1 Amor Patriae: Die gesellschaftliche Bedeutung der

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Inhaltsverzeichnis
1. Amor Patriae: Die gesellschaftliche Bedeutung der Vaterlandsliebe
2. Meine Heimat: Mein Vaterland und meine Muttersprache
3. Das Ende des Nationalstaates und der Beginn der Weltgemeinschaft
4. Die Liebe - der Schlüssel zum Leben in allen Bereichen: Die vier Aspekte der
(r)einen Liebe und die Erfüllung des göttlichen Gesetzes
5. Die wissenschaftliche und spirituelle Evidenz für die Bedeutung Altruismus
1
Amor Patriae: Die gesellschaftliche
Bedeutung der Vaterlandsliebe
Ist diese, angesichts der emergenten Weltgemeinschaft im Zuge der grenzenlosen
Globalisierung und infolge der technisch bedingten Kollabierung von Raum und Zeit
nicht ein längst überholtes Konzept, dem nur noch die ältere Generation, die
eventuell die Erfahrung des Heimat- und Vaterlandsverlustes gemacht hat und
einige rechtsextreme Gruppierungen über Gebühr Bedeutung beimessen?
Vertiefen wir diese Frage ein wenig. Gibt es denn nicht auch politisch eigentlich nur
noch multikulturelle strategische Allianzen, bei denen die Herkunft ihrer Mitglieder
aufgrund der einheitlichen strategischen Doktrin eine untergeordnete Rolle spielt?
Und trifft nicht auch ähnliches auf die globale Wirtschaft mit ihren geozentrischen
metanationalen Konzernen ohne eine strategische nationale Zentrale zu, sowie auf
die Weltwirtschaft, die sich mehr und mehr aus supranationalen Blöcken mit
einheitlichen Regeln für den Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr
zusammensetzt? Und ist die politische und strategische Macht eines einzelnen
Staatsgebildes
nicht
in
zunehmendem
Maße
unfähig,
erforderlichen
Forschungsaufwand zu finanzieren und mit nationalstaatliche und kulturelle Ganzen
überschreitenden Herausforderungen ökologischer, militärischer, terroristischer und
anderer
weltweiter
Herausforderungen
fertig
zu
werden?
Gewiss,
die
Machtaggregate und Potentiale haben sich materiell enorm vergrößert, da dies in der
Natur der Dinge und in den technischen Möglichkeiten liegt. Doch ist deshalb,
angesichts des Verblassens des nationalen Primats,
auch das kultur- und
nationalspezfische Konzept der
Heimat und Vaterlandsliebe – der Amor Patriae –
obsolet?
Unsere maßgeblichen Sprichwörter inbezug auf das Vaterland, insbesondere auch
der Kernbegriff und das Leitmotiv der Amor Patriae an sich, geht auf die Römer
zurück. Sie haben eines der größten Weltreiche geschaffen und hatten ein
ausgeprägte Vaterlandsliebe, die die gesamte romanische Welt mitgeprägt hat.
Nachfolgend eine Definition der Latinität, also des romaunschen Geistes, seiner
Werte und Tugenden, die von Lacio ausgehend die romanische Welt mitgeprägt hat.
Und da die antike römische Supermacht auf der militärischen Expansion gründete ist
es nicht verwunderlich, dass uns Sprüche wie
Dulce et Decorum est pro patria mori (Es ist süß und ehrenvoll für sein Vaterland zu
sterben) von Horaz
bis heute überliefert sind und immer noch in klassischen Schulbüchern zu finden
sind.
Latinity: The people from the region of Lacio in central Italy were the substratum of
what later became the Roman Empire and through the conquista (conquest through
colonization) of Central and South America their Latin values and virtues - the
cardinal as well as the cultural values - were carried to that part of the southern
hemisphere which
comprises the totality of the Romance language (Spanish,
Portuguese, and some French) speaking people of the Americas: Central and South
America, including the Southern Cone (Cono Sur). The Latin European
(Mediterranean) and the Latin American world of over 30 countries carry the imprint
of Latinity. In the diverse Latin languages, which are also derived from the Latin
language of the Romans, it is referred to as, latinidad (Spanish), latinité (French) or
latinidade (Portuguese). The cardinal values of the Latin people were Virtus (Virtue),
Pietas (Piety) and Fides (Loyalty)
Auch die Gründerväter und Denker der modernen Supermacht Amerika räumen
diesem Begriff beträchtliche Bedeutung bei und
verwenden ihn großzügig. Die
Tatsache, dass dieser Begriff für eine antike Weltmacht ebenso, wie für eine moderne
von beträchtlicher Bedeutung ist, kann als ein Hinweis auf den psychologischen
Stellenwert der Heimat- und Vaterlandsliebe (patria von pater heißt Vaterland oder
Heimat) für das Großmachtdenken gewertet werden, der im Laufe der
Wertgeschichte natürlich missbraucht wurde, um zahllose junge Menschen zu
motivieren, sich an den Fronten für das Vaterland zu opfern. Im gleichnamigen
Gedicht Dulce et Decorum est… des britischen Dichter Owen, aus der Zeit des 2.
Weltkrieges, entlarvt dieser ob der konträren Erfahrung aus dem Gaskrieg dieses
Sprichwort schlicht als Lüge und als ein psychologisches Konstrukt für die
Motivation und Mobilisierung im Hinblick auf unmenschliche Kriege.
Wenn diese Vaterlandsliebe die Form des ethnozentrischen Nationalismus annimmt,
wie es heute wieder im Kontext des nationalen Expansionismus Putins den Anschein
hat, dann bewahrheitet sich, das was F. Mitterand signifikanterweise in Moskau,
nicht lange vor seinem Tod gesagt hat, nämlich: „Nationalismus heißt Krieg.“
Frankreich ist ein Land, das sowohl das nationale Bewusstsein, als auch die Liebe
(siehe Kapitel über das Taiheki) und, trotz aller nationaler Zwistigkeiten, die
Vaterlandsliebe kultiviert. Die historische Bedeutung Ambivalenz des Begriffes wird
klar, wenn Francois Hollande zu Beginn des Jahres 2015, angesichts der
fundamentalistischen Bedrohung, sagt: Wir werden uns nicht (vor dem Terror)
beugen. Sein sozialistischer Vorgänger hat auf die Gefahren des Missbrauchs der
Vaterlandsliebe oder des Patriotismus hingewiesen, er nutzt die positiven Seiten
dieses kollektiven historischen Charakteristikums, das ihn der Herausforderung
durch den Fundamentalismus die Stirn bieten lässt. Die Vaterlandliebe, so könnte
man meinen, ist intentionsrelativ. Als starkes psychologisches Motiv kann sie positiv
oder destruktiv genutzt werden. Sie bedarf also einer ethischen Relativierung.
Den Deutschen wurde ihre offenbar rassistisch pervertierte Vaterlandsliebe zum
Zweck der Weltreichgründung von den Alliierten, im Wege der durch die Sieger
verordnete Umerziehung, politisch ausgetrieben, sodass sie wieder mit einer
enormen psychologischen Hypothek bei null anfangen mussten, um eine
international verträglichere Form der Vaterlandsliebe zu entwickeln; ein Prozess, der
bis heute, trotz der nun vollendeten politischen Wiedervereinigung, noch lange nicht
abgeschlossen ist.
Und dennoch ist eine positive Einstellung zum Vaterland unerlässlich für den
nationalen Frieden und die gesellschaftliche Harmonie. Andernfalls werden sich
Kräfte herauskristallisieren, die die Nation, in Abwesenheit dieser Liebe jene zu
zerstören trachten. Dafür gibt es bereits geschichtliche Evidenz in der Gestalt des
bundesdeutschen Terrorismus, deren Protagonisten das Vaterlands „so sehr liebten“,
dass sie es zerstören wollten. Es erinnert die ambivalente Einstellung de Gaulles zu
Deutschland, der gesagt haben soll, dass er Deutschland so sehr liebt, das er, im
Hinblick auf die deutsche Teilung, gar nicht genug davon sehen kann (Divide et
Impera).
Die Unmöglichkeit, die erforderliche Vaterlandsliebe empfinden und auszudrücken
zu können, lässt sie sich in ihr absolutes Gegenteil verkehren. Dermaßen stark ist das
Bedürfnis des Menschen, sein ethnische und genealogische Abstammung und
Zugehörigkeit
zu
lieben.
Andernfalls
entsteht
unerträgliche
intrapsychiche
Inkohärenz, die sich durch Zerstörung zu erlösen sucht und eine geistige
Gleichrichtung mit dem äußeren Feind zur Folge hat. Dies ist vielleicht deshalb so,
weil das Vaterland ein integraler Bestandteil von uns selbst ist.
Und wenn wir es nicht lieben können, dann können wir diese wesentliche
Komponente von uns selbst auch nicht lieben. Selbst und Fremdhass werden dann
auf das mutmaßliche Subjekt der Liebesverhinderung abgeleitet. Und da es sich um
eine große Liebe handelt, wird der Hass dann entsprechend sein. So kommt es, dass
gerade die größten Idealisten zu den größten Hassern werden. Dies belegen auch die
Psychogramme der Akteure des bundesdeutschen Terrorismus.
All diese Fakten scheinen darauf hinzuweisen, dass die Vaterlandsliebe ein
Grundrecht und Grundbedürfnis ist, deren Unmöglchkeit der Realisierung enorme
individuelle und soziale Konsequenzen haben kann, die in Formen der Gewalt
münden können. Nur wenn die Liebe zu dem, was ein Teil von einem ist, gelebt
werden
kann,
ist
Selbstakzeptanz
und
Gesellschaftsakzeptanz
und
somit
Fremdakzeptanz und damit sozialer Friede und Harmonie möglich. Und je größer
die „schöne Vaterlandsliebe, die frei von ihrer destruktiven Pervertierung ist, desto
größer ist die gesellschaftliche Zufriedenheit und desto beflügelnder sind die
sozialen
Wechselwirkungen,
da
sie
ein
wahrer
gesellschaftlicher
Integrationskatalysator über alle menschliche Diversität und im Respekt derselben
ist. Sie erscheint als ein gesellschaftlicher, das gesamte soziale Klima bedingender
Grundwert
In Abwesenheit dieser schönen Vaterlandsliebe, frei vom Geist der Anmaßung und
überzogen-unersprießlicher Exaltierung
ist die alltägliche soziale Erfahrung
unerquicklich. Dann wird man kompensatorisch Tourismusweltweltmeister, um jene
für die soziale Hygiene erforderliche Vaterlandsliebe auf Umwegen in fremden
Kulturen zu realisieren. Die wahre Vaterlandsliebe ist gleichbedeutend mit einer
wahrhaften individual- und sozialpsychologischen Ökologie und Hygiene des
Geistes, die den inneren und äußeren Frieden fördert, da sie Menschen weder
intrakultuell noch interkulturell usurpiert.
Amor patriae nostra Lex – Die Vaterlandsliebe ist unser Gesetz
Dies ist ein weiteres lateinisches Dictum. Die Altvordern einer historischen
Supermacht, sowie moderne Supermächte erkennen und würdigen die Bedeutung
der Amor Patriae implizit und explizit so sehr, dass sie diese zum gesellschaftlichen
Gesetz erkoren haben, das allen anderen Gesetzen vorangestellt ist. Verschiedene
Kulturen haben ihr patriotisches Selbstverständnis unterschiedlich zum Ausdruck
gebracht. Die neue Supermacht China kennt den Begriff Chunguo, das heißt „Land
der Mitte“. Es geht damit von einer historischen, zivilisatorischen Überlegenheit aus,
vermittels derer sie die Huldigung aller Völker einfordert. Hier wird der
Patriotismus,
zusammen
mit
einem
gesellschaftlichen
Primat
gesellschaftsharmonisierender konfuzianischer Werte etwas einseitig machtorientiert
kultiviert, aber es handelt sich, nach dem römischen Imperium und der
gegenwärtigen Supermacht Amerika, um die mutmaßliche Supermacht der Zukunft,
in der man die Amor Patria, eingedenk ihrer kulturell diverser Ausprägung, als
wichtiges soziokulturelles Motiv erkennen kann.
Das deutsche
Diktum „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen und das
französische nationalkulturelle zivilisatorische Sendungsbewusstsein, ebenso wie die
britische Splendid Isolation (Abschottung im Ruhm der Vergangenheit) eines
einstigen insularen Weltmachtzentrums, in dessen Imperium die Sonne nie
untergeht, sind neuergeschichtliche Ausprägungen und Exzesse der Amor Patriae.
Amor nostra lex – Die Liebe ist unser Gesetz
Klammert man das die Liebe einschränkende Vaterland aus, dann begibt man sich
auf die Stufe der alle und alles einbindenden universellen Liebe, wie sie in der
christlichen Heilsbotschaft der Erlösung des Menschen zum Ausdruck kommt, die
auf dem dreifältigen Gebot der Gottes- Nächsten- und Selbstliebe gründet.
Die folgenden Kapitel loten, die Komponenten der Amor Patriae, das heißt die
Begriffe Heimat und Vaterland, die Nation und ihre Spielarten, sowie das Geheimnis
der Liebe
2
Meine Heimat: Mein Vaterland und
meine Muttersprache
Was du ererbt von deinen Vätern hast,
erwirb es um es zu besitzen.
(Goethe)
Die Rückverwurzelung in der Heimat ist, wie wir von Kriegsheimkehrern,
internationalen Managern und Reisenden im weiteren Sinn wissen, ein langwieriger
Prozess: Die Re-Integration ist vergleichbar mit der Re-ligion, Rück-Verbindung und
Wieder-Einbindung
sind
beide
eine
Prozeß
der
Wiederherstellung
einer
ursprünglichen organischen Einheit: eine Rückkehr zu einem Normalzustand, also
etwas Natürliches. Die religiöse Rückverbindung, die metaphysische ist Teil der
physischen. Deshalb sollten diese Vorgänge auch etwas ganz Selbstverständliches
sein.
Es ist gut,
weiterentwickelt
daß viele zuhause geblieben sind und die Ausgangskultur
haben.
Gesamtentwicklung
der
Andere
haben
Ausgangskultur
neue
Inputs
inspirieren
akquiriert,
können.
die
Reisen
die
und
transkulturelle Erfahrung bewirken Transformationsprozesse, persönliche und
kollektive. Sowohl im Osten, als auch im Wesen gibt es Belege dafür: Reise in den
Westen (Journey to the West), medienübergreifend mediatisiert als Monkey King ist
die Geschichte der Reise eines Mönches von China nach Indien und zurück, um die
Buddhistischen Sutras zu erwerben, die als Geschichte von hohem pädagogischen
Wert die moralische Entwicklung prägen kann. Heine, Goethe und Humboldt, um
nur einige Deutsche zu nennen, verdanken ihren Reisen viel Inspirierendes. Darwin
mußte in eine andere Hemisphäre reisen, um fundamentale Erkenntnisse über die
Evolution des Lebens zu gewinnen. Heute reisen wir zu den Sternen, um
Erkenntnisse über den Ursprung der Schöpfung zu gewinnen.
Verläßt man sein angestammtes Milieu, so ist man einem Vogel vergleichbar, der sein
Nest verläßt. Andererseits sagen dieselben Schriften unserer christlichen Zivilisation
aber auch, daß man durch Reisen ungeheuer viel lernt, Dinge die man nicht in Worte
fassen kann.
Ein Problem ist, daß man viele Dinge vermißt, die man im Ausland kennengelernt
hat, während man dort bisweilen die kulturelle, sprachliche und moralische
Unterstützung der Heimat vermißt hat. Die Dialektik der Diversität mit den damit
einhergehenden Wachstums- und Entwicklungschancen ist ein bisweilen nicht
reibungslos verlaufender Integrationsprozess. Je weiter man geht, desto mehr muß
man seine Wurzeln vertiefen. Das bedeutet Arbeit an sich selbst. Oft scheut man
diese
Prozesse und verschanzt sich hinter ethnozentrischen Panzern. Deshalb
erfordert die Reintegration ein Wiederandocken an die eigene Biographie vor der
Expatriierung, sowie deren Vertiefung, gleich einem Baum, der tiefere Wurzeln
treiben muß, um einen stärkeren Stamm und eine ausladendere, größere Krone zu
tragen. In diesem Prozess treten bisweilen Konkurrenten auf, die nicht wissen
wollen, daß Dinge zur persönlichen Biographie gehören, weil jene diese gern für sich
beanspruchen würden. Ein Verdrängungsprozess Einheimischer, die aber, gleich
dem Baum, nicht auf ihre kulturellen, religiösen und persönlichen Wurzeln
verzichten können, weil sie Teil ihrer intimsten, unumkehrbaren Natur sind, die
unteilbar, nicht relativierbar ist. Manche beanspruchen aus Gier und Unwissenheit
die Wurzeln der anderen und somit die Früchte des Baumes. Das ist eine
Komponente der interkulturellen Herausforderung, mit der wir heute konfrontiert
sind.
Trotz vieler kürzerer Reisen, vorwiegend nach Südosteuropa, gewissermaßen als
Pendant zu meiner Westeuropa Reise, beispielsweise in die frühere Donaumonarchie,
nach Wien oder Budapest auf den Spuren von K & K (Königen und Kaisern) oder in
die Wiege der westlichen Zivilisation nach Griechenland, habe ich mich nun definitiv
in meiner süddeutschen Heimat etabliert. Hier habe ich nun zur gleichen Zeit
Studenten verschiedener kultureller Herkunft vor mir. Dies erfordert die geistige
Konstruktion eines transkulturellen Raumes, in dem sich alle mit ihren diversen
Ausgangskulturen und Biographien einbringen können, einen Geist der das Fremde
als Gabe begreift, wie es
die Volksweise unten zum Ausdruck bringt, als eine Gunst und Gabe Gottes.
Dieser
Prozess
ist
gleichermaßen
rational
und
emotional,
erfordert
die
kulturanalytische Intelligenz im konventionellen Sinn, aber auch die Intelligenz des
Herzens. Vieles ist eine Frage der Optik und der Bewußtseinsevolution, des
Verstandes wie auch des Herzens, sowie des menschlichen Geistes an sich. Wie
lautet doch - abschließend - die deutsche Volksweise, die wir einst in der Schule
lernten?
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die weite Welt,
dem will er seine Wunder zeigen,
in Berg und Wald und Strom und Feld.
...
Doch gleich wo wir auch immer hin gingen, wir sind in Gottes Hand, darin sind sich
die Religionen einig. Ohne dieses Getragensein ist alles nichtig, alle Wege Irrwege.
Es ist gewiß eine Gunst die Welt kennenlernen zu dürfen. Doch von einem
Standpunkt der Wahrheitssuche ist es vielleicht nicht in jedem Fall erforderlich. Dazu
möchte ich ein Gedicht zitieren, das ich vor über Jahren geschrieben habe, das ein
kleine
sakrale
Weltreise,
gewissermaßen
eine
synoptische
planetare
Sakraltopographie ist. Und im Nachhinein möchte ich ein Zitat eines großen
indischen Heiligen von der heiligen indischen Stadt Benares gegenüberstellen, der
die Weltreise und das Individuum unter geistigem Blickwinkel auf einen Nenner
bringt:
Doch Kabir, der große indische Heilige und Mystiker aus der heiligen Stadt Benares
betont in seinen auf dem indischen Subkontinent seit Jahrhunderten bekannten und
verbreiteten Gedichten den folgenden Standpunkt, den man gleichermaßen
berücksichtigen
kann.
Jedenfalls
bringt
er
das
gesamte
Spektrum
des
Spannungsfeldes zwischen der maximalen Zentrifugalität - des Reisens in die große
weite Welt - und die maximale Zentripetalität die Maximale Innenorientierung - auf einen Nenner, wenn er sagt:
„Oh Mensch, der Gegenstand von allerhöchstem Wert,
Den du auf der ganzen Welt suchst, ist hier in die,
Aber der Schleier der Täuschung trennt dich immerfort von Ihm.
Zerreiße kühn den Schleier und finden wirst du Ihn.“
Kabir Sahib, aus dem Gedicht „Der Tempel des Herrn“
Die globale Sakraltopographie und die Negation der Suche in der äußeren Welt
scheinen ein Dilemma darzustellen, das heißt, zwei Ansichten, die nicht vereinbar
scheinen. Bei genauerer Betrachtung kann man dieses Dilemma jedoch synergetisch
lösen, etwa durch die Formel: Man kann die maximale Innenschau an jedem Ort der
Welt haben. Somit hat man das Beste der beiden Welten, ein Optimum des inneren,
sowie des äußeren Kosmos.
3
Das Ende des Nationalstaates und der
Beginn der Weltgemeinschaft
Nationalismus heißt Krieg.
(Statement d. ehem. Französischen Staatspräsidenten
François Mitterrand in Moskau)
Von Myriaden von Kriegsdenkmälern in Deutschland und der Welt verhallen
ungehört die abermyriaden von Stimmen von Gefallenen, die der Menschheit
zurufen: Beendet die Hybris des Nationalstaates mit seiner einzigen Logik der Macht
und des Blutvergießens! Wir sind keine Helden, selbst wenn wir Generäle und
Heerführer waren, sondern nur die Opfer des Nationalstaates, der entgegen der
Etymologie des Wortes dem Menschen keine irreversible Heimat geben, sondern sie
nur zerstören kann, weil er eine artifizielle Identifikation ohne Substanz ist.
Und solange man vermittels eines Phantoms reale Identifikationsbedürfnisse
befrieden möchte bleibt man in der Realitätsfremdheit des Wahnsinns des Krieges.
Er ist wohl die unglücklichste Lösung des natürlichen menschlichen Bedürfnisses
nach leibseelischer Permanenz und Identität. Gewiss, so könnte man hinzufügen, ist
er nur ein historisches Übergangsgebilde, das die Nachfolge anderer Identifikationen
angetreten hat, sowie es der Vorläufer weiterer Identifikationen sein wird, ohne die
sich der Mensch in diesem Leben nicht als zeiträumlich relatives Wesen in den
raumzeitlichen Kontexten des Existenz verankern kann. Und solange der Mensch
keine sozialverträgliche Verankerung seiner spezifischen kulturellen Identität
erblicken kann, zahlt er einen hohen Preis für die Ersatzbefriedung eines
fundamentalen menschlichen Bedürfnisses nach Sicherheit und Geborgenheit.
Gibt es denn eine andere Quelle, um dem menschlichen Grundbedürfnis nach
Zugehörigkeit und Abgrenzung seiner singulären Identität gerecht zu werden,
während man sich gleichzeitig von der destruktiven Logik des Nationalstaates
befreit? Solange wir nichts Besseres haben, so könnte man sagen, ist die Menschheit
dazu verdammt, mit der ständigen Bedrohung durch dieses Damoklesschwert leben
zu müssen. Doch ist dies wirklich der Fall? Gibt es keine Alternative zu dieser fatalen
Logik mit ihren zyklischen Prozessen der Zerstörung, die nunmehr, aufgrund der
technologischen
Überentwicklung
bei
gleichzeitiger
psychologischer
Entwicklungsresistenz finaler Natur für die Menschheit sein könnten. Dieser
Sachverhalt erfordert eine eingehendere kreative Betrachtung:
Im Laufe der Entstehung des Nationalstaates in den vergangenen Jahrhunderten ist
parallel
zur
fortschreitenden
Säkularisierung
eine
nationale
Pseudoreligion
entstanden, deren blutrünstigem heidnischen Götzen das Leben der Menschen
millionenfach selbst geopfert wird. Die biblische Aufforderung „Gebt dem Kaiser,
was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist“, wurde im Zuge der Verweltlichung
und der Loslösung von der Transzendenz umgemünzt in „Gebt alles dem Kaiser.“
Die kulturintegrative transzendente Dimension des Lebens wurde somit entmachtet
und alle Macht und Huldigung dem Götzen des Nationalsattes mit seiner
machttrunkenen, blutrünstigen Logik zuteilwerden lassen. Und die Rückkehr zu
einer Ausgewogenheit und Befolgung dieser biblischen Aufforderung kann somit
auch die nationale Logik ins Gleichgesicht bringen, solange diese Identifikation für
die Menschheit erforderlich ist. Es geht also nicht darum, sozusagen das Baby mit
der Badewanne auszukippen, sondern lediglich darum, gewisse unabdingbare,
abhandengekommene Grundgleichgewichte wiederherzustellen, um nicht beim
Versuch der Lösung des erkannten Problems vom Regen in die Traufe ähnlicher
Identifikationslogiken zu geraten und somit nicht das Problem zu lösen, sondern nur
seine äußere Gestaltannahme zu verändern.
Der Nationalstaat ist das Gebilde, das die größte Huldigung erfährt und das
gleichzeitig die größte Gefahrenquelle für die Menschheit darstellt. Und da er zur
Religion geworden ist, lebt die Menschheit schon seit langem in einer Art
Religionskrieg. Der von ihm generierte Fanatismus und seine Destruktivität
legitimieren sich aber nicht transzendental, wie Religionen gemeinhin, sondern ganz
und gar weltlich und mental.
Während lokale, nationale und regionale Reaktionen die Globalisierung torpedieren,
sollte man sich fragen, ob es angesichts der Tatsache, dass die Nation und der
Nationalstaat mehr als Waffe denn als Integrationswerkzeug der Menschheit
fungieren und dass
sie
die
größte
Menschheitsgeschichte
hinterlassen
und verheerendste
haben,
nicht
Blutspur
vernünftiger
wäre,
in der
diese
permanente Ursache von Konflikten ob seiner Ambivalenz, ja sogar seiner
potentiellen finalen, letalen Gefährdung der Menschheit in der gegebenen Form
abzuschaffen und eine Nachfolgelösung für dieses hochgradig gefährliche
historische Auslaufmodell zu finden. Anders formuliert, wie könnet man das
positive organisatorische Acquis des Nationalstaates bewahren, während man ihn in
seiner Eigenschaft als Ursache der größten Konflikte der Menschheit transformiert,
sodass das damit einhergehende größte Gefährdungspotential für die Menschheit
neutralisiert wird.
Kriege standen in der neueren Menschheitsgeschichte und stehen immernoch im
Zeichen der Nation. Und es ist davon auszugehen, dass alle zukünftigen Kriege und
ebenfalls ein weiterer Weltkrieg, der das Schicksal der Menschheit besiegeln könnte,
auch im Zeichen der Nation stehen wird. Trotz all seiner Meriten ist der
Nationalstaat offenbar in der Form in der er gelebt wird, der größte Feind der
Menschheit, der sie vernichten könnte. Allein schon aufgrund dieser universellen
Gefahr sollte man sich mit der Frage einer Metamorphose des Nationalstaates
befassen. Zumindest kann und muss man das Problem andenken und globale
Reflektionsprozesse einleiten, die diesen größten Feind der Menschheit erkennen
und daher bestrebt sein sollten, den letalen Giftzahn dieses Monsters zu ziehen.
Die Menschheit ist in einer Lage, vergleichbar mit einem Patienten, der von einer
lebensbedrohlichen Krankheit heimgesucht wurde, die erkannt und beschreiben
werden kann und für deren Verlauf und wahrscheinlichem Ende es vielfältige
historische, erfahrungsbasierte Evidenz gibt, während es keine wirksame Therapie
dafür gibt. Statt den Patienten aufzugeben ist und sollte man aber dennoch bemüht
sein, ihm die denkbar beste Versorgung zukommen zu lassen, in der Hoffnung, dass
es dennoch eine Möglichkeit der Rettung gibt.
Die Nation ist vergleichbar mit einem Karzinom, das den gesamten Organismus der
Menschheit befallen kann. Und je größer die Anzahl dieser Herde, desto größer ist
die Wahrscheinlichkeit, dass der national verursachte Supergau eintritt. Man könnte
sagen, es ist nur eine Frage der Zeit, denn die Natur des Nationalen ist eben so. Und
so lange er in dieser Form existiert, ist nichts anderes zu erwarten.
Was passiert psychologisch, wenn man das Nationale eliminiert? Und welche
Alternativformen der menschlichen Organisation gibt es, die nicht minder effektiv
sind als der Nationalität aber um seinen letalen Charakter bereinigt sind? Man ist
versucht, vor diesen Fragen zu kapitulieren, weil wir so sehr in unseren größten
Feind verliebt und daran gewöhnt sind, dass wir seinen gefährlichen Charakter
schon gar nicht mehr zu Kenntnis nehmen und ihn einer kritischen Überprüfung
unterziehen, da man gelernt hat, ohne den Mut zu Alternativoptionen damit zu
leben. Dennoch muss er auf den historischen Prüfstand gestellt werden, um die
Gefährdung der Menschheit, die von ihm ausgeht – inklusive eines eventuellen
dritter Weltkrieg – ohne falsche Anhänglichkeiten zu evaluieren.
Wenn sich der Mensch nicht mit der Nation identifiziert, dann ist es, als fiele ihm ein
Mühlstein vom Herzen, den man für einen Diamanten hielt. Er befindet sich in einem
Zustand der Erlösung von einer Geisel, die ihn, seine eigene Nation, sowie die
Gemeinschaft der Nationen, ständig bedrohte. Und wenn diese Bedrohung gewichen
ist, dann hat er eine Art Befreiungserlebnis psychologischer Art, das tief in seine
psychologischen Strukturen hineinreicht und eine große Verzückung auslöst. Es ist
beinahe mit einem weltlichen Samadhi oder Satori, einer weltlichen Art der
Erleuchtung vergleichbar, die gleichzeitig auch den Weg zu einem weiteren
Bewusstsein ebnet, dessen Aktivität nicht durch das nationale Bewusstsein limitiert
und eingeschränkt ist. Somit wird diese kleine weltliche Erleuchtung ein Sprungbrett
für eine umfassendere Erkenntnis und Erleuchtung. Psychologisch scheint der
Mensch also sehr viel gewinnen zu können, wenn er den nationalen Schutzpanzer
abwirft, der ihn zu erdrücken und zu erdrosseln droht, während er permanente
Dialektiken mit anderen Nationalidentifikationen verursacht.
Um die psychologische Dimension der Nation zu erforschen ist es also erforderlich,
den Nutzen der Befreiung von der Nation und den Gewinn durch die nationale
Identifikation miteinander zu vergleichen. Aber die nationale Identifikation scheint
irgendwann, vor allem, wenn sie übermäßig ethnozentrisch wird, kontraproduktiv
zu werden und jene, die in ihr gefangen sind, regelrecht zu ersticken. Und wenn sie
durch die Wechselwirkungen multipler nationaler Identifikationen, wie es in
multikulturellen Kontexten bisweilen der Fall ist, potenziert wird, dann entsteht eine
divers
skalierte,
eskalierende
Spirale
nationaler
Identifikationen
und
Überidentifikationen, die in einem totalen psychologischen Krieg enden können,
sodass niemand mehr mit irgendjemand kommunizieren kann, weil sie alle
Gefangene ihrer national definierten Identitäten sind. Es ist makropolitisch
vergleichbar mit übergerüsteten Armeen, die einander gegenüberstehen, während
kein Dialog mehr möglich ist und wo der geringste Fauxpas in den Ausbruch eines
großen Krieges münden kann. Im Bann ihrer nationalen Konstrukte und deren
Wechselwirkungen werden sie auch nicht abrüstungsbereit und -fähig sein. Und
doch bestünde darin die befreiende Lösung des Dilemmas für alle. Dazu bedarf es
aber des erleuchtenden und auslösenden geistigen Funkens, der zu einem
Leuchtfeuer und Leuchtturm für alle in eine neue Zukunft sein kann.
Nur wenn dieser geistige Funke zu einem heiligen Feuer im Menschen entfacht
werden kann, wird
er
die
technischen Mittel und Wege
postnationaler
gesellschaftlicher Organisationsformen finden, die für seinen nun friedfertigeren
Fortbestand erforderlich sind. Die Friedfertigkeit durch nationalpsychologische
Abrüstung wird Wege erkennen lassen, die Gesellschaft frei von ihrer größten
Bedrohung, optimal umzuorganisieren.
Nationale Referenzen dürfen nicht über
Nacht über Bord geworfen zu werden, damit die national konditionierten Psychen
nicht über Gebühr strapaziert und einer großen Desorientierung ausgesetzt werden.
Sie können als organisationstechnische Kategorien beibehalten werden, während sie
im Lichte der neuen Erkenntnis progressiv von ihrem tödlichen nationalen Stachel
bereinigt werden. Dies ist auch das Panaceum für nationale Unteridentifikationen,
die damit gleichermaßen heilsam impaktiert werden. Es könnte jedoch auch sein,
dass diese kleineren ethnisch-kulturellen Gruppen dann die Nachfolge des
Nationalstaates antreten wollen und zu einer Balkanisierung der Welt und einer
noch größeren Zersplitterung und Fragmentierung derselben führen, statt hin zu
einer supranationalen Welt der ganzen Menschheit. Dann würde das zu behebende
Problem jedoch multipliziert und damit potenziert werden. Diese Gefahr darf man
nicht übersehen.
Einige intrakulturelle, wie auch internationale ethnischen Gruppen mögen das als
ihre gekommen Stunde erkennen und die Macht an sich zu reißen versuchen. Doch
es
sollte
ebensowenig
ein
Eldorado
für
Bananenrepubliken,
wie
von
Hegemonialambitionen und Fundamentalismen werden, die das Problem nur
hinsichtlich der Größenordnung und in ihrem Sinne verändern, es aber nicht
essentiell und nachhaltig zum Wohle der Menschheit lösen können. Doch, wenn der
Prozess von einem echten Funken der Erkenntnis im Bewusstsein der Menschen
stammt, der progressiv, gleich einem heiligen Feuer die Herzen und Gemüter der
Menschheit beseelt, weil er ihrer Einsicht entstammt, dann dürfte diese Art von
kontraproduktiver Rückwirkung gebannt sein.
Es wäre also wichtig, die Supranationalisierung nicht a priori aus den geopolitischen
Machtzentren zu verordnen, sondern so organisch wachsen zu lassen und integrativ
zu koordinieren und technisch zu verbalisieren. Nur so scheint es möglich, friedlich
eine strukturell friedenstiftende Welt, frei vom nationalen Damoklesschwert zu
schaffen. Ein Bewusstseinswandel wird es ermöglichen, wenn die Zeit reif ist, wenn
der Mensch erkennt, dass die Nationale Identifikation kein kostbarer Diamant,
sondern ein ihn erstickender Mühlstein am Hals ist, der ihn nicht nur seiner Freiheit
und Vollendung als Mensch beraubt, sondern ihn darüber hinaus in tödliche
Abgründe hinabzieht.
Die historische Evidenz kann nicht geleugnet werden, denn alles große
Blutvergießen hat eine kausale nationale Dimension. Mit ihrem Wegfallen auf der
Basis eines entsprechenden Erkenntnisprozesses fällt auch die gesamte nationale
Geisel der Menschheit dahin. Dann bekommt die universelle Identifikation mit der
Schöpfung, mit der Menschheit und mit dem Schöpfer ihre Chance. Und mit dieser
weiteren
allinklusiven
Identifikation
fallen
Myriaden
von
potentiellen
Konfliktschnittstellen weg. In dem Maße, wie dieser Bewusstseinswandel zum Einen
in jeder Hinsicht, das die abermyriadenfache Diversität der Schöpfung nicht aus-,
sondern einschließt, stattfindet, fallen neue menschengemachte und machtmotivierte
Identifikationsbedürfnisse weg.
Dies bedeutet nicht, dass der Mensch seine ethnisch-linguistischen und andere ihm
seine natürliche menschliche Identität verleihenden Attribute aufgeben müsste, nein,
im Gegenteil. sie werden in einer kulturell-biologischen Optik der Diversität der
Schöpfung sanktioniert und somit ihrerseits von ihrem potentiellen Stachel des
Konfliktes bereinigt. Wenn der Mensch sich als gestrig-biologisch diverses Geschöpf
der einen Schöpfung und des einen Schöpfers erkennt, dann fallen die künstlich
errichteten zwischenmenschlichen Barrieren und Mauern weg und eine Bruderschaft
der Menschheit gewinnt an Momentum, die zur Menschheitsfamilie mit einer
Nation, jener der Menschheit, der alle, vermittels der Vaterschaft Gottes und der
solidarischen Geschwisterlichkeit der Menschheit, angehören.
Wenn dieses geistige Fundament gelegt ist, dann kann man annehmen, dass sein
Impuls die Kraft und Intelligenz in der nunmehr uneingeschränkten Freiheit des
Menschen finden wird, um die technischen Probleme der Gesellschaftsorganisation
zu bewältigen, die erforderlich ist, damit die Menschheit im diesem Prozess des
grundlegenden Beziehungswandel der Menschen und Kulturen untereinander nicht
nur nicht zu Schaden kommt, sondern dass das Management der technischen
Probleme der Gesellschaften noch effizienter vonstattengeht, weil es nicht mehr
durch Machtbarrieren mit ihren vielfältigen Limitationen und nicht zuletzt der
universellen Gefährdung der Menschheit torpediert und korrumpiert wird. Es
scheint alles eine Frage der menschlichen Kreativität und Intelligenz zu sein.
Globale Konzerne und ihr rücksichtsloser Machtanspruch, sowie die nunmehr
berüchtigten globalen Finanzmärkte mit ihrer Unberechenbarkeit und der Trend des
Missbrauchs der nationale steuerrechtlichen Diversität der Nationen könnten somit
beherrschbarer
werden,
da
sie
einer
unumgänglichen,
globalen
Rechenschaftspflichtigkeit unterworfen werden, in der es keine nationalen
Strategeme und Schlupflöcher mehr gibt. Dies ist ein Weg zu einem globalen,
rationalen Management der weltlichen Belange des Menschen in der Schöpfung und
kein globaler Dirigismus zugunsten einer neuen Oligarchie irgendeiner Art. Und
dies allein ist echtes rationales wissenschaftliches Management, das aufgrund seiner
solidarischen Bedarfsbasiertheit auch die sich weltweit öffnende gesellschaftliche
Schere
schließen
kann.
Eine
Form
größerer
globaler
Transparenz
und
Rechenschaftspflichtigkeit wird der Ausnutzung der Menschen durch den Menschen
einen Riegel vorschieben und ebenso die menschliche Tendenz auf Kosten anderer
zu leben und sie für sich arbeiten zu lassen, während man selbst keinen solidarischen
Beitrag leistet.
Ebenso wird der Verlust der demographischen kulturellen und internationalen
Gleichgewichte durch anarchische Migration im Zeichen des Liberalismus verhindert
werden können, weil den Ursachen der Migration durch Präventivstrategien
begegnet werden kann. Welche Planungs- und Managementinstrumente für
derartige langfristige Horizonte erforderlich sein werden, kann Gegenstand der
menschlichen Zukunftsplanung sein. Das wichtigste dabei ist jedoch der
Bewusstseinswandel, der diese Instrumente dann kreieren wird. Die operativen
Details derartig umfassender Strategie sind hier auch nachgeordnet, weil alles
Funktion der historisch basierten Erkenntnis, dem sich daraus ergebenden Funken
mit seiner Kreativität ist. Wenn die große Frage gelöst ist wird das durch sie
entfachte heilige Feuer im Menschen sich zu seiner Zeit um die Details kümmern
und aus dem, was bislang als Traum erschien, Wirklichkeit werden lassen. Nichts
kann eine Idee aufhalten, deren Zeit angebrochen ist, insbesondere wenn sie im
Gleichklang mit der Finalität und Integrität der Schöpfung steht.
Soviel nationale Identität wie nötig,
Soviel universelle Identität wie möglich.
“The twenty first century will be metaphysical or it will not be.”
(Former French President General Charles de Gaulle’s
Minister of State for Cultural Affairs, A. Malraux, 1973)
4
Die Liebe - der Schlüssel zum Leben in
allen Bereichen:
Die vier Aspekte der (r)einen Liebe und
die Erfüllung des göttlichen Gesetzes
Die Orthodoxie versus die Orthopraxie
der Liebe
Das biblische Fundament, auf dem die eine Liebe in vier Gestalten gründet, ist wie
folgt:
Die reine Lehre basierend auf dem
Evangelium
Als aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie
sich.
Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte:
Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von
ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Matthäus 22,34–40
Quelle: http://www.bibelcenter.de/bibel/studien/d-std098.php
Von der Vergeltung und von der Liebe zu den Feinden
27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den
Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder
lieben die, von denen sie geliebt werden.
33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür?
Das tun auch die Sünder.
34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen
Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles
zurückzubekommen.
35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür
erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn
auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
Lukas 6,27
Quelle. http://www.bibleserver.com/text/EU/Lukas6,27
Die Praxologie der reinen Lehre
Die Diskrepanz zwischen Gottes Gebot und menschlicher Praxis wird von Zeitgenossen
online folgendermaßen diagnostiziert:
Für viele ist es eitel Freude und Wonne, ein beschauliches Leben zu führen. Sie glauben an den Vater,
an den Sohn, an den Heiligen Geist. Mit grossem Wohlgefallen erfreuen sie sich an den
Offenbarungen und Erzählungen des Wortes Gottes. Sie denken über Gott und göttliche Dinge nach;
er ist für sie ein Gegenstand des Studiums. Sie haben richtige Glaubensüberzeugungen, sind streng
orthodox und wissen in allem Bescheid, können über Glaubensartikel streiten und sich über göttliche
Dinge ereifern. Aber ach, ihre Religion ist wie ein toter Fisch, kalt und steif. Es ist kein Leben darin.
Betrachten können sie wohl, aber nicht lieben; sie können wohl nachdenken, aber keine
Gemeinschaft pflegen. Sie können an Gott denken, vermögen aber nicht, ihn zu lieben. Oh, ihr
kaltblütigen
Denker,
an
euch
richtet
sich
dieses
Gebot.
Da mag jemand aufstehen und sagen: "Recht haben Sie, aber mich trifft dieser Vorwurf nicht. Ich
gehe jeden Sonntag zweimal zum Haus Gottes, ich halte meine Hausandacht mit meiner Familie, ich
achte sehr darauf, jeden Morgen mein Gebet zu verrichten und in meiner Bibel zu lesen."
Sehr gut, mein Freund, und doch kannst du das alles tun, ohne Gott zu lieben. Ja, manche von euch
gehen in die Predigt oder Gebetsversammlung wie ein Pferd, das man in die Schwemme reitet. Ihr
wagt es nicht, den Sonntag zu entheiligen, aber ihr würdet es tun, wenn ihr könntet. Ihr steht unter
einem Pflichtgefühl, aber ihr fühlt euch dabei nicht wohl. Euer Herz schlägt nicht schneller, wenn der
Name des Herrn Jesus fällt; eure Seele fühlt sich bei der Betrachtung seiner Werke nicht erhoben,
denn euer Herz ist ganz unbeteiligt, und während ihr Gott mit euren Lippen ehrt, ist euer Herz fern
von ihm.
Datum: 16.04.2006
Autor: Charles H. Spurgeon
Quelle: Auf dein Wort
Quelle: http://www.jesus.ch/themen/glaube/andachten/auf_dein_wort/124133du_sollst_den_herrn_deinen_gott_lieben_mit_deinem_ganzen_herzen_und_mit_deiner_ganzen_se
ele_und_mit_deinem_ganzen_gemuete_und_mit_aller_deiner_kraft_markus_1230.html
5
Die wissenschaftliche und spirituelle
Evidenz für die Bedeutung Altruismus
Nicht nur verschiedene Religionen und Weisheitslehren, sondern auch mehr und
mehr Wissenschaftler erkennen die Bedeutung des Altruismus, technischer als
Allozentrismus oder religiös als Gottes- und Nächstenliebe bezeichnet, als eine
ultimative Quelle der Erleuchtung im politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Management. Ob in der Leadership Ausbildung an der Universität Harvard oder
modernen Managementphilosophien, überall versucht man die ultimative Quelle für
die menschliche Leistung zu erschließen, sei es über einen poetischen Zugang oder
aber
über
einen
messtechnischen
mit
exakten
psychophysiologischen
Aufzeichnungen. Die französische Kardiologin Dr. Thérèse Brosse, die ich zu ihrer
Lebenszeit in Paris kennenlernen durfte, hat bereits in den fünfziger Jahren die
Bedeutung des kreativen Altruismus erforscht. Dies geschah im Kontext der
UNESCO und unter dem Eindruck der Weltkriege, die diese Dimension des
Menschen mit den verheerendsten Konsequenzen ignorierten und durch ihre
Pseudoreligion des intergruppen Hasses substituierten. Der eine Pol verweist auf
sein Gegenteil. Darin kann und muss die historische Lehre aus der Vergangenheit
bestehen.
Folgende der Publikationen dieser Wissenschaftlerin aus der unmittelbaren
Nachkriegszeit zeugen davon:
- Orthopédagogie et Compréhension Internationale: Rapport du deuxième Congrès
International pour la pédagogie de l'Enfance déficiente. Systemen Keesing.
Amsterdam, Hollande. 1949. p. 28.
- Altruism and Creativity as Biological Factors of Human Evolution. In:
Explorations in Altruistic Love and Behavior, edited by Pitirim A. SOROKIN. Boston.
The Beacon Press. 1950.
- Psycho-physiologie de yoga et problèmes d'hygiène mentale. In: Yoga,
science de l'homme intégral. Les Cahiers du Sud. Paris, 1953, p. 116.
- Contribution to the Experimental Study of Altruism. Instrumental
Explorations of Yoga techniques. < Forms and technics of Altruism and spiritual
growth. > Edited by Pitrim A. SOROKIN. The Beacon Press. Boston Massachusetts.
1954. p. 190.
- Roger GODEL et la Science de l'Essentiel. In: Roger GODEL. De
l'humanisme à l'humain. Les Belles Lettres. Paris. 1963, p.71.
UNESCO DOCUMENTE
- L'Éducation des Emotions en tant que facteur de Compréhension
Internationale. Octobre 1947.
L'Education du futur citoyen du monde et l'enfance victime de la guerre. 2
documents, septembre 1948.
- Le rôle de l'Ecole dans la lutte contre la délinquence juvenile. Janvier 1950.
Quelle: Dr. Therese Brosse, aus Bewusstsein-Energie: Struktur des Menschen und
des Universums. Seine wissenschaftliche, soziale und geistige Bedeutung.
Originaltitel: La Conscience-Energie…, Editions Présence, France, 1977; deutsche
Übersetzung durch den Autor dieses Exposés.
Da die Zivilisation erneut in eine große wirtschaftspolitische Krise geschlingert ist, ist
es vielleicht ratsam, sich mit der Bedeutung dieser Dimension nicht ex post, in der
Rückschau auf die durch ein Defizit an Altruismus versurachten Verwüstungen,
sondern als Prophylaxe dagegen zu befassen. Denn mittlerweile wird allerseits
anerkannt, dass die gegenwärtige Krise durch die Negation der altruistischen
Dimension in der Gestalt von exzessiven antisozialen Individualismus und Egoismus
in seinen diversen Ausformungen verursacht wurde und weiterhin wird, solange
nicht
der
dem
idiozentrischen
entgegengesetzte
und
komplementäre
gesellschaftliche Wert des Allozentrismus in die Agenden maßgeblicher Akteure
Eingang findet.
Es gibt genügend Evidenz dafür, dass an der Basis menschlich verursachter
Probleme in der Regel ein Mangel an Altruismus schlummert, d. h. eine übertriebene
individualistische Ichbezogenheit von Individuen und Gruppen, die das soziale
Gewebe durch Entsolidarisierung zum scheinbaren Nutzen ihrer Eigeninteressen
zerreißen, obschon der Bumerang dieses Tuns, langfristig betrachtet, jeweils auf die
Verursacher zurückkommt und sie selbst verschlingt. So werden Staaten, Konzerne,
geopolitische Regionen und die Welt insgesamt in den Sog dieser vitiösen Kreisläufe
hineingesogen. Diese Kreisläufe können dadurch unterbrochen werden, dass man
mit altruistischeren Inputs in diese gesellschaftlichen Kreisläufe arbeitet, die sie in
virtuose
Kreisläufe
im
Zeichen
des
Altruismus
mit
sozialverträglichen
Konsequenzen transformiert.
Was hindert den Menschen, mit dem Wert des Altruismus als kultureller
Wertpriorisierung zu arbeiten? Nun, es ist die Konditionierung durch die negative
Gewohnheit, mit ihren scheinbaren und leider sehr kurzfristigen, erhofften Vorteilen.
Betrachtet man jedoch das gesamte Dilemma von Altruismus und Idiozentrismus,
Ichbezogenheit und Nächsten-Bezogenheit und kartiert es dilemmatheoretisch, so
erkennt man leicht, dass die Ichbezogenheit nur Nullsummenspiele erzeugt, in
denen der eine gewinnt, was der andere verliert. Sie zerstören die individuelle und
gesellschaftliche Solidarität, das soziale Gewebe und Geflecht. Je liberalistischer die
Gesellschaftsordnung, desto mehr werden antisoziale Nullsummenpiele ermöglicht.
In einer weniger liberalistischen, sozialeren Gesellschaftsordnung, halten sich
Altruismus und Idiozentrismus, sofern sie rechtlich und kulturell ausgewogen
durchgesetzt
werden,
einigermaßen
die
Waage.
Den
Verlierern
der
Nullsummenspiele wird, bildlich gesprochen, ein Trostpreis als Verlierer des
antisozialen Kräftemessens zugesprochen. In dem Maße, wie jedoch der altruistische
Wert
kulturell priorisiert
wird, entstehen Nichtnullsummenspiele,
die
die
gesellschaftlichen Gleichgewichte fördern, statt sie zu unterminieren, wie es die
entgegengesetzte idiozentrische Wertpriorisierung tut.
Nachfolgend einige Passagen zur Erforschung des Altruismus im Kontext - um den
Tenor der Erörterung zu vermitteln - durch Dr. Therese Brosse, aus BewusstseinEnergie: Struktur des Menschen und des Universums. Seine wissenschaftliche,
soziale und geistige Bedeutung. Editions Présence, France, 1977; deutsche
Übersetzung durch den Autor dieses Exposés.
Dr. Thérèse Brosse, Bewusstsein-Energie…, Seite 234-237, übersetzt durch den Autor
dieses Exposés.
„…DIE INSTRUMENTELLE ERFORSCHUNG DER RHYTHMEN DES LEBENS
UND DER PSYCHE
Periodische, langsame Wellen1
« Der Rhythmus bildet die Grundlage der Lebensdynamik und der
psychischen Dynamik >, schreibt der Autor und unterstreicht dabei die
hierarchischen Eigenschaften, die wir bereits erwähnt haben.
Bei derselben Messung kann man in der Tat die unterschiedlichen Frequenzen
der Lebensdynamik und der psychischen Dynamik feststellen. Die arterielle
Meßkurve bringt die Lebensdynamik, die als ersten Grades bezeichnete Welle
(Pulsbild) und die psychische Dynamik durch eine langsame periodische Welle
zweiten Grades zum Ausdruck, welche die Grundlinie mittels einer für die
1
Zit. Op. (29), pp. 82 u. 96
instrumentelle Technik geeigneten Zeitkonstanten moduliert.
Kunstgriffe bei dieser Technik ermöglichen es, entsprechend dem Wunsch des
Forschers, die Modulationen zu entfernen oder sie, im Gegenteil, hervorzuheben. Die
Kardiologen entfernen sie wegen der Beeinträchtigung des elektrokardiographischen
Erscheinungsbildes, und wenn einige unter ihnen diese Schwankungen künstlich
hervorrufen oder mechanischen Einwirkungen der Atmung anlasten, so haben
andere keine Bedenken, auf die psychosomatische Bedeutung eines Großteils davon,
sowie auf den vasomotorischen Mechanismus ihrer Entstehung hinzuweisen, den die
elektrischen und mechanischen Detektoren gleichzeitig zum Ausdruck bringen (140).
Der Physiologe des peripheren Kreislaufes kennt diese langsamen periodischen
Wellen sehr gut, aber er interessiert sich in ihrer Bedeutung als psychosomatische
Interferenzen nicht dafür.
Ende letzten Jahrhunderts haben die Psychologen bereits versucht, diese
Abweichungen von der Grundlinie bei den elektrischen oder mechanischen
Messungen für psychophysiologische Zwecke zu verwenden. Die beiden folgenden
Methoden sind gut bekannt: die erste unter der Bezeichnung « psychogalvanischer
Reflex », die zweite unter der Bezeichnung « Plethysmographie ». Wenn nach
unserem jetzigen Kenntnisstand mit keiner von beiden die systematisierten
Ergebnisse erzielt werden konnten, die man von ihnen erwarten darf, so deshalb,
weil sie nur für die Erforschung vorübergehender Reflexe und nicht dauernder
Bewußtseinszustände verwendet wurden. Wir haben bereits darauf hingewiesen.
Mechanismus und Phänomen
Was den Entstehungsmechanismus dieser Wellen anbelangt, so kann man
sagen, daß die langsamen Perioden in Verbindung mit der Variation des psychischen
Zustands vom elektrischen Hautwiderstand abhängig sind. Letzterer schwankt mit
den Schwitzerscheinungen in Abhängigkeit
vom vasomotorischen Zustand.
Die Physiologen haben im Rahmen ihrer Spezialisierung die langsamen
Perioden in Zusammenhang mit ihrem Entstehungsmechanismus erforscht (141). Sie
erinnern daran, daß die Arteriogramme neben den Oszillationen ersten Grades
(Arterienpulsschlag) auf ihrer Grundlinie Modulationen aufweisen, deren
Größenordnung veränderlich ist und die eine andere Bedeutung haben. Es sind
Wellen zweiten Grades mit Bezug zur Atemperiodizität.
Die letzteren können entweder mechanisch sein oder vasomotorische
Ursachen haben. Die mechanischen stehen in Verbindung mit der Veränderung des
Brustkorbvolumens. Sie werden durch den Pranayama des Hatha-Yogi erzeugt. Die
vasomotorischen sind synchron mit der Atmung. Die Traube-Hering-Wellen sind ein
Ausdruck der periodischen Veränderungen der gefäßerweiternden
Zentren des
verlängerten Rückenmarks, der Rückenmarks- und der peripheren Zentren. Diese
haben wir wegen ihrer Eignung für eine psychologisch aussagefähige,
morphologische Analyse verwendet. Noch langsamere Wellen dritten oder vierten
Grades sind weniger bedeutsam.
Der « pulsatorische » Faktor dieser « langsamen Perioden », der bei der
Plethysmographie aufgezeichnet wird, wurde von dem Psychiater Vittoz (143)
empirisch aufgespürt. Dieser beurteilte Schockzustände durch Handauflegen auf die
Stirn zur Prüfung der geistigen Verfassung seiner Patienten. Diese
Wellenbewegungen erzeugte er in günstigen Fällen in der Gestalt von Sinuskurven,
im Gegensatz zu den anarchischen Schwingungen der Angstzustände. Die ersten
Aufzeichnungsversuche mit einem an ein Stirnmikrophon angeschlossen
Kabelgalvanometer wurden von einem seiner Schüler veröffentlicht (144).
Die Ergebnisse
Dieser Teil der Forschung, den wir für das « Harvard Research Center in
Creative Altruism » 2 als Ergänzung zur Yogi-Forschung durchgeführt haben,
ermöglichte es uns, die Ergebnisse folgendermaßen zu systematisieren:
1. -
Unter dem Gesichtspunkt des Rhythmus und der Amplitude
Zustände bewußter Kontrolle, sei es eine affektive Vorstellung, eine geistige
Tätigkeit oder die mentale Entspannung in der Stille kommen durch einen
regelmäßigen Rhythmus zum Ausdruck.
Beim okzidentalen Menschen erzeugt die freie Gedankenassoziation mit vielerlei
Sorgen einen unregelmäßigen Kurvenverlauf in Verbindung mit einem
Polymorphismus, auf den wir noch zurückkommen werden.
Die Geschwindigkeit des periodischen Rhythmus, mit anderen Worten, die
Dauer der Periode hängt von der Qualität der affektiven Ladung ab: Bei antisozialen
2
ZIt. Op. (28).
Einstellungen (Interesse, Egoismus, Aggressivität) ist der Rhythmus sehr schnell,
und er verlangsamt sich beim Altruismus proportional zur geistigen Bedeutung des
betrachteten Objekts und infolgedessen der Bewußtseinsebene (Individuum,
Menschengruppe, gesamte Menschheit). Die Vorstellung der universellen Liebe bei
einem Yogi erforderte für eine einzige Periode den Ablauf von mehreren Metern
Papier. Dadurch hat sich die Aussage Bachelards über die Langsamkeit der höheren
Bewußtseinszustände bestätigt. Bei Traurigkeit ist der Rhythmus langsam mit
geringer Modulation. Bei Freude ist er von mittlerer Dauer und regelmäßig.
Auch die Amplitude ist von der affektiven Qualität abhängig: Bei « negativen »
Zuständen ( antisozialen oder Traurigkeit) ist sie gering, oder die Modulation fehlt
ganz und gar bei einem unharmonischen Kurvenverlauf. Die « positiven » Zustände
(Altruismus, Freude) äußern sich durch mittlere oder große Amplituden. …“
Zitat desselben Werkes von Seite 246
„…Die Autoren, die verkettete verbale Gedankenassoziationstests mit
Versuchspersonen durchführten, die normalerweise ein regelmäßiges Alpha hatten,
beobachteten im Verlauf der Experimente die Erscheinung eines Theta, mit
Veränderung des elektrischen Hautwiderstands. Die Erklärung war folgende: Die
Versuchsperson war « frustriert », weil sie nicht schnell genug die
Verbindungswörter fand (146). Hier handelte es sich in der Tat um eine «
minderwertige » Emotionsart, bei der Theta nicht überraschend ist, während ein
Gefühl des Altruismus sich durch Alpha äußert. …“
Zitat desselben Werkes von Seite 252
„…In diesem Fall führt der Begriff « Affektivität » (in Zusammenhang mit der «
affektiven Ladung ») zu Verwechslungen, denn die wahre Affektivität wie der
Altruismus beispielsweise, repräsentiert eine ihm entsprechende Ebene, die sich
durch Alpha äußert und keine sensorischen Elemente enthält, was man nicht oft
genug betonen kann. …“
___________________________________________________________________________
Die affektive Qualität des Altruismus, die frei von sensorischen Elementen ist, ist
also messtechnisch ebenso präzis bestimmbar, wie sein Nichtvorhandensein. Es
handelt sich also um messtechnisch genau erfassbare Bewusstseinszustände, die m
ersteren Fall mit Alpha Wellen, großen Amplituden und sozialer Einstellung und im
letzteren Fall mit Theta Wellen und antisozialen Einstellungen einhergeht.
Diese Jahrzehnte alte Forschung, die die Ausdrucksformen des menschlichen
Bewusstseins labortechnisch systematisiert, ist, so könnte man sagen, eine
rationalistische wissenschaftliche Formulierung dessen, was die christliche Religion
ohne den wissenschaftlichen Ballast schon immer nahegelegt hat. Zusammen stellen
sie die kartesianisch-religiöse komplementäre Formulierung der Bedeutung des
Altruismus in ihren jeweiligen Sprachen, als Altruismus oder Liebe, Caritas, Agape
etc. dar
Die globale Zivilisationskrise ginge somit mit einem Vorherrschen bestimmter
messtechnisch erfassbarer negativer Wellen in unserer Gesellschaft einher, die sich
als kulturell vorherrschende Werte verdichten und entsprechende Verhaltensmuster
induzieren. Man kann also eine messtechnische Zivilisationsdiagnose vornehmen,
die in unserer technisch-wissenschaftlichen Zivilisation als plausibel anerkannt
werden sollte. Doch die endlose Konditionierung zu antisozialen Werten und
Verhaltensmuster scheint derart kulturell verstärkt worden zu sein, dass die
objektive Wahrnehmung dadurch behindert wird.
Dr. Thérèse Brosse geht noch einen Schritt weiter in ihrer neurophysiologischen
Analyse dieser Sachverhalte, dem sie sich gewidmet hat, indem sie auf den
vermeintlichen neurophysiologischen Ursprung des Ichs hinweist:
„…Die Weisen Indiens, die die Befreiung des Bewußtseins in sich selbst erlebt und
verwirklicht haben, bestätigen aus Erfahrung folgendes: « Das Ego entsteht durch den
Irrtum, der das SELBST, das nichts andres als das universelle Bewußtsein in einem jeden von
uns ist, mit dem physischen Körper identifiziert. Das ist die wahre Erbsünde. » (39)
Die Erkenntnisse der Biologie, sowie der Mikrophysik bestätigen diese
Erklärungen.
Die Erforschung des « Körperbildes », das man auch als « Körperschema >
bezeichnet, hat zu zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten geführt, und die
Physiologen informieren uns, daß die scheinbare Konsistenz der Gestalt des
körperlichen Ich vom Parietallappen (Scheitellappen) des Gehirns, in
Wechselbeziehung mit den tiefliegenden Regionen des Thalamus und des
Diencephalon, herrührt. Das « Körperbild » entsteht durch die Aktivierung dieser
Nervenzentren. Dieser Speicherplatz « somatischer Engramme > hat letztendlich zu
einer krankhaften Ausuferung geführt, die alle Ereignisse, deren Ursprungsort der
Mensch ist, tyrannisch beherrscht, indem er sie zu sich in Beziehung setzt >. So
drückt es Roger Godel aus, der den Mechanismus unseres Körperbildes unter
Einbeziehung der komplexesten physiologischen Daten ausführlich beschrieben hat
(40). …“
Zitat aus demselben Werk Seite 52
Diese Fragmente vermögen also die Entstehung und die Modalitäten des Altruismus
und dessen Nichtvorhandensein in diversen Graden instrumentell, messtechnisch
und laborbasiert zu systematisieren. Es ist ein Spezialgebiet für Experten der
Neurophysiologie. Die besagte Autorin hat aber auch pragmatisch auf die Steuerung
der Qualität der affektiven Ebene des Menschen hingewiesen. Dabei kommt
insbesondere der der psychischen übergeordneten Ebene des reinen Bewusstseins
eine große Bedeutung zu.
Doch diese übergeordnete Ebene des reinen Bewusstseins und Steuerungsebene
affektiver Dispositionen, die sich als sozial und antisozial artikulieren, ist ebenso
über die christliche Formulierung als Nächstenliebe möglich. Ihr Vorhandensein und
ihr
Nichtvorhandensein
bedingen
ebenso
die
sozialen
und
antisozialen,
altruistischen und nichtaltruistischen Zustände. Das reine Bewusstsein oder die
Nächstenliebe, ebenso wie deren Abwesenheit, bedingen eine instrumentell
verifizierbare Verkettung von entsprechenden altruistischen oder nichtaltruistischen
Werten, Dispositionen und Handlungsmustern. Als messbare Wellen erzeugen sie
eine sozial oder antisozial orientierte Gesamtkultur mit ihren entsprechenden
Wirkungen. Sie breiten sich gewissermaßen fraktal aus. Sie haben ihren Ursprung,
wie es bei Werten die Regel ist, in den sukzessiven Phasen menschlicher
Sozialisierung. Doch das freie Bewusstsein, ebenso wie die Nächstenliebe, vermögen
sich über die psychosoziale Ebene der menschlichen Existenz zu erheben und sich
von der sozialen Konditionierung zu befreien. Trotz der Last der Konditionierung ist
der Mensch auch das freieste Geschöpf; eine Gabe der Liebe des Schöpfers für das
nach seinem Bild geschaffene Geschöpf, die, so könnte man sagen, auch seine
Aufgabe ist und somit in der Transzendierung negativer Konditionierung, kraft
dieses Charismas, besteht.
Die wissenschaftliche und religiöse Systematisierung kreativer altruistischer
Kreisläufe und destruktiver nichtaltruistischer Kreisläufe erfordert aber noch die
ethische Entscheidung des Menschen. Es führt zwangsläufig zur fundamentalen
Dichotomie von Gut und Böse, die wir komplementär, wissenschaftlich und religiös
beschreiben können. Die Nächstenliebe ebenso, wie die wissenschaftliche Evidenz in
Bezug auf die Wirkung des Altruismus bleibt dem Menschen aber bisweilen schwer
zugänglich, sei es, weil sie, im letzteren Fall, zu technisch ist oder, im letzteren Fall,
weil seine konkrete menschliche Erfahrung, individuell und sozial, eventuell aus
nicht-altruistischen, antisozialen Kreisläufen bestand, die ihn verhärtet und zynisch
inbezug auf die Möglichkeit der gesellschaftlichen Transformation durch den
Altruismus gemacht haben. Der Materialismus fördert ja geradezu die antisozialen,
nichtaltruistischen, menschlich entsolidarisierenden Werte und lässt alle jene, die
altruistische Werte realisieren möchten, als Utopisten erscheinen, obschon sie
realistischer inbezug auf die langfristigen Auswirkungen altruistischer und nichtaltruistischer Wertepräferenzen sind.
Nun stelle man sich aber noch die Vollendung des die christliche Lehre und die
Propheten zusammenfassenden Gesetzes der Nächstenliebe durch die Gottesliebe
vor und welche integrative Kraft von der Liebe des Menschen zu seinem und der
gesamten Welt Schöpfer ausgeht. Denn vermittels des Schöpfers der Welt liebt man
sie nicht nur um derentwillen, was unsere konkrete Erfahrung bisweilen nicht zu
rechtfertigen scheint, sondern um Gottes willen, dem diese Ambivalenz nicht
anhaftet, insbesondere wenn man Jesus Christus als die Vollendung der Liebe durch
sein Leiden und Erlösungswerk für den Menschen bedenkt.
Kurz,
die
wissenschaftlich-messtechnische,
die
psychologische
und
neurophysiologische, sowie die überzeitliche eschatologische Evidenz konvergieren
in der Tatsache, dass die Sozialisierung und Kultivierung des Wertes des Altruismus
insgesamt heilsame Kreisläufe und die konträre Sozialisierung und Kultivierung
destruktive Kreisläufe erzeugen. Doch scheint diese Evidenz ungehört zu verhallen.
Sowohl die Kriegsprävention aufgrund der Kriegserfahrung, als auch die heute nicht
minder erforderliche globale Krisenprävention in vielen Bereichen, lassen sich über
die zentrale Variable des kreativen Altruismus managen, durch eine Erziehung und
Sozialisierung des Menschen für den Altruismus. Sie ist die pragmatische
Übersetzung des überzeitlichen Gesetzes der Liebe.
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