Weltfriedenstag im Zeichen der Wahlen in Sierra Leone

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Peaceful 2012 Elections
Yes We Can!
Weltfriedenstag im Zeichen der Wahlen in Sierra Leone
Anlässlich der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im November dieses
Jahres wecken die Erinnerungen an den vor 11 Jahren beendeten Krieg alte
Ängste in Sierra Leone. Leider sind die Ängste aktuell begründet: schon über
ein Jahr vor der Wahl kam es bei Zusammenstößen der Anhänger
verschiedener Parteien zu Todesopfern. Der Wahlkampf dominiert inzwischen
nicht nur das öffentliche, sondern auch das private Leben mit Spannungen.
Ethnische und regionale Zugehörigkeit werden instrumentalisiert, gegenseitiges
Misstrauen und Unterstellungen nehmen zu.
Der Zivile Friedensdienst (ZFD) griff den Wunsch nach friedlichen Wahlen als
ZFD-Sticker mit Friedensbotschaft
zur Kampagne
Thema des diesjährigen Weltfriedenstags am 21. September auf. In Sierra
Leone wird dieser Tag traditionell von den 19 lokalen Partnerorganisationen
des ZFD von AGEH und EED gemeinsam gefeiert. In diesem Jahr rief der ZFD
zu einem landesweiten Lieder- und Theaterwettbewerb auf, um zum Austausch
über die Ursachen von Gefahren rund um die Wahl, sowie über Strategien für eine friedliche Wahl, anzustoßen.
Zum Thema
Peaceful 2012 Elections
entwickelten ca. 250 Gruppen und
Individuen Theaterstücke oder Lieder. Unterhaltung durch Lieder und Theater
wird in Sierra Leone begeistert aufgenommen und bietet daher eine ideale
Möglichkeit, die einfache Bevölkerung zu erreichen. Schon die Entwicklung der
Stücke in den Gruppen trug zu größerem Bewusstsein für Verhalten bei, das zu
friedlichen Wahlen oder eben der Eskalation der Gewalt führt. Viele Gruppen
zeigen ihre Lieder und Theaterstücke nicht nur beim ZFD-Wettbewerb, sondern
führen sie zusätzlich auch in Schulen, in Kirchen oder auf Gemeindeplätzen auf.
Tamemsu Productions riefen mit
der Flagge verkleidet als 'Mama
Salone'* zu Einigkeit der
verschiedenen ethnischen Gruppen
auf. * liebevoller Name für Sierra
Leone
Das beherrschende Thema der Stücke war der Missbrauch der Jugend durch
Politiker und Respektpersonen wie Chiefs: Diese kaufen sich in Sierra Leone
Wählerstimmen durch kleine Geschenke und große Versprechungen
und sie
kaufen sich die schlagkräftige Unterstützung von perspektivlosen Jugendlichen.
Aufgestachelt von den Reden der Politiker, aufgeputscht durch Alkohol und
Drogen, Geld und Versprechung, ausgestattet mit Knüppeln, Macheten, Benzin
und Streichhölzern ziehen diese Jugendlichen los. Sie schüchtern die
politischen Gegner und deren Anhänger ein
oder kämpfen gegen die ebenso
gekauften Unterstützer der anderen Partei. Nach den Unruhen wird dann die
Jugend verdammt und die Politiker distanzieren sich öffentlich. Viele
A-Z Entertainment zeigt eine Szene
ihres Stücks, in der an die
Verstümmelungen im Krieg erinnert
wird.
Theaterstücke machten diese Prozesse transparent und zeigten, wie
Jugendliche diesem Missbrauch widerstehen können.
In öffentlichen Shows in den vier Regionen wurden die Gewinner des
Wettbewerbs ermittelt. Gekrönt wurde die Kampagne von den Feierlichkeiten
zum Weltfriedenstag in der Hauptstadt Freetown. Hier forderten die regionalen
Gewinner mit ihren Stücken erneut Gewaltfreiheit und ein Ende der
Polarisierung vor hunderten begeisterten Zuschauern
unter anderem auch
Repräsentanten der Parteien, der Polizei und des Militärs. Deren Reaktion nach
der Show war eindeutig:
Wir haben verstanden .
Text/Fotos: Nadine Karmann, ZFD-Juniorfachkraft Sierra Leone
Im Publikum saßen Repräsentanten
von Polizei, Militär und UNIPSIL,
der UN-Mission, die als Sponsor
diese Show unterstützte.
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