Deutsches Ärzteblatt 1989: A-2966

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DEUTSCHES
ÄRZTEBLATT
Roland Nie dner
Glukokortikosteroide gehören zu
den am häufigsten applizierten
Extema, was sich nicht zuletzt in
der Präparatevielfalt zeigt. Die
nicht selten kritiklose Anwendung
hat diese so hochwirksame und
letztlich segensreiche Medikamentengruppe so in Verruf gebracht, daß eine regelrechte Kortikoid-Angst entstanden ist. Um
dem entgegenzuwirken, sollte
klar zwischen einem ungezielten
oder gar mißbräuchlichen und
einem vernünftigen Einsatz von
topischen Glukokortikosteroiden
unterschieden werden.
xterne Glukokortikosteroide (EGKS) unterscheiden sich in ihrer
Wirkung nicht von den
intern zu applizierenden. Sie sind auch in der Haut antiinflammatorisch, immunsuppressiv
und antiproliferativ wirksam. Die
EGKS verbinden sich mit speziellen,
intrazellulär gelegenen dreidimensionalen Gebilden, den Steroid-Rezeptoren (9), die in der Epidermis in
höherer Dichte vorhanden sind als in
der Kutis. Die Steroid-RezeptorKomplexe führen - ohne hier auf
molekularbiologische Einzelheiten
einzugehen - zur Bildung bestimmter Hemmproteine der Phospholipase A2, den Lipocortinen, die für die
Wirkung im engeren Sinne verantwortlich sind.
E
Wirkung auf die Haut
Die Wirkung der externen Glukokortikosteroide auf die Zellsysteme der Haut besteht in einer Hemmung der Zellteilungsvorgänge in
Epidermis und Kutis, Mastzellen setzen vermindert ihre Mediatoren wie
IE ÜBERSICHT
Externe Therapie mit
Glukokortikosteroiden
Histamin frei, und am Gefäßsystem
zeigt sich eine Vasokonstriktion.
Nebenwirkungen
Natürlich rufen topische Glukokortikosteroide nicht nur positive
Wirkungen hervor. Solche als Nebenwirkungen apostrophierten Effekte sind keine Nebenwirkungen im
strengen Sinne, sondern kommen
durch ein Zuviel an eigentlich gewünschter Wirkung zustande. Das
Zeitintervall von Beginn einer
EGKS-Therapie bis zum Auftreten
von Nebenwirkungen kann in etwa
mit zwei Wochen angegeben werden.
Von diesen Nebenwirkungen, die in
Tabelle 1 zusammengefaßt sind, soll
besonders auf die Atrophie hingewiesen werden, die überproportional
häufig bei jüngerer, aber auch alter
Haut auftritt, weiterhin Striae rubrae distensae, sowie ganz besonders
die periorale Dermatitis (Abbildung
1), die regelmäßig bei mißbräuchlicher Anwendung von EGKS im Gesichtsbereich anzutreffen ist. Als einzig mögliche Therapie dieser sehr
hartnäckigen Nebenwirkung hat sich
die Vermeidung der Anwendung jeglicher Externa herausgestellt. Das
gilt auch für Pflegecremes, Gesichtswässer usw.
Ziel einer externen GKS-Therapie ist es somit, eine ausreichende
Wirksamkeit zu erzielen, bei gleichzeitig weitgehender Unterdrückung
von Nebenwirkungen. Da beides eng
miteinander verknüpft ist, läßt sich
die Abtrennung des einen vom andern nur schwer erreichen. Es gelingt am ehesten, wenn man bestimmte Strategien für die Behandlung mit EGKS entwickelt.
Therapiekonzept
Folgende Gesichtspunkte beeinflussen das Therapiekonzept (5):
A-2966 (58) Dt. Ärztebl. 86, Heft 41, 12. Oktober 1989
- Depot-Effekt der Hornschicht
- Barrierefunktion der Haut
- Tachyphylaxie
- Wiederaufflammen der
Dermatose nach Absetzen
der EGKS
- lokalisationsabhängige
Penetration der EGKS
- Anwendung bestimmter
Applikationstechniken
- Wirkstärke der EGKS
(Klassifikation)
Depoteffekt
Der Depoteffekt infolge einer
Reservoirbildung in der Hornschicht
ist ein seit langem bekanntes Phänomen. Dieser durchaus nicht unerwünschte Effekt relativiert sich allerdings wieder, wenn man die erkrankte Haut mit ihren Hornhautdefekten
betrachtet. Hierbei geht der Depoteffekt wieder verloren, was für die
Strategie beispielsweise einer Intervalltherapie von Bedeutung ist.
Einfluß des Hautalters
Daneben spielt auch das Alter
der Haut eine Rolle. Es ist selbstverständlich, daß in einem Hautareal,
das ohnehin eine recht dünne, zarte
Haut aufweist, wie Hautfalten, Hals,
Gesicht usw., Atrophisierungserscheinungen eher auftreten als am
Rücken oder gar an Handinnenflächen und Kopfhaut. Das Alter spielt
insofern eine Rolle, als die Haut des
Kindes oder gar des Säuglings insgesamt dünner und besser hydratisiert
ist und noch eine mangelhafte Barrierefunktion aufweist. Auch die
Haut der älteren Patienten ist insgesamt dünner, atrophischer.
Universitäts-Hautklinik Freiburg i. Br.
(Direktor: Prof. Dr. med. Erwin Schöpf)
Lokalisationsabhängige
Penetrationsrate
Häufigkeit und Intensität der
Nebenwirkungen treten nicht unabhängig von der jeweiligen Lokalisation auf, da die Penetration von extern aufgetragenen Glukokortikosteroiden in und durch die Haut im wesentlichen von der Dicke und Architektur der Epidermis abhängig ist.
Die unterschiedliche Penetrationsrate der EGKS wurde von Feldman
und Maibach (4) vor 20 Jahren ermittelt. Danach ist die Resorption
von Hydrokortison im Bereich der
Kopfhaut um den Faktor 3.5 gegenüber dem ventralen Unterarm gesteigert. In der Achselhöhle findet sich
ein Steigerungsfaktor von 3.6, an der
Stirn ein solcher von 6.0, im Gesicht
13 und Genitale 42. Trotz der prinzipiellen Möglichkeit einer guten Resorption kann jedoch davon ausgegangen werden, daß systemische Nebenwirkungen bei externer Applikation von Glukokortikosteroiden nur
sehr viel schwerer zu erreichen sind
als lokale Nebenwirkungen. Nur bei
großflächiger Anwendung potenter
Steroide, oder wenn die Haut luftdicht (okklusiv) abgeschlossen ist,
kann es zu einer Suppression der Hypophysen-Nebennieren-Achse kommen.
Ta
hylaid.e
Das Phänomen der Tachyphylaxie bei einer Anwendung externer
Glukokortikosteroide ist nach wie
vor unverstanden. Im klinischen Alltag zeigt sich die Tachyphylaxie in einem Nachlassen der Wirkung trotz
Fortsetzung der Therapie. Sie tritt
unabhängig von der chemischen
Struktur des Präparates auf, ist allerdings abhängig von der Applikationsart und vom Vehikel. Sie betrifft in erster Linie die antiinflammatorische, weniger die antiproliferative Wirkung.
Strategische Überlegungen
In die strategischen Überlegungen einer Therapie mit externen
Glukokortikosteroiden muß nicht
A 2968
-
Abbildung 1: Periorale Dermatitis
Tabelle 1: Nebenwirkung der
Externglukokortikosteroide (6)
—Atrophie der Epidermis
—Steroidakne/-rosazea
—Periorale Dermatitis
—Elastoidosis cutanea nodularis cystica et comidonica
Favre-Racouchot
—Erythrosis interfollicularis
colli
—Rubeosis steroidica
—Hypertrichose des Gesichtes
—Teleangiektasien
—Hypopigrnentierung
Wundheilungsstörungen
—Kolloidmilien
—Pseudocicatrices stellaires
spontanes
—Steroidstriae
—Fettgewebsatrophie
—Granuloma gluteale infantum
—Fotosensitivität
—Exazerbation von Skabies
und/oder Kandidose
—Supression der endogenen
Cortisolproduktion
(60) Dt. Ärztebl. 86, Heft 41, 12. Oktober 1989
nur die Dauer der Anwendung, sondern auch die Art des Absetzens einbezogen werden, da bei abruptem
Abbrechen der Steroidtherapie mit
einem Wiederaufflammen der Dermatose gerechnet werden muß. Dies
gilt besonders für Handekzeme, Psoriasis, Gesichtsdermatosen sowie Erkrankungen im Bereich des Genitale.
Welche Konsequenzen ergeben
sich aus den genannten Gesichtspunkten? Chronische Dermatosen
weisen in der Regel eine Verdickung
der Haut auf, die eine ausgeprägtere
Depotwirkung erwarten läßt als die
intakte oder gar erosive Haut. Dies
ist insofern für die EGKS-Therapie
von Bedeutung, als dadurch die
Applikationshäufigkeit gesenkt werden kann, was zu einer Verminderung der Nebenwirkungsrate führt.
Gleichzeitig nimmt auch der Verbrauch an Steroiden ab. Im allgemeinen genügt somit eine einmalige tägliche Anwendung.
In Analogie zu den pharmakokinetischen Überlegungen der Minuten-Therapie des Psoriasis mit Dithpanol (Cignolin®) kann bei einer
akuten Dermatitis mit einer Schädigung des Epidermis eine KurzzeitTherapie durchgeführt werden. Das
EGKS wird auf die Haut gebracht
und der Überstand zwanzig Minuten
später wieder entfernt. Wegen der
Defekte des Strat.corneum reicht
diese kurze Kontaktzeit aus, um genügend Wirkstoff in die Haut zu
schleusen. In die umgebende gesunde Haut, die als Randbereich zur
kranken Haut in der Regel mitbehandelt wird, kann in dieser kurzen
Zeit jedoch nur sehr wenig Wirkstoff
eindringen, da die Barrierefunktion
erhalten ist. Die Gefahr atrophisierender unerwünschter Wirkungen
kann so vermindert werden.
Intervalltherapie
Eine weitere Verminderung der
Applikationsfrequenz wird seit einigen Jahren in Form einer Intervalltherapie erzielt, bei der das Steroid
über einige Tage appliziert wird, gefolgt von einer steroidfreien Therapie (7). Die Intervalltherapie basiert
auf der Überlegung, daß das Tachy-
phylaxiephänomen dadurch unterdrückt werden kann. Auch ist infolge
der Depotwirkung der EGKS ohnehin ein längerer Effekt zu erwarten.
Wenngleich keine Einigkeit darüber
herrscht, welches Zeitintervall für
die sogenannte diskontinuierliche
Therapie optimal ist, ist eine Anwendung von EGKS über drei Tage, gefolgt von zwei Tagen steroidfreier
Behandlung nicht unüblich. Eine diskontinuierliche Applikationsweise
führt zu einer Verminderung unerwünschter Wirkungen, setzt aber
auch eine gewisse Mindestintelligenz
des Patienten voraus, damit keine
Verwechslungen vorkommen In der
Regel wird man dem Patienten ein
sehr konkretes Therapieschema mitgeben müssen.
Stufentherapie
Noch schwieriger wird die Anwendung — aus der Sicht des Patienten —, wenn eine Stufentherapie
durchgeführt werden soll. Hierbei ist
der Wechsel von einem starken auf
Tabelle 2: Therapeutische
Möglichkeiten zur Verhinderung von Nebenwirkungen
—Verminderung der Applikationsfrequenz
—Diskontinuierliche Applikation
—Stufentherapie
—Applikation schwach wirksamer GKS
—Lokalisationsgerechte Applikation
—Dermatosengerechte Applikation
ein schwächeres EKGS gemeint, sofern die Dermatose damit beherrscht
wird. Während einer Initialphase
von zwei, drei oder vier Tagen kann
mit einem starken EGKS begonnen
werden — manche Autoren dehnen
diese Phase bis zu 14 Tagen maximal
aus —, man geht dann zu einem solchen geringerer Wirkstärke über und
kann nach einiger Zeit ein Steroid
einer nochmals niedrigeren Klasse
anwenden.
Stufentherapie
sehr stark IV
stark III
mäßig stark II
schwach I
Intervall
therapie
Steroid
Tag — Nacht
11 1
3-4-TageIntervall
steroidfrei
Abbildung 2: Kombination der Stufen und Intervallsysteme (nach 7)
Die
primäre
Applikation
schwach wirksamer EGKS wird sicherlich zu einer Verminderung unerwünschter Nebenwirkungen führen, ob eine solche Therapie allerdings ausreichend ist, um eine Dermatose zu beherrschen — zu denken
ist vor allen Dingen an die Initialphase —, bleibt dahingestellt. Man
kann die Wirkungsintensität auch
von schwach wirksamen EGKS steigern durch Zusatz von beispielsweise
Harnstoff (3) oder Salicylsäure, was
die Aufnahme in die Haut verbessert
und damit die Wirkung verstärkt.
Verdünnung der
Externglukokortikoide
Wenn von schwach wirksamen
EGKS gesprochen wird, dann sind
solche der Wirkstoff lasse I oder allenfalls II gemeint. Es sollten keinesfalls Verdünnungen von ursprünglich stärkeren EGKS angewandt
werden, um so vielleicht wieder zu
einer Wirkstoffklasse II zu gelangen.
Infolge der veränderten Galenik entstehen viel eher einmal chemische
Inkompatibilitäten und vielleicht
auch Schwierigkeiten mit der Stabilität des Steroids: die Bioverfügbarkeit wird verändert und die Haltbarkeit begrenzt. Es besteht ein so großes Angebot für verschiedenste topische GKS auf dem Markt, daß eine
Verdünnung einer Spezialität heute
nicht mehr gerechtfertigt ist, zumal —
und dieser Gesichtspunkt sollte nicht
unberücksichtigt bleiben — ein vom
Apotheker verdünntes Steroid teurer ist als ein industriell gefertigtes
vergleichbarer Wirkstärke.
Klassifikation
Die folgenden Richtlinien sollen
den Einsatz der lokalen GKS gemäß
ihrer Klassifikation nach vier unterschiedlichen Wirkstoff lassen erleichtern:
■ Die sehr starken EGKS der
Wirkstoffklasse IV, wie zum Beispiel
Clobetasolpropionat (Dermoxin®)
(vgl. Tabelle 3) sollen nur kurzfristig
und kleinflächig angewandt werden.
Man versteht unter kurzfristig die
Zeit bis zu einer Woche Behandlung,
und unter kleinflächig eine Fläche
von bis zu drei Prozent, wobei als Bezugsfläche die Handinnenfläche (ohne Finger) gilt, die etwa ein Prozent
ausmacht.
■ Die starken externen GKS der
Wirkstoffklasse III, wie Betametha(Betnesol®),
Fluosonvalerat
cortolonhexanoat (Ultralan®), Fluocinolonacetonid (Jellin®) oder das
neu auf den Markt gekommene, dreifach halogenierte Halometason (Sicorten®) können bei Dermatosen der
flachen Haut angewandt werden, die
eine hyperproliferative Komponente
aufweisen. In Problemarealen wie In-
tertrigines soll man sie nur kurzfristig
und kleinflächig applizieren.
■ Die EGKS der Wirkstoffklasse II wie Triamcinolonacetonid (Vo-
Dt. Ärztebl. 86, Heft 41, 12. Oktober 1989 (63) A-2969
Tabelle 3: Klassifikation topischer Glukokortikosteroide (5)
Gruppe I (schwach)
Hydrocortison
Hydrocortison
Hyd rocortisonacetat
Prednisolon
Hydrocortison
Fluocortinbutylester
Triamcinolonacetonid
Dexamethason
Clobetasonbutyrat
Fluorometholon
Gruppe II (mittelstark)
Hydrocortisonaceponat
Dexamethason
Aklometasondipropionat
Flumethasonpivalat
Triamcinolonacetonid
Fluoprednidenacetat
Fluoroandrenolon
Hydrocortisonbutyrat
Betamethasonbenzoat
Fluocortolonpivalat plus-hexanoat
Fluocortolon
Clocortolonpivalat plus-hexanoat
Desonid
Fluoroandrenolon
Betamethasonvalerat
Triamcinolonacetonid
Prednicarbat
Fluocinolonacetonid
Desoximetason
Fluocinonid
Halcinonid
Gruppe III (stark)
Dexamethasonvalerat
Betamethasonvalerat
Halometason
Betamethasondipropionat
Fluocortolon plus
Fluocortolonhexanoat
Fl uocinolonacetonid
Diflorasondiacetat
Desoximetason
Fluocinonid
Amcinonid
Halcinonid
Diflucortolonvalerat
Gruppe IV (sehr stark)
Fluocinolonacetonid
Diflucortolonvalerat
Clobetasolpropionat
A 2970
-
0,2500% Schericur
Hydrocort Dermale
0,5000% Ficortril mite
Ficortril Lotio
Hydrocort
1,0000%
Ficotril Salbe
1,0000%
Scheroson F Salbe
Cordes H
0,4000% Linola H
Linola H Fett
2,0000% Hydrocort forte
Ficortril Spray
2,5000%
Ficortril Salbe
0,7500% Vaspit
0,0018% Volonimat Spray
0,0120% Sokaral
0,0500% Emovate
0,1000% Efflumidex liquifilm AT
0,1000% Retef
0,1000% Dexalocal, Lokalison-F Salbe
0,0500% Delonal
0,0200% Locacorten
0,0089% Volon A Spray
0,0250% Extracort
0,0500% Decodern
0,1000% Decodern
0,1500% Etacortin
0,0250% Sermaka 1/2
0,1000% Alfason
0,0250% Euvaderrn
je 0,1000%
Ultracur
0,2000% Syracort
je 0,1000% Kaban
0,0500% Tridesilon
0,1000% Sterax 0,10%
0,0500% Sermaka
Betnesol V crinalite
0,0500%
Betnesol V mite
Celestan V träte
0,1000% Volon A
Delphicort
2,5000% Dermatop
0,0100% Jellin Gamma
0,0500% Topisolon mite
0,0100% Topsymin
0,0250% Halcimat
0,1000% Dexavate
0,1000% Betnesol V crinale
Betnesol V
Celestan V crinale
Celestan V
0,0500% Sicorten
0,0500% Diprosone
Diprosis
je 0,2500% Ultralan
0,0250% Jellin
0,0500%
Florone
0,2500% Topsilon
0,0500% Topsym
0,1000% Amciderm
0,1000% Halog
Nerisona
0,1000%
Temetex
0,2000% Jellin ultra
0,3000%
Nerisona forte
Temetex forte
0,0500% Dermoxinale
Dermoxin
(64) Dt. Ärztebl. 86, Heft 41, 12. Oktober 1989
L
Lo
L
S
C, S
E (0/W)
E (W/0)
L
Spray
S, FS, C
Spray
L
S, C
L
S, C
S, C, LJS
S, C
S, C. Lo, Sch
Spray
C
C, 1,o
S, C, T, P
S, C
S, C, CreSa, L
C
S, FS, C
S, C
S, C
S, C
C
S, C, Lo, Folie
L
S, C
S, C
S, HS, C
S, C
S, FS, C
C
C
S, C, L
L
S, C, Lo
L
S, C
S, C
S, C, L
S, G
C, S FS, Spray, M
S, C, Sch, G, L, Lo
S, C
S, FS, Lo
S, FS, L
S, FS, C, L
S, FS, L
S, FS, L
S, FS, C
C
FS
FS
L
S, C
Tabelle 4: Morphologisches Bild von Hauterscheinungen und geeignete Grundlagen für die externe Therapie
(nach 2)
Morphologie
Empfehlenswert
Weniger geeignet
Akute Rötung
Puder, Schüttelmixtur, Milch,
Creme
wie oben,
evtl. feuchte Umschläge
Puder, Zinkschüttelmixtur, Gele
Pasten, Salben, Fettsalben
Rötung
Schwellung
Bläschen
Blasen
feuchte Verbände, fettfeuchte
Verbände
Erosionen
feuchte Verbände, fettfeuchte
Verbände, Salben
feuchte Verbände, fettfeuchte
Verbände, weiche Pasten, Salben, Fettsalben
fettfeuchte Verbände, weiche
Pasten, Salben, Fettsalben
fettfeuchte Verbände, Fettsalben, weiche Pasten
weiche Pasten, lipophile Cremes,
Salben, Fettsalben
weiche Pasten, Salben, Fettsalben
weiche Pasten, lipophile Cremes,
Salben
Krusten
Schuppen
Keratosen
Chronische entzündliche Infiltration und Lichenifikation
Narben
Atrophie
Ion A®), Fluoroandrenolon (Sermaka®), Alclometason (Delonal®),
Prednicarabat (Dermato®) oder Hydrocortisonaceponat (Retef®) können bei entzündlichen Dermatosen
der flachen Haut angewandt werden,
sowie auch in Problemarealen und
bei Kindern, sofern dort eine hyperproliferative Dermatose vorliegt.
Liegt in den Intertrigines oder bei
Kindern eine rein inflammatorische
Dermatose vor, sollten sie auch hier
nur kurzfristig und kleinflächig angewandt werden.
■ Die schwachen externen
GKS der Wirkstoffklasse I wie Hydrocortison und Prednisolon sind auf
die Behandlung rein entzündlicher
Dermatosen ohne hyperproliferativen Anteil beschränkt, da sie keinen
wesentlichen antiproliferativen Effekt aufweisen. Sie können daher
auch in Problemarealen und bei Kindern eingesetzt werden.
Man sollte immer mit dem stärksten Präparat anfangen, soweit es
Atiologie, Pathogenese, Art und Lo-
kalisation der Dermatose erlauben.
Die weitere Behandlung geschieht
dann jeweils mit demjenigen EGKS,
das die Dermatose gerade noch kontrolliert.
Die weitere Therapie kann dann
als Intervalltherapie oder Stufentherapie fortgesetzt werden. Am elegantesten ist eine Kombination beider Verfahren (Abbildung 2), das
heißt, man führt eine Stufentherapie
durch, indem man mit einer höheren
Wirkstoffklasse anfängt und langsam
bis zu schwach wirksamen EGKS
heruntergeht, zunächst kontinuierlich, dann diskontinuierlich als Intervalltherapie, unter Verlängerung
der kortikoidfreien Intervalle, bis
schließlich eine steroidfreie Nachbehandlung angebracht ist.
Diese steroidfreie Behandlung,
dies sei deutlich hervorgehoben, ist
keinesfalls eine Placebotherapie,
denn schon aufgrund der physikalischen Gegebenheiten eines Externums ist mit einem kurativen Effekt
zu rechnen.
wie oben
Salben, Fettsalben, weiche Pasten
Puder, Schüttelmixturen, lipophile Cremes, Salben, Fettsalben
Puder, Schüttelmixturen, Fettsalben
Puder, Schüttelmixturen, harte
Pasten, hydrophile Cremes, Gele
Puder, Schüttelmixturen, Gele,
harte Pasten, hydrophile Cremes
Puder, Schüttelmixturen, harte
Pasten, Gele, hydrophile Cremes
Puder, Schüttelmixturen, harte
Pasten, Gele, hydrophile Cremes
Puder, Schüttelmixturen, Gele,
hydrophile Cremes
Pasten, hydrophile Cremes, Fettsalben
Berücksichtigung
der Galenik
Die Behandlung akuter Dermatosen ist, was den Einsatz der EGKS
angeht, nicht so kritisch wie die der
chronischen Dermatosen. Wichtiger
als die Auswahl des „richtigen"
EKGS ist die Auswahl der geeigneten Grundlage (Galenik). Hier werden ohne Zweifel die größten Fehler
gemacht. Je akuter die Dermatose
ist, desto weniger Fettanteil darf das
Externum enthalten (alter Dermatologengrundsatz: naß auf naß), stark
fetthaltige Salben sind sogar kontraindiziert. Eine Übersicht über die
Anwendung von Externa geeigneter
Zusammensetzung der Grundlage
gibt Tabelle 4 wieder. Diese kann nur
Anhaltspunkte geben, gehört doch
die korrekte Auswahl des optimalen
Externums zur eigentlichen Kunst
einer dermatologischen Therapie.
Auch muß man bedenken, daß je
nach Grundlage (Lösung, Creme,
Salbe) die Wirkungsintensität der
Dt. Ärztebl. 86, Heft 41, 12. Oktober 1989 (67)
A-2973
FÜR SIE REFERIERT
EGKS unterschiedlich ausfällt. Auf
die Galenik bezogen ist die in Tabelle
3 aufgeführte Klassifikation somit
nicht absolut gültig.
Kombinationspräparate
Kombinationen von EGKS mit
anderen Wirkstoffen sollen nicht kritiklos eingesetzt werden. Die Kombination mit Antimikrobika kann
durchaus sinnvoll sein (8), wenn zum
Beispiel ein superinfiziertes Ekzem
vorliegt. Dies sollte jedoch nur nach
eingehender Diagnostik erfolgen.
Ganz abzulehnen ist die Kombination von EGKS mit Antibiotika plus
Antimyzetika, ist sie als Antidenkpräparat doch letztlich nur Ausdruck
von Hilflosigkeit gegenüber einer
nicht korrekt gestellten Diagnose.
Literatur
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Clinical Pharmacology of Skin Disease.
Church-Livingstone, Edinburgh, 1984
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Dermatologie und Venerologie, 3. Aufl.,
Springer, Berlin, 1984
3. Ernst, T. M.: Zur Wirkungssteigerung des
Hydrocortisons unter Harnstoffzusatz. Z.
Hautkr. 55 (1980) 806-812
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In: Kaiser, H.: Cortisonderivate in Klinik und
Praxis, 8. Aufl., Thieme, Stuttgart, 1987,
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Corticoidtherapie. Zbl. Haut- u. Geschlkr.
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8. Raab, W.: Breitspektrumantimyzetika und
Glucocorticoide. Zbl. Haut- u. Geschlkr. 144
(1980) 87 93
9. Töpert, M.; Maurer, H. R.: SteroidhormonRezeptoren. Pharmazie in unserer Zeit 7
(1978) 75 82
-
-
Anschrift des Verfassers:
Privatdozent
Dr. med. Roland Niedner
Oberarzt
Universitäts-Hautklinik
Hauptstraße 7
7800 Freiburg i. Br.
A 2974
-
Asymptomatische
Ulzera häufig
Kommt es nach größeren operativen Eingriffen postoperativ zu einer akuten gastrointestinalen Blutung, wird diese zumeist als „Streßblutung" verstanden. Dabei dürfte es
sich, wie die Untersuchungen aus Irvine, Kalifornien, zeigen, um Blutungen aus einem präexistenten, klinisch stummen Ulkus handeln.
Die Autoren untersuchten prospektiv 72 Patienten, bei denen ein
größerer operativer Eingriff mit mindestens zweitägigem Aufenthalt auf
der Intensivstation vorgesehen war
und die keine Ulkusanamnese boten.
Bei 14 Prozent fanden sich endoskopisch Ulzera oder Erosionen, bei
weiteren 10 Prozent eine Gastroduodenitis. Auch bei sorgfältiger
Analyse aller möglicher Risikofaktoren ergaben sich keine Parameter,
die Magen- und Duodenalschleimhautläsionen vorhersagen ließen. Sicher ist es unrealistisch, bei allen Patienten mit geplanten operativen
Eingriffen präoperativ eine Gastroskopie zu fordern, doch ist zu diskutieren, ob bei dem häufigen Vorkommen potentieller Blutungsquellen
nicht eine medikamentöse Blutungsprophylaxe mit Antazida oder H2Blockern auf Verdacht durchgeführt
werden sollte.
Rypins, E. B., I. J. Sarfeh, D. Collins-Irby,
E. A. Stemmer, G. L. Juler, S. Thrower:
Asymptomatic peptic disease in patients
undergoing major elective operations: a
prospective endoscopic study. Am. J. Gastroenterol. 83: 927-929,1988.
Surgical Service, Long Beach Veterans
Administration Medical Center, and the
Department of Surgery, University of California, Irvine, Orange, California
Nosokomiale Infektion mit
Clostridium difficile
Clostridium difficile führt über
ein entsprechendes Toxin zu einer
antibiotika-induzierten pseudomembranösen Colitis. Während man bislang davon ausging, daß es im Rahmen der Breitbandantibiose zu einem Überwuchern der Darmkeime
mit Clostridium difficile kommt,
spricht einiges dafür, daß es sich um
eine nosokomiale Infektion handelt,
die im Krankenhaus vom Personal
„weitergereicht wird".
In einer prospektiven Studie untersuchten die Autoren über einen
Zeitraum von 11 Monaten insgesamt
428 Patienten mittels rektalen Abstrichs auf Clostridium difficile. Dazu wurde eine Immunoblottypisierung vorgenommen, 29 Patienten
(7 Prozent) waren bei Aufnahme positiv. 83 von 399 Patienten (21 Prozent), deren Kulturen initial negativ
waren, erwarben während ihres
Krankenhausaufenthaltes Clostridium difficile. Von diesen blieben 52
(63 Prozent) asymptomatisch, 31
(37 Prozent) entwickelten Durchfälle. In keinem Fall ließ sich eine pseudomembranöse Colitis nachweisen.
Aufgrund der Immunoblottypisierung ließ sich eine Übertragung von
Patient zu Patient nachweisen. Auch
(68) Dt. Ärztebl. 86, Heft 41, 12. Oktober 1989
beim Krankenhauspersonal, das sich
um die Patienten mit positiver Kultur kümmerte, wiesen 20 (59 Prozent) positive Kulturen für Clostridium difficile an den Händen auf.
Auch die Krankenzimmer waren
häufig kontaminiert, nämlich zu 49
Prozent bei symptomatischen Patienten und zu 29 Prozent bei asymptomatischen Patienten. Zum Zeitpunkt der Entlassung waren immer
noch 82 Prozent der infizierten Patienten positiv.
Die Autoren kommen zu dem
Schluß, daß eine nosokomiale Clostridium-difficile-Infektion, die in einem Drittel der Fälle mit Durchfällen einhergeht, häufig bei Krankenhauspatienten grassiert, und daß der
Erreger nicht selten an den Händen
des Pflegepersonals nachweisbar ist.
Über effektive Präventivmaßnahmen
sollte ernsthaft nachgedacht werden.
W
McFarland, L. V., M. E. Mulligan, R. Y. Y.
Kwok, W. E. Stamm- Nosocomial Acquisition of Clostridium difficile Infection. N.
Engl. J. Med. 320: 204-210,1989
Department of Medicine, ZA — 89, Harborview Medical Center, Seattle, WA
98104.
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