Bericht des Beurteilungsgremiums

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Bericht des Beurteilungsgremiums
12. Juli 2013
Gesamtleistungswettbewerb
RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Bauherr:
RUAG Real Estate
Hans Rudolf Hauri, CEO RUAG Real Estate
Daniel Hofmeister, RUAG Real Estate
Stauffacherstrasse 65
CH-3000 Bern 22
Redaktion und Druck:
hmb partners AG
Heini Bossert, hmb partners AG
Uta Sütterlin, hmb partners AG
Angela Wobetzky, hmb partners AG
Rainstrasse 297
8706 Meilen
t: +41 43 844 48 48
[email protected]
www.hmb-partners.ch
Datum:
Juli 2013 © hmb partners AG
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Inhaltsverzeichnis
1. Verfahren
1.1. Auftraggeberin 1.2. Wettbewerbssekretariat 1.3. Art des Verfahrens 1.4. Teamzusammensetzung 1.5. Präqualifizierte Teams 1.6. Beurteilungsgremium 5 2. Ausgangslage und Aufgabenstellung
2.1. Ausgangslage „Kleine Allmend“ 2.2. Städtebauliches Modell 2.3. Aufgabenstellung 2.4. Etappierung und Planungsperimeter 2.5. Nutzung der 1. Bauetappe 8 3. Ziele und Beurteilungskriterien
3.1. Ziele 3.2. Beurteilungskriterien 14 4. Beurteilung 1. Stufe
4.1. Vorprüfung 1.Stufe 4.2. Beurteilung 1. Stufe 18 5. Beurteilung 2. Stufe
5.1. Vorprüfung 2. Stufe 5.2. Beurteilung 2. Stufe, Bereinigung und
Schlussbeurteilung 22 6. Empfehlung + Projektverfasser
26 6.1. Empfehlung des Beurteilungsgremiums 6.2. Projektverfasser 7. Nächste Schritte
29 8. Genehmigung
30 9. Projektbeiträge
9.1. Weitsicht 9.2. Lichtraum 9.3. Yesen 9.4. Defilee 9.5. Flex 3 9.6. Open Sky 32 4
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Verfahren
1. Verfahren
1.1.
Auftraggeberin
Veranstalterin des Wettbewerbs und Auftraggeberin war die RUAG Real Estate AG
Bern:
Veranstalterin
RUAG Real Estate AG
Stauffacherstrasse 65
CH-3000 Bern 22
1.2.
Wettbewerbssekretariat
hmb partners AG
Rainstrasse 297
CH-8706 Meilen
t +41 43 844 48 48
www.hmb-partners.ch
1.3.
Art des Verfahrens
Der Wettbewerb wurde als zweistufiges Verfahren mit Präqualifikation im privaten
Verfahren in Anlehnung an die SIA Wettbewerbsordnung 142 (Ausgabe 2009) durchgeführt.
Das Verfahren wurde bis zur Bereinigungsrunde anonym durchgeführt.
Der Wettbewerb gliederte sich in folgende Stufen:
Präqualifikation
1. Stufe:
Städtebauliche
Projektstudie
Erarbeitung
Bereinigung
u Auswahl 6-8 Teams à u Auswahl 2-3 Team
1.4.
Teamzusammensetzung
Zweistufiger Gesamtleistungswettbewerb mit Präqualifikation
2. Stufe:
Gesamtleistungswettbewerb
à
u Auswahl Gewinner
à
u Gewinner
Zur Bewerbung zugelassen wurden Generalunternehmer mit Subplanern (Totalunternehmer) und Planergemeinschaften oder Einzelplaner mit Subplanern.
Die Teams setzten sich aus Planern der Sparten Städtebau, Architektur, Landschaftsarchitektur, Tragwerk, Gebäudetechnik, Energieplanung und Industrieplanung/Logistik
in Kombination mit Generalunternehmungen zusammen.
1.5.
Präqualifizierte Teams
Die RUAG Real Estate AG Bern hat am 13. Juli 2012 den Gesamtleistungswettbewerb mit Präqualifikation „RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun“ öffentlich ausgeschrieben.
Planerteams
Die Teams wurden anhand der Referenzprojekte, der Projektorganisation und der Angaben zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit durch das Beurteilungsgremium beurteilt.
Die Auswahl für die Teilnahme erfolgte nach folgenden Kriterien:
•
Management und Ausführungsstrukturen
•
Personelle Kapazität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die
Abwicklung des Bauvorhabens der ersten Etappe.
•
Erfahrung in Bezug auf qualitativ hochwertiges und wirtschaftliches
Bauen vergleichbarer Objekte
Aus denen bis zum Eingabetermin am 07. August 2012 eingegangenen 11 Bewerbungen hat das Beurteilungsgremium am 21. August 2012 die folgenden 6 Teams zur
Teilnahme an der 1.Wettbewerbsstufe ausgewählt (in alphabetischer Reihenfolge):
Präquaifizierte Teams
6
•
Anliker AG Generalunternehmung
•
Frutiger AG Generalunternehmung
•
Halter AG Generalunternehmung
•
HRS Real Estate AG
•
Implenia Generalunternehmung AG
•
Losinger Marazzi AG
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Verfahren
1.6.
Beurteilungsgremium
Das Beurteilungsgremium setzte sich wie folgt zusammen:
Vorsitzender:
Hr. J. Käferstein, dipl. Arch. ETH, BSA SIA,
Käferstein & Meister Architekten, Zürich
Mitglieder:
Hr. R. Binkert, Eidg. dipl. Betr. u. Prod. Ing.
ETH/BWI; b&b consulting GmbH
Hr. M. Däppen, Dipl. Arch ETH, SIA
Beauftragter für Städtebau, Stadt Thun
Fr. K. Dobler, Dipl. Arch. ETH, SIA
AGR, Abteilung Kantonsplanung
Fr. M. Dumermuth Lehmann
Vorsteherin Direkt. Stadtentwicklung, Stadt Thun
Ersatz für Fr. M. Dumermuth ab 7.5.2013
Hr. R. Lanz, Stadtpräsident Thun
Hr. H.R. Hauri, CEO RUAG Real Estate AG
Hr. T. Hürlimann, RUAG Defence
Hr. B. Mathys, Dipl. Arch. ETH, BSA, SIA
Stücheli & Mathys Architekten
Hr. U.P. Menti, Dipl. Masch. Ing. ETH/ SIA
Zentrum für Integrale Gebäudetechnik, HSLU
Hr. A. Sonderegger, Dipl. Arch. ETH, BSA
Pool Architekten, Zürich
Beurteilungsgremium
J. Käferstein
R. Binkert
M. Däppen
K. Dobler
M. Dumermuth
HR Hauri
T. Hürlimann
R. Lanz
B. Mathys
UP. Menti
A. Sonderegger
2. Ausgangslage und Aufgabenstellung
2.1.
Ausgangslage „Kleine Allmend“
Das Baufeld für den vorliegenden Gesamtleistungswettbewerb liegt im Areal „kleine
2
Allmend“ – einem etwa 600'000 m grossen Areal im Norden Thuns.
1
Abb. 2.1a Luftaufnahme
Geschichte der Kleinen
Allmend
Die „kleine Allmend“ wurde schon seit dem 19. Jahrhundert primär militärisch genutzt.
Historisch war das Gebiet der grösste Armeeausbildungsort der Schweiz; Bis Ende
des 20. Jahrhunderts war das Areal mit Rüstungs- und Logistikbetrieben des Bundes
belegt. Seit 2000 wandelt sich das Areal, indem sich andere, zivile Nutzungen ansiedeln. Es entsteht ein vielseitig genutzter Wirtschaftspark mit mehreren tausend Arbeitsplätzen.
Abb.2.1b Kleine Allmend, ca 1850
1
2
8
Maps.google.ch
www.esp-thunnord.ch
2
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Ausgangslage und Aufgabenstellung
3
Mit dem Richtplan ESP Thun Nord / Steffisburg von 2005 haben die fünf Planungspartner VBS, RUAG, Stadt Thun, Gemeinde Steffisburg und Kanton Bern den Städtebau, die Nutzung, den Aussenraum sowie die Erschliessung des Areals aufeinander
abgestimmt, um die nachhaltige Entwicklung als Wirtschaftspark zu gewährleisten.
Die verbleibenden militärischen Nutzungen werden dabei durch die dazukommenden
zivilen Nutzungen optimal ergänzt.
Richtplan ESP Thun Nord
Der Begleitausschuss ESP Thun Nord hat im Herbst 2008 beschlossen, den Richtplan
ohne Beteiligung von Steffisburg zu aktualisieren. Hierfür wurde 2011 eine öffentliche
Mitwirkung durchgeführt – ein genehmigungsfähiger Entwurf liegt nun vor.
Ziel ist die schrittweise Aufwertung des gesamten Areals durch die Realisierung
hochwertiger und höherer Gebäude und eine weitgehende Öffnung für die Öffentlichkeit.
2.2.
Städtebauliches Modell
Ein städtebauliches Modell des gesamten Areals der „Kleinen Allmend“ wurde für diesen Gesamtleistungswettbewerb hergestellt. Die Teilnehmer konnten während der
gesamten Dauer des Wettbewerbs das Modell besichtigen und für ihre Studien und
Analysen verwenden.
Abb. 2.2a Städtebauliches Modell
4
Abb. 2.2b Städtebauliches Modell
5
3
4
5
ESP = Entwicklungsschwerpunkt
Gnädiger Architektur- Modellbau GmbH
Gnädiger Architektur- Modellbau GmbH
Die Kleine Allmend Stand heute
2.3.
2.3.1.
Aufgabenstellung
Städtebaulicher Kontext
Durch den teilweisen Rückzug und die Konzentration der Nutzungen des VBS und der
RUAG auf bestimmte Areale wird ein erheblicher Teil des Geländes frei für Drittnutzungen. Die Arealfläche hat die Grösse eines Quartiers von Thun. Dementsprechend
gross ist die Bedeutung für die künftige Stadtentwicklung.
Aufteilung der Baufelder
Abb. 2.3a Richtplankarte
6
Das Erschliessungskonzept des ESP Areals Thun Nord wird innerhalb einer Überbauungsordnung Erschliessung zukünftig beschlossen. Das Grobkonzept musste von
den Wettbewerbsteilnehmern in ihren Entwürfen integriert werden. Der neu geplante
Kreisel und Stichstrasse westlich des Baufeld B3 wird voraussichtlich zu Beginn der
Bauarbeiten der Zentrale RUAG bestehen.
Vision der Kleinen Allmend ESP Thun Nord
Abb. 2.3b Grobes Erschliessungskonzept gem. ESP Richtplan
6
7
10
Kommunaler Richtplan ESP Thun Nord, 4. November 2010
Kommunaler Richtplan ESP Thun Nord, 4. November 2010
7
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Ausgangslage und Aufgabenstellung
2.4.
2.4.1.
Etappierung und Planungsperimeter
Allgemeines
Der Gesamtleistungswettbewerb war in zwei Stufen gegliedert, wobei in der ersten
Stufe – Städtebauliche Projektstudie - die Bebauung der Parzelle in drei Bauetappen
geplant werden musste. In allen drei Etappen waren die Erschliessung der Gebäude
und die Aussenraumgestaltung darzustellen. Es mussten sowohl die Zwischenzustände als auch der „Endzustand“ nachvollziehbar sein. Die zweite Stufe – Gesamtleistungswettbewerb – stellte die erste Bauetappe im Detail dar.
Planung und Bebauung in
drei Etappen
Abb. 2.4a Baufeld B3
heutiger Stand mit bestehenden RUAG Gebäuden
2.4.2.
1. Stufe: Städtebauliche Projektstudie
Es waren Büro- und Retail-/ Gastronomieflächen sowie Hallen für Lager und Werkstattnutzungen zu planen.
Der Planungsperimeter umfasste die gesamte Fläche des Baufelds B3 gemäss Bezeichnung ESP. Die städtebauliche Projektstudie konnte ohne Berücksichtigung der
Bestandsgebäude erarbeitet werden, es war jedoch zu beachten, dass die Realisierung der Bebauung in den beschriebenen Etappen umgesetzt werden soll.
Etappierung der Bebauung auf
Baufeld B3
Abb. 2.4b Grobe Etappierung
1. Bauetappe
Bürogebäude an der Allmendstrasse
Der Perimeter der 1. Bauetappe beinhaltet den SW Teil des Planungsperimeters entlang der Allmendstrasse. Die genauen Grenzen des Perimeters dieser Bauetappe
waren projektabhängig durch den Verfasser zu bestimmen.
In der 1. Bauetappe ist ein Bürogebäude mit zentralem Empfang, ein Konferenzzentrum, kleinere Retailflächen und Gastronomiebereiche zu realisieren. Angestrebt wird
seitens RUAG ein architektonisch hochwertiges höheres Haus oder ein Hochhaus.
Die Lagerhallen 674 und 683A im Westen der Parzelle werden abgerissen, die Bestandshalle 671 im Osten ist zu erhalten. Die Bestandshalle 695 kann projektabhängig
bereits in der 1.Bauetappe oder erst in der 2. Bauetappe abgerissen werden.
Abb. 2.4c 1. Bauetappe
2. Bauetappe
Werkhallen im Norden des
Baufelds
Falls nicht bereits in der 1. Etappe erfolgt, wird in der 2. Etappe (10-15 Jahre) auch
die Halle 695 abgerissen. Die in der 1. Etappe neu entstandenen Büroflächen können
konzeptabhängig erweitert werden. Im Norden des BF werden Werkhallen realisiert.
Abb. 2.4d 2. Bauetappe
12
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Ausgangslage und Aufgabenstellung
3. Bauetappe
In der 3. Etappe (Zeithorizont 20 Jahre) wird die Halle 671 ebenfalls abgerissen.
Sowohl die Bürogebäude als auch die Werkhallen werden erweitert.
Erweiterung der Büro- und
Werkflächen
Abb. 2.4e 3. Bauetappe & Planungsperimeter des gesamten Baufelds B3
2.4.3.
2. Stufe: Gesamtleistungswettbewerb
Nur die erste Bauetappe des Bürogebäudes mit ca. 22'000 m2 BGF für etwa 1'000
Mitarbeitende war Bestandteil des Gesamtleistungswettbewerbs und des Realisierungsprojekts.
2.5.
Nutzung der 1. Bauetappe
Das Erdgeschoss nimmt den Hauptzugang, den Empfang und einen Konferenzbereich auf und zusätzlich noch Retail- und Dienstleistungsflächen, die der Versorgung
sowohl der auf dem Areal tätigen Personen sowie externer Nutzer dienen sollen. Diese Flächen im EG sollen attraktive von der Allmendstrasse oder Ringstrasse direkt
erschlossene Zugänge aufweisen und im Strassenbild durch „Schaufenster“ und Beschilderung präsent sein. Die Lobby bildet die „Drehscheibe“ des Bürogebäudes.
Abb. 2.5a Nutzungen innerhalb des Baufelds B3
Trennung der öffentlichen und
RUAG internen Nutzungen
3. Ziele und Beurteilungskriterien
3.1.
Ziele
3.1.1.
Ziele der RUAG
à Schaffung eines Wirtschaftsparks
•
Konzentration der RUAG Nutzungen auf dem klar definierten Baufeld
B3; frei werdende Baufelder im Areal können für zivile Nutzungen entwickelt werden
à Entwicklung eines Leuchtturmprojekts entlang der Allmendstrasse in der ersten Bauetappe
•
Das Gebäude setzt ein Zeichen für Thun anhand von städtebaulicher,
architektonischer und technischer Qualität und vermittelt Progressivität,
Modernität, Partnerschaft und Seriosität.
•
Die RUAG ist ein Technologie Konzern - das Gebäude steht für Qualität
und technische Innovation (Materialisierung, Fassade, Energieverbrauch, Nachhaltigkeit, etc.)
à Besondere Verantwortung für ökologische Aspekte wahrnehmen
•
Entwicklung auf Basis der Empfehlung SIA 112/1 Nachhaltiges Bauen
und insbesondere nach den Vorgaben des SIA Effizienzpfades Energie
(2000 Watt Gesellschaft)
à Realisierung einer effizienten Gebrauchsarchitektur
•
Kostengünstige, konsistente, qualitativ hochwertige Bauweise
•
Optimierung der Life Cycle Kosten
•
Hohe Umsetzungssicherheit und rasche Realisierung; Fertigstellung bis
2015
•
Flexibilität im Projekt, um eine breit gefächerte zukünftige Nutzung zu
garantieren
à Realisierung von hochwertigen, flexibel nutzbaren Hallen für Werkstätten,
Produktion und Lager in der zweiten Bauetappe
•
3.1.2.
Eigennutzung RUAG und/ oder Drittnutzung
Ziele der Präqualifikation
Die Auswahl der Wettbewerbsteilnehmer durch eine Präqualifikation trug dazu bei,
einen qualitätssichernden Wettbewerbsprozess zu gewährleisten.
Ziel der Präqualifikation war es, hochqualifizierte Firmen speziell in den Bereichen
Architektur, Städtebau, Gebäudetechnik, Energie und Logistik zu evaluieren. Das Beurteilungsgremium wählte anhand der Referenzprojekte Teams aus, welche in der
Lage sind innovative und durchführbare Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
14
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Genehmigung
3.1.3.
Ziele 1. Stufe: Städtebauliche Projektstudie
Die erste Wettbewerbsstufe diente zur Überprüfung von städtebaulichen Lösungsmöglichkeiten und sollte ein Gesamtkonzept für die etappierte Bebauung des Baufelds B3 liefern.
Der Bebauungsvorschlag musste sich in die städtebauliche Situation des ESP und
seiner Entwicklungsbaufelder einfügen sowie der besonderen Situation des Wirtschaftsparks Thun Nord und seiner Lage zwischen Zentrum, Sondernutzungen im
Gebiet der Kleinen Allmend und dem Wohngebiet Lerchenfeld gerecht werden. Dem
Baufeld B3 kommt städtebaulich als südwestliches Eckelement der Kleinen Allmend
eine besondere Bedeutung zu.
3.1.4.
•
Ziele 2. Stufe: Gesamtleistungswettbewerb
Architektur/ Gesellschaft
Der städtebaulichen Situation ist besondere Beachtung zu schenken. Die Allmendstrasse wird in den nächsten Jahren eine ganzheitliche Aufwertung erfahren. Die Vision ist, die Strassenfront entlang dieser wichtigen Verbindungsstrasse zum Zentrum
Thuns für die Öffentlichkeit ansprechend zu gestalten und durch die Realisierung von
hochwertigen und höheren Gebäuden ein attraktives Tor für den neuen Wirtschaftsund Lebensraum Thun Nord zu errichten.
Die Volumetrie des Neubaus und seine architektonische Gestaltung und Materialisierung sollen zum Technologie-Konzern RUAG einen Bezug herstellen.
Das architektonische Gesamtkonzept muss auf die funktionalen, ästhetischen, wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen eine überzeugende Antwort liefern.
Die Räumlichkeiten müssen ein für die Nutzer in allen Aspekten gutes Umfeld schaffen. Dazu gehört unter anderem ein gebrauchstaugliches, ansprechende Materialund Farbkonzept.
Der Tageslichtnutzung, die auf die Funktion und die Dimension der Räume abgestimmt sein soll, kommt eine spezielle Bedeutung zu. Es sollen differenzierte Bezüge
zwischen Innen- und Aussenräumen mit interessanten Blickbezügen geschaffen werden.
•
Wirtschaftlichkeit
Die RUAG legt als Industriekonzern besonderen Wert auf eine hohe Effizienz des Projektvorschlags und eine kostenbewusste Planung, die die Marktfähigkeit der geplanten Mietflächen garantiert. Den Life Cycle Kosten ist dabei besondere Beachtung zu
schenken - es wird eine hohe Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus erwartet.
Die Betriebs- und Unterhaltskosten beinhalten im Wesentlichen die Energiekosten, die
Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten. Daher wird bei den Gebäudeeigenschaften grosser Wert auf eine wartungsfreundliche und widerstandsfähige Materialisierung und optimale Energieeffizienz gelegt.
Bei der Wahl der Systeme (Gebäudetechnik, Medienerschliessung) ist auf eine einfache Nachrüstbarkeit zu achten, um sich verändernden Bedingungen anpassen zu
können. Die Systemtrennung zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärsystemen ist zu
berücksichtigen. Insbesondere zu berücksichtigen ist eine mögliche spätere Einbindung in eine (thermische) Arealvernetzung von hoher Effizienz (anzustrebende Systemtemperaturen: Heizung < 32°C, Klima/Kälte > 18°C, Prozesskälte > 12°C).
•
Ökologie
Der Neubau muss im Sinne der 2000 Watt Gesellschaft gemäss dem SIA Effizienzpfad Energie gebaut werden.
Aspekte des nachhaltigen Bauens sind zu berücksichtigen (SIA-Empfehlung 112/1,
2004). Der Ressourcenverbrauch für Bau und Betrieb der Gebäude soll minimiert
werden. Die Materialwahl muss ökologische Aspekte und die Raumluftqualität berücksichtigen.
Eine solide Bauweise und die Wahl von langlebigen Materialien garantieren die Gebrauchstauglichkeit der Gebäude auf lange Sicht. Der Systemtrennung ist in der Planung und der Realisierung grösste Beachtung zu schenken.
Eine Zertifizierung nach Minergie, LEED, oder anderem Standard mit internationaler
Ausstrahlung wird nicht angestrebt.
3.2.
Beurteilungskriterien
3.2.1.
1. Stufe
•
Städtebauliches Gesamtkonzept
Städtebauliche Einbindung und Verträglichkeit; Dichte der Bebauung;
Kontext; Volumetrie; Verbindung zu Allmendstrasse, Lerchenfeld, Innenstadt Thun, KV Anlage; Erschliessung; Aussenraumgestaltung
•
Architektur
Innovation und architektonische Qualität
•
Rechtliche Grundlagen
Einbindung in den ESP Richtplan und RUAG Masterplan; Einhaltung
Richtplan und baurechtliche Rahmenbedingungen
•
Funktionalität
Gebrauchswert der Anlage, Einhaltung des Raumprogramms, Sicherheit, Logistik; Etappierbarkeit und Qualität der Zwischenzustände
•
Nachhaltigkeit
in Bezug auf die 2000W Gesellschaft (SIA Effizienzpfad Energie)
3.2.2.
16
2. Stufe
•
Städtebauliches Gesamtkonzept
Städtebauliche Einbindung; Kontext; Volumetrie; Verbindung zu Allmendstrasse, Lerchenfeld, Innenstadt Thun, KV Anlage; Erschliessung
•
Architektur des Bürogebäudes
Innovation und architektonische Qualität, Umgang mit dem Raumprogramm, Umgebung, Erschliessung, Materialkonzept
•
Rechtliche Grundlagen
Einbindung in den ESP Richtplan und RUAG Masterplan; Einhaltung
Richtplan und baurechtliche Rahmenbedingungen;
•
Funktionalität
Gebrauchswert der Anlage, Einhaltung des Raumprogramms, Sicherheit, Logistik;
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Genehmigung
•
Nachhaltigkeit
in Bezug auf die 2000W Gesellschaft (SIA Effizienzpfad Energie,
Energiebilanz, Bauökologie)
•
Projektmanagement und Team
Qualitätsvolles PM, das der Komplexität der anstehenden Aufgabe
entspricht; Tools; Ausführung; Planmanagement; Sicherung; Teamzusammenstellung;
•
Kosten und Termine
Wirtschaftlichkeit, Optimierung der Erstellungs-, Betriebs- und Unterhaltskosten, Life Cycle Kosten, Optimierung zwischen Flexibilität und
Kosten; Realistischer Terminplan
4. Beurteilung 1. Stufe
4.1.
Formale Anforderungen
Vorprüfung 1.Stufe
Die Vorprüfung der 1. Stufe – Städtebauliche Projektstudie wurde am 20. November
2012 durch das Wettbewerbssekretariat hmb partners AG, Meilen in Thun durchgeführt.
Die sechs Projekte sind bei der RUAG Real Estate in Bern am 16. November 2012
fristgerecht unter folgenden Kennwörtern eingegangen:
•
•
•
•
•
•
Defilee
Flex 3
Lichtraum
Open Sky
Weitsicht
Yesen
Alle Projekte wurden anonym eingereicht. Die Unterlagen waren vollständig und die
maximal zulässige Anzahl Pläne wurde in keinem Fall überschritten.
Alle Projekte haben die Vorgaben zu Ausführung und Darstellung grundsätzlich eingehalten. Die Projekte Flex 3 und Lichtraum haben den gesamten Perimeter in Grundriss und Schnitt vollständig im Massstab 1:200 dargestellt. Alle übrigen Projekte haben diese Vorgabe nur teilweise erfüllt und haben schwerpunktmässig die Gebäude
der 1. Etappe vertieft.
Alle Projekte beinhalteten zusätzliche, nicht geforderte Darstellungen wie Innenraumperspektiven, Ansichten etc.
Quantitative Vorprüfung
Die Umsetzung der quantitativen Vorgaben bezüglich Anzahl Arbeitsplätze, Stellplätze,
BGF etc. wurden geprüft und im Vorprüfungsbericht tabellarisch aufgenommen.
Eine überschlägige Schätzung der Arbeitsplätze durch das Wettbewerbssekretariat
ergab, dass die geforderte Anzahl von 1000 Arbeitsplätzen für die erste Bauetappe in
keinem der Projekte eingehalten bzw. detailliert nachgewiesen wurde. Der Bauherr
betonte, dass eine diesbezügliche Überarbeitung der Projekte unverzichtbar sei.
Qualitative Vorprüfung
Die wesentlichen Merkmale der Wettbewerbsbeiträge wurden an Hand der Bewertungskriterien Städtebau, Architektur, Rechtliche Grundlagen, Funktionalität/ Logistik
und Nachhaltigkeit im Vorprüfungsbericht dokumentiert.
Für die Abgabe der zweiten Stufe – Gesamtleistungswettbewerb wurde in der Beurteilung zusätzlich das Thema Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Es wurden wirtschaftlich
tragbare Projekte von den Teams gefordert. Das Kostenbewusstsein des Industriekonzerns RUAG war ein zentrales Thema und hat in der weiteren Beurteilung und
Selektierung des Gewinners eine wichtige Rolle gespielt.
Aus Sicht der Vorprüfung wurden alle eingereichten Projekte zur Beurteilung durch
das Beurteilungsgremium zugelassen.
18
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Beurteilung 1. Stufe
4.2.
Beurteilung 1. Stufe
Die Beurteilung der 1. Stufe – Städtebauliche Projektstudie fand am 29.11.2012 In
Thun statt. Das Beurteilungsgremium war vollzählig anwesend.
Die Beurteilung wurde anhand der im Programm vordefinierten Kriterien vorgenommen. Die damit verbundenen Entscheide wurden durch die Mitglieder des Beurteilungsgremiums einheitlich vorgenommen.
Nach eingehender Durchsicht und intensiver Diskussion wurden von den sechs eingegangenen Arbeiten nach mehreren Rundgängen die folgenden drei Projekte ausgeschieden, bei welchen das Gesamtkonzept keine ausreichende Tragfähigkeit aufwies und die dargestellten städtebaulichen Qualitäten nicht genügend Potential nachweisen konnten:
•
•
•
Defilee
Flex3
Open Sky“
Für die Teilnahme an der zweiten Stufe „Gesamtleistungswettbewerb“ wurden ausgewählt:
•
•
•
Lichtraum
Weitsicht
Yesen
Auswahl von drei Teams für die
2. Wettbewerbsstufe
Am Ende der Sitzung des Beurteilungsgremiums wurden die Verfassercouverts geöffnet und die Anonymität für die zweite Wettbewerbsstufe damit aufgehoben.
Das Gremium sprach für die weiterqualifizierten Projekte individuelle Empfehlungen
für die Weiterentwicklung der Projekte aus, die an die Teams schriftlich abgegeben
und am 12.12.2012 jeweils in einem persönlichen Gespräch erläutert wurden.
Allgemein wurden vom Gremium folgende Anforderungen für die Weiterbearbeitung
der Projekte als besonders beachtenswert unterstrichen:
Städtebau
•
Das städtebauliche Konzept sollte eine Bogenwirkung zur Stadt herstellen und
das Gebiet stadträumlich öffnen. Die Gesamtfigur soll mit einladender Geste
den Stadtraum aufwerten und zusätzliche Qualitäten für das benachbarte
Quartier Lerchenfeld realisieren.
•
Gegenüber der KVA darf ein starker, städtebaulicher Akzent gesetzt werden.
•
Auf die Qualität der Aussenräume ist besonderer Wert zu legen. Der frühzeitige Beizug eines Landschaftsarchitekten für die integrale Weiterentwicklung
der Aussenräume wird empfohlen.
•
Die Gebäudefolge soll eine Durchlässigkeit zwischen dem Areal der Kleinen
Allmend und dem öffentlichen Bereich der Allmendstrasse zulassen.
Nutzung
•
Die Möblierung der Büroflächen ist für unterschiedliche Raumkonzepte nachzuweisen (Zellenbüros, Gruppenbüros, Open Space) und der prozentuale Anteil des jeweiligen Bürokonzepts an der Gesamtbürofläche ist anzugeben.
Bogenwirkung zur Innenstadt
Öffnung der Kleinen Allmend
Umsetzung von 1'000 Arbeitsplätzen
•
Innerhalb der 1. Bauetappe sind 1’000 Arbeitsplätze zu realisieren. Für die
Eruierung des Platzbedarfs ist mehrheitlich von Gruppenbüros bzw. OpenSpace-Arbeitsplätzen mit eingestreuten Einzelbüros und Besprechungszimmern auszugehen.
•
In der Planung der Gebäudetiefe und des Ausbaurasters soll der Effizienz der
Nutzungen und den möglichen Möblierungsvarianten besondere Beachtung
geschenkt werden.
Funktionalität / Logistik
•
Die Erschliessung und Anlieferung aller Flächen ist detailliert nachzuweisen
(Schleppkurven im Bereich der Vorfahrt, Anlieferung Bürogebäude, Anlieferung Retail, Anlieferung Werkhallen).
Nachhaltigkeit
•
Zur Nachhaltigkeit und zur Umsetzung der Empfehlungen des Effizienzpfades
Energie sind zu wenige Angaben vorhanden. Die Massnahmen sind detailliert
zu beschreiben und ihre Umsetzung im Projekt auch anhand von Berechnungen konkret nachzuweisen.
Rechtliche Grundlagen
•
Die Vorgaben der ZPP R, Thun Nord sind in der Projektüberarbeitung und
Weiterbearbeitung einzuhalten. Insbesondere:
o
Planungszweck: ….stadträumliche Aufwertung unter Wahrung der
spezifischen Qualitäten des Ortes
o
Grundsätzlich gilt das Nutzungsmass der Zone A Arbeiten.
Hochhäuser auf der Kleinen
Allmend
20
Entlang der Allmendstrasse sind bei gleichbleibendem Nutzungsmass
höhere Häuser bis max. 30.0 m Gebäudehöhe zulässig. Voraussetzung sind die Ausrichtung auf die Flucht entlang der Allmendstrasse,
der Nachweis besonderer städtebaulicher und architektonischer Qualitäten und die Integration in ein städtebauliches Gesamtkonzept. Tiefe ab Flucht Allmendstrasse max. 130.0 m.
o
Punktuell sind bei gleichbleibendem Nutzungsmass Abweichungen
von der maximalen Gebäudehöhe zulässig, wenn diese städtebaulich
begründet sind und zu einer erhöhten räumlichen Qualität führen.
o
Stadträumliche Aufwertung der Allmendstrasse als eine der wichtigen
Einfallsachsen von Thun.
o
Schaffung einer dominanten Kulisse entlang der Allmendstrasse.
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Beurteilung 1. Stufe
Impressionen Beurteilung
1. Wettbewerbsstufe
5. Beurteilung 2. Stufe
5.1.
Formale Vorprüfung
Vorprüfung 2. Stufe
Die formale und quantitative Vorprüfung der 2. Stufe - Gesamtleistungswettbewerb
wurde am 21. März 2013 durch das Wettbewerbssekretariat hmb partners AG, Meilen
in Thun durchgeführt.
Alle drei Teilnehmer der 2. Stufe haben bis Mittwoch, den 20. März 2013 um 16.00
Uhr fristgerecht Ihre Beiträge bei der RUAG Real Estate AG in Bern eingereicht.
Die Modelle wurden am 27.3.2013 bei der RUAG Real Estate AG in Bern eingereicht.
Die Anonymität war für die 2. Wettbewerbsstufe aufgehoben worden.
Alle drei Wettbewerbsbeiträge wurden vollständig eingereicht und die maximal zulässige Anzahl Pläne in keinem Fall überschritten.
Alle Projekte hielten die Vorgaben zu Ausführung und Darstellung grundsätzlich ein.
Qualitative Vorprüfung
Ergänzend führten die Mitglieder des Beurteilungsgremiums Hr. Däppen, Hr. Binkert
und Hr. Menti als auch die RUAG Real Estate eine qualitative Vorprüfung der Projekte
unter den Gesichtspunkten der Einhaltung der rechtlichen Grundlagen, der Logistik,
der Nachhaltigkeit und der Kosten + Termine durch. Die Ergebnisse dieser qualitativen Vorprüfung wurden im Vorprüfungsbericht zusammengefasst und vorgängig zur
Beurteilung der Projekte dem Beurteilungsgremium vorgelegt.
Speziell zum Thema Wirtschaftlichkeit wurden Vergleichswerte auf dem Markt vorhandener Projekte zur Beurteilung herangezogen und eine Einstufung der Rentabilität
anhand von marktüblichen Mietpreisen vorgenommen.
Aus Sicht der Vorprüfung wurden alle eingereichten Projekte zur Beurteilung durch
das Beurteilungsgremium zugelassen.
5.2.
Beurteilung aber keine
Rangierung
Beurteilung 2. Stufe, Bereinigung und Schlussbeurteilung
Die Beurteilung der 2. Stufe – Gesamtleistungswettbewerb fand am 03.04.2013 in
Thun statt. Das Beurteilungsgremium war, mit Ausnahme von Frau Dumermuth und
Herrn Mathys, die krankheitsbedingt entschuldigt waren, vollzählig anwesend. Die
Beurteilung der Projekte und die damit verbundenen Entscheide wurden durch die
anwesenden Mitglieder des Beurteilungsgremiums einheitlich bestimmt.
Das Ziel der Sitzung zur Beurteilung der Projekte der 2. Wettbewerbsstufe war es, die
eingereichten Projekte inhaltlich zu prüfen und den Verfassern Hinweise auf Unklarheiten und Schwachstellen zu geben.
Alle drei Projekte wurden ausführlich analysiert und diskutiert. Es wurde keine Bewertung oder Rangierung vorgenommen und keine Projekte ausgeschieden. Das Gremium verfasste für jedes Projekt individuelle Empfehlungen für die Bereinigungsphase,
die für jedes Team in einer Fragenliste zusammengestellt und diesen am 9.04.2013 in
einem persönlichen Gespräch übergeben und erläutert wurden. In der anschliessenden Bereinigungsrunde überarbeiteten die Teams ihre Projekte.
22
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Beurteilung 2. Stufe
Die Angebotspräsentationen der Schlussabgabe des Gesamtleistungswettbewerbs
fanden am 7. Mai 2013 in Thun statt. Das Beurteilungsgremium war zu diesem Termin
mit Ausnahme von Frau Dumermuth, Frau Dobler und Herrn Mathys, vollzählig anwesend. Herr Raphael Lanz, Stadtpräsident der Stadt Thun, vertrat Frau Dumermuth im
Gremium und nahm eine stimmberechtigte Position ein. Herr Daniel Hofmeister wurde
als Experte ohne Stimmrecht zum Thema Wirtschaftlichkeit beigezogen.
Angebotspräsentationen
Jedes Team erhielt 45 Minuten Zeit, um sein Projekt mittels Powerpoint Präsentation
vorzustellen, gefolgt von 30 Minuten Fragen und Diskussion im Gremium. Die Reihenfolge der Präsentationen war wie folgt:
08:30 – 09:45
Team Frutiger, Projekt Lichtraum
10:00 – 11:15
Team Anliker, Projekt Yesen
11:30 – 12:45
Team Halter, Projekt Weitsicht
Die Beurteilung der Schlussabgabe und Selektierung des Siegerprojekts fand im Anschluss an die Angebotspräsentationen am 7. Mai 2013 in Thun statt.
Schlussbeurteilung
Die Themen Kosten und Termine wurden durch den Spezialisten der RUAG, Herrn
Hofmeister, detailliert geprüft und speziell in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit, die Life
Cycle Costs und die Vermietbarkeit analysiert.
5.2.1.
Allgemeine Hinweise für die Bereinigungsphase
Allgemein wurden allen Teams folgende Anmerkungen für die Überarbeitung während
der Bereinigungsrunde mitgegeben:
Städtebau
•
Die Qualität der Aussen- und Grünräume (Positionierung und Gestaltung) ist
insgesamt zu überprüfen, insbesondere der Aussenbereich der Gastronomie.
•
Die Wegführung des motorisierten Verkehrs und des Langsamverkehrs auf
dem Areal ist zu überprüfen und deutlich darzustellen (Vorfahrt, Zufahrt Besucherparkplätze, Fussgänger, Velo).
Architektur (Nutzung)
•
Die einzelnen Bürogeschosse müssen in Mieteinheiten sinnvoller Grösse unterteilbar sein. Die Möglichkeit kleiner Mieteinheiten mit maximal 25 Arbeitsplätzen, wie eine Zahnarztpraxis oder Architekturbüro, muss gewährleistet
sein. Diese Option inklusive der Erschliessung über Stockwerklobbies und
damit die Möglichkeit der Badge-Sicherung der Mieteinheiten ist aufzuzeigen.
Das Gebäude wird für die nächsten 70 – 100 Jahre erstellt und muss in dieser
Zeit flexibel umnutzbar sein. Vorstellbare zukünftige Nutzungen sind z.B. ein
Schulungszentrum oder Technopark. Diese Flexibilität ist darzustellen.
Flexibilität der Nutzungen
Funktionalität/ Logistik
•
Sicherheitskonzept:
o
Das Sicherheitskonzept auf dem Gelände (umzäunter Bereich, Werkstore, Zugänge zum Gebäude) und im Gebäude ist zu konkretisieren.
Ein möglicher Personen- und Warenfluss zwischen gesicherten Be-
Klare Sicherheitsbarriere
reichen oder Stockwerken, als auch die Wechselwirkung zwischen
Hallen und Bürogebäude muss dargestellt werden.
•
Definition des Logistikkonzepts
24
o
Es ist zu prüfen, ob die Funktion einer Loge (Empfang zur Verteilung
auf dem Gelände) in das Gebäude integriert werden kann.
o
Der Zugang zu den einzelnen Stockwerken muss die Möglichkeit für
eine Badge Sicherung haben. Der Nachweis darüber (Positionierung
der Stockwerklobbys) ist darzustellen.
o
Bereiche der RUAG werden sowohl im Bürogebäude und in den Hallen Mieter sein, als auch in anderen Bereichen ausserhalb des Baufelds tätig sein. Alle diese Betriebsbereiche sollten sowohl im Personen und Warenfluss gut miteinander verbunden sein können – jeweils
innerhalb des Sicherheitsbereichs.
o
Für den Mieter RUAG Defence ist zu beachten, dass der Sicherheitsbereich auch im wesentlichen Sinn für den Sichtschutz von aussen
gilt (teilweise sollen Produkte als auch Besucher nicht gesehen werden)
Ver- und Entsorgungskonzept
o
Es ist ein Ver- und Entsorgungskonzept für das gesamte Gebäude
(inkl. Büroflächen) und im Besonderen für die Gastronomie- und
Retailflächen darzustellen.
o
Entsorgung mit Warentrennung und Nutzung von z.B. Presscontainer,
etc
o
Versorgung/Warenzugang muss auch genügend gross dimensioniert
sein, z.B. im UG
o
Die Personen- und Warenflüsse im Gebäude der 1.Etappe sind zu
überprüfen und darzustellen. Es ist darauf zu achten, dass diese horizontal und vertikal sauber getrennt sind, unabhängig voneinander
funktionieren und unbedingt auch bei sehr unterschiedlichen Mietverhältnissen funktionieren müssen.
o
Die Warenflusswege müssen ebenfalls ausreichend dimensioniert
werden, um z.B. Palettenrollis nutzen zu können
o
Die Warenflusswege sollten eher nicht durch prominente Flächen führen (z.B. Lobby)
•
Die Flächen für die technische Erschliessung des Gebäudes der 1. Etappe
(Technikräume, Schächte, Steigtrassen) sind zu überprüfen und gegebenenfalls zu erweitern. Die FF ist auch in der Flächenberechnung nach SIA 416
anzupassen.
•
Das Konzept der Medienerschliessung ist darzustellen.
•
Die Parkierungslösungen sollten im Gesamtkontext erweiterbar sein. Es ist zu
prüfen, ob alle Parkplätze für das Baufeld 7 in einem Parkhaus realisiert werden können.
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Beurteilung 2. Stufe
Nachhaltigkeit
•
Ein Entwässerungskonzept, inkl. Retentionsfläche ist darzustellen.
•
Die thermisch aktivierbare Speichermasse (insbesondere Böden und Decken)
ist zu maximieren.
Rechtliche Grundlagen
•
Die geforderte Grünfläche von 25% des Baufelds (ökologische Ausgleichsfläche) wird mit der Überarbeitung des kommunalen Richtplans für das Baufeld
B3 und andere aufgehoben. Eine erforderliche Freifläche von rund 25% bleibt
im Richtplan jedoch bestehen, da neben der Verkehrserschliessung auch die
Retention innerhalb des Baufelds untergebracht werden muss.
Alle Projekte haben weit mehr als den minimal geforderten Anteil Freifläche.
Die geforderte Retentionsfläche muss innerhalb der Grundstücke noch nachgewiesen werden.
•
Für Hochhäuser gilt nach massgebendem „Konzept Stadtbild“ von 2006 eine
städtebauliche Toleranz bis zu einer maximalen Höhe von 35m. Für höhere
Hochhäuser ist als Ergänzung zum Wettbewerb eine Beurteilung des Hochhauskonzepts erforderlich.
Impressionen der Beurteilung
der 2. Stufe
6. Empfehlung + Projektverfasser
6.1.
Empfehlung des Beurteilungsgremiums
Das Beurteilungsgremium entschied sich einstimmig, das Projekt Weitsicht als Gewinner des Gesamtleistungswettbewerbs RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun in Bezug auf die Erfüllung der Kriterien zu selektieren und dem Bauherrn zur Weiterbearbeitung zu empfehlen.
Ausschlaggebend für diese Entscheidung war im Besonderen die städtebauliche Konzeption der ersten Bauetappe mit guter Torwirkung zur Stadt, die Aussicht auf eine
vielfältige Vermietbarkeit, die logistische und energetische Effizienz, die Kosten- und
Terminangaben sowie die dem Image der RUAG entsprechende einfache und ruhige
Architektursprache. Das Projekt erfüllt die formulierten Ziele und Anforderungen des
Wettbewerbs und trägt dem Kostenbewusstsein der RUAG als Industriekonzern sowohl durch das schlichte Auftreten des Gebäudes, als auch durch die effiziente Organisation und Ausgestaltung der Mietflächen Rechnung.
Zur Vorbereitung für die Erstellung der Überbauungsordnung ist das Projekt in Bezug
auf die städtebauliche Definition der zweiten und dritten Bauetappe zu überarbeiten.
Das Team wird in diesem Prozess durch einen Ausschuss des Beurteilungsgremiums
unterstützt. Zusammensetzung des Ausschusses des Beurteilungsgremiums:
Vorsitzender:
Hr. J. Käferstein, dipl. Arch. ETH, BSA SIA,
Käferstein & Meister Architekten, Zürich
Mitglieder:
Hr. M. Däppen, Dipl. Arch ETH, SIA
Beauftragter für Städtebau, Stadt Thun
Hr. H.R. Hauri, CEO RUAG Real Estate AG
Hr. A. Sonderegger, Dipl. Arch. ETH, BSA
Pool Architekten, Zürich
26
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Empfehlung und Projektverfasser
6.2.
Projektverfasser
Projekt
Verfasserteam
Defilee
HRS Real Estate AG
Städtebau:
Architektur:
Industrieplaner:
Tragwerksplaner:
Gebäudetechnik:
Energieplanung:
Landschaftsplanung:
Fassade:
Fischer Architekten AG, Zürich
Fischer Architekten AG, Zürich
W+P Weber und Partner AG
Ribi + Blum, Romanshorn
Aicher, De Martin, Zweng AG, Luzern
Aicher, De Martin, Zweng AG, Luzern
asp Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Stäger + Nägeli AG, Zürich
Flex3
Implenia Generalunternehmung AG
Städtebau:
Jo Coenen Architects & Urbanists, Zürich/
Burckhardt + Partner AG, Bern
Architektur:
Burckhardt + Partner AG, Bern
Industrieplaner:
Emch + Berger AG, Bern
Tragwerksplaner:
Beyeler Ingenieure AG
Gebäudetechnik:
Basler + Hofmann AG
Energieplanung:
Reuss Engineering AG
Landschaftsplanung: Möri + Partner AG
Fassade:
Prometplan AG, Biel
Lichtraum
Frutiger AG Generalunternehmung
Städtebau:
Panorama AG / GWJ Architektur
Architektur:
GWJ Architektur
Industrieplaner:
Klinkhammer GmbH
Tragwerksplaner:
Ingenta AG (vormals Marchand + P.)
Gebäudetechnik:
IEM AG
Energieplanung:
IEM AG / Gartenmann Engineering AG
Landschaftsplanung: 4D Landschaftsarchitekten
Fassade:
Sutter + Weidner
Open Sky
Losinger Marazzi AG
Städtebau:
Büro B Architekten und Planer AG
Architektur:
Büro B Architekten und Planer AG
Industrieplaner:
Agiplan AG
Tragwerksplaner:
Bächtold & Moor AG
Gebäudetechnik:
Gruneko Schweiz AG
Energieplanung:
Gruneko Schweiz AG
Landschaftsplanung: David Bosshard Landschaftsarchitekten AG
Fassade:
Sutter + Weidner
28
Projekt
Verfasserteam
Weitsicht
Halter AG Generalunternehmung
Städtebau:
Bauart Architekten und Planer AG
Architektur:
Bauart Architekten und Planer AG
Industrieplaner:
Resoplan AG
Tragwerksplaner:
Synaxis AG
Gebäudetechnik:
Amstein + Walthert AG
Energieplanung:
Amstein + Walthert AG
Landschaftsplanung: w+s Landschaftsarchitekten BSLA
Fassade:
Ernst Basler + Partner AG
Yesen
Anliker AG Generalunternehmung
Städtebau:
Lussi + Halter Partner AG, Luzern
Architektur:
Lussi + Halter Partner AG, Luzern
Industrieplaner:
agiplan ag, Rapperswil-Jona
Tragwerksplaner:
Basler + Hofmann Innerschweiz AG, LU
Gebäudetechnik:
Wirthensohn AG, Luzern / Scherler AG, LU
Energieplanung:
Wirthensohn AG, Luzern
Landschaftsplanung: Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Fassade:
Buri Müller Partner, Burgdorf
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Nächste Schritte
7. Nächste Schritte
Während den Monaten Juni – August 2013 wird das Projekt Weitsicht hinsichtlich der
Vorbereitung zur Erstellung der Überbauungsordnung als auch für die Beurteilung des
Hochhauskonzepts überarbeitet. Der Prozess wird durch den Ausschuss des Beurteilungsgremiums begleitet.
Auf Grund der aktuellen Rechtslage bezüglich der zulässigen Gebäudehöhe wird das
Projekt bezüglich dieser Thematik durch das Bauinspektorat mit Beizug des Fachausschusses Bau- und Aussenraumgestaltung der Stadt Thun im August 2013 beurteilt.
Die drei ausgeschiedenen Projekte der 1. Stufe, die beiden ausgeschiedenen Projekte
der 2. Stufe und das überarbeitete Siegerprojekt werden voraussichtlich im September 2013 in Thun ausgestellt. Gleichzeitig wird der Bericht des Beurteilungsgremiums
um die Überarbeitung des Siegerprojekts ergänzt und vom Ausschuss des Beurteilungsgremiums erneut genehmigt.
8. Genehmigung
Das Beurteilungsgremium hat vorliegenden am 5.7.2013 genehmigt.
Vorsitzender des Beurteilungsgremiums
Hr. J. Käferstein, dipl. Arch. ETH, BSA SIA,
Käferstein & Meister Architekten, Zürich
30
Hr. R. Binkert, Eidg. dipl. Betr. u. Prod. Ing.
ETH/BWI; b&b consulting GmbH
Hr. T. Hürlimann
RUAG Defence
Hr. M. Däppen, Dipl. Arch ETH, SIA
Beauftragter für Städtebau, Stadt Thun
**** Hr. R. Lanz
Stadtpräsident Thun
* Fr. K. Dobler, Dipl. Arch. ETH, SIA
AGR, Abteilung Kantonsplanung Bern
*** Hr. B. Mathys, Dipl. Arch. ETH, BSA, SIA
Stücheli & Mathys Architekten, Bern
** Fr. M. Dumermuth Lehmann
Vorsteherin der Dir. Stadtentwicklung, Stadt
Thun
Hr. U.P. Menti, Dipl. Masch. Ing. ETH/SIA;
Zentrum für Integrale Gebäudetechnik, Hochschule Luzern
Hr. H.R. Hauri
CEO RUAG Real Estate AG
Hr. A. Sonderegger, Dipl. Arch. ETH, BSA
pool Architekten, Züriich
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Genehmigung
Bemerkungen zu den Genehmigungen:
* Frau K. Dobler genehmigt den Bericht bis einschliesslich Beurteilung der 2. Stufe. Sie war an
der Sitzung vom 7.5.2013 abwesend und konnte daher weder an den Angebotspräsentationen
noch an der folgenden Diskussion und Selektierung des Wettbewerbsgewinners teilnehmen.
** Frau M. Dumermuth genehmigt den Bericht bis einschliesslich Beurteilung der 1. Stufe. Sie
war an der Sitzung vom 3.4.2013 und vom 7.5.2013 abwesend und konnte daher weder an der
Beurteilung der Projekte der 2. Stufe, an den Angebotspräsentationen noch an der Diskussion
und Selektierung des Wettbewerbsgewinners teilnehmen.
*** Herr B. Mathys genehmigt den Bericht bis einschliesslich Beurteilung der 1. Stufe. Er war
an der Sitzung vom 3.4.2013 und vom 7.5.2013 abwesend und konnte daher weder an der Beurteilung der Projekte der 2. Stufe noch an den Angebotspräsentationen und der Diskussion
und Selektierung des Wettbewerbsgewinners teilnehmen.
**** Herr R. Lanz genehmigt den Bericht ausschliesslich mit Bezug zu der Sitzung vom
7.5.2013, die Angebotspräsentationen und die folgende Diskussion der Wettbewerbsprojekte.
Er übernahm an diesem Tag die Rolle von Frau Dumermuth als stimmberechtigtes Mitglied des
Beurteilungsgremiums.
9. Projektbeiträge
9.1.
Weitsicht
(Gewinner Gesamtleistungswettbewerb)
Kennzahlen
Gebäudehöhe max.
54 m
Anzahl Geschosse OG (1. Etappe)
15
Anzahl Geschosse UG (1. Etappe)
1
Gebäudevolumen (1. Etappe)
103’900 m3 (gesamt inkl. Parken)
BGF (1. Etappe)
20’000 m2
Parkplätze (1. Etappe)
240 (in oberirdischer Parkgarage)
Fassade
Solarfassade
Das Projekt bildet an der Ecke Allmendstrasse/ Ringstrasse einen öffentlichen Platz
aus, der an der Süd-/ bzw. Westseite von einem Gebäudepaar, bestehend aus einer
leicht vorgesetzten, fünfzehngeschossigen Hochhausscheibe und einem zweigeschossigen, pavillionartigen Anbau begrenzt wird. Zwischen den beiden Gebäuden
spannt sich eine eingeschossige Halle auf, die die Hauptzugänge und den zentralen
Empfang aufnimmt. Im EG des westlichsten Bürogebäudes an der Ringstrasse werden die Retailflächen angeordnet, im Geschoss darüber befinden sich Gastronomieflächen.
Das Gastrokonzept mit Convenience Restaurant im EG (Belebung in diesem Bereich)
und auch extern zugänglichem Skyrestaurant erschliesst die Gebäude für die Öffentlichkeit und macht sie auch für das Quartier erlebbar.
Die Stellplätze werden nördlich dieser Volumen in einem oberirdischen Parkhaus untergebracht, das über ein Untergeschoss auch direkt mit den Bürogebäuden verbunden ist. Östlich davon schliessen sich die Werkhallen an, die je nach Bedarf etappenweise von Westen nach Osten ergänzt werden können.
Die Büronutzungen der weiteren Etappen werden entlang der Allmendstrasse in zwei
parallel hintereinander angeordneten, langgestreckten Gebäuderiegeln realisiert.
32
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Das Hochhaus setzt als gut sichtbares Landmark am Siedlungsrand einen überzeugenden städtebaulichen Akzent gegenüber der KVA. Die differenzierte Ausbildung der
Volumetrien in der ersten Bauetappe führt zu einer spannenden Gesamtkomposition,
die zum Ausgangspunkt für die weiteren Entwicklungen in den Etappen 2 und 3 wird.
Die Setzung, Form und Typologie der 2./3. Etappe entlang der Allmendstrasse wirken
jedoch noch beliebig. Sie müssen anhand der Untersuchung verschiedener Gebäudetypologien in einer Überarbeitung weiter differenziert, um eine Stärkung der Adressbildung zu erzielen. Hierbei wird die Auswahl der im EG angeordneten und zur Allmendstrasse orientierten Nutzungen optimiert. Es wird ein für die Öffentlichkeit einladendes Erscheinungsbild angestrebt.
Die Ausgestaltung der Werkhallen ist logistisch sehr gut durchdacht, die Abläufe funktionieren gut, der Warenfluss ist optimal und die Unterteilbarkeit wird sehr positiv bewertet.
Die Erschliessung und Anlieferung des Areals wird noch optimiert. Die Erschliessungsstrasse zwischen den Bürogebäuden und besonders die Einfahrt/Ausfahrt des
Parkhauses via Erschliessungsstrasse erscheint problematisch.
Die Proportionen der Aussenräume zwischen den Gebäuden werden ebenfalls überprüft.
Die Erschliessung der Gebäude über ein zentrales Foyer ist simpel und zweckmässig
und gewährleistet eine gute Übersichtlichkeit. Die Grösse des Eingangsbereichs ist in
Bezug auf die Nutzung der Gebäude angemessen. Der indirekte Hauptzugang zur
vertikalen Erschliessung des Hochhauses ist hingegen räumlich unattraktiv.
Die Büroetagen sind sehr effizient organisiert und flexibel unterteilbar in unterschiedlich grosse Mieteinheiten zwischen 140 m2 und 1’200 m2. Damit wird eine sehr gute
Vermietbarkeit an Drittmieter garantiert. Die Personen- und Warenflüsse sind konsequent getrennt. Die Horizontalerschliessung in den Regelgeschossen via Korridore ist
noch zu eng und räumlich unattraktiv.
Vermietbarkeit
Sowohl die grossen, kaum gegliederten Volumen, als auch die effektive Konstruktion
als Stahlbetonskelettbau mit Stützenraster zwischen 5,0 m und 7,50 m und aussteifenden Kernen, gewährleisten eine hohe Nutzungsflexibilität und ermöglichen eine
ressourcenschonende Materialwahl (Recycling-Beton). Für die verschiedenen Bauelemente ist eine konsequente Systemtrennung vorgesehen. Zur Energieversorgung
werden integrale PV- oder Solarthermie-Systeme vorgeschlagen. Generell wird bei
der Fassadengestaltung auf einen massvollen Einsatz von Glas- und Metall geachtet.
Für die Ausbildung der Fassade des Parkhauses, speziell gegenüber dem Lerchenfeld (entlang Ringstrasse) muss noch eine hohe Erscheinungsqualität ausgewiesen
werden.
Die Themen der 2000 Watt Gesellschaft, insbesondere der Grauen Energie sind umfassend behandelt. Das Gebäude wird auf Grund seiner kompakten Form und der
einfach gehaltenen Fassade in Punkto Nachhaltigkeit sehr positiv bewertet.
Die Photovoltaik wird konzeptionell an der Fassade eingesetzt. Das Energiekonzept in
dem die Photovoltaik Anlage die für den Betrieb der Gebäudetechnik notwendige
Energie liefert (ohne Mieterbedarf) überzeugt.
Zusammenfassend überzeugt das Projekt durch seine hohe Wirtschaftlichkeit und
Effizienz sowohl bei den Büroflächen als auch bei den Werkhallen. Die für das Erscheinungsbild der RUAG Zentrale gewählte Schlichtheit, Ruhe und zurückhaltende
Eleganz entspricht der vom Bauherrn gewünschten Aussenwirkung und repräsentiert
den Industriekonzern RUAG überzeugend. Die effektive Organisation der Grundrisse
Fazit
verspricht eine gute Vermietbarkeit der Flächen und eine hohe Rentabilität. Die Kosten- und Terminangaben sind für die RUAG optimal.
9.1.1.
Kriterien für die Überarbeitung
Aussenraum
Der Aussenraum zwischen Bürogebäude und Gebäude der 2. Und 3. Bauetappen
wird der Grösse des Bürogebäudes angepasst, um nicht lediglich ein Restraum oder
eine durch Zufall generierte Gasse zu sein. Angestrebt wird ein angemessener und
qualifizierter Aussenraum. Die Themen der Adressbildung der Gebäude der 2. Und 3.
Etappen und die Öffentlichkeitswirkung spielen hierbei eine grosse Rolle.
Der Aussenraum zwischen Parkhaus und Hallen scheint zufällig und die Nutzung ist
nicht abschliessend definiert. Der strassenbegleitende Aussenraum entlang der
Ringstrasse wirkt unentschieden.
Etappierung
Die Gebäude der 2./3. Etappe entlang der Allmendstrasse werden anhand verschiedener Gebäudetypologien in 3-4 Szenarien studiert. Es wird geprüft, was das Spektrum an Möglichkeiten und Nutzungen ist. Die beste Variante wird in die Überbauungsordnung integriert werden. Eventuell können die Hallen an das Parkhaus angebaut werden. Auch könnten die Hallen als einziges langgestrecktes Volumen dargestellt werden.
Sicherheitskonzept
Für die Überbauungsordnung muss die Sicherheitsgrenze genau definiert dargestellt
werden.
Erschliessung
Die Erschliessungsstrasse zwischen den Bürogebäuden und den Hallen wird in Frage
gestellt. Je nach weiteren Anforderungen bzgl. Loge, muss diese Strasse eventuell zu
einer Sackgasse mit Wendeplatz werden.
Es ist wichtig in der Überbauungsordnung aufzuzeigen, dass die Gebäude der 1.
Etappe freistehend bleiben; d.h. Fussgänger Zirkulation rund um das Gebäude muss
auch zukünftig und nach Realisierung der weiteren Etappen gewährleistet sein (keine
Anbauten, Zäune, etc).
Die Einfahrt/Ausfahrt des Parkhauses via Erschliessungsstrasse erscheint sehr problematisch. Speziell an Spitzenzeiten morgens und abends sind Rückstaus bis zur
Ring- und eventuell Allmendstrasse in diesem Szenario fast unumgänglich. Eine Einfahrt via Ringstrasse soll geprüft werden.
Grundrisse
Der Übergang vom Foyer zur Vertikalerschliessung des Hochhauses wird grosszügiger ausgestaltet. In den Regelgeschossen ist die Erschliessungsstruktur noch zu
kleinteilig und wird ebenfalls grosszügiger ausgestaltet.
34
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Fassade
Die Fassade des Bürogebäudes soll detailliert recherchiert werden. Wie sehen die PV
Elemente tatsächlich aus? Welche Farbe haben sie?
Die Fassade des Parkhauses, speziell gegenüber dem Lerchenfeld (entlang
Ringstrasse) wird definiert und qualifiziert.
Generell
Das Entwässerungskonzept wird geprüft und dargestellt. Die vorgesehenen Flächen
scheinen knapp bemessen.
Der Arkadengang entlang der Allmendstrasse wird in diesem Kontext als problematisch beurteilt; Vordächer sind im Fall von Retail Nutzung hier bevorzugt.
Die Form, Platzierung und genereller Charakter der Gebäude erinnert an die 2nd Chicago School (Mies van der Rohe, SOM); dies wurde als durchaus positiv bewertet.
Diese Schlichtheit, Ruhe und zurückhaltende Eleganz soll weiterhin im Vordergrund
stehen und soll sogar noch mehr zum Ausdruck gebracht werden.
Situation
Ansicht von der Allmendstrasse
36
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Grundriss EG
Schnitt
9.2.
Lichtraum
(2. Stufe Gesamtleistungswettbewerb)
Kennzahlen
Gebäudehöhe max.
20.5 m
Anzahl Geschosse OG (1. Etappe)
5
Anzahl Geschosse UG (1. Etappe)
1
Gebäudevolumen (1. Etappe)
132’500 m3 (gesamt)
BGF (1. Etappe)
24’000 m2
Parkplätze (1. Etappe)
221
Fassade
Solarfassade
Der Gesamtperimeter wird in drei, Nord-Süd orientierte, streifenförmige Baufelder unterteilt. An der Ringstrasse wird das gesamte Baufeld von einem fünfgeschossigen,
flachen Bürokubus mit zwei Innenhöfen eingenommen. Die eigentliche Dachebene
über dem vierten Obergeschoss wird im fünften OG von einer zusätzlichen, grösstenteils wetterdurchlässigen Dachkonstruktion aus PV-Elementen überspannt. Lediglich
die Bereiche der Skybar und des Aufgangs zur Dachterrasse sind zusätzliche, geschlossene Raumstrukturen auf diesem Geschoss.
Flexibilität
Die weiteren zwei Streifen sind an der Allmendstrasse jeweils mit einem viergeschossigen Kopfbau mit Innenhof überbaut, an die sich im Norden jeweils eine Industrieund Werkhalle anschliesst. Das Verhältnis zwischen Tiefe des Bürogebäudes und
Werkhalle ist dabei flexibel wählbar.
Der Hauptzugang der RUAG Zentrale, die Vorfahrt sowie die Retailflächen im EG orientieren sich zur Ringstrasse, das Restaurant ist zur Allmendstrasse und zur parallel
angeordneten, öffentlichen Promenade ausgerichtet.
Der grosszügige Vorplatz an der Ringstrasse, der auch die Vorfahrt aufnimmt, führt
zum Haupteingang und weiter in das grosszügige, innenliegende Foyer aus dem über
verschiedene Treppen- bzw. Aufzugskerne die Büroetagen erschlossen werden. Eine
parallel zur Promenade bzw. Allmendstrasse an der Nordseite der Kopfbauten geführte Fussgänger Haupterschliessungsachse verbindet die drei Bürogebäude im EG.
Von dieser Haupterschliessung aus gelangt man zu den einzelnen Erschliessungskernen die ringförmig um die Innenhöfe organisiert sind.
38
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Die öffentlichen Flächen für Retail-, Gastronomie- und Konferenznutzung sind konsequent im EG untergebracht, die gesicherten Büroflächen in den Obergeschossen. Im
Dachgeschoss des Kopfbaus befindet sich eine öffentlich zugängliche Skybar.
Die Definition des Sicherheitsperimeters und das Erschliessungskonzept gliedern das
Baufeld klar und übersichtlich, so dass das Konzept ohne zusätzliche Erschliessungswege auf dem Baufeld und mit nur einem Werktor auskommt.
Die kompakte Bauweise in Kombination mit der Ausrichtung der Gebäude führt zu
einer geringen Gebäudeoberfläche mit minimalem Nordfassadenanteil und ermöglicht
dadurch eine Reduktion der Betriebskosten. Die Flexibilität der Grundrisse und die
konsequente Systemtrennung tragen ebenfalls zur Nachhaltigkeit der Gebäude bei.
Die Energiebilanz wird durch die Installation von Photovoltaikelementen auf dem Dach
und der Nutzung lokaler Energieressourcen optimiert. Begrünte Strassenräume und
Dächer sorgen für ein angenehmes Mikroklima.
Kompakte Bauweise
Aus der Dreiteilung des Perimeters resultiert eine städtebaulich robuste Grundordnung, die eine hohe Planungs- und Nutzungsflexibilität gewährleistet. Dadurch entsteht eine angemessene Durchlässigkeit in der Tiefe, welche die Verbindung zwischen dem Areal der Kleinen Allmend und dem öffentlichen Raum der Allmendstrasse
herstellt.
Städtebauliche Grundordnung
Mit der ersten Bauetappe ist der Abschluss zur Ringstrasse und der Übergang zur
Allmendstrasse bereits als städtebauliche Entität definiert, was in Anbetracht der sehr
langfristig angelegten Entwicklung des Areals sehr positiv gewertet wird.
Als angemessen und attraktiv bewertet wird die urbane Dichte, welche sich selbstverständlich in die bestehende Bebauungsstruktur der kleinen Allmend einbindet. Eine
klare Aufwertung und Belebung des Strassenraums erfolgt durch die EG-Nutzungen
(Restaurant und Konferenz) sowie die Öffnung der Raumfolge zum Strassenraum.
Der Neubau erweist sich dadurch als gutes Bindeglied zwischen Allmendstrasse und
angrenzendem Lerchenfeldquartier.
Urbane Dichte und Integration
in das Quartier
Der kompakte Baukörper mit Atrium, welcher eine sehr gute Tageslichtnutzung mit
sich zieht, wird aus Sicht Nachhaltigkeit als positiv bewertet. Ansonsten können keine
Aussagen zur Ökologie und Nachhaltigkeit gemacht werden, da weder Haustechnik
noch 2000W Gesellschaft im Projekt behandelt wurden. Die Dimensionen und Nutzungen des Foyers sind aus ökonomischer Sicht zu überprüfen.
Die auffallende Konstruktion der PV-Segel in der zweiten Dachebene ohne entsprechende Nutzung des Zwischenraums wirkt überinstrumentiert und entspricht nicht der
angestrebten Aussenwirkung der RUAG Zentrale. Auch der grosse Anteil an Glasflächen an den Aussen- und Innenfassaden unterstützt den Eindruck einer zu starken
Öffnung gegen Aussen.
Aussenwirkung
Der städtebauliche Ansatz bietet eine überzeugende, robuste Grundordnung für das
Baufeld mit sehr guter Etappierbarkeit. Das Konzept für die erste Bauetappe, die
RUAG Zentrale, weist ein prägnantes Erscheinungsbild mit hohem Identifikationswert
auf, das auch ohne grosse Gebäudehöhe „Leuchtturmcharakter“ aufweist.
Fazit
Die Funktionalität des Gebäudes hat jedoch Schwächen. Das zentrale Foyer wirkt
überdimensioniert und wird der geforderten Wirtschaftlichkeit nicht gerecht. Auch die
Aussenraumgestaltung und Materialisierung erscheinen im Kontext eines Arbeitsstandortes zu hochwertig. Die Flächeneffizienz auf den Bürogeschossen ist nur für
Grossmieter mit Open Space Konzept gegeben. Für kleinere Mieteinheiten sind die
Grundrisse nur schlecht geeignet und die erforderliche Flexibilität für Drittvermietungen daher nicht gegeben.
Situation
Ansicht von der Allmendstrasse
40
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
9.3.
Yesen
(2. Stufe, Gesamtleistungswettbewerb)
Kennzahlen
Gebäudehöhe max.
49 m
Anzahl Geschosse OG (1. Etappe)
13
Anzahl Geschosse UG (1. Etappe)
2
Gebäudevolumen (1. Etappe)
137’700 m3 (gesamt)
BGF (1. Etappe)
25’800 m2
Parkplätze (1. Etappe)
252
Fassade
CCF Fassade
Das Baufeld wird punktuell durch 3 Baukörper besetzt: ein 12-geschossiges, 44m hohes Hochhaus mit Sockelgeschoss am Knotenpunkt Allmendstrasse/Ringstrasse, ein
4-geschossiger Hofbau östlich des Hochhauses und langgestreckte Werkhallen im
nördlichen Teil des Baufelds. Zwischen den Baukörpern ist ein grosser städtischer
Platz angeordnet, der sich zu Kleinen Allmend öffnet und durch Bepflanzung und ein
Wasserbecken gegliedert wird. Auch eine Vorfahrt ist dort angeordnet.
Die Anordnung der drei mit je eigener Identität und Nutzung ausgestatteten Baukörper
ergibt insgesamt eine gute Etappierbarkeit. Die Bauetappen können baulich autonom
erfolgen – sogar von unterschiedlichen Architekten mit unterschiedlichen Architekturen. Für den Logistikbereich ergibt sich durch diese Aufteilung eine Tiefe mit einer
vielversprechenden Flexibilität. Positiv bewertet werden auch die unterschiedlichen
Typologien der zwei Bürogebäude, die die Bereitstellung verschiedener Büroflächen
ermöglichen und unterschiedliche Mieter ansprechen.
Die Setzung der Gebäude mit Platzbildung wird allgemein positiv bewertet. Die Dimension und die Funktion des grossen Platzes sind im Kontext der Kleinen Allmend
jedoch fragwürdig, insbesondere auch durch die nördliche Begrenzung von den im
Sicherheitsbereich gelegenen Werkhallen.
Das Gebäude der ersten Etappe hat eine einfache, statische und räumliche Struktur,
in der die Nutzungen überzeugend und konsequent angeordnet sind. Der Haupteingang erfolgt vom Platz aus. Über die Lobby gelangt man in einen grossen, innenliegenden Lichthof, der über die seitliche Belichtung in der Fassade eine attraktive Lichtstimmung erhält.
Sowohl die Zufahrt zur Tiefgarage als auch die Anlieferung des Hochhauses erfolgt
direkt via Ringstrasse. Das Restaurant befindet sich im EG mit Ausrichtung zum Zwischenhof, eine doppelstöckige, auch vom Platz aus zugängliche Skybar befindet sich
im 12. Obergeschoss.
Die innere Erschliessung über drei Kerne ist übersichtlich und ermöglicht eine gute
Unterteilung der Büroetagen auch in kleinere Mieteinheiten, überzeugt jedoch nicht in
punkto Effizienz. Die Logistik erfüllt nur für den Bereich der Gastronomie die gestellten
Anforderungen. Die Anlieferung der Retailflächen kann nicht überzeugen, da sie von
vorne an die Ladenfläche erfolgt und ein Rampenbereich fehlt. Auch die Entsorgung
ist nicht gelöst und im dargestellten Konzept auch schwierig nachträglich zu integrieren. Das grosse Foyer und die Anordnung der Fluchtkorridore schränken die Warenflüsse für Kleingewerbe/Werkstätten in den Obergeschossen stark ein und machen
diese ineffizient.
Die Bürogeschosse sind stützenfrei geplant und flexibel teilbar und möblierbar.
Die vorgefertigten Fassadenelemente, die PV Anlage, eine effiziente Gebäudeautomation und –steuerung, kontrollierte Lüftung und Regenwasserweiterverwendung tragen dazu bei, ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Gebäude zu konzipieren.
Die CCF Fassade ist sehr aufwendig und die Nachhaltigkeit ihres Einsatzes konnte
nicht nachgewiesen werden. Generell wurden keine Angaben zu Life Cycle Kosten
und Nutzungskosten gemacht.
Fazit
42
Städtebaulich wirkt die Lösung über alle Etappen sehr konsequent und zeichnet sich
durch eine klare Volumensetzung aus. Sie findet mit einem Hochhaus auf einem städtischen Platz eine angemessene Formulierung für den Auftakt zum neuen Industrieareal. Die entstehenden Aussenräume sind von hoher Qualität und das Gebäude
vermittelt durch den Sockelbau angemessen zum angrenzenden Quartier des Lerchenfelds. Die Positionierung, Orientierung und äussere Erschliessung sind gut gelöst.
Die weiteren Etappen weisen ein hohes Entwicklungspotential auf.
Das Erscheinungsbild und die Materialisierung der RUAG Zentrale ist jedoch zu elegant und nobel formuliert und entspricht nicht der gewünschten Aussenwirkung des
Industriekonzerns für seine neue Zentrale. Die grosszügige Organisation der Grundrisse und der Erschliessung kann bezüglich der Rentabilität der Mietflächen nicht
überzeugen.
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Situation
Ansicht von der Allmendstrasse
9.4.
Defilee
(1. Stufe Städtebauliche Projektstudie)
Kennzahlen
Gebäudehöhe max.
41.5 m
Anzahl Geschosse OG (1. Etappe)
11
Anzahl Geschosse UG (1. Etappe)
2
BGF(1. Etappe)
20’800 m2 (Schätzung)
Parkplätze (1.Etappe)
228
Entlang der Allmendstrasse werden zwei unterschiedlich breite, längliche Kuben angeordnet, die als 4-geschossige Hoftypen ausgebildet sind und die Büro-, Retail- und
Gastronutzungen aufnehmen. Der an der Ecke Allmendstrasse – Ringstrasse gelegene breitere Baukörper dient einem Hochhaus als Sockelgebäude, das an der südwestlichen Ecke weitere 7 Geschosse aufragt und diesen Punkt städtebaulich akzentuiert.
Für die zweite Etappe der Büronutzungen wird ein ähnliches Bauvolumen, Hoftyp mit
einem mehrgeschossigen Aufsatz an der Nord-Ost-Ecke vorgeschlagen.
Das städtebauliche Konzept wirkt in Bezug auf die Adressbildung, die Torsituation und
als Akzent gegenüber der KVA unentschlossen. Das Bekenntnis zur Hochhaustypologie bleibt zögerlich.
Die obersten zwei Geschosse des Turmes nehmen als offener Raum mit Galerie die
öffentlich zugängliche Skybar auf. Als Pendant dazu wird die nordöstliche Ecke des
zweiten Hofgebäudes durch einen zweigeschossigen Aufbau betont.
Die Organisation der Büroflächen ist zweckmässig und funktional, die Dimensionen der Innenhöfe erscheinen jedoch zu gering für eine ausreichende Belichtung
der Büroflächen.
Die Vorgaben zu den Nutzungsarten und -ausmassen wurden grundsätzlich erfüllt.
Die Retail Flächen sind im Erdgeschoss entlang der West- und Ostfassade angeordnet und werden von der Ringstrasse bzw. der Stichstrasse zwischen den zwei Bürogebäuden der 1. und 2. Etappe erschlossen. Der Konferenzbereich ist dazwischen
angeordnet und wird aus der Lobby über einen eingeschossigen Lichthof erschlossen.
Die entlang der Allmendstrasse im EG angeordneten Nutzungen tragen wenig zur
Belebung des öffentlichen Vorplatzes bei. Der gewünschte Brückenschlag zum angrenzenden Lerchenfeldquartier bleibt zudem gering.
44
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Die vorgeschlagene Setzung der Bauvolumen führt zur Ausbildung von unspezifischen Gebäudezwischenräumen. Der entstehende Aussenraum wird nicht gestaltet.
Die öffentlichen Räume bleiben ohne bestimmte Qualität.
Eine parallel zur Allmendstrasse verlaufende Erschliessungsstrasse trennt den vorderen, öffentlich zugänglichen Bereich des Areals vom nördlichen, gesicherten Bereich
ab, auf dem fünf rechteckige Werkhallen mit flachem Satteldach angeordnet sind, die
teilweise Nord-Süd, teilweise Ost-West ausgerichtet sind und paarweise als seitliche
Begrenzung von zwei Werkhöfen angelegt sind. Auch in Nord-Süd-Richtung erschliessen kurze Stichstrassen zwischen den Gebäuden das Baufeld. Die Setzung
und Volumen der Werkhallen orientiert sich stark an den bestehenden Hallen und bietet daher keine Verbesserung zur heutigen Bestandssituation. Zwischen den Hallen
werden sehr viele Fahrwege angeordnet. Die Funktion der Werkplätze zwischen den
Hallen überzeugt nicht. Zur Logistik und Funktionalität innerhalb der Werkhallen werden keine Aussagen gemacht.
Der Haupteingang und die Vorfahrt für das Bürogebäude der ersten Etappe erfolgen
von der Allmendstrasse, die Anlieferung und die Tiefgaragenabfahrt von der neuen
Erschliessungsstrasse an der Nordseite des Gebäudes.
Das Hochhaus wird von nur einem Treppenkern erschlossen. Die Treppenräume sind
nicht als Fluchttreppenhäuser ausgebildet.
Zum Thema 2000 Watt Gesellschaft wurden erste Konzeptideen vorgestellt: kompakte
Bauweise, Stahlskelettbauweise mit Stützenraster von 8.10m, Flachdecken aus Recyclingbeton, konsequente Systemtrennung, Nutzung der solaren Gewinne. Die Konzepte zu Nachhaltigkeit und Haustechnik liefern aber keine weiteren Innovationen.
Allgemein werden Systemtrennung und Flexibilität angeführt, jedoch ohne konkreten
Nachweis am Projekt.
Die Skybar ist bezüglich der Nachhaltigkeit auf Grund der grossen Glasflächen kritisch.
Situation
Ansicht von der Allmendstrasse
46
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
9.5.
Flex 3
(1. Stufe Städtebauliche Projektstudie)
Kennzahlen
Gebäudehöhe max.
30 m (ohne Atriumsüberdeckung)
Anzahl Geschosse OG (1. Etappe)
8
Anzahl Geschosse UG (1. Etappe)
1
BGF (1. Etappe)
26’300 m2
Parkplätze (gesamt)
400
Das Baufeld B3 wird durch 3 Baukörper besetzt – einen prägnanten 8-geschossigen
Hauptbau (Hoftyp) an der Ecke Ringstrasse/Allmendstrasse, ein dreigeschossiger
Hofbau entlang der Allmendstrasse und eine langgestreckte Werk- und Produktionshalle im nördlichen Teil des Baufelds. Die beiden Bürogebäude und die Werkhallen
erhalten durch den unterschiedlichen architektonischen Ausdruck jeweils eine eigene
Identität. Dadurch erscheint eine autonome Realisierung, auch durch unterschiedliche
Architekten, plausibel. Dieser Umstand ist angesichts einer längerfristigen etappenweise Realisierung von Vorteil. Unter den drei Gebäuden fehlt aber noch der städtebauliche Zusammenhalt über eine präzise Setzung der Volumen und über verbindende (teilweise öffentliche) Aussenräume.
Die Anordnung der Gebäude auf dem Baufeld bleibt unbestimmt. Die Gebäude
„schwimmen“ auf dem Baufeld und sind städtebaulich nicht verankert. Insbesondere
die Situation bei Realisierung der ersten Etappe wirkt wenig überzeugend. Die Volumen setzen weder einen städtebaulichen Akzent gegenüber der KVA noch liefern sie
ein prägnantes Bild für die RUAG Zentrale.
Die Platzierung der Gebäude innerhalb des Baufeldes schafft grosszügige Freiflächen,
speziell an der Kreuzung Ringstrasse/Allmendstrasse und im Hof zwischen den beiden Bürogebäuden, die an dieser Stelle jedoch überdimensioniert erscheinen.
Die nördliche Platzfassade wird durch die Werkhalle gebildet, die im Sicherheitsbereich liegen und nutzungsbedingt eine geschlossene und unattraktive Fassade aufweisen. Die strassenbegleitenden Alleebäume der Allmendstrasse weichen im westlichen Teil des Baufeldes für eine Erweiterung des Grünraumes auf die gegenüberliegende Strassenseite auf das Areal der Allmend.
Der Hauptbau weist einen um sich drehenden Lichthof auf, welcher Licht bis in das
Erdgeschoss leitet, und integriert eine doppelstöckige Skybar mit Terrasse in den beiden Obergeschossen. Die anderen beiden Baukörper lehnen sich in ihren Ausmassen
an die Typologien der Industriebauten im Quartier an.
Die Retail Flächen befinden sich im Erdgeschoss und sind via Ringstrasse und Zwischenhof erschlossen. Die Planung aller drei Bauten weist einen hohen Grad an Nutzungsflexibilität vor. Ein arealübergreifendes fixes Raster von 7.5m x 7.5m bietet wirtschaftliche und baustatische Vorteile.
Die Anlieferung für den Hauptbau, als auch die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt über
eine Stichstrasse parallel zur Allmendstrasse zwischen Längsbau und Hauptbau. Eine
separate Vorfahrt beim Haupteingang ist nicht vorgesehen.
Die Gebäude orientieren sich nicht eindeutig zur Allmendstrasse oder zur Ecke Allmend-/Ringstrasse auf. Die frontale Erschliessung der Bürogebäude von Seite der
Allmendstrasse widerspricht der Bedeutung des zentralen Platzes. Die einzelnen Erschliessungskerne werden einzeln von aussen erschlossen, was zu einer schlechten
Auffindbarkeit und unübersichtlichen Erschliessungssituation führt.
Das Logistikkonzept erscheint zu unflexibel.
Fazit
48
Das Projekt liefert keine ausreichend tragfähige städtebauliche Ordnung für das Areal.
Die Positionierung der Gebäude bleibt willkürlich gewählt. Der vorgeschlagene Platz
zwischen den zwei Bürogebäuden erscheint überdimensioniert.
Auch die architektonische Ausformulierung der Gebäude weist Mängel auf. Die Dimensionen der Innenhöhe der 2. Etappe sind zu klein für eine ausreichende Tageslichtversorgung der Büroflächen. Die Erschliessung der Bürogebäude über Einzelzugänge von Aussen ist unübersichtlich und schlecht organisierbar.
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Situation
Ansicht von der Allmendstrasse
9.6.
Open Sky
(1. Stufe Städtebauliche Projektstudie)
Kennzahlen
Gebäudehöhe max.
41.5 m
Anzahl Geschosse OG (1. Etappe)
9
Anzahl Geschosse UG (1. Etappe)
2
BGF (1. Etappe)
22’800 m2
Parkplätze (1. Etappe)
270
Eine Reihe von vier gleich grossen 5-geschossigen Türmen und einem herausragenden, siebengeschossigen Turm an der Ecke Allmendstrasse/ Ringstrasse, verbunden
durch einen 2-geschossigen Sockelbau, wird entlang der Bebauungskante der Allmendstrasse platziert. Der flächige Sockelbau lehnt sich in seiner Gestaltung und Höhe an die Architektur der Industriebauten, die Türme setzen ein Zeichen für Innovation.
Im nördlichen Teil des Baufeldes befindet sich eine langgestreckte Werk- und Produktionshalle, welche durch die Anlieferungsstrassen und zentralen Grünbereich von den
Bürogebäuden getrennt ist. Dieser Grünbereich ist durch einen überdachten begrünten Eingangshof mit dem Vorland verbunden.
Der Vorbereich und der Fussweg entlang der Allmendstrasse ist grosszügig begrünt
und weist ausreichende Besucher- und Veloparkplätze auf. Eine überdachte Vorfahrt
befindet sich an der Ecke Ringstrasse/Allmendstrasse. Hier mischen sich bei engem
Manövrierraum Fussgängerverkehr und MIV ungünstig.
Der Hauptzugang zum Gebäude ist durch die Auskragung des aufgesetzten Riegels
gut markiert. Der Sockelbau mit gemeinschaftlichen Nutzungen, wie Lobby, Retail und
Konferenzbereich im Erdgeschoss und eine Meeting/ Arbeitszone im 1. Obergeschoss,
verbindet die Türme miteinander. Das Erdgeschoss ist neben dem Haupteingang und
Lobby über eine Vielzahl von Mitarbeitereingängen und direkten Retailzugängen an
der Ost, Süd und Westseite erschlossen.
Die Flächen sind in Etappen realisierbar, haben aber kein überzeugendes Gesamtkonzept. Die Anordnung der Gebäuderiegel auf das Sockelgeschoss wirkt seriell und
wenig spannend.
Das Volumen der Werkhalle ist sehr gross dimensioniert, die Tageslichtversorgung
der Industrieflächen zu gering. Die Fassade des Industrievolumens wirkt als Schutzzone für die RUAG, blockiert aber gleichzeitig eine Durchlässigkeit ins Areal.
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Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
Die Sicherheitsgrenze befindet sich an der Südseite der Werkhalle. Die Anlieferung
für diese Halle erfolgt über die Parallelstrasse zur Allmendstrasse nördlich der Werkhalle.
Konzepte wie Systemtrennung, sanfte Mobilität, Errichten von PV Anlagen, Nutzung
von Fernwärme, etc. sind als Faktoren zur Realisierung eines die ökologisch und ökonomisch nachhaltigem Bauwerk angedacht. Das Energiekonzept ist gut durchdacht,
der Glasanteil jedoch insgesamt zu hoch.
Die Lösung formuliert eine klare städtebauliche Geste durch das durchlaufende Sockelgeschoss und schlägt damit eine konsequente Verdichtung entlang der Allmendstrasse vor. Die Ausbildung des südwestlichsten Aufbaus als höheren Kopfbau entspricht seiner prominenten Lage und unterstreicht seine Bedeutung als Landmark.
Der Industriebau ist nicht detailliert dargestellt, erscheint aber in seiner Dimension und
Positionierung Flexibilität zu gewährleisten.
Ein Schwachpunkt des Projekts liegt in der starren Ausformulierung des Strassenraums und der unzureichenden Lösung der An- und Abfahrt zu den Gebäuden. Die
durchlaufende EG Fassade wirkt sehr starr und wenig durchlässig. Die Anordnung
einer grosszügigen Grünfläche in zweiter Reihe hinter dem Bürogebäude erscheint
nicht sinnvoll.
Fazit
Situation
Ansicht von der Allmendstrasse
52
Gesamtleistungswettbewerb RUAG Zentrale, Kleine Allmend Thun
Projektbeiträge
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