Hartmut Weyel Andacht zur Christvesper 2004 „Folge deinem Stern!“ (Matthäus 2,1-11) „Hab ein Ziel – Folge deinem eignen Stern!“, das war die Botschaft in dem Werbespot, auf die alles hinaus lief. Natürlich weiß jeder Mensch, was mit dem Stern gemeint ist, dem man folgen soll, nämlich dem der Firma aus dem Schwabenländle. „Hab ein Ziel – Folge deinem eignen Stern!“ Das war auch der Slogan, dem die Weisen aus dem Orient damals gefolgt sind. Mit dieser Devise begeben sie sich auf eine lange und beschwerliche Reise vom Euphrat nach Palästina. Leider war es ihnen nicht vergönnt, in einem PS-starken Automobil mit dem Stern auf der Kühlerhaube die Reise anzutreten. Einem Stern allerdings folgen sie, aber der strahlt unerreichbar am Himmel. So sitzen sie auf ihren Kamelen und versuchen, diesen Stern nicht aus den Augen zu verlieren. Mit diesem Stern hat es etwas auf sich, das wissen sie. „Hab ein Ziel – Folge deinem eignen Stern!“, meint die junge Frau, die mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in einem herrlichen Bungalow am Stadtrand wohnt. Nach dem Familienritual am Heiligabend sagt sie sich: Ich muss hier raus. Mir fällt die Decke auf den Kopf. Ich halte es nicht mehr aus! Als sie am Steuer ihres Wagens sitzt, wird ihr klar, dass ihre Sehnsucht nicht sehr viel weiter geht, als bis zu dem kühlen Metallstern auf der Motorhaube. „Hab ein Ziel – Folge deinem eignen Stern!“, sagt sich der Mann und verlässt abends die Wohnung, um sich Zigaretten zu holen. Er kehrt nie wieder zurück. Ein paar Stunden zuvor hatte er in einer Illustrierten sein Horoskop gelesen. „Hab ein Ziel – Folge deinem eignen Stern!“ Wer diesem Slogan folgt, kann durchaus nicht für den Erfolg garantieren. Es kann auch alles schief gehen. Das war bei den Weisen damals nicht anders. Der Erfolg ihrer Reise war keineswegs sicher. Aber wer nicht sucht, der wird auch nicht finden! Deshalb steuern sie zielbewusst Jerusalem an. Dort wird sich hoffentlich das Rätsel um den Stern auflösen. Vermutlich ergeht es diesen weisen Männern ähnlich wie vielen Menschen. Manche Sterne, nach denen sie im jugendlichen Ehrgeiz greifen wollten, hängen einfach zu hoch. Manche haben auch ihren Glanz verloren. Viele Menschen suchen daher statt nach dem Weg, nur noch nach Auswegen. Mehr scheint nicht mehr drin zu sein. Statt nach dem Leben, suchen sie nur noch das Überleben. Zu mehr reicht es scheinbar nicht. Das aber kann es nicht sein! Die Weisen aus dem Orient geben ein gutes Beispiel dafür ab, wie unser Leben anders verlaufen kann: Sie folgen nicht irgend welchen Sternen oder Sternzeichen oder Sternbildern oder Stars, sondern diesem einen Stern, der wahrscheinlich durch eine Konjugation von Jupiter und Saturn zustande gekommen ist. Und sie wissen auch genau, was sie suchen: Nicht eine Philosophie, nicht eine Religion, nichts Esoterisches, sondern einen Menschen. Und nicht irgend einen Menschen, sondern ihre Frage ist sehr präzis: „Wo ist der neu geborene König der Juden?“ Gesucht wird also nicht ein Neutrum, eine Sache, ein Prinzip, kein Es, sondern eine Person, an der sich ihre Hoffnung konkret festmachen lässt. Und das hat Folgen: Wer nämlich so konkret fragt wie die Weisen, der hat begriffen, dass die Wahrheit Hände und Füße, Kopf und Herz haben muss. Und der findet auch eine Antwort. Wer allerdings so konkret fragt, wie die Weisen, dessen Frage wird auch zu einem Politikum. Denn sie erregt Furcht und Schrecken bei denen, die nichts mehr fürchten als die menschgewordene und persongewordene Wahrheit. Mit der Geburt dieses Kindes, der der Messias ist, verändert sich nämlich eine entscheidende Fragestellung. Es heißt jetzt nicht mehr: Was ist Wahrheit? Sondern: Wer ist die Wahrheit? Es heißt auch nicht mehr: Was ist der Sinn meines Lebens? Sondern: Wer ist der Sinn meines Lebens? Und es heißt jetzt auch nicht mehr: Was ist Gott? Sondern: Wer ist Gott? Das ist die neue und richtige Fragestellung seit der Geburt von Jesus Christus. Herodes, der damalige König in Judäa begreift das nicht. Er stellt immer noch die falschen Fragen. Er fragt nicht: Wer ist das Kind? Sondern er fragt: Wo ist das Kind? Er sucht nicht den Weg zu dem Kind, sondern einen Ausweg, wie er sich das Kind vom Hals halten kann. Deshalb wird er nie entdecken, wer dieses Kind in Wirklichkeit ist. Das ist tragisch, aber so ergeht es Menschen, die sich nicht der Wirklichkeit der Geburt von Jesus Christus stellen wollen. Sie versuchen, sich daran vorbei zu mogeln. Oder sie erklären das Kind von Bethlehem zwar für einen wunderbaren Menschen, der zwar später Großes geleistet hat, der ganz sicher für den Friedensnobelpreis nominiert worden wäre, der aber nicht der Weg, die Wahrheit, das Leben ist, und schon gar nicht derjenige, durch den wir allein zu Gott kommen können. Für sie bleibt der Stern von Bethlehem folgenlos, geschweige denn, dass sie ihm folgen würden. Die Weisen dagegen lassen sich von dem Stern nach Bethlehem leiten. Sie folgen dem Stern und – sie erleben ihre Sternstunde: „Als sie das Kind sahen, fielen sie nieder und huldigten ihm“, erzählt die Geschichte. Sie haben also offensichtlich begriffen, wen sie da vor sich haben. Das ist der entscheidende Punkt. Denn man fällt als gestandener Mann und kluger Kopf nicht vor irgend einem Kind auf die Knie, und schon gar nicht betet man es an, wenn man einigermaßen klar im Kopf ist. Die Weisen tun es und dokumentieren das mit den kostbarsten Geschenken, die man damals einem König überreichte: Gold, Weihrauch und Myrrhe. „Hab ein Ziel – Folge deinem Stern!“ Wer das tut, kann auch heutzutage eine solche Sternstunde erleben. Entscheidend ist, dass man die Wahrheit nicht irgendwo sucht, sondern da, wo sie Hände und Füße hat, bei Jesus Christus. Und wer zu Jesus Christus gefunden hat, hat zu Gott gefunden. Und wer zu Gott gefunden hat, darf seine Hände bei ihm leeren. Er wird nicht nur Gold und Geld abgeben, sondern er darf auch seine Schuld, seine Sorgen, seine Tränen, seine Sehnsucht bei Gott abgeben. Sogar sich selbst darf er abgeben. Er muss nicht mehr halten, weil er gehalten ist. „Hab ein Ziel – Folge deinem Stern!“ Die Weisen aus dem Orient sind ihrem Stern gefolgt, den Gott selbst für sie inszeniert hatte. Sie haben ihr Ziel gefunden und ihre Sternstunde bei Gott erlebt. In der biblischen Geschichte steht: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.“ Ich glaube, dass wir auch diese Freude an Weihnachten erleben können, wenn wir dem Stern über Bethlehem folgen und dann entdecken, wen wir da mit dem Kind in der Krippe vor uns haben. Ich wünsche Ihnen allen eine solche Sternstunde. Folge deinem Stern! Amen. Einleitung (vor dem Spot): Man sagt ja, dass die Werbefachleute das Ohr am Volk haben. Wenn das stimmt, dann haben sie mit manchen Slogans ziemlich in die unterste Schublade des Volksempfindens gegriffen. Gutgemachte Werbung dagen muss nicht so sein. Sie spürt die Trends in der Gesellschaft auf und knüpft mit griffigen Bldern und Sprüchen daran an. Dabei ist interessant, dass, obwohl Religion, Kirche und Glaube immer mehr aus unserer Gesellschaft verschwinden (Stichwort: „Jesus allein zu Haus“), die Werbung trotzdem auf religiöse Sprüche setzt, so, als seien die Menschen unterschwellig doch dafür empfänglich. So z.B.: „Unser tägliches Brot fällt nicht vom Himmel“ (Pflanzenschutzmittel) „Liebe deine Gäste wie dich selbst“ (Whisky) „Vergib mir, ich habe geraucht. Test it“ (West) „Fahren ist seliger als laufen“ (Nissan) „Fahre dich in Versuchung“ (Nissan) „Im Namen des Vaters, des Sohnes und der eiligen Familie“ (Nissan) Ein Werbefachmann meint dazu: „Die Werbung hat das Erbe von Religion und Philosophie übernommen, die jahrtausendealten Menschheitsträume endlich zu verwirklichen. Die Werbung ist Religion, also Opium des Volkes, aber als Himmel auf Erden“ geworden. (Oskar Cöster) Wir möchten Ihnen jetzt einen Werbespot zeigen, der für eine große Autofirma produziert wurde. Er nimmt exakt die Trends in unserer Gesellschaft auf, er ist gut gemacht, aber er führt uns mit seinem Slogan auch unbeabsichtigt zum Thema von Weihnachten. Werbespot: Folge deinem eignen Stern Lerne die Regeln – Und brich sie. Sei wie immer – Handle wie noch nie. Sei anders – Sei stolz drauf. Folge einem Ziel – Solange es deins ist. Sei Lehrer – Sei Schüler. Werde erwachsen – Nicht alt. Mach Kinder – Mach keine Kinder. Riskier nichts – Riskier alles. Schalt ein – Schalt ab. Sei die Norm – Brich die Norm. Probier alles – Probier nichts. Sei stur – Gib nach. Sei mutig – Sei schüchtern. Hab ein Ziel – Folge deinem eignen Stern. Jens Mankel Dem Stern von Bethlehem folgen Der Stern erstrahlt mitten in dunkler Nacht. Gott kommt mitten in die Nacht der Welt hinein, mit all ihren Schrecken, mit ihren Ungereimtheiten, mit all ihrer Heuchelei. Und nun kommt es darauf an, diesem Stern zu folgen. Die Magier sind gar nicht so veraltet. Sterndeuter gibt es bis heute. Und es gibt vor allen Dingen Menschen, die versuchen sich nach den Sternen zu richten und sich in ihrem Sternenglauben leider auch oft hinters Licht führen lassen, in die Dunkelheit. Fast überall wird man heute gefragt: Was für ein Sternzeichen hast du denn? Damit ist ja gemeint, unter welchen Sternzeichen bist du geboren und man ist der Meinung, man kann dann etwas über einen Menschen aussagen oder sogar voraussagen, was ihm widerfahren wird. Weihnachten lädt uns ein, auf diese Frage „Was ist denn dein Sternzeichen?“, zu antworten: „Der Weihnachtsstern, der Stern von Bethlehem“. Denn mit diesem Sternzeichen ist die Sternenmacht, die Macht in dieser Welt, entmachtet. Das ist der Wechsel, der an Weihnachten geschieht. Christus tritt seine Herrschaft an. Und wer diesem neuen Stern folgt, dessen Leben steht unter einem guten Stern. Er hat einen Stern, der auch dann mit ihn geht, wenn es nicht so läuft, wie man sich das wünscht, wenn es im Leben Brüche gibt, wenn es im eigenen Leben dunkel wird oder im Leben dieser Welt. Wir gehen auf das Ende eines Jahres zu, in dem ganz neu Krieg und Terror in unsere Welt hineingekommen ist. Auf diesem Globus ist das wohl vertraut, aber wenn es in unsere unmittelbare Welt hineinkommt, das ist uns fremd geworden. Wir leben in einer Zeit globaler und persönlicher Verunsicherungen. Menschen sind persönlich betroffen von den gesellschaftlichen Problemen der Arbeitslosigkeit, der Armut. Wir leben in einer Zeit, wo viele Menschen mit innerer Dunkelheit zu kämpfen haben, wo sie die Spur im eigenen Leben verlieren. Da nützt mir auch mein Sternzeichen nichts. Aber der Weihnachtsstern, der Stern von Bethlehem, Christus, der will mit uns gehen, der will unser Leben beleuchten. Der Weg geht auch dann noch durch die Finsternis, aber es ist ein Weg mit Christus. Christus, der Weihnachtsstern, Christus, der Stern Gottes, ist nicht nur in diese Welt gekommen, sondern er hat in dieser Welt auch Schuld und Schmerzen getragen. Er ist für unsere Dunkelheit gestorben und vor allen Dingen, er lebt als das Licht der neuen Welt. Er ist jetzt da. Deshalb lade ich Sie ein, an diesem Weihnachtsabend den Stern mitzunehmen, den Stern der Gotteshuld in Ihr Leben, in diese Tage hinein, - wo Menschen friedliche und fröhliche Weihnachten erleben wollen und wo oft doch so wenig in den Herzen davon zu spüren ist. - wo Geschenke einen erfreuen und manchmal auch enttäuschen, - wo Begegnungen einen erfreuen und manchmal auch enttäuschen. Dieser Stern geht mit Ihnen. Dieser Stern leuchtet. Dieses Kind im Stall, dieses Kind, das die Weisen angebetet haben, dieser Christus Gottes, sagt Ihnen zu: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis bleiben, sondern wird das Licht des Lebens haben.“