Der Photoeffekt - Bestimmung der Planckschen Konstanten h

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Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
(a) mit Hg-Dampflampe
(b) mit LEDs
Abbildung 1: Versuchsaufbau
In diesem Versuch werden Sie der Natur eine zentrale Konstante entlocken:
das Plancksche Wirkungsquantum h. Sie wandeln Licht bekannter Energie
in kinetische Energie von Elektronen um, welche gemessen wird. Aus Ihren
Messergebnissen können Sie h errechnen. Weiterhin werden Sie bei der Vorbereitung die Grundlagen von Halbleitern und Leuchtdioden kennenlernen
und mit einem Messverstärker arbeiten.
1 Vorbereitung
1.1 Realitätsbezug
Dieses Experiment ist äußerst abstrakt. Lassen Sie sich dadurch nicht verwirren. Sie
finden den Photoeffekt, den Sie hier genau beobachten, in vielen Situationen des täglichen
Lebens wieder:
Vielleicht haben Sie einen Taschenrechner mit Solarzelle oder sogar Solarzellen auf
dem Dach. Natürlich können Sie mit Fotoapparaten umgehen. Ihr Handy, ein Autoradio,
1
Anfängerpraktikum II
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
viele kleine Anzeigen und sogar manche Zimmer werden mit LEDs beleuchtet und viele
Häuserblocks haben einen Helligkeitssensor zur Regelung der Außenbeleuchtung. Dies
ist nur ein kleiner Ausschnitt der technischen Errungenschaften, die unter anderem auf
dem Photoeffekt basieren.
Allerdings passiert der Photoeffekt auch in Ihrem Körper: Dieser, zusammen mit der
Größe der Naturkonstante h, ist der Grund, warum Sie sich mit Rotlichtlampen gut
wärmen können, aber bei UV-Strahlung braun werden bzw. einen Sonnenbrand bekommen. Nur mit dem Photoeffekt können Sie sehen und auch wegen dem Photoeffekt
bekommen Sie Krebs, wenn Sie zu viel radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind.
Natürlich besteht niemals die Notwendigkeit, sich selbst darüber auszukennen, wenn
man sich von Spezialisten beraten lassen kann. Und auch wenn die dadurch entstehende
Gefahr, von Werbestrategen überlistet zu werden, verschmerzlich ist, so können Sie ihre
Schüler vielleicht damit ködern, der Natur ein Geheimnis zu entlocken: Nämlich eine
ihrer fundamentalen Größen.
Jedoch geht es bei der Messung des Planckschen Wirkungsquantums nicht nur um
dessen Zahlenwert. Viel entscheidender ist die damit zusammenhängende Erkenntnis, die
Max Planck gewann: Vor 1900 wusste man bereits sehr viel über Strahlung, die von allen
warmen Körpern ausgeht: zum Beispiel wird eine heiße Herdplatte rot und wenn man sie
noch weiter erhitzen würde, käme es sogar zur Weißglut – es würde also auch grünes und
blaues Licht emittiert werden. Das Dilemma war damals aber, dass die genaue Verteilung
der Strahlung auf die einzelnen Wellenlängen nicht mit den theoretischen Vorhersagen
übereinstimmte. Die Messungen waren genau, also die Theorie falsch. Max Planck fand
– zunächst durch Raten – die richtige Formel heraus. Als er diese Formel physikalisch
erklären konnte, stellte sich heraus, dass man davon ausgehen muss, dass jede Strahlung
von dem strahlenden Körper nicht gleichmäßig und kontinuierlich abgegeben wird, sondern in kleinen Energieportionen – den Quanten. Planck erkannte außerdem, dass die
Größe dieser Quanten von der Farbe abhängig ist. Allerdings stellte sich Planck nicht
die Strahlung an sich quantisiert vor, sondern erklärte die Quantisierung damit, dass
die Oszillatoren in den Wänden des Strahlers nur diskrete Energiemengen mit dem
Feld austauschen können. Diese Idee wird als die Geburtsstunde der Quantentheorie
bezeichnet und führte in den nächsten 30 Jahren zu weitreichenden Konsequenzen: Mit
dieser Vorstellung konnte Einstein 1905 die Wechselwirkung von Licht auf Metalle richtig
deuten, Bohr sein Atommodell entwickeln und Heißenberg die Grundlagen der Quantenmechanik erkennen. (Quelle des historischen Absatzes: [Wag05]. Darin finden Sie auch
Zitate aus einem persönlichen Briefwechsel Plancks mit Willi Wien.)
1.2 Eigenrecherche
Das hier zentrale physikalische Phänomen ist der äußere Photoeffekt, den wir mit einer
Photozelle messen werden. Informieren Sie sich bitte über den äußeren Photoeffekt1 und
gehen Sie darauf ein, was eine Photozelle ist und wie man damit den Photoeffekt messen
kann. Erklären Sie, was die Austrittsarbeit ist und wie diese zustande kommt2 .
1
2
[Tip94], S. 1199 ff. und [Mes04], S. 447 ff.
[Tip94], S. 1200 und [Mes04], S. 445
2
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Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
1.3 Messprinzip
Die Kathode einer Photozelle wird nacheinander mit Licht verschiedener Frequenzen
beleuchtet. Dieses Licht ist hinreichend kurzwellig, um aus der Metalloberfläche der
Kathode Elektronen auslösen zu können. Dies ist nämlich nur dann möglich, wenn die
Energie hf der Lichtquanten größer ist als die sogenannte Austrittsarbeit WA . Diese
ist eine charakteristische Konstante für das Kathodenmaterial und soll später auch bestimmt werden. Im günstigsten Fall wird die restliche Energie E = hf −WA als kinetische
Energie auf das Elektron übertragen. Dann gilt der Energieerhaltungssatz in der einfachsten Form der Einsteinschen Gleichung:
1
Ekin = mv 2 = hf − WA ,
2
wobei Ekin die kinetische Energie des Elektrons, f die Frequenz des auftreffenden Lichtquants und WA die Austrittsarbeit des Kathodenmaterials ist.
Die Messung der kinetischen Energie der emittierten Elektronen erfolgt durch die
sogenannte Gegenfeldmethode: Durch die ständige Emission von Elektronen lädt sich
die Kathode positiv auf, während die zur Anode wandernden Elektronen diese negativ
aufladen. Zwischen Anode und Kathode entsteht so eine elektrische Spannung bzw. ein
elektrisches Feld, gegen das die Elektronen anlaufen müssen. Die Spannung zwischen
Kathode und Anode wächst mit der Zahl der auf die Anode auftreffenden Elektronen –
und zwar so lange, bis das elektrische Feld so groß ist, dass auch die schnellsten – also
energiereichsten – Elektronen zur Umkehr gezwungen werden. Die so erreichte Spannung
Ug wird gemessen, für sie gilt:
1
e · Ug = mv 2 .
2
Damit kann die Einsteinsche Gleichung umgeformt werden zu:
hf = e · Ug + WA .
Misst man Ug für mehrere Frequenzen, so kann man aus dem Ug -f -Diagramm sowohl das
Verhältnis h/e als auch die Austrittsarbeit des Kathodenmaterials bestimmen. Der Wert
hat bei der verwendeten P bS-Kathode allerdings nicht die Bedeutung einer allgemein
gültigen Materialkonstanten, sondern wird wesentlich durch die Technik der Photokathodenherstellung beeinflusst.
1.4 Verwendete Geräte
1.4.1 Photozelle
Zur Bestimmung der Planckschen Konstanten h aus dem Photoeffekt dient die Photozelle 06778.00 der Firma PhyWe (siehe Abb. 2). Das Gerät ist mit einer Photozelle
mit P bS-Photokathode bestückt. Die Photozelle befindet sich in einem gegen Störfelder
abgeschirmten Gehäuse. Die seitliche Lichteintrittsöffnung besitzt einen Tubus, auf den
3
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Abbildung 2: Die Photozelle der Firma PhyWe, Quelle: [Phy07]
Interferenzfilter aufgesteckt werden können. Die Öffnung ist durch einen Schieber verschließbar; die Zustände auf“ und zu“ sind durch Bildzeichen markiert.
”
”
Die vorgegebene Photozelle ist empfindlich genug, um sowohl Leuchtdioden als auch
alle Spektrallinien der Quecksilberdampflampe als Lichtquellen verwenden zu können.
Die Photozelle befindet sich in einem Rohr mit zwei Blendenöffnungen. Der Steg zwischen den Öffnungen verhindert die direkte Bestrahlung der zentralen Anode, wodurch
Störungen durch Photoemmision aus der Anode vermieden werden. Das bei den früher
verwendeten Kalium-Photozellen erforderliche Ausheizen der Anode ist bei den neuen
P bS-Zellen nicht mehr nötig, so dass sich das Experimentieren erheblich vereinfacht und
Beschädigungen der Röhre nahezu ausgeschlossen sind.
1.4.2 Lichtquellen
Abbildung 3: Das Spektrum einer Quecksilberdampflampe, Quelle: [Bro]
4
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
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Es werden zwei unterschiedliche Lichtquellen verwendet. Im ersten Teil stammt das
einfallende Licht von einer Quecksilberdampflampe, im zweiten Teil wird es durch Leuchtdioden3 erzeugt.
Dabei ist das Spektrum der Quecksilberdampflampe durch die Tabelle 1 bzw. die
Abbildung 3 gegeben. Um aus dem Hg-Dampflampenspektrum Licht einzelner Spek579, 1 nm
407, 8 nm
577, 0 nm
404, 7 nm
546, 1 nm
380 nm
491, 6 nm
365 nm
435, 8 nm
Tabelle 1: Wellenlängen λ einiger Spektrallinien des Hg-Dampflichts
trallinien zu bekommen, werden Filter aus Tabelle 2 verwendet. Die bekannten Daten
Kat.Nr.
Farbe
46830
46831
46832
46833
46979
gelb
grün
blau
violett
ultraviolett
Wellenlänge
für maximale
Transmission
580 nm
520 nm
450 nm
400 nm
k.A.
Transmissionsgrad
bei maximaler Transmission
25%
13%
11%
5%
k.A.
Wellenlängenbereich
bei 20% der maximalen Transmission
560 − 620 nm
500 − 545 nm
425 − 480 nm
385 − 425 nm
300 − 380 nm
Tabelle 2: Verwendete Filter bei der Messung mit der Hg-Dampflampe
von den Leuchtdioden finden sich in Tabelle 3.
Best.-Nr.
Farbe
18659766
18721666
16701066
18751866
rot
gelb
grün
blau
Wellenlänge
des
emittierten
Lichts
626 nm
590 nm
520 nm
470 nm
Normalbetrieb
bei
Belastbar
bis
(Konstantstrom)
Abstrahlwinkel
maximale
Lichtstärke
Material
20 mA
20 mA
20 mA
20 mA
50 mA
50 mA
30 mA
50 mA
8◦
8◦
k.A.
13◦
9500 mcd
9500 mcd
4000 mcd
1000 mcd
AlInGaP
AlInGaP
k.A.
GaN
Tabelle 3: Verwendete Leuchtdioden der Firma Conrad Elektronik
1.5 Versuchsdurchführung
1.5.1 Vorbereitung der Messung mit der Hg-Dampflampe
Vorsicht UV-Licht! Nicht hineinsehen!
Vorsicht Ozonbildung! Gut lüften!
3
Ein Theorieteil zu Leuchtdioden befindet sich im Anhang 3.2
5
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Photozelle
Hg−Dampflampe
Drossel
~
BNC−Kabel
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MV
2V=
Filter
Abbildung 4: Aufbau der Schaltung zur Messung der Gegenspannung mit einer Quecksilberdampflampe als Lichtquelle und dem Messvertärker MV
Der Versuchsaufbau erfolgt nach Abb. 4. Dabei wird die als Lichtquelle verwendete
Quecksilberdampflampe an die dafür vorgesehene Drossel angeschlossen. Die Spektrallampe sollte etwa 15 Minuten vor der ersten Messung eingeschaltet werden. Sie wird zur Messung in einen Reiter festgeschraubt und dicht an die Lichteintrittsöffnung der Photozelle (ebenfalls in einem Reiter festgeschraubt) heran geschoben
(ca. 5 − 10 mm). Dabei sind beide Standfüße auf einer optischen Bank seitlich fixiert
und damit nur in einer Richtung verschiebbar (siehe Abb. 1(a)). Die BNC-Buchse der
Photozelle ist mit einem abgeschirmten Kabel mit dem Eingang des Messverstärkers
(MV) verbunden. Verwendet wird dabei ein Messverstärker mit einem Eingangswiderstand RI ≥ 1013 Ω, da andernfalls Messfehler durch zu großen Elektronenabfluss über den
MV auftreten. Am MV ist die Betriebsart Elektrometer“ und der Verstärkungsfaktor 1
”
zu wählen. An den Ausgang des MV wird ein digitales Multimeter angeschlossen. Dieses
ist auf Gleichspannungsmessung max. 2 V einzustellen. Zwischen Spektrallampe und
Photozelle schiebt man nun abwechselnd die in die Halterung gespannten Farbfilter der
Firma Leybold, so dass die gesamte Lichteintrittsöffnung der Photozelle damit verdeckt
ist.
Da die Photozelle durch das äußere Gehäuse jedoch nicht optimal abgeschirmt ist, wird
– um Messfehler durch Tageslicht / Streulicht zu vermeiden – der Raum abgedunkelt4
bzw. das System Spektrallampe-Photozelle mit einem Karton abgedeckt.
1.5.2 Vorbereitung der Messung mit den Leuchtdioden
In diesem Teil des Versuchs werden nun als Lichtquelle Leuchtdioden verwendet. Der
Aufbau des Versuchs wird gemäß Abb. 5 geändert. Als Stromquelle dient dabei ein
Gossen-Konstanter, mit dessen Hilfe man die Spannung bzw. Stromstärke begrenzen
kann. Hier wird die maximale Stromstärke auf 30 mA eingestellt (Belastbarkeit
der grünen Leuchtdiode). Zur Überprüfung der Einhaltung der Maximalwerte wird bei
der aufgebauten Schaltung (siehe Schaltskizze Abb. 5) die Spannung und Stromstärke
durch gewöhnliche Volt- und Amperemeter gemessen (Bereich 10 V bzw. 100 mA). Die
Leuchtdioden sind für den Versuch jeweils auf einfache Stecker aufgelötet worden und
4
Lüfthinweis beachten!
6
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
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Photozelle
10 V =
4 V=
100 mA =
BNC−Kabel
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MV
2V=
Abbildung 5: Schaltung zur Messung der Gegenspannung mit Hilfe von Leuchtdioden
als Lichtquelle und Messverstärker MV
können so leicht ausgetauscht werden. Die Schaltung wurde dafür auf einer Steckplatte
aufgebaut. Auch für diese Messreihe ist der Raum wieder zu verdunkeln.
Zur Messung werden die Leuchtdioden dicht vor die Öffnung der Photozelle gebracht
(Abstand ca. 1 cm). Die anliegende Spannung soll dabei 4 V nicht übersteigen. Nacheinander wird dann für die einzelnen Leuchtdioden die Gegenspannung gemessen, wie im
folgenden Abschnitt dargestellt.
Hinweis:
Überprüfen Sie die Polung der LED vor dem Einstecken in die Steckplatte mit einer
Batterie.
1.5.3 Durchführung der Messungen
1. Bei geschlossenem Lichteintritt
durch Niederdrücken der Taste
drückt wird, mit dem Stellknopf
ters auf Null stellen.
an der Photozelle den Eingang des Verstärkers
0“ kurzschließen; während die Taste niederge”
0“ am Messverstärker die Anzeige des Multime”
2. Schieber der Photozelle öffnen und die angezeigte Spannung Ug am Multimeter
protokollieren.
3. Schieber schließen, Filter (oder LED) wechseln und den Vorgang so lange wiederholen, bis die Messungen mit allen Filtern (LEDs) durchgeführt sind.
2 Aufgaben
2.1 Messungen mit der Quecksilberdampflampe
Verwenden Sie als Lichtquelle die Hg-Dampflampe zusammen mit den fünf gegebenen
Filtern und bestimmen Sie damit die Gegenspannung Ug in Abhängigkeit von der Frequenz f des einfallenden Lichts. Zur Bestimmung der Frequenz der jeweils ausgefilterten
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Hg-Linie benutzen Sie die Tabellen 1 und 2. Ug soll dabei für jede Frequenz als Mittelwert aus mindestens 5 Messungen bestimmt werden. Tabelle 4 bietet eine vorgefertigte
Protokollmöglichkeit.
Filterfarbe
Wellenlänge λ
der energiereichsten Spektrallinie
Frequenz f =
c/λ
Ug1
Ug2
Ug3
Ug4
Ug5
¯ 5
1X
Ug =
Ugi
5
gelb
grün
blau
violett
ultraviolett
i=1
mittlerer
quadratischer
Fehler
Tabelle 4: Messtabelle zur Aufgabe 2.1
2.2 Messungen mit Leuchtdioden
2.2.1 Frequenzabhängigkeit
Verwenden Sie nun als weitere Lichtquellen die vier Leuchtdioden (siehe Tabelle 3).
Bestimmen Sie wieder analog zu den Messungen in Aufgabe 2.1 Ug in Abhängigkeit
von der Frequenz f des einfallenden Lichts. Tabelle 5 bietet eine vorgefertigte Protokollmöglichkeit.
2.2.2 Intensitätsabhängigkeit
Variieren Sie bei der roten Diode die Stromstärke zwischen 20 mA und 40 mA und
überzeugen Sie sich, dass sich im Rahmen der damit erreichbaren Variation der Beleuchtungsstärke die beobachtete Spannung Ug nicht merkbar ändert.
2.3 Auswertung
Stellen Sie die Messergebnisse aus den Aufgaben 2.1 und 2.2.1 gemeinsam in einem
Diagramm, das Ug in Abhängigkeit von f zeigt, graphisch dar und passen Sie an die
Messpunkte eine Gerade an. Bestimmen Sie mit Hilfe der Steigung dieser Geraden die
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Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
Anfängerpraktikum II
Diodenfarbe
Wellenlänge λ des emittierten Lichts
Frequenz f = c/λ
Ug1
Ug2
Ug3
Ug4
Ug5
P
¯
Ug = 15 5i=1 Ugi
mittlerer quadratischer
Fehler
rot
gelb
grün
blau
Tabelle 5: Messtabelle zur Aufgabe 2.2.1
Plancksche Konstante h und mit Hilfe der Achsenabschnitte die Austrittsarbeit WA und
die Grenzfrequenz fmin (bzw. die Grenzwellenlänge λmax ).
Verwenden Sie zur Anpassung der Geraden die sogenannte lineare Regression“ (siehe
”
Anhang 3.1).
3 Anhang
3.1 Lineare Regression
Die optimale Anpassung einer Geraden y = mx + t an N Messpunktpaare (xi , yi ) mit
Mittelwert (x̄, ȳ) erhält man mit Hilfe folgender Beziehungen:
N
X
m=
(xi − x̄) · (yi − ȳ)
i=1
und
N · σx2
t = ȳ − mx̄
Den Fehler für die so bestimmte Steigung m und für den Achsenabschnitt t liefern
folgende Standardabweichungen:
v
u N
uX
u
[yi − (m · xi + t)]2
u
p
1 t i=1
σm =
·
und σt = σm · σx2 + x̄2
σx
N (N − 2)
mit den Mittelwerten x̄ für x, ȳ für y und der Standardabweichung σx für x:
v
u
N
N
N
u1 X
X
X
1
1
x̄ =
·
xi ; ȳ =
·
yi
und σx = t ·
(xi − x̄)2
N
N
N
i=1
i=1
i=1
9
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
Anfängerpraktikum II
3.2 Funktionsweise einer Leuchtdiode
3.2.1 Das Bändermodell: Leiter, Nichtleiter und Halbleiter
Um den Unterschied zwischen der Leitfähigkeit verschiedener Materialien zu erklären, bedient man sich des
Bändermodells: Elektronen können in einem Festkörper
nur bestimmte Energien annehmen. Diese werden als Energiebänder bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen
verschiedenen Energiebändern: Das Energieband mit den
äußersten vollbesetzten Zuständen nennt man Valenzband.
Das darüber liegende entweder teilweise gefüllte oder leere
Band wird als Leitungsband bezeichnet. Elektrischer Strom
kann nur dann fließen, wenn das Leitungsband teilweise
gefüllt – also weder leer noch voll – ist. Bei Leitern ist das
Leitungsband direkt ohne Abstand über dem Valenzband.
Dadurch können Elektronen aus dem Valenzband direkt in
das Leitungsband übergehen und dort zum Strom beitragen. Bei Halbleitern ist das leere Leitungsband vom voll
gefüllten Valenzband durch eine mehr oder weniger breite verbotene Zone getrennt (siehe Abb 6). Die Breite Eg
dieses sogenannten Energiegaps 5 ist maßgebend für die elektrische Leitfähigkeit. Substanzen mit Eg ≤ 3 eV werden zu
den Halbleitern gerechnet. Materialien mit größeren Bandabständen zählen zu den Nichtleitern.
Zu den Halbleitern (HL) gehören die Elemente der IV.
Gruppe (Si, Ge) des Periodensystems bzw. Verbindungen
zwischen Elementen der IV. Gruppe (SiC), der III. und V.
Gruppe (GaAs, InSb) bzw. der II. und VI. Gruppe (ZnTe,
CdSe, HgS).
Abbildung 6: Bändermodell
mit Leitungsband,
verbotener
Zone
und
Valenzband,
Quelle:
[Hon03a]
3.2.2 Dotierte Halbleiter
Der spezifische Widerstand von HL kann erheblich
verändert werden durch den Einbau von Fremdatomen.
Wird beispielsweise Silicium mit Atomen der V. Gruppe
des Periodensystems dotiert6 , dann bringt jedes Störatom
ein Elektron mit, das keine Bindung mit nächsten Nachbarn
eingeht und durch geringe Energiezufuhr von seinem Atom
abgetrennt werden kann. Im Bänderschema sind diese Elektronen energetisch dicht unter der Leitungsbandkante angesiedelt. Betrachtet man die
5
6
gap (engl): Abstand. Quelle: [Gmb07]
dotieren: in eine Halbleiterkristalloberfläche Ionen eines leitfähigen Materials gezielt einbringen, Quelle:
[Lan07]
10
Anfängerpraktikum II
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
Ionisierungsenergien einiger Donatoren 7 , so ist ersichtlich, dass bereits bei Raumtemperatur praktisch alle Störstellen ionisiert sind. In diesem Fall beruht die elektrische Leitung
vorwiegend auf dem Transport der negativen Elektronen. Der Halbleiter wird deshalb
als n-leitend 8 oder als n-Typ bezeichnet.
Dotiert man jedoch mit Elementen
aus der III. Gruppe, so fehlt an jedem Störatom ein Elektron zur Bindung.
Bereits durch geringe Energiezufuhr kann
dieses lokalisierte Loch von einem Elektron des Nachbaratoms ausgefüllt werden. Dadurch wandert das Loch ins
Valenzband und kann als freies Loch am
Ladungstransport teilnehmen. Die elektrische Leitung beruht also vorwiegend
auf der Wanderung der positiven Löcher,
man spricht deshalb von p-Leitung 9 oder
von p-Typ-Halbleitern. Da die Störstellen
aus der III. Gruppe Elektronen aus dem
Abbildung 7: Dotierung von HL, Quelle: [Hon03b]
Valenzband aufnehmen, werden sie Akzeptoren genannt.
3.2.3 pn-Übergang
Das Grundelement der meisten Halbleiterbauelemente ist der pn-Übergang, in
dem p- und n-leitendes Material aneinanderstoßen. Infolge des Konzentrationsunterschiedes an Akzeptoren und Donatoren diffundieren Elektronen aus dem
n- ins p-Gebiet und Löcher vom pins n-Gebiet und rekombinieren jeweils
mit den Überschussladungsträgern10 . Die
Übergangszone verarmt an beweglichen
Abbildung 8: pn-Übergang, schematisch, Quelle: Ladungsträgern.
[Deg06]
Durch den Abzug der Löcher aus dem
p-Gebiet entsteht an dessen Rand durch
die ionisierten Akzeptoren, die nicht mehr durch die entsprechende Anzahl von Löchern
kompensiert wurden, eine negative Raumladungszone. Ebenso entsteht im n-Gebiet durch
die positiven Donatorenrümpfe eine positive Raumladungszone. Wegen der positiven und
negativen Raumladungszone entstehen ähnlich wie beim Plattenkondensator ein Poten7
Elektronen spender“
”
n wie n-egativ
9
p wie p-ositiv
10
Hinweis: Löcher werden auch als Ladungsträger angesehen.
8
11
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
Anfängerpraktikum II
tialgefälle und ein elektrisches Feld zwischen dem n- und p-Gebiet. Dabei wird die Potentialdifferenz Ud zwischen n- und p-Gebiet Diffusionsspannung genannt, weil sie infolge
der Diffusion der beweglichen Ladungsträger entsteht.
Abbildung 8 zeigt anschaulich die Verteilung der Ladungsträger bei einem pn-Übergang. Die n-Ecke stellen die ortsfesten ionisierten Akzeptoren und Donatoren dar. Der
Bereich rechts symbolisiert das Gebiet der beweglichen Elektronen, der Bereich links das
der Löcher. Die Bänderdarstellung rechts zeichnet sich dadurch aus, dass im thermodynamischen Gleichgewicht ohne äußere Spannung das Fermi-Niveau11 in allen Bereichen
auf gleicher Höhe liegt. Die Bandkanten verschieben sich zwischen dem n- und p-Gebiet
um den Energiebetrag e · Ud .
Legt man nach eine Spannung U in Sperrichtung12 an, dann werden die beweglichen
Elektronen zum Pluspol und die Löcher zum Minuspol gezogen. Dadurch verbreitert sich
die Raumladungszone um e · U . Es fließt nur noch ein geringer Sperrstrom, der darauf
beruht, dass Minoritäten13 an den Übergang diffundieren und dort von dem starken
elektrischen Feld auf die andere Seite befördert werden14 Bei großen Sperrspannungen
sättigt der Strom und geht in den Sperrsättigungsstrom IS über.
Bei einer Spannung U in Flussrichtung baut diese die Diffusionsspannung ab, so dass
die Bandverbiegung“ kleiner wird. Die Breite der Raumladungszone wird verringert
”
um den Energiebetrag e · U . Die beweglichen Ladungsträger reichern sich in der Verarmungszone an und dringen ins benachbarte Gebiet ein, wo sie mit den dortigen Majoritäten rekombinieren. Der fließende Strom nimmt mit wachsender Spannung stark
zu15 .
3.2.4 Lumineszenzdioden (LEDs)
Abbildung 9: Spektren
verschiedener
Leuchtdioden,
Quelle:
[Ant03]
Alle Lumineszenz - oder Leuchtdioden (Light Emitting
Diode, LED) bestehen aus einem pn-Übergang. Bei der
Flußspannung UF wird die Diffusionsspannung so weit abgebaut, dass die Elektronen des n-Gebiets über die kleine Barriere leicht ins p-Gebiet diffundieren können. Umgekehrt
fließen Löcher aus dem p- ins n-Gebiet. In der Nähe des
Übergangs rekombinieren die Elektronen mit den Löchern
und geben dabei Energie von der Größenordnung Eg ab. Bei
der strahlenden Rekombination wird diese Energie in Form
von Photonen der Energie
hf ≈ Eg
11
Das Fermi-Niveau ist die höchste Energiekante, die bei einer Temperatur von 0 K noch mit Elektronen
besetzt ist.
12
Sperrspannung“
13 ”
Der in einer Zone vorherrschende Ladungsträgertyp (z.B. Elektronen) heißt Majoritäten, der jeweis
andere (z.B. Löcher) Minoritäten.
14
tunneln. Man spricht hier auch vom Tunnelstrom.
15
Eine ausführliche Erklärung findet sich unter http://www.mtmi.vu.lt/pfk/funkc_dariniai/diod/
(Stand: 08.03.2007).
12
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
Anfängerpraktikum II
ausgesandt. Dies bedeutet, dass eine LED näherungsweise monochromatisches Licht
aussendet, dessen Wellenlänge λg von der Breite der verbotenen Zone Eg abhängt:
λg =
1, 24 µm · eV
hc
=
.
Eg
Eg
Abbildung 9 zeigt Spektren verschiedenfarbiger Leuchtdioden. Die Linienbreite liegt in
der Größenordnung von ∆λ ≈ 40 nm. Sie hängt im Wesentlichen von der Temperatur ab
und nimmt mit steigender thermischer Energie der Ladungsträger zu. Die Farbe der LED
ist nach vorheriger Gleichung direkt von der Breite der verbotenen Zone Eg abhängig.
Sie kann durch die Wahl des Halbleiters bestimmt werden.
LEDs (äußere Form siehe Abb. 10) sind sehr zuverlässig.
Im normalen Betrieb sind Lebensdauern von etwa 106 h zu
erwarten.
Abbildung 10: Äußere
Form einer
LED, Quelle:
[gD07]
13
Anfängerpraktikum II
Der Photoeffekt Bestimmung der Planckschen Konstanten h
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Anton: LED Spektren, 2003. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:LED_
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[Bro]
Bronner,
Patrick:
HydrogenLab.
http://www.physikdidaktik.
uni-karlsruhe.de/software/hydrogenlab/Atomphysik/08_Stunde/
Spektralanalyse/Spektrallinien.htm, Stand: 03.04.2007.
[Deg06]
Degreen: Pn Uebergang, 2006. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Pn_
Uebergang.svg, Stand: 05.03.2007, Lizenz: cc-by-sa.
[gD07]
D.“ Jochen: LED2.jpg, 2007. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:LED2.
”
jpg, Stand: 05.03.2007, Lizenz: GFDL.
[Gmb07] GmbH, LEO: Wörterbuch Englisch-Deutsch, 2007. http://dict.leo.org/,
Stand: 05.03.2007.
[Hon03a] Honina: Bändermodell, 2003. http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:B%C3%
A4ndermodell.PNG, Stand: 05.03.2007, Lizenz: GFDL.
[Hon03b] Honina: Halbleiter1, 2003.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:
Halbleiter1.PNG, Stand: 05.03.2007, Lizenz: GFDL.
[Lan07]
Langenscheidt: Fremdwörterbuch, 2007. http://services.langenscheidt.
de/fremdwb/fremdwb.html, Stand: 08.03.2007.
[Mes04]
Meschede, Dieter: Gehrtsen Physik. Springer Verlag, 2004, ISBN 3-540-026223.
[Phy07]
PhyWe: Webshop PhyWe Systeme, 2007. http://shop.phywe.de/, Stand:
05.03.2007.
[Tip94]
Tipler, Paul A.: Physik. Spektrum Verlag, 1994, ISBN 3-86025-122-8.
[Wag05] Wagner, Robert: Max Planck und die Strahlungsformel, 2005. http://www.
roro-seiten.de/physik/extra/planck/max_planck.html#revolution,
Stand: 03.04.2007, Lizenz: Persönlich für dieses Praktikum genehmigt.
14
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