Schilddrüsenerkrankung und Kropfleiden
Vortragshinweis:
6.11. Schilddrüsenerkrankungen und
Kropfleiden
Wenn dem Körper Jod fehlt
Ort:Kreiskrankenhaus Rinteln
Referent: Arno Schmidt
Ein Hormonmangel kann ebenso auftreten wie eine Überproduktion
Rund die Hälfte der Bevölkerung hat eine vergrößerte Schilddrüse. Ungefähr
20 bis 30 Prozent leiden an
einer behandlungsbedürftigen Struma. Ein solches
Kropfleiden trifft also etwa
20 Millionen Deutsche.
be der Schilddrüse gegen ionisierte Strahlung sehr empfindlich. In radioaktiv verseuchten Gegenden wird
Schilddrüsenkrebs wesentlich
häufiger beobachtet. Während der Schwangerschaft und
Stillzeit ist der Hormonbedarf
deutlich erhöht. Bei Frauen
Die Schilddrüse erfüllt zahl- kommen Schilddrüsenerkranreiche Stoffwechselfunktionen kungen zehnmal häufiger vor
im Körper. Ihre wichtigsten als bei Männern.
Hormone sind Tri- und Tetrajodthyronin sowie Calzitonin.
Symptome
Sie regulieren den GrundumDie Überproduktion von
satz, indem sie die Herzarbeit
und die Körpertemperatur so- Schilddrüsen-Hormonen chawie den Abbau von Fetten und rakterisiert sich durch HerzGlykogen steigern. Sie fördern rasen, Reizbarkeit, SchweißWachstum (vor allem Längen- ausbrüche, Wärmeintoleranz,
wachstum), Gehirnreifung und
dadurch auch die intellektuelle
Entwicklung.
Schilddrüsenhormone werden kontinuierlich in den
Blutkreislauf abgegeben. Bei
der Synthese ist das Spurenelement Jod erforderlich, dass
aber nicht gleichmäßig in Erde
und Grundwasser vorkommt.
Deshalb haben Schilddrüsenerkrankungen häufig einen regionalbezogenen Charakter.
Die tägliche Joddosis bei
Erwachsenen beträgt 200 Mikrogramm. Für ein durchschnittliches Menschenleben
reichen folglich fünf bis sieben Gramm Jod aus. Gesteuert wird die Schilddrüse aus
dem Hirn durch den Hypothalamus und die Anhängseldrüse
(Hypophyse). Eine Schilddrüsenkrankheit kann sowohl bei
Hormonproduktionsstörungen als auch bei Gewebeveränderungen auftreten.
steht ein erhöhtes Schlafbedürfnis und die Gefahr einer
deutlichen Gewichtszunahme. Viele Patienten sind depressiv. Zu den wichtigsten
Symptomen zählen die Vermehrung des Halsumfangs,
ein ständiges Kloß-Gefühl im
Hals sowie eine Asymmetrie
aufgrund von ungleichmäßiger Vergrößerung und Knotenbildung im Schilddrüsengewebe.
Der Hausarzt beginnt mit
Temperatur-, Herzfrequenzund Gewichtsmessung. Es
wird nach Schilddrüsenerkrankungen in der Familie,
Schwangerschaften, Strahlentherapie in der Halsgegend,
17 Uhr
tastasen – zum Ausschluss von
Hirn- Hypophysenerkrankungen. Ergänzt wird die Untersuchung durch eine FeinnadelBiopsie und eine Szintigraphie. Dabei werden radioaktiv
markierte Stoffe in den Körper
eingebracht, die sich im zu untersuchenden Zielorgan anreichern und anschließend sichtbar gemacht werden.
Bei der operativen Therapie wird die Schilddrüse teilweise oder komplett entfernt.
Dies geschieht zum Beispiel
bei sehr großen, atem- und
schluckstörenden Kröpfen und
bei krebsverdächtigen Knoten.
Bei Schilddrüsenkrebs müssen
sowohl das gesamte Organ als
auch regionale Lymphknoten
entfernt werden.
Therapie
Risiken
Entscheidet sich der Arzt
für die Durchführung einer
konservativen Behandlung, bekommt der Patient Medikamente verschrieben, die die
übermäßige Eigenhormonpro-
Neben üblichen allgemeinchirurgischen Risiken und
Komplikationen wie Nachblutung und Infekt gibt es in der
Schilddrüsen-Chirurgie ganz
spezifische Risiken. Dazu ge-
hören die versehentliche MitEntfernung von winzigen, aber
sehr wichtigen Nebenschilddrüsen sowie die Verletzung
des Stimmbändchennervs. Zur
Vermeidung dieser Komplikation hat die Industrie sehr effektive elektronische Messund Überwachungsgeräte entwickelt, die mittlerweile zur
Standardausrüstung in unseren OP-Sälen gehören.
Fazit
Beim gegenwärtigen Stand
der Medizinwissenschaft ist
die Prognose bei Schilddrüsenerkrankungen zumeist positiv.
Kropfleiden betrifft ca. 20 Millionen deutsche
Weltweit leben etwa eine Milliarde Menschen in Jodmangelgebieten. Etwa 200 Millionen
Menschen leiden an einer durch Jodmangel bedingten Struma. Weil früher die Struma in
diesen Jodmangelgebieten so häufig vorkam, spricht man auch von einer endemischen
Struma. Etwa 20 Millionen Menschen, die in Gebieten mit ausgeprägtem Jodmangel leben,
leiden unter den Folgen eines angeborenen Jodmangels.
Ursache und
Entstehung
Neben Strukturveränderungen – beispielsweise einer
Vergrößerung oder Knotenbildung – kann es zu Störungen der Schilddrüsen-Hormonproduktion kommen. Ein
Kropf ist eine Schilddrüsenvergrößerung,
die gleichmäßig oder knotig sowie gutoder bösartig
sein kann. Häufige Ursache für
eine Vergrößerung
ist jodarme Nahrung.
Oft sind auch Autoimmunerkrankungen der
Schilddrüse eine Ursache, bei
denen körpereigenes Gewebe
vom Abwehrsystem angegriffen wird.
Darüber hinaus ist Gewe-
Illustration/Fotos: fotolia.com
Schlaflosigkeit, rasche Ermü- Einnahmen von Lithium- und
dung, Haarausfall, Gewichts- Jodmedikamenten gefragt.
verlust und Zittern der Hände
sowie durch MenstruationsSymptome
störungen bei Frauen.
Bei einem Hormonmangel schlägt das Herz dagegen langsam, und die Haut
ist trocken und rau. Es be-
Danach folgt das Abtasten
der Schilddrüse. Drittgradige
Schilddrüsenvergrößerungen
sind bereits aus der Distanz
zu sehen. Die Schilddrüse ist
per Ultraschall gut sichtbar
zu machen. Durch eine Blutlabor-Analyse lassen sich der
Hormonspiegel und Antikörper diagnostizieren.
Ein EKG lässt primäre
Herzerkrankungen ausschließen. Röntgen, Computer- und
Kernspintomographie sind behilflich bei der Suche nach Me-
duktion hemmen beziehungsweise mangelnde Hormonspiegel ersetzen. Prophylaktisch
können Kinder sowie stillende oder schwangere Frauen
Jod quasi als Nahrungsmittelergänzung bekommen. Außerdem werden Schilddrüsenhormone zur Unterstützung nach
einer chirurgischen Entfernung des Organs gegeben.
Bei einer Radiojod-Therapie, die in spezialisierten Zentren durchgeführt wird, spritzt
der Arzt ein radioaktives Isotop in die Vene des Patienten. Dieses Präparat führt zur
Verödung beziehungsweise
Schrumpfung der hormonproduzierenden Fläche.
Arno Schmidt
Facharzt Chirurgie
Klinikum Schaumburg,
Kreiskrankenhaus Rinteln
Muss jede
Schilddrüsenvergrößerung
operiert werden?
Nein. Die überwiegende
Mehrzahl der Patienten mit
einem sog. „Kropf“ besitzen eine
normale Schilddrüsenfunktion.
Operiert werden große
mechanisch störende Knoten,
die malignom-verdächtig sind.
Kann nach der chirurgischen
Entfernung erneut ein
Kropf entstehen?
Dies kann in seltenen Fällen passieren. Dann ist nach Absprache mit
dem behandelnden Arzt eine Nachoperation notwendig oder eine Behandlung mit Radiojod kann angeschlossen werden.
Wie kann ich allgemein einem
Jodmangel vorbeugen?
Sie können jodiertes Kochsalz verwenden. In besonderen Fällen, z. B.
während einer Schwangerschaft und
der Stillzeit – hier besteht ein erhöhter Jodbedarf, können spezielle Jodtabletten eingenommen werden.
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Schilddrüsenerkrankung und Kropfleiden (Beitrag vom 27.10.2012)