Ernährung in Ganztagsschulen

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Ernährung in
Ganztagsschulen
Vorteile der Optimierten Mischkost
Ganztagsschulen müssen den Schülern ein Mittagessen bereitstellen, die Ausgestaltung des Essens bleibt dabei den Schulen selbst überlassen. Die Optimierte
Mischkost als evaluiertes Konzept für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen
wurde in letzter Zeit verstärkt auch auf die Ernährung in Ganztagsschulen zugeschnitten, um eine den Empfehlungen entsprechende Verpflegung der Schüler zu
erleichtern und zu fördern.
Einleitung
Dr. oec. troph. Kerstin
Clausen (FKE)
114
Mit dem Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ des Bundes sollten im Zeitraum 2003 bis 2007
insgesamt 10 000 Ganztagsschulen neu
eingerichtet und damit 25 % aller Schüler erreicht werden [1]. Innerhalb kurzer Zeit würde sich damit die Anzahl an
Ganztagsschulen vervielfachen.
Die Einrichtung eines Ganztagsbetriebs
bringt neben strukturellen und pädagogischen Änderungen für die meisten Schulen zumindest in den alten Bundesländern auch die neue Aufgabe mit
sich, die Schüler mittags zu verköstigen.
Immer mehr Informationen und Angebote zum Mittagessen in Schulen beziehen sich auf die „Optimierte Mischkost“
bzw. „optimiX“ oder allgemein auf die
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„Empfehlungen“ aus dem Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
(FKE). Manchmal entsteht im Forschungsinstitut dabei der Eindruck, dass
nur oberflächliche Formulierungen
übernommen werden, während die wesentlichen lebensmittel- und mahlzeitenbezogenen Inhalte unbeachtet oder
unverstanden bleiben.
Die Optimierte Mischkost wurde erstmals 1993 ausführlich begründet und
beschrieben [2–4]. Seitdem wurde sie
stetig weiterentwickelt, und in letzter
Zeit vor allem auf die Gemeinschaftsverpflegung in Kindertagesstätten und
Schulen zugeschnitten. In diesem Artikel sollen deshalb zunächst die Grundzüge der Optimierten Mischkost kurz
aufgefrischt und anschließend die aktuellen Empfehlungen für das Mittagessen
näher erläutert werden.
PD Dr. Mathilde Kersting
Forschungsinstitut für
Kinderernährung FKE
Heinstück 11
44225 Dortmund
Tel: 0231-79 22 10 18
Fax: 0231-71 15 18
email: [email protected]
Grundzüge der Optimierten
Mischkost
Das Konzept der Optimierten Mischkost,
kurz optimiX, wurde am Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
(FKE) entwickelt und evaluiert. Dabei
wurden die internationalen Standards für
die Entwicklung lebensmittelbezogener
Ernährungsempfehlungen (Food Based
Dietary Guidelines, FBDG) auf die Ernährung von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland bezogen umgesetzt. Da am
FKE in der DONALD Studie (Dortmund
Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study) die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen fortlaufend untersucht werden, fließen aktuelle Erkenntnisse über die Ernährung der Zielgruppen in die Fortentwicklung der Optimierten Mischkost ein.
Im Jahre 2005 wurde optimiX® als geschütztes Warenzeichen des FKE europaweit registriert.
Der markenmäßigen Verwendung von optimiX durch Dritte muss das FKE zustimmen, um die hohen Qualitätsansprüche an
die Inhalte von optimiX zu erfüllen. Verletzungen der Markenrechte können nicht
hingenommen werden.
Kürzlich wurde die Optimierte Mischkost
von der EFSA (European Food Safety
Authority) als Beispiel für FBDG für Kinder und Jugendliche auch auf europäischer Ebene vorgestellt [5].
Evaluation
Ausgangspunkt der Optimierten Mischkost sind 7-Tage-Speisepläne mit genauen
Angaben von Art und Menge der Lebens-
mittel für die Referenzgruppen der 4- bis
6-jährigen Kinder und der 13- bis 14-jährigen Jugendlichen [6]. Anhand dieser detaillierten Speisepläne konnte die Zufuhr
von Energie und Nährstoffen evaluiert
werden und es zeigte sich, dass bei Kindern und Jugendlichen in allen Altersgruppen bei altersgemäßer Energiezufuhr auch die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr [7] erreicht werden [8]. Nährstoffangereicherte Lebensmittel sind mit
Ausnahme von Speisesalz, dem Jod, Folsäure und Fluorid zugesetzt wurden,
nicht erforderlich.
Die Anbau- oder Produktionsmethode ist kein originäres Kriterium für die Lebensmittelauswahl in der Optimierten
Mischkost. Sie kann mit konventionell erzeugten Lebensmitteln ebenso wie mit Bio-Lebensmitteln realisiert werden,
denn die ernährungsphysiologische Qualität der Lebensmittel wird nicht nennenswert durch die
Anbaumethode beeinflusst.
Gruppierung der Lebensmittel
Die in den Speiseplänen verwendeten Lebensmittel wurden zu 11 Lebensmittelgruppen zusammengefasst. Diese bilden
den Kern der Optimierten Mischkost. Die
Anteile der Lebensmittelgruppen an der
Gesamtverzehrsmenge und an der Gesamtenergiezufuhr sind für alle Altersgruppen gleich, lediglich die absoluten
Verzehrsmengen ändern sich mit dem
Alter bzw. dem Energiebedarf. Die Optimierte Mischkost gründet sich somit auf
konkrete Mengen, nicht auf Häufigkeiten
des Verzehrs, wie manche Lebensmittelpyramiden [9]. Aus der Optimierten
Abb. 1: Lebensmittelbezogene
Empfehlungen für die warme Mahlzeit
der Optimierten Mischkost, visualisiert
anhand der dreidimensionalen optimiX
Mahlzeitenpyramide
Mischkost können nicht ohne weiteres
Empfehlungen für Verzehrshäufigkeiten
von Lebensmitteln abgeleitet werden,
ohne zu berücksichtigen, dass die Portionsgrößen je nach Lebensmittel, Speisenart oder Mahlzeitentyp unterschiedlich
sein können.
Das Baukastensystem der
Mahlzeiten
Kinder erleben ihre Ernährung in Form
ihrer alltäglichen Mahlzeiten. Empfehlungen für die Gesamternährung sind für
Kinder abstrakt und schwer anwendbar.
Aus den Speiseplänen der Optimierten
Mischkost wurden deshalb auch Empfehlungen für die Mahlzeiten abgeleitet.
Dabei wurden die empfohlenen 5 Mahl-
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zeiten am Tag aufgrund ihrer Lebensmittelmuster zu 3 Mahlzeitentypen zusammengefasst:
2 kalte Hauptmahlzeiten,
1 warme Hauptmahlzeit und
2 Zwischenmahlzeiten.
Aus didaktischen Gründen wurden die
Empfehlungen in einer dreidimensionalen optimiX® Mahlzeitenpyramide dargestellt. Diese mahlzeitenspezifische Art der
Darstellung ist unseres Wissens auch über
Deutschland hinaus eine Innovation [10].
쏆 Abbildung 1 zeigt die lebensmittelbezogenen Empfehlungen für die warme
Hauptmahlzeit der Optimierten Mischkost, visualisiert anhand der optimiX
Mahlzeitenpyramide. Die warme Mahlzeit
zeichnet sich gegenüber den anderen
Mahlzeiten durch ihr spezielles Lebensmittel- und Nährstoffprofil und durch
Die Anwendung pauschaler Faktoren für
die Anteile der Mahlzeiten am Tagesverzehr, z. B. ein Drittel der Tageszufuhr an
Energie und Nährstoffen für das Mittagessen, ist bei der Kinderernährung in
Deutschland aus Sicht des FKE theoretisch
und praktisch unrealistisch.
In Deutschland ist das Mittagessen typischerweise eine warme Hauptmahlzeit. Je
nach schulischen oder familiären Bedingungen kann die warme Mahlzeit aber
auch abends eingenommen werden. Das
Mittagessen ist dann eine kalte Hauptmahlzeit. In der Optimierten Mischkost
besteht diese aus Brot/Getreideflocken,
Obst/Rohkost, Milch/Milchprodukten
und einem Getränk (Wasser/Tee). Sie
kann als „Lunchpaket“ von zu Hause mitgebracht oder in der Schule angeboten
werden.
100 %
80 %
60 %
40 %
20 %
0%
S d. er st. t. A . E t. B 1 t. B 2 t. B 6 acin lsre. t. C lium ium hor ium isen Zink Jod
ie
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S
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Ka Cal hosp gne E
Pr
l
h
P Ma
Ba
Ko
En
1. Frühstück
2. Frühstück
Mittag
Nachmittagsmahlzeit
Abendessen
Abb. 2: Anteile der einzelnen Mahlzeiten an der Tageszufuhr von Energie und
Nährstoffen in der Optimierten Mischkost
eine größere Zubereitungsvielfalt aus. Sie
ist vor allem reich an Vitaminen, Spurenelementen und ungesättigten Fettsäuren
쏆 (Abbildung 2).
Die Lebensmittel- und Nährstoffprofile
der einzelnen Mahlzeiten ergänzen sich
gegenseitig zu einer empfehlungsgerechten Tagesernährung.
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Milch/Milchprodukte und Obst werden
von Kindern üblicherweise zu den kalten
Mahlzeiten verzehrt. Als Dessert bei der
warmen Mahlzeit der Optimierten Mischkost werden sie deshalb nicht benötigt.
Stattdessen sollen sich die Schüler an den
nährstoffreichen Hauptspeisen satt essen.
Die Lebensmittelgruppen der Optimier-
ten Mischkost wurden nicht nur nach ernährungsphysiologischen Kriterien, sondern auch nach praktischen mahlzeitenbezogenen Gesichtspunkten gebildet.
Fleisch, Fisch und Ei sowie Kartoffeln/
Nudeln/Reis und Brot/Getreideflocken
wurden einzeln ausgewiesen, so dass Mengenkalkulationen für warme und kalte
Mahlzeiten für Schulen und Küchen erleichtert werden.
Konkretisierung durch Rezepte
für Ganztagsschulen
Speisepläne bzw. Verzehrshäufigkeiten
von Speisen geben allein noch keine verlässliche Auskunft über die ernährungsphysiologische Qualität des Essens, denn
die Zusammensetzung der einzelnen
Speisen, z. B. die Anteile der einzelnen
Zutaten und die Zubereitung, bleiben beliebig.
In der bundesweiten KESS-Studie (Kindertagesstätten Ernährungs-SituationsStudie) 1997/98 wurden die Speisepläne
von 201 Kindertagesstätten anhand der
weit verbreiteten sog. „Bremer Checkliste“, die sich auf die Optimierte Mischkost
beruft, bewertet. Parallel wurden anhand
der zugehörigen Rezepte, die von den Küchen zur Verfügung gestellt worden
waren, die Nährstoffdichten der Mahlzeiten als Maß für die ernährungsphysiologische Qualität berechnet und mit den
Nährstoffdichten der warmen Mahlzeit
der Optimierten Mischkost verglichen.
Nur bei knapp der Hälfte der Kindertagesstätten entsprach die Speisenplanqualität auch der ernährungsphysiologischen
Qualität bzw. der Rezeptqualität. Bei der
anderen Hälfte waren entweder die Speisenpläne befriedigend, aber die Rezepte
unbefriedigend oder es verhielt sich umgekehrt [11].
Rezeptentwicklung und
-überprüfung
Zur Qualitätssicherung des Mittagessens
in der Gemeinschaftsverpflegung bei Kindern und Jugendlichen sind detaillierte
Vorgaben notwendig. Deshalb wurden am
FKE Rezepte für das Mittagessen in Schulen entwickelt. Hierzu wurden bereits vorhandene Rezepte der Optimierten Mischkost auf den Einsatz in Großküchen zugeschnitten bzw. allgemeine Großküchenre-
Kriterien
Methoden
Ergebnisse
ernährungsphysiologisch
optimiert
Erhöhung der Anteile von
Gemüse und Beilagen,
Einsatz von Rapsöl
mehrheitlich Rezepte mit
viel Gemüse
kostengünstig
Bevorzugung
herkömmlicher
Lebensmittel
Lebensmittelkosten: 0,80 t
pro Mittagessen
küchentechnisch leicht
herstellbar
Beratung und
Rezeptzubereitung durch
erfahrene Köche
in Großküchen praktikable
Rezepte
geschmacklich getestet
Bewertung (Skala) durch
Schüler unmittelbar nach
der Mahlzeit
geschmacklich
konkurrenzfähig gegenüber
herkömmlichen Rezepten
Tab. 1: Umsetzung wissenschaftlicher und praktischer
Kriterien in Rezepten für das Mittagessen in Schulen
zepte bei Bedarf im Sinne der Opti- skeptisch (Neophobie). In der Studie wurmierten Mischkost modifiziert. Auch die den die Schüler aber während 2 Wochen
Kosten der Lebensmittel wurden kontrol- täglich mit neuen Zubereitungsvarianten
konfrontiert.
liert (쏆 Tabelle 1).
Ein wesentliches Kriterium der Optimier- Bei der geschmacklichen Bewertung
ten Mischkost ist die Berücksichtigung schnitten traditionelle Speisen, z. B. Reder Geschmackspräferenzen bei Kindern zepte mit Fleisch, besser ab als Speisen mit
und Jugendlichen. Deshalb wurden auch viel Gemüse. Jüngere Schüler (울14
die Rezepte für das Schulessen einem Jahre) waren den neuen Rezepten gegengroß angelegten Geschmackstest mit über aufgeschlossener als ältere (>14
Schülern unterzogen, verknüpft mit Jahre), Mädchen eher als Jungen [12].
einem Test der Praxistauglichkeit in den
zugehörigen Großküchen.
Einsatz der Rezepte
Hierzu wurde eine bundesweite Studie an
weiterführenden Schulen mit langjähri- Um die Ergebnisse der Studie für Küchen
ger Ganztagserfahrung in Hamburg, und Schulen nutzbar zu machen, wurden
Gotha und Kirchheim Bolanden
(Rheinland-Pfalz) durchgeführt.
Speisengruppen
Rezepte
Die Rezepte wurden von den Köherkömmlich optimiert
chen in ihren Großküchen (200–
1000 Essen/Tag) zubereitet und
Fleisch ohne Soße
2,10
2,21
von insgesamt mehr als 1 000 SchüSoßen
2,31
2,36
lern im Alter von 10–18 Jahren geBeilagen
2,23
2,50
schmacklich bewertet. Dabei wurden zunächst 2 Wochen lang die
Fleisch in Soße
2,41
2,44
herkömmlichen Rezepte und anFisch
2,37
2,70
schließend 2 Wochen lang die optiEintopf/Pfannenmierten Rezepte angeboten [12,
gericht mit Gemüse
1
13] .
und Fleisch
2,37
2,83
In der geschmacklichen Bewervegetarische
tung durch die Schüler konnten
Gerichte oder
die optimierten Rezepte im VerKomponenten
2,34
2,83
gleich mit den gewohnten RezepGemüse
2,53
2,89
ten durchaus mithalten (쏆 Tabelle
2). Dieses erfreuliche Ergebnis war
Benotung: 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = weder gut noch schlecht,
4 = schlecht, 5 = sehr schlecht
nicht von vornherein zu erwarten.
Denn Kinder sind gegenüber
Tab. 2: Geschmackliche Bewertung
Neuerungen beim Essen eher
2
1
Mit Förderung durch die Nestlé Deutschland AG
von herkömmlichen und optimierten
Rezepten, zusammengefasst in Speisengruppen (Durchschnittsnoten2)
mehr als 40 erprobte Rezepte in einem
Ordner veröffentlicht [13]. Zusätzliche
ausführliche Anleitungen für die Zubereitung und praktische Tipps für die Einführung bei den Schülern helfen dabei, eventuelle anfängliche Vorbehalte bei Küchenpersonal und Schülern gegenüber
Neuerungen beim Essen abzubauen.
Die Rezepte können flexibel eingesetzt
werden, unabhängig vom Verpflegungssystem, z. B. in Küchen vor Ort, in Fernküchen oder bei Tiefkühlessen, und unabhängig von der Zahl der Essensteilnehmer.
Ebenso wie bei der Tagesernährung sind
auch bei den Mahlzeiten der Optimierten
Mischkost die Anteile der Lebensmittelgruppen am Gesamtverzehr für alle Altersgruppen gleich. Praktisch bedeutet
dies, dass beim Mittagessen unabhängig
vom Alter der Schüler nach denselben Rezepten gekocht werden kann. 쏆 Tabelle 3
zeigt Anhaltswerte für die Lebensmittelmengen bei ausgewählten Altersgruppen.
Einzelheiten zur Umrechnung für andere
Altersgruppen finden sich an anderer
Stelle [14].
Zusätzlich zu den Rezepten wurde eine
neue „Checkliste“ für den Speiseplan entwickelt. In dem Rezeptordner wird anhand von Beispielen für mehrere Wochen
gezeigt, wie aus den Rezepten ausgewogene Speisepläne gestaltet werden können
und wie sich die Mittagsmahlzeiten und
die weiteren Mahlzeiten des Tages im Baukastensystem der Optimierten Mischkost
ergänzen [13]. Damit werden alle an der
Ernährung der Schüler Beteiligten, auch
die Eltern, über ihren jeweiligen Beitrag
gleichsinnig informiert.
Damit ist die Optimierte Mischkost auch
für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen bei Ganztagsunterricht ernährungsphysiologisch evaluiert und hinsichtlich der Lebensmittelkosten kalkuliert. Schon früher konnte gezeigt werden, dass sich die Optimierte Mischkost
auch in Kindertagesstätten, die mit Tiefkühlmittagessen versorgt werden, realisieren lässt [15].
Perspektiven
Laut der Kultusministerkonferenz müssen Ganztagsschulen an allen Tagen mit
Ganztagsschulbetrieb den Schülern ein
Mittagessen bereitstellen.
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Fachkräfte wie Köche
oder Hauswirtschafter
g pro Tag (5 Tage)
7–9 Jahre
10–12 Jahre
vorhanden, aber meist
ohne spezielle QualifiGetränke
250 (1 250)
280 (1 400)
kation in der KindererKartoffeln/Nudeln/Reis1
220 (1 100)
270 (1 350)
nährung. Wurde TiefHülsenfrüchte1
11 (55)
13 (65)
kühlkost
verwendet,
fehlte es in den KinderGemüse, Rohkost2
150 (750)
170 (850)
tagesstätten vor Ort oft
Fleisch
30 (150)
35 (175)
an ErnährungsfachkräfFisch
75 g/Woche
90 g/Woche
ten, und man verließ
Speisefette
10 (50)
12 (60)
sich auf die Beratung
durch die Hersteller
Ei
10 (50)
12 (60)
[19].
Brot, z. B. zur Suppe
8 (40)
10 (50)
Beim Mittagessen in
Obst, als Zutat
8 (40)
10 (50)
Schulen dürfte es um
die Qualifikation des
Milch/-produkte, als Zutat
11 (55)
13 (65)
Personals derzeit nicht
Süßes, in süßen Hauptspeisen
8 (40)
10 (50)
besser bestellt sein als
Sonstiges
11(55)
13 (65)
damals in den Kindertagesstätten. Unter diesen
Portionsgröße (ohne Getränk)
480 g
600 g
Umständen
eröffnet
Energiegehalt
480 kcal
600 kcal
der Einsatz evaluierter
Rezepte mit den entgegart, Rohkostmengen ggf. um etwa 1/3 geringer
sprechenden Speiseplänen einen praktischen
Tab. 3: Anhaltswerte für die Lebensmittelmengen (g/Tag
Weg zur Qualitätssichebzw. 5 Tage) in der Mittagsmahlzeit der Optimierten
Mischkost sowie Energiegehalt und Portionsgröße am
rung beim Mittagessen
Beispiel von 2 Altersgruppen
in Schulen und erübrigt
mühsame NährwertbeVorgaben für die ernährungsphysiologi- rechnungen vor Ort.
sche Qualität des Schulessens, die eine Das Rezept-Konzept ist keine Konkurrenz
Aufgabe der Bundesländer wären, blei- zu bestehenden Informationsmaterialien,
ben mit wenigen Ausnahmen (z. B. Ber- Rahmenrichtlinien oder Zertifizierungen,
lin, geplant Brandenburg) bisher vage sondern kann diese ergänzen und vertie[16]. Länderübergreifende Rahmenricht- fen [17, 18, 20]. Schulen, die ein Mittaglinien beschränken sich auf Empfehlun- essen im Sinne der Optimierten Mischgen für den Speiseplan und einige Krite- kost anbieten möchten, können den Einsatz der Rezepte als zusätzlichen Qualitätsrien für die Lebensmittelauswahl [17].
Mit der politisch angestrebten stärkeren standard einfordern, z. B. bei VerhandEigenständigkeit der Schulen werden die lungen mit Essensanbietern, und umgeSchulträger bzw. Schulen in Zukunft auch kehrt können Essensanbieter den Einsatz
die Ausgestaltung des Mittagessens ver- der Rezepte als Herausstellungsmerkmal
mehrt in ihre eigene Verantwortung über- im Wettbewerb mit Konkurrenten nutzen.
nehmen müssen. Dabei stehen ihnen Als erstes Bundesland hat Rheinland-Pfalz
zahlreiche Informationen zur Verfügung, die Chancen des Rezept-Konzepts ervon renommierten Institutionen, wie der kannt und den Rezeptordner an alle
Deutschen Gesellschaft für Ernährung mehr als 400 Ganztagsschulen im Land
(DGE), den Verbraucherzentralen (VZ) verteilt.
oder dem aid [18], bis hin zu Werbeprospekten von Essensanbietern bzw. Cate- Allein der gute Wille des Essensanbieters
rern. Um aus dieser Vielfalt eine gute Aus- bzw. der Schule zum Einsatz der Rezepte
wahl treffen zu können, ist Ernährungs- reicht allerdings nicht aus. Zusätzliche
Maßnahmen beider Seiten sind erfordersachverstand notwendig.
Nach Ergebnissen der KESS-Studie waren lich, damit die Neuerungen auch von den
in Fernküchen, die Kindertagesstätten Essensteilnehmern akzeptiert werden.
mit Mittagessen belieferten, überwiegend Praktische Tipps für die Küche finden
Lebensmittel
1
2
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sich bereits in dem Rezeptordner. Pädagogisch könnte die Schule als Verstärker wirken, indem z. B. das Thema Ernährung
im Unterricht aufgegriffen und das Mittagessen in der Schule als konkreter Ausgangspunkt genutzt wird. Mit einer solchen Verknüpfung der klassischen Verhaltensprävention durch Wissensvermittlung
und der Verhältnisprävention durch das
Angebot gesunder Mahlzeiten würden die
Ganztagsschulen aktuelle Public-HealthKonzepte aufgreifen, die eine verstärkte
Verhältnisprävention zur Vorbeugung der
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
empfehlen [21, 22].
■
Zusammenfassung
Ernährung in Ganztagsschulen
Vorteile der Optimierten Mischkost
M. Kersting, K. Clausen,
Forschungsinstitut für
Kinderernährung FKE, Dortmund
Ganztagsschulen müssen den Schülern ein Mittagessen bereitstellen.
Die Ausgestaltung des Essens bleibt
den Schulen selbst überlassen. Die
Optimierte Mischkost ist ein evaluiertes lebensmittel- und mahlzeitenbezogenes Konzept für die Ernährung
von Kindern und Jugendlichen. Dieses Konzept wurde in letzter Zeit verstärkt auch auf die Ernährung in
Ganztagsschulen zugeschnitten. Die
Grundregeln für die Lebensmittelauswahl und -proportionen sind unabhängig vom Alter. Deshalb kann
das Mittagessen für alle Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen
nach denselben Rezepten gekocht
werden. Ernährungsphysiologisch
optimierte Rezepte wurden in einer
bundesweiten Studie in Großküchen
erprobt und bestanden auch die Geschmackstests bei den Schülern. Die
Rezepte wurden in mehrwöchige
Speisepläne eingebunden und können als einfach handhabbare, konkrete Qualitätsstandards für das Mittagessen in Schulen eingesetzt werden. Sie sind insbesondere dann,
wenn Fachkräfte mit Erfahrung in der
Kinderernährung fehlen, ein Sicherheitsnetz für Schulen und Küchen.
Ernährungs Umschau 54 (2007)
S. 114–119
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Ernährungs Umschau | 3/07
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