DOC - Universität Heidelberg

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STUDIENPLAN
für das Studium Erziehungswissenschaft als H A U P T F A C H
- Magisterstudiengang 0.
I.
II.
III.
IV.
Vorbemerkungen
Ziele des erziehungswissenschaftlichen Studiums
Bereiche und Schwerpunkte der Erziehungswissenschaft
Konzeption des Studienganges
Organisation des Studiums
0.
Vorbemerkungen
Erziehungswissenschaft versucht, die mit Erziehung und Ausbildung zusammenhängenden Probleme im gesellschaftlichen Kontext zu lösen und übergreifende Theorien zu erstellen.
Der/die Studierende hat sich dem gemäß mit den Problemen von Erziehung und Ausbildung zu befassen, mit erziehungswissenschaftlichen und weiteren sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden auseinander zu setzen und Forschungsergebnisse produktiv in der Praxis umzusetzen.
0.1
Prüfungsordnung
Der allgemeine Rahmen für den Magisterstudiengang ist in der Prüfungsordnung (PO) der
Universität Heidelberg vom 27. März 2000 vorgegeben. Aufgrund dieser Prüfungsordnung
kann Erziehungswissenschaft als Haupt- oder Nebenfach gewählt werden.
Die übrigen wählbaren Fächer gehen aus dieser Prüfungsordnung hervor.
0.2
Aufgaben des Studienplans
Dieser Studienplan bietet eine Orientierung über das Magisterstudium des Fachs Erziehungswissenschaft als Hauptfach.
Er dient als Grundlage
1. für die Planung des Studiums durch die Studierenden
2. für die Planung des Lehrangebots durch den Lehrkörper.
Die Themenbereiche sind bewusst allgemein und offen formuliert, um für die Planung sowohl des Studiums als auch des Lehrangebots einen dem Universitätsstudium angemessenen Freiheitsspielraum in der Wahl und im Angebot einzelner Lehrveranstaltungen zu
gewährleisten. Dadurch soll auch die Forschungsbezogenheit der Lehre ermöglicht und
den wissenschaftlichen Entwicklungen im Fach sowie den unvorhersehbaren Veränderungen der Berufsfelder Rechnung getragen werden.
0.3
Studien- und Prüfungsberatung
In allgemeinen Fragen der Studienberatung und wegen Hilfestellung bei Studienproblemen können sich die Studierenden an das Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung (ZSW), Friedrich-Ebert-Anlage 62, 61117 Heidelberg wenden. - Für Auskünfte in
Fragen der Bewerbung und Zulassung zum Studium ist ausschließlich die Abteilung 2.1
(Studentensekretariat für deutsche Studierende) bzw. 7.1 (Akademisches Auslandsamt für
ausländische Studierende) der Zentralen Universitätsverwaltung, Seminarstr. 2, 69117
Heidelberg zuständig.
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In allen Fragen, die den Magisterstudiengang Erziehungswissenschaft betreffen, können
sich die Studierenden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des EWS beraten lassen.
Die anderen Haupt- und Nebenfächer werden nicht am EWS, sondern an den entsprechenden Fakultäten der Universität studiert. Für die diesbezügliche Beratung sind die das
jeweilige Fach vertretenden Mitarbeiter/innen zuständig.
0.4
Berufsfelder
Das Studium bereitet auf Erziehungs- und Ausbildungstätigkeiten (Analyse von Sozialisationsbedingungen und Institutionen; Planung und Entwicklung von Lehrsystemen, Unterrichtseinheiten und Lehrmaterialien; Erziehungsberatung etc.) in verschiedenen Bereichen
und Institutionen vor, beispielsweise in Schulen und Heimen, Fachhochschulen und Berufsfachschulen, in privaten und öffentlichen Bildungseinrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – wie betriebliche Ausbildungsstätten, Volkshochschulen und Akademien -, sowie auf Lektortätigkeiten in Verlagen und ähnlichen Einrichtungen. Als Besonderheit sei die Vorbereitung auf pädagogische Tätigkeiten im Rahmen von internationalen Organisationen (z.B. pädagogische Entwicklungshilfe, Planungsfunktionen im internationalen Bereich) genannt.
Die Tendenz zur immer stärkeren Spezialisierung der berufsqualifizierenden Studiengänge wird in den Magisterstudiengang Erziehungswissenschaft an der Universität Heidelberg
bewusst nicht übernommen.
I.
Ziele des erziehungswissenschaftlichen Studiums
I.1
Zielangaben in der Prüfungsordnung der Universität Heidelberg für die Magisterstudiengänge – Allgemeiner Teil "Die Magisterprüfung bildet den berufsqualifizierenden Abschluss eines Magisterstudienganges. Durch die Magisterprüfung wird die Fähigkeit zu wissenschaftlichem Arbeiten sowie die Kenntnis von Grundlagen und wesentlichen Forschungsergebnissen in den gewählten Fächern festgestellt" [§1 PO].
"Die Magisterarbeit [...] soll zeigen, dass der Prüfling in der Lage ist, innerhalb einer vorgegebenen Frist eine wissenschaftliche Fragestellung aus dem Bereich seines (ersten)
Hauptfaches selbständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten und die Ergebnisse sachgerecht darzustellen" [§11 (1) PO].
I.2
Zielangaben in der Zwischenprüfungsordnung der Universität Heidelberg in
den Lehramtsstudiengängen, Magisterstudiengängen und grundständigen Promotionsstudiengängen – Allgemeiner Teil "Durch diese Zwischenprüfung soll der/die Kandidatin nachweisen, dass er/sie das Ziel
des Grundstudiums erreicht hat und dass er/sie insbesondere die inhaltlichen Grundlagen
der von ihm studierten Fächer, ein methodisches Instrumentarium und eine systematische
Orientierung erworben hat, die erforderlich sind, um das Studium mit Erfolg fortzusetzen"
[§1 (2) ZwPO].
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I.3
Spezielle Ziele für das Fach Erziehungswissenschaft
Bezüglich der speziellen Ziele für das Fach Erziehungswissenschaft sei auf die Prüfungsanforderungen und Prüfungsgegenstände in der Prüfungsordnung für die Magisterstudiengänge - Besonderer Teil Erziehungswissenschaft - hingewiesen.
II.
Bereiche und Schwerpunkte der Erziehungswissenschaft
Um die Ziele des Magisterstudiums möglichst genau angeben zu können, seien zunächst
die Begriffe "Bereich" und "Schwerpunkt" der Erziehungswissenschaft erklärt.
Als BEREICHE seien die bei jeder Erziehung (Bildung, Ausbildung) auftretenden Problemfelder bezeichnet.
In systematischer Anordnung handelt es sich um folgende 5 Bereiche:
1.
Wissenschaftstheoretische und methodologische Grundlagen der Erziehungswissenschaft
Methodologische Ansätze in der Erziehungswissenschaft;
anthropologische Voraussetzungen der Erziehung(swissenschaft);
Erziehungsphilosophie etc.
2.
Erziehungspolitik und Gesellschaft
Gesellschaftliche Bedingungen der Erziehung und Auswirkungen
pädagogischer Praxis auf gesellschaftliche Strukturen;
Setzung, Analyse und Legitimation von Erziehungszielen;
Curriculumforschung etc.
3.
Psycho-soziale Bedingungen der Erziehung
Entwicklung, Lernen, Verhalten; Interaktions- und Kommunikationsformen;
Beurteilungs- und Leistungsmessung; Erziehungsschwierigkeiten etc.
4.
Erziehungs- und Ausbildungsstrategien
Entwicklung und Analyse von Erziehungs- und Ausbildungsstrategien;
Methodik; Mediendidaktik; Analyse und Planung von Erziehungs- und Unterrichtsprozessen; Aufgaben des Erziehers und Ausbilders, Erziehungsstile,
programmierte und teilprogrammierte Lehrsysteme etc.
5.
Erziehungs- und Ausbildungsinstitutionen
Erziehungs- und Ausbildungsprozesse in gegebenen Institutionen;
Sozialisationsvorgänge in Institutionen;
Institutionen und ihre Reform etc.
Unter einem SCHWERPUNKT (oder einer Disziplin) seien die thematisch, institutionell
oder adressatenspezifisch bestimmten Problemfelder verstanden. Schwerpunkte sind also
Schulpädagogik, Sozialpädagogik, Wirtschafts- und Berufspädagogik, Erwachsenenbildung / Weiterbildung, Früherziehung, Rehabilitationspädagogik, Vergleichende Erziehungswissenschaft, spezielle Ausbildungsstrategien u.a.
Jeder Schwerpunkt enthält damit sämtliche Bereiche unter jeweils spezifischem Aspekt.
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Im Augenblick können an der Universität Heidelberg ohne besondere Rückfragen folgende Schwerpunkte studiert werden:
1.
Schulpädagogik
Aufgaben und Ziele von Schule und Unterricht im gesellschaftlichen Kontext;
die Schule als Sozialisationsbedingung; Erziehungs- und Unterrichtsformen
in der Schule; Schulaufbau und -organisation, Schulverfassung, Schulverwaltung; historische Entwicklung des Schulwesens; die Schule wichtiger Industriestaaten.
2.
Vergleichende Erziehungswissenschaft
Theorie und Praxis des internationalen Vergleichs;
Forschungsstrategien in der Vergleichenden Erziehungswissenschaft;
spezielle Forschungsrichtungen in der Vergleichenden Erziehungswissenschaft, z.B. Pädagogik der Industriestaaten, der Entwicklungsländer, internationale Pädagogik.
3.
Erwachsenenbildung / Weiterbildung
Theorien der Erwachsenenbildung; Weiterbildung als gesellschaftliche Institution; Inhalte und Methoden der Erwachsenenbildung.
Auf der Basis dieser Bereiche und Schwerpunkte sind die Zulassungsvoraussetzungen
zur Magisterprüfung [Besonderer Teil Erziehungswissenschaft, § 4 (1)] und für die Zwischenprüfung [Besonderer Teil Erziehungswissenschaft, §4 (2)] zu verstehen.
III.
Konzeption des Studienganges
III.1
Grundkonzeption
Oft wird die Auffassung vertreten, der/die Student/in solle sich im Grundstudium ein breites Wissen aneignen und sich dann im Hauptstudium "spezialisieren". Diese Konzeption
wird hier nicht vertreten: Sammelt nämlich der/die Student/in vier Semester lang im wesentlichen nur Informationen, so bleiben diese meist ohne systematischen Zusammenhang; außerdem verharrt der/die Student/in bei einem solchen Vorgehen zu lange in einer
vorwiegend rezeptiven Lernphase.
Das Studium soll daher so aufgebaut werden, dass sich der/die Student/in nach einem
relativ kurzen Überblick möglichst bald mit mindestens zwei (vorläufigen) Interessengebieten aktiv und produktiv auseinandersetzt. Durch eine solche Vertiefung stößt er/sie zu den
fundamentalen Problemen und Methoden der Erziehungswissenschaft vor. Von dieser
Ebene aus kann er/sie sich dann grundsätzlich jeden Schwerpunkt wissenschaftlich erarbeiten.
Zur Realisierung dieser Konzeption kann das Studium in nachfolgender Weise aufgebaut
werden:
III.2
Aufbau des Grundstudiums
Im ersten und zweiten Semester verschafft sich der/die Student/in einen Überblick über
die grundlegenden Probleme, Begriffe und Methoden der Erziehungswissenschaft. Zur
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Erlangung von Problembewusstsein befasst er/sie sich zudem mit zwei Teildisziplinen
und/oder Teilbereichen.
Im dritten und vierten Semester ergänzt der/die Student/in seinen/ihren Überblick über die
Erziehungswissenschaft und verschafft sich vertiefte Kenntnisse über Gegenstandsbereiche, Methoden und wissenschaftstheoretische Grundlagen. Daneben konzentriert er/sie
sich auf zwei gewählte Teildisziplinen oder Teilbereiche. Ein Exkursionsseminar vermittelt
ihm/ihr eine erste Orientierung über pädagogische Praxisfelder.
Am Ende dieser Phase soll der/die Student/in die gewählten Teildisziplinen oder -bereiche
methodisch und inhaltlich darstellen können und in erster Näherung die Probleme erziehungswissenschaftlicher Forschung aufzeigen können.
Außerdem sollte der/die Student/in in diesen Semestern praktische Erfahrungen in Form
eines ganztägigen Praktikums und eines Blockpraktikums erwerben.
III.3
Aufbau des Hauptstudiums
Im fünften und sechsten Semester vertieft der/die Student/in seine/ihre Kenntnisse in philosophische, anthropologische und erziehungs-historische Problemfelder hinein und wendet seine/ihre erworbenen Kenntnisse in den Methoden der Erziehungswissenschaft auf
die Analyse und Beurteilung erziehungswissenschaftlicher Aussagen an. Gleichzeitig beginnt er/sie mit dem Studium seines/ihres endgültigen Schwerpunktes.
Im siebten und achten Semester beschränkt sich der/die Student/in im wesentlichen auf
das Studium seines/ihres endgültigen Schwerpunktes. Darüber hinaus bleibt er/sie mit
den vielfältigen Problemen der Erziehung und Erziehungswissenschaft durch kritische
Analyse aktueller Vorgänge und Veröffentlichungen in Berührung. Insbesondere bemüht
er/sie sich weiterhin um den gesellschaftlichen und politischen Kontext seiner/ihrer Arbeitsgebiete.
Am Ende dieser Phase soll der/die Student/in in seinem/ihrem Schwerpunkt wissenschaftliche Probleme, Zusammenhänge und Ergebnisse darstellen können; darüber hinaus soll
er/sie selbständig wissenschaftliche Aufgaben erkennen, Lösungsansätze finden und
durchführen können.
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IV.
Organisation des Studiums
IV.1
Organisation des Grundstudiums
Das Studium bis zur Zwischenprüfung umfasst im Fach Erziehungswissenschaft als
Hauptfach mindestens 30 Semesterwochenstunden (SWS).
Diese Stunden verteilen sich entsprechend den bisherigen Ausführungen auf Veranstaltungen zu den oben genannten Bereichen und Schwerpunkten sowie auf methodenorientierte Proseminare und Praktika.
In den methodenorientierten Proseminaren werden unterschiedliche Forschungsmethoden und -techniken, deren erkenntnistheoretische und wissenschaftstheoretische Begründungen sowie deren Möglichkeiten und Grenzen eng aufeinander bezogen und behandelt.
Im einzelnen sind methodenorientierte Proseminare:
-
Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens;
empirische Forschungsmethoden, einschließlich Statistik;
hermeneutische Forschungsmethoden.
Die Praktika sollen eine erste Orientierung in pädagogischen Praxisfelder ermöglichen,
zugleich sollen sie aber auch einer ersten Klärung der individuellen Studien- und Berufsmotivation dienen.
Für Hauptfachstudent/inn/en sind im Grundstudium drei Stadien für die Begegnung mit
der Praxis vorgesehen:
-
-
-
IV.2
Exkursionsseminar (ab 3. Semester):
Es handelt sich um eine 4-stündige Informationsveranstaltung, die einen ersten Überblick über die pädagogischen Praxisfelder geben soll.
Ganztägiges Praktikum:
Der/die Student/in soll in einer pädagogischen Institution einen einzelnen Erziehungsprozess beobachten, analysieren und kritisieren. Hier geschieht die
Vorbereitung für das
Blockpraktikum (Semesterferien).
In einem mindestens 4-wöchigem Blockpraktikum soll die vertiefte Kenntnis
eines einzelnen pädagogischen Praxisfeldes durch die eigene Teilnahme an
die Erfahrung einer bestimmten Alltagskontinuität erreicht werden.
Organisation des Hauptstudiums
Das Hauptstudium, das mindestens 28 Semesterwochenstunden umfasst, sollte zu etwa
einem Drittel wissenschaftstheoretische, philosophische, anthropologische und erziehungshistorische Studien beinhalten.
Während der Schwerpunkt vor allem unter berufsqualifizierendem Aspekt zu sehen ist, hat
der allgemeine Studienanteil den Sinn, interdisziplinäre Zusammenarbeit zu ermöglichen
sowie den theoretischen Hintergrund für pädagogisches Handeln zu vermitteln.
Bei der Wahl seines/ihres Schwerpunktes ist der/die Student/in im Rahmen der Prüfungsanforderungen grundsätzlich frei.
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