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Aktuell
Landpost 36-37/2015
Die Galloways
Extensivrinder aus Schottland als Landschaftspfleger
Robust
Dumfries & Galloway, die
i m s ü d w e s t l i c h s t e n Te i l
Schottlands gelegene Grafschaft, ist von einer bergigen, teilweise voralpin wirkenden Landschaft geprägt.
M
it 843 Metern stellt
der Mount Merrick
im Galloway Forest
Park die höchste Erhebung dar.
Die kargen, kümmerlich bewachsenen und ungedüngten
Hochlandweiden der Region
haben eine ganz besonders anspruchslose und strapazierfähige Rinderrasse hervorgebracht:
die Galloways. Diese Extensivrinder aus dem rauen Schottland
werden auch für Deutschlands
Gebirgs- und Mittelgebirgslagen, wie die Schwäbische Alb
oder den Schwarzwald, zusehends interessanter.
Die Galloways — ihr Name leitet sich vom früheren schottischen Königreich Galloway ab
— sind mit ihrer etwa tausendjährigen Geschichte wohl die
älteste Rinderrasse Großbritanniens. Unglücklicherweise
wurden alle Aufzeichnungen
über ihre Vergangenheit und
Abstammung bei einem Brand
im Jahre 1851 vernichtet. Heute
führt die 1877 gegründete Galloway Cattle Society mit ihrem
Sitz im Städtchen Castle Douglas, etwa 25 km südwestlich
der Stadt Dumfries gelegen, das
Herdbuch. In Castle Douglas
finden darüber hinaus zweimal
im Jahr, im Frühjahr und im
Herbst, große Galloway-Auktionen statt. Als eigenständige
Rasse gelten die Belted Galloways, deren Mittelhand, wie die
Bezeichnung ausdrückt, von
einem weißen Gürtel umschlossen ist. Sie sind wahrscheinlich
schon vor Jahrhunderten aus
schwarzen Galloways und einer
anderen gegürtelten Rasse hervorgegangen. Seit 1921 besteht
ein eigener Zuchtverband, The
Belted Galloway Cattle Society.
Aussehen, Züchtung und
Gebrauchskreuzungen
Galloways sind klein- bis mittelrahmig und mit einem dichten,
doppelten Haarkleid ausgestattet, das sie relativ unempfindlich
gegen Hitze und Kälte macht.
Ihre Farbe ist meist schwarz, oft
mit einem rötlichen Schimmer
versehen. Daneben existieren
gelblich-graue bis hellbraune
Tiere, weiße sind dagegen eher
selten anzutreffen. Ein außerge-
Galloway-Kühe sind für ihre guten Muttereigenschaften bekannt.
wöhnliches Merkmal der Galloways ist ihre Hornlosigkeit, die
sich dominant vererbt. Sie dürfte durch natürliche Selektion im
Rahmen des im 17. Jahrhundert
entstandenen Viehhandels herbeigeführt worden sein. Dabei
zogen tausende von Galloways auf die fetten Weiden von
Norfolk und Suffolk im Süden
Großbritanniens, um dann nach
der Endmast in den reichen
englischen Städten verkauft zu
werden. Auf diesen Viehtrecks
haben die Treiber vermutlich
die hornlosen, also ungefährlicheren Tiere bevorzugt.
Bei den Galloways gab es nie
Einkreuzungen anderer Rassen. Die Paarungspartner werden ausschließlich innerhalb
der eigenen Rasse gesucht, also
Reinzucht betrieben. Dazu hält
man auf den größeren Farmen
in Dumfries & Galloway häufig
eigene Bullen, während kleinere Betriebe mit einem geringen Tierbestand auf künstliche
Besamung zurückgreifen. Andererseits sind Galloways hervorragend für Gebrauchskreuzungen geeignet. Traditionell
werden in Dumfries & Galloway Galloway-Kühe mit Bullen
einer bestimmten Zuchtlinie
der Whitebred Shorthorns gekreuzt. Dies ergibt das populäre
Blue Grey, ein anerkannt gutes
Fleischrind. Aber auch andere Rinderrassen haben sich zur
Kreuzung mit den Galloways
bewährt. So erzeugt die Kombination Galloway-Bulle mit
Kühen der Rasse Schwarzbuntes Rind ein Milchvieh mit ausgezeichnetem Fleischansatz bei
problemloser Kalbung.
Verbreitung
und Nutzung
An dieser Galloway-Herde werden die verschiedenen Farbschattierungen der Tiere deutlich.
Galloways, so die Journalistin und Galloway-Züchterin
Charlotte von Saurma in ih-
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Jahreszeit etwas an Gewicht
einbüßen, ist verständlich.
Genügsame und
zähe Tiere
Auf den größeren Galloway-Betrieben in Dumfries & Galloway werden zur
Nachzucht häufig eigene Bullen gehalten.
rem Beitrag „Von Viechern
und Farmern“ (Merian-Heft
Schottland, Juni 1993), sind so
widerstandsfähig, „dass die Briten die robusten Rindviecher in
jede Ecke ihres Kolonialreiches
mitschleppten, gleich der Tasse
Tee. So grasen sie heute zu Füßen des Kilimandscharo, ziehen
über die unendlichen Weiten
Ontarios und durch die dürren
Steppen Australiens“. Kurzum,
Galloways sind fast überall auf
der Welt anzutreffen. Etwa ab
1980 nahm die Nachfrage sowohl nach männlichen als auch
weiblichen Galloways außerhalb Großbritanniens nochmals
rapide zu; die jährlichen Exporte stiegen auf 700 bis 800 Tiere
an. Als wichtigste Importländer
sind seitdem neben Deutschland
vor allem Österreich, Dänemark,
die Niederlande, Belgien und
Schweden zu nennen.
Galloways erweisen sich als geradezu ideal für einen Einsatz in
der extensiven Mutterkuhhal-
GALLOWAY
G E N U S S F L E I S C H
tung. Hauptsächlich sind dafür
folgende Gründe anzuführen:
Galloway-Kühe, egal ob reinrassig oder gekreuzt, haben stark
ausgeprägte Mutterinstinkte.
Dank ihrer Milchleistung sind
sie zudem hervorragend als
Ammenkühe zu verwenden.
Galloway-Kühe sind sehr
langlebig und bringen über ihre gesamte Lebensdauer Jahr
für Jahr ein Kalb zur Welt. Gewöhnlich werden sie zwölf bis
fünfzehn Jahre alt. Man beobachtet jedoch durchaus Galloway-Kühe, die bis zu ihrem
zwanzigsten Lebensjahr reproduktiv bleiben.
Die Kosten der GallowayHaltung sind vergleichsweise
gering. Da in Dumfries & Galloway — bei etwas Zufütterung
im Winter — mit ganzjährigem
Weidegang gerechnet werden
kann, benötigen die Tiere außer
einem Weideunterstand keinerlei Stallungen. Dass sie bei dieser Haltung während der kalten
In Dumfries & Galloway, aber
nicht nur dort, werden die
Dienste der Galloways, die diese
von jeher zum Schutz von Natur und Umwelt erbracht haben,
mehr und mehr erkannt. Ihre
Genügsamkeit und Zähigkeit
prädestiniert sie für großräumiges Weiden an Hängen und
in höheren Lagen. Damit halten sie, auch im Sinne eines in
Maßen gewollten Tourismus,
Flächen vor Verbuschung und
Verunkrautung frei.
Da Galloway-Rinder keine selektiven Fresser sind, eignen
sie sich für minderwertiges
Grasland. Sie betreiben somit
durch ihr Fressverhalten Weidepflege. Diese Eigenschaft
der Tiere, das Grünland sozusagen „gesundzuweiden“, also
Bentgras, Disteln und Binsen
hintanzuhalten, nutzt man in
Dumfries & Galloway seit Menschengedenken. Nicht zuletzt
auch zum Vorteil der häufig
gemeinsam mit den Rindern
weidenden Schafe. „It suits the
country“ („Es passt zum Land“),
ist deshalb die knappe, aber zutreffende Antwort von Farmern,
wenn sie nach den Gründen für
die Beliebtheit der Galloways in
diesem landschaftlich überaus
reizvollen, südwestlichsten Teil
Schottlands gefragt werden.
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