Die Blattlaus

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Die Blattlaus
Mancher Autofahrer ärgert sich im Sommer über eine verklebte Karosserie, wenn er seinen Wagen unter einer Linde geparkt hat. Was von den
Bäumen tropft, ist kein Blütennektar - wie viele meinen -, sondern die zuckerreiche Ausscheidung saftsaugender Blattläuse.
Blattläuse sind auf der ganzen Welt verbreitet. Viele Arten sind berüchtigte Schädlinge unserer Kulturpflanzen.
Die kleinen, unscheinbaren Einzeltiere bilden große Kolonien an Pflanzenstängeln oder auf der Unterseite der Blätter. Um ihren Eiweißbedarf zu
decken, saugen sie mehr Saft, als sie verdauen können. Ein hoher Anteil wird als „Honigtau“ wieder ausgeschieden. Stark befallene Pflanzen
sind deshalb von einer klebrigen Schicht überzogen.
Die Unterlippe der Blattläuse ist zu einem haardünnen, hohlen Rüssel umgebildet, der einem Bündel feiner Stechborsten als Führung dient.
Damit können die Blattläuse in das Pflanzengewebe eindringen und Siebröhren anzapfen (vgl. Abb. 1 und 2). Abgesonderter Speichel erleichtert
das Eindringen der Mundwerkzeuge, löst Stoffwechselveränderungen in der Pflanze aus und verursacht die Deformation der Triebe und Blätter
der Wirtspflanze.
Wo sich Blattläuse einfinden, führen Flüssigkeits- und Nährstoffverluste zu Wachstumsstörungen der Wirtspflanze. Die Blätter können durch
Umstellung des Stoffwechsels vorzeitig altern. Auf dem Honigtau siedeln sich häufig Pilze an, die Atmung und Nährstoffproduktion der Pflanze
beeinträchtigen. Teilweise kommt es auch zu einer Übertragung von Viren durch die Blattläuse. Bei einem starken Befall der Kulturpflanzen
können erhebliche Ernteverluste entstehen.
Blattläuse machen im Jahreskreislauf einen komplizierten Entwicklungszyklus durch, bei dem im allgemeinen verschieden Gestalten ( so
genannte Phänotypen) vorkommen. Im Frühjahr schlüpfen aus überwinterten Eiern ungeflügelte «Stammütter», die ohne Befruchtung lebende Junge
gebären und sich über einige Generationen ungeschlechtlich fortpflanzen. Bei Übervölkerung oder unzureichenden Ernährungsbedingungen
entwickeln sich geflügelte Weibchen, die aktiv neue Wirtspflanzen aufsuchen können.
Blattläuse haben viele natürliche Feinde, die ihre Ausbreitung in Grenzen halten. Einige Schlupfwespenarten entwickeln sich parasitisch in
Blattläusen. Larve und Vollinsekt des Marienkäfers und der Florfliege sowie bestimmte Schwebfliegenlarven zählen zu den Fressfeinden.
Ohrwürmer sind gelegentliche Feinde der Blattläuse. Auch einige Singvögel (Meisen, Goldhähnchen, Zaunkönig) nehmen Blattläuse als
Nahrung auf. In Spinnennetzen werden zahlreiche geflügelte Blattläuse gefangen.
Häufig werden Blattlauskolonien von Ameisen besucht, die den Honigtau auflecken und dafür den Läusen einen gewissen Schutz vor
Raubinsekten und Parasiten bieten. Durch intensives Betasten mit den Fühlern veranlassen Ameisen saugende Läuse zur Abgabe des begehrten
«Honigtropfens».
Die Populationsdichte wird bei den Blattläusen durch Witterung, Feinde, Infektionskrankheiten, Raum und Futtermenge reguliert. Bei günstigen
Bedingungen führen kurze Entwicklungsdauer (10-14 Tage) und hohe Fruchtbarkeit zu einer Massenvermehrung der Blattläuse. Im Gefolge
treten meist auch die Fressfeinde in riesiger Zahl auf.
Viele Gartenbesitzer gehen mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Blattläuse vor. Das Gift trifft gleichermaßen Schädling und
Nutzinsekten, weil es nicht selektiv wirkt. Die widerstandsfähigsten Blattläuse überleben und erholen sich schneller als ihre natürlichen Feinde.
Neues Spritzen ist notwendig. Das Gift wird immer wirkungsloser, weil sich bei der schnellen Generationsfolge relativ bald resistente
Populationen ausbilden, und muss bei den nächsten Spritzungen stärker konzentriert werden. Resistente Blattlaus-Stämme können sich ohne
natürliche Feinde ungehindert vermehren.
Die Abbildung 1 zeigt eine saugende Blattlaus. Die einzelnen Körperabschnitte sind beschriftet. Die Abbildung 2 zeigt einen Pflanzenstängel
im Querschnitt mit einer Laus, die aus dem Siebteil eines Leitbündels des Stängels saugt.
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