Alles unter Kontrolle..?
Dr. John Klein
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
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Ist der Herd auch wirklich aus?
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Und die Tür abgeschlossen?
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Habe ich die Email überhaupt an den richtigen Empfänger
geschickt?
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Wenn das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung
geschwächt ist, wird die Kontrolle zum Zwang - und die
einfache Handlung zur Herausforderung.
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Definition: Zwangsstörung
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Auftreten von Gedanken und Handlungen, die zwar als
quälend empfunden werden, aber dennoch umgesetzt
werden müssen.
— Zeitweise Einsicht, dass die Zwangsgedanken oder
Zwangshandlungen übertrieben sind
— Deutliche Beeinträchtigungen des Alltagslebens
>
gekennzeichnet durch Zwangsgedanken, die zu deutlicher
Angst und Unbehagen führen und Zwangshandlungen, die
zur Angstneutralisation dienen.
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Die Symptome:
— Zwangsgedanken:
–
–
–
Zwanghafte Gedanken
Zwangsvorstellungen
Zwangsimpulse
— Zwangshandlungen:
–
–
–
–
–
–
Reinlichkeitszwang--
Ordnungszwang
Berührungszwang
Verbale Zwänge
Kontrollzwang ------------------------
Zählzwang
— Situationensvermeidung, die den Inhalt der
Zwangsgedanken entsprechen
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Diagnostische Kriterien
— Wiederkehrende Zwangsgedanken und
Zwangshandlungen.
— Die Gedanken und Handlungen sind schwer genug, um
zeitaufwendig zu sein, ausgeprägtes Leiden oder deutliche
Beeinträchtigungen zu verursachen.
— Zu irgendeinem Zeitpunkt der Störung hat die Person erkannt,
dass die Zwangsgedanken und -handlungen übertrieben
oder unbegründet sind.
— Falls eine andere Achse I-Störung vorliegt, so ist der Inhalt
der Zwangsgedanken oder -handlungen nicht auf diese
beschränkt.
— Das Störungsbild geht nicht auf die direkte körperliche
Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen
Krankheitsfaktors zurück.
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Erkrankungsalter:
Adoleszenzalter, vor dem 30.Lebensjahr
Verlauf: schleichend mit einem anschließenden chronischen
Verlauf
Prävalenz bei Jugendlichen:
— Einjahresprävelenz: 0,7%
— Lebenszeitprävalenz: 1- 2,3%
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Prävalenz bei Erwachsenen:
— Einjahresprävalenz: 0,5- 2,1%
— Lebenszeitprävalenz: 2,5%
>
Mögliche Ursachen:
wahrscheinlich eine Kombination aus genetischer
Veranlagung, Hirnstoffwechselstörungen und seelischen
Ursachen.
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Laborbefunde: nicht gefunden, nur Beobachtungen
Geschlechtsspezifität:
— Frauen genauso häufig betroffen wie Männer,
wobei Jungen und Männer durchschnittlich zeitlich früher
daran erkranken als Frauen.
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Komorbidität:
—
—
—
—
Major Depressionen
Andere Angststörungen
Persönlichkeitsstörungen
Lernstörung und Störungen des Sozialverhaltens
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Genetische Prädisposition?!
— Familiäre Verteilungsmuster:
Konkordanzrate für die Zwangsstörung ist für eineiige Zwillingen
>zweieiigen Zwillingen.
bei biologischen Verwandten ersten Grades ist die Störung> als
in der Allgmeinbevölkerung
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Diskussion und Details
>
Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den
Patienten immer wieder beschäftigen. Sie sind fast immer quälend,
der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die
Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst
wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden
werden.
>
Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig
wiederholt werden. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen
ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihm Schaden bringen
oder bei dem er selbst Unheil anrichten könnte. Im allgemeinen
wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird
immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist
ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt,
verstärkt sich die Angst deutlich.
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Zwanghafte Persönlichkeit:
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Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Zweifel,
Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, extremer
Ordnungsliebe, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht
und Starrheit gekennzeichnet ist. Spontaneität und
Impulsivität sind selten und können kaum gelebt werden.
>
Die Person ist gekennzeichnet durch Kontrolliertheit in den
Emotionen und durch ein starkes Bedürfnis, das eigene
Leben im Griff zu haben.
>
Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder
Impulse auftreten, die als störend erlebt werden.
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Folgen der Zwänge:
>
Neben den akuten Zwangssymptomen sind häufig auch
Angstsymptome (Stress) vorhanden. Die permanente Angst und
Anspannung führt zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit
(Krankheit).
>
Die zeitaufwendigen Zwänge führen zunehmend auch zu
psychosozialen Belastungen und Beeinträchtigungen.
Häufige Folgen sind:
Konzentrationsschwierigkeiten Denkblockaden und
Denkfixierungen Starkes Belastungsgefühl Unpünktlichkeit Angst
vor den schlimmen Folgen Verlust des Arbeitsplatzes durch
extreme Langsamkeit in der Tätigkeit (Kontrolle und Absichern)
oder durch Zuspätkommen Niedergeschlagenheit, Dysphorie,
depressive Verstimmungen Körperliche Symptome wie Ekzeme an
den Händen / am Körper im allgemeinen durch die Waschrituale....
die ständige Angst den Zwangsgedanken nachkommen zu müssen
>
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Hintergrund der Zwänge:
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häufig verborgene Ängste. Angst bedeutet immer, daß Sie körperlich
reagieren und die nervliche Erregung über ein angenehmes Maß
hinausgeht. Eigene Gedanken, Befürchtungen, Grübelei, Sorgen oder auch
das Verhalten anderer Menschen, äußere Einflüsse oder Merkmale der
Situation in der Sie sich befinden führen zu Stressreaktionen, die die
Angstschwelle durchbrechen. Jetzt wird Angst empfunden, Angstsymptome
treten auf und das Geschehen / die eigenen Gedanken erscheinen immer
bedrohlicher.
Die körperlichen Symptome (zittern, Herzschlag, Reaktionen im Magen
und Bauch, Kloß im Hals, Kehle zuschnüren, zittern..... im Detail siehe
unter Stress) prägen sich tief ein und werden immer wieder wachgeruften,
wenn die Situation ähnlich zu der wird, in der das erstemal derartige
Ängste oder Befürchtungen ausgelöst wurden.
Im Gegensatz zur einfachen Angst haben Zwänge sehr häufig ein Element
der Angsterleichterung durch das Ausführen der Zwangshandlung bzw. des
Rituals (z.B. Kontrolle, Saubermachen). Die einhergehende Erleichterung
verschlimmert und chronifiziert die Zwangsthematik - Die Zwangshandlung
wird immer wieder ausgführt
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Nicht von Gott geschickt, sondern
gelernt...
>
Sie haben richtig gelesen, Zwänge werden gelernt indem der
negative körperliche Angstzustand / Schmerzen / negative Gefühle
verknüpft werden mit Gedanken, Bildern und Erlebnissen.
Die durch die Ausführung der Zwangshandlung ausgelöste
Erleichterung (nachlassen des negativen Gefühls / eintreten eines
positiven Gefühls) verstärkt die Wahrscheinlichkeit, daß in einer
ähnlichen Situation die Zwangshandlung immer wieder ausgführt
wird.
Ist eine neue Situation oder ein Gedanke oder Ihr körperlicher
Zustand ähnlich, wie die Situation in der dies passierte, wird wieder
die Angst, die Angstgedanken und die körperliche Angstreaktion
bzw. das negative Gefühl ausgelöst. Dies führt wiederum zu einer
Ausführung der Zwangshandlung......(usw.)
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Was kann man tun:
Worum geht es beim tun
>
>
Vorgehen und Verfahren:
1. Analyse von Ursachen und Gründen für den Zwang
2. Beratung, Treatment, aktive Bewältigung
3. Verfahren der Angstreduktion / Zwangsreduktion
4. Abbau von Teufelskreisläufen aus Angst und Zwang
5. Umgang mit körperlichen Angstsymptomen
6. Umgang mit Zwangsgedanken und Zwangsverhalten
7. Training der positiven Selbststeuerung
8. Training eines positiven Umgangs mit sich selbst
9. Aufbau eines zwangsfreien Verhaltens
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Hausarzt, Neurologe oder Psychiater als Ansprechpartner
• Direkte Zugangsmöglichkeit bei niedergelassenen
Psychotherapeuten/innen
• Notwendigkeit der Aufklärung
• Behandlung ist eingebettet in einen therapeutischen
Prozess
• Klärung und Aufbau von Behandlungsmotivation
• Klärung von Rahmenbedingungen (Erreichbarkeit,
Finanzierung usw.)
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VERMITTLUNG VON SPEZIELLEN
KOMPETENZEN
>
Neben der Behandlung des Zwanges im engeren Sinne ist es
unverzichtbar, spezielle Alternativen zu unterstützen oder
aufzubauen. Im Einzelnen sind dies
• Konkrete Fertigkeiten im Alltag des Patienten,
• Strategien im Umgang mit Belastungen im Beruf, in der
Familie und Partnerschaft
• Strategien der allgemeinen Bewältigung von Stress
• Gestaltung von Freizeit, Erleben von Genuss,
• Soziale und interpersonale Fertigkeiten
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WICHTIGE HINWEISE ZUR BEHANDLUNG
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• Wichtig ist die frühestmögliche Inanspruchnahme von
Behandlung, da eine lange Krankheitsdauer die Prognose
bekanntermaßen verschlechtert
• Voraussetzung ist Kompetenz des Therapeuten, StörungsOrientierung / ggf. Supervision
• Konfrontationsbehandlung sollte im natürlichen Umfeld des
Patienten erfolgen
• Behandlung z.T. mehrfach pro Woche (2-3 Mal)
• Notwendigkeit von verlängerten Übungen, Habituation
• Ausblenden der Hilfestellung des Therapeuten
• Anleitung des Patienten zu kontinuierlicher Übung
• Behandlung von Komorbiditäten
• Ergänzende therapeutische Maßnahmen im Bereich eines
sozialen Kompetenztrainings, Verbesserung der Kommunikation,
Soziotherapie
• Psychoedukation für Patienten und Angehörige
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Tipps für Angehörige
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Starkes Sicherheitsbedürfnis
>
Mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
>
Großes Schamgefühl
>
Entscheidungsunfähigkeit
>
Extrem hohes Verantwortungsgefühl
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