Durchblick mit Netzhautprothese bei Makula Degeneration

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Bionisches Auge
Durchblick mit Netzhautprothese bei
Makula Degeneration
Neu verdrahtet: Das System nutzt die noch nicht abgestorbenen Sehnerven, um die
Informationen an das Gehirn zu senden. Das epiretinale Implantat wird direkt auf die Netzhaut
gesetzt.
Quelle: Second Sight
24.07.2015 Erster Eingriff bei altersbedingter Makuladegeneration: Einem
erblindeten Patienten wurde eine Netzhautprothese am Manchester Royal Eye
Hospital in Großbritannien implantiert. Erste Systemtests deuten auf einen Erfolg.
Erstmals wurde einem Patienten mit altersbedingter trockener Makula Degeneration
(AMD) eine Netzhautprothese implantiert. Das System stammt von der USamerikanischen Firma Second Sight Medical Products und trägt den Namen Argus II.
Es wandelt Videoaufnahmen einer Minikamera, die in die Brille des Patienten eingebaut
ist, in Serien kleiner elektrischer Impulse um. Diese Information wird dann kabellos auf
Elektroden übertragen, die direkt auf der Netzhaut angebracht sind. Dadurch werden
Impulse vermittelt, die noch vorhandene Netzhautzellen stimulieren. Das Gehirn
wandelt die entsprechende Wahrnehmung von Lichtmustern um. Indem der Patient
lernt, diese Muster von Seheindrücken zu interpretieren, erlangt er eine gewisse
Sehfunktion wieder.
Funktionales Sehvermögen zurückerlangt
Der 80-jährige Brite Ray Flynn verfügte vor dem Eingriff nur über einen „seitlichen
Sehrest“ – er war praktisch blind. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass es
zum ersten Mal gelungen sein könnte, die künstliche Wahrnehmung mit einem
natürlichen Sehrest zu kombinieren. So zeigten Screeningtests, dass der Patient sein
funktionales Sehvermögen zurückerlangt hat, bestätigt Professor Paulo Stanga,
Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde und Glaskörperchirurgie am Manchester
Royal Eye Hospital. So könne er bei eingeschaltetem System die Umrisse von Personen
und Objekten wahrnehmen – und das bei geschlossenen Augen. Das belege, so der
Mediziner, dass er für das Erkennen von Formen und Umrissen nicht sein verbliebenes
natürliches peripheres Sehvermögen nutze. „Ray Flynn macht wirklich bemerkenswerte
Fortschritte“, sagt Professor Stanga.
Die Implantation erfolgte am 16.
Juni im Rahmen einer vierstündigen
Operation. Am 1. Juli wurde die
Sehhilfe zum ersten Mal
eingeschaltet. Am gleichen Tag
wurden Untersuchungen
durchgeführt, bei denen der Patient
auf einem Computerbildschirm
Das Implantat empfängt die visuellen Informationen
drahtlos und leitet sie an den Sehnerv weiter.
Quelle: Second Sight
unterschiedlich verlaufende
schwarze und weiße Muster
erkennen musste. Professor Stagna
geht davon aus, dass sich sein
visuelles Wahrnehmungsvermögen
mit zunehmender Übung und durch Rehabilitationsmaßnahmen kontinuierlich
verbessern werde.
Erste klinische Studie über die Behandlung von AMD
Seit Ende 2014 läuft eine Studie, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Argus II zu
testen. „Die aktuelle Studie soll zeigen, ob Patienten mit trockener AMD, die unter
einem erheblichem Sehverlust leiden – also funktional blind sind – das künstliche
Sehen im zentralen Gesichtsfeld mit ihrem verbliebenen natürlichen peripheren Sehen
kombinieren können”, sagt Gregoire Cosendai, Vice President Europe von Second Sight
Medical Products. Und in diesem Rahmen sollen noch vier weitere Patienten am
Manchester Royal Eye Hospital mit diesem System ausgestattet werden.
Die trockene AMD ist unheilbar und zählt zu den
häufigsten Ursachen für Blindheit in den westlichen
Industrienationen. Retinitis pigmentosa zählt dagegen
zu den seltenen Krankheiten. Patienten mit trockener
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Licht ins Dunkel
AMD unterscheiden sich von solchen mit Retinitis
Retina-Implantate und
pigmentosa darin, dass sie noch ein gewisses Maß an
peripherem Sehvermögen behalten. Demgegenüber
mechatronische
Augenlinsen
haben Patienten mit schwerer Retinitis pigmentosa
Auf dem Weg zur
keinerlei peripheres Sehfeld mehr. „Diese Technologie
Sehprothese
verändert das Leben der Patienten. Indem sie ein
gewisses Maß an funktionellem Sehvermögen wiederherstellt, ermöglicht sie den
Betroffenen ein unabhängigeres Leben“, sagt Professor Stagna.
Argus II erhielt 2011 die CE-Kennzeichnung und wurde 2013 durch Food and Drug
Administration (FDA) in den USA zugelassen. Das System ist nach Angaben des
Unternehmens die weltweit erste zugelassene Netzhautprothese und wurde bislang bei
130 Patienten mit Retinitis pigmentosa implantiert. Manche Patienten verwendeten das
System bereits seit mehr als sieben Jahren. Das Implantat hält nach Angaben des
Unternehmens derzeit den NUB1-Status in Deutschland. Das heißt, die Kosten für diese
Behandlung werden derzeit von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Mehr dazu im Internet:

Studie: „Long-Term Results from an Epiretinal Prosthesis to Restore Sight to the
Blind“

Video von der Behandlung

Unternehmenswebseite Second Sight
© medizintechnologie.de/lp
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