Call for Papers: Geschichte des Antikommunismus

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Call for Papers
Konspiration und Kommunismus
Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2016
Konspiration und Kommunismus – dieses Thema nimmt die Ambivalenz des Selbstverständnisses, der Praxis und auch der Rezeption der kommunistischen Bewegung in den Blick, die
sich aus „geheimen Zellen“ heraus zur Massenbewegung entwickelte und sich durch eine
emanzipatorische Geschichtsphilosophie legitimiert sah. Konspiration zählte dabei von Beginn zu den Grundprinzipien kommunistischer Parteiarbeit und war das Resultat der politischen Verfolgung, die die politische Linke im ausgehenden 19. Jahrhundert in Europa im Allgemeinen und im zaristischen Russland im Besonderen erfahren hatte. Jene Zeit bildet den
Nährboden für Verschwörungstheorien, deren Ziel und oft genug auch Ausgangspunkt die
kommunistische Ideologie und Bewegung zeitlebens war: Die Kommunisten waren einerseits
Projektionsfläche für verschwörungstheoretische, vielfach antisemitisch angereicherte
Feindbilder ihrer Gegner, andererseits offenbarte ihr Marxismus-Leninismus Ansätze einer
Verschwörungsideologie. Demnach lenkten international vernetzte „Monopolherren“ und
deren „Agenten“ die Politik der kapitalistischen Staaten. Zu diesen „Agenten des Monopolkapitals“ wurden tatsächliche oder vermeintliche politische Abweichler, allen voran Leo
Trotzki, hinzugerechnet. Im Großen Terror in der Sowjetunion der 1930er Jahre gipfelte diese Weltsicht in einem beispiellosen Gewaltexzess. Dysfunktionalitäten standen in kommunistischen Regimen immer im Verdacht, Ergebnis der Wühlarbeit des Gegners zu sein, dem
stets zugetraut wurde, sich bis in die höchsten Kreise der Partei oder der von ihr beherrschten Staaten eingeschlichen zu haben. Die Bereitschaft, überall Verschwörungen zu wittern,
hatte nicht nur ideologische und exkulpatorische Wurzeln. Sie resultierte zum einen aus der
Erfahrung der massiven politischen Verfolgung der kommunistischen Parteien und Bewegungen und zum anderen aus der Feindseligkeit, mit der die kapitalistischen Staaten die junge Sowjetunion bekämpften. Die kommunistischen Parteien und insbesondere die Kommunistische Internationale knüpften ein dichtes Netz von Geheimorganisationen, zur Unterwanderung des politischen Gegners, zur Kontrolle der eigenen Bewegung. Decknamen und
Deckadressen, falsche Papiere gehörten zur Tagesordnung, Mord und Totschlag zum Handwerkszeug. Wo immer eine kommunistische Partei die Macht errang, wurden die geheimen
Parteistrukturen zum Nukleus von Geheimdiensten, die die eigene Herrschaft absicherten.
Kommunistische Parteien sahen sich aus gutem Grund immer dem Verdacht ausgesetzt, zu
taktieren, konspirative Praktiken zu verfolgen, subversiv zu sein und politische Kooperationen tagespolitischen Opportunitäten unterzuordnen. Diese Erfahrungen beeinflussten auch
die Deutung kommunistischer Geschichte und machten Geschichtsschreibung über den
Kommunismus nicht selten zu einem Feld geschichtspolitischer Kontroversen, Unterstellungen und Falschdarstellungen.
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Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (JHK) will 2016 diese Zusammenhänge
zwischen Anspruch, Theorie, Praxis und Deutung zum Schwerpunktthema machen und lädt
zur Mitwirkung ein. Willkommen sind u.a. Beiträge zur Praxis der Konspiration in der internationalen kommunistischen Bewegung, zu klandestinen Strukturen innerhalb der Komintern,
der Parteien und ihrer Organisationen, zur Verstaatlichung kommunistischer Untergrundarbeit in den Geheimdiensten ihrer politischen Regime, biografische Porträts sowie ideologie-,
mentalitäts- und kulturgeschichtliche Beiträge. Aber auch die Unterwanderung der kommunistischen Parteien und Bewegungen weltweit durch „den Klassenfeind“ kann Thema von
Beiträgen im JHK 2016 sein. Ebenso willkommen sind Texte, die die Infiltration von anderen
Einrichtungen, wie etwa Kirche, Gewerkschaften und Jugendorganisationen durch die kommunistischen Untergrundapparate in den Blick nehmen.
Die Herausgeber des Jahrbuchs ermuntern darüber hinaus ausdrücklich dazu, auch Beitragsangebote einzusenden, die in keinem Zusammenhang mit dem hier skizzierten Schwerpunkt stehen, sofern diese Angebote neue Forschungsergebnisse zur Kommunismusgeschichte präsentieren.
Bitte richten Sie Ihr Beitragsangebot für das JHK 2016 bis zum 20. Januar 2014 in Form eines
kurzen Exposés (2000 Zeichen) an die Redaktion, in dem Sie die Konturen Ihres Themas umreißen, Ihre Quellenlage und Methoden darlegen sowie Auskunft zu Ihren bisherigen Arbeitsschwerpunkten geben. Im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung können
Abhandlungen, Miszellen, biografische Skizzen, Forumsbeiträge sowie Forschungs‐ und Archivüberblicke mit einem Umfang von in der Regel 25.000 bis maximal 50.000 Zeichen (inkl.
Leerzeichen und Fußnoten) in deutscher Sprache veröffentlicht werden. Übersetzungen aus
anderen Sprachen können im Einzelfall von den Herausgebern veranlasst werden. Eine Honorierung der Beiträge ist leider nicht möglich. Das JHK 2016 wird im März des gleichen Jahres erscheinen. Die bei der Redaktion eingereichten Beiträge durchlaufen ein Peer-ReviewVerfahren und werden im Falle ihrer Annahme lektoriert. Aus diesem Grund müssen die Beiträge für das JHK 2016 – soweit nicht anders vereinbart – bis zum 5. Januar 2015 vorliegen.
Nähere Informationen zum Jahrbuch finden Sie unter www.bundesstiftungaufarbeitung.de/jahrbuch
Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Weber an der Universität Mannheim begründet und erscheint ab 2014 im Metropol
Verlag, Berlin. Das Jahrbuch wird herausgegeben von Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst und
Manfred Wilke im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
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Die Redakteurin des Jahrbuchs, Frau Birte Meyer, erreichen Sie über die
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5
10117 Berlin
E-Mail: [email protected]
www.bundesstiftung-aufarbeitung.de
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