Ketogene Diät bei Krebs, 23.12.12, Info - Prostatakrebs

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GfBK-Kurz-Info
Ketogene Diät
Stand: Juli 2012
Zweifelsohne hat unsere Ernährung Einfluss auf das Krebsgeschehen. Allerdings gehen die Meinungen über
die richtige Antikrebsdiät oft weit auseinander. In den letzten Jahren wurde eine proteinreiche Abwandlung
der ursprünglichen ketogenen Diät als angeblich wirksame und wissenschaftlich belegte Krebsdiät
propagiert. Bei genauer Sicht der epidemiologischen und ernährungswissenschaftlichen Studienlage scheint
jedoch Vorsicht geboten. Die These, eine „ketogene Diät“ könne den Tumor „aushungern“ und das
Überleben verlängern, ist wissenschaftlich nicht belegt. Im Labor werden Krebszellen bekanntlich nicht in
Zuckerwasser, sondern in Kälber- oder Rinderserum gezüchtet. Der hohe Anteil an tierischem Eiweiß in der
neuen ketogenen Diät dient Krebszellen als Brenn- und Baustoff, belastet den Stoffwechsel und wirkt
insulinogen. Das viele Fett nährt Adipozyten wie Krebszellen gleichermaßen und kann auf Dauer eine
Insulinresistenz fördern.
Die ketogene Diät geht davon aus, dass durch eine Ernährungsumstellung auf eine kohlenhydratarme und
fett- bzw. eiweißreiche Ernährung in Kombination mit hierfür speziell entwickelten Lebensmitteln das
Wachstum von aggressiven Krebszellen und Metastasen gehemmt werden kann.
Im Rahmen dieser Diät soll es vor allem wichtig sein, keine stark kohlehydrathaltigen Lebensmittel mit
sogenanntem hohem glykämischen Index zu verzehren. Dabei ist von großer Bedeutung, ob der Zucker im
Organismus langsam oder schnell verstoffwechselt wird. Der sogenannte glykämische Index misst, wie
schnell nach dem Verzehr eines Nahrungsmittels die Zuckerkonzentration im Blut ansteigt. Die glykämische
Last berücksichtigt zusätzlich wie das Verhältnis der Kohlenhydrate zu den anderen Bestandteilen in einem
Lebensmittel ist. Ein Beispiel: Der Blutzuckereffekt von 100 g Baguettebrot ist wegen seines sehr hohen
Kohlenhydrat-Gehalts trotz identischem glykämischen Index etwa 6 mal so groß wie der von 100 g
gekochten Möhren, d.h. man muss ungefähr 600 bis 700 g Möhren zu sich nehmen, um die Blutzuckerwirkung von 100g Baguette zu erreichen. Was jedoch kaum jemand weiß: 158 g Steak führen zu einer
wesentlich höheren Insulinaussschüttung als 200 g Pasta, während andererseits bei der ketogenen Diät
gerade die Pasta verboten und Schweinbraten empfohlen wird.
Zur Studienlage: Bisher gibt es zur Anwendung dieser Diätform nur einen Tierversuch sowie
Erfahrungsberichte und keine Ergebnisse veröffentlichter klinischer Studien. Es ist zwar erwiesen, dass
gerade Tumore in fortgeschrittenen Stadien einen bis zu 30-fachen Verbrauch an Zucker bzw. Glucose
haben. Und seit Warburg weiß man auch, dass Krebszellen Glucose häufig nicht zu Kohlenhydraten und
Wasser verbrennen können wie gesunde Zellen, sondern diese zu Milchsäure vergären. Laut neueren
Forschungsergebnissen soll dabei das Gen Transketolase-like-1 (TKTL1) eine entscheidende Rolle spielen.
Sind Krebszellen TKTL1-positiv, soll die Energiegewinnung vorwiegend durch Vergärung mit dem
Endprodukt Milchsäure stattfinden, das wiederum Wachstum und Metastasenbildung des Krebsgeschwürs
begünstigen soll (Möller,Coy / EHK 2009;58: 61-69).
Kritisch ist jedoch anzumerken, dass nicht eindeutig geklärt ist, wie weit der Blutzucker (Blutglucose) − oder
Insulinspiegel gesenkt werden muss, um wirklich erwünschte schädliche Wirkungen auf Krebszellen im
Organismus zu erreichen und ob die Tumorzellen nicht auch auf andere Energiequellen (Eiweiße, Fette,
Ketonkörper) umsteigen können, wenn nicht genügend Glucose mehr angeboten wird. Experten bemerken
außerdem, dass der Tumor auf einen Zuckerentzug mit der Überproduktion von Glukosetransportern
reagiert und sich dann auch bei niedrigen Blutzuckerspiegeln noch Brenn- und Baustoffe aus dem Blut holen
kann, Es ist deshalb davon auszugehen, dass eine Glukoseabsenkung unter normalen Bedingungen nicht
ausreicht, um die Glukoseversorgung von Krebszellen zu gefährden
Schwierig ist auch, dass sich nur wenige Ärzte oder Ernährungsberater wirklich fundiert mit dieser speziellen
Diät auskennen. Unser Rat ist daher: Lassen Sie sich nicht verunsichern und hinterfragen Sie den Sinn
einseitiger Ernährungsvorschläge genau. Besonders Krebspatienten, die an Auszehrung (Kachexie) leiden,
sollten auf gar keinen Fall diese Diät umsetzen, da die Erfahrung zeigt, dass die Dünnen noch mehr
abnehmen.Dass die ketogene Ernährung im Widerspruch zu ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen
steht, zeigt folgendes Beispiel: So haben die Menschen der Okinawa-Inseln in Japan die nachweislich
höchste Lebenserwartung und trotz deutlich höherer Lebenserwartung 80-90% weniger Herz-KreislaufErkrankungen, Brust- und Prostatakrebs. Die Ernährung der Menschen aus Okinawa (die sich pflanzen- und
kohlenhydrateich, kalorien-, fett- und eiweißarm ernähren) steht dabei im krassen Gegensatz zu den
genetisch verwandten kanadischen Inuits, die mit ihrer traditionellen Fett-Eiweiß-Kost die kürzeste
Lebenserwartung und die meisten Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aller Kanadier haben.
Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V., Zentrale Beratungsstelle, Voßstr. 3, 69115 Heidelberg
Tel.: 06221-13802-0
Fax: 06221-13802-20
www.biokrebs.de
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Ketogene Diät
Die in der ketogenenDiät empfohlene erhöhte Zufuhr an Fetten und Eiweißen ist übrigens nicht
unproblematisch: Denn tierisches Eiweiß in Form von Fleisch belastet im Übermaß durch Ammoniakbildung
im Darm die Leber und damit den Stoffwechsel. Die China Study, die bisher umfassendste Studie über
Ernährung, Lebensweise und Krankheit, bestätigt die Bedenken zum Verzehr tierischer Lebensmittel in einer
einzigartigen Deutlichkeit in über 100 Originalstudien. Colin Campbell leitete die China Study, an der zwei
westliche Universitäten sowie die Chinesische Akademie für Präventivmedizin beteiligt waren. Die als Buch
erschienene China Study belegt eindeutig, dass das Risiko, an Darm-, Brust- und Prostatakrebs oder an
einer Herzkrankheit zu erkranken, proportional mit dem Fleisch- und Milchkonsum steigt.
Nähere Informationen finden Sie unter www.thechinastudy.com.
Auch bei der Zufuhr von Fetten sollte man bedenken, dass allzu häufig tierische Fette mit
gesundheitsschädlichen Omega-6-Fettsäuren und nicht die hochwertigen Omega-3-Fettsäuren (wie sie in
Fisch, Fischöl, Leinöl und Rapsöl enthalten sind) verzehrt werden. Neue Ergebnisse der europäischen EPICStudie belegen ebenfalls die hohe Risikokorrelation zwischen Brustkrebs und Fettkonsum. So verdoppelte
ein hoher Fettkonsum (Gesamtfett) das Brustkrebsrisiko der deutschen EPIC-Teilnehmerinnen (Schulz et al.,
2008). Bei Französinnen führten insbesondere Transfettsäuren aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln
zu einem 75% höheren Brustkrebsrisiko (Chajès et al., 2008).
Zusammenfassend legt die wissenschaftliche Datenlage nahe, dass für unsere heutigen
Zivilisationskrankheiten eine abwechslungsreiche, pflanzliche Ernährungsweise die beste Medizin ist.
Daher empfehlen wir lieber ein ausgewogenes an einer vollwertigen Kost orientiertes Ernährungskonzept,
dass natürlich auf den einzelnen Menschen und seine Krankheitssituation abzustimmen ist. Wichtig ist, stark
kohlenhydrathaltige Speisen und Getränke mit hohem glykämischem Index zu meiden, ohne dass dafür
speziell entwickelte Lebensmittel zugeführt werden müssen. Vollkornprodukte, über die die Kohlenhydrate
über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden, sollten bevorzugt werden, und auch der regelmäßige
Verzehr von am besten leicht gedünstetem Gemüse sollte zum alltäglichen Speiseplan gehören. Denn die
Asiaten und Italiener essen neben Reis und Nudeln -die nach den Massgaben der ketogenen Diät eher nicht
verzehrt werden sollten- sehr viel Gemüse. Asiaten trinken zudem viel grünen Tee. Beides trägt neben
regelmäßiger körperlicher Betätigung und ausreichendem Schlaf zur Gesunderhaltung bei.
Im Gegensatz zu den Verfechtern der ketogenen Diät sind wir der Ansicht, dass es eher um die sorgfältige
und bewusste Auswahl und nicht um das Weglassen oder Überbetonen einzelner Nahrungsmittel geht.
Außerdem ist gerade bei Krebskranken eine differenzierte Vorgehensweise erforderlich, welche das
Tumorstadium, persönliche Verträglichkeiten sowie vor allem die individuelle Stoffwechselsituation
berücksichtigt.
Der World Cancer Research Fund (WCRF), der das globale Netzwerk von Anti-KrebsWohltätigkeitsorganisationen zur Vorbeugung und Therapie von Krebs koordiniert, und das American
Institute for Cancer Research (AICR) kommen 2007 in ihrem zweiten Review (537 Seiten) zu Ernährung,
Bewegung und Krebsvorbeugung zur folgenden abschließenden Empfehlungen:
— Seien Sie so schlank wie möglich innerhalb eines normalen Körpergewichts!
— Seien Sie täglich körperlich aktiv!
— Wählen Sie Essen mit niedriger Kaloriendichte! D. h. wenig Fett!
— Essen Sie überwiegend Pflanzenkost, davon mind. 600 g Gemüse (Kartoffel zählt hier nicht) und Obst
sowie 25 g Ballaststoffe aus Vollkornprodukten und anderen Ballaststoffquellen.
(Raffinierte Mehle und Zucker gelten nicht als Pflanzenkost). Essen Sie möglichst wenig verarbeitetes
Getreide und Leguminosen mit jeder Mahlzeit!
— Reduzieren Sie Fleisch auf max. 300 g pro Woche und vermeiden Sie komplett verarbeitetes Fleisch (z.
B. Wurstwaren).
Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V., Zentrale Beratungsstelle, Voßstr. 3, 69115 Heidelberg
Tel.: 06221-13802-0
Fax: 06221-13802-20
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