Universität Lüneburg Wintersemester 2008/2009 Dozentin: Prof. Dr. Karsten Modul: 63511000 Personenbezogene soziale Dienstleistungsberufe in Ausbildung, Beruf und Weiterbildung Abgabetermin: 31. März 2009 Portfolio: Gender Mainstreaming im Elementarbereich Hannah Denker Veerßer Str. 20 29525 Uelzen Inhaltsverzeichnis 1. Prolog.....................................................................................................................................1 2. Grundzüge feministischer Forschungsfelder (Gleichheit, Differenz, Dekonstruktion) 5 2.1 Einleitung..........................................................................................................................6 2.2 Gleichheits- und Differenzposition...................................................................................7 2.3 Dekonstruktionsansatz......................................................................................................8 2.4 Schlusswort.....................................................................................................................11 3. Die Kita als Erfahrungsraum des sozialen Geschlechts..................................................14 3.1 Einleitung........................................................................................................................15 3.2 Gender und Kindergarten................................................................................................15 3.3 Strategische Forderungen für die Zukunft......................................................................21 4. Geschlechtskonstruktion: Forschungsreise in die Welt der eigenen Haltungen...........23 4.1 Einleitung........................................................................................................................24 4. 2 Autobiographische Darstellung......................................................................................25 4.3 Wissenschaftsperspektive...............................................................................................27 4.4 Fazit.................................................................................................................................29 5. Rechtlich-administrative Bedingungen.............................................................................31 5.1 Grundlegung....................................................................................................................32 5.2 Curriculare Realisierung.................................................................................................32 5.3 Sozialpolitische Implikationen........................................................................................34 6. Ausblick .............................................................................................................................37 Literatur....................................................................................................................................A 1. Prolog Die gestiegenen Qualifikationsanforderungen in personenbezogenen sozialen Dienstleistungen, die über die traditionellen Elementen „Betreuen“, „Helfen“, „Pflegen“ verstärkt auch erzieherische, beratende sowie planerische und organisatorische Aufgabenbereiche implizieren (vgl. Fegebank 2004a: 13), erfordern einen genaueren Blick auf Qualitätsentwicklungsprozesse im personenbezogenen sozialen Dienstleistungssektor. Dabei erwartet nicht nur eine kritische Öffentlichkeit nach dem sog. „Pisa-Trauma“ (Gailberger/ Krelle 2004: 8), sondern auch die verschiedenen Klientengruppen selbst sowie Eltern, Verwandte oder weitere den Leistungsempfängern nahestehende Personen, eine qualitativ angemessene Leistung in Bildungs- aber auch in pflegerischen Berufsbereichen. Hierbei wird hervorgehoben, dass personenbezogene soziale Dienstleistungen mit ihrem Auftrag „Betreuen“, „Bilden“ und „Erziehen“ Entwicklungsmotoren von Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit bedeuten (vgl. Karsten 2004: 29). Wenn dem aber so ist, dann sind die Akteure und Akteurinnen im sozialen Dienstleistungssektor u.a. (mit-)verantwortlich für die Reproduktion verkrusteter Geschlechterrollenverhältnisse für den sich der Ausdruck ‚doing gender’ etabliert hat (vgl. Rabe-Kleeberg 2003: 30). Geht man wie Hagemann-White (2002: 143) davon aus, dass geschlechtstheoretische Ansätze ‚Querschnittscharakter’ haben, d.h. die Reflexion über das Geschlecht Bezüge zu und in alle Lebensbereiche menschlichen Handelns hat, dann scheint es notwendig, die Ziele des Gender Mainstreaming im Hinblick auf ihren theoretischen Rahmen, ihren Institutionalisierungsbedingungen, ihre rechtlich-administrativen Anforderungen sowie selbstreflexiv zu betrachten. Die Komplexität und Vernetzung von Strategien des Gender Mainstreaming-Prozesses erfordert eine selektive, aber gleichzeitig begründete, Auswahl der Portfolioeinlagen: Rabe-Kleberg (2003: 95) fordert, dass Genderfragen auf drei Ebenen untersucht, erkannt, verstanden und interpretiert werden müssten: Wissen, Handeln und Kontrolle. Für die erste der genannten Ebenen ist es unerlässlich sich mit mindestens drei feministische erkenntnistheoretische Grundpositionen zu befassen: die Gleichheitsposition, die Differenzposition und die dekonstruktivistische Position. Diese werden im Folgenden in ihren Grundzügen dargestellt, diskutiert und ihre Chancen und Grenzen kursorisch reflektiert. Hierbei wird die Diskrepanz zwischen der Anerkennung der Differenz der Geschlechter einerseits und die Forderung nach Gleichheit andererseits, die (auch) zu einer Aufrechterhaltung der binären Klassifikation und damit der Asymmetrie der Geschlechter 1 führen kann, diskutiert und massenmediale Einflussfaktoren berücksichtigt (vgl. Rendtorff/ Moser 1999, Gildemeister 2001: 684). (Kapitel 2) Anschließend wird das systematisch generierte Genderwissen auf den institutionellen Kontext der Betreuung von Mädchen und Jungen im Elementarbereich übertragen. Das Ziel dieser Analyse ist eine Schärfung der Wahrnehmung und Bereitschaft zur Veränderung von Strukturen auf der konkreten Handlungsebene (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 96). (Kapitel 3) Zentrale Strukturmomente der Geschlechterverhältnisse sind die gesellschaftliche Arbeitsverteilung von Frauen und Männern und die damit direkt verbundene Machtverteilung, die sich u.a. in der schlechteren Bewertung und Entlohnung der Frauenarbeit und der Dominanz des öffentlichen gegenüber dem privaten Bereich ausdrücken (vgl. Nissen 1998: 105). Die Einordnung sozialer Berufe als Frauenberufe, die unter dem Stichpunkt „>>Verwandtschaft<< von Hausarbeit und Sozialer Arbeit: Die überproportionale Präsenz von Frauen in sozialen Berufen“ (Gildemeister 2001: 684) in der Frauenforschung diskutiert wird sowie die Frage der Eigenwertigkeit der >>Weiblichkeit<< wird im Kern auf der Ebene des Wissens diskutiert. Hierbei spielen die Akteure und Akteurinnen des sozialen Sektors eine entscheiden Rolle: Sie konstruieren durch unreflektierte, traditionelle Geschlechterstereotype Geschlechterverhältnisse (vgl. Kunert-Zier 2005: 1). Dies gilt in besonderem Maße auch für pädagogisches Fachpersonal in der Aus- und Weiterbildung von zukünftigen sozialpädagogischen Fachkräften. Deshalb wird hier ein autobiographischer Ansatz gewählt, der die eigene Geschlechterkonstruktion darstellt und einer kritischen, wissenschaftlichen Analyse unterzieht. (Kapitel 4) Diese individuumszentrierte Herangehensweise wird über die Untersuchung der curricularen Rahmenbedingungen im Elementarbereich und die Möglichkeiten einer gendersensiblen Didaktik auf die rechtlich-administrative Handlungsebene zurückgeführt. Im Kinder- und Jugendhilfegesetzt (KJHG) wird explizit verlangt, dass „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligung abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen“ zu fordern ist (8. Sozialgesetzbuch (SGB VIII), KJHG § 9.3). Der Elfte Kinder- und Jungendbericht und die damit einhergehenden Expertisen zur Umsetzung des § 9.3 KJHG (vgl. BMFSJ 2002) führten zwar zu einer Sensibilisierung für eine geschlechtsbezogene Perspektive auf sozialpolitischer Ebene, 2 erfordern aber dennoch eine Reflexion unter sozialdimensionalen Gesichtspunkten (vgl. Rabe-Kleeberg 2003: 98, Karsten 2001: 1760). (Kapitel 5) Im Rahmen eines kritischen Blickes auf Gender Mainstreaming werden abschließend die notwendigen Bedingungen und Hindernisse für einen gelingenden Prozess zusammengefasst. Hierbei werden die bereits von Rabe-Kleeberg (1997a/b, 2003: 91) wiederholt angesprochenen Defizite benannt sowie Forschungsderivate aufgezeigt. Zum Beispiel die problematischen strukturellen Zusammenhänge der Organisation von Wissenschaft und Ausbildung in personenbezogenen sozialen Dienstleistungsberufen: punktuelle Vertretung wissenschaftlicher Lehrstühle für Elementarerziehung im sozialpädagogischen Kontext und eine Entkoppelung von Forschung und Praxis durch die Trennung von universitären Forschungsfeldern und Praxisausbildung an berufsbildenden Schulen. (vgl. Rabe- Kleberg 1997a/b, 2003: 91). (Kapitel 6) Das Portfoliokonzept ist eine neuere Lehr-Lern-Methode, die es ermöglicht, sich einem (auch sehr weiten) Forschungsfeld anzunähern (vgl. Winter 2004: 11). Selbstverständlich kann ein so facettenreiches Thema im Rahmen eines ‚Ein-Frau-Portfilos’ nicht alle Aspekte berücksichtigen und viele Problempunkte können lediglich skizzenhaft nachgezeichnet werden. In diesem Portfolio wird beispielsweise die Rolle der Frau in den Vordergrund gestellt, wenngleich der Autorin bewusst ist, dass sich Benachteiligungsprozesse auch negativ auf die Lebenswelt der Männer auswirken (vgl. Gildemeister 2004: 135). Die Kapitel des vorliegenden Portfolios seien hier noch einmal im Überblick zusammengestellt: (2) Wissensebene: Darstellung der Grundzüge zentraler feministischer Forschungsfelder (Gleichheitsansatz, Differenzansatz, Dekonstruktionsansatz) (3) Handlungsebene: Die Kita als Erfahrungsraum des sozialen Geschlechts – Systematischer Transfer einer gendersensiblen Perspektive auf die Fachpraxis (4) Wissensebene: Wissenschaftlich-kritischer Blick auf die eigene Geschlechterkonstruktion 3 (5) Handlungs- und Kontrollebene: Analyse der Rahmenbedingungen und rechtlichadministrativen Implikationen von Gender Mainstreaming für den Elementarbereich und die Aus- und Weiterbildung von Fachpraktikern und Fachpraktikerinnen (6) Gesamtzusammenhang und Ausblick: Zusammenfassende Rekapitulation und Integration des Erkenntnisgewinns 4 2. Grundzüge feministischer Forschungsfelder (Gleichheit, Differenz, Dekonstruktion) 5 2.1 Einleitung Geschlechtstheoretische Ansätze haben - laut Hagemann-White (2002: 143) - „Querschnittscharakter“ und Bezüge zu und in alle Lebensbereiche menschlichen Handelns. „Die Reflexion über das Geschlecht kann mit jedem anderen theoretischen Ansatz einhergehen und auf jedem Feld der empirischen Beobachtung in den Mittelpunkt gerückt werden“ (Hagemann-White 2002: 143). Im Rahmen der Erkundung und Erforschung personenbezogener sozialer Dienstleistungen kommt der Geschlechterfrage jedoch eine gesonderte Stellung zu, da „Frauen, bei hohen beruflichen Qualifikationen, dennoch als Frauen(arbeitern) strukturell benachteiligt sind“ (Karsten 2004: 24). Dem „’Zurück-Denken’“ (ebd.: 25) kommt hierbei eine bedeutende Rolle zu: Einerseits ist nur auf der Grundlage der Kenntnis historisch gewachsener und etablierter Wahrnehmungs- und Handlungsstrukturen von Frauenbewegungen die derzeitige Situation von Frauen in personenbezogenen sozialen Dienstleistungen verstehbar, andererseits sind sie die Grundlage auf deren Boden neue Forschungsfragen und politische Handlungsspielräume erarbeitet werden können (vgl. ebd.: 25). Damit wird dem Faktum Rechnung getragen, dass soziale Dienstleistungsberufen seit ihrem Beginn als Frauenberufsbildung aufgebaut wurden und somit auf gendering-Prozessen aufbauen (vgl. Karsten 2001: 1757). Im Folgenden wird es deshalb zunächst um einen Rückblick auf geschlechtstheoretische Ansätze gehen. Hierbei werden der Gleichheits-, der Differenz- und der Dekonstruktionsansatz auf der Basis von Rendtorff und Moser (1999), Hagemann-White (2002) und Nissen (1998) beleuchtet. Auf der Grundlage dieser historischen Aspekte wird dann der von Hagemann-White (1984: 80f) geprägte Begriff der Zweigeschlechtlichkeit als kulturelles System als linguistische Strukturkategorie mit Hilfe von Rendtorff und Moser (1999) eingehender betrachtet. Dabei lautet die grundlegende Frage, wie subtil gewordene Geschlechterprozesse in abendländischen Denkkollektiven abgebildet werden und wie diese populärwissenschaftlich instrumentalisiert werden. 6 2.2 Gleichheits- und Differenzposition Rendtorff und Moser (1999: 12ff) unterteilen die Geschichte der Frauenbewegung in drei zentrale Phasen: die Phase der Gewissheit, die Phase des wachsenden Begründungsdrucks und die Phase der Ausblendung der Geschlechterfrage: Die Frauenbewegung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich vorwiegend mit Fragen der politischen Gleichberechtigung, dem Wahlrecht der Frauen und Bildungsfragen. Der Schwerpunkt lag hierbei auf rechtlicher Gleichheit, wobei der ‚wesenhafte’ Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht ausgeschlossen wurde, d.h. die Gewissheit über Unterschiede blieb bestehen. (Vgl. ebd.) Im 20. Jahrhundert formierte sich eine neue Frauenbewegung, deren zentrales Ziel die Aufhebung der Benachteiligung von Frauen durch Partizipation und Gleichstellung bzw. die Auflösung von Geschlechtsstereotype war. (Vgl. Nissen 1998: 68ff) Die bestehenden Geschlechterrollen gerieten zusehends unter Begründungsdruck (vgl. Rendtorff et al. 1999: 15). Der sog. Gleichheitsansatz (vgl. Nissen 1998: 68) mit den Forderungen nach gleichen Bedingungen für Männer und Frauen geriet allerdings selbst unter den kritischen Blick feministischer Forschung. Er erfordert die prinzipielle Anerkennung der männlich geprägten Strukturen und unterlag dem Verdacht die „Zweitrangigkeit“ (Gildemeister 2001: 684) von Frauen(-berufen) zu stabilisieren (vgl. Klaus 2001). Die große „Gleichheits- vs. Differenzkontroverse“ (Gildemeister 2001: 684) beinhaltet die Kritik dem „spezifisch Weiblichen“ (ebd.) den Boden zu entziehen und die Eigenwertigkeit und bisweilen Überlegenheit der Frauen zu verbergen (vgl. Gildemeister 2001: 684). Die differenztheoretischen Ansätze – bei allen Unterschiedlichkeiten der einzelnen Konzepte - gingen von biologisch-ontologischen Differenzen aus und fassten Weiblichkeit als unverwechselbare Eigenart und naturhafte Wesenheit auf, um der Kritik am Gleichheitsansatz zu begegnen. Diese Ansätze deterministischen wurden aufgrund Perspektive auf ihrer erwachsenenzentrierten frühkindliche Perspektive, Entwicklungsprozesse und ihrer ihren reduktionistischen Subjektbegriff kritisiert. (Vgl. Nissen 1998: 68ff) Sowohl der Gleichheitsals auch der differenztheoretische Ansatz können immer noch als Phasen des erhöhten politischen Begründungsdrucks gewertet werden und führten auf politischer Ebene zu Verbesserungen der Rahmenbedingungen für das partnerschaftliche Zusammenleben und mehr rechtliche Gleichstellungen im beruflichen Bereich (vgl. Cornelißen 2006: 7). 7 Allerdings führ(t)en diese veränderten Oberflächenstrukturen und der Verlust offensichtlicher Ziele, an der sich die erste Generation der Frauenbewegung noch abarbeiten konnte, auch zunehmend in die, von Rendtorff und Moser (1999: 15) so bezeichnete, ‚Phase der Ausblendung der Geschlechterfragen’. Sie gehen derzeit soweit, dass bereits die Frage „Sind Mädchen und Frauen heute überhaupt noch benachteiligt?“ (Cornelißen 2006: 7) obligatorisch wird. Dies führt direkt in die seit Jahren geführte Diskussion, um die Abschaffung des dual zwischen Männern und Frauen und zu der diskurstheoretischdekonstrutivistischen Frage, warum sich diese binären Strukturkategorien als so veränderungsresistent und v.a. schwer fassbar erweisen. 2.3 Dekonstruktionsansatz In diesem Sinne werden daher poststrukturalistische Diskurstheorien relevant, die die Bedeutung symbolischer Ordnung durch sprachliche Konstrukte in den Mittelpunkt rücken. Diskurse – sowohl medial als auch persönlich-interaktiv- erzeugen Wirklichkeiten und manifestieren Machstrukturen (vgl. Nissen 1998: 68ff). Auch die, aus der angelsächsischen Tradition übernommene, Trennung von „sex“ als biologischem Geschlecht und „gender“ als sozial-konstruiertem Geschlecht wird aus dieser Perspektive heraus kritisiert, da es die biologische Geschlechtsdifferenz lediglich verlagert. Die feministische Geschlechterforschung hat deshalb weitere Differenzierungen vorgenommen, die sich pointiert zusammenfassen lassen mit den Worten: „Geschlecht ist nicht etwas, was man ‚hat’, sondern was man ‚tut’“ (ebd.: 81) – kurz: doing gender (vgl. Wolf 2004: 3). Die postmoderne Position der Dekonstruktion der Konstruktion, eingeleitet durch Butler (1991), begreift daher sowohl ‚sex’ als auch ‚gender’ als konstruiert und stellt damit die Grundstruktur von Zweigeschlechtlichkeit grundlegend in Frage. (Vgl. Nissen 1998: 81ff) Rendtorff und Moser (1999: 16ff) legen hierfür eine linguistisch-diskursanalytische Erklärung vor, die es möglich macht, sich dem subtilen Prozess des ‚doing gender’ anzunähern. Demnach existiert Differenz auf zwei Ebenen: in der Begrenztheit des Leibes, der nur ein Geschlecht zulässt, und in der symbolischen Tradition, nach der lediglich der Frau etwas fehlt (vgl. Hagemann-White 2002: 155). Rendtorff und Moser (1999: 17ff) leiten den von Hagemann-White 1984 geprägten Begriff der Zweigeschlechtlichkeit als kulturelles System aus der abendländischen Denktradition ab: 8 So beschreiben begriffliche Kategorien die Realität nicht, sondern erzeugen Ordnungen, damit sich das Individuum in der Welt zurechtfinden kann. Diese Kategorien sind mit weiteren Begriffen vernetzt und ergeben ein Beziehungsgefüge. Es handelt sich um strukturelle Kategorien (vgl. Rendtorff und Moser 1999: 18). „Von struktureller Bedeutung ist also ein Element, das zu den tragenden Bestandteilen einer Struktur gehört, dessen Veränderung folglich eine Erschütterung des gesamten Gefüges nach sich ziehen würde“ (ebd.) Die abendländische Denktradition folgt dabei binären Denkstrukturen wie männlich-weiblich, rational-emotional u.a. Da es sich hierbei aber um strukturelle und somit vernetzte Kategorien handelt, sind diese binären Konstrukte systematisch miteinander verknüpft, d.h. beispielsweise männlich-rational und weiblich-emotional. Zusätzlich zu dieser (fragwürdigen) Verknüpfung werden diese semantischen Kategorien zudem hierarchisiert, d.h. Rationalität (wiederum verknüpft mit Fortschritt) wird höher bewertet als Emotionalität, was mit Reproduktion und Erhaltung verbunden wird. Das linguistische Untersuchungsfeld der Semantik unterstützt dieses Modell insofern, als sie ebenfalls von semantischen Relationen ausgeht und Hierarchisierungsprozesse (Hyponymien und Hyperonymien) untersucht. Allerdings wird hierbei nicht von höheren oder niedrigeren Bewertungsprozessen gesprochen (vgl. Schwarz 2007: 53ff). Folgt man jedoch der Annahme von Rendtorff und Moser (1999: 21f), so unterliegen diese strukturellen Kategorisierungsprozesse einem dynamischen Wandel: Einerseits streben die Individuen nach Aufrechterhaltung ihrer persönlichen Ordnung – was man in piagetischer Terminologie als Assimilationsprozesse der Welt in die eigenen Denkgewohnheiten verstehen kann, andererseits fördern und fordern Irritationen des gewohnten Denkschemas auch Anpassungs- und Veränderungsprozesse (heraus) (Akkomodation). Diese Prozesse hängen von der Denkbereitschaft des kulturellen Systems ab (vgl. ebd: 22). Rendtorff und Moser (199: 23) gehen davon aus, dass das Geschlecht lediglich als „bedeutende sprachliche Ordnung“ (ebd.) besteht und den genannten Hierarchisierungsprozessen unterliegt. „Da es ‚männlich’ und ‚weiblich’ nur als bedeutende in einer immer schon sprachlich und kulturell verfassten Ordnung gibt, ist die Frage der naturhaften Beschaffenheit unbeantwortbar, ja sinnlos“ (Rendtorff und Moser 1999: 23). 9 Rendtorff und Moser (1999: 24) zeigen am Begriffspaar Aktivität-Passivität auf, dass Leistungen, die nicht im Sinne von Aktivität interpretiert werden, in der westlichen Gesellschaft geringer geschätzt oder übersehen werden. Für die Autorinnen gehört dazu das gesamte Feld der erhaltenden, unterstützenden, fördernden Tätigkeiten (z.B. Hausarbeit, Rauminnengestaltung, Schwangerschaft). Sie gehen davon aus, dass diese Prozesse der Hierarchisierung weitgehend unbewusst – also subtil- ablaufen. Damit ist das, was Mädchen und Jungen über sich selbst erfahren bereits symbolisch eingeordnet und kulturell (vor-)interpretiert, so dass es sich im Körper- und Selbstbildes jedes Kindes einschreibt und somit beständig reproduziert und zu einem Teil der eigenen Identitätskonstruktion wird, die die Zweigeschlechtlichkeit als kulturelles System aufrechterhält (vgl. Rendtorff und Moser 1999: 28) (zusammenfassend siehe Abbildung 2 zur semantische Konstruktion von Geschlecht). 10 In einer Studie zur Transsexualität haben Kessler et al. (1978) konkret aufzeigen können, wie sich im Prozess des Wechsels von einem Geschlecht zum anderen, in Zeitlupe, Formen der Geschlechtszuweisungen und der Darstellung von Geschlecht vollziehen. Hier werden jene sozialen Praktiken sichtbar, die alltäglich so in Routine übergegangen sind, dass sie kaum bemerkt werden, also subtil wirksam sind. Dabei entrichten Transsexuelle durch den medizinischen Eingriff quasi eine Art ‚Normalisierungsattribut’ (vgl. Gildemeister 2004: 134f). Gildemeister (2004: 136) verweist darauf, dass eine Reihe von Forschungsdesigns diese Klassifikationsmechanismen noch verstärken, indem der Blick auf unterschiedliches Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen gerichtet wird und daraus, zirkulär, auf unterschiedliche Sprechweisen geschlossen wird. Unberücksichtigt bleiben dabei Größen-, Alters-, Erfahrungs- und Kompetenzunterschiede (vgl. ebd.). Problematischer – weil breitenwirksam – sind allerdings die, aus solchen Untersuchungen hervorgegangenen, populär’wissenschaftlichen’ Abhandlungen, die solche Forschungsteilergebnisse in ungerechtfertigter Weise unter Überschriften wie „Männer stammen vom Mars, Frauen von der Venus“ (Gray 1992: 25) werbewirksam verallgemeinern bzw. durch Stereotypenbildung, die auf alle Menschen (sic!) zutreffen gegenseitige Ressentiments verstärken (vgl. Tannen 1992). Oder – um eine aktuellere, pseudowissenschaftliche ‚Abhandlung’ zu zitieren – einzelne Forschungsergebnisse, die auf minimalen Mittelwertsunterschieden zwischen den Geschlechtern beruhen, zu einem ganzen Verkaufsschlager werden lassen (vgl. Pease/ Pease 2000). 2.4 Schlusswort Der kurze historische Abriss sollte den Veränderungsprozess der Frauenbewegung und Frauenforschung verdeutlichen. Es konnte gezeigt werden, dass die deutlichen Abgrenzungen und Forderungen der ersten Generation der Frauenbewegung so nicht mehr im Mittelpunkt der gegenwärtigen Gender-Forschung stehen. Vielmehr geht es inzwischen um die Frage, wie Geschlechtsprozesse als subtile begriffliche Kategorien weiterhin wirksam sein können. Geschlechtlichkeit wird sich aus dieser Perspektive einerseits selbst angeeignet in Form von „Selbstbildung in sozialen Praktiken“ (Bilden 1991: 280) und andererseits umweltbedingt unterstützt. 11 Am Ende des dritten und im Verlauf der kommenden Lebensjahre nimmt die Bedeutung der Geschlechterkategorisierungen für Mädchen und Jungen rasant zu. In diesem Alter gruppieren Mädchen und Jungen mit Vorliebe Dinge nach Ähnlichkeiten und Unterschieden und beginnen zu erkennen, dass ihr Geschlecht sich nicht ändern wird (vgl. Niesel 2008a: 12). In diesem Wechselwirkungsprozess spielen Eltern, sozialpädagogische Akteure und Akteurinnen sowie Lehrende und Institutionen eine bedeutsame Rolle. Mädchen und Jungen begreifen sehr früh, das fundamentale Ordnungsprinzip der Zweigeschlechtlichkeit in der Gesellschaft, wobei Lehrende und Eltern durch ihr eigenes Alltagswissen über Zweigeschlechtlichkeit gezwungen sind, andere Individuen als Mädchen/ Frauen oder Jungen/Männer zu sehen. Aufgrund der Zuschreibung zu einem sexuellen Geschlecht und der daran anknüpfenden kategorialen Denkgewohnheiten entstehen biologisch und psychologisch legitimierte Geschlechtsstereotype, die hinterfragt werden sollten und deren historische und gesellschaftliche Bedingtheit und Veränderbarkeit reflektiert werden muss (vgl. Nissen 1998: 106). „>>Geschlecht<< stellt in diesem Kontext ein in hohem Maße komplexitätsreduzierendes Klassifikationsschema dar, mit dem wir die Welt ordnen und unser Gegenüber einordnen“ (Gildemeister 2004: 133). Da diese Prozesse, wenn nicht unbewusst, so doch zumindest, vorbewusst ablaufen, muss von professionellen Akteuren und Akteurinnen besonders in personenbezogenen sozialen Dienstleistungsberufen mit intensiven interaktiven Kontakten gefordert werden, dass sie die Konsequenzen ihres eigenen Handelns differenziert vorwegzunehmen verstehen (vgl. Cornelißen 2006: 7). Wesentliche Strukturmomente der Geschlechterverhältnisse sind damit verbunden: die gesellschaftliche Arbeitsverteilung von Frauen und Männern und die Machtverteilung, die sich u.a. in der schlechteren Bewertung und Entlohnung der Frauenarbeit und der Dominanz des öffentlichen gegenüber dem privaten Bereich ausdrücken. Darüber hinaus ist die aufmerksame Wahrnehmung von massenmedial bedingten Retraditionalisierungsprozessen erforderlich, die als ‚progressiv’ dargestellt werden und gegen welche sich auch – eventuell in den gleichen medialen Formen – intensiv zur Wehr gesetzt werden sollte. Kassenschlagern wie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ (Pease/ Pease 2000) sowie aktuelle Veröffentlichungen, die einem reaktionären Biologismus folgen (siehe Artikel Klawitter et al. im Spiegel 2008: 52ff) müssen 12 durch gegenläufige Veröffentlichungspraxen in ihrer starken Wirksamkeit zumindest reduziert werden. Ironisierung ist dabei übrigens auch eine adäquate und ebenso medial wirksame Form der Distanzierung, indem reißerische Titel konterkariert werden könnten. Die medial bedingten „heimlichen Erzieher“ (Walter 2008: 16), die von bunten Fernsehbildern unterstützt und durch bestimmte Zeitschriften vermarktet werden, sind in ihrem Einfluss sowohl auf das Fachpersonal, als auch auf die Mädchen und Jungen bzw. jungen Männern und Frauen in Bildungseinrichtungen nicht zu unterschätzen. 13 3. Die Kita als Erfahrungsraum des sozialen Geschlechts 14 3.1 Einleitung Im vorangegangenen Kapitel 2 wurde dargelegt, dass Geschlechterdifferenzen zunehmend subtiler verlaufen und daher einer bewussten, reflexiven Erforschung bedürfen. Tacke (2008: 254) spricht in diesem Geschlechterdifferenzen’ bei Zusammenhang gleichzeitig von einer weiterhin ‚Neutralisierung vorfindbaren der empirischen Ungleichheitsverhältnissen. Diese paradoxe Gleichzeitigkeit von gesellschaftstruktureller Aufhebung und faktischer Fortschreibung geschlechtlicher Asymmetrien führt sie u.a. auf die Aktualisierung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Interaktionssystemen zurück (vgl. ebd.). Im Folgenden steht daher das Interaktionssystem Kindergarten im Blickpunkt, da hier zukünftige Interaktionsmuster (mit-)geprägt werden und Tageseinrichtungen für Mädchen und Jungen ein wesentliches Element des gesellschaftlichen Generationsverhältnisses darstellen (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 9). Bei der Aufnahme von Mädchen und Jungen in eine elementarpädagogische Einrichtung werden die Väter und Mütter auch nach dem Geschlecht des Kindes gefragt, was als Anzeichen für Kategorisierungsprozesse im Sinne eines mächtigen Ordnungsschemata in männlich/weiblich gewertet werden kann (vgl. Niesel 2008a: 12). Die hier zu thematisierende Leitfrage ist, welche strukturellen Merkmale die Institution Kindergarten aufweist, die das Aufgreifen geschlechtlicher Differenzen wahrscheinlicher machen und die die Gefahr bergen, zur Stabilisierung geschlechtlicher Ungleichheit in der Gesellschaft beizutragen. Dabei werden Kindergärten als ein zentraler Erfahrungsraum des sozialen Geschlechts für die dortigen Akteure und Akteurinnen gesehen (vgl. Niesel 2008a: 13). Unter >>Kindergarten<< werden hierbei Einrichtungen verstanden, die der Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern im Alter von 3 Jahren bis zum Schulwechsel gewidmet sind (vgl. KJHG § 22). Der Fokus liegt nicht in einer historischen Rückblende auf die Entwicklung des Erzieherinnenberufs, sondern auf den gegenwärtigen Machtverhältnissen, wobei kursorisch historische Entwicklungen einfließen müssen. 3.2 Gender und Kindergarten Der Kindergarten wird im Folgenden als eine Institution untersucht, die nicht nur dem äußeren Anschein nach Teil der gesellschaftlichen Ordnung ist, sondern die auch in ihren 15 inneren Strukturelementen durch diese Regeln bestimmt und deren Ordnung durch sie determiniert ist (1) sowie als Ort, an dem die Gefahr besteht, Geschlechterstrukturen in ihren traditionellen Formen durch sozialpädagogisches Praxishandeln, unreflektiert zu reproduzieren (2). 1. Kindergarten als >>gendered institution<< Historisch betrachtet kommen der Institution Kindergarten zwei zentrale Funktionen zu: Eine soziale Funktion, der Beaufsichtigung, und eine pädagogische, die der zunehmenden Komplexität generationaler Aufgaben gerecht werden soll (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 31, Karsten 2004: 23). Gegenüber der >Früh-Erziehung< zur Industriearbeiterdisziplin (vgl. Foucault 1992), orientierte sich der fröbelsche ‚Kindergarten’ an einer bildungsbürgerlichen Norm des autonomen Subjekts. Dem Spannungsverhältnis zwischen sozialer und pädagogischer Funktion steht außerdem die Polarität ‚privat’ vs. ‚öffentlich’ gegenüber. Welche der vier genannten Elemente dabei im Vordergrund stehen, unterliegt historischen Wandlungsprozessen. (Vgl. Rabe-Kleberg 2003: 31) Dieses Spannungsverhältnis wird durch das Kinder- und Jugendwohlfahrtsgesetz (1990) nicht aufgehoben, sondern durch das multidimensionale Anforderungsprofil eher noch nachdrücklich verstärkt: 1. In Kindergärten, Horten und anderen Einrichtungen, in denen sich Kinder für einen Teil des Tages oder ganztags aufhalten (…), soll die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gefördert werden. 2. Die Aufgabe umfasst die Betreuung, Bildung und Erziehung des Kindes. Das Leistungsangebot soll sich pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und Familien orientieren. 3. Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben sollen die in der Einrichtung tätigen Fachkräfte und andere Mitarbeiter mit den Erziehungsberechtigten zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten. Die Erziehungsberechtigten sind an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Tageseinrichtung zu beteiligen (§22 SGB VIII). Im KJHG wird demnach die Erziehung von Mädchen und Jungen als originärer Bestandteil der Kinder und Jugendhilfe betrachtet, also einer öffentlichen Aufgabe zugerechnet, die als Ergänzung und Unterstützung gedacht ist. Im Elften Kinder- und Jugendbericht (2002) spricht man in diesem Zusammenhang vom ‚Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung’. Man darf 16 also von einem Doppelcharakter der Institution Kindergarten sprechen, die öffentlichpolitisch immer wieder thematisiert wird. Wohingegen sich die pädagogische Forderung nach ‚Betreuung, Bildung und Erziehung’ in politischen Diskussionen weniger wiederfindet. Der Kindergarten bietet sich politisch viel stärker für eine (verdeckte) gesellschaftliche Auseinandersetzung bzw. als Arrangement der Geschlechter an. Die quantitative Form der Kinderbetreuung kann hier als Indikator für den jeweils erreichten historischen Stand der Genderverhältnisse gelesen werden. (Vgl. Rabe-Kleberg 2003: 39, Teubner 2004: 429) Den Kindergarten als eine ‚gendered institution’ zu verstehen, heißt, ihn als eine Institution zu betrachten, die zwischen diesen vier Polen angesiedelt ist: Einerseits werden hohe Funktionserwartungen gestellt, denen allerdings nur wenige strukturierte Ressourcen gegenüberstehen (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 29, Karsten 2004: 26). Der Weg von einer Kinderbetreuung zu einer kindlichen Bildungsstätte wird durch den besonderen Begründungsdruck, den ‚Frauenberufe’ verstärkt unterliegen, erschwert (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 42). Medien unterstützen diesen Prozess insbesondere dann, wenn sie als Grundlage für die Beschreibung von Geschlechterdifferenzen von einer Höherwertigkeit bestimmter Berufszweige ausgehen und dann thematisieren, warum Frauen in diesen ‚niedrigeren’ Berufszweigen stärker vertreten sind, als in den ‚höherwertigeren’, ohne dabei die dahinterstehende Wertigkeit generell in Frage zustellen (vgl. Klawitter et al.: Der Spiegel, 22.09.2008: 52ff). Für den Erzieherinnenberuf als ‚Frauenberuf’ ist eine professionelle Etablierung schwieriger, da hier in besonders hohem Maße allgemeine materielle, kommunikative und kulturelle Strukturen der Gesellschaft reproduziert werden (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 59). Er unterliegt in weit größerem Umfang als andere Berufe diffusen Rollenerwartungen, Funktionen und Zuständigkeitsbereichen (vgl. Karsten 2003: 356). Dies zeigt sich bereits in der Frage, wer ihr Adressatenkreis eigentlich ist: die Mädchen und Jungen selbst, die Eltern oder der Träger? Es ist demzufolge ein Leichtes, das problematische Verhältnis von professionell arbeitenden Erzieherinnen und ihrem Klientel (Kindern, Laien, Träger) als ein grundlegendes Problem des familienähnlichen Charakters der Institution umzudeuten. Dies lässt sich aus einer Genderperspektive jedoch dekonstruieren und als Denk- und Zuweisungsprozess verstehen, nach denen die Arbeit von Frauen und Männern eben nicht vergleichbar ist (vgl. RabeKleberg 2003: 61). Abbott (1988) spricht in diesem Zusammenhang von einem >>professional war<<, bei der es um die Auseinandersetzung um Zuständigkeitsbereiche der 17 verschiedenen Professionen für bestimmte gesellschaftlich existentielle Probleme sowie deren Lösung geht. Projiziert man Parsons Annahme der Bedeutung der Schule als Institution für den Erwerb von Rollen auf den Kindergarten, so zeigt sich, dass der Kindergarten sozialisationstheoretisch durchaus eine andere Position einnimmt, als es die Eltern- (Mutter-) Kind-Bindung kann. Hier können neue Rollenanforderungen erlernt und verinnerlicht werden (vgl. Baumgart 2004: 86). Der Kindergarten ist durchaus ein Ort der ersten – partiellen – Ablösung der Mädchen und Jungen bzw. des Heraustretens aus der Familie. Der Erzieherin kommt hierbei oft eine Übergangsrolle zu: Sie ähnelt der Mutter, bei gleichzeitiger Familienunabhängigkeit und ist hierbei sowohl die Verkörperung der Mütterlichkeit, als auch der familienabgewandten, sozial gerichteten Weiblichkeit, der außerfamilialen sozialen Welt (vgl. Böhnisch/ Funk 2002: 155). Wenn dem aber so ist, dann haben Erzieherinnen auch eine beträchtliche Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Genderverhältnisse, womit der Prozess des sog. ‚doing gender’ in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Der Aufbau und die Veränderung der geschlechtlichen Identität in den individuellen Biographien können dabei als Ergebnis eines komplexen Wechselspiels zwischen biologischen, sozialen und individuellen Entwicklungsbedingungen gesehen werden (vgl. Niesel 2008a: 12). 2. >>doing gender<< oder die Reproduktion der Geschlechterverhältnisse Der Kindergarten als Institution ist – von Ausnahmen abgesehen – seit seiner Entstehung eine weitgehend homogene weibliche Arena, ein Milieu, in dem traditionelle Muster weiblicher Gesellschaftskonstruktionen in ihrer Struktur, ihren Regeln und ihrem professionellen Habitus wirksam werden und durch die Akteurinnen selbst reproduziert werden (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 64). Das Konzept des ‚doing gender’ wird zumeist als ein Bündel sozial gesteuerter Tätigkeiten verstanden, die auf den Ebenen der Wahrnehmung, Interaktion und der Alltagspolitik wirksam werden (vgl. Schulewski 2002: 12). Bereits seit den 1970er >>geschlechterflexiblen Jahren Erziehung<<, gibt es um explizite einer Forderungen nach einer Geschlechterrollenverfestigung entgegenzuwirken (vgl. Faulstich-Wieland 2006: 225). Es zeigte sich, dass die in Kindertagesstätten vorfindlichen Spielmaterialen an unreflektierten Geschlechterstereotypen orientiert waren (vgl. Fried 1990: 54) und die Erzieherinnen selbst sich häufig 18 geschlechtsstereotyp verhielten. Im Rahmen koedukativer Konzepte wird die gemeinsame Erziehung und Bildung der Geschlechter betont, indem Mädchen und Jungen voneinander lernen können (sollen). Dabei geht es um das genaue Hinschauen auf die Interaktionen und um die Möglichkeit koedukativer Spielarrangements (vgl. Verlinden 1995: 4). Wie oben beschrieben, spielen die sozialpädagogischen Akteurinnen in diesem Prozess eine zentrale Rolle. Da sich für Jungen und Mädchen der Kindergarten als erste außerfamiliale Sozialisationsinstanz für Fragen der Geschlechteridentität anbietet, sind die Erzieherinnen gefordert, das erste und frühe Geschlechterverhalten der Mädchen und Jungen wahrnehmen und reflektieren zu können (vgl. Böhnisch/ Funk 2002: 156). „Dieser Bildungsprozess im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur ist höchst anspruchsvoll, krisenhaft und chaotisch, führt zu Differenz und Entfremdung zwischen den Geschlechtern und zur Wiederaufnahme der Beziehungen – wenn es gut geht“ (Rabe-Kleberg 2003: 65). Es hat sich empirisch gezeigt, wie unterschiedlich Jungen und Mädchen sich die Räume aneignen: Jungen rangeln und toben mehr und ziehen so die Aufmerksamkeit des sozialpädagogischen Fachpersonal vermehrt auf sich. Sie erleben, dass ihr Verhalten Wirkung hat, wohingegen Mädchen für einen strukturierten Arbeitsalltag sorgen. Deshalb scheint es im Kindergarten notwendig, früh die Rollen zu vertauschen, den Mädchen Raum zu geben und den Jungen die Möglichkeit, mehr zu sich kommen zu können. (Vgl. Böhnisch/ Funk 2002: 156). In der Sensibilisierung der Erzieherinnen wird daher ein „zentraler Hebel für Veränderungen“ (Faulstich-Wieland 2006: 226) gesehen. Die Ebenen Selbstreflexion (Biographiearbeit, u.a.), Kenntnisse über Lebensbedingungen von Mädchen und Jungen, gezielte Veränderungen und die Suche nach neuen Wegen (Innovation) gelten als zentrale Ansatzpunkte (vgl. ebd.). So ließ sich empirisch ein Wahrnehmungsbias von Erzieherinnen feststellen: Sie neigen dazu, Jungen sympathischer und positiver zu bewerten, aber auch, ihr Sozialverhalten an dem der Mädchen zu messen, wodurch das Auftreten der Jungen u.U. salienter wird. Einerseits wünschen sie sich die Mädchen aufmüpfiger, sind sich aber der Notwendigkeit von integrierenden und Kindergartenordnung ruhigen Verhaltensweisen für die Aufrechterhaltung keineswegs bewusst. Zudem können Erzieherinnen der mit den Lieblingsfiguren von Jungen häufig weniger anfangen, so dass sie sich oft eher als 19 Abgrenzungs-, denn als Rollenvorbild eignen. (Vgl. ebd.) Ziel ist es, dass Mädchen und Jungen eine zeitlich und qualitativ gleichwertige Zuwendung und Aufmerksamkeit des pädagogischen Fachpersonals erfahren. So sollten künftig Mädchen und Jungen, die vorwiegend ruhig spielen, nicht überwiegend sich selbst überlassen werden, weil ‚wilde’ Kinder den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen (vgl. Niesel 2008 a: 13). Ein wenig thematisierter Prozess ist überdies, dass Erzieherinnen in ihrer institutionellen Rolle eben nicht nur als mütterliche Betreuung, sondern auch als ‚sexuelle Objekte’ wahrgenommen werden. Darauf sind die Akteurinnen kaum vorbereitet, in der Ausbildung wird immer noch weitgehend geschlechtsneutral unterrichtet, man spricht von ‚Kindern’ und verschließt dabei die Augen davor, dass Sexualität im Kindergarten bereits eine diffuse und ambivalente Rolle spielt. Obgleich dies eine logische Konsequenz der Tatsache ist, dass die Akteurinnen im Kindergarten eine soziale Übergangsrolle innehaben. (Vgl. Böhnisch/ Funk 2002: 157) Hierin liegt vielleicht ein Grund für die weiterhin wirksame Haltung vieler professioneller Akteurinnen die Mädchen und Jungen ‚geschlechtsneutral’ erziehen zu wollen, ganz so, als hätten weder die ‚Kinder’ noch die ‚Erzieher’ (sic!) ein Geschlecht. Sprache ist ein zentrales Medium, um Stereotype zu verfestigen, aber auch, um sie aufzubrechen. Der bewussten Wahl der weiblichen, der männlichen oder beider sprachlicher Formen kommt in der geschlechterbewussten Erziehung eine zentrale Bedeutung zu (vgl. Niesel 2008a: 14). Rabe-Kleberg (2003: 66) weist hingegen eher auf den Aspekt mangelnder Qualifikation und reflexiver Praxis hin. Es ist schnell einleuchtend, dass insbesondere die Tabuisierung der Gendertatsache zu einer ungebremsten Durchsetzung traditioneller Genderverhältnisse führen kann und der subtilen Beeinflussung der Mädchen und Jungen Vorschub leistet (vgl. ebd.). Während Erzieherinnen von sich selbst das Bild einer geschlechtsneutralen Erzieherin propagieren, nehmen sie für sich gleichzeitig Wertmaßstäbe traditioneller Weiblichkeit in Anspruch und sehen sich selbst als aufopferungsbereit, friedfertig und geduldig – ohne dabei den inhärenten Widerspruch wahrzunehmen (vgl. zu diesen Eigenschaften: Rabe-Kleberg 1987). Faulstich-Wieland (2006: 227f) fordert daher v.a. eine stärkere theoretische Fundierung der praktischen Erziehungsarbeit sowie die Prozesse des ‚doing gender’ durch Beobachtungsprozesse genau(er) zu erfassen. Für ihn gilt, dass auf theoretischer Ebene ein gewisser 20 radikaler Blick erlaubt ist, während in der praktischen Arbeit Geschlechteraspekte eher ‚entdramatisiert’ werden sollten. Mädchen und Jungen brauchen die Erprobung ihrer Geschlechtsidentität und wenn ein Mädchen ein Spitzkleidchen tragen möchte, kann dies beispielsweise Anlass sein, den Kindern aufzuzeigen, dass Samtkleider für Jungen einer bestimmten historischen Epoche üblich waren (vgl. ebd.: 228). In Rollenspielen sollten alle Mädchen und Jungen ermutigt werden, Merkmale darzustellen, die Geschlechterstereotype überwinden (z.B. Männer versorgen und pflegen Säuglinge oder junge Tiere, Feuerwehrfrauen und Polizistinnen sind im Einsatz für Sicherheit, u.a.) (vgl. Niesel 2008a: 14). Generell bleibt aber die Frage offen, ob der soziale Raum des Kindergartens den Bildungs- und Autonomiebedürfnissen von Jungen wie von Mädchen wirklich gerecht wird (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 72). 3.3 Strategische Forderungen für die Zukunft Die genannten Punkte zum Kindergarten als ‚gendered institution’ und den ‚doing gender’ Prozessen in diesem Interaktionssystem müssen dahingehend eingeschränkt werden, dass nach wie vor methodisch saubere, empirische Untersuchungen fehlen, die die impliziten Einflüsse des sozialen Geschlechtes systematisch erforschen und theoretisch ausdifferenzieren. Trotzdem sollte deutlich geworden sein, dass strukturelle Merkmale der Institution Kindergarten das Aufgreifen geschlechtlicher Differenzen wahrscheinlicher machen können und die Gefahr bergen, zur Stabilisierung geschlechtlicher Ungleichheit in der Gesellschaft beizutragen, insbesondere, wenn sie nicht hinterfragt und expliziert werden. Die wissenschaftlichen Derivate, im Bezug auf empirisch und methodisch gehaltvolle Untersuchungen, sind allerdings ein Hemmnis für die Durchführung von Gender Mainstreaming Prozessen im Bereich des Kindergartens und gleichzeitig auch Ausdruck der Geschlechtergebundenheit dieses Forschungs- und Praxisfeldes (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 91). Dies liegt sicherlich einerseits am mangelnden Forschungsinteresse einer männlich dominierten Wissenschaft, aber andererseits auch an der vorherrschenden Theoriefeindlichkeit von Praktikerinnen. Neben der biographischen Selbstreflexion im Rahmen einer qualifizierten Erzieherinnenausbildung sind demnach auch die Integration von aktuellen Forschungsergebnissen und die Auseinandersetzung mit ihren Methoden, sozialpädagogischen Theorien sowie ihren Bezugswissenschaften zu fordern. Der bewusste Transfer von Genderwissen, so dass die zukünftigen Erzieherinnen sich der Bedeutung theoretischer Reflektionen für und in ihrem praktischen Tun bewusst werden, muss also 21 Grundlage einer besonderen sozialpädagogischen Fachdidaktik sein. (Vgl. Karsten 2003: 358ff) Und selbstverständlich Bestandteil der Erzieherinnenausbildung und der Ausbildung der Ausbilderinnen. Es geht schließlich darum, Mädchen und Jungen dabei zu unterstützen, die eigene Geschlechtsidentität ohne beengende Zuschreibungen entwickeln zu können und deren individuelle Entwicklungspotentiale zu fördern. Dazu gehört eine geschlechtsbewusste Perspektive, die Mädchen und Jungen als gleichwertig, aber nicht in jeder Hinsicht gleich, betrachtet und das soziale Geschlecht nicht als stabile Persönlichkeitsvariable festschreibt, sondern als Ergebnis sozialer Interaktionen, also als flexibel und veränderbar, wahrnimmt. (Vgl. Niesel 2008a: 13) Jungen und Mädchen werden demnach sowohl als Mitglieder ihrer Geschlechtergruppe, als auch als Individuen mit eigenen Interessen und Begabungen, die nicht an das Geschlecht gebunden sind, wahrgenommen. Der Blick der Erzieherinnen und der Ausbilderinnen für die Lebenswelten von Mädchen und Jungen bzw. jungen Frauen und Männern sollten geschärft und plurale Lebensformen, kulturelle Hintergründe sowie soziale Differenzen berücksichtigt werden (vgl. Grunwald/ Thiersch 2001: 1139ff, Niesel 2008a: 13). Hierzu gehört – wie gesagt – auch eine selbstreflexive Praxis des Ausbildungspersonals. Aus diesem Grund wird im nächsten Kapitel eine kurze, autobiographische Analyse des eigenen Rollenverständnisses dargestellt (Kapitel 4). 22 4. Geschlechtskonstruktion: Forschungsreise in die Welt der eigenen Haltungen 23 4.1 Einleitung Erziehungsvorstellungen sind autobiographisch geprägt und die Geschlechtsstereotypen sind ein bedeutsamer Teil darin (vgl. Walter 2008: 15). Um sich selbst zielgerichtet und reflektiert als Ressource und Instrument in der Lehrkraftrolle einsetzen zu können, ist eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Grundhaltung sowie der Beziehungsgestaltung mit der sozialen Umwelt die Voraussetzung (vgl. Mayrhofer/ RaabSteiner 2007: 12), insbesondere im Rahmen einer Neuen Lehr-Lernkultur, die sich (auch) als eine Beziehungsdidaktik versteht (vgl. Reich 2006: 74). In jedem Berufsfeld sind die Akteure und Akteurinnen als Männer und Frauen erkennbar und als solche in der situativen Interpretation und Bewertung präsent. Damit besteht für Praktiker und Praktikerinnen immer das Problem und die Herausforderung, die eigenen, oft nicht bewussten alltagsweltlichen Annahmen über ‚Unterschiede’ der Geschlechter zu kontrollieren und zu reflektieren (vgl. Gildemeister 2004: 136). Die erkenntnisleitenden Fragen, die die Autorin hierbei an sich selbst richtet, sind: Erkennt die Autorin die spezifisch weiblichen und männlichen Realitäten? Wie ist der aktuelle Bewusstseinsstand bei der zukünftigen pädagogischen Fachkraft, wenn es um Geschlechterbilder, Geschlechterrollen und Lebenslagen von Frauen und Männern geht? Welchen ‚Doing Gender Prozessen’ unterliegt die Autorin selbst? Inwieweit unterliegt sie Darstellungs-, Wahrnehmungs- und Geschlechterattributionsprozessen im ‚doing gender’ sowie den darin eingewobenen Mechanismen der differenten Wertung von ‚weiblich’ und ‚männlich’? Ein selbstreflexiver Blick auf die eigene Weltwahrnehmung stellt immer eine Gratwanderung zwischen Erkenntnis und Legitimation bzw. Selbstdarstellung dar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass grundlegende Identitätsfragen (vgl. Keupp et al. 2006: 296) und Geschlechterfragen direkt verkoppelt, verschränkt sind (vgl. Becker-Schmidt 1004: 62ff) und damit existenzielle Grundfragen einschließen, die notwendigerweise gestellt werden müssen, aber auch einen sensiblen Umgang in der Textrezeption erfordern, denn, „welche Person hat schon Lust darauf, existenziell hinterfragt zu werden“ (vgl. Walter 2008: 17). Diese Widerstände verflüchtigen sich auch dann nicht, wenn man akzeptiert, dass professionelle pädagogisch-psychologische Arbeit diese Reflexivität gegenüber dem eigenen Rollenhandeln 24 in seiner geschlechtlichen Vorbildfunktion erfordert. Im Folgenden werden daher kurze, persönliche Gedankensplitter zu der Frage: Wie stehen Sie zum anderen Geschlecht? (vgl. Kobelt Neuhaus 2008: 37) formuliert, um sie dann wissenschaftlich zu hinterfragen. 4. 2 Autobiographische Darstellung „Die Frage, wie ich zum anderen Geschlecht stehe, löst bei mir Abwehr aus. Ich möchte nicht begründen müssen, wer ich als Frau bin und wie ich zu Männern stehe. Trotzdem nagt das schlechte Gewissen: Ich weiß, dass es Bedeutung hat, das ich eine Frau bin. Ich merke es tagtäglich: Es beeinflusst meinen Unterricht in der Heilerziehungspflege und auch meine Arbeit im Kita-Projekt. Irgendwie komme ich mit den Herrn der Schöpfung ein klein bisschen besser aus. Ich stelle mir diese Frage durchaus und meine ehrlichste Antwort darauf ist wohl, dass die jungen Männer in meinem Unterricht und die Projektleiter mutiger sind. Was meine ich mit den Wort ‚mutig’? Nun, sie entsprechen eher dem, was ich durch meinen Vater gewöhnt bin. Sie stellen kritische, manchmal provozierende, Fragen, erlauben sich eine eigene Meinung und stellen im Kita-Projekt auch wissenschaftliche Grundlagen in Frage und in der Schulpraxis zumindest mich als Lehrkraft. Ich mag das. Die jungen Frauen in meiner Unterrichtspraxis sind so brav. Sie sind diejenigen, die die Aufgaben erfüllen, Texte rechtzeitig abgeben und die Aufgabenstellungen exakt lesen. Und manchmal sind sie auch diejenigen, die einen disziplinierten Unterricht überhaupt erst möglich machen. Dennoch tappe ich wieder und wieder in die Falle, sie im alltäglichen Unterrichtsdiskurs einfach zu übersehen. Und wenn ich mir anschließend Notizen zur Unterrichtsbeteiligung mache und die Liste mit den Gesichtern anschaue, wird mir bewusst, dass einige junge Damen 90 Minuten lang kein Wort (!) gesprochen haben. Das alles nehme ich wahr – und will mich trotzdem nicht mit geschlechtsspezifischen Sozialisationsprozessen auseinandersetzten. Ich frage mich ernsthaft, woran das liegt. Ich habe eine schwache Ahnung, dass dies mit meinen eigenen persönlich-biographischen Erfahrungen mit dem männlichen Geschlecht zusammenhängt. Anders als bei vielen andern Frauen meines Alters waren sie nämlich durchweg positiv: Mein Vater und meine Mutter haben mich immer zu diskursiven Auseinandersetzungen ermuntert und selbst dann, wenn ich inhaltlich oder politisch nicht mit ihnen konform ging, eine sachliche Auseinandersetzung ermöglicht. Mein Vater hat sowohl verbal als auch nonverbal immer deutlich gemacht, dass er selbst bei gegenläufigen Meinungen freche Argumentationen schätzt. Während meines Psychologiestudiums bin ich einer studentischen Hilfskrafttätigkeit nachgegangen. Die 25 studentische Ebene war nahezu ausnahmslos mit weiblichen ‚Hilfskräften’ bestückt, wohingegen mein Projektleiter männlich war. Mit meinen Kolleginnen habe ich mich zwar gut verstanden und als gleichwertig gesehen, mein Vorbild war aber eindeutig mein Chef, der sich auch selbst ein bisschen als mein Mentor verstanden hat und mich in meinem Lernprozess aktiv begleitet hat. Noch heute denke ich wehmütig an die Diskussionen mit ihm zurück. Und auch in dieser Zeit habe ich diese geschlechtliche Zweiteilung wahrgenommen: Während ich die diskursiven Auseinandersetzungen zumeist mit Männern geführt habe - die im übrigen älter und erfahrener waren – habe ich direkte Prüfungsvorbereitungen mit den ‚braven’ Frauen vollzogen. Ich habe sie als verlässlicher und zielorientierter erlebt. Und last but not least - habe ich einen Ehemann, der mir auch in schwierigen Zeiten immer beistand, der mich zu politischen Reflexionen reizt. Aber auch bei ihm nehme ich dieses Ungleichgewicht zwischen Klugheit und eines Gewissen männlichen Müßiggangs war. Meine biographischen Erfahrungen mit dem männlichen Geschlecht sind also vorwiegend positiv, wenngleich ich dies ebenso gut auch für Frauen beschreiben könnte, allerdings bereichsspezifisch unterschiedlich. Ich nehme sehr stark an, dass meine Ambivalenz dem ‚Genderthema’ gegenüber daher rührt, dass mein Ehemann, den ich als sehr logischstrukturierten, klugen Mann wahrnehme, auf das Genderthema mit Abwehr reagiert, obwohl es sich hierbei um einen Mann handelt, welcher ausdrücklich die Gleichberechtigung von Männern und Frauen anerkennen und beispielsweise die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit und angemessener Bezahlung der sozialen Berufe unterstützt. Mein Ehemann erlebt, dass in seiner Lebenswirklichkeit Frauen zunehmend die Mehrheit der qualifizierten Berufe wie z.B. die aktuelle Neubesetzung von Richterämtern besetzen. Er glaubt, dass dabei bestimmte männliche Fähigkeiten, die sich nicht direkt in der Notenvergabe widerspiegeln unberücksichtigt bleiben. Für nahezu alle politischen, kulturellen oder technischen Themen finde ich also willige, diskursive Gegenüber. Das Genderthema jedoch führt schnell in ärgerlich-persönliche Streits, die ich als nicht sehr fruchtbar erlebe. Auch bei meinem weiblichen Elternpart gibt es hier wenig Interaktionsmöglichkeiten, da sie sich selbst als eine erfolgreiche Frau sieht, die in dem System gut zurecht kommt. Ohne dass sie es aussprechen würde, nehme ich an, führt sie die Berufung auf Geschlechterungerechtigkeiten auf persönliches Versagen zurück. Wie gesagt, dass würde sie so wohl niemals explizit formulieren. 26 Mein früherer Projektleiter hat das Genderthema immer gleich mit marxistischen Grundtheorien verknüpft, was mein damaliges Gemüt eher ein bisschen überfordert hat. Ist es denn wohl wirklich so, dass marxistisches Gedankengut in direkter Verbindung zu Gender stehen muss? Insgesamt hätte eine intensive Auseinandersetzung mit meiner Rolle als >Frau< einen Keil zwischen mich und meinen, mir wichtigen Personen getrieben. Daher kommen vermutlich meine inneren Widersprüche. Geschlecht würde dann als wahrhaft trennendes Element erscheinen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Diskussion über die nicht-lesenden, benachteiligten Jungen mit den schlechten Schulnoten in den Medien mich durchaus ärgert. Was soll das? Wollen die eine Faulheitsquote? Jungen oder junge Männer sind in Schulkontexten oder universitären Kontexten ja nicht durch ihre Intelligenz beeinträchtigt, sondern durch ihre Faulheit. Das würde ich tatsächlich einmal als persönliche Entscheidung des Einzelnen auffassen. Das gilt selbstverständlich nicht für benachteiligte Randgruppen, die aber beide Geschlechter treffen. Diese Haltung kann ich trotz meiner – damals – unkonventionellen Erziehung – Vater als primäre Bezugsperson auch in emotionalen Fragen und Mutter als häufig berufsbedingt außer Haus – weiterhin mit einer gehörigen Portion Wut vertreten. “ 4.3 Wissenschaftsperspektive Mayrhofer und Raab-Steiner (2007: 12) kommen – wie Karsten (2003: 351) - zu dem Ergebnis, dass das sozialpädagogische Berufsfeld eine gefestigte Persönlichkeit und die Kompetenz zur „empathischen Distanz“ (ebd.) erfordert. Das schließt eine distanzierte und auch selbstkritische Auseinandersetzung mit persönlichen Themen ein. Der vorliegende autobiographische Text wird deshalb wissenschaftlich-distanziert beleuchtet, wobei dies im Rahmen dieser Arbeit nur exemplarisch und nicht mit hermeneutischer Exaktheit (vgl. König 2002: 55ff, Reichertz 2002: 123ff, Uhle 2002: 99ff) erfolgen kann. Bitzan (2004: 302) beschreibt Praxisforschung aus einer Genderperspektive als konfliktorientierte Form der Analyse, der grundsätzlich vom Vorhandensein von Konflikten ausgeht, weil diese aufgrund des hierarchischen Geschlechterverhältnisses konstitutiv seien und die Lebenswelt prägend (mit-)bestimmen. Der vorliegende Text bietet sich für eine solche Perspektive, aufgrund der darin zum Ausdruck kommenden Ambivalenz zwischen persönlicher, schulpraktischer Erfahrung der Bedeutung allgemeiner biographischer Erfahrungen und einer gendersensiblen Berufspraxis 27 einerseits und der deutlich werdenden Angst, durch die aktiv-persönliche Auseinandersetzung mit Genderthemen einen Keil zwischen sich und nahestehenden Personen zu treiben, an. Zudem kommen hier auch Geschlechterstereotype zum Ausdruck: Die fleißigen, braven Mädchen/ jungen Frauen und die klugen, logisch denkenden Jungen/ jungen Männer. Eine konfliktorientierte Perspektive sucht systematisch nach Brüchen, Reibungen, Widersprüchlichem, die als Risse im beschriebenen Verdeckungszusammenhang weitere Gehalte des Kontextes aufdecken können (vgl. Bitzan 2004: 302). Für den vorliegenden Fall bietet sich die Theorie der kognitiven Dissonanz geradezu exemplarisch an: Die Autorin versucht einen aversiven Erregungszustand, der durch die Frage ausgelöst wird und der zwischen ihren früheren biographischen und ihren berufspraktischen Erfahrungen sowie innerhalb ihres persönlichen Umfeldes Inkonsistenzen erzeugt, zu vermeiden. Die Person ist motiviert, die Dissonanz dadurch zu reduzieren, dass sie Kognitionen hinzufügt, eliminiert oder ersetzt, um die Konsistenz zu erhöhen (vgl. Stroebe et al. 2002: 293). Persönliche Interaktionserfahrungen werden von Gildemeister (2004: 133) als eigenständige Analyseebene in der Geschlechterforschung bezeichnet, weil hier basale (generative) Mechanismen wirksam werden, die dem Interaktionsgeschehen als solche innewohnen und nicht weiter reduziert werden können. Hier werden implizite Zwänge deutlich, in die die Akteure und Akteurinnen involviert sind und denen sie nicht ausweichen können. „Einer dieser Mechanismen ist der Zwang zur kategorialen und individuellen Identifikation der Interaktionsteilnehmer – und genau dabei wird Geschlechtszugehörigkeit zentral“ (Gildemeister 2004: 133). Die Autorin erlebt, dass die Identifikation mit ihrem Geschlecht eine Distanz zwischen sich und ihren Bezugspersonen erzeugen würde und identifiziert sich daher verstärkt mit ihren männlichen Interagenten, dies führt zu einer Höherbewertung vermeintlich männlicher Eigenschaften und zu einer Unterbewertung vermeintlich weiblicher Tugenden, womit sie den Prozess der Reproduktion von Geschlechterverhältnissen nachzeichnet (vgl. Rabe Kleber 2003: 79) und die hierarchisierte Kategorisierung menschlicher Eigenschaften geschlechtsspezifisch vollzieht (vgl. Rendtorff/ Moser 1999: 18). Die Binarität der Geschlechterklassifikation stellt eines der grundlegenden Typisierungsmuster dar, in denen die soziale Welt sich ordnet. Sozial kompetente Akteure und Akteurinnen handeln auf dieser Grundlage, wenn sie nicht danach handeln, so besteht nach Gildemeister (2004: 134) das 28 Risiko spezifische Reaktionen bis hin zu Ausgrenzungsprozessen erleben zu müssen. Die hier zum Ausdruck kommende, unterschwellige Trennungsangst der Autorin belegt diese unterschwelligen Sanktionsprozesse sehr deutlich. Dabei entgeht die Schreiberin nicht der Gefahr, die strukturelle Gestaltung der Geschlechterverhältnisse, die quasi hinter ihrem Rücken wirken, auf ihr aktuelles Interaktionsgeschehen zu übertragen, was direkte Auswirkungen auf ihre pädagogische Professionalität hat (vgl. Krüger 2001: 64) und sie – wie es insbesondere in ihrer Haltung zu Mädchen/ jungen Frauen im Bezug auf die latente Eigenschaft ‚Fleiß’ zum tragen kommt – gesellschaftsanalytisch verkürzt zu interpretieren (vgl. ebd.). Man muss kein Psychoanalytiker sein, um hierbei Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit Trennung und Verschmelzung zu erkennen (vgl. Hagemann-White 2002: 150). Auch Becker-Schmidt (2004: 66) verweist darauf, dass Mädchen stärker als Jungen mütterliche und väterliche Introjekte integrieren. Das sich hierbei logischerweise nachhaltige Identifikationskonflikte auch im Erwachsenenalter ergeben, ist leicht einsehbar und wird anhand der exemplarischen Autobiographiesplitter virulent. 4.4 Fazit Die Eingangs gestellte erkenntnisleitende Frage, ob die Autorin spezifisch weibliche und männliche Realitäten erkennt, muss mit einem eindeutigen ‚jein’ beantwortet werden. Sie beschreibt zwar konkrete, auch innerpsychische Konflikte, führt dies allerdings nicht auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene zusammen, sondern sucht die Lösung dieses Konflikts bei sich selbst, wobei sie damit einhergehende Widersprüche und kognitive Dissonanzen durch Vermeidung zu eliminieren versucht. Bezogen auf die Frage nach dem aktuellen Bewusstseinsstand im Kontext von Geschlechterbildern, Geschlechterrollen und Lebenslagen von Frauen und Männern scheint sich die Autorin (noch) im Entwicklungsprozess zu befinden. Sie fängt, an bestimmte, durch geschlechterstereotype bedingte Ungleichheitsmechanismen in ihrer eigenen Berufspraxis, wahrzunehmen (z.B. Mädchen brav/fleißig und Jungen diskursiv/logisch), scheint allerdings noch keine adäquate berufspraktische Lösung gefunden zu haben. Es konnte gezeigt werden, dass die Autorin auch in die Reproduktionsfalle tappt und damit auch einen Teil zum ‚doing Gender’ Prozess beiträgt. Auch sie unterliegt Wahrnehmungs- und Geschlechter- 29 attributionsprozessen im ‚doing gender’ sowie den darin eingewobenen Mechanismen der differenten Wertung von ‚weiblich’ und ‚männlich’. Es zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlechterbild und den Geschlechtsrollen insbesondere für pädagogisches Fachpersonal (oder solche die es werden wollen) von Bedeutung ist, denn Konflikte sowohl innerpsychischer, als auch interaktiver Art in Klassenverbänden, Mädchen- und Jungengruppen und Lehrkollegien, Missverständnisse im Umgang mit Schülern und Schülerinnen, angespannte interpersonelle Kontakte können so im Kern besser verstanden werden (vgl. Walter 2008: 18). So kann die hier vorgelegte Analyse ein Modell von der Selbsterfahrung über eine reflexive Praxis hin zu einer gendersensiblen Berufspraxis sowohl für die Ausbilder und Ausbilderinnen als auch für die zukünftigen Erzieher und Erzieherinnen darstellen. 30 5. Rechtlich-administrative Bedingungen 31 5.1 Grundlegung In sozialpädagogischen Berufskontexten zeigen sich genderspezifische Strukturen auf mannigfaltige Weise: So weisen Bereiche der Sozialen Arbeit einen Frauenanteil von ca. 75% sowie genderspezifische Asymmetrien in den Organisationshierarchien auf. Daher wird eine intensive Auseinandersetzung mit den Bedingungen und Konsequenzen im Rahmen sozialpädagogischer Ausbildungsprozesse, seien sie nun auf Fachschul– oder Hochschulebene, gefordert (vgl. Karsten 2004:22, Mayrhofer/ Raab-Steiner 2007: 7). Prozesse des ‚doing gender’ können faktisch in jeder sozialen Situation empirisch nachgewiesen werden (vgl. Gildemeister 2004: 136). „Nicht zufällig verkoppeln sich viele Untersuchungen zum >>doing gender<< mit der Untersuchung der Arbeitsteilung als einem ebenfalls grundlegenden Muster der Vergesellschaftung. Dabei zeigt sich, dass die Vergeschlechtlichung (gendering) von Berufsarbeit auf das Engste mit der differenten Wertung der Geschlechter verbunden ist und Benachteiligung von Frauen zur Folge hat“ (Gildemeister 2004: 137). Gender Mainstreaming war und ist v.a. ein politisches Gestaltungsinstrument, das allerdings die konkrete Realisierung im institutionellen Alltag erfordert (vgl. Walter 2008: 17). In diesem Sinne werden im Folgenden die curricularen Bedingungen des Elementarbereichs auf die Berücksichtigung einer gendersensiblen Fachpraxis bzw. deren rechtlich-administrativen Bedingungen hin untersucht, um dann deren Chancen und Möglichkeiten für die Lehrpraxis darzustellen. Abschließend werden die Teilergebnisse wieder in ihre übergeordnete sozialpolitische Dimension integriert. 5.2 Curriculare Realisierung Geschlechtsbewusste Pädagogik wird in den Bildungsplänen der Bundesländer unterschiedlich intensiv behandelt. Die Bildungspläne, -programme, -empfehlungen oder – leitlinien (hier kurz unter Bildungsplänen zusammengefasst) weisen deutliche Differenzen in der curricularen Integration einer geschlechtersensiblen Pädagogik auf. Eine grundlegende Gemeinsamkeit besteht allerdings in der Begründung für die Themenrelevanz: Dabei wird die Bedeutung des Geschlechts für die Identitätsentwicklung betont und auf allgemeine Prinzipien wie Wertschätzung von Diversivität oder Chancengleichheit verwiesen. (Vgl. 32 Niesel 2008b: 32) Dies sei exemplarische am „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder“ (2005: 10) demonstriert: „Mädchen und Jungen müssen ihre eigene Geschlechtsidentität entwickeln können, ohne durch stereotype Sichtweisen und Zuschreibungen in ihren Erfahrungsmöglichkeiten eingeschränkt zu werden. Jungen und Mädchen erhalten gleiche Chancen, die Aufmerksamkeit und Unterstützung der Fachkräfte zu erlangen“. In den einführenden Grundlagen und allgemeinen Zielen der Bildungspläne wird teilweise sehr knapp das Merkmal ‚Geschlecht’ charakterisiert und im Zusammenhang mit Bildungsverläufen und Zukunftschancen thematisiert (vgl. Niesel 2008b: 32). Beispiele dafür sind die „Bildungsvereinbarung NRW“ (MSJK 2003) oder der „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten“ (MWFK 2006: 17). Im Gegensatz zu anderen Programmen lassen sich im Berliner Bildungsprogramm und in den Hamburger Bildungsempfehlungen konkrete Hinweise auf eine differenziertere Sicht auf Lern- und Bildungsbedingungen von Mädchen und Jungen, wie sie sich beispielsweise unter der Überschrift „Mathematische Grunderfahrungen von Mädchen und Jungen“ (SenBJS 2004: 90, BSG 2005: 60) finden lassen, aufzeigen. Ein ganzes Kapitel zur Geschlechtersensiblen Erziehung bietet das „Bayrische Staatsministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen und Staatsinstitut für Frühpädagogik“ (2006: 133ff) mit einem gesonderten Kapitel zur geschlechterbewussten Pädagogischen Grundhaltung (STMAS 2007: 135). Ob dies allerdings in direktem Bezug zur empirisch nachweisbaren Kita-Praxis steht, bleibt offen. Blickt man insgesamt auf die Bildungspläne für den Elementarbereich, so lässt sich das Fazit ziehen, dass die Konkretisierung der Genderthematik als Querschnittsthema im Kontext der Bildungsbereiche noch deutliche Optimierungspotentiale aufweist (vgl. Niesel 2008: 33). Es darf nicht übersehen werden, dass es sich hierbei nicht um ein Thema handelt, das nach Belieben gehandhabt werden darf, sondern um einen sowohl innerdeutschen, gesetzlichen Auftrag als auch um eine internationale Forderung (vgl. Thun-Hohenstein 1997: 21ff). In der Ausbildung von Erzieherinnen gibt es zwar geschlechterreflektierende Inhalte, die Förderung von Genderkompetenzen ist strukturell aber nicht hinreichend abgesichert (vgl. 33 Krabel/ Cremers 2008: 28). Internationalen Projekten wie ‚Gender Loops’ belegen, dass der rechtlichen Forderung „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern“ (KJHG, Artikel 9, Abs. 3) in den Ausbildungsprozessen an den Fachschulen (noch) nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird und daher geschlechterreflektierende Kompetenzen fehlen (vgl. Krabel/ Cremers 2008: 28). Die Erhebungen im Rahmen des Projektes ‚Gender Loops’ belegen zwar partielle Einsätze von diesbezüglichen Unterrichtsangeboten, allerdings zumeist auf Initiative einzelner Lehrkräfte und/oder als Wahlpflichtfächer (vgl. ebd.: 28f). Es wird – wie bereits von Hagemann-White (2002: 143) differenzierter begründetet – gefordert, Geschlechterfragen als Querschnittsthema in allen Lern- und Themenfeldern der Ausbildung von Erzieherinnen zu integrieren, um im praktischen Alltagshandeln angemessen zu reagieren und Mädchen und Jungen bzw. junge Frauen und Männer in den Ausbildungsprozessen in ihrer Vielfältigkeit zu fördern (vgl. Krabel/ Cremers 2008: 30) und von den Entwicklungsprozessen von Mädchen und Jungen nicht parallelisiert zu werden (vgl. Böhnisch/ Funk 2002: 155). Das Programm ‚Gender Loops’ bietet dafür sowohl theoretische Hintergründe als auch praktische Unterrichtsmaterialen an (unter www.genderloops.eu einsehbar), die selbstverständlich jede Lehrkraft vor der Verwendung einer kritischen Prüfung unterziehen muss. Die Mitarbeiter dieses Projektes betonen, dass die Reflexion eigener geschlechtlicher Sozialisation von den Experten und Expertinnen als idealer methodischer Zugang betrachtet wird. Zudem bietet das Projekt spezifische Forschungs- und Analyseinstrumente an (vgl. Krabel/ Cremers 2008: 34f), die einen feldforschenden Blick (vgl. Friebertshäuser 2001: 183) der Erzieherinnenanwärterinnen ermöglichen können. Anschließend sollen die Dokumentationen im Unterricht anhand wissenschaftlich-theoretischer Texte vertieft werden (vgl. Krabel/ Cremers 2008: 31). Dies wäre ein erster Ansatz zu einem produktiven Einsatz gendersensibler Ausbildungsgestaltung und dem Einsatz des politischen Instrumentes ‚Gender Mainstreaming’ in das Ausbildungscurriculum. 5.3 Sozialpolitische Implikationen Frühkindliche Bildung für alle Mädchen und Jungen ist ein politischer Auftrag, den die Gesellschaft ernst nehmen und entsprechend finanzieren muss. Wird dieser Bereich unterfinanziert oder durch ‚Elitekindergärten’ aus privater Hand reinen Marktmechanismen 34 unterworfen, dann führt dies zu Retraditionalisierungsprozessen: Die Frauen werden in ihrem Berufsbereich einerseits nicht leistungsgerecht bezahlt, womit dem finanzstärkeren Geschlecht (meistens Männer) Argumente zur historisch schon überwunden geglaubten Arbeitsverteilung gegeben werden (vgl. Becker-Schmidt 2004: 63) und andererseits fehlen die sozialpolitischen Unterstützungssysteme, die (vorwiegend) den Frauen die möglichen zeitlichen Ressourcen verweigern, um am Erwerbsarbeitsleben und politischen Leben teilhaben zu können (vgl. Stiegler 2008). Die Gleichstellung personenbezogener sozialer Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist noch keineswegs erreicht (vgl. Karsten 2004: 26). Diese Zusammenhänge müssen den Lehrkräften für sozialpädagogisches Fachpersonal bewusst sein, um diese dann in ihren Lehr-Lern-Arrangements problematisieren zu können. Dabei muss sowohl den Lehrkräften als auch den Auszubildenden deutlich werden, wie Genderkompetenzen sowohl in ihrer alltäglichen Berufspraxis, als auch im Rahmen sozialpolitischen Engagements Bedeutung haben (vgl. Karsten 2003: 358, 2004: 26) und auf einer Metaebene reflektier und diskutierbar sind (vgl. Karsten 2001: 1760). Hierzu wurden in der vorliegenden Arbeit die rechtlich-administrativen Voraussetzungen in Form von Bildungsplänen untersucht und konkrete inhaltlich Gestaltungsmöglichkeiten für das Unterrichtsgeschehenen dargestellt. Gender Mainstreaming ist ein Instrument, um gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse zu betrachten und auf ihre Konsequenzen hin zu reflektieren (vgl. Stiegler 2008: 2, Brommer 2008: 7). Dass also Bildungsfragen, Geschlechtergerechtigkeit und Finanzpolitik auf das Engste miteinander verwoben sind und unter einer Geschlechterperspektive reflektiert werden, belegen jüngste Entwicklungen: „Die Tätigkeit der Erzieherin (Bildung, Erziehung, Betreuung) hat von der Schwierigkeit, der Verantwortung und der Bedeutung her in den letzten Jahren eine solche Qualität erhalten, dass es gerechtfertigt ist, Erzieherinnen so zu bezahlen wie Absolventen einer Fachhochschule (…)“ (GEW 2008: 2). Dass dafür neben beruflich-qualifiziertem Handeln auch politisches Engagement gefordert ist und sich lohnt, zeigen die derzeitigen Tarifverhandlungen (vgl. ebd.). Neue Forschungsergebnisse im Bezug auf die Kompetenzen von sozialpädagogischem Fachpersonal weisen zudem darauf hin, dass insbesondere die Darstellung der eigenen Leistung nach außen im 35 Rahmen zunehmenden Wettbewerbs wichtiger werden und daher auf allen institutionellen Ebenen erprobt werden müssen (vgl. Mayrhofer/ Raab-Steiner 2007: 6), wobei insbesondere zukünftige Erzieherinnen aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden sollten. Dies impliziert das Wissen und v.a. die organisationale Kompetenz die „Eigengesetzlichkeit“ (ebd.: 10) von Organisationen und deren organisationinternen Rollendifferenzen und Kommunikationsstrukturen verstehen zu können (vgl. ebd.). Gender Mainstreaming kann hierbei als grundlegendes Analysemodell fungieren. Europäische Analysen belegen nämlich, dass die mangelnde Sensibilisierung, die mangelnde Ressourcenbereitstellung und das fehlende Fachwissen, v.a. auf Managementebene, elementare Widerstände bei der Gleichstellung darstellen (vgl. Karsten 2004: 26). 36 6. Ausblick Gildemeister und Wetterer (1992) haben mit ihrer sozialkonstruktivistischen Perspektive des ‚doing gender’ als ‚doing differences’ entscheidend dazu beigetragen, dass die Prozesse und Ergebnisse der Geschlechtertrennung im Berufssystem analytisch voneinander trennbar werden, um damit genau untersuchen zu können, wie die Geschlechtszugehörigkeit ihre Wirkung im Berufssystem entfaltet (vgl. Wetterer 2002). Die Aufnahme sozialkonstruktivistischer Ansätze des ‚doing gender’ eignen sich zur Analyse für Institutionen wie Beruf (z.B. im Elementarbereich), Familie (z.B. der Lehrkräfte, siehe Autobiographische Analyse) und Sozialpolitik (z.B. Rahmenbedingungen für den Elementarbereich) und der Untersuchung wie diese Ebenen miteinander verknüpft sind (vgl. Teubner 2004: 434). Das hier vorliegende Portfolio hat versucht Gender Mainstreaming-Entwicklungen auf den drei im Prolog (Kapitel 1) benannten Ebenen (Wissen-Handeln-Kontrolle) unter einer sozialkonstruktivistischen Perspektive zu untersuchen: Auf der Ebene des Wissens um Genderfragen wurde der Gleichheits-, Differenz- und Dekonstruktionsansatz dargestellt. Den Schwerpunkt bildete dabei die Vorstellung von der ‚Zweigeschlechtlichkeit als kulturelles’ System wie es von Hagemann-White (1984: 80f) vorgeschlagen wurde. Dies wurde im Sinne von Rendtorff und Moser (1999) als linguistische Strukturkategorie verstanden und am Beispiel von Aktivität und Passivität mit der geringeren, beruflichen Bewertung von unterstützender, reproduktiver (Frauen-)Arbeit in Zusammenhang gebracht. Die Gegenüberstellung von personen- und bedürfnisbezogen weiblichem Arbeitsvermögen und berufsbezogenem und tauschwertorientiertem männlichen Arbeitsvermögen hat diesen Hierarchisierungsprozess nachdrücklich deutlich gemacht (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 31, Teubner 2004: 430). Es wurde sichtbar, dass Genderungerechtigkeit zunehmend subtil in Form kategorialer Denkschemata verläuft und u.a. sowohl durch das Fachpersonal als auch durch massenmediale Vermittlungsformen reproduziert wird. (Kapitel 2) Auf der Ebene der Handlung wurden für den Elementarbereich organisationale Strukturen untersucht, die Prozesse des ‚doing Gender’ durch die besonderen Bedingungen einer Institution, die im Spannungsfeld zwischen sozialen, pädagogischen, privatem und öffentlichen Auftrag handelt, verstärken. Auch hier wurde die, über die gesamt37 gesellschaftliche Rolle von Kindertageseinrichtungen stattfindende, Auseinandersetzung der Geschlechter (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 39) sowie die mediale Unterstützung von Hierarchisierungsprozessen deutlich. Aus einer Gendersperspektive wurde die funktionale Unterbewertung und Unterfinanzierung dieses frauendominierten Berufsbereich dekonstruierund erklärbar. Darüber hinaus konnte aufgezeigt werden, dass eine Sensibilisierung der zukünftigen Erzieherinnen sowie deren Ausbilderinnen für genderspezifische Abwertungsprozesse erhöht werden muss und diese in der Berufspraxis nicht reproduziert werden dürfen, d.h. eine gendersensible Pädagogik gelehrt und angewendet werden muss. Geschlecht spielt für die Art und Weise, wie Arbeit organisiert ist, eine entscheidende Rolle und Arbeit ist gleichsam entscheidend für die Konstruktion von Geschlechtlichkeit. Die Konstruktion der Geschlechterdifferenz ist demnach ein integraler Bestandteil von Strukturierungs- und Symbolisierungsprozessen von Berufsarbeit. Somit darf die Bedeutung des Berufsbereichs als Beitrag zur Reproduktion der Geschlechterverhältnisse nicht unterschätzt werden (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 61, Teubner 2004: 429). (Kapitel 3) Darüber hinaus wurden in einer wissenschaftlichen Analyse die eigenen ‚doing Gender’ Prozesse aufgedeckt und einer bewussten Reflexion zugänglich gemacht, um als Rollenvorbild nicht ebenso zur Reproduktion und institutionsbedingten Blindheit gegenüber Geschlechterungleichheit Geschlechterbild und beizutragen. den Die Auseinandersetzung Geschlechterrollen hat mit insbesondere für dem eigenen pädagogisches Fachpersonal eine zentrale Bedeutung (vgl. Walter 2008: 18). (Kapitel 4) Schließlich wurde die Bedeutung von organisationaler Kompetenz, insbesondere in Berufen, in denen Rollendiffusion eher die Regel als die Ausnahme darstellt, herausgestellt und in den administrativen Rahmen für den Elementarbereich bzw. deren Implikationen für den Aus- und Weiterbildungssektor eingeordnet. Neben beruflich-qualifiziertem Handeln ist auch politisches Engagement, auf der Basis von Wissen um die „Eigengesetzlichkeit“ (Mayrhofer/ Raab-Steiner 2007: 10) von Institutionen, gefordert. (Kapitel 5) Gender Mainstreaming bedeutet nicht nur den Wunsch nach Chancengleichheit, sondern das juristisch-verbriefte Recht eines jeden Mitgliedes der Europäischen Union seit dem Amsterdamer Vertrag (Thun-Hohenstein 19997: 25ff). Dabei kann Gender Mainstreaming als eine Strategie verstanden werden, in der die Geschlechterperspektive von allen Akteuren und Akteurinnen in Institutionen und Organisationen bewusst in ihr Handeln und in alle (auch 38 finanzpolitischen) Entscheidungen integriert wird (vgl. Brimmer 2008: 7). Es handelt sich um einen präventiven Ansatz, um ein Bewusstsein für verbleibende Ungleichheiten in den Lebenslagen von Frauen und Männern zu entwickeln. Er dient als Grundlage, die Systeme und Strukturen, die die Ungleichheiten von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen, produzieren und reproduzieren einer Analyse zugänglich zu machen und zu verändern, um langfristig eine Geschlechterdemokratie zu erreichen (vgl. ebd.). Was zu Beginn noch als Zumutung, als Modeerscheinung definiert wurde, wird heute in vielen Einrichtungen als spannender Entwicklungsprozess erlebt. Die Gruppe derer, die sich mit Lust und Neugierde auf die Geschlechterpädagogik einlassen, nimmt stetig zu (vgl. Walter 2008: 19). Wenn den Teilnehmenden bewusst wird, dass sie selbst tagtäglich als Geschlechtervorbild anregen oder begrenzen können, dass gebräuchliche Voreingenommenheit dem eigenen oder anderen Geschlechtern gegenüber in eine Sachgasse führen, läst sich der innere Widerstand auflösen (vgl. ebd.), selbstreflexive Analysen, die theoretisch aufgearbeitet werden, bieten einen guten Einstieg für ein vertiefendes Verständnis und die Erkenntnis der Notwendigkeit von Gender Mainstreaming in allen (nicht nur sozialpädagogischen) Berufsbereichen (vgl. Faulstich-Wieland 2006: 226). Garfinkel (1967: 118) spricht von einer ‚Omnirelevanz’ der Kategorie Geschlecht, die die Grundlage eines „invariant but unnoticed backround (…) of everyday life“ (Garfinkel 1967: 118) bedeutet. Eine etablierte, reflexive Praxis, die in politischem Engagement mündet, verhindert eine Verschleierung dieses beständigen Hintergrundes. Ein im Rahmen dieser Arbeit nicht zu leistendes, langfristiges Ziel ist sicher die Ebene der Kontrolle – wie im Prolog dargestellt - aus einer Gender Perspektive zu konkretisieren und sie damit einer direkten, praktischen Überprüfung zugänglich zu machen. Der Weg ist noch lang, aber erste Schritte sind getan, wenn beispielsweise sozialpädagogische Teams Geschlechterbeauftragte benennen, die regelmäßig zur Beobachtung freigestellt werden (vgl. Walter 2008: 19). Dennoch fehlen methodisch saubere, empirische Studien, die die impliziten Einflüsse des sozialen Geschlechts offenzulegen imstande sind. Dies gestaltet sich als deutliches Hemmnis für Gender Mainstreaming Prozesse (vgl. Rabe-Kleberg 2003: 91) und muss korrigiert werden. Neben einem wissenschaftlichen Diskurs konnte aber auch gezeigt werden, dass massenmediale Einflüsse nicht ignoriert werden dürfen. Dies erfordert auch 39 Veröffentlichungen in Zeitschriften mit einer breiten Leser- und Leserinnenschaft. Es sollten elaborierte Artikel veröffentlicht werden, die adressatengerecht formuliert, die komplexen Ergebnisse der feministischen Forschung entsprechend den Forschungsergebnissen der Experten und Expertinnen darstellen. 40 Literatur Abbott, Andrew (1988): The System of Professions. An Essay on the Division of Expert Labor. London u.a.: University of Chicago Press Baumgart, Franzjörg (2004): Theorien der Sozialisation. Erläuterungen, Texte und Arbeitsaufgaben. 3. Aufl.. Bad Heilbrunn/ Obb: Klinkhart Becker-Schmidt, Regina (2004): Doppelte Vergesellschaftung von Frauen: Divergenzen und Brückenschläge zwischen Privat- und Erwerbsleben. In: Becker, Ruth/ Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methode, Empirie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 62-71 Bilden, Helga (1991): Geschlechtsspezifische Sozialisation. In: Hurrelmann, Klaus/ Ulich, Dieter (Hrsg.): Neues Handbuch der Sozialisationsforschung. Weinheim: Beltz, S. 279-301 Bitzan, Maria (2004): Praxisforschung, wissenschaftliche Begleitung, Evaluation: Erkenntnis als Koproduktion. In: Becker, Ruth/ Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methode, Empirie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 298-303 BMFSFJ (2002): Elfter Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ (2002): Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistung der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Elfter Kinder- und Jugendbericht. Bundesdrucksache 14/8181. Berlin Böhnisch, Lothar/ Funk, Heide (2002): Soziale Arbeit und Geschlecht. Theoretische und praktische Orientierungen. Weinheim u.a.: Juventa Brommer, Sabine (2008): Was ist Gender Mainstreaming? Begriff und Zielsetzung. In: TPS Theorie und Praxis in der Sozialpädagogik. (2) 2008. Leipzig: Kallmayer bei Friedrich in Velber, S. 7 BSG (2005): Hamburger Bildungsempfehlungen für die Bildung und Erziehung von Kindern in Tageseinrichtungen. Hamburg: Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Cornelißen, Waltraud (2006): Geschlechterdebatten in Deutschland – eine Zwischenbilanz. Kontroversen um Kinder, Küche, Karriere. In: DJI Bulletin 75/2 2006, S. 6-10 Faulstich-Wieland, Hannelore (2006): Geschlechtsbewusste Erziehung. In: Fried, Lilien (Hrsg.): Pädagogik der frühen Kindheit. Handbuch und Nachschlagewerk. Weinheim u.a.: Beltz, S. 223-229 Fegebank, Barbara (2004a): Systeme personenbezogener Dienstleistungen. In: Fegebank, Barbara/ Schanze, Heinrich: Arbeit-Beruf-Bildung in Berufsfeldern mit personenorientierten Dienstleistungen. Berufsbildung konkret. Bd. 7. Hohengehren-Baltmannsweiler: Schneider Verlag, S. 8-21 Fegebank, Barbara (2004b): Eine Neue Lern-Lehr-Kultur in der beruflichen Bildung. In: Fegebank, Barbara/ Schanze, Heinrich: Arbeit-Beruf-Bildung in Berufsfeldern mit personenorientierten Dienstleistungen. Berufsbildung konkret. Bd. 7. Hohengehren-Baltmannsweiler: Schneider Verlag, S. 116-132 Foucault, Michael (1992): Überwachen und Strafen: die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt a. Main: Suhrkamp Fried, Lilian (1990): Ungleiche Behandlung schon im Kindergarten und zum Schulanfang? Die deutsche Schule, 1, Beiheft, S. 61-76 Friebertshäuser, Barbara (2001): Feldforschung im Praktikum. Ein Konzept für das studienbegleitende Praktikum in der Erziehungswissenschaft?. In: Schulze-Krüdener, Jörgen/ Homfeldt, Hans Günter (Hrsg.): Praktikum – eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und Beruf. Neuwied u.a.: Luchterhand, S. 181-204 Gailberger, Steffen/ Wissen und Kompetenz. Entwicklungslinien und Kontinuitäten in Krelle, Michael (2007): der Deutschdidaktik. Eine Einleitung. In: Gailberger, Steffen/ Krelle, Michael (Hrsg.): Wissen und Kompetenz. Entwicklungslinien und Kontinuitäten in Deutschdidaktik und Deutschunterricht. Baltmannsweiler-Hohengehren: Schneider Verlag, S. 7-16 Garfinkel, Harold (1967): Studies in Ethnomethodology. Cambridge: Polity Press Gay, John (1992): Männer sind anders. Frauen auch. München: Goldmann Verlag GEW (2008): Erzieherinnen verdienen mehr! In: http://www.gew.de/Binaries/Binary40340/Tarifinfo_TV %C3%B6D_Jan_2009.pdf. Retrieved: 19.02.09 Gildemeister, Regine (2001): Geschlechterforschung. In: Otto, Hans-Uwe/ Thiersch, Hans (Hrsg.): Handbuch Sozialarbeit Sozialpädagogik. 2. überarb. Aufl. Kriftel: Luchterhand, S. 682-690 Gildemeister, Regine (2004): Doing Gender: Soziale Praktiken der Geschlechterunterscheidung. In: Becker, Ruth/ Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und B Geschlechterforschung. Theorien, Methoden, Empirie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 132-140 Grunwald, Klaus/ Thiersch, Hans (2001): Lebensweltorientierung. In: Otto, Hans-Uwe/ Thiersch, Hans (Hrsg.): Handbuch Sozialarbeit Sozialpädagogik. 2. überarb. Aufl. Kriftel: Luchterhand, S. 1136-1148 Hagemann-White, Carol (2002): Geschlechtstheoretische Ansätze. In: Krüger, Heinz-Hermann/ Grunert, Cathleen (Hrsg.): Handbuch Kindheits- und Jugendforschung. Opladen: Leske + Budrich, S. 143-163 Karsten, Maria-Elenora (2001): Sozialmanagement. In: Otto, Hans-Uwe/ Thiersch, Hans (Hrsg.): Handbuch Sozialarbeit Sozialpädagogik. 2. überarb. Aufl. Kriftel: Luchterhand, S. 1757-1762 Karsten, MariaEleonora (2003): Sozialdidaktik – Zum Eigensinn didaktischer Reflexion in der Berufsbildung für soziale und sozialpädagogische (Frauen-)Berufe. In: Schlüter, Anne: Aktuelles und Querliegendes zur Didaktik und Curriculumsentwicklung, S. 350-374 Karsten, MariaEleonora (2004): Personenbezogene Dienstleistungen auf dem Weg in die Zukunftsfähigkeit. In: Fegebank, Barbara/ Schanze, Heinrich: Arbeit-Beruf-Bildung in Berufsfeldern mit personenorientierten Dienstleistungen. Berufsbildung konkret. Bd. 7. HohengehrenBaltmannsweiler: Schneider Verlag, S. 22-38 Kessler, Suzanne J./ McKenna, Wendy (1978): Gender. An Ethnomethodological Approach. New York: John Wiley & Sons Keupp, Heiner et al. (2006): Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. 3. Auflage. Reinbek: Rowohlt Klaus, Elisabeth (2001): Kommunikationswissenschaft und Gender Studies. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag Klawitter, Nils et al. (2008): Die Natur der Macht. In: Der Spiegel, 39, 22.09.2008, S. 52-60 König, Eckard (2002): Qualitative Forschung im Bereich subjektiver Theorien. In: König, Eckard/ Zedler, Peter (Hrsg.): Qualitative Forschung. 2. Aufl. Weinheim u.a.: Beltz, S. 55-69 Krabel, Jens/ Cremers, Michael (2008): Mädchen- und Jungenförderung als Bestandtteil der Erzieherinnenausbildung. Zur Vermittlung von Genderkompetenzen in Fach- und Hochschule für Sozialpädagogik. In: TPS Theorie und Praxis in der Sozialpädagogik. (2) 2008. Leipzig: Kallmayer bei Friedrich in Velber, S. 28-31 C Krüger, Helga (2001): Gesellschaftsanalyse. Der Institutionsansatz in der Geschlechterforschung. In: Knapp, Gudrun-Axeli/Wetterer, Angelika (Hrsg.): Soziale Verortung der Geschlechter. Gesellschaftstheorie und feministische Kritik. Münster: Westfälisches Dampfboot, S. 63-90 Kunert-Zier, Margitta (2007): „Von harten Mädchen und zarten Jungs“ – Über Geschlechterverhältnisse und Erziehung am Beginn des 21. Jahrhunderts. Fachtagung für Pädagoginnen Juni 2007 Levine, Judith (1992): Geliebter und Feind. Frauen sehen Männer. Düsseldorf u.a.: ECON Verlag Mayrhofer, Hemma/ Raab-Steiner (2007): Wissens- und Kompetenzprofile von SozialarbeiterInnen. Berufspraktische Anforderungen, strukturelle Spannungsfelder und künftige Herausforderungen. Bd. 3. Wien: FH Campus Wien MSJK (2003): Bildungsvereinbarung NRW. In: http://www.callnrw.de/php/lettershop/download/865/ download.pdf. Retrieved: 06. 08. 2008 MWFK (2006): Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die badenwürttembergischen Kindergärten. Pilotphase. Weinheim u.a.: Beltz Nds.KM (2005): Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder. Hannover: Schlütersche Druck Niesel, Renate (2008a): Kinder sind niemals geschlechtsneutral. Die Kita als Erfahrungsraum des sozialen Geschlechts. In: TPS Theorie und Praxis in der Sozialpädagogik. (2) 2008. Leipzig: Kallmayer bei Friedrich in Velber, S. 12-14 Niesel, Renate (2008b): Feigenblatt oder Wegweiser? Gesclechtsbewusste Pädagogik in Bildungsplänen. In: TPS Theorie und Praxis in der Sozialpädagogik. (2) 2008. Leipzig: Kallmayer bei Friedrich in Velber, S. 32-35 Nissen, Ursula (1998): Kindheit, Geschlecht und Raum. Sozialisationstheoretische Zusammenhänge geschlechtsspezifischer Raumaneignung. Weinheim u.a.: Juventa OECD (2004): Die Politik der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung in der Bundesrepublik Deutschland Pease, Allen/ Pease, Barbara (2000): Warum Männern nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Berlin: Ullstein Rabe-Kleberg (1987): Frauenberufe – Zur Segmentierung der Berufswelt. Theorien und D Praxis der Frauenforschung. Bielefeld: Kleine Verlag GmbH Rabe-Kleberg, Ursula (1997a): Öffentliche Kindererziehung: Kinderkrippe, Kindergarten, Hort. In: Krüger, Heinz-Hermann/ Rauschenbach, Thomas (Hrsg.): Einführung in die Arbeitsfelder der Erziehungswissenschaft. Opladen: Leske + Budrich, S. 89-106 Rabe-Kleberg, Ursula (1997b): Frauen in sozialen Berufen – (k)eine Chance auf Professionalisierung? In: Friebertshäuser, Barbara et al. (Hrsg.): Sozialpädagogik im Blick der Frauenforschung. Weinheim: Beltz, S. 59-69 Rabe-Kleberg, Ursula (2003): Gender Mainstreaming und Kindergarten. Weinheim u.a.: Beltz Reich, Kersten (2006): Konstruktivistische Didaktik. Lehr- und Studienbuch mit Methodenpool. Beltz Verlag. Weinhein Reichertz, Jo (2002): Die objektive Hermeneutik – Darstellung und Kritik. In: In: König, Eckard/ Zedler, Peter (Hrsg.): Qualitative Forschung. 2. Aufl. Weinheim u.a.: Beltz, S. 99-122 Rendtorff, Barbara/ Moser, Vera (1999) Geschlecht als Kategorie – soziale, strukturelle und historische Aspekte. In: Rendtorff, Barabare/ Moser, Vera (Hrsg.): Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der Erziehungswissenschaft. Eine Einführung. Opladen: Leske + Budrich Schulewski, Ute (2002): Doing Gender. Gender Effekte in Handlungsstrategien und Handlungskonstellationen von SozialpädagogInnen in der Jugendberufshilfe. DJI Arbeitspapier, 2, 2002. München Schwarz, Monika (2007): Semantik, das Fenster zum Geist. In: Schwarz, Monika/ Chur, Jeannette (Hrsg.): Semantik. Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Gunter Narr Verlag, S. 11-110 SenBJS (2004): Das Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt. Berlin: verlag das netz Stiegler, Barabara (2008): Das Kind am Markt. Die öffentliche Förderung gewinnorientierter Kleinkindbetreuung unter der Geschlechterperspektive. In: http://www.fes.de/wiso/sets/s_frau_publ.htm Retrieved: 01.01.09 STMAS (2007): Der Bayrische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung. (2. Aufl.) Berlin u.a.: Cornelsen/Scriptor Stroebe, Wolfgang/ Jonas, Klaus (2002): Sozialpsychologie. Eine Einführung. 4. Aufl. Berlin u.a.: Springer E Tacke, Veronika (2008): Neutralisierung, Aktualisierung, Invisibilisierung. Zur Relevanz von Geschlecht in Systemen und Netzwerken. In: Wilz, Sylvia M. (Hrsg.): Geschlechterdifferenzen – Geschlechterdifferenzierungen. Ein Überblick über gesellschaftliche Entwicklungen und theoretische Positionen, S. 253-289 Teubner, Ulrike (2004): Beruf: Vom Frauenberuf zur Geschlechtskonstruktion im Berufssystem. In: Becker, Ruth/ Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methode, Empirie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 429436 Thun-Hohenstein, Christoph (1997): Der Vertrag von Amsterdamm: die neue Verfassung der EU. Wien u.a.: Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlungen Uhle, Reinhard (2002): Qualitative Sozialforschung und Hermeneutik. In: König, Eckard/ Zedler, Peter (Hrsg.): Qualitative Forschung. 2. Aufl. Weinheim u.a.: Beltz, S. 99-122 Verlinden, Martin (1995): Mädchen und Jungen im Kindergarten. 2. Aufl. Köln: Sozialpädagogisches Institut NRW Walter, Melitta (2008): „Muss ich jede Mode mitmachen?“ Frauen und Männer auf der Suche nach einer Geschlechter-Haltung für sich selbst. In: TPS Theorie und Praxis in der Sozialpädagogik. (2) 2008. Leipzig: Kallmayer bei Friedrich in Velber, S. 15-19 Wetterer, Angelika (1992): Profession und Geschlecht. Frankfurt a. Main: Campus Wetterer, Angelika (2002): Arbeitsteilung und Geschlechterkonstruktionen: Gender at Work in theoretischer und historischer Perspektive. Konstanz: UVK Wolf, Birgit (2004): Politik, Mediennutzung und Geschlecht. Ein Beitrag zur gendersensiblen Erforschung und Bewertung der Rezeption politischer Medienangebote. In: http://www. Donauuni.ac.at/print/?/de/service/gender/05799/index.php, S. 3-6, Retrieved: 25.10.2008 F