Realismus - Prof. Dr. Dr. hc Reinhard Meyers

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Theoretische Grundlagen
einer Wissenschaft
von den Internationalen
Beziehungen
Lebenslauf – Kurzfassung
Reinhard Meyers, Jahrgang 1947, studierte
Politikwissenschaft, Anglistik, und Geschichte an der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität 1966 – 1970 mit
dem Abschluß Magister Artium. Forschungsstipendiat der
Wiener Library, London, an der Graduate School of
Contemporary European Studies, University of Reading
1970 – 1972 mit dem Abschluß Master of Philosophy.
Wissenschaftlicher Assistent bei Hans-Adolf Jacobsen und KarlDietrich Bracher am Seminar für Politikwissenschaft der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität 1972 – 1984. Promotion
zum Dr.phil. 1974; Habilitation im Fach Politikwissenschaft 1986;
seit 1987 Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der
Westfälischen Wilhelms - Universität.
Die Forschungsinteressen galten ursprünglich der
Geschichte der internationalen Beziehungen und der
Sicherheitspolitik im 20. Jahrhundert; daneben trat aber
schon vor der Habilitation die Wissenschaftsgeschichte
der Lehre von den Internationalen Beziehungen sowie
deren Epistemologie, Methodologie und Theorie. Seit
den achtziger Jahren wird dieser Schwerpunkt ergänzt
durch Arbeiten zur Friedens- und Konfliktforschung, seit
den neunziger Jahren auch zur Europapolitik.
Seit 1991 mehrfach Prodekan und Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität, Oktober 1997
Ehrendoktor der Fakultät für Europastudien der Babes-Bolyai Universität
Klausenburg; Mai 2007 Ehrendoktor der Universität Novi Sad. Mitgründer
und seit 1993 Mitherausgeber der Zeitschrift für Internationale
Beziehungen. Programmbeauftragter für die internationalen
Doppeldiplomstudiengänge mit dem IEP Lille, der BBU Klausenburg (RO)
und der Universiteit Twente (NL) 1997 – 2008.
Hobbies: Industriearchäologie des Transportwesens, italienische Küche
Inhalt:
1) Was sind und warum beschäftigen
wir uns mit Theorien ?
2) Großtheorien der Internationalen
Beziehungen - ein Überblick
3) Konsequenzen unterschiedlicher
Großtheorien: Verschiedenheit der
wissenschaftlichen Weltsichten
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Website
http://reinhardmeyers.uni-muenster.de
 Dort finden Sie auch weitere Materialien zu
meinen Seminaren zu den Internationalen
Beziehungen und zur Friedens- und
Konfliktforschung
http://reinhardmeyers.uni-muenster.de/aktuelles.html
Literaturtip
• Siegfried Schieder/Manuela Spindler (Hrsg.):
Theorien der Internationalen Beziehungen. 2. Aufl.
Opladen 2006 [UTB 2315]
• Gert Krell: Weltbilder und Weltordnung. Einführung
in die Theorie der internationalen Beziehungen. 4.,
überarb. Aufl. Baden-Baden 2009 [Nomos
Studienkurs Politikwissenschaft]
• Robert Jackson/Georg Sorensen: Introduction to
International Relations. Theories and approaches.
3rd ed. Oxford 2007
Für ganz Eilige…
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Reinhard Meyers, Artikel:
- Theorien der internationalen Beziehungen
- Kooperationstheorien
- Theorien internationaler Verflechtung und
Integration
• alle in: Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch
Internationale Politik. 11. Aufl., Opladen 2008
[UTB 702; auch Bundeszentrale f. polit. Bildung]
Was sind und warum beschäftigen wir
uns mit Theorien ?
WISSENSCHAFT
System von möglichst
allgemeinen Aussagen über die
Wirklichkeit, die systematisch
geordnet und intersubjektiv
überprüfbar sind !
Ziel der
Wissenschaft
ist es, auf
Grund dieser
Aussagen:
 Prognosen über zukünftige
Ereignisse zu erstellen
 Konkrete Handlungsoptionen aus
einer Menge von Optionen
auszuwählen und
 das diese Handlungsoptionen in die
Praxis umsetzende Handeln zu
legitimieren.
Prämisse
Gesellschaftliches, politisches und auch wissenschaftliches Handeln ist nicht unmittelbar als Reflex
auf die reale Situation zu verstehen, auf die sich
dieses Handeln bezieht.
Vielmehr wird es gesteuert durch die Perzeption einer
realen Situation und durch die Interpretation, d.h.
durch das Bild, das wir uns von der Handlungssituation machen - unabhängig davon, ob die
Handlungssituation tatsächlich so beschaffen ist,
wie wir sie sehen und interpretieren (ThomasTheorem).
Keine Erkenntnis ohne Vorbedingungen
Das Bild der politischen Realität wird nicht durch
Informationen und Erfahrungen geprägt, die
unmittelbar aus politischen Ereignissen, Krisen und
Konflikten stammen.
Sie werden vielmehr vermittelt - gleichsam gefiltert durch politische und gesellschaftliche Interessen,
(Alltags-)Erfahrungen und Traditionen, denen das
realitätswahrnehmende Subjekt im Prozeß seiner
politischen Sozialisation ausgesetzt ist.
Kognitive Schemata
In diesem Prozeß bilden sich Schablonen, Muster,
Glaubenssätze, Verhaltensmaßstäbe, Urteile und
Vor-Urteile - kognitive Schemata - die die Auswahl
aktueller Informationen steuern und ihre Deutung
und Bewertung bestimmen.
Die Bedeutung dieser Schemata erhellt nicht zuletzt
aus dem Umstand, daß der Mensch tagtäglich einer
derart großen Menge an Informationen aus und über
seine Umwelt ausgesetzt ist, daß sein Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsvermögen
binnen kurzem durch "information overload"
blockiert würde, besäße er nicht die Möglichkeit,
unter Rekurs auf kognitive Schemata
# die potentiell unendliche Informationsmenge zu
begrenzen,
# aus ihr auszuwählen und
# das Ausgewählte nach bestimmten Bezugsmustern zu ordnen.
Verschiedenheit der Weltsichten
Ganz besondere Bedeutung haben solche Muster und
Schemata in Lebensbereichen, die wie die internationalen
Beziehungen der unmittelbaren, alltäglichen Erfahrung des
Individuums entzogen sind. Die Vorstellungen des Menschen
über die politischen Ziele und Verhaltensweisen anderer
Staaten bilden sich nach den in seinem Kopf vorhandenen, im
Umgang mit gesellschaftlicher und politischer Realität
erworbenen Wahrnehmungs- und Interpretationsmustern.
Diese sind nicht für alle Menschen gleich, sondern je nach
Qualität, Inhalt und Intensität der politischen Sozialisation des
Individuums verschieden.
Die Verschiedenheit der kognitiven Schemata und der von
ihnen gesteuerten Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsprozesse bedingt auch eine Verschiedenheit der
individuellen Weltsichten. Allerdings läßt sich diese durch
Konsensbildung - durch die Verabredung mehrerer Individuen
dazu, Phänomene einheitlich zu bewerten und zu interpretieren
- teilweise überbrücken und in einer verabredeten gemeinsamen Weltsicht aufheben.
Wissenschaftliche Erkenntnis und
Theoriebildung
In stärker
• abstrahierend-kategorisierender,
• logisch-formalisierter und insbesondere
• an das Kriterium der Nachprüfbarkeit von
Aussagen gebundener Form
liegt dieser Konsensbildungs - Prozeß auch
der wissenschaftlichen Erkenntnis, vor allem
aber auch dem Prozeß der
wissenschaftlichen Theoriebildung
zugrunde.
• [ communis opinio doctorum ]
Was ist eine Theorie ?
Theorie ist “…das Netz das wir auswerfen, um
die Welt einzufangen – um sie zu rationalisieren, zu erklären und zu beherrschen."
Karl Popper. Logik der Forschung, 1935: p.26
The Logic of Scientific Discovery, London:
Hutchinson, 1959.
Theorie: Funktionen
Eine gute Theorie sollte die folgenden Funktionen erfüllen:
• Beschreibung, Erklärung, Vorhersage von Phänomenen –
positive/positivistische Idee der Theoriebildung
• Verifizierung oder (besser) Falsifizierung von (Beobachtungs)
Aussagen (Popper) – durch Konfrontation unseres
gesammelten Wissens mit der “Wirklichkeit” – kritischrationalistische Idee der Theoriebildung
• “No matter how many instances of white swans we may have
observed, this does not justify the conclusion that all swans
are white”.
• Karl Popper, The Logic of Scientific Discovery, op. cit.
• in sich konsistent, geschlossen und konkludent sein
Theorieelemente und Theoriefunktionen
1. Darstellungsmittel
(ontologische Theorie)
1. Begriff => Konstrukt =>
Idealtyp => Typologie
Feststellung dessen
„was eigentlich ist“
2. Begriffsschema
(„conceptual framework“)
=> Vortheorie („pre-theory“)
=> Untersuchungsansatz
(„approach“)
3. Vermutung =>
Hypothese => Gesetz
4. Axiom =>
Proposition/Theorem/Lehrsatz
5. Modell => wissenschaftliches
Weltbild => Paradigma oder
Großtheorie
2. Erklärungsmittel
(explanative Theorie)
THEO RIE
Feststellung der Gründe:
„Warum ist das eingetreten
was jetzt der Fall ist ?“
3. Rechtfertigungsmittel
(validierende Theorie)
Feststellung der Angemessenheit der
Erklärung:
„Warum gilt die Erklärung dessen, was
jetzt der Fall ist ?“
Theoriefunktionen
1. Darstellungsmittel
(ontologische Theorie)
Feststellung dessen
„was eigentlich ist“
2. Erklärungsmittel
(explanative Theorie)
Feststellung der Gründe:
„Warum ist das eingetreten
was jetzt der Fall ist ?“
3. Rechtfertigungsmittel
(validierende Theorie)
Feststellung der Angemessenheit der
Erklärung:
„Warum gilt die Erklärung dessen, was
jetzt der Fall ist ?“
Theorien - Definitionsversuch
Theorien
sind ganze Systeme von relativ allgemeinen wissenschaftlichen Sätzen
(miteinander verbundene Wenn – Dann - Aussagen), die einen
bestimmten Ausschnitt der Realität widerspruchsfrei erklären sollen.
Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Allgemeinheit erscheint es
fraglich, ob es in der Sozialwissenschaft überhaupt (noch bzw. schon)
echte Theorien gibt. Momentan wird die Forschung klar von den
Theorien mittlerer Reichweite, die sich nur auf bestimmte soziale
Phänomene in bestimmten Gesellschaften beziehen, dominiert.
Literaturtip
• Johann August Schülein/Simon Reitze: Wissenschaftstheorie für Einsteiger. Wien 2002 [UTB 2351]
• Bruno Heller: Wie entsteht Wissen. Eine Reise durch
die Wissenschaftsatheorie. Darmstadt 2005 [wbg]
• John Ziman: Wie zuverlässig ist wissenschaftliche
Erkenntnis ? Braunschweig 1982
• Robert C. Bishop: The Philosophy of the Social
Sciences. An Introduction. London 2007
Grosstheorien der Internationalen
Beziehungen – ein Überblick
Einführender Überblick
Die wissenschaftstheoretische Grundtriade
ERKENNTNISINTERESSE
FRAGESTELLUNG
SICHT bzw. DEFINITION DES
(ERKENNTNIS-)GEGENSTANDES
Einführender Überblick
• Jürgen
Habermas: Erkenntnis
und Interesse. Jüngste Aufl.
Frankfurt/Main: Suhrkamp 2001
• John
Ziman: Wie zuverlässig ist
wissenschaftliche Erkenntnis?
Braunschweig 1982
• Heinrich
Schmidt/Georgi
Schischkoff (Hrsg.):
Philosophisches Wörterbuch.
Jüngste Aufl. Stuttgart: Kröner
1991
Die wissenschaftstheoretische Grundtriade
Theoretische Weltsicht
FRAGESTELLUNG
SICHT bzw. DEFINITION DES
(ERKENNTNIS-)GEGENSTANDES
Großtheorien internationaler
Beziehungen
Die Entwicklung der Lehre von den Internationalen Beziehungen
hat - in Reaktion auf außerwissenschaftliche, politischgesellschaftliche Krisenphänomene - eine Reihe
unterschiedlicher Großtheorien internationaler Beziehungen
gezeitigt, die die Phänomene der internationalen Politik
mit je unterschiedlichem Erkenntnisinteresse
und davon abhängiger Fragestellung
auf der Grundlage je verschiedener anthropologischer, ethischnormativer und methodischer Vorverständnisse
zu erfassen suchen.
Diese Großtheorien differieren im Blick auf ihre ontologischen,
d.h. die Natur des Erkenntnisgegenstandes betreffenden
Grundannahmen:
Grosstheorien internationaler
Beziehungen (II)
sie formulieren unterschiedliche Prämissen und
Annahmen
•
über die Beschaffenheit, Qualität und Struktur
des internationalen Milieus, d.h. des
Handlungs(um)feldes internationaler Akteure;
•
über Beschaffenheit, Qualität und Charakter der
in diesem Handlungs(um)feld (überwiegend)
handelnden Einheiten, d.h. der internationalen
Akteure selbst;
•
über die von diesen verfolgten Interessen und
Ziele sowie über die
Mittel, die zur Verwirklichung dieser Interessen und
Ziele gemeinhin eingesetzt werden.
Theorienkonkurrenz, nicht
Theorienwechsel
Jede Großtheorie zeichnet ein für sie charakteristisches
Weltbild internationaler Beziehungen; Großtheorien und
wissenschaftliche Weltbilder konkurrieren miteinander, ohne
daß letztlich entschieden werden kann, welche dieser
Großtheorien und Weltbilder die (einzig) richtige Deutung der
internationalen Wirklichkeit darstellt.
Denn dazu würde die Wissenschaft einen archimedischen
Punkt über und außerhalb der Konkurrenz ihrer Großtheorien oder gleichsam eine Meta-Großtheorie - benötigen, die es
erlaubte, Kriterien für die Wahrheit oder Falschheit jener
Prämissen zu etablieren, auf die die einzelnen Großtheorien
ihre Aussagen zurückführen.
Ein solcher archimedischer Punkt ist gegenwärtig nicht in
Sicht!
Über die Disparität bzw. Pluralität
internationaler Theorieansätze: Gründe
1) Ergebnis kumulativer Theoriebildung und zunehmender
Professionalisierung des Faches IB
2) Kaum mehr überschaubare Adaption von Erkenntnissen aus
verwandten & benachbarten sozialwiss. Fächern – IB als
Integrationswissenschaft
3) Enges Wechselverhältnis der IB zu ihrem realhistorischen und
gesellschaftspolitischen Kontext – IB als Krisenwissenschaft,
IB als weltpolitische Ordnungswissenschaft
Konsequenz: a) mangelnder Konsens über die angemessene
begriffliche und theoretische Fassung des Erkenntnisgegenstandes und der dem Gegenstand adäquaten Methoden
b) ein durch realpolit. Veränderungen angestossener Wandel
des Forschungsgegenstands geht immer mit einer Anpassung
des theoretisch-konzeptionellen Instrumentariums der Disziplin
einher
GROßTHEORIEN INTERNATIONALER BEZIEHUNGEN I
Großtheorie
Akteur
Milieu
Strukturprinzip
Staatenwelt als
anarchischer (Natur-)
Zustand
vertikale
Segmentierung,
unlimitiertes
Nullsummenspiel um
Macht, Einfluss,
Ressourcen
Staatenwelt als
rechtlich verfasste
internationale
Staatengesellschaft
vertikale
Segmentierung,
durch Norm und
Übereinkunft
geregeltes
Nullsummenspiel
Weltgesellschaft als
internationale
Gesellschaft der
Individuen
universalistische
Verfassung
Realismus
Englische
Schule
Idealismus
Nationalstaat
Individuum
GROßTHEORIEN INTERNATIONALER BEZIEHUNGEN II
Großtheorie
Akteur
Milieu
Strukturprinzip
Interdependenzorientierter
Globalismus
individuelle oder
gesellschaftliche Akteure
transnationale
Gesellschaft
funktionale,
grenzübergreifende
Vernetzung
Imperialismustheorien
individuelle oder
gesellschaftliche Akteure,
die Klasseninteressen
vertreten
internationale
Klassengesellschaft
gesellschaftlich:
horizontale
grenzübergreifende
Schichtung;
(macht-)politisch:
vertikale Segmentierung
der imperialistischen
Konkurrenten
Dependenzorientier
ter Globalismus:
Dependenztheorien
und Theorien des
kapitalistischen
Weltsystems
gesellschaftliche und
nationalstaatliche
Akteure, die
Klasseninteressen
vertreten
kapitalistisches
Weltsystem als
Schichtungssystem von
Metropolen und
Peripherien
horizontale Schichtung
nationaler Akteure im
Weltsystem; strukturelle
Abhängigkeit der
Peripherien von den
Metropolen; strukturelle
Heterogenität der
Peripherien
Perspektivische Konsequenzen unterschiedlicher IB-Theorien
Realismus
Pluralismus
Strukturalismus
Hauptakteure
Staaten
Staaten und
nichtstaatliche
gesellschaftliche Akteure
gesellschaftliche und
nationalstaatliche
Akteure, die
Klasseninteressen
vertreten
Kernfragen und
Hauptprobleme
Internationale Anarchie;
Sicherheitsdilemma;
Machtstreben
Transnationalismus und
Interdependenz, aber
keine klaren Problemhierarchien zwischen
Sachgebieten
Ausbeutung,
Imperialismus,
(Entwicklung der)
Unterentwicklung in
Zentrums-PeripherieRelationen
Hauptprozesse
Streben nach militärischer
und/ oder ökonomischer
Sicherheit; Balance of
Power
Bargaining;
Management von
Problemkomplexen;
Veränderung der
Wertehierarchien
Streben nach
ökonomischer
Dominanz
Hauptergebnisse
Krieg oder (negativer)
Frieden
Erfolgreiches
Management komplexer
Interdependenz
Spaltung der
Weltgesellschaft
zwischen Zentrum und
Peripherie;
kontinuierliche
Ausbeutung der (armen)
Peripherie durch das
(reiche) Zentrum
Perspektivische Konsequenzen unterschiedl. Integrationstheorien
Modell
Akteure
Strukturen
Hypothesen
EU als Reflex auf
Probleme
Regierungen,
Bürokratien
Politikfelder,
Problembereiche
Spillover
Effekte
EU als RegierungsTätigkeit
dito
Polity auf mehreren
Ebenen
(gutes)
Regieren
Liberaler Intergouvernementalismus
EU als VerhandlungsSystem
nat. Regierungen im
Interesse innenpol.
Akteure
Mehrebenensystem,
Verhandlungen zw.
Regierungen
Verhandlungs
Ergebnisse auf
Basis nat.
Präferenzen
(Neo-)
Realismus
EU als Instrument der
Machtbalance
nat. Regierungen
anarchisches
Staatensystem
EU Reaktion
auf
Sicherheitsproblem
EU als Regime
Regierungen, EUOrgane
Staatensystem mit
institutiona-lisierter
Kooperation
Lerneffekte,
Pfadabhängig
keiten
Rational Choice/
Polit. Ökonomie
EU
als EntscheidungsSystem
jeweils unterschiedll:
Regierungen, Interessengruppen,
Wähler
Nutzenmaximierung
bedingt durch
Institutionen
Einfluss von
Institutionen,
Aggregation
von
Präferenzen
Konstruktivismus/
Reflektivismus
EU als ideelle
Wirkungseinheit
Regierungen,
EU selbst, nichtIntentional
Identitätsbildung,
Wirkung von Ideen
EU-Institutionen
verändern nat.
Präferenzen
(Neo-)Funktionalismus
Multiebenenansatz/
Governance
(Neo-) Institutionalismus
Friedensschaffende Leitprinzipien klassischer Großtheorien:
REALISMU
S
Akteure
Nationalstaaten
Prozesse
Nullsummenspielartige Konkurrenz um Macht, Einfluss und
Ressourcen
Strukturprinzip
Sicherheitsdilemma
Milieu
Staatenwelt als internationaler anarchischer Naturzustand
Friedenskonzept
Sicherheit des Akteurs (als Voraussetzung seines Überlebens)
(Erklärungs-)
Ansatzebene
(außengerichtetes) Aktions-/Interaktionsverhalten der Akteure („unitlevel-explanation“)
Mittel
Machtakkumulation, (gewaltsame) Selbsthilfe zur Durchsetzung von
Eigeninteressen, Abschreckung, Gleichgewichtspolitik
Schlagwort
Abschreckungsfrieden unter Anarchie
RATIONALISMU
S
Akteure
Nationalstaaten
Prozesse
Konflikt und Kooperation im Rahmen gemeinschaftlich anerkannter Verhaltensregeln
und (informeller wie formeller) Institutionen
Strukturprinzip
Kontrolle des Machtstrebens und der Machtausübung der Akteure
in der internationalen
Anarchie
Milieu
Friedenskonzep
t
(Erklärungs-)
Ansatzebene
Mittel
Schlagwort
Staatenwelt als rechtlich verfasste internationale Staatengesellschaft
Garantie der Erwartungsverlässlichkeit des
Akteurshandelns in der internationalen (Rechts-) Ordnung
(„pacta sunt servanda“)
Vergesellschaftung/ Systembildung der Akteure; Phänomen der „governance without
government“
Ausbildung eines Konsenses der Akteure über gemeinschaftliche Interessen,
(Selbstbindende Verhaltens-) Regeln und Institutionen; insbes. Anerkennung/
Befolgung von Verhaltensregeln, die die Gewaltausübung in der Staatengesellschaft
einhegen, beschränken, reduzieren
(Rechts-)Ordnungsfrieden unter regulierter Anarchie
LIBERALER
INTERNATIONA
-LISMUS
Akteure
individuelle, gesellschaftliche, nationalstaatliche Akteure
Prozesse
internationale Arbeitsteilung und funktionale Vernetzung als Ergebnis wie als
Voraussetzung wissenschaftlicher, technischer, ökonomischer und politischer
Modernisierung
Strukturprinzip
Kooperation und Interdependenz
Milieu
Staaten- und Gesellschaftswelt als Friedensgemeinschaft liberaler Demokratien
Friedenskonzept
Fortschreitende Verwirklichung von Freiheit, Gerechtigkeit, Wohlfahrt als
menschliche Existenzbedingungen plus Intensivierung der internationalen
Kooperation plus Förderung der Modernisierung als Bedingung moralischer
Perfektibilität wie zunehmender Wohlfahrt der Menschheit
(Erklärungs-)
Ansatzebene
Politische/ sozioökonomische Binnenstruktur der Akteure („inside-out-explanation“)
Mittel
Freihandel, Förderung der internationalen Organisation und kollektiven Sicherheit,
Demokratisierung der Akteure im Lichte von Rechtsstaatlichkeit und
Menschenrechtsverwirklichung, Aufklärung über gemeinsame (Menschheits-)
Interessen und Erziehung zu kompromißhafter, interessenausgleichender
Konfliktbearbeitung
Schlagwort
Demokratischer Frieden unter Kooperation
Das methodologisch-ontologische Bezugsfeld
Billard-Ball-Modell internationaler Politik
NEOREALISMUS
REALISMUS
TRADITIONALISMUS
SZIENTISMUS
qualitativ, historischhermeneutisch
quantitativ, empirischnomologisch
IDEALISMUS
GLOBALISMUS , REGIME-ANSÄTZE
Spinnweb-Modell internationaler Politik
Das Billard-Ball-Modell Internationaler Politik
Zugkräfte
Druckkräfte
Spinnweb-Modell internationaler Beziehungen
Praktischer Hinweis für IT-Theoretiker
Kaffeepause
Literaturtipp
Klassiker der Internationalen Beziehungen
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Adda B.Bozeman : Politics and Culture in International History. From the Ancient Near East to the
Opening of the Modern Age. 2.Aufl. New Brunswick: Transaction Publishers 1994
Hedley Bull: The Anarchical Society. A Study of Order in World Politics. 3. Aufl.Basingstoke:
Palgrave Macmillan 2002
Edward Hallett Carr: The Twenty Years’ Crisis 1919 – 1939. An Introduction to the Study of
International Relations. 2.Aufl. London: Macmillan 1974
Barry Buzan/Richard Little: International Systems in World History. Remaking the Study of
International Relations. Oxford: Oxford University Press 2000
Ernst-Otto Czempiel : Kluge Macht. Außenpolitik für das 21. Jahrhundert. München: C.H.Beck 1999
F.H.Hinsley: Power and the Pursuit of Peace. Theory and Practice in the History of Relations
between States. Cambridge: Cambridge U.P. 1967
Karl Kaiser/Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Weltpolitik im neuen Jahrhundert. Baden-Baden: Nomos
2000
Werner Link: Die Neuordnung der Weltpolitik. Grundprobleme globaler Politik an der Schwelle zum
21. Jahrhundert. München: C.H.Beck 1998
Hans J. Morgenthau: Politics Among Nations. New York:Alfred A.Knopf 1960
Edward L.Morse: Modernization and the Transformation of International Relations. New York: Free
Press 1976
Kenneth N. Waltz: Man, the state and war. A theoretical analysis. New York: Columbia UP 1959
Adam Watson: The Evolution of International Society. A comparative historical analysis. London:
Routledge 1992
Martin Wight: International Theory. The three traditions, ed. Gabriele Wight & Brian Porter.
Leicester: Leicester U.P. 1991
Literaturtipp
Biographische Extras:
Kenneth W. Thompson (ed.): Masters of International Thought.
Major Twentieth-Century Theorists and the World Crisis. Baton
Rouge: Louisiana State UP 1980
Iver B.Neumann/Ole Waever (eds.): The Future of International
Relations. Masters in the Making ? London: Routledge 1997
Literaturtipp
Einführungen, Übersichten, Kritik der IB-Theorie
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Dario Battistella: Théories des Relations Internationales. Paris : Presses de Sciences Po
2003
Scott Burchill/Andrew Linklater (eds.): Theories of International Relations. Basingstoke:
3rd ed. Basingstoke: Palgrave/Macmillan 2005
James E.Dougherty/Robert L.Pfaltzgraff, Jr.: Contending Theories of International
Relations. A comprehensive survey. 5th ed. New York: Longman 2001
Jim George: Discourses of Global Politics: A critical (re)introduction to International
Relations. Boulder, Colorado: Lynne Rienner Publ. 1994
Martin Hollis/Steve Smith: Explaining and Understanding International Relations. Oxford:
Clarendon Press 1990
Charles W.Kegley, Jr. (ed.): Controversies in International Relations Theory. Realism and
the Neoliberal Challenge. New York: St. Martin’s Press 1996
Gert Krell: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der internationalen
Beziehungen. 4.Aufl. Baden-Baden: Nomos 2009
Siegfried Schieder/Manuela Spindler (eds.): Theorien der Internationalen Beziehungen.
Opladen: 2.Aufl. Leske & Budrich 2006
Steve Smith/Ken Booth/Marysia Zalewski (eds.): International theory: Positivism and
beyond. Cambridge: Cambridge U.P. 1996
Cynthia Weber: International Relations Theory. A critical Introduction. London:
Routledge 2001
Ngaire Woods (ed.): Explaining International Relations Since 1945. Oxford: Oxford U.P.
1996
Nützliche Website
• http://www.oup.com/uk/orc/bin/9780199
271184/01student/zcases/
• zu John Baylis & Steve Smith (eds.), The
Globalization of World Politics, 3.Aufl. Oxford 2005
• The 1999 Kosovo Crisis
• The Gulf War 1990 – 1991
• The Iraq War 2003
• Jeweils aus der Sicht von:
• # Realist, # Liberal, # Marxist & Radical,# Alternative
Theories
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