Erfolgreiche Diabetestherapie schützt vor kardiovaskulären

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Fokus · Risikofaktoren HKE
Herzinfarkt und Schlaganfall senken als Folgeerkrankungen
die Lebenserwartung von Diabetikern
Erfolgreiche Diabetestherapie
schützt vor kardiovaskulären Folgen
Immer mehr Menschen erkranken immer jünger an Diabetes mellitus Typ 2. Damit sind viele im erwerbstätigen
Alter. Sowohl für das persönliche Leben als auch für die Volkswirtschaft ist es wichtig, Akut- wie Spätfolgen der
Erkrankung möglichst zu minimieren und Teilhabestörungen zu vermeiden.
D
iabetes
muss
präventiv
therapiert werden, um die
Morbiditäts- und auch die
Mortalitätsraten positiv zu beeinflussen. Denn: Trotz der deutlich
verbesserten Therapiemöglichkeiten ist die Lebenserwartung bei
Diabetes (Typ 1 und 2) immer noch
um 4 – 6 Jahre reduziert. Ursächlich hierfür sind die Folgen, zu denen u. a. der Herzinfarkt und der
Schlaganfall gehören.
Diabetes und
Metabolisches Syndrom
Das Metabolische Syndrom gilt als
klinische Folge der bei Typ-2-Diabetes typischen Insulinresistenz
und ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden.
So ist die frühzeitige Therapie der
Fettstoffwechselstörung und der
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D&I · 6/2015
Hypertonie bei gleichzeitigem Diabetes zwingend notwendig. Die oft
hohen Glukosekonzentrationen bei
Diabetes führen zu pathologischen
Veränderungen in den Gefäßwänden, die für die mikro- und makroangiopathischen
Folgeschäden
verantwortlich gemacht werden und
damit das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen.
Die Augen zeigen Folgen früh
Liegt eine fortgeschrittene Retinopathie vor, ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und das
Sterberisiko deutlich erhöht. Auf
die Notwendigkeit der jährlichen
Augenuntersuchung muss hingewiesen werden, damit bei positivem
Befund frühzeitig die Therapieziele angepasst werden können. Die
Retinopathie wird nicht mehr den
Spätfolgen des Typ-2-Diabetes zugeordnet, sondern liegt oft schon bei
Diagnosestellung vor.
Auch die Nieren leiden
Die diabetische Nephropathie betrifft mehr als ein Viertel der Diabetespatienten. Laut Leitlinien sollte
die Proteinaufnahme auf 0,8 g je kg
Körpergewicht (ausgehend vom Normalgewicht) begrenzt werden. Damit
ist bei diesen Patienten keine Lowcarb-Diät sinnvoll. Bei bestehender
Nephropathie sind niedrigere Blutdruckwerte unter 130/80 mm Hg
oder sogar 120/80 mm Hg anzustreben. Eine diagnostizierte Nephropathie macht aus dem Diabetiker einen
Hoch-Risikopatienten für kardiovaskuläre Veränderungen, auch hier
muss regelmäßig der Status erhoben
werden.
Fokus · Risikofaktoren HKE
Früher war alles anders
Der Typ-2-Diabetes wird vererbt. Darauf sollte in Schulungen hingewiesen werden, denn die (erwachsenen)
Kinder unserer Schulungsteilnehmer sind davon betroffen. Sie könnten von gezielten Kontrollen und
einer möglichst früh beginnenden
Therapie profitieren. Frühzeitige
Therapie meint laut Leitlinien zuallererst immer eine Lebensstilintervention mit gesunder, regelmäßiger
Ernährung und Bewegung.
Die aktuellen Ernährungsempfehlungen haben nichts mehr mit
denen von früher gemeinsam. Das
hat Gründe, die nach außen getragen werden müssen, sonst verlieren
Empfehlungen ihre Glaubwürdigkeit. Die Vielfalt in der Wahl der
Lebensmittel, die Tagesstrukturen,
die Anzahl der Fertig-Lebensmittel
und Süßigkeiten sowie das Nutzen
der Außer-Haus-Verpflegung – alles
ist anders als vor 50 Jahren. Dazu
kommen die anderen Wirkstoffe in
der Medikation und auch die zusätzliche Beurteilung der Krankheitssituation über den Langzeit-Blutzuckerwert.
Leitliniengerecht arbeiten
Zur Sicherung der Qualität in der
Therapie gibt es Leitlinien, auch im
Bereich Diabetes. Leider tauchen Diätassistenten dort kaum als Therapeuten auf und auch die Empfehlungen zur Ernährung sind meist nur
versteckt und wenig ausführlich.
Und doch findet man Angaben zu
den Hauptnährstoffen, den Hinweis
auf die erforderliche Prävention von
KHK, und gerade auch bei Gestationsdiabetes auf die Verteilung der
Kohlenhydrate. Die jeweils aktuelle
und gültige Leitlinie sollten alle Diätassistenten gelesen haben und die
relevanten Inhalte herausfiltern.
Diabetes-Folgen minimieren
Akutfolgen wie Unter- und Überzuckerungen, aber auch Spätfolgen
müssen möglichst minimiert werden. Bei niedrigen oder auch bei
schnell sinkenden Blutzuckerwerten
Mit
Ohne
3 – 4/4 – 6 Scheiben
(je 50 g)
1 – 2 Scheiben
50-100 g
Reis/Nudeln
1–2x
50 – 75 g (trocken)
Kartoffeln
1–2x
200 g
200 – 300 g
150 – 200 g
Brot
Obst
Joghurt/Milch
250 g/ml plus Käse
Kuchen/Kekse
1x
natur: 250 g
gezuckert: 150 g
1 Stück/3 – 4
Lebensmittelauswahl bei Therapie mit bzw. ohne orale Antidiabetika.
liegt eine energetische Unterversorgung des Gehirns vor. Das führt unter anderem zu einer Verminderung
der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Hiervon geht ein hohes
Unfallrisiko aus und auf Dauer führen häufige Hypoglykämien zu einer Minderleistung des Gehirns und
möglicherweise auch zu dementiellen Erkrankungen. Jede „Unterzuckerung“ minimiert nach Aussagen
der Betroffenen die Leistungsfähigkeit um mindestens 30 bis 60 Minuten. Die Adrenalinausschüttung
bei einer Minderversorgung des Gehirns mit Kohlenhydraten führt zu
Herzrasen und Blutdrucksteigerung
– was aus Gründen des erhöhten Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kontrainduziert ist.
Hohe Blutzuckerwerte führen zu
Glukosurie, Antriebslosigkeit sowie
Sehstörungen und minimieren dadurch auch akut die Leistungsfähigkeit. Langfristig erhöhen hohe Blutzuckerwerte mit einem schlechten
HbA1c-Wert (Zielbereich 6,5 bis 7,5,
bei Menschen mit kurzer Lebenserwartung auch höher) das Risiko für
die Spätfolgen wie Nephropathie
und Polyneuropathien. Wer hiervon betroffen ist, muss langfristig
gesehen voraussichtlich mit einer
Verminderung der Lebensqualität
und der Lebenserwartung rechnen.
Sie führen zu Einschränkungen in
der Erwerbstätigkeit und im Lebensalltag. Betroffen hiervon sind nicht
alleine die Diabetiker, sondern immer das gesamte Lebensumfeld.
Regelmäßige Kohlenhydrataufnahme unabdingbar
Um stabile Blutzuckerwerte zu erreichen und die Glukoneogenese
möglichst zu minimieren, ist eine regelmäßige Aufnahme von Kohlenhydraten (alle 3 bis 4 Stunden bei nicht
zu großer Nachtpause) unabdingbar.
Unser Gehirn ist auf Glukose angewiesen: Mindestens 120 g Glukose,
die dort gebraucht werden, müssen
täglich gegessen werden. Die einzelnen Kohlenhydrat-Portionen sollten
so weit begrenzt werden, dass die angegriffene Bauchspeicheldrüse noch
genug Insulin produzieren kann,
um die anflutenden Glukosemengen
in die Körperzellen einzuschleusen.
Zwei Stunden nach der Mahlzeit
sollte der Blutzucker wieder unter
180 mg/dl liegen.
Es gilt die Empfehlung für eine zuckerarme Vollkost, wobei der Zuckergehalt zugefügt bei max. 10 % der
Gesamtenergie liegen sollte und auf
max. 50 g begrenzt ist. Sinnvoll ist es,
beim Verzehr zuckerreicher Lebensmittel den Blutzuckeranstieg durch
die gleichzeitige Aufnahme von Eiweiß und Fett (moderate Zufuhr
s. u.) oder Ballaststoffe zu „bremsen“
bzw. durch Bewegung eine Blutzuckersenkung zu bewirken. Wenn die
Abendmahlzeit deutlich vor 20 Uhr
eingenommen wird, kann eine Spätmahlzeit sinnvoll sein. Gleichmäßige Blutzuckerverläufe in der Nacht
werden nur erreicht, wenn die Spätmahlzeit möglichst Stärke enthält –
und nicht nur Zucker als Kohlenhy-
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Fokus · Risikofaktoren HKE
Zufuhrempfehlungen
für Eiweiß und Fett
Es gilt zur Prävention der Nephropathie eine Zufuhrempfehlung von
0,8 g Eiweiß je kg Körpergewicht
(ausgehend vom Normalgewicht).
Zum Schutz vor KHK sind eine Fettbegrenzung und auch eine Fettmodifikation sinnvoll. 60 bis 80 g Fett
am Tag, genügend ungesättigte Fettsäuren, Begrenzung der gesättigten
Fettsäuren sind hier die Stichworte.
In der Beratung und Schulung wird
heute nicht mehr das Augenmerk
auf fettreduzierte Produkte gelegt,
sondern vielmehr auf eine Mengenbegrenzung analog den Empfehlungen der DGE hingewiesen.
Bei einem entsprechenden Verdacht
müssen diagnostische Untersuchungen erfolgen. Die Häufigkeit der
Zöliakie liegt bei Typ-1-Diabetikern
bei 5 bis 7 %. Daher sollte bei der Diagnosestellung und dann alle zwei
Jahre sowie bei stark schwankenden
Blutzuckerwerten und unerklärbaren Unterzuckerungen eine entsprechende Diagnostik stattfinden. In
der Gesamtbevölkerung liegt die Zöliakiehäufigkeit zwischen 1:250 und
1:500. Nur bei 10 bis 20 % der Betroffenen liegt das Vollbild der Zöliakie
vor, 80 bis 90 % haben untypische
oder keine Symptome. Überträgt
man die Zahlen auf Typ-2-Diabetiker
oder Menschen mit einer gestörten
Glukosetoleranz, gibt es hier eine
Vielzahl von Patienten, die eine entsprechende diättherapeutische Beratung benötigen – und nicht eine permanente Erhöhung der Medikation.
Diagnostik von Gluten- und
Weizenunverträglichkeit
Manche Diabetiker haben unerklärlich hohe oder schwankende Blutzuckerwerte. Ursache hierfür kann
eine Zöliakie, eine Glutensensitivität
oder auch eine Weizenunverträglichkeit sein. Die Folgen des Verzehrs
von Weizen und Gluten können
entzündliche Veränderungen in der
Darmschleimhaut sein. Entzündliche Veränderungen sorgen für eine
höhere
Cortison-Eigenproduktion
und damit für höhere Blutzuckerwerte. Zudem verändern entzündliche Areale die Nährstoffaufnahme.
Diabetes und „low carb“
Sicher zeigen manche Patienten bei
einer Reduktion der Kohlenhydrate
(gerade auch der Zuckermengen)
verbesserte Blutzuckerprofile. Das
ist eine Frage der noch vorhandenen
Leistungsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse, die gegen die Glukoneogenese arbeiten muss. Im Diabetesverlauf findet man bei zu großer
Kohlenhydrateinschränkung sowie
bei zu großen Esspausen immer
schlechtere Blutzucker-Langzeitwerte, die mit Risiken für die Spätfolgen verknüpft sind. Ein Mangel an
Kohlenhydraten ist auch eine Min-
drat. Obst und Joghurt verursachen
oft schlechtere Blutzuckerverläufe
in der Nacht als ein Butterbrot oder
Salzstangen.
Die Autorin
Literatur
Claudia Krüger
Diätassistentin
Ernährungsmedizinische
Beraterin/DGE,
Diabetesberaterin DDG
Gevelsberg
claudia.krueger_smj
@t-online.de
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Nationale VersorgungsLeitlinie
Therapie des Typ-2-Diabetes;
Langfassung; 1. Auflage, Version
4. August 2013; zuletzt geändert:
November 2014
Kursbuch Klinische Diabetologie
Kurs- und Prüfungsinhalte der
Weiterbildung zum Diabetologen (DDG), Kirchheim Verlag, 2.
Auflage 2013
derversorgung des Organismus. Um
das Gehirn mit Kohlenhydraten zu
versorgen, werden Fett und glukoplastische Aminosäuren ab- und umgebaut – was mit einem Anfall von
Ketonkörpern und einem Abbau von
Muskelmasse einhergeht.
Diabetes-Prävention
durch Bewegung
Zur Prävention von KHK und sonstigen Spätfolgen hilft Bewegung.
Muskuläre Aktivität stimuliert unabhängig vom Insulin den GLUT4-Transporter, was einen verbesserten Glukoseeinstrom zur Folge hat.
Bewegung stärkt die Muskulatur
und erhält den Gleichgewichtssinn.
Bewegung verbraucht Energie und
kurbelt den Stoffwechsel an. Regelmäßige moderate Bewegung verbessert Blutzuckerverläufe und andere
Gesundheitsparameter. „Ein Hund
für jeden Diabetiker“, Personen und
Gruppen motivieren, die gemeinsam
spazieren gehen (und kochen?) – es
gibt viele einfache Möglichkeiten,
die Gesundheit zu verbessern. Bewegung kann zudem bewusst eingesetzt
werden, um bei größeren Lebensmittelmengen, Lust auf Süßigkeiten und
anderen zuckerreichen Speisen einen Ausgleich zu schaffen. Aber: Bewegung erhöht auch das Verletzungsrisiko, je nach Sportart gerade auch
das der Füße. Die Therapie muss an
die Bewegungshäufigkeit angepasst
werden, damit es nicht zu vermehrten Unterzuckerungen kommt.
Diabetes erfolgreich therapieren
Wer erfolgreich Menschen mit Diabetes therapieren möchte, muss sich
immer wieder aktuell informieren:
über Medikamente und Zielwerte,
über Lebensmittel und Lebensweisen. Wer Menschen erfolgreich therapieren will, muss vor allen Dingen
mit den Betroffenen reden, um allgemeingültige Informationen für den
Einzelnen anzupassen und umsetzbare Tipps zu geben. Der GermanNutrition Care Process sichert eine
strukturierte und patientenorientierte Vorgehensweise.
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Ernährungsmedizin und Diätetik 2016 –
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Fokus · Risikofaktoren HKE
Chronische Lebererkrankungen als signifikante eigenständige Risikofaktoren
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE)
Die Nichtalkoholische Fettleber (NAFLD)
Die Nichtalkoholische Fettleber gehört weltweit zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen. Die Leber
ist ein zentrales Organ im Lipidstoffwechsel. Da eine Erhöhung der Leberwerte ein signifikanter Risikofaktor für
KHK darstellt, sprechen Kardiologen bereits von der „Lebererkrankung des Herzens“.
D
ie Nichtalkoholische Fettleber (Non-Alcoholic Fatty
Liver Disease) gehört weltweit zu den häufigsten chronischen
Lebererkrankungen und umfasst
die nachfolgend beschriebenen Erkrankungen. Dazu zählen die „einfache Leberverfettung“ (Steatosis
hepatis), die nichtalkoholische Fettleberhepatitis (Non-Alcoholic SteatoHepatitis, NASH), die Fettleberzirrhose und ein daraus folgendes
hepatozelluläres Karzinom (HCC).
Man geht heute davon aus, dass ca.
30 % der europäischen Bevölkerung
von einer NAFLD betroffen sind
und mit einem weiteren Anstieg
der Zahlen zu rechnen ist. Nach
Schätzungen weisen 2 bis 15 % der
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D&I · 6/2015
NAFLD-Betroffenen eine entzündliche NASH auf. Im Zusammenhang
mit Risikofaktoren des Metabolischen Syndroms wie Übergewicht,
Insulinresistenz oder Diabetes sind
sogar bis 75 % betroffen.[1] Von einer
NAFLD wird ausgegangen, wenn
der Alkoholkonsum glaubhaft unter
20 g Alkohol/Tag bei Frauen und
30 g Alkohol/Tag bei Männern liegt.
Diagnostik
Die Diagnostik durch Blutwerte ist
nicht sehr aussagekräftig. Meist sind
die Leberwerte nur leicht erhöht,
doch es kann auch eine NAFLD
vorliegen, wenn diese Werte normal
sind.[2] Dennoch können sie als Marker für eine Lebererkrankung her-
angezogen werden. Zu den Markern
zählen: Alanin-Aminotransferase
(ALT; ältere Bezeichnung: Glutamat-Pyruvat-Transaminase [GPT])
und die Aspartat-Amino-Transferase (AST; älter: Glutamat-OxalacetatTransaminase [GOT]) sowie die
alkalische Phosphatase G-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase).[1]
Eine schottische Langzeit-Präventionsstudie hat u. a. aufgezeigt, dass
die ALT-Werte bereits Monate vor
der Diagnose Diabetes kontinuierlich ansteigen. Da der Anstieg im
hochnormalen Bereich stattfindet,
wird diesem Einzelwert durch den
Arzt nicht unbedingt eine Bedeutung beigemessen. Der kontinuierliche Anstieg zeigt aber eine negative
Fokus · Risikofaktoren HKE
Entstehung und Ursachen
Die
Entstehungsprozesse
der
NAFLD sind vielfach noch unklar.
Vereinfacht gesagt, kommt es durch
Übergewicht und Adipositas zu einer vermehrten Einlagerung von
Lipiden in den viszeralen Fettzellen, welche irgendwann trotz größer
werdenden Volumens nicht mehr
in der Lage sind, noch mehr Fett zu
speichern. Das führt in der Folge
zu einem Anstieg der Triglyceride
(TG), welche vermehrt in den Hepatozyten gespeichert werden.[2]
Die NAFLD ist eine multifaktorielle
Erkrankung, die stark mit metabolischen Risikofaktoren verbunden ist.
Hierzu gehören die viszerale Adipositas, Dyslipidämie und Insulinresistenz. Sie ist somit nicht isoliert
als Lebererkrankung zu betrachten,
sondern vielmehr Bestandteil oder
Ursache. Sie gilt als hepatische Manifestationsform des Metabolischen
Syndroms[5] und ist assoziiert mit
höherem Alter, höherem BMI, höherem Bauchumfang und verminderter körperlicher Aktivität. Diskutiert
werden auch Umwelt- und genetische Aspekte sowie eine erhöhte
Aufnahme von fructosehaltigen Ge-
tränken.[1, 4, 5] Wann eine NAFLD in
eine NASH übergeht, ist noch nicht
hinreichend geklärt, allerdings
scheinen bestimmte Darmbakterien und die Aktivierung der unspezifischen Immunabwehr eine Rolle
zu spielen.[2] Eine iranische Studie
konnte zeigen, dass eine synbiotische Supplementierung in Ergänzung zu einer Lebensstiländerung
wirksamer ist als eine Lebensstiländerung alleine.[6]
Pathophysiologie
Die Physiologie ist zwar bekannt,
in ihrer Gewichtung und im Detail
aber noch unzureichend geklärt[5]
Als Folge einer Insulinresistenz
kommt es zu einer vermehrten Lipolyse im Fettgewebe, welche einen
Anstieg freier Fettsäuren in der Leber bewirkt, die durch eine gestörte
Oxidation in der Leber vermindert
verstoffwechselt werden. Durch
entsprechendes vermehrtes Substratangebot kommt es gleichzeitig zu
einer erhöhten De-novo-Synthese
von freien Fettsäuren. Sie ist bei
Menschen mit NAFLD um das 4- bis
5-Fache erhöht. Das geschieht besonders bei erhöhtem Fructoseangebot,
da diese einen ähnlichen Stoffwech-
selweg wie Alkohol nimmt. Überschüssig aufgenommene Mengen
Fructose werden ausschließlich von
der Leber verstoffwechselt, was eine
Vermehrung der VLDL als Transportweg der TG im Blut bedeutet.
Es kann aber auch zu einer erhöhten Fettmenge in der Leber durch
verminderten hepatischen Export/
Sekretion mit verminderter VLDLBildung kommen.
Dadurch entsteht oxidativer Stress
und es bilden sich toxische Lipide.
Beides lockt Entzündungszellen
an und führt zum Zelltod von Leberzellen und Fibrogenese durch
Ablagerung von Fasergewebe. Hinsichtlich der vermutlichen Beteiligung von Darmbakterien an diesen
Vorgängen ist zu erwähnen, dass
Fructose zu erhöhter Darmpermeabilität für Bakterien führt.[1, 5] Die
Entzündungsprozesse beruhen auf
einer Dysbalance zwischen pro- und
antiinflammatorischen Zytokinen.
Es kommt zu einer verminderten
Sekretion von Adiponektin, welches
die Insulinresistenz verbessert und
antiinflammatorische Effekte hat,
während das profibrogene Leptin erhöht ist. Menschen mit einer NASH
weisen deshalb ein deutlich erhöh-
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Veränderung und den Zusammenhang zwischen Nichtalkoholischer
Fettleber und Insulinresistenz. [3]
Der Nachweis einer Fettleber wird
über Ultraschall gesichert. Die
Sensitivität ist abhängig vom BMI
sowie dem Grad der Verfettung
und nimmt bei milden Leberverfettungsformen deutlich ab. Eine Unterscheidung zwischen NAFLD und
NASH ist nicht möglich, allerdings
kann dies eventuell in Zukunft
durch eine funktionelle Magnetresonanztomographie erfolgen.[2]
Als Goldstandard zählt die Biopsie.
Histologisch zeigen sich bei einer
NAFLD eingelagerte triglyzeridhaltige Fettvesikel, d. h., mehr als 5 %
der Leberzellen haben eine grobtropfige Einlagerung von Fetten.
Bei der NASH findet man zusätzlich entzündliche Infiltrate sowie
Fibrose.[1, 4]
Die Nichtalkoholische Fettleber ist stark mit metabolischen Risikofaktoren
verbunden.
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Fokus · Risikofaktoren HKE
tes Sterberisiko als Folge von HerzKreislauf-Erkrankungen auf gegenüber Personen mit einer NAFLD.
[1]
Da die Leber ein zentrales Organ
im Lipidstoffwechsel ist und in
großen Studien nachgewiesen werden konnte, dass die Erhöhung der
Leberwerte (Gamma-GT, ALT) ein
signifikanter Risikofaktor für KHK
ist, wird in kardiologischen Fachkreisen schon von der „Lebererkrankung des Herzens“ gesprochen.[5]
Therapie
Es gibt bislang keine medikamentöse Therapie der NAFLD/NASH, vielmehr geht es um die Beseitigung
der Ursachen, hauptsächlich von
Adipositas und Insulinresistenz sowie weiterer vorhandener Risikofaktoren des metabolischen Syndroms.
Dies gelingt nur durch Veränderung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten. Einfache, aber
stringente Empfehlungen zur Bewegungssteigerung, wie regelmäßiges ausgiebiges Treppensteigen,
Spaziergänge und das regelmäßige
Ausüben einer Ausdauersportart
reichen dabei schon aus. In Studien wurde sowohl eine Besserung
der Insulinresistenz als auch eine
Besserung der NAFLD beobachtet.
Der positive Effekt von körperlicher
Aktivität ist dabei unabhängig von
anderen Lebensstilmodifikationen
Die Autorin
Iris Flöhrmann
Diätassistentin/
Dipl. oec. troph. (FH)
Ernährungsberatung
Stormarn
Ahrensburg
info@ernaehrungs
beratung-stormarn.de
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D&I · 6/2015
und Gewichtsabnahme.[1, 5] Eine Gewichtsreduzierung von mind. 5 %
kann bereits ausreichend sein, um
die Stoffwechsellage zu verbessern. Viele Daten gehen dabei auf
Erfahrungen mit Formula-Diäten
und bariatrisch-chirurgischen Eingriffen zurück.[2, 5] Eine zu schnelle
Gewichtsreduzierung sollte aber
vermieden werden, da sonst eine
Verschlimmerung der Fettleber auftreten kann.
In Bezug auf die Insulinresistenz
und die Rolle der Fructose sollte
ein besonderes Augenmerk auf die
Kohlenhydrate (KH) gelegt werden.
Eine zu hohe Zufuhr leicht resorbierbarer KH ist oft typisch für
Personen mit NAFLD. In Studien
konnte gezeigt werden, dass Diäten,
die zwischen 40 bis 45 Energieprozent Kohlenhydrate enthielten und
eher die komplexen KH bevorzugten, bessere Ergebnisse erzielten.
[1, 2, 3]
Der Verzehr von Softdrinks mit
einem hohen Fructoseanteil spielt
dabei aber, anders als angenommen
und Studien zeigen, für den Verlauf der Fettlebererkrankung keine
Rolle.[3] Es scheint also eher um die
Gesamtaufnahme der Fructose und
Glucose in isolierter Form zu gehen.
Da eine erhöhte Zufuhr von Fetten
meist mit einem erhöhten Verzehr
gesättigter Fettsäuren verbunden
ist, die sich ebenfalls negativ auf
die Insulinresistenz und oxidativen
Stress auswirken, sollte die Fettzufuhr 30 Energieprozent nicht
überschreiten. Wichtig ist eine
ausreichende Zufuhr hochwertiger
Fettsäuren. Eine Supplementierung
von n-3-Fettsäuren bewirkte in Studien eine Rückbildung der Leberverfettung .[1, 2] Weder eine zu niedrige noch eine zu hohe Eiweißzufuhr
sind günstig für den Verlauf der
Fettleber, daher gelten als Grundlage die DGE-Empfehlungen. Es
sollte auf ausreichend hochwertige
pflanzliche Eiweißquellen geachtet
werden, da Personen mit NAFLD
meist mehr tierisches Eiweiß essen
als nicht Erkrankte.[1] Einige Mediziner setzen als Initialtherapie
deshalb das „Leberfasten“ nach N.
Worm ein. Dabei handelt es sich um
eine kohlenhydratreduzierte Formuladiät, die ausreichend Protein
und hochwertiges Fett sowie weitere Substanzen wie Beta-Glukan
enthält.[2, 3]
Aber auch danach muss eine Ernährungsumstellung stattfinden.
Diätassistenten sind in besonderer
Weise geeignet, eine langfristige
Ernährungsumstellung zu unterstützen. Durch die Anwendung des
German-Nutrition Care Processes
sichern sie eine auf den Patienten
in seiner Gesamtheit abgestimmte
Ernährungsintervention.
[1] Schattenberg J.M., Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) und nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH): Pathophysiologie und Ernährungsaspekte Ernährungs Umschau 2/2015: M92-M100
[2] Schmeisl G.W., Diabetes und die nichtalkoholische Fettleber.
Diabetes-Forum 7_8/2015:17-22
[3] Worm, N, Leberfasten – Was hat die Leber mit Insulinresistenz zu tun?
Comed-8/2013: 8-11
[4] Hofmeister C, Haenle MM, Akinli AS, Oeztuerk S, Boehm BO,
Mason RA, Kratzer W and the EMIL-Study group (2013)
Are soft drink consumption and fatty liver in any way connected?
Ernaehrungs Umschau international 60(6): 82–88
[5] http://www.nutridis.at/fileadmin/content/Bilder/2318258_Nichtalkoholische_Fettlebererkrankung_NAFLD__die_Lebererkrankung_des_21._Jahrhunderts.pdf
[6] Eslamparast T., et al. Recent advances in dietary supplementation, in
treating non-alcoholic fatty liver disease Clin Nutr 2014; 99: 535–542
© ChaotiC_PhotographY – Fotolia.com
Fokus · Risikofaktoren HKE
Gesundheitsaspekte versus Geschmackspräferenz und
Bedeutung in der Lebensmittelverarbeitung
Ernährung, Salzkonsum und
Bluthochdruck
Rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit leiden unter einem zu hohen Blutdruck. Zur Prävention und Therapie
der Hypertonie gehören Lebensstilinterventionen und Ernährungsempfehlungen, die auch eine Reduktion des
Salzkonsums beinhalten. Zu effektiven Gesamtansätzen zur Salzreduktion gehören auch Behaviour-ChangeProgramme, die das Verständnis der Konsumenten für die gesundheitliche Bedeutung der Salzreduktion verbessern und damit die Nachfrage nach salzreduzierten Produkten erhöhen. Diätassistenten sind wichtige
Partner im Bereich Public Health, sie können durch ihre Tätigkeit in den Bereichen Therapie, Prävention und
Gesundheitsförderung einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung leisten.
L
aut Deutscher Gesellschaft für
Ernährung liegt der Schätzwert für die minimale Zufuhr
für Jugendliche und Erwachsene
bei 550 mg Natrium (1,4 g Salz)
pro Tag. Unter den Lebensbedingungen in Deutschland ist eine
Salzaufnahme von 6 g pro Tag für
den Erwachsenen ausreichend, eine
höhere Zufuhr lässt keine Vorteile erwarten, wohl aber Nachteile.[1]
Dazu gehört insbesondere eine
mögliche Beeinflussung des Blut-
druckes und die mit dem erhöhten
Blutdruck verbundenen Risiken für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. He
und MacGregor zeigten in ihrer Metaanalyse, dass eine Verminderung
des Salzkonsums zu einer Senkung des Blutdrucks in hyper- und
normotonen Individuen führt.[2]
Die Weltgesundheitsorganisation
WHO empfiehlt einen Salzkonsum
von maximal 5 g pro Tag.[3] Dabei
erachtet die WHO Interventionen
zur Reduktion des Salzkonsums auf
Bevölkerungsebene als kosteneffektive Strategie zur Förderung der
öffentlichen Gesundheit.[4] Obwohl
aktuelle Studien konstatieren, dass
nicht klar ist, wie viel niedriger als
5 bis 6 g Salz pro Tag eine optimale
Salzaufnahme sein könnte, scheint
klar zu sein, dass die meisten Bevölkerungen von einer Reduktion
der derzeitigen Zufuhr um mindestens 1000 mg pro Tag profitieren
würden.[5] Neue Modell-Studien,
u. a. für neun europäische Länder,
D&I · 6/2015
15
Fokus · Risikofaktoren HKE
bestätigen, dass eine Reduktion der
Salzaufnahme um z. B. 30 % einen
substanziellen Einfluss auf Public
Health und Gesundheitskosten u. a.
in Europa erwarten ließe.[6]
Blutdruck und Kalium-, Magnesium- und Calciumaufnahme
Wichtige Einflussfaktoren auf einen erhöhten Blutdruck sind auch
eine niedrige Zufuhr von Kalium[7, 8]
aufgrund eines zu geringen Konsums pflanzlicher Lebensmittel wie
Kartoffeln, Gemüse und Obst. Folgt
man den Empfehlungen der WHO
zur täglichen Aufnahme von Kalium
mit 3510 mg bzw. 90 mmol und Natrium mit 2000 mg bzw. 87 mmol,
führt das zu einem molaren Verhältnis von etwa 1. Bei den derzeitig tatsächlichen Verzehrsmustern ist dieses Verhältnis kaum zu erreichen.
[9, 10]
Bei den Industrienationen liegt
es typischerweise unter 0,4.[11] Auch
Magnesium- und Calciumaufnahme könnten einen Einfluss auf den
Blutdruck haben.[12] Deshalb sollte
man bei Prävention und Therapie
von Hypertonie nicht einseitig auf
die Salzreduktion fokussieren, sondern immer die Gesamternährung
im Auge behalten.
Während der industriellen oder
handwerklichen Lebensmittelverarbeitung sowie Vor- und Zubereitung
auch im Haushalt wird gewöhnlich
Salz zugegeben; der Kaliumgehalt
der Lebensmittel dagegen verringert
sich oft, z. B. durch Auslaugverluste
ins Kochwasser. Hohe Natrium- und
niedrige Kaliumaufnahme aber tragen zur Entstehung von Bluthochdruck bei. Hier ist es wichtig, in der
Beratung auch konkret über salzärmere Lebensmittel-Alternativen und
Salzersatzmöglichkeiten zu informieren, gute Kaliumquellen zu empfehlen und auf nährstoffschonende
Garverfahren (Dämpfen oder Dünsten statt Kochen) hinzuweisen. Über
Salz in verpackten Lebensmitteln
wird ab Ende 2016 entsprechend
der Lebensmittelinformations-VO
lückenlos über die Verpackung informiert; diese Informationen liegen
bei der Abgabe loser Ware, anders
als die Allergeninformation, aber
weiterhin nicht vor. Hier ist anzunehmen, dass sich die Gehalte in der
Regel kaum von denen der verpackt
verkauften Pendants unterscheiden
dürften.
Salzreduktion – aber wie?
Laut des Antrages auf Drucksache
18/3726 „Gesunde Ernährung stärken – Lebensmittel wertschätzen“
wurde die Bundesregierung u. a.
aufgefordert, „gemeinsam mit der
Lebensmittelwirtschaft und dem
Lebensmittelhandel eine nationale
Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten zu erarbeiten“. Hohe Salzgehalte sind jedoch in Deutschland
bei weitem nicht nur für Fertigprodukte, sondern auch für die Grundnahrungsmittel Brot und Brötchen,
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Fleisch- und Wurstwaren sowie Käse
charakteristisch. Sind evtl. die in
der internationalen Literatur häufig
genannten „Processed foods“ (verarbeitete Lebensmittel) und nicht nur
„Fertigprodukte“ gemeint?
Entsprechend der Nationalen Verzehrstudie II von 2008 sind die
Hauptquellen der Salzaufnahme in
Deutschland verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Wurst, Käse, aber auch
Gemüsegerichte und Fertigprodukte.[13] Dazu kommen Mahlzeiten in
Kantinen und Restaurants. Die Salzaufnahme in Deutschland, die in der
NVS bei Männern mit 5,3 bis 13 g
(Durchschnitt 8,9 g) und Frauen mit
4,0 bis 9,1 g (Durchschnitt 6,3 g) ermittelt wurde, erfasst die Aufnahme
unzureichend und ist als eher konservative Schätzung einzuordnen.[14]
Hier wird ein mögliches Dilemma
offensichtlich: Als „gesund“ wahrgenommene und regelmäßig in größeren Mengen verzehrte Lebensmittel
wie Brot (Ballaststoffe, Magnesium
und andere Mineralstoffe, B-Vitamine), Fleisch- und Wurstwaren
(hochwertiges Eiweiß, Vitamin B12,
Eisen), Käse (Calcium) und Gemüsegerichte (Vitamin C, Folsäure, Kalium, Ballaststoffe) sind gleichzeitig
die Hauptlieferanten von Salz.
Funktionen von Salz in
Lebensmitteln
Der Salzgehalt von Lebensmitteln
ist nicht immer einfach zu reduzieren, denn Salz erfüllt in Lebensmitteln wichtige Funktionen:
1) Es verleiht Speisen nicht nur einen salzigen Geschmack, sondern verstärkt auch den Aromaeindruck. Der herzhafte, salzige
Geschmackseindruck wird in den
deutschsprachigen Ländern traditionell geschätzt.
2) Es senkt die Wasseraktivität in
Lebensmitteln und behindert so
das Wachstum von Mikroorganismen. Salz ist damit eines der ältesten Konservierungsmittel.
3) In Backwaren beeinflusst es den
Gärungsprozess und damit die
Textur des Endproduktes.
© Visions-AD – Fotolia.com
Fokus · Risikofaktoren HKE
Viele Lebensmittel wie Brot, Wurstwaren sowie Käse enthalten viel Salz.
Zur Salzreduktion können parallele
Maßnahmen beitragen, z. B.
π sukzessive Gewöhnung des Verbrauchers an einen weniger salzigen Geschmack,
π sensorische Alternativen wie Gewürze, Kräuter und Hefeextrakt,
π natriumreduzierte Würzmittel.
Die Erfolgsaussichten einer Salzreduktion in verarbeiteten Lebensmitteln werden limitiert durch Lebensmittelsicherheitsaspekte, mangelnde
Verbraucherakzeptanz, Kosten und
erhöhte Komplexität der Lebensmittelherstellung durch die Verwendung von Kochsalzalternativen.[15]
Fazit
Rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit leiden unter einem zu hohen
Blutdruck. Sie haben damit ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall
oder Herzinfarkt zu erleiden. Um
diese lebensbedrohlichen Folgen zu
verhindern, ist eine Prävention bzw.
wirksame Therapie unerlässlich. Dabei muss immer auch die Ernährung
einbezogen werden. Die vergrößerte
Bedeutung der Lebenstilinterventionen in Prävention und Therapie
der Hypertonie mit körperlicher
Aktivität,
Gewichtsmanagement,
Rauchverzicht und Ernährung (Salzreduktion auf 5 bis 6 g/d, limitierter
Die Literaturliste ist zu finden unter: www.vdd.de → Presse und News
Alkoholkonsum, erhöhter Konsum
von Gemüse, Früchten und fettarmen
Milchprodukten) würdigen auch die
Bluthochdruck-Leitlinien der ESC[16].
Effektive Ansätze zur Salzreduktion
können sich nicht auf Produktumrezeptierungen beschränken, sondern
sollten mit Behaviour-Change-Programmen kombiniert werden, die
das Verständnis der Konsumenten
für die gesundheitliche Bedeutung
der Salzreduktion verbessern und
damit die Nachfrage nach salzreduzierten Produkten erhöhen.
Ganz sicher haben dabei auch die Diätassistenten mit Ernährungsaufklärung und Diätberatung in Prävention und Therapie des Bluthochdrucks
einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung zu leisten.
Die Autorin
Susanne Koch
Dipl. oec. troph.
Diätassistentin
Hamburg
[email protected]
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Fokus · Risikofaktoren HKE
Die fettmodifizierte Ernährung zur Prävention und Therapie bei Fettstoffwechselstörungen
Herzgesund und cholesterinbewusst
Das richtige Fett ist ein wichtiger Punkt, wenn es darum geht, Empfehlungen für eine gesunde Ernährung auszusprechen. Es gilt: Quantität und Qualität des Fettes müssen stimmen. Sowohl bei der primären als auch bei
der sekundären Prävention von Fettstoffwechselstörungen spielen Menge und Auswahl des aufgenommenen
Fettes eine wichtige Rolle. Wird zu viel „falsches“ Fett gegessen, hat das einen ungünstigen Einfluss auf den
Cholesterinspiegel. Liegen schon Fettstoffwechselstörungen vor und kommen andere ungünstige Lifestyle-Faktoren wie z. B. Rauchen, Bewegungsmangel oder Übergewicht dazu, potenziert sich das Risiko.
F
ett ist wichtiger Energielieferant und als Träger fettlöslicher Vitamine und Lieferant
von essentiellen Fettsäuren ein
unentbehrlicher Bestandteil der Ernährung. Auch als Träger von Aromen und Geschmacksstoffen spielt
Fett eine wichtige Rolle. Grundlage für Empfehlungen rund ums
Fett sind die Referenzwerte für die
Nährstoffzufuhr[1] und die evidenzbasierte Leitlinie Fett[2] der DGE.
Wie die Fettaufnahme aussehen
sollte, fasst Tabelle 1 zusammen.
Ernährungsphysiologische
Qualität eines Fettes
Die Fettsäurenzusammensetzung
eines Nahrungsfettes ist für die ernährungsphysiologische Qualität
eines Fettes entscheidend. Die unterschiedlichen Fettsäuren haben
unterschiedliche Wirkungen auf
den Cholesterinspiegel.
Die langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure, für
die, unabhängig vom Cholesterinspiegel, eigenständige Wirkungen
auf die Herzgesundheit diskutiert
werden, kommen in größeren Mengen in fettem Seefisch vor. Eine
Wirkung auf den Triglyzeridspiegel stellt sich nur bei Mengen ein,
die mit einer normalen Ernährung
nicht erreicht werden.
trans-Fettsäuren:
Entstehung und Vorkommen
Beim Härtungsprozess von Pflanzenölen wird Wasserstoff an ungesättigte Bindungen der Fettsäuren
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angelagert. Als Zwischenprodukt
entstehen dabei trans-Fettsäuren.
Wird ein Pflanzenöl vollständig
(= ganz) gehärtet, werden alle Dop-
pelbindungen gesättigt. Im Gegensatz zu teilweise gehärteten Fetten
enthalten ganz gehärtete Fette also
keine trans-Fettsäuren. Ob die unter-
Tabelle 1
DACH-Referenzwerte
(DGE) % der Energie
entsprechend bei
2000 kcal in Gramm
Gesamtfett
bis 30 %*
67
SAFA
max. 10 %
22
<1%
2,2
7%
bei SAFA > 10 % PUFA bis 10 %
16 – 22
PUFA n-6*
min 2,5 – 7 %**
5,6 – 16
PUFA n-3*
min 0,5 – 3 %**
1,1 – 6,7
Nährstoff
TFA
PUFA gesamt
LC-PUFA (EPA,
DHA)
Verhältnis (n-6):(n-3)
MUFA
Vitamin E
250 mg
(Primärprävention)
5 zu 1
auch > 10 %
auch > 22
0,4 mg TE / g PUFA
6,2 – 8,9 mg
Nahrungscholesterin
max. 300 mg / d
Ballaststoffe
> 30 g / d
Salz
bis 6 g / d
Obst+Gemüse
5 Portionen,
3 x Gemüse, 2 x Obst
z.B. 375 g plus 250 g
* Personen mit erhöhtem Energiebedarf, wie z. B. körperlich schwer arbeitende
Menschen, Schwangere, Stillende, Kinder und noch sehr aktive ältere Menschen können bis zu 35 % der Energie in Form von Fett aufnehmen.
** Um einen physiologischen Mangel bei essentiellen Fettsäuren zu vermeiden,
gilt als empfohlene Zufuhr 2,5 % der Nahrungsenergie für Omega-6-FS. Der
Schätzwert für Omega-3-FS liegt bei 0,5 En %. Um das präventive Potenzial
z. B. bzgl. Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu nutzen, werden jedoch die höheren Aufnahmemengen empfohlen.
© Wieselpixx – Fotolia.com
Fokus · Risikofaktoren HKE
schiedliche Herkunft der trans-Fettsäuren eine Rolle für die Wirkungen
im Körper spielt, ist nicht eindeutig
geklärt. In der Fett-Leitlinie stellt die
DGE fest, dass die Evidenz für eine
unterschiedliche Wirkung von transFettsäuren aus teilweise gehärteten
Pflanzenölen und Wiederkäuerfett
(Milch und Fleisch) derzeit unzureichend ist.[2]Mengenmäßig den
größten Einfluss auf die Aufnahme
von trans-Fettsäuren in Deutschland haben laut einer Untersuchung
des Bundesinstituts für Risikobewertung Butter und tierische Fette,
Fleisch und Fleischerzeugnisse,
Pizza und frittierte Kartoffelgerichte
sowie Milchprodukte. Insgesamt ist
die Aufnahme an trans-Fettsäuren
in Deutschland jedoch nicht besorgniserregend. Gegenwärtig werden
im Durchschnitt etwa 0,66 % der
Energie in Form von trans-Fettsäuren aufgenommen. 10 % der Bevölkerung nimmt jedoch zwischen 1
und 2 % der Energie als trans-Fettsäuren auf. [3]
Nahrungscholesterin
Umgangssprachlich wird bei der
fettmodifizierten Ernährung häufig
von einer „cholesterinarmen Diät“
gesprochen. Das ist inhaltlich nicht
richtig, da das Nahrungscholesterin
im Vergleich zur Fettsäurenzusammensetzung in der Bedeutung für
den Cholesterinspiegel klar nachgeordnet ist. Beim Nahrungscholesterin wird unterschieden zwischen
„Non-Respondern“ und „Respondern“ bzw. zwischen „Low“ und
„High Absorbern“ bei denen die
Wirkung auf den Cholesterinspiegel
unterschiedlich stark ausfällt. Trotzdem sollte auch die CholesterinzuWirkung auf den Cholesterinspiegel
Gesättigte FS
(Saturated Fatty Acids, SAFA)
trans-Fettsäuren
(Trans Fatty Acids, TFA)
erhöhen die Gesamt- und
LDL-Cholesterolkonzentration.
Werden SAFA durch mehrfach ungesättigte FS
ersetzt, sinkt mit wahrscheinlicher Evidenz das
Risiko für koronare Herzkrankheiten.
erhöhen Triglyzerid- sowie Gesamtcholesterolund LDL-Cholesterolkonzentration, senken
HDL- Cholesterolkonzentration.
Einfach ungesättigte FS
(Mono Unsaturated Fatty
Acids, MUFA)
haben positiven Einfluss auf den
Cholesterinspiegel, wenn SAFA
durch MUFA ersetzt werden.*
Mehrfach ungesättigte FS
(Polyunsaturated Fatty Acids,
PUFA)
senken die Gesamt- und LDL-Cholesterinkonzentration im Blut. Insbesondere
der Austausch von SAFA durch PUFA trägt
zur Aufrechterhaltung eines normalen
Cholesterinspiegels bei.
Omega-6- und Omega-3-FS senken
Gesamt- und LDL-Cholesterol.
Omega-6-FS senken auch das
HDL-Cholesterin.
*Dies kommt z. B. in der sog. Mittelmeerkost mit viel Gemüse, Fisch und Olivenöl,
aber wenig Fleisch und Milchprodukten zum Tragen.
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Fokus · Risikofaktoren HKE
fuhr in Grenzen gehalten werden,
zumal cholesterinreiche tierische
Lebensmittel häufig auch reich an
gesättigten Fettsäuren sind.
Fettqualität eines Lebensmittels
Bei der Bewertung von Lebensmitteln, die verpackt angeboten
werden, hilft die Deklaration des
Gehaltes an Fett, gesättigten Fettsäuren, ggf. einfach ungesättigten
Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sind einfach und
mehrfach ungesättigte Fettsäuren
nicht deklariert, kann die Angabe
der botanischen Herkunft der (ungehärteten!) Fette und Öle im Zutatenverzeichnis dem geübten Auge
weiterhelfen. Als Faustregel für den
Konsumenten gilt: Je weicher (flüssiger) ein Fett ist, desto mehr Pflanzenöl und damit auch essentielle
Fettsäuren sind enthalten. Je fester
das Produkt, desto höher ist der An-
teil der festen Fettkomponente, die
diesen Produkten die streichfähige
Konsistenz gibt, jedoch auch den
größten Anteil gesättigter Fettsäuren im Produkt stellt. Bei tierischen
Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst
und Milchprodukten gilt: je höher
der Fettgehalt, desto weniger günstig, da damit auch die Aufnahme
an gesättigten Fettsäuren steigt.
Konsumenten sollten darauf achten,
Wiederkäuerfett in nicht zu großen
Mengen zu verzehren. Verarbeitete
Lebensmittel sollten möglichst wenig teilweise gehärtete Fette enthalten. Im Zuge der EU-LebensmittelInformationsverordnung wird im
Zutatenverzeichnis bei gehärteten
Fetten zwischen „ganz gehärtet“
(nur gesättigte Fettsäuren) und „teilweise gehärtet“ (trans-Fettsäuren
möglich) unterschieden. Bei unverpackten Lebensmitteln, z. B. Backwaren, kann der Verbraucher aller-
Herzwochen – eine Chance für Diätassistenten
Jedes Jahr im November lobt die Deutsche Herzstiftung e. V. die „Herzwochen“ aus. Vier Wochen lang werden Vorträge, Seminare, Telefon- und Online-Aktionen im Rahmen der bundesweiten Aufklärungskampagne angeboten. Die Möglichkeiten, bei diesem Thema als Diätassistent aktiv zu werden, sind hervorragend – denn herzfreundliches Essen und Trinken sind
die einfachsten präventiven Maßnahmen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.
Aber auch bei bereits bestehenden Erkrankungen ist die Ernährung ein Teil der Therapie.
Unter dem Motto „Herz in Gefahr“ standen 2015 koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt im
Mittelpunkt (www.herzstiftung.de). Vortragsveranstaltungen sind immer eine geeignete
Plattform zur Sensibilisierung und um allgemeine Informationen zu vermitteln. Aber etwas
„fürs Herz“ fehlt noch. Dafür sorgen interaktive, alltagsbezogene und auf jeden Einzelnen
abgestimmte Angebote wie zum Beispiel Kochkurse, Gesundheitstage mit Mitmachaktionen, Kurzberatungen, Telefonaktionen mit Tageszeitungen,
Chats und vieles mehr. Diese Aktivitäten können
beispielsweise in Unternehmen, in Kliniken, in und
mit Krankenkassen, Volkshochhochschulen, Sportvereinen und anderen Institutionen stattfinden.
Die Herzwochen bieten für uns als Diätassistenten
ein breites Aktionsfeld. Mit den verschiedensten
Möglichkeiten können wir unser Know-how präsentieren und als kompetente Partner für Ernährung und Diätetik auftreten. Das Thema „Herz“
erfreut sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung,
deshalb ist die Beteiligung an Angeboten garantiert hoch.
Birgit Leuchtmann-Wagner,
Fachgruppensprecherin Marketing
20
D&I · 6/2015
dings nicht feststellen, ob teilweise
gehärtete Fette enthalten sind.
Was heißt dies für die Praxis?
Bei der Auswahl an Fetten ist darauf zu achten, nicht zu viel tierisches Fett über Fleisch, Wurst,
Käse, Butter und andere Milchprodukte aufzunehmen. Hier sollten
Produkte mit geringerem Fettgehalt
bevorzugt werden. Eine Ausnahme
wird wegen des Gehaltes an Omega3-Fettsäuren beim Fisch gemacht.
Hering, Makrele und Lachs als Kaltwasserfische sind gute Quellen für
langkettige Omega-3-Fettsäuren.
Nüsse und Saaten sowie daraus hergestellte Pflanzenöle, allen voran
Rapsöl, Walnussöl und Sojaöl, für
die kalte Küche auch Leinöl, sollten bevorzugt werden. Sie können
einen entscheidenden Beitrag zur
ausgewogenen Fettzusammensetzung zu Gunsten von einfach und
mehrfach ungesättigten Fettsäuren
leisten. Fürs Brot sollten Streichfette, die einen möglichst hohen Anteil
an Omega-3 und -6-Fettsäuren aufweisen, verwendet werden. Gerade
wenn Wurst oder Käse als Belag
gewählt wird, kann ein pflanzliches
Streichfett die Fettsäurenzusammensetzung der gesamten Mahlzeit
verbessern. Fürs Streichen eignen
sich auch Produkte mit weniger Fett
(Halbfettprodukte), die helfen, Kalorien zu sparen.
Lebensmittel mit teilweise gehärteten Fetten (erkennbar im Zutatenverzeichnis) sollten gemieden
werden. Fettreiche Backwaren (z. B.
Blätterteig- und Plundergebäck) sollten bewusst und in Maßen verzehrt
werden. Reines Kokosfett und Palmöl, die es zunehmend z. B. im Angebot veganer und Biomärkte gibt,
können in einer fettmodifizierten
Ernährung wegen des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren als
Zubereitungsfette nicht empfohlen
werden. Auch andere Nahrungsbestandteile haben einen günstigen
Einfluss auf den Cholesterinspiegel
und damit eine Bedeutung in der
fettmodifizierten Ernährung:
Fokus · Risikofaktoren HKE
Empfehlungen kurzgefasst
π trans-Fettsäuren meiden – auf teilweise ge-
π
π
π
π
© Printemps – Fotolia.com
π
π
π
härtete Fette im Zutatenverzeichnis achten
und weniger fettes Fleisch, Wurst und Milchprodukte verzehren
Gesättigte Fettsäuren reduzieren – weniger
fettreiche tierische Lebensmittel sowie Kokos- und Palmfett verzehren
Omega-3-Fettsäuren erhöhen – Rapsöl, Sojaöl, Leinöl, Walnussöl und daraus hergestellte
Produkte bevorzugen
Omega-6-Fetsäuren in ausreichender Menge
– Pflanzenöle und daraus hergestellte Produkte bevorzugen
Langkettige Omega-3-Fettsäuren aus Fisch
regelmäßig verzehren
Ausreichend Ballaststoffe, insbesondere lösliche, verzehren
Empfehlung von Pflanzensterinen (nur bei
erhöhtem Cholesterinspiegel) erwägen
Allenfalls mäßiger Alkoholkonsum, bei erhöhten Triglyzeriden Verzicht
Rapsöl gehört zu den wertvollen Lieferanten von Omega-3-Fettsäuren.
Lösliche Ballaststoffe
Lösliche und gelbildende Ballaststoffe wie Pektine (z. B. aus Äpfeln)
und Beta-Glukane (z. B. aus Hafer
und Gerste) senken ebenfalls in
einem gewissen Umfang den Cholesterinspiegel. Die cholesterinsenkende Wirkung beruht vermutlich
darauf, dass sie Gallensäuren im
Darm binden können. Damit werden diese dem entero-hepatischen
Kreislauf entzogen und die intestinale Cholesterinresorption gesenkt.
Pflanzensterine
Die cholesterinsenkende Wirkung
von Pflanzensterinen ist bereits seit
den 1950er Jahren bekannt. Mit ei-
ner Tagesmenge von ca. 2 g Pflanzensterinen kann das LDL-Cholesterin innerhalb von 2 bis 3 Wochen
um 7 bis 10 % gesenkt werden. Die
Pflanzensterine wirken nach dem
Prinzip der Cholesterinresorptionshemmung, wobei die Resorption sowohl des endogenen wie auch des exogenen Cholesterins reduziert wird.
Die Wirkung der Pflanzensterine ist
additiv zu einer Ernährungsumstellung auf fettmodifizierte Ernährung
und zu lipidsenkenden Medikamenten wie Statinen und Fibraten. Laut
internationaler Empfehlungen (z. B.
von EAS/ESC und IAS) kann der
Einsatz bei mäßig erhöhtem Cholesterinspiegel erwogen werden.
Literatur
[1] DGE (Hrsg.), Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 1. Ausgabe 2015
[2] DGE (Hrsg.), Leitlinie Fett kompakt, 3. Auflage 2015
[3] http://www.bfr.bund.de/cm/343/hoehe-der-derzeitigen-trans-fett
saeureaufnahme-in-deutschland-ist-gesundheitlich-unbedenklich.pdf
Alkohol
Alkohol kann das HDL-Cholesterin
erhöhen. Hieraus kann aber keine
allgemeingültige Empfehlung für
einen regelmäßigen Konsum abgeleitet werden, da ggf. mit anderen
negativen Folgen für die Gesundheit
zu rechnen ist. Beim Vorliegen einer
Hypertriglyzeridämie muss Alkohol
strikt gemieden werden, weil er die
Triglyzeride durch eine gesteigerte
Synthese und Sekretion der VLDL
erhöht und in höheren Konzentrationen deren Abbau hemmt.
Die Autorin
Doris Rüsch
Dipl. oec. troph.
Hamburg
[email protected]
Weitere Literatur beim Verfasser
D&I · 6/2015
21
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