Hausbesuch - Medizinische Fakultät Münster

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Akuter Durchfall in der primärärztlichen
Versorgung
Der aktuelle Fall
WS 2013/14
30.10.13
Was tun:
Praxistermin / Hausbesuch /
Krankenhauseinweisung ?
Anruf einer besorgten
Mutter in der Sprechstunde:
Bitte kommen Sie sofort!
17 Jahre, weiblich,
1. Lehrjahr Friseuse,
am Vortag 2 x Erbrechen,
dann 5 x Durchfall,
heute 3 x Durchfall
zu schlapp zur Fahrt in die
Praxis
P.Maisel * Arbeitsbereich Allgemeinmedizin
„Während Brechdurchfallepidemien steigt die Anzahl
von perforierten Appendizitiden um den Faktor 3 an;
dies sollte uns motivieren, noch sorgsamer zu
werden.“ (Mühlenfeld 2006)
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Hausbesuchspatienten
Hausbesuch
notwendig
wertvoll
zeitaufwendig
unterbezahlt
Voigt K et al, ZFA 2011
20 häufige Beratungsanlässe in der Allgemeinmedizin
Beratungsanlässe bei Hausbesuchen
51,6%
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Voigt K et al, ZFA 2011
P. Maisel
Arbeitsbereich Allgemeinmedizin
WWU Münster
Häufige Beratungsanlässe in der
Allgemeinmedizin
Akuter Durchfall in der primärärztlichen
Versorgung
WS 2013/14
30.10.13
Nichtinfektiöse Ursachen
Medikamente
Malabsorption
Durchfall
• > 3 Stuhlentleerungen / Tag
• Stuhlmenge > 250g / Tag
• Flüssiger Stuhl mit > 75%
Wassergehalt
Akut:
Chronisch:
!
Akutes Abdomen
Appendizitis
Divertikulitis
Darmischämie
Invagination
Toxisches Megacolon
Darmperforation
Infektiöse Ursachen
Viral
Bakteriell
Protozoen
Toxine
Erstmanifestation
CED
Kolon irritabile
u.a.
< 2 (4) Wochen
> 2 (4) Wochen
Akuter Durchfall
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RKI: Faustregel
1/3 fieberhaft
1/3 leicht
1/3 asymptomatisch
Focus 46 /2009
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Anamnese bei akutem Durchfall
Symptome
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Anamnese bei akutem Durchfall
1. Symptome
Beginn und Dauer der Symptome
Häufigkeit, Menge des Durchfalls
Stuhlbeschaffenheit: wässrig, blutig, schleimig, eitrig, fettig
Dysenteriesymptome (ruhrartig): Fieber, Krämpfe, Blut/Eiter im
Stuhl
2. Auswirkungen
3. Risikofaktoren
P. Maisel
Arbeitsbereich Allgemeinmedizin
WWU Münster
Häufige Beratungsanlässe in der
Allgemeinmedizin
Akuter Durchfall in der primärärztlichen
Versorgung
WS 2013/14
30.10.13
Anamnese bei akutem Durchfall
Risikofaktoren
Reise in unterentwickelte Länder
Heimaufenthalt
Potentiell unsichere Nahrungsmittel
Tierkontakte
Erkrankungen im Lebensumfeld
Medikamenteneinnahme
Vorerkrankungen
Beruf (Lebensmittel, medizinische Versorgung)
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Anamnese bei akutem Durchfall
Auswirkungen
Allgemeinzustand
Volumenmangelsymptome: Durst, Tachykardie,
Orthostase, verringerte Urinmenge, Lethargie,
verminderter
Hautturgor
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Im Ausland erworbene Durchfallerkrankungen nach dem zeitlichen Ablauf
Auftreten in der 1. Woche
- Symptome: Wässrige Durchfälle
- Erregerquelle: Buffet
- Wahrscheinlichste Ursache: ETEC
Auftreten in der 1.-2. Woche
- Symptome: Wässrige Durchfälle und
Fieber
- Erregerquelle: Pool, Trinkwasser
- Wahrscheinlichste Ursache: Shigellen,
u. a.
Durchfall nach Rückkehr
- Symptome: Blutig-wässrige Durchfälle
- Wahrscheinlichste Ursache:
Salmonellen
- Symptome: Aufstoßen, Blähungen,
Verdauungsprobleme nach Rückkehr weiche Stühle
- Wahrscheinlichste Ursache: Lamblien
http://universimed.com/og/indikationen/
Untersuchung
Allgemeinzustand
Fieber
Dehydratation
Abdominelle Untersuchung
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Fettstuhl bei Sprue
Die wichtigsten Ursachen des akuten Abdomens
(Saegesser)
P. Maisel
Arbeitsbereich Allgemeinmedizin
WWU Münster
Häufige Beratungsanlässe in der
Allgemeinmedizin
Akuter Durchfall in der primärärztlichen
Versorgung
WS 2013/14
30.10.13
• Schwere blutige Durchfälle, schwerer
oder protrahierter Verlauf (z.B.
septische Temperaturen,
extragastrointestinale
Manifestation)
• Kürzliche Auslandsaufenthalte in
Risikoländern
• Umgebungserkrankungen mit V. a.
Lebensmittelvergiftung,
endemisches Auftreten
• stationäre Patienten mit nosokomial
erworbener Infektion
• primäre oder erworbene
Immunschwäche
• V. a. hämolytisch-urämisches
Syndrom (Hämolyse,
Fragmentozyten)
• länger als 3-5 Tage Durchfall
• berufsspezifisch
Lebensmittelverarbeitung
Gemeinschaftseinrichtungen
Sonstige
Laboruntersuchungen
Indikationen zur
Erregerdiagnostik
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Empirische Therapie der
komplizierten akuten Diarrhö
Nur bei schwerem
Krankheitsverlauf
oder längerer Dauer
(> 5 - 7 Tage)
Blutige Diarrhoe
Shigellen:
Campylobacter:
Salmonellen:
E.coli, Shiga-toxin
Urin-Stix, CRP/BSG,
Blutbild, Na, K,
Kreatinin, GPT,
Lipase,
Klinische Symptome
anhaltendes Fieber,
blutige Diarrhö
Erwachsene
Chinolone,
Azithromycin
15,3%
6,2%
5,2%
2,6%
Kinder
Schwangere
Cotrimoxazol Ampicillin
(+ Azithromyc.) (+ Erythromycin)
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Symptomatische Durchfalltherapie
Orale Rehydratation
1 l Wasser + ½ TL Salz + 8 TL Zucker + Fruchtsaft (KCl)
Schmerzen: Buscopan
In begründeten Ausnahmen 2 Tage
zurück AU-Beginn
AU: wegen Krankheit nicht oder nur
unter Gefahr der Verschlimmerung
bisherige Tätigkeit ausführbar
Erbrechen: Metoclopramid / Vomex A
Motilitätshemmer: Loperamid (KI beachten!)
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parenterale Rehydratation: Krankenhaus oder
Ringerlactat / 2-3 l NaCl + 40 mmol/l Kcl
AU bei Arbeitslosen: leichte Arbeiten
< 3 Stunden / Tag
Diagnose: ICD 10
Cave: Fett, Milchprodukte, Obst, Gemüse
P. Maisel
Arbeitsbereich Allgemeinmedizin
WWU Münster
Häufige Beratungsanlässe in der
Allgemeinmedizin
Akuter Durchfall in der primärärztlichen
Versorgung
Luise möchte ihre Fach-Arbeit
am kommenden Freitag
mitschreiben. Darf sie das?
WS 2013/14
30.10.13
Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Erkrankung
Inkubationszeit
Virusenteritiden
Rotaviren
1-3 T
Noroviren
10-50 h
Adenoviren
5-8 T
Bakterielle
Enteritiden
Salmonellen
5-72 h
Campylobacter, 1-10 T
Yersinia ent.
7-10 T
Zulassung nach
Krankheit
Symptomende
2 T nach
geformt.Stuhl
Symptomende
Nach
Abklingen des
Durchfalls
Schriftl.
ärztl.
Attest?
Ausschluss
von Ausscheidern
Ausschluss
von Kontaktpersonen
Hygienemaßnahmen /
Prophylaxe /
Impfung
Nein, ggf. entfällt
einrichtungsspez.
Festlegungen
Nein, wenn
keine
Symptome
Hand- und
sonstige
Hygiene,
Impfung
Rotaviren
Nein, ggf. nein
einrichtungsspez.
Festlegungen
Nein, wenn
keine
Symptome
Effektive
Hand- u.
Lebensmitte
lhygiene
Nur für Kinder bis zum 6. Lebensjahr
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Besteht eine
Meldepflicht?
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Diagnostik + Therapie in der Praxis
akuter Durchfall
1. Arztbesuch:
Anamnese, klinische Untersuchung
2-3 Tage symptomatische Therapie, sofern keine
Risikofaktoren, schlechter AZ, Dehydrierung
Labor (Urin, CRP) nur in Ausnahmefällen
2. Arztbesuch am Tag 3
Reevaluation der Risikofaktoren,
symptomatische Therapie intensivieren
Gesundheitsamt Landkreis
Emsland
Ordeniederung 1
01.11.2013
49716 Meppen
01.11.2013
P. Maisel
Arbeitsbereich Allgemeinmedizin
WWU Münster
Gemeinschaftspraxis
Prof. Dr. P. Maisel / R. Afting /
F. Buning / A. Kellermann /
E. Schulz
Markt 1
48488 Emsbüren
3. Arztbesuch, Tag 5-7
Blut, Stuhlprobe, Urin
Evtl. empirische Antibiotikatherapie
Evtl. Krankenhaus
Antibiotikatherapie (Clostridium
diff)
Tropenaufenthalt
Schweres Krankheitsbild
(Dysenterie: blutiger Stuhl,
Krämpfe, Fieber)
Relevante Vorerkrankungen
Häufige Beratungsanlässe in der
Allgemeinmedizin
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