Conimbricae : Typis et expensis Antonij à Mariz, 1592

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Essays - Commentarij Collegij Conimbricensis Societatis Iesu in octo libros Physicorum Aristotelis
Stagiritae. - Conimbricae : Typis et expensis Antonij à Mariz, 1592
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Stagiritae. - Conimbricae : Typis et expensis Antonij à Mariz, 1592
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Stagiritae. - Conimbricae : Typis et expensis Antonij à Mariz, 1592
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Inhaltsverzeichnis
Prooemium .....................................................................................................................................................................................................................................
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Essays - Commentarij Collegij Conimbricensis Societatis Iesu in octo libros Physicorum Aristotelis
Stagiritae. - Conimbricae : Typis et expensis Antonij à Mariz, 1592
Stefan Heßbrüggen-Walter
Prooemium
p. 1
De Nomine Definitioneque Philosophiae
Ursprünglich bezeichnete “weise” (sophos, sapiens) jene, die an Gelehrsamkeit und Verständnis wichtiger
Angelegenheiten allen anderen überlegen waren. Da eine solche Bezeichnung als hochmütig empfunden wurde
und Neid hervorrief, ist es seit Pythagoras üblich, sich als Philosoph, also als Freund der Weisheit, zu
bezeichnen (entsprechendes berichten Augustinus 14. De Trinit. cap.1, Clemens Alexandrinus 1. Stromatum,
Iamblich 1. de secta Pythagorica und viele andere).
Die Philosophie wird auf unterschiedliche Art und Weise definiert:
1. als Liebe zur Weisheit. Dies betrifft allerdings, wie Hugo von St. Victor in 2. Didascalicon 1 ausführt, nur die
Etymologie, nicht die Sache selbst. Denn Weisheit betrifft nicht den Willen, dessen Aufgabe es ist zu lieben,
sondern den Intellekt, der die Aufgabe des Verstehens und Denkens hat. Dennoch gilt, daß eine herausragende
Erkenntnis von Dingen nicht ohne Liebe gedacht werden kann: “Amor intelligentem comitatur.” (Liber de
secretiore sapientia). Ohne solche Liebe versteht der Intellekt nichts, denn er agiert sozusagen in Einsamkeit und
ist zum Schweigen verurteilt.
2. als cognitio et scientia (!) rerum humanarum divinarumque. Als res humanae gelten erstens körperliche und
uns vertraute Dinge; als res divinae diejenigen,
p. 2
die in keiner Weise mit Materie zusammenhängen und sich an einem außerhalb der Natur liegenden geheimen
Ort verbergen. Zweitens können als res humanae jene Gegenstände gelten, die zur Lebensführung und der
Gestaltung des Gemeinwesens gehören, als res divinae jene, durch die sich der Philosoph selbst göttlicher
macht und von der Menge der Vielen unterscheidet. Es ist unklar, ob diese Definition bei Zenon - also in der Stoa
- oder bei Platon - also in der Akademie - entwickelt worden ist. Sie wird von Platon im Theaitetos und im
Phaidon angeführt, findet sich außerdem in Tusc. 4 und bei Philo Iuadaeus (im liber de congressu quaerendae
eruditionis gratia). Zu beachten ist jedoch, daß sie nur der Philosophie als ganzer, nicht aber ihren Teilen gerecht
wird, da kein Teil der Philosophie zugleich menschliche und göttliche Dinge behandelt (dies gilt
interessanterweise unabhängig von der genauen Interpretation beider Begriffe!!!).
3. als mortis contemplatio: Die - nach Hieronymus in der Apologia contra Rufinum aus dem Pythagoräismus
stammende - Definition beruht darauf, daß der Begriff des Todes zweifach aufgefaßt werden kann: als Austritt
der Seele aus dem Körper oder als Lösung der Seele aus den Fesseln schlechter Begierden, bei der sie aber im
Körper verbleibt. Wie Sokrates im Phaidon erläutert, steht einer Erkenntnis des Lichts der Wahrheit nichts so
sehr im Wege die der menschliche Körper, der es nicht zuläßt, daß wir uns vom Sturm der Sinne (sensuum
turba) lösen, um die Welt und das Wesen der Dinge zu erschauen. Deswegen fordert Trismegistus uns auf, im
Philosophieren den Körper hinter uns zu lassen. Die Philosophie erlaubt uns einen solchen zweitweisen Tod und
wird dementsprechend von ihm gerühmt. Als Autoritäten angeführt werden Xenophon ((Buch 4 der Dicta
Socratis), Proclus (lib. de anima et daemone), Alcinous (lib. de doctrina Platonis) und Apuleius (lib. de
Philosophia).
Weitere Definitionen der Philosophie finden sich bei Laktanz (lib. 4 cap. 2), bei Iustinus Philosophus et martyr (im
Dialogus cum Tryphone) und anderen.
4. cognitio rerum, ut sunt: Diese Definition ist am ehesten begründbar und findet sich bei Johannes Damascenus
im vierten Buch seiner Dialektik und bei Ammonius am Anfang seines Kommentars zur Isagoge. “Ut sunt” wird
gedeutet als Erkenntnis der Dinge durch ihre Ursachen, sofern sie verursacht sind. Da nämlich Dinge durch ihre
Ursache überhaupt seiend sind, werden sie durch diese Ursachen so wahrgenommen, wie sie sind und also
durch diese Ursachen erkannt. Es steht also fest, daß die Philosophie Ursachen feststellen muß. Dies entspricht
auch der Lehre vom Anfang der Philosophie bei Platon und Aristoteles: Das Staunen, mit dem die Philosophie
anhebt, entsteht aus der Kenntnis von Wirkungen und Unwissen über deren Ursachen. Als vollkommener Weiser
oder Philosoph muß folglich derjenige gelten, der die Erkenntnis von Ursachen vollständig erreicht hat. Jedoch
kann, bevor dieses Ziel erreicht hat, auch eine verdunkelte und unvollständige Kenntnis der Dinge als
Philosophie gelten, wie bei Platon im Gastmahl. Oder nur die erste Philosophie gilt als Philosophie, wie im vierten
Buch der aristotelischen Metaphysik.
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