Powerpointvortrag Prof. Dr. Thönnessen

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Lagerhalle Osnabrück
12.03.2009
„Bedingungsloses
Grundeinkommen“
Prof. Dr. Joachim Thönnessen,
Fachhochschule Osnabrück
„Wir werden weniger“
Schaubild 1: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands im 21. Jahrhundert ohne bzw. mit Wanderungen für einen angenommenen Anstieg der Geburtenzahl pro Frau von 1,25 auf 1,50 innerhalb von 15 Jahren
(aus: Birg,H.: Die demographische Zeitenwende, 2001, S. 99)
„Wenn
ein Hochlohnland wie Deutschland
mit der Produktivitätssteigerung und der
Innovativität seiner Produkte nicht mehr
mithalten kann, wenn also sein
Humanvermögen nicht mindestens ebenso
rasch zunimmt wie in Ländern mit einer
nachholenden Entwicklung, muß mit
Beschäftigungs- und Wohlstandsverlusten
und erbitterten Verteilungskämpfen
gerechnet werden“
(Kaufmann, F.X.: Schrumpfende Gesellschaft. Vom Bevölkerungsrückgang und seinen Folgen;
2005, S. 92)
„Triebfedern für das BGE”
Wir leben ...
 in einer Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit
(tendentiell) ausgeht und in einer

Überflussgesellschaft, in der die Armut
zunimmt
= zentrale Widersprüche, die die Idee
des Grundeinkommens nähren und
vorantreiben.
Die Grundidee
 Jedem
Bürger/jeder Bürgerin eines
Landes, ob arbeitsfähig oder -willig
oder nicht, soll eine finanzielle
Mindestsicherung („Grundeinkommen“) garantiert werden.
Das Grundeinkommen soll ... (1)
 existenzsichernd
sein im Sinne einer
Sicherung der basalen gesellschaftlichen Teilhabe
 einen
individuellen Rechtsanspruch
darstellen
 ohne
Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt
werden und
 keinen
Zwang zur Arbeit bedeuten
Das Grundeinkommen soll ... (2)

steuerfinanziert sein

bedingungslos jedem einzelnen Bürger/
jeder einzelnen Bürgerin zustehen

andere Sozialleistungen des Staates
ersetzen

zum Abbau von Sozialbürokratie beitragen
Argumente der Kritiker

Probleme der normativen Akzeptanz:
- arbeitsethische Grundeinstellungen
- Gerechtigkeitsauffassungen
- Leistungsdenken

Probleme der Durchführbarkeit und der
Finanzierung:
- Arbeitgeberverbände, politische Parteien
und Gewerkschaften sehen aus unterschiedlichen Gründen im BGE eine
„gefährliche Denkfigur“
... und Antworten (1)


Durch das unverdiente Einkommensgeschenk, das untätige ´Faulenzer´ geniessen, kann Verwaltungsaufwand eingespart
und auf ´demoralisierende Massnahmen´
verzichtet werden
Die viel umfangreichere Kategorie derjenigen kann begünstigt werden, die nützliche
Tätigkeiten ausüben, dafür jedoch keine
Zahlung erhalten (Ehrenamt, Erziehung,
Pflege)
... und Antworten (2)
 Die
Probleme von Armut und
Arbeitslosigkeit können mit den
herkömmlichen, ´produktivistischen´
Mitteln der Wachstumsförderung
einerseits, der ´aktivierenden´
Arbeitsmarktpolitik andererseits, nicht
mehr gelöst werden
... und Antworten (3)




Ein bedingungsloses Grundeinkommen
führt nicht zu ´Vollbeschäftigung´- aber es
entschärft das Verteilungsproblem
Die Erwerbsnötigung von Arbeitskräften
wird verzichtbar
Die Produktivität von Arbeit würde steigen
(hohe Motivation der Arbeitenden)
Hemmungen bei der Nutzung arbeitssparender technologischer und organisatorischer Massnahmen fallen weg
... und Antworten (4)

Finanzierung bezogen auf eine Deckungslücke von ca. 70 Mrd. Euro (bei 800 Euro
BGE):

Dieser Betrag liesse sich über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf EU-konforme
25% (ergibt rund 50 Mrd. Euro) und über
eine Streichung einiger Privilegien in der
Einkommens- und Ertragssteuer (ergibt den
Rest) aufbringen;
Weiterführende Forschungsfragen


(Wie) Lässt sich ein gesellschaftlicher
Bewusstseinswandel in Bezug auf wichtige
Fragen, insbes. im Bereich der Arbeits- und
Berufspolitik, aber auch im gesamten
sozialen Bereich, herbeiführen (ohne das
wir an Leistungsträgern und Leistungsbereitschaft verlieren)?
(Wie) Können die politischen Blockaden auf
Seiten der politischen Parteien, der
Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände aufgelöst werden?
(Vorläufiges) Fazit

Das BGE kann als Antwort auf Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und die wachsende
Verarmung von Teilen der Bevölkerung
gesehen werden

Es ist zudem eine Reaktion auf die sich
vollziehenden dramatischen soziodemographischen Veränderungen und auf den
Wandel der Grundbedingungen für Arbeit
Thesen der Befürworter (1)

Das Vollbeschäftigungsziel wird nicht
wieder erreicht werden. Die Idee, durch
Erwerbsarbeit die gesellschaftliche
Integration zu sichern, verliert nach 30
Jahren Massenarbeitslosigkeit ihre
Legitimität

Das soziale Sicherungssystem kann
aufgrund von Unterfinanzierung in der
jetzigen Form nicht auf Dauer bestehen
Thesen der Befürworter (2)

„Das BGE ist ein Projekt für mehr Freiheit,
Demokratie und Menschenwürde“
(www.grundeinkommen.de)

Es hat Vorteile sowohl für Arbeitnehmer wie
für Arbeitgeber

Leistungsgerechtigkeit setzt Teilhabegerechtigkeit voraus. Diese ist unter den
vorherrschenden Bedingungen nicht
gegeben
Fazit (1)

Die bisher vorgeschlagenen Modelle sind
noch unausgereift

Trotzdem muss die Diskussion
weitergeführt werden

„In dem Maße, wie sich das Vollbeschäftigungsideal als Illusion erweist und sich die
Risse in der Gesellschaft vertiefen, wird es
langfristig zu einem BGE kaum eine Alternative geben“ (Just 2008, 231)
Fazit (2)


Ein BGE kann die soziale Wirksamkeit
eines vielgliedrigen Reforminstrumentariums materiell fundieren; es macht dessen
weitere Elemente aber keineswegs
verzichtbar oder überflüssig
Hierzu gehören u.a.: Einkommensumverteilung, gleicher und freier Zugang aller
BürgerInnen zu Arbeit, Bildung, Partizipation, Autonomie und Muße (Lessenich
2009)
Ende
Vielen
Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!
Die
Diskussion ist
eröffnet!!
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