Türkise Eichhörnchen und sprechende Hände

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Türkise Eichhörnchen und sprechende Hände Bilinguale Kitas, in denen schon die Allerkleinsten spielerisch Englisch, Französisch, Türkisch oder sogar Chinesisch lernen, sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Deutschlandweit einmalig ist hingegen die im Dezember 2013 in Berlin Charlottenburg‐Wilmersdorf eröffnete bilinguale, inklusive Kindertagesstätte der Sinneswandel gGmbH: Dort haben hörende Kinder die Möglichkeit, die Deutsche Gebärdensprache (DGS) zu erlernen – gemeinsam mit gehörlosen Kindern, die für den Alltag in einer hörenden Welt gestärkt werden. So lernen beide Seiten auf spielerische Weise verschiedene kulturelle und sprachliche Welten kennen und respektieren. Überlebensgroß prangt ein türkisfarbenes Eichhörnchen an der Wand der neu eröffneten bilingualen und inklusiven Kindertagesstätte der Sinneswandel gGmbH. Seinen Schwanz bilden mehrere Spielpodeste am Boden, die zum Toben einladen. Doch nicht nur hübsch und praktisch ist dieses Eichhörnchen, sondern auch Teil eines Farbleitsystems mit der Idee, dass die Jüngsten im Erdgeschoss betreut werden und über drei Etagen „nach oben wachsen“: Rot und lila sind die Farben der Kleinen, gelb, orange, türkis und grün die Farben der älteren Kinder. Ein Drittel der insgesamt 65 Plätze in der Kita sind für gehörlose und schwerhörige Kinder reserviert, dementsprechend viel Wert wurde bei der Gestaltung der Räume auf ein visuell anregendes und barrierefreies Umfeld gelegt. Das Farbleitsystem dient zur Orientierung, Gucklöcher in den Wänden der Gruppenräume laden zur Kommunikation ein und verschiedene Ebenen im Innen‐ und Außenbereich ermöglichen jederzeit freie Sicht. Eröffnet wurde die Kindertagesstätte im Dezember 2013, seitdem kümmert sich ein Team aus Erzieher/inne/n, Sozialpädagog/inn/en und Facherzieher/inne/n für Integration um die Kinder ab einem Jahr. Es wird durchgängig gesprochene deutsche Sprache und Deutsche Gebärdensprache (DGS) verwendet – ob beim Vorlesen, Spielen oder Mittagessen, das jeden Tag in der kitaeigenen Küche frisch zubereitet wird. Alle Fachkräfte beherrschen die DGS fließend oder sind Muttersprachler (also selbst gehörlos oder schwerhörig), so dass für alle Kinder jederzeit Ansprechpartner/innen zur Verfügung stehen, die in der vom Kind jeweils bevorzugten Sprache kommunizieren können. „In der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte um Inklusion ist die Gruppe der Gehörlosen und Hörgeschädigten meist nicht im Fokus. Wir wollen aber, dass die Idee einer inklusiven Bildung von Anfang an auch für gehörlose und hörgeschädigte Kinder möglich ist“, sagt Vera‐Kristin Kögler, eine von zwei Geschäftsführerinnen der Sinneswandel gGmbH. „Wir wollen Kindern mit und ohne Behinderungen die Chance geben, gemeinsam aufzuwachsen.“ Inklusion beinhaltet eine grundlegende Anerkennung der Unterschiede und auch der Gemeinsamkeiten aller Kinder und ihrer Familien. Ein respektvoller und kreativer Umgang mit unterschiedlichen Stärken und Bedürfnissen von Kindern mit und ohne Behinderung steht daher im Mittelpunkt des pädagogischen Konzepts der Kita Sinneswandel. Für die gehörlosen Kinder ist es von großer Bedeutung, dass sie in der Kita Sinneswandel nicht die Ausnahme sind, nicht das einzelne gehörlose Kind unter lauter Hörenden, sondern Teil einer bunt gemischten Gruppe. Einerseits profitieren sie sehr vom Zusammensein mit ihrer „Peer Group“, andererseits können sie viel lernen im Umgang mit den hörenden Kindern und werden für den Alltag in einer hörenden Welt gestärkt. „Wir wollen für die gehörlosen und hörgeschädigten Kinder die Voraussetzung für eine echte Wahl‐ und Entscheidungsmöglichkeit schaffen, indem sie sowohl Lautsprache als auch Gebärdensprache als vollwertige Kommunikationsmöglichkeiten erleben und angeboten bekommen und je nach Fähigkeit auch erlernen. Damit bereiten wir den Boden für die Kinder, sich später sowohl in der hörenden Welt als auch in der Gehörlosenwelt zurechtzufinden und garantiert eine Basissprache zu haben, die Bedingung für sämtliche Lern‐ und Sozialisationsprozesse ist“, so Kögler. Viele gehörlose und schwerhörige Kinder benötigen zur Nutzung ihrer technischen Hörhilfen spezielle Förderangebote. Diese werden durch Einzelförderung in extraausgestatteten Räumen realisiert, aber auch durch spielerische Lautsprachförderung in der Gruppe – ein Angebot, das allen Kindern zu Gute kommt. Denn für die hörenden Kinder ist die Sprachmischung ebenfalls eine große Bereicherung: Sie erlernen im Alltag auf ganz natürliche Weise die DGS, schulen dabei ihre visuellen Fähigkeiten, ihre Konzentration und Feinmotorik. Besonders für Kinder in der Phase des Spracherwerbs sind Gesprächsinhalte durch Gebärden sogar leichter zu verstehen. Darüber hinaus lernen die Kinder, einander ausreden zu lassen, während des Gesprächs Blickkontakt zu halten und Rücksicht aufeinander nehmen. Die Kita Sinneswandel befindet sich in der Waldschulallee, sehr schön gelegen in der Nähe des Grunewalds im Stadtteil Westend, im Bezirk Charlottenburg‐Wilmersdorf. Die Kita verfügt über einen direkt an das Gebäude grenzenden visuell gestalteten, ca. 2000 Quadratmeter großen Garten. Durch die Lage auf dem Schulcampus der Ernst‐Adolf‐Eschke‐Schule (Förderzentrum mit Schwerpunkt Hören) sowie der Reinfelder Schule (Schule für Schwerhörige und Montessori‐
Grundschule) besteht zudem die Möglichkeit für Kooperationen im Übergang Kita‐Schule. Kontakt und Anmeldung unter: Kitaleiterin Anja Hennig Telefon: 030/55 28 40 51 Mobil: 0176/622 531 25 Fax: 030/547 78 544 E‐Mail: [email protected]‐berlin.de Internet: http://www.sinneswandel‐berlin.de/3f Text: Katrin Dreher Fotos: Anne Deppe 
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