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Die Kunst
der Renaissance
Victoria Charles
Autor: Victoria Charles
Direktor der deutschen Veröffentlichung: Klaus Carl
Übersetzer: Dr. Martin Goch
Layout:
Baseline Co Ltd
127-129A Nguyen Hue
Fiditourist 3rd Floor
District 1, Ho Chi Minh City
Vietnam
© Sirrocco, London, UK
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
Weltweit alle Rechte vorbehalten. Soweit nicht anders
vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen
Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht
in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen.
Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
ISBN: 978-1-78042-339-5
2
Die Kunst der
Renaissance
- Inhalt Einleitung
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I. Die Kunst in Italien
9
II. Die Kunst in Deutschland und Nordeuropa
69
III. Die Kunst dieser Zeit in den Niederlanden,
Frankreich, England und Spanien
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Wichtige Künstler
103
Bibliographie
194
Index
196
6
Einleitung
V
on Italien aus entwickelte sich in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine dort
Rinascimento, im Französischen dann Renaissance genannte Kulturwende, die das
Mittelalter von der Neuzeit trennte und vom Humanismus und der Reformation
begleitet wurde. Diese Entwicklung war eine Rückbesinnung auf die klassischen Künste
des griechischen und römischen Altertums. Sie führte zum intensiven Studium der lange
vergessenen Dichter, zu einer Begeisterung für die Bildhauerei und für die zahlreichen,
allerdings meist nur als Ruinen vorhandenen Reste der Baukunst.
Genauso wichtig für diese Entwicklung war aber die im heutigen Skandinavien, aber
auch in den Niederlanden und später auch in Deutschland ihren Anfang nehmende
Entwicklung der Technik und der Naturwissenschaften.
In Italien war es zunächst die Architektur, die auf die klassischen Vorbilder
zurückgriff und, etwas später, die Bildhauerei, die eine engere Bindung an die Natur
suchte. Als der Architekt und Bildhauer Filippo Brunelleschi nach Rom ging, um dort
die Reste der antiken Bauwerke auszugraben, zu studieren und zu vermessen, begleitete
ihn der Goldschmied und Bildhauer Donatello. Erst die dabei und auch später bei
weiteren Ausgrabungen gefundenen Skulpturen ließ die Begeisterung auch bei den
Bildhauern wachsen, die am Ende des 15. Jahrhunderts sogar so weit ging, dass
Michelangelo eine seiner Arbeiten in der Erde vergrub, damit sie kurz darauf als
„echt antik“ ausgegraben werden konnte.
Die italienische Renaissance dauerte etwa zweihundert Jahre. Die Frührenaissance
wird den Jahren 1420 bis 1500 (dem Quattrocento) zugerechnet, die Blütezeit der
Renaissance endete etwa 1520 und die in den Manierismus übergehende Spätrenaissance
fand etwa 1600 (dem Cinquecento) ihren Abschluss. Aus der Spätrenaissance ist als
weitere Entwicklung in Italien und einigen anderen Ländern in einem unmerklichen
Übergang die Barockkunst (übersetzt etwa „verschroben, exzentrisch“) entstanden, die
gelegentlich als Abart und Verwilderung, dann und wann aber auch als eine höhere
Entwicklungsform angesehen wurde und bis an das Ende des 17. Jahrhunderts
beherrschend blieb. Nachdem die Renaissance erst einmal über die Alpen nach
Deutschland, Frankreich und in die Niederlanden gelangt war, nahm sie hier einen
ähnlichen Verlauf und wird auch so eingeteilt wie in Italien.
Michelangelo (Michelangelo
Buonarroti),
David, 1501-1504.
Marmor, H: 410 cm.
Galleria dell’Accademia, Florenz.
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I. Die Kunst in Italien
Die italienische Frührenaissance
Die ältesten Spuren der Renaissance finden sich in Florenz. Im 14. Jahrhundert hatte die Stadt
bereits 120.000 Einwohner und war die führende Macht Mittelitaliens. Hier lebten, zumindest
zeitweise, die berühmtesten Künstler ihrer Zeit - Giotto (vermutlich 1266 bis 1336), Donatello
(1386 bis 1466), Masaccio (1401 bis 1429), Michelangelo (1475 bis 1564) und Lorenzo
Ghiberti (1378 bis 1455).
Brunelleschi gewann 1420 eine Ausschreibung für den Umbau des Florentiner Doms, der
als stolzes Wahrzeichen eine Kuppel erhalten sollte. Grundlage seines Entwurfs war die Kuppel
des aus der römischen Kaiserzeit stammenden Pantheons. Er wich jedoch insoweit von der
Vorlage ab, als er eine auf einem achteckigen Unterbau (dem Tambour) ruhende
ellipsenförmige Kuppel entwarf. In seinen anderen Bauwerken lehnte er sich an die Formen der
Säulen, Gebälke und Kapitelle der griechisch-römischen Baumeister an. Beim Neubau von
Kirchen wurde allerdings mangels neuer Ideen im Zentralbau in der Form des griechischen
Kreuzes oder in der Basilika in der Form des lateinischen Kreuzes nur das krönende
Kuppelmotiv übernommen. Stattdessen wurden die von den römischen Ruinen übernommenen
Verzierungen nach klassischem Muster weiter entwickelt. Die Baumeister der Renaissance
zeigten dabei viel Verständnis für das Reiche und Zierliche sowie das Massige und Wuchtige
der römischen Bauwerke und ergänzten es mit leichter Pracht. Insbesondere Brunelleschi
bewies dies in der im Klosterhof von Santa Croce errichteten Kapelle der Familie Pazzi mit ihrer
von korinthischen Säulen getragenen Vorhalle im Inneren der Medici-Kirche San Lorenzo und
deren zugehöriger Sakristei. Diese Bauwerke sind in der Harmonie ihrer einzelnen Teile im
Verhältnis zum Gesamtbauwerk von keinen späteren, gleichartigen Bauten übertroffen worden.
Dieses Streben nach Harmonie hat vermutlich als Erster Leon Battista Alberti beschrieben,
der wie Brunelleschi nicht nur Baumeister, sondern mit seinen Schriften Über die Malerei (1435)
und Über die Baukunst (1451) zugleich auch ein bedeutender Kunsttheoretiker war. Er verglich
die Baukunst mit der Musik. Ihm war die Harmonie zugleich das Ideal der Schönheit, denn für
ihn war die Schönheit „… nichts anderes als die Harmonie der einzelnen Glieder und Teile, so
dass ohne Schaden nichts hinzugefügt, nichts hinweg genommen werden kann.” Dieser
Lorenzo Ghiberti,
Türen des Garten Eden, 1425-1452.
Vergoldete Bronze, 506 x 287 cm.
Baptisterium, Florenz.
Grundsatz der Schönheitslehre gilt seitdem unverändert.
Alberti entwickelte beim Palazzo Rucellai einen zweiten Typ der Florentiner
Palastbauten, bei dem die Fassade durch über alle Stockwerke hinweg zwischen den
Fenstern angeordnete flache Pilaster gegliedert wurde.
Donatello,
David, um 1440-1443.
Bronze, H: 153 cm.
Museo Nazionale del Bargello, Florenz.
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In Rom gab es allerdings einen den florentinischen Baumeistern gleichwertigen
Architekten: Luciano da Laurana (1420/1425 bis 1479), der bis dahin in Urbano tätig war
und dort Teile des herzoglichen Palastes errichtet hatte. Sein Gefühl für eine monumentale
Gestaltung, für Relationen sowie Planung und Ausführung auch der kleinsten Einzelheiten
hat er an seinen wichtigsten Schüler, den Maler und Baumeister Donato Bramante, der zum
Gründer der italienischen Baukunst der Hochrenaissance wurde, weitergegeben. Bramante
war seit 1472 in Mailand, wo er nicht nur an der Kirche Santa Maria presso S. Satiro die erste
nachrömische Kassettenkuppel und darüber hinaus die Kirche Santa Maria delle Grazie und
einige Paläste errichtet hatte, sondern, ehe er nach Pavia und 1499 nach Rom wechselte, dort
auch als Festungsbaumeister tätig. So wie es in der Lombardei seinerzeit üblich war,
errichtete er die Kirche Santa Maria delle Grazie als einen Backsteinbau und legte das
Hauptgewicht auf die Gliederung des Unterbaus. Die Verwendung einer alle Gebäudeteile
überziehenden Ornamentik lag den Lombarden schon seit dem frühen Mittelalter im Blut.
Diese Art der Gestaltung mit Inkrustationen als Nachfolge der mittelalterlichen
Mosaiken wurde sehr schnell von den Venezianern übernommen, die schon seit jeher viel
mehr Wert auf ein malerisches Element denn auf ein architektonisch-bauliches Merkmal
gelegt hatten. Vorzügliche Beispiele für diese Fassadengestaltungen sind die wahren
Schmuckkästchen gleichenden und die Prunk- und Prachtliebe der reichen venezianischen
Kaufleute demonstrierenden Kirchen San Zaccaria und Santa Maria di Miracoli. Der
venezianische Baumeister Pietro Lombardo (um 1435 bis 1515) zeigte aber mit einem der
zur damaligen Zeit schönsten Paläste Venedigs, dem dreigeschossigen Palazzo VendraminCalergi, dass auch hier ein starkes architektonisches Gefühl zu Hause war.
Dem Architekten Brunelleschi war es gelungen, eine neue, moderne Bauweise
durchzusetzen. Aber allmählich wird in einigen bildhauerischen Arbeiten des jungen
Goldschmieds Ghiberti das als eine der Grundlagen der Renaissance definierte Naturgefühl
erkennbar, das etwa gleichzeitig bei den niederländischen Malerbrüdern Jan und Hubert van
Eyck, der den Genter Altar begann, zu finden ist. In den zwanzig Jahren, die Ghiberti an der
bronzenen Nordtür des Baptisteriums arbeitete, entwickelte sich das Schönheitsgefühl der
Italiener weiter. Giotto hatte die von Mathematikern herausgefundenen Gesetze der
Andrea della Robbia,
Madonna der Steinmetze, 1475-1480.
Glasierte Terrakotta, 134 x 96 cm.
Museo Nazionale del Bargello, Florenz.
Zentralperspektive - später setzten Alberti und Brunelleschi seine Arbeiten fort - für die
Malerei weiter entwickelt. Die florentinischen Maler griffen die Ergebnisse eifrig auf und
steckten schließlich auch die Bildhauer mit ihrer Begeisterung an. Ghiberti schließlich hat die
malerischen Elemente in der Reliefplastik zur Vollendung geführt. Er bildete damit ein
Donatello,
Madonna mit Kind, 1440.
Terrakotta, H: 158,2 cm.
Museo Nazionale del Bargello, Florenz.
Nach dem Projekt Donato Bramantes,
gewisses Gegengewicht zum sicherlich vielseitigeren Donatello, der immerhin ein ganzes
Jahrhundert lang die italienische Plastik beherrscht hatte.
Das, was Brunelleschi versuchte, war Donatello gelungen: in jedem Material, in Holz,
Ton und Stein und unabhängig von der Wirklichkeit, den Ausdruck des Lebendigen zu
Santa Maria della Consolazione, 1508.
realisieren. In seiner Wiedergabe der Figuren spiegeln sich deren schreckliche
Todi.
Erfahrungen wie Not, Schmerz und Elend. Er vermochte in seinen Abbildungen von
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Frauen und Männern alles wiederzugeben, was deren Persönlichkeiten ausmachte. Aber
auch in der Dekoration von Kanzeln, Altären und Grabmälern, und hierzu zählen auch
sein Steinrelief der Verkündigung Mariä in Santa Croce oder die Marmorreliefs der
tanzenden Kinder an der Orgelbrüstung im Florentiner Dom, wurde er von keinem seiner
Zeitgenossen übertroffen. Seinem bereits 1416 für Or San Michele geschaffenen Heiliger
Georg als erster Standfigur im klassischen Sinn folgte um 1430 als erste freistehende
plastische Aktdarstellung eine bronzene Statue des David und 1432 mit der Büste des
Niccolo da Uzzano die erste weltliche Portraitbüste. Schließlich vollendete er 1447 mit
seinem für Padua geschaffenen bronzenen Reiterstandbild des venezianischen Söldnerführers
Gattamelata (um 1370 bis 1443) das erste Reiterstandbild der Renaissanceplastik.
Donatellos Rang und Ruhm erreichte nur einer noch, der Bildhauer Luca della Robbia
Schule von Piero della Francesca
(1400 bis 1482), der nicht nur die Sängerkanzel im Florentiner Dom (1431/1438), sondern
(Laurana oder Giuliano da Sangallo?),
auch die Bronzereliefs (1464/1469) an der nördlichen Sakristei des Doms geschaffen hat. Sein
Ideale Stadt, um 1460.
Öl auf Holztafel, 60 x 200 cm.
Hauptverdienst liegt aber in seinen bemalten und anschließend glasierten Tonarbeiten. Die
Galleria Nazionale delle Marche, Urbino.
anfänglich als runde oder halbrunde Reliefs gefertigten Arbeiten waren eigentlich nur als
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Schmuck für architektonische Räume gedacht. Aber die in der Lünette der Via d’Agnolo von
Blumengirlanden und Fruchtkränzen umgebene, bemalte und von zwei Engeln begleitete
Madonna mit dem Kind ist ein durchaus prachtvolles Ergebnis seiner Schöpfungen. So wie
Donatellos Können in seinen Männerportraits gipfelte, zeigt sich Robbias Meisterschaft in
seinen anmutigen Darstellungen kindlicher und weiblicher Figuren - etwas Schöneres hat die
Bildhauerei des 15. Jahrhunderts in Italien nicht hervorgebracht.
In dem Ausmaß, in dem die Fertigkeiten in der Herstellung glasierter Tonarbeiten in
Pisanello (Antonio Puccio),
Italien wuchsen, stiegen auch die Ansprüche an die Gestaltung dieser Produkte. Schließlich
Porträt einer jungen Prinzessin,
wurden nicht nur Altäre und Einzelfiguren, sondern auch ganze Figurengruppen in dieser
um 1435-1440.
dem Künstler alle Freiheiten der Gestaltung lassenden Technik hergestellt. Luca della
Öl auf Holz, 43 x 30 cm.
Musée du Louvre, Paris.
Robbia gab sein Können und seine Erfahrungen weiter an seinen Neffen Andrea della Robbia
(1435 bis 1525). Der wiederum entwickelte mit seinen Söhnen Giovanni (1469 bis nach 1529)
Domenico Veneziano,
und Girolamo (1488 bis 1566) die Technik der glasierten Terrakotten noch weiter und schuf
Porträt einer vornehmen jungen Frau,
gemeinsam mit ihnen in den Jahren 1463 bis 1466 die berühmten Rundreliefs der
Wickelkinder am Fries über der Halle des Findelhauses zu Florenz.
um 1465.
Öl auf Holztafel, 51 x 35 cm.
Gemäldegalerie, Dresden.
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Daran, dass die Produktion der Werkstatt derer della Robbia heute noch an vielen
Orten Norditaliens zu bewundern ist, zeigt sich, dass die Terrakotten nicht nur dem
allgemeinen italienischen, sondern dann auch dem europäischen Geschmack
entsprachen und immer mehr Liebhaber gewannen. Dabei darf allerdings nicht
vergessen werden, dass kein anderes Jahrhundert der
plastischen Gestaltung so günstig gesonnen war wie
gerade das 15. Jahrhundert. Damit war Donatellos Saat
prächtig aufgegangen. Seine beiden wichtigsten Schüler,
der Bildhauer Desiderio da Settignano (etwa 1428 bis 1464)
und der Maler, Bildhauer, Goldschmied und Bronzegießer
Andrea del Verrocchio (um 1435/1436 bis 1488) führten
seine Schule in seinem Sinn weiter. Gerade letzterer schuf
nicht nur eine Reihe Altarbilder, sondern wurde in Florenz
zum bedeutendsten Bildhauer und goss beispielsweise die
Statue des David (um 1475) und das Reiterdenkmal (1479)
des Söldnerführers Bartolomeo Colleoni (1400 bis 1475) in
Venedig. Verrocchios Stil bereitete den Übergang zur
Hochrenaissance vor.
Settignano hat wesentlich weniger Werke hinterlassen
als Verrocchio und sich vor allem mit marmornen
Madonnenreliefs, Kinderfiguren und Büsten junger Mädchen
beschäftigt. Er gab sein Können und Wissen an seinen
wichtigsten Schüler, Antonio Rosselino (1427 bis 1479)
weiter, dessen Hauptwerk das Grabmal des Kardinals von
Portugal in San Miniato al Monte in Florenz ist.
Zu Rosselinos Schülern gehörten Mino da Fiesole
(1431 bis 1484), der, ursprünglich Steinmetz, sich zum
besten Marmortechniker seiner Zeit entwickelte und vor
allem Grabdenkmäler in der Form der monumentalen
Wandgräber ausführte, und Benedetto da Maiano
(1442 bis 1497). Fiesoles Kunst lebte hauptsächlich von der
Nachahmung der Natur und war damit in einen zu engen Rahmen gespannt, um seine
große Produktion abwechslungsreich zu gestalten.
Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt den allmählichen Übergang von der
beliebten und volkstümlichen Marmorverarbeitung zum strengeren Bronzeguss. Beispiele
dafür sind die beiden David-Statuen. Donatellos Arbeit zeigt einen etwas nachdenklichen
David, die andere, im völligen Gegensatz dazu, von Verrocchio und in der Idealgestalt
des Naturalismus geschaffen, einen voller Genugtuung über den gewonnenen Kampf
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lächelnden, selbstbewussten Jüngling mit dem abgeschlagenen Kopf des Goliath zu
seinen Füßen. Dieses von Steinmetzen so häufig wie vergeblich nachgeahmte Lächeln ist
zu einem Markenzeichen der Schule Verrocchios geworden. Nur einem gelang es wirklich,
dieses Lächeln auch auf einige seiner Werke zu zaubern: Leonardo da Vinci, ebenfalls ein
Schüler Verrocchios. Der Bildhauer Verrocchio musste sich
seinen Ruhm mit dem Maler Verrocchio teilen, von dem aber
nur wenige Gemälde überliefert sind. Dazu gehören Die
Madonna (1470/1475), Tobias und der Engel, ebenfalls
(1470/1475) sowie die in Temperafarben gemalte Taufe
Christi (1474). An diesem Gemälde hat Leonardo da Vinci,
der, wie der Maler, Baumeister und Kunstschriftsteller
Giorgio Vasari (1511 bis 1574) glaubhaft überlieferte, den im
Vordergrund knienden Engel gemalt. Möglicherweise hat er
später, nachdem Verrocchio nach Venedig abgewandert war,
dieses Bild noch in Öl übermalt.
Abgesehen von der Statue des jungen David, zählen zu
Verrocchios bildhauerischen Meisterwerken sicherlich auch
der Ungläubige Thomas in der Zweiergruppe mit Christus in
einer Nische der Or San Michele und das Reiterdenkmal des
Colleoni, dessen Fertigstellung er aber nicht mehr erlebte.
In Rom arbeitete der Maler und Goldschmied Antonio del
Pollaiuolo (um 1430 bis 1498) in einer Werkstatt
und schuf
dort auch die ersten Kleinplastiken. Seine
Federzeichnung, möglicherweise ein Entwurf für ein Relief,
Kämpfende nackte Männer (etwa 1470/1475) und der Kupferstich
Schlacht der nackten Männer (um 1470) sollten wegweisend für
die Aktdarstellung werden. Seine Hauptarbeiten aber sind die
Bronzegrabmäler der Päpste Sixtus V. (1521 bis 1590) und
Innozenz VIII. (1432 bis 1492) in der Peterskirche.
In etwa parallel zur Entwicklung im Bereich der
Bildhauerei vollzog sich in Florenz auch die der Malerei und
brachte sie auf einen reichen und glänzenden Stand. Anfangs standen sich die Vertreter
dieser beiden Richtungen unversöhnlich gegenüber und beharrten ehern auf ihren
jeweiligen Standpunkten. Schließlich, etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts, vollzog
sich eine gewisse Verschmelzung, wobei aber das Monumentale immer ein
Grundgedanke der Florentiner Kunst blieb, der sich nun in der von Masaccio und dem
Fra Angelico genannten Dominikanermönch Fra Giovanni da Fiesole (1387 bis 1455)
angeführten monumentalen Freskomalerei niederschlug.
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Fra Angelico, der zunächst in Florenz und später in Rom arbeitete, verband in seinen
ausschließlich religiösen und sich durch eine verklärende Innigkeit auszeichnenden
Werken gotische Einflüsse mit dem Naturalismus. Seine malerischen Wurzeln
lagen in seinem frommen, sich in seinen zahlreichen Marien- und Engelfiguren
widerspiegelnden Gemüt. Sein farbliches Können kommt in seinen zahlreichen,
überwiegend gut erhaltenen Fresken genau so zur Geltung wie in seinen Tafelbildern.
Die wichtigsten Fresken (etwa 1436/1446) finden sich im Kapitelsaal, im Kreuzgang
und einigen Zellen des ehemaligen Dominikanerklosters San Marco, wobei von vielen
Sachkennern die Marienkrönung wiederum als aus allen anderen Fresken herausragend
angesehen wird. Fra Angelico hat dieses Thema mehrere Male aufgegriffen.
Einer der bekanntesten Nachfolger Fra Angelicos ist der Florentiner Fra Filippo Lippi
(um 1406 bis 1469), der etwa fünf Jahrzehnte lang als Karmelitermönch lebte und 1434 in
Padua zum Priester geweiht wurde, später jedoch aus dem Orden austrat. Er übernahm mit
seiner weich modellierenden Linienführung und prächtigen Farben Masaccios Denken
und Schönheitsempfinden. Nicht nur in seinem Leben, sondern auch in den
Freskendarstellungen und in seinen zahlreichen Tafelbildern räumt er dem weiblichen
Element einen bedeutenden Platz ein. In seinen Engelsfiguren nimmt er Mädchen aus
seiner Umgebung als Modelle und zeigt auch Sinn und Verständnis für die Mode jener
Zeit. In seinen Fresken hat er eine monumentale Größe erreicht und seine schönsten
Schöpfungen in seinen Tafelbildern hinterlassen. Ähnlich Fra Angelico war auch bei ihm
die Krönung Mariä (1441/1447) ein wichtiges Thema, wobei er aber, im Gegensatz zu Fra
Angelico, die eigentliche Krönung etwas in den Hintergrund gedrängt und offenbar einen
viel größeren Wert auf die im Vordergrund knienden Figuren der Geistlichen und der
portraitierten Frauen und Kinder gelegt hat. Diese Neigung zum Portraitieren und damit
zum Individuellen zeigt sich vor allem in seinen viel religiöse Empfindung zeigenden
Madonnenbildern. Recht deutlich wird dies in seinem Gemälde Madonna mit zwei Engeln
(2. Drittel 15. Jh.). Auf dem Rundbild Maria mit Kind (um 1452) hat er dagegen mit der
Darstellung der Wochenstube der heiligen Anna einen lebhaften Hintergrund zu der vorn
sitzenden Madonna geschaffen. Diese Wochenstube diente sicherlich einigen späteren
Künstlern zur willkommenen Vorlage.
Fra Filippo Lippis wichtigster Schüler war zweifellos Sandro Botticelli (um 1445 bis 1510).
Doch der eigenwillige Sandro, seine Anbetung der Hl. Drei Könige enthält rechts ein
Selbstporträt, bestand darauf, Maler zu werden und kam deshalb schließlich zu Fra
Filippo Lippi in die Lehre. Später stand er dem Kreis der Humanisten um den Stadtherrn
Lorenzo de’Medici (Der Prächtige; 1449 bis 1492) nahe. Botticelli vertiefte sich als einer
Fra Angelico (Fra Giovanni da Fiesole),
der ersten in die Motive aus der antiken Mythologie, beispielsweise in dem berühmtesten
Kreuzabnahme (Altarbild von Santa Trinità),
seiner Gemälde, der Geburt der Venus (etwa 1482/1483) und brachte in seinen Werken
im Hintergrund gern antike Gebäude unter. Er schuf vor allem allegorische und
1437-1440.
Tempera auf Holztafel, 176 x 185 cm.
Museo di San Marco, Florenz.
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religiöse Werke, und während seiner Tätigkeit in Rom zwischen 1481 und 1483 in
Zusammenarbeit mit anderen auch Fresken in der Sixtinischen Kapelle. Ein anderes seiner
Bilder ist Der Frühling (1485/1487), in dem sich das heitere und festliche Leben in Florenz
widerspiegelt. In vielen Arbeiten findet sich eine verschwenderische Fülle von Blumen und
Fra Filippo Lippi,
Früchten, in die er sowohl seine schlanken Mädchen und Frauen mit ihren flatternden,
Madonna mit Kind und zwei Engeln,
fließenden Gewändern wie auch die von ernsten Heiligen umgebenen Madonnen stellt. In
1465.
Öl auf Holz, 95 x 62 cm.
einigen Madonnendarstellungen ist der Einfluss des Bußpredigers und Dominikanermönchs
Uffizien, Florenz.
Girolamo Savonarola (1452 bis 1498) zu spüren, dessen überzeugter Anhänger Botticelli auch
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Sansovino, Jacopo
Palazzo Corner de la Ca’Granda
Villa Garzoni
del Sarto, Andrea
Harpyienmadonna
Schule von Fontainebleau
Porträt der Gabrielle d’Estrées und der Duchesse de Villars
Smythson, Robert
Wollaton Hall (Außenansicht)
Stoß, Veit
Krakauer Hochaltar (zentrales Tafelbild: Tod der Jungfrau und Christus empfängt die Jungfrau)
Tobias und der Engel
T
V
Tintoretto (Robusti, Jacopo)
Kreuzigung (Detail)
Tizian (Tiziano, Vecellio)
Himmlische und Irdische Liebe
Venus von Urbino
Mann mit Handschuh
Maria Himmelfahrt
de Toledo, Juan Bautista und de Herrera, Juan
Kloster El Escorial
Van der Weyden, Rogier
Die Anbetung der Könige (Triptychon, zentrale Tafel)
Der Heilige Lukas malt Maria
Die Kreuzabnahme
Van Eyck, Jan
Das Arnolfini Porträt, Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna
Die Anbetung des Lammes (Triptychon)
Mann mit rotem Turban (Selbstporträt?)
Van Leyden, Lucas
Das Verlöbnis
il Vecchio, Palma (Negretti, Jacopo)
Die Heilige Familie mit Maria Magdalena und dem Heiligen Johannes dem Täufer als Kind
Veneziano, Domenico
Porträt einer vornehmen jungen Frau
Veronese (Caliari, Paolo)
Gastmahl im Hause Levi
Hochzeit zu Kanaa
del Verrocchio, Andrea (di Francesco de Cioni, Andrea)
Reiterdenkmal des Bartolomeo Colleoni, genannt den Colleone
Vignole (Barozzi da Vignola, Giacomo (oder Jacopo))
Brunnen der Villa Farnese, mit Flussgöttern
da Vinci, Leonardo
Das Abendmahl
Draperiestudie für eine sitzende Figur
Hl. Anna Selbdritt
Johannes der Täufer
Madonna in der Felsengrotte
Mona Lisa, genannt La Gioconda
Porträt Cecilia Gallerani, genannt Die Dame mit dem Hermelin
Die Verkündigung
da Vinci, Leonardo und del Verrocchio, Andrea
Taufe Christi
121
118-119
48
96-97
99
180
77
65
162-163
165
61
58
100-101
135
134
82
133
84-85
132
87
56-57
17
62-63
170-171
179
66-67
154-155
34
35
102
30
157
156
32-33
31
199
Art of Century Collection
Abstrakter Expressionismus
Kubismus
Pop Art
Abstraktion
Dadaismus
Postimpressionismus
American scene
Expresionnismus
Präraffaeliten
Arts & Crafts
Fauvismus
Rayonismus
Art Deco
Freie Figuration
Realismus
Art Informel
Futurismus
Regionalismus
Jugendstil
Gotische Kunst
Die Kunst der Renaissance
Arte Povera
Hudson River Schule
Rokoko
Ashcan Schule
Impressionnismus
Romanische Kunst
Barock
Manierismus
Romantik
Bauhaus
Minimale Kunst
Russische Avantgarde
Byzantinische Kunst
Naive Kunst
Barbizon Schule
Camden Town Gruppe
Naturalismus
Sozialrealismus
COBRA
Neoklassizismus
Surrealismus
Konstruktivismus
Neuer Realismus
Symbolismus
ie Renaissance begann gegen Ende des 14. Jahrhunderts in Italien und breitete sich bis zur
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts über ganz Europa aus. Die Wiederentdeckung der Pracht
des griechischen und römischen Altertums markierte den Beginn der Wiedergeburt der
Künste nach dem Zusammenbruch der dogmatischen Gewissheiten des Mittelalters. Eine ganze
Reihe von Künstlern entwickelte in Malerei, Bildhauerei und Architektur Innovationen. Mit der
Darstellung von Idealen und der Wirklichkeit, des Heiligen und des Profanen, etablierte die Bewegung
einen Rahmen, der die europäische Kunst und Kultur der folgenden vier Jahrhunderte prägte.
D
Leonardo da Vinci, Michelangelo, Botticelli, Fra Angelico, Giorgione, Mantegna, Raffael, Dürer
und Bruegel sind Künstler, die einen wesentlichen Beitrag zur Kunst der Renaissance leisteten.
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