2015-06-12 Umschau Auftaktveranstaltung

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Auftaktveranstaltung zur Energie- und
Gewerbemesse:
Verantwortung nicht allein
17. Juni:
Quickborn (ane) - Prof. Dr. Mojib Latif versteht es, seine Zuhörer zu fesseln. Eindrucksvoll
schildert der charismatische Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Co2-Ausstoß und
Erderwärmung, zeigt die Folgen auf, spricht über Eisschmelze und Ansteigen des
Meeresspiegels, sensibilisiert für die Problematik der übersäuerten Meere und malt ein
düsteres Zukunftsszenario für die Erde, wenn – ja WENN die Menschheit den rasanten
Anstieg ihres Co2-Ausstoßes nicht stoppt.
Doch der oft als prominenter Warner vor der globalen Erwärmung bezeichnete Klimaexperte
ist mehr als nur das.
Ja, er warnt eindringlich - aber er gibt auch Hoffnung und motiviert: „Noch ist die
Klimakatastrophe abwendbar.“ Es bleibt ein Zeitfenster von etwa 15 Jahren, um die
Erderwärmung in den Griff zu bekommen. Das ist nicht viel, aber immer noch realisierbar.
Voraussetzung dafür sei ein weltweites, verbindliches Klimaabkommen. „Auf der UNKlimakonferenz in Paris Ende dieses Jahres müssen die Würfel fallen,“ macht Latif
unmissverständlich klar
Es mag ein gutes Zeichen sein, dass sich die G7-Staaten auf ihrem Gipfel hinter das zwingend
notwendige Zwei-Grad-Limit gestellt haben und bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine
Weltwirtschaft ohne fossile Energieträger schaffen wollen.
Kann man sich nun zurücklehnen und den Klimaschutz der Politik überlassen?
Latif ist nicht überzeugt und begegnet den guten Vorsätzen der Regierungschefs mit Skepsis.
Doch ging es dem Quickborner Energieforum als Gastgeber dieser Auftaktveranstaltung zur
Energie- und Gewerbemesse auch gar nicht vorrangig um die große Weltklimapolitik. Das
zeigte auch die nachfolgende Podiumsdiskussion.
Das Energieforum hatte den Teilnehmern für diesen Abend als wesentliche Frage gestellt:
Welche Möglichkeiten hat jeder einzelne Bürger, Verantwortung für den Klimawandel zu
übernehmen?
Als Moderator sorgte Dr. Thomas Schnelle - Geschäftsführer der Firma Metaplan aus
Quickborn - dafür, dass dieses Ziel nicht aus dem Fokus geriet. Und so wurden zwar
natürlich auch die politischen Erfolge und Probleme bei der Einführung erneuerbarer
Energien beleuchtet, ebenso aber Handlungsmöglichkeiten der Bürger aufgezeigt.
Dr. Nina Scheer (SPD-MdB), Ansprechpartnerin für Erneuerbare Energien und
Umweltwirtschaft der SPD-Bundestagsfraktion, lag vor allem die Dezentralisierung der
Energieversorgung am Herzen. Hier gäbe es Möglichkeiten zum Mitmachen für jeden und
diese beschränken sich nicht auf die private Nutzung erneuerbarer Energien im eigenen Haus.
Kommunale Konzepte können auch Nichteigenheimbesitzern ermöglichen, Anteil an der
Gestaltung der Energiewende zu nehmen.
Zu diesem Thema trug Jochen Ziehmann (Bündnis 90/Die Grünen), der Vorsitzende des
Ausschusses für Energie und Umwelt der Stadt Schenefeld, mit den Erfahrungen Schenefelds
als Musterkommune der Deutschen Energie-Agentur (dena) bei. Dieses Programm für den
Aufbau eines Energie- und Klimaschutzmanagements in Kommunen vermittelt
Handlungsanleitungen, um Energiesparmöglichkeiten aufzuzeigen und auszuschöpfen.
Großes Potenzial sieht Ziehmann im Einsatz alternativer Technologien der Strom- und
Wärmegewinnung, um den Co2-Ausstoß zu reduzieren. Die Kommune könne hierbei auch
Privatleute unterstützen und für gemeinsame Projekte zusammenbringen.
Für Dr. Panos Memetzidis, Geschäftsführer der Stadtwerke Quickborn, ist der beste Strom
der, „der nicht verbraucht wird.“ Energieeffizienz sei ein wichtiges Anliegen der Stadtwerke
und so bieten sie zum Beispiel zusammen mit ihrer Tochter tel.quick Möglichkeiten der
intelligenten Energiesteuerung über Smartphones.
Mark Helfrich (CDU-MdB), Mitglied des Parlamentarischen Beirates für nachhaltige
Entwicklung, möchte die Menschen dort abholen, wo sie sind und das „Sparfuchs-Gen“ ähnlich wie beim Suchen nach der billigsten Tankstelle - auch für die Energienutzung
aktivieren. So könne günstiger Strom beispielsweise zu Überschusszeiten genutzt werden, um
Elektroautos aufzutanken.
Dies sind nur einige Punkte aus der interessanten Diskussion, aber sie zeigen, worum es an
diesem Abend ging und was auch Prof. Dr. Mojib Latif noch einmal betonte: Beim
Klimaschutz ist Bürgerbewegung gefragt. Also einmischen!
Der Atomausstieg - so Latif - sei nicht das Ergebnis von Fukushima und der nachfolgenden
politischen Entscheidungen, sondern der jahrzehntelangen Anti-Atomkraft-Bewegung. Der
lange Atem hatte Erfolg. Und deshalb sind jetzt die Bürger gefordert, mit der gleichen
Vehemenz auch die erneuerbaren Energien zu unterstützen.
Dieser Herausforderung stellt sich das Quickborner Energieforum mit seinem erklärten Ziel,
die Menschen der Region für das Thema Energie und deren mögliche Einsparung zu
sensibilisieren.
„Dies hier ist unser Beitrag“, sagt Jens-Olaf Nuckel, der Vorsitzende des Energieforums. „Der
Vortrag und die Podiamsdiskussion sind der politische Teil und die Energie- und
Gewerbemesse am nächsten Wochenende der praktische. Dort zeigen wir ganz konkret, was
jeder Einzelne tun kann, welche Alternativen es gibt.“
BU: Dr. Panos Memetzidis, Jochen Ziehmann, Dr. Nina Scheer, Prof. Dr. Mojib Latif, JensOlaf Nuckel, Mark Helfrich und Dr. Thomas Schnelle (v.l.n.r.) (Foto: ane)
Lesen Sie hierzu auch unsere umfangreichen Sonderseiten zur Quickborner Energieund Gewerbemesse am 20. und 21. Juni in der Druckausgabe der UMSCHAU!
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