Gefäße

Werbung
dialyse
der
12. Sonderheft
Gefäße
Bundesverband Niere e.V.
B u n d e s v e r b a n d N i e r e e . V. s t e l l t s i c h v o r
Bundesverband Niere e.V.
Die Zeitschrift „der dialysepatient“
ist das offizielle Organ des Bundesverband Niere e.V. (BN e.V.). Seit
seiner Gründung im Jahr 1975 hat
sich der BN e.V. kontinuierlich zu
einem starken Selbsthilfe-Netzwerk
entwickelt. Zu den Mitgliedern gehören bundesweit 176 Mitgliedsvereine, in denen neben chronisch
Nierenkranken auch Angehörige
und Freunde sowie medizinisches
Fachpersonal organisiert sind. Die
rund 18.000 Einzelmitglieder engagieren sich für eine stete Verbesserung der Lebensumstände von
Betroffenen in Deutschland.
Chronisch Nierenkranke haben
ein Interesse an optimaler medizinischer Versorgung und sozialer Begleitung. Dies sind Voraussetzungen dafür, die Krankheit
weitgehend in den Hintergrund
treten zu lassen und sich auf die
angenehmen Seiten des Lebens
Sonderhefte
▸ Qualitätsmanagement in
der Nierenersatztherapie
▸ Transplantationsgesetz
▸ 25 Jahre BN e.V.
▸ Nierentransplantation
▸ Blut
▸ Lebensqualität
zu konzentrieren. Mit Vorträgen,
Seminarveranstaltungen und persönlichen Beratungen gibt der BN
e.V. Hilfestellungen, wenn es um
Fragen zur Erkrankung selbst, zu
den verschiedenen Therapie- und
Rehabilitationsmöglichkeiten, zu
psychosozialer Begleitung bis hin
zu Urlaubsmöglichkeiten und Well­
nessangeboten geht. Zusätzlich hält
der BN e.V. in seiner Zeitschrift
„der dialysepatient“ mit acht Ausgaben im Jahr Patientinnen und
Patienten sowie das medizinische
Fachpersonal über neue Entwicklungen im Gesundheitswesen auf
dem Laufenden.
Es gibt wohl kaum einen chronisch Nierenkranken, der nur positive Erfahrungen mit medizinischen
und sozialen Einrichtungen gemacht hat. Der BN e.V. kennt die
typischen Probleme und hilft sie
abbauen. Dabei setzt er auf Informationsaustausch und Kooperation
mit zuständigen Institutionen, Fachverbänden, Politikern und Firmen.
Zu den ständigen Partnern gehören
beispielsweise die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA), das Institut Qualitätssicherung Niere GmbH (QuaSi-Niere),
die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), das Kuratorium
für Dialyse und Nierentransplantation (KfH), die Verband Deutsche Nierenzentren der DDnÄ e.V. (­DDnÄ)
und viele mehr.
Auch im Bereich der Forschung
engagiert sich der BN e.V. mit unterschiedlichen Projekten. Das Projekt „Psychosoziale Begleitung von
chronisch Nierenkranken und deren Angehörigen (PSB NIERE)“ belegt erstmals einen Bedarf an psychosozialer Begleitung im gesamten Bundesgebiet. Vor dem Hintergrund des zahlenmäßigen Anstiegs
von älteren Betroffenen ermittelt
der BN e.V. derzeit die konkreten
Bedarfe dieser Patientengruppe in
einem speziellen Projekt.
Broschüren
▸ Nierenversagen
▸ Therapien bei Nierenversagen (auch in Türkisch)
▸ Nierentransplantation
▸ Das chronisch nierenkranke Kind in der Familie
▸ Dialyse und Beruf – Probleme der beruflichen Rehabilitation chronisch nierenkranker Jugendlicher
▸ Erektile Dysfunktion
▸ Dialyse International –
Verzeichnis der Dialyseeinrichtungen Europas
▸ Internetratgeber
Um die Interessenvertretung der
chronisch Nierenkranken weiter
auszubauen, hat der BN e.V. die
Patientenstiftung „Aktion Niere“
(www.Aktion-Niere.de) gegründet.
Auch hier setzen sich engagierte
Menschen für eine nachhaltige
Steigerung der Lebensqualität von
Betroffenen ein.
Es gibt viele Möglichkeiten, die
Arbeit des BN e.V. zu unterstützen:
▸ Mitgliedschaft in einem regionalen Verein
▸ Kooperation mit dem Verband
in einer Partnerschaft
▸ Unterstützung durch steuerlich
absetzbare Spenden
▸ Abonnement der Zeitschrift „der
dialysepatient“
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann setzen Sie sich mit
uns in Verbindung:
Christian Frenzel
Geschäftsführer BN e.V.
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Editorial
Liebe Leserinnen
und Leser,
Das Exemplar unserer „Sonderheft“-Reihe, das Sie gerade in
den Händen halten, widmet sich
einem für Nierenpatienten besonders wichtigen Thema, nämlich unseren Gefäßen. Zunächst wird Ihnen Dr. Röder die Bedeutung der
Gefäße für die „Infrastruktur“ Ihres Körpers veranschaulichen. Der
zweite Beitrag dreht sich um ein
Gefäß, das es nur bei Hämodialysepatienten gibt. Damit die Hämodialyse-Behandlung eine Erfolgsgeschichte werden konnte, musste nämlich erst der „Shunt“ erfunden werden. Prof. Krönung widmet
sich diesem Thema, der „Lebensader“ des Hämodialysepatienten.
Im nächsten Kapitel verschafft uns
Prof. Ketteler einen Überblick über
die verschiedenen Ursachen von
Gefäßerkrankungen, während anschließend das Ärzteteam um Prof.
Rambausek auf die Gefäßkrankheiten bei Dialysepatienten besonders fokussiert und auch wichtige
Ansätze zum Gefäßschutz darstellt.
Da die Gefäße von Patienten mit
Niereninsuffizienz besonders bedroht sind, ist eine systematische
Gefäß-Diagnostik wichtig. Wie diese
Untersuchungen funktionieren, erklärt Prof. Klein mit seinem Beitrag
„Gefäß-TÜV“. Das Spektrum therapeutischer Ansätze bei Gefäßer-
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
krankungen von der Vorbeugung
über die medikamentöse Schiene
bis zur chirurgischen Intervention
stellt Prof. Gwinner in einer Übersicht dar. Und zuletzt – als Höhepunkt nach allen Einführungen in
das komplizierte medizinische Thema – die Antwort auf die entscheidende Frage: „Wie kann man seine
Gefäße schützen?“ von Prof. Kuhlmann und Frau Landthaler.
Vielleicht lesen Sie zwei Nachrichten aus den Artikeln in diesem
Heft heraus. Die schlechte: Die Gefäße von Patienten mit Niereninsuffizienz sind extrem gefährdet,
sowohl durch die klassische Atherosklerose wie auch die besondere Arteriosklerose bei Niereninsuffizienz. 2. Die gute: Das Befolgen
von Verhaltensregeln, die Einnahme von Medikamenten, die Bereitschaft zur intensivierten Dialyse
und (chirurgische) Eingriffe können
aber heute vorbeugend und therapeutisch sehr hilfreich sein.
Fragen, die bleiben, sind: Wieso kooperieren chronisch kranke
Menschen bei medikamentösen
Behandlungen nur etwa zu 50 %?
Bei den erwähnten Verhaltensregeln dürfte es nicht anders sein.
Was hält Menschen in diesem Bereich davon ab, durch gute Therapietreue gut für sich zu sor-
gen? Wieso nehmen auch heute noch viele Patienten beispielsweise ihre Phosphatbinder – statt
nach Phosphatgehalt der Mahlzeit
– nach einem sturen Schema und
womöglich noch nicht einmal während der Mahlzeit ein, wie es sein
müsste? Ist es Überforderung, Resignation bei chronischer Krankheit oder Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst? In vielen Fällen
dürfte schlicht Unwissenheit die
Ursache sein. Als Koordinator Medizin des Bundesverbandes Niere
hoffe ich daher, dass wir mit dem
vorliegenden Sonderheft zu einer
besseren Informationslage beitragen können. Für weitere Ideen bezüglich einer Minimierung des erhöhten gesundheitlichen Risikos
von Nierenpatienten ist der Verband stets offen. Schreiben Sie
mir, was Ihnen noch einfällt und
was aus Ihrer Sicht geändert werden müsste.
K.H. Wilbers
Bundesverband Niere e.V.
Koordination Medizin
Weberstr. 2, 55130 Mainz
Email: [email protected]
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
dialyse
der
Offizielles Organ des Bundesverbandes Niere e.V.
12. Sonderheft – September 2007
Bundesverband Niere e.V.
▪ 2
Unsere Gefäße
© Science photo library
Die Straßen unseres Körpers
▪ 6
Der Shunt
Nahtstelle zwischen Mensch und Maschine
▪ 10
Gefäßerkrankungen und ihre Ursachen
Warum es manchmal eng wird
▪ 13
Besondere Gefäßrisiken bei Dialysepatienten
▪ 16
it
©
M
aur
ius
Die Tücken des Kalzium-Phosphat-Haushalts
Gefäß-Check
Der Gefäß-TÜV
Impressum
Behandlung von Gefäßerkrankungen
Verlag Kirchheim + Co GmbH
Kaiserstr. 41, 55116 Mainz,
Telefon 0 61 31 / 9 60 70 - 0
Was hat die Medizin auf Lager?
Verantwortlicher Redakteur:
Dr. med. Albert Röder
Herausgeber:
Bundesverband Niere e.V.
(BN e.V.)
Mit freundlicher Unterstützung
von der Genzyme GmbH
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
▪ 20
▪ 23
Wie kann man seine Gefäße schützen?
Eigeninitiative in Sachen gesunde Gefäße
▪ 26
Tipps und Links
▪ 30
Wer macht was im BN e.V.
▪ 31
Unsere Gefäße
Die Straßen
unseres Körpers
Die Gefäße sind die Straßen unseres Körpers. Kommt es auf einer dieser Straßen
zu einem Stau oder gar zu einer Vollsperrung, dann leiden die von ihnen versorgten
Gewebe Not.
ien
ce
pho
to
l
ibr
ary
bezeichnet. Die Windkesselfunktion
ist sehr wichtig; würde die Pulswelle nämlich ungebremst in die kleinen Gefäße rasen, so könnten dort
Schäden entstehen. Sie schützt außerdem das Herz vor Reflektionen
der Pulswelle, die einen geordneten
Bluttransport stören würden.
Von der Aorta kommend, verzweigen sich die Arterien wie
die Äste eines Baumes zu immer
kleineren Gefäßen. Gerade noch
mit bloßem Auge erkennbare Arterien werden als Arteriolen bezeichnet. Die Arteriolen haben
eine wichtige Funktion, denn sie
sind in der Lage, sich stark zu
verengen. Mit dieser Verengung regulieren sie die Verteilung des Blutes in unserem
Körper. Gleichzeitig haben sie
einen wichtigen Einfluss auf
den Blutdruck.
Auch die Arteriolen verzweigen
sich weiter und werden dann als
Kapillaren bezeichnet. Kapillaren
sind mit dem bloßen Auge nicht
mehr sichtbar. In ihnen findet der
eigentliche Austausch zwischen
© Sc
Die Gefäße unseres Körpers sind
ein Wunderwerk der Natur. Sie
sorgen dafür, dass das Blut in den
entlegensten Winkel unseres Körpers und von dort wieder zurück
kommt. Ihre Hauptaufgabe besteht
in der Versorgung aller Körpergewebe mit Blut und damit mit lebensnotwendigem Sauerstoff und
Nährstoffen. Gleichzeitig sorgen sie
für den Rücktransport von Abbaustoffen des Körpers und ermöglichen damit die Ausscheidung dieser teilweise giftigen Substanzen.
Wie bei Straßen gibt es auch bei
den Gefäßen Haupt- und Nebenstrecken. Prinzipiell lassen sich
diese in Arterien und Venen
einteilen. Als Arterien werden alle Gefäße bezeichnet,
die vom Herzen wegführen,
und als Venen jene, die zum
Herzen hinführen. Das vom Herzen kommende Blut wird zunächst
in die Hauptschlagader, die sogenannte Aorta, gepumpt. Man kann
sich die Aorta als eine Art elastischen Schlauch vorstellen. Die harten Schläge des Herzens werden in
ihr und ihren Verästelungen abgefedert. Trotzdem sind sie als Puls
aber noch bis an den Füßen spürbar. Dieses Abfedern der Pulswelle
wird auch als Windkesselfunktion
Wie ein Netz durchziehen die Gefäße unseren gesamten Körper. Sie versorgen ihn
mit Sauerstoff, Nährstoffen und Wärme.
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Unsere Gefäße
dem Blut und den Geweben statt.
Die Kapillaren müssen dicht und
durchlässig zugleich sein. Kapillaren sind zwar sehr enge Gefäße,
aber sie sind sehr zahlreich. Alle
Kapillaren zusammengenommen
haben einen erheblich größeren
Querschnitt als die Aorta. Die Folge davon ist, dass das Blut in ihnen
langsamer und mit weniger Druck
fließt als in der Hauptschlagader.
Das ist wichtig, weil der Stoffaustausch zwischen dem Blut und den
Geweben Zeit braucht.
Nachdem das Blut seinen Sauerstoff und die Nährstoffe an das
Gewebe abgegeben und die Abfallprodukte der Gewebe aufgenommen hat, gelangt es über die
Venolen in die Venen. Da es nach
der Passage durch die Kapillaren
nur noch wenig Druck hat, strömt
es beispielsweise aus den Beinen
nicht von selbst zurück zum Herzen. Viele Venen haben deshalb
Klappen eingebaut, die dem Blutstrom eine Richtung geben. Durch
Bewegung der Muskeln, zwischen
denen die Venen liegen, funktionieren die mit Klappen ausgestatteten Venen wie kleine Pumpen. Werden die Muskeln über längere Zeit
nicht angespannt, wird auch das
Blut nicht ausreichend gepumpt.
Die Folge sind Stauungen und dicke Beine zum Beispiel auf langen
Flugreisen.
Auf dem Weg zurück zum Herzen vereinigen sich immer mehr
Venen zu immer größeren Durchmessern, bis sie alle in der oberen oder unteren Hohlvene münden. Die beiden Hohlvenen sind
die stärksten Venen und sozusagen
das Gegenstück zur Aorta. Sie führen das Blut zurück zum Herzen,
diesmal allerdings in die rechte
Hälfte des Herzens, von wo aus es
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Arterie
Vene
Bindegewebsschicht
Muskelschicht
Gefäßinnenhaut
(Endothel)
Vasa
Vasorum
Der Aufbau von Arterien und Venen ähnelt sich. Die Wände bestehen aus drei
Schichten, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
in die Lungen gepumpt wird. Dieser zweite, kleinere Blutkreislauf
unseres Körpers – der soge­nannte
Lungenkreislauf – hat im Prinzip
den gleichen Aufbau wie der große
Kreislauf. Allerdings fließt in seinen Arterien sauerstoffarmes Blut
vom Herzen weg und in seinen Venen sauerstoffreiches Blut zum
Herzen hin.
Normalerweise wird das Blut
nur einmal durch ein Kapillarnetz
gepumpt, bevor es wieder ins Herz
zurückgelangt. Eine Ausnahme
bildet das Pfortadersystem. Hier
durchfließt das Blut zunächst die
Kapillaren des Darmes und nimmt
dort Nährstoffe auf. Die Venen des
Darmes vereinigen sich dann zur
Pfortader, die sich wieder aufzweigt, um die Kapillaren der Leber zu durchbluten.
Der Aufbau der Gefäßwände
Im Prinzip sind alle größeren Gefäße gleich aufgebaut. Ihre Wand
besteht aus drei Schichten.
Ganz innen befindet sich die Gefäßinnenhaut, die auch als Endothel bezeichnet wird. Sie besteht
aus einer Lage abgeplatteter Zellen,
die direkt mit dem Blut in Kontakt
steht. Die Unversehrtheit dieser
Schicht ist von großer Bedeutung.
Wird sie verletzt, so werden chemische Botenstoffe ausgesendet,
die eine Abdichtung veranlassen.
Blutplättchen, sogenannte Thrombozyten, lagern sich dann an die
verletzte Stelle an und bilden einen
ersten Wundverschluss. In einer
zweiten Phase wird die Blutgerinnung aktiviert und es wird schließlich ein Blutpfropf gebildet, der die
Wunde verschließt.
Dieser nützliche Mechanismus
kann aber auch gefährlich werden.
Dann nämlich, wenn es in der Gefäßinnenhaut zu Ablagerungen
kommt. Solche Ablagerungen von
Fetten und Eiweißen, die man auch
Atherosklerose nennt, treten herdförmig auf. Platzt ein solcher Ablagerungsherd, so wird das Endothel
verletzt. Der Körper reagiert auf die-
Unsere Gefäße
se Verletzung des Endothels wie bei
einer Wunde und verschließt das
betreffende Gefäß. Passiert so etwas
in den Herzkranzgefäßen oder in
den Hirnarterien, so ist ein Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge.
Die nächste Schicht der Blutgefäße besteht aus Muskelzellen.
teriosklerose oder Mediasklerose
bezeichneten Verkalkung ist eine
Versteifung der Gefäßwand.
Die äußere Hülle der Gefäße besteht aus elastischem Bindegewebe. Sie sorgt dafür, dass die Gefäße
alle Bewegungen des Körpers mitmachen, ohne abzureißen. Gleich-
Ähnlich funktioniert das übrigens
auch bei unserem Herzen. Hier
werden die meisten Schichten, vor
allem aber der Herzmuskel, über
die Herzkranzgefäße durchblutet.
Die Kapillaren haben einen anderen Aufbau als die größeren Gefäße. Ihnen fehlen die beiden äußeren Schichten und ihre Wand
besteht lediglich aus der inneren
Schicht, die zudem auch noch winzige Poren aufweist. Die Poren sind
groß genug, um kleine Moleküle wie
Sauerstoff oder Wasser hindurchzulassen, aber zu eng für größere
Moleküle wie etwa ­Eiweiße oder
gar Blutkörperchen. Über diese Poren findet der eigentliche Stoffaustausch statt.
© Science photo library
Der Blutdruck
Unsere Gefäße verzweigen sich immer mehr, bis sie schließlich mit bloßem
Auge nicht mehr zu erkennen sind. Im feinen Netzwerk der Kapillaren findet
schließlich der eigentliche Stoffaustausch zwischen dem Blut und den Geweben statt.
­ iese Muskelzellen können sich
D
anspannen und so den Blutdruck
erhöhen oder sich verengen und
so das Blut in andere Körperregionen umleiten. Wenn die Muskulatur der Gefäße sich weitet, wird
das dahinterliegende Gewebe besser durchblutet, zieht sie sich zusammen, wird die Blutzufuhr gedrosselt.
Vor allem bei Dialysepatienten
kann es passieren, dass Kalk in diese mittlere Gefäßschicht eingelagert wird. Die Folge dieser als Ar-
zeitig erlaubt sie eine Dehnung des
Gefäßes beispielsweise wenn eine
Pulswelle ankommt.
Eingebettet in die äußere Schicht
finden sich auch kleine Äderchen,
die das Gefäß mit Sauerstoff und
Nährstoffen versorgen. Diese sogenannten Vasa vasorum sind sehr
wichtig, denn obwohl die Arterien
und Venen mit Blut gefüllt sind, wird
nur das Endothel von diesem versorgt. Die restlichen Gefäßschichten
werden über die Vasa vasorum mit
Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Um das Blut durch die Gefäße zu
pumpen, braucht es einen gewissen Druck. Nur durch diesen Druck
bleibt es in Bewegung und kann
alle Winkel des Körpers erreichen.
Je weiter sich das Blut vom Herzen entfernt, desto geringer ist
sein Druck und desto langsamer
fließt es. Überdies spielt der Blutdruck für die Arbeit der Nieren eine
wichtige Rolle. Die Filter der Niere
brauchen nämlich einen gewissen
Druck, um richtig zu arbeiten. Zu
viel Druck schadet ihnen allerdings
und kann sie zerstören.
Weil der Blutdruck für die Funktion unseres Körpers so wichtig ist,
wird er durch mehrere Mechanismen geregelt. Je nach Anforderung
wird er ständig angepasst. Bei körperlicher Anstrengung oder psychischer Anspannung wird er zum
Beispiel erhöht, in Ruhe sinkt er
ab.
Bei einem zu hohen Blutdruck
wird die Spannung der Muskel-
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Unsere Gefäße
schicht in den Wänden der Arterien und Arteriolen reduziert.
Gleichzeitig scheidet die Niere
mehr Kochsalz und Wasser aus, um
das Blutvolumen zu vermindern.
Schon eine geringfügige Zunahme
des Blutvolumens kann nämlich zu
einer erheblichen Steigerung des
Blutdruckes führen. Ursache einer
Erhöhung der Blutmenge ist meist
ein erhöhter Kochsalzkonsum. Wie
jeder weiß, bindet Kochsalz nämlich Wasser an sich.
Ein zu hoher Blutdruck hat vielfältige Folgen. Das Herz muss nämlich gegen diesen Druck anpumpen. Bei Hypertonie wird ihm also
mehr Arbeit abverlangt, als eigentlich nötig wäre. Die Folgen sind ein
erhöhter Sauerstoffbedarf und eine vorzeitige Ermüdung des Herzmuskels. Gleichzeitig hat der hohe Druck aber auch Folgen für die
Gefäße. Er begünstigt nämlich die
Entstehung einer Atherosklerose.
Prinzipieller Aufbau von Gefäßnetzen
Während die meisten Gewebe von mehreren Arterien versorgt werden
(links), überschneiden sich die Versorgungsgebiete im Herzen und Gehirn nur
wenig (rechts). Fällt hier eine versorgende Arterie aus, so gehen ganze Bezirke zugrunde.
setzen. Wenn wir zum Beispiel aufstehen, dann müssen sich die Gefäße in der unteren Körperhälfte
rasch verengen, um zu verhindern,
dass alles Blut in die Beine läuft. GeBlutverteilung
lingt diese Engstellung
Eine wichtige Funktion
der Gefäße nicht rasch
unserer Gefäße ist auch
genug, so wird dem Bedie Verteilung des Blutes
treffenden schwarz vor
in unserem Körper. Diese
Augen, weil das Gehirn
Verteilung erfolgt wohldofür einen Moment lang
siert. Das Blut wird nämnicht genügend Blut belich bevorzugt in jene Orkommt.
Dr. med.
gane geleitet, die es geraDie Verteilung des
Albert Röder
de benötigen. Wenn wir
Blutes
in unserem KörFreier Fachuns körperlich anstrenper ist außerdem wichjournalist und
verantwortgen, bekommen die Mustig für die Konstanthallicher Redakkeln besonders viel Blut
tung unserer Körperteur für dieses
geliefert. Denken wir antemperatur. Um das Blut
Heft.
gestrengt nach, so wird
nicht zu sehr abzukühdas Gehirn besonders gut
len, werden Arme und
durchblutet. Auch diese Verteilung Beine weniger durchblutet, wenn
geschieht mittels der in die Gefäß- es kalt ist. Das macht sich dann
wände eingebauten Muskulatur.
zum Beispiel durch kalte Füße beDie Gefäße müssen aber auch merkbar. Ist es zu warm, wird das
der Schwerkraft einiges entgegen- Blut nach außen in die Haut gelei-
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
tet, um es abzukühlen. Die Haut
erscheint dann rötlich.
Netzwerke
Weil eine gute Durchblutung der
Gewebe so wichtig ist, werden die
meisten von ihnen von mehreren
Gefäßen gleichzeitig versorgt. Solche doppelt angelegten Gefäßversorgungen nennt der Mediziner
Kollateralen. Fällt eines der Gefäße
aus, so kann der betreffende Körperteil von den anderen versorgt
werden. Ausgenommen von diesem netzartigen Aufbau sind unter
anderem das Herz und das Gehirn.
Hier gibt es nur wenige Kollateralen und der Sauerstoffverbrauch
ist hoch. Die Folge ist, dass eine
Gefäßverengung oder ein Gefäßverschluss für diese beiden Organe
sehr gefährlich ist.
Dr. med. Albert Röder
Fachjournalist
Der Shunt
Nahtstelle zwischen
Mensch und Maschine
Bei der Hämodialyse braucht es eine besondere Art von Gefäßen, die normalerweise
im menschlichen Körper nicht vorhanden ist. Der sogenannte Shunt ist ein Zwischending aus Arterie und Vene.
Ein schleifenförmiger Gefäß­
ersatzshunt, im Bild während
der Dialyse, erlaubt wie ein
CIMINO-Shunt bei einfacher
Punktion hohe Blutflussge­
schwindigkeiten.
Bei der Blutwäsche (Hämodialyse) muss das Blut außerhalb des
Körpers mit einer Fließgeschwindigkeit von 300 – 400 ml/min über
4 – 5 Stunden durch das Dialysegerät fließen (extrakorporaler Kreislauf). Die Anschlusstechnik soll
alltagstauglich einfach und häufig wiederholbar sein (dreimal pro
Woche über viele Jahre). Um diese
Forderungen zu erfüllen, braucht
man für die Dialyse ein oberfläch-
10
liches, gut zu punktierendes Gefäß, das diese Blutmenge fördern
(1. Punktionskanüle) und wieder
aufnehmen kann (2. Punktionskanüle). Über ein solches Blutgefäß
verfügt der Mensch nicht.
Ein „Kurzschluss“
bringt die Lösung
Seit der ersten erfolgreichen Dialyse Mitte der 40er-Jahre wurden
über 100 verschiedene „Kreislaufanschlüsse“ entwickelt – ein
Hinweis auf die schwierige biologische Problematik. Den Durchbruch brachte Mitte der 60er-Jahre
der sogenannte „CIMINO-Shunt“.
Hierbei wird oberhalb des Handgelenkes die äußere Unterarmleitvene (Vena cephalica) mit der Speichenarterie (Arteria radialis) verbunden (anastomosiert). Das Blut
fließt nun mit hoher Geschwindigkeit aus dem arteriellen Hochdrucksystem in das venöse Niederdrucksystem. Da es kein Kapillargebiet durchströmt bevor es wieder
zum Herzen zurückgelangt, handelt
es sich hierbei technisch gesehen
um einen Kurzschluss, oder englisch: Shunt. Die oberflächlich gut
zu punktierende Vena cephalica erhält so einen hohen Blutfluss. Damit ist die oben geforderte Gefäßstruktur geschaffen.
Was macht man, wenn die
Shuntvene fehlt?
Verfügt der Patient nicht (mehr)
über eine geeignete Vena cephalica am Unterarm, weicht man auf
andere Leitvenen am Unter- oder
Oberarm aus. Sind alle diese körpereigenen Gefäße ungeeignet oder
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Der Shunt
verbraucht, bleibt nur ein Gefäßersatzverfahren. Hierbei wird ein
künstliches Gefäß mit 6 oder 7 mm
Durchmesser, heute meist aus aufgeschäumtem Teflon, schleifenförmig dicht unter der Haut eingezogen wie im ersten Bild und mit Arterie und Vene verbunden.
Gezieltes Bodybuilding
für die Shuntvene
Durch den Kurzschluss und den dabei entstehenden Druck sowie die
häufigen Punktionen kommt es in
der Shuntvene zu einer deutlichen
Belastungsänderung. Das führt zu
verschiedenen, unterschiedlich
ausgeprägten, meist gut sichtbaren
Veränderungen, die im englischen
als „Remodeling“ bezeichnet werden.
Da der Zusammenhang zwischen der Belastungsänderungen
und den Formänderungen der Vene bekannt ist, sollte das Remodeling nicht dem Zufall überlassen, sondern soweit möglich gesteuert werden (Venentraining,
gesteuerte Vielfachpunktion etc.),
um die Shuntvenenqualität zu verbessern. Wichtig sind auch regelmäßige Shuntkontrollen, um Fehlentwicklungen beim Remodeling
frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
Für die Funktion der Shuntvene besonders wichtig ist die
druckbedingte Vergrößerung des
Durchmessers verbunden mit einer Wandverdickung. Dieser Effekt ist erwünscht und kann durch
das Venentraining unterstützt werden. Hierbei staut der Patient ca.
zehnmal pro Tag für ca. 15 min den
Shuntarm mit einer hoch am Oberarm angelegten Staubinde. Dabei
sollte er einen leicht pulsierenden
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Ausgeprägtes Remodeling bei
einem 21 Jahre alten CIMINOShunt am linken Unterarm. Die
untere Abb. zeigt ein Angiogramm
des gleichen Shunts.
Druck im Shunt spüren. Das Shuntgeräusch muss aber weiter hörbar
sein.
Was kann schief laufen?
Die häufigsten Komplikationen bei
Dialyseshunts sind Thrombose, Infektion, Blutung, unzureichende
Förderkapazität, Durchblutungsstörung, Blutstauung und zu hohe
Herzbelastung.
Die Ursachen für solche Komplikationen sind vielfältig. Ein zu
kleiner Venendurchmesser, Venenverzweigungen, eine Arteriosklerose, die erwähnten Remodelingprozesse, Störungen der Blutgerinnung und ein zu niedriger Blutdruck seien körperseitig exemplarisch genannt. Eine sorgfältige präoperative Diagnostik, am besten
mit Erstellung einer „Venenlandkarte“ mittels CO2-Phlebographie,
das Vermeiden der Arealpunktion
und regelmässige Shuntkontrollen können einige, aber nicht alle Shuntprobleme vermeiden. So
kann auch das Remodeling zwar
beeinflusst werden, aber trotzdem
kann der Shunt sich im Laufe der
Zeit so verändern, dass es z.B.
durch Abknickungen zu Engstellen
kommt. Venentraining, gesteuerte
Vielfachpunktion der Shuntvene
Durch den Shunt kommt es in der an die Arterie angeschlossenen Vene zu fol­
genden Veränderungen: a) Verwirbelungen durch höheren Durchfluss, b) Erweite­
rungen durch höheren Druck, c) operationsbedingte Verengung, d) langstreckige
Erweiterungen durch Strickleiterpunktion, e) stellenweise Erweiterung durch
Arealpunktion, f) punktvolle Veränderungen durch Knopflochpunktion.
11
Der Shunt
Die acht häufigsten Shunt­
möglichkeiten mit körper­
eigener Vene (blau) und
mit Gefäßprothesen
(grün).
und ein regelmässiges Shuntmonitoring sind für eine lange Funktionsdauer des Shuntes besonders
wichtig.
Grundsätzlich haben Shunts mit
körpereigenen Gefäßen eine niedrigere Komplikationsrate als Ge-
12
soll, dass sich die gedehnte Stelle
wieder verengt.
Wie viele Shunts braucht ein
Patient?
Ein Shunt funktioniert oftmals
fäßersatzshunts. Innerhalb bei- nicht bis zum Lebensende des Patider Gruppen gilt, dass ca. 70 % der enten. Soweit die Literaturdaten eiShunts eine niedrigere Komplika- ne Schätzung überhaupt zulassen,
tionsrate haben und die restlichen liegt die durchschnittliche FunkShunts eine höhere. Es
tionsdauer bei weniger
kommen also wenige
als drei Jahren. Ein PaShunts immer wieder
tient mit einer Lebenserzur Revision, während
wartung von 20 Jahren
viele Shunts oft über
zu Beginn der DialyseJahre ohne wesenttherapie braucht dann
liche Probleme funktiim statistischen Mittel
onieren.
sechs Shunts. Von den
Prof. Dr. med.
Gerhad
auf dieser Seite dargeKrönung
stellten grundsätzlichen
Behebung / Re­
Chefarzt Kreis16 Möglichkeiten (je acht
vision
krankenhaus
links u. rechts) sind im
von Komplika­
Ottweiler
Einzelfall viele oft nicht
tionen
realisierbar. InsbesondeShuntkomplikationen wer- re bei älteren gefäßkranken Patiden meist chirurgisch be- enten (z.B. Diabetikern) kann das
handelt. Für die chirur- erhebliche Probleme aufwerfen. Da
gische Revision braucht es bei jedem Patienten nur eine beman alle gefäßchirur- grenzte Zahl möglicher Shunts gibt,
gischen plus spe- muss mit diesen sparsam umgezielle shuntchir- gangen werden.
urgische TechShuntchirurgie ist bezüglich der
niken. Solche Technik anspruchsvollste GefäßShunt­revisionen chirurgie und braucht viel Erfahsind oft aufwändige rung. Wichtig ist auch eine konsEingriffe. OP-Zeiten truktive Vernetzung mit allen Beteivon über drei Stun- ligten: Patient, Nephrologe, Dialyden sind keine Seltenheit. sepersonal, Radiologe, Anästhesist
Manchmal kann ein Shuntproblem und Kostenträger.
allerdings auch ohne Operation behoben werden. Eine Engstelle im Prof. Dr. med. Gerhard Krönung
Shunt kann zum Beispiel unter
Röntgenkontrolle mit einem Ballon aufgedehnt werden. Unter Umständen wird bei dieser Prozedur
auch eine Gefäßstütze aus Metall
(Stent) eingepflanzt, die verhindern
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Gefäßerkrankungen und ihre Ursachen
Warum es
manchmal eng wird
Eine der weltweit häufigsten Gefäßerkrankungen ist der Bluthochdruck, den Mediziner auch als
Hypertonie bezeichnen. Allein in
Deutschland wird geschätzt, dass
ein Viertel der Bevölkerung, das
heißt ca. 20 Millionen Menschen,
an einer behandlungsbedürftigen
Hypertonie leidet. Es wird weiterhin geschätzt, dass durchschnittlich nur die Hälfte dieser Patienten
erkannt, nur 20 % behandelt und
nur 10 % effektiv behandelt werden – eine erschreckende Statistik.
Die häufigste Ursache für die
Entstehung eines Bluthochdrucks
ist die Kombination aus geerbten
und erworbenen Faktoren. Menschen, deren Eltern bereits einen
Bluthochdruck hatten, haben selbst
ein erhöhtes Risiko. Während die
Erbanlagen, also die Gene, nicht
beeinflussbar sind, können erworbene Faktoren wie Übergewicht, Über- und Fehlernährung,
ein Mangel an körperlicher Bewegung und Rauchen sehr wohl verändert werden.
Es gibt aber auch Formen des
Bluthochdrucks, die eine Folge anderer Erkrankungen sind. Die Ursache ist dann meist eine hormonelle Fehlsteuerung. In manchen
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
© Mauritius
Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die häufigsten Todesfälle.
Dieser Beitrag soll eine Übersicht über die Ursachen und Folgen von Gefäßerkrankungen geben.
Künstlerische Darstellung von Bluthochdruck.
Fällen kann auch eine Verengung
der Nierenarterie der Grund sein.
Liegt eine solche Form des Bluthochdruckes vor, so kann sie in vielen Fällen durch eine Beseitigung
der verursachenden Erkrankung
behandelt werden. Diese sogenannten sekundären Hypertonien
sind allerdings eher die Ausnahme und machen insgesamt deutlich weniger als 10 % der Erkrankungen aus.
Der Bluthochdruck sollte auf
Werte unter 140/90 mmHg eingestellt werden, bei Patienten mit weiteren Risikofaktoren (z.B. bei Dia-
betes mellitus, Proteinurie) noch
niedriger (120/80 mm Hg). Um
­diese Werte zu erreichen, sollten
zunächst signifikante „LifestyleModifikationen“ in Betracht gezogen werden. Zu diesen gehören:
Gewichtsabnahme, Ausdauersport,
Rauchverzicht, gesunde und vor
allem salzarme Ernährung. Häufig
ist jedoch zusätzlich eine medikamentöse Behandlung notwendig,
oft auch mit mehreren Medikamenten, wozu sich ACE-Hemmer, AT1Rezeptor-Blocker, Betablocker, Calcium-Antagonisten und Diuretika
in erster Linie eignen.
13
Gefäßerkrankungen und ihre Ursachen
Wird ein Bluthochdruck nicht ausreichend behandelt, so führt er zu
einer Verdickung und Verengung
kleinerer arterieller Widerstandsgefäße, aber auch zu Schäden an
der Gefäßinnenwand. Letztere wiederum begünstigen wahrscheinlich die Entwicklung einer Atherosklerose. Eine anhaltende Hypertonie führt außerdem auch zu
einer krankhaften Vergrößerung
und Erweiterung des Herzmuskels,
was von Medizinern als linksventrikuläre Hypertrophie bezeichnet
wird. Diese Vergrößerung des Herzmuskels kommt dadurch zustande,
dass das Herz gegen einen erhöhten Druck erzeugen muss. Für den
Herzmuskel bedeut die Vergrößerung, dass es zu einer schlechteren
Durchblutung kommt und dass das
Risiko für Herzrhythmusstörungen
steigt.
Atherosklerose –
Arteriosklerose
Die Begriffe Atherosklerose und
Arteriosklerose werden häufig
gleichbedeutend verwendet. Sie
beschreiben aber verschiedene Erkrankungen. Unter Atherosklerose
versteht man Ablagerungen in den
Gefäßwänden, die auch als Plaques
bezeichnet werden. Sie führen zu
Gefäßverengungen oder gar Gefäßverschlüssen und werden vor allem
durch erhöhte Fettwerte im Blut
verursacht. Zumeist sind hiervon
große und mittlere Gefäße betroffen. Die Ablagerungen enthalten
neben Fetten häufig auch Entzündungszellen und -proteine. Ursächlich für die Atherosklerose sind in
erster Linie erhöhte Cholesterinwerte und dabei insbesondere er-
14
© Mauritius
Folgen des Bluthochdrucks
Querschnitt durch eine Arterie, die aufgrund von Atherosklerose verstopft ist.
höhte LDL- bei erniedrigten HDLCholesterinspiegel. Auslöser für diese Ablagerungen sind vor allem
Schädigungen der zarten Gefäßinnenhaut, sog. Intimaläsionen.
Diese können vor allem durch
Bluthochdruck und Rauchen zustande kommen. Chronische Entzündungsprozesse, die aber keine
Symptome verursachen („Mikroinflammation“), werden ebenfalls als
relevant für die Krankheitsentstehung angesehen. In späteren Stadien der Atherosklerose können
die zunächst fettigen Ablagerungen
verkalken.
Folgen der Atherosklerose
Die Atherosklerose ist verantwortlich für schleichende Erkrankungen wie Brustenge (Angina
pectoris) oder Durchblutungsstörungen der Beine (Schaufensterkrankheit, offene Beine, Claudicatio intermittens) und/oder akute
Ereignisse wie Herzinfarkt oder
Schlaganfall.
Die schleichenden Erkrankungen
kommen dadurch zustande, dass
die Gefäße sich langsam zusetzen
und nicht mehr genug Sauerstoff in
den von ihnen versorgten Geweben
ankommt. Dieser Sauerstoffmangel macht sich zunächst vor allem
bei körperlicher Belastung durch
Schmerzen bemerkbar.
Akute Ereignisse wie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt werden dadurch in Gang gesetzt, dass eine
der Gefäßablagerungen platzt (sog.
Plaqueruptur). Dabei entsteht an
der Gefäßinnenhaut eine Wunde.
Der Körper reagiert auf die Wunde, so wie er auf alle Verletzungen
von Gefäßen reagiert: er versucht
sie zu verschließen. ­Dies geschieht,
indem sich zunächst Blutplättchen
(Thrombozyten) an die Wundränder anlagern. Diese Blutplättchen
lösen dann die Blutgerinnung aus.
Durch den dabei entstehenden
Blutpfropf kann es zum Verschluss
eines Herzkranzgefäßes kommen.
Die Folge ist, dass jene Gebiete, die
von dem betreffenden Herzkranz-
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Gefäßerkrankungen und ihre Ursachen
gefäß versorgt werden, von der
Sauerstoffzufuhr abgeschnitten
werden und zugrunde gehen.
Folgen der Arteriosklerose
Unter der Arteriosklerose (= Mediasklerose) versteht man eine Wandversteifung der Arterien, die nicht
zu Gefäßverengungen führt. Diese Gefäßsteifigkeit wird vor allem
durch Kalkeinlagerungen ins Bindegewebe der Gefäße verursacht.
Man spricht dann von Gefäßverkalkungen. Diese können bei älteren
Menschen als normale Alterserscheinung auftreten. In jüngeren
Jahren treten sie aber besonders
bei Diabetikern und bei Patienten
mit chronischer Niereninsuffizienz
auf. Bei letzterer Patientengruppe
ist das Risiko der Arteriosklerose
am größten und vor allem durch
Störungen des Calcium-Phosphatund Knochen-Haushalts bedingt.
Die Arteriosklerose ist in gewisser
Weise heimtückisch, weil sie kaum
Symptome verursacht. Bei der Blutdruckmessung fällt sie lediglich
durch hohe obere (systolische) und
niedrige untere (diastolische) Werte
auf. Das Problem der fehlenden Gefäßelastizität ist, dass die vorwärts
gerichtete Pulswelle ungebremst
und damit beschleunigt durch
den Kreislauf gepumpt wird.
Damit trifft sie aber auch verfrüht, nämlich in der aktiven
Pumpphase der linken Herzkammer, auf den Herzmuskel zurück. Damit kommt
es bei jedem Pulsschlag zu
Bei Aneurysmen handelt es
sich um Aussackungen von
Gefäßen. Platzt eine solche
Aussackung, so kann es
zu lebensbedrohlichen
Blutungen kommen.
einer „unsichtbaren“ Druckerhöhung, die auf die Dauer zur Pumpschwäche und zur Entwicklung einer Herzinsuffizienz führt.
zu verhindern oder zumindest zu
verzögern.
Gefäßentzündung – Vaskulitis
Unter Vaskulitis versteht man Entzündungen der Gefäße, die in der
Die Zuckerkrankheit verursacht Regel durch Autoimmunerkranmassive Gefäßveränderungen, in kungen verursacht werden. Sie
Form einer beschleusind verhältnismäßig selnigten Athero- und Arten. Hier gibt es Entzünteriosklerose. Die bedungen an sehr kleinen,
troffenen Gefäßgebiete
an mittleren und auch
sind sowohl die großen
an großen Arterien, die
(Makroangiopathie) als
entsprechend sehr unauch die kleinen Gefäße
terschiedliche Symptome
Prof. Dr. Mar(Mikroangiopathie). Die
verursachen.
kus Ketteler
Mikroangiopathie spielt
Nephrologische
sich besonders im BeGefäßaussackungen
Klinik Coburg
reich der Nervenversor– Aneurysmen
gung, der Nieren und der
Netzhaut (Retinopathie) ab. Bei der Aneurysmen sind GefäßerweiteRetinopathie kommt es zusätzlich rungen, die sich an kleinen Gezu Gefäßneubildungen (Prolifera- fäßen (z.B. im Hirnstromgebiet,
tionen), die bis hin zu Netzhautab- oft bereits bei der Geburt angelösungen führen können und der legt) als auch an großen Gefäßen
Lasertherapie bedürfen. Wie schon (z.B. Aorta) entwickeln können.
erwähnt, bedarf es hier der opti- Letztlich handelt es sich hier um
malen Zucker- und Blutdruckein- eine Bindegewebsschwäche, die
stellung, um diese Schädigungen genetisch bedingt sein kann oder
durch Abbauprozesse oder Verletzungen verursacht wird. Bei echten
Aneurysmen ist die gesamte Gefäßwand erweitert, „falsche“ Aneurysmen entstehen durch Risse
einzelner Schichten oder in der gesamten Gefäßwand. Die Gefahr von
Aneurysmen besteht darin, dass
sie platzen können. Hirngefäßaneurysmen sind zumeist symptomlos, wenn sie aber plötzlich
platzen, führen sie nicht selten
zu tödlichen Hirnblutungen. In
jedem Fall eines erkannten Aneurysmas sollte ein gleichzeitig vorliegender Bluthochdruck optimal
behandelt werden.
Diabetische Angiopathie
Prof. Dr. Markus Ketteler
ius
it
©
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
ur
Ma
15
Besondere Gefäßrisiken bei Dialysepatienten
Die Tücken des KalziumPhosphat-Haushalts
Bei Dialysepatienten ist das Risiko für Gefäßerkrankungen besonders hoch.
Zum Glück gibt es aber Möglichkeiten, dies in den Griff zu bekommen.
Ein großes Problem bei der Behandlung von Nieren- und Dialysepatienten ist eine im Vergleich
zur Normalbevölkerung deutlich
erhöhte Sterblichkeitsrate. Schon
seit Langem ist bekannt, dass dies vor allem durch die Spätfolgen
von Herz- und Kreislaufproblemen
bedingt ist. Im Gegensatz zur Normalbevölkerung sind es
hier aber nicht nur die
klassischen Gefäßrisiken,
sondern auch spezielle
Faktoren, die fast nur bei
Nierenpatienten auftreten. In dieser Übersicht
soll deshalb auf diese besonderen Risikofaktoren
bei Dialysepatienten näher eingegangen werden.
Bei Dialysepatienten
finden sich früh und
gehäuft Gefäßverkalkungen
In zahlreichen Untersuchungen konnte in den
letzen Jahren ein gehäuftes Auftreten von
Verkalkungen an der
Bauchschlagader und
den Herzkranzgefäßen
16
bei chronisch nierenkranken Patienten im Vergleich zur Normalbevölkerung nachgewiesen werden.
Bei jungen, 30- bis 40-jährigen Dialysepatienten zeigte sich, dass der
Kalkgehalt der Herzkranzgefäße
bereits stark erhöht ist und dem
von 70- bis 80-jährigen Menschen
ohne Nierenerkrankung entspricht.
Schlimmer noch, bei fortdauernder
Dialysetherapie kommt es zu einer
überaus raschen Zunahme des Gefäßkalkgehaltes. Dies beeinträch­
tigt die Funktion der Herzkranzgefäße: Durch die Kalkablagerungen
kommt es zur Versteifung und Verengung der Gefäße.
Auch an anderen Stellen im Körper finden sich häufig
Verkalkungen der Blutgefäße. Betroffen sind
oft die Bauchschlagader
Beachte die starke
Verkalkung der Zeund vor allem die Gefäße
henarterien (s. Pfeil)
der Beine. Wenn es dort
zu Durchblutungsstörungen kommt, sind die
Folgen oft schlecht heilende Wunden oder Geschwüre. Manchmal heilen diese Geschwüre so
schlecht, dass Teile des
Fußes oder Beines amputiert werden müssen.
In den letzen Jahren ist
dabei eine deutliche Zunahme der Zahl der Am-
Röntgenleeraufnahme des
Fußes einer 41-jährigen
Hämodialysepatientin im
8. Dialysejahr. Die Großzehe musste bereits amputiert werden.
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Besondere Gefäßrisiken bei Dialysepatienten
putationen bei Dialysepatienten zu
beobachten.
Wie aber läßt sich ein vermehrter Gefäßkalk nachweisen? Er zeigt
sich häufig schon auf einfachen
Röntgenaufnahmen der Beine oder
Arme. Normalerweise sind Blutgefäße auf Röntgenaufnahmen
nicht zu sehen. Sind die Wände
jedoch verkalkt, dann bilden sich
die Wände ähnlich wie der Knochen, der auch durch den Kalkgehalt im Röntgen zu sehen ist, auf
dem Röntgenbild ab.
Was sind mögliche Ursachen
dieser Problematik?
Natürlich weisen viele nierenkranke Patienten die klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck,
Zuckerkrankheit und Störung
der Blutfette auf. Das liegt daran,
daß diese Risikofaktoren auch zu
den häufigen Ursachen von Nierenkrankheiten zählen. Daneben
spielt bei chronischer Niereninsuffizienz aber auch eine Störung des
Kalzium- und Phosphathaushaltes
eine wichtige Rolle. Die Niere ist
nämlich an dessen Regulation wesentlich beteiligt. Durch die Bildung von aktivem Vitamin D in der
Niere wird die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus der Nahrung in den Köper im Dünndarm
reguliert. Durch Ausscheidung der
beiden Elektrolyte mit dem Urin
werden die Blutkonzentrationen
in einem sehr engen Spielraum gehalten. Ist zu wenig Kalzium oder
Phosphat vorhanden, kommt der
Knochen zu Hilfe, der einen großen Speicher für die beiden Stoffe
darstellt. Bei Mangel kann Kalzium und Phosphat ausgebaut, bei
Überschuss aber auch wieder eingebaut werden. Geregelt wird di-
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Zufällig gefundene Gefäßverkalkungen bei einer
Mammographie der gleichen Patientin wie in der
Abbildung auf Seite 16.
Normalerweise sind Blutgefäße auf einem Röntgenbild nicht zu erkennen.
Beachte die
ausgeprägte Gefäßverkalkung
(s. Pfeil)
es von der Nebenschilddrüse über einen Botenstoff namens Parathormon.
Bei Nierenerkrankungen kann der Mineralhaushalt des Körpers
aus dem Ruder laufen.
Durch die nachlassende
Nierenfunktion ist eine
ausreichende Urinphosphatausscheidung nicht
mehr gewährleistet, es
kommt zum Anstieg der Serumphosphatkonzentration. Gleichzeitig entsteht ein Mangel an aktivem
Vitamin D. Es kann nicht mehr genügend Kalzium aus dem Darm
aufgenommen werden. Da der Kalziumspiegel aber nicht wesentlich
abfallen darf, wird durch die Ne-
Risikofaktoren
Risikofaktoren für die Entwicklung von Gefäßverkalkungen
bei Dialysepatienten
▸ Weibliches Geschlecht
▸ Übergewicht
▸ Hoher Parathormonspiegel
▸ Hohes Kalzium-PhosphatProdukt
▸ Schwelende Entzündung
▸ Eiweißmangel
▸ Marcumar-Behandlung
▸ Vitamin-D-Mangel
benschilddrüse Kalzium aus dem
Knochen ausgebaut. Dabei wird
auch Phosphat freigesetzt.
Eine kurzfristige Aktivierung
der Nebenschilddrüse ist eigentlich nicht schlimm. Ist sie aber wie
bei Nierenerkrankungen dauerhaft
aktiv, so entwickelt sich eine Schilddrüsenüberfunktion, ein sogenannter Hyperparathyreoidismus. Die
Folge ist eine Abnahme des Kalkgehaltes des Knochens, was zu Knochenbrüchen führen kann.
Gleichzeitig sind die Nieren nicht
mehr in der Lage, einen Überschuss
an Kalzium und Phosphat im Blut
durch Ausscheidung im Urin auszugleichen. Wird der Körper jetzt
noch durch eine hohe Kalziumzufuhr belastet, lagert sich diese zusammen mit Phosphat im Gewebe
ab und führt zu dessen Verkalkung.
Diese Verkalkungen können sich
in fast allen Körpergeweben finden und treten also auch in den
Gefäßen auf.
17
Besondere Gefäßrisiken bei Dialysepatienten
aber auch in allen Fleischsorten.
Da der Dialysepatient sich jedoch
bevorzugt eiweißreich ernähren
soll (häufig ist er ja bereits mangelernährt), entsteht ein therapeutisches Dilemma. Abhilfe schaffen
hier Phosphatbinder, die mit der
Nahrung eingenommen werden
und die Aufnahme von Phosphat
aus dem Darm in den Blutkreislauf
verhindern sollen.
© Mauritius
Phosphatbinder: Aluminiumhaltige Phosphatbinder
Phosphat findet sich vor allem in Milchprodukten wie zum Beispiel Käse.
Das Risiko dieser Verkalkungen
steigt mit steigenden Kalzium- und
Phosphat-Konzentrationen im
Blut an. Beide Blutwerte können
leicht gemessen werden. Als Grenze gilt heute ein Produkt (Kalzium
mal Phosphat) beider Werte von
55 mg²/dl². Das Risiko für Gefäßverkalkungen erhöht sich sprunghaft, wenn das Kalzium-PhosphatProdukt diesen Wert überschreitet.
Wie kann der Phosphatspiegel gesenkt werden?
Da hohe Phosphatspiegel eine wesentliche Rolle bei Gefäßverkalkungen spielen, wird heute vermehrt auf die Phosphatsenkung bei
Dialysepatienten geachtet. Deshalb
wurden verschiedene Methoden
zur Phosphatsenkung untersucht.
Weder durch konventionelle Hämodialyse von 3 x 5 Stunden Dialyse
in der Woche noch durch CAPDBehandlung alleine gelingt es, das
18
Phosphat im Blut ausreichend zu
senken. Verlängert man jedoch die
effektive Hämodialysezeit auf etwa dreimal acht Stunden pro Woche oder führt man täglich Hämodialysetherapien durch, so können
nahezu normale Phosphatspiegel
erreicht werden. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Einhaltung
einer phosphatarmen Ernährung.
Phosphat findet sich vor allem
in Milchprodukten wie Käse etc.,
Zielwerte
Angestrebte Zielwerte des Kalzium-Phosphat-Haushalts:
Serum-Phosphat: 3,5 – 5,5 mg/dl
bzw. 1,13 – 1,78 mmol/l
Serum-Kalzium: 8,4 – 9,5 mg/dl
bzw. 2,10 – 2,37 mmol/l
Kalzium x Phosphatprodukt:
unter 55 mg²/dl²
bzw. 4,4 mmol²/l²
Zunächst standen zur medikamentösen Phosphatsenkung ausschließlich aluminiumhaltige Phosphatbinder zur Verfügung, die recht
wirksam sind. Sie beinhalten jedoch die Gefahr einer Aluminiumbelastung, was wiederum zu Knochenerkrankungen führen kann, da
Aluminium sich im Knochen ablagert. Gefährlich wird es insbesondere dann, wenn gleichzeitig mit
den aluminiumhaltigen Phosphatbindern Zitrat (z.B. in Zitrusfrüchten) konsumiert wird. Hierdurch
kann sich der Anteil des in den Körper gelangenden Aluminiums sogar
bis zu verhundertfachen.
Kalziumhaltige
Phosphatbinder
Eine dann entwickelte Alternative
waren die kalziumhaltigen Phosphatbinder, insbesondere Kalziumcarbonat oder Kalziumazetat, welche auch recht effektiv die
Phosphatspiegel senken. Es mehren sich in der letzten Zeit jedoch
Hinweise darauf, dass diese Substanzgruppe durch die vermehrte
Kalziumbelastung des Körpers zu
einer verstärkten Gefäßverkalkung
führen kann. Problematisch ist das
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Besondere Gefäßrisiken bei Dialysepatienten
vor allem deswegen, weil der Kalziumspiegel im Blut die Kalziumbeladung des Körpers nicht unbedingt widerspiegelt. Das bedeutet,
dass auch bei normalem SerumKalzium durchaus eine schädliche
erhöhte Kalziumbeladung des Körpers vorliegen kann. Das ist gerade
deswegen kritisch zu sehen, weil
der Dialysepatient ja über keine
Kalziumausscheidung über den
Urin verfügt und möglicherweise
noch Kalzium über das Dialysat zugeführt bekommt.
Neuere Phosphatbinder
Schon etwas länger auf dem Markt
ist Sevelamer-Hydrochlorid. Sevelamer enthält keine Metalle, also weder Aluminium oder Lanthan
noch Kalzium. In einer 2007 veröffentlichten Studie wurde gezeigt,
dass es bei Behandlung mit dem
kalziumfreien Phosphatbinder Se-
Ein relativ neuer Phosphatbinder
ist Lanthanchlorid. Anders als Aluminium wird das Metall Lanthan
nur zu einem sehr geringen Prozentsatz vom Körper aufgenommen.
Es wird auch nicht wie Aluminium
über die Niere sondern über die Leber und den Darm ausgeschieden.
Es ist bekannt, dass Lanthan sich
in geringem Umfang in den Knochen anreichern kann. Im Gegensatz zum Aluminium scheinen diese
Einlagerungen aber keine negativen
Konsequenzen zu haben. Auch die
in der Leber gefundenen erhöhten
Lanthan-Konzentrationen scheinen
keine negativen Auswirkungen zu
haben. Laut der Fachinformation
sind die Erfahrungen mit Langzeittherapien derzeit allerdings noch
begrenzt. Eine Therapie von mehr
als zwei Jahren Dauer sollte daher
zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur
nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Erwägung erfolgen.
Derzeit sind noch weitere viel
versprechende Phosphatbinder in
der klinischen Entwicklung, aber
noch nicht zugelassen.
Was bringt uns die Zukunft?
Prof. Dr. Michael H. Rambausek
Dr. Stephan Matthias
Dr. Michael Schömig
Dialysezentrum Heilbronn
velamer im Vergleich zu kalziumhaltigen Phosphatbindern zu weniger Gefäßverkalkung und zu einer
geringeren Sterblichkeit kam. Ein
Nachteil ist im Augenblick noch die
eher hohe Tablettenzahl.
In der Entwicklung befindet sich
jedoch eine neue Formulierung von
Sevelamer, die erstmals als Pulver
eingenommen werden kann.
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Eines der wichtigsten Ziele der Behandlung von Patienten mit terminaler, dialysepflichtiger Niereninsuffizienz muss es sein, den Kalzium-Phosphatstoffwechsel weitestgehend zu normalisieren, ohne
durch zu starke Diäteinschränkung
eine Mangelernährung zu verursachen. Dies ist nur möglich, wenn
mindestens zwei Forderungen erfüllt werden: zum einen eine ausreichend lange und effiziente Hämodialysetherapie (an unserem Zentrum
dialysieren nahezu alle Patienten
dreimal fünf Stunden pro Woche),
zum anderen sollten hochwirksame,
Massive Verkalkungen am rechten
Oberschenkel sind auf dem Röntgenbild dieses 52-jährigen Mannes zu erkennen.
Feingeweblicher Nachweis von Kalzium-Phosphatablagerungen (violett)
in einer Biopsie aus dem Oberschenkel des gleichen Patienten wie in der
oberen Abbildung.
gut verträgliche Phospatbinder verordnet werden, die nicht zu einem
erhöhten Gefäßrisiko des Dialysepatienten beitragen.
Nicht vergessen werden dürfen
hierbei aber auch die bereits erwähnten allgemeinen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen, die
natürlich auch bei Dialysepatienten
vorhanden sind und insbesondere
bei ihnen einer effektiven Therapie
bedürfen.
Prof. Dr. Michael H. Rambausek,
Dr. Stephan Matthias
Dr. Michael Schömig
19
Gefäß-Check
Der Gefäß-TÜV
©
M
au
r
it
iu
s
Da die Gefäße von Nierenpatienten besonders stark gefährdet
sind, lohnt es, sie regelmäßig untersuchen zu lassen.
Chronische Nierenerkrankungen
sind ein Risikofaktor für die Entwicklung von Herz- und Gefäßerkrankungen. Studien haben gezeigt,
dass die Sterblichkeit an diesen Erkrankungen stark zunimmt, wenn
mehr als 50 % der ursprünglichen
Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate < 60 ml/min) verloren
gegangen sind. Besonders hoch ist
sie bei Dialysepatienten.
Diagnostik von Gefäßerkrankungen – Stufendiagnostik
© fotolia
Aufgrund des erhöhten Gefäßrisi-
20
kos von Nierenpatienten ist eine
regelmäßige Untersuchung der Gefäße ratsam. Diese Gefäßdiagnostik erfolgt meist stufenweise und
beginnt mit der Aufzeichnung der
Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung.
Gefäßuntersuchung
Die Krankengeschichte und der Untersuchungsbefund der Gefäße stellen die Basis jeder Diagnostik dar.
Bei der Krankengeschichte interessieren zum Beispiel Beinschmerzen
beim Gehen, die in Ruhe nicht auftreten. Weil sich diese Schmerzen
typischerweise bessern, wenn eine
Pause eingelegt wird, bleiben die
Patienten nach einer bestimmten
Wegstrecke immer wieder stehen.
Das Phänomen wird daher auch oft
als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Es ist ein typischer Hinweis für
Durchblutungsstörungen der Becken und/oder Beingefäße.
Analog zur Schaufensterkrankheit weisen Patienten mit Verengungen der Herzkranzgefäße oft eine belastungsabhängige Brustenge
auf, die an Häufigkeit und Schmerzintensität im Laufe der Zeit zunehmen kann. Diese Schmerzen und
Beklemmungen werden auch als
Eine Blutdruckmessung gehört
zu jeder Routineuntersuchung
der Gefäße.
Angina pectoris bezeichnet. Typischerweise verschwinden die Beschwerden nach der Anwendung
von Nitrospray.
Die körperliche Untersuchung
umfasst das Ertasten des Pulses
dort, wo eine Arterie dicht unter
der Haut verläuft und gegen eine
feste Unterlage, z.B. einen Knochen, gedrückt werden kann. Besonders wichtig ist es, beide Seiten
zu vergleichen. Ein verengtes Gefäß fällt dadurch auf, dass auf der
betreffenden Seite der Plus nur abgeschwächt tastbar ist.
Verräterisch können auch Geräusche in den Gefäßen sein, die
man mit dem Stethoskop hören
kann. Außer im Herzen fließt das
Blut nämlich normalerweise lautlos. An verengten Stellen kann es
allerdings verwirbelt werden. Diese Verwirbelungen erzeugen einen
turbulenten Fluss, den man mittels eines Stethoskop hören und
manchmal sogar in Form eines
Schwirrens tasten kann.
Apparative
Untersuchungstechniken
Zu jeder Gefäßuntersuchung gehört eine Blutdruckmessung. Sie
wird mit einem Blutdruckmessgerät durchgeführt. Dazu wird eine
aufblasbare Gummimanschette am
Oberarm, etwa zwei Finger breit
oberhalb der Ellenbeuge, angelegt
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Gefäß-Check
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
chen Praxen noch zu finden. Die
meisten heute gebräuchlichen Blutdruckmessgeräte haben aber ein
Zeigerinstrument, mache funktionieren sogar elektronisch.
Als Hypertonie wird übrigens ein
systolischer Wert von über 140 mm-
einem weg fährt. Das liegt daran,
daß die Schallwellen, die er aussendet, beim Entgegenkommen
durch die Geschwindigkeit des Zuges komprimiert werden, während
sie beim Wegfahren in die Länge
gezogen werden. Beim Ultraschall-
© science photo library
und solange aufgepumpt, bis die
Arterien des Oberarms abgedrückt
sind, also kein Blut mehr durchlassen. Durch Ablassen der Luft vermindert sich der Druck in der Manschette. Ist der Druck in der Manschette kleiner als der Druck in der
Arterie, beginnt das Blut wieder zu
fließen. Da die Arterie aber von der
Manschette noch teilweise zusammengedrückt wird, kommt es zu
einer Strömungsbeschleunigung
und Verwirbelungen des Blutes an
der Verengung. Dies kann man mit
einem Stethoskop hören.
Das erste Auftreten des Geräusches markiert den oberen
(systolischen) Wert. Das Verschwinden des Geräusches markiert den
unteren Wert (diastolischer Wert).
Ab diesem Druck in der Manschette fließt das Blut wieder ohne jegliche Behinderung. Interessanterweise entspricht der Druck in der
Manschette, bei dem das erste Geräusch zu hören ist, jenem Druck,
mit dem das Herz das Blut auswirft. Der Manschettendruck, bei
dem das Geräusch verschwindet,
entspricht dem Ruhedruck während der Erschlaffungsphase des
Herzens. Er gibt Aufschluss über
die Elastizität der Gefäße.
Den Blutdruck kann man übrigens nicht nur an den Armen, sondern auch an den Beinen messen.
Ein niedriger Blutdruckwert an einer oder mehreren Extremitäten
kann Hinweise auf eine Gefäßverengung geben. Die Blutdruckwerte
werden typischerweise in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben. Das liegt daran, dass die
Manometer, die früher zur Druckmessung verwendet wurden, aus
quecksilbergefüllten Glasröhren
bestanden. Da sie sehr genau arbeiten, sind solche Geräte in ma-
Aufnahme einer Doppler-Ultraschalluntersuchung einer Verengung der Halsschlagader. Die roten Bereiche zeigen die Stellen mit dem raschesten Blutfluss an.
Hg und/oder ein erhöhter diastolischer Wert von über 90 mmHg bezeichnet. Zu niedrige Blutdruckwerte können auch ein Problem
darstellen und sollten ebenfalls
regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden.
Die Blutdruckmessung kann in
Verbindung mit einer sogenannten
Dopplersonografie der Gefäße vorgenommen werden. Die Dopplersonografie ist risikolos und schmerzfrei. Sie basiert auf dem sogenannten Doppler-Effekt, den man zum
Beispiel von herannahenden Zügen
kennt. Kommt der Zug einem entgegen, so erscheint der Ton, den er
verursacht, höher, als wenn er von
Dopplergerät werden Ultraschallwellen in ein Gefäß hineingesendet.
Dieser unhörbare Schall wird dann
von den roten Blutkörperchen reflektiert und verändert so je nach
Fließrichtung und -geschwindigkeit die Tonhöhe des Ultraschalls.
Mittels einer Elektronik kann diese Veränderung dann hörbar und/
oder sichtbar gemacht werden.
Die Weiterentwicklung der Dopplersonografie in Kombination mit
bildgebendem Ultraschall-Verfahren ermöglicht es, dass die Flussverhältnisse im Körper direkt beobachtet werden können. Die sogenannte Duplexsonografie kann an
den Halsgefäßen sowie den Becken
21
© Science Photo Library
Gefäß-Check
Angiografie der Herzkranzgefäße. Über einen Katheter wird Kontrastmittel
eingepritzt. Im Hintergund sind Monitore zu erkennen, auf denen der Befund
angezeigt wird.
und Beingefäßen vorgenommen
werden. Vielfach machen ­diese
raffinierten Ultraschallmethoden
heute eine Gefäßdarstellung mit
Kontrastmittel überflüssig.
gut durch und erscheinen daher
auf dem Film weiß. Dadurch lassen
sich die Gefäße und das umliegende
Gewebe deutlich voneinander abgrenzen. Eine solche Angiografie
ist immer dann sinnvoll, wenn der
Verdacht auf Gefäßverengungen,
Angiografie
-verschlüsse oder -missbildungen
Die Angiografie ist eine Röntgen- besteht. Sie gibt Auskunft über die
untersuchung, bei der die Gefäße Art, den Ort und die Ausdehnung
mit Hilfe von Kontrastmitteln sicht- der Gefäßerkrankung. Eine Angibar gemacht werden.
ografie kann außerdem
Mit diesem Verfahren
in der Tumordiagnoslassen sich sowohl Artik, bei der Suche nach
terien als auch Venen
inneren Blutungen und
untersuchen. Normabei der Beurteilung von
lerweise kann man geThrombosen sehr nützsunde Gefäße im Röntlich sein.
Prof. Dr. med.
genbild nicht sehen. Um
In den letzten Jahren
R. M. Klein
sie trotzdem sichtbar zu
wird im Bereich der GeAugustamachen, verwendet man
fäßdiagnostik auch zuKrankenhaus,
einen Trick. Vor der Aufnehmend die KernspinDüsseldorf
nahme erhält der Patient
tomografie in Form der
nämlich ein KontrastmitMagnetresonanz (MR)tel in das zu untersuchende Ge- Angiografie eingesetzt. Bei gleicher
fäß gespritzt. ­Diese Kontrastmit- Genauigkeit ist die Magnetresotel lassen Röntgenstrahlen nicht nanz-Angiografie für die Patienten
22
schonender, weil kein Gefäßkatheter für das Kontrastmittel gelegt
werden muss und weil es zu keiner
Strahlenbelastung kommt. Leider
ist die Untersuchung aber sehr aufwendig, weil man große und teure
Apparaturen dazu braucht.
Die Herzkatheteruntersuchung
dient zur Darstellung der Herzkranzgefäße. Sie funktioniert im
Prinzip wie eine Angiografie. Allerdings wird das Röntgenbild dabei nicht auf einem Film erzeugt,
sondern von einer Kamera aufgenommen und als bewegtes Bild
auf einem Monitor wiedergegeben.
Durch die gezielte Injektion von
Kontrastmittel in die rechte und
linke Koronararterie kann so die
Blutversorgung am schlagenden
Herzen dargestellt werden. Das
Ausmaß und die Zahl von Verengungen der Herzkranzgefäße kann
so in der Gesamtheit erfasst werden. Manchmal können Engstellen
außerdem schon während der Untersuchung durch eine sogenannte
Ballondilatation beseitigt werden.
Häufigkeit von Gefäßkontrolluntersuchungen
Die Häufigkeit, mit der ein Nierenpatient seine Gefäße untersuchen
lassen sollte, richtet sich nach dem
Ausmaß des Risikoprofils, dem
Schweregrad der Nierenerkrankung und danach, ob bereits eine
Gefäßerkrankung besteht. Bei hohem Gefäßrisiko empfiehlt sich eine halbjährliche Ultraschallkontrolle der Arm-, Bein- und Halsgefäße, bei niedrigem Risiko reicht
eine Kontrolluntersuchung in 9- bis
12-monatigen Abständen aus.
Professor Dr. med. R.M. Klein
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Behandlung von Gefäßerkrankungen
Was hat
die Medizin auf Lager ?
Blutdruck senken, Stoffwechselstörungen behandeln, Herzkranzgefäße dehnen – wenn es
um die Behandlung von Gefäßerkrankungen geht, hat die moderne Medizin einiges auf Lager.
Durchblutungsstörungen des Herzens, des Gehirns und der Beine
sind fast immer das Ergebnis einer
über Jahre dauernden chronischen
Gefäßschädigung. Die Behandlung
umfasst somit die möglichst frühzeitige Vorbeugung dieser chronischen Schädigung. Wenn bereits
Gefäßschäden vorhanden sind,
geht es darum, das Fortschreiten
der Erkrankung aufzuhalten. Verursachen die Veränderungen an
den Gefäßen bereits Probleme oder
bedingen sie hohes Risiko für Folgeschäden, sind Korrekturen notwendig. Wenn bereits ein Herzinfarkt oder Schlaganfall eingetreten
ist, so gilt es diesen zu behandeln
und den entstandenen Schaden so
gut es geht zu begrenzen.
A
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Bevor es zu Gefäßschäden
kommt: Was kann vorbeugend
getan werden?
Die Beeinflussung der sogenannten „Risikofaktoren“ für Gefäßerkrankungen ist der wichtigste Ansatzpunkt, damit Schäden erst gar
nicht entstehen.
Der Blutdruck spielt eine wichtige Rolle. Er ist bei Nierenkranken
und unter Dialysebehandlung oft zu
hoch. Viel Kochsalz in der Ernährung erhöht den Blutdruck, deshalb
sollte Kochsalz sparsam verwendet
werden: Die übliche Zufuhr liegt bei
etwa 20 g pro Tag. Eine salzarme
Ernährung kann diesen Verbrauch
deutlich unter 10 g senken. Unter
Dialysebehandlung muss außerdem
die korrekte Flüssigkeitsmenge im
Körper beachtet werden: Zuviel
B
Flüssigkeit erhöht den Blutdruck
und belastet das Herz. Wichtig ist
also das richtige „Sollgewicht“ am
Ende der Dialyse und eine möglichst
geringe Gewichtszunahme bis zur
nächsten Dialyse. Wenn der Blutdruck trotz richtigen Umgangs mit
Kochsalz und Flüssigkeit noch zu
hoch ist, müssen Blutdruckmedikamente eingenommen werden.
A: Darstellung eines Herzkatheters
(Dreieckspfeil), über den Kontrastmittel in ein Herzkranzgefäß gespritzt
wird. Es zeigt sich eine Engstelle eines
Gefäßes, das die Vorderwand des Herzens versorgt (Pfeil).
B: Die Engstelle wird aufgedehnt und
mit einer Gefäßstütze versorgt (markiert durch Pfeile).
C: Das Kontrastmittel zeigt jetzt, dass
die Engstelle (Pfeil) beseitigt ist. * markiert den sogenannten Hauptstamm,
aus dem zwei sehr wichtige Herzkranzgefäße entspringen.
C
23
Behandlung von Gefäßerkrankungen
A
B
A: Darstellung eines Herzkatheters (Dreieckspfeil), über den Kontrastmittel in
ein Herzkranzgefäß gespritzt wird. Es zeigt sich ein Verschluss des Gefäßes, das
die Vorderwand des Herzmuskels versorgt (Pfeil). Der Patient hat einen Vorderwandherzinfarkt.
B: Der Verschluss wurde eröffnet und das Gefäß durch eine Gefäßstütze versorgt.
Das gesamte Herzkranzgefäß stellt sich nun wieder mit Kontrastmittel bis zur
Herzspitze hin dar (Pfeile). Das Herz wird jetzt wieder gut durchblutet.
Die Zuckerkrankheit hat direkte
schädliche Effekte auf die Blutgefäße. Für eine gute Einstellung des
Blutzuckers ist bewusste Ernährung
und die Vermeidung von Übergewicht wichtig. Zusätzlich können
Medikamente zur Regulation des
Blutzuckers notwendig sein.
Erhöhte Blutfette und hier vor
allem das LDL-Cholesterin führen zu Atherosklerose, während
das HDL-Cholesterin einen schützenden Einfluss auf Blutgefäße hat.
Die Verwendung mehrfach ungesättigter Fette in der Ernährung
(pflanzliche Öle statt zu viel tierisches Fett) beeinflusst die Zusammensetzung der Blutfette günstig.
Es gibt Medikamente zur Senkung
des LDL-Cholesterins. Aufgrund
der aktuellen wissenschaftlichen
Studien bestehen jedoch Zweifel,
ob diese bei Dialysepatienten von
großem Nutzen sind.
Erhöhte Kalzium- und Phosphatwerte im Blut sind bei Dialysepatienten häufig und tragen zur
Arterienverkalkung bei. Extrem
phosphatreiche Ernährung sollte
24
vermieden werden. Medikamente
helfen zusätzlich, die Aufnahme
von Phosphat über den Darm zu
vermindern. Regelmäßige Kontrollen der Nebenschilddrüse und eine
gut angepasste Medikamententherapie zur Beeinflussung des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels
sind ebenfalls notwendig.
Ein gesunder Lebensstil mit viel
Bewegung und Verzicht auf Nikotin
ist eine wesentliche Maßnahme, die
großen Einfluss auf die Entwicklung
von Arteriosklerose hat. Körperliche
Betätigung lässt außerdem Substanzen in der Gefäßwand entstehen, die eine schützende Wirkung
haben.
Wenn Gefäßschäden schon
bestehen: Schlimmeres verhindern
Sind Gefäßverengungen und deutliche Arterioskleroseschäden bereits
vorhanden, müssen die bisher erwähnten Maßnahmen trotzdem fortgeführt werden, um eine weitere
Verschlimmerung zu verhindern.
Gefäßschäden können dazu führen, dass sich in den Gefäßen ein
Blutpfropf bildet. Die Folgen können Herzinfarkt oder Schlaganfall
sein. Um dies zu verhindern, werden Medikamente verordnet, die
die Funktion der Thrombozyten
oder die Blutgerinnung hemmen.
Wichtigstes Medikament hierfür ist
ASS (Acetylsalicylsäure), das in höherer Dosierung auch gegen Kopfschmerzen hilft. ASS ist bei den
meisten älteren Patienten mit chronischem Nierenversagen oder bei
solchen, die schon länger dialysiert
werden, sinnvoll. Bei Unverträglichkeit von ASS gibt es alternative Medikamente (z.B. Clopidogrel).
Bei Durchblutungsstörungen der Beine, die nur unter Belastung Schmerzen verursachen
(„Schaufensterkrankheit“), hilft aktives Gehtraining bis knapp an die
Schmerzgrenze, um eine bessere
Durchblutung zu erreichen.
Durchblutungsstörungen des
Herzens und Herzschmerzen beziehungsweise Brustenge („Angina
pectoris“) können durch Medikamente wie Nitrate, ß-Blocker und
Kalziumantagonisten günstig beeinflusst werden.
Nicht-operative Korrekturen
Kommt es trotz aller vorbeugenden
Maßnahmen und Medikamententherapie zu zunehmenden Verengungen der Blutgefäße, ist eine
direkte Untersuchung der Gefäße
notwendig. Dies gilt besonders bei
fortbestehenden Beschwerden wie
Herzschmerzen, Luftnot oder Beinschmerzen. In dieser Situation kann
eine Untersuchung der Gefäße mit
Kontrastmittel und Röntgen zeigen,
an welcher Stelle Blutgefäße verengt sind. Solche Untersuchungen
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Behandlung von Gefäßerkrankungen
sind dann Grundlage für das weitere therapeutische Vorgehen (operativ oder nicht-operativ).
Bei der Durchblutungsstörung
des Herzens geschieht dies mittels
eines Herzkatheters. Dieser Katheter ist ein dünner Plastikschlauch,
der von der Leiste oder vom Arm her
über eine Arterie bis in den Abgang
des Herzkranzgefäßes vorgeschoben
wird. Liegt das Ende des Katheters
an der richtigen Stelle, wird Kontrastmittel eingespritzt. Dies macht
die Herzkranzgefäße und die Engstellen im Röntgenbild sichtbar (siehe Abb. A auf Seite 23).
Zeigt sich eine Verengung, so
kann diese aufgedehnt werden.
Hierfür wird mit Hilfe eines dünnen Drahtes ein kleiner Ballon
durch den Herzkatheter direkt in
den Bereich der Gefäßverengung
vorgeschoben. Liegt der Ballon an
der richtigen Stelle, wird er aufgeblasen, was zur Aufdehnung der
Verengung führt. Da sich Gefäßverengungen nach einer solchen
Aufdehnung wieder zusammenziehen können, wird häufig zusätzlich eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt. Auch dies geschieht über
den Katheter (siehe Abb. B/C auf
Seite 23). Ein Stent vermindert das
Risiko der erneuten Verengung auf
15 bis 25 %. Besonders langstreckige Verengungen und dünne Ge-
Prof. Dr. med.
PD Dr. med.
Wilfried Gwinner Gunnar Klein
Medizinische Hochschule
Hannover
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
fäße können trotz Verwendung von
Stents im Lauf der Zeit wieder „verstopfen“. Hierfür gibt es spezielle
Stents, die mit Medikamenten beschichtet sind und somit das Risiko
der erneuten Verengung auf weniger als 5 % reduzieren.
Durch diese Katheterbehandlung
soll einem kompletten Verschluss
von Herzkranzgefäßen vorgebeugt
werden. Ein kompletter Verschluss
hat zur Folge, dass der Herzmuskel, der von diesem Gefäß versorgt
wird, innerhalb weniger Stunden
bes notwendig, um an das Herz zu
gelangen. Heutzutage ist es in manchen Fällen möglich, durch eine relativ kleine Öffnung auf der linken
Brustseite zu operieren.
Eine Bypass-Operation ist ein relativ großer Eingriff. Sie wird deshalb nur dann durchgeführt, wenn
zahlreiche Verengungen vorliegen
oder wenn Verengungen mit dem
Katheter nicht erreichbar sind.
Verengungen am Hauptstamm der
Herzkranzgefäße werden meist
durch eine Bypass-Operation be-
Bypass-Operation: Überbrückung der Engstelle durch ein Blutgefäß, das vom
Bein oder vom Brustkorb entnommen wird.
abstirbt (Infarkt). Eine schnelle Wiedereröffnung des Gefäßes kann diesen Schaden abwenden. Deshalb
sollten Patienten mit Verdacht auf
Herzinfarkt sofort das nächstgelegene Krankenhaus aufsuchen und
mit einem Herzkatheter behandelt
werden.
Operative Korrekturen
Nicht alle Verengungen der Herzkranzgefäße lassen sich mit dem
Herzkatheter behandeln; in diesen Fällen ist eine Bypass-Operation notwendig. Dabei werden Venen (vom Bein) oder Arterien (vom
Brustkorb) verwendet, um die Engstelle am Herzkranzgefäß zu überbrücken (siehe Abb. auf Seite 25).
Früher war hierbei immer eine
komplette Öffnung des Brustkor-
handelt, weil der Hauptstamm einen Großteil der Blutversorgung
des Herzens sicherstellt (siehe
Abb. C auf Seite 23). Die Aufdehnung dieses Gefäßes mit dem Katheter wäre riskant, weil bei erfolgloser Aufdehnung ein größerer
Herzinfarkt auftreten kann. Ebenso
ist eine Bypass-Operation sinnvoll,
wenn zusätzlich Erkrankungen an
den Herzklappen korrigiert werden
müssen.
Ersatz von Blutgefäßen und Bypass-Operationen sind bei Durchblutungsstörungen der Beine möglich, hierfür wird künstliches Gefäßmaterial verwendet. Bei den
Hirnarterien werden die Verengungen während der Operation
direkt „herausgeschält“.
Privatdozent Dr. med. Gunnar Klein
Prof. Dr. med. Wilfried Gwinner
25
Wie kann man seine Gefäße schützen?
Eigeninitiative in
Sachen gesunde Gefäße
Gerade Nierenpatienten sollten alles daran setzen, um ihre Gefäße gesund zu halten.
Der folgende Beitrag gibt hierzu nützliche Tipps.
Wenn es um die Gesunderhaltung
der Gefäße geht, dann gelten für
Nierenpatienten im Prinzip die
gleichen Regeln wie für Nierengesunde. Was die Ernährung angeht,
so gibt es für sie allerdings einige
spezielle Regeln. Kommen wir aber
zunächst zu den Dingen, die für alle
Menschen gelten, die ihre Gefäße
gesund erhalten wollen.
Sport hält fit – das weiß jedes
Kind. Allzuviel kann aber auch
ungesund sein. Das Motto sollte
daher lauten: „Mäßig aber regelmäßig, und vor allem mit Spaß“.
Schon beim schnellen Spazierengehen können Sie mit positiven
Wirkungen rechnen. Bewegung
verbraucht Kalorien, steigert das
Wohlbefinden und stärkt das Im-
munsystem. Regelmäßige körperliche Aktivität sorgt für den Aufbau von Muskelzellen. Muskelzellen verbrauchen aber auch im Ruhestand mehr Energie als Fettzellen. Das heißt, je mehr Muskulatur
und je weniger Fett ein Mensch hat,
desto höher ist sein Grundumsatz –
das ist der Energiebedarf des Körpers im Ruhezustand.
Was man auch wissen sollte: Regelmäßige sportliche Betätigung
sorgt für ein Ansteigen des positiven HDL-Cholesterins und beugt
also Atherosklerose vor. Besonders geeignet sind Sportarten wie
Walking, Radfahren, Joggen oder
Schwimmen, die die Ausdauer trainieren.
Nicht Rauchen
© fotolia
Zigarettenrauchen stellt immer ein
Risiko für die Gefäße dar. Bei Nierenpatienten aber, die ja sowieso
schon ein erhöhtes Risiko haben,
sollte es unbedingt beendet werden. Rauchen ist die bedeutendste einzelne Todes- und Erkrankungsursache. Es kann zu Herz-
26
Bewegung verbraucht Kalorien,
verbessert die Blutfette, steigert
das Wohlbefinden und stärkt das
Immunsystem.
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Wie kann man seine Gefäße schützen?
Gesunde Ernährung
Fettstoffwechselstörungen sind unbestritten ein wichtiger Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit
und damit den Herzinfarkt. Ihre
Ausprägung und Schwere hängt
dabei oft auch mit der Ernährung
zusammen. Wie stark eine Ernährungsumstellung eine Fettstoffwechselstörung zu bessern vermag, hat also damit zu tun, wie die
Ernährung vorher zusammengesetzt war.
Leider lassen sich bei Dialysepatienten nicht alle diätetischen
Maßnahmen wie beim Gesunden
durchführen, denn die spezifischen
diätetischen Grundregeln der Nierenerkrankung und Dialysediät haben Vorrang.
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
fo
to
li
a
Gegenüber der bei uns üblichen
Ernährung sollten bei erhöhten
Blutfetten folgende Veränderungen
vorgenommen werden:
▸ Weniger gesättigte Fettsäuren,
wie sie hauptsächlich in fettem
Fleisch und Wurst vorkommen.
©
infarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Hypertonie, Lungenentzündung, chronischer Bronchitis sowie bösartigen Tumoren der Lunge,
des Kehlkopfs, der Verdauungsorgane und weiterer Organe führen.
Es schadet aber nicht nur den Gefäßen, in vielen Fällen ist es auch
an der Entstehung von chronischen
Nierenerkrankungen beteiligt. Bei
Rauchern treten häufiger Mikroalbuminurie, Proteinurie, Erhöhung
der Serumkreatininkonzentration
und Progression zum Endstadium der Niereninsuffizienz auf.
Tabakentwöhnung hingegen ist
mit einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes
verbunden.
Keiner zweifelt heute mehr
daran, dass es sinnvoll ist, das Zigarettenrauchen zu beenden und
die körperliche Aktivität zu steigern. Immerhin schaltet man dadurch zwei wichtige Risikofaktoren
für Blutgefäßkomplikationen aus.
▸ Mehr Lebensmittel mit einem
hohen Anteil an ungesättigten
(guten) Fettsäuren, insbesondere von Pflanzenölen.
▸ Weniger Cholesterin, insbesondere durch Vermeiden cholesterinreicher Nahrungsmittel.
▸ Mehr Ballaststoffe, soweit dies
die Kaliumzufuhr und die Trinkmenge zulässt.
▸ Weniger Kochsalz
In der Praxis bedeutet dies meistens:
▸ Variieren Sie die Öle, je bunter
die Vielfalt, desto besser.
▸ Fette und Öle enthalten immer
eine Mischung aus verschiedenen Fettsäuren.
▸ Verwenden Sie Olivenöl (enthält
viel einfach ungesättigte Fettsäuren) Kürbiskernöl, Rapsöl, Nussöl oder Leinöl (reich an Omega 3
Fettsäuren) Weizenkeimöl (reich
an Vitamin E)
▸ Jedes Öl hat seine Individuelle
Wirkung.
▸ Im Gegensatz zu den Kohlenhydraten, die unmittelbar in Energie umgewandelt werden, wird
jedes Gramm Fett, das im Moment nicht gebraucht wird, gespeichert.
▸ Selbst hochwertige Öle wie das
gesunde Olivenöl belasten den
Körper wenn es verschwenderisch eingesetzt wird, es kommt
also auf die Dosis an.
▸ Bevorzugen Sie fettarme
Fleisch- und Wurstsorten.
Wenn Sie Ihre Gesamtfettmenge reduzieren und darauf achten, „gute“ Fette, also die mit
einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, zu sich zu
nehmen, dann wirkt es sich positiv auf ihre Gefäße aus.
▸ Meiden sie cholesterinreiche
Lebensmittel wie z.B. Innereien und Eigelb. Cholesterin ist
nur in tierischen Lebensmitteln
enthalten, alle Pflanzenöle sind
daher immer cholesterinfrei.
Süßes enthält zwar meist nur wenig
Cholesterin, kann aber im Übermaß
zur Gewichtszunahme führen und
damit zu einer Störung des Fettstoffwechsels, was sich wiederum auch
auf den Cholesterinhaushalt auswirkt. Negativ auf den Cholesteringehalt wirken sich auch sogenannte
trans-Fettsäuren aus. Sie erhöhen
das schlechte LDL-Cholesterin und
senken das gute HDL-Cholesterin
im Blut. Sie entstehen bei der industriellen Verarbeitung beim Härten von Fetten und Ölen. Reichlich
davon sind in Blätterteig, fritierten
Speisen, Snackartikeln und Fertigprodukten enthalten. Man erkennt
sie daran, dass auf der Zutatenliste steht: pflanzliches Fett gehärtet.
27
Wie kann man seine Gefäße schützen?
waren, Fondor, Maggi und einige
Mineralwasser (>120 mg/l Natrium) sind sehr salzreich.
▸ Verwenden Sie jedoch keine Salz­
ersatzmittel, denn diese sind
meist sehr kaliumreich.
▸ Würzen statt salzen!
© Mauritius
Phosphatbewusste Ernährung
Fisch ist arm an gesättigten Fetten und enthält viele ungesättigte Fettsäuren.
Gegrillt oder gedünstet ist er am gesündesten, da bei diesen Zubereitungsarten kein Fett zugegeben werden muss.
Eine fettarme Kost ist ausschließlich für Übergewichtige
sinnvoll. Patienten mit normalem
Körpergewicht brauchen keine
Kalorienbegrenzung. Merke: Wir
essen nicht zu viel Fett, sondern
das falsche Fett. Patienten mit Gewichtsproblemen ist zu empfehlen,
Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion mit ihrem Arzt und dem Ernährungsteam zu besprechen.
Flüssigkeit
Eine hohe Flüssigkeitszufuhr führt
beim Dialysepatienten zu Überwässerung: Folgen sind Kurzatmigkeit,
Bluthochdruck, Herzschwäche und
Ödeme. Salz- (Natrium) und Flüssigkeitsaufnahme hängen eng zusammen. „10 g Salz binden 1 Liter Wasser“. Eine Möglichkeit, die
Flüssigkeitsaufnahme zu begrenzen, liegt also in einer Beschränkung
28
der Kochsalz (Natrium)-zufuhr.
Im Normalfall reicht eine moderate Einschränkung der Kochsalzaufnahme völlig aus. Diese
sollte bei etwa 6 g pro Tag liegen,
eine Menge, wie sie auch Gesunden empfohlen wird. Allerdings
beträgt die Durchschnittsaufnahme in Deutschland 10 bis 15 g am
Tag. Eine leichte Einschränkung
der Kochsalzzufuhr ist zu befürworten, weil sie blutdrucksenkend
wirkt und weil sie das Durstgefühl
vermindert, denn Nierenpatienten
müssen in der Regel ja ihre Flüssigkeitsaufnahme beschränken. Für
die Verminderung der Kochsalzzufuhr gelten folgende Tipps:
▸ Vermeiden Sie salzreiche Lebensmittel und das Nachsalzen
von Speisen.
▸ Brühen, Fertiggerichte, Konserven, Gewürzmischungen,
Schmelzkäse, gepökelte Wurst-
Eines der Hauptprobleme bei Dialysepatienten ist das Auftreten von
Gefäßverkalkungen mit der Folge
eines erhöhten Risikos für die Entstehung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Durchblutungsstörungen an den Extremitäten. Die wohl
wichtigsten drei Faktoren für die
Entstehung und das Fortschreiten
der Gefäßverkalkungen sind:
▸ die Überfunktion der Nebenschilddrüse,
▸ erhöhte Blut-Phosphatwerte (Hyperphosphatämie) und
▸ zwischenzeitlich oder konstant
erhöhte Blut-Kalziumwerte (Hypercalcämie).
Da eine Senkung der Phosphatspiegel auch zu einer Normalisierung
der Nebenschilddrüsenaktivität
beiträgt, nimmt die Vermeidung einer Hyperphosphatämie therapeutisch die bedeutendste Rolle ein.
Die Phosphatspiegel im Blut
sind abhängig von der diätetischen
Phosphatzufuhr, die ihrerseits eng
mit der diätetischen Eiweißzufuhr
zusammenhängt. Eine Einschränkung der Phosphatzufuhr geht somit zwangsläufig mit einer Verminderung der Eiweißaufnahme
einher. Damit ist aber auch immer
das Risiko einer Mangelernährung
verbunden.
Unter dem Aspekt einer ausreichenden Eiweißzufuhr bei gleichzeitig niedrigen Phosphatwerten
(< 1,60 mmol/l oder < 5,0 mg/dl)
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
Wie kann man seine Gefäße schützen?
sollte daher bereits in frühen Stadien der Niereninsuffizienz mit der
Einnahme von Phosphatbindern
begonnen werden.
Phosphatbinder sind Substanzen,
die zusammen mit der Mahlzeit eingenommen werden. Sie verbinden
sich mit dem Phosphat im Speisebrei
und verhindern so dessen Aufnahme
in den Organismus. Das gebundene
Phosphat wird über den Stuhl ausgeschieden. Selbst bei einer eiweißreichen und somit phosphatreichen
Kost kann die Aufnahme von Phosphat in den Körper deutlich reduziert werden, wenn die Substanzen
in einer ausreichenden, adäquaten
Dosierung zu jeder Mahlzeit regelmäßig eingenommen werden.
Da Phosphatbinder abhängig
von ihrem Wirkstoff (Kalziumazetat, Kalziumcarbonat, Sevelamer, Lanthancarbonat, Aluminiumhydroxid) nur eine begrenzte
Phosphatbindungskapazität besitzen, sollte die Dosis jeweils an
die mit der Mahlzeit tatsächlich
zugeführte Phosphatmenge angepasst werden. Auf diese Weise
wird sichergestellt, dass möglichst
viel Phosphat gebunden wird, ohne dass überflüssig viel eingenommen wird. Dies wurde allerdings in
der Vergangenheit überhaupt nicht
und wird auch heute noch zu selten
praktiziert. Phosphatbinder werden immer noch am häufigsten in
einer festen Dosierung verordnet
(z.B. morgens, mittags und abends
je zwei Tabletten). Die Folge sind
stark schwankende Phosphatwerte
in Abhängigkeit von den jeweiligen
Ernährungsgewohnheiten.
Das PEP-Programm
Inzwischen wurde ein Schulungsprogramm (PEP – das Phosphat-Ein-
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
heiten-Programm; www.
timale Dosierungsverpep-ernaehrungsprohältnis wird von Arzt
gramm.de) entwickelt,
und Patient gemeinsam
mit dem Patienten anermittelt, indem das Dogeleitet werden können,
sierungsverhältnis unter
Irmgard
den Phosphatgehalt einwiederholter Messung
Landthaler
zelner Mahlzeiten durch
der Blut-Phosphatwerte
Diätassistentin
kurzen Blick auf den Telsolange modifiziert wird,
Nephrologische
ler rasch und ohne weibis der Ziel-PhosphatErnährungsbetere Hilfsmittel oder Tawert erreicht ist. Dieser
ratung / VDD
bellen abzuschätzen.
neue Ansatz zur Lösung
Praxis für ErnährungsberaAnalog zur Berechnung
des Phosphatproblems
tung, München
des Kohlenhydratanteils
dürfte besonders für divon Nahrungsmitteln
alysepflichtige Patienten
mittels BE (vormals: Broteinheit) mit stark erhöhtem kardiovaskuerfolgt die Abschätzung des Phos- lären Risiko von großer Bedeutung
phatgehalts anhand von Phosphat­ sein.
einheiten (PE). Patienten, die mit
dem PEP-Progamm geschult wurÄrztlichen Rat befolgen
den, können ihre Phosphatbinderdosis (PB) anhand eines vom Arzt Eine optimale Therapie bei Nievorgegebenen Dosierungsverhält- renerkrankungen und Dialyse kann
nisses (PB pro PE; Beispiel: eine nur durch eine enge ZusammenarTablette Phosphatbinder pro 2 PE) beit zwischen den Ärzten, Ernähselbständig an den Phosphatgehalt rungsberatern und dem Patienten
ihrer Mahlzeit anpassen. Das op- zustande kommen. Dabei sollten
individuelle Behandlungsziele festgelegt
PE der Einzelbestandteile einer Mahlzeit
werden. Danach sollte
mit einem Blick abschätzen
eine strukturierte, aber
individualisierte Schulung dessen Selbstverantwortung fördern
und in der dauerhaften
Umsetzung der Maßnahmen unterstützen.
Für Nierenpatienten
gilt nämlich das Gleiche wie in allen BereiGesamt-PE der Mahlzeit durch Addition ermitteln
chen der Medizin: Die
Adäquate Phosphatbinder-Dosis festlegen
beste Therapie nutzt
nichts, wenn sie nicht
befolgt wird. Die beste
Arznei kann nicht wirken, wenn sie nicht eingenommen wird.
Optimale Phosphatwerte erzielen
So funktioniert PEP
Irmgard Landthaler
29
Buchtipps und Links
Tipps und Links
Lesetipps:
Genzyme Patientenservice Die Patientenbroschüre
und die Kurzinformation zum Thema
Phosphathaushalt
wenden sich an alle Dialysepatienten,
chronisch Nierenkranke sowie deren Angehörige.
Sie können die Unterlagen per Postkarte oder per Faxabruf bestellen:
Postkarte an:
Genzyme GmbH ­c/o Atrikom,
Stichwort: „Genzyme Patientenservice“
Postfach 94 02 96
60460 Frankfurt am Main
Fax an: 0 61 34/28 28 00
Stichwort: „Genzyme Patientenservice“
Linktipps:
www.nephrologe.de Seite für Patienten und Ärzte mit Informationen
zu Nierenerkrankungen
www.nierenbuch.de Online-Buch
über Nierenerkrankungen und Dialyse. Zusammengestellt von der 6.
Medizinischen Abteilung des Krankenhaus München Schwabing (Nieren und Hochdruckerkrankungen)
unter Leitung von Prof. Dr. med. J.
Mann
www.nierengesellschaft.de Nierenportal der Gesellschaft für Nephrologie mit Informationen für Patienten und Ärzte
30
www.nephrologie.de Internetseite der Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie e.V. (DAGKN), die auch
interessante Informationen
für Patienten enthält.
www.pep-ernaehrungsprogramm.de Website der Genzyme GmbH, die Tipps zum
Phosphatgehalt von Nahrungsmitteln gibt.
E-Mail: [email protected]
www.bundesverband-niere.de
Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. (KfH)
Martin-Behaim-Straße 20
63263 Neu-Isenburg
Tel: 0 61 02/35 90
Fax: 0 61 02/35 93 44
www.kfh-dialyse
www.genzyme.de Homepage des Unternehmens
Genzyme (Sponsor dieses
Heftes). Die Seite enthält
auch Informationen zum Phosphatstoffwechsel und zur Behandlung
erhöhter Phosphatwerte. www.nierenratgeber.de Patientenratgeber zum Thema Nierentransplantation herausgegeben vom Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Zentrum für Innere
Medizin - Nephrologie in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für
Dialyse und Nierentransplantation e.V.
Nützliche Adressen:
Bundesverband Niere e.V.
Weberstraße 2
55310 Mainz
Tel: 0 61 31/8 51 52
Fax: 0 61 31/83 51 98
PHV – Der Dialysepartner
Patienten-Heimversorgung
Gemeinnützige Stiftung
Nehringstraße 17
61352 Bad Homburg
Tel. 0 61 72/127-0
Fax 0 61 72/127-160
www.phv-dialyse.de
Deutsche Dialysegesellschaft niedergelassener Ärzte e.V. (DDnÄ)
Bundesverband der nieder­
gelassenen Nephrologen und Dialyseärzte
Kleine Klotzbahn 23
Postfach 132304
42050 Wuppertal
Tel: 02 02/24 84 50
Fax: 02 02/2 48 45 60
Kostenfreies Beratungstelefon:
Mittwoch 16 –18 Uhr:
08 00/24 82 48 48
www.DDnae.de
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
B u n d e s v e r b a n d N i e r e e . V.
Wer macht was im BN e.V.
Vorsitzender
Peter Gilmer
E-Mail: [email protected]
Geschäftsstelle
Weberstraße 2, 55130 Mainz
Tel. 0 61 31 / 8 51 52
Fax 0 61 31 / 83 51 98
[email protected]
Internetpräsenz:
www.bundesverband-niere.de
Geschäftsführer
Christian Frenzel
E-Mail: [email protected]
Allgemeine Anfragen
Cornelia Rieck
E-Mail: [email protected]
Rechnungswesen, Abonnentenverwaltung und Sterbegeld:
Beate Kasper
E-Mail: [email protected]
Bereich 1
Bereich 4
Qualitätssicherung
Generationen
Leiter (stellv.Vors.)
Knud Erben
E-Mail: [email protected]
Leiterin Christa Nöckel
E-Mail: [email protected]
Koordination Prävention
Uwe Korst
E-Mail: [email protected]
Koordination Senioren
Margot Springer
E-Mail: springer@bnev
Koordination Therapien
Evelin Cupovic
E-Mail: [email protected]
Bereich 5
Bereich 2
Leiter (stellv.Vors.)
Willi Koller
E-Mail: [email protected]
Netzwerk
Leiter
Holger Jörg Göttmann
E-Mail: [email protected]
Koordination Sport
Wolfgang Vogel
E-Mail: [email protected]
Bereich 3
Finanzen
PSB Niere
Projektleiterin Nicole Scherhag
E-Mail: [email protected]
Tel. 0 6131/ 8 51 89
Stiftung „Aktion Niere“
E-Mail: [email protected]
www.aktion-niere.de
Soziales
Leiterin Kerstin Kühn
E-Mail: [email protected]
Koordination Rehabili­tation
und Wellness
Theresia Weibler
E-Mail: [email protected]
Koordination Pflege
Carola Qual
E-Mail: [email protected]
der dialysepatient – Sonderheft September 2007
FDD e.V.
Michael Rutschkowski
[email protected]
www.foerderverein.
bundesverband-niere.de
Chefredaktion
der dialysepatient
Angela Monecke
[email protected]
31
RENA 60/07-07
Anzeige
5400
Herunterladen