Bindungsfaktoren in Cliquen - Institut für Jugendkulturforschung

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Lehrveranstaltung: Jugendkulturen und Jugendbewegungen
© Universal Music
Bernhard Heinzlmaier
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Institut für Jugendkulturforschung, Alserbachstraße 18/7. OG, 1090 Wien
Medialer Wandel: Fernsehprogramm 10. April 1962
•
Es gibt einen TV-Kanal
•
Sendebeginn unter der Woche:
19 Uhr 30; Sendeschluss: 22 Uhr
Hauptabendprogramm ist ein
„deutsches Fernsehspiel“
Fernsehspiel = Hörspiel im Form
eines Theaters, das für die
Wiedergabe im TV bestimmt ist.
Das Paradies von Pont L´Eveque
(Johannes Hendrich)
"Zugluft pfeift durch jede Ritze
diesen hier reisst es vom Sitze.
Jener aber macht ihm klar,
dass das gar nicht nötig war.
TESA-Moll ins Fenster kleben
und behaglich weiterleben."
(Kurzfilmmosaik)
•
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Wandel Kommunikation: Sprachgebrauch April 1962
•
Austria Wien stellt einen
neuen Stürmer vor: Jacare
kommt aus Brasilien
•
Der dunkelhäutige Brasilianer
wird in verschiedenen
Zeitungsartikel ohne Scheu als
„Neger“ bezeichnet.
•
Heute wird in sprach- und
kulturwissenschaftlichen
Aufsätzen das Wort selbst dann
nicht mehr verwendet, wenn es
lediglich Gegenstand der
wissenschaftlichen Reflexion
ist. Um es zu vermeiden,
verwendet man den Platzhalter
„das N-Wort“.
Einführung in das soziologische Denken
Was ist Aufklärung?
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner
selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das
Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung einer
anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese
Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am
Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und
des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu
bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen
Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der
Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ei so
großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst
von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gern
zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so
leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.“
Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg, Preußen; † 12. Februar 1804 ebenda) war ein deutscher
Philosoph der Aufklärung.
Kritische und aufklärende Funktion der Soziologie
„Die erste Stufe der
Weisheit in der Soziologie
ist, dass die Dinge nicht
sind, was sie scheinen“
Peter Ludwig Berger (* 17. März 1929 in Wien) ist ein US-amerikanischer Soziologe.
Alltagswissen und Alltagsverständnis
„Herr Schmidt ist ja Alkoholiker, die 12jährige Tina flirtet mit
einem Punker, was offensichtlich in der Familie liegt, denn
die Mutter hat ja seinerzeit auch schon früh angefangen.
Der Hausmeister hat eine unsoziale Einstellung, weil er die
Kinder nicht im Rasen spielen lässt.
Für Frau Schmidt ist die die Ehe sicher eine einzige Tortur,
denn man weiß ja, dass Alkoholiker sehr labil sind, sich
nicht beherrschen können und sich so ihr Schicksaal selber
zuzuschreiben haben. Man weiß auch, dass bei Frühreifen
die Triebhaftigkeit im Blut liegt, was man durch geeignete
Erziehungsmaßnahmen sicherlich in den Griff bekommen
kann. Und der Hausmeister mag keine Kinder. Er ist ja
schließlich im ganzen Viertel als Kinderschreck bekannt.“
Hans Peter Henecka, auch HP Henecka, (* 3. April 1941 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.
Aus der Perspektive der Soziologie betrachtet
„Alkoholismus ist weniger ein individuelles als ein
gesellschaftliches Problem, insofern er besonders häufig in
Gesellschaften vorkommt, die den Alkoholkonsum als
Zeichen der Männlichkeit und Lebensfreude ansehen oder
auch als Seelentröster und Konfliktlöser empfehlen.“
Persönlichkeitseigenschaften und bestimmte
Ausdrucksformen des Protests (z.B. Aggression), bilden
sich eigentlich erst im Anschluss an ganz bestimmte
Erfahrungen und Erlebnisse im zwischenmenschlichen
Beziehungsfeldern.
Der unsoziale Hausmeister könnte auch nur Symbol und
Folge von einer mangelhafte Wohnungspolitik für Familien
oder kinderfeindliche Leitbilder von Architekten,
Baugesellschaften und Raumplanern sein.
Hans Peter Henecka, auch HP Henecka, (* 3. April 1941 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.
Das „Wesen“ der Soziologie
„Während aber der Philosoph nach dem
„Wesen“ des Menschen fragt, der Theologe
den Menschen im Zusammenhang mit einem
letzten Prinzip (Gott) zu verstehen versucht
oder der Psychologe sich auf die
Bewusstseinsstrukturen des Menschen
konzentriert, interessiert sich der Soziologe
für das „Zwischenmenschliche“, für das
soziale Beziehungsgefüge und wechselseitige
Orientierungsmuster, das ganz verschiedene
Individuen ziel- und zweckgerichtet
miteinander handeln lässt.“
Hans Peter Henecka, auch HP Henecka, (* 3. April 1941 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.
Strukturen soziologischen Denkens und Forschens
Soziologie ist die Wissenschaft vom sozialen Handeln
und zwischenmenschlichen Verhalten
Soziologie ist die Wissenschaft von den sozialen
Institutionen und Organisationen
Soziologie ist die Wissenschaft von der
Gesamtgesellschaft und deren Stabilität und Wandel
Soziologie ist die Wissenschaft von den Ideen über die
Gesellschaft und der Sozialkritik
Hans Peter Henecka, auch HP Henecka, (* 3. April 1941 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.
Austauschprozesse des „sozialen Wesens“ Mensch
Mesoebene: Einfluss von
sozialen Organisationen
(Kirche, Parteien,
Verbände)
Makroebene: Einfluss der
Gesellschaft und der
Kultur (Milieus, Klassen,
Schichten)
Mikroebene: Einfluss
von Kleingruppen
(Peer Group, Familie
etc.)
Mensch als soziales
Wesen
Hans Peter Henecka, auch HP Henecka, (* 3. April 1941 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.
Metaebene: Einfluss von
Gesellschaft und Kultur
konstituierende Ideen
(Liberalismus,
Sozialismus)
Strukturen Soziologischen Denkens und Forschens
Mikrosoziologie: Grundbedingungen und Grundformen
sozialen Handelns und Verhaltens; Aneignung und
Auseinandersetzung des Individuums mit Kultur,
gesellschaftlichen Rollen und Normen (Behaviorismus,
Verstehende Soziologie)
Mesosoziologie: Zweckorientierte und planmäßige Strukturen
und Prozesse in Organisationen und informelle Dynamiken
(Kirche, Parteien Verbände, Unternehmen)
Makrosoziologie: Analyse großer sozialer Einheiten und
umfassender sozialer Prozesse; Gesellschaftssysteme;
Stände, Kasten, Klassen, Schichten, Milieus (z.B.
marxistische Soziologie, Systemtheorie)
Soziologische Meta-Ebene: Normen und Werte; ideologischer
Überbau ( z.B. Wissenssoziologie)
Hans Peter Henecka, auch HP Henecka, (* 3. April 1941 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.
Typen des sozialen Handelns
Zweckrationales Handeln: Zweck des
Handelns wird gegenüber den Mitteln
vernunftmäßig abgewogen
Wertrationales Handeln: Handeln wird von
einem irrational gesetzten Wert bestimmt
Affektuelles Handeln: Ziel und Verlauf des
Handelns sind von Gefühlen und
Stimmungen abhängig
Traditionelles Handeln: Handeln beruht auf
Gewohnheiten und irrationalen
Überlieferungen
Gesinnungs- und Verantwortungsethik.
Orientierung am Ergebnis und dessen
Verantwortbarkeit oder an Motiv und
Absicht – Ziel ist gute Balance
Maximilian Carl Emil Weber (* 21. April 1864 in Erfurt; † 14. Juni 1920 in München) war ein deutscher
Soziologe, Jurist, National- und Sozialökonom.
Margaret Mead: Sozialisation und Kulturrelativismus
Was für natürlich gehalten wird, ist oft kulturelle
Prägung, d.h. durch Sozialisation bestimmt
Ethnologische Untersuchungen unter Stämmen auf
Neuguinea:
Tchambuli: Rollen von Mann und Frau vertauscht.
Frauen sind aktiv, sachlich, planend und „herrisch“,
ernähren die Familie; Männer: Kostüme, Malerei, Tanz,
Gestaltung von Festlichkeiten
Arapesh: Männer und Frauen haben sanfte
Persönlichkeitsstruktur (altruistisch)
Mundugumor: rücksichtslos, egoistisch, ehrgeizig,
gewalttätig, aggressiv
Grund: Unterschiedliche Sozialisation: Arapeh-Kinder
erfahren freundliche, bejahende Umwelt, für die Kinder
der Mundugur ist die Umwelt ein permanenter
Kampfplatz
Margaret Mead (* 16. Dezember 1901 in Philadelphia, Pennsylvania; † 15. November 1978 in New York) war
eine US-amerikanische Ethnologin.
Gemeinschaft und Gesellschaft
Gemeinschaft: gefühlsmäßige Zusammengehörigkeit:
Mitglieder einer Gemeinschaft sind füreinander da,
bedeuten einander etwas, helfen einander in der Not.
Ursprüngliche Form des menschlichen
Zusammenlebens; kleine überschaubare Einheiten wie
Familie, Nachbarschaft, Dorf
Gesellschaft: Verbindung, um in egoistischer Absicht
gewisse Ziele zu verfolgen, bestimmte
Tauschinteressen möglichst vorteilhaft durchzusetzen.
„Keiner wird für den anderen etwas tun oder leisten,
keiner dem anderen etwas gönnen und geben wollen,
es sei denn um einer Gegenleistung oder Gegengabe
illen, welche er seinem Gegebenen wenigstens gleich
achtet.“ Gesellschaft repräsentiert Lebensbedingungen
in industriellen und postindustriellen Kontexten:
Großstadt, Betriebe, Organisationen, moderner Staat
Ferdinand Tönnies (* 26. Juli 1855 bei Oldenswort; † 9. April 1936 in Kiel) war Soziologe, Nationalökonom
und Philosoph.
Posttraditionale Formen der Vergemeinschaftung
"Der individualisierte Mensch bevorzugt schwache Bindungen.“
•Individualistische Identität mit dem
Eingehen „starke Bindungen“ häufig
unvereinbar
•Bindungslose Flexibilität (Richard
Sennett)
•Schwache Bindungen: Herausbildung von
so genannten „Posttraditionellen Formen
der Vergemeinschaftung“
•Vergemeinschaftung als ästhetisches
Prinzip?
Ronald Hitzler (* 4. März 1950 in Königsbronn in BadenWürttemberg) ist ein deutscher Soziologe.
Ronald Hitzler, Thomas Bucher, Arne
Niederbacher: Leben in Szenen. Formen
jugendlicher Vergemeinschaftung heute. VS
Verlag für Sozialwissenschaften
(Wiesbaden) 2005. 2., aktualisierte Auflage.
Jugendszenen als schwach gebundene Netzwerke
Die Jugend bevorzugt
schwache Bindungen
• Individualismus mit starken Bindungen
schwer zu vereinbaren
• „Bindungslose Flexibilität“ (Sennett)
• Posttraditionelle Formen der
Vergemeinschaftung
• Thematische Netzwerke mit kollektiver
Form der Stilbildung
• Geht es in den Szenen vor allem um
Äußerlichkeiten?
Ronald Hitzler (* 4. März 1950 in Königsbronn in BadenWürttemberg) ist ein deutscher Soziologe.
Definition Jugendszenen
Szenen sind thematisch fokussierte Netzwerke
von Personen, die bestimmte materielle
und/oder mentale Formen der kollektiven
Stilisierung teilen und Gemeinsamkeiten an
typischen Orten und zu typischen Zeiten
interaktiv stilisieren und weiterentwickeln
Ronald Hitzler (* 4. März 1950 in Königsbronn in BadenWürttemberg) ist ein deutscher Soziologe.
Angesagte
Jugendszenen
Szenenlandschaft
Österreichin Österreich: 2010
Jugendszenen in Österreich
Welche der folgenden Szenen ist in Österreich gerade angesagt?
Angaben in Prozent
Fitness
Beachvolleyball
Fußball
Com puterszene
House
Mountainbike
HipHop
Skateboard
Ökos/Alternative
Techno
Snow board
Metal/Rocker
Em o-Szene
Inline-Skater
Krocha/Styler
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
Jugendstudie „timescout“ Österreich 2010, n=900, Altersgruppe: 11 bis 29 Jahre
Szenenlandschaft Österreich
Jugendszenen in Österreich
Welchen der folgenden Szenen fühlst Du Dich zugehörig?
Angaben in Prozent
Fitness
Computerszene
Fußball
House
Mountainbike
Beachvolleyball
Ökos/Alternative
Snowboard
HipHop
Inline-Skater
0
5
10
15
20
25
Jugendstudie „timescout“ Österreich 2010, n=900, Altersgruppe: 11 bis 29 Jahre
Szenenlandschaft Österreich
Jugendszenen in Österreich
Welchen der folgenden Szenen fühlst Du Dich zugehörig?
Angaben in Prozent
Weiblich
Männlich
Fitness
Computerszene
Fußball
House
Mountainbike
Beachvolleyball
Ökos/Alternative
Snowboard
HipHop
Inline-Skater
0
5
10
15
20
25
30
Jugendstudie „timescout“ Österreich 2010, n=900, Altersgruppe: 11 bis 29 Jahre
Tecktoniks: Neuer „Prolo-Stolz“
Style: Schirmkappen (Neonfarben ohne Logos; Van Dutch; Ed Hardy);
Marken: Lacoste, Adidas (Schuhe), Dolce & Gabbana, Palitücher, De Puta Madre; T-ShirtAufdrucke: „cock of the year“, „italian boy; Solariumsbräune
Sprachcode: „Kroch ma eine in die Schicht!“, „Bam oida“, „Patienten“
(Nachschichtgänger)
Musik: Schranz (Tektonics distanzieren sich von Gabba-Techno); Tanzstil: Jumpstyle
(http://www.youtube.com/watch?v=wlALUel5e6w, http://www.youtube.com/watch?v=TxQAgZIo-Ds)
mehr auf youtube & www.krocha.at
Die Hierarchien der Styler
„Wenn man die Musik hört
wird man einfach zu dem –
zumindest war‘s bei mir so“.
Millennium
Club Culture
„Von der Politik halten wir nicht viel: weil da
geht ja gar nichts weiter ...“
Nachtwerk
„Die Ausländer sind
im Nachtwerk. Die
nennen sich Styler.“
Die Emos: Teenager der Mittelschicht
Dresscode: schwarz gefärbter Pony,
Seitenscheitel, Röhrenjeans, enge T-Shirts,
Schweißbänder, Buttons, Sportschuhe, dunkel
geschminkte Augen, Nietengürtel.
Farben: schwarz kombiniert mit rot und pink.
Karomuster. Mix von niedlichen Dingen
(z.B. Hello Kitty-Accessoirs) und Düsterem
(Totenköpfe)
Marken: Converse, Vans (Schuhe)
Musikstil: „emotional Hardcore“ – Wechsel im Gesang
(Clean und Schreien), im Tempo und der Lautstärke;
melodiöse und komplizierte Gitarren-Riffs; emotionale
Texte, in denen es um Liebe, Trauer, Verzweiflung aber
auch oft andere Alltagsprobleme geht; weniger politisch
als andere mit Punk assoziierte Genres.
Acts: Sleepytime Tria, Senses Fail, boysetfire
Der Mensch als des Menschen Wolf: „Why I am
Leaving Goldman Sachs“
Die Diktatur der „äußeren Güter“ in der Warengesellschaft
• Alasdair MacIntyre unterscheidet zwischen äußeren
•
•
•
•
Gütern und inhärenten Gütern
Man kann Schach spielen, um äußerliche Güter zu
erreichen (Geld, Ansehen etc.) oder wegen Gütern, die
aus dem Schachspiel selbst erwachsen (analytisches
Geschick, strategische Vorstellungskraft etc.)
Inhärente Güter sind nur zu erreichen, wenn es uns
um die Sache selbst geht….
… und wenn wir uns in Gemeinschaften (nicht
zweckrationale Interessensgemeinschaften)
einordnen und uns den Gemeinschaftsmitgliedern
gegenüber moralisch (ehrlich, gerecht) verhalten.
Orientierung auf äußere Güter befördern Betrug und
Korruption
Alasdair MacIntyre (geb. 1929): Schottisch- amerikanischer Philosoph, Tugendethiker
„Homo homini lupus“
„Und
in jeder Gesellschaft, die nur äußere Güter kennt,
wäre Konkurrenz das beherrschende und sogar
ausschließliche Merkmal. Wir besitzen eine bestechende
Schilderung einer solchen Gesellschaft in Hobbes´
Darstellung des Zustandes der Natur (…).“
(Alasdair MacIntyre: Der Verlust der Tugend)
„Es ist unleugbar, daß Krieg der natürliche Zustand der
Menschen war, bevor die Gesellschaft gebildet wurde,
und zwar nicht einfach der Krieg, sondern der Krieg aller
gegen alle.“ (Thomas Hobbes)
Alasdair MacIntyre (geb. 1929): schottisch-amerikanischer Philosoph, Tugendethiker
Thomas Hobbes (1588 – 1879): Philosoph und Staatstheoretiker
Why I Am Leaving Goldman Sachs
• Greg Smith, zwölf Jahre lang Geldhändler bei
•
•
•
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•
Goldman Sachs veröffentlicht sein
Kündigungsschreiben in der „New York Times“.
Kunden heißen dort intern „Muppets“ – kauzig,
weich und manipulierbar.
Man rühmt sich intern, wer schlichten Gemütern
Hochrisikoprodukte aufschatzt, wer den Kollegen an
Ruchlosigkeit übertrifft.
Firma spekuliert gegen die Produkte, die sie ihren
Kunden empfiehlt.
Smith beschreibt eine Firma, in der statt einer Kultur
der Verantwortung nur noch kriminelle Energie
honoriert wird.
„How did we get here? The firm changed the way it
thought about leadership. Leadership used to be about
ideas, setting an example and doing the right thing.
Today, if you make enough money for the firm (and are
not currently an ax murderer) you will be promoted into a
position of influence.“
Greg Smith is resigning today (March 14, 2012) as a Goldman Sachs executive director and head of
the firm’s United States equity derivatives business in Europe, the Middle East and Africa.
Die Jugend: Definition und ihr Einfluss auf die
Geselslchaft
Definition der Zielgruppe „Jugend“
„Die Jugendphase dehnt
sich aus. Es gibt immer mehr
Menschen, die von
jugendkulturellen Stilistiken
beeinflusst sind.“
• Die Jugendphase beginnt früher (Verschwinden der Kindheit) und
endet immer später (Juvenilisierung / Infantilisierung der Gesellschaft).
• Phasen: Frühe Jugend, Adoleszent, Postadoleszenz (Zeitspanne: 10 bis 35 Jahre)
• Entstrukturierung der Jugendphase: Es gibt keine vorgegebenen Muster, keine
Vorbilder mehr. Die (post-)moderne Jugend ist ein buntes Gemisch an
Lebensentwürfen, Lebenswelten und Lebenslagen.
Juvenilisierung der Alltagskultur
„Die jungen Zielgruppen verfügen über
die kulturelle (symbolische)
Meinungsführerschaft “
• Präfigurative Kultur: „Die Wege, die uns in die
•
Gegenwart geführt haben, sind nicht mehr gangbar
und werden nie mehr begehbar sein.“
In einer solchen Kultur lernen die Alten von den
Jungen. Die Jungen kommt die Aufgabe zu, die
Älteren bei der Hand nehmen und ihnen den Weg ins
Unbekannte weisen.
Margaret Mead (1901 – 1978), amerikanische Anthropologin und
Ethnologin: Der Konflikt der Generationen. Jugend ohne Vorbild.
Postmoderne: Jugend als eigenständige Existenzform
• 1950er und 1960er Jahre: Integratives
•
•
Paradigma (Eisenstadt) –
Altershomogene Beziehungen als
systemfunktionale Notwendigkeit
1960er bis 1980er Jahre: Paradigma der
Gegenkultur (Cultural Studies) –
Jugendliche machen sich in ihren
Milieus nicht fit für den Einstieg
sondern für den Ausstieg
1990er Jahre bis zur Gegenwart:
Eigenständige Existenzform, die sich
nicht gegen andere Existenzformen
richtet – Langfristige Existenzform:
jugendliche im Habitus und
erwachsen im Geltungsanspruch
Gerhard Schulze (* 1944): Deutscher Soziologe.
Autor der „Erlebnisgesellschaft“
Das 40igste Lebensjahr: Grenzen der Juvenilität
• Vierzigstes Lebensjahr als Grenzzone zwischen
•
•
•
•
den Altersgruppen
Werte der Jugendlichkeit: Erlebnishunger,
Abwechslungsbedürfnis, Offenheit für unerwartete
Situationen, Expressivität
Kognitive Entwicklung: immer unausweichlicher
wird die Erkenntnis, das die subjektive Zukunft
kürzer sind wird, als die subjektive Vergangenheit
Physiologische Entwicklung: Erscheinungsbild
evidenter Jugendlichkeit geht verloren
„Der Spielraum sozialer Definitionen von „jünger“
und „älter“ hat in den Jahren um die Lebensmitte
eine Obergrenze. Es ist ein sozialhistorisch neues
Faktum, dass dieser Spielraum tatsächlich bis zur
Grenze ausgenutzt wird.“ (Erlebnisgesellschaft/ 371)
Gerhard Schulze (* 1944): Deutscher Soziologe.
Autor der „Erlebnisgesellschaft“
Die Weisheit des Alters – ein Irrtum?
„Allgemein neigen Tiere zum kumulativen Lernen
durch Erfahrung. Der alte Elephant ist der weiseste
der Herde. Dieser Selektionsprozeß funktioniert beim
Menschen nicht immer. Manchmal ist Weisheit in der
Tat eine Eigenschaft des Alters, öfter jedoch ist dieses
über das durchschnittliche Maß hinaus voll von
Aberglauben, falschen Vorstellungen und
unvernünftigen Dogmen. Man möchte die Vermutung
wagen, dass beim Menschen irrige Identifizierungen
in Worte konserviert werden, wodurch sie – anders
als es bei Katzen und Elephanten der Fall ist –der
ständigen Anpassungskontrolle durch die Umgebung
entzogen sind ….“ (Stuart Chase: The Tyranny of
Words)
Jugendkulturen
Die Szenen und Milieus der Jugend
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Bernhard Heinzlmaier
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Institut für Jugendkulturforschung, Alserbachstraße 18/7. OG, 1090 Wien
Gesellschaftliches Sein und Bewusstsein
• sozioökonomische Lebensbedingungen
(Einkommen, Bildung etc.) werden in der
Alltagswelt der modernen Gesellschaft in sehr
unterschiedlichen ästhetisch-stilistischen
Inszenierungen wirksam, sichtbar und erfahrbar.
• Gleiche sozioökonomische
Lebensbedingungen können ungleiche
Lebensstile produzieren
• Alltagshandeln nicht nur von demographischen
Merkmalen, sondern auch von kulturellen
Bedingungen und milieuspezifischen Werthaltungen
geprägt
• Soziale Milieus = Zusammenfassung von
Menschen mit ähnlichen Lebensauffassungen und
Lebensweisen
Was sind die Sinus Milieus?
• Menschen und Verbrauchersegmente mit
ähnlichen Auffassungen, Lebens-, Konsum- und
Arbeitsweisen
• Gruppierung nach Werten (Familie, Politik,
Religion etc.), Lebensstil, Geschmack,
Kommunikation, Wohnen und Arbeiten
• Werden seit den 1980er Jahren regelmäßig
durchgeführt
• Je höher ein Milieu angesiedelt ist, desto
gehobener sind Bildung, Einkommen und
Stellung in der Berufshierarchie
• Je weiter rechts ein Milieu positioniert ist, desto
moderner ist die Grundorientierung und
Werthaltung
Sinus-Milieus 2011 – Relative Autonomie der Werte
Österreicher werden meist in
Alte und Junge, Arme und Reiche,
sowie Männer und Frauen in
Zielgruppen unterteilt.
Die internationale Sinus MilieuForschung geht einige Schritte
weiter und zeichnet ein Bild der
Gesellschaft nach ihren
Wertorientierungen und
Lebenseinstellungen.
Die aktuellen Ergebnisse für
Österreich zeigen, dass sich die
Gruppen seit der letzten Befragung
im Jahr 2001 deutlich verändert
haben.
Sinus-Milieus 2011
Der ehemals dominierenden
Gruppe der bürgerlichen Mitte
gehören aktuell nur noch 15
Prozent bzw. 1,1 Millionen
Österreicher an. Damit ist die
Gruppe des leistungs- und
anpassungsbereiten
Mainstreams seit der letzten
Erhebung im Jahr 2001 um ein
Fünftel geschrumpft. Das Milieu
hat mehr Ängste und Sorgen als
früher und fühlen sich vom sozialen
Abstieg bedroht.
Am aufsteigenden Ast sind die
"digitalen Individualisten", die
bereits 6 Prozent ausmacht. Durch
den Internet-Boom wird die Gruppe
mit einem Durchschnittsalter von 26
Jahren auch in Zukunft weiter
rasant anwachsen.
Sinus-Milieus 2011
Wie die digitalen Individualisten sind die
Performer fest in der digitalen Welt
verankert, die eine leistungsorientierte
Elite bilden und neun Prozent der
Bevölkerung ausmachen.
Auf der anderen Seite gehen
die konservativere Gruppen
zusehends zurück, obwohl das
"traditionelle Milieu" mit 15 Prozent
noch stark vertreten ist, ist das
"Ländliche Milieu", das 2001 noch
sieben Prozent ausmachte,
beispielsweise heute kaum noch
anzutreffen.
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Abgrenzung der gesellschaftlichen Mitte
nach unten
Nicht lange rumtrödeln, flexibel sein und
den richtigen Zeitpunkt für die
Familienplanung erwischen
(Beschleunigung,Konventionalismus)
Subjektiver Optimismus – „Ich werde
erreichen was ich mir vornehme
(Ausnahme: die Prekären)
Expeditive und Experimentalisten –
starke Orientierung an
Selbstverwirklichung (Autonomie)
Sozialökologische und KonservativBürgerliche – Verantwortung und
Gemeinwohlorientierung
(Heteronomie)
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die Prekären schämen sich oft für
die soziale Stellung ihrer Eltern.
Nehmen sich als ausgegrenzt und
benachteiligt war
Ihnen fehlt das Geld, um mangelnde
Teilhabe durch Konsum zu
kompensieren.
Das Leben ein ständiger Kampf unter
ungerechten Bedingungen
Sozialer Aufstieg wird über
Bildungsinstitutionen nicht erwartet
Freizeitorientierung und
„Spannungsschema“, gleichzeitig
aber auch Passivität und Lethargie
(vgl. die Arbeitslosen von Marienthal)
Politisch Desillusioniert
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die materialistischen Hedonisten
setzen vor allem auf Konsum und
wollen sich nicht kontrollieren lassen.
Sie wollen keine Autoritäten
akzeptieren (Rebellentum) und streben
nach einem "gechillten Leben".
Oper, Theater, klassische Musik - die
Hochkultur insgesamt lehnen sie ab.
"Geld macht jeden glücklich“, lautet ihr
Lebensmotto. (Materialismus)
Ausgeprägte Freizeitorientierung mit
markenbewussten Konsumwünschen
Traditionelle Rollenbilder, traditionelle
Familienkonzepte (Konventionalismus)
Politisch stark an rechts-populistischen
Konzeptionen ausgerichtet
Orientierung am „Spannungsschema“
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die experimentalistischen
Hedonisten wollen ihr Leben
einfach genießen und
möglichst kreativ gestalten.
Sie distanzieren sich vom
Mainstream, sie sind die
Reserve der Subkultur.
Lebensmotto: "Ich lasse mir
von niemandem sagen, wie ich
mein Leben leben soll, bisher
hat es auch ganz gut geklappt."
Freizeitorientierung,
Spannungsschema aber
posttradtionelle Werte und
Vergemeinschaftungspraxen
Politik: Wenig Interesse
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die Adaptiv-Pragmatischen sind
so etwas wie die angepassten
Neo-Spießer.
Sie orientieren sich am
Machbaren, planen voraus, und
streben nach dem Wohlstand im
Kleinen (Haus, Auto, Urlaub etc.)
Eher am Status Quo ausgerichtet.
Alles soll am besten so bleiben wie
es ist – Veränderungen machen
Angst.
Statusbewusst: Auf andere, die
weniger leistungsbereit und
erfolgreich sind, schauen sie gerne
herab.
Problem: Den sozialen Status der
Eltern halten
Politik: Traditionelle Parteien der
politischen Mitte
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die Sozialökologischen sind die,
die sich am ehesten engagieren und
andere von ihren Ansichten
überzeugen wollen
Materialismus und Konsum sehen
sie kritisch. "Ohne Geld würde
unsere Welt viel schöner aussehen",
sagen Jugendliche dieser Gruppe
häufig
Postmaterialistische Werthaltung:
Ideen zählen mehr als Geld
Handeln auf Gemeinschaft und
Gesellschaft gerichtet.
Im Zweifelsfall Heteronomie statt
Autonomie
Politik: Eindeutig Grüne
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die Konservativ-Bürgerlichen finden
Selbstdisziplin wichtiger als
Selbstentfaltung
Es sind die Frühvergreisten unter den
Jugendlichen. Auch sie wollen, dass sich
möglichst wenig ändert
Es geht ihnen darum, einen Platz in der
Erwachsenenwelt zu finden - der Traum ist
die "Normalbiografie„
Traditionsorientierung – die Biographie der
Eltern soll wiederholt werden. Kein
Rebellentum.
Traditionelle Geschlechterrollen und
Lebensstile, hohe Anpassungsbereitschaft
Elitenbewusstsein
Zunehmende Mitleidslosigkeit und
Intoleranz. (vgl. Heitmeyer 2010)
Politik: ÖVP und FPÖ
Jugend - Sinus-Milieus 2012
Die Expeditiven wollen flexibel,
mobil und pragmatisch sein
Es sind die Hipster unter den
Jugendlichen, d.h. es ist für sie
wichtig die neuesten Trends zu
kennen und aufzunehmen. Der
Massengeschmack wird
verabscheut
Sie wollen etwas leisten und sich
gleichzeitig selbst verwirklichen.
Wichtig in Allem: sich von der
Masse abheben (Snobismus)
Politik: Unkonventionelle Aktionen
und Thematiken
Materialistische und experimentalistische Hedonisten
Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit
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