- Pathé Films AG Zürich

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ARTHUR UND DIE MINIMOYS
Ein Film von LUC BESSON
Mit den Stimmen von Bill Kaulitz (Tokio Hotel) und Nena
Mit
Freddie Highmore
Mia Farrow
Startdatum: 25.01.2007
Dauer: 102 min
www.arthur-derfilm.de
FILMVERLEIH
MONOPOLE PATHÉ FILMS AG
Neugasse 6, Postfach, 8031 Zürich
T 044 277 70 83 F 044 277 70 89
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MEDIENBETREUUNG
Esther Bühlmann
Niederdorfstrasse 54, 8001 Zürich
T 044 261 08 57 F 044 261 08 64
[email protected]
DIE BESETZUNG
Arthur
Großmutter
Archibald
Arthurs Mutter
Arthurs Vater
Davido
Matassalaï Häuptling
Freddie Highmore
Mia Farrow
Ronald Crawford
Penny Balfour
Douglas Rand
Adam Lefevre
Jean Betote Njamba
ENGLISCHE SYNCRONSTIMMEN / DEUTSCHE SYNCHRONSTIMMEN
Arthur
Selenia
Beta
Großmutter
Archibald
Maltazard
Max
König
Darkos
Miro
Mino
Easylow
Freddie Highmore
Madonna
Douglas Rand
Mia Farrow
Ronald Crawford
David Bowie
Snoop Dogg
Robert De Niro
Christian Erickson
Douglas Rand
Barbara Weber Scaff
Souleymanne Dicko
Bill Kaulitz
Nena
Oliver Rohrbeck
Dagmar Heller
Gerhard Paul
Frank Glaubrecht
Jan David Rönfeldt
Christian Brückner
Engelbert von Nordhausen
Wilfried Herbst
Michael Pan
Tobias Meister
Synchronfirma: FFS - Film und Fernseh Synchron GmbH
Dialogbuch und Synchronregie: Marius Claren
DER STAB
Regie
Drehbuch
Welten erdacht von
Produktion
Künstlerische Leitung
Bühnenbild und Figurendesign
CGI Animation
CGI Regie
Digital Animation Supervisor
Produktion Digital Images
Musik
Sound
Sound Re-Recording
Produktionsdesign
Kamera
Luc Besson
Luc Besson, Céline Garcia
Patrice Garcia
Luc Besson, Emmanuel Prévost
Patrice Garcia, Philippe Rouchier
Patrice Garcia, Philippe Rouchier, Nicolas Fructus, Georges Bouchelaghem
BUF Cie
Pierre Buffin
Geoffrey Niquet
François-Xavier Aubague
Eric Serra
Guillaume Bouchateau, Alexis Place
Vincent Arnardi, Didier Lozahic
Hugues Tissandier
Thierry Arbogast
u.v.a.
Insgesamt haben mehr als 700 Personen an diesem Film mitgearbeitet.
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KURZINHALT
Was für Sommerferien! Nicht nur, dass Arthur (Freddie Highmore) endlich 12 Jahre alt wird, er erlebt auch noch das
größte Abenteuer seines Lebens. Um das Grundstück seiner Großmutter (Mia Farrow) vor einem fiesen Immobilienhai
zu retten, muss Arthur den geheimen Schatz seines vor Jahren verschwundenen Großvaters finden. Dafür bleiben ihm
nur noch 48 Stunden Zeit! Und der Schatz liegt irgendwo tief im Garten vergraben, in einer anderen Welt – im
sagenhaften Land der Minimoys, winzig kleiner Wesen, die man mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Arthur gelingt
es, in den Aufzeichnungen seines Großvaters einen Weg zu den Minimoys zu finden. Durch einen Zauber selbst auf 2
Millimeter geschrumpft, trifft er in dem geheimen Königreich unter der Erde auf die ebenso schöne wie eigenwillige
Prinzessin Selenia und deren tollpatschigen Bruder Beta. Gemeinsam machen sich die drei auf, um das Versteck des
Schatzes zu finden. Doch ihre Mission stellt sich als höchst gefährlich heraus: Ihre Suche führt sie ausgerechnet in das
Reich des hinterhältigen Tyrannen Maltazard, der mit seiner riesigen Armee die friedliche Welt der Minimoys zerstören
will. Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt...
PRESSENOTIZ
Was für ein Abenteuer! Genau wie sein tapferer Held stand auch Luc Besson mit ARTHUR UND DIE MINIMOYS vor
der Aufgabe seines Lebens: Nach Vorlage der ersten beiden Bände seiner Romane um die Abenteuer des jungen Helden
„Arthur“ und mit unglaublicher Liebe zum Detail kreierte der Kultregisseur (LEON – DER PROFI, DAS FÜNFTE
ELEMENT) eine faszinierende Fantasy-Saga, die neue Maßstäbe setzt. Höchst originell und kreativ verbindet er Realund Animationswelten, Science Fiction- und Action-Elemente sowie jede Menge Humor mit einer spannenden,
fantasievollen Geschichte. Fünf Jahre harte Arbeit, hunderte Designer und Techniker sowie tausende modernste 3DEffekte waren notwendig, um diesen teuersten europäischen Animationsfilm aller Zeiten zu realisieren.
Bill Kaulitz, Leadsänger der derzeit erfolgreichsten deutschen Band Tokio Hotel, und Deutschlands erfolgreichste
Popsängerin Nena sind die prominenten deutschen Stimmen der Hauptfiguren Arthur und Selenia. In der
englischsprachigen Originalversion sprechen Stars wie Madonna, David Bowie, Snoop Dogg und Robert De Niro. Für
die Realszenen konnte Besson ebenfalls zwei herausragende Hauptdarsteller gewinnen: Jungstar Freddie Highmore
(WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN, CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK) und Hollywoodlegende
Mia Farrow (ROSEMARIES BABY, DER GROSSE GATSBY, HANNAH UND IHRE SCHWESTERN).
ARTHUR UND DIE MINIMOYS ist der erste Teil von Luc Bessons ebenso märchenhaften wie actionreichen
Abenteuer-Trilogie, die Jung und Alt gleichsam in seinen Bann ziehen wird.
LANGINHALT
Endlich Sommerferien! Für ein paar Wochen ist Arthur dem Internat entkommen und kann bei seiner Großmutter im
sonnigen Connecticut all das tun, was 12-jährigen Jungs in der schulfreien Zeit besonders viel Spaß macht. Doch nicht
nur in der freien Natur gibt es für Arthur und seinen Hund Alfred viel zu erleben, auch im Haus der Großeltern warten
neue Welten darauf entdeckt zu werden. Auch wenn Opa Archibald von seiner letzten langen Reise nicht wieder
zurückgekehrt ist, so hat er doch von seinen vielen Abenteuern ein spannendes Tagebuch und faszinierende
Erinnerungen aus dem fernen Afrika mitgebracht.
Doch wirkliche Feierstimmung will bei Arthur trotz allem nicht aufkommen. Zuerst sagen seine Eltern überraschend
ihren Besuch in Connecticut ab, so dass er seinen Geburtstag ganz allein mit der Großmutter verbringen muss, und dann
steht auch noch ein finsterer Grundstücksmakler vor der Tür. Weil das Geld seit Archibalds Verschwinden knapp ist,
konnte Oma schon lange keine Rechnungen mehr bezahlen. Telefon und Strom wurden auch schon abgestellt. Wenn die
Großmutter nun nicht innerhalb der nächsten 48 Stunden die Schulden begleichen kann, muss sie das Haus räumen,
damit sich der skrupellose Immobilienhai den gesamten Hof unter den Nagel reißen kann, um ein Einkaufszentrum auf
dem Gelände zu bauen.
Aber so schnell will der clevere Arthur den Kampf nicht aufgeben. Hatte Archibald in seinen Erlebnisberichten nicht
immer einen Schatz aus funkelnden Rubinen erwähnt, der irgendwo im Garten vergraben sein soll? Und könnte nicht
das sagenhafte Volk der Minimoys bei der Suche helfen, jene geheimnisvollen kleinen Wesen aus einer anderen Welt,
die der Großvater bei seinen Reisen kennen gelernt hat?
Seine Oma hält all das für Unsinn, doch Arthur ist überzeugt, dass es die kleinen Geschöpfe, die der Großvater in seinen
Tagebüchern skizziert hat, irgendwo da draußen wirklich gibt. Tatsächlich findet Arthur in den Aufzeichnungen
Hinweise auf einen geheimen Zugang zu ihrer Welt: „Um in das Land der Minimoys zu gelangen, musst Du wissen, an
welchem Tag die nächste Überfahrt stattfindet. Es gibt immer nur eine Gelegenheit pro Jahr. Am zehnten Vollmond des
Jahres, auf die Minute genau um Mitternacht, wird sich die Pforte des Lichts zum Land der Minimoys öffnen.“ Schnell
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rechnet Arthur nach, und tatsächlich: schon in dieser Vollmondnacht ist es wieder soweit. Jetzt ist Eile geboten, denn
wenn er den richtigen Zeitpunkt verpasst, bleibt die Pforte für ein weiteres Jahr verschlossen.
Mit einer List sorgt Arthur dafür, dass seine Oma ihm bei seinem nächtlichen Vorhaben nicht in die Quere kommt.
Auch wenn er nicht die leiseste Ahnung hat, was ihn erwarten wird, befolgt er die Anweisungen seines Großvaters Wort
für Wort. Er trägt ein Fernrohr und weitere seltsame Utensilien, die Archibald ihm mit auf den Weg gegeben hat, hinaus
in den vom Mondlicht erhellten Garten und bereitet alles für den geheimnisvollen Zauber vor. 23:59 Uhr. Arthur wird
immer nervöser. Plötzlich bemerkt er einen großen Schatten hinter sich. Fünf furchteinflößend große afrikanische
Krieger in voller Stammestracht sehen ihn an. „Arthur?“ fragt der Häuptling, „Komm, wir dürfen keine Zeit verlieren.“
Das müssen die mächtigen Krieger der Bogo-Matassalaï sein, die Archibald in seinen Reiseberichten beschrieben hat.
Von ihnen erfährt Arthur, wie der Zauber funktioniert. Und ehe er sich versieht, schrumpft er auf eine Größe von 2
Millimetern und betritt in neuer Gestalt das fantastische Reich der Minimoys.
Genau wie einst sein Großvater tritt Arthur nun vor den König der Minimoys und sein kleines Elfenvolk. Doch ehe er
sich so richtig mit der schönen Prinzessin Selenia und ihrem tollpatschigen Bruder Beta bekannt machen kann, werden
sie von riesigen Mosquitos angegriffen. Mit viel Mut und einer kleinen Portion Glück greift Arthur furchtlos ins
Kampfgeschehen ein. Dabei gelingt es ihm sogar, ein magisches Schwert aus einem Stein zu ziehen und letztlich die
feindlichen Krieger zu vertreiben. Der Angriff geht auf das Konto des bösen Tyrannen Maltazard, der die friedlichen
Minimoys schon lange bedroht. Als Arthur erfährt, dass der Schatz seines Opas ausgerechnet in Nekropolis, dem
düsteren Reich Maltazards, versteckt ist, fasst er einen selbstbewussten Plan: Er wird die Minimoys bei ihrem Kampf
gegen den bösen M, wie er hier von allen genannt wird, helfen, denn nur so hat er eine Chance, den Schatz zu finden.
Zusammen mit Selenia und Beta begibt sich Arthur auf die abenteuerliche Mission. Ihr Weg führt sie zunächst jedoch
aus der unterirdischen Welt der Minimoys hinaus an die Erdoberfläche, in den Garten der Großmutter. Das vertraute
Gelände erscheint Arthur mit einem Mal wie ein unendlich riesiger Urwald, denn jeder noch so kleine Grashalm ist aus
seiner Perspektive plötzlich hoch wie ein Baum. Jede Begegnung mit Käfern oder Bienen wird für die drei kleinen
Helden lebensbedrohlich und jedes harmlose Wasserrinnsal wird zum reißenden Strom. Je näher sie ihrem Ziel
kommen, desto häufiger kreuzen Maltazards finstere Handlanger ihren Weg. Aber mit Hilfe eines speziellen Minimoy
Shuttles, der aus einer Walnuss besteht, können sie schnell einen großen Teil des gefährlichen Weges zurücklegen.
Somit ist ihnen auch eine kurze Rast in Max’ Bar gestattet, die Arthur nicht schlecht ins Staunen versetzt. Aber nach
einem Glas des berüchtigten „Jack Fire“ Cocktails findet auch Arthur Gefallen an der coolen Location und traut sich
endlich, Selenia beim Tanzen etwas näher zu kommen. Leider bleiben sie dort nicht lange unentdeckt. Darkos,
Maltazards übellauniger Sohn, hat ebenfalls ein Auge auf die hübsche Prinzessin geworfen, die inzwischen auch von
dem coolen Max heftig umworben wird. Es wird langsam Zeit zu verschwinden und sich wieder auf das eigentliche Ziel
der Mission zu konzentrieren...
Denn noch hat Arthur den kostbaren Schatz, der für seine Großmutter und ihr Zuhause die Rettung bedeuten würde,
nicht gefunden. Und der böse M bereitet mit seiner Armee bereits einen neuen heimtückischen Angriff auf das Volk der
Minimoys vor. Der atemlose Wettlauf gegen die Zeit steuert auf einen dramatischen Höhepunkt zu...
ARTHUR UND DIE MINIMOYS – DIE CHARAKTERE
Arthur
Hoch motiviert und überaus mutig beweist unser junger Held seine Scharfsinnigkeit und seine Führungsqualitäten auf
der Suche nach dem Schatz seines Großvaters.
Selenia
Auch wenn sie zunächst stur und trotzig ihren Kampfgeist unter Beweis stellt, während ihrer außergewöhnlichen Reise
zeigt Selenia ihr wahres Ich und verliebt sich in Arthur.
Beta
Selenias kleiner Bruder wird Arthur zu einem guten Freund, auch wenn er genauso viel Unheil anrichtet wie er der
Truppe Spaß bereitet. Er sorgt für Humor und ist der lustige ‚Sidekick’ der Abenteurer!
Der König
Zum Ende seine Regierungszeit stellt dieser engagierte und großherzige Patriarch die ‚gute Seele’ der Welt und der
Kultur der Minimoys dar.
Miro
Der weise Maulwurf ist des Königs sachkundiger und souveräner Berater, und ist tief traurig über das Verschwinden
seines Sohnes.
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Mino
Miros junger Sohn, der von Maltazard gefangen genommen wurde, ist genauso lebhaft wie sein Vater.
Archibald
Arthurs extrem spiritueller und kultivierter Großvater wurde von Maltazard gefangen genommen, glücklicherweise
hinterließ er aber genug Hinweise für eine erfolgreiche Rettungsaktion.
Max
Max ist ein Koolomassai (ein weiterer Stamm der sieben Welten) und der Besitzer der Jamai Bar. Außerdem ist er die
‚coolste’ Figur in unserer Geschichte!
Easy Low
Er ist ebenfalls ein Koolomassai, und als DJ in der Jamai Bar sorgt er für die musikalische Unterhaltung.
Jack
Der "Rasta Mosquito" ist Barmann bei Max und trinkt selbst am liebsten seinen berühmt berüchtigten "Jack Fire"
Cocktail.
Maltazard
Er ist ein rücksichtsloser und böser Minimoy im Exil. Der Herrscher von Necropolis wird von Rachegelüsten und
seinem Wunsch, die Welt der Minimoys zu zerstören angetrieben.
Darkos
Maltazards Sohn träumt davon, eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, aber er ist nicht intelligent genug
und zu tollpatschig, als dass er ein erfolgreiches Bösewicht werden könnte.
DAS MAKING OF
SIEBEN JAHRE PRODUKTION IN ZEHN GROSSEN SCHRITTEN
1.
Die Idee
1999. Luc Besson und sein Co-Produzent Emmanuel Prévost entscheiden sich, einen Film zu drehen, inspiriert durch
ein Foto, das ihnen von Patrice Garcia geschickt wurde. Schon sehr früh schlägt Prévost vor, für die 3D-Animationen
des Films BUF Cie mit an Bord zu nehmen, die für ihre Kompetenz bei fotorealistischen Spezialeffekten bekannt sind.
2.
Das Pilotprojekt
2001. Eine kurze Pilotversion des Films wird gedreht um den Produktionsprozess auszutesten. Erste große Sets werden
in den Studios von St. Ouen, kurz vor den Toren von Paris, gebaut. Patrice Garcia ist verantwortlich für die Regie des
Pilotprojektes, während BUF Cie die 3D-Animation beaufsichtigt.
3.
Das Studio
2002. Pierre Buffin, ein ausgebildeter Architekt, findet ein Gelände bei Pantin am Rande von Paris, das alle am Film
Beteiligten (2D, Modellbauer, 3D) unter einem Dach beherbergen wird. Die verschiedenen Teams ziehen zwei Jahre
später ein.
4.
2D
2002. Während der kommenden drei Jahre entwickeln Designer die atemberaubende Fantasy-Welt des Films.
5.
Das Storyboard
2003. Patrice Garcia stellt das Storyboard des Films fertig, ein wichtiges Hilfsmittel für BUF, um einen genauen
Ablaufplan und eine Budget-Kalkulation für den 3D-Teil des Films aufzustellen.
6.
Das Set-Up
2003. 3D-Zeichner beginnen, die Charaktere zu entwerfen. Dieser Prozess dauert in einigen Fällen bis in die allerletzten
Monate der Produktion an.
5
7.
Live-Action Referenzen
Mit Hilfe einer Motion-Capture-Videotechnik, die von BUF entwickelt wurde, ist es Luc Besson möglich, seine
Erfahrung als Regisseur von Realfilmen auf die animierten Sequenzen von ARTHUR zu übertragen. Er filmt das
Storyboard mit einer Gruppe Schauspieler und nimmt eine vorläufige Tonspur auf. Diese Vorlagen können später als
Referenz verwendet werden, um die 3D-Effekte zu erzeugen.
8.
3D-Modelle und -Kulissen
Die meisten 3D-Kulissen entstehen in ständiger Zusammenarbeit zwischen den Bühnenbildnern, die dafür Modelle
bauen, und den 3D-Künstlern, die sie fotografieren und in 3D-Bilder umsetzen.
9.
Der Live-Action Dreh
Frühjahr 2005. Luc Besson dreht die Live Action-Sequenzen des Films mit Freddie Highmore und Mia Farrow. Gegen
Ende des Jahres liefern die 3D-Animatoren eine Rohfassung des Films ab.
10. Die Postproduktion
2006. Die Stimmen und die Musik werden aufgenommen. Der Film wird abgemischt, gerendert und vollendet.
6
ES WAR EINMAL EIN KLEINER ELF ...
ARTHURS GESCHICHTE UND WIE SIE ENTSTAND
Ein kleiner Junge, der die Welt der Elfen betritt –auf diesem Ausgangskonzept basiert der Film. Regisseur Luc Besson
war sofort von dieser Idee inspiriert, die aus der langjährigen Zusammenarbeit von Patrice und Céline Garcia
hervorgegangen ist. Bevor er mit der Arbeit am Drehbuch begann, schrieb und veröffentlichte Luc Besson das Buch
„Arthur und die Minimoys“, das auf der ursprünglichen Idee von Céline Garcia basiert und von ihrem Ehemann Patrice
Garcia illustriert wurde. Drei weitere Bände folgten: „Arthur und die verbotene Stadt“, „Arthur und die Rache des
Maltazard“ sowie der neueste Band „Arthur und der Krieg der zwei Welten“. Das Drehbuch, das Besson gemeinsam
mit Céline Garcia schrieb, basiert auf den ersten beiden Bänden der Saga, die bereits in 34 Sprachen übersetzt und
alleine in Frankreich mehr als eine Million Mal verkauft wurde.
DAS DESIGN
KULISSEN UND CHARAKTERE: DREI JAHRE DESIGN-ARBEIT
Das Designteam war eines der ersten, das zusammengestellt wurde, sogar noch bevor das Drehbuch fertig gestellt war.
Das Team entstand um Patrice Garcia und Philippe Rouchier, den beiden künstlerischen Leitern. 2001 begannen sie, an
dem Pilotfilm zu arbeiten. Im Januar 2002 stießen die beiden Animatoren Nicolas Fructus und Georges Bouchelaghem
zu ihnen, um das komplette künstlerische Universum von ARTHUR UND DIE MINIMOYS zu erschaffen.
ERSTE ENTWÜRFE
„Wir wurden im Studio eine Weile alleine gelassen, ohne wirkliche Anweisungen, damit wir uns eine ganze Bandbreite
von Ideen einfallen lassen würden. Wir hatten keine genauen Vorgaben, wie die Minimoys aussehen“, erklärt Georges
Bouchelaghem. Philippe Rouchier fügt hinzu: „Wir begannen unsere Arbeit an dem Projekt mit nicht mehr als der
Grundidee einer Geschichte – winzige Geschöpfe, die unter der Erde leben, ein Bösewicht und ein kleiner Junge, der in
diese unterirdische Welt gelangt. Wir mussten uns selbst also ganz simple Fragen stellen: Wie sehen die Minimoys aus?
Wie laufen sie? Wie sind sie gekleidet? Wie sehen ihre Häuser aus? Wo steht der Palast des Königs im Vergleich zum
Dorf? Wir hatten enorme Freiheiten und unsere Entwürfe deckten das gesamte Spektrum ab. Nach einer Weile kam Luc
Besson zu uns, entschied sich für die beste Richtung des weiteren Vorgehens und ließ so eine Art Einheit entstehen.
Danach mussten wir unsere Zeichnungen nur noch dem Drehbuch anpassen.“
DIE CHARAKTERE
Die Figuren waren die Hauptbestandteile des Films und standen im Zentrum eines besonders akribischen
Entwicklungsprozesses, der in den ersten sechs Monaten der gemeinsamen Zusammenarbeit die gesamte Zeit der
Zeichner in Anspruch nahm. An einigen der Figuren wurde in den folgenden Jahren permanent gefeilt. „Die
Erschaffung der Hauptcharaktere nahm sehr viel Zeit in Anspruch, vor allem Selenia“, erinnert sich Georges
Bouchelaghen. „Weil er das typische fröhliche Pummelchen ist, hatten wir Beta viel schneller fertig. Seine physische
Erscheinung passt perfekt zu seiner Persönlichkeit. Auch die Nebenfiguren waren ziemlich einfach zu entwickeln, da
sie sich durch ausgeprägte Charakterzüge auszeichnen. Sie waren diejenigen, die schon in den frühen Zeichnungen am
ehesten zu erkennen waren.“ Die meisten der Hauptcharaktere wurden weiter modifiziert als sie an die 3D-Zeichner
weitergegeben wurden. Tatsächlich war es erst in diesem Stadium, dass sich das endgültige Design von Selenia
herauskristallisierte. „ Bis zum Schluss“, fügt Philippe Rouchier, „waren wir sehr froh zu sehen, dass unsere Arbeit
respektiert wurde und die Figuren in jedem Stadium neue Dimensionen erreichten.“
DIE SETS
Es gab zwei ausgeprägte Welten die erfunden werden mussten: die der Minimoys, die vollständig aus natürlichen
Objekten bestand, und Nekropolis, das Reich von Maltazard, das aus Stein, Metal und anderen Objekten besteht, die aus
der Welt der Menschen recycelt wurden. Außer aus Illustrationen und Zeichnungen bezog das Designteam seine
Inspiration verständlicherweise aus der Natur. „Wir haben eine Datenbank aus Fotos angelegt, die wir über Wochen auf
dem Land, in den Bergen oder am Meer geschossen haben“, erklärt Nicolas Fructus. „Die Bahnstation beispielsweise,
an der ich sehr viel gearbeitet habe, war inspiriert von einer 1000 Jahre alten Kastanie in Savoyen, die ich detailliert
skizziert habe.“ Der Zeichner konnte in sein Design auch eine Referenz an die Pariser Metro-Stationen einbauen. „Es ist
eine kleine Verbeugung vor Guimard, der die Eingänge der Stationen entworfen hat“, sagt Nicolas. „Das Besondere an
seiner Arbeit ist die Vermischung von Design und Realität. Er hat immer auch die Anwendbarkeit seiner dekorativen
Elemente erwogen.“
Die Zeichnungen des Teams lieferten die Basis für die Modelle, die Hugues Tissandiers Bühnenbildner nachbauten. Für
Philippe Rouchier war dieser Prozess eine weitere Inspirationsquelle. „Es war für uns ein echter Schock“, sagt er, „als
wir nach ungefähr zwei Jahren die ersten Modelle sahen. Es war, als seien unsere Zeichnungen zum Leben erwacht. Wir
führten einen sehr positiven, wechselseitigen Dialog mit den Set Designern. Sie baten uns, bestimmte Details näher zu
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erläutern und wir produzierten mehr Zeichnungen, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden.“ Georges Bouchelaghem
fügt hinzu: „Das ist es, was dieses Projekt so einzigartig macht. Wir waren angetreten, um höchstens ein Jahr an
ARTHUR UND DIE MINIMOYS zu arbeiten, aber unser Beitrag war nicht nur auf das Grafikdesign beschränkt. Wir
blieben dann, um mit dem Produktionsdesign-Team zu arbeiten und teilweise ihre Modelle zu perfektionieren!“
EINE VISUELLE REVOLUTION
Berühmt für ihre Verdienste um Fotorealismus, brachte die Firma BUF Techniken mit in die Produktion, die im eigenen
Haus bereits vor dem Film entwickelt worden waren. Hauptsächlich ermöglichten diese es Luc Besson, die animierten
Charaktere zu „inszenieren“ als seien sie echte Schauspieler.
LARGER THAN LIFE: DIE KULISSEN
Die größte Herausforderung, die sich im Falle von ARTHUR UND DIE MINIMOYS stellte, lag im Übergang von den
Realszenen zu den animierten 3D-Sequenzen. Schon zu einem frühen Zeitpunkt entschieden sich Pierre Buffin und
Emmanuel Prévost, Modelle zu bauen, die anschließend fotografiert und dann in 3D übertragen wurden. Wie Gilles
Boillot, der aufsichtführende Set Designer, erklärt, bot diese Technik „besonders realistische Kulissen mit Oberflächen,
die der Realität extrem nahe kommen.“ Ein besser aussehendes Endergebnis und eine effiziente Zeitnutzung waren die
Gründe für diese Entscheidung, die vorsah, dass 3D-Animatoren und Bühnenbildner in verschiedenen Stadien eng
zusammenarbeiteten, wobei eine von BUF entwickelte Technik verwendet wurde, die dem Regisseur die größtmögliche
Freiheit bei den Kamerabewegungen ermöglichte.
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Die Kreation eines einfachen dreidimensionalen Modells, „weißes Modell“ genannt, aus Styropor gebaut und
grob bemalt, das es den 3D-Entwicklern ermöglicht, die Bewegungen der animierten Charaktere zu
beschränken und die Details der Maßstäbe zu überprüfen, etwa die Höhe der Türen.
Die Positionierung der Slots in den endgültigen, maßstabsgetreuen Modellen, um eine Auswahl an Winkeln für
die digitale Kamera zu ermöglichen.
Die Beleuchtung der Modelle, damit sie im Einklang sind mit den CGI-Charakteren, bevor sie fotografiert
werden.
Der Bau der endgültigen, maßstabsgetreuen Modelle, kombiniert aus natürlichen und künstlich hergestellten
Elementen.
Das Fotografieren der Modelle aus jedem Winkel, das notwendig ist für ihre Umsetzung in 3D.
Die Modelle wurden auf der Basis von Entwürfen und Skizzen der Grafikzeichner geschaffen. Anschließend ging es nur
noch darum, diesen Bildern Volumen zu verleihen – mit zwei entscheidenden Belangen:
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Maßstab setzen. Gilles Boillot sagt: „Wir mussten die ideale Größe finden, die den Kameramännern genug
Raum gibt und trotzdem den höchsten Grad an Präzision bewahren würde. Aus nahe liegenden Gründen
konnten wir das Dorf der Minimoys, das größte unserer Modelle, nicht in einem Maßstab von 1:1 umsetzen, da
es sonst nur einen Durchmesser von drei Metern gehabt hätte. Andererseits wäre ein Maßstab von 1:10
undenkbar gewesen, deswegen haben wir uns – von einigen Ausnahmen abgesehen – auf 1:3 geeinigt. Um die
Vorstellung des Maßstabs zu betonen, haben wir die Modelle mit möglichst vielen natürlichen Elementen
ausgestattet – Schneckenhäuser, Walnüsse oder Haselnüsse sind in der Welt der Minimoys unvorstellbar
groß.“
Imitieren der Natur. Die Modelle sollten in Nahaufnahmen fotografiert werden, daher war es wichtig, dass
wir die Oberflächen der einzelnen Bestandteile richtig hinbekommen. „Malerfarbe kam nicht in Frage“, sagt
Gilles Boillot. „Das hätte für einen künstlichen Effekt gesorgt, daher haben wir lieber echtes Blattwerk,
Wurzeln und Moos verwendet, das wir auf dem Markt gekauft oder im Wald gesammelt und anschließend mit
Kunstharz überzogen haben, um den Verfall zu stoppen. Wir kombinierten diese mit künstlichen Elementen,
die auf pflanzlichen Formen basierten, um eine natürliche Oberfläche zu erzeugen. Es ist unmöglich, die
echten Blätter mit dem bloßen Auge auszumachen. Am Ende wurden Kulissendesigner und –zeichner geholt,
um dem Ganzen einen bewohnten Look zu verpassen.“
DIE FIGUREN ZUM LEBEN ERWECKEN:
STORYBOARD UND „TESTLAUF“
Für die 3D-Animatoren lag die Besonderheit bei ARTHUR UND DIE MINIMOYS darin, von einem Regisseur
angeleitet zu werden, der nicht aus der Welt der Animation kommt. BUF entwickelte zwei Hilfsmittel, die es ihnen
möglich machte, Luc Bessons Absichten zu verstehen.
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Ein Storyboard-Kommentar: Luc Besson nahm einen Kommentar auf, in dem er unter der Anleitung von
Patrice Garcia das Storyboard Bild für Bild durchging. Dank der von BUF entwickelten Software konnten die
Animationszeichner dann Bessons Kommentar und das zugehörige Bild jederzeit auf ihren Bildschirmen
aufrufen – auch noch vier Jahre nachdem der Kommentar aufgenommen wurde.
Der Testlauf: Im Studio filmte Besson jede Szene des Storyboards mit einer Gruppe von Schauspielern, deren
Bewegungen von mehreren Kameras aufgenommen wurden. Diese Technik, die ebenfalls von BUF entwickelt
wurde, erinnert an Video Motion Capture, bedarf allerdings keiner Markierungspunkte. Sie ermöglichte
Besson nicht nur, Kamerawinkel und Frames festzuhalten, sondern auch die Figuren tatsächlich zu inszenieren
und ihre Persönlichkeiten auf Film zu entwickeln. Jede Bewegung und jeder Gesichtsausdruck der
Schauspieler wurde den Animatoren für jede Sequenz zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde eine vorläufige
Tonspur aufgenommen, dank der die Zeichner an lippensynchronen Bewegungen arbeiten konnten.
Der Ton entpuppte sich als grundlegendes Mittel als es darum ging, die animierten Charaktere zum Leben zu erwecken.
So erklärt Guillaume Bouchateau, der leitende Tonschnittmeister: „Das große Problem bei einem Animationsfilm ist es,
die Figuren tatsächlich lebendig zu machen. Dazu gehört es auch, all die kaum wahrnehmbaren Töne zu reproduzieren,
die sie zu dem machen, was sie sind. In einem Realfilm bekommt man das kaum mit, aber wenn Figuren sich bewegen,
machen sie kleine, kaum hörbare Geräusche, über die sie sich definieren. Bei ARTHUR UND DIE MINIMOYS
mussten wir die Geräusche erfinden, die von den animierten Charakteren ausgehen.“ So hat jede Rolle ihre eigene
‚Klangfarbe’ – das Klirren einer Halskette bei Selenia, kleine Juwelen für den König, Leder bei Arthur. Die
Geräuschemacher verwendeten sogar Lauch und Paprika, um Maltazards ausgeprägten, knorpeligen Klang
hinzubekommen!
DIE PRODUKTIONSPHASEN EINES ANIMATIONSFILMS:
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Produktion des Storyboards und einer vorläufigen Tonspur.
Modellieren der 3D-Charaktere gemäß den Entwürfen. Diese Phase markiert den Beginn der 3D-Arbeit, die
sich durch das gesamte Projekt zieht, da sich das 3D-Design immer weiter entwickelt während der Film
entsteht.
Drehen eines Testlaufs in Live-Action als Verweismaterial sowie Aufnehmen der Stimmen.
Kreieren der ersten Animatics. Diese Phase, in der mit grob animierten Figuren gearbeitet wird, legt all die
Probleme offen, die noch gelöst werden müssen, bevor die endgültigen Kulissen gebaut werden und der
eigentliche Animationsprozess beginnt.
Bau der maßstabsgetreuen Modelle.
Animation. Wird Luc Besson noch vor dem Rendering präsentiert; der Schnitt und die Animation können
Schicht für Schicht modifiziert werden.
Erstellen von Beleuchtungsplänen für jede Umgebung. Diese werden auf die Modelle angewandt, damit deren
Beleuchtung jener der Figuren entspricht.
Fotografieren der Maßstabsmodelle. Diese Bilder werden dann in 3D übersetzt, was auch die Integration der
Kamerabewegungen erlaubt. Die Außenszenen und die Wasserfallsequenzen wurden komplett in 3D generiert.
Rendering. Die Charaktere werden in die Sets integriert und die Beleuchtung wird Bild für Bild angepasst.
Ausgabe. Sobald das Rendering abgesegnet wurde, bleibt noch die Übertragung der digitalen Bilder auf Film,
in einer 2K-Auflösung, dem Äquivalent eines 35mm Films.
3D: ÜBER 100 ZEICHNER MIT EINEM EINZIGARTIGEN ZIEL
Das 3D-Animationsteam, das von BUF Cie zusammengestellt wurde, arbeitete durchgehend drei Jahre lang auf dem
Produktionsgelände außerhalb von Paris, um die animierten Sequenzen von ARTHUR UND DIE MINIMOYS
herzustellen. Im Durchschnitt war zu jeder Zeit die Mitarbeit von 20 Supervisoren und 100 Zeichnern von Nöten.
1. Aufbau
Der erste Schritt während der Entstehung von 3D-Figuren. Die Besonderheit der Filmcharaktere ist, dass sie alle aus
dem selben „generischen Menschen“-Modul entstanden sind, das von BUF entwickelt wurde. Der „generische Mensch“
hat alle anatomischen Merkmale, dank denen das Modell verformt und animiert werden kann: ein komplettes Skelett,
subkutane Muskeln, eine Zunge, 32 Zähne und so weiter.
2. Set Design und Konstruktion
Die meisten Kulissen für die animierten Sequenzen wurden ausgehend von maßstabsgetreuen Modellen in 3D
übertragen. Der Rest, vor allem die Außensets wie der Garten der Großmutter, wurden komplett in 3D generiert, was
eine ziemlich zeitraubende Aufgabe war. Jérôme Platteaux, BUFs technischer Leiter, stellte eine Verbindung her
zwischen den Set-Animatoren und den Kulissenbauern. Er erzählt: „Set Designer Gilles Boillot und ich versuchten so
effizient wie möglich zu arbeiten, in dem wir festlegten, welche Kulissenteile als Modell gebaut werden und welche
lediglich in CG entstehen mussten. Es war zum Beispiel nicht absolut notwendig, die Glasrequisiten zu bauen.
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Gleichzeitig konnte man schon an den Handlungen der Charaktere im Storyboard erkennen, ob wir für ein Set eine Tür
bauen mussten oder nicht, je nachdem ob die Figur mit ihr interagierte oder nicht. Aber der zeitaufwändigste Teil der
Arbeit war die Rekonstruktion der organischen Umwelt in 3D: das Erschaffen und Animieren der Vegetation, des
Bodens, der Wurzeln etc.
3. Mapping
Mapping ist der Prozess, in dem den Kulissen eine Oberflächenstruktur verpasst wird. Es ist die erste Phase des
Rendering und folgt auf die 3D-Umsetzung der Maßstabsmodelle. Für ARTHUR UND DIE MINIMOYS war es
wichtig, vor allem in den Nahaufnahmen die Oberflächen jener Materialien einzufangen, die in den Modellen
verwendet wurden, und die Qualität dieser Gewebe in den 3D-Kulissen wieder entstehen zu lassen.
Mapping-Leiter Xavier André sagt: „Die größte Herausforderung war, die Natur einzufangen und die Bilder so
fotorealistisch wie möglich zu machen. Ich musste Farben und Oberflächen auswählen und darauf achten, wie die
verschiedenen Elemente der Kulissen auf Licht reagierten. Gras beispielsweise ist in Wirklichkeit ziemlich
lichtdurchlässig. Wenn man einen Grashalm gegen das Licht hält, kann man hindurchschauen. Wir mussten ziemlich
viel Recherche betreiben, um diesen Effekt zu erzielen, vor allem in jenen Szenen, die mit den auf 35mm gedrehten
korrespondierten. Das 3D-Gras musste genauso reagieren wie das gefilmte, damit der Übergang vollkommen unsichtbar
war. Es war eine große Herausforderung und dieser Teil unserer Arbeit war eindeutig schwieriger als die künstlichen
Objekte.“
4. Beleuchtung
Die Beleuchtungscrew war in zwei Phasen des 3D-Prozesses involviert, zunächst in den Diskussionen, in denen der
Lichtplan festgelegt wurde. Beleuchtungs-Supervisor David Verbeke erklärt: „Sobald die Styropor-Modelle fertig
waren, erstellten wir am Computer den Beleuchtungsplan, damit wir sowohl die Maßstabsmodelle als auch die 3D-Sets
belichten konnten. Wir mussten in der Lage sein, alle Lichteffekte auch mit echtem Licht zu erreichen. 3D-Software
kann man nicht austricksen. Unser Ziel war es, so naturalistisch wie möglich zu sein und möglichst auf die gleiche
Weise zu arbeiten wie ein herkömmlicher Beleuchter.“ Nachdem die maßstabsgetreuen Modelle fertig waren und die
vorläufige Animation begonnen hatte, musste außerdem die Beleuchtung nach ziemlich traditionellen Richtlinien
platziert werden. „Grundsätzlich hatten wir eine Hauptlichtquelle von oben“, erklärt David Verbeke, „die wir um
zusätzliche seitliche Lampen ergänzen konnten. Die Figuren wurden einzeln beleuchtet, um sie besonders
hervorzuheben und die Augen der Zuschauer auf sich zu ziehen.“
5. Sequenz-Fertigstellung
Dies ist die entscheidende Aufgabe, bei der all die Elemente, die von anderen Zeichnern und Technikern produziert
wurden, zusammengesetzt und harmonisiert werden und der endgültige Look des Films sichergestellt wird. Yann
Avenati, der Sequence Supervisor, unterstreicht die Wichtigkeit dieses Prozesses am Anfang und am Ende der
Entstehung: „Es geht wirklich darum, Luc Bessons Wünsche in Bilder umzusetzen. Wir benutzen das Storyboard und
den Pilotfilm, um vorläufige Animationen zu schaffen, die einen Überblick über die Szene geben sollten, bevor wir
daran Schicht für Schicht arbeiteten und sie mit jedem Schritt ein wenig verbesserten.“ Wenn es nur um die Animation
geht, sei der Testfilm nicht genug, betont Avenati, weil er zwar „der Geschichte eine Stimmigkeit verleiht“, aber
permanent überarbeitet werden müsse, da die Schauspieler auf dem Bildschirm morphologisch anders sind als die 3DCharaktere. Manchmal waren sogar Nachdrehs nötig, um eine Sequenz wirklich zu vollenden. Andere Szenen konnten
gar nicht ausgespielt werden, wie etwa der Angriff der Mosquitos. „Als die Animation einigermaßen etabliert war,
wurden wir gebeten die Angriffsszene aus dem Nichts zu kreieren. Dadurch konnten wir eine ganze Reihe von
Animationsvorschlägen auf den Weg bringen.“
6. Spezialeffekte
Es mag unpassend sein, über Spezialeffekte zu reden in einem Film, der selbst ein einziger langer Spezialeffekt ist, aber
es gibt eine Reihe kreativer Hilfsmittel, mit denen man alles animieren kann, was nicht von Hand tun kann. Für
ARTHUR UND DIE MINIMOYS übernahm SFX Supervisor Dominique Vidal die Verantwortung für „all die
Schwierigkeiten, die sich aus der Dynamik verschiedener Objekte und Flüssigkeiten ergaben, etwa Wasser,
Staubpartikel, Haare und Fell, Tropfen, Explosionen und so weiter.“
Was die Technik angeht, stellt die Animation von Wasser das größte Problem für Effektfirmen auf der ganzen Welt dar,
bei der es immer wieder neue Wege zu entdecken gilt. Vor allem Wasserfälle sind als physikalisches Phänomen
besonders schwer zu berechnen, da sie aus Milliarden von Wassertropfen bestehen. Die andere große Herausforderung
bestand in den Szenen, in denen Natur nachgestellt wurde. „Wir mussten eine Animationstechnik für die Pflanzen
finden, nachdem sie von den Set Designern geschaffen worden waren“, sagt Dominique Vidal. „Wir konnten ja nicht
die Animatoren bitten, jedes Blatt und jede Blüte einzeln zu animieren. Wir haben selbstverständlich eine Menge Zeit
damit verbracht, die Natur zu beobachten. Das ist besser als CGI-Filme über die Natur zu sehen, denn dann entstehen
nur Kopien der Kopien.“
Schließlich war es auch entscheidend, sich der Größe der Minimoys anzupassen, und „darüber nachzudenken, was
passiert, wenn man nur wenige Millimeter groß ist. In dieser Größe kann man beispielsweise all die einzelnen Partikel
wahrnehmen, die wir sonst nur als einen Lichtstrahl wahrnehmen.“
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7. Visuelle Effekte
Zu den digitalen visuellen Effekten gehören all die Effekte, die in der Postproduktion für Live-Action Szenen erstellt
werden, die vor der Green Screen entstanden. Davon gibt es einige in ARTHUR UND DIE MINIMOYS, etwa wenn
Arthur schrumpft oder seine Großmutter den Antiquitätenhändler besucht – der gesamte Hintergrund dieser Szene ist
ein visueller Effekt.
Christophe-Olivier Dupuis beaufsichtigte diese digitalen Effekte. Er berichtet, dass er lange Zeit an der letzten Szene
des Films arbeitete, in der Live-Action Material mit 3D-Animationen kombiniert wird, als Arthur mit Selenia spricht,
die hoch oben in einem Baum hockt. Die Fahrt, die Luc haben wollte, war so kompliziert, dass wir die
Kamerabewegung in vier Teile aufbrachen, die wir dann in der Postproduktion nahtlos zusammenfügten. Ein guter
Spezialeffekt ist schließlich einer, den keiner wahrnimmt!“
8. Recherche und Entwicklung
Ohne diese Abteilung ist nichts möglich, da hier sämtliche Software für einen Animationsfilm entwickelt wird. Xavier
Bec leitet BUFs R&D-Abteilung und erzählt: „Wir haben alle Gerätschaften, die wir schon in Betrieb hatten, noch
erheblich verbessert, vor allem in der Animation der Figuren, wo wir den Pilotfilm als Quelle verwendeten, oder auch in
der Umsetzung der 3D-Modelle. Wir haben außerdem verschiedene Techniken kombiniert, beispielsweise beim Wasser,
was das am schwersten zu animierende Element ist, weil es sich permanent bewegt und die Form verändert. Da ist es
schwer, die ideale Lösung zu finden. Es ist eher eine graduelle Fortentwicklung, und dieser Film ermöglichte es uns,
einen großen Schritt nach vorne zu tun.“
3D-FAKTEN
-
225 Menschen arbeiteten vor Ort in Pantin. Für alle war es der erste Animationsspielfilm überhaupt und für
200 von ihnen der erste Job überhaupt.
27 Monate dauerte die Produktion der animierten Sequenzen.
20 Millionen Bilder wurden am Computer errechnet.
60.000 Arbeitstage (oder 273 Jahre) nahm die Vollendung des Films in Anspruch.
DIE REALSZENEN
Im Frühjahr 2005 begann Luc Besson, die Live-Action Szenen für ARTHUR UND DIE MINIMOYS zu drehen. Sechs
Wochen lang arbeitete er daran mit einer Gruppe langjähriger Wegbegleiter: dem ersten Assistenten Stéphane Glück,
dem Produktionsdesigner Hugues Tissandier (zum ersten Mal seit JOHANNA VON ORLEANS), dem Kostümbildner
Olivier Bériot und natürlich dem Kameramann Thierry Arbogast, mit dem Besson fünf seiner Spielfilme gedreht hat.
Amerika in der Normandie: Für die Außendrehs, in denen eine möglichst genaue Reproduktion einer amerikanischen
Kleinstadt der frühen 1960er Jahre erschaffen werden sollte, entschied man sich für die Normandie. Um die
Postkartenidylle zu erreichen, die Luc Besson vorschwebte, ließ Kostümbildner Olivier Bériot sich von den
aufwändigen Illustrationen jener Zeit inspirieren. „Es gibt viele Dokumente, die Situationen zeigen, wie sie nun im Film
vorkommen“, erzählt er. „Wir verwendeten beispielsweise viel Werbung für Haushaltsprodukte, in denen man die
Großmutter mit ihren Enkeln kochen sah, um den Look der Charaktere zu erreichen. Außerdem haben wir viel auf die
Arbeiten von Norman Rockwell zurückgegriffen, die ein ziemlich gutes Bild davon vermitteln, was Senioren damals
trugen. Viele Amerikaner stellen auch Familienfotos ins Internet, so dass wir uns ein ziemlich genaues Bild von echten
Menschen der späten 50er und frühen 60er Jahre machen konnten.“ Auch Produktionsdesigner Hugues Tissandier
betrieb viel Recherche, um das Ebenbild eines typischen Provinznestes zu bauen, allerdings mit einem zusätzlichen
Fokus: der Verschmelzung von Realszenen und 3D. „Ich musste sicherstellen, dass die Live-Action Szenen perfekt in
die animierten Sequenzen übergehen, daher haben wir alles daran gesetzt, diese beiden Welten zu einem einzigen
visuellen Universum zu machen. Um diese Einheit zu erreichen haben wir viele Farben verändert.“
DAS NACHSTELLEN DER NATUR
Es mag relativ einfach sein, die Form oder die Farbe eines Hauses zu verändern, aber es ist nicht so einfach darauf zu
warten, dass sich ein Garten mit den Jahreszeiten entwickelt. Was man auf der Leinwand sieht, durfte sich natürlich
nicht von einem Tag auf den nächsten verändern, weswegen der Lauf der Natur angehalten werden musste. Daher
wurden falsche Bäume und Blumen unter die echten gemischt. Es wurde alle zwei Wochen neu bepflanzt, damit die
Blumen regelmäßig blühten. Die gleiche Herangehensweise gab es auch beim Küchengarten und den Feldern rund um
das Haus der Großmutter, das eigens neben einer großen Eiche gebaut wurde. Die Stammesleute der Bogo-Matasalaï
waren auch keine authentischen Massaikrieger, sondern Schauspieler, die aufgrund ihrer Größe ausgewählt wurden. Der
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kleinste war 1,95 Meter und der größte 2,10 Meter. Sie waren in farbenfrohe Kostüme und Perlenketten gekleidet. Für
die Szene in dem hohen Gras mussten sie sogar 20 cm hohe Plateausohlen tragen damit sie noch größer erschienen.
DIE SPEZIALEFFEKTE
Die Hauptschwierigkeit beim Dreh der Realszenen war die Interaktion mit den 3D-Sequenzen. Die VFX wurden von
BUF Cie beaufsichtigt. Die Teleskop-Szene etwa, in der Arthur schrumpft und ins Land der Minimoys stolpert, wurde
in sechs unterschiedlichen Phasen gedreht, angefangen mit Aufnahmen in drei verschiedenen Abschnitten eines riesigen
Teleskops: der Schacht, den Freddie Highmore hinunter rutscht; die Linse im Teleskop, auf der er landet; und das Ende
des Teleskops, in das er hinein klettert. Dann kam die Fahrt im Garten vor dem Hintergrund des Vollmonds (einer
starken Lichtquelle, die an einem Kran hing), das mit der gleichen Geschwindigkeit noch einmal vor dem Green Screen
nachgestellt wurde, während Freddie sich an einem Trapez festhielt, damit das Team der Effektspezialisten die beiden
Aufnahmen später zusammenfügen konnte.
DAS SOUNDDESIGN
Das Sounddesign des Films erwies sich als entscheidend für die Charakterisierung und den Realismus der animierten
Sequenzen. Der Film enthielt so viele Sounds und so viel Musik und die Toncrew war so klein (freiwillig auf höchstens
fünf Personen beschränkt), dass es 18 Monate dauerte, den Ton für ARTHUR UND DIE MINIMOYS fertig zustellen –
verglichen mit durchschnittlich 15 Wochen bei einem gewöhnlichen Spielfilm.
Die erste Schwierigkeit, die der Sound Supervisor überkommen musste, war die Frage des Maßstabs. Guillaume
Bouchateau, der leitende Sound Supervisor, sagt: „Wir mussten daran denken, was Da Vinci mal gesagt hat: ‚ein
kleines Geräusch aus der Nähe gehört ist viel lauter als ein großes Geräusch, das man von weit weg hört.’ Das Problem
war also herauszufinden, wie sensibel dein Gehör ist, wenn du nur ein paar Millimeter groß bist. Bei der Größe muss
sich ein fallender Zahnstocher wohl anhören wie ein Baum, der zu Boden stürzt.“
Eine andere Baustelle der Ton-Crew war die Unterscheidung der unterschiedlichen Umgebungen des Films, was vom
einfachen, beinahe klischeehaft organischen Klang der menschlichen Welt über die klangreiche Welt der Minimoys, „in
der es von verzerrten Dschungelgeräuschen nur so wimmelte“, bis hin zur eher metallischen Stimmung in Nekropolis
reichte.
Zu guter Letzt brauchte es einige Fantasie, um sich die Sprache der verschiedenen Kreaturen im Film auszudenken. Wie
brüllt ein Tausendfüßler? Wie klingt ein Erdwurm oder ein Mul-Mul? Sounddesigner Alexis Place schenkte den
Klängen der Mosquitos in der Schlachtszene besondere Beachtung. „Zunächst dachten wir daran, Instrumente
aufzunehmen, die klingen wie wenn man auf einem Blatt bläst“, erzählt er. „Doch das Ergebnis war nicht besonders
überzeugend. Deswegen fügten wir den Klang von Auto- oder Flugzeugmotoren hinzu, den wir bearbeiteten und in
kleine Bestandteile auflösten. Dann ergänzten wir es noch um die Geräusche einer Hummel, die unter einer Glasglocke
gefangen war. Wir mussten daraus die dynamischste Kombination finden und dabei immer etwas Neues schaffen.
Generell haben wir so viele Geräusche wie möglich selbst aufgenommen statt uns auf Ton-Archive zu verlassen.“
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CAST & CREW
FREDDIE HIGHMORE (Arthur)
Der 1992 in London geborene Freddie Highmore kann bereits auf eine Film- und Fernsehkarriere zurückblicken, die
nicht nur in Anbetracht seines jungen Alters beachtlich ist. Als Sohn von Helena Bonham-Carter in WOMEN
TALKING DIRTY stand er mit sechs Jahren erstmals vor der Kamera, es folgten kleine Rollen in hochkarätigen
Fernsehproduktionen wie „Die Nebel von Avalon“ mit Anjelica Huston und Joan Allen oder „Jagd auf den Schatz der
Riesen“ mit Matthew Modine, Vanessa Redgrave, Daryl Hannah und John Voight sowie in Jean-Jacques Annauds
ZWEI BRÜDER.
Große Aufmerksamkeit erregte er schließlich an der Seite von Johnny Depp in WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN,
wofür Freddie Highmore unter anderem für den MTV Movie Award, den Screen Actors Guild Award und den Young
Artist Award nominiert wurde. Außerdem zeichneten ihn die Filmkritiker von Las Vegas und Phoenix als Besten
Jungdarsteller aus. Auch in dem weltweiten Kinohit CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK von Tim Burton
stand Highmore anschließend neben Johnny Depp vor der Kamera. Kürzlich sah man in außerdem in Ridley Scotts A
GOOD YEAR neben Russell Crowe und Albert Finney. Demnächst folgen Auftritte ihn dem Drama AUGUST RUSH
mit Robin Williams, Jonathan Rhys-Meyers und Keri Russell sowie in dem Fantasy-Epos THE SPIDERWICK
CHRONICLES.
FILMOGRAFIE (Auswahl):
1999
2004
2005
2006
2007
2008
WOMEN TALKING DIRTY
Regie: Coky Giedroyc
DEUX FRÈRES (Zwei Brüder)
Regie: Jean-Jacques Annaud
FINDING NEVERLAND (Wenn Träume fliegen lernen)
Regie: Marc Forster
FIVE CHILDREN AND IT
Regie: John Stephenson
CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY
(Charlie und die Schokoladenfabrik)
Regie: Tim Burton
A GOOD YEAR (Ein gutes Jahr)
Regie: Ridley Scott
ARTHUR AND THE MINIMOYS (Arthur und die Minimoys)
Regie: Luc Besson
AUGUST RUSH
Regie: Kirsten Sheridan
THE SPIDERWICK CHRONICLES
Regie: Mark Waters
EIN INTERVIEW MIT FREDDIE HIGHMORE
Was wusstest Du über Arthur, bevor die Dreharbeiten losgingen?
Ich habe zuerst die Bücher gelesen, teilweise sogar auf Französisch. Ich liebe die Welt der Minimoys, denn das ist
genau das, woran Kinder glauben wollen: eine kleines Universum versteckt unter dem Gras, wo man mit kleinen Tieren
sprechen und sich mit ihnen anfreunden kann...
Fühlst Du Dich Arthurs Charakter nahe?
Vielleicht ein bisschen. Auf jeden Fall hat es mir viel Spaß gemacht, in eine so selbstlose Figur zu schlüpfen. Sein
einziger Fehler ist vermutlich die Tatsache, dass er nie genug nachdenkt, bevor er handelt. Ich hatte also gar keine
Schwierigkeiten, mich mit der Rolle zu identifizieren, auch wenn ich noch nicht so ein schickes Auto lenken kann.
Leider!
Arbeitest Du hart, bevor der Dreh losgeht? Wenn Du spielst, hat man immer das Gefühl, du bist extrem
spontan...
Auch wenn das manchmal sehr natürlich aussieht, muss ich trotzdem viel arbeiten. Ich denke viel über die Aspekte des
Charakters nach, bevor wir drehen. Was hat er für ein Temperament? Wie zieht er sich an? Was mag er? So komme ich
ihm nahe und im Grunde habe ich dann schon das Gefühl, ihn zu kennen, bevor die Dreharbeiten überhaupt begonnen
haben.
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Wie hast Du reagiert, als Du Dich, also natürlich Arthur, zum ersten Mal als Minimoy gesehen hast?
Es war unglaublich! Mit einer so gut animierten Figur, die noch dazu meine Stimme hat, bin das wirklich ein bisschen
ich. Ich habe einige Tage damit verbracht, Arthur zu synchronisieren. Das Ergebnis war irgendwie ein bisschen
komisch für mich, das kann man gar nicht wirklich erklären...
Wie würdest Du Luc Bessons Arbeitsweise beschreiben?
Er arbeitet sehr hart. Alle Regisseure müssen irgendwie Arbeitstiere sein, aber wenn Luc am Set fertig war, setzte er
sich danach immer noch ein bisschen an die Animation, um sie noch ein wenig besser zu machen. Deswegen glaube
ich, ist der Film so großartig: natürlich auch wegen Mia und mir, aber vor allem wegen Luc.
Wie war die Zusammenarbeit mit Mia Farrow?
Sie ist das perfekte Kindermädchen und sie ist genauso wie man sich seine Oma wünscht – die, von der alle Kinder
träumen. Sie hat so viel zu erzählen, schließlich war sie mit Frank Sinatra verheiratet und erlebte, wie die Beatles ihre
ersten Songs aufnahmen.
Wie gefallen Dir als jungem Zuschauer die animierten Teile des Films?
Ich glaube, den Jüngsten gefällt die Idee, dass die Minimoys nur zwei Millimeter groß sind und wir sie mit bloßem
Auge nicht sehen können. Sie werden sie alle in ihren Gärten haben wollen! Der Film zieht einen völlig in seinen Bann
und man glaubt wirklich, dass diese Kreaturen unter unserer Erde leben. Das ist verrückt!
MIA FARROW (Arthurs Großmutter)
Mia Farrows unvergessliche Leistung in ROSEMARIES BABY von Roman Polanski machte sie weltweit zum Star.
Zum festen Bestandteil amerikanischer Filmgeschichte wurde sie in der Folge durch ihre lange Zusammenarbeit mit
Woody Allen, dessen Lebensgefährtin und Muse sie beinahe zehn Jahre lang war. ARTHUR UND DIE MINIMOYS ist
anders als alle Filme, die sie bisher gedreht hat, aber es ist nicht das erste Mal, dass Farrow mit einem französischen
Regisseur zusammengearbeitet hat. 1972 stand sie in DER HALUNKE von Claude Chabrol vor der Kamera.
Vor kurzem feierte die 1945 geborene Mia Farrow ihr Comeback mit einer Nebenrolle in dem Horror-Remake OMEN
von John Moore. Auch auf die Theaterbühne kehrte sie mit einem gefeierten Auftritt in dem Off-Broadway-Stück
„Fran’s Bed“ zurück. Am Theater hatte sie in den 60er Jahren ihre Karriere begonnen, bevor sie eine feste Rolle in der
Erfolgsserie „Peyton Place“ übernahm. Der große Durchbruch gelang ihr 1968 in Roman Polanskis ROSEMARIES
BABY, für den sie eine von insgesamt sieben Nominierungen für den Golden Globe erhielt. Zu Farrows wichtigsten
Filmen gehören außerdem DER GROßE GATSBY mit Robert Redford, Robert Altmans EINE HOCHZEIT und die
Agatha Christie-Verfilmung TOD AUF DEM NIL mit Peter Ustinov, Bette Davis, Angela Lansbury, David Niven und
Jane Birkin. In den 80ern begann die Schauspielerin die Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Lebensgefährten Woody
Allen, mit dem sie insgesamt 13 Filme drehte, darunter Klassiker wie BROADWAY DANNY ROSE, THE PURPLE
ROSE OF CAIRO, HANNAH UND IHRE SCHWESTERN und ALICE. Darüber hinaus war sie unter anderem in der
Krimikomödie DIE WITWEN VON WIDOWS PEAK und in MIAMI RHAPSODY mit Sarah Jessica Parker zu sehen.
„Dauer hat, was vergeht. Erinnerungen“, die Autobiografie der engagierten UNICEF-Botschafterin, stand wochenlang
in den Bestsellerlisten. Demnächst ist Mia Farrow in der Komödie FAST TRACK mit Zach Braff und Amanda Peet
sowie in Michel Gondrys BE KIND REWIND zu sehen.
FILMOGRAFIE (Auswahl):
1959
1964
1968
1969
1972
1974
JOHN PAUL JONES (Beherrscher der Meere)
Regie: John Farrow
GUNS AT BATASI (Schüsse in Batasi)
Regie: John Guillermin
ROSEMARY’S BABY (Rosemaries Baby)
Regie: Roman Polanski
JOHN AND MARY (John und Mary)
Regie: Peter Yates
DOCTEUR POPAUL (Der Halunke)
Regie: Claude Chabrol
THE GREAT GATSBY (Der große Gatsby)
Regie: Jack Clayton
14
1978
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1992
1994
1995
2006
2007
A WEDDING (Eine Hochzeit)
Regie: Robert Altman
DEATH ON THE NILE (Tod auf dem Nil)
Regie: John Guillermin
A MIDSUMMER NIGHT’S SEX COMEDY (Eine Sommernachts-Sexkomödie)
Regie: Woody Allen
ZELIG (Zelig)
Regie: Woody Allen
BROADWAY DANNY ROSE (Broadway Danny Rose)
Regie: Woody Allen
THE PURPLE ROSE OF CAIRO (The Purple Rose of Cairo)
Regie: Woody Allen
HANNAH AND HER SISTERS (Hannah und ihre Schwestern)
Regie: Woody Allen
RADIO DAYS (Radio Days)
Regie: Woody Allen
SEPTEMBER (September)
Regie: Woody Allen
ANOTHER WOMAN (Eine andere Frau)
Regie: Woody Allen
NEW YORK STORIES (New Yorker Geschichten)
Regie: Woody Allen. Martin Scorsese, Francis Ford Coppola
CRIMES AND MISDEMEANORS (Verbrechen und andere Kleinigkeiten)
Regie: Woody Allen
ALICE (Alice)
Regie: Woody Allen
SHADOWS AND FOG (Schatten und Nebel)
Regie: Woody Allen
HUSBAND AND WIVES (Ehemänner und Ehefrauen)
Regie: Woody Allen
WIDOW’S PEAK (Die Witwen von Widows Peak)
Regie: John Irvin
MIAMI RHAPSODY (Miami Rhapsody)
Regie: David Frankel
THE OMEN (Omen)
Regie: John Moore
ARTHUR AND THE MINIMOYS (Arthur und die Minimoys)
Regie: Luc Besson
FAST TRACK
Regie: Jesse Peretz
BE KIND REWIND
Regie: Michel Gondry
EIN INTERVIEW MIT MIA FARROW
Es ist eine ziemliche Überraschung, Sie in einem teilweise animierten Film zu sehen. Was überzeugte Sie, die
Rolle anzunehmen?
Drei Dinge: Luc Besson, Luc Besson und Luc Besson! Als er mich eines Tages zum Lunch einlud, um über den Film zu
sprechen, nahm ich an, dass er sich zu dieser Gelegenheit mit mehreren Schauspielerinnen treffen würde. Als er mich
fragte, ob ich etwas essen wolle, lehnte ich also ab, denn ich wollte nicht zu viel seiner Zeit verschwenden. Denn ich
ging ja davon aus, dass die anderen Kandidatinnen jederzeit eintreffen könnten. Deswegen war ich vollkommen
überrascht und aufgeregt, als er noch während dieses Lunches mich für die Rolle wählte. LEON – DER PROFI ist einer
meiner absoluten Lieblingsfilme. Auch JOHANNA VON ORLEANS mochte ich sehr gerne. Ich fühle mich seinem
Universum sehr verbunden und dieses Projekt erschien mir die ideale Gelegenheit, mit ihm zusammenzuarbeiten. Als er
mir die Fotos des Farmhauses zeigte, dachte ich wirklich, das sei mein Haus in Connecticut. Es war erstaunlich! Ich
fühle mich außerdem der Rolle der Großmutter sehr verbunden, die alleine lebt und sich um ihren Enkel kümmert. Das
ist etwas, was ich als allein erziehende Mutter selbst sehr gut kenne.
Man spürt eine wirkliche Intimität zwischen Ihnen und Freddie...
Wir sind uns sehr nahe gekommen: wir haben einige Zeit zusammen jenseits des Sets verbracht, zusammen gegessen
oder die Strände der Normandie entdeckt. Freddie hat viele Seiten und alle sind bewundernswert. Er ist ein
hervorragender Schauspieler und es macht Spaß, in seiner Gesellschaft zu sein. Außerdem hat er eine sehr gute
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Wahrnehmung seiner Umgebung und eine erstaunliche Arbeitseinstellung. Es war nicht, als würde man mit einem Kind
zusammenarbeiten, sondern mit einem anderen – erwachsenen – Schauspieler. Aber dass er eben ein Kind war, macht
den Spaß aus.
Wie würden Sie Luc Bessons Arbeit beschreiben?
Es gibt viele verschiedene Facetten an Luc Bessons Persönlichkeit; einige sind ziemlich einschüchternd und sein
Filmwissen ist enorm. Aber die Freundlichkeit, die er gegenüber seinen Schauspielern an den Tag legt, gibt einem viel
Vertrauen. Und da spreche ich noch gar nicht von den Ideen, die er einem immerzu vorschlägt, und die einer Rolle
unglaublich viel geben. Ich weiß nicht, ob er viele Komödien inszeniert hat, aber er hat ein unglaubliches Gespür für
Komik.
Wie sehen Sie die Mischung aus Real- und Animationsszenen in diesem Film?
Gewöhnlich kann ich mit Zeichentrick nicht so viel anfangen, daher war ich gespannt, wie es aussehen würde. Und ich
muss sagen, das Ergebnis ist geradezu magisch: die Figuren sehen so echt aus! Über die technischen Aspekte des Films
weiß ich nicht viel; ich kann kaum meine Digitalkamera bedienen. Aber es wundert mich nicht, dass es mehrere Jahre
harter Arbeit bedarf, um ein solches Meisterwerk auf die Beine zu stellen.
SYNCHRONBESETZUNG: DIE DEUTSCHEN STIMMEN
BILL KAULITZ (Die deutsche Stimme von Arthur)
Als Sänger der Rockband Tokio Hotel gehört Bill Kaulitz, der 1989 geboren wurde, zu den derzeit erfolgreichsten und
beliebtesten Stars. Gegründet wurde die Band 2001, als Bill und sein Zwillingsbruder Tom in ihrer Heimatstadt
Magdeburg die beiden weiteren Bandmitglieder Gustav und Georg kennen lernten. Ein Auftritt in einem kleinen
Magdeburger Club brachte Tokio Hotel in Kontakt mit ihrem Produzententeam, das schließlich auch für den
Plattenvertrag sorgte. 2005 erschien ihre Debüt Single „Durch den Monsun“, die wochenlang auf Platz 1 der Charts
stand. Das zugehörige Album „Schrei“ und zwei weitere Singleauskopplungen eroberten ebenfalls die Spitze der
Hitparade. Das Hitalbum verkaufte sich allein in Deutschland mehr als 700.000 Mal und erhielt somit Triple-Platin!
Auch international machten die Jungs auf sich aufmerksam und konnten mit Gold und Platinverleihungen im
Europäischen Ausland ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen. Tokio Hotel wurde unter anderem mit dem Bambi, dem Comet
und dem Echo ausgezeichnet. Nun startet die Band auch international ganz groß durch und steht zur Zeit für ein neues
Album im Studio, das Anfang 2007 erscheinen soll.
EIN INTERVIEW MIT BILL KAULITZ
ARTHUR UND DIE MINIMOYS ist ja Dein erstes Synchronprojekt, wie kam es dazu?
Das erste, was ich gehört habe war, dass ich einen Luc Besson Film synchronisieren soll. DAS FÜNFTE ELEMENT ist
natürlich ein geiler Film, den, glaube ich, jeder kennt. Ich habe ihn auch auf DVD. Luc Besson ist ein toller Regisseur
und diesen Film finde ich auch richtig gut. Denn Arthur und die Minimoys ist mal was ganz anderes als die üblichen
Zeichentrickfilme. Ich fand die Figuren sehr einfallsreich, die sind wirklich sehr gelungen. Als ich dann die ersten
Bilder gesehen habe, dachte ich, das muss ich einfach synchronisieren. Arthur ist schon sehr cool.
Was war denn für Dich das schwierigste bei der Synchronisation?
Schwierig sind die Emotionen, die man so aus dem Stehgreif abrufen muss, z.B. schreien oder lachen. Ich bin froh, dass
ich nicht auch noch weinen musste. Das ist, glaube ich, auch ziemlich schwer. Ansonsten konnte ich mich relativ
schnell in die Situationen hineinversetzen. Es ist etwas komplett anderes als die Musik. Aber Texte konnte ich immer
schon recht schnell auswendig, und das ist beim Sprechen dann doch von Vorteil. Die Synchronisation ist eine ganz
neue Erfahrung für mich.
Wenn ich anfange zu sprechen, dann bin ich immer noch ich selbst. Aber wenn ich meine Figur, also Arthur dazu sehe,
bekommt das Ganze einen völlig anderen Charakter, es entsteht eine komplett andere Figur. Ich freue mich schon sehr
auf das Resultat und bin gespannt wie der Film am Ende wird!
Gibt es eine Filmszene, die Dir besonders gut gefällt?
Am schönsten fand ich die Szene, wo Selenia, Beta und Arthur in einer Blume schlafen. Eine Blume, die man im
normalen Leben vielleicht gar nicht wahrnimmt, sie aber in der Welt der winzigen Minimyos groß wie ein Hochhaus
ist.
Ihr seht Euch ja auch ein wenig ähnlich...
Stimmt, das war das erste was mir aufgefallen ist. Da dachte ich, wer soll den synchronisieren wenn nicht ich? Das
musste ich einfach machen!
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Gibt es sonst noch Gemeinsamkeiten zwischen Euch?
Arthur ist sehr lebendig und total aufgeweckt. Er hat ganz große Augen und ist sehr interessiert an allem. Er ist auch
sehr phantasievoll, aber eben auch ziemlich nachdenklich. Und genau wie ich ist Arthur sehr spontan. Ja, ich würde
sagen, wir passen schon sehr gut zusammen.
Bei diesem Projekt arbeitest Du auch zum ersten Mal mit Nena zusammen...
Ich habe mich tierisch gefreut, dass wir die Synchronisation zusammen machen können. Denn ich bin ein großer Fan
von ihren Songs seitdem ich sechs bin und habe alle ihre Alben. Wir haben uns vorher schon ein paar Mal getroffen,
verstanden uns also auch sehr gut. Das war dann auch die Basis, auf der wir cool zusammen arbeiten konnten um dann
ARTHUR UND DIE MINIMOYS zusammen zu machen. Geil ist ja auch, dass sich unsere beiden Charaktere am Ende
ineinander verlieben. Also ich finde das schon sehr cool. Außerdem hat Nena solche Synchronisationen auch schon ein
paar Mal gemacht. Wie sie die Selenia synchronisiert, das war schon sehr professionell. Ich konnte mir da bei ihr auch
ein bisschen was abgucken und wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Ich glaube, wir finden den Film beide sehr
lustig und so ging es dann auch beim Synchronsprechen ab.
Und was sagen Deine Bandkollegen dazu?
Die finden das gut! Sie fragen mich auch immer, wie ich das so mache, und ich spreche ihnen dann ein paar Sachen vor.
Aber sie können sich im Moment noch gar nicht richtig vorstellen, wie das alles funktioniert. Sie werden sich den Film
später natürlich alle angucken. Und ich freue mich auch schon darauf, was das Publikum später zu dem Film sagen
wird. Ich bin sehr auf die Reaktionen gespannt!
NENA (Die deutsche Stimme von Selenia)
Sie ist die weibliche Ikone des deutschen Pop, ein Weltstar aus Hagen. Seit 1960 wirbelt Gabriele Susanne Kerner,
genannt Nena, durch ein ereignisreiches Leben - und seit 1982 auch durch die Charts. Gleich die erste Single „Nur
geträumt“ war ein Hit und gilt auch heute als Highlight der 80er. „99 Luftballons“ verkaufte sich weltweit sagenhafte
22 Millionen mal und blieb selbst in den USA 23 Wochen in den Charts. Seitdem folgen erfolgreiche Singles auf
erfolgreiche Alben, ausverkaufte Konzerttouren auf Echoverleihungen. In den 90ern erschienen von der fünffachen
Mutter auch mehrere CDs mit Kinderliedern. Nenas Erfolgsrezept liegt in der Formel: „Wo kein Eis ist, gibt es auch
kein Eis zu brechen“. Seit 25 Jahren scheint diese Formel zu funktionieren – vom jüngsten Doppelalbum „Willst Du mit
mir gehen“ wurden 600.000 Stück verkauft, die gleichnamige Autobiografie erreichte Platz 3 der deutschen Buchcharts.
Zur Zeit arbeitet Nena gleichzeitig an ihrem neuen Album „Cover Me“, das im Frühjahr erscheint, sowie an dem
Musiktheaterstück „EVO.z“, das ebenfalls 2007 in Berlin Premiere feiert. Weil sie über soziales Engagement nicht nur
reden möchte, sondern auch etwas tun, hat die Sängerin mit Freunden die „Neue Schule Hamburg“ gegründet, eine freie
Schule, die Alternativen zu herkömmlichen Bildungs- und Erziehungswegen anbietet. Als Synchronsprecherin war sie
unter anderem bereits in TOBI TOTZ UND SEIN LÖWE und DIE ABRAFAXE zu hören.
EIN INTERVIEW MIT NENA
ARTHUR ist ja nicht Dein erstes Synchronprojekt, wie war die Arbeit hier im Vergleich zu den anderen
Filmen?
In den letzten zehn Jahren habe ich als Synchronsprecherin an vier Filmen mitgearbeitet. Diesmal konnte ich noch eine
ganze Menge lernen. Es gab sehr viel mehr Text als bei den anderen Synchronprojekten, deshalb musste ich ein flottes
Tempo vorlegen und in kurzer Zeit unheimlich schnell sprechen. Die Stimme und der Ausdruck sollen natürlich auch
noch dazu passen... Keine leichte Sache. Aber wenn man erst mal drin ist und einen guten Coach hat, dann klappt das
super. Ich kenne das von der Musik. Es dauert eben immer einen Moment bis man drin ist und auch hier lief es am Ende
recht gut. Und ich hatte sehr viel Spaß dabei.
Was ist denn das schwierigste bei der Synchronisation?
Am schwierigsten ist das Sprechen selbst. Der passende Tonfall, Emotionen zeigen, das macht mir überhaupt nichts
aus: Ich kann schreien, weinen, seufzen, stöhnen... das ist gar kein Problem. Nur ganz viele Wörter in ganz kurzer Zeit das ist in der deutschen Sprache nicht so einfach. Das Englische ist da wesentlich biegsamer und feiner. Im Deutschen
kann ein „Gleich“ eben schnell mal zu einem „Kleich“ werden. Deshalb ist es gut, wenn man zwischendurch viel
Wasser trinkt und sich etwas entspannt. Danach geht es bald wieder und man kann mit der Stimme neu starten.
Welche Vorgaben hattest Du? Im Original wird Dein Part ja von Madonna gesprochen.
Es gab natürlich eine gewisse Vorgabe durch die Figur. Doch es ist schon im Sinn der Sache, dass man seine eigene
Persönlichkeit mit reinbringt. Für die Rolle der Selenia war es sicher gut, dass ich das auf meine Art gemacht habe.
Manchmal habe ich mich auch an Madonnas Stimme orientiert. Es hieß dann immer: „Wir hören mal ins Original“. Das
fand ich lustig - „Okay, wir hören jetzt Madonna...“ Ihren Ansatz fand ich für mich allerdings manchmal nicht so
passend. Bei eher zweideutigen Szenen musste man rätseln: Freut sich Selenia jetzt oder ist das ironisch gemeint? Ich
mag es lieber, wenn es eindeutig ist, man möchte doch gerne wissen woran man ist.
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Wie ist Selenia denn so? Ist sie Dir ähnlich?
Sie hat immer die Oberhand. Sie weiß immer, was sie tut und was sie will. Sie ist taff, sie kann sich durchsetzen, sie ist
kraftvoll. Sie ist auch zerbrechlich, zeigt das aber nicht so gerne. Sie verbirgt meist ihre Schwäche, will immer die
Starke sein. Ähnlichkeiten mit mir? Ich weiß nicht. Also, ich habe keinen so schönen Hintern wie Selenia. Eindeutig.
Ihrer ist schon ziemlich knackig. Sie ist auch wesentlich jünger als ich. Aber diese Art sich durchzusetzen - das kenne
ich auch von mir. Dass sie immer mit sich im reinen ist, kommt mir auch sehr bekannt vor...
Wie verhält es sich mit Selenias Verhältnis zu Arthur und Max?
Arthur hat zunächst ein bisschen Angst und ist auch etwas schüchtern gegenüber der taffen Selenia; weil er sie von
Anfang an mag und sehr süß findet. Aber man spürt auch, dass Arthur Power hat und sich durchsetzen wird. Und so
bekommt Selenia im Laufe des Films immer mehr Respekt vor ihm, weil er soviel unterschiedliche Talente besitzt. Am
Anfang ist sie von ihm noch eher genervt und auch ein wenig eifersüchtig, weil er in ihr Königreich eindringt und den
Helden spielt. Doch irgendwann begegnen sie sich auf einer anderen Ebene, mögen sich bald und verlieben sich dann
sogar.
Max ist da ganz anders, aber er bringt eine eigenwillige Stimmung in die Welt der Minimoys. Die Szene in der Bar ist
cool und ihn selber finde ich persönlich auch total klasse, wie er ist, wie er spricht... Selenia muss ihn sich ziemlich vom
Leibe halten, weil er so forsch ist - aber das gefällt einem ja manchmal bei Männern ganz gut. Max ist wirklich nicht
übel, aber Selenia hat sich längst in Arthur verliebt...
Arthurs Rolle wird von Bill Kaulitz gesprochen. Kanntet Ihr Euch schon vorher?
Wir haben uns bei einer Fernsehsendung zum ersten Mal getroffen und kennen uns nun schon eine ganze Weile. Bill ist
ein sehr warmherziger Mensch und was er so macht finde ich super. Es ist schön zu sehen, wenn Leute in seinem Alter
genau wissen: das ist mein Talent, das will ich machen, und ich tue es – egal ob es euch passt oder nicht. Es gibt da
auch Parallelen zu meiner Geschichte. Bill hat mir auch mal erzählt, dass seine erste Platte eine Nena-Platte war und
sein erstes Konzert ein Nena-Konzert. Und nun spricht er seinen ersten Zeichentrickfilm zusammen mit mir... Und er
hat noch viel mehr Text als ich. Er hat ja die Hauptrolle!
Was meinst Du, wie Deine Kinder den Film finden werden?
Meine Kinder haben mich einmal im Synchronstudio besucht, denn so etwas kannten sie bisher noch nicht. Sie fanden
das ganz interessant und auch lustig. Mit meinem jüngsten Sohn zusammen habe ich mir eine Vorabversion des Films
angeschaut. Bei Kindern merkt man ja gleich, ob sie sich angesprochen fühlen oder nicht. Er fand den Film klasse und
wollte ihn bis zum Ende sehen. Das ist ein gutes Zeichen, denn Kinder sind immer ganz ehrlich.
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LUC BESSON (Regisseur, Drehbuchautor, Produzent)
Der 1959 in Paris geborene Luc Besson gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten und vielseitigsten Regisseuren
Frankreichs. Nach einigen Arbeiten als Regieassistent und dem Kurzfilm L’AVANT DERNIER inszenierte er mit DER
LETZTE KAMPF seinen ersten Langspielfilm, der 1984 für den César nominiert wurde. Bereits sein nächster Film
SUBWAY mit Isabelle Adjani und Christopher Lambert erhielt sogar 13 Nominierungen für den wichtigsten
französischen Filmpreis. Es folgten das Tiefseedrama IM RAUSCH DER TIEFE und der Actionthriller NIKITA, die
Luc Besson auch außerhalb Europas enorme Aufmerksamkeit einbrachten. Auch seine folgenden Projekte LÉON –
DER PROFI und DAS FÜNFTE ELEMENT entwickelten sich zu großen Erfolgen bei Kritik und Publikum, wobei
letzterer sowohl Nominierungen für den Oscar und den MTV Movie Award erhielt als auch Besson zu seinem ersten
César als Bester Regisseur verhalf. Nach dem Historiendrama JOHANNA VON ORLEANS legte der Vater von fünf
Kindern eine Regie-Pause von mehreren Jahren ein und meldete sich erst 2006 mit ANGEL-A zurück.
Auch als Drehbuchautor hat sich Besson höchst erfolgreich einen Namen gemacht und zeichnete unter anderem
verantwortlich für Erfolge wie TAXI, TRANSPORTER und BANDIDAS. Darüber hinaus verhalf er als Produzent mit
seiner eigenen Firma EuropaCorp unter anderem Filmen wie NIL BY MOUTH, KISS OF THE DRAGON und DIE
PURPURNEN FLÜSSE 2 zu einem Kinostart.
FILMOGRAFIE (Auswahl):
1981
1983
1985
1986
1988
1990
1991
L'AVANT DERNIER
LE DERNIER COMBAT (Der letzte Kampf)
SUBWAY (Subway)
KAMIKAZE (Kamikaze)
LE GRAND BLEU (Im Rausch der Tiefe)
NIKITA (Nikita)
ATLANTIS (Atlantis)
1993
1994
1997
L'ENFANT LION (Sirga – Die Löwin)
LÉON (Leon - Der Profi)
NIL BY MOUTH (Nil by Mouth)
THE FIFTH ELEMENT (Das Fünfte Element)
TAXI (Taxi)
THE MESSENGER: THE STORY OF JOAN OF ARC
(Johanna von Orleans)
TAXI 2 (Taxi Taxi)
THE DANCER (The Dancer)
YAMAKASI – LES SAMOURAIS DE TEMPS
MODERNES (Yamakasi – Die Samurai der Moderne)
15 AOÛT (Wochenende!)
KISS OF THE DRAGON (Kiss of the Dragon)
WASABI (Wasabi – Ein Bulle in Japan)
LA TURBULENCE DE FLUIDES
PEAU D'ANGE
LE TRANSPORTEUR (The Transporter)
TAXI 3
FANFAN LA TULIPE (Fanfan der Husar)
LES RIVIÈRES POURPRES II –
LES ANGES DE L’APOCALYPSE
(Die purpurnen Flüsse 2 – Die Engel der Apocalypse)
TAXI (New York Taxi)
DANNY THE DOG (Unleashed – Entfesselt)
TRANSPORTER 2 (Transporter 2)
COLOUR ME KUBRICK
ANGEL-A (Angel-A)
BANDIDAS (Bandidas)
ARTHUR AND THE MINIMOYS
(Arthur und die Minimoys)
TAXI 4
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
Regie, Produktion
Regie, Drehbuch, Produktion
Regie, Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Regie, Drehbuch, Co-Produktion
Regie, Drehbuch, Co-Produktion
Regie, Kamera, Schnitt,
Co-Produktion
Ausführende Produktion
Regie, Drehbuch, Co-Produktion
Produktion
Regie, Drehbuch
Drehbuch, Produktion
Regie, Drehbuch, Co-Produktion
Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Drehbuch
Produktion
Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Produktion
Produktion
Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Produktion
Co-Produktion
Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Co-Produktion
Regie, Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
Regie, Drehbuch, Produktion
Drehbuch, Produktion
19
EIN INTERVIEW MIT LUC BESSON
„Ich bin davon überzeugt, dass es sehr wichtig es ist, seine kindliche Seele zu respektieren und zu huldigen.“
Sehen Sie ARTHUR UND DIE MINIMOYS als Tribut an die Welt der Kindheit?
Sicherlich. Ein Philosoph hat mal gesagt: „Das Kind ist der Vater des Mannes.“ Alles, was wir wissen, lernen wir von
unseren Erfahrungen als Kind. Daher ist es meiner Meinung nach nur richtig, das Kind ins uns zu respektieren und zu
huldigen. Es ist interessant zu bemerken, dass Kinder eine engere Bindung zur und mehr Respekt für die Natur haben
als vermeintlich weiterentwickelte Erwachsene.
Wie ist Arthur in Ihr Leben getreten?
Patrice Garcia und seine Frau Céline traten mit einem Vorschlag für eine Fernsehserie an mich heran. Sie hatten ein
kurzes Drehbuch geschrieben, das auf einer Geschichte über kleine Elfen basierte. Das war das erste Mal, dass ich eine
Zeichnung von Arthur, der damals noch nicht diesen Namen trug, und den Minimoys sah. Ich fand ihr Universum
ziemlich faszinierend, fühlte mich aber von der Idee einer Serie nicht angesprochen, so dass ich vorschlug, es als
Spielfilm zu versuchen. Das erschien ihnen zu ehrgeizig und sie erbaten sich Bedenkzeit, was höchst verständlich war.
Schließlich bedeutete ein Spielfilm, dass aus dem kleinen, überschaubaren Projekt ein Unternehmen werden würde, an
dem 350 bis 400 Menschen beteiligt wären. Da besteht natürlich das Risiko, dass der hochgeschätzte familiäre Touch,
den es zu Beginn hatte, verloren geht. Letzten Endes entschieden sie sich aber, es auszuprobieren und wir begaben uns
auf ein Abenteuer, das viereinhalb Jahre dauerte.
Was war der erste Schritt in Richtung einer Realisation dieses Abenteuers?
Nachdem wir uns entschieden hatten, einen Spielfilm zu drehen, rief ich Emmanuel Prévost an, einen Produzenten, den
ich kannte und der beträchtliche Erfahrung mit Animationsfilmen hatte. Patrice Garcia kannte ihn ebenfalls und so
sammelten wir gemeinsam Ideen, wie wir das Projekt weiter vorantreiben könnten. Die große Frage war, wie wir das
technisch umsetzen können. Wir wollten nicht den kompletten Film in 3D drehen, sondern auch reale Elemente und
Studiokulissen verwenden. So betrat der vierte Musketier die Bildfläche: Pierre Buffin. Ich hatte mit ihm schon bei
einem Videoclip für Madonna zusammengearbeitet und bei den Spezialeffekten für einige meiner Filme. Seine
technische Kompetenz ist weltweit anerkannt. Wir wollten mit dem Projekt in Europa bleiben, daher erschien uns Pierre
als idealer Mitarbeiter. Also stieß er zu unserer kleinen Gruppe, in der jeder die Position und die Talente der anderen
respektierte.
Was wussten Sie selbst über Animation, bevor Sie mit diesem Film anfingen?
Absolut gar nichts. Ich war ein völliger Neuling, ging die Sache aber an wie jeden anderen Film auch: Ich wollte eine
Geschichte erzählen und Charaktere zum Leben erwecken. Da gab es keinen Unterschied zu meinen vorangegangenen
Filmen. Trotzdem war natürlich die Art und Weise, wie dieser Film entstehen sollte, eine komplett andere. Es gab nicht
einen Regisseur, der hinter der Kamera sitzt, sondern 200 Menschen an ihren Computern. Technisch war das absolutes
Neuland für mich. Dennoch ist es wahrhaftig der Film eines Regisseurs geworden, der eine neue Technik verwendet,
und nicht der eines Technikers, der versucht einen Film zu inszenieren.
Wie sind Sie an diese neue Technik herangegangen?
Ein Genie namens Pierre Buffin entwickelte ein System, das es ermöglicht, die Bewegungen eines Schauspielers zu
filmen ohne auf die üblichen Markierungspunkte zurückgreifen zu müssen. Es stand mir komplett frei, die Schauspieler
so zu inszenieren wie ich es wollte. Das ist vollkommen neu! Ich kann nicht im Detail erklären, wie er das gemacht hat,
aber er hat es gemacht und ich war absolut ehrfürchtig. Das war das beste Material, das ich den Animatoren geben
konnte. Ich wollte ihnen nicht jeden Tag im Nacken sitzen, denn sie sind zu gut in dem was sie tun. Indem ich die
Schauspieler aus verschiedenen Kamerawinkeln aufnahm, konnte ich den Animatoren eine ganze Bandbreite von
Bezugspunkten für die Gesichtsausdrücke, das Lächeln, das Verhalten usw. zur Verfügung stellen. Ich selbst bin kein
großer Technologie-Fan – ich habe noch nicht einmal einen Computer oder eine E-Mail-Adresse – und meine
Inspiration kommt hauptsächlich vom Leben um mich herum, vom wahren Leben. Obwohl sie mich fasziniert, versuche
ich daher mich vor der virtuellen Welt zu schützen, und umgebe stattdessen mich lieber mit Mitarbeitern, die Technik
lieben.
Haben Sie nie in Erwägung gezogen, den gesamten Film in 3D zu drehen?
Was 3D-Filme angeht, ist Pixar das Maß der Dinge und Dreamworks nur einen Schritt dahinter. Statt in ihrem Gebiet zu
wildern, fand ich es interessanter, etwas Neues zu schaffen, etwas, das noch niemand vorher gemacht hatte. Das ist bei
diesem Film der Fall, der 3D-Charaktere in Action vor 3D-Kulissen zeigt, die auf tatsächlichen Modellen basieren. Wir
haben ja die riesigen Pilze, die im Film zu sehen sind, tatsächlich gebaut! Das gibt diesem einzigartigen Film seine
Qualität und den letzten Schliff. Das ist unsere Art, mit den großen Firmen zu konkurrieren, verglichen mit denen wir
winzig klein erscheinen.
20
Wie ist die Finanzierungsstruktur bei einem Big Budget-Film wie diesem?
65 Millionen Euro sind natürlich eine Menge Geld, und die ersten beiden Jahre mussten wir den Film komplett selbst
finanzieren. Es ist unmöglich potentielle Partner fünf Jahre vor Filmstart zu überzeugen, indem man ihnen eine Skizze
zeigt und zusichert, dass der Film großartig werden wird. Bevor man ihnen nicht wirklich etwas zeigen kann, ist die
Sache ziemlich schwierig. Nach zwei Jahren Arbeit und dank der ersten Bilder, die wir produziert hatten, konnte ich auf
die meisten ausländischen Investoren, mit denen ich regelmäßig zusammenarbeite, vertrauen, was eine große Hilfe war.
Außerdem war da Atari, die das Risiko eingingen und vor drei Jahren mit ins Boot kamen, als es noch sehr wenig
Handfestes gab. Das war eine großartige Idee, denn ihr Animationsteam konnte mit unseren Jungs zusammenarbeiten
und zwei Jahre lang Ideen austauschen. Und das sieht man der endgültigen Fassung des Computerspiels auch wirklich
an.
Hatten Sie eine Vorstellung von den Dimensionen des Projekts?
Zum Glück war ich mir dessen nicht bewusst, als ich mit diesem Abenteuer begann. Ich dachte, es würde sicher eine
ganze Weile, aber nicht fünf komplette Jahre meines Lebens in Anspruch nehmen. Nach zwei Jahren hatte ich ein
ziemliches Tief, als es nach all der Arbeit immer noch nicht wirklich etwas zum Vorzeigen gab. Das muss man sich
einmal vorstellen: nicht eine Sekunde Film nach zwei Jahren! Pierre Buffin muss das gespürt haben, denn er zeigte mir
die ersten paar Sekunden nur eine Woche später.
Steckt viel von Ihnen in Arthurs Charakter?
Ja, zu 50 % ist er wie ich. Die meisten Kinder machen in ihren Familien Erfahrungen von Trennung und Verlust und
das ist immer ein Trauma. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, die mich tief betroffen haben, und das kann man in
den gefühlsgeladensten Szenen des Films sehen. Ein bisschen von mir steckt auch in Selenia, ein bisschen in Beta und
sogar in Max. Da ich selber mehrere Kinder habe, weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, Themen wie Moral und
Respekt – sowohl für andere als auch für sich selbst – mit ihnen anzusprechen. Die Geschichte von Arthur
aufzuschreiben und ihn Antworten auf all diese Fragen finden zu lassen, war für mich auch ein Weg mit meinen
eigenen Kindern zu sprechen. Mir hören sie nicht zu, aber wenn es Arthur ist, der spricht, bedeutet ihnen das viel mehr.
Welchen Einfluss hatten Sie auf das Design der Charaktere?
Einfluss ist nicht das richtige Wort. Patrice Garcia und sein großartiges Team haben stapelweise Vorschläge gemacht,
und wie der Kapitän eines Schiffes habe ich die Richtung entschieden und abschließende Entscheidungen getroffen,
während ich immer wieder den wunderbaren Beitrag aller Beteiligten betonte.
Trifft das auch auf Selenia zu, die offensichtlich besonderer Aufmerksamkeit bedurfte?
Ja, sie war ein Albtraum für die Design-Abteilung! Während die meisten Charaktere wie der König und Beta im
zweiten Produktionsjahr fertig waren, wurde an Selenia vier Jahre lang permanent herumgebastelt. Es gab immer noch
ein neues Detail, um das man sich kümmern musste... Sie ist eben eine echte Prinzessin!
Wie sind Sie an die Besetzung der Live-Action Szenen herangegangen?
Wir hatten immer im Hinterkopf, dass es eine Fortsetzung geben würde, denn ARTHUR ist eine Trilogie. Wenn man
also darüber nachdenkt, mit wem man arbeiten möchte, fasst man nicht nur das Talent der Betreffenden ins Auge,
sondern auch ihre Persönlichkeit. Sie müssen zuverlässig sein. Außerdem müssen das natürlich auch Menschen sein,
mit denen man gerne fast eine ganze Dekade verbringen möchte. Aus diesem Blickwinkel waren Freddie und Mia
perfekt, denn sie haben das Talent und die Persönlichkeit.
Freddie Highmore ist besonders beeindruckend für sein Alter. Wie haben Sie ihn ausgewählt?
Das Casting war ziemlich mühsam, weil ich zwischen Frankreich, Großbritannien und den USA hin und her flog. Es ist
nicht ganz einfach, so einen jungen Hauptdarsteller zu besetzen; er muss die Unschuld eines Kindes haben und die
Professionalität eines Schauspielers, denn wir verlangen ja von ihm permanent, dass er spielt, seine Dialoge beherrscht
und die Markierungen trifft. Ich hatte Schwierigkeiten, mich zwischen drei englischen Jungen und zwei Amerikanern zu
entscheiden. Dann schlug ein Casting Director, der eigentlich gar nicht an dem Projekt arbeitete, vor, mir einige Fotos
von Freddie anzusehen. CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK war gerade fertig, also schaute ich ihn mir an
und wusste sofort Bescheid. Wenn ein Kind so viel besser ist als der Rest, dann sticht einem das sofort ins Auge und
man denkt nicht zweimal nach. Ich schätze mich sehr glücklich, dass mir das bereits zum zweiten Mal passiert ist. Das
erste Mal war es mit Natalie Portman, die schon im Alter von 11 Jahren umwerfend war. Und nun eben mit Freddie, der
nur ein klein wenig älter, aber genauso beeindruckend ist.
Mia Farrow ist eine ungewöhnliche Wahl...
Man findet selten eine Schauspielerin, die wie sie erst junge romantische Heldinnen spielte, später Mütter und nun, in
einer sehr natürlichen Fortentwicklung, Großmütter. Sie ist so offensichtlich süß und gutmütig. Sie liebt Kinder und das
Vorlesen von Geschichten. Über sie musste ich nicht sehr lange nachdenken.
Und schließlich sind da auch noch die hochkarätigen Sprecher...
Bei Disney und Pixar wurde schon so ziemlich jede Kombination ausprobiert. Es ist schwer einen Hauptdarsteller zu
finden, der seine Stimme noch nie einem Animationsfilm geliehen hat. Ich wusste von Anfang an, dass ich Snoop als
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Max haben wollte. Ich liebe einfach seine Ausstrahlung und seine Musik. Nachdem er eine Illustration der Figur sah,
sagte er sofort zu, und das veranlasste mich, andere Künstler für die Stimmen der anderen Charaktere anzufragen.
Madonna, die ich glücklicherweise schon seit einiger Zeit kenne, war so flink und effizient wie immer. Ich rief sie an,
sie sagte zu, wir nahmen ihren Part auf. Und was David Bowie angeht: Er ist ein reines Genie. Es war ein Traum, mit
ihm zu arbeiten.
CÉLINE GARCIA (Drehbuchautorin und Inspiration für die Geschichte)
Céline Garcia arbeitet seit über 20 Jahren mit ihrem Ehemann Patrice Garcia zusammen. Gemeinsam schrieben sie
seine Comicbücher „Allande“, „Les Fils de la Nuit“ and „Le Chant des Étoiles“.
Woher stammt die Geschichte von Arthur?
Die Idee für das Buch entstand als Kombination meiner eigenen Kindheitserinnerungen, der Kindheitserinnerungen
meines Vaters und Beobachtungen meines acht Jahre alten Sohnes. Drei Generationen von Kindern bilden also die
Grundlage für Arthurs Geschichte, die auch einem Großvater zu verdanken ist, den ich nie kennen gelernt habe. Als ich
noch ein Kind war, erschien er mir immer als sehr enigmatische Person, ich stellte ihn mir als eine Art Ernest
Hemingway vor. Er war Journalist und hatte ein ziemlich aufregendes Leben, in dem er viel und weit gereist ist. Daher
habe ich dieses Bild eines Abenteurers mit seiner Liebe für Afrika als Vorbild für Arthurs Großvater genommen.
Und die Minimoys?
Die Welt der Elfen ist eine Art geheimer Garten, den Patrice und ich uns schon geteilt haben noch bevor wir uns
tatsächlich trafen. Als ich schwanger war, genossen wir es, durch den Wald zu spazieren, und auch wenn es ein
bisschen verrückt klingt, erinnere ich mich an einen bestimmten Tag, an dem mir ein Sonnenstrahl das Gefühl
vermittelte, für ungefähr 30 Sekunden eine magische Welt erblickt zu haben. Dieses Bild ließ mich nicht mehr los und
ich wollte unbedingt die Geschichte eines kleinen Jungen erzählen, der diese Welt besucht. Mir gefällt die Idee einer
Welt sehr gut, in der die Kinder genauso groß sind wie die Erwachsenen, ihr eigenes Schicksal bestimmen können und
alles tun können wovon sie träumen.
Wie wurde aus all dem ein Film?
Nachdem er Patrices Bilder gesehen und meine Texte gelesen hatte, sagte uns Luc Besson dass er daraus gerne einen
Film machen wolle! Obwohl sich das fantastisch anhörte, waren wir zunächst unsicher und erbaten uns Bedenkzeit. Es
erschien uns alles ein bisschen zu viel; dafür waren wir nicht bereit. Doch dann dachten wir uns, dass dies eine
wundervolle Möglichkeit sei, unsere Welt mit anderen zu teilen, vor allem weil Luc sich als hervorragender Zuhörer
erwies, während wir gemeinsam das Drehbuch schrieben. Er fügte seine Geschichte meiner hinzu. Das war eine
ziemlich einzigartige Erfahrung.
Und dann?
Ich muss zugeben, dass es danach ziemlich frustrierend wurde, weil fünf Jahre vergingen, bis wir nach dem Schreiben
des Drehbuchs die ersten Bilder sahen. Ich wollte mich nicht aufdrängen, während sie an dem Film arbeiteten, daher
habe ich einfach abgewartet. Als ich ihn dann endlich sah, bin ich vor Ehrfurcht und Ungläubigkeit beinahe erstarrt. Um
die Wahrheit zu sagen, frage ich mich immer noch, ob das alles überhaupt real ist und der Film tatsächlich in die Kinos
kommt. Ich habe das noch immer nicht vollständig begriffen. Die Euphorie, mit der Luc damals zu uns sagte: „Lasst
uns einen Film drehen“, berührt mich noch heute tief.
EMMANUEL PRÉVOST (Produzent)
„... wir engagierten ‚echte’ Schauspieler, die tatsächlich unter Luc Bessons Regie spielten, in einem Filmentwurf, der
an einem Set von zehn bis zwölf Quadratmetern entstand...“
Emmanuel Prévost begann seine Filmkarriere bei der ECPA, der Filmabteilung der französischen Armee, wo er
führende französische Animationsfilmer wie Jacques Rouxel, den Erfinder der „Shadoks“, und Stephan Franck kennen
lernte. Da er die Entwicklung von Computeranimationsprogrammen genau verfolgte, machte ihn seine technische
Kompetenz zur ersten Wahl für den Vorstand der Gaumonts Multimedia-Abteilung, wo er erstmals Luc Besson traf, als
der Regisseur gerade DAS FÜNFTE ELEMENT entwickelte. 1998 lernte Prévost auf einem Festival Olivier Mégaton
kennen und beschloss, seinen ersten Spielfilm EXIT zu produzieren. Zu diesem Zweck gründete er Avalanche
Productions, die Firma mit der er nun auch ARTHUR UND DIE MINIMOYS co-produzierte.
Wie trat Arthur in Ihr Leben?
Zum ersten Mal erwähnte Luc das Projekt mir gegenüber 1999, als wir gemeinsam am internationalen Vertrieb von
EXIT arbeiteten, den ich produziert hatte. Er zeigte mir das Bild einer elfenähnlichen Figur und fragte mich nach
meiner Meinung. Ich lachte, denn ich kannte das Bild von einer Weihnachtskarte, die mir Patrice Garcia geschickt hatte,
mit dem ich ebenfalls bereits zusammengearbeitet hatte. Luc erzählte mir, dass Céline Garcia mit der Idee einer
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Fernsehserie zu ihm gekommen war, aber er ihr vorgeschlagen hätte, daraus einen Spielfilm zu machen. Er wollte dafür
die Kontakte nutzen, die er in die USA geknüpft hatte, während er an DAS FÜNFTE ELEMENT arbeitete – und eben
meine Animationserfahrung.
Worin lag die Hauptschwierigkeit bei der Finanzierung des Films?
All meine Jahre in der Animation hatten mich gelehrt, dass ein Film wie dieser sehr teuer werden würde. Wir hatten
zwei mögliche Lösungen. Entweder konnten wir eine Animationsabteilung ähnlich wie bei Dreamworks schaffen und
unsere eigene Technologie entwickeln – mit all den potentiellen Problemen, die dazu gehören wenn man seine eigene
Software produziert. Oder wir würden einen Partner finden, der bereits die Technik besaß und sie uns zur Verfügung
stellt. Letzteres erschien mir als die bessere Idee, vor allem, weil ich sofort an Pierre Buffin dachte, der meiner Meinung
nach der angesehenste Effektspezialist in Europa und vielleicht der ganzen Welt ist. Wir einigten uns schnell darauf,
dass wir einen Pilotfilm drehen müssten, den Luc finanzieren würde. Das erwies sich als guter Test, denn ich war
überzeugt, dass wir amerikanische Qualität bei einem vergleichbaren Budget erreichen mussten, was für eine
französische Firma nicht einfach ist. Damals bat ich Luc um mehrere Millionen Francs, um 1 Minute und 46 Sekunden
Film zu drehen. Er beschaffte das Geld und ließ uns damit arbeiten.
Was waren die wichtigsten technischen Innovationen, die Sie für das Projekt entwickelten?
Die wichtigste Neuerung war unsere Herangehensweise. Meistens kommen Animationsregisseure aus dem eigenen
Haus; sie sind also meistens Designer oder Computergrafiker. Das Interessante an ARTHUR war, dass wir zum ersten
Mal einen Realfilm-Regisseur in die Welt der Animation brachten, der ein ausgeprägtes Gespür fürs Framing und den
Schnitt hatte. Wir mussten eine Brücke zwischen diesen beiden Welten schlagen, weil wir uns nicht vorstellen konnten,
dass Luc jeden Tag kommt und mit jedem einzelnen Animator spricht. Außerdem hätte es gut sein können, dass sie ihn
unterschätzen, da er keinerlei Animationserfahrung hatte. Wir mussten Luc also Mittel an die Hand geben, damit er sich
in ihre Welt einfinden konnte. Aus diesem Grund baten wir ihn, einen Testlauf des Films zu drehen. Wir engagierten
echte Schauspieler, die unter seiner Regie auf einem Radius von höchstens 12 Metern agierten, während sie von sechs
bis neun Kameras gefilmt wurden. Die Idee dahinter war, Lucs Talent dazu zu nutzen, über den Animationsprozess
hinauszugehen, indem beispielsweise seine Inszenierung der Darsteller als Inspiration dienen sollte. Das System, das
BUF entwickelt hatte, funktionierte so, dass die Animatoren permanent Lucs Testversion des Films, das aufbereitete
Storyboard und die vorläufige Tonspur zur Verfügung hatten.
Warum entschieden Sie sich dafür, maßstabsgetreue Modelle der Kulissen zu bauen?
Die Idee hatte Patrice Garcia. Schon von Anfang an wollte er, dass der Look des fertigen Produkts identisch ist mit dem
Bild, das er uns gegeben hatte. Eines Tages sagte dann Luc, er wünschte sich, dass Kinder, nachdem sie den Film
gesehen haben, in den Garten gehen, einen Stein aufheben und sich vorstellen könnten, darunter sei vielleicht ein
Minimoy. Das bedeutete, dass wir den Fotorealismus so weit wie nur irgend möglich treiben mussten. Ich hatte großes
Vertrauen in die Idee mit dem Gebrauch von Modellen, doch es stellte sich als sehr komplexe Angelegenheit heraus,
gerade in der Postproduktion. Sobald wir allerdings die Probleme des Maßstabs und der Umsetzung gelöst hatten,
erzielten wir unglaubliche Resultate. Es ist ziemlich erstaunlich, dass ARTHUR UND DIE MINIMOYS wirklich nicht
mehr wie andere Animationsfilme aussieht. Das war meine größte Herausforderung und das macht auch die Originalität
dieses Films aus.
PIERRE BUFFIN (CGI Regisseur)
In den 20 Jahren, die Pierre Buffin an der Spitze von BUF Cie steht, hat sich die Firma zu einem der Weltmarktführer
im Bereich der Spezialeffekte entwickelt. Spezialisiert auf CGI-Animationen, begann BUF zunächst für Werbespots zu
arbeiten, bevor die Firma auch einige Spezialeffekte für den Film DIE BESUCHER gestaltete. Die Arbeit des
Unternehmens an DIE STADT DER VERLORENEN KINDER beflügelte auch die Vorstellungskraft amerikanischer
Regisseure, darunter David Fincher, der BUF bat, an FIGHT CLUB und PANIC ROOM mitzuarbeiten. Die
unverwechselbar fotorealistischen Spezialeffekte der Firma waren auch in so unterschiedlichen Filmen wie BATMAN
UND ROBIN, MATRIX, HUMAN NATURE und 2046 zu sehen. ARTHUR UND DIE MINIMOYS bot Pierre Buffin
nun die Chance, einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen und einen kompletten Animationsfilm zu schaffen.
Wie gelangte dieses Projekt auf Ihren Schreibtisch bei BUF Cie?
Wir hatten gehört, dass Luc Besson ein Animationsprojekt entwickelte. Patrice Garcia und Emmanuel Prévost kamen zu
uns, und Emmanuel brachte Luc mit, kurz bevor die Pilotfassung des Films gedreht wurde. Dieser erste Test
funktionierte gut, so dass wir anfingen, darüber nachzudenken, wie man aus der Idee einen Spielfilm machen könnte.
Das erste Problem war, einen konkreten Plan zu erstellen, wie viel Zeit und Geld wir benötigen würden. Wir hatten die
Technologie entwickelt und wussten, dass wir ein paar Minuten Film damit drehen konnten, doch die Frage war, ob wir
auch über eine Stunde produzieren und dabei die Qualität bis zum Ende halten könnten. Das würde selbstverständlich
eine ganz Menge Zeit in Anspruch nehmen. Tatsächlich erschien uns die Größe des Projekts problematischer als das
Projekt an sich. Letzten Endes aber stellten wir fest, dass die Unterschiede da gar nicht so groß sein würden. Ein
Werbespot ist ein kleines Boot, das man steuern können muss. Wenn jemand dich dann auf einen Flugzeugträger setzt,
ist das das gleiche Prinzip – man muss nur schneller und früher reagieren und handeln.
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Wie haben Sie Ihr Team zusammengestellt?
Wir sind überhaupt nicht dem amerikanischen Modell gefolgt. Sie haben dort eine Menge Erfahrung und sehr
qualifizierte Leute für ganz spezielle Fachgebiete. Die Arbeitsaufteilung ist enorm. Bei uns dagegen können Zeichner,
die von französischen Schulen kommen, an einem Film alle Aufgaben übernehmen – das Storyboard, die Modelle, die
Animation, das Rendering, die Oberflächenstrukturen. Sie sind sehr viel vielseitiger. Es war daher wichtig, sie nicht auf
eine bestimmte Rolle einzuschränken, sondern ihnen stattdessen ganze Sequenzen anzuvertrauen. Jedes Team (wir
nannten sie ‚Tische’) musste seine Sequenz von den ‚Animatics’ (den groben Animationen der Figuren) bis hin zur
Animation, der Beleuchtung und dem Rendering beaufsichtigen. Unser Job war es natürlich, für eine einheitliche
Qualität zwischen den Sequenzen zu sorgen. Diesbezüglich hat ein CGI-Film den Vorteil, dass er in verschiedenen
Schichten entsteht, so dass man immer noch Dinge nachbearbeiten kann.
Warum haben Sie so junge Zeichner engagiert?
Wir hatten keine andere Wahl! Es gab nicht genug Animationszeichner in Frankreich und vor allem gab es nur wenige
Menschen, die mit unserer Software vertraut waren, da die Programme direkt bei BUF im Haus produziert wurden.
Also engagierten wir junge Zeichner, die frisch und motiviert waren. Ihnen zur Seite standen etwa 20 ‚alteingesessene’
BUF-Mitarbeiter, die die Leitung übernahmen. Diese Struktur und ihr Talent entpuppte sich als großartige
Kombination.
Sie entschieden sich auch dafür, alle animierten Szenen in einem einzigen Gebäude herzustellen...
Schon der Pilotfilm zeigte uns, wie wichtig es ist, all die unterschiedlichen Teams eng zusammenarbeiten zu lassen.
Daher brauchten wir eine Anlage, in der sie in dauerhafter Kommunikation untereinander stehen konnten. Wir fanden
ein altes Getreidelager in Patin außerhalb von Paris. Das erschien uns ideal, da es einen großen, zentralen Platz bot, der
von vielen kleineren Gebäuden umringt war, in denen wir die 3D-Leute, die Produktionsbüros, die Designer und so
weiter unterbringen konnten.
Auf der großen Freifläche bauten Sie die Modelle der Kulissen. Warum wählten Sie diese Option?
Eine der Schwierigkeiten, die wir lösen mussten, war der Übergang von den Real- zu den 3D-Szenen. Wir wollten den
„ROGER RABBIT-Effekt“ vermeiden mit der sehr deutlichen Unterscheidung von Animation und Live-Action.
Stattdessen wollten wir die beiden Welten in unserem Film so ähnlich wie möglich machen, um einen möglichst
naturalistischen Effekt zu erzielen. Als wir den Piloten drehten, machten wir Tests mit echter Vegetation und riesigen
Sets, damit die Kamera alles abdecken konnte. Aber wir stellten dann fest, dass unsere beste Option war, die gesamte
Kameraarbeit in 3D zu machen und gleichzeitig so nah wie möglich an der Realität zu bleiben. So kamen dann die
maßstabsgetreuen Modelle ins Spiel. Statt alles in CGI zu entwickeln, entschieden wir uns dafür, 3D mit realen
Elementen zu verbinden, was der Umgebung im Film mehr Substanz verleiht. Die Modelle wurden dann letztlich in 3D
umgesetzt, indem wir Fotos von jedem Teil des Modells in ein 3D-Frame projiziert haben. Diese Methode hatten wir
früher schon bei bestimmten Spezialeffekten angewandt und damit den Realismus massiv erhöht.
Die andere Besonderheit des Films ist, dass es Luc Bessons erster Animationsfilm ist. Wie hat das Ihre
gewöhnliche Arbeitsweise verändert?
Wir haben bald festgestellt, dass es für Luc unmöglich sein würde, jeden Tag da zu sein, so dass wir in der Zeit, in der
er da war, versuchten, so viele Informationen wie möglich zu sammeln – was gar nicht einfach war, wenn man sein
Arbeitspensum kennt. Außerdem wussten wir, dass es für einen ‚herkömmlichen’ Regisseur schwer sein würde, einem
Zeichner zu erklären, was er will, und dann zwei Wochen auf das Ergebnis zu warten. Die beste Herangehensweise war,
Luc die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, mit denen er seinen Film drehen konnte, ohne die
technischen Einschränkungen der Animation. So kam uns der Gedanke an Video Motion Capture, eine Technik, die wir
für Filme wie Oliver Stones ALEXANDER entwickelt hatten. Luc wählte seine Schauspieler aus und filmte sie auf
Video ohne Kulissen oder Requisiten, aber von vielen verschiedenen Kamerawinkeln. Dadurch ergab sich ein
Bezugsrahmen (im Hinblick auf den Schnitt und die Figuren), den wir jeden Tag benutzen konnten. Außerdem war Luc
schon im Vorfeld das gesamte Storyboard mit den Zeichnern durchgegangen und das hatten wir aufgezeichnet. All
diese Informationen waren den Zeichnern bei jeder Einstellung des Films jederzeit zugänglich.
Was waren die größten Schwierigkeiten, denen Sie gegenüber standen?
Viele Dinge waren schwierig in 3D zu generieren, etwa die Natur, die Figuren, ihre Gesichtsausdrücke... Aber es ist
nicht so sehr eine Frage der Schwierigkeiten, sondern viel mehr, dass einige Dinge wesentlich länger brauchen als
andere, beispielsweise wenn man die Figuren zum Leben erweckt und ihnen eine wirkliche Persönlichkeit verpasst.
Wasser ist für gewöhnlich eine besondere Herausforderung der Animation. Wie haben Sie das so bemerkenswert
realistisch hinbekommen?
Wir haben zahlreiche Tests durchgeführt und so gut wie alles ausprobiert. Wir waren so besorgt, dass die 3D-Bilder
nicht realistisch genug sein würden, daher entschieden wir uns, das Wasser zu filmen. Wir baten den
Produktionsdesigner Hugues Tissandier und sein Team, einen Flussabschnitt zu bauen. Ein Kameramann half uns, ihn
zu beleuchten und wir begannen zu drehen. Allerdings mussten wir aus Gründen des Maßstabs die Geschwindigkeit der
Kamera verändern und 100.000 Watt-Glühbirnen verwenden, damit das visuell klappen würde. Während wir drehten,
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verwelkte dann die gesamte Vegetation, ging ein und das Modell fing beinahe Feuer. Als Folge verwendeten wir dann
nur sehr wenige dieser echten Aufnahmen, lediglich den Wasserfall und die Szene im Tunnel, wenn sie in ihrem Ferrari
fliehen. Alles andere ist 3D, basierend auf realem Material.
Die Augen und Bewegungen der Figuren sind ebenfalls erstaunlich realistisch...
Ich persönlich habe ja immer große Bedenken bei 3D-Animationen, die von einer Software hergestellt werden, die mehr
Wert auf mathematische Algorithmen als auf Kunstgriffe legt. Seit wir angefangen haben, unsere eigene
Animationssoftware zu entwickeln, haben wir immer versucht, sie so intuitiv wie möglich zu machen. Ich arbeite zwar
in dem Glauben, dass es jedem möglich sein sollte, zu animieren, aber heute ist der Hintergrund der meisten 3DAnimatoren eher ein technischer als ein künstlerischer, weil das so ein komplizierter Prozess ist. Was die Augen angeht,
sagen die Leute oft, dass sie die Seele reflektieren und da ist etwas Wahres dran. Das macht die Sache so komplex. Die
Augen stellen ein großes Stück harter Arbeit dar – und man muss auch ein bisschen schummeln.
Offenbar machte die Figur Selenia die meiste Arbeit...
Selenia haben wir erst Januar 2006 komplett fertig gestellt, als wir eigentlich schon fast den gesamten Film gerendert
hatten. Ihr Gesicht veränderte sich ständig, weil sie die einzig wirklich humanoide Figur ist. Arthur und Beta mit ihren
großen runden Augen sind eindeutig Elfen, aber Selenia ist wesentlich fotorealistischer. Es ist besonders vertrackt,
einen glaubwürdigen Menschen zu kreieren, denn jeder Zuschauer ist von den echten Vorlagen umgeben, so dass jedes
noch so kleine Detail, das nicht ganz stimmt, unangenehm auffällt. Je stilisierter die Charaktere und je einfacher ihre
Persönlichkeiten waren, desto einfacher waren sie zu animieren. Darkos und die anderen Bösewichte haben wir sehr
schnell hinbekommen. Dazu kommt natürlich noch, dass Selenia ein Mädchen ist und sie also sexy sein sollte, was
sogar noch komplizierter ist. Selbst mit einem perfekten Design auf dem Papier wurde es in 3D ein Albtraum. Ich bin
wirklich davon überzeugt, dass Selenias etwas nervtötende Persönlichkeit bis in ihren Entstehungsprozess
durchgedrungen ist. Mit Arthur war alles sehr viel einfacher. Er war natürlich mal wieder Klassenbester.
Zu welchem Zeitpunkt sagen Sie sich selbst, dass ein Bild fertig ist?
Das ist die große Schwierigkeit in unserem Job. Es ist nie zu Ende. Jedes Bild kann immer noch verbessert werden.
Man kann einen Monat mit einem einzigen Frame zubringen, dem 25stel einer Sekunde. Das treibt einen in den
Wahnsinn! Zum Glück gibt es eine Begrenzung durch den Zeitplan – und das Budget!
Wie blicken Sie heute auf das Projekt zurück?
Das Wichtigste für uns war, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und etwas vollkommen Einzigartiges zu machen. Wir
haben gelernt, dass es möglich ist, einen Film mit einer anderen Herangehensweise und anderen Methoden zu machen
als die amerikanischen Studios und das Ergebnis sieht am Ende trotzdem genauso gut aus. Das ist die größte
Motivation, die ich von diesem Film mitgenommen habe. Wir haben ihn ganz anders gemacht und waren dabei
schneller und billiger als wir vorhergesehen hatten.
PATRICE GARCIA (Künstlerischer Leiter)
Patrice Garcia ist der Mann hinter dem atemberaubenden visuellen Universum von ARTHUR UND DIE MINIMOYS.
Der Comicbuch-Autor, der in der Filmbranche für seine Spezialeffekt-Kenntnisse bekannt ist, arbeitete erstmals 1992
bei DAS FÜNFTE ELEMENT mit Luc Besson zusammen. Als großer Fan von Fantasy und magischen Welten war
Patrice gemeinsam mit seiner Ehefrau Céline das erste Glied der Kette, die schließlich zu ARTHUR UND DIE
MINIMOYS führte.
Wie ist die Welt der Minimoys zum Leben erwacht?
Ursprünglich entstand Arthur bei einer meiner Recherchen. Ich wollte sehen, welchen Effekt ich mit Elfen aus
Wasserfarben und Stoffresten erreichen könnte. Es begann auf allen Vieren im Wald, wo ich Fotos machte von den
ausgeschnittenen Elfenmotiven unter Pilzen. Nach und nach nahmen die Figuren Gestalt an, und Céline steuerte Arthurs
Geschichte bei. Wir waren beide schon immer von der Welt der Elfen fasziniert, die bereits in unserem ersten
gemeinsamen Comicbuch präsent gewesen ist.
Wie haben Sie all die vorbereitenden Grafiken produziert?
Noch bevor das Drehbuch fertig gestellt war, haben wir ein Team von Grafikzeichnern zusammengebracht. Das
Grundgerüst der Geschichte war für sie genug, um damit zu arbeiten. Ich habe einige vorläufige Skizzen zur Verfügung
gestellt und verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen, dann hat das Team seine Arbeit begonnen. Luc Besson hat
schließlich immer entschieden, was ihm gefällt. Es war auch wichtig, ein Universum zu schaffen, das geschlossen
funktioniert. Die Kulissen und Charaktere des Films entstanden alle in diesem Prozess; es war ein bisschen wie beim
Zusammensetzen eines Puzzles. Im Falle von Selenia hatten wir teilweise 30 verschiedene Gesichter an die Wand
gepinnt, mit ganz leichten Variationen im Ausdruck. Wir fingen an mit dem Entwurf einer Prinzessin, die eher kindlich
als sexy war, und am Ende war es Pierre Buffin, der das endgültige Design in 3D entwickelte. Parallel dazu war Arthur
noch viel ‚insektoider’ als wir damals den Pilot drehten.
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Den Sie inszenierten...
Ja, wir mussten die Machbarkeit dieser animierten Figuren in der realen Welt testen. Luc Besson stellte die
Finanzierung zur Verfügung um die Modelle zu bauen, sie zu drehen und – in Zusammenarbeit mit Pierre Buffin –
Arthur in der Umgebung zu animieren, die wir geschaffen hatten. Wir hatten keine Garantie, dass die unterschiedlichen
Oberflächenstrukturen zusammenpassen würden, aber das erste Ergebnis war sehr positiv.
Was waren die hauptsächlichen Bezugspunkte für Ihre Arbeit?
Hauptsächlich die Natur. Wir benutzen stapelweise Fotos von Oberflächen und Formen der Vegetation. Ich habe mich
dabei sehr stark vom Süden Frankreichs inspirieren lassen. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich einen Stein
von der Insel Gaou im Mittelmeer als Grundlage für Maltazards Welt verwendete. Ich verdanke außerdem viel der
Arbeit verschiedener Zeichner, etwa dem englischen Maler Patrick Woodroffe, Brain Froud oder Alan Lee (dem Art
Director von DER HERR DER RINGE). Sie haben meine Imagination befeuert und meine eigene Kunst beeinflusst.
PHILIPPE ROUCHIER (Künstlerischer Co-Leiter)
Nach seinem Abschluss an der Ecole Emile Cohl 1991 begann Philippe Rouchier seine Karriere als Werbeillustrator,
bevor er sich der Animation widmete. Er war der verantwortliche Layout-Zeichner der „Ivanhoe“-Serie bei France
Animation und anschließend Künstlerischer Leiter bei „Le Magicien“ von Gaumont Multimédia. Seine Arbeit an
ARTHUR UND DIE MINIMOYS begann Rouchier 1999, als Digital Matte-Zeichner für den kurzen Pilotfilm. Als die
Produktion des Spielfilms begann, fing für ihn ein fünf Jahre langes Abenteuer als führender Zeichner und
Künstlerischer Co-Leiter an.
HUGUES TISSANDIER (Produktionsdesigner)
Nachdem er bereits an mehreren Filmen mit Francis Veber gearbeitet hatte, begann Hugues Tissandiers
Zusammenarbeit mit Luc Besson höchst erfolgreich, als er einen César für das Beste Produktionsdesign für JOHANNA
VON ORLEANS erhielt. Fünf Jahre später taten sich die beiden mit ARTHUR UND DIE MINIMOYS erneut für ein
Großprojekt zusammen, das für Tissandier eine zweifache Aufgabe bereithielt: reale Sets zu entwerfen und zu bauen
sowie den Bau von maßstabsgerechten Modellen für die 3D-Sequenzen zu beaufsichtigen...
Was war das Ziel Ihrer doppelten Rolle bei den realen und den 3D-Szenen?
Ich war verantwortlich dafür, die beiden Welten miteinander zu vereinen und musste sicher gehen, dass die Farben und
Formen der Realszenen mit denen in den animierten Sequenzen übereinstimmten. Ich arbeitete mit Hilfe von Modellen,
deren Entwurf sechs Monate und deren Fertigstellung über ein Jahrin Anspruch nahm. Es war eine riesige
Herausforderung, und ich muss wirklich sagen, dass BUFs Idee, alle gemeinsam auf einem einzigen Gelände arbeiten
zu lassen, ein Maximum an Effizienz und einen gesunden Wettstreit zwischen den Abteilungen garantierte. Unsere
Vorstellungskraft war allzeit stimuliert.
Wie haben Sie die Modelle entworfen?
Als ich anfing über sie nachzudenken, hatten die Grafikzeichner bereits drei Jahre an den Illustrationen für die Welt der
Minimoys gearbeitet. Ich musste ihren Designs nur Volumen verleihen, sie so nah wie möglich an den Look
heranführen, den Luc sich wünschte, und Details hinzuzufügen, wie etwa die 500 winzigen Straßenlaternen im Dorf der
Minimoys, die aus echten getrockneten Blumen gemacht wurden. Wir verbrachten ganze Vormittage auf einem Markt
in der Nähe von Paris, denn wir gingen davon aus, dass die Minimoys kein IKEA haben, und wollten nur natürliche
Elemente verwenden. Es lassen sich viele winzige Details im Hintergrund entdecken, Kiefernzapfen, Nussschalen und
Wurzeln, alle im Maßstab der Minimoys. Die Kamera verweilt zwar nicht zwingend auf ihnen, aber sie verpassen der
Umgebung das gewisse Etwas.
Wie viele Menschen arbeiteten mit Ihnen zusammen?
Etwa 60 bei den Live-Action Szenen und insgesamt 70 bei der Arbeit an den Modellen. Natürlich kamen sie alle aus
verschiedenen Arbeitsbereichen und hatten spezielle Talente für die Arbeit mit Holz, mit Plastik und anderen
Materialien. Als man all diese Talente in einen Topf warf, entstand ein enges, sich ergänzendes Team, in dem die
Fähigkeiten jedes Einzelnen betont wurden, sie aber für ein gemeinsames Ziel eingesetzt wurden: das Design des Films.
GEOFFREY NIQUET (Digital Animation Supervisor)
Was ist die Aufgabe eines Animation-Supervisors?
Vor allem viele Dinge gleichzeitig zu tun! Zu Beginn mussten wir die Produktionstechniken und –methoden festlegen.
Als dann die Leitungen standen und jeder Supervisor seine Abteilung übernehmen konnte, veränderte sich meine Rolle
in Richtung technischer Beratung oder geringfügigen Anpassungen. Die kreative Seite des Jobs beinhaltet die
Beaufsichtigung der Animation über den gesamten Verlauf. Ich war der Mittler, der Luc Bessons Forderung an die
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Zeichner weitergab – oder manchmal sogar vorwegnahm, wie ich hoffe. Es ist ein wunderbarer Job, der einem einen
Überblick über den kompletten Film und den Produktionsprozess vermittelt.
Wie ist es möglich, bei einem so großen Projekt jedes Element unter Kontrolle zu haben?
Man muss technische Entscheidungen treffen, die mit sich bringen, dass Korrekturen so früh wie möglich gemacht
werden um sie beschwerlich zu machen. Man braucht eine gute Organisation und vielseitige Zeichner, damit man
Leuten neue Aufgaben zuteilen kann, je nach dem, was gerade Priorität hat. Man muss die Lage jeden Tag im Griff
haben, wofür man Schwierigkeiten zuvorkommen muss. Um ein Team dieser Größe zu führen muss man reichlich
Dynamik entwickeln, aber jegliche Veränderung durchzusetzen dauert trotzdem immer eine Weile.
War es Problem, dass Luc Besson kein Animationsregisseur war?
Nein, denn er hat durch den Testversuch des Films viele Fragen bereits beantwortet, noch bevor der Animationsprozess
überhaupt begann. Seine enorme Erfahrung als Regisseur machte seine mangelnden Kenntnisse im Bereich der
Animation wieder wett. Sie machte unsere Arbeit einfacher und ersparte uns viel Zeit.
ERIC SERRA (Komponist)
Luc Besson bat seinen regelmäßigen Verbündeten Eric Serra, den Score für ARTHUR UND DIE MINIMOYS zu
komponieren. Dieses Mal erwartete Besson von dem vielfach preisgekrönten Komponisten, der besonders auf die
Synchronität von Musik und Bild achtet, die Umstellung auf eine auch für ihn völlig neue Technik.
Was für eine Musik stellte sich Luc Besson für ARTHUR UND DIE MINIMOYS vor?
Er wollte einen schönen, sinfonischen Score, der an große Abenteuerfilme wie DER HERR DER RINGE, INDIANA
JONES oder STAR WARS erinnert. Er sollte wunderschön, pompös und magisch gleichzeitig sein. Um das zu
erreichen ging er mir sehr lange auf die Nerven, damit ich nicht während der Sichtung komponierte, wie ich es
gewöhnlich tue. Ich hatte ursprünglich zehn Minuten Musik nach meiner üblichen Methode komponiert, aber als er sie
hörte, mochte er meine Themen nicht. Das war ein ziemlicher Schock, denn ich war mir eigentlich sicher, dass ich es
gut hinbekommen hätte. Also bat er mich, die Musik zu schreiben ohne den Film zu sehen. Ich kenne Luc schon sehr
lange, und immer wenn er eine solch verrückte Idee hat, ist das kein Zufall. Also habe ich seiner Intuition vertraut, denn
ich ging davon aus, dass sein Wunsch einen guten Grund hatte. Der folgende Monat war schrecklich. Ich hatte
Momente voller Panik und Zweifel, aber ich schrieb viel Musik, die von Action über Romantik bis hin zu Spannung
reichte. Als Luc einen Monat später vorbeikam, war er begeistert. Es war absolut richtig von ihm, mich zu ermutigen,
meine Herangehensweise zu verändern, damit jedes musikalische Thema für sich stehen konnte. Wenn es auch ohne die
Bilder funktioniert, muss es ja gut sein. Die ersten zehn Minuten Musik, die ich ursprünglich komponiert hatte und die
er angeblich nicht mochte, hat er übrigens schließlich auch noch im Film verwendet.
Gab es beim Score noch andere Neuerungen?
Es war das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich für ein ganzes Orchester komponierte – Streicher, Holz- und
Blechblasinstrumente, Perkussion. Für die magischen Momente wollte Luc, dass ich auch noch einen Chor hinzufüge.
Man hört also in machen Teilen 96 Instrumente und 40 Sänger! Davon abgesehen arbeitete ich mit vielen vertrauten
Leuten, wie Arrangeur Geoffrey Alexander etwa oder Tontechniker Nick Woolage. Fast den kompletten Orchesterpart
nahm ich wie gewöhnlich in London auf, mit dem Rolls Royce unter den Studio-Orchestern.
Hat die Tatsache, dass es sich um einen Animationsfilm handelte, Ihre Arbeit beeinflusst?
Nicht wirklich. Es war mehr die Fantasy-Welt des Films, die mich inspiriert hat, weil es immer hilfreich ist zu träumen.
Darüber hinaus handelt es sich um einen sehr musikalischen Film, was nicht typisch ist für Animationsfilme. Es gibt
nur ein paar Sekunden ohne Musik!
Und wie steht es mit der Tatsache, dass sich der Film an ein jüngeres Publikum wendet?
Ich habe darüber bin zum Schluss nachgedacht, aber ich glaube, das hat mich nur in den komödiantischen Szenen
beeinflusst. Ich glaube, da ließ ich mich richtig gehen, was beinahe eine Zeichentrickmusik à la Tex Avery zur Folge
hat. Andererseits musste ich mich nicht zurückhalten wenn es um die Actionszenen oder die etwas gruseligeren
Momente ging, weil es zu brutal für Kinder werden könnte. Im Gegenteil hatte die Musik, die Luc zitierte, gar nichts
mit Kinderfilmen zu tun, denn da ging es um Danny Elfman sowie Auszüge aus DRACULA und FLUCH DER
KARIBIK.
Waren Sie, nach all den Filmen, die Sie schon mit Luc Besson gedreht haben, überrascht, seinen ersten
Animationsfilm zu sehen?
Die Überraschung war, dass der Film unnachahmlich Luc Besson ist, im Framing, im Schnitt und sogar in der
Animation. Es ist ein wunderbarer Film. Jedes Mal, wenn man ihn sieht, entdeckt man etwas Neues. Ich bin davon
überzeugt, dass es sein wird wie bei IM RAUSCH DER TIEFE – die Leute werden ihn immer wieder sehen wollen!
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