
25.000 bis 30.000 m 2 und jetzt baut ein Krankenhaus dort. Wir haben es im Laufe dieser Diskussion
nicht gehört.
Ich freue mich, dass wir wirklich einen profunden Architektenwettbewerb abschließen konnte.
Mich freut auch die Hartnäckigkeit von Wolfgang
Sobotka. Mich freut auch die Hartnäckigkeit der
Führungen beider Häuser. Und mich freut auch,
dass wir auch als Kommunalpolitiker einiges durchgestanden haben und durchstehen durften. Mich
freut aber auch besonders, dass die Landesrätin
Kadenbach und auch die SPÖ der Argumentation
der Experten gefolgt ist, sodass ich mich jetzt auf
eine sehr ruhige Detailplanung freue und vielleicht
doch auf einen gemeinsamen Spatenstich im
zweiten Quartal des Jahres 2008. (Beifall bei der
ÖVP und Abg. Weninger.)
Präsident Mag. Freibauer: Die Rednerliste ist
erschöpft. Der Berichterstatter hat das Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Ing. Gratzer (SPÖ): Ich
verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Er verzichtet. Wir
kommen zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über
den vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg. 912/H-11/29:) Ich stelle
fest, einstimmig angenommen.
Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsichtige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 913/J-1/2 sowie
Ltg. 914/L-37 wegen des sachlichen Zusammenhanges gemeinsam zu verhandeln. Berichterstattung und Abstimmung werden jedoch getrennt erfolgen. Wird gegen diese Vorgangsweise ein Einspruch erhoben? Das ist nicht der Fall.
Ich ersuche Herrn Abgeordneten Ing. Haller,
zuerst zum Geschäftsstück Ltg. 913/J-1/2 und danach zu Ltg. 914/L-37 zu berichten.
Berichterstatter Abg. Ing. Haller (ÖVP):
Danke. Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte
zur Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Jagdgesetzes, Ltg. 913/J-1/2.
Zur Verwendung des Jagdanwendungsprogrammes sind aus datenschutzrechtlichen
Gründen zum Schutz der Privatsphäre der betroffe-
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
nen Bürgerinnen und Bürger Änderungen im NÖ
Jagdgesetz 1974 nötig. Es ist weiters aufgrund des
elektronischen Jagdanwendungsprogrammes möglich, die Regelungen über die Ausstellung von
Jagdkarten bürgerfreundlicher zu gestalten. Außerdem ist das Vorkommen von Großhaarraubwildarten zu regeln.
Die Geschäftsstücke liegen Ihnen vor. Ich
komme daher zum Antrag des LandwirtschaftsAusschusses über die Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Jagdgesetzes
1974 (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Änderung des NÖ Jagdgesetzes 1974 wird genehmigt.
2.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
Erforderliche zu veranlassen.“
Weiters möchte ich berichten über Ltg. 914/L37, zum Entwurf der Änderung des Gesetzes über
die Beeidigung und äußere Kennzeichnung der
öffentlichen Landeskulturwachen.
Auch dieses Geschäftsstück liegt Ihnen vor.
Zur Verwendung des Jagdanwendungsprogrammes sind aus datenschutzrechtlichen Gründen zum
Schutz der Privatsphären der betroffenen Bürgerinnen und Bürger Änderungen des Gesetzes über die
Beeidigung und äußeren Kennzeichnung der öffentlichen Landeskulturwachen nötig.
Ich komme daher zum Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses über die Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des Gesetzes über
die Beeidigung und äußere Kennzeichnung der
öffentlichen Landeskulturwachen (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
1.
Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Änderung des Gesetzes über die Beeidigung und
äußere Kennzeichnung der öffentlichen Landeskulturwachen wird genehmigt.
2.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
Erforderliche zu veranlassen.“
Werter Herr Präsident, ich ersuche um Debatte
und Abstimmung.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Präsident Mag. Freibauer: Ich eröffne die
Debatte. Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mag.
Motz.
Abg. Mag. Motz (SPÖ): Herr Präsident! Sehr
geehrte Damen und Herren!
Ich darf zu dem vorliegenden Entwurf einer
kleinen Novelle des Jagdgesetzes Stellung nehmen. Ich möchte eingangs das schon im Bericht
erwähnte Jagdanwendungsprogramm löblich erwähnen. Mit diesem Programm werden künftig
Daten, die mit der Jagdausübung im Zusammenhang stehen, elektronisch verwaltet werden können. Wie wir wissen, sind diese Daten bisweilen
noch in Karteien geführt worden und es war für die
Benutzer relativ mühsam, mit den Karteien zu arbeiten. Für den Bürger bedeutet diese Umstellung
auf eine einheitliche EDV, dass die Anliegen künftig
rascher bearbeitet werden können. Alle Bezirkshauptmannschaften werden künftig auf alle jagdrelevanten Datenzentralen Zugriff haben. Also die
Daten bezüglich der Jagdkarten, der Jagdaufsicht
etwa, des Jagdkatasters und der Statistik.
Für den Datenschutz ist in diesem Zusammenhang gut vorgesorgt. Dadurch, dass das Verwaltungsprogramm eine Insellösung darstellt, die mit
anderen System nicht verknüpft ist, auch die
Zugriffs- und Änderungsberechtigungen zentral
verwaltet und erteilt werden und ausschließlich
Bedienstete, die mit jagdrechtlichen Angelegenheiten zu tun haben, darauf Zugriff haben und Berechtigungen erteilt bekommen. Ich meine daher,
dass die Einführung dieses Programms eine wirkliche verwaltungstechnische Verbesserung bedeutet.
Die Novelle bringt auch gesetzliche Neuerungen im Zusammenhang mit dem Großraubwild,
also Bär, Wolf und Luchs. Bären, meine Damen
und Herren, sind ja, wie Sie wissen, im 19. Jahrhundert in unserem Land in Österreich leider ausgerottet worden. Ihre allmähliche Rückkehr in den
folgenden Jahrzehnten hat eine Trendumkehr im
Artenschutz bewirkt. Unter Anführungszeichen
„schwierigen Tierarten“ wurde auch ein Lebensrecht in der vom Menschen besiedelten Kulturlandschaft eingeräumt. Damit sind natürlich, wie wir
wissen, auch Probleme aufgetreten. Dann aufgetreten, wenn die Tiere zu dicht an Siedlungen herangekommen sind und Schäden im Bereich der
Imkerei oder der Landwirtschaft angerichtet haben.
Daher darf ich jene LIFE-Projekte hervorheben, die sich in den vergangenen Jahren intensiv
mit dem Schutz der Bären befasst haben. Nieder-
957
Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
österreich hat sich an solchen Projekten beteiligt
und zwar hinsichtlich Erarbeitung eines Managementplanes, der die Ziele und Leitlinien für den
Bärenschutz in Österreich vorgibt, wobei die Habitatsicherung und die Information der Bevölkerung
sowie die Kontrolle der Bären im Mittelpunkt der
Forschung gestanden ist.
In den österreichischen Ostalpen haben wir
derzeit 20 Braunbären, die jedoch, wie Forschungen ergeben haben, vor allem jene Bären im
Ötscher- und Hochschwabgebiet, überwiegend aus
einer Familie stammen. Diese Tatsache ist natürlich
für die Bestandserhaltung bedenklich. Für die langfristige Erhaltung dieses Bestandes ist daher ein
gewisser großräumiger genetischer Austausch
vonnöten. Daher meine ich, dass sich das Land
auch weiterhin an der Erforschung der Bären in den
Ostalpen finanziell beteiligen soll.
Der von mir angesprochene Managementplan
hat auch Vorschläge entwickelt wie mit auffälligen
Bären umzugehen ist und hat hier die Maßnahmen
der Vergrämung, des Fanges, der Besenderung
und etliches mehr vorgeschlagen.
Darauf hat die Novelle jetzt Rücksicht genommen und hat eingeräumt, dass im Anlassfall die
Behörde die Möglichkeit erhält, auf kurzem Weg
eine fachlich notwendige Entscheidung zu treffen,
die ohne Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten vollzogen werden kann. Das regelt der neue
§ 100a des Entwurfes. Und auch für die Behandlung von problematischen Wölfen und Luchsen ist
gleiches vorgesehen, wobei ja das Vorkommen
dieser beiden Arten in Niederösterreich eher gering
ist. Es ist also, das möchte ich positiv hervorheben,
Vorsorge getroffen worden, dass nicht jeder noch
so kleine wirtschaftliche Schaden sofort einen
behördlichen Auftrag im Sinne dieses Paragraphen
nach sich zieht. Und im Übrigen ist ja eine Abschussverfügung dann nur die ultima ratio.
Primär müssen also gelindere Mittel wie eben
der Fang oder die Besenderung, oder wenn es
nicht geht, eben die Vergrämung zur Problemlösung herangezogen werden. Ein Halali, um es so
auszudrücken, auf Bären ist damit nicht ermöglicht
worden. Ganz im Gegenteil! Denn die Zuziehung
fachkundiger Personen, unter anderem des Bärenanwaltes, zur Befolgung des Behördenauftrages
sorgt auch für eine fachgerechte Erfüllung des behördlichen Auftrages. Das ist ein ganz wesentlicher
Punkt im Sinne des Erhaltes des Bärenbestandes
in Österreich. Wir Sozialdemokraten werden daher
der Novelle unsere Zustimmung geben. (Beifall bei
der SPÖ.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Frau Abgeordnete Dr. Petrovic.
Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Landesrat! Hohes Haus!
(Zweiter Präsident Sacher übernimmt den Vorsitz.)
Im Zusammenhang mit der Jagd werden wir
natürlich als Oppositionspartei, als grüner Klub hier
im Landtag weit eher immer wieder mit den Fällen
konfrontiert, wo es Unzufriedenheiten gibt, vielleicht
auch in einem oder anderem Fall Verhaltensweisen, die Kopfschütteln auslösen oder auch sogar
bis hinein in den Bereich der Rechtswidrigkeit reichen.
Und hier, wenn sie zu uns herangetragen werden, handelt es sich überwiegend um tatsächliche
oder behauptete Verstöße bei der Ausübung der
Jagd. Oder auch Dinge wofür ich gesagt habe, da
tritt auch bei mir ein gewisses Kopfschütteln ein.
Wie der Fall, der jetzt durch die Medien gegangen
ist, dass eine Gruppe von Tagesmüttern hier in der
Zentralregion ein Stück Wald pachtet zur Nutzung,
damit die Kinder, was ja alle Pädagogen sehr
empfehlen, direkt in der Natur aufwachsen und hier
natürlich auch ein besseres Verständnis für die
Natur und natürliche Zusammenhänge entwickeln
können. Und dann entsteht auf einmal ein Interessenskonflikt mit der Jagd und Jägern. Die nämlich
sagen, die Kinder müssen da raus aus dem Wald,
weil sie das Wild verscheuchen. Und da, denke ich
mir, da hört sich mein Verständnis für ein derartiges
Verständnis von Jagd wirklich auf. (Beifall bei den
Grünen.)
Und wir haben auch ähnliche Vorfälle, die uns
geschildert werden im Zusammenhang mit Kindergärten oder auch … (Unruhe im Hohen Hause.)
Wissen Sie, man kann Menschen auch so schützen
indem man ihnen überall verbietet hinzugehen. Und
gerade bei kleinen Menschen, die eigentlich die
Welt kennen lernen sollen, mit wachem Geist und
mit offenen Augen und Ohren. Wenn man denen
dann sagt, da hast du deinen Kindergartenraum
und da bewegst du dich nicht hinaus, dann sind sie
wahrscheinlich vor gewissen Gefahren geschützt.
Ich meine nur, das ist ein Anführungszeichen
„Schutzprinzip“ das ich für sehr untauglich halte.
(Beifall bei den Grünen.)
Also wie gesagt, das ist gar kein Einzelfall. Jetzt ist
einmal jemand an die Medien gegangen. Wir haben
auch andere Fälle wo uns berichtet wird – und der
Herr Landesrat weiß es, weil ich hab ja auch einige
Anfragen dazu gestellt – wenn uns berichtet wird
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
von alten, langsamen Haustieren, die sich ein
Stückerl von ihrem Haus entfernt haben, die weit
davon entfernt sind, eine Gefahr für irgendwen oder
für das Wild darzustellen und die dann ein Stückerl
entfernt vom Wohnhaus der Eigentümerin, des
Eigentümers, niedergeschossen werden. Da denke
ich mir irgendwie, muss das sein?
Oder auch wenn es Fälle gibt von ursprünglichen Wildtieren wie Rehe die halt verletzt worden
sind, zum Beispiel durch landwirtschaftliche Geräte.
Die dann gesund gepflegt werden, als Haustiere
aufwachsen, handzahm sind. Und dann plötzlich
von Jägern niedergeschossen werden weil sie über
einen Gartenzaun gehüpft sind. Also da, muss ich
dann sagen, wenn das noch „waidlich“ ist, da hört
sich mein Verständnis wirklich auf! (Abg. Präs. Ing.
Penz: Bei den Jägern oder bei den Grünen?)
Das war in dem Fall sehr eindeutig. Alle diese
Fälle sind ja auch dann mit einem ziemlichen Aufschrei der Empörung durch die Medien gegangen.
Jetzt konzediere ich sehr gern, Herr Präsident,
dass das sicherlich Einzelfälle sind. Aber ich denke,
wir sind gerade auch in einem anderen Bereich
jetzt konfrontiert immer wieder, und auch da gibt’s
halt die eine oder andere Klage über sehr, sehr
feuchtfröhliche Jagdgesellschaften. Und wir haben
ja gerade heute auch das Thema gehabt in Bezug
auf die Jugend, ob man hier nicht ein Quäntchen
strenger werden sollte. Und daher bring’ ich einen
Antrag ein. Weil ich glaube, gerade im Hinblick auf
die Zuverlässlichkeit von Personen, die natürlich
mit Waffen umgehen, müsste man ein allerhöchstes Maß an Sicherheit und auch an Vorbildwirkung
hier auch legistisch verankern.
Daher stellen wir folgenden Resolutionsantrag
betreffend Alkoholverbot bei der Jagdausübung.
Wie gesagt, hier handelt es sich um den Umgang
mit Schusswaffen. Hier handelt es sich auch um
Liegenschaften, die natürlich der Erholung dienen
sollen, die verschiedenen Nutzungen unterliegen.
Und daher wäre zumindest in unseren Augen im
Rahmen einer heute zeitgemäßen Novelle des
Jagdgesetzes unbedingt auch ein derartiges Alkoholverbot mit einzubeziehen. Wir stellen daher den
Antrag (liest:)
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Dr. Petrovic, Mag. Fasan,
Dr. Krismer-Huber und Weiderbauer zum Verhandlungsgegenstand Antrag des LandwirtschaftsAusschusses, Ltg. 913/J-1/2, Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Jagdgesetzes 1974, betreffend Alkoholverbot bei der
Jagdausübung.
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Die vorliegende Novelle wird eine moderne
elektronische Verwaltung sämtlicher mit der Jagd in
Zusammenhang stehender Daten umgesetzt. Damit
wird auch die Verwaltung der Jagdkarten auf eine
moderne Basis gestellt.
Die Ausübung der Jagd ist in der Regel mit
dem Führen eine Schusswaffe verbunden. Im
Sinne eine verantwortungsvollen und sicheren
Ausübung der Jagd muss ein höchstmöglicher Sicherheitsstandard gewährleistet werden. Der Wald
dient der Erholung und ist für die Allgemeinheit frei
betretbar. Leider kommt es - selten aber doch - zu
Fällen von Alkoholisierung bei der Jagdausübung.
Alkohol und Ausübung der Jagd sind unvereinbar. Daher sollte ein striktes Alkoholverbot bei der
Jagdausübung eingeführt werden. Vorgeschlagen
wird eine 0,1 Promille Alkoholgrenze. Damit soll
gewährleistet werden, dass Messunschärfen oder
die Aufnahme von Alkoholspuren, etwa durch Medikamente oder Nahrungsaufnahme, sanktionsfrei
bleiben.
Die Gefertigten stellen daher gem. § 60 LGO
folgenden Antrag:
Der Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung
wird aufgefordert,
dem Landtag eine Novelle zum NÖ Jagdgesetz
vorzulegen, mit der eine 0,1 Promille Alkoholgrenze
…“ –
um gewisse Medikamente noch möglich zu
machen … „… bei der Jagdausübung eingeführt wird und
bei Verstößen gegen dieses absolute Alkoholverbot, Sanktionen und der Entzug der Jagdberechtigung vorgesehen werden.“
Ich füge hinzu, dass ich bei einer zeitgemäßen
Novellierung des Jagdgesetzes nicht nur die Frage
von möglichen „Problembären“, wie es dann immer
heißt, hier einbezogen hätte, sondern es gibt, wie
gesagt, manchmal und vereinzelt auch ein problematisches Verhalten bei Menschen. Und das sind
doch die Gründe, aus denen eine Berechtigung,
eine erteilte Berechtigung entzogen werden kann,
schon also etwas salopp gefasst. Wenn zum Beispiel nur extreme Formen von Tierquälereien beim
ersten Mal zu einer derartigen Maßnahme führen
können, ansonsten mehrmalige Übertretungen von
Tierschutzbestimmungen möglich sind und die
Person kann immer noch berechtigterweise die
Jagd ausüben.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Das heißt, hier scheint es uns so, dass man
weit weniger die Frage einzelner, vielleicht problematisch werdender Tiere regeln hätte sollen. Also
ich denke mir, so viele haben wir noch nicht, dass
das große Novellen rechtfertigt. Und wenn man das
schon tut, dann, finde ich, hätte man unbedingt
auch möglicherweise problematische Verhaltensweise einzelner Menschen, wie etwa den übermäßigen Alkoholkonsum oder gewisse Vorfälle, die
meiner Meinung nach vom Besitz, vom Führen
einer gefährlichen Waffe ausschließen sollten, hier
in das Gesetz hineinnehmen sollen. Danke! (Beifall
bei den Grünen.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Rednerin erteile ich Frau Abgeordneter Ebner das Wort.
Abg. Ebner (SPÖ): Geschätzter Herr Präsident! Geschätzte Herren Landesräte!
Liebe Frau Kollegin Petovic! Wir lassen uns die
Jägerschaft sicher nicht schlecht reden. (Beifall bei
Abg. von ÖVP und von SPÖ.)
Als passionierte Jägerin weiß ich, dass es wie
in anderen Bereichen ebenfalls, Einzelfälle von
Tierquälerei gibt und diese müssen natürlich geahndet werden. Und wir als Jäger haben auch den
Auftrag, einen gesunden und artenreichen Wildbestand zu erhalten. In zweiter Linie haben wir die
Aufgabe der Hege. Ein ganz wichtiger Bereich der
Jagd und der Wildwirtschaft. Nochmals, Tierquälerei im Zusammenhang mit der Jagd, muss ausnahmslos bestraft werden.
Aber ich möchte mich heute nicht mit der Jagd
beschäftigen, sondern dem Landeswachengesetz
einige Anmerkungen widmen. In den vier verschiedenen Gesetzen gibt es Bestimmungen über die
öffentlichen Wachorgane. Und da gibt es die Regelungen des NÖ Jagdgesetzes, des Fischereigesetzes, des Forstausführungsgesetzes und des
Umweltschutzgesetzes.
Im Jagdgesetz ist geregelt, wie viele Jagdaufseher im Revier zu bestellen sind. Das Fischereigesetz sieht vor, dass der Fischereiausübungsberechtigte einen Fischereiaufseher namhaft zu machen hat. Das NÖ Forstausführungsgesetz sieht
vor, dass auf Antrag des Waldeigentümers eine
geeignete Person der Bezirksverwaltungsbehörde
namhaft gemacht werden kann und das NÖ Umweltschutzgesetz sieht vor, dass auf Anfrage Umweltschutzorgane durch die Bezirksverwaltungsbehörden zu bestellen sind.
Bestimmungen über die Beeidigung bzw. die
äußere Kennzeichnung sind wiederum in einem
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
anderen Gesetz verankert. Und dieses Gesetz wird
heute beschlossen, wobei die SPÖ dazu die Zustimmung gibt. Trotzdem möchte ich vielleicht darauf hinweisen, dass dieses Gesetz ziemlich veraltet
ist. Im Jahre 1978 fand die letzte Novellierung statt.
Ich habe im Landesgesetz nachgeschaut, es ist
schon ein sehr vergilbtes Gesetz. In dem alten
Landesgesetz gibt es einige Bestimmungen für die
das neue Landeswachengesetz eine Änderung
vorsieht.
Es war im einzelnen Materiengesetz nicht vollständig geregelt ob das Wachorgan mittels Bescheid zu bestätigen ist oder nicht. Das neue Gesetz sieht jetzt vor, dass mittels Bescheid dies auch
eindeutig geregelt werden muss. Im Fischereigesetz haben wir das bis jetzt schon gehabt. Hier hat
es vom Fischereiverband bereits einen Bescheid
gegeben. Und die Dienstbereiche über die bestätigten und beeideten Wachorgane sind nunmehr
bereits als geleistetes Gelöbnis vorhanden. Sollten
neue Bereiche hinzukommen, ist dem bereits Genüge getan. Eine Erleichterung wird es auch beim
Verlust von Dienstausweisen und Dienstabzeichen
geben. Da ist jetzt die zuständige Bezirkshauptmannschaft auch bei grenzüberschreitenden
Dienstbereichen zuständig, was auch eine wesentliche Erleichterung für die einzelnen Betroffenen
darstellt.
Es sind viele positive Bestimmungen in der
neuen Gesetzesvorlage enthalten, jedoch wäre zu
überdenken, ob dieses Gesetz in Zukunft noch
unbedingt notwendig wäre. Ich möchte heute einen
Resolutionsantrag einbringen, der anregt, dieses
Gesetz aufzuheben. Diese einzelnen Bestimmungen über Beeidigungen bzw. Kennzeichnung,
betreffend
Dienstabzeichen,
Dienstausweise
könnten auch in einer gestrafften Form in das jeweilige Materiengesetz eingefügt werden. Daher
stelle ich den Antrag (liest:)
„Resolutionsantrag
der Abgeordneten Ebner zur Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des Gesetzes
über die Beeidigung und äußere Kennzeichnung
der öffentlichen Landeskulturwachen, Ltg.914/L-37,
betreffend Aufhebung des NÖ Kulturwachengesetzes.
Das Gesetz über die Beeidigung und äußere
Kennzeichnung der öffentlichen Landeskulturwachen wurde vor der vorliegenden Novelle zum
letzten Mal im Jahre 1978 novelliert. Schon damals
gab es Überlegungen, dieses Gesetz aufzuheben
und den Inhalt in die jeweiligen Materiengesetze
einzuarbeiten.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
In der Zwischenzeit hat sich der NÖ Landtag
mehrfach zur Deregulierung bekannt, um die Anzahl der Landesgesetze in sinnvoller Weise zu
verringern.
Beim Inhalt des Gesetzes über die Beeidigung
und äußere Kennzeichnung der öffentlichen Landeskulturwachen scheint es ebenfalls ohne größere
Probleme möglich, die Bestimmungen betreffend
Beeidigung, Dienstabzeichen und Dienstausweis in
gestraffter Form in das jeweilige Materiengesetz
aufzunehmen und daher das gegenständliche Gesetz aufzuheben.
Die Gefertigte stellt daher den Antrag:
Der NÖ Landtag wolle beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert, im
Sinne der Antragsbegründung dem NÖ Landtag
ehestmöglich Gesetzesnovellen vorzulegen, mit
denen die unbedingt notwendigen Bestimmungen
des NÖ Kulturwachengesetzes, sowie die allgemeinen Rechte und Pflichten, in die einzelnen Materiengesetze des NÖ Jagdgesetzes 1994, des NÖ
Fischereigesetzes 2001, des NÖ Forstausführungsgesetzes und des NÖ Umweltschutzgesetzes
in gestraffter Form eingebaut werden, und das Gesetz über die Beeidigung und äußere Kennzeichnung der öffentlichen Landeskulturwachen aufgehoben wird.“
(Beifall bei der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Ich erteile dem
nächsten Redner, Herrn Abgeordneten Ing. Pum
das Wort.
Abg. Ing. Pum (ÖVP): Geschätzter Herr Präsident! Präsidenten! Geschätzter Landesrat! Geschätzte Mitglieder des Landtages!
Als praktizierender Jäger darf ich natürlich
vorweg nehmen, es wird heute nicht scharf geschossen. Vielmehr, die Jagd ist überwiegend damit beschäftigt, jahrein, jahraus das Wild zu hegen
und zu pflegen. Und letztendlich ist es auch der
Umgang mit der Natur, der vor allem die Jagd auszeichnet und der vor allem die Jägerschaft sehr
positiv ins rechte Licht rückt.
Ich glaube, dass dieses klischeehafte Andenken, dass heute betrunkene Jäger durchs Revier
wandern, mehr oder weniger Zeit von gestern sein
muss. Und ich glaube, es ist überhaupt nicht angebracht, hier in diese Richtung Resolutionen zu begründen. Ich glaube, dass gerade das Tragen von
Schusswaffen und letztendlich der Abgabe eines
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Schusses im Jagdgesetz äußerst scharf geregelt
ist. Und nicht nur die Regelung im Jagdgesetz,
sondern letztendlich trägt auch für die Abgabe eines Schusses jeder Jäger die Selbstverantwortung
und ist auch jeder Jäger selbst dafür verantwortlich
wie ein Schuss abgegeben wird.
Dass es im NÖ Jagdgesetz zu dieser Änderung, zu dieser Novellierung kommt, hat gravierende Vorteile, vor allem in der Datenverwaltung.
Daten effizient zu nutzen ist letztendlich ein besonderer Nutzen in der heutigen Zeit und schafft vor
allem schnellere Verwaltung und schafft vor allem
zentrale Verwaltung. Die Vorteile sind natürlich ein
rascher Zugriff, bessere Entscheidungsgrundlagen
und nicht zuletzt eine korrekte Jagdstatistik, Jagdkartenevidenz und besserer Überblick über die
Abschusszahlen, die getätigt werden.
Der Jagdverband selbst hat daher auch
schnellere Informationen über Entscheidungen und
nicht zuletzt auch über die Ausstellung von Jagdkarten. Und die Jäger selbst haben natürlich den
riesigen Vorteil, gerade bei Wohnsitzwechseln über
die neue Wohnsitz-Bezirkshauptmannschaft eine
Jagdkarte ausgestellt zu bekommen.
Und weiters darf das Datenschutzgesetz nicht
im Widerspruch zu den gesetzlichen Bestimmungen stehen. Ein besonderer Vorteil ist natürlich
auch die Gleichstellung der Schweizer Staatsbürger
und der langfristig aufenthaltsberechtigten Drittstaatsangehörigen bei Anerkennung als Berufsjäger und als Jagdaufseher. Dies entspricht einer EURichtlinie, die daher auch so umgesetzt werden
muss.
Vielleicht ein paar Bemerkungen, vieles ist
schon gesagt worden, zum Problembären Bruno,
der noch vielen bekannt ist. Vorsorgebestimmungen für den Fall eines Problembären in Niederösterreich. Hier soll die Behörde die Möglichkeit
haben, rechtzeitig wirkungsvolle Anweisungen zu
treffen. Und wenn es nicht der Jagdausübungsberechtigte, dann trifft letztendlich die Behörde, die
Entscheidung dafür, wie im Ernstfall vorzugehen ist.
Die Verwendung von Fallen, Betäubung,
Besenderung, Vergrämung und letztendlich das
letzte Mittel des Abschusses soll der Inhalt dessen
sein. Die bisher bewährte „Eingreiftruppe des
Braunbären“, die im Zuge des Braunbärenmanagementprojektes installiert wurde, soll mit ihren
Fachleuten, vor allem dem Bärenanwalt, hier mitwirken können.
Vielleicht noch ein paar Anmerkungen zum
Kulturwachengesetz. Da hat die Volkspartei eine
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
klare Haltung dazu, dass trotz dieses Dringlichkeitsantrages wir dem nicht so zustimmen werden,
sondern letztendlich für eine einheitliche Kennzeichnung aller Landeskulturwachen stehen. Und
bei Einzellösungen befürchten, dass es hier zu
einem Auseinandertriften in dieser Gruppe kommt.
Änderungen müssen vor allen dann in Materiengesetzen einzeln geändert werden. Das heißt,
es würde jedes Mal das NÖ Jagdgesetz, das Fischereigesetz, Forstausführungsgesetz und nicht
zuletzt das NÖ Umweltschutzgesetz geändert werden. Hinzukommen von neuen Kulturwachen ist im
neuen Kennzeichnungsgesetz geregelt. In dem
Sinne wird die ÖVP das so beschließen. (Beifall bei
der ÖVP.)
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
Ich ersuche nun Herrn Abgeordneten Findeis,
die Verhandlungen zu Ltg. 915/N-1 einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Findeis (SPÖ): Sehr
geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Ich habe über die
Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung
des NÖ Naturschutzgesetzes 2000 zu berichten.
Es ist allen Abgeordneten ein Exemplar zugegangen. Daher stelle ich den Antrag des UmweltAusschusses über die Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung des NÖ Naturschutzgesetzes 2000 (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Zweiter Präsident Sacher: Mit diesem Redner
ist die Rednerliste erschöpft. Der Berichterstatter
hat das Schlusswort.
1.
Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Änderung des NÖ Naturschutzgesetzes 2000
wird genehmigt.
Berichterstatter Abg. Ing. Haller (ÖVP): Ich
verzichte!
2.
Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
Erforderliche zu veranlassen.“
Zweiter Präsident Sacher: Er verzichtet. Wir
kommen zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über
den vorliegenden Wortlaut des Gesetzes sowie
über den Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses,
Ltg. 913/J-1/2:) Ich stelle fest, mit den Stimmen der
ÖVP, der SPÖ, des Abgeordneten Mag. Ram, gegen die Stimmen der Grünen mit Mehrheit angenommen.
Zu diesem Tagesordnungspunkt wurden Resolutionsanträge eingebracht. Der Resolutionsantrag der Abgeordneten Dr. Petrovic, Mag. Fasan,
Dr. Krismer-Huber und Weiderbauer betreffend
Alkoholverbot bei der Jagdausübung gelangt jetzt
zur Abstimmung. (Nach Abstimmung:) Der Antrag
findet keine Mehrheit. Die Grünen sind dafür, alle
übrigen Abgeordneten dagegen. Damit ist er abgelehnt.
Herr Präsident! Ich ersuche, die Debatte einzuleiten und die Abstimmung vorzunehmen.
Zweiter Präsident Sacher: Ich danke für die
Berichterstattung und erteile als erstem Redner
Herrn Abgeordneten Mag. Fasan das Wort.
Abg. Mag. Fasan (Grüne): Sehr geehrter Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren!
Damit kommen wir zur Abstimmung über Ltg.
914/L-37. (Nach Abstimmung über den vorliegenden Wortlaut des Gesetzes sowie über den Antrag
des Landwirtschafts-Ausschusses, Ltg. 914/L-37:)
Das ist einstimmig angenommen.
Ich mache es kurz und schmerzlos. Der
Schmerz besteht darin, dass er erstens nicht meiner ist, zweitens der Ihrige. Was ist denn der Anlass dieser Gesetzesänderung? Ich darf zitieren:
Gegen die Republik Österreich ist eine Klage der
Europäischen Kommission in der Rechtssache und
so weiter wegen unvollständiger, nicht korrekter
Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie ... und dann
heißt es weiter, … auch der mangelhaften Umsetzung der FFH-Richtlinie eingebracht worden. Und
daher ist das Land verpflichtet, sein Naturschutzgesetz zu ändern und diesen Richtlinien anzupassen.
Zu diesem Tagesordnungspunkt wurde der
eben genannte Resolutionsantrag der Frau Abgeordneten Ebner eingebracht betreffend Aufhebung
des NÖ Kulturwachengesetzes. (Nach Abstimmung
über diesen Antrag:) Ich stelle fest, mit den Stimmen der SPÖ, des Abgeordneten Ram und der
Grünen, gegen die Stimmen der ÖVP. Damit ist der
Antrag mehrheitlich abgelehnt.
Als hätten wir nicht seit Jahren immer wieder
gesagt, passt die Gesetzeslage den Natura 2000Bestimmungen an! Nein, das brauchen wir nicht,
weil wir sind so gescheit in Niederösterreich! Und
wir machen es, wie wir wollen! Und 25 Gutachten
machen wir zur Vogelschutzrichtlinie. Und streiten
uns lieber mit der Kommission herum, riskieren
Klagen, riskieren Verfahren, riskieren Strafzahlun-
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gen, nur damit wir unseren eigenen Weg gehen
können! Und wem natürlich nützen und dienen
können? Einmal dürfen Sie raten, Hohes Haus: Der
Landwirtschaft, dem Bauernbund! Gell, Herr Präsident, ich bin ein Hellseher!
den wir hier auch entsprechend die Zustimmung
geben. (Beifall bei der SPÖ.)
Aber weil das nun korrigiert wird und weil um
das Naturschutzgesetz den Richtlinien und den
Wünschen der Kommission entspricht und die
Verfahren damit aus der Welt schafft, stimmen wir
dieser Gesetzesvorlage zu. (Beifall bei den Grünen.)
Abg. Hensler (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Landesrätin! Hoher Landtag!
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Leichtfried zu Wort
gemeldet.
Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Sehr geehrter
Herr Präsident!
Die Natur ist sicherlich unsere Lebensgrundlage und es gilt daher, mit diesen Lebensgrundlagen auch sehr sorgfältig und sorgsam umzugehen.
Damit letztendlich einmal in Zukunft Mensch und
Tier in Harmonie miteinander leben können. Naturschutz muss lokal sein. Naturschutz muss flächendeckend sein. Naturschutz muss vernetzt sein.
Naturschutz muss aber auch natürlich über die
Nationalstaaten hinausgehen.
Kollege Fasan hat es schon gesagt: Seit 10.
Mai ist es amtlich, haben wir eine Verurteilung
durch die EU, dass wir eben hier gerade im Bereich
der FFH-Richtlinie nicht den Mindestanforderungen
der EU entsprochen haben. Genauso läuft ein
Verfahren bezüglich der Vogelschutzrichtlinie. Und
daher gilt es, das Naturschutzgesetz entsprechend
anzupassen.
Letzte Bemerkung dazu: Wieso sind wir in dieses Dilemma gekommen? Auch das hat der Kollege Fasan schon gesagt. Naturschutzinteressen
sollten …, oder im Naturschutz gibt es immer wieder Kollisionen, sagen wir es so. Letztendlich aber
sollten wissenschaftliche Kriterien für den Naturschutz hauptverantwortlich sein und die ökonomischen Kriterien hintangehalten werden. Hier in diesem Fall ist es eben wiederum wirklich die Landwirtschaft gewesen weshalb das Naturschutzgesetz
nicht in diesem Sinne entsprechend der FFH-Richtlinie bereits früher angepasst worden ist. Das haben wir versäumt, daher sind wir jetzt verurteilt. Wir
müssen jetzt nachvollziehen … (Unruhe bei der
ÖVP.)
Oja, wir müssen jetzt nachvollziehen, um nicht zu
einer Pönale, zu einer Strafe verurteilt zu werden.
Das geschieht mit diesem Gesetz und daher wer-
Zweiter Präsident Sacher: Nächster Redner
Herr Abgeordneter Hensler ist am Wort.
Novelle Naturschutzgesetz. Ich glaube, das
Naturschutzgesetz ist zweifelsohne wichtig, sicher
unbestritten. Und ich sage hier bewusst auch gerade, Herr Kollege Fasan, von der bäuerlichen
Sicht her unheimlich wichtig. Und das nehmen wir
für uns in Anspruch, die Bauern sind Naturschützer
schlechthin immer gewesen. Und ich glaube, in
dem Bereich werden wir das vehement unterstützen. (Beifall bei der ÖVP.)
Es wurde schon angerissen, was generell im
unmittelbaren Bereich war. Dass diese Novelle
Wirklichkeit wird, und gleichzeitig auch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes. Wir
haben dahingehend acht Wochen Zeit, von Seiten
des Landes das zu reparieren, hier die Richtlinien
zu organisieren und zu gestalten. Wir haben natürlich auch, es ist sicher unbestritten im unmittelbaren
Bereich dieser Aktivität dass Strafzahlungen möglich sind von Seiten der EU. Und was ich noch erwähnen möchte, mit der Novelle des NÖ Naturschutzgesetzes werden sämtliche aus der Sicht der
Kommission und des Europäischen Gerichtshofs in
Bezug auf das Bundesland Niederösterreich und
sein Naturschutzgesetz bestehenden legislativen
Mängel, der Gegenstand der Verurteilung Österreichs, fristgerecht behoben. Das haben wir, wenn
wir diese Novelle beschließen.
Neben der angesprochenen Fehlerberichtigung
umfasst die gesetzliche Novelle folgende konkrete
Inhalte: Neue Formulierung der Verpflichtung zur
Erstellung von Managementplänen. § 9 Konkretisierung der Kriterien für die Bewilligung der Ansiedlung nicht heimischer Wildarten. § 17 taxative Aufzählung von zugelassenen Fang- und Tötungsmittel, Einrichtungen und -methoden. Als entscheidende Änderung und Änderungsnotwendigkeit zu §
21 ist anzusehen: Darin wird bis dato bestimmt
dass das Verbot einer absichtlichen Beschädigung
oder Vernichtung von forstpflanzlichen Ruhensstätten von Tieren, die nach der gemeinschaftlichen
FFH-Richtlinie im Rahmen der Bestimmung der NÖ
Artenschutzordnung zu schützen sind auch auf
unabsichtliche Weise ausgedehnt wird.
Ich glaube, das sind wichtige Punkte. Ja, die
Novelle ist wichtig! Der Naturschutz stellt hier die
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wichtigen Voraussetzungen dar. Und ich bin überzeugt, wir werden gern der Novelle die Zustimmung
erteilen. (Beifall bei der ÖVP.)
Niederösterreich, die nur ein Kind haben. Und ich
kenne diese Problematik aus meiner Eigenschaft
als Gemeindepolitiker.
Zweiter Präsident Sacher: Damit waren alle
Redner am Wort. Die Rednerliste ist erledigt. Der
Berichterstatter hat das Schlusswort.
Ich habe selbst in meiner Gemeinde schon öfter den Antrag bzw. den Vorschlag gemacht, eine
Schulstarthilfe auszuzahlen. Ganz einfach um jene
zu unterstützen, die gerade es nicht so leicht haben
und die Familien, die zu Schulbeginn unter enormen finanziellen Belastungen leiden, zu unterstützen.
Berichterstatter Abg. Findeis (SPÖ): Ich verzichte!
Zweiter Präsident Sacher: Ich komme zur
Abstimmung. (Nach Abstimmung über den vorliegenden Wortlaut des Gesetzes sowie über den
Antrag des Umwelt-Ausschusses, Ltg. 915/N-1:) Ich
konstatiere einstimmige Annahme.
Ich ersuche nunmehr Herrn Abgeordneten
Razborcan, die Verhandlungen zu Ltg. 835/A-2/31
einzuleiten.
Berichterstatter Abg. Razborcan (SPÖ):
Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Landesrätin!
Hoher Landtag! Ich habe über den Antrag der Abgeordneten Vladyka, Cerwenka u.a. betreffend NÖ
Schulstarthilfe zu berichten.
Der Antrag liegt den Abgeordneten in Händen.
Ich stelle daher den Antrag des Sozial-Ausschusses (liest:)
„Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Der Antrag wird abgelehnt.“
Ich ersuche den Herrn Präsidenten, die Debatte einzuleiten und über den Antrag abstimmen
zu lassen.
Zweiter Präsident Sacher: Das war die Berichterstattung. Ich eröffne die Debatte. Als erster
Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Ram zu Wort
gemeldet.
Abg. Mag. Ram: Geschätzter Herr Präsident!
Werte Frau Landesrätin! Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Wir haben jetzt die Empfehlung des Ausschusses gehört, diesen Antrag abzulehnen. Ich persönlich werde diesem Antrag zustimmen. Ganz einfach
weil ich der Meinung bin, dass es ein richtiger
Schritt ist. Das Land Niederösterreich hat im Jahr
2004 beschlossen, dass es eben eine Schulstarthilfe gibt ab zwei Kindern. Das ist eine tolle Unterstützung für Familien. Aber es bleiben natürlich hier
welche auf der Strecke. Und zwar jene Personen in
Deswegen hat mich auch damals gefreut, dass
das Land Niederösterreich diesen Beschluss gefasst hat. Was mich halt gestört hat und was ich
aus persönlichen Bekanntenkreisen weiß, dass es
sicherlich sehr viele Menschen gibt, vor allem Alleinerzieher und Alleinerzieherinnen, die ein Kind
haben und die genauso betroffen sind durch diese
Problematik. Und ich glaube, auch wenn man vielleicht über das eine oder andere hier diskutieren
könnte in diesem Antrag, was für mich sehr wichtig
ist: Dass man hier diese Richtlinien im Sinne dieser
Antragsbegründung ändert und auch allen jenen
die Möglichkeit gibt, eine Schulstarthilfe in Anspruch zu nehmen, die nur ein Kind haben. Und
deswegen werde ich diesem Antrag die Zustimmung geben.
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Weiderbauer gemeldet.
Ich erteile ihm das Wort.
Abg. Weiderbauer (Grüne): Sehr geehrter
Herr Präsident! Frau Landesrätin! Hohes Haus!
Nachdem der Antrag lautet, man soll nicht zustimmen, werde ich dem nicht zustimmen, also
doch zustimmen oder wie auch immer. Wir kennen
uns aus. Ich kann der ursprünglichen Idee der
Schulstarthilfe natürlich auch sehr viel abgewinnen.
Und Kollege Ram hat ja schon gesagt, leider bezieht es sich nur auf Eltern mit zwei Kindern. Und
da fallen doch einige durch den Rost sozusagen.
Der Schulbeginn ist unbestritten eine große
Belastung für Familien, vor allem für einkommensschwache Familien und Alleinerzieherinnen. Und
vor allem – und darüber ist ja letztens im Ausschuss diskutiert worden, na ja, dann gibt’s den
Armutsbericht und dann ist großes Entsetzen bei
der ÖVP. Na, das hat ja mit Armut nichts zu tun.
Wenn wir von Alleinerzieherinnen sprechen, dann
gibt es da sehr wohl viele, die an der Armutsgrenze
sind. Und da sind 100 Euro sehr viel Geld! Egal ob
sie jetzt ein oder zwei Kinder haben. Also sie sollten das auch mit einem Kind auf alle Fälle bekommen.
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
Wenn ich schon einige Male erwähnt habe in
den letzten Monaten, dass für Inserate, gerade von
der ÖVP oder von der Landesregierung, für bildungspolitische Maßnahmen sehr viel Geld ausgegeben wurde und noch immer wird - es ist ja jetzt
wieder eine Inseratenkampagne im Laufen. Und
gemeint habe damals, das Geld hätte man besser
anlegen können, dann ist sicher hier ein Punkt wo
man das Geld auf alle Fälle besser anlegen könnte.
(Beifall bei den Grünen.)
Die ÖVP-Politikerinnen nützen ja diese Schulstarthilfe weidlich aus um vor allem dann am
Schulbeginn wie Heuschrecken in den Schulen
einzufallen und bekannt zu geben, wie toll hier nicht
für die Schülerinnen und deren Eltern gearbeitet
und was da an Geld ausgegeben wird. Wenn man
sich jetzt das Gesamtvolumen überlegt, das sind
ein paar tausend Schülerinnen und Schüler pro
Schuljahr. Das wird kein großes Loch in die Kassa
des Landes reißen. Also das ist auf alle Fälle leistbar. Daher freut es mich, dass es diesen Antrag der
SPÖ gibt und wir werden uns gerne diesem Antrag
anschließen und die Zustimmung geben. Danke
schön! (Beifall bei den Grünen und Abg. der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Rednerin erteile ich Frau Abgeordneter Vladyka das
Wort.
Abg. Vladyka (SPÖ): Sehr geehrte Herren
Präsidenten! Werte Mitglieder der Landesregierung!
Hohes Haus!
Ich darf mich heute auch zu einem, so glaube
ich, besonders wichtigen Tagesordnungspunkt,
nämlich der Ausweitung der Schulstarthilfe zu Wort
melden. Eines stimmt mich schon traurig, dass so
ein wichtiges Thema wie dieses als letztes diskutiert wird. Das zeigt mir aber wieder, wie besonders
wichtig dies anscheinend genommen wird. Oder ist
es vielleicht die Angst, eine negative Schlagzeile
als das „Kinderniederösterreich“ zu erhalten? Anders kann ich mir das nicht erklären.
Aber nichts desto Trotz möchte ich nochmals
auf die Situation der Familien in Niederösterreich
hinweisen. 201.000 Menschen sind in Niederösterreich armutsgefährdet. Das sind 12,9 Prozent der
Bevölkerung. Und hier liegt Niederösterreich über
dem Österreich-Durchschnitt, der ist nämlich bei
12,3 Prozent. Und 62.000 Kinder sind in Niederösterreich von Armut bedroht, und das sind immerhin 18 Prozent und sogar um 3 Prozent mehr als
der Österreich-Schnitt, der bei 15 Prozent liegt.
Für die Armutsgefährdung ist ja der Armutsschwellenwert maßgeblich. Dieser liegt bei 60 Pro-
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zent bei einem durchschnittlichen Nettomonatseinkommen und das sind derzeit 900 Euro. Die meisten armutsgefährdeten Menschen haben nur etwa
600 Euro zur Verfügung. Diese Tatsachen finden
auch im Sozialbericht, über den ich bei der Budgetsitzung bereits berichtet habe, ihren Niederschlag.
Ich darf aber trotzdem nochmals einige Daten
in Erinnerung bringen. Die Hilfen zum Lebensunterhalt weisen eine Steigerung in den Jahren 2001
auf 2006 um 37,4 Prozent auf. Die Dauerhilfen sind
sogar um 68,7 Prozent gestiegen. Besonders massiv zeigt sich das Bild bei den Hilfen in besonderen
Lebenslagen. Die Beihilfen zum Beispiel, hier ist die
Anzahl der Personen sogar um 463,9 Prozent und
der Aufwand der Beihilfen um 414,1 Prozent gestiegen! Und daraus zeigt sich, dass die Zahl jener,
die eine dauerhafte Unterstützung benötigen, ständig im Steigen ist und wir zusätzliche Maßnahmen
zu treffen haben.
Speziell Kinder, die in armutsgefährdeten
Haushalten aufwachsen, haben ungünstigere Entwicklungen in schulischer und beruflicher Ausbildung, in den familiären Beziehungen und Interaktionen, Freizeit und Interaktionen in gleichaltrigen
Gruppen. Diese Belastungen führen zu Beeinträchtigungen des emotionalen, sozialen, somatischen
und psychischen Wohlbefindens.
Das heißt, Kinder, die in einer von Armut betroffenen Lebenslage aufwachsen, erleben nicht
nur die Unterversorgung als traumatisch, sondern
auch die Ohnmacht der Eltern, die Probleme zu
meistern. Was Kinder wiederum in der Entwicklung
ihres Selbstwertgefühls entmutigt und in ihrer Entwicklung schwächt. Armut als fundamentale Erfahrung des Aufwachsens. Kinder, die in Armut leben,
bleiben arm und auch ihre Kinder werden arm sein.
Armut als soziales Erbe!
Meine sehr geschätzten Damen und Herren!
Lassen Sie mich kurz ein Zitat aus dem Armutsbericht vorbringen, das diese Situation noch stärker
unterstreicht: Hungrig in den Kindergarten. Das
Essensgeld ist noch immer nicht gezahlt. Sie kommen in der Früh hungrig in den Kindergarten. Im
Winter stapfen sie mit Turnschuhen durch den
Schnee. Das sind Kinder, die in knappen finanziellen Verhältnissen aufwachsen. Der Schulanfang
macht große Probleme, wenn Zirkel, Hefte, Stifte,
Einbände und Werksachen gekauft werden müssen.
Die Eltern versuchen zuerst einmal sich selbst
einzuschränken um den Kindern weiter ein normales Leben zu ermöglichen. Das geht auch einige
Zeit gut, aber nicht auf Dauer. In den Haushalten,
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Tagung 2006/07 der XVI. Periode
die unter der Armutsgrenze leben, muss das vorhandene Einkommen für das Notwendigste ausgegeben werden: Wohnen, Heizen und Ernährung.
Für Sozialkontakte, Bildung, für Nachhilfestunden
bleibt dann nichts mehr übrig. Dann schlägt die
angespannte finanzielle Situation in Armutshaushalten auch auf den Alltag der Kinder durch und auf
ihre Zukunft. Soweit ein Zitat aus dem Armutsbericht, welches uns wieder auf den Boden der Realität holen soll.
In Niederösterreich gibt es rund 16.200 Schulanfänger jährlich. Meine sehr geschätzten Damen
und Herren! Geben Sie allen die gleiche Chance!
Ich appelliere daher nochmals, speziell an die Kolleginnen und Kollegen der ÖVP: Geben Sie Ihren
Widerstand auf! Seien sie menschlich und zeigen
Sie mit Ihrer Zustimmung, dass Ihnen wirklich etwas an diesen Kindern Niederösterreichs liegt!
Denn ein Tropfen Hilfe ist besser als ein Ozean
voller Sympathie. Machen wir uns nicht schuldig!
Denn wer eine Not erblickt und wartet, bis um Hilfe
gebeten wird, ist ebenso schlecht als ob er sie verweigert hätte. So hat schon Dante gesprochen.
Danke sehr! (Beifall bei der SPÖ.)
Zweiter Präsident Sacher: Nächste Rednerin
ist Frau Abgeordnete Adensamer. Ich erteile ihr das
Wort.
Abg. Adensamer (ÖVP): Sehr geehrter Herr
Präsident! Sehr geehrte Frau Landesrätin! Werte
Kolleginnen und Kollegen!
Für die Schulstarthilfe werden jährlich 1,2 Millionen Euro ausgegeben. Im Vorjahr wurde die
Schulstarthilfe für 15.842 Kinder in Anspruch genommen. Das sind zirka 70 Prozent der Schulanfängerinnen und –anfänger. Die Auszahlung erfolgte an zirka 12.000 Familien.
Nun hat die SPÖ die Forderung eingebracht,
die Schulstarthilfe sozial gestaffelt auszuzahlen.
Das würde das Ende der raschen und unbürokratischen Hilfe bedeuten. Und das würde auch bedeuten, dass die Eltern einen Einkommensnachweis vorlegen müssten. In der Folge wären die
angegebenen Daten der Eltern zu überprüfen und
damit könnte die derzeit gepflogene Praxis, rasch
und punktgenau zu helfen nicht mehr eingehalten
werden.
Niederösterreich ist in der Familienpolitik Vorreiter in ganz Österreich. Niederösterreich ist Kinderösterreich! Wir bekennen uns zu unseren Familien, wir begleiten unsere Familien von der Wiege
bis zum letzten Augenblick. Wir fördern unsere
Familien mit einem umfassenden Förderpaket. Und
49. Sitzung vom 28. Juni 2007
wenn Sie heute noch nicht genug Sitzung gehabt
haben, so kann ich diese all jene Förderungen, die
es für Familien gibt, die es für Kinder gibt, die es für
Sozialfälle gibt, die es für Jugendliche gibt, vorlesen. Niederösterreich fördert punktgenau! Das ist
eben der Unterschied zum Gießkannensystem.
(Beifall bei der ÖVP. – Präsident Mag. Freibauer
übernimmt den Vorsitz.)
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Dort,
wo Hilfe notwendig ist, dort wird Hilfe gewährt. Und
da sind wir in Niederösterreich dem Menschen im
Wort. Und da stehen wir zu unseren Mitbürgerinnen
und Mitbürgern! Und auch Sie, sehr geehrte Abgeordnete, sind aufgerufen, punktgenau zu handeln.
Wenn Sie eben im tagtäglichen Leben …, wenn
Ihnen Familien bekannt sind, dann melden Sie dies
dem Land. Es wird nämlich auch abgesehen von
den Richtlinien in Härtefällen sehr wohl unterstützt.
Und es ist immer noch besser, unbürokratisch zu
helfen als mit langer Bürokratie weitere Barrieren
aufzubauen. Wir stimmen daher dem Antrag des
Sozial-Ausschusses zu. (Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Mag. Freibauer: Die Rednerliste ist
erschöpft. Der Berichterstatter hat das Schlusswort.
Berichterstatter Abg. Razborcan (SPÖ): Ich
verzichte!
Präsident Mag. Freibauer: Er verzichtet. Wir
kommen daher zur Abstimmung. Ich bitte um Aufmerksamkeit. Der Ausschuss-Antrag, zu Ihrer Erinnerung, lautet: „Der Antrag wird abgelehnt.“ (Nach
Abstimmung über den vorliegenden Antrag des
Sozial-Ausschusses, Ltg. 835/A-2/31:) Gegenstimmen? Der Antrag ist mit Mehrheit angenommen.
Dagegen gestimmt haben die SPÖ-Fraktion, die
Grünen, der Abgeordnete Mag. Ram.
Somit ist die Tagesordnung dieser Sitzung erledigt. (Präsident Mag. Freibauer erhebt sich.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bitte
noch um zwei Minuten Geduld! Wir werden uns in
diesen Ferien wieder treffen. Das ist der einhellige
Wunsch des Landtages. Heute wurde ja beschlossen, dass zur Umsetzung des Wahlrechtspaketes
am 30. August eine Sitzung des Landtages stattfinden soll. Dies liegt zwar in der sitzungsfreien Zeit,
aber es ist ja eine Soll-Bestimmung, dass zwischen
dem 15. Juli und 15. September eben sitzungsfrei
sein soll. Aus wichtigen Gründen kann man davon
abgehen. Das Wahlrechtspaket ist ein solch wichtiger Grund. In den Ferien wünsche ich Ihnen allen,
meine sehr geehrten Damen und Herren, und auch
den Regierungsmitgliedern, anwesend ist die Frau
Landesrätin Mag. Mikl-Leitner von der Regierung,
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Landtag von Niederösterreich
Tagung 2006/07 der XVI. Periode
gute Erholung, Sport, Bewegung und alles was
Ihrer Gesundheit förderlich ist. Es ist sicher auch
eine große Freude bei den Veranstaltern wenn Sie
die Angebote nutzen und bei den verschiedenen
Kulturveranstaltungen als Gäste teilnehmen. Wetter
kann leider und niemand beschließen, das kommt
so wie es kommt. Aber wir wünschen uns jedenfalls
gutes Wetter für die Landwirte, für den Tourismus,
für die Veranstalter, für die Ferien.
In dem Sinn also bis zur Sitzung am 30. August alles Gute und vor allem Erholung und Stärkung Ihrer Kräfte bei Sport und Bewegung und
Gemütlichkeit. Alles Gute! (Beifall im Hohen
Hause.)
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Abg. Herzig (ÖVP): Herr Präsident! Meine
sehr geehrten Damen und Herren!
Die Urlaubszeit beginnt, das heißt, das halbe
Jahr haben wir wieder hinter uns gebracht. Und es
gibt auch, glaube ich, nach diesem halben Jahr
jetzt die Möglichkeit, das, was jetzt geleistet wurde,
auch einmal zu überdenken. Ich glaube, es ist hier
wirklich viel geleistet worden. Und unter dem Motto
vielleicht, ein gemeinsames Handeln stärkt, darf ich
Ihnen allen, vor allem den Präsidenten, einen
schönen Urlaub und Erholung wünschen. Und
hoffe, dass auch das zweite halbe Jahr in dem
Sinne über die Bühne gebracht werden kann. Alles
Gute! (Beifall im Hohen Hause.)
Die nächste Sitzung wird im schriftlichen Wege
bekannt gegeben. Die Sitzung ist geschlossen.
(Ende der Sitzung um 21.46 Uhr.)
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