„Im Westen nichts Neues“ – Erich Maria Remarques Anti

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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“
„Es ist übrigens komisch, dass das Unglück der Welt oft von kleinen Leuten herrührt, sie sind
viele energischer und unverträglicher als großgewachsene.“ Dieser Satz in Remarques Roman sollte sich wenige Jahre später auf fatale Weise bestätigen. Und auch wenn der Autor
hiermit Recht behalten sollte, so war es sicherlich nicht diese Aussage, die zum vehementen
Kampf der Nationalsozialisten gegen Buch, Verfilmung und Verfasser führten.
Gründe für die ganz unterschiedliche Rezeption von Buch und Film in der Weimarer Republik und für die extreme Reaktion der Nationalsozialisten auf beide Veröffentlichungen sollen
anhand dieses Unterrichtsvorschlags von den Schülern erarbeitet werden. Textgrundlage und
filmische Umsetzung werden dabei durch das Internet als Informations- und Materialquelle
ergänzt.
Lernziele:
Die Schüler sollen
Textimmanente Anhaltspunkte für Remarques Einstellung gegenüber dem Krieg erkennen
Weiterführende Informationen zu den Verhältnissen an der Front im 1. Weltkrieg im
Internet sammeln
Den Umgang mit dem Internet als Recherchemedium einüben und sich kritisch mit
den gefundenen Informationen auseinandersetzen
Die Ursachen für die heftigen Kontroversen zur Kriegsthematik erschließen
Die Phasen der nationalsozialistischen Agitation gegen den Autor und seinen Roman
skizzieren
Anhand dieser Vorgänge einige Grundzüge der NS-Kulturpolitik herausarbeiten
(Bücherverbrennung, Publikationsverbot, Exil)
Kurzinformation:
Thema:
Erich Maria Remarque – „Im Westen nichts Neues“
Autor:
Matthias Kaiser
Fach:
Deutsch (mögliche Verbindung mit Geschichte)
Zielgruppe: Sek. II
Technische Vorraussetzungen: Internet, evtl. Video
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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
Didaktisch-methodischer Kommentar:
In literarischen Themenkomplexen des Deutschunterrichts steht in der Regel die Arbeit mit
der jeweiligen Textgrundlage – einem konkreten Roman, Gedicht etc. – im Vordergrund. Die
hier vorgestellte Unterrichtseinheit bietet eine Möglichkeit, diesen „klassischen“ Rahmen zu
erweitern – zum einen auf der thematischen Ebene, wenn es um die Einbeziehung der Rezeption geht, aber auch im Bereich der im Unterricht verwendeten Medien.
Dabei können die Schüler exemplarisch kennen lernen, wie Ressourcen aus dem Internet für
den Umgang mit Literatur hilfreich sein können und darüber hinaus eine Einbeziehung des
gesellschaflichen bzw. historischen Kontexts in das Literaturverständnis ermöglichen.
Im Bereich der Texterarbeitung sollte das Internet allerdings zunächst eine untergeordnete
Rolle spielen, um das eigentliche Thema nicht aus den Augen zu verlieren. Um den kritischen Umgang mit diesem neuen Medium zu trainieren, ist es zudem sinnvoll, von den Schülern gewonnene Informationen immer auf deren Herkunft zu überprüfen („Von wann?“,
„Woher?“), um sie so für die große und nicht immer nur positive Vielfalt zu sensibilisieren
und den unterschiedlichen Wert einzelner Sites besser einordnen zu können.
Aufgrund starken Relevanz von historischem Wissen bietet sich zudem eine interdisziplinäre
Verknüpfung mit dem Fach Geschichte an.
UNTERTHEMEN
Der Roman „Im Westen nichts Neues“
Als Fundament dient die Erarbeitung des Romans. In einem ersten Schritt sollen die Schüler
dabei eine grobe Strukturierung vornehmen, bevor dann einzelne Passagen näher analysiert
werden, um auch einige sprachliche Phänomene wie die immer wiederkehrenden Aufzählungen und Parallelismen in die Interpretation mit einzubeziehen.
Zur Klärung von Verständnisfragen und zur Einbettung in das Geschehen des 1.Weltkriegs
sind an den betroffenen Stellen kleine Rechercheaufgaben sinnvoll. Gerade hierbei sollte bei
der Recherche besonders sorgfältig vorgegangen werden, da es zwar viele Fundstellen zu diesem Thema gibt, diese aber oftmals sehr undifferenziert behandeln.
Daran schließt sich die stichpunktartige Zusammenfassung der Kritikpunkte Remarques an,
um sie im weiteren Verlauf leichter abrufen zu können.
Die vorliegenden Arbeitsaufträge beziehen sich auf ausgewählte Passagen des Romans, die
Remarques Einstellung zum Krieg wiedergeben. Gegenstand der Erarbeitung sind auch die
verwendeten literarischen Mittel, mit denen der Autor seine Botschaft transportiert.
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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
Kapitel
Ort
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Inhalt
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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
Arbeitsaufträge:
1. Unterteilt den Roman grob in inhaltliche Abschnitte und gebt dabei zu jedem Teil die
Kapitel, den Ort der Handlung sowie stichpunktartig den Inhalt an.
(Es müssen nicht alle Zeilen ausgefüllt werden!)
2. Wie ändert sich während des geschilderten Kampfes in Kapitel 6 die Beschreibung der
Soldaten? Wie ändert sich das Bild Bäumers nach diesem Kampf beim Besuch der
Mädchen und zu Hause?
3. Untersucht die stilistischen Mittel, die vor allem in Kapitel 6 und 11 eingesetzt werden!
Welchen Eindruck erwecken sie beim Leser?
4. Informiert euch in Zweiergruppen im Internet zu folgenden im Text auftretenden
Phänomenen der Kriegsführung an der Westfront im 1. Weltkrieg: Stellungskrieg,
Gasangriffe, Materialschlacht, Tank.
Lemo - der erste Weltkrieg: www.dhm.de/lemo/html/wk1/index.html
Goethe-Institut - Chronik 1916. www.goethe.de/in/d/gaz/didak1916-f.html
5. Lest nochmals die Textstelle, in denen der Protagonist mit dem französischen Soldaten
im Graben liegt. Wie ändert sich sein Bild vom Feind? Belegt dies an den
entsprechenden Stellen!
6. In einem Gespräch unterhalten sich die Soldaten über Ursachen und Sinn des Krieges
(Kap.9). Wo und an was äußert sich hier die Kritik Remarques?
7. Lest das kurze Vorwort des Romans. An welcher Stelle wird diese Zerstörung einer
Generation aufgegriffen und wie sieht sie aus? (Kapitel 10)
8. Fasst stichpunktartig Remarques Kritikpunkte am Krieg zusammen. Nennt dabei auch
immer die entsprechenden Textstellen.
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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
„Im Westen nichts Neues“: Rezeption in Weimarer Republik und NS-Diktatur
Erarbeitung der Rezeptionsgeschichte von Buch und Film
Nach Erarbeitung des Romans und seiner Grundaussagen verlagert sich der Schwerpunkt auf
die – zeitgeschichtlich bedingte - Rezeption des Werkes. Unter Zuhilfenahme des Internets
sollen die Schüler die einzelnen Phasen nachvollziehen: von der ursprünglich geteilten Resonanz über die von Goebbels inszenierten Tumulte um die Veröffentlichung des Films bis hin
zu Bücherverbrennung, Verbot und Exil des Autors.
Den Schülern soll bewusst werden, wie stark sich die jeweiligen gesellschaftlichen Umstände
auf Entstehung und Rezeption eines künstlerisches Produkts, dessen Rezeption und - hier im
Extrembeispiel - auf das Schicksal des Autors auswirken.
Zu Beginn dieses Abschnitt ist ein kurzer Ausblick auf die filmische Umsetzung von 1930
sinnvoll. Je nach angestrebter Ausführlichkeit wäre auch ein Vergleich von literarischer Vorlage und Film denkbar.
Da die Unterrichtseinheit für die Oberstufe konzipiert ist, ist eine ausreichende Kenntnis der
Internetnutzung bei den Schülern zu erwarten, eine Einführung in diese Arbeitsweise somit
überflüssig. Von der Ausprägung dieser Fähigkeiten sollte man allerdings die Hilfestellungen
bei den Rechercheaufgaben abhängig machen. Die aufgeführten Links können z.B. zu diesem
Zweck verwendet werden.
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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
Arbeitsaufträge:
Buch und Film wurden Ende der 20er Jahre in Deutschland veröffentlicht.
Sucht im Internet nach Informationen über den Film „Im Westen nichts Neues“ bzw. „All
Quiet on the Western Front“!
- Wo und wann wurde der Film uraufgeführt, wie erfolgreich war er ?
- Wie wurden Buch und Film von der Bevölkerung ursprünglich aufgenommen?
- Schildert kurz die Ereignisse rund um die Uraufführung des Films in Berlin.
- Woran entzündete sich die Kritik an „Im Westen nichts Neues“?
http://www.deutsches-filminstitut.de/zengut/dt2tb00154e.htm (S.5-7)
- Lest die Begründung im Zensurgutachten von 1930. Wie wird der Verbotsantrag
gerechtfertigt?
- Wie gingen die Nationalsozialisten gegen das Werk vor? Zeigt dabei die einzelnen
Phasen der Agitation gegen „Im Westen nichts Neues“ auf!
Im Frühjahr 1933 fand die so genannte „Bücherverbrennung“ statt.
- Was ist unter dem Begriff zu verstehen?
- Welche Bücher wurden verbrannt?
- Wie reagierten die Autoren darauf?
- Welche Konsequenzen zog Remarque aus der Machtübernahme der
Nationalsozialisten 1933?
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„Im Westen nichts Neues“ –
Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman und seine Rezeption in
Weimarer Republik und NS-Diktatur
Auf den folgenden Seiten findet ihr die nötigen Informationen, um die Fragen beantworten zu
können:
Erich Maria Remarque-Projekt des Abtei-Gymnasiums Brauweiler
Vielfach prämierte Internetdarstellung eines Projektes zu Remarque an dieser Schule mit vielen Materialien und Anregungen zur Arbeit im Unterricht.
(http://www.erft.de/schulen/abtei-gym/remarque/remark4b.htm
LeMo (Lebendiges virtuelles Museum Online)
Site des Deutschen Historischen Museums zu Kunst und Kultur der NS-Zeit
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/kunst/index.html
Informationen und Dokumente zum 1. Weltkrieg
(www.dhm.de/lemo/html/wk1/index.html)
hagestedt.de
Kurze Biografie Remarques von einem Marburger Literaturwissenschaftler mit vielen Verweisen auf „Im Westen nichts Neues“.
(http://www.hagestedt.de/portrait/d4Remarque.html)
E.M. Remarque-Friedenszentrum Osnabrück
Das Zentrum bietet umfangreiche Informationen zu Remarque und dessen Werken sowie
weiterführende Literaturangaben.
(http://www.remarque.uos.de)
Texte und Materialien des Goethe-Instituts
Das Goethe-Institut bietet einen Überblick über das 20.Jahrhundert, in dem sich zu jedem Jahr
Texte und Materialien zu Ereignissen befinden (für dieses Thema sind v.a. die Jahre 1916,
1930 und 1937 interessant).
(http://www.goethe.de/in/d/gaz/zeitgeschehen.html)
Buecherverbennung.de
Sehr übersichtliche Seite, auf der sich ein kurzer Abriss der Bücherverbrennungen 1933 finden lässt.
(http://www.buecherverbrennung.de/)
Literaturkritik.de.
In den Bereichen „Weimarer Republik“ und „Nationalsozialismus“ finden sich Angaben zu
Remarque sowie zur Geschichte der Literatur im 20. Jahrhundert.
(http://www.literaturkritik.de/buch/buchh/neu/Basisbib/Weimar/Remarque.html)
(http://www.literaturkritik.de/buch/buchh/neu/Basisbib/Nationals/index.html)
Deutsches Filminstitut
Vielfältiges Material von einem kurzen Überblick der Geschichte der Veröffentlichung über
den Filminhalt bis hin zu Plakaten, Verbotsanträgen, Zensurentscheiden etc.
(http://www.deutsches-filminstitut.de/zengut/dt2tb00154e.htm)
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