Nordafrika

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Nordafrika
AT
TN
MA
DZ
LY
EG
EH
SD
Ägypten (EG)
Algerien (DZ)
Demokratische arabische
Republik Sahara (EH)
Libyen (LY)
Marokko (MA)
Sudan (SD)
Tunesien (TN)
N
500 1000 km
ÄGYPTEN (EG) Dschumhūriyyat Misr al-´arabiyya
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
Währung
Wechselkurs
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstadt
Städte
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
HDI (Position)
Unabhängigkeitstag
1.001.449 km² (~28,5 mal AT)
87.453.586 (2014)
89 EW pro km²
Ägyptischer Pfund (EGP)
1 € = 8,81 EGP
Abd al-Fattah as-Sisi
Militärdiktatur
Kairo (ca. 8 Mio EW)
Alexandria, Giseh, Luxor
Arabisch
Nubische und Berbersprachen,
Englisch, Französisch
Muslime, Katholiken, Kopten,
Protestanten
0,682 (110)
28.02.1922 (Italien)
weltkarte.com
GEOGRAPHIE
Ägypten liegt innerhalb des nordafrikanischen Trockengürtels mit sehr wenigen
Niederschlägen und saisonalen und täglichen Temperaturschwankungen. Nur der
nörd- liche Küstenstreifen und das Nildelta
sind mit Winterniederschlägen (100-200 mm
pro Jahr) mediterran geprägt. Südlich von
Kairo regnet es dagegen selten. Die mittleren
täglichen Temperaturmaxima liegen im
Jänner zwischen 20°C im Norden und 24°C
im Süden, wobei es nachts stark abkühlt. Im
Juli liegen die Tagestemperaturen zwischen
35°C im Norden und 41°C im Süden. Die
Hitze ist jedoch wegen der geringen Luftfeuchtigkeit von circa 30% gut zu ertragen.
Von März bis Juni weht der heiße ‘Chamsin’,
ein aus dem Süden kommender Sand- und
Staubwind.
Neben dem Sueskanal ist der Nil die
Hauptschlagader Ägyptens. Er hat seinen
Ursprung in den Bergen von Ruanda und
Burundi, durchfließt Tansania, Uganda, den
Südsudan und den Sudan, und mündet in
Ägypten in das Mittelmeer. Dort befindet sich
auch das 24.000 km2 große Nildelta. Der
Strom selbst hat eine Länge von 6.852 km.
Abgesehen von kleinen Oasen ist das Wasser
des Nils die Grundlage für die ägyptische
Landwirtschaft. Der höchste Berg Ägyptens
befindet sich auf der Sinai Halbinsel. Der
Dschabal Katrina (Katharinenberg) hat eine
Höhe von 2.637 m. Geographisch gesehen
wird die Sinai Halbinsel bereits Asien
zugeordnet. Der Golf von Sues und der Golf
von Akaba umgeben die Sinai Halbinsel von
Westen, Süden und Osten her. Durch den 162
km langen Sueskanal besteht eine Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem
Mittelmeer und hat für die Weltwirtschaft
eine große Bedeutung.
erdpunkte.de
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ÄGYPTEN (EG) Dschumhūriyyat Misr al-´arabiyya
Ägyptens Nachbarländer sind der Sudan im
Süden und Libyen im Westen. Nördlich grenzt
das Land an das Levantische Meer, der östliche Teil des Mittelmeeres. Im Nordosten
grenzt es an den Gaza-Streifen und Israel. Im
Südosten besitzt Ägypten eine ausgedehnte
Küste zum Roten Meer mit seinen beiden
Meeresarmen, dem Golf von Sues und dem
Golf von Akaba.
Der Großteil der Bevölkerung besteht aus
den Nachkommen der alten Ägypter, sie
wurden jedoch mit der Zeit arabisiert. Daneben gibt es noch die Fellachen und die
christlichen Kopten, die vorwiegend in Oberägypten und in den Städten leben. Im Süden
sind noch ca. 140.000 Nubier ansässig. Daneben gibt es noch ca. 70.000 arabische Beduinen, welche nomadisch in den Wüsten leben.
Im Norden leben durch die kolonialistische
Vergangenheit auch Italiener, Türken,
Abchasen und Briten.
Die natürliche Vegetation ist wegen der geringen Niederschlagsmenge und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung des
Niltals stark eingeschränkt. Die Wüste ist
fast völlig vegetationslos. Entlang dem Nilufer sind Nilakazien, Dattelpalmen, Maulbeerfeigen und Johannisbrotbäume zu
finden. Das Nildelta ist für Lotuspflanzen,
Bambusrohr und verschiedene Schilfgewächse bekannt. Die im Altertum kultivierten
Papyrusstauden gibt es kaum noch. Am Nil
und im Deltabereich ist die Fauna reich an
Wasservögeln wie Reiher, Kraniche und
Nilgänse, während der Wintermonate gesellen sich auch europäische Zugvögel hinzu.
Daneben gibt es noch domestizierte Kamele,
Esel, Schafe und Ziegen und wildlebende
Schakale, Hyänen, Wildkatzen und syrische
Steinböcke. In den ländlichen Gebieten am
Nil finden sich auch die ägyptische Kobra und
Krokodile.
GESCHICHTE
Reiches (322 v. Chr.). Ca. 300 Jahre später fiel
Ägypten unter römische Herrschaft und
später (395 n. Chr.) kam es unter byzantinische Herrschaft. 650 n. Chr. eroberten
islamische Araber das Niltal und veränderten
das kulturelle Erscheinungsbild Ägyptens. Im
16 Jahrhundert wurde Ägypten durch die
Osmanen erobert, deren Herrschaft erst mit
der Landung von Napoleon Bonaparte 1798
beendet wurde. 1922 wurde Ägypten ein
selbstständiges Königreich und erhielt nach
dem Tod des Königs Fu’ad I. 1936 seine
Souveränität. 1952 wurde der 1936 inthronisierte König Faruk von Oberst Gamal Abdel
Nasser gestürzt. Seitdem wird das Land
autokratisch unter einem Militärregime
geführt. 2011 kam es auch in Ägypten im
Zuge des Arabischen Frühlings zu Protesten.
Der damalige Herrscher Hosni Mubarak
wurde gestürzt und es wurden erstmals freie
Wahlen abgehalten. Diese gewannen
Mohammed Mursi und die Muslimbrüder. Sie
konnten sich jedoch nicht lange an der Macht
halten und wurden 2013 vom Militär unter
der Führung von General Abd al-Fattah
as-Sisi geputscht.
Ägyptens Geschichte beginnt schon vor 7.000
Jahren, als die ersten Jäger und Sammler
am Ufer des Nils sesshaft wurden und
begannen Häuser zu bauen, Keramik herzustellen, Tiere zu züchten und Äcker zu bestellen. Es bildeten sich Gemeinschaften aus
denen Jahrhunderte später die PharaonenDynastie hervorging. Die Hochkultur Ägyptens beginnt um 3000 v. Chr., durch die Verbindung von Ober- und Unterägypten und der
Schaffung eines gemeinsamen Königreichs
mit der Hauptstadt Memphis. Der Begriff
Pharao bezeichnete ursprünglich ‘hohes
Haus’ und wurde erst etwa 1000 v. Chr. als
Titel für den König verstanden. Der Pharao
selbst sah sich als göttliches Wesen und
menschlicher Herrscher zugleich. Er verstand sich als Vermittler zwischen dem
Sonnengott Ra und Osiris, dem Gott der Unterwelt. Die Religion war ein wichtiges Instrument für die Herrschaft, da sie die Loyalität der Untertanen zum Pharao gewährleistete. Nach dem Zerfall des Pharaonenreichs
wurde Ägypten zuerst Teil des Perserreichs
und anschließend, durch die Eroberung Alexanders des Großen, Teil des makedonischen
23
ALGERIEN (DZ) al-Gumhūriyya al-Gazā´iriyya;
Tagduda tazzayrit tamagdayt tayerfant
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
Währung
Wechselkurs
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstadt
Städte
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
HDI (Position)
Unabhängigkeitstag
2.381.741 km² (~28,5 mal AT)
40.380.513 (2014)
16 EW pro km²
Algerischer Dinar (DZD)
1 € = 119,7 DZD
Abd al-Aziz Bouteflika
Semipräsidentielles System
Algier (ca. 2.2 Mio EW)
Oran, Constantine, Batna
Arabisch, Tamazight
Kabylisch, Französisch
Muslime
0,717 (93)
05.07.1962 (Frankreich)
weltkarte.com
GEOGRAPHIE
Landes sind nahezu vegetationslos. Mit
gezielten Aufforstungsmaßnahmen versucht
man der Desertifikation (Verwüstung) entgegenzuwirken. Im Norden wachsen mediterrane Sträucher wie Macchie, Allepo-Kiefern,
Atlas-Zedern oder Eichen. Im Hochland
dominieren Halfagras und Wermutgewächse.
Der Süden ist vor allem geprägt von der
vegetationslosen Wüste, nur in den Randzonen oder an Oasen wachsen Pflanzen, hier
vor allem die Dattelpalme. Die Flora ist reich
an Gazellen, Berberaffen, Schlangen, Skorpionen, verschiedenen Vogelarten und Springmäusen. Im Nationalpark ‘Tassili n’Ajjer’,
dem Weltnatur- und Weltkulturerbstätte der
Im Norden Algeriens herrscht mediterranes
Klima, im Süden extrem trockenes Wüstenklima. An der Mittelmeerküste und den
Nordhängen des Tellatlas (Gebirge) betragen
die mittleren Temperaturen im Sommer
25°C, im Winter liegen sie bei 12°C. Niederschläge liegen durchschnittlich bei 500 bis
1.000 mm und fallen vorwiegend im Winter.
Im Hochland herrscht winterfeuchtes Steppenklima mit ausgeprägten saisonalen
Temperaturschwankungen. Im Winter liegen
die Temperaturen um den Gefrierpunkt, im
Sommer bei 30°C. Niederschläge gibt es
meist in Form von Platzregen und betragen
hier durchschnittlich 350 mm. Im Süden
herrscht trockenes Wüstenklima mit täglichen Temperaturschwankungen von 20°C
und mehr. Die Temperaturen erreichen im
Sommer über 40°C und im Winter sinken sie
unter den Gefrierpunkt. Aus der Sahara weht
in den Sommermonaten häufig der ‘Scirocco’, ein trockener, staubbeladener Wind.
Der ‘Tahat’ ist mit 2.908 m der höchste Berg
Algeriens. Als längster unter den sonst meist
kurzen Dauerflüssen ist der Cheliff mit einer
Länge von 700 km zu erwähnen
Die Flora des Landes ist vor allem geprägt
von der Ausweitung der Wüste: 80% des
erdpunkte.de
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ALGERIEN (DZ) al-Gumhūriyya al-Gazā´iriyya;
Tagduda tazzayrit tamagdayt tayerfant
die Grundlage der algerischen Landwirtschaft. Datteln werden auch das „Brot der
Beduinen“ genannt, da sie als Ernährungsgrundlage der Oasenbewohner dienen.
UNESCO, gibt es noch Bestände von Mähnenschafen und Dünengazellen sowie einige
wenige Geparde.
Die Nachbarländer Algeriens im Westen sind
Marokko, Westsahara und Mauretanien, im
Süden Mali und Niger. Im Osten grenzt Algerien an Tunesien und Libyen. Nördlich liegt
das Mittelmeer. Die algerische Sahara
nimmt über 90% des Landes ein. Der Großteil ist von Kies- und Geröllebenen bedeckt.
Den deutlich geringeren Anteil nehmen
Sandwüsten ein, wie etwa die Sanddünengebiete des östlichen und westlichen Großen
‘Erg’ (Sandmeer), des ‘Erg Iduidi’ und des
‘Erg Chech’. In dieser vegetationslosen
Gegend gibt es jedoch Oasen, wo Dattelpalmen und Akazien wachsen. Hier sorgt ausreichend Feuchtigkeit für eine permanente
Vegetation. Oasen variieren von kleinen
Teichen bis zu Gebieten von mehreren
Quadratkilometern, die auch größere Städte
und eine beträchtliche Landwirtschaft mit
Wasser versorgt. Die in den Oasen wachsenden Dattelpalmen und deren Früchte sind
sueddeutsche.de
BÜRGERKRIEG
sche Staatsmacht wieder aufzunehmen. 1999
wurde Abd al-Aziz Bouteflika mit Unterstützung des Militärs zum Präsidenten,
dessen wichtigstes Ziel es war, eine ‘Politik
der nationalen Versöhnung‘ zu gestalten und
damit die Auseinandersetzungen zu beenden.
Sein im September 1999 vorgeschlagenes
‘Gesetz zur Aus- söhnung der Bürger‘ wurde
vom Volk in einem Referendum bestätigt. Die
seit 1992 verbotene Islamische Heilsfront
entschloss sich wenig später die Waffen
niederzulegen. Die ‘Bewaffnete Islamische
Gruppe‘ bestand aber weiterhin, deren Rete
sind aber eher in ein Banditentum abgeglitten und verwendeten die religiösen Motive
nur noch als Tarnung für ihre kriminellen
Machenschaften. Es folgte in den Jahren
1999 und 2000 eine recht ruhige Phase,
danach nahmen die gewalttätigen Auseinandersetzungen wieder zu. 2001 im April hat
die staatliche Gendarmerie Demonstrationen
in der ‘Kabylei‘ (von Berbern bewohnte Bergregion im Norden) niedergeschlagen. Es gab
ca. 60 Tote.
Nach dem wirtschaftlichen Niedergang kam
es im Oktober 1988 zu spontanen Ausschreitungen in Algier und auch bald in anderen
Städten. Diese forderten hunderte Todesopfer. 1991/1992 bei den Parlamentswahlen
befürchtete die Regierung einen Sieg der
islamistischen Heilsfront (FIS) im Land. Die
Regierung brach daraufhin die Wahlen ab
und Präsident Chadli Bendjedid trat unter
Druck des Militärs zurück. Muhammad
Boudiaf wurde als Übergangspräsident
eingesetzt, nach dessen Ermordung Ali Kafi
und 1994 schließlich wurde der General
Liamine Zéroual zum Präsidenten ernannt.
1992 wurde die Auflösung der FIS angeordnet, diese riefen darauhin zum bewaffneten
Kampf auf. Der zwischen den Islamisten und
der algerischen Regierung geführte Bürgerkrieg forderte über 120.000 Todesopfer.
Schon 1998 wurde die ‚Salafistische Gruppe
für Predigt und Kampf‘ (GSPC) auf Anraten
des früheren Al-Qaida-Führers Osama Bin
Laden gegründet. Ziel sollte es sein den
‘heiligen Krieg‘ (Dschihad) gegen die algeri25
DEMOKRATISCHE ARABISCHE REP. SAHARA (EH)
Westsahara; República Árabe Saharaui Democrática
weltkarte.com
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
226.000 km² (~3 mal AT)
507.160 (Schätzung 2011)
1,9 EW pro km²
Währung
Wechselkurs
Saharaui-Peseta (PTS)
1 € = 166,386 PTS
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstadt
Mohamed Abdelaziz
Einparteiensystem
El Aaiún, Bir Lehlu
(provisorisch)
Arabisch, Spanisch
Berbersprachen,
Französisch, Spanisch
Muslime
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
GEOGRAPHIE
Es herrscht ein Wüstenklima, Regen ist eher
selten, dafür kommt es in Küstennähe häufig
zu Nebelbildung. Das Gebiet der Westsahara
liegt im Nordwesten Afrikas an der Küste
zum Atlantischen Ozean. Es teilt sich geographisch in einen nördlichen Teil in dem flach
gewellte Kies- und Geröllwüsten (Hammada)
überwiegen. Das Gelände steigt von der
Küste ins Landesinnere allmählich bis in eine
Höhe von etwa 400 Meter, mit den höchsten
Erhebungen über 700 Meter im Norden nahe
der algerischen Grenze. Das südliche Gebiet
ist beinahe völlig flach mit vereinzelten
Sanddünen (Erg), die in der gleichförmigen,
fast vegetationslosen Geröllebene nur für
wenig Abwechslung sorgen. Den dritten
Landschaftstyp stellen die nach der Regenzeit stellenweise wasserführenden Trockenflusstäler (Wadis) dar, von denen der Saguia
el Hamra für die Oasenwirtschaft die größte
Bedeutung hat. Er ist bis zu seinem Ende bei
Aaiún kurz vor dem Atlantischen Ozean mit
350 Kilometern der längste Fluss des Landes. Üppige Vegetation ist nur in Nähe der
Flussoasen zu finden. Man findet in der
Westsahara vor allem an den trockenen Lebensraum gewöhnte Tierarten wie die Wüstenspringmaus und die Dornschwanz-Agamen. An der Küste leben die vom Aussterben
bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobben.
arco-images.de
erpunkte.de
26
DEMOKRATISCHE ARABISCHE REP. SAHARA (EH)
Westsahara; República Árabe Saharaui Democrática
POLITISCHE SITUATION
Die DARS (Demokratische Arabische Republik Sahara) beansprucht das gesamte Gebiet
der Westsahara, das seit dem Abzug von
Spanien im Jahr 1975 größtenteils von
Marokko kontrolliert wird. Marokko betrachtet ganz Westsahara als Teil seines Territoriums. Das Gebiet wird zum größten Teil vom
Volk der ‘Sahraoui’ bewohnt. Da sich El
Aaiún, die in der provisorischen Verfassung
vorgesehene Hauptstadt der DARS, im marokkanisch kontrollierten Teil des Landes
befindet, dient Bir Lehlu im Nord-Osten der
Westsahara als provisorische Hauptstadt, der
Regierungssitz befindet sich in Tindouf (Algerien). Der endgültige Status der zweigeteilten
Westsahara ist bis heute ungeklärt, da eine
Einigung zwischen den Konfliktparteien
bisher nicht erzielt werden konnte und ein
Referendum zur Unabhängigkeit mehrfach
aufgeschoben wurde. Marokko sieht den Plan
zur Durchführung eines Referendums als
gescheitert an und bietet eine Autonomie des
Gebietes unter marokkanischer Souveränität
als Lösung an. Sowohl die UNO als auch die
Vertreter der DARS halten dagegen am
Referendumsplan fest. Obwohl DARS Mitglied der Afrikanischen Union ist, wird die
Republik von der Mehrzahl der anderen
Mitglieder nicht anerkannt – ebenso wenig
wie von der Mehrzahl der Mitgliederstaaten
der Vereinten Nationen.
Das Gebiet ist deswegen für Marokko so
interessant, da an der Atlantikküste neben
einem reichen Fischvorkommen auch große
Mengen an Phosphor vorkommen.
DAS VOLK DER SAHRAOUIS
Die ‘Sahraouis’ sind die traditionellen
Bewohner der Westsahara. Ihre Vorfahren
sind zum einen Berber und zum anderen
Araber, die im Laufe der Jahrhunderte durch
das Land zogen. Westsahara besteht zu
einem großen Teil aus Wüste, deshalb
musste das Volk der Sahraouis ihr Leben an
diese unwirtlichen Bedingungen anpassen.
Sie zogen auf gewohnten Wegen als
Nomaden durch die Wüste, um an Wasser
und Nahrung zu gelangen. Während des
Krieges mit Marokko flüchteten viele Sahraouis nach Algerien und leben seither in
Lagern nahe der Stadt Tindouf.
anjalehmann.com
DER WESTSAHARA-KONFLIKT
Der Westsahara-Konflikt besteht zwischen
Marokko und der Frente Polisario. Die Frente
Polisario, eine militärische und politische
Organisation in Westsahara, strebt die
Unabhängigkeit des gesamten Territoriums
der Westsahara an, während Marokko das
Gebiet als Teil seines Staatsgebietes
beansprucht. Die Frente Polisario hat 1976
die Demokratische Arabische Republik
Sahara ausgerufen, diese wurde von 80
Staaten anerkannt, von denen ca. 30 wieder
zurückzogen bzw. auf eine Konfliktlösung
warten. Der südliche und östliche Teil unter
der Kontrolle der Frente wird auch „freie
Zone“ genannt. Der nördliche und westliche
Teil ist unter der Kontrolle Marokkos.
Auf den von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand (1991) sollte eine
Volksabstimmung über die Zukunft des
Gebietes entscheiden. Diese Volksabstimmung wurde trotz Vorbereitungen bis heute
noch nicht durchgeführt.
Die Bewegung der Frente Polisario wird z.B.
von Algerien und Südafrika unterstützt.
27
LIBYEN (LY) Lībiyā; Libya
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
Währung
Wechselkurs
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstädte
Städte
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
HDI (Position)
Unabhängigkeitstag
1.775.500 km² (~21 mal AT)
6.258.984 (2014)
3,5 EW pro km²
Libyscher Dinar (LYD)
1 € = 1,43 LYD
Aguila Saleh Issa
Einkammer-Parlament
Tripolis, (Judikative), Tobruk
(Parlament), al-Baida
(Regierung)
Banhaszi, Misratah
Arabisch, Tamazight
Berber- und nilosaharische
Sprachen, Englisch, Italienisch
Muslime, Katholiken, Kopten
0,784 (55)
24.12.1951 (Italien)
weltkarte.com
GEOGRAPHIE
Steppenvegetation. Die Tierwelt umfasst die
typischen Arten der Trockengebiete wie
Hyänen, Schakale, Wüstenspringmäuse,
Wüstenmäuse, verschiedene Greifvögel,
Wildesel und Skorpione. Außerdem gibt es
141 verschiedene Heuschreckenarten.
Libyen liegt am Mittelmeer und grenzt im
Osten an Ägypten und Sudan, im Süden an
Niger und Tschad und im Westen an die
Maghreb-Staaten Tunesien und Algerien.
Im Küstengebiet herrscht subtropisches
warmes Klima, die mittleren Temperaturen
liegen im Januar bei 12°C und im August bei
26°C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr liegt bei 300 mm. Im Frühjahr und Herbst weht häufig ein trockenheißer staubiger Wüstenwind, der ‘Gibli’. Das
Landesinnere ist geprägt von heißem, trockenem Wüstenklima mit beträchtlichen Temperaturschwankungen. Im Winter liegen die
Temperaturen um 0 °C, im Sommer über
50°C, wobei fast kein Niederschlag fällt.
Libyen ist nach Algerien, der Demokratischen
Republik Kongo und dem Sudan das flächenmäßig viertgrößte Land des afrikanischen
Kontinents. 85 % der Landesfläche werden
von der Wüste Sahara eingenommen. Nur
circa 2 % der Gesamtfläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Libyen gehört auch zu
den Ländern der Welt, in denen es keine
ständigen Flüsse gibt. Es gibt sogenannte
‘Wadis’, die bei starken Regenfällen Wasser
führen.
Die Gebiete nahe der Küste haben Mittelmeerflora, in den Küstentiefländern gibt es
erdpunkte.de
28
LIBYEN (LY) Lībiyā; Libya
MUAMMAR AL-GADDAFI
Bereits in ägyptischen Hieroglyphentexten
tauchen Benennungen für Stämme auf, die
auf dem heutigen Gebiet Libyens lebten. Die
alten Griechen nannten dies Libye, lateinisch
Libya. Libyen ist seit 1951 ein souveräner
Staat und war bis 1969 ein Königreich. Danach kam Muammar al-Gaddafi an die
Macht, der bis zum libyschen Bürgerkrieg
2011 als Diktator herrschte. Obwohl er
anfangs versuchte die Lebensbedingungen
der Menschen zu verbessern, entwickelte
sich Gaddafi seit den 1980er Jahren immer
mehr zum Despoten. Er unterstütze terroristische Vereinigungen und gewährte den
Attentätern von Lockerbie (Schottland), die
einen Anschlag auf ein US-Flugzeug verübten, Zuflucht in Libyen. Daraufhin wurde
ein jahrelanges Embargo (Unterbindung des
Exports und Imports von Waren oder Rohstoffen) durch die internationale Gesellschaft
verhängt. Gaddafi legt zwar bereits 1979 sein
Amt zurück, bezeichnete sich als Revolutionsführer und lenkte weiterhin die Geschicke des Staates. Die Meinungsfreiheit
wurde in Libyen stark eingeschränkt, Kritiker
des Regimes Gaddafis wurden oftmals verfolgt und eingesperrt. Andererseits kümmerte er sich um großzügige Sozialleistungen
wie medizinische Versorgung, kostenlose
Schulbildung und Sozialwohnungen. 2011
kam es im Rahmen des Arabischen Frühling
zu landesweiten Aufständen. Daraufhin verlor Gaddafi die Kontrolle über weite Teile des
Landes an Rebellen. Mittels einer Resolution
der Vereinten Nationen kam es zu Luftangriffen auf Libyen um eine Flugverbotszone
durchzusetzen. Seit Juni 2011 wurde Gaddafi
als mutmaßlicher Kriegsverbrecher und
wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
gesucht. Seit August 2011 galt er als abgesetzt und wurde von der neuen Regierung
ebenfalls polizeilich gesucht. Am 20. Oktober
2011 starb Gaddafi. Die genauen Umstände
konnten bis heute nicht aufgeklärt werden.
wikipedia.org
ERDÖL
Libyen verfügt über ein reiches Vorkommen
an Erdöl- und Erdgas. Die Förderung wird
vom Staat durchgeführt; exportiert wird vor
allem nach Italien und Deutschland. Der
Handel mit dem „Schwarzen Gold“ macht
95% der libyschen Exporterlöse aus. In den
letzten Jahren hat sich Libyen wieder
verstärkt Europa zugewandt und ist deshalb
zu einem gefragten europäischen Handelspartner geworden. Erdöl gilt als der weltweit
wichtigste industrielle Rohstoff. Er wird zur
Produktion von Kunststoff, sowie zur Her-
stellung von Treibstoffen für fast alle Verkehrs- und Transportmittel genutzt.
spiegel.de
29
MAROKKO (MA) Morocco; al-Maghribiya; Tageldit n Elmeyrib
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
Währung
Wechselkurs
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstadt
Städte
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
HDI (Position)
Unabhängigkeitstag
446.550 km² (~5,3 mal AT)
33.921.203 (2014)
75 EW pro km²
Dirham (MAD)
1 € = 4,21 MAD
König Mohammed VI
Konstitutionelle Monarchie
Rabat (ca. 621.000 EW)
Casablanca, Agadir,
Marrakesch
Arabisch
Berbersprachen,
Spanisch, Französisch
Muslime, Minderheiten
von Christen und Juden
0,617 (129)
02.03.1956 (Frankreich)
weltkarte.com
GEOGRAPHIE
gibt es vor allem mediterrane Pflanzen wie
Atlas-Zedern, Aleppokiefern, Pistazien oder
Wacholder, der Südosten ist geprägt von
Wüstensteppe. Hier sind vowiegend Büschelgräser und Dornsträucher zu finden. In den
wenigen Oasen werden Dattelpalmen kultiviert. Vom Aussterben bedrohte Arten wie der
Leopard und der Wüstenluchs, aber auch
Berberaffen, Gazellen, Reptilien und
verschiedene Vogelarten bilden die Fauna
Marokkos.
Marokko grenzt im Westen an den Atlantik,
im Nordosten an das Mittelmeer, im Osten an
Algerien und im Süden an Westsahara.
Das Klima in Marokko zeigt einen mediterranen Nordwesten und einen saharisch-kontinentalen Südosten und Süden. Der nordwestliche Landesteil hat trockenheiße
Sommer und Tagestemperaturen von 26 bis
29°C. Die Winter sind eher mild und regenreich (Durchschnittstemperaturen von 12°C).
Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen liegen im Norden bei 900 mm, im Süden
bei 200 mm. Landeinwärts nimmt das milde
Klima rasch ab: In Marrakesch können im
Sommer 45°C und im Winter Temperaturen
um den Gefrierpunkt erreicht werden. In den
Sahara Randgebieten herrscht ein trockenheißes Wüstenklima. Während der Sommermonate weht zeitweise der ‘Scirocco’ (heißer
Wüstenwind).
Der höchste Berg Marokkos ist der 4.167 m
hohe ‘Jabal Toubkal’ und gehört zum Gebirgszug des Hohen Atlas, der sich vom
Westen an der Atlantikküste bis hin zur
marokkanisch-algerischen Grenze im Osten
erstreckt. Der längste Fluss ist der ‘Oum er
Rabia’ mit einer Länge von 555 km.
Die Flora Marokkos ist durch das Atlasgebirge zweigeteilt: Nordwestlich des Gebirges
erdpunkte.de
30
MAROKKO (MA) Morocco; al-Maghribiya; Tageldit n Elmeyrib
KÖNIG MOHAMMED VI
spiegel.de
Marokko gehört zu den ältesten Königreichen
der Welt. Im Gegensatz zu europäischen
Monarchien steht der marokkanische König
über der Verfassung und ist der mächtigste
Mann im Land. Er ist überdies der religiöse
Führer der muslimischen Bevölkerung.
Mohammed VI. von Marokko ist der 18. Monarch der seit über drei Jahrhunderten
herrschenden Dynastie der Alawiden. Der
König ist für seine eher liberale Einstellung
bekannt. Neben dem König gibt es ein Parlament, das aus zwei Kammern besteht: der
Nationalversammlung und dem regional
bestimmten Senat. Nach einigen Demonstrationen im Zuge des Arabischen Frühlings
2011 gab der König Pläne bekannt, sich von
Teilen seiner Macht befreien zu wollen, eine
Verfassungsreform anzustreben und sein
Amt als geistliches Oberhaupt aufzugeben.
BEVÖLKERUNG
Die marokkanische Bevölkerung besteht zum
größten Teil aus Berbern, die meisten von
ihnen sind inzwischen sesshaft geworden,
nur ein kleiner Teil lebt noch als Nomaden.
Die zahlreichen Bevölkerungsgruppen der
Berber lebten bereits in vorchristlichen
Zeiten in den Steppen, Bergen und Wüsten
Nordafrikas. Bis zur Islamisierung durch die
Araber im 8. Jahrhundert stellten die Berber
die größte Bevölkerungsgruppe in Nordafrika. Lange wehrten sie sich gegen die Muslime, um ihre selbstverständliche Freiheit
und kulturelle Unabhängigkeit zu bewahren.
Dazu flüchteten sie in die Hochebenen Nordafrikas. Die in den Hochebenen beheimateten
Berbervölker konnten zum größten Teil ihre
Eigenständigkeit bis heute behalten. Die im
Flachland lebenden Berbervölker nahmen
die Religion, die Lebensgewohnheiten und
die Sprache der arabischen Eroberer an.
Groben Schätzungen zufolge sind heute noch
40 % der Bevölkerung Marokkos berbersprachig, wobei es nicht die eine Berbersprache
gibt. Sie umfasst zahlreiche Einzelsprachen
und Dialektgruppen. Der Grund dafür ist,
dass viele Völker trotz Islamisierung isoliert
voneinander lebten. Viele Berber fühlen sich
von der Regierung diskriminiert und fordern
die Anerkennung der Berbersprache ’Tamazight’ als offizielle Amtsprache neben der
arabischen Sprache.
br.de
31
SUDAN (SD) Republic of the Sudan; Dschumhūriyyat as-Sūdān
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
Währung
Wechselkurs
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstadt
Städte
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
HDI (Position)
Unabhängigkeitstag
1.886.068 km² (~22,5 mal AT)
39.350.274 (2014)
21 EW pro km²
Pfund (SDG)
1 € = 6,77 SDG
Umar Hasan Ahmad al-Baschir
Präsidialsystem
Khartum (ca. 2,7 Mio EW)
Omdurman, Port Sudan
Arabisch, Englisch
über 100 afrikanische Sprachen,
kuschitische und kordofanische
Sprachen
Muslime, Katholiken, Kopten
afrikanischen Religionen
0,473 (166)
01.01.1956 (UK-Ägypten)
SUDAN
SÜDSUDAN
nationsonline.org
GEOGRAPHIE
Süden an den seit 2011 unabhängigen Südsudan, im Südwesten an die Zentralafrikanische Republik und im Westen an den Tschad.
Der Sudan ist der drittgrößte Flächenstaat
des afrikanischen Kontinents.
Im Norden geht das Land auf beiden Seiten
des Nils in die Sahara über. Der Teil westlich
des längsten Flusses der Erde wird als ‘libysche Wüste’ und der Teil östlich des Nils als
‘nubische Wüste’ bezeichnet. In der Region
um Khartum fließen der weiße und der blaue
Nil zusammen und bilden gemeinsam den
Nil und damit eine für den Menschen seit
jeher sehr wichtige Flusslandschaft.
Der Sudan ist geprägt von tropischem Klima,
hohen Temperaturen und Sommerregen. In
der Regenzeit von April bis November
verteilen sich die Niederschlagsmengen von
1500 mm im Süden und weniger als 100 mm
im Norden. Die mittleren Monatstemperaturen liegen zwischen 24 und 32°C, wobei
aufgrund des Wüstenklimas im Norden
Temperaturen von 41°C am Tag und 4°C in
der Nacht herrschen können.
Der höchste Berg des Sudans ist der Berg
Marra mit 3.088 Metern und bildet die geographische Grenze zum Tschad.
Im Sudan gibt es insgesamt zehn Nationalparks. Das Schutzgebietssystem umfasst
dabei aber auch Naturschutz- und Vogelschutzgebiete.
Die Flora reicht vom spärlichen Pflanzenwuchs im Norden über Dornstrauchsavannen
in der Sahelzone, Trockensavanne mit Hochgras bis hin zu Feuchtsavannen.
Die vielfältige Tierwelt umfasst vor allem im
Zentralsudan Elefanten, Büffel, Giraffen,
Antilopen, Hyänen, Löwen, Flusspferde und
Krokodile.
Der Sudan grenzt im Norden an Ägypten und
Libyen, im Osten an Eritrea und Äthiopien, im
erdpunkte.de
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SUDAN (SD) Republic of the Sudan; Dschumhūriyyat as-Sūdān
POLITIK
neuerlich Konflikte zwischen der Regierung
und dem ‘Sudan People’s Liberation Movement-North’ in den Regionen ‘Southern
Kordofan’ und ‘Blue Nile State`entstanden.
Diese Konflikte führten zu 1.2 Millionen
Binnenflüchtlingen und Personen, die
humanitäre Hilfe benötigten. Ein weiterer
Konflikt, der in der westlichen Region Darfur
2003 ausbrach, führte zu 2 Millionen vertrieben Menschen und zweihundert- bis vierhunderttausend Toten. Auch 2013 kam es
nach neuerlichen Konflikten in Darfur zu
einer großen Flüchtlingswelle von 500.000
Sudanesen. Ein weiteres Problem ist auch,
dass in den letzten Jahren Menschen aus den
Nachbarländern wie Äthiopien, Eritrea, dem
Tschad und Südsudan in den Sudan flüchten.
Hinzu kommt, dass durch die andauernden
bewaffneten Konflikte, die schlechte Infrastruktur und durch die Weigerung der Regierung die Bereitstellung von humanitärer
Hilfe für die Bevölkerung erschwert wird.
Die Politik des Sudan wurde seit seiner
Unabhängigkeit von Militärregimen und
islamisch-orientierten Regierungen geprägt.
Der Sudan war in zwei anhaltenden Bürgerkriegen in der zweiten Häflte des 20.
Jahrhunderts verwickelt. Diese Konflikte
hatten ihren Ursprung in der ökonomischen,
politischen und sozialen Vorherrschaft von
Nicht-Muslimen (nicht-arabischen Sudanesen aus dem Süden) im Norden. Der erste
Bürgerkrieg endete 1972, der zweite brach
1983 aus. 2002 bis 2004 fanden Friedensgespräche statt, wobei mehrere Abkommen
unterzeichnet wurden. Das finale North/South Comprehensive Peace Agreement
(CPA), das im Jänner 2005 unterzeichnet
wurde, garantierte den Rebellen aus dem
Süden Autonomie für sechs Jahre, danach
sollte ein Referendum zur Unabhängigkeit
abgehalten werden. 2011 wurde dieses Referendum abgehalten. Mit einer großen Mehrheit wurde für die Unabhängigkeit gestimmt.
Seit der Unabhängigkeit des Südsudans sind
DIE NUBIER
Das Gebiet des antiken Nubiens (und des
späteren nubischen Königreiches Kusch)
liegt heute großteils im Norden des Sudan.
Nubien war seit jeher eng mit seinem nördlichen Nachbarn, dem antiken Ägypten,
verbunden. Nubien war reich an Goldvorkommen, deshalb hatten die ägyptischen Pharaonen schon sehr früh starkes Interesse an
den Schätzen des Landes. Neben dem Gold
wurden auch nubische Sklaven nach Ägypten
transportiert. Die Ausbeutung dauerte über
1.500 Jahre an, bis schließlich die Nubier so
stark wurden, dass sie ihren eigenen Staat
gründeten. Das Reich von Kusch entstand um
1000 v. Chr., und orientierte sich sehr stark
am ägyptischen Erbe. So wurde reger Handel
mit dem Norden des Landes getrieben und in
den Königsstädten Napata und Meroë entstanden Grabpyramiden nach ägyptischem
Vorbild. Diese waren im Gegensatz zu den
Pyramiden in Ägypten etwas kleiner und
fielen durch ihre abgeflachte Spitze auf. In
Nubien sind über 200 Pyramiden gefunden
33 worden; damit stehen im Sudan mehr Pyra-
miden als in Ägypten. Um 700 v. Chr. wurde
Ägypten erobert; die Könige von Kusch saßen
daher sogar auf dem Pharaonenthron. Später
gelangte das Volk zusehends zu seiner
kulturellen Eigenständigkeit, die sich durch
die Entwicklung der meroitischen Schrift und
Sprache äußerte. Trotz der Christianisierung
und der späteren Eroberung durch islamische Heere bewahrten die Nubier ihren
Glauben und behielten den Isis-Kult bei. Das
Volk der Nuba - so werden die Nubier genannt - stellt heute eine der größten nichtarabischen Bevölkerungsgruppen im Sudan
dar. Im Sudan leben ca. 25 Millionen Menschen, davon zählen ungefähr 1.5 Millionen
zu den Nuba. Lange zeit überlebte das Volk in
den unteren Ebenen des Sudan, bevor sie in
die entlegenen Berge vertrieben wurden. Sie
lebten lange sehr abgeschirmt von der übrigen Bevölkerung des Sudan, bis die
Regierung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts beschloss, das Volk unter Zwang zu
integrieren, was zuweilen zur Zerstörung
ihrer traditionellen Kultur führte.
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TUNESIEN (TN) El-Dschumhūriyya it-Tūnisiyya
Fläche
Einwohner (EW)
Bevölkerungsdichte
163.610 km² (~2 mal AT)
11.219.639 (2014)
67 EW pro km²
Währung
Wechselkurs
Tunesischer Dinar (TND)
1 € = 2,19 TND
Staatsoberhaupt
Regierungssystem
Hauptstadt
Städte
Amtssprachen
Sprachen
Religionen
HDI (Position)
Unabhängigkeitstag
Beji Caid Essebsi
Semipräsidentiell
Tunis (ca. 730.000 EW)
Sfax, Kairouan
Arabisch
Berbersprachen, Französisch
Muslime, Katholiken, Juden,
protestantische Minderheit
0,721 (90)
20.3.1956 (Frankreich)
weltkarte.com
GEOGRAPHIE
Aleppo-Kiefern. Die Fauna Tunesiens besteht
aus Mähnenschafen, verschiedenen Gazellenarten oder Säbelantilopen.
Im Wüstengebiet leben Schlangen, Heuschrecken, Skorpione und verschiedenste
Vogelarten. Im Norden des Landes liegt der
Ichkeul-Nationalpark, ein bedeutendes
Vogelschutzgebiet, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Die Nachbarländer Tunesiens bilden Algerien
und Libyen. Die tunesische Küstenlinie am
Mittelmeer hat eine Länge von 1.300 Kilometern.
Im nördlichsten Land Afrikas stoßen mediterranes Klima und Wüstenklima aufeinander. Die Niederschläge nehmen von Nord
nach Süd ab. Der Norden ist im Winter feucht
und im Sommer trocken, die zentraltunesische Steppenregion ist geprägt von heißen
Sommern, kalten Winter und abnehmenden
Niederschlägen. Die mittleren Temperaturen
im Norden liegen im Januar bei 10°C und im
August bei 26°C. Südlich herrscht ganzjährig
trockenheißes Wüstenrandklima mit unregelmäßigen Niederschlägen. Die Temperaturen erreichen hier Maximalwerte von bis zu
50°C im Sommer, im Winter erreichen die
Temperaturen auch die Null-Grad-Grenze.
Im Norden liegt die jährliche Niederschlagsmenge zwischen 500 und 1.000 mm, im
Süden fallen maximal 200 mm Niederschlag
pro Jahr.
Der wichtigste Fluss Tunesiens ist der ‘Medjerda’, der 82% des Wasservorkommens
führt. Die höchste Erhebung des Landes ist
der Berg ‘Djebel Chambi’ mit 1.544 Metern
Höhe.
Die Flora im Norden des Landes ist geprägt
von mediterranem Laub- und Buschwald
(Macchie) mit Steineichen, Korkeichen und
erdpunkte.de
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TUNESIEN (TN) El-Dschumhūriyya it-Tūnisiyya
ARABISCHER FRÜHLING
2011 geriet Tunesien durch die Selbstverbrennung von Mohammed Bouazizi und den
dadurch ausgelösten Arabischen Frühling in
die Schlagzeilen. Der Gemüsehändler wollte
mit dieser Tat gegen die Konfiszierung seines
Standes durch die Polizei protestieren. Daraufhin folgten Solidaritätsbekundungen im
ganzen Land, die sich zu regimekritischen
Protesten ausweiteten. Gefordert wurden
mehr Presse- und Meinungsfreiheit, kritisiert
wurden die anhaltende Korruption, Nepotismus (Freunderlwirtschaft) und die Zensur
durch den Staat. Der Präsident Ben Ali löste
die Regierung auf und verließ im Januar 2011
wegen lauter werdenden Proteste das Land.
Die Proteste in Tunesien weiteten sich auf die
Länder des arabischen Raums aus und
lösten dort ähnliche Bewegungen aus. Diese
Protestbewegungen werden als der ‘Arabische’ Frühling bezeichnet.
Seit dem 7. Februar 2014 ist die neue Verfassung in Kraft. Sie garantiert Glaubensund Gewissensfreiheit sowie die Gleichstellung von Mann und Frau und gilt zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung als eine einzigartige Verfassung der arabischen Welt. Darin
wird auch die Machtverteilung zwischen
Präsident und Premierminister neu geregelt
und soll so ein erneutes autokratisches
Regime wie unter Ben Ali künftig verhindern.
ARCHITEKTUR DER BERBER
Die klimatischen Bedingungen im Süden
Tunesiens ließen das Volk der Berber eine
ganz besondere Architektur entwickeln.
Vermutlich zum Schutz vor der sengenden
Sommerhitze und zur Abschirmung der
rauen Winde und Sandstürme, errichteten
die in Großfamilien lebenden Berber unterirdische Höhlenwohnungen, die in Berghänge
oder in den Boden getrieben wurden. Mehr
als zwei Jahrtausende lang boten die unter
dem harten Boden gelegenen weichen
Gesteinsschichten ideale Bedingungen für
die Aushebung der unterirdischen Wohnungen. In ihrer Beschaffenheit sind sich die
Bauten sehr ähnlich. Das Zentrum jeder
Höhlenwohnung ist ein in ca. sechs Metern
Tiefe gelegener runder Wohnhof, der mit
einem Brunnen und einem Ofen zum Backen
ausgestattet ist. Dieser Schacht bietet die
einzige Lichtquelle. Rings um den Hof ordnen
sich die meist zweistöckigen Schlafräume für
die Einzelfamilien, der Stall und die unterirdischen Vorratskammern an. Zwischen den
Etagen bewegten sich die Bewohner mit
Leitern oder Seilen hin und her. Mit der
Dorfoberfläche sind die Behausungen durch
einen schmalen Tunnel verbunden, der
gerade den Durchlass eines beladenen
Kamels ermöglichte. Heute gibt es nur mehr
sehr wenige tatsächlich von Menschen
bewohnte Höhlen. Diese werden lediglich für
touristische Zwecke aufrechterhalten. Eine
der bekanntesten Höhlendörfer ist das im
Dahar Gebirge gelegene Matmata. Die für
Fremde sehr unwirklich anmutende Umgebung des Dorfes wirkt wegen der Krater,
welche die Höhlenwohnungen an der Oberfläche werfen, wie eine zerklüftete Mondlandschaft. Aus diesem Grund wurden in
Matmata die Wüstenszenen zum Film „Krieg
der Sterne“ gedreht. Ein kleines Filmmuseum am Fuße des Dorfhanges erinnert daran.
wikipedia.org
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