Europäisierung südslawischer Sprachen

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Europäisierung
südslawischer Sprachen
Institut für Slawistik
Proseminar zur Synchronie des B/K/S
(Was ist Bosnisch/Bosniakisch, Kroatisch und Serbisch?)
WS 2006/2007
Leitung: Branko Tošović
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Geltungsbereiche
 Bosnisch, Bulgarisch, Kroatisch, Mazedonisch, Serbisch,
Slowenisch
 B/K/S:
 Bulgarisch:
 Slowenisch:
 Mazedonisch:
insges. ca. 19 Mio. Sprecher
9 Mio. Sprecher
2,2 Mio. Sprecher
1,5 Mio. Sprecher
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Geltungsbereiche
 sprachliche Veränderungen, die wenigstens zum Teil auf
Einfluss nicht-slawischer Sprachen zurückzuführen sind
 gesamter südslawischer Bereich
 bestimmte südslawische Sprachen
 nur bestimmte Länder – Entwicklungen im System der
jeweiligen Sprache selbst
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen auf Lexikalischer Ebene/im Wortschatz
Anglizismen:
 Einflüsse der englischen Sprache
 betrifft alle südslawischen Sprachen und
 mehr oder weniger auch nicht-slawische Sprachen und kann
deswegen als Internationalisierung angesehen werden
 werden im Vergleich besonders schnell aufgenommen
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Anglizismen
 in Bulgarien in Zusammenhang mit der Einschränkung der
Rolle des Russischen in den letzten Jahren:
 nicht mehr obligatorische Fremdsprache an Schulen (nach
mehr als 100 Jahren)
 starker Rückgang von Übersetzungen aus dem Russischen
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Anglizismen
Veränderungen kommen vor allem aus folgenden Bereichen:

Wirtschaft

Medizin

Politik

Technologie

Kultureller Bereich, Alltag
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Anglizismen
und betreffen:

Lexik

Syntax

Morphologie

Phonetik und Phonologie
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Wirtschaft
 Schwerpunkt der Veränderungen
 vor allem auf den Wechsel des Wirtschaftssystems
zurückzuführen
marketing
biznis, biznismen
menadžer
bankomat
lizing
sponzor
komercijalizacija
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Wirtschaft
„Verwirtschaftlichung der Sprache“
 Tendenz, wirtschaftssprachliche Lexeme im übertragenen
Sinn zu verwenden
 inflacija riječi – Inflation der Wörter
 devalvacija javnog mnijenja – Devalutation (Wertminderung)
der öffentlichen Meinung
 ekonomizirati s osjećajima – ökonomisch mit Gefühlen
umgehen
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Medizin
 auch medizinische Ausdrücke gehen häufiger in Alltagssprache
über
 zurückzuführen auf Aufmerksamkeit, die Medizin in
Massenmedien und in Alltagsprache auf sich zieht
 financijska injekcija – finanzielle Spritze
 naftni šok – Ölschock
 kolaps ekonomije – Kollaps der Wirtschaft
 potroška groznica – Verbraucherfieber
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Medizin
neuere Entlehnungen:
 reanimacija – Reanimation
 metastaze – Metastase
 bajpas – Bypass
 banka organa – Organbank
 bioenergičar – Bioenergetiker
 pejsmejker – Pacemaker – Schrittmacher
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Politik
 politička elita – politische Elite
 privatizacija – Privatisierung
 liberalizacija – Liberalisierung
 populizam – Populismus
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Technologie
 softver – Software
 kompjuter – Computer
 skaner – Scanner
 faks – Fax(gerät)
 modem – Modem
 printer – Drucker, Printer
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Kultureller Bereich, Alltag
 sehr großer Einfluss des Englischen
 besonders unter Jugendlichen; in der Jugendsprache
 di-džej – DJ
šoping – Shopping
 vokmen – Walkman
džoging – Jogging
 sleng – Slang
tok-šou – Talk-Show
 slogan – Slogan
tajm-aut – Time-Out
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Kultureller Bereich, Alltag
 auf Veränderte Verhältnisse im Alltag, bes. die Zunahme der
Gewalt verweisen zB:
 korupcija – Korruption
 mafija – Mafia
 diler – Dealer
 fiksati se – (sich) fixen, sich Heroin spritzen
 trip – Trip, LSD
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Kultureller Bereich, Alltag
 manche Veränderungen repräsentieren veränderte
Wertvorstellungen und Maßstäbe:
 imidž – Image
 trend – Trend
 europeizacija – Europäisierung
koncern – Konzern
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in der Syntax
 kann ebenso als Internationalisierung angesehen werden
 Dekomposition des prädikativen Verbs
 Ersetzen des Verbs im Prädikat durch 2 Wörter
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Dekomposition des prädikativen Verbs
 Das Verb im Prädikat wird durch Nomen und Funktionsverb ersetzt
antworten – Antwort geben
odgovoriti – dati odgovor
helfen – Hilfe leisten
pomoći – pružiti pomoć
analysieren – Analyse durchführen
analizirati – vršiti analizu
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Nominalisierung
 Zunahme präpositionaler Syntagmen anstelle eines Nebensatzes
 am häufigsten in der juristischen und politischen Sprache vor,
sowie im
 wissenschaftlichen Stil
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Nominalisierung
 kausale Bedeutung:
Napravio je to jer je bio ljubomoran.  Napravio je to iz ljubomore.
Er hat das gemacht, weil er eifersüchtig war.  Er hat das aus
Eifersucht gemacht.
Der Nebensatz jer je bio ljubomaran wird durch präpositionales Syntagma iz
ljubomore ersetzt.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Nominalisierung
 temporale Bedeutung:
Prije nego što je otputovao potpisao je sve ugovore.  Prije
putovanja potpisao je sve ugovore.
Bevor er abgereist war, hat er alle Verträge unterzeichnet.  Vor der
Abreise hat er alle Verträge unterzeichnet.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Nominalisierung
 konditionale Bedeutung:
Ta žrtva je bila beznačajna kad se usporedi s dobitkom.  Ta žrtva je
u usporedbi s dobitkom bila beznačajna.
Dieses Opfer war unbedeutend, wenn man es mit dem Gewinn
vergleicht.  Dieses Opfer war im Vergleich mit dem Gewinn
unbedeutend.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Hilfsverben sein und haben
„esse- und habere-Sprachen“
 Generell können europäische Sprachen typologisch danach
aufgeteilt werden, ob sie in bestimmten Konstruktionen dem Verb sein
oder dem Verb haben Vorrang geben.
Es wird betrachtet, wie EXISTENZ und POSSESSIVITÄT ausgedrückt
werden und welches Verb als HILFSVERB verwendet wird.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Possessivität
 Deutsch: Possessivität wird hauptsächlich durch habere
ausgedrückt
zB: „Er hat graue Haare.“
 Russisch: hauptsächlich esse
wortwörtl.: „Bei ihm graue Haare.“
 Südslaw. Sprachen: meistens habere
„Ima sjeda kosa.“
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Existenz
 auch in diesem Bereich Besonderheiten in südslavischen Sprachen
“es gibt…“
im Russischen: durch esse wiedergegeben
im B/K/Sen, Mazedonischen, Bulgarischen: habere
“ima…“
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Gebrauch des/der Hilfsverbs/en
 esse war/ist an sich typisch für alle slawischen Sprachen
 im Deutschen, Englischen, Französischen: esse und habere im
Russischen: ausschließlich esse
in manchen Nachbarländern von deutschsprachigen Ländern, zB im
Tschechischen, Slowakischen, Polnischen tauchen auch
Konstruktionen im Perfekt auf, die habere beinhalten
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Gebrauch des/der Hilfsverbs/en
Neue Entwicklung im südslawischen Bereich
 Mazedonisch: Gebrauch von habere im Perfekt stark vorhanden
 Status als neues Hilfsverb wurde dort anerkannt
 auch keine Einschränkungen, die für deutsches haben als Hilfsverb
gelten
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Gebrauch des/der Hilfsverbs/en
Neue Entwicklung im südslawischen Bereich
 Bulgarisch: habere im Perfekt in der Umgangssprache
 aber noch nicht standardsprachlich zugelassen
 im Norden also am häufigsten nicht einmal Possissivität durch
habere ausgedrückt – auf der anderen Seite Mazedonisch – sowohl
Possissivität als auch Existenz werden durch habere ausgedrückt
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Verbaler Modus
 betrifft Bulgarisch und Mazedonisch
Indirekte Rede:
Hans behauptet, dass er nichts gewusst habe.
 gewusst habe drückt Konjunktiv aus
 in den meisten slawischen Sprachen gibt es keinen Konjunktiv als
Form der indirekten Rede
 wird von direkter Rede nicht durch besonderen Modus (wie im
Deutschen) unterschieden
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Verbaler Modus
Bulgarisch hat besondere Formen, um auf Fremdbericht zu verweisen:
1. Renarrativ, Modus relativus
 spezieller Verbmodus zur Wiedergabe von indirekter Rede oder
Vermutungen im Ostbaltischen, Bulgarischen und Mazedonischen
 wird mit infinitiver Verbform (meist Partizipien) ausgedrückt
 unterscheidet sich durch das Fehlen des Hilfsverbs
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Verbaler Modus
Е чел. – Er hat gelesen.
Чел. – Er habe gelesen.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Verbaler Modus
2. Inapperzeptiv
 System von Präteritalformen um direkt über Handlungen zu berichten,
die man nicht selbst beobachtet hat
 wird in normgebenden Grammatik des Bulgarischen häufig gar nicht
erwähnt
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Verbaler Modus
Mazedonisch
 altes esse-Perfekt wird durch das neue habere-Perfekt ersetzt
 altes Perfekt entwickelt eine neue Funktion!
 und zwar die des Konjunktivs der indirekten Rede bzw. die des
Renarrativs
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Tempora, Ausdruck der Zeitformen
 Russisch: 3 Tempora
 B/K/S: 7 Tempora (davon drücken 4 die Vergangenheit aus)
 Bulgarisch: 9 Tempora
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Tempora, Ausdruck der Zeitformen
 Tendenz, ein einziges Tempus für Vergangenheit zu gebrauchen.
 übrige drei werden durch Präteritum (= Imperfekt) ausgedrückt
 außerdem: Aorist und besonders Impferfekt werden stark
eingeschränkt
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Modal- und Phasenverben
 Modalverben: dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen
 brauchen unbedingt Ergänzung
 im Deutschen und den meisten slawischen Sprachen in Form des
Infinitivs
 das gleiche gilt für
Phasenverben, zB anfangen, aufhören
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Modal- und Phasenverben
Bulgarisch, Mazedonisch:
 Infinitiv wurde völlig aufgegeben
 als verbale Ergänzung wird dort ein Nebensatz verwendet, der durch
Konjunktion „dass“ eingeleitet wird und ein Verb im Präsens enthält
Slowenisch:
Gebrauch von Infinitiv als Ergänzung
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Modal- und Phasenverben
B/K/S:
 stellt Überganszone dar
 Im Süden wird neue Konstruktion (mit Nebensatz) häufiger gebraucht,
während
 im Westen der Infinitiv häufiger gebraucht wird.
Moram da radim. – Moram raditi.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in der Morphologie
Endungen als morphologische Ausdrucksmittel, Kasus
 In slawischen Sätzen spielen morphologische Mittel wichtigere Rolle
beim Ausdruck von Relationen als in deutschen oder englischen.
 d.h. zB Subjekt und Objekt werden in slawischen Sprachen durch
Endungen gekennzeichnet
 im Englischen: durch Wortfolge
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in der Morphologie
Endungen als morphologische Ausdrucksmittel, Kasus
 Bulgarisch und Mazedonisch: Endungen als Ausdrucksmittel wurden
aufgegeben
 nur ein morphologischer Kasus des Substantivs
 während andere slawische Sprachen über sechs bzw. sieben Kasus
der Substantive verfügen
 sehr große Veränderung
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in der Morphologie
Vokativ, Anredeform
 Tendenz zur Aufgabe des Vokativs
 durch Veränderungen in Anreden verstärkt im Bulgarischen (als
Folge der politischen Wende in den 90er Jahren)
 Einige sehr häufige Substantive sind aus dem allgemeinen
Sprachgebrauch verschwunden.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Vokativ
zB die Anreden: Genosse, Genossin – bulg.: drugarju, drugarko:
früher: Drugarju ministăr – Genosse Minister
heute: Gospodin ministăr – Herr Minister
 „Herr“ ist dabei gar nicht morphologisch markiert!
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Deklination der Kardinalzahlen
 Anzahl der Kasus ist stabil (7 B/K/S, 6 Slowenisch)
 Deklinierbarkeit bestimmter Wortgruppen aber nicht
 betrifft in erster Linie Kardinalzahlen
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Deklination der Kardinalzahlen
 im Deutschen wird nur die Kardinalzahl eins dekliniert
 im Russischen: fast alle Kardinalzahlen in allen Kasus werden
dekliniert
 Südslawien: Instabilität der Deklination der Kardinalia
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Deklination der Kardinalzahlen
 Slowenisch: fast alle Kardinalzahlen deklinierbar, in gesprochener
Sprache ab 5 nicht mehr dekliniert
 B/K/S: Kardinalzahlen ab 5 sind gar nicht deklinierbar
 eins, zwei, drei und vier sind zwar deklinierbar, aber
 in der Praxis wird nur die Zahl eins dekliniert
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Deklination der Kardinalzahlen
 2, 3, und 4 sowohl in der gesprochener als auch in geschriebener
Sprache kaum dekliniert, obwohl
 Deklination von Norm in Kroatien verlangt wird
 Norm in Jugoslawien hingegen hat zugegeben, dass diese Zahlen
selten dekliniert werden
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Zuwachs weiblicher Berufsbezeichnungen
 weitere Entwicklung in der Europäisierung
 B/K/S: an sich maskuline Formen noch immer für beide Geschlechter
gebräuchlich
 Äquivalente der deutschen Endung –in werden immer mehr verwendet
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Zuwachs weiblicher Berufsbezeichnungen
Beispiele:
 policajka – Polizistin
 vozačica – Fahrerin
 profersorica/profesorka – Professorin
 provoditeljka – Dolmetscherin
 nobelovka – Nobelpreisträgerin
 pušačica – Raucherin
 etc.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Zuwachs weiblicher Berufsbezeichnungen
für viele Bezeichnungen gibt es noch keine feminine Markierung:
 akademik – Akademiker, Mitglied der Akademie
vođa – Leiter, Führer
ekspert, stručnjak – Experte
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Unpersönlichkeit, Verallgemeinerung
 im Deutschen durch „man“ ausgedrückt
 sein Äquivalent in slawischen Sprachen unterliegt zusätzlichen
Einschränkungen
 dadurch man-Sätze viel seltener als im Deutschen
 im Süden aber Zunahme solcher Sätze im gesprochenen B/K/S in
letzter Zeit
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Unpersönlichkeit, Verallgemeinerung
 Bedeutung des Äquivalents zu man, im B/K/Sen čovjek, ändert sich:
 Bedeutung in älteren Wörterbüchern: „erwachsener Mann“
 auch in Verallgemeinerungen war čovjek nicht vom männlichen
Geschlecht befreit (zumindest in Assoziation)
 (neues) Wörterbuch von Anić: keine von 4 Bedeutungen enthält
Vermerk über Begrenztheit auf männliches Geschlecht
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Unpersönlichkeit, Verallgemeinerung
 anscheinend also Entwicklung zur Ungebundenheit an das männliche
Geschlecht des Wortes čovjek
 an sich steht čovjek in vollkommen gängigen Sätzen aber für eine
„männliche erwachsene Person“
 aus dem modernen Gebrauch verschwindet das referentielle čovjek mit
der Bedeutung „Ehemann“
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Un-/Bestimmtheit in südslawischen Sprachen
 Unbestimmtheit und Bestimmtheit werden im Deutschen, Englischen,
Französischen und vielen anderen Sprachen durch den Artikel
ausgedrückt.
 Die Mehrheit der slawischen Sprachen verfügt über keinen Artikel.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Un-/Bestimmtheit in südslawischen Sprachen
Ausnahme:
 Das Bulgarische und Mazedonische haben aber einen bestimmten
Artikel entwickelt
 stammt von Demonstrativpronomen
 wird dem Substantiv nachgestellt bzw. als Morphem an das Substantiv
angehängt
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Un-/Bestimmtheit in südslawischen Sprachen
Zur Kennzeichnung der Unbestimmtheit hingegen verfügen diese
Sprachen über keinen Artikel.
Allerdings:
 Tendenz, das Äquvalent der Kardinalzahl eins immer mehr zu verwenden
 in Positionen, die für den unbestimmten Artikel im Deutsch, etc. typisch sind
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Un-/Bestimmtheit in südslawischen Sprachen
B/K/S
Unbestimmtheit und Bestimmtheit werden durch kurze und lange Endungen
ausgedrückt.
(stammt aus dem Urslawischen)
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Ausdruck der Un-/Bestimmtheit in südslawischen Sprachen
 in der Sprachpraxis Tendenz, Unterschied der zwei Adjektivflexionen nur
im Nominativ Maskulinum Singular beizubehalten
 in anderen Fällen und Geschlechtern Tendenz, lange Endungen zu
verwenden, ohne Rücksicht auf Bestimmtheit und Unbestimmtheit
 Norm in Jugoslawien hat diesen Zustand anerkannt
 Norm in Kroatien will Impuls zum Gebrauch der kurzen Endungen zu
geben
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 belebte maskuline Nomina in allen slawischen Sprachen: selbe Endung
wie im Genitiv Singular
 phonologische Veränderungen im Urslawischen führten zum
Synkretismus zwischen Nominativ und Akkusativ
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 dieser Synkretismus, d.h. Verwendung der selben Endung im Nom. und
im Akk. bedeutete Erschwernis in der Kommunikation – Subjekt
unterscheidet sich nicht von Objekt
 Solchen Sätzen können zwei verschiedene Bedeutungen zugeschrieben
werden, je nachdem, welches Nomen als „agens“ (lat. das Tuende)
verstanden wird.
 Vor allem, wenn beide Nomina Lebewesen, insbes. Personen, sind.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 Diese Zweideutigkeit wurde durch Gebrauch der Genitivform als
Akkusativ beseitigt.
 Wiederherstellung der Unterscheidung zwischen Nom. und Akk. ging
also auf Kosten der Unterscheidung von Gen. und Akk. und
 führte zu neuem Synkretismus zwischen Gen. und Akk.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 Veränderung umfasste zuerst maskuline Nomina als
Personenbezeichnungen und
 weitete sich dann auf alle maskulinen Nomina aus, die etwas
Belebtes bezeichnen
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 heutige slawische Sprachen: ungleichmäßige Verbreitung dieses
Synkretismus:
 in manchen auf mask. Sg. beschränkt
 in anderen auch bei übrigen Geschlechtern und Numeri
 in einigen Sprachen Tendenz, Synkretismus auch auf maskuline
Nomina auszuweiten, die nichts Belebtes bezeichnen (zB Ukrainisch,
Weißrussisch, Polnisch, Slowakisch)
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 im B/K/S: Tendenz, Genitivform für den Akkusativ des Unbelebten
auch am Relativpronomen (koji, etc.; welcher/der, etc.) zu verwenden
 stark ausgeprägte Abweichung von der Norm
 Relativpronomen nimmt Genitivform auch dann ein, wenn es bei
Substantiven völlig ausgeschlossen ist  Neutrum Akkusativ
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 Slawische Sprachen unterscheiden sich in Bezug darauf voneinander,
ob possessiver Genitiv des Relativpronomens vor oder nach dem
Nomen auftritt.
 B/K/S, Slowenisch, Polnisch: bewahren ursprüngliche Wortfolge mit
Relativpronomen vor dem Nomen
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Neuer Synkretismus
zwischen Genitiv und Akkusativ im B/K/S
 gegenwärtiger Sprachgebrauch im B/K/Sen zeigt allerdings Tendenz
zur umgekehrten Wortfolge
 und geht somit zur anderen Gruppe der slavischen Sprachen über
(Bulgarisch, Mazedonisch, Russisch, Weißrussusch, Ukrainisch)
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in Phonetik, Phonologie
1. Fast alle slawischen und die Mehrheit der nicht-slawischen Sprachen
in Europa verfügen über nur einen Akzent.
Dagegen 4 Akzente im B/K/S und zusätzlich eine unbetonte Länge.
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in Phonetik, Phonologie
In der Praxis aber mehr oder weniger phonologisch überflüssig:
 Unterschied zwischen kurzen Akzenten nicht bemerkbar
 dasselbe gilt für die unbetonte Länge
 B/K/S-Akzentsystem vereinfacht sich offensichtlich
 seitens der Norm aber nicht anerkannt
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in Phonetik, Phonologie
2. Unterschiede von č und ć und đ und dž
 während im Russischen nur ein Phonem
 im B/K/Sen zwei solche Phoneme, die sich in ihrer Härte voneinander
unterscheiden
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in Phonetik, Phonologie
 in der Sprachpraxis wird aber eigentlich nicht zwischen den jeweils
zwei Phonemen unterschieden und
 die Mehrheit der Sprecher kann diesen Unterschied nicht
aussprechen bzw. dann in der geschriebener Sprache wiedergeben
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Veränderungen in Phonetik, Phonologie
 in der Sprachpraxis wird aber eigentlich nicht zwischen den jeweils
zwei Phonemen unterschieden und
 die Mehrheit der Sprecher kann diesen Unterschied nicht
aussprechen bzw. dann in der geschriebener Sprache wiedergeben
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Europäisierung südslawischer Sprachen
Quellennachweis
Snježana Kordić (2000), Aktuelle Europäisierung südslavischer
Sprachen, in: Zeitschrift für Balkanologie 36/1, S. 167-177
71
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