Werkstoffkompass EPDM

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ISSN: 1863-4699
Dichten
Direkt
aufs Bauteil
Kleben
10
Im Fokus: Grenzen
verschieben sich permanent
Branchenfokus Prozessindustrie
16
Eine Lücke
schließen
TRIALOG DER DICHTUNGS-, KLEBE- UND ELASTOMERTECHNIK
24
02-2015 | € 8,50
|
W E R K S T O F F K O M PA S S
Bild: © istockfoto.com_
muffinmaker
34
EPDM –
Allrounder mit engen Versagenstoleranzen
LEBENSMITTEL/AUTOMOTIVE/BAU_WERKSTOFFE – Der vor allem im
Lebensmittelbereich eingesetzte EPDM-Kautschuk mit einem sehr
breiten Einsatzspektrum wird durch den Mischungsaufbau erheblich beeinflusst. Ausschlaggebend sind hierfür der Ethylengehalt
und der Anteil an Dien. Gleichermaßen wie bei NBR gilt, dass ohne
eine genaue Definition der gewünschten Eigenschaften die permanente Gefahr von Qualitätsschwankungen besteht. Eine genaue Definition der Mischung ist unabdingbar. Schon geringe Änderungen
auch nur einer Mischungskomponente können zum Versagen der
Dichtung oder des Formteiles, Profils führen.
Vernetzungssysteme – EPDM ist i.d.R. schwefelvernetzt. Eine peroxidische Vernetzung erfordert ein Nachtempern bei der Herstellung. Der Ethylengehalt der Mischung muss aber in diesem Fall
mindestens 60 Gewichtsprozent betragen. Solche Qualitäten erlauben eine Erhöhung der Anwendungstemperatur und können dann bis
ca. 150 °C eingesetzt werden. Aber Vorsicht: Diese Vernetzung erfordert eine hohe Prozesssicherheit. Die Lanxess AG hat eine
neue Vernetzungstechnologie für EPDM-Kautschuk entwickelt, bei
dem Zeolith als Co-Aktivator für eine Vulkanisation mit Resol eingesetzt wird. Damit werden nicht nur eine hohe Vulkanisationsgeschwindigkeit, sondern auch ein fast doppelt so hoher Vernetzungsgrad – abhängig von der Kautschuksorte – ermöglicht. Dies verringert die Vulkanisationsdauer um bis zu 75%. Die Zeolith-Aktivierung ist auch für die dynamische Vulkanisation von EPDM-basierten
TPV geeignet. Die wesentlich kürzere Vulkanisationsdauer wirkt
preisreduzierend, der fast doppelt so hohe Vernetzungsgrad wird
u.U. die mechanischen Werte verbessern und z.B. das Auswandern
von Weichmachern verringern.
Mischungen – Polymere mit einem Ethylengehalt von 45% bis 55%
haben die beste Kälteflexibilität und gute kautschuktechnologische
Eigenschaften (z.B. Elastizität). Bei Mischungen mit höherem Ethylengehalt nimmt der Druckverformungsrest in Kälte zu. Ein höherer
Dien-Gehalt bewirkt eine höhere Vernetzungsgeschwindigkeit, Ver-
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02 | 2015
Werkstoffprofil
Werkstoff
Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk
Int. Kurzzeichen
EPDM
Gruppe
M-Gruppe
Härtespektrum
25 – 95 Shore A
Anwendungstemperatur
–40 °C bis +135 °C, kurzfristig bis
170 °C, peroxidisch vernetzt bis ca.
150 °C Dauertemperatur einsetzbar
Elektrische Eigenschaften
sehr gute elektrische Isoliereigenschaften
Gasdurchlässigkeit
ähnlich NK und damit hoch
Ozon-, Witterungs-,
Altersbeständigkeit
hervorragende Beständigkeit gegen
Wärme, Ozon, Sauerstoff und andere
atmosphärische Einflüsse, damit auch
ausgezeichnete Beständigkeit gegen
Alterung
Chemische Beständigkeit
gut beständig gegen Wasser,
verdünnte Säuren, Laugen, Alkalien
und Alkohole, Ketone, Glykole; nicht
beständig gegen Fette, Mineralöle,
Kraftstoffe, Kohlenwasserstoffe
Heißwasser-, dampfbeständig
sehr gute Heißwasser- und Dampfbeständigkeit, geringe Wasseraufnahme
Stoßelastizität
30 bis 50%
Zugfestigkeit
zwischen 7 und 20 N/mm2
netzungsdichte und Festigkeit sowie eine geringere bleibende Verformung. Die Alterungs-, Witterungs- und Ozonbeständigkeit nimmt
dagegen mit steigendem Dien-Gehalt ab. Bei grauen und weißen
Mischungen wird Kreide statt Ruß als Füllstoff genutzt.
Lieferformen/Verarbeitung – EPDM steht in Form von Folien, Platten,
Formteilen, Profilen, aber nicht als Flüssigdichtmaterial zur Verfügung.
Besonderheiten und Einflüsse – EPDM-Kautschuk wird üblicherweise nicht mit anderen Kautschuken verschnitten, weil er sich nur
schlecht mit anderen vernetzen lässt – also genau hinschauen,
wenn eine solche Mischung angeboten wird. Auch ist es schwierig,
EPDM flammwidrig auszurüsten, da flammwidrige Weichmacher
bei höheren Dosierungen beim EPDM ausschwitzen.
Bevorzugte Einsatzbereiche – Lebensmittelfertigung, Trinkwasseranlagen, Haushaltsgeräte – z.B. Wasser- und Dampfmembrane –
Dichtungen für Fenster (auch KFZ im Hochpreissegment), Türen,
Fassaden, Dachfolien, Scheibenwischergummi, Brems-, Kühler-,
Heizungs-, Lüftungsschläuche, Kabelindustrie.
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