Weinbergsböden
in Rheinland-Pfalz
Steine. Böden. Terroir.
Impressum
Herausgeber:
Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz
Stiftsstraße 9, 55116 Mainz
poststelle@mwkel.rlp.de
www.mwkel.rlp.de
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz
Kaiser-Friedrich-Straße 1, 55116 Mainz
poststelle@mulewf.rlp.de
www.mulewf.rlp.de
Koordination und Redaktion:
Dr. J. Backes*, Dr. P. Böhm, H. Gröber**, J. Jung*, Dr. E.-D. Spies***
Layout, Grafik und Satz:
T. Wiesner***, unter Mitarbeit von R. Lang*** und C. Probst***
Druck:
NINO Druck GmbH, Neustadt an der Weinstraße
* Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland Pfalz
** Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz
*** Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz
1. Auflage, November 2013
Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des Nachdrucks und der Übersetzung sind
vorbehalten.
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit nunmehr zehn Jahren wird jeweils am internationalen Weltbodentag, dem 5. Dezember,
der Boden des Jahres für das darauffolgende Jahr vorgestellt. Rheinland-Pfalz hat als größtes
Weinbauland Deutschlands gerne die Schirmherrschaft für den „Weinbergsboden“ als ausgewählten Boden des Jahres 2014 übernommen.
Mit der Broschüre „Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz“ möchten wir die große Vielfalt der
Böden in unseren Weinbauregionen Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheinhessen und Pfalz vorstellen. Sechs der insgesamt dreizehn deutschen Weinanbaugebiete liegen in Rheinland-Pfalz
und prägen weite Teile unseres Landes.
Weinbau gibt es seit den Römern. Er hat zu einzigartigen Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz
geführt und ist heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Dazu trägt nicht nur der Weinbau direkt bei, der fast ein Drittel des landwirtschaftlichen Produktionswertes unseres Bundeslandes
ausmacht, sondern auch der Tourismus in Verbindung mit Wein, der immer beliebter wird.
Wir möchten mit dieser Broschüre und der begleitenden Ausstellung Interesse wecken, das
„Weinland Rheinland-Pfalz“ kennen zu lernen und auch den Weinfreund ansprechen, dem
Wein auf den Grund zu gehen. Es geht darum, die Vielfalt und Einzigartigkeit der Böden zu
erkennen und sich den Wert der Böden für einen gelungenen Wein bewusst zu machen. Viele
Winzer haben die Bedeutung der Böden und des Terroirs erkannt und nutzen den „Geschmack
des Bodens“ erfolgreich im Weinmarketing. Unsere Böden sind eine knappe Ressource, die
sich nicht vermehrt und nicht nachwächst. Deshalb sind wir zu einem sorgsamen Umgang
verpflichtet, um die Böden des Landes für nachfolgende Generationen zu bewahren.
Eveline Lemke
Staatsministerin für Wirtschaft, Klimaschutz,
Energie und Landesplanung des Landes
Rheinland-Pfalz
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Ulrike Höfken
Staatsministerin für Umwelt, Landwirtschaft,
Ernährung, Weinbau und Forsten des Landes
Rheinland-Pfalz
1
Auf gutem Grund.
2
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Inhalt
WeinReich Rheinland-Pfalz 4
Terroir 6
Klima und Wein 8
Grundlage Boden10
Die Weinlandschaften12
Ahr14
Mittelrhein22
Mosel30
Nahe38
Rheinhessen46
Pfalz54
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
3
Weinbergshaus am Nahe-Radweg
WeinReich Rheinland-Pfalz
Sechs der dreizehn deutschen Weinregionen befinden sich in Rheinland-Pfalz: Ahr,
Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheinhessen
und Pfalz. Jede für sich einzigartig blicken
sie alle zurück auf eine Jahrtausende alte
Tradition und eine unvergleichliche Weinkulturlandschaft. Umgeben von schönster
Natur gehen hier innovative und international renommierte Weingüter, historische
Sehenswürdigkeiten, Kulturveranstaltungen
der Spitzenklasse sowie bekannte kulinarische Größen eine unübertroffene Symbiose
ein.
4
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Die Weinkulturlandschaften und der Wein
stellen
ein Alleinstellungsmerkmal für
Rheinland-Pfalz im touristischen Wettbewerb dar. Das Thema Wein lässt sich hervorragend mit Kultur und Kulinarik zu besonderen touristischen Angeboten, aber auch
mit anderen Themen wie Wandern und
Radwandern, kombinieren. Insbesondere
als erlebbarer Träger der Regionalität lädt
der Wein Angebote emotional auf und prägt
das Image im In- und Ausland. Der Wein ist
der zentrale Identitätsfaktor und Schlüssel
für die Markenbildung der weintouristischen
Weitere Informationen unter:
Regionen in Rheinland-Pfalz und lässt einen
www.wein-reich.info
Besuch im WeinReich Rheinland-Pfalz zum
Erlebnis werden.
Moselradweg bei Neef
WeinReich Rheinland-Pfalz
5
Terroir
Boden
und Intensität von Besonnung und Nieder-
ist die stabile Grundlage des Terroirs. Er bie-
schlag.
tet der Rebe Halt, Nährstoffe und Wasser.
Weiter spielen Phänomene wie Luftfeuchte,
Die Mächtigkeit und der Aufbau des durch
Kaltluftansammlungen sowie trocknende
die Rebwurzeln genutzten Bodenraums,
oder kühlende Winde eine wichtige Rol-
sein Wasser- und Lufthaushalt sowie sein
le. Das „Geländeklima“ in einem Weinberg
natürliches Nährstoffangebot sind die wich-
kann vom Klima der Region abweichen. Ge-
tigsten Bodeneigenschaften. Sie hängen ab
ländeklimate variieren durch Unterschiede
vom Gestein, vom Relief, von der Dauer der
der Oberflächenform, der Hangneigung und
Bodenentwicklung, den jeweiligen klima-
Ausrichtung zur Sonne, der Orientierung
tischen Bedingungen und der Bearbeitung
zu häufigen Windrichtungen, der Vegeta-
durch den Menschen.
tion und dem Boden als Wärmespeicher.
Die „Jahreswitterung“ schließlich ist für die
Klima
Jahrgangscharakteristik eines Weines ver-
Das Klima bestimmt die Eignung einer Regi-
antwortlich.
on für den Qualitätsweinbau, denn die Rebe
stellt hohe Ansprüche an die Wärme. Klima
Die natürlichen Gegebenheiten eines Stand-
umfasst die langjährige typische Charakte-
ortes beeinflussen die Bildung und die Ein-
ristik der meteorologischen Bedingungen
lagerung von Inhaltsstoffen in die Trauben
eines Areals – Temperaturverlauf, Zeitpunkt
und somit die Weinqualität und -typizität.
6
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Winzer
prägen den Wein durch ihre Produktionsziele und die damit verbundenen Entscheidungen, denen all ihre Kenntnisse, Erfahrungen
und ihre Handwerkskunst zu Grunde liegen.
Dies beginnt mit der Wahl der Rebsorte. Art,
Zeitpunkt und Ausführung der Arbeiten in
Weinberg und Weinkeller sind auf die individuellen Gegebenheiten eines Weinjahres
abzustimmen. Ihre steuernden Eingriffe
beeinflussen auch den Boden und das Geländeklima nachhaltig. Bodenbearbeitung,
Düngung oder die Anlage von Weinbergsterrassen verändern die Bodeneigenschaften. Eingriffe in das Relief oder die Vegetation modifizieren das Geländeklima und das
Bestandsklima in den Rebzeilen.
Terroir
Zusammen werden diese Rahmenbedingungen für die Weinerzeugung mit dem Begriff
„Terroir“ belegt. Terroir wird aus dem Französischen übersetzt als „Boden, Lage, Ursprung, Herkunft“. Gemeint ist damit, dass
heit und die Topografie sind einmalig. Diese
das Produkt, der Wein, das geschmackliche
Vielfalt kann nirgendwo auf der Welt ko-
Spiegelbild seines Standortes ist und da-
piert werden. Die lagengeprägten authen-
mit seine Herkunft schmeckbar ist. Terroir
tischen Weine stehen so im Gegensatz zu
steht für das ganzheitliche Zusammenspiel
austauschbarer Massenware.
von natürlichen Standortfaktoren und der
Arbeit des Winzers. Die unverwechselbare
Der Wein im Glas ist das Produkt zahlreicher
Herkunft, das Terroir, spiegelt sich in einer
Einflüsse: der natürlichen Standortgegeben-
Vielfalt an Weinstilen wider.
heiten, der Philosophie des Winzers (wie ein
Terroir ist nicht austauschbar. Das Terroir
der rheinland-pfälzischen Weinbergslagen,
die geologische und klimatische Vielfalt
seiner Naturräume, die Bodenbeschaffen-
Terroir
Wein schmecken sollte), der Erwartungen
der Konsumenten bis hin zu den wirtschaftlichen und weinbaupolitischen Rahmenbedingungen.
7
Klima und Wein
Westeuropa liegt in der gemäßigten Klima-
kontinentalen Luftmassen gekennzeichnet
zone, die sich durch verhältnismäßig kühle
ist. Jährliche Witterungsschwankungen sind
Sommer und milde Winter auszeichnet.
typisch für die gemäßigte Klimazone. Ein-
Hochwertige Weine werden auf der Nord-
zelne Jahre können sich hinsichtlich Sonnen-
halbkugel in einem Bereich zwischen dem
scheindauer und Niederschlag beträchtlich
30. und 51. Breitengrad produziert. Die
voneinander unterscheiden. Dies führt zu
rheinland-pfälzischen Weinbaugebiete be-
jährlichen Schwankungen der Wachstums-
finden sich am Nordrand dieser Zone.
und Reifebedingungen der Rebe und findet
Die weinbauliche Eignung Westeuropas ver-
seinen Ausdruck im jahrgangstypischen
danken wir dem Golfstrom. Mit vorwiegend
Charakter der Weine.
westlichen und südwestlichen Winden ist
Die Hauptmenge der Niederschläge fällt in
unser Klima durch atlantische Luftmassen
unseren Breiten im Sommer, wenn die Reben
geprägt. Doch diese Klimazone liegt in einem
die höchsten Ansprüche an die Wasserver-
Übergangsbereich, der durch eine unbestän-
sorgung stellen. Zur Traubenreife nehmen
dige Witterung mit einem raschen Wechsel
die Niederschläge in der Regel wieder ab.
zwischen ozeanischen, subtropischen und
8
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Der Entwicklungszyklus der Rebe ist temperaturgesteuert. Für die Erzeugung frischer und fruchtiger Weißweine sind kühle
Phasen unabdingbar. Eine langsamere Zuckerproduktion verhindert, dass die Weine
zu alkoholreich und plump werden. Kühle
Nächte sorgen dafür, dass weniger Frucht-
Klimamessstation
säure abgebaut wird. Die Weine wirken dadurch frisch und sind durch die Säure besser
der Rebe und die Produktion der Traubenin-
lagerfähig. Ideale Verhältnisse findet unter
haltsstoffe. In den vergangenen Jahrzehnten
unseren Klimabedingungen der „König der
zeichnet sich eine Entwicklung zu wärmeren
Weißweine“, der Riesling vor. Er reift lang-
Bedingungen in den Weinanbaugebieten ab.
sam und sein prägendes Element ist die
In Südwestdeutschland nahmen die Tempe-
fruchtige Säure. Er bevorzugt kühleres Klima
raturen zwischen 1951 und 2000 zwischen
und ist damit prädestiniert für die nördli-
0,7 und 1,4 °C zu und die Zahl der Spätfröste
chen Anbaugebiete. Klimaparameter wie
und Frosttage deutlich ab.
Stärkere Hitzeperioden können sich schädlich auf den Weinanbau auswirken. Auch
geringere Niederschläge und eine zu starke
Sonneneinstrahlung haben negative Folgen.
Bei hohen Temperaturen laufen Entwicklungszyklen schneller ab, der Zucker- und
der Alkoholgehalt nehmen zu und der Säuregehalt ab. Das kann die Bildung von Aroma- und Farbstoffen sowie die Ausgewogenheit des Geschmacks beeinträchtigen.
Niederschlag und Sonnenschein variieren
auch innerhalb eines Anbaugebietes. Vor
allem die Topografie (Höhe über NN, Exposition, Hangneigung, Reliefposition) und die
Bodenverhältnisse üben Einfluss auf das Geländeklima aus.
So entsteht eine Vielfalt unterschiedlicher
Bei anhaltendem Temperaturanstieg erscheint zukünftig der Anbau von Rebsorten
mit höheren Wärmeansprüchen möglich.
Bereits um die Jahrtausendwende begannen
südländische Rebsorten wie Merlot, Chardonnay oder Cabernet Sauvignon in Rheinland-Pfalz Fuß zu fassen.
Wachstumsbedingungen. Die dominierende
Rolle spielt dabei aber die Temperatur. Sie ist
entscheidend für die optimale Entwicklung
Klima und Wein
9
Grundlage Boden
Der Boden ist die oberste Schicht der Erde.
bensraum erobern und ausreichend Wasser
Er bedeckt das Gestein, mal nur wenige Zen-
und Nährstoffe finden. In einem lockeren,
timeter dünn, mal mehrere Meter mächtig.
also nicht zu schweren oder steinigen Boden
Die Rebe nutzt den Boden zur Verankerung
gelingt dies am besten.
sowie als Nährstoff- und Wasserreservoir.
Der Boden hat auch großen Einfluss auf das
Im Boden lebt der für uns unsichtbare Teil
für Rebenwachstum und Traubenreife be-
der Rebe, die Wurzel, die häufig mehr Masse
deutende Mikroklima. Je nach Zusammen-
besitzt als der Rebstock selbst.
setzung können die Böden die Sonnenener-
In ihrer Jugendphase ist die Rebe auf eine
gie in unterschiedlichem Maße aufnehmen,
ausreichende Qualität des Oberbodens an-
speichern und wieder an die bodennahe
gewiesen, denn hier sollen die jungen zarten
Luftschicht abgeben. Feuchte schwere Bö-
Wurzeln möglichst ungehindert ihren Le-
den benötigen viel Sonnenenergie bis sie
sich erwärmen, können diese Wärme aber
auch lange speichern. Leichte trockene Böden dagegen erwärmen sich schnell, kühlen
aber auch ebenso schnell wieder ab.
Der Boden besteht aus mineralischer und
organischer Substanz, Bodenlebewesen sowie Wasser und Luft.
Die mineralischen Bestandteile entstehen
durch die Verwitterung der anstehenden
Gesteine. Sie liefern viele wichtige Pflanzennährstoffe wie Kalium, Magnesium oder
Calcium.
Organische Bestandteile wie abgestorbene Pflanzenteile oder Ausscheidungen und
Reste von Bodenlebewesen liefern ebenfalls
Nährstoffe, insbesondere Stickstoff und
Phosphor. Bodenbewohner schließen durch
die Zersetzung der organischen Bestandteile
viele Nährstoffe auf.
10
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Auch Luft und Wasser sind Bestandteile des
Bodens. Bodenluft zirkuliert durch die gröberen Hohlräume (Grobporen) des Bodens,
die zu groß sind, um Wasser festhalten zu
können und ermöglicht hier Bodenleben.
Niederschlagswasser sickert durch die Bodenoberfläche ein, wobei ein Teil davon
durch die Grobporen bis ins Grundwasser
sickert. Das übrige Wasser wird gegen die
Schwerkraft in den Fein- und Mittelporen
festgehalten. Die Pflanzenwurzeln nutzen
nur das Wasser, das sich in den Mittelporen
Der Rigolpflug bearbeitet den Boden
befindet. Für das Wasser in den Feinporen
reicht ihre Saugspannung nicht aus. Die
Menge und Verteilung der Poren ist in den
Böden sehr unterschiedlich und hängt von
der Korngrößenzusammensetzung und der
Lagerungsdichte ab.
Die eigentliche Bodenbildung erfolgt, wenn
Stoffe umgewandelt, angereichert oder
abgeführt werden. Dieser Vorgang endet
erst, wenn äußere Einflüsse ausbleiben. Die
Ausprägung eines natürlichen Bodens wird
vom Ausgangsgestein, der Lage im Relief
und dem Klima während seiner Entwicklung bestimmt. Heute sind fast alle Böden
Mitteleuropas durch menschliche Nutzung
beeinflusst.
Weinbergsböden werden vor jeder Neuanlage durch intensive und tiefreichende Bodenbearbeitung (Rigolen) gelockert, um die
Durchlüftung und die Wasserspeicherung zu
verbessern und der Rebe die DurchwurzelBöden sind vielschichtig
Grundlage Boden
ung zu erleichtern.
11
Weinlandschaften
Rheinland-Pfalz ist das Weinland Nummer 1
Weinlandschaften erstrecken sich über
in Deutschland. Das WeinReich Rheinland-
sehr unterschiedlich aufgebaute geologi-
Pfalz erstreckt sich von der nördlichen
sche Landschaftsräume mit wechselndem
bis zur südlichen Landesgrenze – von Bad
Gesteinsuntergrund. Aus jungen Lockerge-
Neuenahr bis Bad Bergzabern. Auf 170 km
steinen, Sedimentgesteinen, metamorphen
Luftlinie reihen sich entlang der Flusstäler
und magmatischen Gesteinen entstanden
sechs der dreizehn deutschen Weinbauge-
Böden mit verschiedensten Eigenschaften.
biete für Qualitäts- und Prädikatswein auf:
Eingebettet in die umliegenden Mittelgebir-
Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheinhessen
ge entstanden in deren Schutz klimatische
und Pfalz. Rund 10.000 Betriebe produzie-
Gunsträume. Innerhalb der Weinlandschaf-
ren zwischen 6 und 6,5 Millionen Hektoliter
ten schließlich sorgt eine abwechslungsrei-
Wein, das sind zirka 65 bis 70 % der deut-
che Topografie für eine Vielfalt an Gelände-
schen Erntemenge. An den gesamten deut-
klimaten. Dadurch erhalten die Reben ganz
schen Weinexporten ist Rheinland-Pfalz mit
unterschiedliche Wachstums- und Reife-
etwa 90 % beteiligt.
bedingungen. Ziel der rheinland-pfälzischen
Rheinland-Pfalz bietet beste Vorausset-
Winzer ist es, diese naturgegebene Vielfalt
zungen für die Produktion interessanter
ins Glas zu bringen und schmeckbar zu ma-
und qualitativ hochwertiger Weine. Die
chen.
12
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Weinlandschaften
13
Blick auf Walporzheim
Ahr
Das Gebiet der Ahr liegt im Rheinischen
Am Südrand der Niederrheinischen Bucht
Schiefergebirge und gehört zur nördlichen
liegend, geschützt vom Wind- und Regen-
Osteifel. Die Weinbauregion Ahr liegt auf
schatten der Eifel, profitiert die Ahrregion
50° 30´ nördlicher Breite und ist das nörd-
vom milden atlantischen Klima. Durch die
lichste und mit 560 ha Rebfläche zugleich
West-Ost-Ausrichtung der Weinahr liegen
das zweitkleinste der rheinland-pfälzischen
die meisten Weinberge auf der nördlichen
Weinbaugebiete.
Flussseite und sind nach Süden, zur Sonne
Entlang eines etwa 18 km langen Fluss-
hin, ausgerichtet. Die steilen Hänge mit ih-
abschnittes zwischen Altenahr und Bad
ren dunklen Felsen heizen sich rasch auf und
Neuenahr wird Weinbau auf terrassierten
geben die gespeicherte Wärme nur allmäh-
Talhängen vorwiegend als Steillagenwein-
lich an die Reben weiter, so dass auch nachts
bau betrieben. 69 % der Rebflächen wei-
ausgeglichene Temperaturen gewährleistet
sen eine Hangneigung über 30 % auf. Sie
sind.
finden sich vorwiegend im Engtal zwischen
Das Ahrtal wird klimatisch in zwei Regionen
Altenahr und Marienthal. Die Rebflächen im
unterteilt. Die zum Rheintal offene untere
östlichen Teil des Weinbaugebietes liegen
Weinahr profitiert von ihrer weiten Tallage.
meist auf flachen Hanglagen und den Ver-
Abgeschirmt vom Wind der Hochfläche ent-
ebnungen der Flussterrassen.
stehen im Engtal der oberen Weinahr durch
die Sonneneinstrahlung schnell hohe Luft-
14
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Klima
aufweist und als bekanntestes deutsches
Jahresmitteltemperatur: 9,8 °C
Rotweingebiet gilt. Die großen Hangnei-
Jahresniederschlag: 650 mm
gungen und die kleinräumigen Strukturen
Direkte Solarstrahlung: 645.000 WH/qm
der Steillagen begrenzen die technische Me-
Sonnenscheindauer: 1.425 - 1.500 h
chanisierung der Rebanlagen. Deshalb werden die Rebanlagen mit hohem Arbeitsein-
Rebfläche (2011)
satz gepflegt. Die intensive Pflege wirkt sich
ca. 560 ha, davon:
stabilisierend auf die Erträge aus und fördert
348 ha Spätburgunder
die Qualität des Lesegutes.
45 ha Riesling
Charakteristisch für Ahrweine sind die hohe
Mineralität der Weine und rebsortentypi-
und Bodentemperaturen. Hier variiert das
sche, intensive Primärfruchtaromen, z.B.
Mikroklima auch durch die unterschiedliche
nach Blaubeere, Kirsche und Trockenfrüch-
Orientierung der Ahrschleifen. Zwischen
ten bei der Rebsorte Frühburgunder, nach
den Flussschlingen und Felsen bilden sich
Erdbeere, Kirsche und Trockenfrüchten bei
kleinteilige Klimaräume aus.
der Rebsorte Spätburgunder.
Zur geschützten Ursprungsbezeichnung Ahr
Ahr – das Rotweintal
gehören die Rebflächen der Gemeinden Ahr-
Die Ahr ist das Anbaugebiet, das den höchs-
brück, Altenahr, Dernau, Grafschaft, May-
ten Anteil an roten Rebsorten (ca. 80 %)
schoß, Rech und Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Malerisches Mayschoß
Ahr
15
Die steilen Felswände des Ahrtals entstanden durch das Zusammenspiel von Gebirgsfaltung und späterer Tiefenerosion der Ahr.
Auffaltungsprozesse ließen den Ahrtalsattel
aufsteigen. Hunderte Millionen Jahre später
orientierte sich die junge Ahr auf ihrem Weg
zum Rhein an einer geologischen Schwächezone. Mit ihrer Tiefenerosion legte sie ein
spektakuläres Landschaftsbild frei.
Das Weinbaugebiet liegt vollständig im Bereich des Nordflügels des Ahr-Sattels mit
überwiegend Feinsandsteinen, auch „Grauwacken“ genannt und nachgeordnet Tonschiefern des Unterdevon.
Terrassenkiese der Ahr
16
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Typische Gesteine und Böden
häufig bunt verfärbte Gesteine (Saprolith)
42 % Kalkfreie sandig-lehmige Sand-
vor. Rebflächen auf Kiesen und Lehmen der
steinböden (grauer Devon-Sandstein)
Talauen sowie der Mittel- und Hauptterras-
25 % Kalkfreie lehmige Schieferböden
sen der Ahr haben im gesamten Weinbau-
(dunkelgrauer Devon-Schiefer)
gebiet eine recht weite Verbreitung. Häufig
22 % Teils kalkhaltige Lehmböden
sind die Mittel- und Hauptterrassenvereb-
(Löss und Lösslehm / Quartär)
nungen mit mächtigem Löss und Lösslehm
bedeckt.
Eindrucksvoll gefaltete Felspartien belegen
die enormen Kräfte der Gebirgsbildung. Die
harten, verwitterungsresistenten Gesteine sind in zahlreichen Steinbrüchen an der
Ahr als Naturbaustein abgebaut worden.
Sie fanden beim Bau von Trockenmauern
der Weinbergsterrassen Verwendung, aber
auch zahlreiche historische Gebäude an der
Ahr sind aus der „Ahrgrauwacke“ errichtet
worden.
Im Westteil des Gebietes sind die Sandsteine
und Tonschiefer als harte graue Festgesteine ausgebildet. Im Ostteil dagegen liegen
sie vorwiegend als tiefreichend und intensiv verwitterte, halbfeste bis lockere und
Ahr
Zerklüfteter Schiefer mit weißen Quarzgängen
17
Sandstein
Steinreich
Sandige Ablagerungen des Devonmeeres wurden zu
quarzitischem Feinsandstein verfestigt. Eine alte geologische Bezeichnung für die grauen dickbankigen Feinsandsteine ist „Grauwacke“, ein von den Winzern gern
verwendeter Begriff. Im Bereich von Rech bis Ahrweiler
sind Böden aus diesen Devon-Sandsteinen weit verbreitet. Die Eigenschaften der aus den Sandsteinen hervorgegangen Böden sind in mehrerer Hinsicht extrem
und fordern große Anstrengungen von der Rebe. Die
Böden haben einen besonders hohen Steinanteil. Die
meist flach- bis mittelgründigen sandigen Lehme sind
gut belüftet und erwärmen rasch. Aufgrund des hohen
Steinanteils haben sie das geringste Wasserspeichervermögen aller Böden an der Ahr, was bei flachgründigen
Standorten der Steil- und Steilstlagen zu Trockenstress
führen kann. Die Nährstoffvorräte sind geringer als bei
Schieferböden und die Bodenreaktion ist meist sauer, so
dass eine Kalkdüngung der Böden meistens notwendig
ist. Das Rigolen des Oberbodens, die Zufuhr von organischer Substanz wie auch eine natürliche Beimengung
von Lösslehm im Oberboden verbessern die Bodeneigenschaften.
Auf Sandsteinböden lassen sich filigrane, feingliedrige
Weine mit eleganter Fruchtausprägung erzeugen. Die
Weine sind lebendig und anregend.
Bodeneigenschaften
• mittelgründiger, sandiger Lehm, stark steinig
• Wurzelraum und -tiefe eingeschränkt
• ausreichender Wasserspeicher
• hohe Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• ausreichende Nährstoffversorgung
• saure Bodenreaktion
• sehr gute Erwärmbarkeit
Rigosol aus quarzitischem Sandstein (Devon)
18
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Sandsteinzersatz
Aufgeweicht
Im Bereich der Bad Neuenahrer Talweitung und auf den
Hochflächenresten im westlichen Teil des Weinbaugebietes sind die devonischen Sandsteine durch tiefgreifende Verwitterung während der subtropischen Klimaphasen des Tertiär aufgeweicht und vielfach gebleicht
oder teilweise bunt verfärbt. Der weiche Gesteinszersatz
besitzt zwar noch die Struktur des ursprünglichen Sandsteins, aber er wird von den Rebwurzeln durchdrungen
und bietet ihnen Wasser und Nährstoffe. Der Sandsteinzersatz ist häufig noch von einer bis zu mehrere
Meter mächtigen sandigen Lehmschicht überdeckt, die
aus umgelagertem Sandsteinzersatz besteht und noch
besser zu durchwurzeln ist. Die Standorte mit solchen
Sandsteinzersatzlehmen sind besonders tiefgründig und
wuchskräftig. Auch in den Steilhängen mit unverwitterten Devongesteinen finden sich Sandsteinlehme. Es sind
Schuttdecken aus festen Sandsteinstücken, die mit Löss
oder mit Lösslehm vermengt sind.
Die Weine von den leichten Sandsteinlehmen sind leichter und eleganter, mit klarer Fruchtausprägung. Die Weine der lössgeprägten Sandsteinlehme präsentieren sich
schwer, tiefgründig und dicht.
Bodeneigenschaften
• tiefgründiger, grusig-sandiger Lehm
• große Wurzeltiefe
• großer Wasserspeicher
• mittlere Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• ausreichende Nährstoffversorgung
• schwach saure Bodenreaktion
• mäßige Erwärmbarkeit
Braunerde-Rigosol aus Sandsteinzersatz (Devon)
Ahr
19
Rotweinparadies Ahr
vor Ort. Der malerische Wanderweg führt
Das wild-romantische Ahrtal zählt zu den
von Altenahr nach Bad Bodendorf, ist ca. 35
schönsten Seitentälern des Rheins und
km lang und verbindet die Weinorte ober-
zieht Naturliebhaber und Weinfreunde
halb des romantisch gelegenen Flussbettes
gleichermaßen in seinen Bann. Es ist das
der Ahr.
Anbaugebiet, das den höchsten Anteil an
Wer zwischendurch einen Wein genießen
Rotweinsorten (ca. 80 %) aufweist und als
oder eine Pause einlegen möchte, gelangt
bekanntestes deutsches Rotweingebiet gilt.
über den jeweiligen Abstieg in den Weinort
Der Blaue Spätburgunder ist als meist ange-
seiner Wahl. Dort warten gemütliche Wein-
baute Rebsorte der „König“ der Ahr.
stuben, urige Weinkeller und berühmte
Genossenschaften auf Wanderfreunde und
Bei einer Wanderung auf dem Rotwein-
Weintrinker.
wanderweg kann man dem Winzer bei der
Traubenlese über die Schulter schauen und
viele fleißige Hände bei der Arbeit beobachten. Herrliche Touren mitten durch die
Weinbergsterrassen bieten nicht nur phantastische Aussichten. Sie gewähren auch
Einblicke in eines der bekanntesten Rotweinanbaugebiete Deutschlands.
Die Route durch das „Paradies der roten
Trauben“ ist zugleich eine Informationstour
20
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Auf einer Länge von ca. 4 km führt zwischen
Walporzheim und Ahrweiler ein „Weinbaulehrpfad“ über den Rotweinwanderweg und
den Winzerweg unterhalb des Hotel Restaurants Hohenzollern. 31 Texttafeln informieren über alles Wissenswerte rund um
den Weinbau im Ahrtal. In unregelmäßigen
Abständen wird der Wanderer über Klima,
Rebsorten, Bodenbeschaffenheit, Bodenbearbeitung und alle Arbeiten am Weinstock
informiert.
Seit kurzem erfreuen sich Wanderer und
Naturfreunde an den beiden als Prädikatsweg zertifizierten neuen AhrSteigen. Entlang der einzelnen AhrSteig-Etappen stehen
idyllische Waldwege und stille Wiesenpfade
sanften Hochflächen und engen Felspfa-
Blick auf Hohenzollern
den sowie einsamen Hochplateaus mit lebendigen Weinorten gegenüber. Zusätzlich
Die westliche, mit einem blauen AhrSteig-
zeichnen eindrucksvolle Ausblicke in das
Logo markierte Trasse (Wegstrecke ca.
romantische Ahrtal, in die Eifel sowie zu den
58 km), beginnt an der Quelle der Ahr in
Höhen des Siebengebirges die einzigartigen
Blankenheim und führt bis kurz vor Alte-
Wege des blauen und roten AhrSteigs aus.
nahr. Die östliche, mit rotem AhrSteig-Logo
markierte Trasse (Wegstrecke ca. 30 km)
führt vom Weinort Walporzheim vorbei an
Ahrweiler über den Kurort Bad Neuenahr bis
zum Schloss Sinzig.
Weitere Informationen:
Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.
Hauptstraße 80
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel. +49 (0) 26 41 - 9171 0
Fax +49 (0) 26 41 - 9171 51
E-Mail: info@ahrtaltourismus.de
Internet: www.ahrtal.de, www.ahrwein.de
Ahr
21
Blick auf Burg Katz bei St. Goarshausen
Mittelrhein
Das Mittelrheintal ist das eng eingeschnit-
Neuwieder Beckens, das von Koblenz bis An-
tene Durchbruchstal des Rheins durch das
dernach reicht. Ab Andernach beginnt das
Rheinische Schiefergebirge. Das Weinan-
Untere Mittelrheintal, das morphologisch
baugebiet Mittelrhein reicht von Bingen
dem Oberen Mittelrheintal ähnelt. Hier
bis Koblenz und von Andernach bis zum
zwängt sich der Rhein erneut tief zwischen
Siebengebirge vor den Toren Bonns. Seine
die Schieferfelsen. Auf der rechtsrheinischen
Steillagenweinberge prägen zusammen mit
Seite des Unteren Mittelrheintals erhebt
schroffen Felsen, zahlreichen Burgen und
sich – als geologische Besonderheit – das
Schlössern ein faszinierendes Landschafts-
Siebengebirge mit seinen vulkanischen Kup-
bild. Die einzigartige Flusslandschaft zieht
pen, die dem Schiefergebirge aufsitzen.
weltweit Besucher an.
Weinbaulich genutzte Flächen findet man
Bei Bingen und Rüdesheim tritt der aus
im Mittelrheintal in Höhen von etwa 55 bis
dem Oberrheingraben kommende Rhein
350 Metern über NN. An den Hängen findet
in das Rheinische Schiefergebirge ein. Zwi-
man fast ausschließlich Weinbau in Steilla-
schen Bingen und Koblenz fließt der Rhein
gen (30-60 % Hangneigung) und Steilstla-
im Oberen Mittelrheintal. Der Fluss hat
gen (> 60 % Hangneigung) vor. Lediglich in
sich hier tief in die devonischen Gesteins-
tiefer gelegenen Auen- und Niederterras-
serien eingeschnitten. Ab Koblenz erweitert
senbereichen stehen die Reben in Flach- bis
sich das Rheintal in die hügelige Weite des
Hanglage. Die Weinberge des Oberen Mit-
22
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Klima
Jahresmitteltemperatur: 8,7 - 10,5 °C
Jahresniederschlag: 570 - 770 mm
Direkte Solarstrahlung: 690.000 WH/qm
Sonnenscheindauer: 1.350 - 1.575 h
Rebfläche (2011)
ca. 440 ha, davon:
300 ha Riesling
40 ha Spätburgunder
Loreley – sagenumwogener Felsen am Mittelrhein
telrheintals sind hauptsächlich Südost bis
bietet Lebensraum für wärmeliebende Tie-
Südwest exponiert, der Weinbau im Unte-
re und ermöglicht eine Vegetation, die im
ren Mittelrheintal dominiert auf Flächen mit
südlichen Europa anzutreffen ist. Die Tem-
einer Exposition von Süd bis Südwest. Auf
peratur zeigt ein Maximum in den Sommer-
rund 440 ha Rebfläche wird hauptsächlich
monaten mit Werten um 19 °C. Die stark
Riesling (ca. 70 %) angebaut.
steinigen Schieferböden können nur geringe
Das tief eingeschnittene Tal schützt die
Wassermengen speichern. Dadurch besteht
Rebhänge vor den kalten Winden der
im Sommer die Gefahr von Trockenstress.
Hochflächen. Die mittleren Jahresnieder-
Da das Maximum der Niederschläge in die
schläge liegen bei ca. 600 mm und die
Monate Mai bis August fällt, ist aber in den
Durchschnittstemperatur bei 9 °C. Das
meisten Jahren eine ausreichende Wasser-
„mediterran geprägte Klima“ der Steilhänge
versorgung der Rebe gewährleistet.
Weinberg bei Rhöndorf
Mittelrhein
23
24
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Typische Gesteine und Böden
70 % Kalkfreie lehmige Schieferböden (dunkelgraue Devon-Schiefer)
7 % Kalkhaltige lehmige Schieferböden (dunkelgraue Devon-Schiefer)
6 % Teils kalkhaltige Löss- und
Lösslehmböden
Im Bereich des Mittelrheintals dominieren
Gesteine, die aus Sedimenten des Devon-
Schiefer mit Sandsteinzwischenlage
meeres entstanden (vor ca. 400 Millionen
Die kiesigen Lehme und Sande der Fluss-
Jahren). Im Flachmeerbereich kamen Sand
terrassen sind in der Regel von jüngerem
und Silt, in tiefen Beckenbereichen tonige
Löss überdeckt. In den Dauerfrostböden der
Schichten zur Ablagerung. Weite Verbrei-
Hanglagen kam es während der sommer-
tung besitzen heute quarzitische Sandsteine
lichen Auftauphasen zu Fließbewegungen
und Tonschiefer, untergeordnet treten Ei-
mit einer intensiven Vermischung von Bo-
sen- und Kieselgallenschiefer sowie Quar-
denmaterial. Das Material des im Unter-
zite auf.
grund anstehenden Gesteins wurde dabei
Das Rheintal entstand in der letzten geolo-
mit Löss und Lösslehm vermengt. Es ent-
gischen Epoche, den quartären Kaltzeiten.
standen lehmige und zum Teil auch kalkhal-
Im Zusammenspiel der Klimawechsel von
tige Schieferschuttfließerden.
Kalt- zu Warmzeiten und dem Aufstieg des
Die jüngsten Sedimente – sie stammen aus
Rheinischen Massivs wurde der Rhein ge-
dem Holozän – findet man in den Talauen
zwungen, sich in das Gebirge einzuschnei-
des Rheins. Dort liegen meist mehrere Me-
den. Es entstand das schroffe Engtal des
ter mächtige Sande und Lehme, die häufig
Mittelrheins. In den Kaltzeiten bildete der
kalkhaltig sind.
Rhein Flussterrassen, die noch heute in un-
Die kalkfreien lehmigen und steinigen Bö-
terschiedlicher Höhenlage das Tal begleiten.
den, deren Ausgangsgesteine devonische
Schiefer oder quarzitische Sandsteine bilden, sind als Braunerden und Regosole ausgebildet. Auf dem fruchtbaren Löss bzw.
Lösslehm sind Parabraunerden verbreitet,
die den Reben ausreichend Nährstoffe und
Wasser zur Verfügung stellen. Als Besonderheit sind nördlich von Boppard bimshaltige
Typischer Schieferboden
Mittelrhein
Böden verbreitet.
25
Tonschiefergrus
Faltenrock des Mittelgebirges
Hunsrückschiefer sowie Kiesel- und Eisengallenschiefer
begleiten den Rhein in seinem Engtal. Sie wurden in ruhige große Falten gelegt, die mehrere 100 m überspannen
können, aber auch in kleine unruhige Knickfalten. In den
steilen Ober- und Mittelhängen, besonders in der Nähe
von Felsdurchragungen, haben sich steinige, viel Schiefergrus führende Böden entwickelt, die nur wenig feines,
lehmiges Bodenmaterial enthalten. Da der Grobboden
(Steine und Grus) in diesen Böden überwiegt, können sie
nur wenig Niederschlagswasser speichern. Je geringer
die Bodendecke über dem Schieferfels ist, umso ungünstiger ist der Standort. In trockenen Jahren wird daher die
Wasserversorgung der Reben knapp. Nur auf tiefgründigeren Standorten kann dies ausgeglichen werden.
Das Aroma der Weine öffnet sich mit Verzögerung, zeigt
dann aber feinste Riesling-Frucht und Würze. Bei kräftigeren Säurewerten benötigen die Weine einige Monate, bis sie ihre volle Harmonie erreichen. Begleitet wird
diese Säurestruktur durch eine feine Mineralität, die
den Weinen Länge und Ausdruck verleiht. Junge Weine
sind oft noch von der Fruchtsäure geprägt, sehr reife
Weine zeigen Schmelz und haben eine äußerst hohe
Langlebigkeit.
Bodeneigenschaften
• mittel- bis tiefgründiger, toniger bis sandiger Lehm, stark bis sehr stark grusig und steinig
• mittlere bis große Wurzeltiefe
• mäßiger Wasserspeicher
• hohe Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• ausreichende Nährstoffversorgung
• neutrale bis saure Bodenreaktion
• gute Erwärmbarkeit
Rigosol aus Tonschiefer (Devon)
26
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Kalkiger Schiefer
Verkalkte Felsen
Die Gesteine des Unterdevon sind im Rheinischen Schiefergebirge in der Regel kalkfrei. Eine Ausnahme am Mittelrhein bilden primär kalkhaltige Schichten in der Lage
Bopparder Hamm Feuerlay. Kalkhaltige Schiefer- und
Sandsteinböden finden sich aber auch in Lagen, deren
Untergrundgesteine kalkfrei sind. Durch kaltzeitliches
Bodenfließen wurde Löss in diese Böden eingemengt.
Zum Anderen wurde Kalk auch aus den Lössdecken durch
Niederschlagswasser ausgewaschen. Der gelöste Kalk
setzte sich auf den Gesteinsoberflächen in den Schieferböden als Kalksinter ab. Die Gesteinsschuttdecken sind
häufig noch heute bis in den Oberboden kalkhaltig. Der
Kalk verändert vor allem die chemischen Eigenschaften des Bodens, denn er reagiert schwach basisch. Die
Auswaschung von Nährstoffen ist dann geringer als in
kalkfreien Schieferböden und so das Nährstoffangebot
höher. Die Kalkanteile begünstigen die Bildung einer krümeligen Oberbodenstruktur und werten so Wasserhaushalt und Durchlüftung auf.
Die Weine überzeugen durch Kraft und Nachhaltigkeit.
Die Aromen entwickeln sich erst nach einer Anlaufphase,
dann aber zeigen sie ein breites Spektrum reifster gelber
Früchte. Eine feine Mineralität begleitet die Weine.
Bodeneigenschaften
• mittel- bis tiefgründiger, schwach toniger bis
schluffiger Lehm, stark steinig-grusig
• mittlere bis große Wurzeltiefe
• guter Wasserspeicher
• mittlere Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• sehr gute Nährstoffversorgung
• kalkhaltig, basische Bodenreaktion
• gute Erwärmbarkeit
Rigosol aus kalkhaltigem Tonschiefer (Devon)
Mittelrhein
27
Weinkultur in R(h)einkultur!
Streifzüge durch das Mittelrheintal
Kompetente Gastgeber
Die Weinberge sind landschaftsprägend
Wein und Kulinarischem mit einer Vielzahl
am Romantischen Rhein. Auf einer Rhein-
von interessanten Themenveranstaltungen.
Länge von über 116 km stechen nicht nur
Zu nennen sind hier vor allem die “Mittel-
der mächtige Fluss, die Burgen, Schlösser
rhein Momente“, die über das ganze Jahr
und sehenswerten Orte, sondern auch die
durch eine bunte Mischung interessanter
zahlreichen mit Weinstöcken bepflanzten
Veranstaltungen beeindrucken. Viele Betrie-
Hänge mit ihrem großen Anteil an Steilla-
be bieten eine gute Auswahl von regionalen
gen ins Auge. Damit das so bleibt, gibt es
Speisen an. Die „Welterbe-Gastgeber“ sind
einige innovative Projekte, die wir Ihnen hier
fundierte Kenner ihrer Heimat und offizielle
vorstellen.
Botschafter der Region Oberes Mittelrhein-
Gehen Sie auf Öchsle-Tour mit den Win-
tal.
Die Gastronomie sucht die Verbindung von
zern der Region oder erkunden Sie selbst
Wein-Wanderpfad an der Loreley-Burgen-
‚Winzerinitiative Gipfelstürmer‘
am Mittelrhein
strasse oder den Weinlehrpfad im Bop-
Vier Weinbaupioniere, die sich unter dem
parder Hamm. Interessante Weinmuseen
Namen „Gipfelstürmer“ zusammengetan
machen die Weinbaugeschichte am Mittel-
haben, wollen ein großes Erbe antreten:
rhein lebendig. Erlesene Weinproben, offene
Zwischen den Burgen und Schlössern liegen
Weinkeller und traditionsreiche Weinfeste:
die Rebflächen, 85 % davon in Steillagen,
Weinkultur in R(h)einkultur!
auf denen sie die alte Weinkultur wieder
zahlreiche Weinlehrpfade wie den Rhein-
aufleben lassen. Dabei ist echte Pionierarbeit gefragt. Beste Böden finden und neu
bestocken bzw. rekultivieren, im Keller keine
28
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Kompromisse eingehen, um später typische
Mittelrheiner auf die Flasche zu bringen. Sie
sind sich sicher, dass die neuen Reben zusammen mit den alten, rekultivierten, unvergleichliche Weine hervorbringen. Schon
bei den ersten Jahrgängen kann man das Potenzial der Böden aus Schiefer und Grauwacken deutlich spüren. Die vier streben nach
oben – echte Gipfelstürmer eben!
rhein Riesling Charta ist das Ergebnis eines
www.gipfelstuermer-mittelrhein.de
Teamprozesses, bei dem alle treibenden
Kräfte der Region aktiv mitgewirkt haben.
Handstreich, Felsenspiel und
Meisterstück
Die 38 Charta-Winzer repräsentieren mehr
Markante Namen, modernes Design und
www.riesling-charta.com
eine
sympathische
als die Hälfte des gesamten Anbaugebiets.
Markenkampagne:
Handstreich, Felsenspiel und Meisterstück
Weinnase & Tropfenzähler
heißen die drei Spitzenweine der Mittel-
Die Romantische Rhein Tourismus GmbH
rhein Riesling Charta. Dabei steht jeder der
bietet Angebotsarrangements rund um das
drei Profilweine für einen bestimmten Typ:
Thema Wein und Genuss. In Weingütern,
Handstreich ist ein moderner, filigraner,
bei einer Weinprobe oder wandernd durch
feinfruchtiger Riesling. Felsenspiel steht für
Weinbergslagen eröffnet sich dem Gast
einen ausgewogenen Riesling, der immer
die ganze Welt des Weins. Zu dem Ange-
passt. Das Mittelrhein-Meisterstück ist ein
bot „Weinnase und Tropfenzähler“ zählen
vollendeter, trockener Riesling, vollmundig
beispielsweise neben der Weinprobe eine
und nachhaltig im Geschmack. Die Mittel-
Schifffahrt rheinauf und rheinab, ein VierGang-Überraschungsmenu mit Weinen aus
der Region, die 3-Tages-FreizeitCard Rheinland-Pfalz/Saarland sowie ein Weinpräsent
für die Urlaubserinnerungen zuhause.
Weitere Informationen:
Romantischer Rhein Tourismus GmbH
Loreley Besucherzentrum
56346 St. Goarshausen
Tel. +49 (0) 6771 - 959 38 0
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Mittelrhein
29
Moselschleife zwischen Ediger-Eller und Bremm
Mosel
Das Moseltal mit seinen zahlreichen Mä-
hier in langgezogenen Talschleifen mit bis
andern ist auf seiner ganzen Länge eine
zu zwei Kilometer breiten Talweitungen. Da-
eindrucksvolle WeinKulturLandschaft. Auf
gegen mäandriert der Fluss an Mittel- und
einer Strecke von 250 km begleiten Reben
Untermosel in einem engen Kerbtal. Es ist in
in fast ununterbrochener Folge den Fluss.
devonische Gesteine des Rheinischen Schie-
Das Weinbaugebiet Mosel erstreckt sich
fergebirges eingeschnittenen. Außer den
über mehrere naturräumliche Einheiten: die
Flussterrassen auf den Gleithängen existie-
Obermosel (Remich bis Konz), die Trierer
ren hier keine nennenswerten Talaufweitun-
Talweitung (Konz bis Schweich), die Mit-
gen.
telmosel (Schweich bis Moselkern) und das
An Mosel, Saar und Ruwer findet man wein-
Untere Moseltal (Moselkern bis Koblenz)
baulich genutzte Flächen in Höhen von 65
sowie die beiden Teilgebiete Saar (Konz bis
bis 375 m über NN. Rund 33 % der Reben
Serrig) und Ruwer (Ruwer bis Sommerau).
wachsen in ebener Lage (Hangneigung
Morphologisch kann man die Mosel in zwei
< 10 %). In Hanglage (10-30 %) befindet
Abschnitte untergliedern. In den Regionen
sich 44 % der Rebfläche. Die verbliebenen
Obermosel und Trierer Talweitung windet
23 % nehmen die Steil- und Steilstlagen ein.
sich die Mosel in den weichen mesozoischen
Ebene Lagen und Hanglagen befinden sich
Gesteinen (Buntsandstein, Muschelkalk und
bevorzugt auf den Gleithängen, Steil- und
Keuper) der Trierer Bucht. Die Mosel fließt
Steilstlagen dominieren an den schroffen
30
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Klima
Jahresmitteltemperatur: 8,5 - 10,5 °C
Jahresniederschlag: 620 - 925 mm
Direkte Solarstrahlung: 652.000 WH/qm
Sonnenscheindauer: 1.400 - 1.500 h
Rebfläche (2011)
ca. 8.700 ha, davon:
5.288 ha Riesling
1.156 ha Müller-Thurgau
530 ha Elbling
Prallhängen der Mosel. Die Weinberge sind
hauptsächlich SE-S-SW exponiert.
Typisch Mosel – Graublauer Hunsrückschiefer
Die Täler von Mosel, Saar und Ruwer heben
den lagentypischen Charakter der Mosel-
sich aufgrund ihrer geschützten Lage als
weine ausmachen. Auch die Niederschläge
thermische Gunsträume gegen die Höhen
zeigen eine großräumige Differenzierung.
des Hunsrücks und der Eifel ab. An der Nord-
An der Saar werden Jahresniederschläge von
grenze des Weinanbaus ist die Intensität der
bis zu 900 mm erreicht. Durchschnittlich
Sonneneinstrahlung ein wesentlicher Faktor
450 mm, d.h. ca. 60 % der Niederschläge
für die Qualität eines Rebstandortes. Kenn-
fallen in der Vegetationsperiode. Klimatisch
zeichnend für das tief eingeschnittene Mo-
lässt sich für die unterschiedlichen Natur-
seltal mit seinen zahlreichen Flussschlingen
räume zeigen, dass die Temperaturen von
und einmündenden Nebentälern sind steile,
Südwest nach Nordost zunehmen, wohin-
stark gegliederte Hänge mit unterschied-
gegen die Niederschläge von Südwest nach
lich intensiver Besonnung. Dadurch ergeben
Nordost abnehmen.
sich kleinräumige Klimaunterschiede, die
Felswand aus Dolomitstein – Köllig, Obermosel
Mosel
31
32
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Im Weinbaugebiet Mosel dominieren devo-
Typische Gesteine und Böden
nische Gesteine des Rheinischen Schiefer-
50 % Kalkfreie lehmige Schieferböden
gebirges. Es sind hauptsächlich quarzitische
Sandsteine, Quarzite und (Ton-) Schiefer.
Im Perm entstand als Einbruchsbecken innerhalb des Schiefergebirges die Wittlicher
Rotliegend-Senke. Aus Abtragungsschutt
der umliegenden Gebirgsbereiche bildeten
(Devon-Schiefer)
9 % Kalkfreie lehmige Sandsteinböden
(Devon-Sandstein)
7 % Kalkfreie Lehm-, Sand- und Kiesböden aus quartären Flussablagerungen
6 % Kalkreiche Lehm- und Tonböden
sich klastische Sedimentgesteine (Silt- und
aus Dolomitstein und Mergel
Sandsteine, Konglomerate, Brekzien). Im
(Muschelkalk und Keuper)
Buntsandstein lagerten sich im Bereich der
heutigen Trierer Bucht Fluss- und Windsedi-
Bei den Gesteinen und Böden überwiegen
mente ab, die heute als rote Sandsteine in
die Gesteine des Devon deutlich. Stellen-
Erscheinung treten. In den Zeitabschnitten
weise sind sie mit Terrassenablagerungen
Muschelkalk und Keuper bildeten sich im
und/oder Lösslehm vergesellschaftet. Nur
Bereich der Trierer Bucht kalkhaltige Mee-
im Bereich der Obermosel sind Gesteine
resablagerungen. Mergel und Dolomitstein
des Keuper und Muschelkalk zu finden. Die
zeugen noch heute von der Ausbreitung des
Böden des Moseltales südlich von Trier sind
ehemaligen Meeres. Die Entwicklung des
von Dolomitstein und Mergel des Muschel-
heutigen Moseltals begann vor ca. 15 Mil-
kalk und Keuper geprägt. Auf den Ausgangs-
lionen Jahren. Aber erst in den Kaltzeiten
gesteinen des Devon und des Rotliegend
des Quartär schnitten sich die Flüsse wei-
entstanden basenarme bis basenreiche
ter in das Gebirge hinein und hinterließen
Braunerden. Auf den Gesteinen des Bunt-
Flussterrassen aus Sand und Kies. Stellen-
sandstein haben sich überwiegend basen-
weise lagerte der Wind Löss ab. Im Holozän
arme Braunerden entwickelt. Vielfältig sind
schließlich bildeten sich Auensedimente.
die Bodenbildungen im Bereich der mesozoischen Gesteine. Auf den Karbonatgesteinen
des Muschelkalk findet man Pararendzinen
und Rendzinen, auf den Mergeln des Keuper dominieren Pararendzinen und Pelosole.
Regosole, Parabraunerden und Pseudogleye
bildeten sich auf den mit Lehm überdeckten
pleistozänen Terrassensedimenten der Mosel. Die inselhaft auftretenden Lössvorkommen sind durch Pararendzinen, Parabraun-
Kleine Knickfalte im Schiefergestein
Mosel
erden und Pseudogleye geprägt.
33
Tonschiefer
Alt und faltig
Die „Hunsrückschiefer“ gehören zu den ältesten Gesteinen des Rheinischen Schiefergebirges. Ihre Bildung begann vor über 400 Millionen Jahren als Ablagerung des
Devonmeeres. Feiner Meeresschlamm bildete mächtige Sedimentfolgen, die später zu Ton- und Siltsteinen
verfestigt und unter dem Druck der Gebirgsbildung zu
Schiefern verformt wurden. Böden aus verwittertem
Tonschiefer bestehen aus kalkfreiem tonigen Lehm. Sie
weisen meist hohe Steingehalte auf. Je nach Reliefposition variiert die Mächtigkeit der durchwurzelbaren Bodenschicht über dem Festgestein sowie auch der Steingehalt. An Oberhängen und extrem steilen Hanglagen
ist die ursprüngliche Tiefe des Bodens über dem festen
Gestein gering, was man durch eine besonders große Rigoltiefe auszugleichen versucht. Niederschläge werden
schnell aufgenommen, jedoch nur begrenzt gespeichert.
Wichtig in Hanglagen: Bodenbedeckung bremst den Bodenabtrag durch Starkniederschläge.
Auf Schieferböden gedeihen frische, spritzige und feinfruchtige Rieslingweine mit Aromen von Pfirsich und Aprikose, bisweilen auch mit exotischen Noten wie Mango
oder Maracuja. Ihre Mineralität verleiht den filigranen
Weinen Nachhaltigkeit und Eleganz. Die Weine sind
außergewöhnlich langlebig.
Bodeneigenschaften
• mittel- bis tiefgründiger sandiger Lehm,
stark steinig-grusig
• mittlere Wurzeltiefe, meist gut durchwurzelbar
• ausreichender Wasserspeicher
• hohe Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• ausreichende Nährstoffversorgung
• saure Bodenreaktion
• gute Erwärmbarkeit
Parabraunerde-Rigosol aus Tonschiefer (Devon)
34
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Dolomitmergel
Meeresschlamm
Vor etwa 235 Millionen Jahren, im Keuper, wurden in einem seichten Meeresbereich bunt gefärbte Mergel mit
Dolomitstein abgelagert. Die heutige Landschaft der
Obermosel ist geprägt durch helle Felsen aus Dolomit,
die als markante Steilstufen die Hänge gliedern. Die
Rebflächen finden sich meist in den flacheren Hangpartien unterhalb dieser Steilstufen, wo der Untergrund aus
Mergeln mit Dolomitsteinbänken besteht. Die toniglehmigen Böden bestehen aus einem Gemenge von Mergeln und Dolomitsteinbruchstücken in dicht gelagertem
Ton. Typisch sind hohe Carbonat- und Nährstoffgehalte.
Der Ton behindert die Durchwurzelung und schränkt so
Durchlüftung und Wasserdurchlässigkeit ein. Eine Auflockerung des Bodens durch Bearbeitung verbessert die
Eigenschaften. Tonböden können viel Wasser festhalten,
ein großer Teil davon ist jedoch als „Totwasser“ so fest
gebunden, dass es für die Reben nicht nutzbar ist.
Neben weißen Burgundersorten und Rivaner wird an der
Obermosel hauptsächlich der Elbling kultiviert. Die Weine von Mergelböden zeigen sich cremig, mit balancierter Säure und verhaltenem Bodenton. Die Aromen sind
eher zurückhaltend. Wo über dem Mergel eine Decke aus
Dolomit-Schutt liegt, wirken die Weine dagegen stoffig
und kraftvoll.
Bodeneigenschaften
• mittelgründiger, kalkreicher toniger Schluff
bis schluffiger Ton, steinig-grusig
• schwer durchwurzelbar, eingeschränkter Wurzelraum
• ausreichender Wasserspeicher
• ausreichende Wasserdurchlässigkeit
• eingeschränkte Durchlüftung
• nährstoffreich
• kalkhaltig, alkalische Bodenreaktion
• mäßige Erwärmbarkeit
Rigosol aus dolomitischem Mergel (Keuper)
Mosel
35
Auf dem Calmont-Klettersteig
Moselland – Vielfalt mit
Genussfaktor
Wer über eine entsprechende Fitness ver-
Das Moselland ist von Natur aus schwung-
zwischen den Weinorten Bremm und Edi-
voll: Mit unzähligen Schleifen und Mäandern
ger-Eller ans Herz gelegt. Über schmale
hat der Fluss einen tiefen Canyon zwischen
Treppen, Leitern oder in die Felsen gehauene
die Gebirge von Eifel und Hunsrück gegra-
Eisentritte geht es quer durch die steilsten
ben. Steile Felsen aus Schiefer, Muschelkalk
Abschnitte der Weinberge. Die fantastische
und hellem oder rotem Sandstein flankieren
Aussicht über das Moseltal, über schroffe
seine Ufer, bis er am Deutschen Eck in Ko-
Rebenhänge und die zerklüftete Landschaft,
blenz in den Rhein mündet. Dieses Gestein
entschädigt für die schweißtreibende Mühe.
ist ein idealer Wärmespeicher in einer Land-
Informationstafeln entlang des Klettersteigs
schaft, die von der Sonne verwöhnt und eine
lassen auch alle Wissenshungrigen auf Ihre
der wärmsten Gegenden Deutschlands ist.
Kosten kommen: so erfährt man allerhand
Das Ergebnis ist erstklassig: Hier gedeihen
Wissenswertes zu den Themen Weinbau,
Reben, die zu international berühmten Wei-
Natur, Kultur und Geologie rund um Euro-
nen ausgebaut werden.
pas steilsten Weinberg.
Der Weingenuss und eine abwechslungsrei-
Steinzeitliche Siedlungen beweisen, dass es
che Flusslandschaft gehören an der Mosel
sich schon vor Urzeiten an der Mosel gut
untrennbar zusammen. Ein Weinanbauge-
leben ließ. Die Römer gründeten vor rund
biet der Superlative mit dem steilsten Wein-
2000 Jahren die Städte Trier und Koblenz.
berg Europas – dem Calmont – und dem
Sie trafen dabei auf keltische Stämme, die
ältesten Weinort Deutschlands – Neuma-
sich vom Luxus und der Lebenskunst der
gen-Dhron.
mediterranen Eroberer anstecken ließen.
36
fügt, dem sei der Calmont-Klettersteig
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Das Resultat können Moselreisende noch
heute bewundern: Nirgendwo sonst nördlich der Alpen gibt es so viele und so gut
erhaltene antike Stätten. Das Mittelalter
hinterließ eigene architektonische Schätze:
unzählige Burgen oder Burgruinen und viele von gewundenen Gassen durchzogene
Weindörfer mit reich verziertem Fachwerk.
Die größeren Orte sind heute quicklebendige Städte, die jahrhundertealte Historie mit
modernem Lebensgefühl verbinden.
Südländisches Flair und lange, warme Sommer machen den Reiz der Mosel aus. Von
diesem milden Klima verwöhnt werden
nicht nur die Menschen, die sich hier niederlassen. Die Natur blüht auf, Weinreben bestimmen das Bild der Landschaft. Aber auch
Mosel bei Cochem mit Reichsburg
andere mediterrane Pflanzen wie Oleander,
Sich wohlfühlen an der frischen Luft – für
Feigen oder Palmen wachsen in den Höfen
Radler, Wanderer, Kanufahrer und Fans an-
der Weingüter. An der Obermosel erwartet
derer Sportarten ist das Moselland ein Land
Sie ein einmaliges Orchideenparadies. Sel-
der unbegrenzten Möglichkeiten. Radwege,
tene Tiere wie der Apollofalter genießen in
Wanderwege oder auch die Wasserwander-
aufgelassenen Steillagen und Weinbergen
route Mosel sind perfekt ausgebaut für Ih-
ideale Bedingungen.
ren erlebnisreichen Urlaub, der Sie fit macht
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Mosel
37
Weinbergsmauer aus Rhyolith – Rotenfels, Bad Münster am Stein
Nahe
Weinberge säumen die Nahe von Martin-
wald und im Nordpfälzer Bergland reicht
stein bis zu ihrer Mündung in den Rhein bei
der Weinbau stellenweise bis auf über 300
Bingen sowie die Nebenflüsse Guldenbach,
Meter über NN. An wenigen Stellen wird an
Gräfenbach, Glan und Alsenz. Das Gebiet
der Nahe Weinbau in Steil- oder Steilstlagen
hat Anteil an drei naturräumlichen Einhei-
betrieben, wie beispielsweise am Rotenfels
ten. Im Nordosten reichen Ausläufer des
bei Bad Münster am Stein oder am Stein-
Hunsrücks (Soonwald) in das Weinbauge-
berg bei Niederhausen. In der Regel wird der
biet. Der Norden gehört zum Nördlichen
Wein in Flach- bis Hanglagen angebaut. Die
Oberrheintiefland, der südliche Teil zählt
durchschnittliche Neigung der Hanglagen
zum
beträgt 12,5 %.
Saar-Nahe-Bergland
(Nordpfälzer
Bergland). Die naturräumliche Gliederung
Die Höhenzüge des Soonwalds, des Hunsrü-
zeichnet in groben Umrissen die Geologie
cker Hochwalds und des Nordpfälzer Berg-
nach. Im Nordosten stehen Gesteine des
lands schützen das Gebiet im Norden, Wes-
Devons an. Ansonsten dominieren die se-
ten und Süden. Gegen Osten öffnet sich das
dimentären und vulkanischen Gesteine des
Anbaugebiet hin zur rheinhessischen Hügel-
Rotliegend, die nur im Osten häufiger von
landschaft und zum Mainzer Becken. Diese
Tertiärsedimenten überlagert werden.
topografischen Gegebenheiten bestimmen
Die am tiefsten gelegenen Rebflächen findet
das Klima. Die höchsten Temperaturwer-
man mit ca. 90 Metern über NN in der Un-
te findet man im Norden und Osten. Im
teren Naheebene. Am Übergang zum Soon-
Jahresdurchschnitt fallen 580 mm Nieder-
38
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Klima
Jahresmitteltemperatur: 8,2 - 10,3 °C
Jahresniederschlag: 520 - 650 mm
Direkte Solarstrahlung: 665.000 WH/qm
Sonnenscheindauer: 1.500 - 1.575 h
Rebfläche (2011)
ca. 4.150 ha, davon:
1.145 ha Riesling
547 ha Müller-Thurgau
446 ha Dornfelder
259 ha Spätburgunder
schlag, davon 350 mm in der Vegetations-
Latitandesit-Kuppe – Schloßböckelheim
periode. Die geringen Niederschläge bieten
durch langsam und garantieren Langlebig-
gute Voraussetzungen für gesunde Trauben.
keit. Bei allen Sorten können füllige Weine
Die Gefahr einer unzureichenden Wasser-
mit hohen Mostgewichten und moderater
versorgung der Reben wird durch zumeist
Säure erzielt werden. Naheaufwärts und in
feinerdige und tiefgründige Böden mit guter
den nördlichen und südlichen Seitentälern
Wasserhaltekraft gemildert.
machen sich die kühleren Luftmassen der
Zwei Merkmale kennzeichnen die Weine
umgebenden Mittelgebirge bemerkbar. Die
der Nahe: eine betonte Fruchtsäure und
spätere Reife lässt rassige, fruchtige und et-
ihre Mineralität. Sie entwickeln sich da-
was schlankere Weine entstehen.
Rote Sand- und Tonsteine prägen die Bodenfarbe – Rüdesheimer Goldgrube
Nahe
39
40
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Rotliegend-Sandstein – Guldental
Die ältesten Gesteine im Weinbaugebiet
Aber auch vulkanische Rotliegend-Gesteine
Nahe stammen aus dem Devon. Es handelt
(Rhyolith, Latit, Andesit und Basalt) sind zu
sich einerseits um alte, verfestigte Mee-
finden. Vor allem östlich von Bad Kreuznach
resablagerungen (Sandsteine, Tonschiefer,
wurzeln auf tertiären Ablagerungen Reb-
Quarzite), andererseits um metamorphe
stöcke – fluviatile Sande, Küstensande und
Gesteine (Grünschiefer, Phyllite). Die mit
marine Mergel. Sedimente der Kaltzeiten
Abstand weiteste Verbreitung besitzen
stellen die Terrassensedimente und der
Gesteine aus dem Rotliegend. Hierbei do-
Löss dar. Bei den Flussterrassen handelt es
minieren Sedimentgesteine wie Ton-, Silt-,
sich meist um kiesige Sande und Lehme,
Sandsteine, Konglomerate und Brekzien.
die stellenweise von Löss bzw. Lösslehm
bedeckt sind. In unserer jetzigen Warm-
Typische Gesteine und Böden
zeit entwickelten sich die heutigen Böden.
24 % Meist kalkhaltige Böden aus Ton-,
Aus Löss bildeten sich Parabraunerden und
Sandstein, Konglomerat des Rotliegend
17 % Kalkhaltige Löss- und Lösslehmböden
10 % Kalkfreie kiesig-sandige Böden aus
quartären Flussablagerungen
8 % Kalkreiche Lehm- und Tonböden
aus tertiären Mergeln
3 % Kalkfreie sandig-lehmige Böden aus
Vulkangesteinen des Rotliegend
Nahe
Tschernoseme. Saure Braunerden wurden
die vorherrschenden Böden auf den Gesteinen des Schiefergebirges. Auf den Quarzitrücken entwickelten sich stellenweise Podsole. Die Gesteine der Rotliegendlandschaft
einschließlich der Vulkangesteine brachten
basenreiche Braunerden hervor, mit Ausnahme des Rhyoliths. Wo er auftritt, sind saure
Braunerden typisch.
41
Ton-/Sandstein
Rote Wüste
Während der Zeit des oberen Rotliegend vor ca. 280
Millionen Jahren herrschten wüstenhafte Verhältnisse
vor. In Tümpeln und Salzpfannen sank feiner Ton zu Boden und bildete gemeinsam mit dem Kalk und den Salzen, die das verdunstete Wasser hinterließ, die oberste
Schicht einer Schlammablagerung, die sich später zu
roten Ton­- und Schluffsteinen verfestigte. Sie werden
Sponheimer Schichten genannt und prägen vor allem die
Weinberge von Rüdesheim, Sponheim und Weinsheim.
Dort, wo Tonsteine den Untergrund bilden, sind Tonböden (Pelosole) verbreitet. Auf den Schluffsteinen finden
sich Lehmböden. Allen gemeinsam ist ein deutlicher
Kalkgehalt und eine kräftige Rotfärbung. Die leuchtend
rote Farbe der Böden gibt auch heute noch dem Landschaftsbild eine südländische Nuance. Die Böden sind
ausgesprochen trocken, aber recht nährstoffreich.
Die Weine sind extraktreich, elegant und verspielt. Ihre
Mineralität ist begrenzt und zeigt sich erst nach einer
längeren Entwicklungsphase. Bei den Rieslingen herrschen Apfel-­, Pfirsich-­und Aprikosenaromen vor. Die
Fruchtsäure ist schon früh präsent und angenehm harmonisch. Edelsüße Weine weisen würzige, kräutrige Noten auf.
Bodeneigenschaften
• flachgründiger, toniger Lehm über mürbem Fels
• eingeschränkte Wurzeltiefe
• sehr kleiner Wasserspeicher
• eingeschränkte Wasserdurchlässigkeit
• eingeschränkte Durchlüftung
• sehr gute Nährstoffversorgung
• kalkhaltig, alkalische Bodenreaktion
• mäßige Erwärmbarkeit
Pararendzina aus kalkigem Tonstein (Rotliegend)
42
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Rhyolith
Verhinderter Vulkan
Rhyolith, ein helles und saures magmatisches Gestein,
entstand, als vor knapp 300 Millionen Jahren Magma
durch die Erdkruste aufstieg. Es erreichte jedoch die
Erdoberfläche nicht, blieb oberflächennah stecken und
erstarrte dort zu Rhyolith. Im Laufe der folgenden Millionen Jahre wurden die darüber liegenden Gesteinspakete abgetragen. Böden aus Rhyolith finden sich in den
Weinbergen von Altenbamberg, Bad Münster am SteinEbernburg, Hüffelsheim, Niederhausen, Norheim und
Traisen. Die meist flachgründigen, grusigen bis steinigen
Böden sind bekannt für ihren ungünstigen Wasserhaushalt. Daher wurde in Steillagen bei der Anlage von Weinbergsterrassen feinkörniges humusreiches Bodenmaterial
aus der näheren Umgebung aufgetragen und mit dem
Rhyolithboden vermischt, um den Standort in Bezug auf
den Wasser- und Nährstoffhaushalt aufzuwerten.
Der Weintyp ist leicht, lebendig, mit markanter Fruchtsäure. Es sind sich langsam entwickelnde, aber langlebige Weine. Wegen des geringen Wasserspeichers sind
die Mostgewichtsleistungen der Reben in Trockenjahren
begrenzt, die Alkoholgehalte gering und es herrschen dezente Aromen vor. Bei guter Wasserversorgung hingegen
sind Aromen von tropischen Früchten in den Rieslingen
vorzufinden.
Bodeneigenschaften
• flach- bis mittelgründiger, stark steiniger, lehmiger
Sand über Gesteinsschutt
• schwer durchwurzelbar, eingeschränkter Wurzelraum
• kleiner Wasserspeicher
• hohe Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• mäßige Nährstoffversorgung
• saure Bodenreaktion
• gute Erwärmbarkeit
Braunerde aus Rhyolith (Rotliegend)
Nahe
43
Oberhausen an der Nahe mit Luitpoldbrücke
Naheland – Eine Region kulinarisch
erleben.
einmalig. Schaut man etwas weiter in Rich-
Nicht nur in puncto Weinqualität gilt die
am Stein-Ebernburg den nächsten Superla-
Nahe in Fachkreisen als Geheimtipp. Für
tiv: den Rotenfels. Mit seinen 1.200 Meter
Genießer und Individualisten gleicherma-
Länge und einer Wandhöhe von rund 200
ßen hat das Naheland den Ruf, eigenständig
Metern ist er die höchste Steilwand nördlich
in seiner Art, widersprüchlich im Charakter
der Alpen in Deutschland. Außerdem ist das
und doch harmonisch in seinem Ganzen
Salinental in Bad Kreuznach mit 1.100 Meter
zu sein. Besonders durch diesen Reiz des
Gradierwerken das größte Freiluftinhalato-
Gegensätzlichen finden Kenner die Region
rium Europas.
tung Rhein, findet man bei Bad Münster
zwischen dem saarländischen Bostalsee
und dem Rhein bei Bingen so anziehend und
Aber auch viele Kleinode und besondere
einzigartig.
kulinarische Genüsse gilt es zu entdecken.
Unübersehbar ist die Naheweinstraße: Über
Im Naheland ist man mit Einzigartigem gut
einhundert Schilder weisen auf 130 Kilome-
vertraut: Die Edelsteinminen im Steinkau-
tern den Weg zu gastfreundlichen Winzern
lenberg in Idar-Oberstein sind die einzigen
in 35 Weinbaugemeinden. Eine Infokarte
zur Besichtigung freigegebenen Edelstein-
führt zu Besonderheiten der faszinierenden
minen Europas und das Deutsche Edel-
Landschaft, zu steinernen Zeitzeugen wie
steinmuseum in Idar-Oberstein ist mit
die Ruine Gutenberg und zu Naturschön-
seiner faszinierenden Ausstellung weltweit
heiten wie dem Rotenfels. Zum unvergesslichen Erlebnis wird eine Exkursion auf der
44
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Naheweinstraße mit einem Kultur- und
Weinbotschafter als Scout. Sie begeistern
durch Wissenswertes rund um Weinkultur,
Kunst, Musik und Literatur und haben so
manchen Tipp parat.
Weinland-Nahe, die Gebietsweinwerbung
an der Nahe, gibt zudem eine ganz Palette
an Informationsbroschüren heraus. Neben
einem Winzer- und StraußwirtschaftenVerzeichnis und einem Eventkalender ist
der Pocket Guide „Nahe Wein – Echter
Brückenhäuser in Bad Kreuznach
Genuss“ ein Führer für kulinarische Entdeckertouren im Naheland. Der Pocket Guide
volle eigenwillige und wohlschmeckende
wurde unter Regie der Gebietsweinwerbung
Kreationen.
Weinland-Nahe mit Unterstützung des
Für weitere regionale Spitzenerzeugnisse
Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands
steht die Regionalmarke „SooNahe“. Sie
Rheinland-Pfalz sowie des Regionalbünd-
bietet ein authentisches Angebot, schafft
nisses Soonwald-Nahe erstellt. Die 21 „aus-
Transparenz und Vertrauen. Sämtliche Le-
gezeichneten Gastronomen“ nehmen den
bensmittel stammen vom Rohprodukt bis
Titel „Echter Genuss“ durchaus wörtlich.
zur Verarbeitung aus der Region, erfüllen
Hochwertige ehrliche Zutaten aus der Re-
hohe Qualitätsanforderungen und sind frei
gion, freundlicher Service und nicht zuletzt
von Gentechnik.
eine ausgezeichnete Naheweinkarte. Auf
Alle diese guten Gründe machen neugierig
dieser Basis komponiert ein jeder fantasie-
auf diese reiche Kulturlandschaft im Südwesten Deutschlands und sind ein echter
Geheimtipp.
Tipp: Die neue Broschüre „WeinGenuss“ –
das wein-kulinarische Naheland Magazin.
Weitere Informationen:
Naheland-Touristik GmbH
Bahnhofstrasse 37
55606 Kirn
Tel. +49 (0) 67 52 - 1376 10
Fax +49 (0) 67 52 - 1376 20
E-Mail: info@naheland.net
Internet: www.naheland.net
Nahe
45
Rheinhessisches Tafel- und Hügelland
Rheinhessen
Mit über 26.400 Hektar Rebfläche ist Rhein-
von Nordpfälzer Bergland, Hunsrück, Tau-
hessen das größte deutsche Weinanbauge-
nus und Odenwald genießt Rheinhessen das
biet. Hier stehen mehr als 100 Millionen
geschützte Klima eines Beckens. Gebirgszü-
Rebstöcke, die an ihrem Standort recht un-
ge schirmen die westlichen Winde mit ihren
terschiedliche Boden- und Klimabedingun-
Niederschlag bringenden Luftmassen ab.
gen vorfinden.
Das Bergland zwingt die Winde zum Auf-
Im Rheinknie zwischen den Städten Worms,
steigen und ein Teil der Feuchtigkeit regnet
Mainz, Bingen und Alzey liegt ein Tafel- und
dabei ab. Dadurch weist Rheinhessen eine
Hügelland, das von bewaldeten Mittelge-
geringere Bewölkung auf, die wiederum eine
birgen umrahmt ist. Im Süden geht es in
stärkere und längere Sonneneinstrahlung
die Rheinebene über, hier schließt das An-
sowie föhnartig erhöhte Temperaturen mit
baugebiet Pfalz an. Im Osten und Norden
sich bringt.
grenzt der Rhein die Hügellandschaft ab. Die
Das günstige Klima wird durch das Relief va-
Landschaft, in ihren Grundelementen in der
riiert. In den Randzonen erhöhen die nahen
letzten Kaltzeit geformt, ist geprägt durch
Mittelgebirge den Jahresniederschlag auf
den Wechsel von meist waldfreien Plateaus
600 mm. Trockeninseln mit nur 500 mm
aus widerständigem Kalkstein und breiten
Jahresniederschlag liegen im Windschatten
Tälern, die Bäche in weiche Mergel gegraben
östlich von Hunsrück, Donnersberg oder
haben.
den Rheinhessischen Plateaus.
Rheinhessen gilt als eine der Wärme- und
Trockeninseln Deutschlands. Eingerahmt
46
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Klima
Jahresmitteltemperatur: 9,8 - 10,5 °C
Jahresniederschlag: 515 - 605 mm
Direkte Solarstrahlung: 650.000 WH/qm
Sonnenscheindauer: 1.500 - 1.575 h
Rebfläche (2011)
ca. 26.500 ha, davon:
4.366 ha Müller-Thurgau
3.952 ha Riesling
Weinheimer Trift – Meeresablagerungen aus der Zeit des Tertiär
3.428 ha Dornfelder
2.451 ha Silvaner
Die schlanken, fruchtigen rheinhessischen
1.387 ha Spätburgunder
Weißweine zeigen eine feine, frische Säure.
Etwa 1/3 der Weinberge gehört den roten
Weinbau wird in Rheinhessen von 90 Me-
Sorten. Die kalkhaltigen Löss- und Mer-
ter über NN in der Rheinniederung bis hoch
gelböden ermöglichen eine optimale Aus-
auf 250 Meter im Hügelland betrieben. Die
prägung der Burgunderaromen. Ein hoher
höchsten Jahresdurchschnittstemperaturen
Kalkgehalt erzeugt mineralische Weine mit
werden in der Nähe des Oberrheingrabens
hohem Extrakt. Ein guter Boden zur Erzeu-
erreicht.
gung langlebiger Rot- und Weißweine.
Trullo – Traditionelles Weinbergshäuschen in Rheinhessen
Rheinhessen
47
48
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Rheinhessen liegt im Mainzer Becken, einer
nordwestlichen Randschulter des Oberrheingrabens. Das Gebiet wird überwiegend
von tertiären und quartären Sedimenten
aufgebaut, die über einem Sockel aus Rotliegend-Gesteinen liegen. Diese RotliegendGesteine treten lediglich im äußersten Südwesten Rheinhessens und bei Nierstein an
die Erdoberfläche (Niersteiner Horst). Die
Kalkstein mit Fossilien der kleinen Wattschnecke Hydrobia
Rotliegend-Gesteine werden von quartären
Sedimenten (Lösslehm, Flussterrassen, Au-
rassen- oder Hangsedimenten bedeckt. Als
ensedimente, Hangsedimente) überlagert.
geologische „Exoten“ treten am Binger Rochusberg kleinräumig devonische Quarzite
Typische Gesteine und Böden
und Tonschiefer auf. Für die Bodenbildung
42 % Meist kalkhaltige Löss- und
stellt der Löss bzw. der Lösslehm das wich-
Lösslehmböden
27 % Kalkreiche Lehm- und Tonböden
aus tertiären Mergeln
5 % Kalkreiche Lehmböden aus tertiären
Kalksteinen
3 % Kalkfreie kiesig-sandige Böden aus
tigste Ausgangssubstrat dar. In ihm haben
sich Parabraunerden, Tschernoseme oder
Pararendzinen entwickelt. Auf tertiären Sedimenten entstanden eine Vielzahl von Bodentypen, unter ihnen fossile tropische Böden wie Terra rossa und Terra fusca.
quartären Flussablagerungen
3 % Kalkhaltige Böden aus Ton-, Sand
stein und Konglomerat des Rotliegend
Die Morphologie der Landschaft hängt eng
mit diesem geologischen Aufbau zusammen: Die Plateaubereiche Rheinhessens
werden von tertiären Kalksteinen gebildet,
die Hang-, Hügel- und Niederungsbereiche sind in weicheren tertiären Mergeln
entwickelt. Die Plateaus sind meist von
Löss überlagert, die Kalke und Mergel der
Hangbereiche werden häufig von Löss oder
Hangsedimenten verschleiert. Die Mergel
der Niederungszonen sind von Auen-, Ter-
Rheinhessen
Staub der Kaltzeit – Wand aus hellem Löss
49
Löss
Staub der Eiszeit
Löss ist eine kalkreiche Ablagerung des Windes. Herkunftsgebiete des Löss waren Schotterebenen, Endmoränen sowie Kältewüsten. Gestein verwitterte durch
Frosteinwirkungen oder Temperaturwechsel bis hin zu
feinen Staubkörnern. Der Staub wurde vom Wind verweht und in windgeschützten Lagen wieder ablagert.
Löss bedeckt weite Teile Rheinhessens. Meist ist die Bedeckung nur wenige Meter hoch, es gibt aber auch bis zu
30 Meter mächtige Lössauflagen. Der Löss hat eine hohe
Standfestigkeit einerseits und hohe Erosionsanfälligkeit
andererseits.
Lössböden sind sehr fruchtbar. Sie sind leicht bis in große Tiefe durchwurzelbar, erwärmen sich schnell und sind
wegen ihrer lockeren Beschaffenheit gut durchlüftet.
Sie verfügen über einen großen Wasserspeicher und ein
großes Nährstoffreservoir. Reben können sich auf Lössböden besonders günstig entwickeln. In warmen Lagen
führt das zu früher Blüte und frühem Reifebeginn.
Die Weine vom Löss sind elegant und saftig, unkompliziert und süffig mit feiner Frucht. Die Säure erscheint
eher sanft. Die Weine entwickeln eine frühe Trinkreife
bei begrenzter Langlebigkeit.
Bodeneigenschaften
• tiefgründiger, leichter Lehmboden, toniger Schluff
• sehr gut durchwurzelbar, sehr großer Wurzelraum
• sehr großer Wasserspeicher
• mittlere Wasserdurchlässigkeit
• ausreichende Durchlüftung
• nährstoffreich
• alkalische Bodenreaktion, kalkhaltig
• mäßige Erwärmbarkeit
• hohes Wuchspotenzial
Kolluvisol-Rigosol aus Löss (Pleistozän)
50
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Mergel
Meeresschlamm
Im Tertiär vor 31 bis 24 Millionen Jahren nahm ein flaches
subtropisches Meer das Mainzer Becken ein. Die Mergel
sind Ablagerungen dieses Meeres. Es sind sehr kalkreiche
Sedimente, meist unverfestigte Tone und Lehme mit
sandigen Einschaltungen.
Die Bodenbildung mit Entkalkung und Verwitterung
setzte bereits im jüngeren Tertiär ein. An stark geneigten
Hängen wurde durch Bodenerosion der verwitterte Mergel immer wieder abgetragen. Die weinbauliche Nutzung
verstärkte diesen Prozess, so dass heute nahezu unverändertes Ausgangsmaterial zu Tage tritt. Kennzeichnend
ist der sehr hohe Kalkgehalt und das große Wasserspeichervermögen des Bodens. Die Nährstoffversorgung
im gesamten Boden ist gut. Der Gefahr der Staunässe
in einem feuchten, kühlen Frühjahr kann durch die geschickte Bodenbearbeitung gegengesteuert werden. Das
günstige Bodengefüge stellt eine ausreichende Durchlüftung sicher.
Die Weine sind kraftvoll, körperreich, ausdrucksvoll und
zeigen eine starke Mineralik, Dichte und Länge. Der Riesling ist sehr saftig und wird getragen von einer balancierten Säure. Rotweine zeigen dunkle Fruchtaromen und
eine rauchige Würzigkeit.
Bodeneigenschaften
• tiefgründiger, kalkreicher, sandiger Lehmboden
• zum Teil schwer durchwurzelbar, großer Wurzelraum
• mittlerer Wasserspeicher
• ausreichende Wasserdurchlässigkeit
• Gefahr von Staunässe
• eingeschränkte Durchlüftung
• nährstoffreich
• alkalische Bodenreaktion, stark kalkhaltig
• mäßige Erwärmbarkeit
Pararendzina aus Mergel (Tertiär)
Rheinhessen
51
Selztal-Terroir-Routen
zu einer entspannten Weinrast mit herrli-
Grandiose Weitblicke erleben und das vielge-
chen Ausblicken ein. Ausgangspunkte der
rühmte „Terroir“ entdecken.
Routen sind die barocken Weindörfer Jugen-
Weinwandern auf fünf Erlebnis-Rundwegen
heim, Stadecken, Elsheim und Essenheim.
über die Anhöhen der lichterfüllten Wein-
Auf einem rund drei Kilometer langen Teil-
landschaft des Mittleren Selztals.
stück der Elsheimer Route (STR 2) zeigt und
erklärt der Adam-Elsheimer-Weg Kunstin-
Die Selztal-Terroir-Routen bieten Ihnen
teressierten an vier einladenden Stationen
leichte Genusswander-Touren von ein bis
ausgewählte Werke des bedeutenden Ba-
zwei Stunden durch die Kultur- und Natur-
rockkünstlers Adam Elsheimer.
landschaft der Weinberge und der Nieder-
www.aei.stadecken-elsheim.de
ung des Mittleren Selztals. Besonders eindrucksvoll erfahren Sie, was es mit dem in
Weinkreisen hoch geschätzten „Terroir“ auf
sich hat und was für die jeweilige Weinlage
und ihre Böden charakteristisch ist. Dazu
erwarten Sie acht begehbare Bodenprofile, begleitet von anschaulichen Info-Tafeln.
Diese gewähren Ihnen einmalige Einblicke
in die Erdgeschichte der Region. In der Nähe
der Bodenprofile laden „Tische des Weins“
Beobachtungsturm Stadecker Warte
52
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Selztal-Terroir-Route 1
7,8 km - Jugenheim
Entlang des Jugenheimer Weges geht es
in einem Meer von Reben an vielen Trockenrasen mit im Frühsommer blühenden
Orchideen vorbei. An der Hangkante der
Jugenheimer Hochfläche bietet sich ein
grandioser Rundblick in das Selztal und bis
zum bewaldeten Taunus in der Ferne. Ein
Kalkmergelboden und ein Lössboden können an dieser Route entdeckt werden.
Auf der Südseite geht der Blick weit nach
Rheinhessen hinein, auf der Westseite ist
das strukturreiche Partenheimer Tal zu sehen. Und nicht zuletzt wollen ein Boden aus
Tonmergel und einer aus glitzerndem Mee-
Selztal-Terroir-Route 2
ressand (Kalksandsteinboden) in die Hand
6,4 km - Elsheim
genommen werden.
Im frischen Selztalgrund geht es auf die
„11.000-Mägdemühle“ zu. Danach führt der
Selztal-Terroir-Route 4 & 5
Weg recht steil zum klassizistischen Wein-
10,5 km – Essenheim
bergshäuschen hinauf. Ab jetzt folgen Sie
Essenheim lädt gleich auf zwei Routen zum
dem Verlauf des Adam-Elsheimer-Weges,
Terroirerlebnis ein. Die 5,2 km lange Route
der Höhenkante, an der Weidenborn Quelle
STR 4, die südwestlich von Essenheim durch
vorbei und durch die Senke hindurch errei-
die Weinlage Teufelspfad führt und die 3,1
chen Sie schließlich den Hieberg mit sei-
km lange STR 5, nördöstlich des Ortskerns.
nem Aussichtsturm. Inmitten der Elsheimer
Zusammen bieten sie dem Genuss-Wande-
Weinberge werden Sie in die meisterhaft
rer eine Panoramatour mit geringen Höhen-
detaillierte Malerei des Malers Adam Elshei-
unterschieden oberhalb des Selztals sowie
mer eingeführt. Lernen Sie auf dieser Rou-
einen Abstecher durch die alten, typischen
te auch einen Braunlehm-Kalkstein-Boden
Obstanlagen bis hinunter in ein warmes
und einen Sandmergel-Boden kennen.
Quellmuldentälchen mit seinen vor Wind
und Kälte geschützten Weinbergen.
Selztal-Terroir-Route 3
7,8 km – Stadecken
Die Route führt am heutigen Naturschutzgebiet „Woogwiesen/Bruchwiesen“ vorbei,
über den südlich von Stadecken gelegenen
Pfadberg. Der alte Friedhof und mehrere Quellwäldchen liegen am Wegesrand.
Rheinhessen
Weitere Informationen:
Rheinhessen-Touristik GmbH
Friedrich-Ebert-Str. 17, 55218 Ingelheim
Tel. +49 (0) 6132 - 4417 0
Fax +49 (0) 6132 - 4417 44
E-Mail: info@rheinhessen.info
Internet: www.rheinhessen.info
Informationen zu den Routen: www.selztal-terroir.de
53
Blick auf das Hambacher Schloß
Pfalz
Die Pfalz ist das zweitgrößte deutsche Wein-
Der Haardtrand und das Vorderpfälzer Tief-
anbaugebiet. Begrenzt wird sie durch die
land gehören zum Oberrheingraben, einem
Gemeinden Wachenheim (Nordwesten),
in NNE-SSW-Richtung angelegten tekto-
Worms (Nordosten), Jockgrim (Südosten)
nischen Grabenbruch. Das Relief zeigt sich
und Schweigen-Rechtenbach (Südwesten).
dadurch vielgestaltig. Der Pfälzerwald im
Die 85 km lange Weinstraße führt von
Westen weist Höhen von mehr als 320 Me-
Schweigen-Rechtenbach an der französi-
tern über NN auf, während die Tiefenberei-
schen Grenze bis nach Bockenheim im Nor-
che der Vorderpfalz in Rheinnähe auf etwa
den der Rheinpfalz.
95 Meter über NN abfallen. Die pfälzischen
Naturräumlich reicht das Weinanbaugebiet
Weinbauflächen liegen in Höhen von rund
vom Gebirgsrand des Pfälzerwaldes im Wes-
100 bis über 300 Meter über NN.
ten über den Haardtrand zum Vorderpfälzer
Im Westen schirmt der Pfälzerwald die At-
Tiefland, das den zentralen und östlichen
lantiktiefs und kalten Winde ab und sorgt
Teil einnimmt. Das Tiefland wird durch
so für ein trockenes, mildes Klima. Die Jah-
Riedel und Platten sowie Niederungen ab-
resdurchschnittstemperatur beträgt etwa
wechslungsreich gegliedert. Zwischen dem
10 °C bzw. 14,7 °C in der Vegetationsperio-
hügeligen Haardtrand und dem Rhein liegen
de. Die Temperaturwerte nehmen von West
neben Rebflächen ausgedehnte Obst- und
(Haardtrand) nach Ost (Rheinebene) zu. Im
Gemüsegärten auf fruchtbaren Löss- und
Jahresdurchschnitt fällt ein Niederschlag
Schwemmlandböden.
von etwa 655 mm, davon 60 % (390 mm)
54
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Klima
Jahresmitteltemperatur: 8,2 - 10,5 °C
Jahresniederschlag: 520 - 840 mm
Direkte Solarstrahlung: 665.000 WH/qm
Sonnenscheindauer: 1.550 - 1.650 h
Rebfläche (2011)
ca. 23.500 ha, davon:
5.567 ha Riesling
3.141 ha Dornfelder
2.231 ha Müller-Thurgau
1.967 ha Portugieser
in der Vegetationsperiode. Die Niederschlä-
Kalksteinfelsen am Haardtrand
ge nehmen nach Süden sowie nach Westen
zum Haardtrand hin zu.
Fast jede sechste Riesling-Rebe der Welt
Weinbau dominiert im Bereich des Haardt-
steht in der Pfalz. Damit ist die Pfalz welt-
randes und auf den lössbedeckten Riedeln
weit das größte Riesling-Anbaugebiet.
und Platten. Steillagen mit bis zu 60 %
Fruchtbarer Löss, der gut die Hälfte der
Hangneigung findet man im Westen, in den
Rebflächen bedeckt, sorgt für einen guten
Randbereichen des Pfälzerwaldes und am
Ertrag. Die Weine sind üppig angelegt, fruch-
Haardtrand. Auf den Riedeln und Platten
tige Aromen kommen gut zum Tragen. Die
dominieren Flachlagen. Die Weinberge sind
kräftigen und fülligen Weiß- und Rotweine
überwiegend Südost exponiert.
sind von einer hohen Langlebigkeit.
Blick von der kleinen Kalmit auf den Haardtrand
Pfalz
55
56
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Der Pfälzerwald ist aus klastischen Sedimentgesteinen, hauptsächlich Sandsteinen,
aufgebaut. Nach Osten geht er in den Hügelsaum des Haardtrandes über, der die eigentliche Bruchzone des Oberrheingrabens
darstellt. Diese nur wenige Kilometer breite
Zone zeigt einen sehr heterogenen geologischen Aufbau. Neben tertiären Sedimenten
findet man hier mesozoische und paläozo-
Bank aus rotem Sandstein (Buntsandstein)
ische Gesteine, die häufig durch mächtige
quartäre Decksedimente überlagert werden.
Typische Gesteine und Böden
48 % Kalkhaltige Löss- und
Lösslehmböden
11 % Kalkfreie kiesig-sandige Böden aus
quartären Flussablagerungen
4 % Kalkreiche Lehmböden aus
tertiären Kalksteinen
3 % Kalkhaltige lehmig-sandige Böden
tertiären Kalke und Mergel. Von insgesamt
geringer Verbreitung sind Rebflächen auf
Sandsteinen des Rotliegend und Buntsandstein. Fast schon exotische Gesteine stellen die Kalk- und Dolomitsteine sowie die
Mergel des Muschelkalk, Keuper und Jura
dar. Absolute Einzelvorkommen sind die
Vulkanite des Rotliegend und Tertiär sowie
Gesteine des Altpaläozoikum.
aus tertiären Sanden
2 % Kalkreiche Lehm- und Tonböden
aus tertiären Mergeln
Auf den Riedeln und Platten des Vorderpfälzer Tieflandes, die strukturgeologisch schon
zum Oberrheingraben gehören, dominiert
der kaltzeitliche Löss. In den Niederungen
findet man kaltzeitliche Terrassensedimente sowie holozäne sandig-lehmige Auenablagerungen.
Ein großer Teil der Reben im Weinbaugebiet Pfalz stockt auf Löss bzw. Lösslehm.
Auch auf den quartären fluviatilen Lehmen,
Sanden und Kiesen findet man Weinreben.
Flächenmäßig an dritter Stelle stehen die
Kalkstein (Tertiär)
Pfalz
57
Roter Sandstein
Sand der Wüste
Sandstein bildet den Untergrund des Pfälzerwalds. Er
wurde vor 250 Millionen Jahren gebildet, in der Zeit des
Buntsandstein, als Flüsse in einer Wüstenlandschaft ihre
Sedimente ablagerten. Die meisten „BuntsandsteinWeinlagen“ finden sich am Haardtrand, wo der Pfälzerwald allmählich in die Hügellandschaft ausläuft. Viele
der steilen, terrassierten Hänge wurden im Laufe der Zeit
aufgegeben. Inzwischen haben Winzer wie Weinliebhaber das Potenzial dieser traditionellen Steillagen wieder
zu schätzen gelernt. An den steilen Hängen enthält der
Untergrund wenig Feinmaterial, dafür viele Steine oder
Blöcke. Die steinigen, sandigen Böden verlangen der
Rebe einiges ab, denn sie sind trocken und nährstoffarm.
Der stark steinige Untergrund ist schwer durchwurzelbar
und besitzt keinen großen Wasserspeicher. Zu den Vorzügen des Bodens gehört seine gute Durchlüftung, die
ihn rasch erwärmen lässt und die Fähigkeit, die Wärme
zu speichern. Dies fördert die Entwicklung der Rebe und
lässt die Trauben früher reifen.
Die Hanglagen mit den Buntsandsteinböden bieten eine
gute Grundlage für Spitzenweine. Die Rieslinge sind frische Weine mit schlankem Körper und einer prägnanten
Fruchtsäure. Zum Aromenspektrum gehören Zitrone,
Grapefruit und eine mineralische Note.
Bodeneigenschaften
• mittel- bis tiefgründiger sandiger Lehm, steinig
• gut durchwurzelbar, mittlere bis große Wurzeltiefe
• mäßiger bis guter Wasserspeicher
• hohe Wasserdurchlässigkeit
• gute Durchlüftung
• ausreichende Nährstoffversorgung
• neutrale bis saure Bodenreaktion
• mäßige Nährstoffversorgung
• gute Erwärmbarkeit
Rigosol aus Sandstein (Buntsandstein)
58
Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
Kalkstein
Essenz aus Jahrmillionen
Dieser Boden – eine Terra Fusca – entwickelte sich aus
den nicht löslichen Bestandteilen des Kalksteins, die als
„Verunreinigungen“ eingelagert waren. Als am Ende des
Tertiär unter subtropischen Bedingungen Lösungsverwitterung das Gestein zersetzte, blieb eine lehmige oder
tonige Schicht zurück, der Residualton. Der hohe Anteil
an Ton prägt auch die Eigenschaften dieses Bodens. Er
kann viel Wasser speichern, einen großen Teil bindet er
allerdings so fest, dass die Reben ihn nicht nutzen können. Durch den hohen Wassergehalt erfolgt im Frühjahr
die Erwärmung des Bodens verzögert. Ein meist im Oberboden vorhandener Lössanteil gewährleistet eine gute
Nährstoffversorgung bei hohem Kalkgehalt. Der steinige
Untergrund ist nur schwer durchwurzelbar. Ältere Reben
mit einem etablierten Wurzelwerk können allerdings
auch in Trockenphasen immer Wasser und Nährstoffe in
der Tiefe erreichen. Eine schonende Bodenpflege stabilisiert die Bodenstruktur und verringert die Chloroseanfälligkeit der Reben.
Auf den Böden wachsen fruchtbetonte, üppige und gehaltvolle Rieslinge mit sanfter Säure. Sie können salzige
Aromen oder rauchige Noten entwickeln. Es sind spannende, vielschichtige Weine mit großem Entwicklungspotenzial, die aber Reifezeit benötigen.
Bodeneigenschaften
• mittel- bis tiefgründiger Ton, steinig
• eingeschränkte Durchwurzelbarkeit
• mäßiger Wasserspeicher
• eingeschränkte Wasserdurchlässigkeit
• eingeschränkte Durchlüftung
• sehr gute Nährstoffversorgung
• kalkhaltig, alkalische Bodenreaktion
• gute Nährstoffversorgung
• mäßige Erwärmbarkeit
Terra fusca–Rigosol aus Kalkstein (Tertiär)
Pfalz
59
Schloss Villa Ludwigshöhe – Edenkoben
Weinerlebnis Pfalz
blühenden Mandelbäume schon im März
Die Vielfalt der Böden der Pfalz können
prächtige, rosafarbene Akzente setzen. Im
Wanderer auf dem „Pfälzer Weinsteig“ er-
Herbst wiederum ist nicht nur die Weinlese
leben. Der 153 Kilometer lange Prädikats-
in vollem Gang, auch die Esskastanien kön-
wanderweg beginnt in Neuleiningen mit
nen gesammelt werden.
seiner imposanten Burgruine und endet am
Deutschen Weintor an der Grenze zu Frank-
Auch die römische Geschichte der Pfalz
reich. Die abwechslungsreiche Strecke führt
wird bei einer Wanderung auf dem „Pfäl-
immer wieder aus dem Pfälzerwald hinaus
zer Weinsteig“ lebendig, denn die bestens
in die Weinberge mit weitem Blick über die
ausgeschilderte Strecke führt bei Bad Dürk-
Rheinebene. Malerische Weindörfer wie
heim direkt am Krimhildenstuhl, einem rö-
Deidesheim oder St. Martin und Städte wie
mischen Steinbruch, vorbei. Der Pechstein-
Bad Dürkheim, Neustadt, Annweiler oder
kopf bei Forst, ein ehemaliger Vulkan, liegt
Bad Bergzabern liegen am Weg. Dem für
nicht weit vom Weg entfernt. Das dunkle
die Pfalz so typischen Sandstein begegnen
Basaltgestein von dort hat zu dem bekann-
die Wanderer dabei buchstäblich auf Schritt
ten Lagennamen Pechstein geführt. Wer
und Tritt. Etwa beim Anblick von Burgrui-
solche örtlichen Eigenheiten erforschen
nen wie der Wachtenburg oder der Maden-
will, kann entweder auf eigene Faust einen
burg oder in den Ortsbildern. Besonders
Weinlehrpfad zum Terroir-Thema erkunden
eindrucksvoll präsentieren sich die Pfälzer
(etwa den Wein- und Stein-Lehrpfad im
Weinberge im zeitigen Frühjahr, wenn die
südpfälzischen St. Martin) oder sich einem
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Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
der „Kultur- und Weinbotschafter Pfalz“
anvertrauen. Diese Führer durch die Region
bieten auch Terroirwanderungen an, oft mit
Einkehr bei Winzern oder Weinproben im
Weinberg.
Der Wanderweg Deutsche Weinstraße verläuft entweder in den Weinbergen oder
dort, wo die bewaldeten Hänge des Haardtgebirges in die Weinberge übergehen. Der
etwa 100 Kilometer lange Weg, markiert
mit einer grünen Traube auf weißem Grund,
beginnt in Bockenheim. Viele berühmte
Pfälzer Weinlagen und bekannte Weinorte
dungstouren mit dem Fahrrad bieten sich
liegen am Weg. Möglichkeiten zum Einkeh-
der Radweg Deutsche Weinstraße oder Teile
ren gibt es in großer Fülle, der Anschluss
des Kraut- und Rübenwegs an. Während der
ans öffentliche Verkehrsnetz ist bestens.
Kraut- und Rübenweg größtenteils östlich
Der Wanderweg Deutsche Weinstraße en-
der Weinstraße in der Ebene verläuft, er-
det in Schweigen am Deutschen Weintor,
klimmt der Radweg Deutsche Weinstraße
direkt an der Grenze zum Elsaß. Für Erkun-
immer wieder die höheren Weinbergslagen.
Neben der Hauptroute existieren Abstecher
zu der Panoramaroute, wo ein fantastischer
Blick für die Mühen des Anstiegs entlohnt.
Die Radtour endet auch hier mit dem Blick
ins benachbarte Elsaß am Deutschen Weintor.
Weitere Informationen:
Pfalz.Touristik e.V.
Martin-Luther-Straße 69
67433 Neustadt an der Weinstraße
Tel. +49 (0) 6321 - 3916 0
Fax +49 (0) 6321 - 3916 19
Email: info@pfalz-touristik.de
Internet: www.pfalz.de
www.pfaelzer-wanderwege.de
www.kultur-und-weinbotschafter.de
Pfalz
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Bildquellen:
Dominik Ketz (S. 4 o., S. 5 o. r., u. r., S. 21 u., S. 37 o., S. 61 o.), Lasse Burell Produktion (S. 4 u., S.
36), DLR Rheinhessen, Nahe, Hunsrück (S. 9 o. r.), Oxford Scientific, Kathie Atkinson / Auscape
/ ardea.com / London (S. 10), Weinland Nahe (S. 11 o.), www.ahrtal.de (S. 15 u., S. 20 o. und
u., S. 21 o.), Bernd Ternes, DLR (S. 17 o. und u.), Deutsches Weininstitut (S. 22, S. 38, S. 47 u.,
S. 54), Piel Media (S. 28), Mittelrhein Wein e.V. (S. 29 o.), Suzanne Breitbach (S. 29 u.), Petra
Stuening (S. 30), Tourist-Information Ferienland Cochem (S. 37 u.), Holger Bernert (S. 45 o. r.),
Moritz Attenberger (S. 45 u. l.), Rheinhessenwein e.V. (S. 46), Winfried Kuhn, LGB (S. 47 o.),
Michael Greller, LGB (S. 49 o.), Uwe Feuerbach (S. 52 o., S. 53 o.), Armin Kleisinger (S. 52 u.),
Ochel-Spies, IBG (S. 57 o. und u.), ad lumina (S. 60), Faber & Partner (S. 61 u.)
alle weiteren Bilder: Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz
(o = oben, u = unten, r = rechts, l = links)
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Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz
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