4. RSV-Infoblatt - UniversitätsKlinikum Heidelberg

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Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV)
(Quelle: RKI-Ratgeber für Ärzte, Stand Mai 2011, Erstveröffentlichung im
Epidemiologischen Bulletin 03/2004)
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Respiratorische Synzytial-Viren gehören zur selben Virenfamilie
wie die Erreger von Masern oder Mumps (Paramyxoviridae). Sie
befallen die Schleimhäute der Atemwege. Der Krankheitsverlauf
entspricht in der Regel einer „Erkältung“ mit Schnupfen,
Halsentzündung, eventuell Bronchitis und Fieber sowie Husten. In
der Regel klingt die Infektion von selbst wieder ab. Bei
Erwachsenen werden RSV-Infektionen nur selten diagnostiziert, da
sie in der Regel unkompliziert oder ohne Symptome verlaufen.
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Bei Säuglingen und Kleinkindern ist RSV die häufigste Ursache
von Erkrankungen der unteren Atemwege. Bis zum Ende des
zweiten Lebensjahres war nahezu jedes Kind einmal mit RSV
infiziert. Eine häufige Komplikation bei Kindern ist die akute
Mittelohrentzündung.
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Frühgeborene und Kleinkinder sowie Risikopatienten mit
geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem – z.B. nach
einer Transplantation - tragen zudem ein erhöhtes Risiko, eine
schwere Lungenentzündung zu entwickeln. Bei schwerem Verlauf
kann eine Beatmung erforderlich sein.
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Bei Patienten mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen,
Asthma oder schweren neurologischen Erkrankungen kommt es
häufig zu einer Verschlechterung dieser Vorerkrankung.
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RSV sind weltweit verbreitet.
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Infektionen mit RSV sind häufig und treten in Mitteleuropa
hauptsächlich von November bis April, im Sommer und Frühherbst
nur vereinzelt auf. Sie ähneln in Saisonalität und Symptomatik der
Influenza.
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Eine einmal überstandene Infektion schützt nicht vor weiteren
Infektionen; der Körper baut also keine langfristige Immunität auf.
Besonders Erwachsene mit regelmäßigem Kontakt zu Kleinkindern
infizieren sich häufig mit RSV.
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Humanes RSV vermehrt sich nur im Menschen und kann auch nur
von Mensch zu Mensch übertragen werden.
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Die Ansteckung erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion,
z.B. durch das Einatmen winziger Sekrettröpfchen in der Luft.
Mediziner gehen außerdem davon aus, dass die Übertragung auch
über kontaminierte Hände, Gegenstände oder Oberflächen
möglich ist. RSV bleibt im Sekret aus den Atemwegen rund 20
Minuten auf Händen infektiös, 45 Minuten auf Papierhandtüchern
und Baumwollkitteln und bis zu mehreren Stunden auf
Kunststoffoberflächen oder Einmalhandschuhen.
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Die Zeit bis zum Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit)
beträgt zwei bis acht, durchschnittlich fünf Tage.
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Bereits einen Tag nach der Infektion und noch vor Beginn der
ersten Beschwerden können Betroffene neue Viren ausscheiden
und weitere Personen anstecken. Infizierte mit gesundem
Immunsystem sind in der Regel bis zu acht Tage ansteckend. Bei
Früh- und Neugeborenen sowie Patienten mit geschwächtem oder
unterdrücktem Immunsystem kann sich diese Zeit allerdings über
mehrere Wochen hinziehen.
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Die Infektion mit RSV kann auch beschwerdefrei verlaufen und
daher unbemerkt bleiben. Doch auch Betroffene ohne Symptome
sind ansteckend und können zu einer raschen Ausbreitung
beitragen. Besonders gefährlich ist dies im Krankenhaus.
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Zur sicheren Diagnose kann der Erreger im Nasenrachensekret
nachgewiesen werden.
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Eine wirksame ursächliche Therapie der RSV-Infektion gibt es nicht,
d.h. es gibt kein Mittel gegen das Virus. Es können lediglich die
Symptome behandelt werden, z.B. ausreichende
Flüssigkeitszufuhr zur Schleimlösung, Nasenspülungen oder –
tropfen. Je nach Zustand des Patienten können Sauerstoffgaben,
Atemunterstützung oder Beatmung nötig sein.
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Bisher ist kein Impfstoff zur aktiven Immunisierung zugelassen.
Gefährdete Säuglinge und Kleinkinder können allerdings mit
Antikörpern (Palivizumab), die das Virus binden und unschädlich
machen, geimpft werden. Diese Impfung sollte bei gefährdeten
Kindern während der RSV-Saison monatlich wiederholt werden.
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Wichtigste Vorbeugemaßnahmen um die Ausbreitung von RSV
einzudämmen sind regelmäßiges Händewaschen, hygienisches
Husten und Niesen sowie die Reinigung eventuell kontaminierter
Gegenstände wie Kinderspielzeug.
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Die Kontrolle von RSV-Ausbrüchen im Krankenhaus wird dadurch
erschwert, dass die Viren während der RSV-Saison fortlaufend
durch neu infizierte Patienten, Klinikmitarbeiter und Besucher in
das Krankenhaus gebracht werden können. Es besteht dann ein
erhöhtes Risiko für stationäre Patienten mit Atemwegsinfektionen,
mit RSV infiziert zu werden.
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Folgende Kontroll-Maßnahmen haben sich als effektiv erwiesen:
Diagnostisches Screening von Patienten auf RSV, (Kontakt-)
Isolierung infizierter Patienten und Mitarbeiter, Besucherstopp,
insbesondere von Besuchern mit Atemwegsinfektionen,
Ausschluss des Krankenhauspersonals mit Atemwegsinfektionen
oder RSV-Infektion von der Pflege gefährdeter Patienten. Diese
Punkte werden vom Committee on Infectious Diseases of the
American Academy of Pediatrics (2009) als die wichtigsten
Maßnahmen zur Verhütung der Übertragung von RSV auf Patienten
mit geschwächtem Immunsystem ausgewiesen.
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