Piranha (Serrasalmus, Pristobrycon, Pygocentrus

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Faktenblatt
Piranha (Serrasalmus, Pristobrycon, Pygocentrus, Pygopristis)
Serrasalmus rhombeus
Ordnung:
Salmler
Characiformes
Familie:
Scheiben- und
Sägesalmler
Serrasalmidae
Gattungen:
Serrasalmus, Pristobrycon,
Pygocentrus, Pygopristis
Grösse:
bis 40 cm
Brut:
300-600 Eier
Lebenserwartung:
16 Jahre (in Aquarien
bis 30 Jahre)
WWF-Canon / Roger LeGUEN
Systematische Einordnung
Unter der Bezeichnung Piranha wird eine Gruppe von im Süsswasser lebenden Knochenfischen
zusammengefasst. Sie gehören in die Ordnung der Salmler (Characiformes) und dort zur Familie
der Scheiben- und Sägesalmler (Serrasalmidae). Die Taxonomie und systematische Einordnung
von Piranhas und ihren Verwandten ist umstritten und unsicher. Ursache dafür ist die mangelnde
Datenlage, die Masse an Gattungen und Arten, das unterschiedliche Erscheinungsbild und
Verhalten einzelner Individuen einer Population beziehungsweise auch die Ähnlichkeit vieler
verschiedener Arten. Dies hat dazu geführt, dass eine Art oftmals mit einer Vielzahl von
Synonymen bezeichnet wird. Die Familie der Serrasalmidae umfasst 15 Gattungen mit insgesamt
etwa 80 Arten. Zu den Piranhas werden davon derzeit die Gattungen Serrasalmus (24 bis 28
Arten), Pristobrycon (5 Arten), Pygocentrus (3 bis 4 Arten) und Pygopristis (1 Art) gezählt.
Merkmale
Das wichtigste Merkmal von Piranhas ist wohl ihr kräftiges Gebiss, dem sie auch ihren hohen Bekanntheitsgrad verdanken. Alle Piranhas haben eine Reihe scharfkantiger Zähne in jedem Kiefer,
die nach Abnutzung wieder nachwachsen. Sie bilden in ihrer Anordnung eine ununterbrochene,
sägeartige Schneide und sind fest im Kieferknochen verankert. Beim Schliessen des Mauls greifen
die Zahnreihen ineinander und sind durch die ausgeprägte Muskulatur im Stande, beachtliche Stücke aus ihrer Beute herauszureissen. Die Zähne sind hinter Lippenhäuten verborgen und etwa 4
Millimeter gross. Ausgewachsene Piranhas sind etwa 30 Zentimeter lang, können aber bis zu 40
Zentimeter gross werden. Ihr Körper ist stämmig und hat eine elliptische, seitlich stark abgeflachte
Körperform. Die Jungtiere sind gestreckt und werden erst mit zunehmendem Alter hochrückiger
und massiger. Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Die Lebenserwartung von Piranhas in
der freien Wildbahn beträgt rund 16 Jahre. Von Tieren in Gefangenschaft ist bekannt, dass sie bis
zu 30 Jahre alt werden können.
Sozialverhalten und Fortpflanzung
Piranhas kommen oft in grossen Gruppen vor und verschiedene Arten treten häufig zusammen
auf. Zur Kommunikation können sie ihre Schwimmblase durch Muskeln in Schwingung versetzen
und so dumpfe Brummtöne erzeugen. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden Piranhas
geschlechtsreif. Das Männchen beginnt am Flussboden eine flache Laichgrube zu graben, die es
sehr aggressiv gegenüber allen Artgenossen verteidigt. Bei der Paarung verfärben sich die
Piranhas schwarzblau bis grau. Das Weibchen legt etwa 300 bis 600 gelblich gefärbte und
ungefähr 1,5 Millimeter grosse Eier in die Mulde. Nach mehrmaligen Paarungen vertreibt das
Männchen seine Partnerin und beginnt mit der siebentägigen Gelegebewachung. In dieser Zeit
WWF Faktenblatt: Piranha (2007)
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wedelt das Männchen durch Schläge mit der Schwanzflosse immer wieder Frischwasser zum
Gelege und versucht Bruträuber fern zu halten. Die Larven schlüpfen bereits nach 36 Stunden. Sie
liegen in der Laichgrube und ernähren sich von ihrem Dottervorrat. Nach sieben Tagen beginnen
sie frei zu schwimmen und zwischen Wasserpflanzen Schutz zu suchen.
Nahrung
Piranhas spielen in den Ökosystemen ihres Verbreitungsgebietes eine wichtige Rolle. Sie fressen
fast alles, vor allem tote und kranke Tiere. Dies ist für das gesamte System des Regenwaldes von
enormer Bedeutung, da so die Verbreitung von Krankheiten und Epidemien verhindert wird. Somit
erfüllen Piranhas im Gefüge des Regenwaldes eine wichtige Aufgabe als Saubermacher und
Gesundheitspolizei. Auch kranke oder verletzte Artgenossen werden von den Piranhas gefressen.
Piranhas sind aber nicht nur Aasfresser, sie jagen auch Fische und regulieren so deren Bestände.
Piranhas weisen nicht den typischen stromlinienförmigen und schlanken Körperbau von
Raubfischen auf. Sie jagen in der Gruppe und benötigen daher keinen vor allem auf Schnelligkeit
ausgelegten Körperbau. Die Gefahr, die von Piranhas für den Menschen ausgeht, wird oftmals
übertrieben dargestellt. Nach Berichten wurden Menschen durch Piranhas äusserst selten
ernsthaft verletzt oder attackiert. Bei niedrigem Wasserstand und Nahrungsmangel ist es jedoch
ratsam, Piranhas zu meiden. In diesen Situationen werden Piranhas aggressiv und greifen auch
Artgenossen an. Entgegen ihrem Ruf als Fleischfresser ernähren sich einige Piranhaarten
vegetarisch von Pflanzenteilen wie Samen.
Lebensraum und Vorkommen
Fischarten aus der Familie der Scheiben- und Sägesalmler (Serrasalmidae) wie die Piranhas
kommen nur in Südamerika vor. Sie leben in allen grossen und mittleren Flusssystemen mit
Entwässerung in den Atlantik zwischen 10 Grad nördlicher Breite und 35 Grad südlicher Breite.
Piranhas findet man in den grossen Flüssen Südamerikas wie im Orinoco, Amazonas, Rio São
Francisco, Rio Paraguay und in deren Nebenflüssen. Piranhas halten sich bevorzugt in den
Unterläufen der Flüsse auf. Dort sind sie weit verbreitet und kommen sowohl in stehenden als
auch fliessenden Gewässerabschnitten vor.
Bedrohungsfaktoren
Obwohl Piranhas derzeit nicht als bedroht gelten, trifft die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes
auch sie. Besonders die Verschmutzung der Gewässer beispielweise durch die Verwendung von
Quecksilber bei der Goldwäscherei, Überfischung und der Bau von Staudämmen beeinträchtigen
ihren Lebensraum und gefährden ihre Populationen. Im Hinterland des Amazonas stellen sie, da
sie leicht zu fangen sind, eine wichtige Eiweissquelle für die ortsansässige Bevölkerung dar.
Gefährlich für ihren Bestand sind auch Vergiftungsaktionen, bei denen versucht wird, sie als
vermeintlichen Schädling auszurotten, um mehr wertvolle Fische fangen zu können.
Kontakt:
WWF Schweiz
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Tel. +41 44 297 21 21
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