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traumhaus 02 I 2011
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einfamilienHaus Ulrich
Durchblicke
und Ausblicke
Die sechsköpfige Familie Ulrich baute sich an bevorzugter Lage in Langenthal ein interessantes Architektenhaus,
nachdem ihr das zuvor gemietete Doppel-Einfamilienhaus zu klein wurde. Heute hat jedes der vier Kinder sein
eigenes Zimmer. Text: Marianne Kürsteiner, Fotos: Tanya Hasler
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«Eigentlich wollte ich ursprünglich gar kein Eigenheim,
und schon gar nicht selbst bauen», verrät Christine Ulrich
lachend: «Doch die modernen Mietobjekte sind kaum für
eine Familie mit vier Kindern ausgerichtet.»
Mit der wachsenden Familie entstand der Wunsch, ein
bedürfnisgerechtes Eigenheim zu beziehen, in dem auch
jedes Kind sein eigenes Zimmer besitzt. Gefordert waren
mindestens fünf Schlafzimmer, ein Gästezimmer, Wohnund Esszimmer, zwei Bäder, ein Weinkeller, Abstellflächen
sowie ein gedeckter Autoabstellplatz für zwei Autos und
Fahrräder.
Das Haus sollte in Langenthal stehen, wo Urs Ulrich seine
pneumologische Praxis aufgebaut hatte.
Auf die Bedürfnisse zugeschnitten
Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt stiessen
Ulrichs zufälligerweise auf Bauland. Der Eigentümer be-
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sass ein unbebautes, lang gezogenes Stück Land, das
sich an attraktiver Hanglage am Ortsrand befand. Das
3000 m² grosse Grundstück wurde in drei Teile à je
1000 m² aufgeteilt.
Für die junge Familie war dies eine willkommene Chance, ein Haus nach ihren Bedürfnissen zu bauen. Der
Architekt war schnell gefunden. Matthias Frei hatte
bereits die Arztpraxis von Urs Ulrich zu dessen vollster
Zufriedenheit umgebaut. Der Architekt HTL war einige
Jahre auf Wanderschaft und arbeitete bei Koryphäen
wie Zaha Hadid in London und Erick van Egeraat in
Rotterdam, ist aber seit einigen Jahren wieder zurück
in Langenthal. Von hier aus gründete er zusammen mit
zwei Kölner Kollegen das in jedem Sinne grenzüberschreitende Büro BFR LAB. Die bisherigen ­A rbeiten und
Projekte sind das Ergebnis einer grossen Experimentierfreude. Strukturen, Körper, Flächen und ­R äume
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Wohn- und Eingangsbereich. Hinter dem Sofa
befindet sich der weisse
Kubus mit integriertem
Cheminée. Links im Bild
sieht man die Treppe
zum höher gelegenen
Essbereich.
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Arbeit und Vergnügen haben im neuen Zuhause gleichermassen ihren
Platz. Am grossen Esstisch finden sich neben der grossen Familie auch
öfters Gäste ein.
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Architekt Matthias Frei (links) mit Sohn und Familie Ulrich, die sich im neuen Zuhause
sichtlich wohl fühlt.
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verbinden sich zu konzeptionellen Gebilden unterschiedlicher Grössen und Formen.
So wurde auch das Einfamilienhaus der Familie Ulrich zu
einer willkommenen Herausforderung für Matthias Frei.
Die privatrechtlichen Auflagen des Grundstücks gaben
vor, dass die Gebäudeabmessungen nur eine maximale
Grösse von 12 × 12 × 8 m aufweisen durften. Städtebaulich war somit ein kubisches Volumen vorgegeben.
Christine und Urs Ulrich wünschten sich jedoch, dass
der Kubus nicht die Erscheinungsform des Gebäudes
bestimme und gleichzeitig die maximal zugelassene
Gebäudegrösse genutzt werde.
Kunst und Behaglichkeit
Während Matthias Frei den architektonischen und künstlerischen Aspekt im Visier hatte, wollten Ulrichs vor allem
ein funktionales, robustes Haus, in dem man sich wohlfühlt. Beide Aspekte wurden in der Planung berücksichtigt
und schliesslich kam man auf eine architektonische Lösung, von der alle begeistert sind. Ein Bijou von einem
Haus, in dem es sich auch gut leben lässt.
Matthias Frei musste das Haus in Berücksichtigung seiner
topografischen Lage, den Sichtbeziehungen, den Vorgaben des Richtvolumens sowie aufgrund des detaillierten
Raumprogramms gestalten. Von aussen präsentiert sich
das Haus in zweiteiliger, kompakter Gestalt mit einem
dunkelgrauen Sockel und einer weissen, den Charakter
des Hauses betonenden Umrandung. Diese umklammert
die privaten Räume der oberen Geschosse, während sich
der Sockel mit dem Terrain verschränkt. «Wir mussten in
die Höhe bauen, auf einer Ebene wäre das Raumprogramm nicht realisierbar gewesen. So haben die Kinder
auch genügend Platz und unterschiedliche Orte zum
Spielen, sowohl drinnen wie draussen.»
Die verschiedenen Höhen der Aussenfläche verbinden
sich galant mit dem Inneren des Hauses. Dabei wirkt der
Baukörper nicht zu dominant auf die Nachbargebäude.
Zugänge
Über einen rampenähnlichen Fussweg gelangt man zum
Haupteingang, der direkt in den Wohnbereich führt. Ein
weisser Kubus zwischen Eingang und Salon umschliesst
das Gäste-WC, dessen Türe diskret auf der Rückseite
angebracht ist, während die zum Salon gerichtete Seite
das Cheminée umfasst. Ein Niveau höher als der Wohnbereich, nämlich + 0,90 m, liegen der Essbereich und die
Küche, wobei der Holzboden aus Eiche über beide Bereiche führt und eine Einheit bildet. Der Wohnraum verbindet
sich über eine Terrasse mit dem östlichen Teil des Grundstücks, während der Ess- und Küchenbereich bei der
zweiten, teilweise gedeckten Terrasse mit grosszügiger
Aussenfläche im Westen angesiedelt ist.
Die Familienmitglieder gelangen allerdings meist über den
Velo- und Autoabstellplatz im Untergeschoss ins Haus.
Vom Strassenniveau senkt sich eine breite Rampe auf das
Niveau des Untergeschosses hinab. Der Vorplatz dient
gleichzeitig auch als Velo-Übungsplatz für die Kleinste in
der Familie sowie als Street-Hockey-Platz. Über die Eingangstür im Untergeschoss kommt man in einen Korridor,
der zum Gästezimmer, zu den Kellerräumlichkeiten und
zur Garderobe weist. Der Garderobenschrank ist eine
Spezialanfertigung, das heisst, jedes der Kinder verfügt
über eine grosszügige Schublade, wo Schülertheck, Kleider, Schuhe usw. verstaut werden können. So sieht es bei
der Familie Ulrich immer schön aufgeräumt auf. Eine Treppe führt von der Garderobe wiederum zum Wohnraum
und zum erhöhten Essbereich.
Visuell verbunden
Ein grosser hölzerner Esstisch dominiert diesen Ort. Von
hier aus sieht man durch eine Glasfront in die obere Etage
der Knabenzimmer. Im Haus begegnet man vielen Durchblicken und Ausblicken, und zwar sowohl horizontalen wie
vertikalen, aber auch diagonalen. So werden die verschiedenen Ebenen visuell und räumlich miteinander verbunden: die Räume fliessen über die verschiedenen Ebenen
ineinander und verbinden sich mit dem Aussenraum.
«Die Durchblicke waren eine Idee des Architekten. Wir
wollten keine zu grossen Ebenen, sondern eher kleinere
Einheiten, so hat er diese verschiedenen Ebenen geschaffen und mit den Durchblicken erreicht, dass die verschiedenen Bereiche nicht verschlossen wirken», ergänzt
Christine Ulrich.
Von der Knaben-Etage (auf 2,80 m) hat man wiederum
einen Blick auf die höher gelegene Etage (auf 3,85 m) mit
Balustrade, wo sich das Elternschlafzimmer und das
Mädchenzimmer befinden. Das Eltern-Schlafzimmer hat
ein geschosshohes Fenster mit Blick über Langenthal bis
zum Jura-Gebirge.
Auf die Frage, welches für sie die grösste Herausforderung
als Bauherrin war, antwortet Christine Ulrich, dies wäre die
Materialauswahl gewesen. «Wir wollten Materialien, die
zusammenpassen und harmonieren. Dabei sollten sie
Behaglichkeit ausdrücken und doch modern wirken. Die
Auswahl an Materialien ist ja riesig und nimmt viel Zeit in
Anspruch.»
Zwei Hauptmaterialien bestimmen nun die Innenräume:
das Weiss des Putzes von Wänden und Decken und das
kräftige, warme Eichenholz von Böden, Podesten und
Treppenstufen. «Uns war wichtig, dass es ein robuster,
dicker Holzboden sein soll». Als Kontrast dazu fügte der
Architekt immer wieder punktuell Farbtupfer ein. Angefangen von der Garderobe im Untergeschoss bis hin zur
Dusche im Obergeschoss, wurde ein kräftiges Grün verwendet. Zuoberst beim Elternbad wurde ein Blau für die
Dusche gewählt. «Die Planungsphase verlief wie am
Schnürchen. Auf den Termin genau wurde das Haus fertiggestellt», schwärmt die Bauherrin.
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Matthias Frei
BFR LAB
Farbgasse 49
4900 Langenthal
Tel. 062 544 65 30
[email protected]
www.bfrlab.com
Welches waren für Sie die grössten Herausforderungen bei der Planung dieses Hauses ?
Die privatrechtlichen Auflagen auf dem Grundstück haben
ein maximales Gebäudevolumen von 12 × 12 × 8 Metern
vorgeschrieben. Zusammen mit dem Raumprogramm,
dass eine grösstmögliche Ausnützung zur Folge hatte, war
es eine grosse Herausforderung, nicht nur einen quadratischen Kubus zu entwickeln.
Längsschnitt
Was waren die architektonischen Highlights ?
Das Einfamilienhaus mit seiner Split-Level-Typologie ist als
ein Gebäude entwickelt worden, welches sich mit verschiedenen Arten von Durchblicken und Ausblicken beschäftigt: die zum einen horizontale und vertikale, aber
auch diagonale Durchblicke durch das Gebäude zulässt.
So werden die verschiedenen Ebenen visuell und räumlich
miteinander verbunden: die Räume fliessen über die verschiedenen Ebenen ineinander und verbinden sich mit
dem Aussenraum.
Querschnitt
Wie würden Sie ihren Architekturstil beschreiben ?
Bei jedem Projekt wird immer wieder aufs Neue eine innovative Lösung gesucht, ohne von einer a priori vorgegebenen Architektursprache / einem Stil auszugehen.
Technische Angaben
Obergeschoss
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Erdgeschoss
Konstruktion: Wände UG: Beton |
Wände EG: Beton/Backstein | Wände
OG: Beton/Backstein | Isolation: EPS |
Fassade: organisch gebundener Putz
Raumangebot: 7,5 Zimmer | Umbauter
Raum nach SIA-Norm: 1200 m³ |
Nettogeschossfläche SIA-Norm 416:
335 m² | Erdgeschoss Brutto 100 m² |
Obergeschoss Brutto 136 m² | Untergeschoss Brutto 166 m² Ausbau: Wandbeläge: Putz | Bodenbeläge: ge­räucherte
Eiche/Lino | Decken: Weissputz | Türen:
Blockfuttertüren | Fenster: Holz/Metall,
Dreifach-Isolierglas Technik: Heizssystem: Luft/Wasser-Wärmepumpe;
Bodenheizung, Minergie-Standard mit
kontrollierter Lüftung
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